Der achtundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Marathon rund um Wellen.
Ich war auf diese Veranstaltung erst nach genauerer Recherche im Internet aufmerksam geworden. Es gab hier neben einem Marathon und einem Halbmarathon, welche beide brereits um acht Uhr morgens beginnen sollten, noch einen Elf- und einen Fünf-Kilometer-Lauf. Die Strecke war im Internet nicht einsehbar gewesen, ich wusste lediglich, dass es sich hier um eine Art Dorflauf handelte.
Wegen der frühen Startzeit hatte ich die Anreise, kombiniert aus Fahrrad und Eisenbahn, genau geplant. Es sollten am Sonntag etwa 25°C werden, welchen man durch den Start um acht Uhr allerdings entgehen würde. Bis zehn Uhr sollte das Thermometer auf lediglich 21°C ansteigen. Ich ging am Samstagabend zeitig zu Bett, konnte jedoch nicht richtig durchschlafen. Um kurz vor fünf Uhr wachte ich auf und frühstückte ausgiebig. Als Proviant packte ich nur zwei Billig-Bifis ein. Ich zog bereits meine Läuferkleidung mit dem Trikot vom Friedberger Halbmarathon an. Dann stieg ich aufs Fahrrad und radelte zum Bahnhof Burg. Hier startete um 6:49 Uhr die erste Nordwestbahn in Richtung Bremerhaven. Etwas mehr als 20 Minuten später kam die Privatbahn in Stubben an. Ich hatte mir den etwa fünf Kilometer langen Weg nach Wellen, südlich von Beverstedt, auf ein Blatt Papier aufgezeichnet. Es war nun 7:15 Uhr und ich bog in Stubben nach rechts in die entsprechende Straße ein, welche nach wenigen Metern in einen Waldweg mündete, der von spitzen Steinen belegt war. Glücklicherweise zogen sich meine Anti-Pannen-Reifen keinen Schaden zu.
Nach einer Linkskurve kam ich über einen kleinen Fluss. Danach ging es nach rechts und ich kam an einem übelriechenden Kuhstall vorbei. Kurz zuvor war ich einem Läufer begegnet, der sich warmlief und mir den Weg zum Veranstaltungszentrum beschreiben konnte. Ich bog an der folgenden Hauptverkehrsstraße rechts ab und kam in den Ort Wellen, wo ein kleiner Stand der Feuerwehr war, die offenbar die Strecke absicherte. Als ich nach links abbog, kam ich auf den fußballspiefeldgeformten Sportplatz, wo das Veranstaltungszentrum war. Mein Rad konnte ich hier abstellen und mir dann im Zelt die Startnummer abholen. Eine überwachte Kleiderabgabe gab es nicht, stattdessen konnte ich meine Tasche in der Umkleidekabine lassen. Obenrum trug ein das Trikot vom Frieberger Halbmarathon. Die Kappe hatte ich nicht aufgesetzt, weil ich darunter stark schitzen würde. Stattdessen hatt ich die Sonnenbrille aufgesetzt, da nur wenige Wolken am Himmel waren. Im Starterfeld konnte ich einige bekannte Gesichter sehen, Gerrit war auch dabei. Ich erfuhr von ihm, dass er lediglich die elf Kilometer absolvieren wollte.
Ich aß meinen Proviant und machte mich dann zur Startgeraden auf, welche sich mitten auf dem Fußballfeld befand. Die Zeit wurde mit einer Stoppuhr manuell von Helfern gemessen. Schon bei den Startnummern war mir aufgefallen, dass auf der Vorderseite tatsächlich nur die Startnummer und kein Sponsor aufgedruckt war. Der Organisationsbeitrag für den Halbmarathon hatte gerade einmal sieben Euro betragen.
