Der einhundertundelfte Halbmarathon meines Lebens.
Der 35. Berliner Halbmarathon.
Am Berlin-Halbmarathon hatte ich vor fünf Jahren bereits einmal teilgenommen. Das war damals im Jahre 2010 und es hatte sich dabei um den dritten Halbmarathon meines Lebens gehandelt und um die dreißigste Auflage dieser Veranstaltung, bei der leider kurz vor dem Zieleinlauf ein Teilnehmer tödlich verunglückt war. In den Folgejahren war ich an diesem Wochenende entweder in Freiburg oder an der Deutschen Weinstraße gelaufen.
Nun hatte ich mich wieder für dieses Ereignis angemeldet und eine Übernachtung in Marzahn für zehn Euro gebucht. Leider wurde mir keine zwei Wochen vor der Anfahrt mitgeteilt, dass die Unterkunft renoviert werden sollte. Ich musste mich um eine andere Übernachtungsmöglichkeit kümmern und fand in der Nähe von Friedrichshain ein Bett in einem Zimmer für acht Leute für nur 10,50€.
Ich stand am Samstagmorgen gegen halb sechs Uhr auf. Leider spürte ich, dass es mir nicht allzu gut ging. Ich hatte offenbar irgendeine Viruserkrankung mit starkem Stuhlgang. Trotzdem konnte ich frühstücken, meine Tasche packen und mich dann auf den Weg zur Straßenbahn machen. Um kurz nach sieben Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle. Im Gegensatz zum letzten Sonntag kam hier die Nordwestbahn pünktlich an und brachte mich zum Hauptbahnhof, wo ich in den schnellen Metronom nach Hamburg einsteigen konnte. Dort kam ich um 8:42 Uhr an. Ich begab mich zum richtigen Bahnsteig, wo pünktlich um kurz nach neun Uhr der ICE in Richtung Leipzig eintraf. In diesem Zug sah ich bereits den ersten weiteren Läufer, welchen ich an seinen Schuhen und dem Champion-Chip erkannte. Es ging nun ohne Zwischenstation bis Berlin-Spandau und von dort aus in die unterirdische Etage des Berliner Hauptbahnhofs. Ich stieg allerdings erst am Südkreuz aus und wechselte in die S-Bahn, die mich eine Station nach Tempelhof brachte. Hier wechselte ich in die U-Bahn und fuhr nach Norden bis zum Platz der Luftbrücke. Nun musste ich nur noch der Menschenmasse hinterherlaufen, bis ich am Gelände des stillgelegten Flughafens Tempelhof ankam, wo sich die Vital-Messe befand. Meine Teilnahmebestätigung zeigte ich vor und konnte daraufhin das Gelände betreten.
Über das äußere Flughafengelände, wo gerade ein Lauf für Kinder stattfand, kamen wir in den Bereich, wo die Stände der Messe waren. Ich begab ich mich noch einmal auf die Toilette, wo ich bemerkte, dass ich gesundheitlich offenbar wirklich ein bisschen angeschlagen war. Dann ging es weiter, bis ich mich in einer langen Schlange anstellen konnte. Hier sollten nun endlich die Startunterlagen abzuholen sein. Ich stellte mich an einem der Stände an und bekam dann die Startnummer in einem Beutel. Ein Trikot, wie vor fünf Jahren, war im Startpreis allerdings nicht enthalten. Ich hätte es explizit mitbestellen und extra bezahlen müssen.
Ich begab mich nun zum Ausgang und nahm Kurs in Richtung Unterkunft. Ich hatte einen Fußweg von über einer halben Stunde vor mir. Leider waren in der Straße die Hausnummern so merkwürdig angeordnet, dass ich die ganze Straße erst bis zum Ende durchlief, um von dort aus wieder zurückzulaufen und dann erst die Unterkunft fand. Ich bekam den Zimmerschlüssel und konnte nun meine Tasche abladen. Dann ging ich zu Fuß zum Alexanderplatz, wo ich in einem italienischen Restaurant ein Essen zu mir nahm. Dann, gegen 14 Uhr, ging ich zur Unterkunft zurück.
Ich hatte inzwischen Kopfschmerzen bekommen und fühlte mich nicht wohl. In der Unterkunft angekommen, legte ich mich ins Bett und schaffte es tatsächlich, für etwa 30 Minuten zu schlafen. Auch den restlichen Abend verbrachte ich im Bett und verließ dieses nur, um auf die Toilette zu gehen und bei dieser Gelegenheit meine Feldflasche mit Wasser zu füllen. Ich begann, mir Sorgen zu machen, denn in diesem Zustand wäre eine Teilnahme am morgigen Tag unmöglich gewesen.
Gegen Abend kamen auch die anderen Gäste auf das Zimmer, fast alles nur Läufer. Sogar ein Pärchen aus Osteuropa (vermutlich Tschechien) war dabei. Leider befand sich im Nebenbett ein Schnarcher, was es mir schwer machte, Ruhe zu finden. Doch für einige Stunden konnte ich trotzdem schlafen.
Die Umstellung auf Sommerzeit machte es am nächsten Morgen ein bisschen kompliziert. Ich stand gegen halb sieben Uhr auf und zog mich um. Ohne irgendetwas gegessen zu haben, verließ ich die Unterkunft und machte mich mit der schweren Tasche in der Hand auf den Weg zum Alexanderplatz. Unterwegs hatte ich den Eindruck, dass eine Teilnahme heute wohl nicht möglich sei. Als ich am Bahnhof ankam, suchte ich zunächst eine Imbissbude auf, wo ich einen Vitamin-Saft bestellte. Etwa eine halbe Stunde lang hielt ich mich hier auf und trank die Flasche. Dies verlieh mir offenbar neue Kräfte. Ich bekam langsam Hunger und ging in eine andere Imbissbude, wo ich zwei belegte Brötchen zu mir nahm. Danach suchte ich die Toilette am Bahnhof auf und ging danach zum Veranstaltungszentrum. Dabei lief ich zuerst in die falsche Richtung. Im Vorjahr war die Startgerade weiter westlich, auf der Spree-Insel gewesen. Heute musste ich nach Osten gehen. Ich ging erst in den Sicherheitsbereich hinein und gab meine Tasche ab. Da ich noch einmal die Toilette aufsuchte, hatte ich keine Zeit mehr, bis zum Start um 10:05 Uhr meinen Startblock A, direkt hinter der Elite, zu erreichen. Ich stellte mich also hinten an.
Um 10:05 Uhr war dann zwar der Startschuss, ich steckte aber in der Masse fest. Erst lange Zeit später konnten wir auf die Gerade und als wir den Startpunkt erreichten war es schon 10:50 Uhr. In einer Viertelstunde würde der Sieger im Ziel ankommen.
Ich war froh, als es nun endlich losging. Es hatte zuvor leicht genieselt, aber während des Rennens kam kein Wasser von oben. Natürlich musste ich langsam laufen, um keine Gefährdung meines Körpers zu riskieren. Ich trug dabei das Trikot vom Braunschweiger Lauftag 2010.
Wir liefen die Alexanderstraße entlang und bogen dann nach links in die Karl-Liebknecht-Straße ein, wo wir den Fernsehturm links liegen ließen. Ich musste anfangs viel überholen, da ich mich ja im Bereich der langsamsten Teilnehmer befand. Wir überquerten nun ein erstes Mal die Spree und kamen auf die Museumsinsel am Berliner Dom vorbei, bevor wir wieder über den Nebenarm der Spree kamen. Die jetzige Straße war „Unter den Linden“ und führte auf das Brandenburger Tor zu. Zuschauer standen hier zahlreich an der Stecke.
Dann kamen wir an den Pariser Platz. Ich wich ganz nach links aus und lief dann, bei Kilometer drei, durch die Säulen des Brandenburger Tors hindurch. Dahinter begann der Tiergarten, den wir auf der Straße des 17. Juni durchquerten. Bis jetzt spürte ich keinerlei körperliche Beschwerden. An der Siegessäule mussten wir rechts herumlaufen. Dann, am Ende des Tiergartengeländes, war der erste Erfrischungspunkt, wo ich mir Tee zu trinken nahm. Das Geräusch von zertretenen Plastikbechern, welches ich noch von 2010 in Erinnerung hatte, hielt sich diesmal in Grenzen. Am Ernst-Reuter-Platz sah ich ein Gebäude der Technischen Universität und eines der Firma Rohde & Schwarz. Wir liefen an diesem Platz auch rechtsherum und bogen dann in die Otto-Suhr-Alle ein, die uns nach Nordwesten bis zum Schloss Charlottenburg führte.
Hier wurde mir nun klar, dass ich heute wohl das Ziel erreichen sollte, denn ich musste sowieso zum Startgelände zurück um meine Tasche abzuholen. Am Schloss ging es dann zwei Kilometer lang nach Süden. Am zweiten Verpflegungspunkt nahm ich mir wieder Tee zu trinken. Ich merkte, dass ich schon ein bisschen schwitzte. Bei Kilometer zehn wurden – wie bereits fünf Kilometer zuvor – unserer Zwischenzeiten gemessen. Bei Kilometer elf ging es dann wieder zurück. Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass wir uns nun auf dem Kurfürstendamm befanden, dessen linke Seite für uns gesperrt war, während die andere Seite für die Autos freigegeben war. Wir kamen zur Gedächtniskirche, welche teilweise zerstört war. Hier war der Ku‘damm zu Ende. Nach vierzehn Kilometern waren wir an einem Verpflegungspunkt, wo man uns die Getränke in Plastikbechern servierte. Dann kam eine Linkskurve und nun gab es einen starken Wind, welcher die weggeworfenen Plastikbecher vor sich her wehte. Bei Kilometer 15 wurden wieder die Zwischenzeiten gemessen und nun befanden wir uns am Lützowufer. Hier ging es ein Stückchen entlang und dann über den Fluss. In der Ferne konnte ich bereits die auffälligen Gebäude des Potsdamer Platzes sehen, als wieder ein Verpflegungspunkt vorhanden war.
Dann kamen wir zum Sony-Center und danach an den Potsdamer Platz. Dahinter machten wir einen Rechts-Schlenker und waren nun auf der Hauptverkehrsstraße, auf der ich heute Morgen von meiner Unterkunft zum Veranstaltungszentrum gegangen war. Irgendwo davor war der Checkpoint Charlie, wo sich die Besucher in einem Blackbox über dieses Gelände informieren konnten. Wir kamen über die Museumsinsel an das rote Rathaus. Dahinter ging es nach rechts auf die Zielgeraden in der Karl-Marx-Allee. Im Gegensatz zu vielen anderen, die einen Endspurt einlegten, machte ich langsam und überquerten nach über zwei Stunden die Ziellinie. Ich war unendlich froh, dass heute doch noch alles geklappt hatte.
Ich ließ mir die Medaille umhängen, die der vor fünf Jahren sehr ähnlich war. Diesmal war auf der Rückseite aber nicht der Fernsehturm, sondern das „Kaufhaus des Westens“ (KaDeWe) zu sehen. Ich holte mir meine Tasche ab und zog mich um, ohne zu duschen. Dann ging ich zu Fuß zum Bahnhof am Alexanderplatz und fuhr zum Hauptbahnhof, wo ich kurz vor 14 Uhr ankam und einen alten Bekannten traf, der mich zum Essen einlud. Ich konnte das Gericht zwar nur langsam zu mir nehmen, aber mir wurde zumindest nicht schlecht davon. Um 16 Ihr verabschiedeten wir uns und ich ging zu meinem ICE, der mich nach Hamburg brachte. Von dort fuhr ich nach Bremen wo ich kurz vor 20 Uhr in meiner Wohnung ankam. Zumindest bis jetzt hatte ich nicht den Eindruck, schwerwiegende gesundheitliche Schäden vom heutigen Tag davongetragen zu haben.
Dienstag, 31. März 2015
Montag, 30. März 2015
Halbmarathon Wandsetal 2015-03-22
Der einhundertundzehnte Halbmarathon meines Lebens.
Der 2. Wandsetaler Runde.
