Montag, 30. Juli 2012

Halbmarathon Bad Pyrmont 2012-07-28

Der achtundvierzigste Halbmarathon meines Lebens. Der Landschaftsmarathon Bad Pyrmont. Ich hatte die 19-tägige Wettkampfpause dazu benutzt, um den Zustand meines Knies zu stabilisieren. Ich war in regelmäßigen Abständen joggen gegangen, ohne mich dabei aber besonders anzustrengen. Meine längste zurückgelegte Strecke betrug 25 Kilometer und machte meinem Knie keine Probleme. Bad Pyrmont liegt an der S-Bahn-Linie Hannover-Paderborn. Die gesamte Anfahrt sollte mich also etwa drei Stunden Zeit kosten. In dieser Woche war der Sommer endlich mal wieder nach Deutschland gekommen mit Temperaturen bis zu 30°C. Da der Bad-Pyrmont-Marathon, bestehend aus Marathon, Halbmarathon, Zehn-Kilometerlauf, Fünf-Kilometerlauf und Walken an einem Samstagmittag stattfinden sollte, machte ich mir wegen der Hitze einige Sorgen. Glücklicherweise setzte genau an diesem Tag ein Wetterumschwung ein: Am frühen Samstagmorgen begann es in Strömen zu regnen und die Temperaturen fielen auf 20°C. Gegen 10:30 Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Hauptbahnhof und fuhr dort mit der Nordwestbahn zunächst nach Verden und von da aus mit dem RE weiter nach Hannover. Hier wartete ich eine Viertelstunde auf die S-Bahn 5 in Richtung Paderborn. Dort war ich nicht der einzige Läufer an Bord. Die Fahrt dauerte ziemlich genau eine Stunde. Ich aß mein mitgebrachtes Knäckebrot und ging daraufhin auf die Toilette, um mich umzuziehen. Die S-Bahn sollte nämlich um 14 Uhr in Bad Pyrmont ankommen und da der Halbmarathon schon um 14:50 Uhr starten sollte, würde nicht mehr viel Zeit bleiben, zumal das Veranstaltungszentrum zwei Kilometer vom Bahnhof entfernt lag. Glücklicherweise erzählte mir ein anderer Läufer, dass am Bahnhof ein Shuttle-Bus warten sollte, der uns zum Startbereich fahren würde. Der Mann zeigte mir auch auf seinem Handy das Höhenprofil der Halbmarathonstrecke. Mir wurde nun zum ersten Mal klar, dass dieser Lauf für mich ein bisschen anderes werden sollte, als ich das bisher gewohnt war: Bis Kilometer zehn war ein Höhenunterschied von 250 Metern zu überwinden, bevor es dann wieder bergabwärts ginge und zwischen Kilometer 15 und 18 noch einmal ein steiler Anstieg zu meistern sei. Bisher war mir lediglich bewusst gewesen, dass die Strecke durch Wälder und nicht durch Wohngebiete führen sollte. Vor dem Bahnhof in Bad Pyrmont erwartete uns der Fahrer des Kleinbusses. Eine Handvoll Läufer stieg ein und die Fahrt begann. Ich versuchte, mir den Weg zu merken, um ihn später notfalls zu Fuß zurückgehen zu können. Der Weg führte nach Westen an der Hauptortsdurchfahrt entlang, an einem kleinen Fußballstadion vorbei. Nach zwei Kilometern war das Veranstaltungszentrum erreicht. Der Marathon hatte bereits um 13 Uhr begonnen. Die Startunterlagen konnte ich in einer großen Halle abholen. Neben der Startnummer enthielt der Briefumschlag keine interessanten Beilagen. Die Taschenabgabe war im selben Gebäude und kostete einen Euro. Der Regen hatte zum Glück schon vor einigen Stunden aufgehört, es tropfte ab und zu nur noch ein bisschen vom Himmel. Ich hoffte daher, dass der Boden auch einigermaßen trocken war, sonst könnte der Landschaftslauf im Gebirge eine ziemlich dreckige Angelegenheit werden. Ich entschied mich dafür, meine Kappe zum Laufen mitzunehmen, falls es wieder anfangen sollte zu regnen. In meine Packung Taschentücher steckte ich auch noch zwei Pflaster ein, falls ich an den Füßen Blasen bekommen sollte. Ich verbleibenden 30 Minuten bis zum Start nutzte ich, um mir die Gegend ein bisschen anzuschauen. Die Startgerade befand sich in einer Art Fußgängerzone. Der Weg zur Ortsdurchfahrt war mit einigen künstlichen Wasseranlagen verziert. Schon der Weg von der Durchfahrt zur Startgeraden führte leicht bergauf. Ich stellte mich schließlich beim Starterfeld ganz nach hinten. Der Startschuss kam mit zweiminütiger Verspätung. Der Weg führte uns durch die Fußgängerzone. Bei der ersten Linkskurve stockte das Feld, da die abgezäunte