Sonntag, 15. Mai 2011

Halbmarathon Wilhelmshaven 2011-05-15

Der siebzehnte Halbmarathon meines Lebens.
Der 6. Gorch-Fock-Marathon bestand aus einem Marathon, einem Halbmarathon und einem 10km-Lauf. Nach meinem letzten Lauf in Hannover voriges Wochenende waren die Temperaturen deutlich gefallen. Da der Halbmarathon schon um 10:00 Uhr starten sollte und keine allzu starken Regenschauer vorhergesagt worden waren, rechnete ich mir gute Chancen aus, hier meine persönliche Bestzeit von 1:39:50h zu unterbieten. Durch einige Recherchen im Internet hatte ich eine Möglichkeit gefunden, schon gegen 8:20 Uhr in Wilhelmshaven anzukommen und trotzdem erst um kurz vor halb sieben Uhr das Haus zu verlassen. Ohne zu frühstücken tat ich das an diesem Morgen und setzte mich in die Straßenbahn, um nach wenigen Minuten Fahrt am Bahnhof Walle in die Regionalbahn zum Hauptbahnhof einzusteigen und dort dann in den RE nach Oldenburg umzusteigen. Dafür sollten mir am Hbf sechs Minuten Umsteigezeit zur Verfügung stehen. Doch soweit kam es gar nicht: Als ich die Treppe zum Bahnhof Walle hinauflief, hörte ich durch eine Lautsprecherstimme, dass der Zug zum Hauptbahnhof heute wegen eines technischen Defekts ausfalle. Damit war ich erst einmal bedient. Um den RE am Hbf noch zu bekommen, musste nun schnell etwas geschehen. Über mein Handy kontaktierte ich das nächste Taxi-Unternehmen, doch als man mir dort sagte, dass ich mindesten eine Viertelstunde darauf warten müsste, wurde mir klar, dass ich wohl erst um 9:20 Uhr in Wilhelmshaven ankommen würde. Glücklicherweise fuhr die nächste Straßenbahn zum Hauptbahnhof schon wenige Minuten später ab, da die einzige Alternative nach Oldenburg zu kommen, eine langsame Nordwestbahn, schon 20 Minuten nach dem RE abfuhr. In der Straßenbahn frühstückte ich mein mitgebrachtes Brot und ging am Bahnhof dann zur Nordwestbahn, welche bereits abfahrbereit stand. Eine Dreiviertelstunde später kam ich in Oldenburg an. Hier musste ich wiederum etwa 40 Minuten waren, um mit einer weiteren Nordwestbahn nach Wilhelmshaven fahren zu können. Da mir dort bis zum Startschuss nicht mehr viel Zeit bleiben sollte, frühstückte ich mein zweites Brot in der Bahn, wo ich nachher auch meine Sportkleidung anzog. Glücklicherweise kam diese Nordwestbahn pünktlich in Wilhelmshaven an. Nun blieben also noch 40 Minuten bis zum Start. Beim Aussteigen lernte ich eine Frau kennen, die heute ihren ersten Halbmarathon laufen wollte und bis zu diesem Tag immer nur 10km-Abschnitte absolviert hatte. Da sie zum ersten Mal bei der Veranstaltung in Wilhelmshaven teilnahm, zeigte ich ihr den Weg vom Bahnhof zum Veranstaltungszentrum, den ich noch aus dem Vorjahr kannte. Wir mussten beide noch unsere Startunterlagen abholen, was mich einigermaßen beruhigte, da ich mir nicht sicher war, ob hierfür ein bestimmtes zeitliches Limit gesetzt worden war.
Nach wenigen Minuten kamen wir am Gorch-Fock-Haus an. Hier konnte ich ein Schild sehen, welches die Haltestelle für die Pendelbusse zu den Duschen kennzeichnete. Offenbar hatte sich in diesem Punkt im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert. Ich nahm mir vor, diesmal von den Duschen Gebrauch zu machen und nicht erneut verschwitzt die Heimfahrt mit der Bahn anzutreten.
Im Gorch-Fock-Haus erhielt ich meine Startunterlagen, unter denen sich kein Schnick-Schnack befand. Lediglich die Startnummer und der Chip zur Zeitmessung wurden mir gegeben, zusätzlich ein Trikot, genau wie im Vorjahr. Vorder- und Rückseite waren wieder mit Sponsoren-Aufschriften überzogen, die Grundfarbe war dieses Mal mehr gelblicher als im Vorjahr, wo sie eher giftgrün erschienen war.
