Montag, 30. April 2012

Halbmarathon Leipzig 2012-04-22

Der achtunddreißigste Halbmarathon meines Lebens. Der 36. Stadtwerke Leipzig Marathon. Ich war noch nie so früh für eine Sportveranstaltung aufgestanden wie an diesem Sonntagmorgen: Um kurz nach vier Uhr schaltete sich mein Radio ein. Ich schaffte es auch sofort aus dem Bett, duschte und frühstückte ausgiebig. Ich steckte genügend Proviant in meine Reisetasche und gegen halb sechs Uhr ging es los. Da die Straßenbahn sonntags um diese Uhrzeit nicht häufig genug fährt, blieb mir nichts anderes übrig, als in der Morgendämmerung mit dem Fahrrad zum Hauptbahnhof zu fahren. Dafür brauchte ich kaum mehr als 20 Minuten. Der ICE aus Oldenburg kam auch mit nur fünfminütiger Verspätung in Bremen an. Das Ticket nach Leipzig und zurück hatte ich schon drei Monate zuvor gebucht. Nur wegen der guten Zuganbindung und dem zeitlich späten Start des Halbmarathons war eine Teilnahme an dieser Veranstaltung überhaupt möglich. Obwohl nur wenige Passagiere diesen Zug benutzten konnte ich doch den ein oder anderen Läufer erkennen, der offenbar das gleiche Ziel hatte wie ich. Die Fahrt ging über Hannover, Braunschweig, Magdeburg und Halle bis nach über vier Stunden schließlich der Leipziger Hauptbahnhof erreicht wurde. Ich hatte während der Fahrt mein mitgebrachtes Brot gegessen; nun war es schon kurz vor halb elf Uhr. Die heutige Veranstaltung bestand aus einem 4km-Lauf, einem 10km-Lauf, einem Halbmarathon und einem Marathon. Letzterer umfasste zwei Runden des Halbmarathonkurses. Obwohl Leipzig eine relativ große Stadt war, bekam man beim Marathon also nur 21 verschiedene Kilometer zu sehen. Die Startzeit des Marathons war um zehn Uhr. Der Startschuss des Halbmarathons sollte erst um 12:45 Uhr abgegeben werden. Ich hatte also genug Zeit, um vom Hauptbahnhof aus mit der Straßenbahn zum Veranstaltungszentrum zu finden. Da ich glaubte, mich in der Innenstadt einigermaßen auszukennen, stieg ich in die erstbeste Straßenbahn, die am Vorplatz der Bahnhofs in die richtige Richtung fuhr. Nach wenigen Metern musste ich allerdings feststellen, dass sie in eine andere Richtung abbog. Folglich musste ich aussteigen, wieder zurückfahren und erneut am Hauptbahnhof warten. Nun schaute ich im ausgedruckten Hinweisbrief des Veranstalters nach, welche der Linien ich zu nehmen hatte. Ich bestieg eine der richtigen Straßenbahnen und kam zehn Minuten später am Veranstaltungszentrum an. Obwohl der Marathon schon begonnen hatte, waren diese Straßenbahnschienen nicht davon betroffen. Das Gelände lag zwischen dem Zentralstadion und der Sportfakultät der Leipziger Universität. Dort konnte ich meine Startunterlagen abholen, die aus der Startnummer und einigen kleinen Werbeblättern bestanden. Danach schaute ich einige Minuten den Marathonläufern zu, die gerade auf die zweite Runde einbogen. Nachdem ich genug gesehen hatte, ging ich wieder auf das Campusgelände und kaufte mir eine Bratwurst, da ich inzwischen wieder Hunger bekommen hatte. Nun ging ich in eine der Umkleidekabinen und zog mich um. Ich wählte meine Sonnenbrille und die kurze Hose. Meine Tasche konnte ich in einer großen Halle zur Aufbewahrung abgeben. Die Start- und Zielgeraden befand sich etwas weiter nördlich neben dem Stadion. Meine Wasserflasche hatte ich irgendwo stehen lassen, daher suchte ich nach Möglichkeiten, etwas zu trinken zu bekommen. Auf dem Parkplatz waren einige Stände aufgebaut, wo ich als Läufer ein Glas Wasser bekam. Beim Warmlaufen spürte ich ein leichtes Seitenstechen. Das