Sonntag, 21. Dezember 2014

Marathon Florenz 2014-11-30

Der sechzehnte Marathon meines Lebens.
Der Florenz-Marathon.
Der Florenz-Marathon findet jedes Jahr am letzten Sonntag im November statt und gab mir die Möglichkeit, einerseits meinen 29. Geburtstag nachzufeiern und andererseits den Temperaturen um den Gefrierpunkt in Deutschland zu entfliehen. Dabei wollte ich nur Samstag und Sonntag unterwegs sein. Die Reiseplanung sah vor, dass ich beim Marathon nicht allzu langsam laufen durfte, um rechtzeitig das Flugzeug für den Rückflug zu bekommen.
Tag 1:
Ich wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag von meinem Wecker um 3:30 Uhr geweckt, stand auf und frühstückte. Ich packte dann meine Tasche, welche mein Handgepäck darstellte. Einen weiteren Koffer hatte ich nicht vorgesehen. Gegen 4:40 Uhr verließ ich das Haus, wobei ich nur mit einer dünnen Jacke bekleidet war. In Florenz sollte es um die 17°C werden.
Ich fuhr mit der Straßenbahn zur Domsheide und von dort aus weiter zum Flughafen. Hier musste ich feststellen, dass meine Armbanduhr kaputt war. Der Sekundenzeiger kam an einigen Stellen zeitweise nicht vorwärts. Damit war für mich klar, dass ich während des Marathons keine Information über meine Geschwindigkeit bekommen würde. Ich ließ mir am Air-France-Schalter das Ticket ausdrucken. Um 6:30 Uhr startete das Flugzeug nach Paris, wo ich noch vor acht Uhr am Charles-de-Gaulle-Airport ankam. Da ich nur mein Handgepäck bei mir hatte, konnte ich mich sofort auf den Weg zum anderen Terminal machen. Dafür musste ich einen Bus besteigen, welcher mich in etwa zehn Minuten dorthin brachte.
Um 10:10 Uhr startete dann das Flugzeug nach Florenz, wo ich knapp zwei Stunden später ankam. Der Flughafen von Florenz befindet sich etwa fünf Kilometer nordwestlich vom Stadtzentrum und ist mit diesem nur über einen Shuttle-Bus zu erreichen. Obwohl die Fahrt nicht sonderlich lange dauert, kostet sie pro Person sechs Euro. Ich hatte mir zuvor keinen Reiseführer von Florenz gekauft und war daher sehr glücklich, im Ankunftsbereich einen kostenlosen Stadtplan zu erhalten. Nun konnte ich mich in der Stadt zurechtfinden.
An der Haltestelle traf ich ein deutsches Pärchen, welches morgen auch laufen wollte. Wir unterhielten uns während der zwanzigminütigen Fahrt, bis wir schließlich am Hauptbahnhof ankamen. Ich schaute mir zunächst den Bahnhof an und ging dann nach Norden zu meiner Unterkunft. Der Stadtplan erleichterte mir den Weg. Als ich im Hostel ankam, sagte man mir, dass das Zimmer noch nicht für mich bereitstände. Ich konnte aber schon einmal meine schwere Tasche abgeben und dann nur mit der Mappe in der Hand zur Marathonmesse gehen, um die Startunterlagen abzuholen.
Die Ausgabe der Startunterlagen ist beim Florenz-Marathon nur am Freitag und Samstag möglich, was Teilnehmende von auswärts zu einer Übernachtung zwingt. Des Weiteren muss man – wie für jeden Marathon in Italien – ein sportärztliches Gesundheitszeugnis vorlegen, soweit man kein Mitglied in einem Sportverein ist. Dies hatte mir erhebliche Mühen bereitet. Ich musste bei meiner Hausärztin einen Termin vereinbaren, bei welchem mir dann auch noch Blut abgenommen wurde. Die schriftliche Bestätigung kostete mich auch noch fünf Euro. Ferner muss ein Zahlungsnachweis der Startgebühr vorgelegt werden. Ich hatte also einige Papiere in meiner Mappe.
Der sicherste Weg zur Messe führte an der Plazza da Libertà vorbei an einer der Hauptverkehrsstraßen entlang. Dann musste ich nach links einbiegen und an einem Bahnhof eine Brücke über die Eisenbahnschienen nehmen. Auf der anderen Seite sah ich dann, wie die ganzen Läufer mit einer Plastiktüte in der Hand mir entgegenkamen. Das Gelände befand sich neben einem kleinen Fußballstadion. Überall waren Stände aufgebaut, wo für verschiedene Produkte und internationale Marathonläufe geworben wurde. Bei der Ausgabe der Startnummer legte ich alle Nachweise vor. Das Gesundheitszeugnis war in deutscher Sprache geschrieben. Der Helfer konnte es mit Sicherheit nicht lesen, akzeptierte es aber. Ich bekam die Startnummer mit dem Zeitmesschip, welcher mit einem Gummiband an der Startnummer befestigt und nach dem Rennen unbedingt wieder zurückgegeben werden musste. An einem weiteren Stand bekam ich dann die Plastiktüte, in welche man auch das Trikot mit der Größe M hineinlegte. Dieses Trikot war langärmlig und von violetter Farbe.
Nun machte ich mich auf den Weg zurück zum Hostel. Ich hatte inzwischen mächtig Hunger bekommen und suchte daher nach einem Restaurant, in welchem ich Spaghetti Bolognese essen konnte. Leider musste ich feststellen, dass sämtliche Restaurants um diese Nachmittagszeit geschlossen waren. Somit kam ich gegen 16 Uhr wieder im Hostel an, wo ich nun mein Acht-Bett-Zimmer im ersten Stock beziehen konnte. Ich legte meine Tasche in einem der oberen Betten ab und ging dann wieder in Richtung Hauptbahnhof. Unterwegs sah ich einen kleinen Imbiss, wo ich ein Brot mit Fleisch und eine Dose Cola zu trinken bekam. Der drittel Liter Cola kostete ganze drei Euro.
Nun schaute ich mich ein bisschen auf dem Markt in der Altstadt um, aber ohne etwas zu kaufen. Als es dämmerte, fand ich nun ein kleines Restaurant, wo ich Spaghetti Bolognese zu essen bekam. Hier zahlte ich für 0,4 Liter Cola stolze 5,50 Euro. Danach machte ich mich auf den Weg zum Hostel. Es war etwa 18:30 Uhr, ich war aber schon ziemlich müde. Auf dem Zimmer war außer mir noch ein weiterer Läufer. Er hieß Giovanni und hatte früher bei Triathlons mitgemacht, beschränkte sich nun aber aufs Laufen. Wir unterhielten uns in Englisch und beschlossen, am nächsten Morgen gegen sieben Uhr in den Frühstücksraum zu gehen, wo wir für sechs Euro essen konnten. Er war bisher zweimal den Marathon in Venedig gelaufen.
Ich schaute mir nun noch einmal die Unterlagen an, welche wir mit dem Starterbeutel ausgehändigt bekommen hatten. Ich fand keinen Hinweis auf Duschmöglichkeiten nach dem Rennen und überlegte daher, ob ich vielleicht hier im Hostel duschen könne. Viel Zeit würde mir nicht bleiben, da der Rückflug von Florenz aus schon um 16 Uhr startete. Ich schlief wohl gegen 22 Uhr ein und wachte um sechs Uhr morgens wieder auf.
Tag 2:
Ich duschte kurz auf dem Zimmer und ging dann mit Giovanni zum Essen. Während ich drei belegte Brötchen frühstückte, nahm er nur eines zu sich. Dann gingen wir zurück aufs Zimmer und ich packte meine Tasche. Giovanni wollte noch bis Mittwoch in der Unterkunft bleiben. An der Rezeption tummelten sich massenweise Franzosen, die heute alle laufen wollten. Ich erfuhr nun, dass im Eingangsbereich des Hostels auch eine Dusche vorhanden war. Somit konnte ich mein Gepäck hier abgeben und nur mit dem Starterbeutel zum Marathon gehen. Um kurz nach sieben Uhr gingen wir dann los. Draußen sahen wir, dass es über Nacht geregnet hatte und ein dunkelhäutiger Verkäufer bot uns Regenschirme an, was wir allerdings ablehnten.
Während des Weges zum Startbereich unterhielten wir uns über unsere Erlebnisse. Giovanni kam aus der Nähe von Mailand und war auch schon einmal in New York gelaufen. Gegen 8:00 Uhr kamen wir am Startbereich an. Jetzt realisierte ich erst richtig, wie groß diese Veranstaltung war. Es gab wohl eine fünfstellige Teilnehmerzahl. In aneinandergereihten LKWs konnte man seinen Starterbeutel abgeben. Ich hatte am Mittwoch 25 Kilometer trainiert, um die Stellen an den Füßen ausfindig zu machen, an denen beim Laufen Blasen entstanden. Obenrum trug ich das Trikot vom Halbmarathon in Weimar. Giovanni zog sich schnell um und dann gingen wir zu den entsprechenden LKWs.
Es hatte inzwischen wieder leicht zu regnen angefangen. Einige Sportler suchten unter den LKWs Schutz. Giovanni und ich gaben unsere Taschen ab und dann gingen wir zur Startgeraden. Das Starterfeld war in mehrere Bereiche unterteilt. Diese richteten sich nach der erwarteten Zielzeit der Teilnehmer. Für Giovanni war offenbar eine Zeit im Bereich von dreieinhalb Stunden vorgesehen, weshalb er in einen der vorderen Blöcke musste und sich dann auch von mir verabschiedete. Ich ging weiter nach hinten. Der Farbe auf meiner Startnummer zu Folge musste ich von ganz hinten starten.
Ein großes Problem sollte auch die lange Wartezeit sein. Die Zugänge zu den Startbereichen sollten um 8:45 Uhr geschlossen werden. Wer dann nicht in seinem Bereich sei, könne nur noch von ganz hinten starten. Der Start des vordersten Blocks war aber erst für 9:15 Uhr vorgesehen. Ich hätte somit mindestens eine halbe Stunde warten müssen. Ich entschied mich daher, den hintersten Starterblock erst einmal nicht zu betreten, sondern mich kurz warmzulaufen. Hier am Ende der Startgeraden war eine Stelle am Fluss, wo eine Brücke hinüberführte. Ich lief kurz aufs andere Ufer und suchte dann eine der Toiletten auf. Gegen neun Uhr konnte ich dann in den letzten Starterblock hineingehen.
Ich drängelte mich nun so weit nach vorne, bis ich die Grenze zum vorletzten Block erreicht hatte. Auf den Armbanduhren anderer Teilnehmer sah ich, dass es kurz nach neun Uhr war. An der Grenze der zwei Bereiche standen Sicherheitsleute, was mich daran hinderte, das rotweiße Band, welches die Bereiche trennte, zu überqueren. Nach einigen Minuten jedoch kamen hinter mir zwei Läufer, die einfach das Band hochhoben und untendurch gingen. Kurzentschlossen tat ich dasselbe und drängelte mich nun im zweithintersten Bereich so gut es ging nach vorne. Irgendwann merkte ich aber, dass es nicht mehr möglich war, weiter nach vorne zu gelangen. Ich stand nun neben einer Gruppe von drei jungen Leuten, von denen ein Zwei-Meter-Riese ein Trikot des FC Chelsea trug.
Irgendwann hörten wir dann, wie der Marathon startete. Trotzdem dauerte es noch einige Minuten, bis wir endlich losgehen konnten. Nach über vier Minuten hatte ich dann endlich die Startlinie überquert.
Obwohl Florenz nicht gerade eine riesige Stadt ist, besteht der 42 Kilometer lange Kurs aus nur einer einzigen Runde. Die Startgerade lag neben dem Arno-Fluss, nach wenigen Metern bogen wir aber bereits nach rechts ab und liefen nun nach Norden auf der breiten Hauptstraße, auf welcher ich zuvor mit Giovanni zu Fuß von der Unterkunft hierhergekommen war. Leider konnte ich hier nicht so schnell laufen, wie ich es gerne wollte, da es einfach zu eng war. Die Hauptstraße war in der Mitte durch eine Betonerhöhung getrennt, und für uns Läufer stand nur die eine Hälfte zur Verfügung. Auf der anderen Seite war ein eingeschränkter Autoverkehr möglich. Irgendwann sah ich jedoch, wie einige Läufer über diese Begrenzung sprangen, um auf der anderen Seite freie Bahn zu haben. Dies tat ich nun auch, denn ich wollte endlich ein bisschen schneller rennen.
Dabei musste ich aufpassen, es mit der Geschwindigkeit nicht sofort zu übertreiben, denn ich bekam langsam ein bisschen Seitenstechen. Wir kamen an der großen Piazza Donatello vorbei und dann an der Piazza della Libertà, wo wir links abbogen und nun in südwestlicher Richtung auf den Hauptbahnhof zuliefen. Links von uns zweigte die Straße ab, in der meine Unterkunft war. Ich erreichte nun die Gruppe der Pacemaker mit der 4:15-Stunden-Zielmarke. Jeder dieser drei bis vier Pacemaker war mit einer ganzen Reihe von Luftballons ausgestattet. Diese Luftballons hatten unterschiedliche Farben, je nachdem, zu welcher Zielzeit der Läufer gehörte. Um heute eine neue Bestzeit zu laufen, musste ich die 3:30h-Pacemaker überholen. Als wir dann  in der Innenstadt waren, mussten wir eine Unterführung nehmen, um unter den Schienen am Hauptbahnhof hindurch zu gelangen. Hier machten einige Läufer ziemlich viel Lärm.
Als wir die Unterführung hinter uns hatten, folgte der Abschnitt durch den Westen von Florenz. Später sollten wir auch relativ nahe am Flughafen vorbeikommen. Im Moment waren wir noch in einem Wohngebiet. Kurz vor Kilometer fünf kam der erste Verpflegungspunkt, wo ich einen Becher Wasser zu mir nahm. Da ich im Feld relativ weit hinten war, lagen schon entsprechend viele zertretene Plastikbecher am Boden. Ich sah nun vor mir zwei junge, großgebaute Männer, die sich in deutscher Sprache unterhielten. Als ich sie überholt hatte, rief der eine in sächsischem Dialekt: „Weimarer Stadtlauf? Do warn wir ooch!“ Ich fragte daraufhin, ob er aus Ostdeutschland käme, korrigierte mich aber sofort und sagte: „Entschuldigung, aus den Neuen Bundesländern?“ Ich erzählte ihm, dass ich für das zweite Wochenende im Oktober keine bessere Alternative gefunden hätte, da ich nicht nach München wollte. Dann hatte ich die beiden Typen hinter mir gelassen.
Als wir nun erneut eine Unterführung unter Eisenbahngleisen hatten, wurde es wieder richtig laut. Dann kamen wir auf eine Straße, die neben einem großen Park lag. Ich wich mehrfach auf den Gehweg aus, um besser überholen zu können. Ich überholte auch die Pacemaker für die 4:00-Stunden-Marke. Die jetzige Strecke diente auch als Rückweg, auf welchem sich gerade das Führungsfeld befand und uns entgegenkam. Ich sah einige dunkelhäutige Läufer. Zwischen den Bäumen hielten immer wieder Teilnehmer an, um ihre Notdurft zu verrichten. Ich selber musste während des Marathons keine einzige solche Pause einlegen.
Etwa ab Kilometer 7,5 hatten wir die Straße wieder für uns alleine, das Führungsfeld kam hier nicht vorbei. Als wir dann am Ende des Parks eine 180°-Kurve hinlegten, schaute ich nach rechts, ob ich hier vielleicht den Flughafen erblicken konnte. Leider war er nicht sichtbar.
Nun ging es nach Südosten zurück, zur linken Seite den Park, zur rechten Seite den Arno-Fluss. Ich überholte einen Läufer, der einen Pudel an der Leine hielt. Ob der kleine Hund den gesamten Marathon überstehen konnte? Im Arno-Fluss waren einige künstliche Wasserfälle sichtbar. Dann hatte ich die Pacemaker für 3:45 Stunden erreicht und überholte sie auch. Der Riese im Chelsea-Trikot war immer noch in meiner Nähe, doch bald verlor ich ihn aus den Augen.
Auf Höhe einer Brücke war der zweite Versorgungspunkt erreicht, wo ich auch Iso zu trinken bekam. Diese Versorgungspunkte waren bei Kilometer 5, 10, 15 usw., während bei den Abschnitte 7.5, 12.5, 17.5 usw. Stände waren, an denen nasse Schwämme an die Teilnehmer ausgegeben wurden.
Ich sah nun vor mir einen älteren Läufer, welcher aus Bad Dürkheim war, was ich an seinem Trikot erkannte. Wir redeten kurz über die Marathonläufe an der Deutschen Weinstraße und in Mannheim, dann ließ ich ihn hinter mir. Bei Kilometer zehn war eine Uhr aufgestellt. Meine Bruttozeit lag bei etwa 53 Minuten für diese ersten zehn Kilometer. Dann folgte eine 180°-Kurve und es ging – ein bisschen versetzt – neben der bisherigen Strecke wieder zurück bis wenige hundert Meter vor Ende des Parks, wo wir rechts abbogen und dann in der Straße waren, wo uns vorhin das Führungsfeld entgegengekommen war. Wir liefen nun in südöstlicher Richtung und sahen nun die hintersten Teilnehmer, die von einem Rettungswagen begleitet wurden.
Nach 15 Kilometern nahmen wir wieder Kurs auf das Zentrum. Bevor wir die Altstadt jedoch erreichten, ging es über den Arno-Fluss in den Stadtteil südlich des Flusses. Wir liefen am anderen Ufer geradeaus und ich erblickte nun die Pacemaker-Gruppe für die 3:30-Stunden-Marke. Zwar näherte ich mich diesen Läufern, aber meine Geschwindigkeit war nur wenig höher als ihre und daher dauerte der Überholprozess sehr, sehr lange.
Eine weitere Brücke über den Fluss ließen wir links liegen, bei der nächsten Brücke bogen wir rechts ab in das Stadtzentrum südlich des Flusses. Hier gab es endlich wieder einmal zahlreiche Zuschauer am Streckenrand. Am südlichsten Punkt der Strecke folgte eine 180°-Kurve, als es plötzlich sehr laut wurde, da ein aufgebautes Orchester mit einem Mal anfing, Musik zu machen. Ich hielt mir die Ohren zu und war dann auch schon an der Stelle vorbei. Wir sahen jetzt noch den Pitti-Platz, welcher mir bekannt vorkam, den ich aber gestern nicht gesehen hatte, da auch mich ja nur nördlich des Arno aufgehalten hatte.
Als wir den Fluss wieder erreichten, bogen wir rechts ab, um am südlichen Ufer entlangzulaufen. Auf dieser langen Geraden sah ich wieder die Pacemaker-Gruppe, die nun nicht mehr weit vor mir war. Wir erreichten den vierten Versorgungspunkt. Inzwischen gab es hier auch zu Essen. Ich nahm mir einige Stücke Banane. Dabei sah ich, dass sogar Zitronen angeboten wurden.
Wir nahmen nun die zweite Brücke, um wieder in den Bereich nördlich des Arno zu gelangen. Direkt dahinter bogen wir nach rechts ab. Nun begann der Abschnitt durch den Osten von Florenz. Zunächst liefen wir am Flussufer entlang nach Osten. Hier erreichten wir die Stelle, an der die erste Hälfte des Marathons absolviert worden war. Meine Bruttozeit von etwa 1:47 Stunden bestätigte mir, dass meine Geschwindigkeit konstant geblieben war.
Die 3:30-Pacemaker waren immer noch vor mir und ich näherte mich ihnen nur sehr langsam. Als wir den östlichsten Punkt der Strecke erreicht hatten, ging es südlich der Bahnlinie nach Nordwesten wieder zurück. Dabei kamen wir auch am Bahnhof vorbei, den ich zur Abholung meiner Startunterlagen gestern überqueren musste. Schließlich kamen wir im Norden an eine Brücke, die uns über die Gleise führte. Auf der anderen Seite ging es wieder nach Süden zurück um einen Park herum. Hier befand sich das Stadion des AC Florenz. Nun war es auch soweit, dass ich einen Pacemaker nach dem anderen überholte. Bei Kilometer 30 betrug meine Bruttozeit ziemlich genau zweieinhalb Stunden. Die Pacemaker waren auch untereinander schon ein ganzes Stück auseinander.
Bei der Verpflegungsstelle nahm ich mir sogar eine Zitrone und bis kräftig hinein. Bis jetzt hatte ich meine Geschwindigkeit konstant halten können. An einer Rechts-Linkskurve sprach mich plötzlich ein Läufer von hinten in deutscher Sprache an und hielt mir die Hand hin. Er sagte: „Hey, du warst doch vor vier Wochen in Porto, oder?“ Ich war sehr erstaunt und er sagte mir, dass er auf dem Rückflug neben mir gesessen hatte. Da er wesentlich schneller als ich war, ließ ich ihn vorbei. Dann ging es wieder auf einer Brücke über die Bahngleise. Wir nahmen nun Kurs auf die Innenstadt.
Der Boden wurde hier teilweise ein bisschen ungemütlicher, weil er aus Kopfsteinpflastern bestand. Ich spürte auch langsam, wie meine Beine schwerer wurden. Bei Kilometer 35 überholten mich die Pacemaker wieder, einer nach dem anderen. Ich spürte jetzt auch ein immer wieder auftretendes Kratzen im Bein. Als wir wieder am Nordufer des Arno-Flusses entlangliefen, konnte ich wieder einen der Pacemaker überholten. Er sagte mir, dass er seine vorgegebene Zeit nicht einhalten könne. An zwei aufeinanderfolgenden Brücken ging es dann auf das südliche Ufer und wieder zurück. Dann kamen wir an einigen historischen Plätzen vorbei. Es ging hier sehr eng und auch sehr laut zu. Auf einem dieser Plätze lag ein Sportler am Boden und musste behandelt werden. Er war offenbar kollabiert. Mir fiel nun ein, dass ich den Zeitmesschip im Ziel wieder zurückgeben musste.
Nach einer Rechtskurve kamen wir wieder an der Startgeraden vorbei und dann an der Geraden, wo die LKWs mit den Beuteln waren. Am Ende dieser Geraden lief ich nach rechts und kam dann im Ziel an. Meine Bruttozeit betrug ziemlich genau 3:33 Stunden.
Nun wurde ich mit einigen kleinen Getränkeflaschen versorgt. Die Finisher erhielten außerdem Tücher zum Umhängen, worauf ich allerdings verzichtete. Dann konnte ich den Chip abgeben und die goldfarbene Medaille mit dem Michelangelo entgegennehmen. Ich ging direkt weiter zum LKW, wo ich meinen Starterbeutel zurückbekam. Nun war keine Zeit zu verlieren. Ich musste rechtzeitig am Flughafen sein und vorher geduscht haben. Ich lief die Hauptstraße entlang bis zum Hostel, wo ich meine Tasche zurückbekam. Tatsächlich gab es hier ein kleines Badezimmer, wo ich duschen konnte. Dann zog ich mich wieder an, verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zum Hauptbahnhof, wo die Busse zum Flughafen fahren sollten. Hier unterhielt ich mich mit zwei Frauen aus Holland, bevor der Bus dann eintraf und uns zum Flughafen brachte. Die Fahrt kostete erneut 6€.
Am Flughafen konnte ich mir am Air-France-Schalter das Ticket abholen. Dabei gelang es mir, ein erstes Gespräch komplett auf Italienisch zu führen. Der Rückflug verlief ohne Zwischenfälle. Gegen 21:30 Uhr kam das Flugzeug in Bremen an. Ich nahm die Straßenbahn und war kurz nach 22 Uhr wieder zu Hause.



