Montag, 27. April 2015
Halbmarathon Gifhorn 2015-04-26
Aus Rücksicht auf meine Gesundheit habe ich schweren Herzens auf eine Teilnahme verzichtet.
Montag, 20. April 2015
Halbmarathon Hannover 2015-04-19
Der einhundertunddreizehnte Halbmarathon meines Lebens.
Der 25. Hannover-Marathon.
Der Hannover-Marathon gehört für mich zu den Pflichtveranstaltungen. Er findet jedes Jahr im April oder Mai statt und ich hatte hier seit 2010 immer den Halbmarathon absolviert. Zur 25. Auflage hatte der Hauptsponsor gewechselt. Bei diesem handelte es sich nicht mehr um TUI, sondern um HAJ. Schon seit einiger Zeit hatte ich hier einmal den kompletten Marathon absolvieren wollen, aber gerade im April gibt es zu viele andere Veranstaltungen, denen ich in dann jeweils den Vorzug gegeben hatte. Im Frühjahr 2013 war ich den Hamburg-Marathon gelaufen, im Frühjahr 2014 den Marathon an der Deutschen Weinstraße und dieses Jahr den Marathon in Rotterdam. Ich hatte mir jedoch fest vorgenommen, mich sofort nach dem heutigen Rennen für die Marathon-Auflage 2016 anzumelden, da ich aus Erfahrung wusste, dass das Datum in den Startunterlagen bekanntgegeben werden würde.
Leider war ich gesundheitlich wieder angeschlagen. Es war offenbar doch nicht so gut gewesen, am letzten Wochenende trotz Erkältung einen ganzen Marathon zu absolvieren. Seit Donnerstag hatte ich wieder mit einem Kratzen im Hals und einem verstärkten Nasenlaufen zu kämpfen. Als ich an diesem Sonntagmorgen um kurz nach sechs Uhr aufstand, war mir klar, dass ich heute nicht Vollgas würde geben können. Ich duschte, frühstückte und packte meine Tasche. Meine Läuferkleidung hatte ich bereits unter meiner Kleidung an, denn in Hannover sollte mir weniger Zeit bleiben als in den Vorjahren. Während der Start des Marathons auf neun Uhr gelegt war, sollte der Halbmarathon um 10:30 Uhr beginnen.
Um kurz vor halb acht Uhr ging ich aus dem Haus. Es war relativ kühl und noch ziemlich bewölkt. Ich nahm die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo ich von einem Mann angesprochen wurde, der die Nacht in Bremen verbracht hatte und nun nach Verden wollte. Unser Weg war also erst einmal der gleiche. Wir nahmen die Nordwestbahn über den Hauptbahnhof bis nach Verden. Dort trennten wir uns. Ich ging zum anderen Bahnsteig und wartete auf den Regionalexpress nach Hannover, welcher pünktlich eintraf. Unterwegs stiegen immer mehr Halbmarathonläufe zu. Ich zog meine Kleidung aus, sodass ich nur noch die Läuferkleidung und eine Jacke anhatte.
Um 9:40 Uhr kam der Zug in Hannover an. Ich ging zur U-Bahn-Station und fuhr zwei Stationen bis zum Aegidientorplatz, dem Veranstaltungszentrum. Hier sah ich, wie gerade einige Top-Läufer des Marathons vorbeirannten. Die Startnummernausgabe war wie jedes Jahr im großen Zelt. Ich bekam den Starterbeutel, legte die Nummer an und gab die Tasche im LKW ab. Dann lief ich mich noch ein bisschen warm, ehe ich zur Startgeraden ging.
Wir schon im Vorjahr hatte ich eine Art Sonderstatus. Dank meiner schnellsten Halbmarathonzeit aus dem Jahre 2013 (damals in Paderborn, nochmals vielen Dank an die Deutsche Bahn) war ich Startblock A zugeteilt worden. Hier befand sich eine Art Elite. Der Startblock war von den Zuschauern durch Gitter getrennt, ich wurde jedoch durch eine Lücke vom Personal in Rugby-Kleidung hereingelassen. Von Startblock B trennte uns ein rot-weißes Absperrband, das auch von Helfern bewacht wurde. In diesem Startblock B waren die Läufer dichtgedrängt, während wie hier vorne richtig viel Platz hatten. Ich fühlte mich, als wäre ich in der Eisenbahn in der ersten Klasse.
Die Wolken waren inzwischen verschwunden und wir hatten strahlenden Himmel. Da ich wegen meiner Schwächung heute keine Jahresbestzeit anpeilte, sondern zwischen 90 und 95 Minuten laufen wollte, musste ich damit rechnen, von einigen Leuten überholt zu werden. Andererseits hatte ich die Möglichkeit, diesen Lauf einmal richtig zu genießen.
Um Punkt 10:30 Uhr ging es los. Die Strecke war exakt die gleiche wie im Vorjahr. Die Startgeraden, an der unzählige Zuschauer standen und Lärm machten, führte zuerst nach Westen und bog dann nach halblinks ab. Lins von uns war eine Wiese, auf der mir diesmal eine große Säule mit einem Denkmal auffiel. Es handelte sich dabei um die Waterloo-Säule. Hinter der Waterloo-Säule legten wir eine 180°-Kurve hin. Ich sah, dass ich für den ersten Kilometer weniger als viereinhalb Minuten benötigt hatte. Ich musste daher ein bisschen langsamer machen. Nach einer scharfen Rechtskurve kamen wir in eine ruhigere Straße nach Süden. Am Ende dieser Geraden war das Stadion zu sehen und der Maschsee erreicht. Jetzt wurde es wieder viel lauter. Wir liefen am Nordufer des Maschsee entlang und bogen dann nach rechts ab, um östlich des Sees entlangzulaufen. Auf dieser nun ziemlich langen Geraden wurde ich von einer großen Läufergruppe überholt, bei der es sich vermutlich um die Gruppe um den Pacemaker für die 1:30-Stundenmarke handelte.
Es ging bis Kilometer fünf geradeaus. Dann war der Maschsee zu Ende und vor uns befand sich eine hochgelegene Eisenbahnbrücke. Unter dieser waren die Marathonläufer vor eineinhalb Stunden geradeaus hindurch gelaufen, während wir nun nach links geleitet wurden. Hier befand sich auch der erste Verpflegungspunkt, wo es neben Getränken auch schon Obst gab. Ich nahm lediglich einen Becher Wasser zu mir.
Wir liefen nun ein Stückchen an der Eisenbahnbrücke entlang und bogen dann wieder links ab, sodass wir – ein bisschen rechts versetzt – wieder den Rückweg nach Norden in Richtung Zentrum antraten. Rechts von uns war die Straßenbahnlinie, an deren Stationen uns auch zahlreiche Zuschauer beobachteten.
Diese Gerade nach Norden war extrem lang und gehörte auch wieder zum Marathonkurs. Die Marathonläufer waren aber schon alle hier vorbei. Nach sieben Kilometern war wieder ein Verpflegungspunkt, wo ich bei einer Helferin meine Hände aufhielt, damit sie mir ein Stück Banane hineinlegen sollte. Sie legte mir aber gleich zwei Stücke hinein, die ich dann beide essen musste.
Weiter nördlich war dann der Aegidientorplatz erreicht, wo ich bei meiner Anreise das Führungsfeld hatte vorbeirasen sehen. Je näher wir dem Stadtzentrum kamen, desto lauter wurde es. Am Kröpcke in der Fußgängerzone legte ich eine Rechtskurve hin und kam dann zum Hauptbahnhof, vor welchem ich wieder rechts abbog. Wir waren hier von den Zuschauern durch Gitter getrennt.
Ich lief durch die Unterführung südöstlich des Hauptbahnhofs und direkt dahinter war Kilometer zehn erreicht, wo unsere Zwischenzeit gemessen wurde. Ich hatte bis jetzt etwa 43,5 Minuten benötigt, hochgerechnet war also sogar eine Zeit von unter 1:33 Stunden möglich. Nicht schlecht für meinen Gesundheitszustand. Schmerzen am Knie hatte ich überraschenderweise nicht.
Es ging nun durch einige engere Straßen und dann wurde es auch auf der Strecke enger, da das Schlussfeld des Marathons erreicht worden war. Ich hatte nun ständig zu überholen. Schließlich kam ich an einem Staffelwechselpunkt vorbei, wo viele Teilnehmer warteten, um endlich loslaufen zu können. Ich war mir vor dem Start dessen gar nicht bewusst gewesen, dass man sich den Hannover-Marathon auch mit mehreren Leuten teilen konnte. Da ich mein Trikot vom Wolfsburg-Marathon 2011 trug, feuerten mich einige Zuschauer auch mit „Volkswagen“ an.
Ich hatte schon vor Monaten erfahren, dass Matthias, den ich vor zwei Jahren beim Hamburg-Marathon kennengelernt hatte, heute den Hannover-Marathon laufen wollte. Ich versuchte, mir auszurechnen, wo ich ihn in etwa überholten würde, bekam ihn jedoch nicht zu sehen. Stattdessen folgte wieder eine der Stelle, wo die Teilnehmer durch aufgestellte Schilder darauf hingewiesen wurden, sich richtig einzuordnen. Halbmarathonis nach links, Marathonis nach rechts. Dann mussten beide Gruppen tatsächlich in die angegebene Richtung abbiegen. Ich war inzwischen seit einer Stunde mit konstanter Geschwindigkeit unterwegs und hatte keinerlei körperliche Beschwerden außer der Tatsache, dass ich ständig meine Nase leeren musste.
Kurz vor Kilometer 14 trafen wir wieder mit den Halbmarathonläufern zusammen. Wir liefen einen Halbkreis, waren allerdings durch Gitter voneinander getrennt. Hier kamen wir erneut an einem sehr gut besuchten Staffelwechselpunkt vorbei, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Auf dem nun folgenden, kurzen Abschnitt muss ich Matthias wohl überholt haben.
Als beide Felder wieder zusammentrafen, ging es unter der Bahnlinie hindurch. Wir waren nun wieder südlich der Gleise und kamen am Welfenschloss vorbei. Rechts von uns war wieder eine Straßenbahnlinie, an der Zuschauer standen, und auch links war die Rasenfläche voller Menschen, die das inzwischen leicht sommerliche Wetter genossen. Nach einer 150°-Kurve hatten wir dann zu unserer rechten Seite die Herrenhäuser Gärten. Ich konnte in diesem Park sehen, wie die Marathonteilnehmer dort entlangliefen. Ich selber legte am Ende des Parks eine 180°-Kurve hin und kam dann an den Autobahnzubringer, von dem eine Spur für uns Läufer gesperrt war. Nun trennten sich die Kurse ein letztes Mal. Die Marathonläufer mussten geradeaus um noch die Runde durch die Gärten zu drehen. Ich bog links ab und nach wenigen Metern war ich dann an der Stelle, wo die Kurse sich wieder vereinigten.
Es ging nun unter einer hochgelegenen Auto-Fernverkehrsstraße hindurch. Im nun folgenden Wohngebiet hatten einige Zuschauer einen Tisch aufgebaut, an dem man sich mit Bier bedienen konnte. Die Aufschrift „5,0% Alkohol“ war an jedem der Gläser angebracht. Ich überlegte kurz, ob ich zugreifen sollte, aber ich wollte wegen meines Gesundheitszustands kein Risiko eingehen.
Beim letzten Versorgungspunkt nahm ich mir noch einen Becher Wasser und bog danach auf die lange Zielgeraden ein. Einen Schlussspurt legte ich nicht ein, sondern winkte stattdessen den Zuschauern zu. Schon im letzten Jahr war die Ziellinie ein bisschen verlegt worden. Da ich noch einen guten Platz bei den Duschen haben wollte, joggte ich nun im Zielbereich weiter. Meine Helferin schaffte es nach anfänglichen Problemen, mir die Medaille umzuhängen. Sie hatte die Form einer 25 und war für alle Disziplinen gleich, lediglich das Band hatte verschiedene Farben, wie man es vom Hannover-Marathon nun einmal gewohnt ist. Meine Zeit hatte knapp über 93 Minuten betragen.
Ich nahm mir einige Dinge zu essen und verließ dann den Finisher-Bereich, um zu den LKWs weiter zu joggen. Dort bekam ich meine Tasche zurück und suchte die Duschen auf. Hier war noch jede Menge Platz vorhanden. Ich duschte, zog mich wieder an und machte mich dann per U-Bahn auf den Weg zurück zum Hauptbahnhof. Es war inzwischen richtig warm geworden. Am Nachmittag kam ich wieder zu Hause an.
Der 25. Hannover-Marathon.
Der Hannover-Marathon gehört für mich zu den Pflichtveranstaltungen. Er findet jedes Jahr im April oder Mai statt und ich hatte hier seit 2010 immer den Halbmarathon absolviert. Zur 25. Auflage hatte der Hauptsponsor gewechselt. Bei diesem handelte es sich nicht mehr um TUI, sondern um HAJ. Schon seit einiger Zeit hatte ich hier einmal den kompletten Marathon absolvieren wollen, aber gerade im April gibt es zu viele andere Veranstaltungen, denen ich in dann jeweils den Vorzug gegeben hatte. Im Frühjahr 2013 war ich den Hamburg-Marathon gelaufen, im Frühjahr 2014 den Marathon an der Deutschen Weinstraße und dieses Jahr den Marathon in Rotterdam. Ich hatte mir jedoch fest vorgenommen, mich sofort nach dem heutigen Rennen für die Marathon-Auflage 2016 anzumelden, da ich aus Erfahrung wusste, dass das Datum in den Startunterlagen bekanntgegeben werden würde.
Leider war ich gesundheitlich wieder angeschlagen. Es war offenbar doch nicht so gut gewesen, am letzten Wochenende trotz Erkältung einen ganzen Marathon zu absolvieren. Seit Donnerstag hatte ich wieder mit einem Kratzen im Hals und einem verstärkten Nasenlaufen zu kämpfen. Als ich an diesem Sonntagmorgen um kurz nach sechs Uhr aufstand, war mir klar, dass ich heute nicht Vollgas würde geben können. Ich duschte, frühstückte und packte meine Tasche. Meine Läuferkleidung hatte ich bereits unter meiner Kleidung an, denn in Hannover sollte mir weniger Zeit bleiben als in den Vorjahren. Während der Start des Marathons auf neun Uhr gelegt war, sollte der Halbmarathon um 10:30 Uhr beginnen.
Um kurz vor halb acht Uhr ging ich aus dem Haus. Es war relativ kühl und noch ziemlich bewölkt. Ich nahm die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo ich von einem Mann angesprochen wurde, der die Nacht in Bremen verbracht hatte und nun nach Verden wollte. Unser Weg war also erst einmal der gleiche. Wir nahmen die Nordwestbahn über den Hauptbahnhof bis nach Verden. Dort trennten wir uns. Ich ging zum anderen Bahnsteig und wartete auf den Regionalexpress nach Hannover, welcher pünktlich eintraf. Unterwegs stiegen immer mehr Halbmarathonläufe zu. Ich zog meine Kleidung aus, sodass ich nur noch die Läuferkleidung und eine Jacke anhatte.
Um 9:40 Uhr kam der Zug in Hannover an. Ich ging zur U-Bahn-Station und fuhr zwei Stationen bis zum Aegidientorplatz, dem Veranstaltungszentrum. Hier sah ich, wie gerade einige Top-Läufer des Marathons vorbeirannten. Die Startnummernausgabe war wie jedes Jahr im großen Zelt. Ich bekam den Starterbeutel, legte die Nummer an und gab die Tasche im LKW ab. Dann lief ich mich noch ein bisschen warm, ehe ich zur Startgeraden ging.
Wir schon im Vorjahr hatte ich eine Art Sonderstatus. Dank meiner schnellsten Halbmarathonzeit aus dem Jahre 2013 (damals in Paderborn, nochmals vielen Dank an die Deutsche Bahn) war ich Startblock A zugeteilt worden. Hier befand sich eine Art Elite. Der Startblock war von den Zuschauern durch Gitter getrennt, ich wurde jedoch durch eine Lücke vom Personal in Rugby-Kleidung hereingelassen. Von Startblock B trennte uns ein rot-weißes Absperrband, das auch von Helfern bewacht wurde. In diesem Startblock B waren die Läufer dichtgedrängt, während wie hier vorne richtig viel Platz hatten. Ich fühlte mich, als wäre ich in der Eisenbahn in der ersten Klasse.
Die Wolken waren inzwischen verschwunden und wir hatten strahlenden Himmel. Da ich wegen meiner Schwächung heute keine Jahresbestzeit anpeilte, sondern zwischen 90 und 95 Minuten laufen wollte, musste ich damit rechnen, von einigen Leuten überholt zu werden. Andererseits hatte ich die Möglichkeit, diesen Lauf einmal richtig zu genießen.
Um Punkt 10:30 Uhr ging es los. Die Strecke war exakt die gleiche wie im Vorjahr. Die Startgeraden, an der unzählige Zuschauer standen und Lärm machten, führte zuerst nach Westen und bog dann nach halblinks ab. Lins von uns war eine Wiese, auf der mir diesmal eine große Säule mit einem Denkmal auffiel. Es handelte sich dabei um die Waterloo-Säule. Hinter der Waterloo-Säule legten wir eine 180°-Kurve hin. Ich sah, dass ich für den ersten Kilometer weniger als viereinhalb Minuten benötigt hatte. Ich musste daher ein bisschen langsamer machen. Nach einer scharfen Rechtskurve kamen wir in eine ruhigere Straße nach Süden. Am Ende dieser Geraden war das Stadion zu sehen und der Maschsee erreicht. Jetzt wurde es wieder viel lauter. Wir liefen am Nordufer des Maschsee entlang und bogen dann nach rechts ab, um östlich des Sees entlangzulaufen. Auf dieser nun ziemlich langen Geraden wurde ich von einer großen Läufergruppe überholt, bei der es sich vermutlich um die Gruppe um den Pacemaker für die 1:30-Stundenmarke handelte.
Es ging bis Kilometer fünf geradeaus. Dann war der Maschsee zu Ende und vor uns befand sich eine hochgelegene Eisenbahnbrücke. Unter dieser waren die Marathonläufer vor eineinhalb Stunden geradeaus hindurch gelaufen, während wir nun nach links geleitet wurden. Hier befand sich auch der erste Verpflegungspunkt, wo es neben Getränken auch schon Obst gab. Ich nahm lediglich einen Becher Wasser zu mir.
Wir liefen nun ein Stückchen an der Eisenbahnbrücke entlang und bogen dann wieder links ab, sodass wir – ein bisschen rechts versetzt – wieder den Rückweg nach Norden in Richtung Zentrum antraten. Rechts von uns war die Straßenbahnlinie, an deren Stationen uns auch zahlreiche Zuschauer beobachteten.
Diese Gerade nach Norden war extrem lang und gehörte auch wieder zum Marathonkurs. Die Marathonläufer waren aber schon alle hier vorbei. Nach sieben Kilometern war wieder ein Verpflegungspunkt, wo ich bei einer Helferin meine Hände aufhielt, damit sie mir ein Stück Banane hineinlegen sollte. Sie legte mir aber gleich zwei Stücke hinein, die ich dann beide essen musste.
Weiter nördlich war dann der Aegidientorplatz erreicht, wo ich bei meiner Anreise das Führungsfeld hatte vorbeirasen sehen. Je näher wir dem Stadtzentrum kamen, desto lauter wurde es. Am Kröpcke in der Fußgängerzone legte ich eine Rechtskurve hin und kam dann zum Hauptbahnhof, vor welchem ich wieder rechts abbog. Wir waren hier von den Zuschauern durch Gitter getrennt.
Ich lief durch die Unterführung südöstlich des Hauptbahnhofs und direkt dahinter war Kilometer zehn erreicht, wo unsere Zwischenzeit gemessen wurde. Ich hatte bis jetzt etwa 43,5 Minuten benötigt, hochgerechnet war also sogar eine Zeit von unter 1:33 Stunden möglich. Nicht schlecht für meinen Gesundheitszustand. Schmerzen am Knie hatte ich überraschenderweise nicht.
Es ging nun durch einige engere Straßen und dann wurde es auch auf der Strecke enger, da das Schlussfeld des Marathons erreicht worden war. Ich hatte nun ständig zu überholen. Schließlich kam ich an einem Staffelwechselpunkt vorbei, wo viele Teilnehmer warteten, um endlich loslaufen zu können. Ich war mir vor dem Start dessen gar nicht bewusst gewesen, dass man sich den Hannover-Marathon auch mit mehreren Leuten teilen konnte. Da ich mein Trikot vom Wolfsburg-Marathon 2011 trug, feuerten mich einige Zuschauer auch mit „Volkswagen“ an.
Ich hatte schon vor Monaten erfahren, dass Matthias, den ich vor zwei Jahren beim Hamburg-Marathon kennengelernt hatte, heute den Hannover-Marathon laufen wollte. Ich versuchte, mir auszurechnen, wo ich ihn in etwa überholten würde, bekam ihn jedoch nicht zu sehen. Stattdessen folgte wieder eine der Stelle, wo die Teilnehmer durch aufgestellte Schilder darauf hingewiesen wurden, sich richtig einzuordnen. Halbmarathonis nach links, Marathonis nach rechts. Dann mussten beide Gruppen tatsächlich in die angegebene Richtung abbiegen. Ich war inzwischen seit einer Stunde mit konstanter Geschwindigkeit unterwegs und hatte keinerlei körperliche Beschwerden außer der Tatsache, dass ich ständig meine Nase leeren musste.
Kurz vor Kilometer 14 trafen wir wieder mit den Halbmarathonläufern zusammen. Wir liefen einen Halbkreis, waren allerdings durch Gitter voneinander getrennt. Hier kamen wir erneut an einem sehr gut besuchten Staffelwechselpunkt vorbei, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Auf dem nun folgenden, kurzen Abschnitt muss ich Matthias wohl überholt haben.
