Der einundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 68. Paderborner Osterlauf.
Wer an Ostern laufen will, muss nach Paderborn, da andere Veranstaltungen an diesem Wochenende schwer zu finden sind. Der Paderborner Osterlauf, der dieses Jahr bereits zum 68. Mal stattfand, ist eine Massenveranstaltung mit dem Halbmarathon als Höhepunkt, der um 15 Uhr startet und über tausend Teilnehmer hat. Im letzten Jahr hatte ich hier meine bisherige Bestzeit absolviert, diesmal war ich allerdings wesentlich schlechter vorbereitet und gerade am Samstag sollten die Temperaturen deutlich ansteigen auf 20°C.
Ich stand an diesem Tag um halb sieben Uhr auf und frühstückte. Um kurz nach neun Uhr fuhr ich mit der Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von wo aus ich mit der Nordwestbahn weiter zum Hauptbahnhof fuhr. Hier nahm ich um 9:44 Uhr den Intercity nach Münster, wo ich in die Eurobahn in Richtung Paderborn umstieg. Es wimmelte zunächst von BVB-Fans, die einen Umweg nach Dortmund nahmen, in Hamm aber ausstiegen. Der Zug kam um 12:40 Uhr in Paderborn auf.
Das Veranstaltungsgelände liegt ein bisschen außerhalb des Zentrums. Ich ging zunächst in die Fußgängerzone und suchte McDoof auf, um ein reichhaltiges Mittagessen zu mir zu nehmen. Danach setzte ich mich in ein Café, um ein bisschen an meinem Netbook zu arbeiten. Um 14 Uhr ging ich los zum Veranstaltungszentrum.
Neben der Sporthalle war noch eine Art Jahrmarkt aufgebaut, was dazu führte, dass der Andrang noch größer war als sonst. Da die meisten Läufe schon vorüber waren, kamen mir viele Sportler mit umgehängten Medaillen entgegen. Es war auf dem Schulgelände richtig eng, aber zum Glück kannte ich den Weg.
Ich ging in die Sporthalle, wo die Messe war. Meine Startnummer hatte ich mir schon vorher notiert und konnte daher problemlos die Unterlagen abholen. In der Umkleidekabine sprach mich ein Typ an, der heute seinen ersten Halbmarathon laufen wollte. Er hieß Thomas. Da ich schon das dritte Mal in Paderborn dabei war und heute insgesamt schon meinen 91. Halbmarathon lief, konnte ich ihm alles erklären.
Wir gingen gemeinsam zur Taschenabgabe. Ich trug heute das Trikot vom Lesmonalauf aus dem Jahr 2010. Zusammen mit Thomas lief ich mich ein bisschen im Park warm, bevor wir – fünf Minuten vor dem Start – zur Stargeraden gingen. Ich verabschiedete mich von Thomas, der ganz hinten blieb, da er heute lediglich das Ziel erreichen wollte. Ich selber drängelte mich ein bisschen nach vorn, war beim Startschuss aber doch noch so weit hinten, dass ich erst nach über einer Minute die Linie überquert hatte und es hier nun sehr eng zuging.
Ich muss bemerken, dass ich die Rückfahrt mit Zugbindung für 17:21 Uhr vom Paderborner Hauptbahnhof angesetzt hatte. Wenn ich auf eine Dusche nicht verzichten wollte, dann hatte ich mich also zu beeilen. Ich peilte eine Zeit von 90 Minuten an.
Die Strecke war die gleiche wie in den Vorjahren und bestand aus zweimal derselben Runde. Es ging erst einmal durch ein Wohnviertel nach Norden. Das Überholen war hier extrem schwer, da es richtig eng war. Am Rand waren immer wieder Zelte aufgebaut, an denen die Zuschauer Gegrilltes zu Essen bekamen. Ich musste immer wieder auf den Bürgersteig ausweichen, um zu Überholen.
Nach über einem Kilometer ging es nach rechts auf die Brücke, die über die Gleise des Güterbahnhofs führt. Jetzt begann die Runde durch die nordöstlichen Wohnviertel von Paderborn.
So langsam wurde das Überholen einfacher, da sich das Feld lichtete. Nach drei Kilometern, für die ich etwa 13 Minuten benötigt hatte, kam der erste Versorgungspunkt. Ich nahm mir einen Becher Wasser. Wegen der hohen Temperaturen schwitze ich sehr und musste den brennenden Schweiß mehrfach mit dem Trikot aus den Augen reiben.
Am Ende der Runde ging es wieder über die Brücke und danach rechts in die nordwestliche Tour durch Paderborn. Ein Messgerät erfasste unsere Zwischenzeit. Auf der anderen Straßenseite kam uns das langsamste Feld entgegen. Die jetzige Runde führte an einem Wald vorbei. Ich erinnerte mich, wie ich vor zwei Jahren die Befürchtung hatte, dass das Streckenpersonal mich aus dem Rennen nehmen könnte, da ich damals ja ein bisschen erkältet war. Dann kam die Stelle, wo die Zwischenstände der Bundesliga angezeigt wurden. Jetzt, um 15:35 Uhr stand es überall noch 0:0.
In einem der letzten Wohnviertel war ein Zelt der CDU aufgestellt. Dann war der Park erreicht, der neben der Stargeraden lag. Nach einem kleinen Abstecher durch eine Straße liefen wir auf die Startgeraden zu, wo man sich links einordnen musste, um auf die zweite Runde zu gelangen. An der Start- und Zielgeraden, wo die meisten Zuschauer standen, legte ich eine 180°-Kurve hin. Ich hatte die erste Runde in knapp unter 45 Minuten absolviert.
Als ich das erste Wohngebiet der zweiten Runde erreichte, spürte ich erstmals starken Gegenwind. Das Feld war inzwischen so dünn, dass ich teilweise für mich allein lief. Ich überholte eine sehr kleine Frau, die am Anfang offenbar schnell gemacht hatte, der dann aber die Puste ausgegangen war. Eine weitere Frau überholte ich später noch. Ansonsten waren nur noch Männer um mich herum.
Als ich ein zweites Mal über die Brücke lief, die in die nordöstlichen Stadtteile führte, sah ich nun das Feld, das noch auf der ersten Runde war und mir entgegenkam. Der Kurs war insgesamt so gelegt, dass einem an vielen Stellen Läufer entgegenkamen.
Meine Geschwindigkeit ließ langsam nach. Eine Zeit unter 90 Minuten war schwierig zu erreichen. Angetrieben wurde ich von der Musik, die an vielen Stellen abgespielt wurde. An meinem rechten Fuß schien sich eine Blase zu bilden und auch die Pflaster, die meine Brustwarzen abdeckten, wurden langsam locker.
An einer Stelle, wo ein Kommentator stand, wurde mein Name durchs Mikrofon gerufen. Meinen Konkurrenten ging auch langsam die Puste aus und ich konnte einige von ihnen überholen.
Hinter der Brücke kam dann wieder die Tour durch den Nordwesten Paderborns. Gerade zur Halbzeit konnte ich mich wieder über die Bundesligaspielstände informieren. In Augsburg stand es noch 0:0. Vor einem Hause war eine Wasserbrause aufgebaut, aus der Leitungswasser strömte. Ich sprang unter der Braus hindurch und wurde ein bisschen nass.
Als dann wieder der Park erreicht wurde, war es noch ein Kilometer bis zum Ziel. Leider hatte ich gerade jetzt wieder Gegenwind. Erst als ich in die Straße vor der Zielgeraden einbog, wurde es besser. Kurz vor der Zielgeraden überholte ich noch einen Teilnehmer, der dann aber sofort auch zum Sprint ansetzte. Jetzt, nach 90 Minuten, war der Weg in die zweite Runde geschlossen und jeder Läufer konnte nur noch zum Ziel einbiegen. Der Typ, den ich eben noch überholt hatte, überholte mich jetzt auch und rempelte mich dabei aus Versehen an.