Dienstag, 25. November 2014

Halbmarathon Düsseldorf-Eller 2014-11-09

Der einhundertundachte Halbmarathon meines Lebens.
Der Martinslauf in Düsseldorf-Eller.
Ab dem Monat November ist es kaum noch möglich, passende Laufveranstaltungen in Deutschland zu finden. Umso erfreuter war ich, als ich im Internet den Martinslauf in Düsseldorf-Eller entdeckte, welcher sogar einen Halbmarathon beinhaltete. Dieser Halbmarathon bestand auch nur aus einer einzigen Runde, weshalb ich mich sofort dafür angemeldet hatte.
Ursprünglich hatte ich an diesem Sonntagmorgen von Bremen aus nach Düsseldorf-Eller fahren wollen, aber ich hatte ein Angebot bekommen, in Osnabrück übernachten zu können. Da die Bahnstreiks vorzeitig beendet worden waren, stand einer Anreise nichts im Wege. An diesem Sonntagmorgen stand ich gegen sieben Uhr auf und machte mich auf den Weg zum Hauptbahnhof von Osnabrück. Dort angekommen, ging ich zunächst in eine Bäckerei und verzehrte ein belegtes Brötchen. Dann ging ich zum Gleis und wartete auf den Eurocity, welcher pünktlich um 8:35 Uhr ankam. Die Fahrt zum Düsseldorfer Hauptbahnhof dauerte zwei Stunden. Als ich dort ankam, kaufte ich mir erneut etwas zu essen und wartete auf die s-Bahn, welche nach Düsseldorf-Eller fahren sollte. Sie fuhr um 11:55 Uhr ab und nach einer Viertelstunde kam sie in Eller an. Jetzt sah ich einige andere Leute, die Laufschuhe trugen.
Wir wollten zunächst auf den Bus warten, der uns zum Veranstaltungszentrum fahren sollte. Diese Zeit nutze ich, um auf einem Parkplatz meine Läuferkleidung anzulegen. Wir beschlossen daraufhin, auf den Bus zu verzichten und zu Fuß zu gehen. Doch der Weg war relativ weit. Der Halbmarathon sollte um 13 Uhr starten. Unser Weg führte durch einen Wald hindurch, in welchem wir bereits die Kilometermarkierungen sehen konnten. Gegen 12:40 Uhr kamen wir dann endlich am Veranstaltungsort an. In einem großen Zelt konnte ich meine Startnummer abholen und die Tasche ablegen, welche aber nicht bewacht wurde. Dann ging ich zur Startgeraden. Es standen mehrere hundert Teilnehmer bereit. Ich unterhielt mich mit einem Läufer, der das Trikot vom Füssen-Marathon trug. An diesem Lauf wollte ich 2015 teilnehmen. Er erzählte mir, dass er jedes Jahr in Füssen Marathon liefe.
Der Startschuss kam gegen 13:05 Uhr. Der Kurs bestand aus zwei Schleifen. Die erste führte südöstlich vom Startbereich entlang. Es ging fast ausschließlich auf Fahrradpfaden durch Waldgebiete. Auf den ersten Kilometern unterhielt ich mich mit dem Füssen-Läufer. Wir mussten hier sehr gut aufpassen, da uns immer wieder Reitergruppen entgegenkamen, die ihre Pferde nicht unter Kontrolle hatte. Ich beeilte mich nicht besonders, eine Zeit von 100 Minuten sollte mir heute reichen.
Wir kamen an zwei Seen vorbei und bei Kilometer sieben war denn endlich der erste Versorgungspunkt, wo ich ein süßes Getränk zu mir nahm. Als wir dann die ersten elf Kilometer hinter uns hatten, waren wir wieder im Startbereich und nahmen Kurs auf die zweite Schleife nordwestlich vom Zentrum. Auf der Start- und Zielgeraden hatten wir wieder etwas zu trinken bekommen.
Wir mussten an einem weiteren See vorbei. Ich hatte das Tempo inzwischen ein bisschen erhöht und den Füssen-Läufer hinter mir gelassen. Als wir auch das Seeufer verließen, mussten wir einige Zeit lang auf einem Fahrradweg entlanglaufen, der neben einer Hauptstraße war. Wegen der Autos war es hier ein bisschen lauter. Dann bogen wir endlich wieder nach links in den Wald ein, wo der letzte Versorgungspunkt war. Kurz vor Kilometer 19 stießen wir auf den Weg, den ich bereits vom Bahnhof Eller zum Starbereich gegangen war. Nach etwa einer Stunde und 37 Minuten erreichte ich das Ziel, ohne richtigen Muskelkater zu spüren.
Ich bekam ein Stück Gebäck und einige Getränke. Dann suchte ich die Duschen auf, die inmitten eines Campingplatzes lagen. Es ging hier sehr eng zu, weshalb ich mich mit dem Umziehen beeilte. Nun erfuhr ich, dass die Medaille vorher hätte mitbestellt werden müssen. Dies hätte acht Euro gekostet, worauf ich natürlich verzichtet hatte. Ich machte mich auf den Fußweg zum Bahnhof, wo ich nun das Schlussfeld des Halbmarathons sah. Am Bahnhof Eller konnte ich gerade noch in die S-Bahn nach Solingen einsteigen. Leider musste ich hier feststellen, dass kein Fernverkehrszug nach Hamburg fuhr. Ich musste zurück nach Düsseldorf und von dort aus den Eurocity nach Bremen nehmen. Gegen 21 Uhr kam ich wieder zu Hause an.