Problem war, dass ich sozusagen schon mein Mittagessen zu mir genommen hatte. Dies war ungewohnt, da bisher die meisten meiner Läufe morgens und nicht mittags stattgefunden hatte. Die ersten Marathonläufer erreichten das Ziel, als ich mich zur Startgeraden begab. Pacemaker sah ich keine; zumindest trugen sie, falls sie vorhanden waren, keine Luftballons bei sich. Ich stellte mich relativ weit vorne ins Feld, obwohl ich wusste, dass heute keine neue Bestzeit möglich war. Mit einigen Minuten Verspätung ertönte der Startschuss. Richtig schnell laufen konnte ich zunächst nicht, da das Feld zu dicht besetzt war. Es ging zunächst nach Osten, wobei der Weg fast immer an Straßenbahnschienen entlang führte. Nach zwei Kilometern musste ich anhalten, um meine Schuhe noch einmal richtig zu binden. Zum Glück gab es die erste Wasserstelle schon kurz danach und nicht erst bei Kilometer fünf, wie ich vermutet hatte, denn ich hatte inzwischen wieder richtig Durst bekommen. Die Entscheidung, meine Sonnenbrille zu tragen, erwies sich inzwischen als nicht mehr ganz so sinnvoll, denn am Himmel zogen dicke Wolken auf. Zum Glück regnete es wenigstens nicht. Viele Erinnerungen habe ich an diesen Lauf nicht mehr. Soweit ich weiß, wurde nach zehn Kilometern die Zwischenzeit gemessen. Aus dem Internet erfuhr ich nachher, dass meine Geschwindigkeit relativ konstant gewesen sein muss. Zuschauer gab es dafür, dass Leipzig eine Großstadt ist, auffällig wenige. Nach etwa der Hälfte der Strecke spürte ich Schmerzen am großen Zeh des rechten Fußes. Obwohl ich die aktuellen Schuhe schon lange trug, war diese Schwachstelle neu. Zunächst versuchte ich, die Probleme zu ignorieren. Doch als die Schmerzen stärker wurden, musste ich mir überlegen, was zu tun sei. Ich musste die Stelle mit einem Pflaster abdecken. Ich begann, Ausschau zu halten nach dem nächsten Rettungsteam. Etwa bei Kilometer 16 wurde unsere Strecke mit der der Fünf-Kilometer-Läufer zusammengelegt. Kurz darauf wurde ich von einigen Polizisten auf Motorrädern überholt, die uns darauf aufmerksam machten, dass nun das Spitzenfeld dieser Sportler an uns vorbeiziehen würde, was kurz darauf auch geschah. Bei Kilometer 18 machte der Kurs eine scharfe Rechtskurve. Hier sah ich einen Einsatzwagen der Johanniter stehen. Ich hielt an und fragte nach einem Pflaster, das ich auch sofort bekam. Ich öffnete meine Schuhe und setzte es auf die wunde Stelle. Als ich dann wieder loslief, fühlte ich mich richtig erlöst von den Schmerzen. Die letzten Kilometer führten wieder nördlich zum Veranstaltungszentrum zurück. Auf der Zielegeraden winkte ich noch ins Publikum. Als ich dann die Ziellinie überquerte, wurde mir die Medaille umgehängt. Sie war offenbar die gleiche für alle Disziplinen, denn auf der Vorderseite stand „36. Stadtwerke Leipzig Marathon, 22.4.2012, Finisher“. Muskelkater spürte ich kaum. Die Sonne war inzwischen wieder aufgetaucht, die Wolken hatten sich verzogen. Ich ging zu den Sporthallen zurück, holte meine Tasche und duschte. Danach kaufte ich mir eine Frikadelle und bestieg die Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Der Zug nach Bremen hatte keine Verspätung, so dass ich nach vierstündiger Fahrt um kurz nach acht Uhr dort ankam. Mein Fahrrad stand zum Glück noch am Vorplatz; gegen 21 Uhr war ich wieder zu Hause und konnte mich schlafen legen.

Montag, 16. April 2012

Halbmarathon Hamburg-Wilhelmsburg 2012-04-15

Der siebenunddreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 32. Internationale Volkslauf in Wilhelmsburg.
