Der einhundertundachte Halbmarathon meines Lebens.
Der Martinslauf in Düsseldorf-Eller.
Ab dem Monat November ist es kaum noch möglich, passende Laufveranstaltungen in Deutschland zu finden. Umso erfreuter war ich, als ich im Internet den Martinslauf in Düsseldorf-Eller entdeckte, welcher sogar einen Halbmarathon beinhaltete. Dieser Halbmarathon bestand auch nur aus einer einzigen Runde, weshalb ich mich sofort dafür angemeldet hatte.
Ursprünglich hatte ich an diesem Sonntagmorgen von Bremen aus nach Düsseldorf-Eller fahren wollen, aber ich hatte ein Angebot bekommen, in Osnabrück übernachten zu können. Da die Bahnstreiks vorzeitig beendet worden waren, stand einer Anreise nichts im Wege. An diesem Sonntagmorgen stand ich gegen sieben Uhr auf und machte mich auf den Weg zum Hauptbahnhof von Osnabrück. Dort angekommen, ging ich zunächst in eine Bäckerei und verzehrte ein belegtes Brötchen. Dann ging ich zum Gleis und wartete auf den Eurocity, welcher pünktlich um 8:35 Uhr ankam. Die Fahrt zum Düsseldorfer Hauptbahnhof dauerte zwei Stunden. Als ich dort ankam, kaufte ich mir erneut etwas zu essen und wartete auf die s-Bahn, welche nach Düsseldorf-Eller fahren sollte. Sie fuhr um 11:55 Uhr ab und nach einer Viertelstunde kam sie in Eller an. Jetzt sah ich einige andere Leute, die Laufschuhe trugen.
Wir wollten zunächst auf den Bus warten, der uns zum Veranstaltungszentrum fahren sollte. Diese Zeit nutze ich, um auf einem Parkplatz meine Läuferkleidung anzulegen. Wir beschlossen daraufhin, auf den Bus zu verzichten und zu Fuß zu gehen. Doch der Weg war relativ weit. Der Halbmarathon sollte um 13 Uhr starten. Unser Weg führte durch einen Wald hindurch, in welchem wir bereits die Kilometermarkierungen sehen konnten. Gegen 12:40 Uhr kamen wir dann endlich am Veranstaltungsort an. In einem großen Zelt konnte ich meine Startnummer abholen und die Tasche ablegen, welche aber nicht bewacht wurde. Dann ging ich zur Startgeraden. Es standen mehrere hundert Teilnehmer bereit. Ich unterhielt mich mit einem Läufer, der das Trikot vom Füssen-Marathon trug. An diesem Lauf wollte ich 2015 teilnehmen. Er erzählte mir, dass er jedes Jahr in Füssen Marathon liefe.
Der Startschuss kam gegen 13:05 Uhr. Der Kurs bestand aus zwei Schleifen. Die erste führte südöstlich vom Startbereich entlang. Es ging fast ausschließlich auf Fahrradpfaden durch Waldgebiete. Auf den ersten Kilometern unterhielt ich mich mit dem Füssen-Läufer. Wir mussten hier sehr gut aufpassen, da uns immer wieder Reitergruppen entgegenkamen, die ihre Pferde nicht unter Kontrolle hatte. Ich beeilte mich nicht besonders, eine Zeit von 100 Minuten sollte mir heute reichen.
Wir kamen an zwei Seen vorbei und bei Kilometer sieben war denn endlich der erste Versorgungspunkt, wo ich ein süßes Getränk zu mir nahm. Als wir dann die ersten elf Kilometer hinter uns hatten, waren wir wieder im Startbereich und nahmen Kurs auf die zweite Schleife nordwestlich vom Zentrum. Auf der Start- und Zielgeraden hatten wir wieder etwas zu trinken bekommen.
Wir mussten an einem weiteren See vorbei. Ich hatte das Tempo inzwischen ein bisschen erhöht und den Füssen-Läufer hinter mir gelassen. Als wir auch das Seeufer verließen, mussten wir einige Zeit lang auf einem Fahrradweg entlanglaufen, der neben einer Hauptstraße war. Wegen der Autos war es hier ein bisschen lauter. Dann bogen wir endlich wieder nach links in den Wald ein, wo der letzte Versorgungspunkt war. Kurz vor Kilometer 19 stießen wir auf den Weg, den ich bereits vom Bahnhof Eller zum Starbereich gegangen war. Nach etwa einer Stunde und 37 Minuten erreichte ich das Ziel, ohne richtigen Muskelkater zu spüren.
Ich bekam ein Stück Gebäck und einige Getränke. Dann suchte ich die Duschen auf, die inmitten eines Campingplatzes lagen. Es ging hier sehr eng zu, weshalb ich mich mit dem Umziehen beeilte. Nun erfuhr ich, dass die Medaille vorher hätte mitbestellt werden müssen. Dies hätte acht Euro gekostet, worauf ich natürlich verzichtet hatte. Ich machte mich auf den Fußweg zum Bahnhof, wo ich nun das Schlussfeld des Halbmarathons sah. Am Bahnhof Eller konnte ich gerade noch in die S-Bahn nach Solingen einsteigen. Leider musste ich hier feststellen, dass kein Fernverkehrszug nach Hamburg fuhr. Ich musste zurück nach Düsseldorf und von dort aus den Eurocity nach Bremen nehmen. Gegen 21 Uhr kam ich wieder zu Hause an.
Dienstag, 25. November 2014
Montag, 10. November 2014
Marathon Porto 2014-11-02
Der fünfzehnte Marathon meines Lebens.
Der elfte Maratona do Porto.
Neben dem New-York-City-Marathon gab es an diesem Wochenende kaum große Veranstaltungen. Im November ist die Marathonsaison in Deutschland größtenteils vorbei. Da ich nicht wieder nach New York reisen wollte, entschied ich mich für den Marathon in Porto, welcher am gleichen Tag stattfinden sollte. Die Anmeldeformalitäten und Reiseplanung hatte ich ein halbes Jahr im Voraus durchgeführt. Die Startgebühr betrug 35€. Dies entpuppte sich später als richtiges „Schnäppchen“, da für das Geld einiges geboten wurde.
Tag 1: Freitag, 31.10.2014
Wie im letzten Jahr hatte ich an Halloween einen weiten Weg vor mir. Ich stand um halb sieben Uhr auf, kaufte bei Penny-Markt zwei Dosen Pepsi und frühstückte dann. Meinen giftgrünen Koffer hatte ich schon am Vorabend gepackt. Ich hatte Zugbindung und musste daher relativ früh los. Um kurz vor neun Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von wo aus ich mit der Nordwestbahn zum Hauptbahnhof fuhr. Hier stieg ich in den Regionalexpress nach Hannover ein, wo ich zwanzig Minuten vor elf Uhr eintraf. Um kurz nach elf Uhr kam der Intercity aus Hamburg pünktlich an. Er sollte bis zum Frankfurter Hauptbahnhof fahren. Ich stieg ein und ging während der Fahrt noch eine Lektion aus meinem neuen Portugiesisch-Lehrbuch durch. Um kurz nach halb zwei Uhr mittags kam der Intercity an seinem Ziel- und Endbahnhof, dem Frankfurter Hauptbahnhof an.
Eigentlich hatte ich nun einen ICE gebucht, der mich in zwölf Minuten zum Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens bringen sollte. Aber da ich mich kurzfristig mit einem alten Schulfreund in Niederrad verabredet hatte, kaufte ich ein Ticket für den Nahverkehr und stieg in die nächste S-Bahn ein, die dorthin fuhr. Um kurz vor 14 Uhr kam ich am Bahnhof Niederrad an, auf meinen Freund musste ich aber eine Dreiviertelstunde warten. Als dieser dann eintraf, setzten wir uns zwischen die Hochhäuser und unterhielten uns bis 16 Uhr. Dann erlaubte er mir noch, die Toilette in seinem Bürogebäude zu benutzen und verabschiedete sich wieder von mir. Ich ging zu einer Würstchenbude und nahm ein Mittagessen zu mir. Jetzt begann es schon langsam zu dämmern und ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof Niederrad zurück, wo ich in die nächste S-Bahn zum Flughafen, diesmal zum Regionalbahnhof, einstieg. Auf dem riesigen Flughafengelände zog ich mir erst das gebuchte Lufthansa-Ticket, gab dann meinen Koffer ab und ging durch die Sicherheitskontrolle. Als ich an der anvisierten Abflugstelle ankam, erinnerte ich mich, dass ich hier vor über 13 Jahren schon einmal gewesen war, als ich mit meiner Mutter nach Madrid geflogen war.
Da es bis zum Start der Maschine noch drei Stunden waren, setzte ich mich in die Nähe einer Steckdose, lud den Akku meines Smartphones auf und ging ein weiteres Kapitel im Portugiesisch-Buch durch. Zwischendurch holte ich mir noch eine Laugenbrezel und eine Landjäger-Wurst für völlig überteuertes Geld an einem der Imbissstände. Um 20:40 Uhr war dann endlich Einlass.
Das Flugzeug war vollbesetzt bis auf den letzten Platz, wobei der Großteil der Passagiere offenbar portugiesisch war. Der Kapitän bat uns, das viele Handgepäck bestmöglich zu verstauen, da man andernfalls eine Umladung vornehmen musste, was unweigerlich zu einer Verzögerung des Starts geführt hätte. Ich saß zwischen zwei Männern, mit denen ich ein paar Worte auf Englisch wechselte. Mein linker Sitznachbar bekreuzigte sich, als es dann endlich losging.
Beim angebotenen Getränk entschied ich mich für Bier, um den Flug damit besser überstehen zu können. Das Essen schmeckte mir natürlich nicht. Nach über zweieinhalb Stunden kamen wir pünktlich um 22:50 Uhr Ortszeit in Porto an, wo die Zeit – verglichen zu Deutschland – um eine Stunde hinterherhinkt.
Ich musste ziemlich lange auf meinen Koffer warten und so war es schon 23:30 Uhr, als ich die Ankunftshalle verließ und mich auf den Weg zur unterirdischen Metrostation machte. Beim Verlassen der Halle bekam ich einen Stadtplan von Porto geschenkt, den ich dankend annahm. Einen Reiseführer hatte ich vorher nicht gekauft, lediglich den Weg von der Metrostation zu meiner Unterkunft hatte ich mir über googlemaps ausgedruckt.
Ein Angestellter half mir beim Kaufen einer Fahrkarte im Wert von 2,35 Euro. Dann stieg ich in die Metro ein, welche wenige Minuten später losfuhr. Unterwegs unterhielt ich mich mit einem Ehepaar aus Kassel, das in Porto einige Tage Urlaub machen wollte. Die Metro in Porto muss man sich als eine etwas breitere Form einer Straßenbahn in Deutschland vorstellen. Sie fährt ober- und unterirdisch.
Bei der Station „24 de Agosto“ stieg ich aus. Der direkte Weg zu meiner Unterkunft wäre nicht weit gewesen, aber leider ging ich in die falsche Richtung und tat mir bei der Orientierung schwer. Schließlich halfen mir ein paar Jugendliche, mit denen ich mich auf Englisch unterhielt. So kam ich gegen halb eins am Gebäude an. Die Angestellte zeigte mir das Doppelzimmer im ersten Stock, welches eine Art Ehebett enthielt. Eine zweite Person sollte während meines Aufenthalts aber nicht hier wohnen. Ich hatte volle Kontrolle über den Zimmerschlüssel und somit ein Zimmer für mich allein, welches mich für drei Nächte gerade einmal 36 Euro kostete. Leider lag es an einer Straßenkreuzung und war durch seine Lage im ersten Stock direkt an der Lärmquelle. Trotzdem konnte ich einigermaßen schlafen.
