Dienstag, 26. Oktober 2010

Halbmarathon Oldenburg 2010-10-24


Der zwölfte Halbmarathon meines Lebens.
Der 25. Oldenburger City-Lauf: Vor einem Jahr war in Oldenburg der erste Halbmarathon der Geschichte der Stadt veranstaltet worden. Damals wurde auch angekündigt, dass es im folgenden Jahr einen Marathon geben würde. Dieser war nun ein Teil des diesjährigen City-Laufs. Daneben gab es einen Halbmarathon, einen 10km-Lauf, einen 5km-Lauf und einen Kinderlauf.
Durch meine frühzeitige Anmeldung hatte ich nur 18€ an Startgebühren bezahlt. Ich hatte in der Nacht auf Sonntag in meiner Wohnung in Bremen übernachtet. Ich war schon gegen 20:00 Uhr ins Bett gegangen und wachte mitten in der Nacht auf, da draußen ein fürchterlicher Wind wehte und mein Fenster gekippt war. Ich machte es daraufhin zu und stellte mir schon vor, wie es wohl sein würde, bei so einer Windstärke laufen zu müssen.
Am nächsten Morgen frühstückte ich und packte dann meine Reisetasche, da ich nach dem Lauf direkt von Oldenburg nach Wolfsburg fahren wollte. Ich hatte am Vortag beim Geldabheben eine 5 zu viel in den Automaten eingegeben und daher nicht 45€, sondern 455€ abgehoben. Dieses Geld musste ich nun mitnehmen nach Wolfsburg, um dort pünktlich meine Miete zahlen zu können. Ich wollte bei der Kleiderabgabe jedoch die acht 50-Euro-Scheine nicht mit abgeben, sondern sie stattdessen während des Rennens bei mir tragen und steckte sie daher in die Taschentücherpackung, die ich beim Laufen in der Tasche meiner Sporthose transportierte.
Um 7:40 Uhr fuhr ich in Gröpelingen mit der Straßenbahn los, um 8:00 Uhr kam ich am Hauptbahnhof an. Dort stieg ich in die Regionalbahn nach Oldenburg, welche um 8:15 losfuhr. Auf den Zwischenstationen sah ich einige weitere Läufer einsteigen. Diesen ging ich einfach hinterher, als der Zug um kurz vor neun Uhr in Oldenburg ankam.
Das Wetter war extrem ungünstig: Es regnete zwar nicht besonders stark, aber es wehte ein starker Wind. Da es bereits die ganze Nacht geregnet hatte, war der Boden voller Pfützen.
Nach einer Viertelstunde kamen wir am Veranstaltungszentrum an. An der Startgeraden standen LKWs bereit, bei denen man seine Taschen abgeben konnte. Zunächst musste ich aber meine Startunterlagen abholen. Ich musste in ein Gebäude eintreten, welches für die Veranstaltung zu klein war. Auch die Anzahl der Helfer, welche die Startunterlagen herausgaben, war zu gering. Es herrschte ein großes Gedränge und ich musste eine Viertelstunde anstehen, ehe ich meine Unterlagen bekam. Zum Glück hatte ich meine Sporthose schon vorher angezogen, sonst hätte ich jetzt noch die Umkleidekabinen suchen müssen. Ich trug mein Trikot vom Bissendorf-Halbmarathon. Da dieses aus sehr leichtem Stoff bestand und ich damit im Training schon problemlos längere Strecken gelaufen war, verzichtet ich auf Pflaster, mit denen ich meine Brustwarzen hätte bedecken können, denn ich dachte, dass dies hier nicht nötig sei. Leider hatte ich mich da geirrt, wie sich später herausstellte.
Nachdem ich die Startnummer mit Sicherheitsnadeln auf dem Trikot befestigt hatte, ging ich zum LKW und gab dort meine Tasche ab. Bis zum Start waren es jetzt noch etwa 15 Minuten. Ich lief die Startgerade entlang, um nicht frieren zu müssen, denn das Wetter war richtig unangenehm. Kurz vor zehn Uhr ging ich zum Start.
Die Startgerade war zweigeteilt: Auf der rechten Seite standen die Marathon- und Halbmarathonläufer, auf der linken Seite die 10km-Läufer. Die Strecke für Marathon- und Halbmarathonläufer war dieselbe, wobei Marathonläufer den Kurs zweimal zu durchlaufen hatten. Auf den ersten Kilometern war es entscheidend, nicht in eine Pfütze zu treten, da ich sonst den ganzen Rest der Strecke mit nassen Füßen hätte laufen müssen, was wohl unerträglich gewesen wäre. Ich hatte mir daher vorgenommen, sehr gut darauf zu achten, wo ich hintreten würde.