Strecke hier ziemlich eng war. Nach einer weiteren Rechtskurve hatten wir den Stadtkern hinter uns und liefen durch einen kleinen Park. Hier sahen wir nun die kleinen Gebirge von Bad Pyrmont vor uns. Der Anblick erinnerte mich an den Pfälzer Wald. Überholen war anfangs schwierig, da man aufpassen musste, nicht in irgendeine matschige Stelle zu treten. Ich musste öfters auf die Wiese ausweichen. Als wir das Gebirge erreicht hatten, verteilte sich das Läuferfeld aber langsam. Bei der nun folgenden Strecke verlor ich vollkommen die Orientierung. Marathon- und Halbmarathonstrecke waren teilweise identisch. Dort, wo es Abzweigungen gab, standen Streckenposten. Die Kilometer waren anfangs leider nicht ausgeschildert. Erst kurz nach der ersten Versorgungsstelle erblickte ich ein Schild für den fünften Kilometer. Bis hierher hatte ich mehr als 25 Minuten benötigt, da es fast nur bergauf ging. Trotzdem überholte ich munter weiter. An einigen Stellen konnte man ins Tal blicken und Bad Pyrmont von oben genießen. An anderen Stellen hatten wir an der einen Seite eine steile Wand und an der anderen Seite einen tiefen Abhang neben uns. An einem relativ hochgelegenen Punkt standen einige Wohnhäuser. Kurz darauf kamen wir an einer Art überdachtem Platz vorbei, welcher als Theodor-Hütte bezeichnet wurde. Der Bodenzustand war durchaus akzeptabel. Es gab asphaltierte Streckenabschnitte, auf denen auch Autos diese Gegend befahren konnten, sowie Abschnitte mit Waldboden, die aber relativ stabil waren. Kurz nach dem zweiten Versorgungspunkt war Kilometer zehn erreicht. Ich hatte 50 Minuten für die bisherige Strecke benötigt. Wenn ich heute noch eine annehmbare Zeit erreichen wollte, dann blieb nur die Hoffnung, dass mir das nun folgende Gefälle entgegenkommen würde. Inzwischen überholte ich auch einige Läufer, die eine rote Startnummer hatte. Dies waren die langsamsten Marathonläufer, die ich nun eingeholt hatte. Die Startnummern für den Halbmarathon waren weiß. Es folgten nun die Abschnitte, auf denen es bergab ging. Ich gab mir keine Mühe, dabei zu bremsen, so wie es die anderen Läufer taten. Ich überholte daher im Eiltempo. An einigen Stellen war dies jedoch nicht gerade ungefährlich, da auf der kurvenreichen Strecke rechts ein steiler Abhang war. Zur Not hätte ich mich höchsten noch an einem der Bäume festhalten können. Einmal merkte ich schließlich, wie schwer mir das Bremsen auf dieser Strecke fiel. Zum Glück kam ich nicht vom Weg ab. Als ich eines meiner Taschentücher aus der Packung holte, verlor die dabei die beiden Reservepflaster, was mich vorerst aber nicht störte. Ab dem elften Kilometer gab es bessere Hinweisschilder: Im Abstand von jeweils 1000 Metern wurde angezeigt, wie viele Kilometer noch zu absolvieren seien. Mir fiel auf, dass mein Knie bis jetzt keine Probleme gemacht hatte. Darüber freute ich mich sehr. Zwischen Kilometer 15 und 18 folgten dann noch einmal Passagen, an denen es bergauf ging, allerdings kamen mir diese nicht besonders anstrengend vor. Die Belastung an den Füßen war jedoch zu spüren. Ich merkte drei Kilometer vor Schluss, wie sich an meiner linken Verse eine Blase bildete. Dummerweise hatte ich meine Pflaster verloren und ein Sanitäter-Team war wohl auch nicht mehr anzutreffen. Mir blieb nichts anderes übrige, als einfach weiterzulaufen. Glücklicherweise wurde die wunde Stelle beim Berg-Herunter-Laufen auf den letzten drei Kilometern nicht so stark beansprucht wie beim Hochlaufen. Auch meine Zwischenzeiten verbesserten sich: Eine Endzeit von 100 Minuten wurde immer wahrscheinlicher. Mein Knie machte immer noch keine Probleme. Der letzte Streckenabschnitt entsprach dem Hinweg, auf dem wir Bad Pyrmont verlassen hatten. Die Fußgängerzone diente nun als Zielgeraden und wurde in entgegengesetzter Richtung abgelaufen. Als ich das Ziel erreichte, konnte ich eine Bruttozeit von 1:39h sehen. Der Kommentator nannte meinen Namen. Obwohl hinter der Ziellinie Helfer mit verschiedenen Medaillen standen, wurde mir keine überreicht. Ich fragte nach und