Tag 2: Samstag, 1.11.2014
Ich wurde gegen sieben Uhr wach, ging in das öffentliche Badezimmer und duschte. Dann zog ich mich an. Mein erstes Ziel war es, etwas Essbares zu bekommen. Ich ging nun auf direktem Weg zur Metrostation, was keine fünf Minuten dauerte. Dort kaufte ich ein Tagesticket und fuhr eine Station. Hier war ich nun an einem Wochenmarkt, wo ich mir erst zwei Birnen und dann drei Brötchen kaufte. Die Verkäuferin der Brötchen musste mir den Preis dreimal in verschiedenen Sprachen sagen, bevor ich verstand, dass ich tatsächlich nur 24 Cent bezahlen musste.
Nun machte ich mich auf den Weg zur Marathonmesse, um meine Startunterlagen abzuholen. Das Gebäude war am nördlichen Ufer des Flusses, des Rio Douro, der vom Mittelmeer ins Festland hineinführt. Bis zur Öffnung um zehn Uhr musste ich aber noch eine halbe Stunde warten. Diese Zeit nutzte ich, um mir einen kleinen Überblick zu verschaffen. Der Fluss liegt extrem tief, die Felswände führen steil hinauf. Ganzen unten am Fluss sind aber auch Häuser, jedoch muss man ins Festland hinein steil bergauf gehen. Dieser Sachverhalt führt dazu, dass eine der bekanntesten Brücken, die „Ponte D. Luís“ aus zwei Ebenen besteht, wobei die obere Ebene weit höher als die untere Ebene liegt.
Um zehn Uhr trat ich nun in das Gebäude ein, in welchem die Messe war. Ich legte meinen Ausweis vor und erfuhr daraufhin meine Startnummer. Diese konnte ich mir an einer anderen Stelle abholen. Am nächsten Stand musste ich meine erwartete Zielzeit angeben, woraufhin ein bestimmter Aufkleber auf der Nummer befestigt wurde. Ein Gutschein für eine Pastaparty am heutigen Tag war auch vorhanden.
Beim nächsten Stand bekam ich ein T-Shirt und einen Rucksack. Ferner wurde mir erklärt, dass ich im Ziel ein weiteres Finishershirt bekommen sollte. Das war Einiges für 35 Euro! Sowohl Start als auch Ziel des Marathons sollten übrigens an ganz anderen Orten sein.
Ich fuhr wieder in mein Hotel zurück und legte nun die Jacke und den Pullover ab, da es doch recht warm geworden war. Ich hatte leider nicht nachgefragt, wo genau die Pastaparty stattfinden sollte. Ahnungsvoll fuhr ich noch einmal zur Messe, wo ich im Keller fündig wurde. Ich bekam ein Brötchen, einen Apfel, ein Getränk und eine Portion Spaghetti Bolognese. Auch dies war bereits alles im Startgeld enthalten. Leider machte hier im Keller eine Musikband solchen Lärm, dass ich mir die Ohren zuhalten musste.
Nach dem Essen betrat ich die obere Etage der Brücke „Ponte D. Luís I“. Als ich dann bemerkte, dass der Boden dieser Brücke aus mehreren nebeneinandergelegten Platten bestand, durch deren Schlitze man nach unten in die Tiefe blicken konnte, wurde mir so schwindlig, dass ich zitternd versuchte, so schnell wie möglich wieder das Festland zu erreichen. Ich stieg in die Metro und fuhr zum Stadion des FC Porto. Hier wollten mir ein paar junge Männer ein verbilligtes Ticket für das heutige Abendspiel „FC Porte – Nacional Funchal“ aufschwatzen, aber ich lehnte ab, da ich den Leuten nicht traute. Außerdem sollte das Spiel erst um 21:15 Uhr beginnen und ich hatte schon diese Nacht nicht lange genug geschlafen.
Glücklicherweise fand ich wenige Meter von meiner Unterkunft entfernt einen kleinen Supermarkt, wo ich mir Brötchen, Rama (in Portugal „Planta“ genannt), Salami und Plastikmesser kaufen konnte. So konnte ich mir auf meinem Zimmer ein günstiges Abendessen machen und musste nicht nach einem Restaurant suchen. Um 21 Uhr legte ich mich schlafen.
Tag 3: Sonntag, 2.11.2014
Ich hatte den Wecker auf sieben Uhr gestellt, da ich davon ausging, dass der Marathon um neun Uhr starten würde. Mit absoluter Sicherheit war dies aus dem Informationsheft gar nicht hervorgegangen. Dort hatte ich lediglich gelesen, dass das Family-Race über 16 Kilometern um neun Uhr und der Mini-Marathon über sechs Kilometern um halb elf Uhr starten sollten. Ich frühstückte die verbliebenen Brötchen, welche ich gestern im Laden gekauft hatte, zog mich um und machte mich um zehn Minuten nach acht Uhr auf den Weg. Da in meinem Zimmer kein Mülleimer war, steckte ich den angefallenen Abfall in eine Plastiktüte und trug ihn bis zur Metrostation, um ihn dort artgerecht getrennt zu entsorgen. Ich hatte im Starterbeutel nur meinen Reisepass, einen Stadtplan, ein bisschen Geld und die Baseball-Kappe dabei, welche auch in den Startunterlagen dabei gewesen war. Der Beutel sollte nach dem Start zum vier Kilometer entfernten Zielbereich transportiert werden. Duschen wollte ich erst wieder in meiner Unterkunft
Leider hatte ich nicht bedacht, dass ich ein bereits benutztes Metroticket neu aufladen und dabei Geld sparen konnte. In der Station musste ich daher ein ganz neues Einzelticket kaufen. Dann ging ich zum Gleis hinunter. Es war zwar Sonntagmorgen, aber zwischen meiner Start- und Zielstation verkehrten insgesamt fünf unterschiedliche Metrolinien, so dass ich nicht lange auf die nächste warten musste. Beunruhigenderweise sah ich in der Metro zunächst nur Läufer mit Startnummer für den Family-Race. Als wir dann jedoch an der Station „Casa da música“ ausstiegen, erblickte ich schon zahlreiche Läufer mit einer roten Startnummer, welche für den Marathon stand. Wie viele Teilnehmer bei dieser Disziplin starteten, konnte ich nicht sagen.
Ich war bereits in Läuferkleidung unterwegs. Obenrum trug ich das Trikot vom Berliner Halbmarathon aus dem Jahr 2010. Auf der Startnummer, in welcher auch der Zeitmess-Chip integriert war, war übrigens die Nationalität mit einer Flagge gekennzeichnet. Somit konnte jeder Passant sehen, dass ich Deutscher war. Auffällig war auch der hohe Anteil der Franzosen unter den Teilnehmern.
Ich unterhielt mich auf Englisch mit einem Portugiesen, der heute seinen ersten Marathon laufen wollte. Wenn ich ihn richtig verstanden hatte, so hatte er für diese Veranstaltung gerade einmal 20 Euro Startgeld bezahlt, da er sich sehr früh angemeldet hatte. Wir gingen zusammen am Placa Mousinho Albuquerque vorbei und kamen so an die Startgeraden. Der Start sollte von Süd nach Nord erfolgen. In LKWs konnten wir unsere Taschen abgeben. Ich hatte nur an den Brustwarzen Pflaster angebracht, an den Füßen nicht. Zur Sicherheit hatte ich aber einige Pflaster mitgenommen, die ich während des Rennens in der Hosentasche mit mir trug.
Ich lief mich ein bisschen warm und stellte mich dann, um zehn Minuten vor neun Uhr, in die Startgeraden, und zwar in den Abschnitt B, für den ich wegen meiner erwarteten Zielzeit eingeteilt war. Ich sah jetzt nur Läufer mit roter Startnummer, erfuhr aber später, dass Marathon und 16-Kilometerlauf zusammen auf dieser Geraden gestartet waren. Über uns flogen Drohnen, die offenbar die Aufgabe hatten, Bilder von uns aufzunehmen. Ich unterhielt mich mit einem französischen Pärchen und um neun Uhr ging es dann los. Das Wetter schien angenehm zu sein. Es war noch nicht zu warm, aber leider schien die Sonne ein bisschen stärker. Dies sollte aber zunächst nicht stören, da wir auf den ersten Abschnitten die Sonne im Rücken hatten.
Für bestimme Zielzeiten gab es Pacemaker , darunter auch einige für 3:15 und für 3:30 Stunden. An letzteren wollte ich mich orientieren. Eine neue Bestzeit war nicht ausgeschlossen, wenn es heute nicht allzu warm werden sollte. Beim Start war ich noch hinter den Pacemakern für die Dreieinhalbstundenmarke. Es ging nun nach Norden, so dass wir die Sonne im Rücken hatten. Dann kamen wir an den runden Platz, der eine Wiese beinhaltete und in dessen Mitte ein großes Denkmal stand. Um den runden Platz herum führte ein großer Verkehrskreisel. Wir umliefen den Platz in etwa zur Hälfte und bogen dann nach Westen auf eine Hauptverkehrsstraße ab. Hier kamen wir nun an der Casa da Música vorbei, einem architektonisch sehr auffälligen Gebäude.
Der Weg führte nun an dieser Hauptstraße geradeaus. Auf der rechten Seite sah ich einen großen McDoof. Dies fiel mir auf, da ich bisher in Porto keine Niederlassung dieser Art gefunden hatte. Ansonsten waren hier nur große Plattenbauten, in denen Menschen wohnten, oder die zum Verkauf standen, da ich an vielen Wänden die Aufschrift „Vende-se“ mit einer Telefonnummer lesen konnte.
Wir verließen diese Hauptstraße nur für einen kurzen Abstecher auf eine etwas weiter nördlich gelegene Straße. Hier kamen wir ebenfalls durch ein Wohngebiet und nun fiel mir erst richtig auf, dass es hier kaum Zuschauer gab. Ich hatte gelesen, dass die Portugiesen relativ lang schlafen und auch spät zur Arbeit gehen. Da konnte man nicht erwarten, dass sie am Sonntag früh aufstanden, nur um beim Marathon zuzusehen.
Als wir wieder auf der eigentlichen Hauptstraße ankamen, überquerten wir den Autobahnring, der einmal durch Porto führt. Dieser Autobahnring führt in einem großen Rundkurs durch Porto, wobei der Rio Douro zweimal überquert wird. Ich beobachtete nun, wie zwei der Pacemaker für die 3:30-Stundenmarke ihre Luftballonseile voneinander lösten, die sich ineinander verheddert hatten. Dabei überholte ich diese Läufer, musste später jedoch sehen, wie einer der beiden wieder an mir vorbeisprintete. Wenig später hatte ich ihn allerdings erneut überholt. Ich lief eine Zeit von 4:50 Minuten pro Kilometer.
Nach fünf Kilometer war der erste Verpflegungsstand erreicht. Hier gab es zunächst nur Wasser zu trinken, welches in Plastikflaschen serviert wurde. Ich nahm eine Flasche, trank sie halbleer und wollte sie dann in hohem Bogen in einen der Müllcontainer werfen, die dafür vorgesehen waren. Leider zielte ich nicht genau genug und traf einen anderen Läufer, der auf dem Bürgersteig war. Glücklicherweise bekam er dies gar nicht richtig mit.