Als beide Felder wieder zusammentrafen, ging es unter der Bahnlinie hindurch. Wir waren nun wieder südlich der Gleise und kamen am Welfenschloss vorbei. Rechts von uns war wieder eine Straßenbahnlinie, an der Zuschauer standen, und auch links war die Rasenfläche voller Menschen, die das inzwischen leicht sommerliche Wetter genossen. Nach einer 150°-Kurve hatten wir dann zu unserer rechten Seite die Herrenhäuser Gärten. Ich konnte in diesem Park sehen, wie die Marathonteilnehmer dort entlangliefen. Ich selber legte am Ende des Parks eine 180°-Kurve hin und kam dann an den Autobahnzubringer, von dem eine Spur für uns Läufer gesperrt war. Nun trennten sich die Kurse ein letztes Mal. Die Marathonläufer mussten geradeaus um noch die Runde durch die Gärten zu drehen. Ich bog links ab und nach wenigen Metern war ich dann an der Stelle, wo die Kurse sich wieder vereinigten.
Es ging nun unter einer hochgelegenen Auto-Fernverkehrsstraße hindurch. Im nun folgenden Wohngebiet hatten einige Zuschauer einen Tisch aufgebaut, an dem man sich mit Bier bedienen konnte. Die Aufschrift „5,0% Alkohol“ war an jedem der Gläser angebracht. Ich überlegte kurz, ob ich zugreifen sollte, aber ich wollte wegen meines Gesundheitszustands kein Risiko eingehen.
Beim letzten Versorgungspunkt nahm ich mir noch einen Becher Wasser und bog danach auf die lange Zielgeraden ein. Einen Schlussspurt legte ich nicht ein, sondern winkte stattdessen den Zuschauern zu. Schon im letzten Jahr war die Ziellinie ein bisschen verlegt worden. Da ich noch einen guten Platz bei den Duschen haben wollte, joggte ich nun im Zielbereich weiter. Meine Helferin schaffte es nach anfänglichen Problemen, mir die Medaille umzuhängen. Sie hatte die Form einer 25 und war für alle Disziplinen gleich, lediglich das Band hatte verschiedene Farben, wie man es vom Hannover-Marathon nun einmal gewohnt ist. Meine Zeit hatte knapp über 93 Minuten betragen.
Ich nahm mir einige Dinge zu essen und verließ dann den Finisher-Bereich, um zu den LKWs weiter zu joggen. Dort bekam ich meine Tasche zurück und suchte die Duschen auf. Hier war noch jede Menge Platz vorhanden. Ich duschte, zog mich wieder an und machte mich dann per U-Bahn auf den Weg zurück zum Hauptbahnhof. Es war inzwischen richtig warm geworden. Am Nachmittag kam ich wieder zu Hause an.
Freitag, 17. April 2015
Marathon Rotterdam 2015-04-12
Der achtzehnte Marathon meines Lebens.
Der 35.Rotterdam-Marathon.
Der Rotterdam-Marathon ist der größte Marathon in den Niederlanden und hatte gerade in den letzten drei Jahren enorme Teilnehmerzuwächse. 2014 waren mehr als 10.000 Teilnehmer die Gesamt-Distanz gelaufen. Ähnlich wie in Eindhoven und Amsterdam startet der Marathon vormittags, während der Halbmarathon kurz nach Mittag beginnt (so dachte ich, lag damit aber falsch). Hier in Rotterdam gab es auch noch einen Zehn- und einen Fünf-Kilometerlauf.
Die Strecke gilt als sehr attraktiv und für jeden Sportler ist es einer der größten Träume, einmal hier laufen zu dürfen. Der Veranstalter wirbt mit Sprüchen wie „Die schönsten 42 Kilometer Ihres Lebens“ für dieses Event. Ich selber hatte auf die Teilnahme am Halbmarathon in Hamburg-Wilhelmsburg sowie in Cuxhaven verzichtet, um an diesem Wochenende hier in Holland teilnehmen zu können. Angemeldet hatte ich mich im Vorjahr, sofort, nachdem die Anmeldung im Internet freigeschaltet war.
Leider hatte ich gesundheitliche Probleme. Vor zwei Wochen hatte eine Viruserkrankung beinahe meine Teilnahme am Berlin-Halbmarathon verhindert. Sechs Tage später, am Ostersamstag, konnte ich zwar eine vorläufige Jahresbestzeit hinlegen, aber schon am darauffolgenden Montag spürte ich, dass ich mich offenbar leicht erkältet hatte. Einem Kratzen im Hals folgte nach einigen Tagen eine stark laufende Nase. Ich bekam Zweifel, ob ich tatsächlich zum Marathon antreten könne. Besonders die drohenden Langzeitschädigungen meines Körpers beunruhigten mich.
Ich konnte in der Nacht von Freitag auf Samstag nur zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens schlafen. Dann wachte ich auf und blieb bis halb sieben Uhr im Bett liegen, bevor ich aufstand und frühstückte. Ich fuhr noch zu einem Discounter und kaufte einen Zehn-Kilo-Sack Kartoffeln, von denen ich einige unter meinen Nachbarn verteilte. Dann nahm ich meine am Vortag gepackte Tasche und ging los.
Ich hatte meine Marathon-Schuhe dabei, die ich vor vier Wochen in Barcelona getragen hatte. Sie hatten sich bewährt, waren von mir allerdings seitdem überhaupt nicht mehr getragen worden. Um kurz nach acht Uhr nahm ich die Straßenbahn von Gröpelingen zum Bahnhof Walle. Erst später erfuhr ich von einer Zugbegleiterin, dass ich damit schwarzgefahren war, da bei meiner Fahrkarte (Niederlande-Spezial) kein City-Plus dabei war, das mir eine kostenlose Anschlussfahrt mit der Straßenbahn ermöglicht hätte.
Vom Bahnhof Walle aus nahm ich die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof, wo ich kurz vor halb neun Uhr ankam. Der Intercity nach Osnabrück hatte so viel Verspätung, dass ich den Zug nach Holland wohl um wenige Minuten verpasst hätte, wenn dieser nicht zufällig auch einige Minuten Verspätung gehabt hätte und am Gleis auf uns wartete. Hier fuhr ich nun zweieinhalb Stunden lang nach Westen. Unterwegs nahm ich vier Brötchen zu mir, die ich im Gepäck hatte. In Ammersfort stieg ich aus und wechselte in den holländischen Intercity, der mich in einer Stunde zum Bahnhof „Rotterdam Centraal“ brachte. Glücklicherweise befand sich meine Unterkunft nur etwa zwei Kilometer südlich des Bahnhofs.
Da in dieser Woche in Deutschland der Frühling ausgebrochen war, hatte ich nur eine dünne Jacke mitgenommen, was ich nun bereute. Ich machte mit meiner Kamera einige Bilder von der Innenstadt. Dabei gab es Momente, in denen mir der Wind orkanartig ins Gesicht wehte. Danach waren die Batterien auch leer und ich ging mit der Tasche in der Hand zum Hostel. Am Eingang lernte ich einen anderen Deutschen, Frank aus Darmstadt, kennen, der sich im späteren Verlauf als Hardcore-Ultra-Läufer entpuppte. Wir konnten unsere Zimmer noch nicht beziehen und stellten daher unser Gepäck in die Ablage, um zusammen zur Marathon-Messe zu gehen. Diese befand sich in der Nähe des Bahnhofs. Das Messegelände war nicht allzu groß. Ich bekam erst meine Startnummer mit integriertem Zeitmesschip und einem Beutel und danach noch das Trikot der diesjährigen Auflage. Es war hellgrün. Wir gingen daraufhin zum nächsten McDoof. Ich nahm hier zwei Hamburger und eine große Portion Pommes zu mir, was bis zum Abend reichen musste. Mein nun noch vorhandenes Reisegeld betrug nach Abzug der Übernachtungskosten weniger als drei Euro.
Im Hostel angekommen, zahlte ich den Preis für die Übernachtung im Acht-Bett-Zimmer. Dieser eigentliche Preis betrug 21,42€. Da das Personal aber Ein- und Zwei-Cent-Stücke nicht annahm, musste ich nur 21,40€ zahlen. Auf meinem Zimmer befanden sich sechs Frauen und ein Mann. Dieser Mann war offenbar aus Spanien und wollte morgen auch mitlaufen. Die sechs Damen bildeten eine Reisegruppe. Mit einer von ihnen hatte ich zunächst französisch gesprochen, doch dann stellte ich fest, dass der Großteil von ihnen offenbar spanischsprachig war.
Ich verbrachte den restlichen Tag auf dem Zimmer und fühlte mich langsam immer besser. Einer Teilnahme am morgigen Tag sollte nichts mehr im Wege stehen, wobei ich natürlich vorsichtig sein musste. Die Frauen auf dem Zimmer teilten mir mit, dass sie erst morgen früh gegen vier oder fünf Uhr wieder zurückkommen würden, als sie den Raum verließen. Ich erfuhr, dass zumindest eine von ihnen aus Chile war. Sie sprach mit mir spanisch.
Ich legte mich gegen 22 Uhr schlafen, da ich wirklich müde war. Gemessen an der Tatsache, dass ich in einem fremden Bett lag, konnte ich sogar relativ lange schlafen. Als die Frauen morgens wieder zurückkamen, wurde ich kurz wach. Gegen sieben Uhr war ich dann hellwach. Mir fiel auf, dass ich kaum noch Niesen musste und auch die Nase so gut wie nicht mehr lief. Die Vorzeichen standen also gut. Um 7:30 Uhr ging ich zur Toilette, verzichtete aber darauf, zu duschen. Ich zog mich um und verstaute meine Tasche im dafür vorgesehenen Raum des Hostels. Gegen ein Bestechungsgeld von drei Euro (meine letzten Reserven) wurde mir zugesichert, dass ich nach dem Marathon hier duschen dürfe. Lediglich die wertvollsten Sachen hatte ich im Starterbeutel, den ich nachher abgeben wollte. Dies war vorteilhaft, weil ich dann die schwere Tasche nicht zum Startgelände schleppen musste. Wie es im Zielbereich mit Duschen allgemein aussah, wusste ich auch nicht.
In meinem Übernachtungspreis war ein Frühstück miteinbegriffen. Ich nahm insgesamt sechs Toastbrote mit Honig zu mir. Salami gab es nicht. Am Tisch unterhielt ich mich mit einigen Leuten aus Frankreich, die hier auch zahlreich vertreten waren. Gegen halb neun Uhr verließ ich das Hostel. Ich hatte erfahren, dass es heute in Rotterdam gar keinen Halbmarathon gab, wie ich ursprünglich angenommen hatte.
Da der Start erst um zehn Uhr sein sollte, schaute ich mir noch ein bisschen die Stadt an. Ich ging auf die Erasmusbrücke, die nachher zweimal abgelaufen werden sollte. Hier konnte ich die künstlerisch merkwürdigst gestalteten Hochhäuser sehen, die um die „Nieuwe Maas“ herumstehen.
Glücklicherweise war es heute nicht so windig wie gestern. Auch regnete es nicht mehr. Es war ein relativ sonniger Tag. Ich machte mich nun auf den Weg zur Taschenabgabe. Dabei kam ich auch an der Startgeraden vorbei. Hier herrschte schon mächtig Betrieb, je mehr ich mich der Taschenabgabe näherte, die nordwestlich der Startgeraden lag. Ich zog meine Jacke aus und gab meinen Beutel bei der entsprechenden Stelle ab. Obenrum trug ich das Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2011, welches von der Farbe her dem Rotterdam-Trikot extrem ähnlich war. Startnummern gab es übrigens nicht nur für die Brust, sondern auch für den Rücken, allerdings ohne Aufdruck des Vornamens. Ich hatte noch eine ganze Packung Taschentücher bei mir, da ich davon ausgehen musste, wegen meiner Erkältung hin und wieder die Nase säubern zu müssen.
Ich begab mich nun noch einmal zu den Toiletten und wollte dann in den Bereich D der Startgeraden eintreten, welcher für mich vorgesehen war. Beim Zugang musste ich allerdings draußen warten, da die Straße schon voll war. Um Punkt zehn Uhr kam der Startschuss. Es ging dann auch relativ zügig voran. Ich konnte die Gerade betreten und war nach weniger als drei Minuten über der Startlinie.
Es ging erst einmal nach Süden, weshalb wir die Sonne im Gesicht hatten. Wir kamen an der Metrostation „Beurs“ vorbei, an welcher sämtliche Rotterdammer Metrolinien halten. Dahinter kam dann schon bald die Nieuwe Maas und wir erreichten die Erasmus-Brücke. Hier waren nun beide Fahrbahnspuren für uns Läufer gesperrt. Die linke und die rechte Hälfte der Brücke waren durch Straßenbahnschienen voneinander getrennt, aber heute fuhr hier keine Straßenbahn. Die Fußgängerwege waren für jedermann frei zugänglich. Es befanden sich hier einige Zuschauer.
Links von uns konnte ich ein Schiff sehen, welches drei Wasserfontänen in den Himmel schoss. Auf der anderen Seite der Brücke wartete schon die erste Musikband auf uns, von denen heute sehr viele an der Strecke verteilt waren. Wir liefen nun auf einer breiteren Straße entlang, die nicht mehr durch ein Wohngebiet führte. Als ich ein Schild mit Kilometer 25 sah und auf meine Armbanduhr schaute, machte mich ein anderer Läufer darauf aufmerksam, dass dieses Schild sich auf den Rückweg bezog. Wir mussten erst eine Schleife durch die Gegend südlich des Hafens laufen, bevor wir dann wieder hierher zurückkommen würden. Ich fand es ein bisschen unpassend, dieses Schild auf Vorder- und Rückseite mit der Kilometerangabe zu beschreiben.
Ich wich hier später auf die linke Spur aus, weil hier wesentlich weniger Teilnehmer waren und es daher mehr Platz gab. Wir kamen auf eine Brücke, die über sehr viele parallel verlaufende Schienen führte. Dahinter wurde Kilometer fünf erreicht und unsere Zwischenzeiten gemessen. Nun fiel mir ein, dass hier irgendwo „De Kuip“, das Stadion von Feyernoord, sein musste. Ich drehte mich um und konnte es nur noch aus der Entfernung sehen. Ich hatte es tatsächlich verpasst.
Kurz darauf kam die erste Versorgungsstelle. Zu trinken gab es hier ausschließlich Wasser aus Pappbechern. Ich hatte bis jetzt einen Schnitt von fünf Minuten pro Kilometer. Zwar war ich schon schneller gewesen, aber gemessen an meinem heutigen Gesundheitszustand konnte ich zufrieden sein. Es folgten nun Abschnitte durch ruhigere Orte von Rotterdam wo nur noch einzelne Häuser, aber keine großen Hochhäuser mehr standen. Nach einem Abschnitt durch den Südosten der Stadt kamen wir unter einer Eisenbahnstation hindurch. In dieser Unterführung wurde laut Techno-Musik abgespielt. Dahinter ging es weiter nach Süden. Nach zehn Kilometern wurden erneut unsere Zeiten gemessen und Wasser verteilt. Von nun an waren die Wasserbecher oben mit einem Schwamm abgedeckt, den man vor dem Trinken erst entfernen musste.
Wir waren nun am südlichen Stadtrand angekommen und liefen auf einem Fahrradweg kilometerlang nach Westen. Hier ging es wieder ein bisschen enger zu. Wir überquerten auch die Straßenbahnschienen. An der Strecke spielten in regelmäßigen Abständen verschiedene Bands Musik. Zuschauer waren nur vereinzelt hier. Rechts waren einzelne Häuser zu sehen, links die flache Landschaft. Eine Zuschauerin hielt eine Schale mit Gummi-Süßigkeiten bereit, wo ich natürlich gerne zugriff.
Nach einigen Kilometern ging es dann wieder nach rechts in eine Hauptstraße hinein. Als wir dort eine hochgelegene Metrostation erreichten, folgte eine Gerade nach links, an deren Wendepunkt Kilometer 15 erreicht war. Wir sahen zunächst das Feld vor und dann das Feld hinter uns. Hier war wieder ein Versorgungspunkt, wo es Wasser zu trinken gab. Da mein Frühstück schon einige Stunden zurücklag, machte ich mir Gedanken, ob es bald etwas zu essen geben würde. Es konnte doch nicht wirklich sein, dass man hier nur Wasser bekam.
Ein Stückchen weiter nördlich folgte eine Schleife nach Nordwesten. Wir kamen um einen Park herum, an dessen Ende wir an der hochgelegenen Metrolinie entlangliefen. Hier war eine erste Schwamm-Station, wo ausschließlich nasse Schwämme verteilt wurden. Ich hatte bis jetzt einige Taschentücher verbraucht, da ich immer noch leicht erkältet war. Doch nun trat ein weiteres Problem hinzu: Mein rechtes Knie begann zu schmerzen. Dieses Problem hatte ich bereits 2012 schon einmal gehabt. Es war auch der Grund, warum ich keine zwei Marathons an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden laufe, damit eine gewisse Regeneration möglich ist. Damals hatte ich einige Halbmarathons mit Knieproblemen absolvieren müssen, bevor eine dreiwöchige Pause möglich war. Meine Hoffnung war, dass sich die die Schmerzen nicht allzu sehr verschlimmern würden. Leider kam es anders.
Wir kamen an der Stelle auf die Hauptstraße zurück, wo wir vorher abgebogen waren. Dann ging es unter den Metroschienen hindurch (wieder mit Techno-Musik) und danach weiter nach Norden. Hier war nun die Halbmarathondistanz erreicht. Ich hatte etwa 1:45 Stunden dafür benötigt. Gemessen an meinem Gesundheitszustand war dies keine schlechte Leistung. Wir näherten uns nun über den Maashaven wieder der Erasmusbrücke. Da wir bis jetzt immer noch keine Versorgungsstelle mit Essensverpflegung passiert hatten, schaute ich mich genauer um. Ich sah, dass einige Zuschauer Bananen in der Hand hielten. Sollte ich einfach um eine bitten?
Am Maashaven war erst einmal eine Schwamm-Verpflegungsstelle. Ich nahm einen und wusch mir das Gesicht ein bisschen ab. Dann kamen wir wieder auf die Gerade, welche wir vorhin bereits in entgegengesetzter Richtung abgelaufen waren. Nun ging es von Süd nach Nord auf die Brücke zu. Wir kamen nun am 25km-Schild vorbei, das nun wirklich gültig war. Ich überholte dabei eine junge Läuferin, die – zumindest am linken Arm – keine Hand (mehr) hatte. Kurz darauf sah ich zwei Zuschauerinnen, von denen eine eine Banane in der Hand hielt. Ich versuchte es einfach und bettelte sie in deutscher Sprache an. Sie verstand es und gab mir das Stück. Nun hatte ich endlich etwas zu essen. Das erste Problem war damit gelöst. Leider trat ich kurz darauf mit dem rechten Fuß etwas zu stark auf und belastete damit mein Knie übermäßig, was sich sofort durch Schmerzen bemerkbar macht. Und auch im Rachen spürte ich irgendetwas. Da der Weg uns nun zurück zum Startbereich führte, überlegte ich, ob es vielleicht geraten sei, hier das Rennen abzubrechen. Doch ich entschied mich dafür, durchzuhalten.
Nun erreichten wir wieder die Brücke. Hier standen inzwischen viel mehr Zuschauer als noch am Morgen auf dem Hinweg. Für uns Läufer war diesmal allerdings nur die rechte Hälfte der Brücke zur Verfügung gestellt worden. Das Schiff mit den drei Wasserfontänen war inzwischen nicht mehr da.
Auf der anderen Seite ging es nun weiter den Weg zurück, den wir auf der Startgeraden in entgegengesetzter Richtung entlanggelaufen waren. Auf Höhe der Metrostation „Beurs“ bogen wir nach links ab, legten eine 180°-Kurve hin und kamen unter einer Unterführung durch. Auf der anderen Seite sollte nun die Schleife durch den Nordosten von Rotterdam führen. Der jetzige Abschnitt war zweigeteilt, da er auch als Rückweg für die Läufer diente. Ich konnte somit das Führungsfeld sehen. Wir kamen an sehr merkwürdig aussehenden Häusern vorbei. An einer Unterführung unter einem Häuserblock hindurch war ein Moderator, der irgendeinen holländischen Text aufsagte. Dazu wurde wieder so laut Techno-Musik gespielt, dass ich mir die Ohren zuhalten musste. Dahinter ging es durch Wohngebiete. Wir erreichten Kilometer 30. Ich beobachtete nun das Führungsfeld, welches mir entgegenkam. Die absoluten Spitzenläufer waren schon vorbei, denn ich sah nur noch Teilnehmer mit heller Hautfarbe.
Meine Schmerzen am rechten Knie wurden langsam stärker. Ich hatte die bisherigen 30 Kilometer in etwa zweieinhalb Stunden zurückgelegt, doch jetzt wurde ich langsamer und musste mich von immer mehr Teilnehmern überholen lassen. Zum Glück wurde ich von den Zuschauern auch jetzt noch mit Bananenstücken versorgt und auch immer wieder mit meinem Vornamen angefeuert.
Wir hatten jetzt noch einen Rundkurs um einen Park vor uns, an dessen Ende wir wieder auf die gemeinsame Strecke von Hin- und Rückweg zurücktreffen sollten. Als wir eine Tankstelle passierten, an der auch eine Band spielte, wurden mir sowohl Fruchtgummis als auch ein Keks angeboten, was ich jeweils dankend annahm. Obwohl hier teilweise nur vereinzelte Wohnhäuser standen, war der gesamte Straßenrand voller Zuschauer. Leider wurden meine Schmerzen im Knie so stark, dass ich Gehpausen einlegen musste. Als die Zuschauer mich mit meinem Namen anfeuerten, musste ich auf mein Knie zeigen, um zu signalisieren, dass ich wirklich körperliche Schmerzen hatte. Überraschenderweise konnte ich nach der Gehpause wieder einigermaßen normal joggen.
Plötzlich tauchten auch Zuschauer auf, die Orangenstückchen anboten. Nach 38 Kilometern hatten wir die Nord-Ost-Schleife hinter uns und kamen auf die Strecke zurück, die gemeinsam als Hin- und Rückweg diente. Ich musste wieder kurze Gehpausen einlegen. Dabei sah ich das Feld hinter mir, in welchem ich nacheinander die Pacemaker für 4:15 sowie für 4:30 Stunden erblickte. Als ich dann den Punkt erreichte, wo der holländische Moderator war, wusste ich, dass es nicht mehr weit bis zum Ziel war. Mir waren während des Rennens ständig Zuschauer aufgefallen, die aufgeblasene Luftballons in Form der Champions-League-Trophäe hochhielten. Als ich wieder solch einen Zuschauer passierte und direkt danach einen Fotografen sah, überlegte ich mir, ob ich vielleicht diesem Zuschauer den Ballon aus der Hand reißen und mich mit ihm fotografieren lassen sollte. Jedoch verzichtete ich darauf.