Nach 90 und einer halben Minute überquerte ich die Ziellinie. Ich ließ mir die Medaille umhängen, die dieses Jahr rund war ein kreuzförmiges Loch in der Mitte hatte. Dann machte ich mich auf den Weg zur Halle, um meine Tasche abzuholen. Inzwischen war es leichter, hier durchzukommen, die viele Teilnehmer und Zuschauer schon auf dem Heimweg waren.
Beim Duschen musste ich nicht anstehen und so konnte ich noch rechtzeitig zum Bahnhof gehen. Die Züge hatte keine Verspätung und ich kam gegen 21 Uhr wieder zu Hause an.
Mittwoch, 23. April 2014
Halbmarathon Cuxhaven 2014-04-13
Der neunzigste Halbmarathon meines Lebens.
In Cuxhaven war ich bereits 2010 und 2013 den Halbmarathon gelaufen. Dabei hatte ich letztes Jahr meinen größten Erfolg gefeiert, als ich von 213 Teilnehmern Dritter wurde und bei der Siegerehrung aufs Podest durfte. Ich hatte damals davon profitiert, dass sowohl die Teilnehmerzahl als auch das Niveau dieser Veranstaltung von Jahr zu Jahr abgenommen hatte und ich mich deshalb gezielt hier angemeldet, da ich auf den Podest-Platz spekuliert hatte.
Allerdings war ich in diesem Jahr nicht annähernd so gut vorbereitet wie 2013. Nach dem Weinstraßen-Marathon hatte ich fünf Tage lang Muskelkater und auf den Halbmarathon im Alten Land in Hamburg am Wochenende danach hatte ich verzichtet.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag schlief ich nur etwa drei Stunden, dann klingelte um sechs Uhr mein Wecker. Ich stand auf, ging unter die Dusche und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche und nahm den Bus zum Bahnhof Burg. Es war zwar sonnig, aber relativ kühl und windig. Von Burg aus fuhr ich mit der Nordwestbahn nach Bremerhaven, wo ich um 8:30 Uhr in den Zug der EVB nach Cuxhaven einstieg. Die vier Hauptläufe (Marathon, 30-Kilometerlauf, Halbmarathon, Zehnkilometerlauf) sollten dieses Jahr bereits um 10:30 Uhr starten. Dies war dann wohl auch der Grund dafür, dass ich keinen weiteren Läufer im Zug erblickte. Sie waren schon alle vorher angereist.
Ich aß mein mitgebrachtes Brot im Zug und kam gegen 9:30 Uhr in Cuxhaven an. Den Weg in die Innenstadt kannte ich schon. Ich schloss mich zwei Frauen an, die bisher nur Erfahrung mit Cross-Läufen gemacht hatten und heute ihren ersten Halbmarathon absolvieren wollten. Wir gingen einmal um die Hauptfiliale der Sparkasse herum, wo in den letzten Jahren immer die Startunterlagenausgabe gewesen war, stellten jedoch fest, dass hier kein Personal war. Dann erfuhren wir, dass wir durch einen Hintereingang das Gebäude betreten mussten. Von hier aus führte eine Treppe in den dritten oder vierten Stock, wo wir unsere Startnummern mit integriertem Chip abholen konnten.
Die Umkleidekabinen befanden sich auf demselben Schulgelände wie immer. Ich legte hier meine Läuferkleidung an. Obenrum trug ich das Trikot vom Valencia-Marathon. Auf Kappe und Sonnenbrille verzichtete ich. Dann lief ich mich ein bisschen warm. An der Start- und Zielgeraden konnte ich mir bereits die Medaillen anschauen. Es waren offenbar wieder genau die gleichen wie in den Jahren zuvor. Ich würde damit also bald schon drei Exemplare von dieser Sorte besitzen, da der Veranstalter jedes Jahr exakt die gleiche Medaille an die Finisher vergab und die Auflage der Veranstaltung nur auf dem roten Band vermerkt war.
Kurz vor dem Start stellte ich mich auf das dichtgedrängte Läuferfeld und reihte mich relativ weit vorne ein. Als um 10:30 Uhr der Startschuss ertönte, musste ich einige Leute überholen und hatte dann freie Bahn. Die Strecke war genau dieselbe wie im Vorjahr und ich hatte zwei Runden des Kurses zu absolvieren.
Der Weg führte erst auf die Nordsee zu und dann nach Westen durch die Fußgängerzone. Hier wurde ich plötzlich von einem Mann überholt, der mich auch sich aufmerksam machte. Ich erkannte Mehmet, der bei den diesjährigen Vorbereitungsläufen im Bürgerpark richtig schnell gewesen war und unterhielt mich kurz mit ihm. Er wollte heute den 30-Kilometerlauf absolvieren. Da ich wusste, dass im Vorjahr lediglich zwölf Leute daran teilgenommen hatten, sagte ich ihm jetzt schon voraus, dass er aufs Podest kommen würde. Ich sollte Recht behalten, denn aus dem Internet erfuhr ich später, dass er tatsächlich gewonnen hatte. Da Mehmet heute viel schneller war als ich, verlor ich ihn bald wieder aus den Augen.
Nach etwa zwei Kilometern ging es den Deich hinauf und auf der anderen Seite an der Nordsee entlang. Noch konnte ich das Führungsfahrzeug vor mir sehen. Wir liefen nun direkt an der Nordsee entlang und ich bekam den Gegenwind richtig zu spüren. Als ich mich mitten in einer Gruppe von Läufern befand, stürzten zwei Teilnehmer, da der eine auf den anderen offenbar „aufgelaufen“ war. Obwohl diese beiden sich wohl gegenseitig rausgekegelt hatten, konnte ich die Hoffnung auf einen Podest-Platz schnell begraben, da ich von nun an von zu vielen Leuten mit blauer Startnummer (Halbmarathon) überholt wurde. Glücklicherweise war es nicht allzu kalt, denn einen solch starken Gegenwind hatte ich bisher beim Laufen noch nie erlebt.
Der Weg führte weiter zwischen Nordsee und Deich entlang. Auf der Wiese waren vereinzelt Zuschauer, die applaudierten. An einem Versorgungspunkt nahm ich mir einen Becher Wasser. Dann wurde die Stelle erreicht, wo ein Gebäude stand und die Teilnehmer von Zehn- und Dreißigkilometerlauf links abbogen, um die verkürzte Runde zu absolvieren. Nun war Mehmet richtig weit vor mir. Ich selber musste noch ein paar hundert Meter geradeauslaufen, bevor auch für mich der Wendepunkt erreicht war. Als ich dann eine Wende um 180° hinlegte, war es wie eine Erlösung für mich, den Wind urplötzlich im Rücken zu haben. Leider führte der Rückweg auf der anderen Seite des Deichs entlang, weshalb ich den Rückenwind nicht vollständig genießen konnte.
Bei einem weiteren Versorgungspunkt bekam ich Wasser zu trinken, bevor die Strecke ein bisschen ins Landesinnere und dann an einem Spielplatz vorbei wieder zum Deich zurückführte. Als wir die Stelle erreicht hatten, wo auf dem Hinweg der Deich überquert worden war, waren Hin- und Rückweg identisch. Es dauerte nicht lange, bis mir die Führenden entgegenkamen, die sich nun auf der zweiten Runde befanden. Ich überholte nun eine Teilnehmerin, die mir bekannt vorkam. An Hand ihrer Starnummer und des aufgedruckten Vornamens erkannte ich Janina, die für das Team „Werder Bremen“ läuft und heute offenbar auch die 30 Kilometer absolvierte. In der Fußgängerzone am letzten Versorgungspunkt wurde laut Musik abgespielt und ich nahm mir einen Becher Cola zu trinken.
Auf der langen Start- und Zielgeraden kam mir dann Mehmet entgegen, der sich nun schon auf der zweiten Runde befand. Als ich dann selber den Wendepunkt erreichte und auf die zweite Runde einbog, sah ich, dass die meisten Teilnehmer vor mir anhielten und sich die Medaillen umhängen ließen. Es handelte sich hierbei offenbar um Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes.