Vor 10:00 Uhr starteten zunächst die Marathon- und dann die 10km-Läufer. Eine Viertelstunde vor unserem Startschuss gab ich meine Tasche im entsprechenden LKW ab, lief mich kurz warm und ging dann zur Startgeraden. Wenn ich heute meine Rekordzeit verbessern wollte, war es sinnvoll, möglichst weit vorne im Läuferfeld zu stehen, da bei diesem Wettbewerb nur die Brutto- und nicht die Nettozeit gemessen werden sollte. Ich schob mich also im Startfeld so weit nach vorne, wie es nur möglich war. Als um 10:00 Uhr der Startschuss ertönte, dauerte es 25 Sekunden, bis ich die Startlinie überquerte. Mit meiner Armbanduhr wollte ich nun die nächsten 21km genau beobachten, wie sich meine Kilometer- Zeiten verhielten.
Um persönliche Rekordzeit zu laufen, durfte ich pro Kilometer nur 4:45min benötigen und musste zusätzlich die 25s vom Start aufholen.
Die Strecke war exakt die gleiche wie im Vorjahr: Zunächst ging es den Weg zum Hauptbahnhof zurück, jedoch wurde vor dem Erreichen der Nordseepassage, welche den Bahnhof umgab, nach links in die Fußgängerzone eingebogen. Hier war das Feld noch eng zusammen und Überholen etwas schwieriger. Nach dem ersten Kilometer merkte ich, dass ich zum Erreichen meines Ziels die richtige Geschwindigkeit ausgewählt hatte. Die Frage war, ob ich dieses auch halten könnte. Es ging nun etwa zwei Kilometer lang geradeaus in westlicher Richtung durch ein ruhiges Wohngebiet, wo nur wenige Zuschauer am Rand standen. Hier bekam ich den Eindruck, dass ich konditionell vielleicht doch nicht so gut gerüstet war, um meine Geschwindigkeit auf Dauer aufrechterhalten zu können. Nach einer schnellen Rechts-Links-Kurve überquerten wir eine Brücke, die über die Bahngleise führte, auf welchen ich heute Morgen noch mit dem Zug gefahren war.
Die folgende Straße in südlicher Richtung führte durch ein Industriegebiet und endete am Kanalhafen, einem kleinen Fluss, hinter dem wir eine Kurve einschlugen und wieder nach Westen liefen. Ungefähr hier befand sich der erste Verpflegungspunkt, an dem ich mir einen Becher Wasser gönnte. Nach einer 180°-Kurve führte der Kurs nach Osten am Niedersächsischen Wattenmeer entlang, welches wir jedoch zunächst nicht sehen konnte, da zwischen ihm und uns eine "Düne" mit einer Wiese im Weg stand. Diese Düne war mit einem Zaun abgesperrt, damit die darauf weidenden Schafe nicht verloren gehen konnten. Nach zwei Kilometern war dieses Weidefeld zu Ende und es gab einen asphaltierten Weg, der über die Düne auf deren andere Seite führte. Nun konnten wir das Niedersächsische Wattenmeer sehen. Im Gegensatz zum Vorjahr herrschte diesmal Flut, und einige kleine Boote schaukelten auf dem Wasser. Auf der anderen Seite des Weges standen Strandkörbe, die allerdings nicht belegt waren. Jedoch gab es jetzt einige Zuschauer, während auf den Kilometern zuvor auffällige Ruhe geherrscht hatte. Als ich Kilometer Zehn erreicht hatte, war der Badestrand zu Ende und der Ausrüstungshafen der Bundeswehr erreicht. Hier wehte seitlich ein sehr starker Wind, was mir beim Laufen zu schaffen machte. Zusätzlich merkte ich, wie sich eines meiner Pflaster, die ich über eine Blase am großen Zeh angebracht hatte , sich von der Stelle gelöst hatte und nun eher als Störfaktor meinen Fuß beeinträchtigte. Mir blieb nichts anderes übrig als dies hinzunehmen, denn eine Pause einlegen, um das Pflaster zu entfernen, wollte ich nicht, da mich das zu viel Zeit gekostet hätte. Beim