erfuhr, dass es für den Halbmarathon keine Medaillen gab. Darüber wunderte ich mich, denn es machte aus meiner Sicht keinen Sinn, für Marathon, 10-Kilometer-Lauf, 5-Kilometerlauf und einen Walking-Lauf Medaillen zu vergeben, für den Halbmarathon jedoch nicht. Ich konnte mich nicht erinnern, nach einem Wettkampf schon einmal ein so verschwitztes Trikot zu haben wie heute. Der Muskelkater hielt sich in Grenzen und am Knie hatte ich überhaupt keine Schmerzen. Ich ging in die Halle und holte mir meine Tasche ab. Zusammen mit zwei anderen Läufern ging ich daraufhin ins Stadion, wo sich die Duschen befanden. Ich beschloss danach, den Weg zum Bahnhof zu Fuß zurückzulegen. Da mein Knie nicht schmerzte, ging dies völlig problemlos vonstatten. Um 18 Uhr kam die S-Bahn nach Hannover. Auf Grund einiger Zwischenhalte war ich erst gegen 23 Uhr wieder zu Hause und schlief am darauffolgenden Sonntag bis halb elf Uhr.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Halbmarathon Wardenburg 2012-07-08

Der siebenundvierzigste Halbmarathon meines Lebens. Der Wardenburger Sommerlauf. Die Gemeinde Wardenburg liegt etwa zehn Kilometer südlich vom Oldenburger Bahnhof und ist von diesem aus durch einen Bus einmal stündlich zu erreichen, an Wochenenden jedoch seltener. Ich hatte mir die Startunterlagen bereits am Mittwoch abgeholt und bei dieser Anfahrt den Bus benutzt. Für den Veranstaltungstag nahm ich jedoch das Fahrrad. Die Startnummer enthielt einen integrierten Chip zur Zeitmessung und sollte daher nach dem Rennen wieder abgegeben werden. Da der Halbmarathon an diesem Sonntag erst um 14:30 Uhr starten sollte, konnte ich heute mal wieder ein bisschen später aufstehen. Ich frühstückte, nahm gegen halb elf Uhr noch ein kleines Mittagessen zu mir und packte dann meine Tasche. Ich schwang mich aufs Rad und fuhr nun bei bestem Sommerwetter acht Kilometer zum Bahnhof Bremen-Neustadt, wo ich mir eine Fahrrad-Tageskarte für 3,20€ kaufte. Entwerten konnte ich dieses Ticket allerdings nicht, denn der Entwerter-Automat war offenbar defekt. Als die Nordwestbahn einfuhr, stieg ich ein und suchte den Zugbegleiter, aber es war keiner da. Gegen ein Uhr mittags kam der Zug in Oldenburg an. Inzwischen waren einige Wolken aufgezogen. Ich hatte mir eine Skizze der Strecke nach Wardenburg aufgezeichnet, diesen Zettel jedoch aus Versehen entsorgt, so dass ich mich nun an der Himmelsrichtung orientieren musste. Zum Glück gab es genug Hinweisschilder für die Radwanderwege nach Wardenburg. Nach zwei Kilometern hatte ich den Innenstadtbereich hinter mir und befand mich auf dem Deichweg der Hunte, als ein plötzlicher Wolkenbruch einsetzte. Glücklicherweise gab es eine Möglichkeit, sich unterzustellen. Ich war hier auch nicht allein, denn zwei weitere Fahrradfahrer suchten auch Schutz vor dem Regen, der nun ein paar Minuten lang niederprasselte. Erst als sich die Lage wieder beruhigt hatte, konnte ich weiterfahren, zunächst an der Hunte entlang und dann an der Hauptverkehrsstraße. Nach einer halben Stunde Fahrtzeit kam ich am Veranstaltungsgelände an, wo die Parkplätze bereits überfüllt waren. Es war jetzt noch weniger als eine Stunde bis zum Start von Halbmarathon und Zehn-Kilometer-Lauf. Die kleineren Läufe hatten bereits um 13:30 Uhr begonnen. Stellplätze für Fahrräder waren noch genug vorhanden. Nachdem ich meinen Drahtesel angeschlossen hatte, setzte ich mich an die Bushaltestelle und aß mein mitgebrachtes Brot. Dann ging ich zur Zielgeraden, wo nun einige Teilnehmer der kleineren Läufe eintrafen. Der Veranstaltungsort war auf einem Schulgelände. Meine Tasche konnte ich bei einigen Helfern auf dem Schulhof abgeben. Ich bekam ein Band mit meiner Startnummer, denn die Startnummer selber konnte ich zur Abholung der Tasche nach dem Rennen nicht benutzen, da ich diese wieder abzugeben hatte. Ich lief mich kurz warm und ging dann zur Startgeraden. Einige Schläge auf mein rechtes Knie machten mir klar, dass ich auch heute wieder mit Problemen zu rechnen hatte. Kurz nach 14:30 Uhr kam der Startschuss für