Für mich ging es nun zurück durch die Fußgängerzone, wo mir nun das Hauptfeld der Läufer entgegenkam. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnte ich mich diesmal an meinem Vordermann orientieren, da ich ja im Feld weiter hinten war. An der Stelle, wo der Deich überquert wurde, wichen wir dann von der Strecke des Rückweges ab. Als ich die andere Seite des Deichs erreicht hatte, spürte ich wieder den Gegenwind. Er war diesmal nicht ununterbrochen vorhanden, aber wenn eine Sturmböe auftrat, dann richtig. Ich spürte jedes Mal, wie der aufgewirbelte fürchterlich hart gegen meinen Körper prallte.
Auch das Meer war jetzt ein bisschen unruhiger geworden. An den Stellen, wo die Uferwand unterbrochen war, kam bei jeder Welle Wasser auf die Laufstrecke. Nach 15 Kilometern hatte ich dann wieder den Wendepunkt erreicht und drehte um. Es war wieder eine Erlösung, den Wind im Rücken zu haben.
Auf dem Rückweg überholte ich erneut Janina, die auf der zweiten Runde des 30-Kilometerlaufes wieder die Abkürzung gelaufen war. Mehmet kam mir schon vor der Fußgängerzone entgegen und die Führende bei den Frauen im Halbmarathon war kurz hinter mir.
Ich erreichte das Ziel nach etwas mehr als 91 Minuten und ließ mir die Medaille geben, die exakt die gleiche wie immer war. Im aufgebauten Zelt nahm ich mir etwas zu essen und wurde von einem Läufer angesprochen, der mir sagte, dass er mich letztes Jahr auf dem Podest gesehen hatte.
Ich machte mich dann auf den Weg zur Turnhalle wo ich duschte und mich umzog. Dann ging ich sofort zum Bahnhof und erreichte noch den Zug um 12:39 Uhr, so dass ich schon gegen 15:30 Uhr wieder zu Hause war.
In Cuxhaven war ich bereits 2010 und 2013 den Halbmarathon gelaufen. Dabei hatte ich letztes Jahr meinen größten Erfolg gefeiert, als ich von 213 Teilnehmern Dritter wurde und bei der Siegerehrung aufs Podest durfte. Ich hatte damals davon profitiert, dass sowohl die Teilnehmerzahl als auch das Niveau dieser Veranstaltung von Jahr zu Jahr abgenommen hatte und ich mich deshalb gezielt hier angemeldet, da ich auf den Podest-Platz spekuliert hatte.
Allerdings war ich in diesem Jahr nicht annähernd so gut vorbereitet wie 2013. Nach dem Weinstraßen-Marathon hatte ich fünf Tage lang Muskelkater und auf den Halbmarathon im Alten Land in Hamburg am Wochenende danach hatte ich verzichtet.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag schlief ich nur etwa drei Stunden, dann klingelte um sechs Uhr mein Wecker. Ich stand auf, ging unter die Dusche und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche und nahm den Bus zum Bahnhof Burg. Es war zwar sonnig, aber relativ kühl und windig. Von Burg aus fuhr ich mit der Nordwestbahn nach Bremerhaven, wo ich um 8:30 Uhr in den Zug der EVB nach Cuxhaven einstieg. Die vier Hauptläufe (Marathon, 30-Kilometerlauf, Halbmarathon, Zehnkilometerlauf) sollten dieses Jahr bereits um 10:30 Uhr starten. Dies war dann wohl auch der Grund dafür, dass ich keinen weiteren Läufer im Zug erblickte. Sie waren schon alle vorher angereist.
Ich aß mein mitgebrachtes Brot im Zug und kam gegen 9:30 Uhr in Cuxhaven an. Den Weg in die Innenstadt kannte ich schon. Ich schloss mich zwei Frauen an, die bisher nur Erfahrung mit Cross-Läufen gemacht hatten und heute ihren ersten Halbmarathon absolvieren wollten. Wir gingen einmal um die Hauptfiliale der Sparkasse herum, wo in den letzten Jahren immer die Startunterlagenausgabe gewesen war, stellten jedoch fest, dass hier kein Personal war. Dann erfuhren wir, dass wir durch einen Hintereingang das Gebäude betreten mussten. Von hier aus führte eine Treppe in den dritten oder vierten Stock, wo wir unsere Startnummern mit integriertem Chip abholen konnten.
Die Umkleidekabinen befanden sich auf demselben Schulgelände wie immer. Ich legte hier meine Läuferkleidung an. Obenrum trug ich das Trikot vom Valencia-Marathon. Auf Kappe und Sonnenbrille verzichtete ich. Dann lief ich mich ein bisschen warm. An der Start- und Zielgeraden konnte ich mir bereits die Medaillen anschauen. Es waren offenbar wieder genau die gleichen wie in den Jahren zuvor. Ich würde damit also bald schon drei Exemplare von dieser Sorte besitzen, da der Veranstalter jedes Jahr exakt die gleiche Medaille an die Finisher vergab und die Auflage der Veranstaltung nur auf dem roten Band vermerkt war.
Kurz vor dem Start stellte ich mich auf das dichtgedrängte Läuferfeld und reihte mich relativ weit vorne ein. Als um 10:30 Uhr der Startschuss ertönte, musste ich einige Leute überholen und hatte dann freie Bahn. Die Strecke war genau dieselbe wie im Vorjahr und ich hatte zwei Runden des Kurses zu absolvieren.
Der Weg führte erst auf die Nordsee zu und dann nach Westen durch die Fußgängerzone. Hier wurde ich plötzlich von einem Mann überholt, der mich auch sich aufmerksam machte. Ich erkannte Mehmet, der bei den diesjährigen Vorbereitungsläufen im Bürgerpark richtig schnell gewesen war und unterhielt mich kurz mit ihm. Er wollte heute den 30-Kilometerlauf absolvieren. Da ich wusste, dass im Vorjahr lediglich zwölf Leute daran teilgenommen hatten, sagte ich ihm jetzt schon voraus, dass er aufs Podest kommen würde. Ich sollte Recht behalten, denn aus dem Internet erfuhr ich später, dass er tatsächlich gewonnen hatte. Da Mehmet heute viel schneller war als ich, verlor ich ihn bald wieder aus den Augen.
Nach etwa zwei Kilometern ging es den Deich hinauf und auf der anderen Seite an der Nordsee entlang. Noch konnte ich das Führungsfahrzeug vor mir sehen. Wir liefen nun direkt an der Nordsee entlang und ich bekam den Gegenwind richtig zu spüren. Als ich mich mitten in einer Gruppe von Läufern befand, stürzten zwei Teilnehmer, da der eine auf den anderen offenbar „aufgelaufen“ war. Obwohl diese beiden sich wohl gegenseitig rausgekegelt hatten, konnte ich die Hoffnung auf einen Podest-Platz schnell begraben, da ich von nun an von zu vielen Leuten mit blauer Startnummer (Halbmarathon) überholt wurde. Glücklicherweise war es nicht allzu kalt, denn einen solch starken Gegenwind hatte ich bisher beim Laufen noch nie erlebt.
Der Weg führte weiter zwischen Nordsee und Deich entlang. Auf der Wiese waren vereinzelt Zuschauer, die applaudierten. An einem Versorgungspunkt nahm ich mir einen Becher Wasser. Dann wurde die Stelle erreicht, wo ein Gebäude stand und die Teilnehmer von Zehn- und Dreißigkilometerlauf links abbogen, um die verkürzte Runde zu absolvieren. Nun war Mehmet richtig weit vor mir. Ich selber musste noch ein paar hundert Meter geradeauslaufen, bevor auch für mich der Wendepunkt erreicht war. Als ich dann eine Wende um 180° hinlegte, war es wie eine Erlösung für mich, den Wind urplötzlich im Rücken zu haben. Leider führte der Rückweg auf der anderen Seite des Deichs entlang, weshalb ich den Rückenwind nicht vollständig genießen konnte.