Nun kamen wir an den Stadtpark, welcher zur rechten Seite lag. Hier sollte später das Ziel sein. Schon jetzt mussten wir durch einige aufgeblasene Tore hindurchlaufen, die auf dem Rückweg den Zielbereich markieren sollten. Dann ging es leicht bergab, bis wir an die Atlantikküste kamen. Hier war erneut ein großer Platz mit einer Reiterstatue. Der Reiter hielt ein Kreuz in der Hand. Der Platz war rund und ebenfalls von einem Verkehrskreisel umgeben, den wir während des Marathons einmal komplett umlaufen sollten. Jetzt nahmen wir die erste Ausfahrt, sodass wir nach Norden liefen. Den Stadtpark, der etwas unterhalb lag, hatten wir zu unserer rechten Seite.
Nach wenigen Metern kamen wir erneut an einen Verkehrskreisel. An den Seiten waren große Pfeiler, die eine Art Netz hielten, welches über diesen Platz gespannt war. Wir liefen weiter nach Norden und kamen nun durch eine etwas engere Straße. Die Atlantikküste war nicht mehr sichtbar. Die Straße war durch Verkehrshütchen in zwei Hälften geteilt, da sie auch den Rückweg bildete. Tatsächlich kam uns nun das Führungsfeld, bestehend aus mehreren dunkelhäutigen Sportlern, entgegen.
Wir verließen nun das Wohngebiet und kamen an eine Straße mitten im Grünen, die neben der blauen Metrolinie entlangführte. Ich verlor hier ein Taschentuch und machte mir die Mühe, dieses aufzuheben, wobei ich fast mit einem der Hintermänner kollidierte. Nun konnte ich auch das Feld vor mir sehen. Die Pacemaker für 3:15 Stunden hatten auf mich bereits einen Vorsprung von einigen Minuten. Dann hatten wir die Endhaltestelle der Metrolinie erreicht und kamen kurz darauf auch an den Wendepunkt. Die nördlichste Stelle des Kurses hatten wir damit hinter uns.
Jetzt, wo es nach Süden ging, hätten wir die Sonne eigentlich im Gesicht gehabt. Aber das Wetter hatte sich verändert. Es waren dichte Wolken aufgezogen, ohne dass es regnete. Somit konnte ich also unbeschwert den Marathon fortsetzen und das dichtgedrängte Feld hinter mir sehen.
Vor mir beobachtete ich einen Mann in den mittleren Jahren, der offenbar auch Deutscher war. Tatsächlich erkannte ich beim Überholten die deutsche Flagge auf seiner Startnummer. Dem Trikot zufolge, auf welchem eine mit einer Sieben beginnende Postleitzahl aufgedruckt war, ließ mich vermuten, dass er Schwabe war.
Im Wohngebiet wurde es nun wieder enger, da die Straße hier geteilt war und uns viele langsamere Läufer entgegenkamen. Als wir dann wieder die Atlantikküste erreichten, fiel mir rechts hinter uns ein sehr merkwürdiges Gebäude auf, das an der Küste stand. Es hatte eine unbeschreibliche Form, war aber sehr weit von der Strecke entfernt.
Schließlich kamen wir zum zweiten Mal an den Kreisel mit der Reiterstatue. Hier trennten sich die Wege. Die Teilnehmer des 16-Kilometerlaufes mussten nach links abbiegen, um zum Stadtpark zurück ins Ziel zu laufen. Die Marathonis mussten geradeaus nach Süden an der Atlantikküste entlang. Nun sah ich, dass der deutsche Läufer vor mir einige Fans hier stehen hatte. Diese begrüßten ihn in schwäbischen Dialekt.
Bei Kilometer 15 gab es wieder etwas zu trinken. Die Verpflegungspunkte waren gleichmäßig verteilt. Alle fünf Kilometer gab es Wasser. Im Küstenbereich konnte man einige große Felsen sehen, an denen sich die Wellen brachen. Zuschauer waren hier aber nur wenige.
Schließlich erreichten wir die Stelle, wo der Rio Douro in den Atlantik mündet. Wir liefen am Fluss entlang und nahmen nun Kurs auf die Innenstadt von Porto. Wir kamen unter der ersten Brücke vorbei, welche einen Teil der Autobahn bildete, die durch Porto führt. Diese Brücke ist extrem hoch.
Nun war die Halbmarathondistanz absolviert. Ich hatte in etwa eine Zeit von 1:42 Stunden benötigt. Im Gegensatz zum Baden-Marathon vor sechs Wochen schmerzten meine Beine aber noch nicht. An der linken Ferse merkte ich, dass sich eine Blase bildete. Ein Pflaster schien aber noch nicht nötig zu sein und ich wollte versuchen, erst einmal durchzuhalten, um eine neue mögliche Bestzeit nicht zu gefährden.
Nun begann der Bereich, den ich schon gestern erkundet hatte. Wir kamen auf die Brücke, welche ein Stück auf dem Rio Douro entlangführt. Hier konnten wir den Abschnitt benutzen, welcher für die Autos bestimmt ist. Der Boden beim eigentlichen Fußgängerbereich besteht aus Gittern, durch die man ins Wasser sehen kann, wenn man nach unten schaut.
Als wir wieder das richtige Festland betraten, kamen wir an der Marathonmesse vorbei, die heute geschlossen war. Die Startunterlagen hatten man sich spätestens am Samstag abholen müssen. Nun waren wieder mehr Zuschauer sichtbar. Eine Band spielte neben dem Messegebäude laut Musik. Auf der anderen Seite des Flusses konnten wir das Läuferfeld vor uns sehen. Das Spitzenfeld kam uns jetzt entgegen. Ich sah zwei Männer, die sich um den dritten Platz stritten, während der Führende schon einen großen Vorsprung hatte.
Als nächstes kamen wir in die Altstadt. Es ging an einer Stelle richtig steil bergab und dann waren wir in einer engen Straße am Fluss, auf welcher der Markt aufgebaut war. Hier gab es Zelte, an denen verschiedene Sachen verkauft wurden. Am Ende dieses Abschnitts ging es wieder ein Stückchen bergauf und gleich dahinter nach rechts. Nun waren wir auf der berühmten „Ponte da Lúiz I“, allerdings auf der unteren Ebene, die für Fußgänger und Autos vorgesehen ist. Die zweite Etage konnte ich weit über mir sehen, wenn ich den Kopf hob.
Sofort als wir das andere Ufer erreicht hatten, bogen wir rechts ab, so dass wir wieder am Ufer entlangliefen. Inzwischen war die Sonne wieder hervorgekommen. Wir kamen durch eine breite Straße hindurch, in welcher viele Cafés waren. Auf dem Rio Douro konnte man nun zahlreiche Kähne sehen, die jeweils mit sechs Fässern beladen waren.
Nach und nach kam uns das Feld vor uns entgegen. Da dieses Feld aber schon relativ weit auseinandergezogen war, wurde es nicht allzu eng. Bei Kilometer 25 nahm ich mir erstmals etwas zu essen. Getrocknete Aprikosen gab es hier - im Gegensatz zum Valencia-Marathon- nicht. Stattdessen konnte ich mir Rosinen zu essen nehmen. Ich sah einen nicht gerade umweltbewussten Läufer vor mir, der die leere Wasserflasche einfach in den Fluss warf. Auf der anderen Seite des Flusses konnte ich das Läuferfeld hinter uns sehen.
Die Autobahnbrücke wurde erneut unterquert. Nun waren wir schon fast wieder am Atlantik, bevor wir dann den Wendepunkt erreichten. Den schwäbischen Läufer vor mir hatte ich langsam aus den Augen verloren, da ich mit der Geschwindigkeit ein bisschen nachgelassen hatte. Es war auch inzwischen deutlich wärmer geworden und ich musste mir immer wieder den Schweiß von der Stirn wischen. Langsam spürte ich auch, wie meine Beine schwer wurden.
Nun kam der Rückweg. Die Straße war erneut zweigeteilt und ich konnte sehen, dass sich um den Pacemaker für die 3:45-Stundenmarke eine dicke Läufertraube gebildet hatte. Als wir wieder im Bereich mit den vielen Cafés waren, sah ich, dass viele der Anwohner bereits jetzt, also gegen halb zwölf Uhr, Rotwein tranken.
Nun ging es wieder über die Ponte da Lúiz I. Auf der anderen Seite bogen wir aber nicht in die enge Gasse ein, in welcher sich der Markt befand, sondern liefen ein bisschen weiter rechts versetzt durch einen langen Tunnel. Als wir diesen wieder verließen, trafen wir auf den Weg, den wir bereits hergelaufen waren. Ich sah nun, wie die beiden hintersten Läuferinnen von einem Rettungsfahrzeug begleitet wurden. Nun nahmen wir Kurs auf das Ziel. Es ging wieder am Rio Douro entlang, auf dessen anderen Ufer das Läuferfeld hinter uns sichtbar war. Die zahlreichen Pflastersteine waren ein bisschen unangenehm zu laufen. An der Marathonmesse wurde immer noch Musik gespielt. Dann passierten wir wieder die Brücke, welche ein bisschen über den Fluss hinwegführt. Später kamen wir wieder unter der Autobahnbrücke hindurch und als dann die Atlantikküste erreicht wurde, sahen wir wieder einige Zuschauer und die Wellen, welche sich an den Felsen brachen.
An einer etwas breiteren Stelle der Straße war ein Feuerwehrwagen aufgestellt. Aus einem Schlauch kam eine Wasserfontäne. Ich nahm meine Brille vom Gesicht, versteckte sie unter meinem Trikot und hielt das Gesicht in den Wasserstrahl. Dabei wurde auch die Rückseite meines Trikots nass, welches nun an meinem Rücken klebte. Mein Eindruck war, dass mich dies ein bisschen schneller machte, weil ich das Gefühl hatte, von hinten geschoben zu werden.
Ich wollte auf den letzten drei Kilometern noch einmal ein bisschen schneller machen. Ein Pflaster hatte ich immer noch nicht auf die Verse auftragen müssen. Ich kam kurz nach Kilometer 40 zum letzten Mal an den Verkehrskreisel mit der Reiterstatue. Von hier aus ging es nun nach rechts in die Straße neben dem Stadtpark hinein. Leider musste ich hier einen beschwerlichen Weg bergauf laufen, aber ich wusste nun, dass eine neue Bestzeit möglich war. Je näher wir den aufgeblasenen Toren kamen, desto mehr Zuschauer standen am Rand. Der Weg wurde dadurch immer enger und die Lautstärke stieg an. Als ich das letzte Tor hinter mir hatte, bog ich links ein. Ich hatte den schwäbischen Teilnehmer nun fast wieder eingeholt, da kam ich bei einer Nettozeit zwischen 3:27 Stunde und 3:28 Stunden über die Ziellinie.
Wenige Meter dahinter ließ ich mir die Medaille geben. Sie war sehr groß und mit allen relevanten Details versehen. Ich nahm mir Obst und Getränke und bekam dann noch einen Beutel in die Hand gedrückt. Dieser war ziemlich schwer. Er enthielt nicht nur das blaue Finisher-Trikot, sondern auch eine ganze Flasche Portwein. Ich staunte immer mehr, wieviel ich für die Startgebühr von 35 Euro erhalten hatte.