Wir kamen nun auf dem Rückweg nicht durch die Unterführung, sondern liefen direkt nach rechts auf die Zielgeraden. Beim Zieleinlauf machte ich nun ein bisschen langsamer. Ich winkte den Zuschauern zu und überschritt die Ziellinie bei einer Bruttozeit von etwa 3:48 Stunden. Ich war überglücklich, nach all den Komplikationen heute noch so schnell im Ziel angekommen zu sein und hoffte, keine langfristigen Schäden davongetragen zu haben. Ich wurde von den Helfern gebeten, nach links auszuweichen und dort weiter geradeaus zu gehen. Hier sah ich nun einen Finisher, der sich unter Behandlung eines Helfers gerade übergeben musste. Rechts von mir war die Bühne, auf der gerade eine (offenbar) Altersklassensiegerehrung stattfand.
Ich ging weiter geradeaus und kam nun zu der Stelle, wo mir die Medaille umgehängt wurde. Sie war von goldener Farbe und auf der Vorderseite war die Erasmus-Brücke zu sehen. Leider stand nur der Jahrgang, nicht aber das genaue Datum darauf. Ich ging weiter nach links um die Ecke und kam zur Taschenabgabe, wo ich meinen Starterbeutel zurück erhielt. Ich hängte meine Jacke um und ging zurück zu meiner Unterkunft. Dort konnte ich meine Reisetasche wieder bekommen und dann im zweiten Stock die Duschen benutzen.
Danach machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort nahm ich um 16:20 Uhr den Zug nach Ammersfort, wo ich in den Intercity nach Osnabrück einstieg. Von Osnabrück aus fuhr ich nach Bremen und dort mit der Nordwestbahn zum Bahnhof Walle. Da ich inzwischen wusste, dass in meinem Ticket kein City-Plus enthalten war, ging ich zu Fuß nach Hause. Ich hatte auf der Heimfahrt starke Kopfschmerzen bekommen und war froh, mich gegen 23 Uhr endlich schlafen legen zu können.
Der 35.Rotterdam-Marathon.
Der Rotterdam-Marathon ist der größte Marathon in den Niederlanden und hatte gerade in den letzten drei Jahren enorme Teilnehmerzuwächse. 2014 waren mehr als 10.000 Teilnehmer die Gesamt-Distanz gelaufen. Ähnlich wie in Eindhoven und Amsterdam startet der Marathon vormittags, während der Halbmarathon kurz nach Mittag beginnt (so dachte ich, lag damit aber falsch). Hier in Rotterdam gab es auch noch einen Zehn- und einen Fünf-Kilometerlauf.
Die Strecke gilt als sehr attraktiv und für jeden Sportler ist es einer der größten Träume, einmal hier laufen zu dürfen. Der Veranstalter wirbt mit Sprüchen wie „Die schönsten 42 Kilometer Ihres Lebens“ für dieses Event. Ich selber hatte auf die Teilnahme am Halbmarathon in Hamburg-Wilhelmsburg sowie in Cuxhaven verzichtet, um an diesem Wochenende hier in Holland teilnehmen zu können. Angemeldet hatte ich mich im Vorjahr, sofort, nachdem die Anmeldung im Internet freigeschaltet war.
Leider hatte ich gesundheitliche Probleme. Vor zwei Wochen hatte eine Viruserkrankung beinahe meine Teilnahme am Berlin-Halbmarathon verhindert. Sechs Tage später, am Ostersamstag, konnte ich zwar eine vorläufige Jahresbestzeit hinlegen, aber schon am darauffolgenden Montag spürte ich, dass ich mich offenbar leicht erkältet hatte. Einem Kratzen im Hals folgte nach einigen Tagen eine stark laufende Nase. Ich bekam Zweifel, ob ich tatsächlich zum Marathon antreten könne. Besonders die drohenden Langzeitschädigungen meines Körpers beunruhigten mich.
Ich konnte in der Nacht von Freitag auf Samstag nur zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens schlafen. Dann wachte ich auf und blieb bis halb sieben Uhr im Bett liegen, bevor ich aufstand und frühstückte. Ich fuhr noch zu einem Discounter und kaufte einen Zehn-Kilo-Sack Kartoffeln, von denen ich einige unter meinen Nachbarn verteilte. Dann nahm ich meine am Vortag gepackte Tasche und ging los.
Ich hatte meine Marathon-Schuhe dabei, die ich vor vier Wochen in Barcelona getragen hatte. Sie hatten sich bewährt, waren von mir allerdings seitdem überhaupt nicht mehr getragen worden. Um kurz nach acht Uhr nahm ich die Straßenbahn von Gröpelingen zum Bahnhof Walle. Erst später erfuhr ich von einer Zugbegleiterin, dass ich damit schwarzgefahren war, da bei meiner Fahrkarte (Niederlande-Spezial) kein City-Plus dabei war, das mir eine kostenlose Anschlussfahrt mit der Straßenbahn ermöglicht hätte.
Vom Bahnhof Walle aus nahm ich die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof, wo ich kurz vor halb neun Uhr ankam. Der Intercity nach Osnabrück hatte so viel Verspätung, dass ich den Zug nach Holland wohl um wenige Minuten verpasst hätte, wenn dieser nicht zufällig auch einige Minuten Verspätung gehabt hätte und am Gleis auf uns wartete. Hier fuhr ich nun zweieinhalb Stunden lang nach Westen. Unterwegs nahm ich vier Brötchen zu mir, die ich im Gepäck hatte. In Ammersfort stieg ich aus und wechselte in den holländischen Intercity, der mich in einer Stunde zum Bahnhof „Rotterdam Centraal“ brachte. Glücklicherweise befand sich meine Unterkunft nur etwa zwei Kilometer südlich des Bahnhofs.
Da in dieser Woche in Deutschland der Frühling ausgebrochen war, hatte ich nur eine dünne Jacke mitgenommen, was ich nun bereute. Ich machte mit meiner Kamera einige Bilder von der Innenstadt. Dabei gab es Momente, in denen mir der Wind orkanartig ins Gesicht wehte. Danach waren die Batterien auch leer und ich ging mit der Tasche in der Hand zum Hostel. Am Eingang lernte ich einen anderen Deutschen, Frank aus Darmstadt, kennen, der sich im späteren Verlauf als Hardcore-Ultra-Läufer entpuppte. Wir konnten unsere Zimmer noch nicht beziehen und stellten daher unser Gepäck in die Ablage, um zusammen zur Marathon-Messe zu gehen. Diese befand sich in der Nähe des Bahnhofs. Das Messegelände war nicht allzu groß. Ich bekam erst meine Startnummer mit integriertem Zeitmesschip und einem Beutel und danach noch das Trikot der diesjährigen Auflage. Es war hellgrün. Wir gingen daraufhin zum nächsten McDoof. Ich nahm hier zwei Hamburger und eine große Portion Pommes zu mir, was bis zum Abend reichen musste. Mein nun noch vorhandenes Reisegeld betrug nach Abzug der Übernachtungskosten weniger als drei Euro.
Im Hostel angekommen, zahlte ich den Preis für die Übernachtung im Acht-Bett-Zimmer. Dieser eigentliche Preis betrug 21,42€. Da das Personal aber Ein- und Zwei-Cent-Stücke nicht annahm, musste ich nur 21,40€ zahlen. Auf meinem Zimmer befanden sich sechs Frauen und ein Mann. Dieser Mann war offenbar aus Spanien und wollte morgen auch mitlaufen. Die sechs Damen bildeten eine Reisegruppe. Mit einer von ihnen hatte ich zunächst französisch gesprochen, doch dann stellte ich fest, dass der Großteil von ihnen offenbar spanischsprachig war.
Ich verbrachte den restlichen Tag auf dem Zimmer und fühlte mich langsam immer besser. Einer Teilnahme am morgigen Tag sollte nichts mehr im Wege stehen, wobei ich natürlich vorsichtig sein musste. Die Frauen auf dem Zimmer teilten mir mit, dass sie erst morgen früh gegen vier oder fünf Uhr wieder zurückkommen würden, als sie den Raum verließen. Ich erfuhr, dass zumindest eine von ihnen aus Chile war. Sie sprach mit mir spanisch.
Ich legte mich gegen 22 Uhr schlafen, da ich wirklich müde war. Gemessen an der Tatsache, dass ich in einem fremden Bett lag, konnte ich sogar relativ lange schlafen. Als die Frauen morgens wieder zurückkamen, wurde ich kurz wach. Gegen sieben Uhr war ich dann hellwach. Mir fiel auf, dass ich kaum noch Niesen musste und auch die Nase so gut wie nicht mehr lief. Die Vorzeichen standen also gut. Um 7:30 Uhr ging ich zur Toilette, verzichtete aber darauf, zu duschen. Ich zog mich um und verstaute meine Tasche im dafür vorgesehenen Raum des Hostels. Gegen ein Bestechungsgeld von drei Euro (meine letzten Reserven) wurde mir zugesichert, dass ich nach dem Marathon hier duschen dürfe. Lediglich die wertvollsten Sachen hatte ich im Starterbeutel, den ich nachher abgeben wollte. Dies war vorteilhaft, weil ich dann die schwere Tasche nicht zum Startgelände schleppen musste. Wie es im Zielbereich mit Duschen allgemein aussah, wusste ich auch nicht.
In meinem Übernachtungspreis war ein Frühstück miteinbegriffen. Ich nahm insgesamt sechs Toastbrote mit Honig zu mir. Salami gab es nicht. Am Tisch unterhielt ich mich mit einigen Leuten aus Frankreich, die hier auch zahlreich vertreten waren. Gegen halb neun Uhr verließ ich das Hostel. Ich hatte erfahren, dass es heute in Rotterdam gar keinen Halbmarathon gab, wie ich ursprünglich angenommen hatte.
Da der Start erst um zehn Uhr sein sollte, schaute ich mir noch ein bisschen die Stadt an. Ich ging auf die Erasmusbrücke, die nachher zweimal abgelaufen werden sollte. Hier konnte ich die künstlerisch merkwürdigst gestalteten Hochhäuser sehen, die um die „Nieuwe Maas“ herumstehen.
Glücklicherweise war es heute nicht so windig wie gestern. Auch regnete es nicht mehr. Es war ein relativ sonniger Tag. Ich machte mich nun auf den Weg zur Taschenabgabe. Dabei kam ich auch an der Startgeraden vorbei. Hier herrschte schon mächtig Betrieb, je mehr ich mich der Taschenabgabe näherte, die nordwestlich der Startgeraden lag. Ich zog meine Jacke aus und gab meinen Beutel bei der entsprechenden Stelle ab. Obenrum trug ich das Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2011, welches von der Farbe her dem Rotterdam-Trikot extrem ähnlich war. Startnummern gab es übrigens nicht nur für die Brust, sondern auch für den Rücken, allerdings ohne Aufdruck des Vornamens. Ich hatte noch eine ganze Packung Taschentücher bei mir, da ich davon ausgehen musste, wegen meiner Erkältung hin und wieder die Nase säubern zu müssen.
Ich begab mich nun noch einmal zu den Toiletten und wollte dann in den Bereich D der Startgeraden eintreten, welcher für mich vorgesehen war. Beim Zugang musste ich allerdings draußen warten, da die Straße schon voll war. Um Punkt zehn Uhr kam der Startschuss. Es ging dann auch relativ zügig voran. Ich konnte die Gerade betreten und war nach weniger als drei Minuten über der Startlinie.
Es ging erst einmal nach Süden, weshalb wir die Sonne im Gesicht hatten. Wir kamen an der Metrostation „Beurs“ vorbei, an welcher sämtliche Rotterdammer Metrolinien halten. Dahinter kam dann schon bald die Nieuwe Maas und wir erreichten die Erasmus-Brücke. Hier waren nun beide Fahrbahnspuren für uns Läufer gesperrt. Die linke und die rechte Hälfte der Brücke waren durch Straßenbahnschienen voneinander getrennt, aber heute fuhr hier keine Straßenbahn. Die Fußgängerwege waren für jedermann frei zugänglich. Es befanden sich hier einige Zuschauer.
Links von uns konnte ich ein Schiff sehen, welches drei Wasserfontänen in den Himmel schoss. Auf der anderen Seite der Brücke wartete schon die erste Musikband auf uns, von denen heute sehr viele an der Strecke verteilt waren. Wir liefen nun auf einer breiteren Straße entlang, die nicht mehr durch ein Wohngebiet führte. Als ich ein Schild mit Kilometer 25 sah und auf meine Armbanduhr schaute, machte mich ein anderer Läufer darauf aufmerksam, dass dieses Schild sich auf den Rückweg bezog. Wir mussten erst eine Schleife durch die Gegend südlich des Hafens laufen, bevor wir dann wieder hierher zurückkommen würden. Ich fand es ein bisschen unpassend, dieses Schild auf Vorder- und Rückseite mit der Kilometerangabe zu beschreiben.
Ich wich hier später auf die linke Spur aus, weil hier wesentlich weniger Teilnehmer waren und es daher mehr Platz gab. Wir kamen auf eine Brücke, die über sehr viele parallel verlaufende Schienen führte. Dahinter wurde Kilometer fünf erreicht und unsere Zwischenzeiten gemessen. Nun fiel mir ein, dass hier irgendwo „De Kuip“, das Stadion von Feyernoord, sein musste. Ich drehte mich um und konnte es nur noch aus der Entfernung sehen. Ich hatte es tatsächlich verpasst.
Kurz darauf kam die erste Versorgungsstelle. Zu trinken gab es hier ausschließlich Wasser aus Pappbechern. Ich hatte bis jetzt einen Schnitt von fünf Minuten pro Kilometer. Zwar war ich schon schneller gewesen, aber gemessen an meinem heutigen Gesundheitszustand konnte ich zufrieden sein. Es folgten nun Abschnitte durch ruhigere Orte von Rotterdam wo nur noch einzelne Häuser, aber keine großen Hochhäuser mehr standen. Nach einem Abschnitt durch den Südosten der Stadt kamen wir unter einer Eisenbahnstation hindurch. In dieser Unterführung wurde laut Techno-Musik abgespielt. Dahinter ging es weiter nach Süden. Nach zehn Kilometern wurden erneut unsere Zeiten gemessen und Wasser verteilt. Von nun an waren die Wasserbecher oben mit einem Schwamm abgedeckt, den man vor dem Trinken erst entfernen musste.
Wir waren nun am südlichen Stadtrand angekommen und liefen auf einem Fahrradweg kilometerlang nach Westen. Hier ging es wieder ein bisschen enger zu. Wir überquerten auch die Straßenbahnschienen. An der Strecke spielten in regelmäßigen Abständen verschiedene Bands Musik. Zuschauer waren nur vereinzelt hier. Rechts waren einzelne Häuser zu sehen, links die flache Landschaft. Eine Zuschauerin hielt eine Schale mit Gummi-Süßigkeiten bereit, wo ich natürlich gerne zugriff.
Nach einigen Kilometern ging es dann wieder nach rechts in eine Hauptstraße hinein. Als wir dort eine hochgelegene Metrostation erreichten, folgte eine Gerade nach links, an deren Wendepunkt Kilometer 15 erreicht war. Wir sahen zunächst das Feld vor und dann das Feld hinter uns. Hier war wieder ein Versorgungspunkt, wo es Wasser zu trinken gab. Da mein Frühstück schon einige Stunden zurücklag, machte ich mir Gedanken, ob es bald etwas zu essen geben würde. Es konnte doch nicht wirklich sein, dass man hier nur Wasser bekam.
Ein Stückchen weiter nördlich folgte eine Schleife nach Nordwesten. Wir kamen um einen Park herum, an dessen Ende wir an der hochgelegenen Metrolinie entlangliefen. Hier war eine erste Schwamm-Station, wo ausschließlich nasse Schwämme verteilt wurden. Ich hatte bis jetzt einige Taschentücher verbraucht, da ich immer noch leicht erkältet war. Doch nun trat ein weiteres Problem hinzu: Mein rechtes Knie begann zu schmerzen. Dieses Problem hatte ich bereits 2012 schon einmal gehabt. Es war auch der Grund, warum ich keine zwei Marathons an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden laufe, damit eine gewisse Regeneration möglich ist. Damals hatte ich einige Halbmarathons mit Knieproblemen absolvieren müssen, bevor eine dreiwöchige Pause möglich war. Meine Hoffnung war, dass sich die die Schmerzen nicht allzu sehr verschlimmern würden. Leider kam es anders.
Wir kamen an der Stelle auf die Hauptstraße zurück, wo wir vorher abgebogen waren. Dann ging es unter den Metroschienen hindurch (wieder mit Techno-Musik) und danach weiter nach Norden. Hier war nun die Halbmarathondistanz erreicht. Ich hatte etwa 1:45 Stunden dafür benötigt. Gemessen an meinem Gesundheitszustand war dies keine schlechte Leistung. Wir näherten uns nun über den Maashaven wieder der Erasmusbrücke. Da wir bis jetzt immer noch keine Versorgungsstelle mit Essensverpflegung passiert hatten, schaute ich mich genauer um. Ich sah, dass einige Zuschauer Bananen in der Hand hielten. Sollte ich einfach um eine bitten?
Am Maashaven war erst einmal eine Schwamm-Verpflegungsstelle. Ich nahm einen und wusch mir das Gesicht ein bisschen ab. Dann kamen wir wieder auf die Gerade, welche wir vorhin bereits in entgegengesetzter Richtung abgelaufen waren. Nun ging es von Süd nach Nord auf die Brücke zu. Wir kamen nun am 25km-Schild vorbei, das nun wirklich gültig war. Ich überholte dabei eine junge Läuferin, die – zumindest am linken Arm – keine Hand (mehr) hatte. Kurz darauf sah ich zwei Zuschauerinnen, von denen eine eine Banane in der Hand hielt. Ich versuchte es einfach und bettelte sie in deutscher Sprache an. Sie verstand es und gab mir das Stück. Nun hatte ich endlich etwas zu essen. Das erste Problem war damit gelöst. Leider trat ich kurz darauf mit dem rechten Fuß etwas zu stark auf und belastete damit mein Knie übermäßig, was sich sofort durch Schmerzen bemerkbar macht. Und auch im Rachen spürte ich irgendetwas. Da der Weg uns nun zurück zum Startbereich führte, überlegte ich, ob es vielleicht geraten sei, hier das Rennen abzubrechen. Doch ich entschied mich dafür, durchzuhalten.
Nun erreichten wir wieder die Brücke. Hier standen inzwischen viel mehr Zuschauer als noch am Morgen auf dem Hinweg. Für uns Läufer war diesmal allerdings nur die rechte Hälfte der Brücke zur Verfügung gestellt worden. Das Schiff mit den drei Wasserfontänen war inzwischen nicht mehr da.
Auf der anderen Seite ging es nun weiter den Weg zurück, den wir auf der Startgeraden in entgegengesetzter Richtung entlanggelaufen waren. Auf Höhe der Metrostation „Beurs“ bogen wir nach links ab, legten eine 180°-Kurve hin und kamen unter einer Unterführung durch. Auf der anderen Seite sollte nun die Schleife durch den Nordosten von Rotterdam führen. Der jetzige Abschnitt war zweigeteilt, da er auch als Rückweg für die Läufer diente. Ich konnte somit das Führungsfeld sehen. Wir kamen an sehr merkwürdig aussehenden Häusern vorbei. An einer Unterführung unter einem Häuserblock hindurch war ein Moderator, der irgendeinen holländischen Text aufsagte. Dazu wurde wieder so laut Techno-Musik gespielt, dass ich mir die Ohren zuhalten musste. Dahinter ging es durch Wohngebiete. Wir erreichten Kilometer 30. Ich beobachtete nun das Führungsfeld, welches mir entgegenkam. Die absoluten Spitzenläufer waren schon vorbei, denn ich sah nur noch Teilnehmer mit heller Hautfarbe.
Meine Schmerzen am rechten Knie wurden langsam stärker. Ich hatte die bisherigen 30 Kilometer in etwa zweieinhalb Stunden zurückgelegt, doch jetzt wurde ich langsamer und musste mich von immer mehr Teilnehmern überholen lassen. Zum Glück wurde ich von den Zuschauern auch jetzt noch mit Bananenstücken versorgt und auch immer wieder mit meinem Vornamen angefeuert.
Wir hatten jetzt noch einen Rundkurs um einen Park vor uns, an dessen Ende wir wieder auf die gemeinsame Strecke von Hin- und Rückweg zurücktreffen sollten. Als wir eine Tankstelle passierten, an der auch eine Band spielte, wurden mir sowohl Fruchtgummis als auch ein Keks angeboten, was ich jeweils dankend annahm. Obwohl hier teilweise nur vereinzelte Wohnhäuser standen, war der gesamte Straßenrand voller Zuschauer. Leider wurden meine Schmerzen im Knie so stark, dass ich Gehpausen einlegen musste. Als die Zuschauer mich mit meinem Namen anfeuerten, musste ich auf mein Knie zeigen, um zu signalisieren, dass ich wirklich körperliche Schmerzen hatte. Überraschenderweise konnte ich nach der Gehpause wieder einigermaßen normal joggen.
Plötzlich tauchten auch Zuschauer auf, die Orangenstückchen anboten. Nach 38 Kilometern hatten wir die Nord-Ost-Schleife hinter uns und kamen auf die Strecke zurück, die gemeinsam als Hin- und Rückweg diente. Ich musste wieder kurze Gehpausen einlegen. Dabei sah ich das Feld hinter mir, in welchem ich nacheinander die Pacemaker für 4:15 sowie für 4:30 Stunden erblickte. Als ich dann den Punkt erreichte, wo der holländische Moderator war, wusste ich, dass es nicht mehr weit bis zum Ziel war. Mir waren während des Rennens ständig Zuschauer aufgefallen, die aufgeblasene Luftballons in Form der Champions-League-Trophäe hochhielten. Als ich wieder solch einen Zuschauer passierte und direkt danach einen Fotografen sah, überlegte ich mir, ob ich vielleicht diesem Zuschauer den Ballon aus der Hand reißen und mich mit ihm fotografieren lassen sollte. Jedoch verzichtete ich darauf.