Meine Erkältung hatte ich weitestgehend überwunden. An diesem Sonntag ließ ich mich um kurz nach fünf Uhr wecken, stand auf, duschte und frühstückte. Ich steckte ein Brot in meine Tasche und machte mich um kurz vor halb sieben Uhr auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle. Ich fuhr bis zum Bahnhof Walle, von wo aus ich mit der Nordwestbahn den Bremer Hauptbahnhof erreichte. Von hier aus startete um 7:00 Uhr pünktlich der Metronom-Regional nach Hamburg.
Wie im letzten Jahr sollte man sich seine Startunterlagen schon eine Stunde vor dem jeweiligen Startschuss abgeholt haben. Neben dem Elbinsel-Halbmarathon gab es noch einen Viertelmarathon, einen Fünf-Kilometer-Lauf und einen Schülerlauf. Eine Medaille hatte ich gegen eine Zusatzgebühr vorher bestellt.
Um zehn Minuten nach acht Uhr kam der Zug am Bahnhof in Hamburg-Harburg an. Ich ging von hier aus zur unterirdischen S-Bahn-Station und wartete auf die Bahn in Richtung Pinneberg. Als sie eintraf, stieg ich ein und nahm mein mitgebrachtes Brot heraus, welches ich auf der vier Minuten dauernden Fahrt bis Wilhelmsburg verzehrte.
Der Stadtteil Wilhelmsburg ist zur Zeit eine große Baustelle. Rund um den S-Bahnhof entstehen neue Gebäude. Ich traf am Bahnsteig einige Läufer, denen ich mich anschloss. Sie nahmen zum ersten Mal an dieser Veranstaltung Teil und ließen sich von mir den Weg zum Schulgelände zeigen, welches das Veranstaltungszentrum bildete.
Dort angekommen, holte ich in der Schulhalle meine Startunterlagen ab. Dies funktionierte problemlos. Neben einer Schlange von Männern, die an der Herrentoilette anstanden, zog ich mich um. Ich hatte meine Läuferhose dabei, die passende Unterhose allerdings vergessen. Daher zog ich nur diese Sporthose an und steckte noch eine Packung Taschentücher dazu. Obenrum trug ich wieder das Trikot vom Mittelrhein-Marathon. Zur Zeitmessung wurde eine Spezialchip verwendet, den ich an meinem Schnursenkel befestigte und nach dem Rennen wieder abzugeben hatte.
Nachdem ich auch auf der Toilette gewesen war, suchte ich die Taschenabgabe auf. Diese befand sich diesmal nicht im selben Gebäude, sondern in der Sporthalle nebenan. Als ich dorthin ging, begutachtete ich das Wetter. Die Temperaturen waren ideal, nur der Wind wehte etwas stärker. Wegen der Wolken am Himmel beschloss ich, meine normale Brille anzubehalten.
Die lange Schlange vor der Kleiderabgabe erinnerte mich an die letztjährige Auflage, als einige Sportler nicht mehr rechtzeitig den Startbereich erreicht hatten. Zum Glück hatte ich genug Zeit eingeplant. Während dem langen Anstehen fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, meine Brustwarzen mit Pflastern abzudecken. Das holte ich nun nach. In der Sporthalle konnte ich schließlich meine Tasche abgeben. Ich begab mich zum großen Sportplatz, um mich warmzulaufen.
Zehn Minuten vor dem geplanten Startschuss um 9:30 Uhr wurden die Halbmarathonläufer zur Startgeraden gerufen. Wer eine Zeit unter 1:30h anstrebte, sollte sich ganz vorne einreihen. Das tat ich dann auch. Ich stellte mich direkt neben die dort postierten Lautsprecher, so dass deren Schallwellen meine Ohren nicht zentral treffen konnten. Vor uns waren Kameraleute in Stellung, die einige Fotos schossen. Wegen meines Startplatzes ganz vorne sollte ich auf diesen Bildern gut zu sehen sein.
Pünktlich um 9:30 Uhr ertönte der Startschuss. Nachdem der Sportplatz verlassen worden war, folgte eine 180°-Kurve. Nun konnte ich das hintere Läuferfeld sehen, das jetzt erst die Startlinie überquerte. Angeblich waren um die 600 Halbmarathonläufer heute als Teilnehmer registriert worden.
