Mittwoch, 30. Juli 2014

Marathon Bad Pyrmont 2014-07-26

Der dreizehnte Marathon meines Lebens.
Der Internationale Bad Pyrmont Marathon.
Bad Pyrmont liegt im Weserbergland und ist von Hannover aus mit der S-Bahn in einer Stunde zu erreichen. Der Marathon in Bad Pyrmont findet jedes Jahr an einem Samstagnachmittag im Juli statt, weshalb man mit sehr hohen Temperaturen zu rechnen hat. Ich war 2012 beim Halbmarathon mitgelaufen und hatte danach eine Woche lang Muskelkater gehabt, welcher an meinen Beinen unterschiedlich stark ausgeprägt war. Dieses Jahr hatte ich mich wegen eines großen beruflichen Erfolges erst am Dienstag zuvor für den gesamten Marathon angemeldet. Die Temperaturen sollten zwar einigermaßen erträglich sein, aber am Tag zuvor und am Tag danach wäre es einige Grad kühler gewesen. Es sollten am Samstag 26°C werden.
Als ich vor zwei Jahren das Ziel erreicht hatte, gab es für mich keine Medaille. Ich erfuhr später, dass es nur für Marathon- und Kinderläufer Medaillen gegeben hatte. Ich glaubte, diesmal ein Andenken zu bekommen, da ich mich ja für den gesamten Marathon angemeldet hatte. Es sollte für mich sowieso der bisher härteste Marathon meines Lebens werde, denn bisher hatte ich meine Marathonveranstaltungen so ausgewählt, dass diese nicht im Hochsommer waren und die Strecke relativ flach war. In Bad Pyrmont betrug die Höhendifferenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt 350 Meter, wobei während des Marathons insgesamt 690 Höhenmeter überwunden werden musste. Es sollte also fast immerwährend auf und ab gehen.
Ich hatte die Anfahrt so geplant, dass ich eine Stunde vor dem Start des Marathons um 13 Uhr am Bahnhof in Bad Pyrmont ankommen würde. Dort sollte es – wie in den Vorjahren – einen Shuttleservice zum Veranstaltungungszentrum geben. Ich stand am Samstag um sieben Uhr auf, frühstückte und packte meine Tasche. Wegen der hohen Temperaturen nahm ich das ärmellose Trikot von Hoisbüttel mit, welches ich bereits vor zwei Wochen in Wardenburg getragen hatte. Es war auch nicht ausgeschlossen, dass es vielleicht anfangen würde zu regnen, und in diesem Fall würde sich dieses leichte Trikot nicht allzu sehr mit Wasser aufsaugen. Angst vor einem Sonnenbrand hatte ich nicht, da ich mich erinnern konnte, dass die Halbmarathonstrecke vor zwei Jahren ausschließlich im Schatten der Bäume verlaufen war.
Um 8:35 Uhr fuhr ich mit der Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo ich in die Nordwestbahn einstieg, die mich über den Hauptbahnhof nach Verden brachte. Hier stieg ich aus und wartete auf den Regionalexpress nach Hannover, welcher pünktlich eintraf und mich dorthin brachte. Um 10:55 Uhr fuhr in Hannover die S-Bahn nach Paderborn ab. Ich setzte mich diesmal sofort in die vordere Hälfte, da der hintere Teil in Hameln ausgesetzt werden sollte. Um kurz vor zwölf Uhr kam die S-Bahn in Bad Pyrmont an. Bereits vor dieser Station hatte ich das Weserbergland sehen können.
Vor dem Bahnhof standen schon die Kleinbusse, welche uns zum Veranstaltungszentrum brachten. Wir kamen am Stadion vorbei, wo sich die Duschanlagen befunden, die ich letztes Jahr benutzt hatte. In der Fußgängerzone hielt der Bus an und wir konnten aussteigen. Wie vor zwei Jahren war im großen Haus nebenan die Ausgabe der Startunterlagen. Als Marathonläufer bekam ich diesmal ein kleines Geschenk, und zwar ein (sinnloses) Band, mit dem man offenbar die Startnummer befestigen konnte.
Ich aß mein mitgebrachtes Knäckebrot. Meine Läuferhose hatte ich bereits auf der Toilette in der S-Bahn angezogen. Auf Kappe und Sonnenbrille verzichtete ich. Meine Tasche konnte ich gegen eine Gebühr von einem Euro abgeben und bewachen lassen. Dann lief ich mich ein bisschen warm. Der Himmel war fast wolkenlos.