Wir kamen nun auf dem Rückweg nicht durch die Unterführung, sondern liefen direkt nach rechts auf die Zielgeraden. Beim Zieleinlauf machte ich nun ein bisschen langsamer. Ich winkte den Zuschauern zu und überschritt die Ziellinie bei einer Bruttozeit von etwa 3:48 Stunden. Ich war überglücklich, nach all den Komplikationen heute noch so schnell im Ziel angekommen zu sein und hoffte, keine langfristigen Schäden davongetragen zu haben. Ich wurde von den Helfern gebeten, nach links auszuweichen und dort weiter geradeaus zu gehen. Hier sah ich nun einen Finisher, der sich unter Behandlung eines Helfers gerade übergeben musste. Rechts von mir war die Bühne, auf der gerade eine (offenbar) Altersklassensiegerehrung stattfand.
Ich ging weiter geradeaus und kam nun zu der Stelle, wo mir die Medaille umgehängt wurde. Sie war von goldener Farbe und auf der Vorderseite war die Erasmus-Brücke zu sehen. Leider stand nur der Jahrgang, nicht aber das genaue Datum darauf. Ich ging weiter nach links um die Ecke und kam zur Taschenabgabe, wo ich meinen Starterbeutel zurück erhielt. Ich hängte meine Jacke um und ging zurück zu meiner Unterkunft. Dort konnte ich meine Reisetasche wieder bekommen und dann im zweiten Stock die Duschen benutzen.
Danach machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort nahm ich um 16:20 Uhr den Zug nach Ammersfort, wo ich in den Intercity nach Osnabrück einstieg. Von Osnabrück aus fuhr ich nach Bremen und dort mit der Nordwestbahn zum Bahnhof Walle. Da ich inzwischen wusste, dass in meinem Ticket kein City-Plus enthalten war, ging ich zu Fuß nach Hause. Ich hatte auf der Heimfahrt starke Kopfschmerzen bekommen und war froh, mich gegen 23 Uhr endlich schlafen legen zu können.
Halbmarathon Paderborn 2015-04-04
Der einhundertundzwölfte Halbmarathon meines Lebens.
Der Paderborner Osterlauf.
Da am Osterwochenende kaum Laufveranstaltungen sind, treffen sich die meisten Läufer am Karsamstag in Paderborn. Für mich war es bereits das vierte Mal in Folge, dass ich hier teilnahm. Vor zwei Jahren hatte ich – dank tatkräftiger Unterstützung der Deutschen Bahn – hier meine bisherige persönliche Bestzeit hingelegt. Erst vor wenigen Wochen hatte ich erfahren, dass am Ostersonntag auch der Halbmarathon im Alten Land in Hamburg stattfinden sollte. Hätte ich dies früher gewusst, so hätte ich auf Paderborn verzichtet und diesen Halbmarathon in Hamburg vorgezogen.
Da die Teilnehmerzahl am Osterlauf in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen war, gab es diesmal eine kleine Veränderung am Veranstaltungsgelände. Das Volksfest war irgendwie eingeschränkt worden und auch gewisse Bereiche waren nur für angemeldete Läufer zugänglich. An der Laufstrecke und den Startzeiten hatte sich nichts geändert, der Halbmarathon sollte wie immer um 15 Uhr starten.
Da ich um Mitternacht noch einen Termin am Fahrkartenautomaten gehabt hatte, kam ich relativ spät zur Ruhe und stand erst gegen halb acht Uhr auf. Ich kaufte mir beim Bäcker einige Brötchen, die ich dann zu Hause verzehrte. Mein Plan sah so aus, dass ich in Paderborn vor dem Rennen noch einmal zu McDoof gehen sollte, leider kam es aber ganz anders.
Als ich meine Tasche gepackt hatte, verließ ich gegen zehn Uhr das Haus und ging zur Straßenbahn, die mich zum Bahnhof Walle brachte. Von hier aus nahm ich die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof. Zugausfälle wegen des Sturms vom vergangenen Wochenende gab es nicht mehr und der ICE nach Münster traf pünktlich ein. Dies war wichtig, weil ich in Münster nur zehn Minuten Umsteigezeit haben sollte. Als ich dann in Münster aber zum Gleis ging, wo die Eurobahn mich über Hamm nach Paderborn bringen sollte, musste ich feststellen, dass die Strecke gesperrt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden war, der mich bis Hamm bringen sollte.
Dieser Schienenersatzverkehr war ein Bus, der vor dem Bahnhof wartete. Vom Busfahrer erfuhr ich, dass die Fahrt nun wesentlich länger dauern würde als mit der Bahn. Sollte ich daher in Hamm erst den Zug eine Stunde später als geplant nach Paderborn erreichen, so blieben mir dort nur 20 Minuten um vom Bahnhof zum Veranstaltungsgelände zu gelangen, dort die Unterlagen abzuholen, die Tasche abzugeben und zur Startgeraden zu gelangen. Womöglich würde ich heute entweder gar nicht laufen können oder von ganz hinten starten müssen.
Als der Bus dann in Hamm eintraf, kaufte ich mir am Bahnhof drei Salami-Brötchen und ging dann zu dem Bahnsteig, wo der nächste Zug nach Paderborn fahren sollte. Überraschenderweise gab es hier auch einen Regionalexpress der Deutschen Bahn, der nicht an jeder Station hielt. Ich bestieg ihn und kam um halb drei Uhr in Paderborn an. Während der Fahrt hatte ich bereits auf der Toilette meine Läuferkleidung angelegt. Am Bahnhof war ein großes Plakat „Willkommen in der Bundesligastadt Paderborn“ aufgehängt.
Nun hatte ich noch dreißig Minuten Zeit, weshalb ich nicht mit der schweren Tasche in der Hand herumrennen musste. Ich ging den bereits bekannten Weg zum Maspernplatz, wo mir schon zahlreiche Teilnehmer mit den diesjährigen rechteckförmigen Medaillen entgegenkamen, die die kürzeren Strecken absolviert hatten. Bei der Ausgabe der Startunterlagen in der Sporthalle waren nun überwiegend Teilnehmer der kleineren Läufe, die sich ihre Urkunden ausdrucken lassen wollten. Da ich meine Startnummer auswendig wusste, konnte man mir den Briefumschlag schnell aushändigen. Ich ging daraufhin zur Taschenabgabe und befestigte dann die Startnummer an meinem Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2011. Auf der Toilette nahm ich noch einen Schluck Wasser und begab mich dann zur Startgeraden.
Ich fühlte mich heute gesund und wollte eine neue Jahresbestzeit laufen. Daher hatte ich keine Lust, mich ganz hinten anzustellen, sondern stieg an einer Stelle über die Umzäunung, sodass ich an der Startgeraden relativ weit vorne war. Wie jedes Jahr wurde dieses Event von Wolf-Dieter Poschmann moderiert. Der Startschuss kam pünktlich um 15 Uhr und ich war bereits wenige Sekunden später über der Startlinie.
Verständlicherweise ging es anfangs noch ein bisschen eng zu. Ich musste immer wieder ausweichen, um überholen zu können. Für den ersten Kilometer hatte ich dann etwa vier Minuten und 15 Sekunden gebraucht. Nun ging es auf die Brücke, welche die beiden Kurshälften voneinander trennte. Rechts von uns lag der nordöstliche Abschnitt, den wir zuerst ablaufen mussten. Die Brücke führte über den Güterbahnhof. Auf der anderen Seite ging es nach unten und dann kam die Abzweigung nach rechts. Mich verwirrten die Kilometerschilder ein wenig. Es waren sowohl die Kilometerstände für die erste als auch für die zweite Runde des Halbmarathons angegeben und zusätzlich noch die Anzeigen für den Zehn-Kilometerkurs.
Nach vier Kilometern kam der erste Verpflegungsstand, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Ich war inzwischen im Feld so weit vorne, dass genug Platz vorhanden war. Hinter dem Verpflegungsstand bogen wir nach rechts in eine große Straße ein, wo ein Moderator mit Mikrofon einzelne Namen durchgab. Am Ende dieser Straße erreichten wir dann wieder die Brücke, auf deren anderer Seite wir rechts abbogen, um den westlichen Teil des Kurses abzulaufen. Noch auf der Brücke waren Geräte aufgebaut, um unsere Zwischenzeiten zu messen. Ich hatte für die ersten fünf Kilometer ziemlich genau 21 Minuten benötigt.
Am nächsten Verpflegungsstand konnte ich das Spitzenfeld sehen, welches uns entgegenkam. Die dunkelhäutigen Läufer waren allerdings schon alle hier gewesen. Hier war auch ein weiterer Verpflegungspunkt, wo ich erneut Wasser bekam. An einem weiteren, inoffiziellen Verpflegungspunkt nahm ich mir nichts, sondern bog nach links in das Wohngebiet ein, wo die Rettungsfahrzeuge aufgestellt waren. Hier war zu spüren, dass es heute nicht gerade windstill war. Hatte ich im Moment Rückenwind, so änderte sich dies schlagartig, als ich nach zwei Linkskurven in die entgegengesetzte Richtung lief.
Auf der nun folgenden Geraden, kurz vor Kilometer acht, stand das Haus, an welchem die Anwohner eine Tafel aufgebaut hatten, an der die Bundesligazwischenstände abzulesen waren. Es war erst kurz nach 15:30 Uhr, aber Leverkusen führte schon mit 1:0 gegen den HSV.
Nach einer Links-Rechts-Kurve erreichten wir die lange Geraden, auf der ich vorhin das Spitzenfeld gesehen hatte. In einer langgezogenen Kurve befand sich der letzte Verpflegungspunkt. Dann waren wir auch schon wieder an dem Park, der sich neben dem Veranstaltungszentrum befand. Ich hatte für die ersten zehn Kilometer etwa 42 Minuten benötigt, eine neue Jahresbestzeit wäre noch möglich gewesen. Mir waren zwei relativ kleine, aber schnelle Frauen aufgefallen, die sich vor mir befanden. Diese konnte ich mit zwei Zwischensprints überholen, noch bevor ich die Zielgeraden erreichte.
Hier legte ich eine 180°-Kurve hin und machte mich nun auf den Weg in die zweite Runde. Wolf-Dieter Poschmann gab gerade das 1:0 von Leverkusen bekannt. Als ich nun die Startgeraden wieder hinter mir hatte, wurde mir bewusst, dass mich heute wohl kein Läufer mehr überrunden würde, wie dies vor drei Jahren der Fall gewesen war.
Während ich zum Ende der ersten Runde hin ein bisschen langsamer geworden war und mich immer wieder hatte überholen lassen müssen, konnte ich nun mit der Geschwindigkeit leicht zulegen. Besonders an den Stellen, wo es Rückenwind gab, spürte ich dies. Als ich auf der Ostschleife wieder die Stelle hinter dem Versorgungspunkt erreichte, nannte der Moderator meinen Namen und meine Herkunftsstadt. Als ich dann wieder die Brücke erreichte, sah ich das Läuferfeld hinter mir. Auf dem Weg nach unten wurde dann wieder meine Zwischenzeit gemessen.
Auf der Schleife durch die westlichen Wohngebiete wurde ich nun von einem Motorrad begleitet, welches von zwei Leuten besetzt war. Der Hintermann hatte eine Kamera dabei und drehte offenbar einen Film vom Halbmarathon.
Als ich zum zweiten Mal das Haus erreichte, wo ich die Bundesligastände ablesen konnte, sah ich, dass Leverkusen schon mit 2:0 führte. Es war nun Halbzeit. Für mich selber schien eine Zeit von unter 1:28 Stunden möglich. Als ich nach 20 Kilometern schon wieder in der Nähe des Parks war, sah ich einige Anwohner von denen einer ein Mikrofon in der Hand hielt. Ich winkte ihnen zu und er gab durch, dass er meinen Namen leider nicht lesen könne. Daraufhin drehte ich mich noch einmal um und zeigte ihm meine Startnummer. So konnte er meinen Namen doch noch in sein Mikrofon brüllen.
Vor der Zielgeraden beschleunigte ich noch einmal. Dann bog ich nach rechts auf die Zielgeraden ein. Da mein Vorder- sowie mein Hintermann größere Abstände zu mir hatten, wurde mir tatsächlich die Ehre zuteil, dass Poschmann meinen Vornamen nannte. Ich ließ mir die Medaille umhängen und ging dann unter der Unterführung durch, um meine Tasche abzuholen. Mit dieser Tasche begab ich mich in die Sporthalle, wo ich duschen konnte. Als ich wieder nach draußen ging, sah ich, dass hier tatsächlich kontrolliert wurde, dass auch nur Läufer diesen Bereich betreten und verlassen konnten.
Ich ging zum Bahnhof und fuhr mit der Westfalenbahn nach Herford. Wegen der Zugbindung wartete ich hier eine Stunde, bis ich mit der Westfalenbahn weiter nach Osnabrück fuhr. Wegen Bauarbeiten und anderen Verspätungen hatte der Intercity nach Bremen genau so viel Verspätung, dass ich die Nordwestbahn nach Walle exakt genau eine Minute verpasste. So kam ich erst gegen 22:30 Uhr in zu Hause an.
Der Paderborner Osterlauf.
Da am Osterwochenende kaum Laufveranstaltungen sind, treffen sich die meisten Läufer am Karsamstag in Paderborn. Für mich war es bereits das vierte Mal in Folge, dass ich hier teilnahm. Vor zwei Jahren hatte ich – dank tatkräftiger Unterstützung der Deutschen Bahn – hier meine bisherige persönliche Bestzeit hingelegt. Erst vor wenigen Wochen hatte ich erfahren, dass am Ostersonntag auch der Halbmarathon im Alten Land in Hamburg stattfinden sollte. Hätte ich dies früher gewusst, so hätte ich auf Paderborn verzichtet und diesen Halbmarathon in Hamburg vorgezogen.
Da die Teilnehmerzahl am Osterlauf in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen war, gab es diesmal eine kleine Veränderung am Veranstaltungsgelände. Das Volksfest war irgendwie eingeschränkt worden und auch gewisse Bereiche waren nur für angemeldete Läufer zugänglich. An der Laufstrecke und den Startzeiten hatte sich nichts geändert, der Halbmarathon sollte wie immer um 15 Uhr starten.
Da ich um Mitternacht noch einen Termin am Fahrkartenautomaten gehabt hatte, kam ich relativ spät zur Ruhe und stand erst gegen halb acht Uhr auf. Ich kaufte mir beim Bäcker einige Brötchen, die ich dann zu Hause verzehrte. Mein Plan sah so aus, dass ich in Paderborn vor dem Rennen noch einmal zu McDoof gehen sollte, leider kam es aber ganz anders.
Als ich meine Tasche gepackt hatte, verließ ich gegen zehn Uhr das Haus und ging zur Straßenbahn, die mich zum Bahnhof Walle brachte. Von hier aus nahm ich die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof. Zugausfälle wegen des Sturms vom vergangenen Wochenende gab es nicht mehr und der ICE nach Münster traf pünktlich ein. Dies war wichtig, weil ich in Münster nur zehn Minuten Umsteigezeit haben sollte. Als ich dann in Münster aber zum Gleis ging, wo die Eurobahn mich über Hamm nach Paderborn bringen sollte, musste ich feststellen, dass die Strecke gesperrt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden war, der mich bis Hamm bringen sollte.
Dieser Schienenersatzverkehr war ein Bus, der vor dem Bahnhof wartete. Vom Busfahrer erfuhr ich, dass die Fahrt nun wesentlich länger dauern würde als mit der Bahn. Sollte ich daher in Hamm erst den Zug eine Stunde später als geplant nach Paderborn erreichen, so blieben mir dort nur 20 Minuten um vom Bahnhof zum Veranstaltungsgelände zu gelangen, dort die Unterlagen abzuholen, die Tasche abzugeben und zur Startgeraden zu gelangen. Womöglich würde ich heute entweder gar nicht laufen können oder von ganz hinten starten müssen.
Als der Bus dann in Hamm eintraf, kaufte ich mir am Bahnhof drei Salami-Brötchen und ging dann zu dem Bahnsteig, wo der nächste Zug nach Paderborn fahren sollte. Überraschenderweise gab es hier auch einen Regionalexpress der Deutschen Bahn, der nicht an jeder Station hielt. Ich bestieg ihn und kam um halb drei Uhr in Paderborn an. Während der Fahrt hatte ich bereits auf der Toilette meine Läuferkleidung angelegt. Am Bahnhof war ein großes Plakat „Willkommen in der Bundesligastadt Paderborn“ aufgehängt.
Nun hatte ich noch dreißig Minuten Zeit, weshalb ich nicht mit der schweren Tasche in der Hand herumrennen musste. Ich ging den bereits bekannten Weg zum Maspernplatz, wo mir schon zahlreiche Teilnehmer mit den diesjährigen rechteckförmigen Medaillen entgegenkamen, die die kürzeren Strecken absolviert hatten. Bei der Ausgabe der Startunterlagen in der Sporthalle waren nun überwiegend Teilnehmer der kleineren Läufe, die sich ihre Urkunden ausdrucken lassen wollten. Da ich meine Startnummer auswendig wusste, konnte man mir den Briefumschlag schnell aushändigen. Ich ging daraufhin zur Taschenabgabe und befestigte dann die Startnummer an meinem Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2011. Auf der Toilette nahm ich noch einen Schluck Wasser und begab mich dann zur Startgeraden.
Ich fühlte mich heute gesund und wollte eine neue Jahresbestzeit laufen. Daher hatte ich keine Lust, mich ganz hinten anzustellen, sondern stieg an einer Stelle über die Umzäunung, sodass ich an der Startgeraden relativ weit vorne war. Wie jedes Jahr wurde dieses Event von Wolf-Dieter Poschmann moderiert. Der Startschuss kam pünktlich um 15 Uhr und ich war bereits wenige Sekunden später über der Startlinie.
Verständlicherweise ging es anfangs noch ein bisschen eng zu. Ich musste immer wieder ausweichen, um überholen zu können. Für den ersten Kilometer hatte ich dann etwa vier Minuten und 15 Sekunden gebraucht. Nun ging es auf die Brücke, welche die beiden Kurshälften voneinander trennte. Rechts von uns lag der nordöstliche Abschnitt, den wir zuerst ablaufen mussten. Die Brücke führte über den Güterbahnhof. Auf der anderen Seite ging es nach unten und dann kam die Abzweigung nach rechts. Mich verwirrten die Kilometerschilder ein wenig. Es waren sowohl die Kilometerstände für die erste als auch für die zweite Runde des Halbmarathons angegeben und zusätzlich noch die Anzeigen für den Zehn-Kilometerkurs.
Nach vier Kilometern kam der erste Verpflegungsstand, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Ich war inzwischen im Feld so weit vorne, dass genug Platz vorhanden war. Hinter dem Verpflegungsstand bogen wir nach rechts in eine große Straße ein, wo ein Moderator mit Mikrofon einzelne Namen durchgab. Am Ende dieser Straße erreichten wir dann wieder die Brücke, auf deren anderer Seite wir rechts abbogen, um den westlichen Teil des Kurses abzulaufen. Noch auf der Brücke waren Geräte aufgebaut, um unsere Zwischenzeiten zu messen. Ich hatte für die ersten fünf Kilometer ziemlich genau 21 Minuten benötigt.
Am nächsten Verpflegungsstand konnte ich das Spitzenfeld sehen, welches uns entgegenkam. Die dunkelhäutigen Läufer waren allerdings schon alle hier gewesen. Hier war auch ein weiterer Verpflegungspunkt, wo ich erneut Wasser bekam. An einem weiteren, inoffiziellen Verpflegungspunkt nahm ich mir nichts, sondern bog nach links in das Wohngebiet ein, wo die Rettungsfahrzeuge aufgestellt waren. Hier war zu spüren, dass es heute nicht gerade windstill war. Hatte ich im Moment Rückenwind, so änderte sich dies schlagartig, als ich nach zwei Linkskurven in die entgegengesetzte Richtung lief.
Auf der nun folgenden Geraden, kurz vor Kilometer acht, stand das Haus, an welchem die Anwohner eine Tafel aufgebaut hatten, an der die Bundesligazwischenstände abzulesen waren. Es war erst kurz nach 15:30 Uhr, aber Leverkusen führte schon mit 1:0 gegen den HSV.
Nach einer Links-Rechts-Kurve erreichten wir die lange Geraden, auf der ich vorhin das Spitzenfeld gesehen hatte. In einer langgezogenen Kurve befand sich der letzte Verpflegungspunkt. Dann waren wir auch schon wieder an dem Park, der sich neben dem Veranstaltungszentrum befand. Ich hatte für die ersten zehn Kilometer etwa 42 Minuten benötigt, eine neue Jahresbestzeit wäre noch möglich gewesen. Mir waren zwei relativ kleine, aber schnelle Frauen aufgefallen, die sich vor mir befanden. Diese konnte ich mit zwei Zwischensprints überholen, noch bevor ich die Zielgeraden erreichte.
Hier legte ich eine 180°-Kurve hin und machte mich nun auf den Weg in die zweite Runde. Wolf-Dieter Poschmann gab gerade das 1:0 von Leverkusen bekannt. Als ich nun die Startgeraden wieder hinter mir hatte, wurde mir bewusst, dass mich heute wohl kein Läufer mehr überrunden würde, wie dies vor drei Jahren der Fall gewesen war.
Während ich zum Ende der ersten Runde hin ein bisschen langsamer geworden war und mich immer wieder hatte überholen lassen müssen, konnte ich nun mit der Geschwindigkeit leicht zulegen. Besonders an den Stellen, wo es Rückenwind gab, spürte ich dies. Als ich auf der Ostschleife wieder die Stelle hinter dem Versorgungspunkt erreichte, nannte der Moderator meinen Namen und meine Herkunftsstadt. Als ich dann wieder die Brücke erreichte, sah ich das Läuferfeld hinter mir. Auf dem Weg nach unten wurde dann wieder meine Zwischenzeit gemessen.
Auf der Schleife durch die westlichen Wohngebiete wurde ich nun von einem Motorrad begleitet, welches von zwei Leuten besetzt war. Der Hintermann hatte eine Kamera dabei und drehte offenbar einen Film vom Halbmarathon.