Marathon und Halbmarathon starteten zusammen um acht Uhr. Vergleichbar war hier nur der Köln-Halbmarathon, welcher im Oktober um 8:30 Uhr begonnen hatte. Das Teilnehmerfeld war überschaubar. Es ging pünktlich los und der Weg führte auf die Hauptstraße und von da aus nach Westen, die gleiche Strecke, die ich mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte, aber in entgegengesetzter Richtung. Wir kamen am starkriechenden Kuhstall vorbei in den Wald. An der Kreuzung, wo ich auf der Hinfahrt von der linken Abzweigung gekommen war, ging es nun nach rechts. Wir näherten uns nun Beverstedt, einem etwas größeren Ort nordöstlich von Stubben. Als wir den Fluss namens „Lune“ überquert hatten, bogen wir noch vor den Häusern links ab in einen kleineren Waldweg, wodurch wir nicht direkt durch Beverstedt kamen sondern um den Ortskern herumliefen.
Einige Kilometer später kamen wir an die Hauptverkehrsstraße, welche den Süden von Bremerhaven mit Bremervörde verbindet. An diesem Sonntagmorgen war hier allerdings nicht besonders viel los. Trotzdem war die Straße nicht für uns Läufer freigegeben, wir hatten uns mit dem danebenliegenden Fahrradweg zu begnügen. Als wir diese Straße dann überquerten, kamen wir in einen Feldweg. Die hier wachsenden Pflanzen waren etwa zwei Meter groß und verhinderten eine gute Aussicht.
Nach noch nicht einmal zehn Kilometern bekam ich Problem am großen Zeh des rechten Fußes. Von oben kratzte der Schuh, weshalb ich anhielt und auf die entsprchende Stelle ein Pflaster legte. Danach spürte ich keine Schmerzen mehr. An dieser Stelle des Kurses, wo es leicht bergauf ging, kamen uns nun die Elf-Kilometerläufer entgegen, unter denen ich auch Gerrit sah.
An den Verpflegungspunkten, die im Abstand von jeweils etwa vier Kilometern aufgestellt waren, gab es Wasser und kalten Tee zu trinken. Ich entschied mich jedesmal für einen Becher Tee, welcher sehr zuckerhaltig war. Einer der Verpflegungspunkte befand sich hinter der Brücke über einen der Flüsse. Hier mussten wir eine Art Schleife laufen. Als wir nach drei Kilometern diese Schleife hinter uns hatten, kamen wir am gleichen Verpflegungspunkt wieder an und liefen dann in anderer Richtung weiter. Ich hatte inzwischen von einigen anderen Teilnehmern erfahren, dass der Halbmarathon aus einer einzigen Runde bestand, was bei einem Dorflauf nicht unbedingt zu erwarten war. Beim Marathon musste der Kurs zweimal absolviert werden.
Auf einer Geraden, wenige Kilometer vor dem Ziel, sahen wir ein parkendes Auto mit einer Familie, die sich auf den Weg ins Feld machte. Möglicherweise gab es hier einen See in der Nähe, in welchem diese Leute baden wollten. Sie fragten uns, ob wir hier Marathon laufen würden. Leider hatte der Veranstalter keine Streckenskizze der Marathonroute im Internet veröfentlicht.
Kurz vor dem Ziel kam ich an einer Kurve vorbei, wo eine Frau mit Hund stand und von uns Fotos machte. Ich winkte ihr zu. Wenige Minuten später war ich schon wieder in Wellen. Ich näherte mich dem Ort diesmal von der östlichen Seite und bog dann beim Feuerwehrposten ab, um auf den Sportplatz zu kommen. Hier war die Zielgeraden, die ich nach knapp 1:45 Stunden überschritt. Eine Medaille gab es nicht, stattdessen hatte man bei der Anmeldung einen Erinnerungspokal bestellen können, was ich jedoch nicht getan hatte. Ich nahm mir Cola zu trinken und unterhielt mich mit einigen anderen Läufern. Dann ging ich zur Umkleidekabine und duschte. Als ich mich wieder anzog, musste ich feststellen, dass ich kein Hemd mitgenommen hatte. Ich musste daher mit nacktem Oberkörper die Heimreise antreten, erst die fünf Kilometer auf dem Fahrrad zum Bahnhof Stubben und dann die Bahnfahrt nach Burg. Da ich in Stubben den Zug um 10:58 Uhr nahm, kam ich bereits vor zwölf Uhr wieder zu Hause an.