Der fünfzehnte Halbmarathon meines Lebens.
Beim 31. Internationalen Volkslauf in Hamburg-Wilhelmsburg gab es mehrere Disziplinen, von denen der Halbmarathon die größte Distanz beinhaltete. Bei der Anmeldung hatte ich eine Startgebühr von 15€ bezahlt und zusätzlich 6€ für ein Exemplar der Eisenbahn-Medaille, die ich als Finisher im Ziel erhalten sollte. Diese Medaille wäre in der einfachen Startgebühr nicht enthalten gewesen.
Da der Halbmarathon erst um 9:30 Uhr starten sollte, hatte ich mir ausgerechnet, dass ich an diesem Sontag mal ein bisschen länger schlafen könnte. Doch ich sah mich getäuscht: Die Startunterlagen sollten spätestens eine Stunde vor Beginn abgeholt werden. So klingelte mein Wecker um 5:00 Uhr morgens, um kurz nach 6:00 Uhr verließ ich das Haus und um 7:00 Uhr fuhr ich mit dem Metronom-Regional vom Hauptbahnhof in Richtung Hamburg-Harburg ab, wo ich gegen Viertel nach Sieben ankam. Ich ging zur unterirdischen S-Bahn-Haltestelle und kaufte mir eine Tageskarte für den Großbereich Hamburg. Am Bahnsteig, wo Sonntag morgens wenig los war, sah ich schon die ersten Sportler, welche auch auf die S-Bahn warteten. Ich stieg mit ihnen zusammen ein und wir fuhren eine Station nach Wilhelmsburg. Laut google-maps hätten wir von hier aus einfach die Brücke am Bahnhof nehmen können, um zu dem Schulgelände, welches das Veranstaltungsgelände war, zu gelangen. Doch diese Brücke war gerade abgerissen worden, und so mussten wir einen Umweg über eine weiter südlich gelegene Brücke nehmen. Nach etwa zehn Minuten kamen wir beim Schulzentrum an. Meine Startnummer konnte ich gegen das Vorzeigen meines Personalausweises entgegennehmen. Ich wählte einen unbeleuchteten Gang, um mich dort umzuziehen. Meine Armbanduhr hatte ich zu Hause vergessen. Es war daher nicht möglich, auf Zeit zu laufen, was mich aber nicht störte, da ich nach dem Marathon vom letzten Wochenende nicht noch einmal eine Reihe körperlicher Beschwerden davontragen wollte.
In den Startunterlagen befand sich auch noch ein Zettel mit einer kurzen Beschreibung der Veranstaltung. Hier konnte ich lesen, dass auf dem Halbmarathonkurs drei Verpflegungsstellen mit Wasser und Tee vorhanden waren, die erste nach etwa sechs Kilometern. Die Zeit wurde mit einem Chip gemessen, der in den Unterlagen dabei war und nach dem Rennen wieder abgegeben werden sollte. Nachdem ich etwas gegessen hatte, wollte ich meine Sporttasche abgeben. Es war schon allerhöchste Zeit, denn bis zum Start blieben nur noch zehn Minuten. Ich musste mich trotzdem in einer langen Schlange anstellen und konnte erst fünf Minuten vor Beginn des Rennens zum Sportplatz gehen, wo sich die Startgerade befand.
Das Wetter schien mitzuspielen: Da dieser Lauf schon um halb zehn Uhr und damit fast zwei Stunden früher als der Marathon in Freiburg startete, waren die Temperaturen noch sehr angenehm. Ferner lag noch ein leichter Nebel in der Luft. Ich trug meine normale Brille, die Sonnenbrille hatte ich in meine Hosentasche gesteckt, um beide zu einem geeigneten Zeitpunkt auszutauschen.