Bei einem weiteren Versorgungspunkt bekam ich Wasser zu trinken, bevor die Strecke ein bisschen ins Landesinnere und dann an einem Spielplatz vorbei wieder zum Deich zurückführte. Als wir die Stelle erreicht hatten, wo auf dem Hinweg der Deich überquert worden war, waren Hin- und Rückweg identisch. Es dauerte nicht lange, bis mir die Führenden entgegenkamen, die sich nun auf der zweiten Runde befanden. Ich überholte nun eine Teilnehmerin, die mir bekannt vorkam. An Hand ihrer Starnummer und des aufgedruckten Vornamens erkannte ich Janina, die für das Team „Werder Bremen“ läuft und heute offenbar auch die 30 Kilometer absolvierte. In der Fußgängerzone am letzten Versorgungspunkt wurde laut Musik abgespielt und ich nahm mir einen Becher Cola zu trinken.
Auf der langen Start- und Zielgeraden kam mir dann Mehmet entgegen, der sich nun schon auf der zweiten Runde befand. Als ich dann selber den Wendepunkt erreichte und auf die zweite Runde einbog, sah ich, dass die meisten Teilnehmer vor mir anhielten und sich die Medaillen umhängen ließen. Es handelte sich hierbei offenbar um Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes.
Für mich ging es nun zurück durch die Fußgängerzone, wo mir nun das Hauptfeld der Läufer entgegenkam. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnte ich mich diesmal an meinem Vordermann orientieren, da ich ja im Feld weiter hinten war. An der Stelle, wo der Deich überquert wurde, wichen wir dann von der Strecke des Rückweges ab. Als ich die andere Seite des Deichs erreicht hatte, spürte ich wieder den Gegenwind. Er war diesmal nicht ununterbrochen vorhanden, aber wenn eine Sturmböe auftrat, dann richtig. Ich spürte jedes Mal, wie der aufgewirbelte fürchterlich hart gegen meinen Körper prallte.
Auch das Meer war jetzt ein bisschen unruhiger geworden. An den Stellen, wo die Uferwand unterbrochen war, kam bei jeder Welle Wasser auf die Laufstrecke. Nach 15 Kilometern hatte ich dann wieder den Wendepunkt erreicht und drehte um. Es war wieder eine Erlösung, den Wind im Rücken zu haben.
Auf dem Rückweg überholte ich erneut Janina, die auf der zweiten Runde des 30-Kilometerlaufes wieder die Abkürzung gelaufen war. Mehmet kam mir schon vor der Fußgängerzone entgegen und die Führende bei den Frauen im Halbmarathon war kurz hinter mir.
Ich erreichte das Ziel nach etwas mehr als 91 Minuten und ließ mir die Medaille geben, die exakt die gleiche wie immer war. Im aufgebauten Zelt nahm ich mir etwas zu essen und wurde von einem Läufer angesprochen, der mir sagte, dass er mich letztes Jahr auf dem Podest gesehen hatte.
Ich machte mich dann auf den Weg zur Turnhalle wo ich duschte und mich umzog. Dann ging ich sofort zum Bahnhof und erreichte noch den Zug um 12:39 Uhr, so dass ich schon gegen 15:30 Uhr wieder zu Hause war.
Dienstag, 1. April 2014
Marathon Deutsche Weinstraße 2014-03-30
Der zehnte Marathon meines Lebens.
Der 9. Marathon Deutsche Weinstraße
Ich wäre gerne schon im letzten Jahr an der Deutschen Weinstraße mitgelaufen, musste jedoch feststellen, dass diese Veranstaltung nur alle zwei Jahre stattfindet. Da der Marathon von Bockenheim bis Bad Dürkheim und zurück führt, der Halbmarathon jedoch nur bis Grünstadt und die Gegend für mich eine Art Heimat war, stand fest, dass ich hier den ganzen Marathon absolvieren würde. Ich hatte einen Bekannten namens Axel überredet, mitzumachen. Er hatte sich für den Halbmarathon angemeldet.
Ich war am Donnerstagnachmittag in Frankenthal angekommen und verbrachte das Wochenende bei meinem Vater. Am Samstagmittag holte ich Axel ab und fuhr im Auto mit ihm zusammen nach Bockenheim, wo das Veranstaltungszentrum lag. Ab 13 Uhr konnte man hier die Startunterlagen abholen. Die Startgeraden war neben dem Haus der Deutschen Weinstraße. Daneben waren auf einem Platz einige große Zelte aufgestellt, von denen in einem die Unterlagen abgeholt werden konnten. Neben der Startnummer mit integriertem Zeit-Mess-Chip gab es noch eine Tüte mit viel Werbematerial, einer Flasche Karamalz und einer weiteren Flasche trockenem Riesling. Das Etikett der Veranstaltung klebte auf der Vorderseite der Flasche.
Beim Rückweg zum Parkplatz konnten wir bereits die Finisher-Medaillen sehen. Es gab hier nur eine einzige Version, welche für Marathonis, Halbmarathonis und für Kinderläufe bereitstand. Für den Marathon hatten sich 1200 Teilnehmer angemeldet, für den Halbmarathon 2300. Weitere Anmeldungen waren nicht möglich, da das Läuferfeld vom Veranstalter begrenzt worden war.
Am Sonntagmorgen musste ich daran denken, dass in dieser Nacht die Uhren auf Sommerzeit umgestellt wurden. Marathon- und Halbmarathon starteten um zehn Uhr nach der neuen Zeit. Mir blieb also eine Stunde weniger zum schlafen.
Ich stand gegen 8 Uhr auf und frühstückte. Um halb neun Uhr brachten mich meine Eltern mit dem Auto nach Bockenheim. Noch war die Strecke für Autos nicht gesperrt und ich konnte von meinen Eltern in der Nähe des Bockenheimer Bahnhofs ausgesetzt werden. Es war jetzt ungefähr neun Uhr und ich ging ins Haus der Deutschen Weinstraße, wo ich mitgebrachtes Brot aß und ein Glas Wasser dazu trank, welches mir der Wirt kostenfrei zur Verfügung stellte. Im Gegensatz zum Platz zwischen und in den großen Zelten war hier sehr wenig los. Sogar die Toilette konnte ich benutzen. Als Dank ließ ich dann doch einen Euro da.
Zwanzig Minuten vor dem Start ging ich zu den Zelten, wo ich mich mit Axel verabredet hatte. Er stand bereits da. Zusammen ging wir in eines der Zelte, wo ich meine Tasche abgab. Ich trug das Trikot vom Wilhelmshaven-Halbmarathon 2010 und eine Kappe, da die Sonne auf dem Hinweg von vorne links scheinen würde. Auf dem Rückweg sollte ich sie dann im Rücken haben.
In diversen Ankündigungen der Veranstaltung war ich erst vor kurzem auf das anspruchsvolle Höhenprofil aufmerksam geworden, dem ich bis dahin noch gar keine Beachtung geschenkt hatte. Später stellte ich fest, dass ich dieses Problem unterschätzt hatte. Im Moment hatte ich noch vor, fünf Minuten für einen Kilometer zu benötigen. Daher stellten Axel, für den es der erste Halbmarathon war, und ich uns in der Mitte des Starterfeldes, welches übrigens auffällig viele US-Amerikaner enthielt, auf. Um zehn Uhr ging es los, nach zweieinhalb Minuten hatten wir die Startlinie überquert.
Da Bockenheim mit Start- und Zielgeraden der nördlichste Punkt der Strecke war, ging es nun erst einmal nach Süden. Die Landstraße führte bergauf und wir mussten einige Leute überholten, darunter auch einen Babyjogger, was sich auf dem engen Weg als schwierig erwies. Axel preschte immer wieder nach vorne, und ich hatte Mühe, ihn jedes Mal einzuholen.