Der Musekelkater vom Barcelona-Marathon hielt etwa drei Tage an. Am Freitag konnte ich wieder eine Trainingsstrecke von knapp über acht Kilometern zurücklegen. Erst nach dem Barcelona-Marathon hatte ich mich für diesen Halbmarathon angemeldet, da ich mir nicht sicher war, ob eventuell Knieprobleme auftreten würden. Alternativ wäre auch noch der Airport-Run in Hannover am heutigen Tag gewesen, welche mir aber als zu teuer erschien.
Ich stand gegen sechs Uhr auf und frühstückte. Dann verließ ich das Haus, um die Straßenbahn zum Bahnhof Walle zu nehmen. Die Nordwestbahn sollte dort um 7:21 Uhr eintreffen. Leider hatte sie 15 Minuten Verspätung, wodurch ich den schnellen Metronom am Bremer Hauptbahnhof verpasste. Ich musste mich mit dem Langsamen begnügen, der um acht Uhr in Richtung Hamburg startete. Während der Zugfahrt nahm ich mein mitgebrachtes Brot zu mir, bevor der Zug um 9:20 Uhr in Hamburg ankam. Ich erreichte dort noch die U-Bahn nach Wandsbek-Markt, wo ich dann sah, dass der nächste Bus zum Veranstaltungszentrum erst in zwanzig Minuten abfahren würde. Es sollte nun ziemlich knapp werden, da der Halbmarathon schon um 10:30 Uhr beginnen sollte.
Ich verpasste den Bus zwar, der Fahrer ließ mich aber an der Ampel noch einsteigen. Als wir nach wenigen Minuten am Veranstaltungszentrum ankamen, sprach ich eine junge Frau an, die heute den Fünf-Kilometerlauf absolvieren wollte. Ich zeigte ihr den Weg zur Startunterlagenausgabe auf dem Schulgelände, welches ich noch aus dem Vorjahr kannte. Hier holte auch ich meine Startnummer ab. Dann zog ich mich auf dem Schulhof um. Ich trug das grüne Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2010. Ein Zeitmess-Transponder musste um das Bein gebunden werden. Die Taschenabgabe war beim Startbereich. Ich musste mich ein bisschen beeilen, dorthin zu kommen. Dann gab ich meine Tasche ab. Es waren nun nur noch zwei Minuten bis zum Start. Ich kletterte über eine Absperrung, um mich nicht ganz hinten anzustellen. Das Wetter war in Ordnung. Leider schien die Sonne ein bisschen stark, aber es war relativ kühl.
Um 10:30 Uhr ging es los. Halbmarathon, Zehn-Kilometer- und Fünf-Kilometerlauf starteten gemeinsam. Die Strecke war die gleiche wie im Vorjahr. Anfangs war es richtig eng. Wir kamen auf die Hauptstraße und bogen dann nach rechts in den Park ein. Es hatte am Vortag ein bisschen geregnet, aber der Boden war trotzdem so gut wie trocken. Nur vereinzelte Pfützen waren noch vorhanden. Einer meiner Vorderleute achtete offenbar nicht so genau darauf und trat zweimal mit voller Wucht in solch eine Pfütze. Dabei machte er sich nicht nur die eigenen Füße nass, sondern auch die Beine seiner Nebenleute. Ich selber wurde verschont.
Als nach zwei Kilometern der Park von einer Verkehrsstraße unterbrochen wurde, mussten die Fünf-Kilometerläufer rechts abbiegen, wir anderen links. Wir überquerten die Straße, wobei wir durch ein Fahrrad-Hindernis hindurchmussten. Im nun folgenden Abschnitt war die erste Verpflegungsstelle, an der wir ein großes Tuch mit der Aufschrift „125 Jahre TSV Wandsetal“ (Veranstalter dieses Rennens) sehen konnte. Nach einem kurzen Abschnitt an einer weiteren Verkehrsstraße ging es wieder in den Park hinein.
Nun kam der östlichste Abschnitt. Wir mussten unter einer Fernverkehrsstraße und unter der Eisenbahnlinie hindurch. Die jeweiligen Abzweigungen waren mit Pfeilen auf dem Boden angegeben. Hier war einer der kritischen Punkte, weil der Rückweg auch auf diesem engen, nicht gut einsehbaren Weg war. Zunächst erreichte ich aber das Schrebergartengebiet, in welches ich nach rechts einbog. Ich sah einige ganz schnelle Läufer, die mir entgegenkamen. Als ich dann selber auf dem Rückweg war, kam mir das Hauptfeld entgegen. Unglücklicherweise gingen vor mir zwei Rentnerinnen spazieren, die ich erst überholen konnte, als ich keinen Gegenverkehr hatte. Somit verlor ich wertvolle Sekunden. Zurück bei den beiden Unterführungen musste ich höllisch aufpassen, um mit niemandem zu kollidieren. Auf der anderen Seite ging es dann geradeaus. Hier hatte ich keinen Gegenverkehr mehr. Es ging wieder durch einen Parkabschnitt. Jedes Mal, wenn der Park durch eine Straße unterbrochen wurde, regelten zwei Polizisten den Verkehr. Schließlich erreichte ich wieder die Stelle, wo die Fünf-Kilometerläufer rechts abgebogen waren und sich von uns getrennt hatten. Nun musste ich diese Abzweigung nehmen.
Es kam nun wieder ein kurzer Abschnitt, in welchem uns das Führungsfeld entgegenkam. Dann ging es über eine kleine Holzbrücke, auf deren anderer Seite ein Parkabschnitt mit Hundewiese und Spielplatz war. Am Ende kamen wir wieder auf die Hauptstraße, die das Startgelände vom Schulzentrum trennte. Hier trennten sich dann auch die Kurse: Die Zehn-Kilometerläufer mussten zurück zur Start- und Zielgeraden, während wir Halbmarathonis in die zweite Runde einbogen. Ich hatte für die erste Hälfte etwa 45 Minuten gebraucht.
Nun war für mich wesentlich mehr Platz vorhanden. Die Abzweigung des Fünf-Kilometerlaufes konnte ich daher ungehindert schon aus der Ferne sehen, weshalb ich das Fahhrad-Hindernis diesmal locker und sanft durchlaufen konnte. Bei den beiden Unterführungen hatte ich zwar Gegenverkehr von den Leuten, die noch auf der ersten Runde waren, jedoch handelte es sich nur um ein paar wenige Teilnehmer. Die Läuferin, welche den Abschluss bildete, wurde von einem Fahrradfahrer begleitet. Ich überholte sie kurz hinter der Unterführung. Ich war gespannt, ob ich nun vielleicht Klas zu sehen bekam. Doch er nahm heute offenbar gar nicht an dieser Veranstaltung teil.
Im Vorderfeld konnte ich nun sogar eine Frau sehen, die richtig schnell unterwegs war. Meinen direkten Vordermann verlor ich sogar kurzzeitig aus den Augen, weshalb ich eine falsche Abzweigung nahm, was ich erst nach ein paar Sekunden bemerkte. Als ich dann wieder auf dem richtigen Kurs war, hatte mein Vordermann schon einen bedeutenden Vorsprung. Bei der kleinen Holzbrücke rief mir der Streckenposten zu, dass ich den Typen doch noch locker einholen könnte. Ich verstärkte nun meine Anstrengungen, obwohl ich langsam schon richtig Hunger bekam. Ich überholte ihn tatsächlich noch.
An der Hauptstraße bog ich nun auf die Zielgeraden ein. Ich wollte noch unter einer Nettozeit von 90 Minuten über die Linie, was mir aber leider nicht gelang. Ein Jugendlicher hängte mir dann die Medaille um, welche der des Vorjahres ähnlich war. Es war ein Stück Metall, wie man es im Laden kaufen konnte, ohne irgendeine Beschriftung. Er forderte mich auf, den Zeitmesschip auszuziehen und abzulegen, was ich im Normalfall wohl vergessen hätte. Dann nahm ich mir ein Getränk und ein Stück Apfel und machte mich auf den Weg zu den Duschen. Dort sah ich in einem Spiegel, dass mein Gesicht von zahlreichen Salzkrusten gezeichnet war. Als ich umgezogen war, ging ich direkt zur Bushaltestelle. Dort traf ich die junge Frau (sie war 17), mit der ich mich schon auf dem Hinweg unterhalten hatte. Sie war Altersklassensiegerin geworden und hatte ein Badetuch gewonnen. Sachpreise gab es für alle Altersklassensieger. Ich ging davon aus, dass ich kein Altersklassensieger geworden war und hatte mich auch deshalb gleich wieder auf den Heimweg gemacht, ohne zur Siegerehrung zu erscheinen.
Ich fuhr noch mit der S-Bahn zur Sternschanze, wo ich in eine Imbissbude ging. Dann fuhr ich zurück zum Hauptbahnhof, wo ich um 14:15 Uhr den Metronom nach Bremen nahm. Von dort aus ging es mit der Nordwestbahn nach Walle und mit der Straßenban weiter nach Hause. Erst aus den Ergebnissen im Internet erfuhr ich, dass ich doch Altersklassensieger geworden war. Ob der Preis verfalle oder mir zugeschickt werden würde, konnte ich nicht wissen.
Der 2. Wandsetaler Runde.
Der Musekelkater vom Barcelona-Marathon hielt etwa drei Tage an. Am Freitag konnte ich wieder eine Trainingsstrecke von knapp über acht Kilometern zurücklegen. Erst nach dem Barcelona-Marathon hatte ich mich für diesen Halbmarathon angemeldet, da ich mir nicht sicher war, ob eventuell Knieprobleme auftreten würden. Alternativ wäre auch noch der Airport-Run in Hannover am heutigen Tag gewesen, welche mir aber als zu teuer erschien.
Ich stand gegen sechs Uhr auf und frühstückte. Dann verließ ich das Haus, um die Straßenbahn zum Bahnhof Walle zu nehmen. Die Nordwestbahn sollte dort um 7:21 Uhr eintreffen. Leider hatte sie 15 Minuten Verspätung, wodurch ich den schnellen Metronom am Bremer Hauptbahnhof verpasste. Ich musste mich mit dem Langsamen begnügen, der um acht Uhr in Richtung Hamburg startete. Während der Zugfahrt nahm ich mein mitgebrachtes Brot zu mir, bevor der Zug um 9:20 Uhr in Hamburg ankam. Ich erreichte dort noch die U-Bahn nach Wandsbek-Markt, wo ich dann sah, dass der nächste Bus zum Veranstaltungszentrum erst in zwanzig Minuten abfahren würde. Es sollte nun ziemlich knapp werden, da der Halbmarathon schon um 10:30 Uhr beginnen sollte.
Ich verpasste den Bus zwar, der Fahrer ließ mich aber an der Ampel noch einsteigen. Als wir nach wenigen Minuten am Veranstaltungszentrum ankamen, sprach ich eine junge Frau an, die heute den Fünf-Kilometerlauf absolvieren wollte. Ich zeigte ihr den Weg zur Startunterlagenausgabe auf dem Schulgelände, welches ich noch aus dem Vorjahr kannte. Hier holte auch ich meine Startnummer ab. Dann zog ich mich auf dem Schulhof um. Ich trug das grüne Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2010. Ein Zeitmess-Transponder musste um das Bein gebunden werden. Die Taschenabgabe war beim Startbereich. Ich musste mich ein bisschen beeilen, dorthin zu kommen. Dann gab ich meine Tasche ab. Es waren nun nur noch zwei Minuten bis zum Start. Ich kletterte über eine Absperrung, um mich nicht ganz hinten anzustellen. Das Wetter war in Ordnung. Leider schien die Sonne ein bisschen stark, aber es war relativ kühl.
Um 10:30 Uhr ging es los. Halbmarathon, Zehn-Kilometer- und Fünf-Kilometerlauf starteten gemeinsam. Die Strecke war die gleiche wie im Vorjahr. Anfangs war es richtig eng. Wir kamen auf die Hauptstraße und bogen dann nach rechts in den Park ein. Es hatte am Vortag ein bisschen geregnet, aber der Boden war trotzdem so gut wie trocken. Nur vereinzelte Pfützen waren noch vorhanden. Einer meiner Vorderleute achtete offenbar nicht so genau darauf und trat zweimal mit voller Wucht in solch eine Pfütze. Dabei machte er sich nicht nur die eigenen Füße nass, sondern auch die Beine seiner Nebenleute. Ich selber wurde verschont.