Die Startgerade war auf der Laufbahn neben dem Fußballfeld. Um 9:30 Uhr kam der Startschuss. Da ich relativ weit hinten im Feld stand, überquerte ich die Linie erst eine Minute später. Als nach wenigen Metern der Sportplatz verlassen wurde, sah ich noch zwei Halbmarathonläufer, die mir entgegenkamen. Sie hatte offenbar ihr Gepäck nicht rechtzeitig abgeben können und mussten nun noch zur Startlinie laufen. Soviel zur Organisation der Veranstaltung.
Die S-Bahn-Linie wurde mit einer Brücke überquert, die sich nördlich des Bahnhofs Wilhelmsburg befand. Auf der anderen Seite ging es ein Stück weit den Gleisen entlang, wo wir von einigen S-Bahnen passiert wurden. Die Gegend hier bestand überwiegend aus Schrebergartensiedlungen.
Danach folgte eine Abzweigung in östliche Richtung, von der aus es drei Kilometer lange geradeaus ging, solange, bis die Elbe erreicht wurde. Hier setzte ich meine Brille ab und die Sonnenbrille auf, da die Sonne nun langsam zum Vorschein kam. Den Fluss selber bekamen wir Läufer jedoch nicht zu sehen, da wir auf der anderen Seite des Deichs entlangliefen. An der ersten Verpflegungsstelle gab es tatsächlich warmen Tee zu trinken, wovon ich allerdings keinen Gebrauch machte. Ich nahm nur einen Becher Wasser zu mir. Die Atmosphäre war insgesamt sehr ruhig. Zuschauer gab es fast keine, wir liefen am Deich eine Straße für Autos entlang, die weit weg aller Wohngegenden war. Nach elf Kilometern wurde der südliche Zipfel der Elbinsel erreicht. Hier wendete der Kurs wieder nach Norden. Wir kamen am Naturschutzgebiet Heuckenlock und an der Wilhelmsburger Mühle vorbei. Ab der zweiten Hälfte der Strecke begann ich, etwas schneller zu laufen, da die Kräfte bei mir durchaus noch vorhanden waren. Als ich die Schrebergartensiedlung erreichte, stimmte der Kurs auf den letzten zwei Kilometern wieder mit dem Hinweg überein. Auf der Brücke über die Bahnlinie sah ich einen Läufer mit Eisenbahnmedaille, der mir entgegenkam. Dieser hatte das Rennen offenbar schon hinter sich. Sowieso kam mir der ganze Lauf zeitlich gesehen unglaublich kurz vor, was wohl daran lag, dass ich eine Woche zuvor einen kompletten Marathon gelaufen war. Ich war gespannt auf meine Zeit. Zurück am Sportplatz lief ich noch einmal so schnell ich konnte über die Ziellinie. Hier war auch eine Digitaluhr angebracht, auf der ich die aktuelle Uhrzeit ablesen konnte. Daraus konnte ich schließen, dass ich etwa eine Stunde und 50 Minuten für den Halbmarathon benötigt hatte. Ein kleines Mädchen beglückwünschte mich und hängte mir die Medaille um. Als ich mich bedankte und ihr sagte, dass ich die Medaille auch bestellt hatte (also dass ich sie zu Recht erhalten habe), sagte sie mir, dass sie dies an dem roten Punkt auf meiner Startnummer erkennen konnte. Nun hatte ich also auch erfahren, wie diese Sache geregelt war.
Die Medaille war von den Ausmessungen her die größte, die ich bisher jemals bekommen hatte. Sie war etwa doppelt so breit wie meine bisherigen Erinnerungsstücke und mit einem Exemplar der Hamburger Hafenbahn graviert. Darüber stand: „31. Internationaler Volkslauf 2011 SV Wilhelmsburg Hamburg“.
Meinen Transponder zur Zeitmessung löste ich von den Schnürsenkeln und warf ihn in die dafür vorgesehene Kiste. Dann ging ich zum Schulgelände, wo ich meine Tasche abholte. Zum Duschen musste ich wieder zurück zum Sportplatz, wo ich zum Glück nicht lange anstehen musste.
Den Rest des Tages nutzte ich, um mir einige Orte in Hamburg anzuschauen. Ein geplantes Treffen mit einer alten Bekannten war leider im letzten Augenblick geplatzt. Am späten Abend kam ich wieder zu Hause an.