Als ich zum zweiten Mal das Haus erreichte, wo ich die Bundesligastände ablesen konnte, sah ich, dass Leverkusen schon mit 2:0 führte. Es war nun Halbzeit. Für mich selber schien eine Zeit von unter 1:28 Stunden möglich. Als ich nach 20 Kilometern schon wieder in der Nähe des Parks war, sah ich einige Anwohner von denen einer ein Mikrofon in der Hand hielt. Ich winkte ihnen zu und er gab durch, dass er meinen Namen leider nicht lesen könne. Daraufhin drehte ich mich noch einmal um und zeigte ihm meine Startnummer. So konnte er meinen Namen doch noch in sein Mikrofon brüllen.
Vor der Zielgeraden beschleunigte ich noch einmal. Dann bog ich nach rechts auf die Zielgeraden ein. Da mein Vorder- sowie mein Hintermann größere Abstände zu mir hatten, wurde mir tatsächlich die Ehre zuteil, dass Poschmann meinen Vornamen nannte. Ich ließ mir die Medaille umhängen und ging dann unter der Unterführung durch, um meine Tasche abzuholen. Mit dieser Tasche begab ich mich in die Sporthalle, wo ich duschen konnte. Als ich wieder nach draußen ging, sah ich, dass hier tatsächlich kontrolliert wurde, dass auch nur Läufer diesen Bereich betreten und verlassen konnten.
Ich ging zum Bahnhof und fuhr mit der Westfalenbahn nach Herford. Wegen der Zugbindung wartete ich hier eine Stunde, bis ich mit der Westfalenbahn weiter nach Osnabrück fuhr. Wegen Bauarbeiten und anderen Verspätungen hatte der Intercity nach Bremen genau so viel Verspätung, dass ich die Nordwestbahn nach Walle exakt genau eine Minute verpasste. So kam ich erst gegen 22:30 Uhr in zu Hause an.
Dienstag, 31. März 2015
Halbmarathon Berlin 2015-03-29
Der einhundertundelfte Halbmarathon meines Lebens.
Der 35. Berliner Halbmarathon.
Am Berlin-Halbmarathon hatte ich vor fünf Jahren bereits einmal teilgenommen. Das war damals im Jahre 2010 und es hatte sich dabei um den dritten Halbmarathon meines Lebens gehandelt und um die dreißigste Auflage dieser Veranstaltung, bei der leider kurz vor dem Zieleinlauf ein Teilnehmer tödlich verunglückt war. In den Folgejahren war ich an diesem Wochenende entweder in Freiburg oder an der Deutschen Weinstraße gelaufen.
Nun hatte ich mich wieder für dieses Ereignis angemeldet und eine Übernachtung in Marzahn für zehn Euro gebucht. Leider wurde mir keine zwei Wochen vor der Anfahrt mitgeteilt, dass die Unterkunft renoviert werden sollte. Ich musste mich um eine andere Übernachtungsmöglichkeit kümmern und fand in der Nähe von Friedrichshain ein Bett in einem Zimmer für acht Leute für nur 10,50€.
Ich stand am Samstagmorgen gegen halb sechs Uhr auf. Leider spürte ich, dass es mir nicht allzu gut ging. Ich hatte offenbar irgendeine Viruserkrankung mit starkem Stuhlgang. Trotzdem konnte ich frühstücken, meine Tasche packen und mich dann auf den Weg zur Straßenbahn machen. Um kurz nach sieben Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle. Im Gegensatz zum letzten Sonntag kam hier die Nordwestbahn pünktlich an und brachte mich zum Hauptbahnhof, wo ich in den schnellen Metronom nach Hamburg einsteigen konnte. Dort kam ich um 8:42 Uhr an. Ich begab mich zum richtigen Bahnsteig, wo pünktlich um kurz nach neun Uhr der ICE in Richtung Leipzig eintraf. In diesem Zug sah ich bereits den ersten weiteren Läufer, welchen ich an seinen Schuhen und dem Champion-Chip erkannte. Es ging nun ohne Zwischenstation bis Berlin-Spandau und von dort aus in die unterirdische Etage des Berliner Hauptbahnhofs. Ich stieg allerdings erst am Südkreuz aus und wechselte in die S-Bahn, die mich eine Station nach Tempelhof brachte. Hier wechselte ich in die U-Bahn und fuhr nach Norden bis zum Platz der Luftbrücke. Nun musste ich nur noch der Menschenmasse hinterherlaufen, bis ich am Gelände des stillgelegten Flughafens Tempelhof ankam, wo sich die Vital-Messe befand. Meine Teilnahmebestätigung zeigte ich vor und konnte daraufhin das Gelände betreten.
Über das äußere Flughafengelände, wo gerade ein Lauf für Kinder stattfand, kamen wir in den Bereich, wo die Stände der Messe waren. Ich begab ich mich noch einmal auf die Toilette, wo ich bemerkte, dass ich gesundheitlich offenbar wirklich ein bisschen angeschlagen war. Dann ging es weiter, bis ich mich in einer langen Schlange anstellen konnte. Hier sollten nun endlich die Startunterlagen abzuholen sein. Ich stellte mich an einem der Stände an und bekam dann die Startnummer in einem Beutel. Ein Trikot, wie vor fünf Jahren, war im Startpreis allerdings nicht enthalten. Ich hätte es explizit mitbestellen und extra bezahlen müssen.
Ich begab mich nun zum Ausgang und nahm Kurs in Richtung Unterkunft. Ich hatte einen Fußweg von über einer halben Stunde vor mir. Leider waren in der Straße die Hausnummern so merkwürdig angeordnet, dass ich die ganze Straße erst bis zum Ende durchlief, um von dort aus wieder zurückzulaufen und dann erst die Unterkunft fand. Ich bekam den Zimmerschlüssel und konnte nun meine Tasche abladen. Dann ging ich zu Fuß zum Alexanderplatz, wo ich in einem italienischen Restaurant ein Essen zu mir nahm. Dann, gegen 14 Uhr, ging ich zur Unterkunft zurück.
Ich hatte inzwischen Kopfschmerzen bekommen und fühlte mich nicht wohl. In der Unterkunft angekommen, legte ich mich ins Bett und schaffte es tatsächlich, für etwa 30 Minuten zu schlafen. Auch den restlichen Abend verbrachte ich im Bett und verließ dieses nur, um auf die Toilette zu gehen und bei dieser Gelegenheit meine Feldflasche mit Wasser zu füllen. Ich begann, mir Sorgen zu machen, denn in diesem Zustand wäre eine Teilnahme am morgigen Tag unmöglich gewesen.
Gegen Abend kamen auch die anderen Gäste auf das Zimmer, fast alles nur Läufer. Sogar ein Pärchen aus Osteuropa (vermutlich Tschechien) war dabei. Leider befand sich im Nebenbett ein Schnarcher, was es mir schwer machte, Ruhe zu finden. Doch für einige Stunden konnte ich trotzdem schlafen.
Die Umstellung auf Sommerzeit machte es am nächsten Morgen ein bisschen kompliziert. Ich stand gegen halb sieben Uhr auf und zog mich um. Ohne irgendetwas gegessen zu haben, verließ ich die Unterkunft und machte mich mit der schweren Tasche in der Hand auf den Weg zum Alexanderplatz. Unterwegs hatte ich den Eindruck, dass eine Teilnahme heute wohl nicht möglich sei. Als ich am Bahnhof ankam, suchte ich zunächst eine Imbissbude auf, wo ich einen Vitamin-Saft bestellte. Etwa eine halbe Stunde lang hielt ich mich hier auf und trank die Flasche. Dies verlieh mir offenbar neue Kräfte. Ich bekam langsam Hunger und ging in eine andere Imbissbude, wo ich zwei belegte Brötchen zu mir nahm. Danach suchte ich die Toilette am Bahnhof auf und ging danach zum Veranstaltungszentrum. Dabei lief ich zuerst in die falsche Richtung. Im Vorjahr war die Startgerade weiter westlich, auf der Spree-Insel gewesen. Heute musste ich nach Osten gehen. Ich ging erst in den Sicherheitsbereich hinein und gab meine Tasche ab. Da ich noch einmal die Toilette aufsuchte, hatte ich keine Zeit mehr, bis zum Start um 10:05 Uhr meinen Startblock A, direkt hinter der Elite, zu erreichen. Ich stellte mich also hinten an.
Um 10:05 Uhr war dann zwar der Startschuss, ich steckte aber in der Masse fest. Erst lange Zeit später konnten wir auf die Gerade und als wir den Startpunkt erreichten war es schon 10:50 Uhr. In einer Viertelstunde würde der Sieger im Ziel ankommen.
Ich war froh, als es nun endlich losging. Es hatte zuvor leicht genieselt, aber während des Rennens kam kein Wasser von oben. Natürlich musste ich langsam laufen, um keine Gefährdung meines Körpers zu riskieren. Ich trug dabei das Trikot vom Braunschweiger Lauftag 2010.
Wir liefen die Alexanderstraße entlang und bogen dann nach links in die Karl-Liebknecht-Straße ein, wo wir den Fernsehturm links liegen ließen. Ich musste anfangs viel überholen, da ich mich ja im Bereich der langsamsten Teilnehmer befand. Wir überquerten nun ein erstes Mal die Spree und kamen auf die Museumsinsel am Berliner Dom vorbei, bevor wir wieder über den Nebenarm der Spree kamen. Die jetzige Straße war „Unter den Linden“ und führte auf das Brandenburger Tor zu. Zuschauer standen hier zahlreich an der Stecke.
Dann kamen wir an den Pariser Platz. Ich wich ganz nach links aus und lief dann, bei Kilometer drei, durch die Säulen des Brandenburger Tors hindurch. Dahinter begann der Tiergarten, den wir auf der Straße des 17. Juni durchquerten. Bis jetzt spürte ich keinerlei körperliche Beschwerden. An der Siegessäule mussten wir rechts herumlaufen. Dann, am Ende des Tiergartengeländes, war der erste Erfrischungspunkt, wo ich mir Tee zu trinken nahm. Das Geräusch von zertretenen Plastikbechern, welches ich noch von 2010 in Erinnerung hatte, hielt sich diesmal in Grenzen. Am Ernst-Reuter-Platz sah ich ein Gebäude der Technischen Universität und eines der Firma Rohde & Schwarz. Wir liefen an diesem Platz auch rechtsherum und bogen dann in die Otto-Suhr-Alle ein, die uns nach Nordwesten bis zum Schloss Charlottenburg führte.
Hier wurde mir nun klar, dass ich heute wohl das Ziel erreichen sollte, denn ich musste sowieso zum Startgelände zurück um meine Tasche abzuholen. Am Schloss ging es dann zwei Kilometer lang nach Süden. Am zweiten Verpflegungspunkt nahm ich mir wieder Tee zu trinken. Ich merkte, dass ich schon ein bisschen schwitzte. Bei Kilometer zehn wurden – wie bereits fünf Kilometer zuvor – unserer Zwischenzeiten gemessen. Bei Kilometer elf ging es dann wieder zurück. Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass wir uns nun auf dem Kurfürstendamm befanden, dessen linke Seite für uns gesperrt war, während die andere Seite für die Autos freigegeben war. Wir kamen zur Gedächtniskirche, welche teilweise zerstört war. Hier war der Ku‘damm zu Ende. Nach vierzehn Kilometern waren wir an einem Verpflegungspunkt, wo man uns die Getränke in Plastikbechern servierte. Dann kam eine Linkskurve und nun gab es einen starken Wind, welcher die weggeworfenen Plastikbecher vor sich her wehte. Bei Kilometer 15 wurden wieder die Zwischenzeiten gemessen und nun befanden wir uns am Lützowufer. Hier ging es ein Stückchen entlang und dann über den Fluss. In der Ferne konnte ich bereits die auffälligen Gebäude des Potsdamer Platzes sehen, als wieder ein Verpflegungspunkt vorhanden war.
Dann kamen wir zum Sony-Center und danach an den Potsdamer Platz. Dahinter machten wir einen Rechts-Schlenker und waren nun auf der Hauptverkehrsstraße, auf der ich heute Morgen von meiner Unterkunft zum Veranstaltungszentrum gegangen war. Irgendwo davor war der Checkpoint Charlie, wo sich die Besucher in einem Blackbox über dieses Gelände informieren konnten. Wir kamen über die Museumsinsel an das rote Rathaus. Dahinter ging es nach rechts auf die Zielgeraden in der Karl-Marx-Allee. Im Gegensatz zu vielen anderen, die einen Endspurt einlegten, machte ich langsam und überquerten nach über zwei Stunden die Ziellinie. Ich war unendlich froh, dass heute doch noch alles geklappt hatte.
Ich ließ mir die Medaille umhängen, die der vor fünf Jahren sehr ähnlich war. Diesmal war auf der Rückseite aber nicht der Fernsehturm, sondern das „Kaufhaus des Westens“ (KaDeWe) zu sehen. Ich holte mir meine Tasche ab und zog mich um, ohne zu duschen. Dann ging ich zu Fuß zum Bahnhof am Alexanderplatz und fuhr zum Hauptbahnhof, wo ich kurz vor 14 Uhr ankam und einen alten Bekannten traf, der mich zum Essen einlud. Ich konnte das Gericht zwar nur langsam zu mir nehmen, aber mir wurde zumindest nicht schlecht davon. Um 16 Ihr verabschiedeten wir uns und ich ging zu meinem ICE, der mich nach Hamburg brachte. Von dort fuhr ich nach Bremen wo ich kurz vor 20 Uhr in meiner Wohnung ankam. Zumindest bis jetzt hatte ich nicht den Eindruck, schwerwiegende gesundheitliche Schäden vom heutigen Tag davongetragen zu haben.
Der 35. Berliner Halbmarathon.
Am Berlin-Halbmarathon hatte ich vor fünf Jahren bereits einmal teilgenommen. Das war damals im Jahre 2010 und es hatte sich dabei um den dritten Halbmarathon meines Lebens gehandelt und um die dreißigste Auflage dieser Veranstaltung, bei der leider kurz vor dem Zieleinlauf ein Teilnehmer tödlich verunglückt war. In den Folgejahren war ich an diesem Wochenende entweder in Freiburg oder an der Deutschen Weinstraße gelaufen.
Nun hatte ich mich wieder für dieses Ereignis angemeldet und eine Übernachtung in Marzahn für zehn Euro gebucht. Leider wurde mir keine zwei Wochen vor der Anfahrt mitgeteilt, dass die Unterkunft renoviert werden sollte. Ich musste mich um eine andere Übernachtungsmöglichkeit kümmern und fand in der Nähe von Friedrichshain ein Bett in einem Zimmer für acht Leute für nur 10,50€.
Ich stand am Samstagmorgen gegen halb sechs Uhr auf. Leider spürte ich, dass es mir nicht allzu gut ging. Ich hatte offenbar irgendeine Viruserkrankung mit starkem Stuhlgang. Trotzdem konnte ich frühstücken, meine Tasche packen und mich dann auf den Weg zur Straßenbahn machen. Um kurz nach sieben Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle. Im Gegensatz zum letzten Sonntag kam hier die Nordwestbahn pünktlich an und brachte mich zum Hauptbahnhof, wo ich in den schnellen Metronom nach Hamburg einsteigen konnte. Dort kam ich um 8:42 Uhr an. Ich begab mich zum richtigen Bahnsteig, wo pünktlich um kurz nach neun Uhr der ICE in Richtung Leipzig eintraf. In diesem Zug sah ich bereits den ersten weiteren Läufer, welchen ich an seinen Schuhen und dem Champion-Chip erkannte. Es ging nun ohne Zwischenstation bis Berlin-Spandau und von dort aus in die unterirdische Etage des Berliner Hauptbahnhofs. Ich stieg allerdings erst am Südkreuz aus und wechselte in die S-Bahn, die mich eine Station nach Tempelhof brachte. Hier wechselte ich in die U-Bahn und fuhr nach Norden bis zum Platz der Luftbrücke. Nun musste ich nur noch der Menschenmasse hinterherlaufen, bis ich am Gelände des stillgelegten Flughafens Tempelhof ankam, wo sich die Vital-Messe befand. Meine Teilnahmebestätigung zeigte ich vor und konnte daraufhin das Gelände betreten.
Über das äußere Flughafengelände, wo gerade ein Lauf für Kinder stattfand, kamen wir in den Bereich, wo die Stände der Messe waren. Ich begab ich mich noch einmal auf die Toilette, wo ich bemerkte, dass ich gesundheitlich offenbar wirklich ein bisschen angeschlagen war. Dann ging es weiter, bis ich mich in einer langen Schlange anstellen konnte. Hier sollten nun endlich die Startunterlagen abzuholen sein. Ich stellte mich an einem der Stände an und bekam dann die Startnummer in einem Beutel. Ein Trikot, wie vor fünf Jahren, war im Startpreis allerdings nicht enthalten. Ich hätte es explizit mitbestellen und extra bezahlen müssen.
Ich begab mich nun zum Ausgang und nahm Kurs in Richtung Unterkunft. Ich hatte einen Fußweg von über einer halben Stunde vor mir. Leider waren in der Straße die Hausnummern so merkwürdig angeordnet, dass ich die ganze Straße erst bis zum Ende durchlief, um von dort aus wieder zurückzulaufen und dann erst die Unterkunft fand. Ich bekam den Zimmerschlüssel und konnte nun meine Tasche abladen. Dann ging ich zu Fuß zum Alexanderplatz, wo ich in einem italienischen Restaurant ein Essen zu mir nahm. Dann, gegen 14 Uhr, ging ich zur Unterkunft zurück.
Ich hatte inzwischen Kopfschmerzen bekommen und fühlte mich nicht wohl. In der Unterkunft angekommen, legte ich mich ins Bett und schaffte es tatsächlich, für etwa 30 Minuten zu schlafen. Auch den restlichen Abend verbrachte ich im Bett und verließ dieses nur, um auf die Toilette zu gehen und bei dieser Gelegenheit meine Feldflasche mit Wasser zu füllen. Ich begann, mir Sorgen zu machen, denn in diesem Zustand wäre eine Teilnahme am morgigen Tag unmöglich gewesen.
Gegen Abend kamen auch die anderen Gäste auf das Zimmer, fast alles nur Läufer. Sogar ein Pärchen aus Osteuropa (vermutlich Tschechien) war dabei. Leider befand sich im Nebenbett ein Schnarcher, was es mir schwer machte, Ruhe zu finden. Doch für einige Stunden konnte ich trotzdem schlafen.
Die Umstellung auf Sommerzeit machte es am nächsten Morgen ein bisschen kompliziert. Ich stand gegen halb sieben Uhr auf und zog mich um. Ohne irgendetwas gegessen zu haben, verließ ich die Unterkunft und machte mich mit der schweren Tasche in der Hand auf den Weg zum Alexanderplatz. Unterwegs hatte ich den Eindruck, dass eine Teilnahme heute wohl nicht möglich sei. Als ich am Bahnhof ankam, suchte ich zunächst eine Imbissbude auf, wo ich einen Vitamin-Saft bestellte. Etwa eine halbe Stunde lang hielt ich mich hier auf und trank die Flasche. Dies verlieh mir offenbar neue Kräfte. Ich bekam langsam Hunger und ging in eine andere Imbissbude, wo ich zwei belegte Brötchen zu mir nahm. Danach suchte ich die Toilette am Bahnhof auf und ging danach zum Veranstaltungszentrum. Dabei lief ich zuerst in die falsche Richtung. Im Vorjahr war die Startgerade weiter westlich, auf der Spree-Insel gewesen. Heute musste ich nach Osten gehen. Ich ging erst in den Sicherheitsbereich hinein und gab meine Tasche ab. Da ich noch einmal die Toilette aufsuchte, hatte ich keine Zeit mehr, bis zum Start um 10:05 Uhr meinen Startblock A, direkt hinter der Elite, zu erreichen. Ich stellte mich also hinten an.
Um 10:05 Uhr war dann zwar der Startschuss, ich steckte aber in der Masse fest. Erst lange Zeit später konnten wir auf die Gerade und als wir den Startpunkt erreichten war es schon 10:50 Uhr. In einer Viertelstunde würde der Sieger im Ziel ankommen.
Ich war froh, als es nun endlich losging. Es hatte zuvor leicht genieselt, aber während des Rennens kam kein Wasser von oben. Natürlich musste ich langsam laufen, um keine Gefährdung meines Körpers zu riskieren. Ich trug dabei das Trikot vom Braunschweiger Lauftag 2010.
Wir liefen die Alexanderstraße entlang und bogen dann nach links in die Karl-Liebknecht-Straße ein, wo wir den Fernsehturm links liegen ließen. Ich musste anfangs viel überholen, da ich mich ja im Bereich der langsamsten Teilnehmer befand. Wir überquerten nun ein erstes Mal die Spree und kamen auf die Museumsinsel am Berliner Dom vorbei, bevor wir wieder über den Nebenarm der Spree kamen. Die jetzige Straße war „Unter den Linden“ und führte auf das Brandenburger Tor zu. Zuschauer standen hier zahlreich an der Stecke.
Dann kamen wir an den Pariser Platz. Ich wich ganz nach links aus und lief dann, bei Kilometer drei, durch die Säulen des Brandenburger Tors hindurch. Dahinter begann der Tiergarten, den wir auf der Straße des 17. Juni durchquerten. Bis jetzt spürte ich keinerlei körperliche Beschwerden. An der Siegessäule mussten wir rechts herumlaufen. Dann, am Ende des Tiergartengeländes, war der erste Erfrischungspunkt, wo ich mir Tee zu trinken nahm. Das Geräusch von zertretenen Plastikbechern, welches ich noch von 2010 in Erinnerung hatte, hielt sich diesmal in Grenzen. Am Ernst-Reuter-Platz sah ich ein Gebäude der Technischen Universität und eines der Firma Rohde & Schwarz. Wir liefen an diesem Platz auch rechtsherum und bogen dann in die Otto-Suhr-Alle ein, die uns nach Nordwesten bis zum Schloss Charlottenburg führte.