Der Marathon stratete zusammen mit den Walkern für zehn Kilometer um 13 Uhr. Die Läufer wurden nach vorne gebeten, um die Walker nicht überholen zu müssen. Dann ging es los. Wir liefen nach Norden die Fußgängerzone entlang und dann beim Schwimmbad nach links. Die Besucher der Cafés applaudierten. Dann ging es wieder nach rechts durch einen Park, bis eine Straße erreicht wurde. Hier stand der einzige Polizeiposten und regelte den Verkehr, da die Autos nun warten musste.
Auf der anderen Seite der Straße ging es nach links, auf dem Fußgängerweg entlang. Vor zwei Jahren war ich hier beim Halbmarathon geradeaus gelaufen, direkt ins Gebirge hoch. Diesmal mussten wir nun ein Stückchen an der Straße entlang und dann nach rechts in ein Feld hinein. Es ging nun langsam bergauf. Mitten im Feld folgte eine Kurve nach rechts. Der Boden bestand hier aus Gras, sodass man aufpassen musste, um mit den Füßen nicht falsch auf den Boden aufzukommen. Als dieser Abschnitt zu Ende war, erreichten wir den Wald und die Strecke, die ich vom Halbmarathon her breits kannte. Auf einer Lichtung ging es nach oben.
Die folgenden Stellen im Wald waren ein bisschen aufgeweicht und man musste aufpassen, um nicht auszurutschen. Ich schaffte es, diese Stellen zu passieren, ohne meine Schuhe großartig zu verschmutzen. Kurz vor einem Parkplatz, wo wir einen Abschnitt auf Asphaltboden erreichten, war die erste Versorgungsstelle. Es gab u.a. Cola und Wasser zu trinken sowie Bananen und Wassermelonen zu essen. Ich versorgter mich und lief weiter.
Für die ersten zehn Kilometer hatte ich etwa eine Stunde benötigt. Ich bemerkte nun, wie mein Enddarm drückte und sah mich nach einer Stelle um, wo ich mich mal schnell ins Gebüsch verziehen konnte, ohne beobachtet zu werden. Toiletten waren bei diesem Landschaftsmarathon nicht aufgestellt. Schließlich kamen wir an einem Punkt vorbei, wo ich ins Gebüsch sprang, um meine Notdurft zu verrichten. Die Läuferinnen und Läufer, welche mich überholten, konnten mich von der Strecke aus nicht sehen. Erleichtert kam ich nah kurzer Zeit wieder auf die Strecke zurück, um den Marathon nun ungestört fortzusetzen.
Es ging nun wieder einige Stellen bergab, bevor nach 15 Kilometern wieder mehr Anstiege folgten. Probleme mit den Beinen hatte ich bisher noch nicht. Das Feld war inzwischen relativ weit auseinandergezogen und der Halbmarathon sollte erst um 14:50 Uhr starten. Als ich vor einer kleinen Gruppe von Läufern einen steileren Anstieg bewältigte, hörte ich hinter mir tatsächlich ein Handy klingeln. Nachdem dieses mehrmals geläutet hatte, rief ein Teilnehmer „Telefon!“ und der Angerufene hob ab.
Nach etwa 20 Kilometern erreichten wir zum zweiten Mal den Streckenabschnitt kurz vor dem Parkplatz, wo wir wieder auf den gleichen Versorgungspunkt trafen. Ich unterhielt mich mit einigen anderen Läufern. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer war relativ hoch, einer trug ein Trikot vom Zermatt-Lauf (Schweiz?), für den das heutige Event wohl ein Spaziergang war. Auf dem Schild eines Helfers las ich: „Wer in Bad Pyrmont läuft, lacht in Berlin“, was darauf hinweisen sollte, dass die Strecke in Berlin relativ flach ist.
Die Strecke war bis Kilometer 30 nicht komplett ausgeschildert. Lediglich im Abstand von fünf Kilometern standen Schilder. Nach etwa 22 Kilometern erreichten wir die Sennhütte, an welcher ich auch vor zwei Jahren vorbeigelaufen war. Hinweisschilder wiesen auf eine weitere Hütte hin, welche möglicherweise ganz oben auf dem Berg stand. Ich war gespannt, ob beim Marathon vielleicht die höchste Stelle des Gebirges erreicht werden würde. Ich hatte im Höhenprofil gelesen, dass der höchste Punkt bei Kilometer 27 erreicht weden sollte, also meiner Berechnung nach um 15:45 Uhr. Bei Kilometer 32 sollte der letzte größere Anstieg folgen, danach würde es überwiegend nur noch bergab gegen.