Ich sah die LKWs, welche mit den Starterbeuteln hierhergefahren waren. Ich ließ mir meinen Beutel aushändigen. Duschen wollte ich erst in meiner Unterkunft. Zufällig hörte ich, wie ein Teilnehmer nach den Bussen fragte, die zum Startbereich fahren sollten. Ich ging ihm hinterher und kam zu der Hauptstraße, die wie kurz nach dem Start abgelaufen waren. Hier standen die Busse bereit. Ich setzte mich, obwohl ich verschwitzt war, auf einen der Sitze, da ich nicht mehr stehen konnte. Dann ging die Fahrt los. Nach einer Viertelstunde waren wir bei der Casa da música. Ich ging zur Metro und fuhr zu meinem Hotel, wo ich duschte und mich umzog. Jetzt zog ein fürchterliches Gewitter auf. Welch ein Glück, dass ich jetzt nicht mehr am Laufen war.
Später ging ich noch ein bisschen in die Innenstadt und nahm ein Abendessen bei McDoof zu mir. Zusätzlich kaufte ich in einem Supermarkt, der sonntags offen hatte, einige Hot-Dog-Brötchen und Salami. Ich legte mich gegen zehn Uhr schlafen.
Tag 4: Montag, 3.11.2014
Ich stand gegen acht Uhr auf, duschte und frühstückte die Hot-Dog-Brötchen. Muskelkater hatte ich vergleichsweise wenig. Ich packte meinen Koffer, wobei ich vor allem die Portwein-Flasche sicher verstaute. Dann gab ich den Zimmerschlüssel ab und ging zur Metrostation. Die Linie E zum Flughafen fährt nur alle 20 Minuten. Die Fahrt dauerte über eine halbe Stunde. Dann konnte ich mir den Flughafen noch einmal bei Tageslicht anschauen. Sogar den schwäbischen Läufer sah ich im Sicherheitsbereich wieder.
Das Flugzeug startete gegen 13 Uhr und kam gegen 16:20 Uhr in Frankfurt an. Leider fiel mein eigentlicher Zug vom Fernbahnhof aus. Ich musste mit einem anderen ICE bis zum Hauptbahnhof fahren und dort in einen Ersatz-Intercity nach Hannover einsteigen. Dieser fuhr verspätet ab und konnte auf der Schnellstrecke ab Kassel nicht die Geschwindigkeit eines ICEs erreichen. Die Folge war, dass ich den Anschlusszug in Hannover verpasste. Ich musste vierzig Minuten lang auf den Regionalexpress warten und kam gegen halb ein Uhr, ein Stunde später als geplant, zu Hause an.
Der elfte Maratona do Porto.
Neben dem New-York-City-Marathon gab es an diesem Wochenende kaum große Veranstaltungen. Im November ist die Marathonsaison in Deutschland größtenteils vorbei. Da ich nicht wieder nach New York reisen wollte, entschied ich mich für den Marathon in Porto, welcher am gleichen Tag stattfinden sollte. Die Anmeldeformalitäten und Reiseplanung hatte ich ein halbes Jahr im Voraus durchgeführt. Die Startgebühr betrug 35€. Dies entpuppte sich später als richtiges „Schnäppchen“, da für das Geld einiges geboten wurde.
Tag 1: Freitag, 31.10.2014
Wie im letzten Jahr hatte ich an Halloween einen weiten Weg vor mir. Ich stand um halb sieben Uhr auf, kaufte bei Penny-Markt zwei Dosen Pepsi und frühstückte dann. Meinen giftgrünen Koffer hatte ich schon am Vorabend gepackt. Ich hatte Zugbindung und musste daher relativ früh los. Um kurz vor neun Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von wo aus ich mit der Nordwestbahn zum Hauptbahnhof fuhr. Hier stieg ich in den Regionalexpress nach Hannover ein, wo ich zwanzig Minuten vor elf Uhr eintraf. Um kurz nach elf Uhr kam der Intercity aus Hamburg pünktlich an. Er sollte bis zum Frankfurter Hauptbahnhof fahren. Ich stieg ein und ging während der Fahrt noch eine Lektion aus meinem neuen Portugiesisch-Lehrbuch durch. Um kurz nach halb zwei Uhr mittags kam der Intercity an seinem Ziel- und Endbahnhof, dem Frankfurter Hauptbahnhof an.
Eigentlich hatte ich nun einen ICE gebucht, der mich in zwölf Minuten zum Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens bringen sollte. Aber da ich mich kurzfristig mit einem alten Schulfreund in Niederrad verabredet hatte, kaufte ich ein Ticket für den Nahverkehr und stieg in die nächste S-Bahn ein, die dorthin fuhr. Um kurz vor 14 Uhr kam ich am Bahnhof Niederrad an, auf meinen Freund musste ich aber eine Dreiviertelstunde warten. Als dieser dann eintraf, setzten wir uns zwischen die Hochhäuser und unterhielten uns bis 16 Uhr. Dann erlaubte er mir noch, die Toilette in seinem Bürogebäude zu benutzen und verabschiedete sich wieder von mir. Ich ging zu einer Würstchenbude und nahm ein Mittagessen zu mir. Jetzt begann es schon langsam zu dämmern und ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof Niederrad zurück, wo ich in die nächste S-Bahn zum Flughafen, diesmal zum Regionalbahnhof, einstieg. Auf dem riesigen Flughafengelände zog ich mir erst das gebuchte Lufthansa-Ticket, gab dann meinen Koffer ab und ging durch die Sicherheitskontrolle. Als ich an der anvisierten Abflugstelle ankam, erinnerte ich mich, dass ich hier vor über 13 Jahren schon einmal gewesen war, als ich mit meiner Mutter nach Madrid geflogen war.
Da es bis zum Start der Maschine noch drei Stunden waren, setzte ich mich in die Nähe einer Steckdose, lud den Akku meines Smartphones auf und ging ein weiteres Kapitel im Portugiesisch-Buch durch. Zwischendurch holte ich mir noch eine Laugenbrezel und eine Landjäger-Wurst für völlig überteuertes Geld an einem der Imbissstände. Um 20:40 Uhr war dann endlich Einlass.
Das Flugzeug war vollbesetzt bis auf den letzten Platz, wobei der Großteil der Passagiere offenbar portugiesisch war. Der Kapitän bat uns, das viele Handgepäck bestmöglich zu verstauen, da man andernfalls eine Umladung vornehmen musste, was unweigerlich zu einer Verzögerung des Starts geführt hätte. Ich saß zwischen zwei Männern, mit denen ich ein paar Worte auf Englisch wechselte. Mein linker Sitznachbar bekreuzigte sich, als es dann endlich losging.
Beim angebotenen Getränk entschied ich mich für Bier, um den Flug damit besser überstehen zu können. Das Essen schmeckte mir natürlich nicht. Nach über zweieinhalb Stunden kamen wir pünktlich um 22:50 Uhr Ortszeit in Porto an, wo die Zeit – verglichen zu Deutschland – um eine Stunde hinterherhinkt.
Ich musste ziemlich lange auf meinen Koffer warten und so war es schon 23:30 Uhr, als ich die Ankunftshalle verließ und mich auf den Weg zur unterirdischen Metrostation machte. Beim Verlassen der Halle bekam ich einen Stadtplan von Porto geschenkt, den ich dankend annahm. Einen Reiseführer hatte ich vorher nicht gekauft, lediglich den Weg von der Metrostation zu meiner Unterkunft hatte ich mir über googlemaps ausgedruckt.
Ein Angestellter half mir beim Kaufen einer Fahrkarte im Wert von 2,35 Euro. Dann stieg ich in die Metro ein, welche wenige Minuten später losfuhr. Unterwegs unterhielt ich mich mit einem Ehepaar aus Kassel, das in Porto einige Tage Urlaub machen wollte. Die Metro in Porto muss man sich als eine etwas breitere Form einer Straßenbahn in Deutschland vorstellen. Sie fährt ober- und unterirdisch.
Bei der Station „24 de Agosto“ stieg ich aus. Der direkte Weg zu meiner Unterkunft wäre nicht weit gewesen, aber leider ging ich in die falsche Richtung und tat mir bei der Orientierung schwer. Schließlich halfen mir ein paar Jugendliche, mit denen ich mich auf Englisch unterhielt. So kam ich gegen halb eins am Gebäude an. Die Angestellte zeigte mir das Doppelzimmer im ersten Stock, welches eine Art Ehebett enthielt. Eine zweite Person sollte während meines Aufenthalts aber nicht hier wohnen. Ich hatte volle Kontrolle über den Zimmerschlüssel und somit ein Zimmer für mich allein, welches mich für drei Nächte gerade einmal 36 Euro kostete. Leider lag es an einer Straßenkreuzung und war durch seine Lage im ersten Stock direkt an der Lärmquelle. Trotzdem konnte ich einigermaßen schlafen.
Tag 2: Samstag, 1.11.2014
Ich wurde gegen sieben Uhr wach, ging in das öffentliche Badezimmer und duschte. Dann zog ich mich an. Mein erstes Ziel war es, etwas Essbares zu bekommen. Ich ging nun auf direktem Weg zur Metrostation, was keine fünf Minuten dauerte. Dort kaufte ich ein Tagesticket und fuhr eine Station. Hier war ich nun an einem Wochenmarkt, wo ich mir erst zwei Birnen und dann drei Brötchen kaufte. Die Verkäuferin der Brötchen musste mir den Preis dreimal in verschiedenen Sprachen sagen, bevor ich verstand, dass ich tatsächlich nur 24 Cent bezahlen musste.
Nun machte ich mich auf den Weg zur Marathonmesse, um meine Startunterlagen abzuholen. Das Gebäude war am nördlichen Ufer des Flusses, des Rio Douro, der vom Mittelmeer ins Festland hineinführt. Bis zur Öffnung um zehn Uhr musste ich aber noch eine halbe Stunde warten. Diese Zeit nutzte ich, um mir einen kleinen Überblick zu verschaffen. Der Fluss liegt extrem tief, die Felswände führen steil hinauf. Ganzen unten am Fluss sind aber auch Häuser, jedoch muss man ins Festland hinein steil bergauf gehen. Dieser Sachverhalt führt dazu, dass eine der bekanntesten Brücken, die „Ponte D. Luís“ aus zwei Ebenen besteht, wobei die obere Ebene weit höher als die untere Ebene liegt.
Um zehn Uhr trat ich nun in das Gebäude ein, in welchem die Messe war. Ich legte meinen Ausweis vor und erfuhr daraufhin meine Startnummer. Diese konnte ich mir an einer anderen Stelle abholen. Am nächsten Stand musste ich meine erwartete Zielzeit angeben, woraufhin ein bestimmter Aufkleber auf der Nummer befestigt wurde. Ein Gutschein für eine Pastaparty am heutigen Tag war auch vorhanden.
Beim nächsten Stand bekam ich ein T-Shirt und einen Rucksack. Ferner wurde mir erklärt, dass ich im Ziel ein weiteres Finishershirt bekommen sollte. Das war Einiges für 35 Euro! Sowohl Start als auch Ziel des Marathons sollten übrigens an ganz anderen Orten sein.
Ich fuhr wieder in mein Hotel zurück und legte nun die Jacke und den Pullover ab, da es doch recht warm geworden war. Ich hatte leider nicht nachgefragt, wo genau die Pastaparty stattfinden sollte. Ahnungsvoll fuhr ich noch einmal zur Messe, wo ich im Keller fündig wurde. Ich bekam ein Brötchen, einen Apfel, ein Getränk und eine Portion Spaghetti Bolognese. Auch dies war bereits alles im Startgeld enthalten. Leider machte hier im Keller eine Musikband solchen Lärm, dass ich mir die Ohren zuhalten musste.