Montag, 10. November 2014

Marathon Porto 2014-11-02

Der fünfzehnte Marathon meines Lebens.
Der elfte Maratona do Porto.
Neben dem New-York-City-Marathon gab es an diesem Wochenende kaum große Veranstaltungen. Im November ist die Marathonsaison in Deutschland größtenteils vorbei. Da ich nicht wieder nach New York reisen wollte, entschied ich mich für den Marathon in Porto, welcher am gleichen Tag stattfinden sollte. Die Anmeldeformalitäten und Reiseplanung hatte ich ein halbes Jahr im Voraus durchgeführt. Die Startgebühr betrug 35€. Dies entpuppte sich später als richtiges „Schnäppchen“, da für das Geld einiges geboten wurde.
Tag 1: Freitag, 31.10.2014
Wie im letzten Jahr hatte ich an Halloween einen weiten Weg vor mir. Ich stand um halb sieben Uhr auf, kaufte bei Penny-Markt zwei Dosen Pepsi und frühstückte dann. Meinen giftgrünen Koffer hatte ich schon am Vorabend gepackt. Ich hatte Zugbindung und musste daher relativ früh los. Um kurz vor neun Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von wo aus ich mit der Nordwestbahn zum Hauptbahnhof fuhr. Hier stieg ich in den Regionalexpress nach Hannover ein, wo ich zwanzig Minuten vor elf Uhr eintraf. Um kurz nach elf Uhr kam der Intercity aus Hamburg pünktlich an. Er sollte bis zum Frankfurter Hauptbahnhof fahren. Ich stieg ein und ging während der Fahrt noch eine Lektion aus meinem neuen Portugiesisch-Lehrbuch durch. Um kurz nach halb zwei Uhr mittags kam der Intercity an seinem Ziel- und Endbahnhof, dem Frankfurter Hauptbahnhof an.
Eigentlich hatte ich nun einen ICE gebucht, der mich in zwölf Minuten zum Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens bringen sollte. Aber da ich mich kurzfristig mit einem alten Schulfreund in Niederrad verabredet hatte, kaufte ich ein Ticket für den Nahverkehr und stieg in die nächste S-Bahn ein, die dorthin fuhr. Um kurz vor 14 Uhr kam ich am Bahnhof Niederrad an, auf meinen Freund musste ich aber eine Dreiviertelstunde warten. Als dieser dann eintraf, setzten wir uns zwischen die Hochhäuser und unterhielten uns bis 16 Uhr. Dann erlaubte er mir noch, die Toilette in seinem Bürogebäude zu benutzen und verabschiedete sich wieder von mir. Ich ging zu einer Würstchenbude und nahm ein Mittagessen zu mir. Jetzt begann es schon langsam zu dämmern und ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof Niederrad zurück, wo ich in die nächste S-Bahn zum Flughafen, diesmal zum Regionalbahnhof, einstieg. Auf dem riesigen Flughafengelände zog ich mir erst das gebuchte Lufthansa-Ticket, gab dann meinen Koffer ab und ging durch die Sicherheitskontrolle. Als ich an der anvisierten Abflugstelle ankam, erinnerte ich mich, dass ich hier vor über 13 Jahren schon einmal gewesen war, als ich mit meiner Mutter nach Madrid geflogen war.
Da es bis zum Start der Maschine noch drei Stunden waren, setzte ich mich in die Nähe einer Steckdose, lud den Akku meines Smartphones auf und ging ein weiteres Kapitel im Portugiesisch-Buch durch. Zwischendurch holte ich mir noch eine Laugenbrezel und eine Landjäger-Wurst für völlig überteuertes Geld an einem der Imbissstände. Um 20:40 Uhr war dann endlich Einlass.
Das Flugzeug war vollbesetzt bis auf den letzten Platz, wobei der Großteil der Passagiere offenbar portugiesisch war. Der Kapitän bat uns, das viele Handgepäck bestmöglich zu verstauen, da man andernfalls eine Umladung vornehmen musste, was unweigerlich zu einer Verzögerung des Starts geführt hätte. Ich saß zwischen zwei Männern, mit denen ich ein paar Worte auf Englisch wechselte. Mein linker Sitznachbar bekreuzigte sich, als es dann endlich losging.
Beim angebotenen Getränk entschied ich mich für Bier, um den Flug damit besser überstehen zu können. Das Essen schmeckte mir natürlich nicht. Nach über zweieinhalb Stunden kamen wir pünktlich um 22:50 Uhr Ortszeit in Porto an, wo die Zeit – verglichen zu Deutschland – um eine Stunde hinterherhinkt.
Ich musste ziemlich lange auf meinen Koffer warten und so war es schon 23:30 Uhr, als ich die Ankunftshalle verließ und mich auf den Weg zur unterirdischen Metrostation machte. Beim Verlassen der Halle bekam ich einen Stadtplan von Porto geschenkt, den ich dankend annahm. Einen Reiseführer hatte ich vorher nicht gekauft, lediglich den Weg von der Metrostation zu meiner Unterkunft hatte ich mir über googlemaps ausgedruckt.
Ein Angestellter half mir beim Kaufen einer Fahrkarte im Wert von 2,35 Euro. Dann stieg ich in die Metro ein, welche wenige Minuten später losfuhr. Unterwegs unterhielt ich mich mit einem Ehepaar aus Kassel, das in Porto einige Tage Urlaub machen wollte. Die Metro in Porto muss man sich als eine etwas breitere Form einer Straßenbahn in Deutschland vorstellen. Sie fährt ober- und unterirdisch.
Bei der Station „24 de Agosto“ stieg ich aus. Der direkte Weg zu meiner Unterkunft wäre nicht weit gewesen, aber leider ging ich in die falsche Richtung und tat mir bei der Orientierung schwer. Schließlich halfen mir ein paar Jugendliche, mit denen ich mich auf Englisch unterhielt. So kam ich gegen halb eins am Gebäude an. Die Angestellte zeigte mir das Doppelzimmer im ersten Stock, welches eine Art Ehebett enthielt. Eine zweite Person sollte während meines Aufenthalts aber nicht hier wohnen. Ich hatte volle Kontrolle über den Zimmerschlüssel und somit ein Zimmer für mich allein, welches mich für drei Nächte gerade einmal 36 Euro kostete. Leider lag es an einer Straßenkreuzung und war durch seine Lage im ersten Stock direkt an der Lärmquelle. Trotzdem konnte ich einigermaßen schlafen.
Tag 2: Samstag, 1.11.2014
Ich wurde gegen sieben Uhr wach, ging in das öffentliche Badezimmer und duschte. Dann zog ich mich an. Mein erstes Ziel war es, etwas Essbares zu bekommen. Ich ging nun auf direktem Weg zur Metrostation, was keine fünf Minuten dauerte. Dort kaufte ich ein Tagesticket und fuhr eine Station. Hier war ich nun an einem Wochenmarkt, wo ich mir erst zwei Birnen und dann drei Brötchen kaufte. Die Verkäuferin der Brötchen musste mir den Preis dreimal in verschiedenen Sprachen sagen, bevor ich verstand, dass ich tatsächlich nur 24 Cent bezahlen musste.
Nun machte ich mich auf den Weg zur Marathonmesse, um meine Startunterlagen abzuholen. Das Gebäude war am nördlichen Ufer des Flusses, des Rio Douro, der vom Mittelmeer ins Festland hineinführt. Bis zur Öffnung um zehn Uhr musste ich aber noch eine halbe Stunde warten. Diese Zeit nutzte ich, um mir einen kleinen Überblick zu verschaffen. Der Fluss liegt extrem tief, die Felswände führen steil hinauf. Ganzen unten am Fluss sind aber auch Häuser, jedoch muss man ins Festland hinein steil bergauf gehen. Dieser Sachverhalt führt dazu, dass eine der bekanntesten Brücken, die „Ponte D. Luís“ aus zwei Ebenen besteht, wobei die obere Ebene weit höher als die untere Ebene liegt.
Um zehn Uhr trat ich nun in das Gebäude ein, in welchem die Messe war. Ich legte meinen Ausweis vor und erfuhr daraufhin meine Startnummer. Diese konnte ich mir an einer anderen Stelle abholen. Am nächsten Stand musste ich meine erwartete Zielzeit angeben, woraufhin ein bestimmter Aufkleber auf der Nummer befestigt wurde. Ein Gutschein für eine Pastaparty am heutigen Tag war auch vorhanden.
Beim nächsten Stand bekam ich ein T-Shirt und einen Rucksack. Ferner wurde mir erklärt, dass ich im Ziel ein weiteres Finishershirt bekommen sollte. Das war Einiges für 35 Euro! Sowohl Start als auch Ziel des Marathons sollten übrigens an ganz anderen Orten sein.
Ich fuhr wieder in mein Hotel zurück und legte nun die Jacke und den Pullover ab, da es doch recht warm geworden war. Ich hatte leider nicht nachgefragt, wo genau die Pastaparty stattfinden sollte. Ahnungsvoll fuhr ich noch einmal zur Messe, wo ich im Keller fündig wurde. Ich bekam ein Brötchen, einen Apfel, ein Getränk und eine Portion Spaghetti Bolognese. Auch dies war bereits alles im Startgeld enthalten. Leider machte hier im Keller eine Musikband solchen Lärm, dass ich mir die Ohren zuhalten musste.
Nach dem Essen betrat ich die obere Etage der Brücke „Ponte D. Luís I“. Als ich dann bemerkte, dass der Boden dieser Brücke aus mehreren nebeneinandergelegten Platten bestand, durch deren Schlitze man nach unten in die Tiefe blicken konnte, wurde mir so schwindlig, dass ich zitternd versuchte, so schnell wie möglich wieder das Festland zu erreichen. Ich stieg in die Metro und fuhr zum Stadion des FC Porto. Hier wollten mir ein paar junge Männer ein verbilligtes Ticket für das heutige Abendspiel „FC Porte – Nacional Funchal“ aufschwatzen, aber ich lehnte ab, da ich den Leuten nicht traute. Außerdem sollte das Spiel erst um 21:15 Uhr beginnen und ich hatte schon diese Nacht nicht lange genug geschlafen.
Glücklicherweise fand ich wenige Meter von meiner Unterkunft entfernt einen kleinen Supermarkt, wo ich mir Brötchen, Rama (in Portugal „Planta“ genannt), Salami und Plastikmesser kaufen konnte. So konnte ich mir auf meinem Zimmer ein günstiges Abendessen machen und musste nicht nach einem Restaurant suchen. Um 21 Uhr legte ich mich schlafen.
Tag 3: Sonntag, 2.11.2014
Ich hatte den Wecker auf sieben Uhr gestellt, da ich davon ausging, dass der Marathon um neun Uhr starten würde. Mit absoluter Sicherheit war dies aus dem Informationsheft gar nicht hervorgegangen. Dort hatte ich lediglich gelesen, dass das Family-Race über 16 Kilometern um neun Uhr und der Mini-Marathon über sechs Kilometern um halb elf Uhr starten sollten. Ich frühstückte die verbliebenen Brötchen, welche ich gestern im Laden gekauft hatte, zog mich um und machte mich um zehn Minuten nach acht Uhr auf den Weg. Da in meinem Zimmer kein Mülleimer war, steckte ich den angefallenen Abfall in eine Plastiktüte und trug ihn bis zur Metrostation, um ihn dort artgerecht getrennt zu entsorgen. Ich hatte im Starterbeutel nur meinen Reisepass, einen Stadtplan, ein bisschen Geld und die Baseball-Kappe dabei, welche auch in den Startunterlagen dabei gewesen war. Der Beutel sollte nach dem Start zum vier Kilometer entfernten Zielbereich transportiert werden. Duschen wollte ich erst wieder in meiner Unterkunft
Leider hatte ich nicht bedacht, dass ich ein bereits benutztes Metroticket neu aufladen und dabei Geld sparen konnte. In der Station musste ich daher ein ganz neues Einzelticket kaufen. Dann ging ich zum Gleis hinunter. Es war zwar Sonntagmorgen, aber zwischen meiner Start- und Zielstation verkehrten insgesamt fünf unterschiedliche Metrolinien, so dass ich nicht lange auf die nächste warten musste. Beunruhigenderweise sah ich in der Metro zunächst nur Läufer mit Startnummer für den Family-Race. Als wir dann jedoch an der Station „Casa da música“ ausstiegen, erblickte ich schon zahlreiche Läufer mit einer roten Startnummer, welche für den Marathon stand. Wie viele Teilnehmer bei dieser Disziplin starteten, konnte ich nicht sagen.
Ich war bereits in Läuferkleidung unterwegs. Obenrum trug ich das Trikot vom Berliner Halbmarathon aus dem Jahr 2010. Auf der Startnummer, in welcher auch der Zeitmess-Chip integriert war, war übrigens die Nationalität mit einer Flagge gekennzeichnet. Somit konnte jeder Passant sehen, dass ich Deutscher war. Auffällig war auch der hohe Anteil der Franzosen unter den Teilnehmern.
Ich unterhielt mich auf Englisch mit einem Portugiesen, der heute seinen ersten Marathon laufen wollte. Wenn ich ihn richtig verstanden hatte, so hatte er für diese Veranstaltung gerade einmal 20 Euro Startgeld bezahlt, da er sich sehr früh angemeldet hatte. Wir gingen zusammen am Placa Mousinho Albuquerque vorbei und kamen so an die Startgeraden. Der Start sollte von Süd nach Nord erfolgen. In LKWs konnten wir unsere Taschen abgeben. Ich hatte nur an den Brustwarzen Pflaster angebracht, an den Füßen nicht. Zur Sicherheit hatte ich aber einige Pflaster mitgenommen, die ich während des Rennens in der Hosentasche mit mir trug.
Ich lief mich ein bisschen warm und stellte mich dann, um zehn Minuten vor neun Uhr, in die Startgeraden, und zwar in den Abschnitt B, für den ich wegen meiner erwarteten Zielzeit eingeteilt war. Ich sah jetzt nur Läufer mit roter Startnummer, erfuhr aber später, dass Marathon und 16-Kilometerlauf zusammen auf dieser Geraden gestartet waren. Über uns flogen Drohnen, die offenbar die Aufgabe hatten, Bilder von uns aufzunehmen. Ich unterhielt mich mit einem französischen Pärchen und um neun Uhr ging es dann los. Das Wetter schien angenehm zu sein. Es war noch nicht zu warm, aber leider schien die Sonne ein bisschen stärker. Dies sollte aber zunächst nicht stören, da wir auf den ersten Abschnitten die Sonne im Rücken hatten.
Für bestimme Zielzeiten gab es Pacemaker , darunter auch einige für 3:15 und für 3:30 Stunden. An letzteren wollte ich mich orientieren. Eine neue Bestzeit war nicht ausgeschlossen, wenn es heute nicht allzu warm werden sollte. Beim Start war ich noch hinter den Pacemakern für die Dreieinhalbstundenmarke. Es ging nun nach Norden, so dass wir die Sonne im Rücken hatten. Dann kamen wir an den runden Platz, der eine Wiese beinhaltete und in dessen Mitte ein großes Denkmal stand. Um den runden Platz herum führte ein großer Verkehrskreisel. Wir umliefen den Platz in etwa zur Hälfte und bogen dann nach Westen auf eine Hauptverkehrsstraße ab. Hier kamen wir nun an der Casa da Música vorbei, einem architektonisch sehr auffälligen Gebäude.