Das Rennen startete erst um 10:05 Uhr, also fünf Minuten später als geplant. Den Grund dafür konnte ich nicht erfahren. Ich hörte vom Kommentator noch, dass sich für den Halbmarathon diesmal mehr als 1000 Teilnehmer angemeldet hatten.
Ich hatte es für möglich gehalten, heute meine persönliche Bestzeit aus dem Bremen-Halbmarathon zu unterbieten. Dazu war es nötig, jeden Kilometer in 4:45 Minuten zu absolvieren und am Ende nochmal richtig Gas zu geben. Daher trug ich meine Armbanduhr, die einzige Last neben der Taschentuchpackung mit den Taschentüchern und den 400 Euro.
Dann kam endlich der Startschuss. Der erste Teil der Strecke wurde von allen Läufern zusammen absolviert, wobei die 10km-Läufer immer auf der linken Straßenseite liefen, die Teilnehmer der beiden anderen Disziplinen auf der rechten Seite. Am Anfang des Rennens, wo das Feld noch eng beieinander war, musste ich doppelt aufpassen, um einerseits keinem Läufer in die Quere zu kommen und andererseits in keine Pfütze zu laufen. Letzteres führte dazu, dass ich ab und zu große Sprünge machen musste.
Nach eineinhalb Kilometern wurde die Bahnlinie westlich vom Hauptbahnhof unterquert, und gleich dahinter bog der Kurs der 10km-Läufer nach links ab. Die anderen Läufer mussten eine Rechtskurve machen um eine der vielen Schleifen der Strecke zu absolvieren, d.h. dass der Abzweigpunkt nach einem längeren oder kürzeren Streckenabschnitt wieder erreicht wurde und man beim Abbiegen einen Blick auf der Läuferfeld hatte, welches sich bereits einige Meter oder auch Kilometer vor einem selber befand. Von diesen Schleifen sollte es auf dem gesamten Kurs vier Stück geben.
Nach drei Kilometern war der erste Versorgungspunk erreicht, wo ich mir einen Becher Wasser nahm, diesen austrank und weiterlief. Auf meiner Uhr sah ich, dass ich mein Zwischenziel von 4:45 Minuten pro Kilometer bis jetzt erreicht hatte.
Da der Regen stärker wurde, nahm ich meine Brille ab und steckte sie in die Tasche. Dadurch übersah ich die zweite Verpflegungsstation, was allerdings nicht allzu tragisch war, da die Temperatuten nicht so hoch waren, dass ich jeden Schluck Wasser, der mir geboten wurde, auch annehmen musste.
Nach dem neunten Kilometer setzte ich meine Brille wieder auf, da der Regen ein bisschen nachgelassen hatte. Nun wurde die A28 dreimal unterquert. Die Zuschauer in dieser Gegend hatten sich bei den Unterführungen eingefunden, da sie hier nicht dem Regen ausgesetzt waren. Nach der dritten Unterführung führte der Kurs südlich der A28 entlang, danach ging es wieder unter den Bahngleisen durch zur Oldenburger Universität.
Langsam merkte ich, dass es ein Fehler gewesen war, auf die Pflaster für die Brustwarzen zu verzichten: Da mein Trikot vom Regen komplett durchnässt war, war es wesentlich schwerer als in trockenem Zustand und übte so mehr Druck auf die Brustwarzen aus, welche nun anfingen zu schmerzen.
Zum Rest der Strecke kann ich nicht mehr viel sagen, da ich nur noch nach jedem Kilometer auf meine Uhr schaute. Ob ich meinen persönlich Rekord brechen würde, das sollte eine knappe Entscheidung werden. Zwei Kilometer vor dem Ziel wurde die A28 ein viertes Mal unterquert. Hier zog ich mein Trikot für einige hundert Meter aus und lief mit nacktem Oberkörper weiter, um meine Brustwarzen zu schonen. Nachdem ich an der letzten Versorgungsstelle einen Becher Wasser getrunken hatte, versuchte ich noch einmal alles zu geben und so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen. Aber meine Beine waren langsam schwer und ich hatte kaum noch Kondition. Im Vergleich zu meinen bisherigen Halbmarathons fiel mir auf, dass ich am Ende nicht mehr (wie sonst üblich) viele Teilnehmer überholte. Die lag wohl daran, dass ich Kandidaten von dieser Sorte diesmal schon auf den ersten Streckenabschnitten hinter mir gelassen hatte und meine Geschwindigkeit nun kaum noch erhöhen konnte. Auffällig war auch, dass ich keine weiblichen Teilnehmer sehen konnte. Hatte ich diese etwa alle hinter mir gelassen?