Nach dem Essen betrat ich die obere Etage der Brücke „Ponte D. Luís I“. Als ich dann bemerkte, dass der Boden dieser Brücke aus mehreren nebeneinandergelegten Platten bestand, durch deren Schlitze man nach unten in die Tiefe blicken konnte, wurde mir so schwindlig, dass ich zitternd versuchte, so schnell wie möglich wieder das Festland zu erreichen. Ich stieg in die Metro und fuhr zum Stadion des FC Porto. Hier wollten mir ein paar junge Männer ein verbilligtes Ticket für das heutige Abendspiel „FC Porte – Nacional Funchal“ aufschwatzen, aber ich lehnte ab, da ich den Leuten nicht traute. Außerdem sollte das Spiel erst um 21:15 Uhr beginnen und ich hatte schon diese Nacht nicht lange genug geschlafen.
Glücklicherweise fand ich wenige Meter von meiner Unterkunft entfernt einen kleinen Supermarkt, wo ich mir Brötchen, Rama (in Portugal „Planta“ genannt), Salami und Plastikmesser kaufen konnte. So konnte ich mir auf meinem Zimmer ein günstiges Abendessen machen und musste nicht nach einem Restaurant suchen. Um 21 Uhr legte ich mich schlafen.
Tag 3: Sonntag, 2.11.2014
Ich hatte den Wecker auf sieben Uhr gestellt, da ich davon ausging, dass der Marathon um neun Uhr starten würde. Mit absoluter Sicherheit war dies aus dem Informationsheft gar nicht hervorgegangen. Dort hatte ich lediglich gelesen, dass das Family-Race über 16 Kilometern um neun Uhr und der Mini-Marathon über sechs Kilometern um halb elf Uhr starten sollten. Ich frühstückte die verbliebenen Brötchen, welche ich gestern im Laden gekauft hatte, zog mich um und machte mich um zehn Minuten nach acht Uhr auf den Weg. Da in meinem Zimmer kein Mülleimer war, steckte ich den angefallenen Abfall in eine Plastiktüte und trug ihn bis zur Metrostation, um ihn dort artgerecht getrennt zu entsorgen. Ich hatte im Starterbeutel nur meinen Reisepass, einen Stadtplan, ein bisschen Geld und die Baseball-Kappe dabei, welche auch in den Startunterlagen dabei gewesen war. Der Beutel sollte nach dem Start zum vier Kilometer entfernten Zielbereich transportiert werden. Duschen wollte ich erst wieder in meiner Unterkunft
Leider hatte ich nicht bedacht, dass ich ein bereits benutztes Metroticket neu aufladen und dabei Geld sparen konnte. In der Station musste ich daher ein ganz neues Einzelticket kaufen. Dann ging ich zum Gleis hinunter. Es war zwar Sonntagmorgen, aber zwischen meiner Start- und Zielstation verkehrten insgesamt fünf unterschiedliche Metrolinien, so dass ich nicht lange auf die nächste warten musste. Beunruhigenderweise sah ich in der Metro zunächst nur Läufer mit Startnummer für den Family-Race. Als wir dann jedoch an der Station „Casa da música“ ausstiegen, erblickte ich schon zahlreiche Läufer mit einer roten Startnummer, welche für den Marathon stand. Wie viele Teilnehmer bei dieser Disziplin starteten, konnte ich nicht sagen.
Ich war bereits in Läuferkleidung unterwegs. Obenrum trug ich das Trikot vom Berliner Halbmarathon aus dem Jahr 2010. Auf der Startnummer, in welcher auch der Zeitmess-Chip integriert war, war übrigens die Nationalität mit einer Flagge gekennzeichnet. Somit konnte jeder Passant sehen, dass ich Deutscher war. Auffällig war auch der hohe Anteil der Franzosen unter den Teilnehmern.
Ich unterhielt mich auf Englisch mit einem Portugiesen, der heute seinen ersten Marathon laufen wollte. Wenn ich ihn richtig verstanden hatte, so hatte er für diese Veranstaltung gerade einmal 20 Euro Startgeld bezahlt, da er sich sehr früh angemeldet hatte. Wir gingen zusammen am Placa Mousinho Albuquerque vorbei und kamen so an die Startgeraden. Der Start sollte von Süd nach Nord erfolgen. In LKWs konnten wir unsere Taschen abgeben. Ich hatte nur an den Brustwarzen Pflaster angebracht, an den Füßen nicht. Zur Sicherheit hatte ich aber einige Pflaster mitgenommen, die ich während des Rennens in der Hosentasche mit mir trug.
Ich lief mich ein bisschen warm und stellte mich dann, um zehn Minuten vor neun Uhr, in die Startgeraden, und zwar in den Abschnitt B, für den ich wegen meiner erwarteten Zielzeit eingeteilt war. Ich sah jetzt nur Läufer mit roter Startnummer, erfuhr aber später, dass Marathon und 16-Kilometerlauf zusammen auf dieser Geraden gestartet waren. Über uns flogen Drohnen, die offenbar die Aufgabe hatten, Bilder von uns aufzunehmen. Ich unterhielt mich mit einem französischen Pärchen und um neun Uhr ging es dann los. Das Wetter schien angenehm zu sein. Es war noch nicht zu warm, aber leider schien die Sonne ein bisschen stärker. Dies sollte aber zunächst nicht stören, da wir auf den ersten Abschnitten die Sonne im Rücken hatten.
Für bestimme Zielzeiten gab es Pacemaker , darunter auch einige für 3:15 und für 3:30 Stunden. An letzteren wollte ich mich orientieren. Eine neue Bestzeit war nicht ausgeschlossen, wenn es heute nicht allzu warm werden sollte. Beim Start war ich noch hinter den Pacemakern für die Dreieinhalbstundenmarke. Es ging nun nach Norden, so dass wir die Sonne im Rücken hatten. Dann kamen wir an den runden Platz, der eine Wiese beinhaltete und in dessen Mitte ein großes Denkmal stand. Um den runden Platz herum führte ein großer Verkehrskreisel. Wir umliefen den Platz in etwa zur Hälfte und bogen dann nach Westen auf eine Hauptverkehrsstraße ab. Hier kamen wir nun an der Casa da Música vorbei, einem architektonisch sehr auffälligen Gebäude.
Der Weg führte nun an dieser Hauptstraße geradeaus. Auf der rechten Seite sah ich einen großen McDoof. Dies fiel mir auf, da ich bisher in Porto keine Niederlassung dieser Art gefunden hatte. Ansonsten waren hier nur große Plattenbauten, in denen Menschen wohnten, oder die zum Verkauf standen, da ich an vielen Wänden die Aufschrift „Vende-se“ mit einer Telefonnummer lesen konnte.
Wir verließen diese Hauptstraße nur für einen kurzen Abstecher auf eine etwas weiter nördlich gelegene Straße. Hier kamen wir ebenfalls durch ein Wohngebiet und nun fiel mir erst richtig auf, dass es hier kaum Zuschauer gab. Ich hatte gelesen, dass die Portugiesen relativ lang schlafen und auch spät zur Arbeit gehen. Da konnte man nicht erwarten, dass sie am Sonntag früh aufstanden, nur um beim Marathon zuzusehen.
Als wir wieder auf der eigentlichen Hauptstraße ankamen, überquerten wir den Autobahnring, der einmal durch Porto führt. Dieser Autobahnring führt in einem großen Rundkurs durch Porto, wobei der Rio Douro zweimal überquert wird. Ich beobachtete nun, wie zwei der Pacemaker für die 3:30-Stundenmarke ihre Luftballonseile voneinander lösten, die sich ineinander verheddert hatten. Dabei überholte ich diese Läufer, musste später jedoch sehen, wie einer der beiden wieder an mir vorbeisprintete. Wenig später hatte ich ihn allerdings erneut überholt. Ich lief eine Zeit von 4:50 Minuten pro Kilometer.
Nach fünf Kilometer war der erste Verpflegungsstand erreicht. Hier gab es zunächst nur Wasser zu trinken, welches in Plastikflaschen serviert wurde. Ich nahm eine Flasche, trank sie halbleer und wollte sie dann in hohem Bogen in einen der Müllcontainer werfen, die dafür vorgesehen waren. Leider zielte ich nicht genau genug und traf einen anderen Läufer, der auf dem Bürgersteig war. Glücklicherweise bekam er dies gar nicht richtig mit.
Nun kamen wir an den Stadtpark, welcher zur rechten Seite lag. Hier sollte später das Ziel sein. Schon jetzt mussten wir durch einige aufgeblasene Tore hindurchlaufen, die auf dem Rückweg den Zielbereich markieren sollten. Dann ging es leicht bergab, bis wir an die Atlantikküste kamen. Hier war erneut ein großer Platz mit einer Reiterstatue. Der Reiter hielt ein Kreuz in der Hand. Der Platz war rund und ebenfalls von einem Verkehrskreisel umgeben, den wir während des Marathons einmal komplett umlaufen sollten. Jetzt nahmen wir die erste Ausfahrt, sodass wir nach Norden liefen. Den Stadtpark, der etwas unterhalb lag, hatten wir zu unserer rechten Seite.
Nach wenigen Metern kamen wir erneut an einen Verkehrskreisel. An den Seiten waren große Pfeiler, die eine Art Netz hielten, welches über diesen Platz gespannt war. Wir liefen weiter nach Norden und kamen nun durch eine etwas engere Straße. Die Atlantikküste war nicht mehr sichtbar. Die Straße war durch Verkehrshütchen in zwei Hälften geteilt, da sie auch den Rückweg bildete. Tatsächlich kam uns nun das Führungsfeld, bestehend aus mehreren dunkelhäutigen Sportlern, entgegen.
Wir verließen nun das Wohngebiet und kamen an eine Straße mitten im Grünen, die neben der blauen Metrolinie entlangführte. Ich verlor hier ein Taschentuch und machte mir die Mühe, dieses aufzuheben, wobei ich fast mit einem der Hintermänner kollidierte. Nun konnte ich auch das Feld vor mir sehen. Die Pacemaker für 3:15 Stunden hatten auf mich bereits einen Vorsprung von einigen Minuten. Dann hatten wir die Endhaltestelle der Metrolinie erreicht und kamen kurz darauf auch an den Wendepunkt. Die nördlichste Stelle des Kurses hatten wir damit hinter uns.
Jetzt, wo es nach Süden ging, hätten wir die Sonne eigentlich im Gesicht gehabt. Aber das Wetter hatte sich verändert. Es waren dichte Wolken aufgezogen, ohne dass es regnete. Somit konnte ich also unbeschwert den Marathon fortsetzen und das dichtgedrängte Feld hinter mir sehen.
Vor mir beobachtete ich einen Mann in den mittleren Jahren, der offenbar auch Deutscher war. Tatsächlich erkannte ich beim Überholten die deutsche Flagge auf seiner Startnummer. Dem Trikot zufolge, auf welchem eine mit einer Sieben beginnende Postleitzahl aufgedruckt war, ließ mich vermuten, dass er Schwabe war.
Im Wohngebiet wurde es nun wieder enger, da die Straße hier geteilt war und uns viele langsamere Läufer entgegenkamen. Als wir dann wieder die Atlantikküste erreichten, fiel mir rechts hinter uns ein sehr merkwürdiges Gebäude auf, das an der Küste stand. Es hatte eine unbeschreibliche Form, war aber sehr weit von der Strecke entfernt.