Der Weg führte nun an dieser Hauptstraße geradeaus. Auf der rechten Seite sah ich einen großen McDoof. Dies fiel mir auf, da ich bisher in Porto keine Niederlassung dieser Art gefunden hatte. Ansonsten waren hier nur große Plattenbauten, in denen Menschen wohnten, oder die zum Verkauf standen, da ich an vielen Wänden die Aufschrift „Vende-se“ mit einer Telefonnummer lesen konnte.
Wir verließen diese Hauptstraße nur für einen kurzen Abstecher auf eine etwas weiter nördlich gelegene Straße. Hier kamen wir ebenfalls durch ein Wohngebiet und nun fiel mir erst richtig auf, dass es hier kaum Zuschauer gab. Ich hatte gelesen, dass die Portugiesen relativ lang schlafen und auch spät zur Arbeit gehen. Da konnte man nicht erwarten, dass sie am Sonntag früh aufstanden, nur um beim Marathon zuzusehen.
Als wir wieder auf der eigentlichen Hauptstraße ankamen, überquerten wir den Autobahnring, der einmal durch Porto führt. Dieser Autobahnring führt in einem großen Rundkurs durch Porto, wobei der Rio Douro zweimal überquert wird. Ich beobachtete nun, wie zwei der Pacemaker für die 3:30-Stundenmarke ihre Luftballonseile voneinander lösten, die sich ineinander verheddert hatten. Dabei überholte ich diese Läufer, musste später jedoch sehen, wie einer der beiden wieder an mir vorbeisprintete. Wenig später hatte ich ihn allerdings erneut überholt. Ich lief eine Zeit von 4:50 Minuten pro Kilometer.
Nach fünf Kilometer war der erste Verpflegungsstand erreicht. Hier gab es zunächst nur Wasser zu trinken, welches in Plastikflaschen serviert wurde. Ich nahm eine Flasche, trank sie halbleer und wollte sie dann in hohem Bogen in einen der Müllcontainer werfen, die dafür vorgesehen waren. Leider zielte ich nicht genau genug und traf einen anderen Läufer, der auf dem Bürgersteig war. Glücklicherweise bekam er dies gar nicht richtig mit.
Nun kamen wir an den Stadtpark, welcher zur rechten Seite lag. Hier sollte später das Ziel sein. Schon jetzt mussten wir durch einige aufgeblasene Tore hindurchlaufen, die auf dem Rückweg den Zielbereich markieren sollten. Dann ging es leicht bergab, bis wir an die Atlantikküste kamen. Hier war erneut ein großer Platz mit einer Reiterstatue. Der Reiter hielt ein Kreuz in der Hand. Der Platz war rund und ebenfalls von einem Verkehrskreisel umgeben, den wir während des Marathons einmal komplett umlaufen sollten. Jetzt nahmen wir die erste Ausfahrt, sodass wir nach Norden liefen. Den Stadtpark, der etwas unterhalb lag, hatten wir zu unserer rechten Seite.
Nach wenigen Metern kamen wir erneut an einen Verkehrskreisel. An den Seiten waren große Pfeiler, die eine Art Netz hielten, welches über diesen Platz gespannt war. Wir liefen weiter nach Norden und kamen nun durch eine etwas engere Straße. Die Atlantikküste war nicht mehr sichtbar. Die Straße war durch Verkehrshütchen in zwei Hälften geteilt, da sie auch den Rückweg bildete. Tatsächlich kam uns nun das Führungsfeld, bestehend aus mehreren dunkelhäutigen Sportlern, entgegen.
Wir verließen nun das Wohngebiet und kamen an eine Straße mitten im Grünen, die neben der blauen Metrolinie entlangführte. Ich verlor hier ein Taschentuch und machte mir die Mühe, dieses aufzuheben, wobei ich fast mit einem der Hintermänner kollidierte. Nun konnte ich auch das Feld vor mir sehen. Die Pacemaker für 3:15 Stunden hatten auf mich bereits einen Vorsprung von einigen Minuten. Dann hatten wir die Endhaltestelle der Metrolinie erreicht und kamen kurz darauf auch an den Wendepunkt. Die nördlichste Stelle des Kurses hatten wir damit hinter uns.
Jetzt, wo es nach Süden ging, hätten wir die Sonne eigentlich im Gesicht gehabt. Aber das Wetter hatte sich verändert. Es waren dichte Wolken aufgezogen, ohne dass es regnete. Somit konnte ich also unbeschwert den Marathon fortsetzen und das dichtgedrängte Feld hinter mir sehen.
Vor mir beobachtete ich einen Mann in den mittleren Jahren, der offenbar auch Deutscher war. Tatsächlich erkannte ich beim Überholten die deutsche Flagge auf seiner Startnummer. Dem Trikot zufolge, auf welchem eine mit einer Sieben beginnende Postleitzahl aufgedruckt war, ließ mich vermuten, dass er Schwabe war.
Im Wohngebiet wurde es nun wieder enger, da die Straße hier geteilt war und uns viele langsamere Läufer entgegenkamen. Als wir dann wieder die Atlantikküste erreichten, fiel mir rechts hinter uns ein sehr merkwürdiges Gebäude auf, das an der Küste stand. Es hatte eine unbeschreibliche Form, war aber sehr weit von der Strecke entfernt.
Schließlich kamen wir zum zweiten Mal an den Kreisel mit der Reiterstatue. Hier trennten sich die Wege. Die Teilnehmer des 16-Kilometerlaufes mussten nach links abbiegen, um zum Stadtpark zurück ins Ziel zu laufen. Die Marathonis mussten geradeaus nach Süden an der Atlantikküste entlang. Nun sah ich, dass der deutsche Läufer vor mir einige Fans hier stehen hatte. Diese begrüßten ihn in schwäbischen Dialekt.
Bei Kilometer 15 gab es wieder etwas zu trinken. Die Verpflegungspunkte waren gleichmäßig verteilt. Alle fünf Kilometer gab es Wasser. Im Küstenbereich konnte man einige große Felsen sehen, an denen sich die Wellen brachen. Zuschauer waren hier aber nur wenige.
Schließlich erreichten wir die Stelle, wo der Rio Douro in den Atlantik mündet. Wir liefen am Fluss entlang und nahmen nun Kurs auf die Innenstadt von Porto. Wir kamen unter der ersten Brücke vorbei, welche einen Teil der Autobahn bildete, die durch Porto führt. Diese Brücke ist extrem hoch.
Nun war die Halbmarathondistanz absolviert. Ich hatte in etwa eine Zeit von 1:42 Stunden benötigt. Im Gegensatz zum Baden-Marathon vor sechs Wochen schmerzten meine Beine aber noch nicht. An der linken Ferse merkte ich, dass sich eine Blase bildete. Ein Pflaster schien aber noch nicht nötig zu sein und ich wollte versuchen, erst einmal durchzuhalten, um eine neue mögliche Bestzeit nicht zu gefährden.
Nun begann der Bereich, den ich schon gestern erkundet hatte. Wir kamen auf die Brücke, welche ein Stück auf dem Rio Douro entlangführt. Hier konnten wir den Abschnitt benutzen, welcher für die Autos bestimmt ist. Der Boden beim eigentlichen Fußgängerbereich besteht aus Gittern, durch die man ins Wasser sehen kann, wenn man nach unten schaut.
Als wir wieder das richtige Festland betraten, kamen wir an der Marathonmesse vorbei, die heute geschlossen war. Die Startunterlagen hatten man sich spätestens am Samstag abholen müssen. Nun waren wieder mehr Zuschauer sichtbar. Eine Band spielte neben dem Messegebäude laut Musik. Auf der anderen Seite des Flusses konnten wir das Läuferfeld vor uns sehen. Das Spitzenfeld kam uns jetzt entgegen. Ich sah zwei Männer, die sich um den dritten Platz stritten, während der Führende schon einen großen Vorsprung hatte.
Als nächstes kamen wir in die Altstadt. Es ging an einer Stelle richtig steil bergab und dann waren wir in einer engen Straße am Fluss, auf welcher der Markt aufgebaut war. Hier gab es Zelte, an denen verschiedene Sachen verkauft wurden. Am Ende dieses Abschnitts ging es wieder ein Stückchen bergauf und gleich dahinter nach rechts. Nun waren wir auf der berühmten „Ponte da Lúiz I“, allerdings auf der unteren Ebene, die für Fußgänger und Autos vorgesehen ist. Die zweite Etage konnte ich weit über mir sehen, wenn ich den Kopf hob.
Sofort als wir das andere Ufer erreicht hatten, bogen wir rechts ab, so dass wir wieder am Ufer entlangliefen. Inzwischen war die Sonne wieder hervorgekommen. Wir kamen durch eine breite Straße hindurch, in welcher viele Cafés waren. Auf dem Rio Douro konnte man nun zahlreiche Kähne sehen, die jeweils mit sechs Fässern beladen waren.
Nach und nach kam uns das Feld vor uns entgegen. Da dieses Feld aber schon relativ weit auseinandergezogen war, wurde es nicht allzu eng. Bei Kilometer 25 nahm ich mir erstmals etwas zu essen. Getrocknete Aprikosen gab es hier - im Gegensatz zum Valencia-Marathon- nicht. Stattdessen konnte ich mir Rosinen zu essen nehmen. Ich sah einen nicht gerade umweltbewussten Läufer vor mir, der die leere Wasserflasche einfach in den Fluss warf. Auf der anderen Seite des Flusses konnte ich das Läuferfeld hinter uns sehen.
Die Autobahnbrücke wurde erneut unterquert. Nun waren wir schon fast wieder am Atlantik, bevor wir dann den Wendepunkt erreichten. Den schwäbischen Läufer vor mir hatte ich langsam aus den Augen verloren, da ich mit der Geschwindigkeit ein bisschen nachgelassen hatte. Es war auch inzwischen deutlich wärmer geworden und ich musste mir immer wieder den Schweiß von der Stirn wischen. Langsam spürte ich auch, wie meine Beine schwer wurden.
Nun kam der Rückweg. Die Straße war erneut zweigeteilt und ich konnte sehen, dass sich um den Pacemaker für die 3:45-Stundenmarke eine dicke Läufertraube gebildet hatte. Als wir wieder im Bereich mit den vielen Cafés waren, sah ich, dass viele der Anwohner bereits jetzt, also gegen halb zwölf Uhr, Rotwein tranken.
Nun ging es wieder über die Ponte da Lúiz I. Auf der anderen Seite bogen wir aber nicht in die enge Gasse ein, in welcher sich der Markt befand, sondern liefen ein bisschen weiter rechts versetzt durch einen langen Tunnel. Als wir diesen wieder verließen, trafen wir auf den Weg, den wir bereits hergelaufen waren. Ich sah nun, wie die beiden hintersten Läuferinnen von einem Rettungsfahrzeug begleitet wurden. Nun nahmen wir Kurs auf das Ziel. Es ging wieder am Rio Douro entlang, auf dessen anderen Ufer das Läuferfeld hinter uns sichtbar war. Die zahlreichen Pflastersteine waren ein bisschen unangenehm zu laufen. An der Marathonmesse wurde immer noch Musik gespielt. Dann passierten wir wieder die Brücke, welche ein bisschen über den Fluss hinwegführt. Später kamen wir wieder unter der Autobahnbrücke hindurch und als dann die Atlantikküste erreicht wurde, sahen wir wieder einige Zuschauer und die Wellen, welche sich an den Felsen brachen.
An einer etwas breiteren Stelle der Straße war ein Feuerwehrwagen aufgestellt. Aus einem Schlauch kam eine Wasserfontäne. Ich nahm meine Brille vom Gesicht, versteckte sie unter meinem Trikot und hielt das Gesicht in den Wasserstrahl. Dabei wurde auch die Rückseite meines Trikots nass, welches nun an meinem Rücken klebte. Mein Eindruck war, dass mich dies ein bisschen schneller machte, weil ich das Gefühl hatte, von hinten geschoben zu werden.
Ich wollte auf den letzten drei Kilometern noch einmal ein bisschen schneller machen. Ein Pflaster hatte ich immer noch nicht auf die Verse auftragen müssen. Ich kam kurz nach Kilometer 40 zum letzten Mal an den Verkehrskreisel mit der Reiterstatue. Von hier aus ging es nun nach rechts in die Straße neben dem Stadtpark hinein. Leider musste ich hier einen beschwerlichen Weg bergauf laufen, aber ich wusste nun, dass eine neue Bestzeit möglich war. Je näher wir den aufgeblasenen Toren kamen, desto mehr Zuschauer standen am Rand. Der Weg wurde dadurch immer enger und die Lautstärke stieg an. Als ich das letzte Tor hinter mir hatte, bog ich links ein. Ich hatte den schwäbischen Teilnehmer nun fast wieder eingeholt, da kam ich bei einer Nettozeit zwischen 3:27 Stunde und 3:28 Stunden über die Ziellinie.
Wenige Meter dahinter ließ ich mir die Medaille geben. Sie war sehr groß und mit allen relevanten Details versehen. Ich nahm mir Obst und Getränke und bekam dann noch einen Beutel in die Hand gedrückt. Dieser war ziemlich schwer. Er enthielt nicht nur das blaue Finisher-Trikot, sondern auch eine ganze Flasche Portwein. Ich staunte immer mehr, wieviel ich für die Startgebühr von 35 Euro erhalten hatte.
Ich sah die LKWs, welche mit den Starterbeuteln hierhergefahren waren. Ich ließ mir meinen Beutel aushändigen. Duschen wollte ich erst in meiner Unterkunft. Zufällig hörte ich, wie ein Teilnehmer nach den Bussen fragte, die zum Startbereich fahren sollten. Ich ging ihm hinterher und kam zu der Hauptstraße, die wie kurz nach dem Start abgelaufen waren. Hier standen die Busse bereit. Ich setzte mich, obwohl ich verschwitzt war, auf einen der Sitze, da ich nicht mehr stehen konnte. Dann ging die Fahrt los. Nach einer Viertelstunde waren wir bei der Casa da música. Ich ging zur Metro und fuhr zu meinem Hotel, wo ich duschte und mich umzog. Jetzt zog ein fürchterliches Gewitter auf. Welch ein Glück, dass ich jetzt nicht mehr am Laufen war.
Später ging ich noch ein bisschen in die Innenstadt und nahm ein Abendessen bei McDoof zu mir. Zusätzlich kaufte ich in einem Supermarkt, der sonntags offen hatte, einige Hot-Dog-Brötchen und Salami. Ich legte mich gegen zehn Uhr schlafen.
Tag 4: Montag, 3.11.2014
Ich stand gegen acht Uhr auf, duschte und frühstückte die Hot-Dog-Brötchen. Muskelkater hatte ich vergleichsweise wenig. Ich packte meinen Koffer, wobei ich vor allem die Portwein-Flasche sicher verstaute. Dann gab ich den Zimmerschlüssel ab und ging zur Metrostation. Die Linie E zum Flughafen fährt nur alle 20 Minuten. Die Fahrt dauerte über eine halbe Stunde. Dann konnte ich mir den Flughafen noch einmal bei Tageslicht anschauen. Sogar den schwäbischen Läufer sah ich im Sicherheitsbereich wieder.
Das Flugzeug startete gegen 13 Uhr und kam gegen 16:20 Uhr in Frankfurt an. Leider fiel mein eigentlicher Zug vom Fernbahnhof aus. Ich musste mit einem anderen ICE bis zum Hauptbahnhof fahren und dort in einen Ersatz-Intercity nach Hannover einsteigen. Dieser fuhr verspätet ab und konnte auf der Schnellstrecke ab Kassel nicht die Geschwindigkeit eines ICEs erreichen. Die Folge war, dass ich den Anschlusszug in Hannover verpasste. Ich musste vierzig Minuten lang auf den Regionalexpress warten und kam gegen halb ein Uhr, ein Stunde später als geplant, zu Hause an.