Wir musste die Brücke nördlich des S-Bahnhofes überqueren, welche uns über die Bahngleise führte. Auf der anderen Seite ging es nun Richtung Norden an den Gleisen entlang, wo wir von einem Metronom in Richtung Hamburg Hauptbahnhof überholt wurden. Kurz darauf tauchte das Schild für den ersten Kilometer auf, den ich in vier Minuten absolviert hatte. Es war klar, dass dieses Tempo nicht zu halten war. Ich musste ein bisschen langsamer machen.
Es folgte eine Rechtskurve, welche uns in ein ruhiges Wohngebiet von Wilhelmsburg führte. Das Läuferfeld hier vorne war schon sehr übersichtlich. Kurz nach dem zweiten Kilometer musste eine enge Holzbrücke überquert werden, welche uns über einen kleinen Fluss führte. Nach dem dritten Kilometer führte eine Unterführung unter der A1 hindurch. Das Wohngebiet hatten wir inzwischen hinter uns gelassen. Nach dem vierten Kilometer war der Deich der Norderelbe erreicht. Wegen des Deiches bekamen wir die Norderelbe selbst aber nicht zu sehen. Wir liefen nun südlich auf die Südspitze der Elbinsel zu. Nun fiel mir erstmals die Stille auf. Der Weg, den wir einschlugen, war eine zweispurige Straße für Autos mit einem Bürgersteig daneben. Zuschauer bekamen wir so gut wie keine zu sehen.
Bei Kilometer sechs war der erste Verpflegungsstand erreicht, wo wir zwischen Wasser und Tee wählen konnten. Ich entschied mich für einen Becher Tee. Bei Kilometer acht war mit Verkehrshütchen die Straße in zwei Teile gespalten: Die eine Hälfte liefen wir jetzt ab, die andere auf dem Rückweg. Das Läuferfeld war inzwischen so weit auseinander, dass ich meinen Vordermann aus den Augen verlor. Ich bog jetzt wieder in ein Wohngebiet ein und musste wirklich aufpassen, bei Kreuzungen die richtige Abzweigung zu wählen. Hinter dem Wohngebiet ging es wieder geradeaus am Deich entlang. Die Straße war hier mit leichten Kurven versehen. Um möglichst schnell im Ziel anzukommen, lief ich vorausschauend so, dass ich die kürzeste Strecke wählte.
Nach 41 Minuten und 30 Sekunden hatte ich die Zehn-Kilometer-Marke erreicht. So schnell war ich noch nie gewesen. Kurz darauf war die Südspitze der Elbinsel erreicht. Ich konnte hier das Läuferfeld vor mir beobachten. Ich schätzte, dass ich im gesamten Feld zur Zeit etwa auf Rang 30 liegen müsste. Der Weg führte nun zurück an der Süderelbe entlang, welche aber ebenfalls wegen des Deiches nicht zu sehen war. Uns kamen nun einige Autos entgegen, welche im Schritttempo an uns vorbeifuhren. Auch ein Linienbus noch Moorfleet war unter den Fahrzeugen. Jetzt spürte ich auch starken Gegenwind.
Kurz vor dem 14. Kilometer war der zweite Verpflegungsstand erreicht, wo ich erneut ein Glas Tee zu mir nahm. Die ersten 14 Kilometer hatte ich in einer Zeit von knapp unter einer Stunde absolviert. Ob ich heute eine neue Bestzeit laufen würde, war eine Frage, die von wenigen Sekunden abhing.
Der Weg führte nun vom Elbufer weg zurück zu der Stelle, wo Hin- und Rückweg des Kurses kurz nebeneinander verliefen. Hier kamen mir nun die langsamsten Läufer entgegen, die gerade einmal acht Kilometer hinter sich hatten.
Kurze Zeit später wurde ich plötzlich von einer Frau überholt. War dies die heutige Siegerin des Halbmarathons? Ich durfte nicht zulassen, dass auch nur eine Frau vor mir das Ziel erreichte und strengte mich daher noch mehr an. Nach einigen Überholmanövern zwischen uns konnte ich sie schließlich doch hinter mir lassen. Ein paar Meter später kamen wir dann an einer großen Zuschauermenge vorbei: Eine Schafherde machte mehr Lärm als alle menschlichen Zuschauer zuvor zusammen.