Bei Kilometer 25, kurz nach einer Versorgungsstelle, ging es steil bergauf. Ich hielt an und zog meine Schuhe und Socken aus, um ein Pflaster auf eine Stelle zu legen, wo sich eine Blase bildete. Dann ging es weiter. Dann kamen wir an einem Abschnitt vorbei, welcher später in entgegengesetzter Richtung abgelaufen werden sollte. Hier kamen uns einige schnelle Läufer entgegene. Ich weiß allerdings nicht mehr, ob es sich bei ihnen um die Führenden des Marathons oder des Halbmarathons handelte.
Enttäuschenderweise lag der höchste Punkt des Marathons nicht auf einem Aussichtspunkt, sondern mitten auf der Strecke, wo links die Berge lagen und rechts der Abgrund war. Im Moment dachte ich noch daran, wie ich später in Hannover in einer der Imbissbuden am Hauptbahnhof einige fette, ungesunde Sachen zu mir nehmen würde, da ich inzwischen richtig Hunger hatten. An den Versorgungsstellen konnte ich nur Bananenstücke und Wassermelonen zu mir nehmen.
Schließlich folgte der letzte steilere Anstieg und dann trafen wir auf das hintere Feld der Halbmarathonläufer, von denen ich einige überholte. Das Abwärtslaufen war auch anstrengend, da ich bremsen musste. Meine Beine taten immer stärker weh. Schließlich spärte ich am unteren Rücken Schmerzen, welche offenbar durch die Reibung der Läuferhose zustande gekommen waren. Ich steckte daher mein Trikot hinten in die Hose, um dies zu beenden. Eine Läuferin, mit der ich mich einige Zeit unterhalten hatte, war inzwischen weit vor mir.
An einem der letzten Versorgungsstände sagte mir der Helfer, dass ich dringendst tüchtig essen sollte, um mal ein bisschen etwas auf die Rippen zu bekommen. Ich erklärte ihm, dass das Laufen bei dieser Sache eher kontraproduktiv sei, ich dies aber nicht ändern könne, da ich süchtig nach Laufen sei.
Die restlichen Kilometer machte ich langsam, obwohl es nur noch bergab ging. Als ich wieder die Wiese erreichte, wo es in den Ort ging, stand ein Fotograf des Foto-Teams Müller da. Ich fragte ihn im Vorbeilaufen, ob er und sein Team auch in Cuxhaven dabeigewesen waren, und er bejahte. Dann erreichte ich die Lichtung im Wald und überquerte die Straße, welche vom Polizeiposten abgesichert wurde.
Auf der anderen Seite der Straße ging es durch den Park, wo ich den zuschauenden Senioren zuwinkte. Nach der Linkskurve, die zum Schwimmbad führte, überholte mich ein Läufer, der keine Hände (mehr) hatte. Dann ging es nach links in die Fußgängerzone, wo inzwischen zahlreiche Zuschauer in den Cafés saßen und mir zujubelten.
Da hinter mir eine Gruppe von vier Teilnehmern war, beschleunigte ich ein bisschen, um dann schließlich nach vier Stunden und 20 Minuten die Ziellinie zu überqueren. Hier war gerade die Siegerehrung für Marathon oder Halbmarathon. Ich bekam zwar etwas zu trinken, aber keine Medaille, was mich sehr enttäuschte. Angeblich waren die Medaillen für den Marathon schon im letzten Jahr abgeschafft worden.
Enttäuscht ging ich in das große Gebäude und holte meine Tasche ab. Dann ging ich zu Fuß zum Stadion, wo ich nach kurzer Zeit die Umkleiden fand und duschte. Offenbar hatte ich mir leichtere Hautschürfungen zugezogen, da es sehr schmerzte, wenn das Wasser über den unteren Teil meines Rückens floss.
Meiner Ansicht nach sollte die S-Bahn nach Hannover um 18:02 Uhr vom Bahnhof abfahren. Ich hatte nach dem Verlassen der Umkleide noch 20 Minuten Zeit, den Bahnhof zu erreichen. In Sandalen versuchte ich, zu joggen, um noch rechtzeitig am Bahnhof anzukommen. Nach einigen Laufeinheiten schaffte ich es tatsächlich, am Bahnhof in die stehende S-Bahn einzuspringen. Hätte ich diese Bahn verpasst, so hätte eine ganze Stunde warten müssen.
Nach den 42 Kilometern war ich zwar extrem hungrig, aber der Appetit hatte nachgelassen. Ich hatte das Gefühl, sämtliches Essen sofort wieder ausbrechen zu müssen. Deshalb verzichtetete ich eine Stunde später am Hauptbahnhof Hannover auf einen Besuch in der besagten Bude und begab mich in den Zug nach Rheine. In Wunstorf stieg ich wieder aus und fuhr mit dem RE nach Norddeich-Mole bis Achim, wo ich die Nordwestbahn nach Bremen-Walle nahm. In Bremen-Walle nahm ich die Straßenbahn zu mir nach Hause. Hier kam ich gegen 21:30 Uhr an und legte mich zwei Stunden später schlafen. Ich hatte heute den härtesten Marathon meines Lebens absolviert.