Blick auf meine Uhr merkte ich allerdings, dass ich zum Erreichen meiner Bestzeit bis jetzt nur wenige Sekunden zu langsam gewesen war. Ein neuer persönlicher Rekord war immer noch möglich. Nach dem Ausrüstungshafen und dem Nordhafen folgte eine Uferstraße, an der wir einige große Schiffe passierten. Auf Höhe der Fregatte "Schleswig-Holstein" befand sich der Wendepunkt der Halbmarathon- und der ersten Marathonrunde. Läufer des letzteren Kurses musste bei der zweiten Runde ein Stück weiter vorne drehen. An dieser Stelle hatte ich auch die ersten Marathonläufer, welche ja eine halbe Stunde vor uns gestartet waren, eingeholt. Ich konnte sie an der farbigen Aufschrift ihrer Startnummern erkennen. Insgesamt führte ich auch einige Überholungen von Halbmarathonläufern durch, allerdings weit nicht so viele wie eine Woche zuvor in Hannover. Nun folgten fünf Kilometer in die entgegengesetzte Richtung, bei der ich erneut einen unangenehmen Wind, diesmal von der anderen Seite, verspürte. Dieser Abschnitt verlief auf einer normalen Straße, von der nur eine Seite für uns Läufer gesperrt war. Die andere Seite wurde von Autos befahren, was mich auf Grund des Lärms schon ziemlich störte. Nachdem die Häfen wieder passiert waren, führte eine Passage zwischen dem "Großen Hafen" und dem Banter See nach Norden in Richtung Innenstadt zurück. Hier gab es die erste Verpflegungsstation, welche ich ausließ, da mir langsam klar wurde, dass heute tatsächlich eine neue Bestzeit möglich war. Auf der anderen Seite des Großen Hafens lief ich eine Rechtskurve und damit ein Stück nach Osten. Ich konnte hier bereits Lautsprecherdurchsagen hören, welche sich weiter nördlich im Zielbereich befanden. Besonders dicht war das Läuferfeld hier auch nicht mehr. Glücklicherweise zeigten Streckenposten jedem Teilnehmer die Richtung, die er bei einer Abzweigung zu nehmen hatte. Bei Kilometer 20 erhöhte ich mein Tempo noch einmal leicht. Kurz vor Erreichen der Zielgeraden, etwas 500 Meter vor dem Ziel, war tatsächlich noch einmal eine Verpflegungsstelle vorhanden. Mir wurde von mehreren Helfern Wasser angeboten, dass ich jedoch zurückwies. An dieser Stelle befand ich auch der Kommentator, den ich wenige Minuten zuvor aus der Ferne wahrgenommen hatte. Als ich vorbeilief, sagte er über sein Mikrofon: "Ab hier gibt es nur noch Rückenwind!" Das kam mir natürlich sehr entgegen. Ich erreichte die Fußgängerzone, vor welcher ich allerdings rechts auf die Zielgeraden abbiegen musste. Dies war im Prinzip der Weg vom Bahnhof zum Veranstaltungszentrum, den ich schon bestens kannte. Ich lief noch einmal so schnell ich konnte und erreichte das Ziel bei einer Bruttozeit von etwa 1 Stunde und 39 Minuten. Damit hatte ich meine Bestzeit tatsächlich unterboten. Nach wenigen Metern wurde ich sofort aufgefordert, den Chip zur Zeitmessung zurückzugeben. Nach ich ihn von meinen Schnürsenkeln entfernt und abgegeben hatte, trank ich zwei Glas Pepsi und aß Apfel- und Melonenstücke. Die Medaille hatte ich kurz zuvor ausgehändigt bekommen. Sie sah so ähnlich aus wie im Vorjahr: Auf der Rückseite war ein Aufkleber mit einem Sponsor, welcher sich jedoch leicht entfernen ließ. Auf der Vorderseite war ein Aufkleber mit der Aufschrift: "6. Gorch-Fock-Marathon Wilhelmshaven, Mai 2011". Also erneut keine Gravur, keine Angabe des genauen Datums und kein Unterschied zwischen den verschiedenen Disziplinen. In der Mitte war ein Segelboot aufgemalt.