Kurz vor dem 17. Kilometer folgte der dritte und letzte Verpflegungsstand, wo ich mir wieder einen Becher Tee nahm. Kurz dahinter waren die Strecke des Halb- und des Viertelmarathons wieder vereinigt, was dazu führte, dass die Strecke nun wieder belebter war und ich wieder häufiger überholten musste.
Nachdem wir mit Hilfe einer Brücke die A1 wieder überquert hatten, erreichten wir die Wilhelmsburger Mühle. Hier hatte ich nun zwei Halbmarathonläufer hinter mir, die sich ihre Kräfte offenbar bis jetzt für den Schlussspurt aufgehoben hatten. Mit einigen Anstrengungen gelang es mir jedoch, ihre Angriffe abzuwehren.
Zwei Kilometer vor dem Ziel wurde die Stelle erreicht, an welcher auf dem Hinweg über die Holzbrücke das Wohngebiet verlassen worden war. Hin- und Rückweg der Strecke waren also auf diesen beiden Kilometern identisch. Es wurde nun richtig eng, da hier Autos fuhren und ich noch Überholungen von langsamen Viertelmarathon-Läufern vornehmen musste. Eines dieser Überholmanöver kostete mich ein paar Sekunden, da ich warten musste, bis kein Auto mehr im Weg war.
Als die Schienen der S-Bahn erreicht worden waren, spürte ich, wie ich Durst bekam und mir sogar das Atmen schwerfiel. Ich lief trotzdem, so schnell ich konnte, denn eine neue Bestzeit war möglich, wenn auch eine Zeit unter 88 Minuten heute wohl nicht mehr drin war.
Mit einer scharfen Kurve bog ich auf die Brücke ein, die über die Schienen führte. Auf der anderen Seite war nun der Sportplatz wieder in Sicht. Auch hier musste ich wieder eine enge 180°-Kurve nehmen, um auf die Zielgeraden des Sportplatzes einzubiegen. Ich konnte im Zielbereich die Uhr sehen, welche bei 1:28:10 stand. Die Zuschauer feuerten mich mit meinem Namen an, und bei einer Bruttozeit von 1:28:20 überquerte ich die Ziellinie. Ich hatte noch nie in meinem Leben beim Ende eines Halbmarathonlaufes so sehr einen Schluck Wasser benötigt wie heute. Zunächst musste ich mir aber die Eisenbahn-Medaille umhängen lassen, auf welcher dieses Jahr die Rangierlokomotive „V 65“ eingraviert war. Nun konnte ich endlich den Stand des Sponsors Hella ansteuern und mir mehrere Gläser verschiedener Getränke gönnen.
Ein paar Meter weiter war die Chip-Abgabe. Mein Muskelkater war weniger stark ausgeprägt als vor zwei Wochen in Freiburg. Ich ging zur Sporthalle, wo ich mir meine Tasche holte und danach zurück zum Sportplatz, wo ich die Umkleiden betrat. Hier hatte ich letztes Jahr geduscht. Dies konnte ich auch heute wieder tun, die Kabinen waren nahezu leer. Danach zog ich mich an und ging zum S-Bahnhof zurück. Ich erreichte den Bahnhof Harburg um kurz vor zwölf Uhr. Eine halbe Stunde später ging der Metronom nach Bremen. Ich lernte hier einen anderen Läufer aus Bremen kennen, mit dem ich ein bisschen Sporterlebnisse austauschte. Gegen 14 Uhr war ich wieder zu Hause.

Dienstag, 10. April 2012

Halbmarathon Paderborn 2012-04-07

Der sechsunddreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 66. Paderborner Osterlauf.
Da die meisten Menschen in Deutschland die Osterfeiertage mit ihren Familien verbringen und ehrenamtliche Helfer für Sportveranstaltungen an solch einem Wochenende in nicht allzu großer Zahl zur Verfügung stehen, ist es grundsätzlich nicht leicht, in diesem Zeitraum eine Laufveranstaltung zu finden. Im Internet hatte ich zwei Monate zuvor den Paderborner Osterlauf entdeckt, welcher am Samstag zwischen den Feiertagen stattfinden sollte. Neben einigen kleineren Läufen wurde hier auch ein Halbmarathon angeboten, der um 15:00 Uhr nachmittags starten sollte.