Halbmarathon Braunschweig 2014-10-26

Der einhundertundsiebte Halbmarathon meines Lebens.
Die Braunschweiger Lauftage.
Der Braunschweiger Lauftag wird offenbar jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober veranstaltet. 2010 bis 2012 hatte ich immer teilgenommen und den Halbmarathon absolviert, beim ersten Mal war ich sogar von Fallersleben aus mit dem Fahrrad dorthin- und wieder zurückgefahren. Im letzten Jahr fiel die Veranstaltung mit dem Oldenburg-Marathon zusammen, welchem ich den Vorzug gab. So trat ich erst nach einem Jahr „Pause“ wieder in Braunschweig an. 2010 hatte ich mit den Startunterlagen noch ein Trikot der Veranstaltung bekommen, für das ich in den Folgejahren extra hätte bezahlen müssen und daher verständlicherweise darauf verzichtet hatte. Nun, im Jahr 2014, dachte ich mir, dass das Trikot aus dem Jahr 2010 eine angemessen Kleidung für den Wettkampf wäre und legte es bereit. Mein Magenproblem schien übrigens nicht mehr zu bestehen.
Dank der Zeitverschiebung konnte ich eine Stunde länger schlafen. Leider hatte die Deutsche Bahn ihren Fahrplan geändert und der Fernverkehrszug, welcher sonst immer um kurz nach acht Uhr am Bremer Hauptbahnhof losfuhr, stand nicht mehr zur Verfügung. Ich musste also schon um fünf Uhr (Winterzeit) aufstehen und frühstücken, um dann um 6:30 Uhr die Straßenbahn zum Bahnhof Walle zu nehmen.
Von Walle aus nahm ich die erste Nordwestbahn, welche zum Bremer Hauptbahnhof und von dort aus weiter nach Verden an der Aller fuhr. Kurz vor dem Zielbahnhof sprach mich ein junger Mann mit Bibel in der Hand an, welcher mir vorwarf, sonntags nicht in den Gottesdienst zu gehen. Seiner Meinung nach würde Gott mich dafür beim Jüngsten Gericht bestrafen können. Zu meiner Schande musste ich gestehen, dass ich den Gottesdienst nicht wegen der Arbeit, sondern aus rein freizeittechnischen Gründen ausließ.
In Verden stieg ich dann in den Regionalexpress nach Hannover ein. Bereits in Wunstorf stieg ich allerdings wieder aus, nachdem die beiden Zugbegleiterinnen mir gesagt hatten, dass der Regionalexpress nach Braunschweig auch in Wunstorf halten würde. In Wunstorf warb ich eine junge Frau an, die ich auf mein Ticket für einen Euro nach Hannover mitnahm. Nach kurzem Aufenthalt in Hannover fuhr der Zug weiter nach Braunschweig, wo er gegen 9:40 Uhr ankam. Soweit ich informiert war, sollte der Start des Marathons um zehn Uhr sein und zum selben Zeitpunkt sollten auch einige der Halbmarathonis starten. In den letzten Jahren gab es 200 Halbmarathon-Startplätze um zehn Uhr und weitere 500 um elf Uhr.
Ich ging auf den Bahnhofs-Vorplatz, wo ich auf die nächste Straßenbahn in die Innenstadt wartete. Wie ich früher schon berichtet hatte, ist die Innenstadt in Braunschweig ein wenig vom Bahnhof entfernt. Ich fuhr drei Station bis zum Schlossplatz, von welchem ich in die Fußgängerzone gehen konnte. Auf dem altbekannten Platz sah ich, wie um zehn Uhr der Start des Marathons und offenbar auch der Start einiger Halbmarathonläufer war. Zehn Minuten später sollte der Start der Zehn-Kilometerläufer sein.
Ich holte die Startunterlagen ab, welche nur aus der Startnummer und den Zeitmesschips bestanden, die ich an beiden Schuhen anzubringen hatte. Dann ging ich zu dem Schulgelände, wo jedes Jahr Umkleide, Duschen und Taschenabgabe war. Auf dem Schulhof nahm ich zunächst mein mitgebrachtes Brot zu mir. Dann ging ich in die Umkleidekabine und zog mich komplett um. Meine Tasche gab ich in der Turnhalle ab und suchte dann noch einmal die Toilette ab. Ich dehnte meine Beine ein bisschen und joggte dann in die Fußgängerzone, wo der Startbereich war. Hier sah ich, dass es (wie in den Jahren zuvor) alkoholfreies Pils für die Finisher gab.
Die Startlinie war direkt neben den aufgebauten Stühlen und Tischen eines Restaurants. Ich stellte mich so weit nach vorne, wie ich es für richtig hielt. Nun sah ich, dass das eine meiner Brustwarzenpflaster nicht stabil genug angebracht war. Ich nahm nun eines meiner beiden Ersatzpflaster zur Hand und klebte es senkrecht zum eigentlichen Pflaster auf. Während dem Rennen sollten nun keine Probleme mehr auftauchen.
Um Punkt elf Uhr ging es los. Ich hatte die Startlinie schnell hinter mir und bog dann rechts in einen Seitenweg der Fußgängerzone ein. Es ging hier noch relativ eng zu und ich überholte einen Mann, der einen komplett umhüllten „Babyjogger“ vor sich herschob, in dem tatsächlich ein kleines Kind saß. In der Fußgängerzone musste man auf „Straßenpfosten“ aufpassen, die mitten im Weg standen. Am Ende der Fußgängerzone kamen wir an den Theaterplatz, wo uns Verkehrshütchen den Weg wiesen. Von dort aus ging es durch die Innenstadt. Ich erkannte hier die Stelle mit den Straßenbahnschienen, wo ich vor vier Jahren mit dem Fahrrad entlanggefahren war und nach dem Veranstaltungszentrum gesucht hatte. Ein Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes wies uns den Weg, welcher in einer scharfen Linkskurve in den Bürgerpark hineinführte.
Das Teilnehmerfeld war inzwischen weit auseinandergezogen. Wir kamen nun in einen Park (meiner Meinung nach war es der Bürgerpark), wo (wie jedes Jahr Ende Oktober) buntes Laub am Boden lag. Es ging hier einige Male bergauf und bergab. Da ich beim Herunterlaufen nicht abbremste, gelang es mir, einige Plätze gutzumachen. An einem kleinen Fluss sah ich eine Frau (mutmaßlich aus Südostasien), die professionell Enten fütterte.
Hinter dem Park ging es in ein Wohngebiet. Die Ideallinie für die Läufer war in weißer Farbe auf dem Asphaltboden aufgemalt. Nach etwa vier Kilometer war ich nun so weit vorne, dass ich an einer Abzweigung sogar schon meinem Vordermann aus den Augen verlor. Bis jetzt hatte ich knapp unter 250 Sekunden pro Kilometer benötigt. An der Strecke durch die Schrebergärten, die wir nun passierten, war an Kilometer 5,5 der erste Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Dann kamen wir an den Abschnitt, wo wir entlang einer Bahnstrecke liefen, die für den Personenverkehr offenbar schon lange stillgelegt war. Auch hier ging es ein ganzes Stück lang bergauf- und bergab. Links von uns war die Bahnlinie und rechts von uns war ein Zaun, welcher uns von einem Wald trennte. Auf den Plakaten an den Bäumen stand geschrieben, dass Lebensgefahr bestehe, wenn man den Waldbereich betreten würde.
Als wir diesen Wald endlich hinter uns hatten, erreichten wir die Stelle, wo das offene Feld im Südosten von Braunschweig begann. Hier konnte ich auch die Läufer vor mir sehen, welche nicht gerade sehr zahlreich waren. Ich stritt mich gerade mit einer Gruppe von drei Männern um den aktuellen Platz, wobei einer der drei Läufer sehr laut und unangenehm atmete. Diesen Mann wäre ich gerne losgeworden. Am Wendepunkt am Ende des Feldweges war eine Versorgungsstelle, wo ich einen Becher Wasser nahm und dann an der Hauptstraße entlang wieder auf den Ort Braunschweig zulief. Ich glaubte auch, die Stelle zu kennen, da ich hier möglicherweise vor vier Jahren bereits einmal mit dem Fahrrad von Fallersleben nach Braunschweig gefahren war.
Von der Dreiergruppe hinter mir setzte ich mich jetzt ab. Als ich dann die Hauptstraße überquerte, stoppte die Polizei die Autos und ließ mich durch. Nun ging es ein Stückchen nach unten. Ich kam an einer Stelle vorbei, wo links ein Wald war. Als ich dann rechts in einen Fahrradweg einbog, erreichte ich die zweite Versorgungsstelle, welche genau auf der halben Halbmarathonstrecke lag. Meine Verfolger hatten mich nicht mehr erreicht, aber nun ließ ich auch ein bisschen mit der Geschwindigkeit nach. Trotzdem überholte ich immer noch hin und wieder einen Teilnehmer.
Der nun folgende Abschnitt führte durch einen kleinen Wald, in welchem auch ein größerer Sportplatz war. Dann ging es ein Stückchen bergauf. Wir liefen an einer Auffahrt eines Autobahnkreuzes entlang und kamen dahinter in einen Park. Ich wusste, dass nun der Südsee nicht mehr weit war und ein Spaziergänger bestätigte mir dies. Links von uns war eine große Wiese mit Kinderspielplatz. Wir kamen unter einer Autobahnbrücke hindurch und nach einer scharfen Rechtskurve ging es über eine hölzerne Brücke, danach scharf links und nun waren wir am Südsee. An der eben passierten Kurve sollte ich am Ende der Runde um den Südsee wieder vorbeikommen.
Ich überholte jetzt nach und nach immer mehr Läufer der kürzeren Disziplinen, welche lange vor mir gestartet waren. Auf der anderen Seite des Südsees konnte ich die Läufer vor mir sehen, es waren aber offenbar nicht besonders viele. Ich überholte auch zahlreiche Läufer, welche die gleiche Startnummernfarbe wie ich hatten. Bei ihnen handelte es sich offenbar um Halbmarathonis, die einen Startplatz um zehn Uhr (also eine Stunde früher) bekommen hatten.
Ich war während des Rennens langsamer geworden, hielt eine Zeit von unter 90 Minuten aber noch für möglich. Als ich auf der anderen Seite des Sees war und mich nun wieder dem Verzweigungspunkt am nördlichen Ende näherte, überholte ich eine Frau, die das gleiche Trikot wie ich trug. Sie hatte also auch 2010 schon an dieser Veranstaltung teilgenommen. Dann kam ich wieder an den Verzweigungspunkt, wo ich diesmal geradeaus lief, unter der Autobahnbrücke hindurch,
Meinen Vordermann hatte ich teilweise schon aus den Augen verloren. Ich kam nun wieder durch einen Park hindurch und erinnerte mich, dass hier in den letzten Jahren immer ein Schild mit der Aufschrift „Jetzt noch aufgeben wäre blöd“ gehangen hatte. Dieses Schild sah ich heute leider nicht. Am Ende des Parks kam ich unter einer Brücke hindurch, dann ging es aufwärts zur Hauptstraße und von hier in die Fußgängerzone. Ich rannte noch einmal so schnell ich konnte, aber der Weg zog sich sehr weit hin. Im Start- und Zielbereich war es sehr laut und die ganze Aufmerksamkeit der Zuschauer war auf mich gelenkt. Bei etwa 90 und einer halben Minute überquerte ich die Linie.
Ich nahm mir einige Becher Getränke und ein paar Stücke Obst und suchte dann die Medaillenausgabe auf. Das diesjährige Erinnerungsstück war zwar nicht mit dem genauen Datum versehen, aber mit der Nummer der Auflage. Ich ging nun zum Schulgelände zurück, wo ich meine Tasche abholte und duschen ging. Dann zog ich mich wieder an und lief zur Straßenbahnhaltestelle, wo ich sofort die nächste Tram zum Bahnhof nahm. Hier stieg ich in den Regionalexpress nach Wunstorf ein, wo ich einen weiteren Regionalexpress nach Bremen nahm.


Mittwoch, 22. Oktober 2014

Halbmarathon Oldenburg 2014-10-19

Der einhundertundsechste Halbmarathon meines Lebens.
Der Oldenburg-Marathon.
Der Halbmarathon wird in Oldenburg seit 2009 jährlich angeboten und ich hatte dieses Angebot seitdem jedes Mal angenommen. Somit trat ich heute hier schon zum sechsten Mal an. Seit 2010 gibt es auch einen Marathon, welcher zwei Runden des Halbmarathons umfasst. Dieses Jahr war auch eine Marathonstaffel dabei, bei welcher sich mehrere Läufer die Distanz teilten. Der Zehn-Kilometerlauf umfasste drei kleine Runde.
Leider war mein Magenproblem noch nicht ganz überstanden, auch wenn die Schmerzen schon deutlich geringer geworden waren. Ein Acht-Kilometer-Sprint am Vortag hatte mir unter Beweis gestellt, dass ich im Moment wirklich nicht in Topform war. Zu allem Überfluss sollte es am Sonntag auch noch einmal sommerlich warm werden.
Ich stand um kurz nach sechs Uhr auf, frühstückte und packte meine Tasche. Für die Anfahrt nach Oldenburg hatte ich mir diesmal eine Konstellation zusammengestellt, bei der ich erst relativ spät von zu Hause losgehen musste. Ich nahm um 7:47 Uhr die Straßenbahn in die Innenstadt und stieg an der Eduard-Schopf-Allee aus, von wo aus ich zehn Minuten zu Fuß über die Weser zum Bahnhof Neustadt ging. Hier kam um 8:19 Uhr die Nordwestbahn an, in welche ich einstieg. Es saßen schon zahlreiche Läufer darin. Die Nordwestbahn war als Privatbahn von den Streiks der Lokführer nicht betroffen.
Um kurz vor neun Uhr kamen wir in Oldenburg an. Ich ging zu Fuß zum Einkaufszentrum, wo wie jedes Jahr im Erdgeschoss die Startunterlagenausgabe war. Den Großteil meiner Laufkleidung hatte ich bereits angelegt. Diesmal hatte ich darauf geachtet, die Pflaster auf meinen Brustwarzen sehr stabil festzudrücken. Obenrum trug ich das Trikot vom Weimarer Stadtlauf vom letzten Wochenende. Ich frühstückte nun noch einmal mein mitgebrachtes Brot und brachte dann meine Tasche aufs Parkdeck, wo ich sie abgeben konnte.
Jetzt waren es noch 20 Minuten bis zum Start von Marathon, Marathonstaffel, Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf. Ich lief mich kurz warm und stellte mich dann in das dichtgedrängte Feld relativ weit nach vorne. Der Moderator machte noch einmal darauf aufmerksam, dass die Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes sich auf der linken Straßenseite einordnen sollten, da nach dem ersten Kilometer die Strecken getrennt würden. Am Himmel war keine einzige Wolke und gerade hier, wo ich warten musste, blendete mich die Sonne ganz extrem.
Um Punkt zehn Uhr ging es dann los. Die Strecke war exakt die gleiche wie in den letzten Jahren. Wir machten erst eine Linkskurve und hatten dann den Stadtgraben zwischen uns und den Zehn-Kilometerläufer. Hinter der Unterführung unter den Eisenbahnschienen kamen wir an den Pferdemarkt, wo die Langstreckenläufer nun nach rechts abbiegen mussten. Im Moment konnte ich eine Zeit von 4 Minuten und 15 Sekunden halten. Es folgte nun eine Schleife durch den östlichsten Teil der Strecke. Nach zweieinhalb Kilometer konnte ich bereits einen Becher Wasser bekommen. Auf dem Rückweg konnte ich am selben Versorgungsstand erneut Wasser trinken. Jetzt sah ich auch das dichtgedrängte Feld hinter mir.
Als wir den Pferdemarkt wieder erreichten, bogen wir erneut nach rechts ein auf die Schleife in den Oldenburger Norden. Hier gab es nur vereinzelte Anwohner, die uns zujubelten. Auf dem Rückweg kamen wir ein letztes Mal am Pferdemarkt an und machten uns nun auf die große Runde durch den Oldenburger Westen. Acht Kilometer hatte ich jetzt schon hinter mir und das Feld war schon weit auseinandergezogen. Unter den Läufern sah ich nun auch schon Marathon-Staffel-Teilnehmer, die den zweiten Teil der Strecke absolvierten, da am Pferdemarkt der erste Wechselpunkt gewesen war. Die Sonne störte nicht allzu sehr, da wir kaum gegen sie zu laufen hatten. An einigen Stellen spürte ich allerdings den starken Gegenwind.
Bei Kilometer zehn war die Stelle erreicht, wo wir rechts abbogen und entlang der Fernverkehrsstraße liefen. Ich hatte für diesen Abschnitt 42,5 Minuten benötigt. Leider baute ich jetzt mit der Geschwindigkeit ab.
Besonders an der Stelle, wo wir die Unterführung nehmen mussten, konnte ich beim folgenden Hinauflaufen nur sehr langsam machen. Die Hitze spürte ich gar nicht allzu sehr, aber ich merkte einfach, dass ich noch ein bisschen geschwächt war. Kurz vor der Zielgeraden war ich so einsam unterwegs, dass der Kommentator auch meinen Namen durchgab. Bei einer Zeit von knapp über 1:32 Stunden überquerte ich die Ziellinie.
Ich ließ mir die Medaille umhängen, welche mit der des letzten Jahres nahezu identisch war. Lediglich das Datum war angepasst worden. Auf der anderen Seite des Verpflegungszeltes gab es – wie jedes Jahr – den Laib Brot der Bäckereikette Müller & Egerer. Ich ging ins Einkaufszentrum und auf das Parkdeck, um meine Tasche abzuholen. Die Duschen befanden sich dort, wo sie immer waren. Hier wimmelte es noch von Läufern der 10km-Distanz.
Ich duschte und ging dann zum Zug. Ich konnte um 12:35 den leicht verspäteten Regionalexpress nach Bremen nehmen, der nicht bestreikt wurde. Gegen 14 Uhr war ich wieder zu Hause.