Halbmarathon Wardenburg 2014-07-13

Der siebenundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 6. Wardenburger Sommelauf.
Am Wardenburger Sommerlauf hatte ich bereits 2012 teilgenommen. Im letzten Jahr war die Veranstaltung dann mit dem Wilhelmshaven-Marathon auf einen Tag gefallen, weshalb ich hier nicht dabei sein konnte. Bei der diesjährigen Anmeldung hatte ich angegeben, dass der Kommentator bei meinem Zieleinlauf sagen solle, dass ich heute meinen 97. Halbmarathon absolvierte. Leider kam es ein bisschen anders.
Der Start von Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf war um 14:30 Uhr. Ich stand an diesem Sonntag sehr früh auf, frühstückte und aß einige Stunden später zu Mittag. Um 11:30 Uhr schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr zum Bahnhof Bremen-Neustadt. Hier half ich einer Passagierin, die auch nach Oldenburg wollte, beim Kaufen einer Fahrkarte. Ich selber holte mir eine Tageskarte für mein Fahrrad, denn wegen der schlechten Busverbindungen nach Wardenburg war ich auf mein Rad angewiesen.
Um 12:19 Uhr fuhr die Nordwestbahn nach Oldenburg ein. Ich platzierte mein Fahrrad und las eine Zeitschrift. Um 12:53 Uhr kam der Zug pünktlich in Oldenburg an. Hier stieg ich aus und machte mich auf den zehn Kilometer langen Weg nach Süden. Ich kannte die Strecke an der Hunte entlang noch von vor zwei Jahren. Damals hatte mich auf dem Hinweg ein starker Platzregen überrascht, während es jetzt trocken blieb. Die Temperatur lag bei knapp über 20°C, aber es waren auch Regenschauer vorhergesagt worden.
Nach etwa vierzig Minuten kam ich am Veranstaltungsort an und stellte mein Fahrrad auf dem Parkplatz ab. Dann ging ich zum Schulgelände, um mir die Startnummer abzuholen. Leider war mein Name nicht auf der Voranmeldeliste. Da ich jedoch sicher war, mich angemeldet gehabt zu haben, vereinbarte ich mit dem Helfer eine Nachmeldung, für die ich nicht bezahlen musste. Ich versprach, noch einmal nachzuschauen, ob ich auch wirklich bezahlt hatte.
In den Kabinen der Turnhalle konnte ich mich umziehen. Ich trug obenrum das Trikot, welches ich letztes Jahr in Hoisbüttel gewonnen hatte. Dann gab ich meine Tasche ab und lief mich warm. Ich trug weder Kappe noch Sonnenbrille. Schließlich stellte ich mich in das Starterfeld, weleches dann zur Hauptstraße hinlaufen sollte. Die Strecke war die gleiche wie vor zwei Jahren.
Der Startschuss für Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf kam mit drei Minuten Verspätung, kurz nach 14:30 Uhr. Der Weg führte auf die Hauptstraße und von dort erst ein Stückchen nach Norden, den Weg entlang, auf welchem ich mit dem Fahrrad hergekommen war. Dann ging es nach links und an einer anderen Straße nach Süden durch ein Wohnviertel von Wardenburg. Anfangs war ich relativ schnell unterwegs, doch dann bekam ich Seitenstechen. Ich musste langsamer machen und wurde ständig überholt.
Vor zwei Jahren war ich mit Knieproblemen angetreten, welche sich nach zehn Kilometern bemerkbar gemacht hatten. Trotzem hatte ich damals weniger als hundert Minuten für die Strecke benötigt. Diesmal wurde es ein bisschen mehr, weil ich nun entschloss, langsamer zu laufen und die Umgebung zu genießen. Die Temperaturen waren doch ein bisschen zu hoch. Ich ließ bei keinem Versorgungspunkt den Wasserbecher aus.
Im Wohngebiet kamen wir schließlich auf eine weitere Hauptstraße, die uns aus dem Ort hinaus nach Westen führte. Hier mussten wir auf dem Radweg laufen, während die Straße für die Autos freigegeben war. Dann bogen wir rechts ab und kamen an einigen Bauernhöfen vorbei und durch Wälder hindurch.
Nach einer großen Schleife durch das Gebiet westlich von Wardenburg kamen wir wieder weiter nördlich zu einer der Hauptstraßen. Als wir diese überquerten, sah ich eine lange Schlange von Autos, welche wegen uns warten mussten.