Hier wurde mir nun klar, dass ich heute wohl das Ziel erreichen sollte, denn ich musste sowieso zum Startgelände zurück um meine Tasche abzuholen. Am Schloss ging es dann zwei Kilometer lang nach Süden. Am zweiten Verpflegungspunkt nahm ich mir wieder Tee zu trinken. Ich merkte, dass ich schon ein bisschen schwitzte. Bei Kilometer zehn wurden – wie bereits fünf Kilometer zuvor – unserer Zwischenzeiten gemessen. Bei Kilometer elf ging es dann wieder zurück. Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass wir uns nun auf dem Kurfürstendamm befanden, dessen linke Seite für uns gesperrt war, während die andere Seite für die Autos freigegeben war. Wir kamen zur Gedächtniskirche, welche teilweise zerstört war. Hier war der Ku‘damm zu Ende. Nach vierzehn Kilometern waren wir an einem Verpflegungspunkt, wo man uns die Getränke in Plastikbechern servierte. Dann kam eine Linkskurve und nun gab es einen starken Wind, welcher die weggeworfenen Plastikbecher vor sich her wehte. Bei Kilometer 15 wurden wieder die Zwischenzeiten gemessen und nun befanden wir uns am Lützowufer. Hier ging es ein Stückchen entlang und dann über den Fluss. In der Ferne konnte ich bereits die auffälligen Gebäude des Potsdamer Platzes sehen, als wieder ein Verpflegungspunkt vorhanden war.
Dann kamen wir zum Sony-Center und danach an den Potsdamer Platz. Dahinter machten wir einen Rechts-Schlenker und waren nun auf der Hauptverkehrsstraße, auf der ich heute Morgen von meiner Unterkunft zum Veranstaltungszentrum gegangen war. Irgendwo davor war der Checkpoint Charlie, wo sich die Besucher in einem Blackbox über dieses Gelände informieren konnten. Wir kamen über die Museumsinsel an das rote Rathaus. Dahinter ging es nach rechts auf die Zielgeraden in der Karl-Marx-Allee. Im Gegensatz zu vielen anderen, die einen Endspurt einlegten, machte ich langsam und überquerten nach über zwei Stunden die Ziellinie. Ich war unendlich froh, dass heute doch noch alles geklappt hatte.
Ich ließ mir die Medaille umhängen, die der vor fünf Jahren sehr ähnlich war. Diesmal war auf der Rückseite aber nicht der Fernsehturm, sondern das „Kaufhaus des Westens“ (KaDeWe) zu sehen. Ich holte mir meine Tasche ab und zog mich um, ohne zu duschen. Dann ging ich zu Fuß zum Bahnhof am Alexanderplatz und fuhr zum Hauptbahnhof, wo ich kurz vor 14 Uhr ankam und einen alten Bekannten traf, der mich zum Essen einlud. Ich konnte das Gericht zwar nur langsam zu mir nehmen, aber mir wurde zumindest nicht schlecht davon. Um 16 Ihr verabschiedeten wir uns und ich ging zu meinem ICE, der mich nach Hamburg brachte. Von dort fuhr ich nach Bremen wo ich kurz vor 20 Uhr in meiner Wohnung ankam. Zumindest bis jetzt hatte ich nicht den Eindruck, schwerwiegende gesundheitliche Schäden vom heutigen Tag davongetragen zu haben.
Montag, 30. März 2015
Halbmarathon Wandsetal 2015-03-22
Der einhundertundzehnte Halbmarathon meines Lebens.
Der 2. Wandsetaler Runde.
Der Musekelkater vom Barcelona-Marathon hielt etwa drei Tage an. Am Freitag konnte ich wieder eine Trainingsstrecke von knapp über acht Kilometern zurücklegen. Erst nach dem Barcelona-Marathon hatte ich mich für diesen Halbmarathon angemeldet, da ich mir nicht sicher war, ob eventuell Knieprobleme auftreten würden. Alternativ wäre auch noch der Airport-Run in Hannover am heutigen Tag gewesen, welche mir aber als zu teuer erschien.
Ich stand gegen sechs Uhr auf und frühstückte. Dann verließ ich das Haus, um die Straßenbahn zum Bahnhof Walle zu nehmen. Die Nordwestbahn sollte dort um 7:21 Uhr eintreffen. Leider hatte sie 15 Minuten Verspätung, wodurch ich den schnellen Metronom am Bremer Hauptbahnhof verpasste. Ich musste mich mit dem Langsamen begnügen, der um acht Uhr in Richtung Hamburg startete. Während der Zugfahrt nahm ich mein mitgebrachtes Brot zu mir, bevor der Zug um 9:20 Uhr in Hamburg ankam. Ich erreichte dort noch die U-Bahn nach Wandsbek-Markt, wo ich dann sah, dass der nächste Bus zum Veranstaltungszentrum erst in zwanzig Minuten abfahren würde. Es sollte nun ziemlich knapp werden, da der Halbmarathon schon um 10:30 Uhr beginnen sollte.
Ich verpasste den Bus zwar, der Fahrer ließ mich aber an der Ampel noch einsteigen. Als wir nach wenigen Minuten am Veranstaltungszentrum ankamen, sprach ich eine junge Frau an, die heute den Fünf-Kilometerlauf absolvieren wollte. Ich zeigte ihr den Weg zur Startunterlagenausgabe auf dem Schulgelände, welches ich noch aus dem Vorjahr kannte. Hier holte auch ich meine Startnummer ab. Dann zog ich mich auf dem Schulhof um. Ich trug das grüne Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2010. Ein Zeitmess-Transponder musste um das Bein gebunden werden. Die Taschenabgabe war beim Startbereich. Ich musste mich ein bisschen beeilen, dorthin zu kommen. Dann gab ich meine Tasche ab. Es waren nun nur noch zwei Minuten bis zum Start. Ich kletterte über eine Absperrung, um mich nicht ganz hinten anzustellen. Das Wetter war in Ordnung. Leider schien die Sonne ein bisschen stark, aber es war relativ kühl.
Um 10:30 Uhr ging es los. Halbmarathon, Zehn-Kilometer- und Fünf-Kilometerlauf starteten gemeinsam. Die Strecke war die gleiche wie im Vorjahr. Anfangs war es richtig eng. Wir kamen auf die Hauptstraße und bogen dann nach rechts in den Park ein. Es hatte am Vortag ein bisschen geregnet, aber der Boden war trotzdem so gut wie trocken. Nur vereinzelte Pfützen waren noch vorhanden. Einer meiner Vorderleute achtete offenbar nicht so genau darauf und trat zweimal mit voller Wucht in solch eine Pfütze. Dabei machte er sich nicht nur die eigenen Füße nass, sondern auch die Beine seiner Nebenleute. Ich selber wurde verschont.
Als nach zwei Kilometern der Park von einer Verkehrsstraße unterbrochen wurde, mussten die Fünf-Kilometerläufer rechts abbiegen, wir anderen links. Wir überquerten die Straße, wobei wir durch ein Fahrrad-Hindernis hindurchmussten. Im nun folgenden Abschnitt war die erste Verpflegungsstelle, an der wir ein großes Tuch mit der Aufschrift „125 Jahre TSV Wandsetal“ (Veranstalter dieses Rennens) sehen konnte. Nach einem kurzen Abschnitt an einer weiteren Verkehrsstraße ging es wieder in den Park hinein.
Nun kam der östlichste Abschnitt. Wir mussten unter einer Fernverkehrsstraße und unter der Eisenbahnlinie hindurch. Die jeweiligen Abzweigungen waren mit Pfeilen auf dem Boden angegeben. Hier war einer der kritischen Punkte, weil der Rückweg auch auf diesem engen, nicht gut einsehbaren Weg war. Zunächst erreichte ich aber das Schrebergartengebiet, in welches ich nach rechts einbog. Ich sah einige ganz schnelle Läufer, die mir entgegenkamen. Als ich dann selber auf dem Rückweg war, kam mir das Hauptfeld entgegen. Unglücklicherweise gingen vor mir zwei Rentnerinnen spazieren, die ich erst überholen konnte, als ich keinen Gegenverkehr hatte. Somit verlor ich wertvolle Sekunden. Zurück bei den beiden Unterführungen musste ich höllisch aufpassen, um mit niemandem zu kollidieren. Auf der anderen Seite ging es dann geradeaus. Hier hatte ich keinen Gegenverkehr mehr. Es ging wieder durch einen Parkabschnitt. Jedes Mal, wenn der Park durch eine Straße unterbrochen wurde, regelten zwei Polizisten den Verkehr. Schließlich erreichte ich wieder die Stelle, wo die Fünf-Kilometerläufer rechts abgebogen waren und sich von uns getrennt hatten. Nun musste ich diese Abzweigung nehmen.
Es kam nun wieder ein kurzer Abschnitt, in welchem uns das Führungsfeld entgegenkam. Dann ging es über eine kleine Holzbrücke, auf deren anderer Seite ein Parkabschnitt mit Hundewiese und Spielplatz war. Am Ende kamen wir wieder auf die Hauptstraße, die das Startgelände vom Schulzentrum trennte. Hier trennten sich dann auch die Kurse: Die Zehn-Kilometerläufer mussten zurück zur Start- und Zielgeraden, während wir Halbmarathonis in die zweite Runde einbogen. Ich hatte für die erste Hälfte etwa 45 Minuten gebraucht.
Nun war für mich wesentlich mehr Platz vorhanden. Die Abzweigung des Fünf-Kilometerlaufes konnte ich daher ungehindert schon aus der Ferne sehen, weshalb ich das Fahhrad-Hindernis diesmal locker und sanft durchlaufen konnte. Bei den beiden Unterführungen hatte ich zwar Gegenverkehr von den Leuten, die noch auf der ersten Runde waren, jedoch handelte es sich nur um ein paar wenige Teilnehmer. Die Läuferin, welche den Abschluss bildete, wurde von einem Fahrradfahrer begleitet. Ich überholte sie kurz hinter der Unterführung. Ich war gespannt, ob ich nun vielleicht Klas zu sehen bekam. Doch er nahm heute offenbar gar nicht an dieser Veranstaltung teil.
Im Vorderfeld konnte ich nun sogar eine Frau sehen, die richtig schnell unterwegs war. Meinen direkten Vordermann verlor ich sogar kurzzeitig aus den Augen, weshalb ich eine falsche Abzweigung nahm, was ich erst nach ein paar Sekunden bemerkte. Als ich dann wieder auf dem richtigen Kurs war, hatte mein Vordermann schon einen bedeutenden Vorsprung. Bei der kleinen Holzbrücke rief mir der Streckenposten zu, dass ich den Typen doch noch locker einholen könnte. Ich verstärkte nun meine Anstrengungen, obwohl ich langsam schon richtig Hunger bekam. Ich überholte ihn tatsächlich noch.
An der Hauptstraße bog ich nun auf die Zielgeraden ein. Ich wollte noch unter einer Nettozeit von 90 Minuten über die Linie, was mir aber leider nicht gelang. Ein Jugendlicher hängte mir dann die Medaille um, welche der des Vorjahres ähnlich war. Es war ein Stück Metall, wie man es im Laden kaufen konnte, ohne irgendeine Beschriftung. Er forderte mich auf, den Zeitmesschip auszuziehen und abzulegen, was ich im Normalfall wohl vergessen hätte. Dann nahm ich mir ein Getränk und ein Stück Apfel und machte mich auf den Weg zu den Duschen. Dort sah ich in einem Spiegel, dass mein Gesicht von zahlreichen Salzkrusten gezeichnet war. Als ich umgezogen war, ging ich direkt zur Bushaltestelle. Dort traf ich die junge Frau (sie war 17), mit der ich mich schon auf dem Hinweg unterhalten hatte. Sie war Altersklassensiegerin geworden und hatte ein Badetuch gewonnen. Sachpreise gab es für alle Altersklassensieger. Ich ging davon aus, dass ich kein Altersklassensieger geworden war und hatte mich auch deshalb gleich wieder auf den Heimweg gemacht, ohne zur Siegerehrung zu erscheinen.
Ich fuhr noch mit der S-Bahn zur Sternschanze, wo ich in eine Imbissbude ging. Dann fuhr ich zurück zum Hauptbahnhof, wo ich um 14:15 Uhr den Metronom nach Bremen nahm. Von dort aus ging es mit der Nordwestbahn nach Walle und mit der Straßenban weiter nach Hause. Erst aus den Ergebnissen im Internet erfuhr ich, dass ich doch Altersklassensieger geworden war. Ob der Preis verfalle oder mir zugeschickt werden würde, konnte ich nicht wissen.
Der 2. Wandsetaler Runde.
Der Musekelkater vom Barcelona-Marathon hielt etwa drei Tage an. Am Freitag konnte ich wieder eine Trainingsstrecke von knapp über acht Kilometern zurücklegen. Erst nach dem Barcelona-Marathon hatte ich mich für diesen Halbmarathon angemeldet, da ich mir nicht sicher war, ob eventuell Knieprobleme auftreten würden. Alternativ wäre auch noch der Airport-Run in Hannover am heutigen Tag gewesen, welche mir aber als zu teuer erschien.
Ich stand gegen sechs Uhr auf und frühstückte. Dann verließ ich das Haus, um die Straßenbahn zum Bahnhof Walle zu nehmen. Die Nordwestbahn sollte dort um 7:21 Uhr eintreffen. Leider hatte sie 15 Minuten Verspätung, wodurch ich den schnellen Metronom am Bremer Hauptbahnhof verpasste. Ich musste mich mit dem Langsamen begnügen, der um acht Uhr in Richtung Hamburg startete. Während der Zugfahrt nahm ich mein mitgebrachtes Brot zu mir, bevor der Zug um 9:20 Uhr in Hamburg ankam. Ich erreichte dort noch die U-Bahn nach Wandsbek-Markt, wo ich dann sah, dass der nächste Bus zum Veranstaltungszentrum erst in zwanzig Minuten abfahren würde. Es sollte nun ziemlich knapp werden, da der Halbmarathon schon um 10:30 Uhr beginnen sollte.
Ich verpasste den Bus zwar, der Fahrer ließ mich aber an der Ampel noch einsteigen. Als wir nach wenigen Minuten am Veranstaltungszentrum ankamen, sprach ich eine junge Frau an, die heute den Fünf-Kilometerlauf absolvieren wollte. Ich zeigte ihr den Weg zur Startunterlagenausgabe auf dem Schulgelände, welches ich noch aus dem Vorjahr kannte. Hier holte auch ich meine Startnummer ab. Dann zog ich mich auf dem Schulhof um. Ich trug das grüne Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2010. Ein Zeitmess-Transponder musste um das Bein gebunden werden. Die Taschenabgabe war beim Startbereich. Ich musste mich ein bisschen beeilen, dorthin zu kommen. Dann gab ich meine Tasche ab. Es waren nun nur noch zwei Minuten bis zum Start. Ich kletterte über eine Absperrung, um mich nicht ganz hinten anzustellen. Das Wetter war in Ordnung. Leider schien die Sonne ein bisschen stark, aber es war relativ kühl.
Um 10:30 Uhr ging es los. Halbmarathon, Zehn-Kilometer- und Fünf-Kilometerlauf starteten gemeinsam. Die Strecke war die gleiche wie im Vorjahr. Anfangs war es richtig eng. Wir kamen auf die Hauptstraße und bogen dann nach rechts in den Park ein. Es hatte am Vortag ein bisschen geregnet, aber der Boden war trotzdem so gut wie trocken. Nur vereinzelte Pfützen waren noch vorhanden. Einer meiner Vorderleute achtete offenbar nicht so genau darauf und trat zweimal mit voller Wucht in solch eine Pfütze. Dabei machte er sich nicht nur die eigenen Füße nass, sondern auch die Beine seiner Nebenleute. Ich selber wurde verschont.
Als nach zwei Kilometern der Park von einer Verkehrsstraße unterbrochen wurde, mussten die Fünf-Kilometerläufer rechts abbiegen, wir anderen links. Wir überquerten die Straße, wobei wir durch ein Fahrrad-Hindernis hindurchmussten. Im nun folgenden Abschnitt war die erste Verpflegungsstelle, an der wir ein großes Tuch mit der Aufschrift „125 Jahre TSV Wandsetal“ (Veranstalter dieses Rennens) sehen konnte. Nach einem kurzen Abschnitt an einer weiteren Verkehrsstraße ging es wieder in den Park hinein.
Nun kam der östlichste Abschnitt. Wir mussten unter einer Fernverkehrsstraße und unter der Eisenbahnlinie hindurch. Die jeweiligen Abzweigungen waren mit Pfeilen auf dem Boden angegeben. Hier war einer der kritischen Punkte, weil der Rückweg auch auf diesem engen, nicht gut einsehbaren Weg war. Zunächst erreichte ich aber das Schrebergartengebiet, in welches ich nach rechts einbog. Ich sah einige ganz schnelle Läufer, die mir entgegenkamen. Als ich dann selber auf dem Rückweg war, kam mir das Hauptfeld entgegen. Unglücklicherweise gingen vor mir zwei Rentnerinnen spazieren, die ich erst überholen konnte, als ich keinen Gegenverkehr hatte. Somit verlor ich wertvolle Sekunden. Zurück bei den beiden Unterführungen musste ich höllisch aufpassen, um mit niemandem zu kollidieren. Auf der anderen Seite ging es dann geradeaus. Hier hatte ich keinen Gegenverkehr mehr. Es ging wieder durch einen Parkabschnitt. Jedes Mal, wenn der Park durch eine Straße unterbrochen wurde, regelten zwei Polizisten den Verkehr. Schließlich erreichte ich wieder die Stelle, wo die Fünf-Kilometerläufer rechts abgebogen waren und sich von uns getrennt hatten. Nun musste ich diese Abzweigung nehmen.
Es kam nun wieder ein kurzer Abschnitt, in welchem uns das Führungsfeld entgegenkam. Dann ging es über eine kleine Holzbrücke, auf deren anderer Seite ein Parkabschnitt mit Hundewiese und Spielplatz war. Am Ende kamen wir wieder auf die Hauptstraße, die das Startgelände vom Schulzentrum trennte. Hier trennten sich dann auch die Kurse: Die Zehn-Kilometerläufer mussten zurück zur Start- und Zielgeraden, während wir Halbmarathonis in die zweite Runde einbogen. Ich hatte für die erste Hälfte etwa 45 Minuten gebraucht.
Nun war für mich wesentlich mehr Platz vorhanden. Die Abzweigung des Fünf-Kilometerlaufes konnte ich daher ungehindert schon aus der Ferne sehen, weshalb ich das Fahhrad-Hindernis diesmal locker und sanft durchlaufen konnte. Bei den beiden Unterführungen hatte ich zwar Gegenverkehr von den Leuten, die noch auf der ersten Runde waren, jedoch handelte es sich nur um ein paar wenige Teilnehmer. Die Läuferin, welche den Abschluss bildete, wurde von einem Fahrradfahrer begleitet. Ich überholte sie kurz hinter der Unterführung. Ich war gespannt, ob ich nun vielleicht Klas zu sehen bekam. Doch er nahm heute offenbar gar nicht an dieser Veranstaltung teil.
Im Vorderfeld konnte ich nun sogar eine Frau sehen, die richtig schnell unterwegs war. Meinen direkten Vordermann verlor ich sogar kurzzeitig aus den Augen, weshalb ich eine falsche Abzweigung nahm, was ich erst nach ein paar Sekunden bemerkte. Als ich dann wieder auf dem richtigen Kurs war, hatte mein Vordermann schon einen bedeutenden Vorsprung. Bei der kleinen Holzbrücke rief mir der Streckenposten zu, dass ich den Typen doch noch locker einholen könnte. Ich verstärkte nun meine Anstrengungen, obwohl ich langsam schon richtig Hunger bekam. Ich überholte ihn tatsächlich noch.
An der Hauptstraße bog ich nun auf die Zielgeraden ein. Ich wollte noch unter einer Nettozeit von 90 Minuten über die Linie, was mir aber leider nicht gelang. Ein Jugendlicher hängte mir dann die Medaille um, welche der des Vorjahres ähnlich war. Es war ein Stück Metall, wie man es im Laden kaufen konnte, ohne irgendeine Beschriftung. Er forderte mich auf, den Zeitmesschip auszuziehen und abzulegen, was ich im Normalfall wohl vergessen hätte. Dann nahm ich mir ein Getränk und ein Stück Apfel und machte mich auf den Weg zu den Duschen. Dort sah ich in einem Spiegel, dass mein Gesicht von zahlreichen Salzkrusten gezeichnet war. Als ich umgezogen war, ging ich direkt zur Bushaltestelle. Dort traf ich die junge Frau (sie war 17), mit der ich mich schon auf dem Hinweg unterhalten hatte. Sie war Altersklassensiegerin geworden und hatte ein Badetuch gewonnen. Sachpreise gab es für alle Altersklassensieger. Ich ging davon aus, dass ich kein Altersklassensieger geworden war und hatte mich auch deshalb gleich wieder auf den Heimweg gemacht, ohne zur Siegerehrung zu erscheinen.
Ich fuhr noch mit der S-Bahn zur Sternschanze, wo ich in eine Imbissbude ging. Dann fuhr ich zurück zum Hauptbahnhof, wo ich um 14:15 Uhr den Metronom nach Bremen nahm. Von dort aus ging es mit der Nordwestbahn nach Walle und mit der Straßenban weiter nach Hause. Erst aus den Ergebnissen im Internet erfuhr ich, dass ich doch Altersklassensieger geworden war. Ob der Preis verfalle oder mir zugeschickt werden würde, konnte ich nicht wissen.
Samstag, 21. März 2015
Marathon Barcelona 2015-03-15
Der siebzehnte Marathon meines Lebens.
Der Barcelona-Marathon.
Die ganze Reise hatte ich etwa ein halbes Jahr im Voraus geplant. Mit den guten Verbindungen vom Bremer Flughafen nach Paris, von wo aus man fast alle Ziele weltweit ansteuern kann, war es möglich, einen Flug nach Barcelona zu buchen. Die Teilnahmegebühr für den Marathon war nach der bisherigen Anzahl der Anmeldungen gestaffelt. Da ich zu den ersten zehntausend gehörte, bekam ich noch den günstigsten Tarif. Ich war im Jahr 2003 schon einmal als Schüler in Barcelona gewesen, damals allerdings im Hochsommer (Juni), untergebracht bei Gastfamilien im Vorort in Rubí und der Anflug mit Ryanair zum etwas weiter entfernt liegenden Flughafen Girona.