Halbmarathon und Zehn-Kilometer-Lauf mit insgesamt angeblich über 600 Teilnehmern. Da der Himmel voller Wolken hing, verzichtete ich auf meine Sonnenbrille. Auch eine Kappe trug ich nicht. Ich stand relativ weit vorne im Teilnehmerfeld, musste aber zunächst aufpassen, nicht mit anderen Sportlern zu kollidieren. Der Weg führte zur Ortsdurchfahrt und an dieser entlang nach Norden, bevor es denn in eine Seitenstraße nach links ging. Hier standen sehr teure Grundstücke mit einigen wenigen Zuschauern. Auf den ersten Kilometern war ich fast so schnell wie zu meinen besten Zeiten. Ich setzte mich ins Spitzenfeld und überholte auch einige Male. Der Weg führte nun auf dem Gehweg, der neben einer Landstraße war, aus Wardenburg heraus in Richtung des Ortes „Litten“. Schließlich folgte eine Abzweigung nach rechts und nun hatten wir zwar immer noch Asphaltboden, aber rechts und links befanden sich Felder. Wir wurden übrigens gut versorgt: Alle zwei Kilometer gab es eine Verpflegungsstelle mit Wasser, Tee und Cola. Nach fünf Kilometern spürte ich erstmals leichte Schmerzen am Knie. Wir hatten eine Runde um das Gebiet westlich von Wardenburg gedreht und liefen nun wieder zurück durch den Ort hindurch. Dabei überquerten wir die Landstraße 870, welche durch den Ort durchführt. Einige Autos mussten Schlange stehen und wegen uns Läufern warten. Nun ging es weiter durch das Gebiet östlich und südlich von Wardenburg. Nachdem wir am Tillysee vorbei waren, ging es nach Süden. Kurz hinter dem See kam die Stelle, wo sich die Strecken trennten: Die Zehn-Kilometer-Läufer, die es jetzt nicht mehr weit bis zum Ziel hatten, mussten rechts abbiegen, wir Halbmarathonis mussten nach links. Für uns wurde der Bodenbelag nun schlechter, es wurde ein bisschen matschig. An einer Stelle mussten wir sogar durch ein Waldgebiet hindurch, wo uns Äste fast schon den Weg versperrten. Die nun folgende Gerade nach Süden auf einem Deich entlang wurde für mich höchst unangenehm, denn mein Knie schmerzte stärker. Ich wurde von zahlreichen Teilnehmern überholt und ärgerte mich darüber. Eine Zeit lang konnte man vom Deich aus durch die Mikrofone das Sprechen des Kommentators hören, denn die Zielgeraden lag nicht weit weg von dieser Stelle hier. Für die ersten 13 Kilometer benötigte ich knapp eine Stunde. Schließlich mussten wir eine Unterführung nehmen, die uns unter der Autobahn 29 hindurchführte. Dann kam schon bald die Wendestelle im Süden. Zwischenzeitlich ging es meinem Knie wieder besser. Die A29 musste erneut überquert werden, diesmal mittels einer Brücke. Beim Hochlaufen gelang es mir, drei Teilnehmer wieder einzuholen, die kurz zuvor mich überholt hatten. Auf dem Weg nach unten zogen sie jedoch wieder an mir vorbei. Nun kam plötzlich die Sonne heraus, welche sich während des gesamten Rennens noch nicht gezeigt hatte. Die letzten drei Kilometer führten wieder durch reiche Wohngebiete von Wardenburg. Es gelang mir nun, meine aktuelle Position zu halten. Nach etwa 98 Minuten erreichte ich die Zielgeraden. Im Ziel angekommen nahm ich mir erst zwei Becher Tee und dann ein alkoholfreies Krombacher-Weizen. Ich unterhielt mich mit einem anderen Läufer. Medaillen gab es leider nur für die Kinder. Ich ging schließlich zu den Duschen, welche insgesamt sehr geräumig waren. Anstehen musste ich nicht. Als ich mich wieder angezogen hatte, ging ich zu meinem Fahrrad zurück. Bedauerlicherweise hatte der Schlauch meines Hinterreifens ein Problem, denn er war offenbar „halb platt“. Beim Drehen des Ventils konnte man hören, wie die Luft herauskam. Was für ein Glück, dass ich zufällig meine Luftpumpe dabeihatte. Ich pumpte, so gut es ging, auf, und fuhr dann in den Pedalen stehend los, denn ich wollte mich nicht auf den Sattel setzen und damit das Hinterrad belasten. Nach einer halben Stunde erreichte ich den Oldenburger Bahnhof. Um 18 Uhr nahm ich die Nordwestbahn nach Bremen, wo ich vierzig Minuten später am Bahnhof Neustadt ausstieg und nun erneut stehend acht Kilometer nach Hause fuhr, wo ich erschöpft ankam.