Wir waren nun wieder im nördlichen Teil von Wardenburg und überquerten die Hauptstraße, auf welcher ich vorhin mit dem Fahrrad hierher gekommen war. Auch hier warteten zwei lange Autoschlangen. Als wir das Wohngebiet hinter uns hatten, ging es an einem See vorbei und über einen kleinen Fluss. Nun folgte der Abschnitt östlich von Wardenburg. Es ging nach Süden, wobei nun die Stelle kam, wo sich Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf trennten. Ein Mann hielt am Ende des Parkplatzes ein Schild hoch, in welchem ein Pfeil nach rechts für die Zehn-Kilometerläufer und ein Pfeil nach links für die Halbmarathonis war. Wir befanden uns nun so nahe am Veranstaltungsgelände, dass ich aus der Ferne den Kommentator hören konnte.
Der nächste Abschnitt führte nun auf einer Art Deich entlang. Ich erinnerte mich, wie hier vor zwei Jahren die Schmerzen an meinem Knie begonnen hatten. Mein heutiges Seitenstechen war inzwischen vorbei. Kurz, bevor wir den Deich verließen, passierte wir einen Fotografen, der Bilder von uns machte.
Wir unterquerten daraufhin eine Fernverkehrsstraße. Dann erreichten wir eine Straße für Autos, die wir überquerten. Auf der anderen Seite kamen wir an einem Bauernhof vorbei, wo – wie vor zwei Jahren – einige Kinder Gratis-Duschen mit Wasser verteilten. Ich lehnte ab, da ich kurz zuvor schon einnmal unter einer aufgestellten Duschbrause hindurchgelaufen war. Es ging nun nach Süden und jetzt begann es zu regnen. Der Regen wurde, wenn auch nur langsam, kontinuierlich stärker. Als es wieder nach Norden ging, kamen wir über die Fernverkehrsstraße. Dann wurde der Regen immer stärker. Hinter der Brücke hatten wir auch schon wieder das Wohngebiet von Wardenburg erreicht. Wir liefen durch dieses Gebiet östlich der Hauptstraße und kamen dann zum Zielbereich. Als der Kommentator mich sah, nannte er meinen Namen und meine Herkunftsstadt. Er sagte, dass in Bremen die Weser fließe, während heute hier das Wasser vom Himmel fließe.
Im Zielbereich gab es verschiedene Sorten Krombacher, ich suchte jedoch so schnell wie möglich die Taschenabgabe auf. Meine Startnummer hatte ich im Ziel gleich abgegeben, da diese den Zeitmesschip enthielt und bei der nächsten Veranstaltung wieder verwendet werden sollte. Es regnete inzwischen in Strömen und ich rannte mit der Tasche in der Hand sofort zur Turnhalle, wo sich die Duschen befanden. Dort duschte ich und zog mich um. Als ich die Turnhalle verließ, hatte der Regen wieder aufgehört. Ich hatte in der Ausschreibung gelesen, dass es eine Ehrung für die ersten drei aller Altersklassen geben würde, da meine Zielzeit aber bei über 1:44 Stunden lag, war mir klar, dass ich hier nicht dabei sein müsste. Später erfuht ich jedoch, dass ich in meiner Altersklasse tatsächlich den dritten Platz belegt hatte. Da ich dies jetzt aber nicht vermutete, ging ich zu meinem Fahrrad und machte mich auf den Rückweg. Der Feldweg an der Hunte entlang war inzwischen sehr matschig und da ich Sandalen und kurze Hose trug, wurden meine Beine extrem dreckig.
Am Oldenburger Hauptbahnhof ging ich zunächst noch essen, bevor ich dann in die Nordwestbahn stieg und nach Bremen-Neustadt zurückfuhr. Als ich am Bahnhof mein Fahrrad die Treppe heruntertragen musste, wollte ich meine Hände nicht schmutzig machen und fasste das Rad daher an ungeeigneten Stellen an. Eine andere Passagierin, die hier ebenfalls ausgestiegen war, sah dies und half mir beim Tragen. Dann erkannte ich, dass es sich um dieselbe Frau handelte, der ich vor der Hinfahrt beim Fahrkartenkauf geholfen hatte. Wir unterhielten uns noch kurz und ich erfuhr, dass sie sich gar nicht für Fußball interessierte und heute abend nur kurz in den Fernseher schauen würde, um zu erfahren, wie das WM-Finale ausgegangen sei.
Von Bremen-Neustadt aus fuhr ich mit dem Fahrrad nach Hause. Obwohl ich heute morgen früh aufgestanden war, blieb mir nichts anderes übrig, als bis Mitternacht wachzubleiben, da die DFB-Elf das WM-Finale erst nach Verlängerung für sich entscheiden konnte.