Nachdem ich meine Tasche abgeholt hatte, ging ich zur Haltestelle und wartete auf den Kleinbus zu den Duschräumen. Zusammen mit einigen anderen Sportlern stieg ich in das Fahrzeug ein, welches schon nach kurzer Zeit eintraf. Ich musste nun feststellen, dass es durchaus sinnvoller gewesen wäre, den Weg zu den Duschen auszuschildern, dann zu Fuß hätte man ihn wohl schneller erreicht. Der Weg mit dem Auto kreuzte nämlich den Marathon-Kurs, was zur Folge hatte, dass wir mehrere Minuten im Stau standen, eher der zuständige Polizist uns vorbeiwinkte. Die Duschen befanden sich auf einem Schulgelände, welches nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt war. Anstehen mussten wir hier nicht, da wir die Räumlichkeiten vollkommen leer vorfanden. Allerdings änderte sich das, nachdem ich mit dem Duschen fertig war. Ich zog mich wieder an und ging zum Bahnhof. Hier nahm ich um Viertel vor Ein Uhr mittags die Nordwestbahn nach Oldenburg. Um nicht eine Stunde warten zu müssten, investierte ich 7.85€ in eine Ticket, um in Oldenburg sofort in den Intercity nach Bremen einzusteigen. Ich hatte Glück, dass keiner der Züge auf der Rückfahrt Verspätung hatte. So kam ich schon kurz vor 15Uhr zu Hause an.

Dienstag, 10. Mai 2011

Halbmarathon Hannover 2011-05-08

Der sechzehnte Halbmarathon meines Lebens.
Wenige Tage, nachdem ich am 2.5.2010 den TUIfly-Halbmarathon absolviert hatte, bekam ich vom Veranstalter per E-Mail die Mitteilung, dass ich mich bereits für die Auflage im darauffolgenden Jahr, am 8.5.2011, anmelden könne. Somit legte ich mich fast zwölf Monate im Voraus darauf fest, an diesem Tag wieder einen Halbmarathon in Hannover zu laufen.
Die Veranstaltung sollte mit der Vorjahres nahezu identisch sein: Neben einigen „Spezialläufen“ waren ein Marathon (Start um 9:00 Uhr), ein Halbmarathon (Start um 11:00 Uhr) und ein 10km-Lauf vorgesehen. Somit konnte ich an diesem Sonntagmorgen etwas länger schlafen. Ich stieg erst um 6:30 Uhr auf und fuhr um 7:40 Uhr mit der Straßenbahn zum Hautbahnhof. Dort nahm ich um 8:19 Uhr den Zug nach Hannover. Im Vergleich zum Vorjahr sollte ich also eine Stunde später in Hannover ankommen. Den Hinweis, die Startunterlagen wegen großem Andrang am Veranstaltungstag schon Samstag oder Freitag abzuholen, hatte ich ignoriert. Gegen 9:45 Uhr kam der Regionalexpress in Hannover an, über Lautsprecher wünschte ein Zugbegleiter allen aussteigenden Fahrgästen viel Spaß beim Marathon.
Den Weg zum Veranstaltungszentrum kannte ich noch aus dem letzten Jahr. Somit musste ich mich nicht an den anderen Sportlern, welche an dem TUIfly-Sack der bereits abgeholten Startunterlagen zu erkennen waren, orientieren. Die Fußgängerzone bildete einen Teil der Strecke, auf welche mir das Spitzenfeld des Marathons, also eine Hand voll afrikanischer Sportler, entgegenkam. Gegen 10:00 Uhr kam ich am Rathaus an. In einem Messezelt musste ich mich mit der Meldebestätigung ausweisen, um in den Bereich zu kommen, wo die Startunterlagen ausgegeben wurden. Hier wurde mir klar, dass die Ankündigung von dem großen Andrang genauso wenig zutreffend war wie im letzten Jahr: Ich musste keine Minute warten, bis ich an der Reihe war. Neben der Startnummer bekam ich einige Werbeprospekte, ein Tuch für den Kopf, ein Stück Traubenzucker und eine Tüte mit einem Zeug, welches ich als „flüssige Süßigkeit“ bezeichne und letztes Jahr angeekelt weggeworfen hatte, nachdem ich ein kleines Bisschen davon „getrunken“ hatte. Meine Versuche, diese Substanz an andere Läufer zu verschenken, scheiterten zunächst an Absagen wie „Das schmeckt widerwärtig“. Letztlich fand sich doch eine Läuferin, die das Zeug dankend entgegennahm.