Kurz bevor Asselheim, ein Vorort von Grünstadt, erreicht wurde, ging es eine Zeitlang richtig steil bergab. Leider konnten wir hier nicht ganz so schnell laufen, da das Feld immer noch eng beisammen war und wir ständig ausweichen mussten. Mir wurde beim Gedanken, am Rückweg, kurz vor dem Ziel, dieses Stück wieder hinaufzulaufen, ein bisschen übel.
Als wir Asselheim erreicht hatten, verließen wir die Weinstraße und folgten einem etwas engeren Weg. Auf einer langen Geraden musste wir Platz für einen Krankenwagen machen, der uns mit Blaulicht und Sirene entgegenkam. Offenbar war bereits der erste Teilnehmer zusammengebrochen. Danach erreichten wir den ersten Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Wein gab es hier – offensichtlich – (noch) nicht.
Das Wetter war übrigens nicht ganz ideal: Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen, weshalb ich froh war, meine Kappe zu tragen. Außerdem waren die Temperaturen zu hoch. Im Moment ging es noch, aber auf dem Rückweg sollten es schon 20°C sein.
Als wir Asselheim verlassen hatten, führte der Weg unter den Bahngleisen (Strecke nach Ramsen und Eiswoog) hindurch und dann waren wir in Grünstadt. In der Fußgängerzone standen zahlreiche Zuschauer und applaudierten. Die Musikschule, welche ich einige Jahre lang besucht hatte, bekam ich leider nicht zu sehen. An einem Versorgungsstand nahm ich mir erneut einen Becher Wasser.
Als wir Grünstadt verlassen hatten, ging es durch die Weinfelder. Eine Läuferin zeigte uns einen kleinen Fernsehmast, der in einiger Entfernung angeblich die höchste Stelle des Marathons zeigte. Axel würde allerdings nicht daran vorbeilaufen, da er vorher schon den Rückweg antreten sollte.
Bei einer Geraden, die steil bergab führte, konnten wir nun ein Schild sehen, welches angab, das in hundert Metern separiert wurde: Marathonis mussten rechts abbiegen, Halbmarathonis links. Als am Ende der Geraden der tiefste Punkt erreicht war und der Weg sich trennte, verabschiedete ich mich von Axel. Dann war ich allein unter Marathonläufern. Jetzt war auf einmal wesentlich mehr Platz vorhanden. Wir kamen durch ein kleines Wohngebiet, wo uns die Anwohner zuschauten. Wir waren in Kleinkarlbach. Die A6 von Frankenthal nach Kaiserslautern hatten wir bereits hinter uns gelassen, ohne dass ich dies bemerkt hatte.
Nach einigen Kurven trafen die Halbmarathonis wieder auf uns. Sie hatten einen etwas längeren Weg zu laufen, um die jetzige Stelle zu erreichen, daher befand sich Axel nun hinter mir. Kurz vor dem Ortsausgang trennten wir uns wieder. Ich musste nach links, die Halbmarathonläufer nach rechts. Für mich ging es nun nach Süden. Der nächste Ort sollte Bobenheim am Berg sein.
Nun wurde mir klar, warum es Bobenheim am Berg hieß. Ich hatte einen sehr steilen Anstieg zu bewältigen. Auf der Verbindungsstraße der beiden Orte war nun sehr viel Platz vorhanden. Ich hatte mich im Feld nach vorne gekämpft und hier war nicht mehr allzu viel los. Der Anstieg machte mir allerdings zu schaffen. Ich spürte die Anstrengung im Rücken und auch leichte Schmerzen am großen Zeh des rechten Fußes. Da diese Probleme aber nur beim Anstieg zu spüren waren, machte ich mir keine großen Gedanken darüber. Ich hätte auch den Schuh ausziehen, den Fuß untersuchen und ein Pflaster aufsetzen können.
Nach Bobenheim am Berg folgte Weisenheim am Berg. Bis dahin ging es wieder ein Stück bergauf. Im Ort wartete dann ein Verpflegungspunkt auf uns. Neben einem Becher Wasser nahm ich diesmal zusätzlich noch Apfelsaftschorle. Auf ein Stück Banane verzichtete ich hier noch. Hinter Weisenheim ging es auf einer Landstraße am Fernsehmast vorbei, der die höchste Stelle des Kurses markierte. Dann zeigten die Hinweisschilder schon Bad Dürkheim an. Nach 15 Kilometern war der Vorort Leistadt erreicht. Auch hier gab es für mich Wasser und Apfelsaftschorle zu trinken.
Hinter Leistadt führte die Landstraße uns nun kilometerlang bergab. An einer Abzweigung nach rechts erkannte ich den Weg nach Annaberg, wo ich mit Freunden zusammen vor über zehn Jahren mal eine so heftige Party gefeiert hatte, dass das betroffene Haus danach unbewohnbar gewesen war. Heute liefen wir jedoch geradeaus auf Bad Dürkheim zu, an dessen Ortseingang links von uns ein Campingplatz lag.
Der Weg führte in die Stadt hinein auf die Hauptdurchfahrtsstraße zu. Diese stand uns Läufern nicht zur Verfügung, wir mussten stattdessen den Fußgänger- und Fahrradweg daneben benutzen. Nach wenigen Metern bogen wir in die Unterführung ein, welche uns südlich der Hauptstraße in die Innenstadt brachte. Von hier aus war nun das Dürkheimer Riesenfass aus der Entfernung zu erkennen. In der Fußgängerzone, wo sich der südlichste Punkt der Strecke befand, war wieder eine Verpflegungsstelle. Diesmal nahm ich mir nicht nur zu trinken, sondern auch ein Stück Banane. Am letzten Tisch wurde tatsächlich Pfälzer Wein für die Läufer angeboten. Als ich einen gemächlichen Schritt einlegte, um meine Getränke in aller Ruhe einzunehmen, nannte der Kommentator auch meinen Namen.
Der nun folgende Streckenabschnitt führte durch den schönsten Teil, nämlich den Park in Bad Dürkheim. Hier floss ein kleiner Bach und zahlreiche Zuschauer saßen auf den Bänken. Dann erreichten wir das große Gebäude aus Holz, welches vor einigen Jahren teilweise abgebrannt war und liefen an ihm entlang nach Norden. Wir waren nun im Schatten, was auf dieser Strecke nicht häufig der Fall war. Am Ende des Gebäudes war wieder die Hauptstraße erreicht, wo wir uns nach rechts wendeten. Hier hatten wir nun die erste Hälfte der Strecke hinter uns und aufgestellte technische Geräte maßen unsere Zwischenzeit. Auf der anderen Seite der Hauptstraße war der Rückweg, wo ich das Läuferfeld vor mir sehen konnte.
Am Wendepunkt im Osten regelte die Polizei den Verkehr, da wir hier die Straße überqueren und auf der anderen Seite den Rückweg antreten mussten. Als wir nach kurzer Zeit Bad Dürkheim verließen und nach rechts in die Weinfelder einbogen, sah ich von links ein Kleinflugzeug, das gerade im Landeanflug auf den Flugplatz nach Ungstein war. Dies war der nächste Ort, den wir zu durchlaufen hatten. Im Prinzip ging es jetzt nur noch nach Norden, wir befanden uns auf dem Rückweg nach Bockenheim.
In Ungstein konnte ich nun einen Teil der Strecke sehen, die ich als Kind immer mit dem Fahrrad (von Frankenthal nach Bad Dürkheim) zurückgelegt hatte. Der Flugplatz befand sich direkt neben uns. Insgesamt war es so, dass der Rückweg von Bad Dürkheim bis Grünstadt weiter östlich als der Hinweg lag. Erst in Grünstadt sollten wir wieder auf die Strecke treffen, die wir bereits auf dem Hinweg gelaufen waren.