Samstag, 18. Oktober 2014

Halbmarathon Weimar 2014-10-11

Der einhundertundfünfte Halbmarathon meines Lebens.
Der Weimarer Stadtlauf.
Für dieses Wochenende war es mir nicht leicht gefallen, eine passende Veranstaltung zu finden. Neben des (Halb-)Marathon in München wäre nur noch die Veranstaltung in Eindhoven möglich gewesen, zu welcher sich aber die Anfahrt als schwierig gestaltet hätte. Zum Glück war ich im Internet auf den Stadtlauf in Weimar gestoßen, welcher bereits am Samstagmittag stattfinden sollte. Die Hauptläufe waren ein Halbmarathon und ein Zehn-Kilometerlauf. Auch die Anfahrt am selben Tag war möglich, weshalb ich keine Übernachtung buchen musste.
Ich stand am Samstagmorgen um fünf Uhr auf, duschte und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche und ging zur Straßenbahn. Um kurz nach sieben Uhr kam ich am Bremer Hauptbahnhof an, wo um Viertel nach Sieben der ICE in den Süden losfuhr. Um neun Uhr stieg ich in Göttingen aus. Hier ging ich in einen asiatischen Imbiss und nahm ein paar Nudeln zu mir. Der Regionalexpress, welcher mich nun nach Weimar bringen sollte, fährt nur alle zwei Stunden in die tiefste Ossi-Provinz bis nach Glauchau. Der Zug startete um acht Minuten nach zehn Uhr. Er hielt u.A. in Erfurt und Mühlhausen. Während der Fahrt aß ich noch mein mitgebrachtes Brot. Leider waren meine Magenbeschwerden immer noch vorhanden un außerdem schien ich eine ganz leichte Erkältung zu haben, da meine Nase ein bisschen stärker am Laufen war. Nach zwei Stunden kamen wir schließlich in Weimar an.
Ich hatte mir den Weg vom Bahnhof zum Veranstaltungszentrum zuvor auf googlemaps angeschaut. Ich musste einen Kilometer nach Süden laufen, wobei es stark abwärts ging. Neben dem Stadtlauf war auch noch der gutbesuchte Zwiebelmarkt aufgebaut. Am Veranstaltungszentrum blieb mir nicht mehr allzu viel Zeit, da ich mich auch noch umziehen musste. In den Startunterlagen war sogar ein Trikot vom Stadtlauf, aber leider keine Sicherheitsnadeln. Eine andere Läuferin schenkte mir drei Stück. Im Keller der Halle konnte ich mich umziehen und dann meine Tasche abgeben. Ich trug obenrum das Trikot vom Nürnberger Sportcheck-Lauf und hatte auf meine Brustwarzen sehr große Pflaster gesetzt, um zu verhindern, dass es hier erneut zu einer Wunde kommen sollte.
Das Wetter war nahezu ideal. Es war leicht herbstlich und stark bewölkt, aber es regnete nicht. Vermutlich hatte es aber einige Stunden zuvor geregnet, denn der Boden war leicht durchnässt. Beim Warmlaufen in einem kleinen Park erklärte mir ein Läufer, dass man nachher im Schweimmbad, einige hundert Meter entfernt, duschen könne. Dies merkte ich mir, denn ich wollte nachher nicht stundenlang verschwitzt im Zug sitzen.
Der Start des Halbmarathons, welcher vier gleiche Runden umfasste, sollte um 12:55 Uhr sein, der Start des Zehn-Kilometerlaufes fünf Minuten später. Als ich wenige Minuten vor dem Start zur Geraden ging, war hier schon alles voll. Ich schaffte es mich im Feld nach vorne durchzukämpfen und dann ging es auch schon los.
Anfangs war es sehr eng auf dem Kurs, der auf unangenehmen Pflasterstein durch die Altstdt von Weimar führt. Die Strecke war mit einem Gitter von den Zuschauern abgesperrt. Wir kamen an etlichen Imbissbuden vorbei, die wegen des Zwiebelmarktes hier aufgebaut worden waren. Dementsprechend waren hier auch zahlreiche Zuschauer vorhanden. Ich überholte einige langsame Läufer. Als wir die Altstadt hinter uns hatten, kamen wir auf eine Brücke, die über die Ilm, einen kleinen Fluss, führte. Von hier aus konnten wir einen künstlich angelegten Wasserfall im Fluss sehen. Hinter der Brücke bogen wir nach Süden ab. Der größte Teil dieser 5,2 Kilometer langen Runde führte nun durch den Park an der Ilm, welcher sich am Fluss entlang von Nord nach Süd zog. An manchen Stellen war es richtig eng und immer wieder ging es bergauf und wieder bergab. Am südlichsten Punkt war eine Versorgungsstelle, wo ich Wasser und Cola trinken konnte. Dann folgte eine 180°-Kurve, nach welcher ich dann nach Norden zurücklief. Der erste Abschnitt führte auf dem Fußgängerweg an der Hauptstraße entlang, kurz darauf kamen wir aber wieder in den Park zurück. Die Anzahl der Streckenposten entlang des Kurses war mehr als ausreichend. Kurz bevor ich wieder die Altstadt erreichte, wurde ich von einem Fahrrad aus dem Weg geklingelt, welches den Führenden des Zehn-Kilometerlaufes begleitete. Dieser war fünf Minuten nach mir gestartet und hatte mich nun eingeholt. Von nun an musste ich mir immer wieder solche Überholungen gefallen lassen, bis ich das Ende der zweiten Runde erreicht hatte, da dann nur noch die Halbmarathonis auf der Strecke sein sollten. Der letzte Abschnitt der Runde führte wieder auf Pflastersteinen durch die Innenstadt, wo überall die aufgebauten Buden des Zwiebelmarktes standen.
Ich hatte für die erste Runde etwa 25 Minuten benötigt und lief mit konstanter Geschwindigkeit weiter. In der zweiten Runde überrundete ich dann schon den langsamsten Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes, welcher ebenfalls von einem Radfahrer begleitet wurde. Dann war wiederum ich an der Reihe, von der führenden Frau des Halbmarathons überholt zu werden. Noch im Park sprach mich ein Läufer an, in welchem ich den Typen erkannte, welcher mir vor dem Start den Weg zum Hallenbad erklärt hatte. Er absolvierte ebenfalls den Halbmarathon und von nun an liefen wir gemeinsam und unterhielten uns. Er kam aus Thüringen und sagte mir, dass er regelmäßig beim sogenannten Rennsteig-Lauf teilnehme. Ich ließ mir von ihm erklären, wie er sich auf diesen vorbereite.
Am Ende der zweiten Runde sah ich den Kommentator an der Start- und Zielgeraden. Ich erkannte in ihm den Mann, welchen ich schon bei so vielen Laufveranstaltungen als Kommentator erlebt hatte. Er war auch 2013 in Cuxhaven im Einsatz gewesen, als ich den dritten Platz erreicht hatte. Als ich nun auf die dritte Runde einbog, musste ich feststellen, dass die auf meiner Brustwarze aufgesetzten Pflaster nicht festhielten. Zum Glück hatte ich ja ein Ersatzpflaster dabei, welches ich nun auftragen konnte. Leider hielt auch diese nicht und ich entschied mich nun, das Trikot auszuziehen und es in der Hand zu halten, da es wirklich schwer war und die Brustwarzen extrem schmerzten. Natürlich hielt ich das Trikot so, dass auch meine Startnummer zu erkennen war. Dies fiel nicht nur den Zuschauern auf, sondern auch dem Kommentator, als er mich am Ende der dritten Runde sah. Er informierte sich schnell über mich, nannte meinen Namen und erwähnte dabei, dass ich dieses Jahr auch in Bremerhaven dabeigewesen war. Inzwischen kannte er also meinen Namen.
Als wir in der letzten Runde die Brücke über die Ilm erreichten, deren gesamte Breite nur für die Läufer vorgesehen war, geriet ein Streckenposten mit einer Zuschauerin aneinander, weil diese auch über die Brücke gehen wollte. Offenbar setzte sie sich durch und ihren Weg fort. Später wurde ich noch einmal vom Halbmarathon-Führenden überholt, bevor ich einen Kilometer vor dem Ziel wieder mein Trikot anzog. Ich dachte mir, dass ich diesen einen Kilometer wohl überstehen würde, aber selbst für diese kurze Zeit wurden die Schmerzen an den Brustwarzen so extrem, dass ich die entsprechenden Stellen am Trikot nach vorne zog. Hier am Zwiebelmarkt sprinteten ständig Zuschauer von der einen Seite der Strecke auf die andere Seite. Nach über 1:45 Stunden war ich schließlich im Ziel. Ich nahm mir eine Banane zu essen und ging dann zum Zentrum zurück, wo ich im Keller meine Tasche holte.
Nach zehn Minuten Fußweg kam ich am Hallenbad an. Der Eintritt war nur für Teilnehmer von Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf gestattet. Ich ging in die Umkleiden und von dort aus zu den Duschen. Als ich die Duschbrause für ein paar Sekunden ruhen ließ, um meine Haare mit Shampoo einzureiben, ergriff ein anderer Läufer die Gelegenheit, meinen Duschplatz einzunehmen. Etwas verwirrt ging ich unter „seine“ Duschbrause und merkte dann, warum er den Platz gewechselt hatte. Aus meiner jetzigen Duschbrause kam nur kaltes Wasser, was mir allerdings nichts ausmachen konnte, da ich Duschen mit eiskaltem Wasser gewöhnt bin.
Ich zog mich wieder an und lief dann zum Bahnhof zurück. Um kurz nach 16 Uhr bestieg ich den Regionalexpress, welcher mich nach Göttingen brachte. In Hannover musste ich noch einmal umsteigen, gegen halb neun Uhr war ich schließlich wieder zu Hause.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Halbmarathon Bremen 2014-10-05

Der einhundertundvierte Halbmarathon meines Lebens.
Der zehnte swb-Marathon Bremen.
Ich war erst am Vorabend aus Nürnberg zurückgekehrt und hatte daher meine Startunterlagen für diese Jubiläumsausgabe noch nicht abholen können. Dies musste dann am Sonntag bis spätestens eine Stunde vor dem Start geschehen. Die Startzeiten sowie die Laufstrecken hatten sich gegenüber den Vorjahren nicht verändert. Leider war mein körperlicher Zustand nicht ideal. Muskelkater hatte ich zwar nicht mehr, aber die Magenbeschwerden waren – wenn auch nicht so stark wie in den Vortagen – immer noch vorhanden.
Ich stand am Sonntag um acht Uhr auf und frühstückte. Ein zusätzliches Brot packte ich ein, welches ich dann vor dem Start noch essen wollte. Da meine eigentliche Läuferhose noch vom Nürnberg-Stadtlauf verschwitzt war, zog ich heute die adidas-Hose an. Obenrum trug ich das Trikot vom Wolfsburg-Marathon 2014. In dieser Kleidung bestieg ich gegen 9:35 Uhr, als der Zehn-Kilometerlauf startete, mein Fahrrad. Es war ein wolkenloser Tag und die Sonne störte ein wenig.
Im Überseequartier traf ich auf die erste Polizei-Absperrung. Als ich dann mit dem Rad auf die Schlachte wollte, war diese mit einem rot-weißen Verkehrsband gesperrt, aber ich fuhr einfach trotzem hin. Nun traf ich auf das Abschlussfeld des Zehn-Kilometerlaufes. Dann stellte ich mein Fahrrad am Brill vor der Sparkasse ab, wo gerade das Hauptfeld des Marathons auf die Wilhelm-Kaisen-Brücke zulief.
Ich ging zu Fuß weiter zum Swiss-Hotel, wo ich meine Startunterlagen abholen konnte. Dann setzte ich mich in die Wallanlagen auf eine Bank, wo ich mein mitgebrachtes Brot aß und dabei das Bremer-Sportmagazin laß, welches in den Startunterlagen enthalten war. Im Vorwort hatte Willi Lemke angekündigt, beim zehnten swb-Marathon teilzunehmen. Dies verwunderte mich, da ich ihn nicht in der Voranmelderliste gefunden hatte. Mehmet und Janina hatten sich für den ganzen Marathon angemeldet.
Als ich fertig mit Essen war, ging ich in die Fußgängerzone, wo die Start- und Zielgeraden war. Meinen Starterbeutel gab ich im vorgesehenen Zelt ab, ich hatte jedoch keine Wechselkleidung und kein Badetuch eingepackt, da ich direkt nach dem Rennen wieder nach Hause fahren und dort duschen wollte. Als ich zehn Minuten vor dem Start die Toiletten aufsuchte, sah ich Antje, die sich heute auch für den Halbmarathon angemeldet hatte.
Nun kam der beschwerliche Weg zum Starterfeld, in dem ich mich dann immer weiter nach vorne vorarbeitete. Die auf meiner Startnummer angegebene Zielzeit betrug 1:35 Stunden. Als ich meiner Ansicht nach an der richtigen Stelle angekommen war, wartete ich den Startschuss ab. Der Mann, welcher die Pistole bediente, wollte angeblich auch selber mitlaufen. Neben mir konnte ich Helfer sehen, wie sie die Medaillen für beide Disziplinen bereitstellten. Sie hatten dieses Jahr die Form einer Zehn. Pünktlich um 11:25 Uhr, genau eine Stunde und 40 Minuten nach dem Start des Marathons, ging es los.
In der Fußgängerzone ging es noch sehr eng zu, ich musste immer ausweichen um zu überholen. Am Ende der Fußgängerzone ging es nach rechts in Richtung Hauptbahnhof. Hier wurden wir von einer Straßenbahn überholt, deren Fahrgäste uns nun beim Laufen zusehen durften. Dann ging es nach rechts in eine der Hauptverkehrsstraßen, welche uns zum Hauptbahnhof führte. Wir kamen am Bahnhofsvorplatz vorbei, wo die Straßenbahnen in Richtung Universität, Osterholz und Falkenberg nun eine Pause einlegen musste, bis die ganze Läuferschar vorüber war.
Hinter dieser großen Unterführung kamen wir zum Stern, wo sechs Straßen aufeinandertreffen.  Hier überholte ich eine stark abgemagerte Dame, die mich von ihrem Aussehen her an die Hahner-Zwillinge erinnerte. Beim Überholen versuchte ich, ihren Vornamen zu lesen. Dieser war allerdings länger als Lisa oder Anna.
Am Stern bogen wir in die Parkstraße ein und liefen hier auf den beiden linken Spuren, die direkt neben dem Bürgerpark lagen. Bis jetzt hatte ich eine Durchschnittszeit von vier Minuten pro Kilometer benötigt. Mein Magen verursachte zwar keine Schmerzen, aber ich wurde nun deutlich langsamer.
Auf Höhe der Polizeidienststelle mussten wir auf die beiden rechten Autofahrbahnen ausweichen, da die bisherigen Straßen nun für das Spitzenfeld bereitstanden. Ich sah nun, wie mir die Schnellsten des Marathons entgegenkamen. Ich erkannte Mehmet und rief ihn laut an, allerdings hörte er mich nicht. Er hatte auf mich einen Vorsprung von etwa acht Minuten. Dann sah ich das Spitzenfeld des Halbmarathons, welches mir voraus war, bevor ich selber hinter der Eisenbahnbrücke mit der Schienenstrecke nach Hamburg eine 180°-Kurve hinlegte und nach Süden lief.
Ab hier waren die Strecken für Marathon und Halbmarahon vereint. Die Marathonis konnte man an den roten Startnummern erkennen, während die Halbmarathonis grüne hatten. Ich sah nun auch das dichtgedrängte Läuferfeld hinter mir. Kurz, bevor ich am Polizeipräsidium nach rechts in den Bürgerpark einbog, überholte mich die abgemagerte Frau wieder, die ich kurz darauf aus den Augen verlor. Mitten im Bürgerpark, bei Kilometer sieben, war dann endlich der erste Versorgungsstand, wo ich mir einen Becher Wasser nahm.
Auf der anderen Seite des Bürgerparks bogen wir links ab, so dass wir zwischen dem Park und dem Torfkanal nach Süden liefen. Auf der anderen Seite des Kanals lief das Feld vor uns in entgegengesetzter Richtung. An der Wendestelle war ein Moderator, der über ein Mikrofon die Zuschauer unterhielt. Als ich auf die andere Seite des Kanals wechselte, sah ich einige Kreideaufschriften auf dem Boden, die sich auf bestimmte Teilnehmer bezogen. Dabei überholte ich immer wieder Läufer mit roten Startnummern.
Dann bogen wir links ab und kamen nach Findorff. Nach einem Abschnitt durch eine breite Straße mit Backsteinhäsuern ging es nach links in die Hemmstraße, dem Streckenteil, wo es – neben der Schlachte – am lautesten zuging. Besonders viele Kinder feuerten uns an. Ich hatte inzwischen wieder Durst bekommen und war froh, dass eine „private“ Versorgungsstelle Wasser anbot. Kurz darauf sah ich jedoch, dass der eigentliche Versorgungspunkt auch nicht viel weiter weg gewesen wäre.
Als wir Findorff hinter uns hatten und unter der Unterführung durchkamen, die nach Utbremen führte, erreichte ich die beiden Pacemaker für die Marathonzielzeit von 3:15 Stunden, was beim Halbmarathon einer Zeit von 1:35 Stunden entsprach. Eine Zeit von 90 Minuten war heute nicht mehr möglich. Die beiden Zugläufer überholte ich jedoch problemlos. Wie jedes Jahr mussten die Straßenbahnen an der Haltestelle Hansestraße warten. Hier war wieder ein privater Versorgungspunkt, wo ich Wasser bekam.
Wir erreichten jetzt die Überseestadt, an welcher ich heute morgen mit dem Fahrrad vorbeigefahren war. Als ich durch das eine Haus hindurchgelaufen war, kam ich an Cafés vorbei, wo die Menschen zu Mittag aßen. Dann ging es wieder über die Hansestraße hinüber in Richtung des großen Büroturms. Als ich nun an einem Versorgungspunkt nach dem Wasserbecher griff, drückte ich diesen unglücklich zusammen, so dass fast das gesamte Wasser verschüttet wurde. Dann ging es über die Straßenbahnschienen der Linie 3 an die Schlachte und hier an der Weser entlang. Auf Höhe der Brücken waren zahlreiche Zuschauer, die uns Läufern kaum Platz ließen. Ich überholte nun einen Fahrradfahrer, der als Begleitung für die drittschnellste Marathonläuferin fungierte. In dieser erkannte ich Janina, der ich nun im Voraus zum dritten Platz gratulierte. Dahinter versuchten die Ordner, ein bisschen Platz zu schaffen, da nun langsam das Hauptfeld der Läufer vorbekommen sollte.
Hinter der Schlachte ging es zum Osterdeich, an welchem die Zuschauer nicht standen, sondern auf der Wiese lagen. Hier sah ich zum zweiten Mal am heutigen Tage eine Jedermann-Drohne, die uns Läufer offenbar von oben filmen sollte. Auch hier war nun eine Sprechstelle aufgebaut, an welcher der Kommentator sagte, dass nun die Top-Ten der Frauen im Halbmarathon langsam vollzählig seien. Ich lief gerade mit einer Frau in den mittleren Jahren zusammen.
Langsam merkte ich, wie meine rechte Brustwarze schmerzte. Ich musste feststellen, dass das aufgetragen Schutzpflaster leider zu schmal war und die Brustwarze nicht abdeckte. Große Sorgen machte ich mir allerdings nicht. Schließlich erreichten wir das Weserstadion, wo der Stadionsprecher auch meinen Namen durchgab. Auf der anderen Seite der Arena war dann endlich wieder ein Versorgungspunkt.
Nun machten wir eine Wende und liefen auf den Osterdeich hinauf, wo es nun in Richtung Innenstadt ging. Bei Kilometer 18 war das falsche Schild aufgebaut, es zeigte Kilometer 19 an. Dann überholte ich wieder eine Frau mit Fahrradbegleitung, die Zweitplatzierte des Marathons. Dies erinnerte mich an letztes Jahr, als ich ebenfalls die zweit- und drittschnellste Marathonläuferin überolt hatte und es – trotz einer sehr guten Zeit von mir – zum Überholen der Siegerin nicht mehr ganz gereicht hatte.
Kurz vor dem letzten Versorgungspunkt erreichte ich dann tatsächlich die Führende des Marathons. Ich konnte es nicht lassen, die Fahrradbegleitung einmal darauf anzusprechen, dass die Läuferinnen heute extrem langsam seien. Es wies mich entsprechend zurecht. Dann war ich auch schon vorbei.
In der Unterführung am Domshof war ein weiterer Fahrradfahrer, welcher der Halbmarathonläuferin, die mit mir gleichauf war, sagte, dass sie noch einen Platz gut machen könne. Es wurde nun eng an der Strecke. Am Ende der Martinistraße bogen wir in die Fußgängerzone auf die Zielgeraden ein. Ich kam nach fast einer Stunde und 33 Minuten dort an. Eine Helferin hängte mir die Medaille um, auf welcher stand: „Drei Mal ist Bremer Recht, zehn mal ist sportlich echt“. Ein Marathonläufer gratulierte mir und sagte mir, dass er mich vom Bremerhaven-Marathon 2013 kenne. Er machte mich auf einen Blutfleck auf meiner Brust aufmerksam. Nun sah ich, dass die Belastung meiner Brustwarze so groß gewesen war, dass diese angefangen hatte zu bluten.
Den Zieleinlauf der Siegerin verpasste ich. Stattdessen sah ich Oliver Sebrankte, allerdings sprach ich ihn nicht an. Ob er den Marathon gewonnen hatte, wusste ich nicht. Ich holte meine Tasche ab und ging dann zum Rettungspersonal, um mir ein Pflaster für meine Brustwarze abzuholen. Dann ging ich durch die Fußgängerzone und kam zu meinem Fahrrad. Es war inzwischen schön warm geworden und ich fuhr nun nach Hause. In der Überseestadt konnte ich das Schlussfeld des Marathons sehen, welches sich über die letzten zehn Kilometer kämpfte.