Schließlich kamen wir zum zweiten Mal an den Kreisel mit der Reiterstatue. Hier trennten sich die Wege. Die Teilnehmer des 16-Kilometerlaufes mussten nach links abbiegen, um zum Stadtpark zurück ins Ziel zu laufen. Die Marathonis mussten geradeaus nach Süden an der Atlantikküste entlang. Nun sah ich, dass der deutsche Läufer vor mir einige Fans hier stehen hatte. Diese begrüßten ihn in schwäbischen Dialekt.
Bei Kilometer 15 gab es wieder etwas zu trinken. Die Verpflegungspunkte waren gleichmäßig verteilt. Alle fünf Kilometer gab es Wasser. Im Küstenbereich konnte man einige große Felsen sehen, an denen sich die Wellen brachen. Zuschauer waren hier aber nur wenige.
Schließlich erreichten wir die Stelle, wo der Rio Douro in den Atlantik mündet. Wir liefen am Fluss entlang und nahmen nun Kurs auf die Innenstadt von Porto. Wir kamen unter der ersten Brücke vorbei, welche einen Teil der Autobahn bildete, die durch Porto führt. Diese Brücke ist extrem hoch.
Nun war die Halbmarathondistanz absolviert. Ich hatte in etwa eine Zeit von 1:42 Stunden benötigt. Im Gegensatz zum Baden-Marathon vor sechs Wochen schmerzten meine Beine aber noch nicht. An der linken Ferse merkte ich, dass sich eine Blase bildete. Ein Pflaster schien aber noch nicht nötig zu sein und ich wollte versuchen, erst einmal durchzuhalten, um eine neue mögliche Bestzeit nicht zu gefährden.
Nun begann der Bereich, den ich schon gestern erkundet hatte. Wir kamen auf die Brücke, welche ein Stück auf dem Rio Douro entlangführt. Hier konnten wir den Abschnitt benutzen, welcher für die Autos bestimmt ist. Der Boden beim eigentlichen Fußgängerbereich besteht aus Gittern, durch die man ins Wasser sehen kann, wenn man nach unten schaut.
Als wir wieder das richtige Festland betraten, kamen wir an der Marathonmesse vorbei, die heute geschlossen war. Die Startunterlagen hatten man sich spätestens am Samstag abholen müssen. Nun waren wieder mehr Zuschauer sichtbar. Eine Band spielte neben dem Messegebäude laut Musik. Auf der anderen Seite des Flusses konnten wir das Läuferfeld vor uns sehen. Das Spitzenfeld kam uns jetzt entgegen. Ich sah zwei Männer, die sich um den dritten Platz stritten, während der Führende schon einen großen Vorsprung hatte.
Als nächstes kamen wir in die Altstadt. Es ging an einer Stelle richtig steil bergab und dann waren wir in einer engen Straße am Fluss, auf welcher der Markt aufgebaut war. Hier gab es Zelte, an denen verschiedene Sachen verkauft wurden. Am Ende dieses Abschnitts ging es wieder ein Stückchen bergauf und gleich dahinter nach rechts. Nun waren wir auf der berühmten „Ponte da Lúiz I“, allerdings auf der unteren Ebene, die für Fußgänger und Autos vorgesehen ist. Die zweite Etage konnte ich weit über mir sehen, wenn ich den Kopf hob.
Sofort als wir das andere Ufer erreicht hatten, bogen wir rechts ab, so dass wir wieder am Ufer entlangliefen. Inzwischen war die Sonne wieder hervorgekommen. Wir kamen durch eine breite Straße hindurch, in welcher viele Cafés waren. Auf dem Rio Douro konnte man nun zahlreiche Kähne sehen, die jeweils mit sechs Fässern beladen waren.
Nach und nach kam uns das Feld vor uns entgegen. Da dieses Feld aber schon relativ weit auseinandergezogen war, wurde es nicht allzu eng. Bei Kilometer 25 nahm ich mir erstmals etwas zu essen. Getrocknete Aprikosen gab es hier - im Gegensatz zum Valencia-Marathon- nicht. Stattdessen konnte ich mir Rosinen zu essen nehmen. Ich sah einen nicht gerade umweltbewussten Läufer vor mir, der die leere Wasserflasche einfach in den Fluss warf. Auf der anderen Seite des Flusses konnte ich das Läuferfeld hinter uns sehen.
Die Autobahnbrücke wurde erneut unterquert. Nun waren wir schon fast wieder am Atlantik, bevor wir dann den Wendepunkt erreichten. Den schwäbischen Läufer vor mir hatte ich langsam aus den Augen verloren, da ich mit der Geschwindigkeit ein bisschen nachgelassen hatte. Es war auch inzwischen deutlich wärmer geworden und ich musste mir immer wieder den Schweiß von der Stirn wischen. Langsam spürte ich auch, wie meine Beine schwer wurden.
Nun kam der Rückweg. Die Straße war erneut zweigeteilt und ich konnte sehen, dass sich um den Pacemaker für die 3:45-Stundenmarke eine dicke Läufertraube gebildet hatte. Als wir wieder im Bereich mit den vielen Cafés waren, sah ich, dass viele der Anwohner bereits jetzt, also gegen halb zwölf Uhr, Rotwein tranken.
Nun ging es wieder über die Ponte da Lúiz I. Auf der anderen Seite bogen wir aber nicht in die enge Gasse ein, in welcher sich der Markt befand, sondern liefen ein bisschen weiter rechts versetzt durch einen langen Tunnel. Als wir diesen wieder verließen, trafen wir auf den Weg, den wir bereits hergelaufen waren. Ich sah nun, wie die beiden hintersten Läuferinnen von einem Rettungsfahrzeug begleitet wurden. Nun nahmen wir Kurs auf das Ziel. Es ging wieder am Rio Douro entlang, auf dessen anderen Ufer das Läuferfeld hinter uns sichtbar war. Die zahlreichen Pflastersteine waren ein bisschen unangenehm zu laufen. An der Marathonmesse wurde immer noch Musik gespielt. Dann passierten wir wieder die Brücke, welche ein bisschen über den Fluss hinwegführt. Später kamen wir wieder unter der Autobahnbrücke hindurch und als dann die Atlantikküste erreicht wurde, sahen wir wieder einige Zuschauer und die Wellen, welche sich an den Felsen brachen.
An einer etwas breiteren Stelle der Straße war ein Feuerwehrwagen aufgestellt. Aus einem Schlauch kam eine Wasserfontäne. Ich nahm meine Brille vom Gesicht, versteckte sie unter meinem Trikot und hielt das Gesicht in den Wasserstrahl. Dabei wurde auch die Rückseite meines Trikots nass, welches nun an meinem Rücken klebte. Mein Eindruck war, dass mich dies ein bisschen schneller machte, weil ich das Gefühl hatte, von hinten geschoben zu werden.
Ich wollte auf den letzten drei Kilometern noch einmal ein bisschen schneller machen. Ein Pflaster hatte ich immer noch nicht auf die Verse auftragen müssen. Ich kam kurz nach Kilometer 40 zum letzten Mal an den Verkehrskreisel mit der Reiterstatue. Von hier aus ging es nun nach rechts in die Straße neben dem Stadtpark hinein. Leider musste ich hier einen beschwerlichen Weg bergauf laufen, aber ich wusste nun, dass eine neue Bestzeit möglich war. Je näher wir den aufgeblasenen Toren kamen, desto mehr Zuschauer standen am Rand. Der Weg wurde dadurch immer enger und die Lautstärke stieg an. Als ich das letzte Tor hinter mir hatte, bog ich links ein. Ich hatte den schwäbischen Teilnehmer nun fast wieder eingeholt, da kam ich bei einer Nettozeit zwischen 3:27 Stunde und 3:28 Stunden über die Ziellinie.
Wenige Meter dahinter ließ ich mir die Medaille geben. Sie war sehr groß und mit allen relevanten Details versehen. Ich nahm mir Obst und Getränke und bekam dann noch einen Beutel in die Hand gedrückt. Dieser war ziemlich schwer. Er enthielt nicht nur das blaue Finisher-Trikot, sondern auch eine ganze Flasche Portwein. Ich staunte immer mehr, wieviel ich für die Startgebühr von 35 Euro erhalten hatte.
Ich sah die LKWs, welche mit den Starterbeuteln hierhergefahren waren. Ich ließ mir meinen Beutel aushändigen. Duschen wollte ich erst in meiner Unterkunft. Zufällig hörte ich, wie ein Teilnehmer nach den Bussen fragte, die zum Startbereich fahren sollten. Ich ging ihm hinterher und kam zu der Hauptstraße, die wie kurz nach dem Start abgelaufen waren. Hier standen die Busse bereit. Ich setzte mich, obwohl ich verschwitzt war, auf einen der Sitze, da ich nicht mehr stehen konnte. Dann ging die Fahrt los. Nach einer Viertelstunde waren wir bei der Casa da música. Ich ging zur Metro und fuhr zu meinem Hotel, wo ich duschte und mich umzog. Jetzt zog ein fürchterliches Gewitter auf. Welch ein Glück, dass ich jetzt nicht mehr am Laufen war.
Später ging ich noch ein bisschen in die Innenstadt und nahm ein Abendessen bei McDoof zu mir. Zusätzlich kaufte ich in einem Supermarkt, der sonntags offen hatte, einige Hot-Dog-Brötchen und Salami. Ich legte mich gegen zehn Uhr schlafen.
Tag 4: Montag, 3.11.2014
Ich stand gegen acht Uhr auf, duschte und frühstückte die Hot-Dog-Brötchen. Muskelkater hatte ich vergleichsweise wenig. Ich packte meinen Koffer, wobei ich vor allem die Portwein-Flasche sicher verstaute. Dann gab ich den Zimmerschlüssel ab und ging zur Metrostation. Die Linie E zum Flughafen fährt nur alle 20 Minuten. Die Fahrt dauerte über eine halbe Stunde. Dann konnte ich mir den Flughafen noch einmal bei Tageslicht anschauen. Sogar den schwäbischen Läufer sah ich im Sicherheitsbereich wieder.
Das Flugzeug startete gegen 13 Uhr und kam gegen 16:20 Uhr in Frankfurt an. Leider fiel mein eigentlicher Zug vom Fernbahnhof aus. Ich musste mit einem anderen ICE bis zum Hauptbahnhof fahren und dort in einen Ersatz-Intercity nach Hannover einsteigen. Dieser fuhr verspätet ab und konnte auf der Schnellstrecke ab Kassel nicht die Geschwindigkeit eines ICEs erreichen. Die Folge war, dass ich den Anschlusszug in Hannover verpasste. Ich musste vierzig Minuten lang auf den Regionalexpress warten und kam gegen halb ein Uhr, ein Stunde später als geplant, zu Hause an.
Halbmarathon Braunschweig 2014-10-26
Der einhundertundsiebte Halbmarathon meines Lebens.
Die Braunschweiger Lauftage.
Der Braunschweiger Lauftag wird offenbar jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober veranstaltet. 2010 bis 2012 hatte ich immer teilgenommen und den Halbmarathon absolviert, beim ersten Mal war ich sogar von Fallersleben aus mit dem Fahrrad dorthin- und wieder zurückgefahren. Im letzten Jahr fiel die Veranstaltung mit dem Oldenburg-Marathon zusammen, welchem ich den Vorzug gab. So trat ich erst nach einem Jahr „Pause“ wieder in Braunschweig an. 2010 hatte ich mit den Startunterlagen noch ein Trikot der Veranstaltung bekommen, für das ich in den Folgejahren extra hätte bezahlen müssen und daher verständlicherweise darauf verzichtet hatte. Nun, im Jahr 2014, dachte ich mir, dass das Trikot aus dem Jahr 2010 eine angemessen Kleidung für den Wettkampf wäre und legte es bereit. Mein Magenproblem schien übrigens nicht mehr zu bestehen.