Als nach zwei Kilometern der Park von einer Verkehrsstraße unterbrochen wurde, mussten die Fünf-Kilometerläufer rechts abbiegen, wir anderen links. Wir überquerten die Straße, wobei wir durch ein Fahrrad-Hindernis hindurchmussten. Im nun folgenden Abschnitt war die erste Verpflegungsstelle, an der wir ein großes Tuch mit der Aufschrift „125 Jahre TSV Wandsetal“ (Veranstalter dieses Rennens) sehen konnte. Nach einem kurzen Abschnitt an einer weiteren Verkehrsstraße ging es wieder in den Park hinein.
Nun kam der östlichste Abschnitt. Wir mussten unter einer Fernverkehrsstraße und unter der Eisenbahnlinie hindurch. Die jeweiligen Abzweigungen waren mit Pfeilen auf dem Boden angegeben. Hier war einer der kritischen Punkte, weil der Rückweg auch auf diesem engen, nicht gut einsehbaren Weg war. Zunächst erreichte ich aber das Schrebergartengebiet, in welches ich nach rechts einbog. Ich sah einige ganz schnelle Läufer, die mir entgegenkamen. Als ich dann selber auf dem Rückweg war, kam mir das Hauptfeld entgegen. Unglücklicherweise gingen vor mir zwei Rentnerinnen spazieren, die ich erst überholen konnte, als ich keinen Gegenverkehr hatte. Somit verlor ich wertvolle Sekunden. Zurück bei den beiden Unterführungen musste ich höllisch aufpassen, um mit niemandem zu kollidieren. Auf der anderen Seite ging es dann geradeaus. Hier hatte ich keinen Gegenverkehr mehr. Es ging wieder durch einen Parkabschnitt. Jedes Mal, wenn der Park durch eine Straße unterbrochen wurde, regelten zwei Polizisten den Verkehr. Schließlich erreichte ich wieder die Stelle, wo die Fünf-Kilometerläufer rechts abgebogen waren und sich von uns getrennt hatten. Nun musste ich diese Abzweigung nehmen.
Es kam nun wieder ein kurzer Abschnitt, in welchem uns das Führungsfeld entgegenkam. Dann ging es über eine kleine Holzbrücke, auf deren anderer Seite ein Parkabschnitt mit Hundewiese und Spielplatz war. Am Ende kamen wir wieder auf die Hauptstraße, die das Startgelände vom Schulzentrum trennte. Hier trennten sich dann auch die Kurse: Die Zehn-Kilometerläufer mussten zurück zur Start- und Zielgeraden, während wir Halbmarathonis in die zweite Runde einbogen. Ich hatte für die erste Hälfte etwa 45 Minuten gebraucht.
Nun war für mich wesentlich mehr Platz vorhanden. Die Abzweigung des Fünf-Kilometerlaufes konnte ich daher ungehindert schon aus der Ferne sehen, weshalb ich das Fahhrad-Hindernis diesmal locker und sanft durchlaufen konnte. Bei den beiden Unterführungen hatte ich zwar Gegenverkehr von den Leuten, die noch auf der ersten Runde waren, jedoch handelte es sich nur um ein paar wenige Teilnehmer. Die Läuferin, welche den Abschluss bildete, wurde von einem Fahrradfahrer begleitet. Ich überholte sie kurz hinter der Unterführung. Ich war gespannt, ob ich nun vielleicht Klas zu sehen bekam. Doch er nahm heute offenbar gar nicht an dieser Veranstaltung teil.
Im Vorderfeld konnte ich nun sogar eine Frau sehen, die richtig schnell unterwegs war. Meinen direkten Vordermann verlor ich sogar kurzzeitig aus den Augen, weshalb ich eine falsche Abzweigung nahm, was ich erst nach ein paar Sekunden bemerkte. Als ich dann wieder auf dem richtigen Kurs war, hatte mein Vordermann schon einen bedeutenden Vorsprung. Bei der kleinen Holzbrücke rief mir der Streckenposten zu, dass ich den Typen doch noch locker einholen könnte. Ich verstärkte nun meine Anstrengungen, obwohl ich langsam schon richtig Hunger bekam. Ich überholte ihn tatsächlich noch.
An der Hauptstraße bog ich nun auf die Zielgeraden ein. Ich wollte noch unter einer Nettozeit von 90 Minuten über die Linie, was mir aber leider nicht gelang. Ein Jugendlicher hängte mir dann die Medaille um, welche der des Vorjahres ähnlich war. Es war ein Stück Metall, wie man es im Laden kaufen konnte, ohne irgendeine Beschriftung. Er forderte mich auf, den Zeitmesschip auszuziehen und abzulegen, was ich im Normalfall wohl vergessen hätte. Dann nahm ich mir ein Getränk und ein Stück Apfel und machte mich auf den Weg zu den Duschen. Dort sah ich in einem Spiegel, dass mein Gesicht von zahlreichen Salzkrusten gezeichnet war. Als ich umgezogen war, ging ich direkt zur Bushaltestelle. Dort traf ich die junge Frau (sie war 17), mit der ich mich schon auf dem Hinweg unterhalten hatte. Sie war Altersklassensiegerin geworden und hatte ein Badetuch gewonnen. Sachpreise gab es für alle Altersklassensieger. Ich ging davon aus, dass ich kein Altersklassensieger geworden war und hatte mich auch deshalb gleich wieder auf den Heimweg gemacht, ohne zur Siegerehrung zu erscheinen.
Ich fuhr noch mit der S-Bahn zur Sternschanze, wo ich in eine Imbissbude ging. Dann fuhr ich zurück zum Hauptbahnhof, wo ich um 14:15 Uhr den Metronom nach Bremen nahm. Von dort aus ging es mit der Nordwestbahn nach Walle und mit der Straßenban weiter nach Hause. Erst aus den Ergebnissen im Internet erfuhr ich, dass ich doch Altersklassensieger geworden war. Ob der Preis verfalle oder mir zugeschickt werden würde, konnte ich nicht wissen.
Samstag, 21. März 2015
Marathon Barcelona 2015-03-15
Der siebzehnte Marathon meines Lebens.
Der Barcelona-Marathon.
Die ganze Reise hatte ich etwa ein halbes Jahr im Voraus geplant. Mit den guten Verbindungen vom Bremer Flughafen nach Paris, von wo aus man fast alle Ziele weltweit ansteuern kann, war es möglich, einen Flug nach Barcelona zu buchen. Die Teilnahmegebühr für den Marathon war nach der bisherigen Anzahl der Anmeldungen gestaffelt. Da ich zu den ersten zehntausend gehörte, bekam ich noch den günstigsten Tarif. Ich war im Jahr 2003 schon einmal als Schüler in Barcelona gewesen, damals allerdings im Hochsommer (Juni), untergebracht bei Gastfamilien im Vorort in Rubí und der Anflug mit Ryanair zum etwas weiter entfernt liegenden Flughafen Girona.
Tag 1:
Ich nahm, wie schon beim Florenz-Marathon, das 6:30-Uhr-Flugzeug am Samstag nach Paris. Dafür musste ich um 3:30 Uhr aufstehen. Ich hatte am Vortag mal wieder eine Mini-Erkältung mit leichtem Kratzen im Rachen und etwas verstärktem Nasenlaufen gehabt. Dies ließ mich ein wenig Zittern, denn eine Marathonteilnahme im Krankheitsfall ist bekanntlich lebensgefährlich. Insgesamt hatte ich in der jetzigen Nacht nur drei Stunden geschlafen. Ich hatte am Vortag beim Bäcker noch drei Brötchen gekauft, die ich in Paris mit Schinken belegen und dann verzehren wollte, da ich am Charles-de-Gaulle-Airport über vier Stunden Aufenthalt haben sollte und die Preise in den dortigen Gastronomiebetrieben schon ziemlich hoch sind. Ich zog mich an und packte dann meinen Koffer. Um 4:35 Uhr nahm ich die Straßenbahn in die Innenstadt, wo ich an der Domsheide in die Linie 6 zum Flughafen einstieg. Um kurz nach fünf Uhr kam ich dort an. Ich gab am Air-France-Schalter meinen Koffer ab. Dort wurde mir bestätigt, dass dieser Koffer in Paris von einem Terminal zum anderen transportiert werden würde, sodass ich ihn erst wieder in Barcelona abholen müsste. Erst als ich das Reisegepäck aufgegeben hatte, fiel mir ein, dass sich in diesem meine Brötchen befanden. Ich musste also irgendwie anders den baldigen Hunger bekämpfen.
Als ich dann in den Sicherheitsbereich einchecken wollte, stellte ich fest, dass die Warteschlange extrem lang war. Es dauerte bis kurz vor sechs Uhr, bevor ich an die Reihe kam. Außer dem Flug nach Paris warteten die Reisenden auch noch auf Flugzeuge nach Gran Canaria und Mallorca. Der Start unserer Maschine verzögerte sich wegen des hohen Andrangs auch ein bisschen. Zu allem Überfluss sah ich nun auch noch, dass meine Armbanduhr offenbar kaputt war. Sie war mal wieder stehengeblieben, obwohl ich schon zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen die Batterie gewechselt hatte. Ich musste also wieder einmal einen Marathon ohne funktionierende Uhr absolvieren, genauso wie in Florenz.
Um kurz nach acht Uhr kamen wir in Paris an. Ich wurde angewiesen, den Sicherheitsbereich nicht zu verlassen, sondern in einen Bus zu steigen, der mich und zwei weitere Reisende direkt zum anderen Terminal brachte. Es war das gleiche Terminal, von welchem aus ich auch nach Florenz geflogen war. Mein Flug nach Barcelona sollte um 12:35 Uhr starten. Ich hatte also noch viel Zeit, mir den ganzen Flughafen anzuschauen. An einem Snackautomaten kaufte ich mir für 1,50€ ein paar Kartoffelchips, sodass der Hunger wenigstens ein bisschen gestillt war. Als ich dann um halb eins endlich im Flugzeug nach Barcelona saß, war ich froh, dass es hier als Mittagessen ein Brötchen mit Salat gab, welches mir schmeckte. Kurz nach 14 Uhr kamen wir in Barcelona an.
Ich hatte keinen aktuellen Metro-Plan dabei, hatte aber gelesen, dass der Weg vom Flughafen zum Zentrum besser mit dem Bus zu bewältigen sei. Zunächst musste ich aber die Gepäckabgabe abwarten. Ich war erleichtert, als ich meinen grünen Koffer tatsächlich wiederentdeckte. Jetzt konnte ich endlich die drei Brötchen mit Schinken belegen und verzehren. Dann ging ich aus dem Flughafengebäude hinaus auf einen tiefer gelegenen Platz, wo einige Busse standen. Ich fragte zwei Helferinnen, welche mir erklärten, dass einer der Busse bis zur Plaza Catalunya fahren würde. Dies kostete 5,90€. Ich zahlte beim Fahrer und fuhr bis zur Endstation. Die Plaza Catalunya liegt südlich von der Diagonal, an welcher meine Unterkunft lag. Ich fragte mich ein bisschen durch, bis ich in die richtige Richtung lief. Tatsächlich kam ich an die Diagonal-Straße, wo ich auch schnell die Unterkunft fand. Sie war im ersten Stock eines Hauses angesiedelt und relativ klein. Mit dem Hotelwärter unterhielt ich mich ausschließlich auf Spanisch. Ich bekam ein Bett und ein Schließfach in einem großen Raum angewiesen. Dann machte ich mich sofort wieder auf den Weg, um mir die Startunterlagen abzuholen. Ich wollte wissen, wie weit der Weg dorthin war, um ihn morgen notfalls zu Fuß zurückzulegen.