Zum Wetter ist zu sagen, dass der vorläufige Höhepunkt der Temperaturen gestern bereits erreicht worden war. Heute sollten es in Hannover nur 22°C werden. Da keine einzige Wolke am Himmel war, entschied ich mich dafür, meine Sonnenbrille während des gesamten Laufs zu tragen und die normale Brille mit meinen Kleidern abzugeben.
Nachdem ich mein mitgebrachtes Brot und das Stück Traubenzucker gegessen hatte, steckte ich meine Sporttasche in den TUIfly-Beutel und beklebte diesen mit dem kleinen Startnummern-Aufkleber. Ich gab den Beutel im entsprechenden LKW ab. Danach schaute ich mir noch kurz den Maschsee an, bevor ich zur Startgeraden ging. Die Straße Friedrichswall war zweigeteilt in die Start- und Zielgeraden. Auf letztere reihte ich mich am Ende des Feldes ein. Um 11:00 Uhr ertönte der Startschuss, jedoch dauerte es bis 11:04 Uhr, bis der hinterste Teil des Feldes losgehen konnte. Gegen 11:08 Uhr erreichte ich als einer der letzten Teilnehmer die Startlinie.
Da ich erst am Mittwoch zuvor trainiert hatte und noch einige Muskelschmerzen davongetragen hatte, war ich mir nicht sicher, ob ich vielleicht nach relativ kurzer Distanz Probleme mit den Beinen bekommen würde.
Vom Friedrichswall aus ging es zunächst nach Westen, bevor mit einer 180°-Drehung Kurs in Richtung Maschsee genommen wurde. Wie im Jahr zuvor wurde dieser See nun komplett an seiner Ostseite abgelaufen.
Nach vier Kilometern kam die erste Verpflegungsstelle. Das Gedränge an den Wasserständen war ziemlich groß, ein Helfer schrie uns an: „Es gibt fünf Wasserstände, bitte auch die hinteren benutzen!“
Der Weg führte weiter geradeaus bis zu den Schienen der S-Bahn. Hier war der erste Verzweigungspunkt, an dem die Marathonläufer vor etwa zwei Stunden alle geradeaus durch die Unterführung unter der Bahnlinie durchgelaufen waren und wir Halbmarathonis nun links abbiegen musste. Nach einem kurzen Stück entlang der Bahnlinie kam eine weitere Linkskurve und es ging nun wieder, parallel zur vorherigen Gerade entlang des Maschsees, zurück in Richtung Stadtzentrum.
Auf diesem Abschnitt überholte ich nun schon den zweiten Läufer, der zusammen mit einem Kinderwagen unterwegs war. Also Schieben und Laufen gleichzeitig und das bei einer durchaus beachtlichen Geschwindigkeit.
Da ich als einer der letzten Teilnehmer die Startgerade überschritten hatte, bestand das gesamte Event für mich fast nur aus Überholungen. Auf Grund der hohen Teilnehmerzahl und des damit verbundenen Platzmangels auf der Strecke musste ich immer wieder Zick-Zack-Routen laufen, um Lücken zum Überholen zu finden.
An der zweiten Verpflegungsstelle nach acht Kilometern herrschte schon „Ausverkauf“ und die Helfer hatte alle Hände voll zu tun, um für Nachschub zu sorgen. Da ich wegen der hohen Temperaturen auf den Becher mit Trinkwasser nicht verzichten konnte, musste ich hier einige Sekunden lang im wahrsten Sinne des Wortes „anstehen“, bis ich an die Reihe kam. Völlig zu Recht hörte ich einen Sportler hinter mir rufen „Leute, ihr müsste schneller machen!“
Eigentlich war für die Veranstaltung nur eine Straßenseite vorgesehen, welche von den Läufern benutzt werden sollte. Diese Seite war mit orangefarbenen Baustellenhütchen von der anderen Spur getrennt. Allerdings wurde auch diese Seite von vielen Teilnehmern benutzt, wodurch nicht vermieden werden konnte, dass einige Hütchen umgeworfen wurde. Zwei umgefallene Hütchen wurden von mir beim Vorbeilaufen aufgehoben und wieder richtig aufgestellt.