Während in Bad Dürkheim ein etwa fünf Kilometer Abschnitt hinter uns lag, der sehr flach war (es war die tiefste Stelle der ganzen Strecke), so ging es jetzt wieder bergauf. Hinter Ungstein ging es weiter nach Kallstadt, wo jedes Jahr im Mai das Fest der 100 Weine den Auftat zur Weinfestsaison macht. Am Versorgungsstand am Ortsausgang wurden sogar kleine Stücke gebratenen Fleisches an Zahnstochern an die Läufer ausgegeben.
Da wir die Sonnen nun im Rücken hatten, musste ich die Kappe nicht mehr aufsetzen und hielt sie weitestgehend in der Hand. Der Weg führte nun weiter nach Herxheim am Berg, welches sich auf der höchsten Stelle des Rückweges befand. In Herxheim war ein Versorgungsstand, bei dem man auch durch eine Anlage hindurch laufen konnte, welche angeblich mit Riesling vermischtes Wasser ausschüttete. Auf diese klebrige Dusche verzichtete ich natürlich gerne und nahm mir stattdessen nur zu Essen und zu trinken.
Ich hatte nun 30 Kilometer hinter mir und meine Beine wurden langsam schwer. Auf der folgenden Strecke hatte man eine sehr schönen Ausblick auf das Tal, weshalb ich zwischendurch auch einmal einige Schritte rückwärts lief, um die ganze Umgebung sehen zu können.
Im folgenden Ort, in Dackenheim, nahm ich wieder Getränke zu mir. Dann folgte Kirchheim an der Weinstraße, wo wir am Gelände der freiwilligen Feuerwehr und am Golfplatz vorbeiliefen. Kurz, bevor wir wieder in Grünstadt waren, wurde ich von einem Rettungswagen überholt, welcher die gleiche Strecke abfuhr, die ich zu laufen hatte. Ein Notfall war dies offenbar aber nicht, denn als ich den Wagen bei einer Pause wieder überholte und er mir danach folgte, schien er keine große Eile zu haben.
Bei Kilometer 35 war dann wieder die Strecke des Hinweges erreicht. Wir kamen nach Grünstadt, wo wir wieder durch die Fußgängerzone liefen. Hier waren inzwischen wesentlich mehr Zuschauer, die vor den Cafés saßen, dafür aber umso weniger Läufer. Das Feld hatte sich inzwischen richtig ausgedünnt. Zuvor hatte ich in Kirchheim einmal sogar schon meinen Vordermann aus den Augen verloren.
Nach einem kurzen Abschnitt durch die Weinberge kamen wir nach Asselheim. Die große Durchfahrtsstraße, wo wir auf dem Hinweg Platz für den Rettungswagen machen mussten, war immer noch komplett gesperrt, aber inzwischen ziemlich leer. Ich hatte nun 38 Kilometer hinter mir und nun kam die Stelle, die ich am meisten gefürchtet hatte, nämlich der steile Anstieg, den ich auf dem Hinweg noch herunterlaufen durfte.
Ich spürte wieder meinen Rücken und die Schmerzen am Zeh, aber ich wusste, dass ich es bald geschafft haben würde. Meine Zielzeit würde etwa drei Stunden und vierzig Minuten betragen. Es war inzwischen sehr warm geworden und die Sonne schien erbarmungslos vom Himmel. Später stellte ich fest, dass ich mir tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand geholt hatte, und zwar an den Stellen der Oberarme, die nicht von meinem kurzärmligen Trikot abgedeckt wurden.
Am Fußgängerweg neben der Landstraße sah ich einige Halbmarathonis, die den Heimweg antraten und ihre Medaillen umgehängt hatten. Das motivierte mich natürlich noch einmal. Als der Ort Bockenheim erreicht war, musste ich an einer Kolonne aus Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen vorbei. Als ich das erste dieser Autos erreicht hatte, sah ich, dass es sich um den Besenwagen für den Halbmarathon handelte. Direkt davor liefen zwei Frauen, die ich nun überholte. Ich hatte es also tatsächlich geschafft, für den Marathon weniger Zeit zu brauchen als diese beiden Damen für den Halben.
Ich musste weiterhin eine große Gruppe an Staffelläufern überholen, bevor ich dann das Ziel sehen konnte. Bei einer Nettozeit von knapp unter 3:40 Stunden überquerte ich die Ziellinie und ließ mir die Medaille umhängen. Sie hatte die Form einer Weinrebe. Auf der Vorderseite stand: „9. Marathon Deutsche Weinstraße, 30.3.2014, mit Halbmarathon“, auf der Rückseite war die Strecke angedeutet, mit aufgemaltem Riesenfass (Bad Dürkheim) und Haus der Deutschen Weinstraße (Bockenheim).
Wenige Meter weiter nahm ich mir Getränke: Einen Becher mit Iso und einen weiteren, mit mir unbekanntem Getränk. Ich trank erst den Iso und probierte dann das andere, musste aber feststellen, dass es sich um Wein handelte und schüttete es weg. Ich holte meine Tasche ab und ließ mir den Weg zu den Duschen zeigen, Nun sah ich, dass ich an der schmerzenden Stelle am Zeh eine dicke Wasserblase hatte. Ich duschte und zog mich dann wieder an. Eigentlich sollte mein Vater mich nun am Bahnhof in Bockenheim abholen, aber er kam mit seinem Auto bis dahin nicht durch, da die Strecke gesperrt war. Daher musste ich den Zug nach Monsheim nehmen, wo ich von ihm erwartet und nach Frankenthal gebracht wurde.
Neben dem Sonnenbrand, der Blase und dem Muskelkater an den Beinen hatte ich keine weiteren Probleme davongetragen. Wegen des Höhenprofils handelte es sich trotzdem um den anstrengendsten Marathon, den ich bisher absolviert hatte. In den Ergebnissen sah ich später, dass nur knapp über 700 Teilnehmer beim Marathon das Ziel erreicht hatten.
Der 9. Marathon Deutsche Weinstraße
Ich wäre gerne schon im letzten Jahr an der Deutschen Weinstraße mitgelaufen, musste jedoch feststellen, dass diese Veranstaltung nur alle zwei Jahre stattfindet. Da der Marathon von Bockenheim bis Bad Dürkheim und zurück führt, der Halbmarathon jedoch nur bis Grünstadt und die Gegend für mich eine Art Heimat war, stand fest, dass ich hier den ganzen Marathon absolvieren würde. Ich hatte einen Bekannten namens Axel überredet, mitzumachen. Er hatte sich für den Halbmarathon angemeldet.
Ich war am Donnerstagnachmittag in Frankenthal angekommen und verbrachte das Wochenende bei meinem Vater. Am Samstagmittag holte ich Axel ab und fuhr im Auto mit ihm zusammen nach Bockenheim, wo das Veranstaltungszentrum lag. Ab 13 Uhr konnte man hier die Startunterlagen abholen. Die Startgeraden war neben dem Haus der Deutschen Weinstraße. Daneben waren auf einem Platz einige große Zelte aufgestellt, von denen in einem die Unterlagen abgeholt werden konnten. Neben der Startnummer mit integriertem Zeit-Mess-Chip gab es noch eine Tüte mit viel Werbematerial, einer Flasche Karamalz und einer weiteren Flasche trockenem Riesling. Das Etikett der Veranstaltung klebte auf der Vorderseite der Flasche.
Beim Rückweg zum Parkplatz konnten wir bereits die Finisher-Medaillen sehen. Es gab hier nur eine einzige Version, welche für Marathonis, Halbmarathonis und für Kinderläufe bereitstand. Für den Marathon hatten sich 1200 Teilnehmer angemeldet, für den Halbmarathon 2300. Weitere Anmeldungen waren nicht möglich, da das Läuferfeld vom Veranstalter begrenzt worden war.
Am Sonntagmorgen musste ich daran denken, dass in dieser Nacht die Uhren auf Sommerzeit umgestellt wurden. Marathon- und Halbmarathon starteten um zehn Uhr nach der neuen Zeit. Mir blieb also eine Stunde weniger zum schlafen.