Freitag, 15. April 2011
Montag, 4. April 2011
Marathon Freiburg (Breisgau) 2011-04-03
Der erste Marathon meines Lebens.
Ich hatte schon vor über einem Jahr das Ziel ins Auge gefasst, einmal einen kompletten Marathon zu laufen. Nun schien sich dafür die Gelegenheit zu bieten, denn die Veranstaltung in Freiburg hatte einige attraktive Vorteile: Es sollte hier sowohl einen halben als auch einen ganze Marathon geben. Beide Läufergruppen sollten zum gleichen Zeitpunkt, um 11:10 Uhr starten. Die Strecken waren nahezu identisch, wobei die Halbmarathonis nur eine von zwei Runden absolvieren musste. In den AGBs konnte ich ausdrücklich lesen, dass für angemeldete Marathonläufer ein Umstieg auf den Halbmarathon während des Laufs möglich war. Dazu musste dieser lediglich nach der ersten Runde abgebrochen werden. Dies kam mir sehr zu Gute, da ich mich schon einige Monate zuvor für den Marathon angemeldet hatte und zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, ob am 3. April an meinem Knie Probleme auftreten würde oder nicht. Sowieso war das Knie meine Hauptsorge. Die Kondition und die Kraft in den Beinen konnte ich mir antrainieren, wobei auch hier nicht besonders viel Zeit blieb. Ein großer Vorteil war auch die Startgebühr: 43€ für den Marathon und 33€ für die halbe Strecke. So hätte ich bei einem Abbruch nach der ersten Runde nur 10€ zu viel bezahlt. Man sieht, dass ich mir für den (voraussichtlich) ersten Marathon meines Lebens die Strecke nicht zufällig ausgesucht hatte. Da die Temperaturen ab Mitte Februar langsam wieder aufwärts gingen, blieben mir etwa sechs Wochen Vorbereitungszeit. Nach dem Halbmarathon in Frankfurt hatte ich noch zwei Sonntage, an denen ich auf meiner gewohnten Trainingsstrecke meine Kondition und mein Durchhaltevermögen verbessern konnte. Am ersten Sonntag lief ich vier Stunden lang, am Sonntag danach, also eine Woche vor Freiburg, vier Stunden und 20 Minuten, wobei ich hier schon zwischendurch gehen musste, da meine Beine nicht mehr durchhielten. Ein Hindernis sollte das Wetter werden: Während ich in Bremen für mein Training noch den Nachmittag abwartete, um nicht früh morgens draußen frieren zu müssen, sollten es in Freiburg an diesem Tag über 20°C werden. Die Startzeit war mit 11:10 Uhr schon relativ spät angesetzt, die Veranstaltung fand also in der Mittagshitze statt. Da ich in den letzten beiden Trainingseinheiten bemerkte, dass ich für weniger als 42km weit über vier Stunden benötigte, machte ich mir Sorgen wegen der Rückfahrt: Mein Zug sollte um 16:56 vom Hbf in Freiburg abfahren, notfalls würde ich auf den Duschgang nach dem Rennen verzichten müssen. An diesem Sonntag ließ ich mich von meinem Vater morgens mit dem Auto nach Mannheim bringen, von wo aus ich kurz nach halb acht Uhr in den ICE nach Freiburg einstieg. Der Zug hatte glücklicherweise keine Verspätung, denn die Startunterlagen sollten bis 10:00 Uhr vom Messegelände in Freiburg abgeholt werden. Ich setzte mich in ein Sechser-Abteil, in dem vor mir nur eine Frau Platz genommen hatte. Im Flur vor dem Abteil konnte ich einen Sportler nach dem anderen vorbeilaufen sehen. Zu erkennen waren diese Sportler an ihren Laufschuhen. Als einer von ihnen, ein etwa 60jähirger Mann, in unser Abteil schaute, winkte ich ihn herein und fragte ihn, ob er auch zum Marathon wolle. Er