Der Weg war zwar nicht allzu weit, allerdings musste ich immer wieder an roten Ampeln anhalten. Unterwegs kamen mir immer mehr Sportler mit den Starterbeuteln des Barcelona-Marathons entgegen. Das Veranstaltungszentrum lag an der Plaza Espanya. Ich erkannte diesen Ort nun wieder, da ich vor zwölf Jahren schon einmal hier gewesen war. Südlich von ihm liegt auf einer Anhöhe ein großer Park, südwestlich das Messegelände. Die Startgerade führte offenbar von diesem Park in nördliche Richtung. In einer großen Halle zeigte ich zunächst auf meinem Smartphone die Anmeldebestätigung vor und erhielt im Gegenzug die Startnummer. An einem großen Plakat konnte ich mich noch einmal versichern, dass der Marathon um 8:30 Uhr starten sollte. An weiteren Orten auf der Messe bekam ich noch das diesjährige Teilnehmertrikot (türkis) und den Starterbeutel, der allerdings kaum nennenswerte Gegenstände enthielt.
Beim Rückweg verlief ich mich nun zum ersten Mal. Dies wurde mir klar, als einige Touristen an einer Metrostation anhielten und ich nun sah, dass ich an der falschen Metrostrecke entlanggelaufen war. Daher entschied ich mich, die restliche Strecke zu meiner Unterkunft nun direkt mit der Metro zurückzulegen. Ich kaufte mir für weniger als zehn Euro ein Ticket, mit dem ich zehn einfach Fahrten machen konnte. Ich fuhr nun allerdings erst zur Plaza de Catalunya, um mir in einem kleinen Supermarkt etwas zu essen zu kaufen. Ich ging dabei über die Mitte des großen Platzes und erinnerte mich nun, wie ich hier vor zwölf Jahren mit meinen Schulkameraden im Schatten gesessen und trotzdem Sonnenbrand bekommen hatte. Im nebenan gelegenen Corte Ingles hatte Jochen sich damals ein Poster zweimal kaufen müssen, da er es nach dem ersten Mal irgendwo verloren hatte.
Ich verirrte mich nun erneut und kam in eine der Ramblas, wo ich in einer Seitenstraße dann doch einen kleinen Laden fand, wo ich mir Pepsi, Hot-Dog-Brötchen und Salami kaufte. Als ich den Laden wieder verließ, fing es fürchterlich an zu hageln und zu regnen. Ich stellte mich auf der Rambla bei einem Andenkenladen unter und kaufte dort einen Barcelona-Teller für sechs Euro. Dann suchte ich an der Plaza de Catalunya den McDoof auf. Dies dauerte ein bisschen und meine Kleidung wurde nun immer feuchter. Im McDoof angekommen, kaufte ich mir zwei große Portionen Pommes und ging damit in die unterirdische Metro-Station. Mit der sogenannten grünen Linie fuhr ich nun bis zur Station „Diagonal“. Unterwegs erklärte mir ein deutsches Pärchen, dass die Metro auch sonntags alle vier bis fünf Minuten fahren würde.
Als ich an der betreffenden Metrostation ausstieg, verlief ich mich wieder zweimal, bevor ich meine Unterkunft endlich fand. Dort konnte ich dann meine Füße abduschen und mich gegen Viertel nach neun Uhr schlafen legen.
Tag 2:
Da sich in meiner Unterkunft zwei laut schnarchende Gäste befanden, wurde die Nacht ein bisschen unangenehm. Dennoch schlief ich mit nur wenigen Unterbrechungen. Am nächsten Morgen stand ich gegen 6:30 Uhr auf und duschte. Dann ging ich in den Frühstücksraum und nahm insgesamt vier Hot-Dog-Brötchen mit 80 Gramm Salami zu mir. Während des Frühstücks kam ein Familienvater mit seinen beiden Söhnen und seiner Frau herein. Er war aus Barcelona und wollte heute auch mitlaufen. Da ich schon alle meine Sachen am Vorabend gepackt hatte, konnte ich sofort nach dem Frühstück losgehen. Ich hatte nur wenig Gepäck dabei, weil ich nicht am Veranstaltungsgelände sondern erst wieder im Hotel duschen wollte. Meine vorgesehenen Laufsocken hatten leider Löcher, weshalb ich auf normale Socken umgestiegen war. Die Schuhe hatte ich im Dezember in Augsburg bei Karstadt gekauft und in den Folgemonaten einigermaßen „eingelaufen“, die längste Strecke war um die 30 Kilometer gewesen. Obenrum trug ich das Trikot vom Lesmona-Lauf 2010.
Heute war auf den Straßen wesentlich weniger Autoverkehr als gestern. Ich fand die Metrostation sofort, wo die grüne Linie in Richtung Universität fuhr. Tatsächlich fuhren die Züge auch Sonntags im Fünf-Minuten-Takt. Es wimmelte hier bereits von Läufern. Wir kamen über die Plaza de Catalunya zur Plaza Espanya, wo alle Läufer ausstiegen. Es dauerte einige Zeit, bis der ganze Strom an die Erdoberfläche kam. Ich schaute mir erst einmal die Startgerade an. Sie lag zwischen der Anhöhe mit dem künstlichen Wasserfall und der Plaza Espanya. Dazwischen war das Messegelände. Ich schaute mir den Wasserfall an und wollte dann auf dem Messegelände meinen Starterbeutel abgeben. Erst jetzt sah ich, wie lang die Schlange hier war. Bis zum Start waren es noch 30 Minuten. Glücklicherweise ging es dann doch relativ zügig voran. Ich behielt meine Kappe auf dem Kopf, um mich vor der Sonne zu schützen und gab den Rest meiner Sachen beim Personal ab. Dann ging es auf der anderen Seite des Gebäudes wieder hinaus. Ich suchte noch eine Toilette auf und wollte mich dann in den für mich vorgesehenen Startblock einordnen. Meine Startnummer war hellblau, dies stand für den Starterblock mit Zeiten zwischen 3:15 Stunden und 3:30 Stunden. Leider fand ich keine Zugang zu der Geraden, welche von den Zuschauern mit übermäßig großen Gittern abgegrenzt war. Da ich jedoch zahlreiche andere Sportler sah, die sich an diesem Zaun hochschwangen, um auf die Startgeraden zu gelangen, folgte ich diesem Beispiel. Der Zaun war zum Glück sehr stabil. Um acht Uhr dreißig ging es dann los. Vorne regnete es großes Konfetti. Nach einer weiteren Minute kam ein zweiter Countdown. Womöglich war der erstere für die Elite gewesen. Nach etwa drei Minuten überquerte dann auch ich die Startlinie.
Der Kurs bestand aus einer einzigen Runde, die uns zuerst durch den Westen und dann durch den Osten der Stadt führen sollte. Als wir die beiden Türme an der Plaza Espanya erreichten, drehten wir nach links ab und liefen in Richtung Nordwesten. Wir hatten somit die Sonne erst einmal im Rücken. Nach zweieinhalb Kilometern folgte eine Rechtskurve, so dass wir nun die Sonne vor uns hatten. Zum Glück trug ich meine Kappe. Ich sah einen Teilnehmer mit einem Trikot, auf welchem er fünf Veranstaltungen vermerkt hatte. Dreimal wurden hier Auflagen des Athen-Marathons erwähnt. Ich erinnerte mich, dass man sich ja genau ab heute für die diesjährige Auflage anmelden konnte, was ich noch tun wollte. Deshalb sprach ich ihn auf Englisch an und erklärtem ihm dies. Dann ließ ich ihn hinter mir.
Nach einer zweifachen Linkskurve ging es durch den nordwestlichsten Teil des Kurses. Bei Kilometer fünf wurden unsere Zwischenzeiten gemessen. Danach gab es an einer ersten Verpflegungsstelle Wasser zu trinken, welches uns in geöffneten 0,33-Liter-Plastikflaschen gereicht wurde.
Kurz darauf erreichten wir das Nou Camp, welches ich vor zwei Jahren auch von innen hatte besichtigen dürfen. Diesmal liefen wir einmal fast komplett drum herum. Dann ging es nach rechts auf eine große Straße, die uns nach Südwesten führte. Die Straße bestand aus zahlreichen Autospuren, zwischen denen sich auch noch Straßenbahnschienen befanden. Für uns Läufer war nur die eine Hälfte gesperrt, der Teil jenseits der Schienen war für den Autoverkehr freigegeben. Ein Helfer erklärte mir, dass es sich bei dieser Straße um die Diagonal handelte.
Wir verließen die Straße wieder und erreichten Kilometer zehn, wo erneut unsere Zwischenzeiten gemessen wurden. Dann ging es nach Süden, wieder auf die beiden Türme der Plaza Espanya zu. Kurz vor den Türmen bogen wir nach Osten ab, wir waren nun auf der Gran Via. Langsam wurde es lauter, da immer mehr Zuschauer vorhanden waren. Auf Höhe der Plaza Catalunya bogen wir nach Norden ab und kamen durch die Pg de Grácia, welche ich gestern schon zur Genüge abgeschritten war. Hier war auch das Steinhaus, Pedrera, welches keine rechten Winkel besitzt. Kurz bevor wir wieder die Diagonal erreicht hätten bogen wir nach rechts ab. Jetzt überquerten wir die Diagonal doch noch einmal von West nach Ost. Hier wurde bei Kilometer 15 erneut unsere Zwischenzeit gemessen.
Das Feld war inzwischen wieder auseinandergezogen und ich hatte ausreichend Platz für mich. Ich kam nun an der Sagrada Familia vorbei. Vor zwölf Jahren hatten wir diese besichtigt und bestiegen. Leider hatte mich kurz vor der Spitze der Mut verlassen und ich war damals über den Durchgang in den anderen Turm gewechselt, dessen Treppe ausschließlich zum Herabsteigen gedient hatte. Heute blieb ich wenige Sekunden stehen um das Bauwerk zu betrachten, wurde aber von einer Zuschauerin sofort aufgefordert, weiterzulaufen.
Als wir kurz darauf nach halblinks abbogen, waren wir auf einer sehr breiten Straße, der Meridiana, die uns an den nordwestlichsten Punkt der Strecke führte. Es handelte sich dabei um eine Art Wendepunkt und die jetzige Straße diente als Hin- und Rückweg. Rechts von uns war das Vorderfeld zu sehen, vor uns die Berge. Ich konnte auch die Kilometermarkierungen des Feldes der Gegenseite sehen. Da sah kurz nach der Kurve die Angabe „KM 22“. Ich wurde mir dessen bewusst, dass ich bei Erreichen dieser Stelle wohl auch den Rest des Marathons absolvieren würde. Zweifel waren vor dem Rennen angebracht gewesen, da ich ja am Vortag nach sehr leicht erkältet gewesen war.
Als wir dann den Wendepunkt erreicht hatten, sah ich, dass dieser nicht um eine scharfe Kurve, sondern um einen Häuserblock herum führte. Erst auf der anderen Seite des Häuserblocks trafen wir wieder auf das uns entgegenkommende Feld. Als wir dann wieder zwei Kilometer zurückliefen, konnte ich auch einen Pacemaker für 3:45 Stunden sehen. Ein Pacemaker für 3:30 Stunden war entweder gar nicht vorhanden oder er war mir so dicht auf den Fersen, dass ich ihn bereits verpasst hatte.
Wir erreichten nun die Halbmarathondistanz. Hier konnte ich erstmals meine Zwischenzeit ablesen. Ich war positiv überrascht: Die Bruttozeit lag bei 1:43 Stunden, die Nettozeit also bei etwa 1:40 Stunden. Sollte ich keinen größeren Einbruch erleben, so war heute sogar eine neue persönliche Bestzeit möglich.
Langsam bekam ich erste Probleme an meinen Füßen. Der rechte Hinterfuß schmerzte ein bisschen. Ich wartete mit dem Aufsetzen eines Pflasters aber noch ein bisschen. Dann, bei Kilometer 25, als ich zum ersten Mal ein Stück Banane (es gab auch Orangen und Rosinen) zu mir genommen hatte, begab ich mich auf den Bürgersteig, zog den Schuh aus und suchte nach der wunden Stelle, an welcher ich eine Blase vermutete. Leider war diese Stelle optisch nicht zu erkennen. Ich klebte das Pflaster auf die Stelle, wo ich das Problem vermutete, band den Schuh wieder zu und setzte den Marathon fort.