Halbmarathon Nürnberg 2014-10-03

Der einhundertunddritte Halbmarathon meines Lebens.
Der Sportchecklauf in Nürnberg.
Die Sportcheck-Laufserie in Deutschland beinhaltet überwiegend kürzere Laufstrecken. Einen ganzen Marathon gibt es meines Wissens zu Folge nicht, und da, wo Halbmarathons angeboten werden, bestehen diese meist aus einem Rundkurs, der mehrfach durchlaufen wird. Somit ist eine Teilnahme an solch einer Veranstaltung für mich normalerweise nicht sehr attraktiv. In Nürnberg bestand der Halbmarathonkurs aus zweimal der gleichen Runde. Da es in Nürnberg neben dem Sportchecklauf keine attraktiven Events dieser Art gibt, hatte ich mich entschieden, in diesem Jahr am 3. Oktober dort hinzufahren. Im letzten Jahr war ich an diesem Feiertag in Dortmund gelaufen.
Leider hatte ich in den letzten Tagen an Magenschmerzen gelitten und war daher nicht in Topform. Ich stand an diesem Freitag um fünf Uhr morgens auf, frühstückte und packte meine Tasche. Um 7:14 Uhr nahm ich vom Bremer Hauptbahnhof  den ICE, welcher mich nach Hannover brachte. Dort hatte ich über eine Stunde Aufenthalt. Diesen benutzte ich, um in der Nordsee ein Früchstück zu mir zu nehmen. Dann bestieg ich einen anderen ICE, welcher mich mit 30 Minuten Verspätung nach Nürnberg brachte. Meine Läuferkleidung hatte ich im Zug angezogen.
In Nürnberg wurde ich von zwei Verwandten abgeholt, die mich per U-Bahn zum Opernhaus brachten. Schon auf dem Weg dorthin waren uns immer wieder Leute in den Teilnehmertrikots entgegengekommen. Beim Sportchecklauf gibt es keine Startnummern, sondern die Teilnehmer werden durch das einheitliche Trikot gekennzeichnet. Es war eine sehr gut besuchte Veranstaltung mit etwa 10.000 Läufern.
Ich holte meine Startunterlagen ab, welche lediglich aus dem Trikot bestanden. Dieses zog ich an und dann gab ich meinen Verwandten die Tasche zum Aufbewahren. Ich lief mich ein bisschen warm. Als ich dann, nur fünf Minuten vor halb zwei Uhr, in die Startgeraden stellen wollte, war diese bereits überfüllt. Die Seiteneingänge waren von Läufern blockiert und so blieb mir nichts anderes übrig, als ein bisschen weiter hinten zu starten.
Pünktlich um halb zwei Uhr ging es los, nach etwa einer Minute hatte ich die Linie überquert. Es ging nach Norden, und bereits nach wenigen Metern kamen wir an den Hauptbahnhof, welcher tatsächlich nicht sehr weit vom Opernhaus entfernt lag. Kurz vor dem Bahnhofsgebäude bogen wir links ab. Diese große Kreuzung gehört jetzt nur uns Läufern. Es ging nun leicht bergab und dann über den Wöhrder See, an dessen linkem Ufer wir nun entlangliefen.
Ich hatte eine Zielzeit von 95 Minuten angepeilt, was fünf Minuten pro Kilometer entsprach. Dieses Tempo hielt ich zunächst durch. Einige Meter vor mir war ein Pacemaker mit Luftballon, allerdings konnte ich nicht lesen, welche Zeit auf dem Luftballon draufstand. Da er jedoch die gleiche Geschwindigkeit wie ich besaß, vermutete ich, dass er einer der Zugläufer für 1:35 Stunden war.
Es ging immer weiter nach Norden am Wöhrder See entlang. Das Wetter war in Ordnung, aber nicht perfekt. Der Himmel war nahezu wolkonlos und es waren fast 20°C. Meine Magenschmerzen machten sich leider hin und wieder bemerkbar. Wir kamen unter einer großen Brücke hindurch und stießen wenig später auf den ersten Versorgungspunkt an der Strecke, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Als wir unter einer weiteren Brück hindurchliefen, konnte ich nun das Feld vor mir sehen, da der Kurs eine 270°-Kurve hinlegte. Es ging auf die Brücke, die über den Wöhrder See führte, so dass wir nun auf das andere Ufer kamen. Leider war von dieser Brücke nur die eine Fahrbahnhälfte für uns Läufer vorgesehen, auf der anderen Seite kamen uns hupende Autos entgegen.
Noch bevor wir die Brücke ganz verlassen hatten, mussten wir in einen engen, versteckten Weg nach links abbiegen, in den uns einer der zahlreichen Helfer einwies. Der Weg führte nun hinunter an das Ufer des Sees. Leider konnte ich hier nicht schnell machen, da das Feld immernoch sehr eng beieinander war und die Leute vor mir langsam liefen. Dann kam eine 180°-Kurve und nun liefen wir am östlichen Ufer des Sees wieder nach Süden, zurück in Richtung Innenstadt. Hin und wieder kamen uns Radfahrer entgegen, die es tatsächlich wagten, hier nicht abzusteigen.
Als wir unter der anderen Brücke hindurchliefen, konnte ich sehen, dass es sich einige Obdachlose hier offenbar bequem gemacht hatten. Dann kam der zweite Versorgungspunkt an der Strecke, wo ich wieder Wasser nachm. Der Pacemaker war immernoch vor mir. Der jetzige Abschnitt führte uns an einer großen Wiese mit Spielplätzen vorbei.
Schließlich unterquerten wir die Brücke, auf welcher wir auf dem Hinweg den See überquert hatten. Wir kamen jetzt in die Innenstadt, wo ein weiterer steiler Aufstieg folgte. Ich überholte jetzt den Pacemaker und sah zu meiner Überraschung, dass er für eine Zielzeit von 1:44 Stunden stand. Aus meiner Sicht war er bis jetzt eindeutig zu schnell unterwegs. In der Fußgängerzone gab es zahlreiche Zuschauer. Dann kamen wir an der U-Bahn-Haltestelle Opernhaus vorbei, und dahinter ging es bergauf und hinter einer Kurve auf die Start- und Zielgeraden.
Von meinen Verwandten konnte ich jetzt niemanden sehen. Ich nahm mir nun Iso zu trinken und ein Stück Banane zu essen. Als ich dann wieder am Hauptbahnhof links abbog, sprach mich ein anderer Läufer an, der heute seinen ersten Halbmarathon absolvierte. Bis zur folgenden Versorgungsstelle, kurz vor dem Wendepunkt, unterhielten wir uns. Dann nahm ich mir wieder Wasser zu trinken, denn von dem Iso-Zeug hatte ich ganz schön Durst bekommen.
Auf dem Rückweg sah ich dann, wie eine Fahrradfahrerin mit einem Läufer leicht kollidierte und umstürzte. Zum Glück war ein Streckenposten in der Nähe, weshalb ich mich nicht um den Vorfall kümmern musste und in aller Ruhe weiterlaufen konnte. Mit der Geschwindigkeit ließ ich nun deutlich nach. Am Ende spürte ich auch eine Stelle an der Ferse, wo sich offenbar eine Blase bildete. Pflaster hatte ich an den Füßen nicht aufgetragen.
Ich wurde nun von immer mehr Läufern und Läuferinnen überholt, da meine Magenschmerzen es mir nicht ermöglichten, mich zu sehr anzustrengen. Ich kam bei einer Bruttozeit von etwa 1:42 Stunden ins Ziel. Ich nahm mir etwas zu trinken und ging dann zu meinen Verwandten. Gemeinsam bestiegen wir die U-Bahn und fuhren zu ihnen nach Hause, wo ich duschen konnte.