sagte, dass er heute nur Halbmarathon laufen würde und sich dabei auf den großen Marathon in Berlin vorbereite, der Ende September stattfinden sollte. Durch die Unterhaltung verging die Zeit sehr schnell. Wir erzählten von unseren Lauferlebnissen und Karl-Heinz (so war sein Name) kritisierte meine nicht geschnittenen Fußnägel, was ich tatsächlich vergessen hatte. Genauso wie Pflaster für meine Brustwarzen. Die musste ich mir bei den Sanitätern noch vor dem Start abholen. Um neun Uhr kamen wir in Freiburg an. Hier sollte die Breisgau-S-Bahn heute alle 15 Minuten zum Veranstaltungsort am Messegelände der Universität fahren. Diese Fahrt dauerte vier Minuten. Der Zug war nun ausschließlich mit Sportlern besetzt, denen wir beim Aussteigen einfach nur nachlaufen mussten. Das Messegelände beinhaltete Duschen, Kleiderbeutelabgabe, Startunterlagenausgabe sowie eine Halle mit Ständen von verschiedenen Sportartikelanbietern. Beim Abholen der Startunterlagen verlor ich Karl-Heinz aus den Augen. Meine Nummer war die 813, die Nummern von 1 bis 1000 waren für die Marathonis reserviert. Die Nummern der Halbmarathonläufer gingen, wenn ich das richtig verstand, von 2000 bis etwa 12000. Hier wurde mir klar, dass es sich um eine wirklich große Veranstaltung handelte. Ich freute mich sehr darüber, dass in den Unterlagen neben der Startnummer und einigen Werbeartikeln und Zeitschriften noch eine breitgeschnittene Baseball-Kappe beigelegt war. Da an diesem Tag nämlich keine Wolke am Himmel zu sehen war, konnte ich mit der Kappe meine Ohren vor Verbrennungen schützen, indem ich sie jeweils nach der Position der Sonne drehte. Im Wellness-Bereich ließ ich mir zwei Pflaster geben, die ich auf meine Brustwarzen klebte. Als ich am Stand des Hamburg-Marathons vorbeilief, wurde mir von den beiden Damen das Angebot unterbreitet, zu Sonderkonditionen (52,50€) dort teilnehmen zu dürfen. Ein Formular dazu wurde mir ausgehändigt, allerdings hätte ich mich schon in der nächsten Woche entscheiden müssen. Ich sagte, dass ich noch nicht wisse, ob ich überhaupt Marathon laufen können, das dies heute meine erster überhaupt sein sollte. Die Veranstaltung Ende Mai in Hamburg könnte von der Temperatur her gesehen hochsommerlich werden, was mir auch sehr zu denken gab. Im Eingangsbereich der Messehalle konnte ich eine Treppe mit dem Schild „VIP“ sehen, vor der zwei Bodyguards in Anzügen standen. Der Marathon hier war offenbar so eine große Veranstaltung, dass wohl einige Prominente zumindest als Zuschauer dabei waren. Da ich jedoch in die Etage nicht einsehen konnte, war es mir nicht möglich herauszufinden, um welche Prominenten es sich dabei handelte. Ich aß noch einen selbstmitgebrachten Sandwich und gab mein Gepäck ab. Lediglich eine Packung Taschentücher behielt ich bei mir. Ich hatte die Sonnenbrille und die Kappe aufgesetzt, um damit das gesamte Rennen zu bestreiten. Bevor ich zur Startgeraden ging, lief ich noch einmal zum Bahnhof zurück um zu schauen, zu welchen Uhrzeiten die Breisgau-S-Bahn zum Hbf fahren sollten. Ich erkannte, dass ich den Zug um 16:28 nehmen sollte. Dafür musste ich um etwa 16:15 vom Veranstaltungsgelände loslaufen. Bis dahin sollte ich also das Ziel erreicht und idealerweise auch geduscht haben. Daher nahm ich mir vor, um 15:45 Uhr im Ziel anzukommen. Ich hatte also vier