Wir kamen nun wieder auf eine große Straße, die neben zahlreichen Autospuren auch eine Straßenbahn enthielt. Ich vermutete erneut die Diagonal und ein Läufer bestätigte mir dies. Es gab eine Wendestelle, an welcher der Kurs drehte. Daher sah ich einige Kilometer lang das Vorderfeld, welches über einen 3:15-Stunden-Pacemaker verfügte. Der Wendepunkt befand sich kurz vor einem großen, paraboloidförmigen Turm, dem Torre Agbar. Als wir ihm wieder den Rücken zukehrten, ging es die Diagonal wieder hinunter bis zum südöstlichsten Punkt der Strecke. Bei Kilometer dreißig war erneut unsere Zwischenzeit gemessen worden. Des Weiteren sah ich hier zum zweiten Mal auf der Strecke eine Digitalanzeige der Bruttozeit. Netto lag ich bei 2:22 Stunden. Sollte ich mit konstanten 12 km/h weiterlaufen, so wäre heute tatsächlich eine neue Bestzeit möglich.
Es ging nun wieder nach Westen. Da ich links von uns keine großen Gebäude sehen konnte, vermutete ich, dass wir sehr nahe an der Küste des Mittelmeers waren. Und tatsächlich konnte ich das Meer sahen, als unser Kurs ein bisschen weiter nach links versetzt wurde. Plötzlich wurde ich von einem Läufer überholt, der nahezu nackt war. Von hinten betrachtet, schien er nur eine Schnur zu tragen, die an der Vorderseite möglicherweise ein kleines Stoffteil enthielt, welches die intimsten Körperteile bedeckte.
Bei den quaderförmigen Torres Mapfre bogen wir nach rechts ab, später wieder nach links. Wir kamen einem Park vorbei, der durch Gitter umschlossen war. Hier wurde bei Kilometer 35 erneut die Zwischenzeit gemessen. Langsam spürte ich, dass meine Beine schwerer wurden. Ansonsten hatte ich keine körperlichen Beschwerden.
Als wir nach rechts abbogen, kamen wir durch den Arc de Triomf. Dahinter ging es nach links, auf die Plaza Catalunya zu. Wir liefen aber nicht mitten über den Platz, sondern drehten vorher nach links ab und waren nun in der Innenstadt, wo der Boden aus unangenehmen Pflastersteinen bestand. Ganz im Süden kamen wir wieder ans Mittelmeer und sahen nun den Yachthafen. Wir liefen westwärts bis zu einem Platz, auf dem eine große Statue (Colom) war, die einen Mann mit ausgestrecktem Arm zeigte. An diesem Platz ging es nun nordöstlich die Parallel entlang, direkt auf die Plaza Espanya zu. Dieser Platz war wieder an den beiden Türmen zu erkennen, hinter denen wir dann links abbogen, auf die Start- und Zielgeraden zu. Ich war nun auf meine Zeit gespannt. An der Digitalanzeige konnte ich lesen, dass sich die Bruttozeit auf die 3:27 zubewegte. Eine neue Bestzeit war somit sicher. Als ich die Ziellinie überquerte, musste ich ein Stückchen nach vorne gehen, um zunächst eine Flasche Iso und eine Flasche Wasser zu bekommen. Um die Ecke gab es dann Obst zu essen. Ich stopfte mehrere Orangenstücke in mich hinein.
Dann ließ ich mir die Medaille umhängen, auf welcher alle relevanten Details vermerkt waren. Ich wollte mir den Zielbereich noch einmal von oben anschauen und ging daher am Wasserfall hoch, wo zum Glück eine Rolltreppe war. Nach einigen Minuten fuhr ich wieder nach unten und machte mich auf den Weg zur Taschenabgabe. Dabei unterhielt ich mich mit einer Läuferin aus Freiburg, die heute ihren zweiten Marathon gelaufen war. Als ich meinen Starterbeutel wieder zurückerhalten hatte wollte ich zur unterirdischen Metrostation gehen. Allerdings war es aufwändig, zum richtigen Gleis zu gelangen. Immer wieder musste ich dafür Treppen hinauf- und hinabsteigen. Endlich saß ich doch in der Linea verde, die mich direkt zur meiner Unterkunft brachte. Hier konnte ich duschen.
Am Nachmittag schaute ich mich noch ein bisschen am Yachthafen um. In der folgenden Nacht konnte ich nicht besonders gut schlafen, ich wachte immer wieder zwischendurch auf.
Tag 3:
Ich ging an diesem Montag in ein Café zum Frühstücken. Danach schaute ich mir den Corte Ingles an, bevor ich wieder in die Unterkunft zurückging, um meine Koffer zu packen und abzureisen. Über eine unterirdische Zugstation konnte ich diesmal den Flughafen erreichen, allerdings an Terminal 2. Ein Bus brachte mich zu Terminal 1, wo ich das Flugzeug nach Paris nahm. Mein Aufenthalt hier war kürzer als beim Hinflug. Um 20:00 Uhr startete das Flugzeug nach Bremen, wo ich schon kurz nach 21 Uhr ankam. Mit der Straßenbahn fuhr ich dann zu meiner Wohnung zurück.
Der Barcelona-Marathon.
Die ganze Reise hatte ich etwa ein halbes Jahr im Voraus geplant. Mit den guten Verbindungen vom Bremer Flughafen nach Paris, von wo aus man fast alle Ziele weltweit ansteuern kann, war es möglich, einen Flug nach Barcelona zu buchen. Die Teilnahmegebühr für den Marathon war nach der bisherigen Anzahl der Anmeldungen gestaffelt. Da ich zu den ersten zehntausend gehörte, bekam ich noch den günstigsten Tarif. Ich war im Jahr 2003 schon einmal als Schüler in Barcelona gewesen, damals allerdings im Hochsommer (Juni), untergebracht bei Gastfamilien im Vorort in Rubí und der Anflug mit Ryanair zum etwas weiter entfernt liegenden Flughafen Girona.
Tag 1:
Ich nahm, wie schon beim Florenz-Marathon, das 6:30-Uhr-Flugzeug am Samstag nach Paris. Dafür musste ich um 3:30 Uhr aufstehen. Ich hatte am Vortag mal wieder eine Mini-Erkältung mit leichtem Kratzen im Rachen und etwas verstärktem Nasenlaufen gehabt. Dies ließ mich ein wenig Zittern, denn eine Marathonteilnahme im Krankheitsfall ist bekanntlich lebensgefährlich. Insgesamt hatte ich in der jetzigen Nacht nur drei Stunden geschlafen. Ich hatte am Vortag beim Bäcker noch drei Brötchen gekauft, die ich in Paris mit Schinken belegen und dann verzehren wollte, da ich am Charles-de-Gaulle-Airport über vier Stunden Aufenthalt haben sollte und die Preise in den dortigen Gastronomiebetrieben schon ziemlich hoch sind. Ich zog mich an und packte dann meinen Koffer. Um 4:35 Uhr nahm ich die Straßenbahn in die Innenstadt, wo ich an der Domsheide in die Linie 6 zum Flughafen einstieg. Um kurz nach fünf Uhr kam ich dort an. Ich gab am Air-France-Schalter meinen Koffer ab. Dort wurde mir bestätigt, dass dieser Koffer in Paris von einem Terminal zum anderen transportiert werden würde, sodass ich ihn erst wieder in Barcelona abholen müsste. Erst als ich das Reisegepäck aufgegeben hatte, fiel mir ein, dass sich in diesem meine Brötchen befanden. Ich musste also irgendwie anders den baldigen Hunger bekämpfen.
Als ich dann in den Sicherheitsbereich einchecken wollte, stellte ich fest, dass die Warteschlange extrem lang war. Es dauerte bis kurz vor sechs Uhr, bevor ich an die Reihe kam. Außer dem Flug nach Paris warteten die Reisenden auch noch auf Flugzeuge nach Gran Canaria und Mallorca. Der Start unserer Maschine verzögerte sich wegen des hohen Andrangs auch ein bisschen. Zu allem Überfluss sah ich nun auch noch, dass meine Armbanduhr offenbar kaputt war. Sie war mal wieder stehengeblieben, obwohl ich schon zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen die Batterie gewechselt hatte. Ich musste also wieder einmal einen Marathon ohne funktionierende Uhr absolvieren, genauso wie in Florenz.
Um kurz nach acht Uhr kamen wir in Paris an. Ich wurde angewiesen, den Sicherheitsbereich nicht zu verlassen, sondern in einen Bus zu steigen, der mich und zwei weitere Reisende direkt zum anderen Terminal brachte. Es war das gleiche Terminal, von welchem aus ich auch nach Florenz geflogen war. Mein Flug nach Barcelona sollte um 12:35 Uhr starten. Ich hatte also noch viel Zeit, mir den ganzen Flughafen anzuschauen. An einem Snackautomaten kaufte ich mir für 1,50€ ein paar Kartoffelchips, sodass der Hunger wenigstens ein bisschen gestillt war. Als ich dann um halb eins endlich im Flugzeug nach Barcelona saß, war ich froh, dass es hier als Mittagessen ein Brötchen mit Salat gab, welches mir schmeckte. Kurz nach 14 Uhr kamen wir in Barcelona an.
Ich hatte keinen aktuellen Metro-Plan dabei, hatte aber gelesen, dass der Weg vom Flughafen zum Zentrum besser mit dem Bus zu bewältigen sei. Zunächst musste ich aber die Gepäckabgabe abwarten. Ich war erleichtert, als ich meinen grünen Koffer tatsächlich wiederentdeckte. Jetzt konnte ich endlich die drei Brötchen mit Schinken belegen und verzehren. Dann ging ich aus dem Flughafengebäude hinaus auf einen tiefer gelegenen Platz, wo einige Busse standen. Ich fragte zwei Helferinnen, welche mir erklärten, dass einer der Busse bis zur Plaza Catalunya fahren würde. Dies kostete 5,90€. Ich zahlte beim Fahrer und fuhr bis zur Endstation. Die Plaza Catalunya liegt südlich von der Diagonal, an welcher meine Unterkunft lag. Ich fragte mich ein bisschen durch, bis ich in die richtige Richtung lief. Tatsächlich kam ich an die Diagonal-Straße, wo ich auch schnell die Unterkunft fand. Sie war im ersten Stock eines Hauses angesiedelt und relativ klein. Mit dem Hotelwärter unterhielt ich mich ausschließlich auf Spanisch. Ich bekam ein Bett und ein Schließfach in einem großen Raum angewiesen. Dann machte ich mich sofort wieder auf den Weg, um mir die Startunterlagen abzuholen. Ich wollte wissen, wie weit der Weg dorthin war, um ihn morgen notfalls zu Fuß zurückzulegen.
Der Weg war zwar nicht allzu weit, allerdings musste ich immer wieder an roten Ampeln anhalten. Unterwegs kamen mir immer mehr Sportler mit den Starterbeuteln des Barcelona-Marathons entgegen. Das Veranstaltungszentrum lag an der Plaza Espanya. Ich erkannte diesen Ort nun wieder, da ich vor zwölf Jahren schon einmal hier gewesen war. Südlich von ihm liegt auf einer Anhöhe ein großer Park, südwestlich das Messegelände. Die Startgerade führte offenbar von diesem Park in nördliche Richtung. In einer großen Halle zeigte ich zunächst auf meinem Smartphone die Anmeldebestätigung vor und erhielt im Gegenzug die Startnummer. An einem großen Plakat konnte ich mich noch einmal versichern, dass der Marathon um 8:30 Uhr starten sollte. An weiteren Orten auf der Messe bekam ich noch das diesjährige Teilnehmertrikot (türkis) und den Starterbeutel, der allerdings kaum nennenswerte Gegenstände enthielt.