Nach etwa zehn Kilometern wurde die Fußgängerzone erreicht, in welcher ich beim Hinweg die Spitzengruppe der Marathonläufer gesehen hatte. Auf Höhe der Hauptbahnhofs erreichte ich ein Motorrad, welches mit zwei Fahrern bestückt war, von denen einer mit einer Kamera Bilder oder Videos aufnahm. Um nicht länger die unangenehmen Abgase einatmen zu müssen, blieb mir nichts anderes übrig, als das Tempo hier zu erhöhen und an dem Fahrzeug vorbeizuziehen, was mir recht schnell gelang. Südlich vom Hauptbahnhofsgebäude wurde die Unterführung unter den Gleisen benutzt, die folgenden drei bis vier Kilometer befanden sich also östlich der Bahngleise. Ab dem zehnten Kilometer befanden sich die Versorgungsstationen in Abständen von zwei bis dreitausend Metern zueinander, trotzdem ließ ich keine einzige aus. Bevor die Bahngleise wieder unterquert wurden, passierten wir noch zwei Abzweigungen, an welcher die Marathonläufer rechts abbiegen musste, um aus Sicht der Halbmarathonläufer wenige Meter weiter wieder zu ihnen zu stoßen. Nachdem die Westseite der Bahngleise wieder erreicht wurde, ging es an den Herrenhäuser Gärten vorbei. Hier folgte die letzte Verzweigung des Kurses. Während die Halbmarathonis an den Gärten vorbeiliefen, mussten die Marathonläufer eine zusätzliche Runde durch den Park drehen. Die Punkte, an denen sich die Kurse trennten und wieder vereinigten, lagen dabei direkt nebeneinander. Ab sofort konnte ich mich also auch an den Kilometerzählschildern des Marathons orientieren, um zu wissen, wie viel ich noch zu laufen hatte.
Nach einigen Kurven wurde die Zielgerade erreicht, die ich bei einer Bruttozeit von einer Stunde und etwa 53 Minuten überschritt. Von hier aus musste ich ein ganze Stück laufen, bevor ich die Medaille entgegennehmen konnte. Sie hing an einem gelben Band und im Vergleich zum Vorjahr waren die Maße von Höhe und Breite vertauscht. So war in der Horizontalen genug Platz für die Eingravierung der Haupttürme des Rathauses vorhanden. Zumindest vermute ich, dass es sich bei diesem Abbild um das Rathaus von Hannover handeln soll. Es war die Aufschrift „7.+8. Mai 2011, TUIfly Marathon Hannover“ eingraviert. Die Medaille für die Marathonläufer war exakt die gleiche, lediglich das anmontierte Band war von anderer Farbe (rot).
Nach einem Becher Wasser und einem Becher Cola holte ich mein Gepäck ab. Im Gegensatz zum Vorjahr wollte ich dieses Mal nicht sofort zum Zug rennen, sondern vorher duschen. Es waren zwei Zelte vorhanden, eines für Männer und eines für Frauen. Als ich mich vor dem Zelt entkleiden wollte, machte mich ein Helfer darauf aufmerksam, dass es für Männer noch eine zweite Duschmöglichkeit im Innenhof des Rathauses gab. In dem von mir anvisierten Zelt sei es extrem eng.
Ich ging in den Hof, wo ebenfalls ein Zelt aufgebaut war, in dem Duschbrausen angebracht waren. Hier musste ich etwa fünf Minuten in der Schlange stehen, bevor ich an die Reihe kam. Nachdem ich geduscht hatte, zog ich mich wieder an und lief zur unterirdischen Straßenbahnhaltestelle „Aegidientorplatz“, denn zum Bahnhof zurücklaufen wollte ich nicht mehr.
Glücklicherweise war diese Haltestelle ausreichend mit Rolltreppen versehen, da das Treppe-Runter-Laufen nach solch einer Sportveranstaltung immer sehr unangenehm ist. Meine Startnummer diente an diesem Tag auch als Fahrausweis in Hannover, weshalb ich kein Geld für die Straßenbahn bezahlen musste. Am Hauptbahnhof musste ich vierzig Minuten lang warten, ehe ich um 14:21 Uhr den Zug nach Bremen nehmen konnte. Gegen 16:15 war ich wieder zu Hause.