Stunden und 35 Minuten Zeit für 42,195km. Nun ging ich zur Startgeraden, wo sich schon eine riesige Masse an Läufern versammelt hatte. Es handelte sich hierbei um die Berliner Allee, welche zwischen dem Messegelände und einem Flugplatz für kleine Propellermaschinen lag. Sie bestand aus 4 Spuren, die in der Mitte durch einen Grünstreifen getrennt war. Somit war zumindest beim Start dafür gesorgt, dass ausreichend Platz vorhanden war. Da ich relativ spät zum Start gegangen war, befand ich mich ziemlich weit hinten. Etwa 50 Meter vor mir konnte ich einen Pacemaker mit einem Luftballon erkennen, auf welchem die Zeit 4:30h aufgemalt war. Ich nahm mir vor, mich so lange wie möglich an die Fersen dieses Läufers zu heften. Nachdem der Startschuss ertönt war, durfte zunächst nur die erste Hälfte loslaufen. Nach zwei Minuten Pause kam die zweite Hälfte an die Reihe. Daher überquerte ich die Startgerade erst um 11:20 Uhr. Somit blieben mir für den Marathon nur vier Stunden und 25 Minuten übrig, um gegen 15:45 Uhr im Ziel anzukommen. Der Kurs führte zunächst nach Südwesten die Berliner Allee entlang. Ich musste mein Tempo drosseln, da ich es beim Halbmarathon gewohnt war, schneller als der Durchschnitt zu laufen. Dies war jedoch heute nicht möglich, da ich sonst keine 42km durchhalten würde. Nach zweieinhalb Kilometern wurden der Autobahnzubringer Mitte und die Dreisam überquert. Danach folgte eine Schleife, und es ging in östlicher Richtung neben dem Autobahnzubringer entlang. Schattige Stellen gab es hier nicht, zum Glück trug ich die Kappe. Ich ließ keine Verpflegungsstelle aus und trank dort jeweils ein bis zwei Becher Wasser und aß manchmal noch ein Stück Banane. Nach 5 km wurde die Dreisam überquert und es ging in die Innenstadt: Zunächst über eine Brücke am Hauptbahnhof vorbei und dann in die Fußgängerzone. Rechts und links war jeweils eine Art Kanal, eine kleine „Wassergrube“, in der Wasser wie in einem Fluss hindurchfloss und sich einige Zuschauer die Füße kühlten. Der Boden bestand hier aus Kopfsteinpflaster. An einem Gebäude konnte ich die Temperatur lesen: Es waren 19°C um kurz vor zwölf Uhr. Über den gesamten Kurs waren Musikbands verteilt: 42 Bands auf 21km, im Schnitt alle 500 Meter eine Band. Von Brücken aus winkten uns weitere Zuschauer zu. Nachdem wir die Fußgängerzone verlassen hatten, ging es einige Kilometer südlich der Dreisam in östlicher Richtung entlang. Auf der anderen Seite des Flusses, welchen wir dann überquerten, konnte man die Berge des Schwarzwalds sehen. Auf dem Rückweg kamen wir noch einmal in der Innenstadt vorbei, bevor das letzte Drittel des Kurses nach Norden durch ein ruhigeres Viertel zurück zum Messegelände führte. Hier hörte ich die Sirene eines Notarztwagens, welches sich durch das Läuferfeld bahnte. Ein paar hundert Meter weiter konnte ich sehen, wie ein Teilnehmer behandelt wurde. Zum Glück bewegte sich dieser während der Behandlung, was mich darauf schließen ließ, dass er noch am Leben war. Kurz vor dem Ende der ersten Runde musste eine Bahnlinie überquert werden. Auf der Brücke waren in der Mitte der Fahrbahn orangefarbene Hütchen positioniert. Ein Streckenposten rief den Vorbeilaufenden zu: „Marathonläufer nach links, Halbmarathon nach rechts!