Beim Rückweg verlief ich mich nun zum ersten Mal. Dies wurde mir klar, als einige Touristen an einer Metrostation anhielten und ich nun sah, dass ich an der falschen Metrostrecke entlanggelaufen war. Daher entschied ich mich, die restliche Strecke zu meiner Unterkunft nun direkt mit der Metro zurückzulegen. Ich kaufte mir für weniger als zehn Euro ein Ticket, mit dem ich zehn einfach Fahrten machen konnte. Ich fuhr nun allerdings erst zur Plaza de Catalunya, um mir in einem kleinen Supermarkt etwas zu essen zu kaufen. Ich ging dabei über die Mitte des großen Platzes und erinnerte mich nun, wie ich hier vor zwölf Jahren mit meinen Schulkameraden im Schatten gesessen und trotzdem Sonnenbrand bekommen hatte. Im nebenan gelegenen Corte Ingles hatte Jochen sich damals ein Poster zweimal kaufen müssen, da er es nach dem ersten Mal irgendwo verloren hatte.
Ich verirrte mich nun erneut und kam in eine der Ramblas, wo ich in einer Seitenstraße dann doch einen kleinen Laden fand, wo ich mir Pepsi, Hot-Dog-Brötchen und Salami kaufte. Als ich den Laden wieder verließ, fing es fürchterlich an zu hageln und zu regnen. Ich stellte mich auf der Rambla bei einem Andenkenladen unter und kaufte dort einen Barcelona-Teller für sechs Euro. Dann suchte ich an der Plaza de Catalunya den McDoof auf. Dies dauerte ein bisschen und meine Kleidung wurde nun immer feuchter. Im McDoof angekommen, kaufte ich mir zwei große Portionen Pommes und ging damit in die unterirdische Metro-Station. Mit der sogenannten grünen Linie fuhr ich nun bis zur Station „Diagonal“. Unterwegs erklärte mir ein deutsches Pärchen, dass die Metro auch sonntags alle vier bis fünf Minuten fahren würde.
Als ich an der betreffenden Metrostation ausstieg, verlief ich mich wieder zweimal, bevor ich meine Unterkunft endlich fand. Dort konnte ich dann meine Füße abduschen und mich gegen Viertel nach neun Uhr schlafen legen.
Tag 2:
Da sich in meiner Unterkunft zwei laut schnarchende Gäste befanden, wurde die Nacht ein bisschen unangenehm. Dennoch schlief ich mit nur wenigen Unterbrechungen. Am nächsten Morgen stand ich gegen 6:30 Uhr auf und duschte. Dann ging ich in den Frühstücksraum und nahm insgesamt vier Hot-Dog-Brötchen mit 80 Gramm Salami zu mir. Während des Frühstücks kam ein Familienvater mit seinen beiden Söhnen und seiner Frau herein. Er war aus Barcelona und wollte heute auch mitlaufen. Da ich schon alle meine Sachen am Vorabend gepackt hatte, konnte ich sofort nach dem Frühstück losgehen. Ich hatte nur wenig Gepäck dabei, weil ich nicht am Veranstaltungsgelände sondern erst wieder im Hotel duschen wollte. Meine vorgesehenen Laufsocken hatten leider Löcher, weshalb ich auf normale Socken umgestiegen war. Die Schuhe hatte ich im Dezember in Augsburg bei Karstadt gekauft und in den Folgemonaten einigermaßen „eingelaufen“, die längste Strecke war um die 30 Kilometer gewesen. Obenrum trug ich das Trikot vom Lesmona-Lauf 2010.
Heute war auf den Straßen wesentlich weniger Autoverkehr als gestern. Ich fand die Metrostation sofort, wo die grüne Linie in Richtung Universität fuhr. Tatsächlich fuhren die Züge auch Sonntags im Fünf-Minuten-Takt. Es wimmelte hier bereits von Läufern. Wir kamen über die Plaza de Catalunya zur Plaza Espanya, wo alle Läufer ausstiegen. Es dauerte einige Zeit, bis der ganze Strom an die Erdoberfläche kam. Ich schaute mir erst einmal die Startgerade an. Sie lag zwischen der Anhöhe mit dem künstlichen Wasserfall und der Plaza Espanya. Dazwischen war das Messegelände. Ich schaute mir den Wasserfall an und wollte dann auf dem Messegelände meinen Starterbeutel abgeben. Erst jetzt sah ich, wie lang die Schlange hier war. Bis zum Start waren es noch 30 Minuten. Glücklicherweise ging es dann doch relativ zügig voran. Ich behielt meine Kappe auf dem Kopf, um mich vor der Sonne zu schützen und gab den Rest meiner Sachen beim Personal ab. Dann ging es auf der anderen Seite des Gebäudes wieder hinaus. Ich suchte noch eine Toilette auf und wollte mich dann in den für mich vorgesehenen Startblock einordnen. Meine Startnummer war hellblau, dies stand für den Starterblock mit Zeiten zwischen 3:15 Stunden und 3:30 Stunden. Leider fand ich keine Zugang zu der Geraden, welche von den Zuschauern mit übermäßig großen Gittern abgegrenzt war. Da ich jedoch zahlreiche andere Sportler sah, die sich an diesem Zaun hochschwangen, um auf die Startgeraden zu gelangen, folgte ich diesem Beispiel. Der Zaun war zum Glück sehr stabil. Um acht Uhr dreißig ging es dann los. Vorne regnete es großes Konfetti. Nach einer weiteren Minute kam ein zweiter Countdown. Womöglich war der erstere für die Elite gewesen. Nach etwa drei Minuten überquerte dann auch ich die Startlinie.
Der Kurs bestand aus einer einzigen Runde, die uns zuerst durch den Westen und dann durch den Osten der Stadt führen sollte. Als wir die beiden Türme an der Plaza Espanya erreichten, drehten wir nach links ab und liefen in Richtung Nordwesten. Wir hatten somit die Sonne erst einmal im Rücken. Nach zweieinhalb Kilometern folgte eine Rechtskurve, so dass wir nun die Sonne vor uns hatten. Zum Glück trug ich meine Kappe. Ich sah einen Teilnehmer mit einem Trikot, auf welchem er fünf Veranstaltungen vermerkt hatte. Dreimal wurden hier Auflagen des Athen-Marathons erwähnt. Ich erinnerte mich, dass man sich ja genau ab heute für die diesjährige Auflage anmelden konnte, was ich noch tun wollte. Deshalb sprach ich ihn auf Englisch an und erklärtem ihm dies. Dann ließ ich ihn hinter mir.
Nach einer zweifachen Linkskurve ging es durch den nordwestlichsten Teil des Kurses. Bei Kilometer fünf wurden unsere Zwischenzeiten gemessen. Danach gab es an einer ersten Verpflegungsstelle Wasser zu trinken, welches uns in geöffneten 0,33-Liter-Plastikflaschen gereicht wurde.
Kurz darauf erreichten wir das Nou Camp, welches ich vor zwei Jahren auch von innen hatte besichtigen dürfen. Diesmal liefen wir einmal fast komplett drum herum. Dann ging es nach rechts auf eine große Straße, die uns nach Südwesten führte. Die Straße bestand aus zahlreichen Autospuren, zwischen denen sich auch noch Straßenbahnschienen befanden. Für uns Läufer war nur die eine Hälfte gesperrt, der Teil jenseits der Schienen war für den Autoverkehr freigegeben. Ein Helfer erklärte mir, dass es sich bei dieser Straße um die Diagonal handelte.
Wir verließen die Straße wieder und erreichten Kilometer zehn, wo erneut unsere Zwischenzeiten gemessen wurden. Dann ging es nach Süden, wieder auf die beiden Türme der Plaza Espanya zu. Kurz vor den Türmen bogen wir nach Osten ab, wir waren nun auf der Gran Via. Langsam wurde es lauter, da immer mehr Zuschauer vorhanden waren. Auf Höhe der Plaza Catalunya bogen wir nach Norden ab und kamen durch die Pg de Grácia, welche ich gestern schon zur Genüge abgeschritten war. Hier war auch das Steinhaus, Pedrera, welches keine rechten Winkel besitzt. Kurz bevor wir wieder die Diagonal erreicht hätten bogen wir nach rechts ab. Jetzt überquerten wir die Diagonal doch noch einmal von West nach Ost. Hier wurde bei Kilometer 15 erneut unsere Zwischenzeit gemessen.
Das Feld war inzwischen wieder auseinandergezogen und ich hatte ausreichend Platz für mich. Ich kam nun an der Sagrada Familia vorbei. Vor zwölf Jahren hatten wir diese besichtigt und bestiegen. Leider hatte mich kurz vor der Spitze der Mut verlassen und ich war damals über den Durchgang in den anderen Turm gewechselt, dessen Treppe ausschließlich zum Herabsteigen gedient hatte. Heute blieb ich wenige Sekunden stehen um das Bauwerk zu betrachten, wurde aber von einer Zuschauerin sofort aufgefordert, weiterzulaufen.
Als wir kurz darauf nach halblinks abbogen, waren wir auf einer sehr breiten Straße, der Meridiana, die uns an den nordwestlichsten Punkt der Strecke führte. Es handelte sich dabei um eine Art Wendepunkt und die jetzige Straße diente als Hin- und Rückweg. Rechts von uns war das Vorderfeld zu sehen, vor uns die Berge. Ich konnte auch die Kilometermarkierungen des Feldes der Gegenseite sehen. Da sah kurz nach der Kurve die Angabe „KM 22“. Ich wurde mir dessen bewusst, dass ich bei Erreichen dieser Stelle wohl auch den Rest des Marathons absolvieren würde. Zweifel waren vor dem Rennen angebracht gewesen, da ich ja am Vortag nach sehr leicht erkältet gewesen war.
Als wir dann den Wendepunkt erreicht hatten, sah ich, dass dieser nicht um eine scharfe Kurve, sondern um einen Häuserblock herum führte. Erst auf der anderen Seite des Häuserblocks trafen wir wieder auf das uns entgegenkommende Feld. Als wir dann wieder zwei Kilometer zurückliefen, konnte ich auch einen Pacemaker für 3:45 Stunden sehen. Ein Pacemaker für 3:30 Stunden war entweder gar nicht vorhanden oder er war mir so dicht auf den Fersen, dass ich ihn bereits verpasst hatte.
Wir erreichten nun die Halbmarathondistanz. Hier konnte ich erstmals meine Zwischenzeit ablesen. Ich war positiv überrascht: Die Bruttozeit lag bei 1:43 Stunden, die Nettozeit also bei etwa 1:40 Stunden. Sollte ich keinen größeren Einbruch erleben, so war heute sogar eine neue persönliche Bestzeit möglich.
Langsam bekam ich erste Probleme an meinen Füßen. Der rechte Hinterfuß schmerzte ein bisschen. Ich wartete mit dem Aufsetzen eines Pflasters aber noch ein bisschen. Dann, bei Kilometer 25, als ich zum ersten Mal ein Stück Banane (es gab auch Orangen und Rosinen) zu mir genommen hatte, begab ich mich auf den Bürgersteig, zog den Schuh aus und suchte nach der wunden Stelle, an welcher ich eine Blase vermutete. Leider war diese Stelle optisch nicht zu erkennen. Ich klebte das Pflaster auf die Stelle, wo ich das Problem vermutete, band den Schuh wieder zu und setzte den Marathon fort.
Wir kamen nun wieder auf eine große Straße, die neben zahlreichen Autospuren auch eine Straßenbahn enthielt. Ich vermutete erneut die Diagonal und ein Läufer bestätigte mir dies. Es gab eine Wendestelle, an welcher der Kurs drehte. Daher sah ich einige Kilometer lang das Vorderfeld, welches über einen 3:15-Stunden-Pacemaker verfügte. Der Wendepunkt befand sich kurz vor einem großen, paraboloidförmigen Turm, dem Torre Agbar. Als wir ihm wieder den Rücken zukehrten, ging es die Diagonal wieder hinunter bis zum südöstlichsten Punkt der Strecke. Bei Kilometer dreißig war erneut unsere Zwischenzeit gemessen worden. Des Weiteren sah ich hier zum zweiten Mal auf der Strecke eine Digitalanzeige der Bruttozeit. Netto lag ich bei 2:22 Stunden. Sollte ich mit konstanten 12 km/h weiterlaufen, so wäre heute tatsächlich eine neue Bestzeit möglich.