Das Ziel war hinterhältig versteckt: Es gab sowohl eine Strecke geradeaus als auch eine, die links abbog. Ein Streckenposten hielt mich zunächst für einen Marathonläufer und wies mich auf die rechte Spur, die geradeaus führte, als er dann jedoch die braune Farbe meiner Startnummer sah, korrigierte er sich und wies mich nach links ein. Durch dieses Hin- und Herlaufen bei relativ hoher Geschwindigkeit verlor ich vielleicht ein bis zwei Sekunden an Zeit. Als ich über Lautsprecher den Satz „nach der Linkskurve sind es noch 50 Meter geradeaus“ hörte, war mir klar, dass ich meine Bestzeit wohl nicht unterboten hatte. Trotzdem beeilte ich mich mit dem Erreichen des Ziels. Dort muss ich wohl so einen üblen Eindruck hinterlassen haben, dass mich eine Frau vom Deutschen Roten Kreuz fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei. Ich bejahte, lies mir eine Medaille geben und lehnte mich an die Absperrung.
Nun betrachtete ich meine Medaille. Ich muss sagen, dass ich ziemlich enttäuscht war: Die Aufschrift war zwar eingraviert, aber diese eingravierten Daten waren außerordentlich mangelhaft. Auf der Rückseite stand der Name eines Sponsors, und auf der Vorderseite war in der Mitte das Wappen von Oldenburg und um dieses Wappen herum stand geschrieben: „25. Oldenburger City-Lauf, 2010“. Offenbar hatten alle Teilnehmer die gleiche Medaille bekommen, egal welcher Disziplin sie angehörten. Und noch nicht einmal das genaue Datum war angegeben!
Nachdem ich ein alkoholfreies Weizen getrunken hatte, ging ich zu den LKWs und holte meine Sporttasche. Hinter dem Gebäude, in dem die Startunterlagen ausgegeben worden waren, befand sich ein Schulzentrum, in dessen Sporthalle die Umkleidekabinen mit den zugehörigen Duschräumen benutzt werden konnten. Eine einzige Umkleidekabine für alle männlichen Teilnehmer! Das war eindeutig zu wenig. Ich war unendlich froh, dass ich noch relativ früh im Ziel angekommen war. So fand ich noch einen Platz in der Kabine. Beim Duschen musste ich anstehen. Als ich endlich an der Reihe war, merkte ich, wie aus den Duschbrausen das Wasser nicht gerade in Strömen floss. Und das wenige Wasser brachte meine Brustwarzen richtig zum Brennen, als es diese berührte.
Ich beeilte mich und ging wieder in die Umkleidekabine zurück, um mich umzuziehen. Ich hatte mich logistisch schlecht auf dieses Rennen vorbereitet: Ich hatte keine Ersatzunterhose dabei, die ich nach dem Laufen hätte anziehen können. Es bliebt mir nichts anderes übrig, als die verschwitzte Unterhose zu nehmen, die ich schon während des Halbmarathons getragen hatte. Ich verließ den Raum so schnell wie möglich. Meine 400 Euro hatte ich zum Glück nicht verloren.
Ich ging nun zum Bahnhof. Mir fiel auf, dass ich kaum Muskelkater in den Beinen hatte, zumindest weniger Muskelkater als nach dem Bremen-Halbmarathon. Der Grund für meine „schlechte“ Nettozeit beim heutigen Event lag wohl einzig und allein an der mangelnden Kondition.
Am Bahnhof angekommen, hatte ich noch etwa eine Stunde Zeit, bevor der Intercity, den ich zwei Monate zuvor gebucht hatte, nach Hannover starten würde. Daher holte ich mir bei McDoof noch etwas zu essen.
Der Zug nach Hannover kam zwar pünktlich an, konnte aber wegen umgestürzter Bäume erst eine halbe Stunde später weiterfahren. Den Anschlusszug nach Wolfsburg verpasste ich, weshalb erst gegen 18 Uhr in meiner Wohnung ankam.