Tag 1:
Ich nahm, wie schon beim Florenz-Marathon, das 6:30-Uhr-Flugzeug am Samstag nach Paris. Dafür musste ich um 3:30 Uhr aufstehen. Ich hatte am Vortag mal wieder eine Mini-Erkältung mit leichtem Kratzen im Rachen und etwas verstärktem Nasenlaufen gehabt. Dies ließ mich ein wenig Zittern, denn eine Marathonteilnahme im Krankheitsfall ist bekanntlich lebensgefährlich. Insgesamt hatte ich in der jetzigen Nacht nur drei Stunden geschlafen. Ich hatte am Vortag beim Bäcker noch drei Brötchen gekauft, die ich in Paris mit Schinken belegen und dann verzehren wollte, da ich am Charles-de-Gaulle-Airport über vier Stunden Aufenthalt haben sollte und die Preise in den dortigen Gastronomiebetrieben schon ziemlich hoch sind. Ich zog mich an und packte dann meinen Koffer. Um 4:35 Uhr nahm ich die Straßenbahn in die Innenstadt, wo ich an der Domsheide in die Linie 6 zum Flughafen einstieg. Um kurz nach fünf Uhr kam ich dort an. Ich gab am Air-France-Schalter meinen Koffer ab. Dort wurde mir bestätigt, dass dieser Koffer in Paris von einem Terminal zum anderen transportiert werden würde, sodass ich ihn erst wieder in Barcelona abholen müsste. Erst als ich das Reisegepäck aufgegeben hatte, fiel mir ein, dass sich in diesem meine Brötchen befanden. Ich musste also irgendwie anders den baldigen Hunger bekämpfen.
Als ich dann in den Sicherheitsbereich einchecken wollte, stellte ich fest, dass die Warteschlange extrem lang war. Es dauerte bis kurz vor sechs Uhr, bevor ich an die Reihe kam. Außer dem Flug nach Paris warteten die Reisenden auch noch auf Flugzeuge nach Gran Canaria und Mallorca. Der Start unserer Maschine verzögerte sich wegen des hohen Andrangs auch ein bisschen. Zu allem Überfluss sah ich nun auch noch, dass meine Armbanduhr offenbar kaputt war. Sie war mal wieder stehengeblieben, obwohl ich schon zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen die Batterie gewechselt hatte. Ich musste also wieder einmal einen Marathon ohne funktionierende Uhr absolvieren, genauso wie in Florenz.
Um kurz nach acht Uhr kamen wir in Paris an. Ich wurde angewiesen, den Sicherheitsbereich nicht zu verlassen, sondern in einen Bus zu steigen, der mich und zwei weitere Reisende direkt zum anderen Terminal brachte. Es war das gleiche Terminal, von welchem aus ich auch nach Florenz geflogen war. Mein Flug nach Barcelona sollte um 12:35 Uhr starten. Ich hatte also noch viel Zeit, mir den ganzen Flughafen anzuschauen. An einem Snackautomaten kaufte ich mir für 1,50€ ein paar Kartoffelchips, sodass der Hunger wenigstens ein bisschen gestillt war. Als ich dann um halb eins endlich im Flugzeug nach Barcelona saß, war ich froh, dass es hier als Mittagessen ein Brötchen mit Salat gab, welches mir schmeckte. Kurz nach 14 Uhr kamen wir in Barcelona an.
Ich hatte keinen aktuellen Metro-Plan dabei, hatte aber gelesen, dass der Weg vom Flughafen zum Zentrum besser mit dem Bus zu bewältigen sei. Zunächst musste ich aber die Gepäckabgabe abwarten. Ich war erleichtert, als ich meinen grünen Koffer tatsächlich wiederentdeckte. Jetzt konnte ich endlich die drei Brötchen mit Schinken belegen und verzehren. Dann ging ich aus dem Flughafengebäude hinaus auf einen tiefer gelegenen Platz, wo einige Busse standen. Ich fragte zwei Helferinnen, welche mir erklärten, dass einer der Busse bis zur Plaza Catalunya fahren würde. Dies kostete 5,90€. Ich zahlte beim Fahrer und fuhr bis zur Endstation. Die Plaza Catalunya liegt südlich von der Diagonal, an welcher meine Unterkunft lag. Ich fragte mich ein bisschen durch, bis ich in die richtige Richtung lief. Tatsächlich kam ich an die Diagonal-Straße, wo ich auch schnell die Unterkunft fand. Sie war im ersten Stock eines Hauses angesiedelt und relativ klein. Mit dem Hotelwärter unterhielt ich mich ausschließlich auf Spanisch. Ich bekam ein Bett und ein Schließfach in einem großen Raum angewiesen. Dann machte ich mich sofort wieder auf den Weg, um mir die Startunterlagen abzuholen. Ich wollte wissen, wie weit der Weg dorthin war, um ihn morgen notfalls zu Fuß zurückzulegen.
Der Weg war zwar nicht allzu weit, allerdings musste ich immer wieder an roten Ampeln anhalten. Unterwegs kamen mir immer mehr Sportler mit den Starterbeuteln des Barcelona-Marathons entgegen. Das Veranstaltungszentrum lag an der Plaza Espanya. Ich erkannte diesen Ort nun wieder, da ich vor zwölf Jahren schon einmal hier gewesen war. Südlich von ihm liegt auf einer Anhöhe ein großer Park, südwestlich das Messegelände. Die Startgerade führte offenbar von diesem Park in nördliche Richtung. In einer großen Halle zeigte ich zunächst auf meinem Smartphone die Anmeldebestätigung vor und erhielt im Gegenzug die Startnummer. An einem großen Plakat konnte ich mich noch einmal versichern, dass der Marathon um 8:30 Uhr starten sollte. An weiteren Orten auf der Messe bekam ich noch das diesjährige Teilnehmertrikot (türkis) und den Starterbeutel, der allerdings kaum nennenswerte Gegenstände enthielt.
Beim Rückweg verlief ich mich nun zum ersten Mal. Dies wurde mir klar, als einige Touristen an einer Metrostation anhielten und ich nun sah, dass ich an der falschen Metrostrecke entlanggelaufen war. Daher entschied ich mich, die restliche Strecke zu meiner Unterkunft nun direkt mit der Metro zurückzulegen. Ich kaufte mir für weniger als zehn Euro ein Ticket, mit dem ich zehn einfach Fahrten machen konnte. Ich fuhr nun allerdings erst zur Plaza de Catalunya, um mir in einem kleinen Supermarkt etwas zu essen zu kaufen. Ich ging dabei über die Mitte des großen Platzes und erinnerte mich nun, wie ich hier vor zwölf Jahren mit meinen Schulkameraden im Schatten gesessen und trotzdem Sonnenbrand bekommen hatte. Im nebenan gelegenen Corte Ingles hatte Jochen sich damals ein Poster zweimal kaufen müssen, da er es nach dem ersten Mal irgendwo verloren hatte.
Ich verirrte mich nun erneut und kam in eine der Ramblas, wo ich in einer Seitenstraße dann doch einen kleinen Laden fand, wo ich mir Pepsi, Hot-Dog-Brötchen und Salami kaufte. Als ich den Laden wieder verließ, fing es fürchterlich an zu hageln und zu regnen. Ich stellte mich auf der Rambla bei einem Andenkenladen unter und kaufte dort einen Barcelona-Teller für sechs Euro. Dann suchte ich an der Plaza de Catalunya den McDoof auf. Dies dauerte ein bisschen und meine Kleidung wurde nun immer feuchter. Im McDoof angekommen, kaufte ich mir zwei große Portionen Pommes und ging damit in die unterirdische Metro-Station. Mit der sogenannten grünen Linie fuhr ich nun bis zur Station „Diagonal“. Unterwegs erklärte mir ein deutsches Pärchen, dass die Metro auch sonntags alle vier bis fünf Minuten fahren würde.
Als ich an der betreffenden Metrostation ausstieg, verlief ich mich wieder zweimal, bevor ich meine Unterkunft endlich fand. Dort konnte ich dann meine Füße abduschen und mich gegen Viertel nach neun Uhr schlafen legen.
Tag 2:
Da sich in meiner Unterkunft zwei laut schnarchende Gäste befanden, wurde die Nacht ein bisschen unangenehm. Dennoch schlief ich mit nur wenigen Unterbrechungen. Am nächsten Morgen stand ich gegen 6:30 Uhr auf und duschte. Dann ging ich in den Frühstücksraum und nahm insgesamt vier Hot-Dog-Brötchen mit 80 Gramm Salami zu mir. Während des Frühstücks kam ein Familienvater mit seinen beiden Söhnen und seiner Frau herein. Er war aus Barcelona und wollte heute auch mitlaufen. Da ich schon alle meine Sachen am Vorabend gepackt hatte, konnte ich sofort nach dem Frühstück losgehen. Ich hatte nur wenig Gepäck dabei, weil ich nicht am Veranstaltungsgelände sondern erst wieder im Hotel duschen wollte. Meine vorgesehenen Laufsocken hatten leider Löcher, weshalb ich auf normale Socken umgestiegen war. Die Schuhe hatte ich im Dezember in Augsburg bei Karstadt gekauft und in den Folgemonaten einigermaßen „eingelaufen“, die längste Strecke war um die 30 Kilometer gewesen. Obenrum trug ich das Trikot vom Lesmona-Lauf 2010.
Heute war auf den Straßen wesentlich weniger Autoverkehr als gestern. Ich fand die Metrostation sofort, wo die grüne Linie in Richtung Universität fuhr. Tatsächlich fuhren die Züge auch Sonntags im Fünf-Minuten-Takt. Es wimmelte hier bereits von Läufern. Wir kamen über die Plaza de Catalunya zur Plaza Espanya, wo alle Läufer ausstiegen. Es dauerte einige Zeit, bis der ganze Strom an die Erdoberfläche kam. Ich schaute mir erst einmal die Startgerade an. Sie lag zwischen der Anhöhe mit dem künstlichen Wasserfall und der Plaza Espanya. Dazwischen war das Messegelände. Ich schaute mir den Wasserfall an und wollte dann auf dem Messegelände meinen Starterbeutel abgeben. Erst jetzt sah ich, wie lang die Schlange hier war. Bis zum Start waren es noch 30 Minuten. Glücklicherweise ging es dann doch relativ zügig voran. Ich behielt meine Kappe auf dem Kopf, um mich vor der Sonne zu schützen und gab den Rest meiner Sachen beim Personal ab. Dann ging es auf der anderen Seite des Gebäudes wieder hinaus. Ich suchte noch eine Toilette auf und wollte mich dann in den für mich vorgesehenen Startblock einordnen. Meine Startnummer war hellblau, dies stand für den Starterblock mit Zeiten zwischen 3:15 Stunden und 3:30 Stunden. Leider fand ich keine Zugang zu der Geraden, welche von den Zuschauern mit übermäßig großen Gittern abgegrenzt war. Da ich jedoch zahlreiche andere Sportler sah, die sich an diesem Zaun hochschwangen, um auf die Startgeraden zu gelangen, folgte ich diesem Beispiel. Der Zaun war zum Glück sehr stabil. Um acht Uhr dreißig ging es dann los. Vorne regnete es großes Konfetti. Nach einer weiteren Minute kam ein zweiter Countdown. Womöglich war der erstere für die Elite gewesen. Nach etwa drei Minuten überquerte dann auch ich die Startlinie.
Der Kurs bestand aus einer einzigen Runde, die uns zuerst durch den Westen und dann durch den Osten der Stadt führen sollte. Als wir die beiden Türme an der Plaza Espanya erreichten, drehten wir nach links ab und liefen in Richtung Nordwesten. Wir hatten somit die Sonne erst einmal im Rücken. Nach zweieinhalb Kilometern folgte eine Rechtskurve, so dass wir nun die Sonne vor uns hatten. Zum Glück trug ich meine Kappe. Ich sah einen Teilnehmer mit einem Trikot, auf welchem er fünf Veranstaltungen vermerkt hatte. Dreimal wurden hier Auflagen des Athen-Marathons erwähnt. Ich erinnerte mich, dass man sich ja genau ab heute für die diesjährige Auflage anmelden konnte, was ich noch tun wollte. Deshalb sprach ich ihn auf Englisch an und erklärtem ihm dies. Dann ließ ich ihn hinter mir.
Nach einer zweifachen Linkskurve ging es durch den nordwestlichsten Teil des Kurses. Bei Kilometer fünf wurden unsere Zwischenzeiten gemessen. Danach gab es an einer ersten Verpflegungsstelle Wasser zu trinken, welches uns in geöffneten 0,33-Liter-Plastikflaschen gereicht wurde.
Kurz darauf erreichten wir das Nou Camp, welches ich vor zwei Jahren auch von innen hatte besichtigen dürfen. Diesmal liefen wir einmal fast komplett drum herum. Dann ging es nach rechts auf eine große Straße, die uns nach Südwesten führte. Die Straße bestand aus zahlreichen Autospuren, zwischen denen sich auch noch Straßenbahnschienen befanden. Für uns Läufer war nur die eine Hälfte gesperrt, der Teil jenseits der Schienen war für den Autoverkehr freigegeben. Ein Helfer erklärte mir, dass es sich bei dieser Straße um die Diagonal handelte.
Wir verließen die Straße wieder und erreichten Kilometer zehn, wo erneut unsere Zwischenzeiten gemessen wurden. Dann ging es nach Süden, wieder auf die beiden Türme der Plaza Espanya zu. Kurz vor den Türmen bogen wir nach Osten ab, wir waren nun auf der Gran Via. Langsam wurde es lauter, da immer mehr Zuschauer vorhanden waren. Auf Höhe der Plaza Catalunya bogen wir nach Norden ab und kamen durch die Pg de Grácia, welche ich gestern schon zur Genüge abgeschritten war. Hier war auch das Steinhaus, Pedrera, welches keine rechten Winkel besitzt. Kurz bevor wir wieder die Diagonal erreicht hätten bogen wir nach rechts ab. Jetzt überquerten wir die Diagonal doch noch einmal von West nach Ost. Hier wurde bei Kilometer 15 erneut unsere Zwischenzeit gemessen.
Das Feld war inzwischen wieder auseinandergezogen und ich hatte ausreichend Platz für mich. Ich kam nun an der Sagrada Familia vorbei. Vor zwölf Jahren hatten wir diese besichtigt und bestiegen. Leider hatte mich kurz vor der Spitze der Mut verlassen und ich war damals über den Durchgang in den anderen Turm gewechselt, dessen Treppe ausschließlich zum Herabsteigen gedient hatte. Heute blieb ich wenige Sekunden stehen um das Bauwerk zu betrachten, wurde aber von einer Zuschauerin sofort aufgefordert, weiterzulaufen.
Als wir kurz darauf nach halblinks abbogen, waren wir auf einer sehr breiten Straße, der Meridiana, die uns an den nordwestlichsten Punkt der Strecke führte. Es handelte sich dabei um eine Art Wendepunkt und die jetzige Straße diente als Hin- und Rückweg. Rechts von uns war das Vorderfeld zu sehen, vor uns die Berge. Ich konnte auch die Kilometermarkierungen des Feldes der Gegenseite sehen. Da sah kurz nach der Kurve die Angabe „KM 22“. Ich wurde mir dessen bewusst, dass ich bei Erreichen dieser Stelle wohl auch den Rest des Marathons absolvieren würde. Zweifel waren vor dem Rennen angebracht gewesen, da ich ja am Vortag nach sehr leicht erkältet gewesen war.
Als wir dann den Wendepunkt erreicht hatten, sah ich, dass dieser nicht um eine scharfe Kurve, sondern um einen Häuserblock herum führte. Erst auf der anderen Seite des Häuserblocks trafen wir wieder auf das uns entgegenkommende Feld. Als wir dann wieder zwei Kilometer zurückliefen, konnte ich auch einen Pacemaker für 3:45 Stunden sehen. Ein Pacemaker für 3:30 Stunden war entweder gar nicht vorhanden oder er war mir so dicht auf den Fersen, dass ich ihn bereits verpasst hatte.
Wir erreichten nun die Halbmarathondistanz. Hier konnte ich erstmals meine Zwischenzeit ablesen. Ich war positiv überrascht: Die Bruttozeit lag bei 1:43 Stunden, die Nettozeit also bei etwa 1:40 Stunden. Sollte ich keinen größeren Einbruch erleben, so war heute sogar eine neue persönliche Bestzeit möglich.
Langsam bekam ich erste Probleme an meinen Füßen. Der rechte Hinterfuß schmerzte ein bisschen. Ich wartete mit dem Aufsetzen eines Pflasters aber noch ein bisschen. Dann, bei Kilometer 25, als ich zum ersten Mal ein Stück Banane (es gab auch Orangen und Rosinen) zu mir genommen hatte, begab ich mich auf den Bürgersteig, zog den Schuh aus und suchte nach der wunden Stelle, an welcher ich eine Blase vermutete. Leider war diese Stelle optisch nicht zu erkennen. Ich klebte das Pflaster auf die Stelle, wo ich das Problem vermutete, band den Schuh wieder zu und setzte den Marathon fort.
Wir kamen nun wieder auf eine große Straße, die neben zahlreichen Autospuren auch eine Straßenbahn enthielt. Ich vermutete erneut die Diagonal und ein Läufer bestätigte mir dies. Es gab eine Wendestelle, an welcher der Kurs drehte. Daher sah ich einige Kilometer lang das Vorderfeld, welches über einen 3:15-Stunden-Pacemaker verfügte. Der Wendepunkt befand sich kurz vor einem großen, paraboloidförmigen Turm, dem Torre Agbar. Als wir ihm wieder den Rücken zukehrten, ging es die Diagonal wieder hinunter bis zum südöstlichsten Punkt der Strecke. Bei Kilometer dreißig war erneut unsere Zwischenzeit gemessen worden. Des Weiteren sah ich hier zum zweiten Mal auf der Strecke eine Digitalanzeige der Bruttozeit. Netto lag ich bei 2:22 Stunden. Sollte ich mit konstanten 12 km/h weiterlaufen, so wäre heute tatsächlich eine neue Bestzeit möglich.
Es ging nun wieder nach Westen. Da ich links von uns keine großen Gebäude sehen konnte, vermutete ich, dass wir sehr nahe an der Küste des Mittelmeers waren. Und tatsächlich konnte ich das Meer sahen, als unser Kurs ein bisschen weiter nach links versetzt wurde. Plötzlich wurde ich von einem Läufer überholt, der nahezu nackt war. Von hinten betrachtet, schien er nur eine Schnur zu tragen, die an der Vorderseite möglicherweise ein kleines Stoffteil enthielt, welches die intimsten Körperteile bedeckte.
Bei den quaderförmigen Torres Mapfre bogen wir nach rechts ab, später wieder nach links. Wir kamen einem Park vorbei, der durch Gitter umschlossen war. Hier wurde bei Kilometer 35 erneut die Zwischenzeit gemessen. Langsam spürte ich, dass meine Beine schwerer wurden. Ansonsten hatte ich keine körperlichen Beschwerden.
Als wir nach rechts abbogen, kamen wir durch den Arc de Triomf. Dahinter ging es nach links, auf die Plaza Catalunya zu. Wir liefen aber nicht mitten über den Platz, sondern drehten vorher nach links ab und waren nun in der Innenstadt, wo der Boden aus unangenehmen Pflastersteinen bestand. Ganz im Süden kamen wir wieder ans Mittelmeer und sahen nun den Yachthafen. Wir liefen westwärts bis zu einem Platz, auf dem eine große Statue (Colom) war, die einen Mann mit ausgestrecktem Arm zeigte. An diesem Platz ging es nun nordöstlich die Parallel entlang, direkt auf die Plaza Espanya zu. Dieser Platz war wieder an den beiden Türmen zu erkennen, hinter denen wir dann links abbogen, auf die Start- und Zielgeraden zu. Ich war nun auf meine Zeit gespannt. An der Digitalanzeige konnte ich lesen, dass sich die Bruttozeit auf die 3:27 zubewegte. Eine neue Bestzeit war somit sicher. Als ich die Ziellinie überquerte, musste ich ein Stückchen nach vorne gehen, um zunächst eine Flasche Iso und eine Flasche Wasser zu bekommen. Um die Ecke gab es dann Obst zu essen. Ich stopfte mehrere Orangenstücke in mich hinein.
Dann ließ ich mir die Medaille umhängen, auf welcher alle relevanten Details vermerkt waren. Ich wollte mir den Zielbereich noch einmal von oben anschauen und ging daher am Wasserfall hoch, wo zum Glück eine Rolltreppe war. Nach einigen Minuten fuhr ich wieder nach unten und machte mich auf den Weg zur Taschenabgabe. Dabei unterhielt ich mich mit einer Läuferin aus Freiburg, die heute ihren zweiten Marathon gelaufen war. Als ich meinen Starterbeutel wieder zurückerhalten hatte wollte ich zur unterirdischen Metrostation gehen. Allerdings war es aufwändig, zum richtigen Gleis zu gelangen. Immer wieder musste ich dafür Treppen hinauf- und hinabsteigen. Endlich saß ich doch in der Linea verde, die mich direkt zur meiner Unterkunft brachte. Hier konnte ich duschen.
Am Nachmittag schaute ich mich noch ein bisschen am Yachthafen um. In der folgenden Nacht konnte ich nicht besonders gut schlafen, ich wachte immer wieder zwischendurch auf.
Tag 3:
Ich ging an diesem Montag in ein Café zum Frühstücken. Danach schaute ich mir den Corte Ingles an, bevor ich wieder in die Unterkunft zurückging, um meine Koffer zu packen und abzureisen. Über eine unterirdische Zugstation konnte ich diesmal den Flughafen erreichen, allerdings an Terminal 2. Ein Bus brachte mich zu Terminal 1, wo ich das Flugzeug nach Paris nahm. Mein Aufenthalt hier war kürzer als beim Hinflug. Um 20:00 Uhr startete das Flugzeug nach Bremen, wo ich schon kurz nach 21 Uhr ankam. Mit der Straßenbahn fuhr ich dann zu meiner Wohnung zurück.
Der Barcelona-Marathon.
Die ganze Reise hatte ich etwa ein halbes Jahr im Voraus geplant. Mit den guten Verbindungen vom Bremer Flughafen nach Paris, von wo aus man fast alle Ziele weltweit ansteuern kann, war es möglich, einen Flug nach Barcelona zu buchen. Die Teilnahmegebühr für den Marathon war nach der bisherigen Anzahl der Anmeldungen gestaffelt. Da ich zu den ersten zehntausend gehörte, bekam ich noch den günstigsten Tarif. Ich war im Jahr 2003 schon einmal als Schüler in Barcelona gewesen, damals allerdings im Hochsommer (Juni), untergebracht bei Gastfamilien im Vorort in Rubí und der Anflug mit Ryanair zum etwas weiter entfernt liegenden Flughafen Girona.