Es ging nun wieder nach Westen. Da ich links von uns keine großen Gebäude sehen konnte, vermutete ich, dass wir sehr nahe an der Küste des Mittelmeers waren. Und tatsächlich konnte ich das Meer sahen, als unser Kurs ein bisschen weiter nach links versetzt wurde. Plötzlich wurde ich von einem Läufer überholt, der nahezu nackt war. Von hinten betrachtet, schien er nur eine Schnur zu tragen, die an der Vorderseite möglicherweise ein kleines Stoffteil enthielt, welches die intimsten Körperteile bedeckte.
Bei den quaderförmigen Torres Mapfre bogen wir nach rechts ab, später wieder nach links. Wir kamen einem Park vorbei, der durch Gitter umschlossen war. Hier wurde bei Kilometer 35 erneut die Zwischenzeit gemessen. Langsam spürte ich, dass meine Beine schwerer wurden. Ansonsten hatte ich keine körperlichen Beschwerden.
Als wir nach rechts abbogen, kamen wir durch den Arc de Triomf. Dahinter ging es nach links, auf die Plaza Catalunya zu. Wir liefen aber nicht mitten über den Platz, sondern drehten vorher nach links ab und waren nun in der Innenstadt, wo der Boden aus unangenehmen Pflastersteinen bestand. Ganz im Süden kamen wir wieder ans Mittelmeer und sahen nun den Yachthafen. Wir liefen westwärts bis zu einem Platz, auf dem eine große Statue (Colom) war, die einen Mann mit ausgestrecktem Arm zeigte. An diesem Platz ging es nun nordöstlich die Parallel entlang, direkt auf die Plaza Espanya zu. Dieser Platz war wieder an den beiden Türmen zu erkennen, hinter denen wir dann links abbogen, auf die Start- und Zielgeraden zu. Ich war nun auf meine Zeit gespannt. An der Digitalanzeige konnte ich lesen, dass sich die Bruttozeit auf die 3:27 zubewegte. Eine neue Bestzeit war somit sicher. Als ich die Ziellinie überquerte, musste ich ein Stückchen nach vorne gehen, um zunächst eine Flasche Iso und eine Flasche Wasser zu bekommen. Um die Ecke gab es dann Obst zu essen. Ich stopfte mehrere Orangenstücke in mich hinein.
Dann ließ ich mir die Medaille umhängen, auf welcher alle relevanten Details vermerkt waren. Ich wollte mir den Zielbereich noch einmal von oben anschauen und ging daher am Wasserfall hoch, wo zum Glück eine Rolltreppe war. Nach einigen Minuten fuhr ich wieder nach unten und machte mich auf den Weg zur Taschenabgabe. Dabei unterhielt ich mich mit einer Läuferin aus Freiburg, die heute ihren zweiten Marathon gelaufen war. Als ich meinen Starterbeutel wieder zurückerhalten hatte wollte ich zur unterirdischen Metrostation gehen. Allerdings war es aufwändig, zum richtigen Gleis zu gelangen. Immer wieder musste ich dafür Treppen hinauf- und hinabsteigen. Endlich saß ich doch in der Linea verde, die mich direkt zur meiner Unterkunft brachte. Hier konnte ich duschen.
Am Nachmittag schaute ich mich noch ein bisschen am Yachthafen um. In der folgenden Nacht konnte ich nicht besonders gut schlafen, ich wachte immer wieder zwischendurch auf.
Tag 3:
Ich ging an diesem Montag in ein Café zum Frühstücken. Danach schaute ich mir den Corte Ingles an, bevor ich wieder in die Unterkunft zurückging, um meine Koffer zu packen und abzureisen. Über eine unterirdische Zugstation konnte ich diesmal den Flughafen erreichen, allerdings an Terminal 2. Ein Bus brachte mich zu Terminal 1, wo ich das Flugzeug nach Paris nahm. Mein Aufenthalt hier war kürzer als beim Hinflug. Um 20:00 Uhr startete das Flugzeug nach Bremen, wo ich schon kurz nach 21 Uhr ankam. Mit der Straßenbahn fuhr ich dann zu meiner Wohnung zurück.
Dienstag, 10. März 2015
Halbmarathon Frankfurt 2015-03-08
Der einhundertundneunte Halbmarathon meines Lebens.
Der 13. Lufthansa-Halbmarathon.
Der Lufthansa-Halbmarathon in Frankfurt findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im März statt und bildet für mich den Beginn der Halbmarathonsaison. Von 2011 bis 2013 hatte ich hier teilgenommen. Im letzten Jahr hatte ich auf eine Teilnahme verzichtet. Nun war ich wieder dabei, nahm jedoch nicht den Nacht-Intercity, sondern übernachtete in Frankenthal. Ich stand gegen sechs Uhr auf, duschte und frühstückte. Meine Läuferkleidung hatte ich bereits unter der langen Hose an. Ich wurde zum Hauptbahnhof gefahren und bestieg dort um 7:10 Uhr die Regionalbahn nach Frankenthal.
Die Nacht war noch sehr frostig mit Temperaturen knapp unter null Grad gewesen. Doch der heutige Tag sollte der bisher wärmste des Jahres mit zweistelligen Temperaturen werden. Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen, eine Sonnenbrille hatte ich aber auch nicht dabei. Während der Fahrt stiegen nun immer mehr Läufer ein. Am Römischen Theater in Mainz mussten wir aussteigen und das Gleis wechseln. Kurz darauf traf auch schon die S-Bahn ein, welche uns zum Frankfurter Stadion brachte, wo wir kurz nach halb neun Uhr ankamen.
Ich hatte in diesem Jahr zwei der drei Vorbereitungsläufe im Bremer Bürgerpark absolviert. Beim Zehn-Kilometerlauf hatte ich eine Zeit von unter 41 Minuten erzielt und beim 20-Kilometerlauf eine Zeit von unter 84 Minuten. Heute wollte ich unter 1:28 Stunden laufen, was ich im gesamten vergangenen Jahr nicht geschafft hatte.
Am Kursverlauf sowie der restlichen Organisation hatte sich nichts geändert. Allerdings war für dieses Jahr eine Rekordzahl an Voranmeldern erreicht worden. Ich hatte für die Rückfahrt nach Bremen eine relativ zeitige Zugbindung und konnte es mir daher auch nicht erlauben, beim Halbmarathon allzu langsam zu sein.
Die Räume im Stadion waren bereits gut gefüllt. Da ich keine ausgedruckte Anmeldebestätigung dabei hatte, zeigte ich meinen Ausweis vor und nannte meine Startnummer, die ich an einer aufgehängten Liste ablesen konnte. Die Unterlagen bestanden lediglich aus der Startnummer und dem Davengo-Chip zur Zeitmessung. Nun ging ich auf die Hinterseite des Stadions und nahm mein mitgebrachtes Brot zu mir. Als ich fertiggegessen hatte, ging ich in die Katakomben des Stadions und suchte zunächst die Toilette auf. Danach kam ich in den Vorraum der Umkleiden, wo man die Taschen ablegen konnte. Ich musste nun feststellen, dass ich meine Pflaster offenbar vergessen hatte. Meine im Geldbeutel vorhandene „Notration“ reichte nur für die linke Brustwarze. Obenrum trug ich das Trikot vom Berlin-Halbmarathon 2010. Ich stellte meine Tasche an den Rand des großen Raumes und gab die Wertsachen bei den ehrenamtlichen Helfern ab. Dann suchte ich noch nach einem Rettungswagen, wo ich vielleicht Pflaster bekommen hätte. Leider wurde ich nicht fündig.
Es war nun schon wenige Minute vor zehn Uhr und ich stellte mich daher in die Startgerade neben dem Stadion. Die Elite startete um Punkt zehn Uhr. Drei Minuten später war das Fußvolk dran, wobei ich im vordersten Bereich war. Der erste Streckenabschnitt war ziemlich kritisch, da hier einige enge, scharfe Kurven dabei waren. Ich stellte meine Uhr entsprechend dem Überqueren der Startlinie. Dann ging es aus dem Stadiongelände hinaus zur Unterführung unter der S-Bahn-Linie hindurch. Hier war es extrem eng. Dahinter kam nun eine etwas längere Gerade, wo ich einige Leute überholten musste. Wir hatten die Sonne zunächst im Rücken.
Nach einem Kilometer ging es scharf nach links. Der nun folgende Abschnitt durch den Wald, unter einer Bahn-Brücke hindurch, war extrem eng. Überholen war ziemlich schwierig. So ging es einige Zeit geradeaus, bis dann nach dreieinhalb Kilometern eine 180°-Kurve auf eine Hauptverkehrsstraße führte. Nun tauchten links vor uns die Hochhäuser und Bürogebäude von Niederrad auf. Wir überquerten die Straßenbahnschienen und bogen daraufhin links in den Stadtteil ein. Für die ersten fünf Kilometer hatte ich weniger als 21 Minuten benötigt.
Nun liefen wir nach Norden auf den Main zu und bogen kurz vor dessen Ufer rechts ab. Aus der Entfernung konnten wir die Hochhäuser des Bankenviertels auf der anderen Uferseite sehen. Noch führte der Kurs allerdings auf der Hauptverkehrsstraße etwas oberhalb des Flusspegels entlang.
Nach sieben Kilometern ging es dann direkt ans Ufer, wo ich einen Skatebordfahrer überholte, der auf seinem Brett ebenfalls nach unten fuhr. Nun konnten wir den Main neben uns sehen. Einige Jogger kamen uns entgegen und ein paar Zuschauer standen am Streckenrand. Ein kleines Mädchen fragte „So viele?“ und ich rief ihr im Vorbeilaufen „5000“ zu, was der offiziellen Zahl der Voranmelder dieses Halbmarathons entsprach.
Wir liefen unter zwei Brücken hindurch, bevor es über ein unangenehmes Kopfsteinpflaster wieder nach oben auf die Hauptverkehrsstraße ging. Hier, bei Kilometer 9,7, befand sich der erste Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Kurz darauf bogen wir ins Wohngebiet nach Süden ein. Hier war Kilometer zehn erreicht, wo eine Zwischenzeit von knapp über 41 Minuten gemessen wurde. Das war nicht schlecht, doch wurde ich nun allmählich langsamer.
Der Lauf wurde jetzt ein bisschen unangenehmer, da es Richtung Süden ging und wir nun die Sonne vor uns hatte. Es war auch inzwischen wesentlich wärmer geworden. Als wir nach zwei weiteren Bahn-Unterführungen (Eine davon war die Unterführung am Bahnhof Niederrad, welchen ich inzwischen gut kannte) den Stadtteil hinter uns hatten, kamen wir durch den Wald. Nach einer langen Linkskurve erreichten wir die lange Gerade, an deren Ende sich der Wendepunkt befand. Hier ging es nun über zwei Kilometer lang geradeaus. Ich spürte immer wieder leichtes Seitenstechen, weshalb ich nicht mehr ganz so schnell laufen konnte. Eine Zeit von unter 88 Minuten schien aber noch möglich zu sein. Bei Kilometer 15 war der zweite Versorgungsstand. Ich nahm mir diesmal neben Wasser noch einen Becher Iso, dessen Inhalt wie gegorener Apfelsaft schmeckte. Inzwischen wurde ich von immer mehr Hintermännern überholt. Die Versorgungsstelle befand sich auf der Höhe, wo die Landstraße zweigeteilt war. Auf der linken Seite liefen wir, auf der rechten Seite war das Vorderfeld, welches bei der Versorgungsstation nach links Richtung Stadion abbog.
Dieses Vorderfeld konnte ich nun einige Zeit lang beobachten, bevor ich selber den Wendepunkt erreichte (Kilometer 16,3), wo ich eine scharfe 180°-Kurve hinlegte und dann die Landstraße wieder zurücklief. Hier wurde ich von einer Zuschauerin erstmals mit meinem Namen, der auf der Startnummer aufgedruckt war, angefeuert. Ich wusste, dass es zwei Versorgungsstellen auf der Strecke gab. Als ich jedoch die zweite Versorgungsstelle wieder auf dem Rückweg erreichte, sah ich, dass diese auch auf unserer Straßenseite aufgebaut war. Ich konnte also kurz vor Kilometer 18 noch einmal einen Schluck Wasser zu mir nehmen. Danach ging es rechts ab, durch den Wald. Es war nun der letzte Abschnitt, bei dem wir gegen die (inzwischen relativ hoch stehende) Sonne laufen mussten. Meine Zielmarke von unter 88 Minuten war inzwischen stark in Gefahr.