Dienstag, 3. Juli 2012

Halbmarathon Nordholz 2012-06-30

Der sechsundvierzigste Halbmarathon meines Lebens. Der Nordholzer Windmühlenlauf. Ich hatte diese Land-Veranstaltung erst nach intensiver Suche über das Internet gefunden. Die Anmeldung war online nicht möglich, stattdessen musste ich einen Brief an die TSG Nordholz schreiben, in dem ich meine Daten angab. Eine Bestätigung wurde nicht zurückgesandt. Die Teilnahmegebühr für den Halbmarathon betrug 8€, sollte aber erst am Veranstaltungstag in bar gezahlt werden. Ich gab zusätzlich an, für 3€ eine ausgedruckte Ergebnisliste zu wünschen, denn ich war mir nicht sicher, ob diese jemals online sein würde. Insgesamt hatte ich noch nie so wenige Informationen über ein Rennen bekommen können, an dem ich teilnehmen wollte: Weder Ergebnislisten der Vorjahre, noch Teilnehmerzahlen oder die Laufstrecke waren im Internet veröffentlicht. Die Veranstaltung bestand aus einem 2,6km-Lauf, einem 5km-Lauf, einem 10km-Lauf und einem Halbmarathon, wobei die beiden letztgenannten Wettbewerbe an diesem Samstag um 18 Uhr abends starten sollten. Da die Temperaturen leicht angestiegen waren, stellte ich mich an diesem Tag auf das vorerst härteste Rennen des Jahres sein. Ich packte an diesem Tag nach dem Mittagessen meine Tasche und fuhr um Viertel nach zwei Uhr mit dem Bus zum Bahnhof Bremen-Burg. Nordholz liegt zwischen Bremerhaven und Cuxhaven und verfügt idealerweise über einen Bahnhof an dieser Strecke. Mit der Nordwestbahn fuhr ich eine Dreiviertelstunde bis zum Bremerhavener Hauptbahnhof, wo ich in die EVB Richtung Cuxhaven umstieg. Nach weiteren 40 Minuten Fahrt kam ich in Nordholz an. Es war ein sonniger Tag und ich ging in Sandalen und mit Sonnenbrille zum Veranstaltungszentrum. Den Weg hatte ich bei googlemaps ausfindig gemacht und per Hand abgezeichnet. Verirren konnte ich mich praktisch nicht. Zunächst musste ich nach Westen auf einem asphaltieren Weg laufen und in eine Straße mit Einfamilienhäusern und großen Grundstücken abbiegen. Der Bodenbelag änderte sich jedoch schnell und ich hatte nun im Prinzip hochbewachsenes Gras unter mir, welches an zwei Spuren durch darüberfahrende Autoreifen verschwunden war. Hier musste ich mich durch Ameisensiedlungen durchkämpfen. Nach einigen Minuten kam ich dann wieder auf asphaltierten Weg und stand nun schon vor dem Sportplatz, dessen Eingang ich aber erst suchen musste. Links vor mir war die Windmühle zu sehen. Der Sportplatz konnte zu zwei Seiten betreten werden: Durch den regulären Eingang am Vereinsheim und durch einen Hintereingang an der anderen Seite des Sportplatzes. Dieser Hintereingang lag mir näher und so betrat ich das Gelände. Es war inzwischen kurz vor 17 Uhr und die kleinen Läufe sollten bald starten. Das Teilnehmerfeld war recht überschaubar, es war noch weniger los als vor zwei Jahren beim Ostfrieslandmarathon in Hesel. An einem Tisch vor dem Vereinsheim konnte ich meine Startnummer abholen, die 302. Die Nummern für den Halbmarathon waren alle im 300er-Bereich, die für den 10km-Lauf im 200er Bereich. Eine Liste mit Voranmeldungen hing am Vereinsheim. Ich sah, dass sich für den Halbmarathon bis jetzt nur wenig über 20 Teilnehmer angemeldet hatten. Ich träumte schon heimlich davon, heute vielleicht mal auf dem Podest stehen zu dürfen. Neben den Teilnehmerlisten waren auch die Strecken abgebildet. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass der Halbmarathon nicht aus einer kleinen Runde bestand, die mehrere Male abgelaufen werden musste (wie man das bei einer so kleinen Veranstaltung eigentlich erwarten würde), sondern dass der Weg weit nach außerhalb führte und an einem bestimmen Wendepunkt wieder zurückführte. Der 10km-Lauf bestand im Prinzip aus der gleichen Strecke, wobei der Wendepunkt jedoch etwa fünf Kilometer früher erreicht werden sollte. Einerseits freute ich mich darüber, die Vielfalt der Region zu sehen zu bekommen, andererseits befürchtete ich, dass wegen der geringen Teilnehmerzahl die Möglichkeit bestand, sich auf der Strecke zu verlaufen, falls man seinen Vordermann aus den Augen verlor und Abzweigungen auf der Strecke nicht ausreichend gekennzeichnet waren. Insgesamt gab es auf der Halbmarathonstrecke drei Versorgungsstellen, die alle doppelt passiert werden sollten, nämlich auf dem Hin- und auf dem Rückweg. An der Verpflegung sollte es also nicht scheitern. Nachdem alle Teilnehmer der beiden kleinen Läufe das Ziel im „Stadion“ (wie die Sprecherin es nannte) erreicht hatten, ging ich in die Umkleidekabine und zog meine Sportkleidung an. Ich hatte die älteren Laufschuhe dabei, mit denen ich auch an den letzten beiden Wochenenden in Wilhelmshaven und Hamburg gelaufen war. Bei dieser Dorfveranstaltung wurde die Bruttozeit per Hand gemessen, eine Nettozeitnahme gab es nicht, was aber wegen der geringen Teilnehmerzahl nicht weiter schlimm war. Im Gegensatz zu den anderen Sportlern gab ich meine Tasche im Vereinsheim ab, da mir die Unterbringung in der nichtbewachten Umkleidekabine nicht sicher genug erschien. Dann ging ich zum Start, welcher sich neben dem Stadion befand. Ich trug meine Sonnenbrille, aber keine Kappe, da ich heute wohl sehr stark schwitzen würde. Meine Knieprobleme hatte ich einigermaßen überwunden, zumindest dachte ich so. Das Starterfeld für den 10km-Lauf und Halbmarathon war, wie erwartet, überschaubar. Ganz vorne waren zwei Fahrradfahrer, welche den jeweils schnellsten Teilnehmer der beiden Disziplinen begleiten sollten. Der Nordholzer Bürgermeister persönlich war anwesend und gab um 18 Uhr den Startschuss. Ich stand in der ersten Reihe und passte mich der Geschwindigkeit meiner Nebenleute an. Die ersten drei Kilometer führten in einer großen Runde um das Stadion herum, so dass wir nachher die Startgeraden noch einmal passierten. Auf dieser Runde zählte ich neun Läufer vor mir. Nachdem ich einen von ihnen überholt hatte, waren es nur noch acht. Meine Platzierung konnte ich aber nicht berechnen, da ich nicht wusste, welche der Leute vor mir den Halbmarathon und welche nur die zehn Kilometer liefen. Nachdem diese erste Runde um das Stadion abgeschlossen war, ging es auf der Hauptortsdurchfahrt nach Westen an einer Kreuzung vorbei, wo die Autos wegen uns warten mussten. Dann kam eine Abzweigung nach rechts, so dass wir nun auf einem asphaltierten Weg zwischen Feldern nach Norden immer geradeaus liefen. Hier konnte ich nun auch die beiden Radfahrer sehen, welche noch keinen Kilometer Vorsprung hatten. Auf dieser Geraden war auch die erste Versorgungsstelle, wo ich ein Glas Wasser zu mir nahm. Für die bisherigen Kilometer, die zum Glück auch ausgeschildert waren, hatte ich weniger als viereinhalb Minuten benötigt, aber jetzt machte sich leider mein Knie wieder bemerkbar. Ich musste die Geschwindigkeit herunterfahren und sah nun, wie mir der erste Verfolger näher kam. Links vor uns lagen einige Windräder, welche sich mit beachtlicher Geschwindigkeit drehten. An diesen musste ich heute noch vorbeilaufen. Dann kam mir der eine Radfahrer, gefolgt von den 10km-Läufern, entgegen, da diese gerade ihre Wendestelle erreicht hatten. Ich zählte die mir entgegenkommenden Läufer und kam zu dem Ergebnis, dass ich im Moment auf Rang vier der Halbmarathonläufer liegen müsste. Dann hatte ich auch