Dienstag, 30. September 2014

Halbmarathon Zeven 2014-09-28

Der einhundertundzweite Halbmarathon meines Lebens.
Der sechste Zevener Straßenlauf.
Am Straßenlauf in Zeven hatte ich vor zwei Jahren schon einmal teilgenommen. Damals hatte ich bereits am Samstag die zweistündige Anfahrt in Kauf genommen, um mir die Startunterlagen abzuholen. Da ich nun wusste, dass ich die Unterlagen auch am Sonntag problemlos noch kurz vor dem Start ausgehändigt bekommen konnte, verzichtete ich auf diesen Ausflug.
Die Anfahrt war wie vor zwei Jahren. Da Sonntags nur wenige Busse von Bremen nach Zeven fahren, hatte ich auch keine Wahl. Ich stand um kurz vor neun Uhr auf und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche. Die Läuferkleidung hatte ich bereits an, ich trug obenrum das Trikot vom Badenmarathon, welches ich am letzten Wochenende in Karlsruhe bekommen hatte.
Um kurz nach zehn Uhr nahm ich die Straßenbahn, welche mich zum Hauptbahnhof brachte. Dort startete um halb elf Uhr der Bus nach Zeven. Die Fahrt dauerte über siebzig Minuten. Ich aß im Bus mein mitgebrachtes Brot. Dann kamen wir am Busbahnhof in Zeven an. Die Veranstaltung war bereits in vollem Gange, der Halbmarathon und der Zehn-Kilometerlauf sollten um 12:15 Uhr starten.
Ich ging ins Rathaus und holte die Startnummer ab. Sie trug die Nummer 3. Auf der Voranmelderliste konnte ich erkennen, dass sich heute für den Halbmarathon weniger als 30 Teilnehmer angemeldet hatten.
Meine Tasche konnte ich in einem großen Nebenraum abstellen, wo allerdings keine Bewachung war. Dann lief ich mich ein bisschen im Park warm und ging dann zur Startgeraden in der Fußgängerzone. Ich hatte in den letzten Tagen ein verstärtktes Nasenlaufen gehabt, als Erkältung würde ich dies aber nicht bezeichnen. Unter diesen Umständen kann es natürlich sinnvoll sein, solch einen Wettkampf langsam anzugehen. Aber ich musste auch bedenken, dass der Bus für die Heimfahrt schon um 14:23 Uhr starten würde und der nächste Bus erst wieder am Abend fuhr. Mir blieb also nichts anderes übrig, als eine Zielzeit von 90 Minuten anzupeilen, wenn ich nachher noch Zeit zum Duschen haben wollte.
Pünktlich um 12:15 Uhr ging es los. Das Teilnehmerfeld war tatsächlich sehr überschaubar, trotz der vielen Teilnehmer über die zehn Kilometer. Die Strecke war die gleiche wie vor zwei Jahren. Ich musste dreimal die gleiche Runde absolvieren. Es ging über die Hauptdurchfahrtsstraße am Park vorbei in ein Wohngebiet. Hier stand ein Feuerwehrposten und wies uns den Weg in eine engere Straße nach rechts. Nun war das Feld schon so weit auseinandergezogen, dass kein Platzmangel mehr herrschte.
An einem Parkplatz folgte eine Links-Rechtskurve. Dann ging es geradeaus aus dem Ort heraus in den Wald. Wir kamen über die Eisenbahnschienen, wo vor zwei Jahren einige Läufer wegen einer Dampfeisenbahn hatten warten müssen. Heute konnte ich keinen solchen Zwischenfall beobachten. Streckenposten waren auch ausreichend vorhanden. Hinter der Bahnlinie folgte dann eine scharfe Rechtskurve. Als wir dann wider auf der Hauptverkehrsstraße rechts einbogen, mussten wir Läufer uns mit dem Radweg begnügen, die Straße blieb für die Autos freigegeben.
Es ging noch ein ganzes Stück durch den Wald, bis die Innenstadt erreicht wurde. Hier mussten wir links abbiegen und kamen durch die Wohngebiete. Beim Überqueren der Hauptstraße regelten eine Polizistin und ein Feuerwehrmann den Verkehr. Dann hatte ich den einen Versorgungspunkt der Strecke erreicht, wo ich einen Becher Wasser nahm. Die Becher waren heute nur sehr geringfügig mit Wasser gefüllt. Das Wetter war übrigens sehr schon, aber fast schon ein bisschen zu warm. Bei wolkenlosem Himmel konnten es wohl etwa 20°C sein.
Zuschauer gab es nur wenige, und richtig Lärm wurde auch nirgendwo gemacht. Nach einem kurzen Stück in der jetzigen Straße kam der Punkt, wo sich die beiden Kurse trennten. Die Zehn-Kilometerläufer bogen direkt rechts ab, während ich links abbiegen und noch eine Art Viereck laufen musste, bevor ich am Trennungspunkt wieder ankam und den gleichen Weg nehmen durfte. Diese zusätzliche Runde führte dazu, dass ich während des Halbmarathons einige der Zehn-Kilometerläufer gleich mehrfach überholte. Am südöstlichsten Punkt dieser Zusatzstrecke musste ich um einen Verkehrskreisel herumlaufen. Dann ging es zum südwestlichsten Streckenpunkt und von da aus eine lange Geraden entlang, zwischen großen Wohnhäusern, zurück zum Trennungspunkt von Halbmarathon- und Zehnkilometerlauf. Ich bog hier nun lnks ab und kam in die Innenstadt, wo an einem Wendepunkt ein großes Famila-Einkaufszentrum stand. Nun war ich auf der Start- und Zielgeraden in der Fußgängerzone. Kurz vor dem Ziel erreichte ich den zweiten Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Unter Zuschauerapplaus kam ich über die Linie und begann nun die zweite Runde. Für das erste Drittel hatte ich weniger als 30 Minuten benötigt.
Auf der zweiten Runde musste ich nun immer wieder Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes überholen. Auf der langen Gerade, die über die Eisenbahnschienen führte, konnte ich einen Konkurrenten des Halbmarathons überholen. Und erneut passierte ich einige Zehn-Kilometerläufer doppelt, einmal vor und einmal nach der Zusatzrunde. Nach knapp einer Stunde hatte ich das zweite Drittel hinter mir.
Mit Rücksicht auf meine Gesundheit ließ ich es nun ein bisschen langsamer angehen. Die Gefahren, wenn man angeschlagen in solch einen Wettkampf geht, sind nicht zu unterschätzen. Ich hatte auf der dritten Runde zunächst keinen Konkurrenten hinter mir. Es war inzwischen sehr einsam geworden, da die Zehn-Kilometerläufer alle entweder schon im Ziel oder kurz davor waren. Glücklicherweise kannte ich die Strecke inzwischen sehr gut und die Streckenposten waren noch anwesend, so dass ich mich nicht verlaufen konnte.
Als ich hinter den Eisenbahnschienen die scharfe Rechtskurve nahm, wurde ich dann doch von einem Konkurrenten langsam eingeholt. Auf der Zusatzrunde überholte er mich. Ich hielt es durchaus für möglich, wieder an ihn heranzukommen und strengte mich noch einmal ein bisschen mehr an, aber er war einfach zu schnell. Bei einer Zeit von über 93 Minuten überquerte ich die Ziellinie und ließ mir die Medaille umhängen. Sie bestand aus einem Metallstück, auf welchem ein Aufkleber mit der Aufschrift „6. Zevener Stadtlauf“ angebracht war.
Ich nahm mir zwei Becher Wasser zu trinken und ging dann ins Rathaus, um meine Tasche zu holen. Dann machte ich mich auf den Weg zu den Duschen, welche, wie vor zwei Jahren, am Schulgelände waren, wo sich der erste Versorgungspunkt auf der Strecke befand. Ich duschte, zog mich um und ging dann zum Busbahnhof. Nach zehnminütigem Warten kam der Bus an und ich fuhr bis Falkenberg. Hier stieg ich aus, um mir die neue Straßenbahnstrecke von Lilienthal nach Borgfeld anzuschauen. Auf dem Heimweg machte ich noch ein einer Dönerbude Halt, um etwas zu essen. So kam ich gegen 17 Uhr zu Hause an.

Marathon Karlsruhe 2014-09-21

Der vierzehnte Marathon meines Lebens.
Der Baden-Marathon.
Ich hatte im letzten Jahr beim Halbmarathon in Karlsruhe teilgenommen. Wegen des Zwischenfalles mit dem Güterzug, welcher für fast zehn Minuten die Laufstrecke versperrte, hatten die betroffenen Teilnehmer für die diesjährige Auflage einen Gutschein im Wert der Disziplin erhalten, an der sie 2013 teilgenommen hatten. Dies bedeutete, dass ich am Halbmarathon kostenlose teilnehmen konnte und für den Marathon nur die Differenz bezahlen musste. Ich konnte mich also für gerade einmal zehn Euro für den Baden-Marathon anmelden. Dafür musste ich allerdings auf eine Teilnahme am Küstenmarathon in Otterndorf verzichten, weil dieser auf den gleichen Tag fiel.
Der Badenmarathon ist eine Aneinanderreihung von zwei einzelnen Halbmarathons. Der erste Halbmarathon, welcher um neun Uhr startet, ist der Hauptlauf mit sehr vielen Teilnehmern. Die andere Runde, welche durch den Nordwesten der Stadt führt, bietet den Läufern, welche sich keinen ganzen Marathon zutrauen, die Möglichkeit, den zweiten Teil der Marathonstrecke zu sehen. Hier gibt es nur wenige Teilnehmer, welche ab elf Uhr dreißig auf das Feld hinzugeschleust werden. Eine Siegerehrung für diesen Halbmarathon findet nicht statt. Der Marathon startet zusammen mit dem ersten Halbmarathon, welcher durch den Südosten von Karlsruhe führt, um neun Uhr. Leider hatte ich die Schuhe, in denen ich die 42 Kilometer absolvieren wollte, in den Vorwochen nicht benutzt. Lediglich am Freitag, also nur zwei Tage vor dem Start, hatte ich eine Strecke von 25 Kilometern absolviert. Die kurze Regenerationspause sollte mir noch zum Verhängnis werden.
Ich war am Samstag in Frankenthal angekommen und hatte am Nachmittag auf der Mörscher Kerwe eine Weinschorle und ein Bier getrunken. Daher war es am Abend zunächst kaum möglich, Schlaf zu finden. Schließlich gelang es mir doch, von 23 Uhr bis 3:15 Uhr zu schlafen. Um sechs Uhr stand ich dann auf und frühstückte. Dann ließ ich mich um sieben Uhr von meinem Vater mit dem Auto zum Mannheimer Hauptbahnhof fahren. Die Läuferkleidung hatte ich bereits angezogen. Der ICE in die Schweiz traf pünktlich ein, weshalb ich kurzfristig eine Fahrkarte kaufte und dann in den Zug einstieg, nachdem ich mich von meinem Vater verabschiedet hatte. Die Fahrt nach Karlsruhe dauerte 22 Minuten. Um acht Uhr kamen wir dort am Hauptbahnhof an. Mein mitgebrachtes Brot hatte ich während der Zugfahrt verzehrt. Ich suchte nun die Toilette auf und ging danach vor den Bahnhof zur Straßenbahnhaltestelle, wo schon einige andere Läufer warteten. Da es Sonntag war, waren nur wenige Staßenbahnen unterwegs und wir mussten relativ lange warten. Ich wollte nicht – wie im letzten Jahr – mit der Sporttasche in der Hand bis zur Europahalle laufen. Ich unterhielt mich mit einem anderen Sportler, der heute auch den kompletten Marathon absolvieren wollte. Als die richtige Straßenbahn dann eintraf, stiegen wir ein und kamen etwa 30 Minuten vor dem Start am Veranstaltungszentrum an.
Wir gingen zusammen zur Abholung der Startunterlagen, wo ich den Briefmumschlag mit der Startnummer bekam. Dann fragte ich meinen Kollegen, ob es nicht auch Trikots für die Leute gebe, welche den gesamten Marathon liefe. Er sagte mir daraufhin, dass diese Trikots nur noch in den Größen S und XXL zur Verfügung stände. Meine Standardgröße war M. Trotzdem wollte ich mir dieses Shirt nicht entgehen lassen und ließ es mir in Größe S aushändigen. Später sah ich, dass es in komplett blauer Farbe war und die Aufschrift lediglich aus dem Namen einer der Hauptsponsoren bestand. Es gab auf dem Trikot keinerlei Hinweis darauf, dass es zum Baden-Marathon gehörte.
Die Sporttasche konnte ich in der Halle ablegen. Dann waren es nur noch zehn Minuten bis zum Start. Ich suchte noch einmal die Toiletten auf und reihte mich dann vor dem Pacemaker für 3:29 Stunden im Starterfeld ein. Die Halbmarathonläufer hatten rote Startnummern, die Marathonläufer blaue.
Um Punkt neun Uhr ging es los. Da ich relativ weit vorne stand, war ich nach weniger als einer Minute über der Linie. Vor mir lief der Pacemaker für die 3:14-Marke, auf den Pacemaker für 3:29 Stunden schaffte ich es zunächst, einen Vorsprung herauszulaufen. Das Wetter war geradezu ideal. Es war stark bewölkt, aber es regnete nicht.
Als wir das Stadiongelände hinter uns hatten, bogen wir links ab und liefen nach Norden an den Straßenbahnschienen entlang. Das Feld war eng, aber die Straßen waren noch breit. An einer großen Kreuzung ging es nach rechts, so dass wir von nun an nach Osten liefen. Auffällig waren die zahlreichen Tänzergruppen, die in regelmäßigen Abständen an der Strecke waren. Zusätzlich war der gesamte Kurs von kleinen Brücken geprägt, die oft einen sehr steilen Anstieg hatten.
Als wir im Osten den Stadtteil Durlach hinter uns hatten, kamen wir in einen großen Wald, wo die Strecke erstmals ein bisschen enger wurde. Wir hatten nun zehn Kilometer hinter uns. Bis jetzt hatte ich meine Geschwindigkeit relativ hoch halten können, doch leider machte sich jetzt die Trainingseinheit vom Freitag bemerkbar. Meine Beine wurden schwer.
Nach einem kurzen Abschnitt durch ein Wohnviertel im Karlsruher Süden kamen wir an dem Bahnübergang vorbei, wo im letzten Jahr ein Güterzug den Durchgang blockiert hatte. Dann näherten wir uns auch schon wieder dem Ziel. Ich konnte jetzt ein Schild mit der Markierung des 41. Kilometers sehen, welches mir sagte, dass dieser Abschnitt sowohl zur ersten als auch zur zweiten Runde gehörte. Wir liefen an einem kleinen Fluss entlang, bevor sich dann die Strecken trennten. Die Halbmarathonis mussten nach rechts zum Stadion einbiegen, ich als Marathonläufer musste geradeaus. Nun sah ich hier einen Bereich, wo sich zahlreiche Sportler warmmachten. Neben den Marathonis waren nämlich auch noch die Staffelläufer hierhergekommen, wo sie von ihren Teammitgliedern abgelöst wurden.
Ich hatte für die erste Hälfte etwa 100 Minuten benötigt, damit wäre heute also eine neue persönliche Bestzeit möglich gewesen. Doch auf der zweiten Runde, welche optisch wesentlich attraktiver war als die erste, ließ ich mit der Geschwindigkeit deutlich nach.
Der Park, durch welchen ich jetzt kam, hatte rechts eine große Wiese und links sehr große Spielplätze. Dann kamen wir in ein Wohngebiet. Nach einiger Zeit ging es nach links auf eine sehr hohe Brücke, die uns über die Eisenbahnschienen führte. Dahinter liefen wir eine Schleife, sodass wir genau unter dieser Brücke hindur und dann in ein Industriegebiet kamen. Als wir dann wieder durch ein Wohngebiet kamen, sah ich, dass der Pacemaker für 3:29 Stunden inzwischen hinter mir aufgetaucht war.
Nach 30 Kilometer kamen wir am einem ehemaligen Flugplatz vorbei, wo eine Blaskapelle spielte. Diese Blaskapelle war für mich noch minutenlang hörbar. Hinter dem Flugplatz verteilte einer der Anwohner Laugengebäck. Ich hatte inzwischen bei jedem Verpflegungspunkt Bananenstücke zu mir genommen, da es sich immer mehr bemerkbar machte, dass ich heute morgen nur sehr dürfitg gefrühstückt hatte.
Nun wartete der Höhepunkt des Rennens auf mich. Es ging durch den Schlossgarten. Wir näherten uns dem Schloss von Süden, wo auch der Rückweg verlief. Hier war der zweite und letzte Staffelwechselpunkt und auch eine Tänzerinnengruppe. Kurz vor dem Schloss bogen wir links ab und nahmen einen Seiteneingang, der uns auf die andere Seite in den Garten brachte.  Hier drehten wir eine drei Kilometer lange Runde, an deren Ende mich der Pacemaker schließlich überholte. Ich hatte keine Kraft mehr, ihn einzuholen und eine neue Bestzeit konnte ich damit vergessen. Der Park selber verfügt offenbar auch über eine kleine Eisenbahn, da ich zumindest deren Schienen mehrfach überquert hatte.
Als ich das Schloss dann wieder in Richtung Süden verließ, waren es noch sechs Kilometer. Dieser Weg zog sich sehr lange hin, da es im Zickzack nach Süden bis zum Hauptbahnhof ging und dann zurück zum Stadion. Dabei erreichten wir den gleichen Stadtteil, den wir auf der letzten Runde schon einmal durchquert hatten. Diesmal bog ich danach rechts ein und kam zum Stadion. Bei einer Zeit von knapp über 3:33 Stunden kam ich ins Ziel. Es gab wieder verschiedenen Medaillen für Marathon und Halbmarathon. Meine war von silberner Farbe.
Ich nahm nun schnell den Ausgang und holte meine Tasche ab. Die Männerduschen befanden sich in zwei bereitgestellten LKWs. Nachdem ich mich wieder angezogen hatte, ging ich zur Straßenbahnhaltestelle, denn ich wollte nicht wie im letzten Jahr den relativ langen Weg zum Hauptbahnhof zu Fuß nehmen. Nach einer Wartezeit am Bahnhof bestieg ich den TGV, der in artemberaubender Geschwindigkeit nach Frankfurt fuhr. Dort stieg ich in einen Intercity nach Hannover ein, welcher leider exakt soviel Verspätung hatte, dass ich den Regionalexpress nach Bremen verpasste und eine Stunde lang in Hannover warten musste. Erst gegen 22 Uhr kam ich am Abend wieder zu Hause an.