Nach neunzehn Kilometern ging es nach rechts auf eine Brücke, die uns über eine Fernverkehrsstraße führte. Nun konnten wir wieder die Commerzbank-Arena sehen. Wir liefen geradeaus an der Arena vorbei zu dem Weg, den ich vor einigen Stunden von der S-Bahn-Station aus zum Stadion zurückgelegt hatte. Dann bogen wir auf den Stadionvorplatz ein. Ich rannte nun, so schnell ich konnte, um meine Zielzeit doch noch zu erreichen. Am südlichen Rand des Stadions ging es auf die Innenfläche der Arena. Ich sah, dass uns einige Zuschauer auf den Rängen zujubelten. Ich überquerte die Ziellinie nach ziemlich genau 88 Minuten. Eine Medaille gab es – wie jedes Jahr – natürlich nicht. Dann ging ich weiter, aus dem Stadion hinaus, wo dieses Jahr die Verpflegung war. Ich nahm mir einen warmen Tee und begab mich dann zu den Katakomben, um meine Tasche wieder abzuholen und zu duschen. Erst danach holte ich die Wertsachen ab. Vor dem Stadion gab es einen Würstchenstand, wo ich mir eine Bratwurst kaufte. Dann ging ich langsamen Schrittes zum S-Bahnhof. Hier nahm ich das nächste Fahrzeug, welches über Niederrad zum Hauptbahnhof fuhr. Dort stieg ich in den ICE nach Hannover ein. In Hannover wechselte ich in den ICE nach Bremen. Erst kurz nach Achim kam es zu Verspätungen, da hier Personen auf den Gleisen waren. Gegen 18:30 Uhr war ich schließlich wieder zu Hause.
Der 13. Lufthansa-Halbmarathon.
Der Lufthansa-Halbmarathon in Frankfurt findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im März statt und bildet für mich den Beginn der Halbmarathonsaison. Von 2011 bis 2013 hatte ich hier teilgenommen. Im letzten Jahr hatte ich auf eine Teilnahme verzichtet. Nun war ich wieder dabei, nahm jedoch nicht den Nacht-Intercity, sondern übernachtete in Frankenthal. Ich stand gegen sechs Uhr auf, duschte und frühstückte. Meine Läuferkleidung hatte ich bereits unter der langen Hose an. Ich wurde zum Hauptbahnhof gefahren und bestieg dort um 7:10 Uhr die Regionalbahn nach Frankenthal.
Die Nacht war noch sehr frostig mit Temperaturen knapp unter null Grad gewesen. Doch der heutige Tag sollte der bisher wärmste des Jahres mit zweistelligen Temperaturen werden. Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen, eine Sonnenbrille hatte ich aber auch nicht dabei. Während der Fahrt stiegen nun immer mehr Läufer ein. Am Römischen Theater in Mainz mussten wir aussteigen und das Gleis wechseln. Kurz darauf traf auch schon die S-Bahn ein, welche uns zum Frankfurter Stadion brachte, wo wir kurz nach halb neun Uhr ankamen.
Ich hatte in diesem Jahr zwei der drei Vorbereitungsläufe im Bremer Bürgerpark absolviert. Beim Zehn-Kilometerlauf hatte ich eine Zeit von unter 41 Minuten erzielt und beim 20-Kilometerlauf eine Zeit von unter 84 Minuten. Heute wollte ich unter 1:28 Stunden laufen, was ich im gesamten vergangenen Jahr nicht geschafft hatte.
Am Kursverlauf sowie der restlichen Organisation hatte sich nichts geändert. Allerdings war für dieses Jahr eine Rekordzahl an Voranmeldern erreicht worden. Ich hatte für die Rückfahrt nach Bremen eine relativ zeitige Zugbindung und konnte es mir daher auch nicht erlauben, beim Halbmarathon allzu langsam zu sein.
Die Räume im Stadion waren bereits gut gefüllt. Da ich keine ausgedruckte Anmeldebestätigung dabei hatte, zeigte ich meinen Ausweis vor und nannte meine Startnummer, die ich an einer aufgehängten Liste ablesen konnte. Die Unterlagen bestanden lediglich aus der Startnummer und dem Davengo-Chip zur Zeitmessung. Nun ging ich auf die Hinterseite des Stadions und nahm mein mitgebrachtes Brot zu mir. Als ich fertiggegessen hatte, ging ich in die Katakomben des Stadions und suchte zunächst die Toilette auf. Danach kam ich in den Vorraum der Umkleiden, wo man die Taschen ablegen konnte. Ich musste nun feststellen, dass ich meine Pflaster offenbar vergessen hatte. Meine im Geldbeutel vorhandene „Notration“ reichte nur für die linke Brustwarze. Obenrum trug ich das Trikot vom Berlin-Halbmarathon 2010. Ich stellte meine Tasche an den Rand des großen Raumes und gab die Wertsachen bei den ehrenamtlichen Helfern ab. Dann suchte ich noch nach einem Rettungswagen, wo ich vielleicht Pflaster bekommen hätte. Leider wurde ich nicht fündig.
Es war nun schon wenige Minute vor zehn Uhr und ich stellte mich daher in die Startgerade neben dem Stadion. Die Elite startete um Punkt zehn Uhr. Drei Minuten später war das Fußvolk dran, wobei ich im vordersten Bereich war. Der erste Streckenabschnitt war ziemlich kritisch, da hier einige enge, scharfe Kurven dabei waren. Ich stellte meine Uhr entsprechend dem Überqueren der Startlinie. Dann ging es aus dem Stadiongelände hinaus zur Unterführung unter der S-Bahn-Linie hindurch. Hier war es extrem eng. Dahinter kam nun eine etwas längere Gerade, wo ich einige Leute überholten musste. Wir hatten die Sonne zunächst im Rücken.
Nach einem Kilometer ging es scharf nach links. Der nun folgende Abschnitt durch den Wald, unter einer Bahn-Brücke hindurch, war extrem eng. Überholen war ziemlich schwierig. So ging es einige Zeit geradeaus, bis dann nach dreieinhalb Kilometern eine 180°-Kurve auf eine Hauptverkehrsstraße führte. Nun tauchten links vor uns die Hochhäuser und Bürogebäude von Niederrad auf. Wir überquerten die Straßenbahnschienen und bogen daraufhin links in den Stadtteil ein. Für die ersten fünf Kilometer hatte ich weniger als 21 Minuten benötigt.
Nun liefen wir nach Norden auf den Main zu und bogen kurz vor dessen Ufer rechts ab. Aus der Entfernung konnten wir die Hochhäuser des Bankenviertels auf der anderen Uferseite sehen. Noch führte der Kurs allerdings auf der Hauptverkehrsstraße etwas oberhalb des Flusspegels entlang.
Nach sieben Kilometern ging es dann direkt ans Ufer, wo ich einen Skatebordfahrer überholte, der auf seinem Brett ebenfalls nach unten fuhr. Nun konnten wir den Main neben uns sehen. Einige Jogger kamen uns entgegen und ein paar Zuschauer standen am Streckenrand. Ein kleines Mädchen fragte „So viele?“ und ich rief ihr im Vorbeilaufen „5000“ zu, was der offiziellen Zahl der Voranmelder dieses Halbmarathons entsprach.
Wir liefen unter zwei Brücken hindurch, bevor es über ein unangenehmes Kopfsteinpflaster wieder nach oben auf die Hauptverkehrsstraße ging. Hier, bei Kilometer 9,7, befand sich der erste Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Kurz darauf bogen wir ins Wohngebiet nach Süden ein. Hier war Kilometer zehn erreicht, wo eine Zwischenzeit von knapp über 41 Minuten gemessen wurde. Das war nicht schlecht, doch wurde ich nun allmählich langsamer.
Der Lauf wurde jetzt ein bisschen unangenehmer, da es Richtung Süden ging und wir nun die Sonne vor uns hatte. Es war auch inzwischen wesentlich wärmer geworden. Als wir nach zwei weiteren Bahn-Unterführungen (Eine davon war die Unterführung am Bahnhof Niederrad, welchen ich inzwischen gut kannte) den Stadtteil hinter uns hatten, kamen wir durch den Wald. Nach einer langen Linkskurve erreichten wir die lange Gerade, an deren Ende sich der Wendepunkt befand. Hier ging es nun über zwei Kilometer lang geradeaus. Ich spürte immer wieder leichtes Seitenstechen, weshalb ich nicht mehr ganz so schnell laufen konnte. Eine Zeit von unter 88 Minuten schien aber noch möglich zu sein. Bei Kilometer 15 war der zweite Versorgungsstand. Ich nahm mir diesmal neben Wasser noch einen Becher Iso, dessen Inhalt wie gegorener Apfelsaft schmeckte. Inzwischen wurde ich von immer mehr Hintermännern überholt. Die Versorgungsstelle befand sich auf der Höhe, wo die Landstraße zweigeteilt war. Auf der linken Seite liefen wir, auf der rechten Seite war das Vorderfeld, welches bei der Versorgungsstation nach links Richtung Stadion abbog.
Dieses Vorderfeld konnte ich nun einige Zeit lang beobachten, bevor ich selber den Wendepunkt erreichte (Kilometer 16,3), wo ich eine scharfe 180°-Kurve hinlegte und dann die Landstraße wieder zurücklief. Hier wurde ich von einer Zuschauerin erstmals mit meinem Namen, der auf der Startnummer aufgedruckt war, angefeuert. Ich wusste, dass es zwei Versorgungsstellen auf der Strecke gab. Als ich jedoch die zweite Versorgungsstelle wieder auf dem Rückweg erreichte, sah ich, dass diese auch auf unserer Straßenseite aufgebaut war. Ich konnte also kurz vor Kilometer 18 noch einmal einen Schluck Wasser zu mir nehmen. Danach ging es rechts ab, durch den Wald. Es war nun der letzte Abschnitt, bei dem wir gegen die (inzwischen relativ hoch stehende) Sonne laufen mussten. Meine Zielmarke von unter 88 Minuten war inzwischen stark in Gefahr.
Nach neunzehn Kilometern ging es nach rechts auf eine Brücke, die uns über eine Fernverkehrsstraße führte. Nun konnten wir wieder die Commerzbank-Arena sehen. Wir liefen geradeaus an der Arena vorbei zu dem Weg, den ich vor einigen Stunden von der S-Bahn-Station aus zum Stadion zurückgelegt hatte. Dann bogen wir auf den Stadionvorplatz ein. Ich rannte nun, so schnell ich konnte, um meine Zielzeit doch noch zu erreichen. Am südlichen Rand des Stadions ging es auf die Innenfläche der Arena. Ich sah, dass uns einige Zuschauer auf den Rängen zujubelten. Ich überquerte die Ziellinie nach ziemlich genau 88 Minuten. Eine Medaille gab es – wie jedes Jahr – natürlich nicht. Dann ging ich weiter, aus dem Stadion hinaus, wo dieses Jahr die Verpflegung war. Ich nahm mir einen warmen Tee und begab mich dann zu den Katakomben, um meine Tasche wieder abzuholen und zu duschen. Erst danach holte ich die Wertsachen ab. Vor dem Stadion gab es einen Würstchenstand, wo ich mir eine Bratwurst kaufte. Dann ging ich langsamen Schrittes zum S-Bahnhof. Hier nahm ich das nächste Fahrzeug, welches über Niederrad zum Hauptbahnhof fuhr. Dort stieg ich in den ICE nach Hannover ein. In Hannover wechselte ich in den ICE nach Bremen. Erst kurz nach Achim kam es zu Verspätungen, da hier Personen auf den Gleisen waren. Gegen 18:30 Uhr war ich schließlich wieder zu Hause.
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