schon die Wendestelle passiert, welche durch ein orangefarbenes Verkehrshütchen gekennzeichnet war. Hier standen auch Sicherungsposten und feuerten mich an. Kurz hinter dieser Stelle musste ich den ersten Verfolger an mir vorbeiziehen lassen. Meiner Ansicht nach fiel ich damit von Platz vier auf fünf zurück. Später stellte sich heraus, dass ich in Wirklichkeit vom Rang drei auf vier zurückgefallen war. Ich war einem Podest-Platz noch nie so nahe gewesen wie heute. Hinter dieser Wendestelle stellte sich eine Plage ein, mit der ich vorher nicht gerechnet hatte: Ich wurde einige Kilometer lang von Mücken, Fliegen oder etwas Ähnlichem belästigt. Die Tiere schwirrten um meinen Kopf herum und da ich mich auf das Laufen konzentrieren musste und nicht anhalten konnte, blieb mir nichts anderes übrige als das Summen dieser Viecher einfach zu ertragen. Kurz bevor ich den nördlichsten Punkt der Strecke erreicht hatte, kam die zweite Versorgungsstelle. Hier trank ich einen Becher Wasser, während ich mir einen zweiten Becher über den Kopf goss. Dies tat ich nicht zur Abkühlung, sondern um damit die Fliegen zu verjagen, was mir allerdings nicht gelang. Die weitere Strecke führte nun ein Stück nach Westen und dann zurück nach Süden, an einem Deich entlang, hinter dem es wohl nicht weit zur Nordsee war. Es ging nun etwa vier Kilometer geradeaus nach Süden, weshalb wir die Windräder nun zu unserer linken Seite hatten. Die Fliegenplage hörte schließlich auf – vorübergehend. Auf dem Weg kamen uns einige Radfahrer entgegen. Dann war der dritte Versorgungspunkt erreicht, wo ich mir zwei Becher Wasser nahm. Den Hintermann hatte ich auf einer konstanten Distanz von etwa 50 Metern halten können. Die Schmerzen im Knie waren nur unwesentlich stärker geworden, trotzdem lief ich zeitweise mit kreisenden Bewegungen des rechten Beines, um die Belastung zu reduzieren. Mein Vordermann war mir inzwischen praktisch davongelaufen. Kurz hinter dem letzten Versorgungspunkt war eine kleine Ansiedlung, wo die Straße sich trennte. Ich sah keinen Streckenposten. Nun musste ich raten, welchen Weg ich zu nehmen hatte, denn meinen Vordermann hatte ich inzwischen aus den Augen verloren. Ich entschied mich dafür, den rechten Weg zu nehmen, welcher weiterhin am Deich entlangführte. Dabei sah ich mich ein paarmal um, ob mein Verfolger den gleichen Weg nahm. Er tat dies tatsächlich auch. Trotzdem war ich mir eine Zeit lang nicht sicher, ob ich hier richtig war. Einige Zuschauer am Rand sahen mir beim Laufen zu. Ich dachte mir, dass sie mich schon darauf aufmerksam gemacht hätten, wenn ich den falschen Weg genommen hätte. Irgendwann war der Weg dann soweit einzusehen, dass ich meinen Vordermann wieder erblicken konnte. Nun kamen mir auch schon der Radfahrer und der erste Halbmarathonläufer entgegen. Ich vergaß nun allerdings zu zählen, wie viele Läufer mir entgegenkamen und hatte somit nicht die Möglichkeit, meine Position zu bestimmen. Der Wendepunkt, welcher erneut durch ein Verkehrshütchen gekennzeichnet war, befand sich auf dem Deich. Wir mussten das Stück nach oben laufen und auf der Anhöhe sofort wieder herunter. Die Nordsee war von hier aus nicht zu sehen. Als ich vom Deich wieder nach unten lief, kam mir ein älteres Ehepaar auf Fahrrädern entgegen. Die Frau rief mir und dem Läufer, der mir nun dicht auf den Fersen war, zu: „Platz drei und vier!“. Als ich fragte „Wie bitte?“ antwortete sie mir „Sie sind auf Platz drei und der Mann hinter Ihnen auf Platz vier!