Als ich am nächsten Morgen meine Kontoauszüge kontrollierte, musste ich feststellen, dass ich tatsächlich für den Wardenburg-Halbmarathon nicht bezahlt hatte. Schockiert suchte ich die Kontodaten heraus, überwies 20 Euro an den Veranstalter (12€ + 4€ Nachmeldegebühr + 4€ zusätzlich) und schrieb eine E-Mail, worin ich den Sachverhalt erklärte. Einen Tag später bekam ich per E-Mail eine Bestätigung, dass das Geld angekommen sei und man mich gerne im nächsten Jahr wieder hier begrüßen würde.

Freitag, 11. Juli 2014

Halbmarathon Hamburg 2014-06-29

Der sechsundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 20. hella Halbmarathon in Hamburg.
Den Hamburg-Halbmarathon absolvierte ich nun schon zum fünften Mal. In den letzten drei Jahren waren die Temperaturen trotz des Termins Ende Juni bzw Anfang Juli relativ niedrig gewesen und auch in diesem Jahr sah es in dieser Hinsicht gut aus. Die Strecke war genau die gleiche wie in den Vorjahren mit Start an der Reeperbahn und Ziel an der Rothenbaumchaussee. Da hier auch die Startunterlagenausgabe war, welche am Sonntag nur bis 8:30 Uhr geöffnet sein sollte, entschied ich mich wie immer, meine Unterlagen bereits vor dem Lauftag abzuholen.
Im Gegensatz zu den Vorjahren fiel diese Veranstaltung nicht mit dem Hurricane-Festival zusammen. Ich hatte bisher auf Hin-und Rückfahrt am Freitag das Problem, dass viele Gäste dieses Festivals die Züge verstopften und die Fahrt unangenehm machten. Dieses Mal wählte ich den Samstag für die Anfahrt. Um 10:33 Uhr nahm ich den Metronom vom Bremer Hauptbahnhof nach Hamburg. Leider war an diesem Tag ein Schlager-Festival in Hamburg, weshalb der Zug ähnlich verstopft war. Trotz Verbot trank fast jeder der Fahrgöäste Alkohol und versteckte die Flaschen jeweils, wenn eine der beiden Zugbegleiterinnen vorbeikam.
Ich stieg in Rotenburg aus, wo ein Mitarbeiter des SDS-Sicherheitsdienstes mir sagte, dass in den Metronom-Zügen heute zwar fast alle Passagiere Alkohol tranken, trotzdem aber die Regel gelte, dass derjenige, der erwischt werden würde, die Vertragstrafe von 40€ zahlen müsste. Er selber hätte auf seiner letzten Fahrt die Daten von 3 Passagieren aufgenommen. Tatsächlich forderte er jeden Passanten, der den Metronom mit Bierdose in der Hand betreten wollte, auf, diese vorher wegzuwerfen.
In Rotenburg wartete ich nun auf den langsamen Metronom nach Hamburg, welcher leider noch gefüllter war als der Metronom zuvor. In Tostedt stieg dann endlich ein Mitarbeiter des SDS-Sicherheitsdienstes ein, der tatsächlich einen der Passagiere beim Alkoholtrinken erwischte und ihn direkt um 40 Euro (in bar) erleichterte. Einige andere Fahrgäste boten auch mir kleine Schnapsflaschen an, die ich jedoch ablehnte.
Es dauerte ewig, bis ich in Hamburg ankam. Ich fuhr vom Hauptbahnhof aus zur Hallerstraße, wo ich mir die Startunterlagen mit dem Zeitmesschip abholte. Diesen hatte ich letztes Jahr vergessen nach dem Rennen wieder abzugeben, und musste ihn daher dem Veranstalter mit der Post zuschicken. Auf der Rückfahrt nach Bremen war es wesentlich ruhiger. Die Zugebgleiterinnen sammelten lediglich die hinterbliebenen Bierdosen- und flaschen ein.
Für den Tag des Halbmarathons hatte ich mit Problemen bei der Anfahrt gerechnet. Da es sowohl auf der Straßenbahnlinie von Gröpelingen in die Innenstadt als auch auf der Bahnstrecke zwischen Burg und dem Hauptbahnhof Bauarbeiten gab, hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mit dem Fahrrad von meiner Wohnung zum Hauptbahnhof zu fahren und dieses dann in den Metronom zu stellen. Schließlich entschied ich mich aber dazu, um 7:10 Uhr die Straßenbahn zum Bremer Hauptbahnhof zu nehmen, wo ich dann 3 Minuten Umsteigezeit in den Metronom hatte.