Dank der Zeitverschiebung konnte ich eine Stunde länger schlafen. Leider hatte die Deutsche Bahn ihren Fahrplan geändert und der Fernverkehrszug, welcher sonst immer um kurz nach acht Uhr am Bremer Hauptbahnhof losfuhr, stand nicht mehr zur Verfügung. Ich musste also schon um fünf Uhr (Winterzeit) aufstehen und frühstücken, um dann um 6:30 Uhr die Straßenbahn zum Bahnhof Walle zu nehmen.
Von Walle aus nahm ich die erste Nordwestbahn, welche zum Bremer Hauptbahnhof und von dort aus weiter nach Verden an der Aller fuhr. Kurz vor dem Zielbahnhof sprach mich ein junger Mann mit Bibel in der Hand an, welcher mir vorwarf, sonntags nicht in den Gottesdienst zu gehen. Seiner Meinung nach würde Gott mich dafür beim Jüngsten Gericht bestrafen können. Zu meiner Schande musste ich gestehen, dass ich den Gottesdienst nicht wegen der Arbeit, sondern aus rein freizeittechnischen Gründen ausließ.
In Verden stieg ich dann in den Regionalexpress nach Hannover ein. Bereits in Wunstorf stieg ich allerdings wieder aus, nachdem die beiden Zugbegleiterinnen mir gesagt hatten, dass der Regionalexpress nach Braunschweig auch in Wunstorf halten würde. In Wunstorf warb ich eine junge Frau an, die ich auf mein Ticket für einen Euro nach Hannover mitnahm. Nach kurzem Aufenthalt in Hannover fuhr der Zug weiter nach Braunschweig, wo er gegen 9:40 Uhr ankam. Soweit ich informiert war, sollte der Start des Marathons um zehn Uhr sein und zum selben Zeitpunkt sollten auch einige der Halbmarathonis starten. In den letzten Jahren gab es 200 Halbmarathon-Startplätze um zehn Uhr und weitere 500 um elf Uhr.
Ich ging auf den Bahnhofs-Vorplatz, wo ich auf die nächste Straßenbahn in die Innenstadt wartete. Wie ich früher schon berichtet hatte, ist die Innenstadt in Braunschweig ein wenig vom Bahnhof entfernt. Ich fuhr drei Station bis zum Schlossplatz, von welchem ich in die Fußgängerzone gehen konnte. Auf dem altbekannten Platz sah ich, wie um zehn Uhr der Start des Marathons und offenbar auch der Start einiger Halbmarathonläufer war. Zehn Minuten später sollte der Start der Zehn-Kilometerläufer sein.
Ich holte die Startunterlagen ab, welche nur aus der Startnummer und den Zeitmesschips bestanden, die ich an beiden Schuhen anzubringen hatte. Dann ging ich zu dem Schulgelände, wo jedes Jahr Umkleide, Duschen und Taschenabgabe war. Auf dem Schulhof nahm ich zunächst mein mitgebrachtes Brot zu mir. Dann ging ich in die Umkleidekabine und zog mich komplett um. Meine Tasche gab ich in der Turnhalle ab und suchte dann noch einmal die Toilette ab. Ich dehnte meine Beine ein bisschen und joggte dann in die Fußgängerzone, wo der Startbereich war. Hier sah ich, dass es (wie in den Jahren zuvor) alkoholfreies Pils für die Finisher gab.
Die Startlinie war direkt neben den aufgebauten Stühlen und Tischen eines Restaurants. Ich stellte mich so weit nach vorne, wie ich es für richtig hielt. Nun sah ich, dass das eine meiner Brustwarzenpflaster nicht stabil genug angebracht war. Ich nahm nun eines meiner beiden Ersatzpflaster zur Hand und klebte es senkrecht zum eigentlichen Pflaster auf. Während dem Rennen sollten nun keine Probleme mehr auftauchen.
Um Punkt elf Uhr ging es los. Ich hatte die Startlinie schnell hinter mir und bog dann rechts in einen Seitenweg der Fußgängerzone ein. Es ging hier noch relativ eng zu und ich überholte einen Mann, der einen komplett umhüllten „Babyjogger“ vor sich herschob, in dem tatsächlich ein kleines Kind saß. In der Fußgängerzone musste man auf „Straßenpfosten“ aufpassen, die mitten im Weg standen. Am Ende der Fußgängerzone kamen wir an den Theaterplatz, wo uns Verkehrshütchen den Weg wiesen. Von dort aus ging es durch die Innenstadt. Ich erkannte hier die Stelle mit den Straßenbahnschienen, wo ich vor vier Jahren mit dem Fahrrad entlanggefahren war und nach dem Veranstaltungszentrum gesucht hatte. Ein Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes wies uns den Weg, welcher in einer scharfen Linkskurve in den Bürgerpark hineinführte.
Das Teilnehmerfeld war inzwischen weit auseinandergezogen. Wir kamen nun in einen Park (meiner Meinung nach war es der Bürgerpark), wo (wie jedes Jahr Ende Oktober) buntes Laub am Boden lag. Es ging hier einige Male bergauf und bergab. Da ich beim Herunterlaufen nicht abbremste, gelang es mir, einige Plätze gutzumachen. An einem kleinen Fluss sah ich eine Frau (mutmaßlich aus Südostasien), die professionell Enten fütterte.
Hinter dem Park ging es in ein Wohngebiet. Die Ideallinie für die Läufer war in weißer Farbe auf dem Asphaltboden aufgemalt. Nach etwa vier Kilometer war ich nun so weit vorne, dass ich an einer Abzweigung sogar schon meinem Vordermann aus den Augen verlor. Bis jetzt hatte ich knapp unter 250 Sekunden pro Kilometer benötigt. An der Strecke durch die Schrebergärten, die wir nun passierten, war an Kilometer 5,5 der erste Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Dann kamen wir an den Abschnitt, wo wir entlang einer Bahnstrecke liefen, die für den Personenverkehr offenbar schon lange stillgelegt war. Auch hier ging es ein ganzes Stück lang bergauf- und bergab. Links von uns war die Bahnlinie und rechts von uns war ein Zaun, welcher uns von einem Wald trennte. Auf den Plakaten an den Bäumen stand geschrieben, dass Lebensgefahr bestehe, wenn man den Waldbereich betreten würde.
Als wir diesen Wald endlich hinter uns hatten, erreichten wir die Stelle, wo das offene Feld im Südosten von Braunschweig begann. Hier konnte ich auch die Läufer vor mir sehen, welche nicht gerade sehr zahlreich waren. Ich stritt mich gerade mit einer Gruppe von drei Männern um den aktuellen Platz, wobei einer der drei Läufer sehr laut und unangenehm atmete. Diesen Mann wäre ich gerne losgeworden. Am Wendepunkt am Ende des Feldweges war eine Versorgungsstelle, wo ich einen Becher Wasser nahm und dann an der Hauptstraße entlang wieder auf den Ort Braunschweig zulief. Ich glaubte auch, die Stelle zu kennen, da ich hier möglicherweise vor vier Jahren bereits einmal mit dem Fahrrad von Fallersleben nach Braunschweig gefahren war.
Von der Dreiergruppe hinter mir setzte ich mich jetzt ab. Als ich dann die Hauptstraße überquerte, stoppte die Polizei die Autos und ließ mich durch. Nun ging es ein Stückchen nach unten. Ich kam an einer Stelle vorbei, wo links ein Wald war. Als ich dann rechts in einen Fahrradweg einbog, erreichte ich die zweite Versorgungsstelle, welche genau auf der halben Halbmarathonstrecke lag. Meine Verfolger hatten mich nicht mehr erreicht, aber nun ließ ich auch ein bisschen mit der Geschwindigkeit nach. Trotzdem überholte ich immer noch hin und wieder einen Teilnehmer.
Der nun folgende Abschnitt führte durch einen kleinen Wald, in welchem auch ein größerer Sportplatz war. Dann ging es ein Stückchen bergauf. Wir liefen an einer Auffahrt eines Autobahnkreuzes entlang und kamen dahinter in einen Park. Ich wusste, dass nun der Südsee nicht mehr weit war und ein Spaziergänger bestätigte mir dies. Links von uns war eine große Wiese mit Kinderspielplatz. Wir kamen unter einer Autobahnbrücke hindurch und nach einer scharfen Rechtskurve ging es über eine hölzerne Brücke, danach scharf links und nun waren wir am Südsee. An der eben passierten Kurve sollte ich am Ende der Runde um den Südsee wieder vorbeikommen.
Ich überholte jetzt nach und nach immer mehr Läufer der kürzeren Disziplinen, welche lange vor mir gestartet waren. Auf der anderen Seite des Südsees konnte ich die Läufer vor mir sehen, es waren aber offenbar nicht besonders viele. Ich überholte auch zahlreiche Läufer, welche die gleiche Startnummernfarbe wie ich hatten. Bei ihnen handelte es sich offenbar um Halbmarathonis, die einen Startplatz um zehn Uhr (also eine Stunde früher) bekommen hatten.
Ich war während des Rennens langsamer geworden, hielt eine Zeit von unter 90 Minuten aber noch für möglich. Als ich auf der anderen Seite des Sees war und mich nun wieder dem Verzweigungspunkt am nördlichen Ende näherte, überholte ich eine Frau, die das gleiche Trikot wie ich trug. Sie hatte also auch 2010 schon an dieser Veranstaltung teilgenommen. Dann kam ich wieder an den Verzweigungspunkt, wo ich diesmal geradeaus lief, unter der Autobahnbrücke hindurch,
Meinen Vordermann hatte ich teilweise schon aus den Augen verloren. Ich kam nun wieder durch einen Park hindurch und erinnerte mich, dass hier in den letzten Jahren immer ein Schild mit der Aufschrift „Jetzt noch aufgeben wäre blöd“ gehangen hatte. Dieses Schild sah ich heute leider nicht. Am Ende des Parks kam ich unter einer Brücke hindurch, dann ging es aufwärts zur Hauptstraße und von hier in die Fußgängerzone. Ich rannte noch einmal so schnell ich konnte, aber der Weg zog sich sehr weit hin. Im Start- und Zielbereich war es sehr laut und die ganze Aufmerksamkeit der Zuschauer war auf mich gelenkt. Bei etwa 90 und einer halben Minute überquerte ich die Linie.
Ich nahm mir einige Becher Getränke und ein paar Stücke Obst und suchte dann die Medaillenausgabe auf. Das diesjährige Erinnerungsstück war zwar nicht mit dem genauen Datum versehen, aber mit der Nummer der Auflage. Ich ging nun zum Schulgelände zurück, wo ich meine Tasche abholte und duschen ging. Dann zog ich mich wieder an und lief zur Straßenbahnhaltestelle, wo ich sofort die nächste Tram zum Bahnhof nahm. Hier stieg ich in den Regionalexpress nach Wunstorf ein, wo ich einen weiteren Regionalexpress nach Bremen nahm.
Die Braunschweiger Lauftage.