“ Offenbar trennten diese Hütchen die Felder voneinander. Ich war einer der wenigen, welcher links abbog. Mein Knie hatte bis jetzt keine Probleme gemacht und auch sonst fühlte ich mich fit. Die letzte Gelegenheit, noch auf die halbe Strecke umzusteigen, war nun vorbei. Jetzt gab es für mich kein Zurück mehr. Den Pacemaker für die 4:30h überholte ich nun. Von der Berliner Allee war nur noch eine Hälfte für Autos gesperrt, was aber aufgrund der nun nur noch geringen Läuferzahl kein Problem darstellte. Viele Erinnerungen an die zweite Runde habe ich nicht mehr. Ab Kilometer 34 legte ich jeweils pro 1000 Meter 100 Meter in normaler Gehgeschwindigkeit zurück, da meine Beine langsam nicht mehr konnten. Und auch mit der Kondition bekam ich Probleme. Ich war dankbar für jeden Becher Wasser, den ich bekam. Zusätzlich bekam ich Kopfschmerzen auf den letzten zehn Kilometern. Mein Knie schmerzte allerdings überhaupt nicht. Ab Kilometer 40 war mir klar, dass dies heute einer der größten Tage meines Lebens werden könne. Ich wusste nicht, ob der Zieleinlauf gefilmt werden würde, aber falls ja, so wollte ich ein ganz besonderes Video bekommen. Als ich die Brücke über die Bahnlinie kurz vor Ende wieder überquerte, konnte ich die Zielgerade sehen. Bevor ich diese erreichte, setze ich meine Kappe und die Sonnenbrille ab, um für ein eventuelles Zielvideo gut erkennbar zu sein. Noch bevor ich das Ziel erreichte, nannte der Kommentator meinen Namen. Ich hielt nun an und ging ganz langsam, mit hochgestreckten Armen über die Linie. Da wurde ich nochmals genannt und als der „Mann in der langen Hose“ betitelt. Im Zielbereich musste ich einige Meter laufen, bevor ich meine Medaille entgegennehmen konnte. Sie war silbern und der Name der Veranstaltung, „Marathon Freiburg, 3.4.2011“, war in der oberen Hälfte eingraviert. Da das Wort „Marathon“ in der unteren Hälfte nochmals zu lesen war, vermutete ich, dass es für Marathon und Halbmarathon verschiedene Medaillen gab. Ich hatte sogar die mir vorgenommene Zeit eingehalten: Um ziemlich genau 16:45 Uhr schritt ich über die Ziellinie. Nachdem ich die nächste Toilette aufgesucht hatte, holte ich meine Sporttasche ab und suchte die Duschen. Diese befanden sich in einem mobilen Wagen, der im Freien vor der Messehalle angesiedelt war. Da die meisten Sportler heute ihren Lauf (den Halbmarathon) schon lange vor mir beendet hatten, musste ich an der Dusche nicht anstehen und konnte mich sofort waschen und abkühlen. Danach zog ich mich um, wobei ich feststellen musste, dass ich einige Blasen an den Zehen hatte. Die Breisgau-S-Bahn füllte sich ziemlich gut, und am Hbf in Freiburg kam ich rechtzeitig an. Der Zug nach Mannheim hatte keine Verspätung und einen Sitzplatz bekam ich zum Glück auch noch. Jedoch bekam ich auch langsam die Folgen dieses Riesen-Events zu spüren. Ich hatte den gesamten Tag über nichts Warmes gegessen und hatte auch am Abend keinen Appetit mehr. Gegen 20:00 Uhr wurde mir so übel, dass ich befürchtete, mich übergeben zu müssen, was allerdings nicht geschah. Meine Stimme war nur noch sehr schwach. Am nächsten Morgen spürte ich, dass eine Entzündung oder etwas Ähnliches mir das Schlucken erschwerte. Am Marathon in Hamburg Ende Mai würde ich definitiv nicht teilnehmen. Trotzdem war ich überglücklich, den ersten Marathon meines Lebens absolviert zu haben.
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