Nach einigen Stunden Schlaf wachte ich am Sonntag gegen 5:30 Uhr auf. Ich stand auf und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche. Mein vorbereitetes Brot für unterwegs hatte ich tatsächlich zu Hause vergessen. Ich stieg in die Straßenbahn, welche kurz vor halb acht Uhr am Hauptbahnhof ankam und rannte dort zum Metronom nach Hamburg, den ich glücklich erreichte.
Auf der Fahrt nach Hamburg bemerkte ich nun, dass ich nicht nur mein Brot, sondern auch die Sicherheitsnadeln für dis Startnummer vergessen hatte. Zum Glück bekam ich von anderen Teilnehmern drei Sicherheitsnadeln geschenkt, zwei für meine Startnummer und die dritte für die Aufschrift auf meiner Tasche.
Der Zug kam pünktlich um Viertel vor neun Uhr am Hamburger Hauptbahnhof an. Ich ging nun in eine Bäckerei, um mir eine Brezel zu kaufen, damit ich statt meines eigentlich vorbereiteten Brotes noch etwas in den Magen bekam. Dann ging ich zur unterirdischen U-Bahn-Station, um die U3 nach St. Pauli zu besteigen. Hier traf ich nun etliche andere Läufer. Als die U-Bahn den unterirdischen Bereich verließ, sah ich, dass das Wetter noch genauso trüb und leicht verregnet war wie bisher. Die Temperaturen lagen bei unter 20°C. Als ich in St. Pauli die unterirdische U-Bahn-Haltestelle verließ, sah ich mich in einem großen Getümmel von Sportlern wieder. Ich ging zur Wiese neben der Reeperbahn und zog mich um. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo ich eine beachtliche Zeit von unter 86 Minuten gelaufen war, zog ich mir diesmal ein Trikot an, und zwar das vom Wilhelmshaven-Halbmarathon, welches ich zwei Wochen zuvor erhalten hatte. Auf eine Kappe verzichtete ich beim Laufen. Der Regen war nicht so stark, dass ich meine Brille ständig putzen musste und mir eine Kappe geholfen hätte.
Die aufgestellten mobilen Toiletten an der Reeperbahn waren teilweise extrem versaut und unbenutzbar. Ich benutzte eines der Häuschen, nachdem ich meine Tasche im LKW abgegeben hatte und schaute mir an, wie um 9:30 Uhr die Inlineskater starteten. Auf der rechten Hälfte der Reeperbahn war nur eine Handvoll Skater zu sehen, welche das Elite-Feld repräsentierten. Auf der linken Seite startete das Fußvolk. Kurz vor zehn Uhr machte ich mich schließlich selber auf den Weg auf die rechte Seite der Reeperbahn.
Als ich die Stelle erreichte, wo die Läufer mit einer Zielzeit von weniger als 90 Minuten untergebracht waren, war es bereits relativ voll. Ich gelangte trotzdem auf die Startgeraden. Der Start musste um eine Minute nach hinten verschoben werden, um die langsamste Inlineskaterin noch durchzulassen, welche sich nun auf der zweiten Runde befand. Vor mir war ein Pacemaker für die 1:29-Stunden-Marke, den ich überholten wollte. Dann ging es endlich los.
Da es anfangs sehr eng war, musste ich immer wieder von der einen Seite der Reeperbahn auf die andere wechseln, um Lücken zu finden. Als wir die Reeperbahn hinter uns hatten, wurde es auf der Strecke leerer und am Rand ruhiger, da nun keine Zuschauer mehr vorhanden waren. Am Wendepunkt in Altona überholte ich die letzte Inlineskaterin. Da diese sich schon auf der zweiten Runde befand, bestand die Möglichkeit, sie irgendwann noch einmal zu überholen.
Meine Zeiten bewegten sich im Bereich von 250 Sekunden pro Kilometer. Ganz so schnell wie im letzten Jahr, wo ich unter die ersten 100 gekommen war, konnte ich heute nicht sein.
Als wir die Landungsbrücken hinter uns hatten, mussten wir uns links einordnen um in die zweite Runde zu gelangen. Kurz bevor wir wieder auf die Reeperbahn kamen gab es etwas zu trinken. Den Wasserbecher leerte ich während dem Laufen, um möglichst wenig Zeit zu verlieren.
In der zweiten Runde fiel mir schließlich auf, dass an den Landungsbrücken relativ wenige Zuschauer waren, was wohl auch am Wetter lag. Es regnete zwar nicht stark, tröpfelte aber durchgehend. Am Ende der zweiten Runde wurde es dann doch ein bisschen enger, da die Zuschauer hier direkt am Wegrand standen. Es ging nun an der Speicherstadt vorbei in Richtung Hauptbahnhof. Bei Kilometer zehn wurde die Zwischenzeit gemessen, ich hatte etwa 41 und eine halbe Minute gebraucht.