Der Braunschweiger Lauftag wird offenbar jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober veranstaltet. 2010 bis 2012 hatte ich immer teilgenommen und den Halbmarathon absolviert, beim ersten Mal war ich sogar von Fallersleben aus mit dem Fahrrad dorthin- und wieder zurückgefahren. Im letzten Jahr fiel die Veranstaltung mit dem Oldenburg-Marathon zusammen, welchem ich den Vorzug gab. So trat ich erst nach einem Jahr „Pause“ wieder in Braunschweig an. 2010 hatte ich mit den Startunterlagen noch ein Trikot der Veranstaltung bekommen, für das ich in den Folgejahren extra hätte bezahlen müssen und daher verständlicherweise darauf verzichtet hatte. Nun, im Jahr 2014, dachte ich mir, dass das Trikot aus dem Jahr 2010 eine angemessen Kleidung für den Wettkampf wäre und legte es bereit. Mein Magenproblem schien übrigens nicht mehr zu bestehen.
Dank der Zeitverschiebung konnte ich eine Stunde länger schlafen. Leider hatte die Deutsche Bahn ihren Fahrplan geändert und der Fernverkehrszug, welcher sonst immer um kurz nach acht Uhr am Bremer Hauptbahnhof losfuhr, stand nicht mehr zur Verfügung. Ich musste also schon um fünf Uhr (Winterzeit) aufstehen und frühstücken, um dann um 6:30 Uhr die Straßenbahn zum Bahnhof Walle zu nehmen.
Von Walle aus nahm ich die erste Nordwestbahn, welche zum Bremer Hauptbahnhof und von dort aus weiter nach Verden an der Aller fuhr. Kurz vor dem Zielbahnhof sprach mich ein junger Mann mit Bibel in der Hand an, welcher mir vorwarf, sonntags nicht in den Gottesdienst zu gehen. Seiner Meinung nach würde Gott mich dafür beim Jüngsten Gericht bestrafen können. Zu meiner Schande musste ich gestehen, dass ich den Gottesdienst nicht wegen der Arbeit, sondern aus rein freizeittechnischen Gründen ausließ.
In Verden stieg ich dann in den Regionalexpress nach Hannover ein. Bereits in Wunstorf stieg ich allerdings wieder aus, nachdem die beiden Zugbegleiterinnen mir gesagt hatten, dass der Regionalexpress nach Braunschweig auch in Wunstorf halten würde. In Wunstorf warb ich eine junge Frau an, die ich auf mein Ticket für einen Euro nach Hannover mitnahm. Nach kurzem Aufenthalt in Hannover fuhr der Zug weiter nach Braunschweig, wo er gegen 9:40 Uhr ankam. Soweit ich informiert war, sollte der Start des Marathons um zehn Uhr sein und zum selben Zeitpunkt sollten auch einige der Halbmarathonis starten. In den letzten Jahren gab es 200 Halbmarathon-Startplätze um zehn Uhr und weitere 500 um elf Uhr.
Ich ging auf den Bahnhofs-Vorplatz, wo ich auf die nächste Straßenbahn in die Innenstadt wartete. Wie ich früher schon berichtet hatte, ist die Innenstadt in Braunschweig ein wenig vom Bahnhof entfernt. Ich fuhr drei Station bis zum Schlossplatz, von welchem ich in die Fußgängerzone gehen konnte. Auf dem altbekannten Platz sah ich, wie um zehn Uhr der Start des Marathons und offenbar auch der Start einiger Halbmarathonläufer war. Zehn Minuten später sollte der Start der Zehn-Kilometerläufer sein.
Ich holte die Startunterlagen ab, welche nur aus der Startnummer und den Zeitmesschips bestanden, die ich an beiden Schuhen anzubringen hatte. Dann ging ich zu dem Schulgelände, wo jedes Jahr Umkleide, Duschen und Taschenabgabe war. Auf dem Schulhof nahm ich zunächst mein mitgebrachtes Brot zu mir. Dann ging ich in die Umkleidekabine und zog mich komplett um. Meine Tasche gab ich in der Turnhalle ab und suchte dann noch einmal die Toilette ab. Ich dehnte meine Beine ein bisschen und joggte dann in die Fußgängerzone, wo der Startbereich war. Hier sah ich, dass es (wie in den Jahren zuvor) alkoholfreies Pils für die Finisher gab.
Die Startlinie war direkt neben den aufgebauten Stühlen und Tischen eines Restaurants. Ich stellte mich so weit nach vorne, wie ich es für richtig hielt. Nun sah ich, dass das eine meiner Brustwarzenpflaster nicht stabil genug angebracht war. Ich nahm nun eines meiner beiden Ersatzpflaster zur Hand und klebte es senkrecht zum eigentlichen Pflaster auf. Während dem Rennen sollten nun keine Probleme mehr auftauchen.
Um Punkt elf Uhr ging es los. Ich hatte die Startlinie schnell hinter mir und bog dann rechts in einen Seitenweg der Fußgängerzone ein. Es ging hier noch relativ eng zu und ich überholte einen Mann, der einen komplett umhüllten „Babyjogger“ vor sich herschob, in dem tatsächlich ein kleines Kind saß. In der Fußgängerzone musste man auf „Straßenpfosten“ aufpassen, die mitten im Weg standen. Am Ende der Fußgängerzone kamen wir an den Theaterplatz, wo uns Verkehrshütchen den Weg wiesen. Von dort aus ging es durch die Innenstadt. Ich erkannte hier die Stelle mit den Straßenbahnschienen, wo ich vor vier Jahren mit dem Fahrrad entlanggefahren war und nach dem Veranstaltungszentrum gesucht hatte. Ein Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes wies uns den Weg, welcher in einer scharfen Linkskurve in den Bürgerpark hineinführte.
Das Teilnehmerfeld war inzwischen weit auseinandergezogen. Wir kamen nun in einen Park (meiner Meinung nach war es der Bürgerpark), wo (wie jedes Jahr Ende Oktober) buntes Laub am Boden lag. Es ging hier einige Male bergauf und bergab. Da ich beim Herunterlaufen nicht abbremste, gelang es mir, einige Plätze gutzumachen. An einem kleinen Fluss sah ich eine Frau (mutmaßlich aus Südostasien), die professionell Enten fütterte.
Hinter dem Park ging es in ein Wohngebiet. Die Ideallinie für die Läufer war in weißer Farbe auf dem Asphaltboden aufgemalt. Nach etwa vier Kilometer war ich nun so weit vorne, dass ich an einer Abzweigung sogar schon meinem Vordermann aus den Augen verlor. Bis jetzt hatte ich knapp unter 250 Sekunden pro Kilometer benötigt. An der Strecke durch die Schrebergärten, die wir nun passierten, war an Kilometer 5,5 der erste Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Dann kamen wir an den Abschnitt, wo wir entlang einer Bahnstrecke liefen, die für den Personenverkehr offenbar schon lange stillgelegt war. Auch hier ging es ein ganzes Stück lang bergauf- und bergab. Links von uns war die Bahnlinie und rechts von uns war ein Zaun, welcher uns von einem Wald trennte. Auf den Plakaten an den Bäumen stand geschrieben, dass Lebensgefahr bestehe, wenn man den Waldbereich betreten würde.
Als wir diesen Wald endlich hinter uns hatten, erreichten wir die Stelle, wo das offene Feld im Südosten von Braunschweig begann. Hier konnte ich auch die Läufer vor mir sehen, welche nicht gerade sehr zahlreich waren. Ich stritt mich gerade mit einer Gruppe von drei Männern um den aktuellen Platz, wobei einer der drei Läufer sehr laut und unangenehm atmete. Diesen Mann wäre ich gerne losgeworden. Am Wendepunkt am Ende des Feldweges war eine Versorgungsstelle, wo ich einen Becher Wasser nahm und dann an der Hauptstraße entlang wieder auf den Ort Braunschweig zulief. Ich glaubte auch, die Stelle zu kennen, da ich hier möglicherweise vor vier Jahren bereits einmal mit dem Fahrrad von Fallersleben nach Braunschweig gefahren war.
Von der Dreiergruppe hinter mir setzte ich mich jetzt ab. Als ich dann die Hauptstraße überquerte, stoppte die Polizei die Autos und ließ mich durch. Nun ging es ein Stückchen nach unten. Ich kam an einer Stelle vorbei, wo links ein Wald war. Als ich dann rechts in einen Fahrradweg einbog, erreichte ich die zweite Versorgungsstelle, welche genau auf der halben Halbmarathonstrecke lag. Meine Verfolger hatten mich nicht mehr erreicht, aber nun ließ ich auch ein bisschen mit der Geschwindigkeit nach. Trotzdem überholte ich immer noch hin und wieder einen Teilnehmer.
Der nun folgende Abschnitt führte durch einen kleinen Wald, in welchem auch ein größerer Sportplatz war. Dann ging es ein Stückchen bergauf. Wir liefen an einer Auffahrt eines Autobahnkreuzes entlang und kamen dahinter in einen Park. Ich wusste, dass nun der Südsee nicht mehr weit war und ein Spaziergänger bestätigte mir dies. Links von uns war eine große Wiese mit Kinderspielplatz. Wir kamen unter einer Autobahnbrücke hindurch und nach einer scharfen Rechtskurve ging es über eine hölzerne Brücke, danach scharf links und nun waren wir am Südsee. An der eben passierten Kurve sollte ich am Ende der Runde um den Südsee wieder vorbeikommen.
Ich überholte jetzt nach und nach immer mehr Läufer der kürzeren Disziplinen, welche lange vor mir gestartet waren. Auf der anderen Seite des Südsees konnte ich die Läufer vor mir sehen, es waren aber offenbar nicht besonders viele. Ich überholte auch zahlreiche Läufer, welche die gleiche Startnummernfarbe wie ich hatten. Bei ihnen handelte es sich offenbar um Halbmarathonis, die einen Startplatz um zehn Uhr (also eine Stunde früher) bekommen hatten.
Ich war während des Rennens langsamer geworden, hielt eine Zeit von unter 90 Minuten aber noch für möglich. Als ich auf der anderen Seite des Sees war und mich nun wieder dem Verzweigungspunkt am nördlichen Ende näherte, überholte ich eine Frau, die das gleiche Trikot wie ich trug. Sie hatte also auch 2010 schon an dieser Veranstaltung teilgenommen. Dann kam ich wieder an den Verzweigungspunkt, wo ich diesmal geradeaus lief, unter der Autobahnbrücke hindurch,
Meinen Vordermann hatte ich teilweise schon aus den Augen verloren. Ich kam nun wieder durch einen Park hindurch und erinnerte mich, dass hier in den letzten Jahren immer ein Schild mit der Aufschrift „Jetzt noch aufgeben wäre blöd“ gehangen hatte. Dieses Schild sah ich heute leider nicht. Am Ende des Parks kam ich unter einer Brücke hindurch, dann ging es aufwärts zur Hauptstraße und von hier in die Fußgängerzone. Ich rannte noch einmal so schnell ich konnte, aber der Weg zog sich sehr weit hin. Im Start- und Zielbereich war es sehr laut und die ganze Aufmerksamkeit der Zuschauer war auf mich gelenkt. Bei etwa 90 und einer halben Minute überquerte ich die Linie.
Ich nahm mir einige Becher Getränke und ein paar Stücke Obst und suchte dann die Medaillenausgabe auf. Das diesjährige Erinnerungsstück war zwar nicht mit dem genauen Datum versehen, aber mit der Nummer der Auflage. Ich ging nun zum Schulgelände zurück, wo ich meine Tasche abholte und duschen ging. Dann zog ich mich wieder an und lief zur Straßenbahnhaltestelle, wo ich sofort die nächste Tram zum Bahnhof nahm. Hier stieg ich in den Regionalexpress nach Wunstorf ein, wo ich einen weiteren Regionalexpress nach Bremen nahm.
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