Ich stand gegen 8 Uhr auf und frühstückte. Um halb neun Uhr brachten mich meine Eltern mit dem Auto nach Bockenheim. Noch war die Strecke für Autos nicht gesperrt und ich konnte von meinen Eltern in der Nähe des Bockenheimer Bahnhofs ausgesetzt werden. Es war jetzt ungefähr neun Uhr und ich ging ins Haus der Deutschen Weinstraße, wo ich mitgebrachtes Brot aß und ein Glas Wasser dazu trank, welches mir der Wirt kostenfrei zur Verfügung stellte. Im Gegensatz zum Platz zwischen und in den großen Zelten war hier sehr wenig los. Sogar die Toilette konnte ich benutzen. Als Dank ließ ich dann doch einen Euro da.
Zwanzig Minuten vor dem Start ging ich zu den Zelten, wo ich mich mit Axel verabredet hatte. Er stand bereits da. Zusammen ging wir in eines der Zelte, wo ich meine Tasche abgab. Ich trug das Trikot vom Wilhelmshaven-Halbmarathon 2010 und eine Kappe, da die Sonne auf dem Hinweg von vorne links scheinen würde. Auf dem Rückweg sollte ich sie dann im Rücken haben.
In diversen Ankündigungen der Veranstaltung war ich erst vor kurzem auf das anspruchsvolle Höhenprofil aufmerksam geworden, dem ich bis dahin noch gar keine Beachtung geschenkt hatte. Später stellte ich fest, dass ich dieses Problem unterschätzt hatte. Im Moment hatte ich noch vor, fünf Minuten für einen Kilometer zu benötigen. Daher stellten Axel, für den es der erste Halbmarathon war, und ich uns in der Mitte des Starterfeldes, welches übrigens auffällig viele US-Amerikaner enthielt, auf. Um zehn Uhr ging es los, nach zweieinhalb Minuten hatten wir die Startlinie überquert.
Da Bockenheim mit Start- und Zielgeraden der nördlichste Punkt der Strecke war, ging es nun erst einmal nach Süden. Die Landstraße führte bergauf und wir mussten einige Leute überholten, darunter auch einen Babyjogger, was sich auf dem engen Weg als schwierig erwies. Axel preschte immer wieder nach vorne, und ich hatte Mühe, ihn jedes Mal einzuholen.
Kurz bevor Asselheim, ein Vorort von Grünstadt, erreicht wurde, ging es eine Zeitlang richtig steil bergab. Leider konnten wir hier nicht ganz so schnell laufen, da das Feld immer noch eng beisammen war und wir ständig ausweichen mussten. Mir wurde beim Gedanken, am Rückweg, kurz vor dem Ziel, dieses Stück wieder hinaufzulaufen, ein bisschen übel.
Als wir Asselheim erreicht hatten, verließen wir die Weinstraße und folgten einem etwas engeren Weg. Auf einer langen Geraden musste wir Platz für einen Krankenwagen machen, der uns mit Blaulicht und Sirene entgegenkam. Offenbar war bereits der erste Teilnehmer zusammengebrochen. Danach erreichten wir den ersten Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Wein gab es hier – offensichtlich – (noch) nicht.
Das Wetter war übrigens nicht ganz ideal: Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen, weshalb ich froh war, meine Kappe zu tragen. Außerdem waren die Temperaturen zu hoch. Im Moment ging es noch, aber auf dem Rückweg sollten es schon 20°C sein.
Als wir Asselheim verlassen hatten, führte der Weg unter den Bahngleisen (Strecke nach Ramsen und Eiswoog) hindurch und dann waren wir in Grünstadt. In der Fußgängerzone standen zahlreiche Zuschauer und applaudierten. Die Musikschule, welche ich einige Jahre lang besucht hatte, bekam ich leider nicht zu sehen. An einem Versorgungsstand nahm ich mir erneut einen Becher Wasser.
Als wir Grünstadt verlassen hatten, ging es durch die Weinfelder. Eine Läuferin zeigte uns einen kleinen Fernsehmast, der in einiger Entfernung angeblich die höchste Stelle des Marathons zeigte. Axel würde allerdings nicht daran vorbeilaufen, da er vorher schon den Rückweg antreten sollte.
Bei einer Geraden, die steil bergab führte, konnten wir nun ein Schild sehen, welches angab, das in hundert Metern separiert wurde: Marathonis mussten rechts abbiegen, Halbmarathonis links. Als am Ende der Geraden der tiefste Punkt erreicht war und der Weg sich trennte, verabschiedete ich mich von Axel. Dann war ich allein unter Marathonläufern. Jetzt war auf einmal wesentlich mehr Platz vorhanden. Wir kamen durch ein kleines Wohngebiet, wo uns die Anwohner zuschauten. Wir waren in Kleinkarlbach. Die A6 von Frankenthal nach Kaiserslautern hatten wir bereits hinter uns gelassen, ohne dass ich dies bemerkt hatte.
Nach einigen Kurven trafen die Halbmarathonis wieder auf uns. Sie hatten einen etwas längeren Weg zu laufen, um die jetzige Stelle zu erreichen, daher befand sich Axel nun hinter mir. Kurz vor dem Ortsausgang trennten wir uns wieder. Ich musste nach links, die Halbmarathonläufer nach rechts. Für mich ging es nun nach Süden. Der nächste Ort sollte Bobenheim am Berg sein.
Nun wurde mir klar, warum es Bobenheim am Berg hieß. Ich hatte einen sehr steilen Anstieg zu bewältigen. Auf der Verbindungsstraße der beiden Orte war nun sehr viel Platz vorhanden. Ich hatte mich im Feld nach vorne gekämpft und hier war nicht mehr allzu viel los. Der Anstieg machte mir allerdings zu schaffen. Ich spürte die Anstrengung im Rücken und auch leichte Schmerzen am großen Zeh des rechten Fußes. Da diese Probleme aber nur beim Anstieg zu spüren waren, machte ich mir keine großen Gedanken darüber. Ich hätte auch den Schuh ausziehen, den Fuß untersuchen und ein Pflaster aufsetzen können.
Nach Bobenheim am Berg folgte Weisenheim am Berg. Bis dahin ging es wieder ein Stück bergauf. Im Ort wartete dann ein Verpflegungspunkt auf uns. Neben einem Becher Wasser nahm ich diesmal zusätzlich noch Apfelsaftschorle. Auf ein Stück Banane verzichtete ich hier noch. Hinter Weisenheim ging es auf einer Landstraße am Fernsehmast vorbei, der die höchste Stelle des Kurses markierte. Dann zeigten die Hinweisschilder schon Bad Dürkheim an. Nach 15 Kilometern war der Vorort Leistadt erreicht. Auch hier gab es für mich Wasser und Apfelsaftschorle zu trinken.
Hinter Leistadt führte die Landstraße uns nun kilometerlang bergab. An einer Abzweigung nach rechts erkannte ich den Weg nach Annaberg, wo ich mit Freunden zusammen vor über zehn Jahren mal eine so heftige Party gefeiert hatte, dass das betroffene Haus danach unbewohnbar gewesen war. Heute liefen wir jedoch geradeaus auf Bad Dürkheim zu, an dessen Ortseingang links von uns ein Campingplatz lag.
Der Weg führte in die Stadt hinein auf die Hauptdurchfahrtsstraße zu. Diese stand uns Läufern nicht zur Verfügung, wir mussten stattdessen den Fußgänger- und Fahrradweg daneben benutzen. Nach wenigen Metern bogen wir in die Unterführung ein, welche uns südlich der Hauptstraße in die Innenstadt brachte. Von hier aus war nun das Dürkheimer Riesenfass aus der Entfernung zu erkennen. In der Fußgängerzone, wo sich der südlichste Punkt der Strecke befand, war wieder eine Verpflegungsstelle. Diesmal nahm ich mir nicht nur zu trinken, sondern auch ein Stück Banane. Am letzten Tisch wurde tatsächlich Pfälzer Wein für die Läufer angeboten. Als ich einen gemächlichen Schritt einlegte, um meine Getränke in aller Ruhe einzunehmen, nannte der Kommentator auch meinen Namen.