Wie jedes Jahr führte der Weg neben dem Hauptbahnhof durch die Unterführung, an deren Eingang heute eine Band spielte. Dort unten waren wir vor Regentropfen sicher. Als wir dann wieder nach oben liefen, konnte ich links vor mir die Binnenalster sehen. Beim Marathon hatte ich diese einmal umrunden müssen, jetzt ging es nach rechts unter einer S-Bahnbrücke hindurch und dann nach links auf eine Brücke für Autos, die heute aber komplett für Läufer gesperrt war. Da auf der anderen Seite der Brücke der Wendepunkt war, konnte ich rechts von mir das Läuferfeld sehen, welches vor mir war. Unter diesen Teilnehmern war auch die langsamste Inlineskaterin. Ich nahm mir vor, sie vor dem Ziel noch abzufangen und teilte das einem anderen Läufer in violettem Trikot mit, der mich gerade überholte. Er sagte, dass ihm solche Skaterinnen irgendwie leid täten und war dann auch schon weit vor mir. Ihn selber holte ich nicht mehr ein.
Beim Wendepunkt musste ich langsam machen, um die 180°-Kurve zu absolvieren. Dann konnte ich das Feld hinter mir sehen. Auf den 1:29-Stunden-Pacemaker hatte ich einen beruhigenden Vorsprung. Mitten auf der Brücke war auch ein Zelt mit Moderatorenteam aufgebaut, die über Lautsprecher auch meinen Namen durchgaben.
Hinter der Brücke ging es nach links, da jetzt der Abschnitt um die Alster folgte. Am Straßenrand sah ich die langsamste Inlineskaterin, welche sich offenbar am Fuß behandeln ließ. Ich hatte nun einen sehr schönen Blick auf die Außenalster, während der Weg nach Norden führte. Meine Geschwindigkeit hatte nachgelassen und ich hatte auch nicht mehr die Kraft, jetzt noch einmal schneller zu machen.
Der letzte Streckenabschnitt führte über mehrere Brücken, da die Alster hier einige Nebeflüsse besitzt. Als ich auf die lange Zielgeraden einbog, überholte ich tatsächlich noch die zweitlangsamste Inlineskaterin. Ich versuchte, jetzt noch einmal richtig zu beschleunigen. Leider wusste ich nicht genau, nach wieviel Sekunden ich die Startlinie überquert hatte. Die Ziellinie erreichte ich bei einer Bruttozeit von knapp über 1:28:30h. Als ich dann langsam zur Verpflegung ging, hörte ich eine Moderatorin sprechen, die offenbar von einem Rundfunksender kam und zufällig Teilnehmer aussuchte, um Preise zu vergeben. Sie erwähnte einen männlichen Finisher in rosafarbenem Shirt, welcher einen Freistart für das nächste Jahr und offenbar noch einen Sachpreis gewonnen hatte. Da ich aber keinen Mann in rosa Shirt sehen konnte, vermutete ich, dass sie den Typ im violetten Trikot meinte, mit dem ich mich vorher noch unterhalten hatte.
Glücklicherweise hatte ich schon während des Rennens daran gedacht, nachher den Zeitmesschip wieder abzugeben, was ich daher diesmal nicht vergaß. Nach einigen Bechern verschiedener Getränke des Sponsors hella bekam ich die Medaille umgehängt. Sie war denen der bisherigen Auflagen sehr ähnlich, hing diesmal aber an einem hellblauem Band.
Ich ging zum entsprechenden LKW und holte meine Tasche ab. Wie im Vorjahr suchte ich erneut nicht die Duschen der Universität, sondern der nebenanliegenden Schule auf. Hier ging es extrem ruhig zu. Ein anderer Läufer erklärte mir, dass man den Zeitmesschip auch für etwa 20 Euro kaufen könne. Als ich das hörte, wurde mir klar, dass sich ein solcher Kauf bei mir bereits amortisiert hätte, da ich den Hamburg-Halbmarathon nun schon fünfmal absolviert hatte und auch einmal bei der Rostocker Marathon-Nacht dabei gewesen war, wo der gleiche Chip verwedet wurde.
Nach dem Duschen ging ich zur U-Bahn-Haltestelle Hallerstraße und fuhr zum Hauptbahnhof. Leider war die Brücke über die Elbe, welche den gesamten Eisenbahnverkehr abdeckt, gesperrt. Ich ging daher am Jungfernstieg noch in eine Kneipe und trank ein Bier. Erst am späten Nachmittag kam ich wieder zu Hause an.