Tag 1:
Ich nahm, wie schon beim Florenz-Marathon, das 6:30-Uhr-Flugzeug am Samstag nach Paris. Dafür musste ich um 3:30 Uhr aufstehen. Ich hatte am Vortag mal wieder eine Mini-Erkältung mit leichtem Kratzen im Rachen und etwas verstärktem Nasenlaufen gehabt. Dies ließ mich ein wenig Zittern, denn eine Marathonteilnahme im Krankheitsfall ist bekanntlich lebensgefährlich. Insgesamt hatte ich in der jetzigen Nacht nur drei Stunden geschlafen. Ich hatte am Vortag beim Bäcker noch drei Brötchen gekauft, die ich in Paris mit Schinken belegen und dann verzehren wollte, da ich am Charles-de-Gaulle-Airport über vier Stunden Aufenthalt haben sollte und die Preise in den dortigen Gastronomiebetrieben schon ziemlich hoch sind. Ich zog mich an und packte dann meinen Koffer. Um 4:35 Uhr nahm ich die Straßenbahn in die Innenstadt, wo ich an der Domsheide in die Linie 6 zum Flughafen einstieg. Um kurz nach fünf Uhr kam ich dort an. Ich gab am Air-France-Schalter meinen Koffer ab. Dort wurde mir bestätigt, dass dieser Koffer in Paris von einem Terminal zum anderen transportiert werden würde, sodass ich ihn erst wieder in Barcelona abholen müsste. Erst als ich das Reisegepäck aufgegeben hatte, fiel mir ein, dass sich in diesem meine Brötchen befanden. Ich musste also irgendwie anders den baldigen Hunger bekämpfen.
Als ich dann in den Sicherheitsbereich einchecken wollte, stellte ich fest, dass die Warteschlange extrem lang war. Es dauerte bis kurz vor sechs Uhr, bevor ich an die Reihe kam. Außer dem Flug nach Paris warteten die Reisenden auch noch auf Flugzeuge nach Gran Canaria und Mallorca. Der Start unserer Maschine verzögerte sich wegen des hohen Andrangs auch ein bisschen. Zu allem Überfluss sah ich nun auch noch, dass meine Armbanduhr offenbar kaputt war. Sie war mal wieder stehengeblieben, obwohl ich schon zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen die Batterie gewechselt hatte. Ich musste also wieder einmal einen Marathon ohne funktionierende Uhr absolvieren, genauso wie in Florenz.
Um kurz nach acht Uhr kamen wir in Paris an. Ich wurde angewiesen, den Sicherheitsbereich nicht zu verlassen, sondern in einen Bus zu steigen, der mich und zwei weitere Reisende direkt zum anderen Terminal brachte. Es war das gleiche Terminal, von welchem aus ich auch nach Florenz geflogen war. Mein Flug nach Barcelona sollte um 12:35 Uhr starten. Ich hatte also noch viel Zeit, mir den ganzen Flughafen anzuschauen. An einem Snackautomaten kaufte ich mir für 1,50€ ein paar Kartoffelchips, sodass der Hunger wenigstens ein bisschen gestillt war. Als ich dann um halb eins endlich im Flugzeug nach Barcelona saß, war ich froh, dass es hier als Mittagessen ein Brötchen mit Salat gab, welches mir schmeckte. Kurz nach 14 Uhr kamen wir in Barcelona an.
Ich hatte keinen aktuellen Metro-Plan dabei, hatte aber gelesen, dass der Weg vom Flughafen zum Zentrum besser mit dem Bus zu bewältigen sei. Zunächst musste ich aber die Gepäckabgabe abwarten. Ich war erleichtert, als ich meinen grünen Koffer tatsächlich wiederentdeckte. Jetzt konnte ich endlich die drei Brötchen mit Schinken belegen und verzehren. Dann ging ich aus dem Flughafengebäude hinaus auf einen tiefer gelegenen Platz, wo einige Busse standen. Ich fragte zwei Helferinnen, welche mir erklärten, dass einer der Busse bis zur Plaza Catalunya fahren würde. Dies kostete 5,90€. Ich zahlte beim Fahrer und fuhr bis zur Endstation. Die Plaza Catalunya liegt südlich von der Diagonal, an welcher meine Unterkunft lag. Ich fragte mich ein bisschen durch, bis ich in die richtige Richtung lief. Tatsächlich kam ich an die Diagonal-Straße, wo ich auch schnell die Unterkunft fand. Sie war im ersten Stock eines Hauses angesiedelt und relativ klein. Mit dem Hotelwärter unterhielt ich mich ausschließlich auf Spanisch. Ich bekam ein Bett und ein Schließfach in einem großen Raum angewiesen. Dann machte ich mich sofort wieder auf den Weg, um mir die Startunterlagen abzuholen. Ich wollte wissen, wie weit der Weg dorthin war, um ihn morgen notfalls zu Fuß zurückzulegen.
Der Weg war zwar nicht allzu weit, allerdings musste ich immer wieder an roten Ampeln anhalten. Unterwegs kamen mir immer mehr Sportler mit den Starterbeuteln des Barcelona-Marathons entgegen. Das Veranstaltungszentrum lag an der Plaza Espanya. Ich erkannte diesen Ort nun wieder, da ich vor zwölf Jahren schon einmal hier gewesen war. Südlich von ihm liegt auf einer Anhöhe ein großer Park, südwestlich das Messegelände. Die Startgerade führte offenbar von diesem Park in nördliche Richtung. In einer großen Halle zeigte ich zunächst auf meinem Smartphone die Anmeldebestätigung vor und erhielt im Gegenzug die Startnummer. An einem großen Plakat konnte ich mich noch einmal versichern, dass der Marathon um 8:30 Uhr starten sollte. An weiteren Orten auf der Messe bekam ich noch das diesjährige Teilnehmertrikot (türkis) und den Starterbeutel, der allerdings kaum nennenswerte Gegenstände enthielt.
Beim Rückweg verlief ich mich nun zum ersten Mal. Dies wurde mir klar, als einige Touristen an einer Metrostation anhielten und ich nun sah, dass ich an der falschen Metrostrecke entlanggelaufen war. Daher entschied ich mich, die restliche Strecke zu meiner Unterkunft nun direkt mit der Metro zurückzulegen. Ich kaufte mir für weniger als zehn Euro ein Ticket, mit dem ich zehn einfach Fahrten machen konnte. Ich fuhr nun allerdings erst zur Plaza de Catalunya, um mir in einem kleinen Supermarkt etwas zu essen zu kaufen. Ich ging dabei über die Mitte des großen Platzes und erinnerte mich nun, wie ich hier vor zwölf Jahren mit meinen Schulkameraden im Schatten gesessen und trotzdem Sonnenbrand bekommen hatte. Im nebenan gelegenen Corte Ingles hatte Jochen sich damals ein Poster zweimal kaufen müssen, da er es nach dem ersten Mal irgendwo verloren hatte.
Ich verirrte mich nun erneut und kam in eine der Ramblas, wo ich in einer Seitenstraße dann doch einen kleinen Laden fand, wo ich mir Pepsi, Hot-Dog-Brötchen und Salami kaufte. Als ich den Laden wieder verließ, fing es fürchterlich an zu hageln und zu regnen. Ich stellte mich auf der Rambla bei einem Andenkenladen unter und kaufte dort einen Barcelona-Teller für sechs Euro. Dann suchte ich an der Plaza de Catalunya den McDoof auf. Dies dauerte ein bisschen und meine Kleidung wurde nun immer feuchter. Im McDoof angekommen, kaufte ich mir zwei große Portionen Pommes und ging damit in die unterirdische Metro-Station. Mit der sogenannten grünen Linie fuhr ich nun bis zur Station „Diagonal“. Unterwegs erklärte mir ein deutsches Pärchen, dass die Metro auch sonntags alle vier bis fünf Minuten fahren würde.
Als ich an der betreffenden Metrostation ausstieg, verlief ich mich wieder zweimal, bevor ich meine Unterkunft endlich fand. Dort konnte ich dann meine Füße abduschen und mich gegen Viertel nach neun Uhr schlafen legen.
Tag 2:
Da sich in meiner Unterkunft zwei laut schnarchende Gäste befanden, wurde die Nacht ein bisschen unangenehm. Dennoch schlief ich mit nur wenigen Unterbrechungen. Am nächsten Morgen stand ich gegen 6:30 Uhr auf und duschte. Dann ging ich in den Frühstücksraum und nahm insgesamt vier Hot-Dog-Brötchen mit 80 Gramm Salami zu mir. Während des Frühstücks kam ein Familienvater mit seinen beiden Söhnen und seiner Frau herein. Er war aus Barcelona und wollte heute auch mitlaufen. Da ich schon alle meine Sachen am Vorabend gepackt hatte, konnte ich sofort nach dem Frühstück losgehen. Ich hatte nur wenig Gepäck dabei, weil ich nicht am Veranstaltungsgelände sondern erst wieder im Hotel duschen wollte. Meine vorgesehenen Laufsocken hatten leider Löcher, weshalb ich auf normale Socken umgestiegen war. Die Schuhe hatte ich im Dezember in Augsburg bei Karstadt gekauft und in den Folgemonaten einigermaßen „eingelaufen“, die längste Strecke war um die 30 Kilometer gewesen. Obenrum trug ich das Trikot vom Lesmona-Lauf 2010.
Heute war auf den Straßen wesentlich weniger Autoverkehr als gestern. Ich fand die Metrostation sofort, wo die grüne Linie in Richtung Universität fuhr. Tatsächlich fuhren die Züge auch Sonntags im Fünf-Minuten-Takt. Es wimmelte hier bereits von Läufern. Wir kamen über die Plaza de Catalunya zur Plaza Espanya, wo alle Läufer ausstiegen. Es dauerte einige Zeit, bis der ganze Strom an die Erdoberfläche kam. Ich schaute mir erst einmal die Startgerade an. Sie lag zwischen der Anhöhe mit dem künstlichen Wasserfall und der Plaza Espanya. Dazwischen war das Messegelände. Ich schaute mir den Wasserfall an und wollte dann auf dem Messegelände meinen Starterbeutel abgeben. Erst jetzt sah ich, wie lang die Schlange hier war. Bis zum Start waren es noch 30 Minuten. Glücklicherweise ging es dann doch relativ zügig voran. Ich behielt meine Kappe auf dem Kopf, um mich vor der Sonne zu schützen und gab den Rest meiner Sachen beim Personal ab. Dann ging es auf der anderen Seite des Gebäudes wieder hinaus. Ich suchte noch eine Toilette auf und wollte mich dann in den für mich vorgesehenen Startblock einordnen. Meine Startnummer war hellblau, dies stand für den Starterblock mit Zeiten zwischen 3:15 Stunden und 3:30 Stunden. Leider fand ich keine Zugang zu der Geraden, welche von den Zuschauern mit übermäßig großen Gittern abgegrenzt war. Da ich jedoch zahlreiche andere Sportler sah, die sich an diesem Zaun hochschwangen, um auf die Startgeraden zu gelangen, folgte ich diesem Beispiel. Der Zaun war zum Glück sehr stabil. Um acht Uhr dreißig ging es dann los. Vorne regnete es großes Konfetti. Nach einer weiteren Minute kam ein zweiter Countdown. Womöglich war der erstere für die Elite gewesen. Nach etwa drei Minuten überquerte dann auch ich die Startlinie.
Der Kurs bestand aus einer einzigen Runde, die uns zuerst durch den Westen und dann durch den Osten der Stadt führen sollte. Als wir die beiden Türme an der Plaza Espanya erreichten, drehten wir nach links ab und liefen in Richtung Nordwesten. Wir hatten somit die Sonne erst einmal im Rücken. Nach zweieinhalb Kilometern folgte eine Rechtskurve, so dass wir nun die Sonne vor uns hatten. Zum Glück trug ich meine Kappe. Ich sah einen Teilnehmer mit einem Trikot, auf welchem er fünf Veranstaltungen vermerkt hatte. Dreimal wurden hier Auflagen des Athen-Marathons erwähnt. Ich erinnerte mich, dass man sich ja genau ab heute für die diesjährige Auflage anmelden konnte, was ich noch tun wollte. Deshalb sprach ich ihn auf Englisch an und erklärtem ihm dies. Dann ließ ich ihn hinter mir.
Nach einer zweifachen Linkskurve ging es durch den nordwestlichsten Teil des Kurses. Bei Kilometer fünf wurden unsere Zwischenzeiten gemessen. Danach gab es an einer ersten Verpflegungsstelle Wasser zu trinken, welches uns in geöffneten 0,33-Liter-Plastikflaschen gereicht wurde.
Kurz darauf erreichten wir das Nou Camp, welches ich vor zwei Jahren auch von innen hatte besichtigen dürfen. Diesmal liefen wir einmal fast komplett drum herum. Dann ging es nach rechts auf eine große Straße, die uns nach Südwesten führte. Die Straße bestand aus zahlreichen Autospuren, zwischen denen sich auch noch Straßenbahnschienen befanden. Für uns Läufer war nur die eine Hälfte gesperrt, der Teil jenseits der Schienen war für den Autoverkehr freigegeben. Ein Helfer erklärte mir, dass es sich bei dieser Straße um die Diagonal handelte.
Wir verließen die Straße wieder und erreichten Kilometer zehn, wo erneut unsere Zwischenzeiten gemessen wurden. Dann ging es nach Süden, wieder auf die beiden Türme der Plaza Espanya zu. Kurz vor den Türmen bogen wir nach Osten ab, wir waren nun auf der Gran Via. Langsam wurde es lauter, da immer mehr Zuschauer vorhanden waren. Auf Höhe der Plaza Catalunya bogen wir nach Norden ab und kamen durch die Pg de Grácia, welche ich gestern schon zur Genüge abgeschritten war. Hier war auch das Steinhaus, Pedrera, welches keine rechten Winkel besitzt. Kurz bevor wir wieder die Diagonal erreicht hätten bogen wir nach rechts ab. Jetzt überquerten wir die Diagonal doch noch einmal von West nach Ost. Hier wurde bei Kilometer 15 erneut unsere Zwischenzeit gemessen.
Das Feld war inzwischen wieder auseinandergezogen und ich hatte ausreichend Platz für mich. Ich kam nun an der Sagrada Familia vorbei. Vor zwölf Jahren hatten wir diese besichtigt und bestiegen. Leider hatte mich kurz vor der Spitze der Mut verlassen und ich war damals über den Durchgang in den anderen Turm gewechselt, dessen Treppe ausschließlich zum Herabsteigen gedient hatte. Heute blieb ich wenige Sekunden stehen um das Bauwerk zu betrachten, wurde aber von einer Zuschauerin sofort aufgefordert, weiterzulaufen.
Als wir kurz darauf nach halblinks abbogen, waren wir auf einer sehr breiten Straße, der Meridiana, die uns an den nordwestlichsten Punkt der Strecke führte. Es handelte sich dabei um eine Art Wendepunkt und die jetzige Straße diente als Hin- und Rückweg. Rechts von uns war das Vorderfeld zu sehen, vor uns die Berge. Ich konnte auch die Kilometermarkierungen des Feldes der Gegenseite sehen. Da sah kurz nach der Kurve die Angabe „KM 22“. Ich wurde mir dessen bewusst, dass ich bei Erreichen dieser Stelle wohl auch den Rest des Marathons absolvieren würde. Zweifel waren vor dem Rennen angebracht gewesen, da ich ja am Vortag nach sehr leicht erkältet gewesen war.
Als wir dann den Wendepunkt erreicht hatten, sah ich, dass dieser nicht um eine scharfe Kurve, sondern um einen Häuserblock herum führte. Erst auf der anderen Seite des Häuserblocks trafen wir wieder auf das uns entgegenkommende Feld. Als wir dann wieder zwei Kilometer zurückliefen, konnte ich auch einen Pacemaker für 3:45 Stunden sehen. Ein Pacemaker für 3:30 Stunden war entweder gar nicht vorhanden oder er war mir so dicht auf den Fersen, dass ich ihn bereits verpasst hatte.
Wir erreichten nun die Halbmarathondistanz. Hier konnte ich erstmals meine Zwischenzeit ablesen. Ich war positiv überrascht: Die Bruttozeit lag bei 1:43 Stunden, die Nettozeit also bei etwa 1:40 Stunden. Sollte ich keinen größeren Einbruch erleben, so war heute sogar eine neue persönliche Bestzeit möglich.
Langsam bekam ich erste Probleme an meinen Füßen. Der rechte Hinterfuß schmerzte ein bisschen. Ich wartete mit dem Aufsetzen eines Pflasters aber noch ein bisschen. Dann, bei Kilometer 25, als ich zum ersten Mal ein Stück Banane (es gab auch Orangen und Rosinen) zu mir genommen hatte, begab ich mich auf den Bürgersteig, zog den Schuh aus und suchte nach der wunden Stelle, an welcher ich eine Blase vermutete. Leider war diese Stelle optisch nicht zu erkennen. Ich klebte das Pflaster auf die Stelle, wo ich das Problem vermutete, band den Schuh wieder zu und setzte den Marathon fort.
Wir kamen nun wieder auf eine große Straße, die neben zahlreichen Autospuren auch eine Straßenbahn enthielt. Ich vermutete erneut die Diagonal und ein Läufer bestätigte mir dies. Es gab eine Wendestelle, an welcher der Kurs drehte. Daher sah ich einige Kilometer lang das Vorderfeld, welches über einen 3:15-Stunden-Pacemaker verfügte. Der Wendepunkt befand sich kurz vor einem großen, paraboloidförmigen Turm, dem Torre Agbar. Als wir ihm wieder den Rücken zukehrten, ging es die Diagonal wieder hinunter bis zum südöstlichsten Punkt der Strecke. Bei Kilometer dreißig war erneut unsere Zwischenzeit gemessen worden. Des Weiteren sah ich hier zum zweiten Mal auf der Strecke eine Digitalanzeige der Bruttozeit. Netto lag ich bei 2:22 Stunden. Sollte ich mit konstanten 12 km/h weiterlaufen, so wäre heute tatsächlich eine neue Bestzeit möglich.
Es ging nun wieder nach Westen. Da ich links von uns keine großen Gebäude sehen konnte, vermutete ich, dass wir sehr nahe an der Küste des Mittelmeers waren. Und tatsächlich konnte ich das Meer sahen, als unser Kurs ein bisschen weiter nach links versetzt wurde. Plötzlich wurde ich von einem Läufer überholt, der nahezu nackt war. Von hinten betrachtet, schien er nur eine Schnur zu tragen, die an der Vorderseite möglicherweise ein kleines Stoffteil enthielt, welches die intimsten Körperteile bedeckte.
Bei den quaderförmigen Torres Mapfre bogen wir nach rechts ab, später wieder nach links. Wir kamen einem Park vorbei, der durch Gitter umschlossen war. Hier wurde bei Kilometer 35 erneut die Zwischenzeit gemessen. Langsam spürte ich, dass meine Beine schwerer wurden. Ansonsten hatte ich keine körperlichen Beschwerden.
Als wir nach rechts abbogen, kamen wir durch den Arc de Triomf. Dahinter ging es nach links, auf die Plaza Catalunya zu. Wir liefen aber nicht mitten über den Platz, sondern drehten vorher nach links ab und waren nun in der Innenstadt, wo der Boden aus unangenehmen Pflastersteinen bestand. Ganz im Süden kamen wir wieder ans Mittelmeer und sahen nun den Yachthafen. Wir liefen westwärts bis zu einem Platz, auf dem eine große Statue (Colom) war, die einen Mann mit ausgestrecktem Arm zeigte. An diesem Platz ging es nun nordöstlich die Parallel entlang, direkt auf die Plaza Espanya zu. Dieser Platz war wieder an den beiden Türmen zu erkennen, hinter denen wir dann links abbogen, auf die Start- und Zielgeraden zu. Ich war nun auf meine Zeit gespannt. An der Digitalanzeige konnte ich lesen, dass sich die Bruttozeit auf die 3:27 zubewegte. Eine neue Bestzeit war somit sicher. Als ich die Ziellinie überquerte, musste ich ein Stückchen nach vorne gehen, um zunächst eine Flasche Iso und eine Flasche Wasser zu bekommen. Um die Ecke gab es dann Obst zu essen. Ich stopfte mehrere Orangenstücke in mich hinein.
Dann ließ ich mir die Medaille umhängen, auf welcher alle relevanten Details vermerkt waren. Ich wollte mir den Zielbereich noch einmal von oben anschauen und ging daher am Wasserfall hoch, wo zum Glück eine Rolltreppe war. Nach einigen Minuten fuhr ich wieder nach unten und machte mich auf den Weg zur Taschenabgabe. Dabei unterhielt ich mich mit einer Läuferin aus Freiburg, die heute ihren zweiten Marathon gelaufen war. Als ich meinen Starterbeutel wieder zurückerhalten hatte wollte ich zur unterirdischen Metrostation gehen. Allerdings war es aufwändig, zum richtigen Gleis zu gelangen. Immer wieder musste ich dafür Treppen hinauf- und hinabsteigen. Endlich saß ich doch in der Linea verde, die mich direkt zur meiner Unterkunft brachte. Hier konnte ich duschen.
Am Nachmittag schaute ich mich noch ein bisschen am Yachthafen um. In der folgenden Nacht konnte ich nicht besonders gut schlafen, ich wachte immer wieder zwischendurch auf.
Tag 3:
Ich ging an diesem Montag in ein Café zum Frühstücken. Danach schaute ich mir den Corte Ingles an, bevor ich wieder in die Unterkunft zurückging, um meine Koffer zu packen und abzureisen. Über eine unterirdische Zugstation konnte ich diesmal den Flughafen erreichen, allerdings an Terminal 2. Ein Bus brachte mich zu Terminal 1, wo ich das Flugzeug nach Paris nahm. Mein Aufenthalt hier war kürzer als beim Hinflug. Um 20:00 Uhr startete das Flugzeug nach Bremen, wo ich schon kurz nach 21 Uhr ankam. Mit der Straßenbahn fuhr ich dann zu meiner Wohnung zurück.
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