Der nun folgende Streckenabschnitt führte durch den schönsten Teil, nämlich den Park in Bad Dürkheim. Hier floss ein kleiner Bach und zahlreiche Zuschauer saßen auf den Bänken. Dann erreichten wir das große Gebäude aus Holz, welches vor einigen Jahren teilweise abgebrannt war und liefen an ihm entlang nach Norden. Wir waren nun im Schatten, was auf dieser Strecke nicht häufig der Fall war. Am Ende des Gebäudes war wieder die Hauptstraße erreicht, wo wir uns nach rechts wendeten. Hier hatten wir nun die erste Hälfte der Strecke hinter uns und aufgestellte technische Geräte maßen unsere Zwischenzeit. Auf der anderen Seite der Hauptstraße war der Rückweg, wo ich das Läuferfeld vor mir sehen konnte.
Am Wendepunkt im Osten regelte die Polizei den Verkehr, da wir hier die Straße überqueren und auf der anderen Seite den Rückweg antreten mussten. Als wir nach kurzer Zeit Bad Dürkheim verließen und nach rechts in die Weinfelder einbogen, sah ich von links ein Kleinflugzeug, das gerade im Landeanflug auf den Flugplatz nach Ungstein war. Dies war der nächste Ort, den wir zu durchlaufen hatten. Im Prinzip ging es jetzt nur noch nach Norden, wir befanden uns auf dem Rückweg nach Bockenheim.
In Ungstein konnte ich nun einen Teil der Strecke sehen, die ich als Kind immer mit dem Fahrrad (von Frankenthal nach Bad Dürkheim) zurückgelegt hatte. Der Flugplatz befand sich direkt neben uns. Insgesamt war es so, dass der Rückweg von Bad Dürkheim bis Grünstadt weiter östlich als der Hinweg lag. Erst in Grünstadt sollten wir wieder auf die Strecke treffen, die wir bereits auf dem Hinweg gelaufen waren.
Während in Bad Dürkheim ein etwa fünf Kilometer Abschnitt hinter uns lag, der sehr flach war (es war die tiefste Stelle der ganzen Strecke), so ging es jetzt wieder bergauf. Hinter Ungstein ging es weiter nach Kallstadt, wo jedes Jahr im Mai das Fest der 100 Weine den Auftat zur Weinfestsaison macht. Am Versorgungsstand am Ortsausgang wurden sogar kleine Stücke gebratenen Fleisches an Zahnstochern an die Läufer ausgegeben.
Da wir die Sonnen nun im Rücken hatten, musste ich die Kappe nicht mehr aufsetzen und hielt sie weitestgehend in der Hand. Der Weg führte nun weiter nach Herxheim am Berg, welches sich auf der höchsten Stelle des Rückweges befand. In Herxheim war ein Versorgungsstand, bei dem man auch durch eine Anlage hindurch laufen konnte, welche angeblich mit Riesling vermischtes Wasser ausschüttete. Auf diese klebrige Dusche verzichtete ich natürlich gerne und nahm mir stattdessen nur zu Essen und zu trinken.
Ich hatte nun 30 Kilometer hinter mir und meine Beine wurden langsam schwer. Auf der folgenden Strecke hatte man eine sehr schönen Ausblick auf das Tal, weshalb ich zwischendurch auch einmal einige Schritte rückwärts lief, um die ganze Umgebung sehen zu können.
Im folgenden Ort, in Dackenheim, nahm ich wieder Getränke zu mir. Dann folgte Kirchheim an der Weinstraße, wo wir am Gelände der freiwilligen Feuerwehr und am Golfplatz vorbeiliefen. Kurz, bevor wir wieder in Grünstadt waren, wurde ich von einem Rettungswagen überholt, welcher die gleiche Strecke abfuhr, die ich zu laufen hatte. Ein Notfall war dies offenbar aber nicht, denn als ich den Wagen bei einer Pause wieder überholte und er mir danach folgte, schien er keine große Eile zu haben.
Bei Kilometer 35 war dann wieder die Strecke des Hinweges erreicht. Wir kamen nach Grünstadt, wo wir wieder durch die Fußgängerzone liefen. Hier waren inzwischen wesentlich mehr Zuschauer, die vor den Cafés saßen, dafür aber umso weniger Läufer. Das Feld hatte sich inzwischen richtig ausgedünnt. Zuvor hatte ich in Kirchheim einmal sogar schon meinen Vordermann aus den Augen verloren.
Nach einem kurzen Abschnitt durch die Weinberge kamen wir nach Asselheim. Die große Durchfahrtsstraße, wo wir auf dem Hinweg Platz für den Rettungswagen machen mussten, war immer noch komplett gesperrt, aber inzwischen ziemlich leer. Ich hatte nun 38 Kilometer hinter mir und nun kam die Stelle, die ich am meisten gefürchtet hatte, nämlich der steile Anstieg, den ich auf dem Hinweg noch herunterlaufen durfte.
Ich spürte wieder meinen Rücken und die Schmerzen am Zeh, aber ich wusste, dass ich es bald geschafft haben würde. Meine Zielzeit würde etwa drei Stunden und vierzig Minuten betragen. Es war inzwischen sehr warm geworden und die Sonne schien erbarmungslos vom Himmel. Später stellte ich fest, dass ich mir tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand geholt hatte, und zwar an den Stellen der Oberarme, die nicht von meinem kurzärmligen Trikot abgedeckt wurden.
Am Fußgängerweg neben der Landstraße sah ich einige Halbmarathonis, die den Heimweg antraten und ihre Medaillen umgehängt hatten. Das motivierte mich natürlich noch einmal. Als der Ort Bockenheim erreicht war, musste ich an einer Kolonne aus Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen vorbei. Als ich das erste dieser Autos erreicht hatte, sah ich, dass es sich um den Besenwagen für den Halbmarathon handelte. Direkt davor liefen zwei Frauen, die ich nun überholte. Ich hatte es also tatsächlich geschafft, für den Marathon weniger Zeit zu brauchen als diese beiden Damen für den Halben.
Ich musste weiterhin eine große Gruppe an Staffelläufern überholen, bevor ich dann das Ziel sehen konnte. Bei einer Nettozeit von knapp unter 3:40 Stunden überquerte ich die Ziellinie und ließ mir die Medaille umhängen. Sie hatte die Form einer Weinrebe. Auf der Vorderseite stand: „9. Marathon Deutsche Weinstraße, 30.3.2014, mit Halbmarathon“, auf der Rückseite war die Strecke angedeutet, mit aufgemaltem Riesenfass (Bad Dürkheim) und Haus der Deutschen Weinstraße (Bockenheim).
Wenige Meter weiter nahm ich mir Getränke: Einen Becher mit Iso und einen weiteren, mit mir unbekanntem Getränk. Ich trank erst den Iso und probierte dann das andere, musste aber feststellen, dass es sich um Wein handelte und schüttete es weg. Ich holte meine Tasche ab und ließ mir den Weg zu den Duschen zeigen, Nun sah ich, dass ich an der schmerzenden Stelle am Zeh eine dicke Wasserblase hatte. Ich duschte und zog mich dann wieder an. Eigentlich sollte mein Vater mich nun am Bahnhof in Bockenheim abholen, aber er kam mit seinem Auto bis dahin nicht durch, da die Strecke gesperrt war. Daher musste ich den Zug nach Monsheim nehmen, wo ich von ihm erwartet und nach Frankenthal gebracht wurde.
Neben dem Sonnenbrand, der Blase und dem Muskelkater an den Beinen hatte ich keine weiteren Probleme davongetragen. Wegen des Höhenprofils handelte es sich trotzdem um den anstrengendsten Marathon, den ich bisher absolviert hatte. In den Ergebnissen sah ich später, dass nur knapp über 700 Teilnehmer beim Marathon das Ziel erreicht hatten.
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