“ Ich wusste nicht so recht, ob die gute Frau sich da nicht vielleicht geirrt hatte. Es war ja gut möglich, dass sie einen oder mehrere Läufer nicht gesehen hatte. Wie sich herausstellte, hatte sie genau einen übersehen, ich lag nämlich auf Platz vier. Es drohte nun allerdings die Gefahr, diesen vierten Rang zu verlieren, denn mein Verfolger kam immer näher. Der Weg führte nun die gleiche Strecke wieder zurück. Jetzt konnte ich auch das Läuferfeld hinter mir sehen. Es waren offenbar tatsächlich keine dreißig Halbmarathonis an den Start gegangen. Bis zum nächsten Versorgungspunkt war es noch ein ganzes Stück. Ich erreichte nach schweren Anstrengungen die Stelle, wo die Verzweigung des Ortes gewesen war und kurz darauf den Versorgungspunkt, wo ich mir zwei Becher Wasser nahm. Auf der nun folgenden Geraden konnte ich das letzte Mal meinen Vordermann sehen, welcher mich am Anfang der Strecke überholt hatte. Als der nördlichste Punkt der Strecke erreicht worden war, fing die Fliegenplage wieder an. Am dortigen Versorgungspunkt nahm ich erneut zwei Becher Wasser, von denen ich mir einen über den Kopf goss. Nun ging es wieder nach Süden, zwischen Bäumen hindurch und schließlich wieder an den Windrädern vorbei. Hier verlor ich langsam meinen Hintermann aus den Augen. An der Wendestelle des 10km-Laufes war das Verkehrshütchen inzwischen entfernt worden. Kurz darauf war die letzte Versorgungsstelle erreicht. Als ich nun die Ortsdurchfahrt betrat, baten mich die Helfer der Feuerwehr, doch bitte auf dem Bürgersteig zu laufen. Die letzten beiden Kilometer führten noch einmal durch den Ort, es war die gleiche Runde, die auch zum Start absolviert worden war. Ich war mir nun wieder einmal nicht sicher, ob ich hier wirklich richtig war, denn ich hatte nun weder einen Vorder- noch einen Hintermann, an dem ich mich orientieren konnte. Zum Glück standen an der vorletzten Abzweigung wieder Helfer der Feuerwehr. Bei der letzten Abzweigung wurde mir sogar die Ehre zu Teil, dass der Fahrradfahrer mir entgegenkam und mich dann bis zum Stadioneinlauf eskortierte. Er sagte mir, dass dies jedes Jahr den ersten fünf bis sechs Läufern so ging. Als ich dann auf der Laufbahn in das Stadion kam, konnte ich hören, wie die Sprecherin meinen Namen nannte. Im Ziel bekam ich eine Medaille, wahrscheinlich die kleinste, die ich je erhalten hatte. Sie war nicht graviert, sondern mit einem Aufkleber versehen, auf dem „Nordholzer Windmühlenlauf, 30.6.2012“ aufgedruckt war. Nachdem ich mich mit einigen anderen Teilnehmern unterhalten hatte und dabei endgültig erfahren hatte, dass ich Rang vier in der Gesamtwertung erreich hatte, ging ich duschen. Hier musste ich nicht anstehen, obwohl in der Kabine zahlreiche der 10km-Läufer anwesend waren. Meine Endzeit hatte etwas über 100 Minuten betragen. Da um zehn vor neun Uhr mein Zug am Nordholzer Bahnhof abfahren sollte, bat ich die Organisatoren, mir die Urkunde so schnell wie möglich auszudrucken, denn ich vermutete, dass ich diese im Internet nicht herunterladen werden könne. Als dies geschehen war, verabschiedete ich mich mit dem Versprechen, im nächsten Jahr wieder vorbeizukommen. Ich erfuhr noch, dass ich beim Erreichen einer der ersten drei Plätze sogar ein T-Shirt gewonnen hätte. Schade! Auf dem Weg zum Bahnhof wurde ich von Mücken befallen, die ich nun aber auch bekämpfen konnte, da ich ja nicht eilig laufen musste. Trotzdem bekam ich zwei Stiche ab. Ich erreichte den EVB, welcher pünktlich am Nordholzer Bahnhof einfuhr und mich nach Bremerhaven-Lehe brachte. Hier musste ich vierzig Minuten auf die Nordwestbahn warten, mit der ich nach Bremen-Burg fuhr, wo ich sofort in den Bus nach Gröpelingen umsteigen konnte. Um 23 Uhr kam ich zu Hause an. Am nächsten Morgen stand ich erst um elf Uhr auf.