Sowohl die Startgebühren als auch die Zugtickets für Hin- und Rückfahrt hatte ich im Voraus bezahlt. Daher war ich nicht gerade begeistert, als sich zwei Tage vor der Veranstaltung bei mir eine kleine Erkältung einstellte. Ich überlegte lange, ob es nicht sinnvoller wäre, auf den Halbmarathon zu verzichten, da eine Teilnahme bei Krankheit nicht gerade ungefährlich war. Ich entschied mich jedoch, mitzulaufen, allerdings wollte ich es ruhig angehen lassen und keine neue Bestzeit anvisieren.
Am Samstag nahm ich um 10:40 Uhr den Intercity von Bremen nach Osnabrück, von wo aus ich dann in die Westfalenbahn in Richtung Bielefeld einstieg. In Herford stieg ich in den Zug nach Paderborn um, wo ich schließlich um 13:40 Uhr am Hauptbahnhof ankam. Als ich das Bahnhofsgebäude verlassen hatte, sah ich viele Menschen, aber keine, welche von ihrer Kleidung her als Läufer zu identifizieren gewesen wären. Ich fragte einige Passanten, welche mir dann den Weg zum Veranstaltungsgelände beschrieben. Dorthin musste ich etwa drei Kilometer laufen. Es war zwar nicht wahnsinnig kalt, aber ein paar Schneeflocken fielen tatsächlich vom Himmel. Dies war natürlich auf Grund meines Gesundheitszustandes kein gutes Zeichen.
Obwohl ich während der Zugfahrt ein zweites Frühstück zu mir genommen hatte, bekam ich nun langsam wieder Hunger. Das Veranstaltungsgelände befand sich auf einer Sportmesse und war gut besucht. Ich wollte zunächst meine Startunterlagen abholen. Dazu begab ich mich in eine Sporthalle, in der es vor Menschen nur so wimmelte. Erst nach einigen Minuten kam ich an den entsprechenden Stand, wo ich zunächst meine Startnummer erfahren musste und dann die Unterlagen ausgehändigt bekam. Die Umkleiden befanden sich ebenfalls in der Halle, man zeigte mir jedoch einen schnelleren Weg, der nicht von Besuchern zugeparkt war. In der Kabine waren viele Sportler, die ihren Lauf bereits hinter sich hatten.
Wegen meiner Erkältung musste ich die Laufbekleidung sorgfältig auswählen: Ich hatte die lange Hose angezogen und mit einer Packung Taschentücher ausgestattet, da mir noch ziemlich stark die Nase lief. Obenrum trug ich das Trikot vom Mittelrhein-Marathon, auf dem ich die Startnummer befestigt hatte. Da aber ein leichterer Wind wehte und ich heute damit rechnen musste, nicht allzu sehr ins Schwitzen zu geraten, zog ich noch eine Sportjacke an. Zusätzlich ließ ich meine Mütze auf dem Kopf.
Die Tasche konnte ich in einer weiteren Sporthalle abgeben. Zeit, um mir auf dem Veranstaltungsgelände eine Bratwurst zu kaufen und diese zu verzehren, blieb nicht mehr. Ich musste also mit leerem Magen loslaufen.
Die Startgeraden lag östlich von einem kleinen Flüsschen, welcher ein Stück weiter nördlich in den Padersee überging. Ob es sich bei dem Fluss um die Pader handelte, konnte ich nicht beurteilen, denn für einen Fluss war dieses Wasser wirklich fast zu klein.
Kurz vor dem Start kamen sogar kleine Hagelkörner vom Himmel. Zum Glück war dies der letzte Niederschlag für diesen Nachmittag. Ich stellte mich im Läuferfeld ganz nach hinten. Um 15 Uhr kam der Startschuss, etwa zwei Minuten danach hatte ich die Startlinie überquert.
Der Halbmarathon bestand aus zwei gleichen Runden, welche sich über ein relativ kleines Gebiet von Paderborn erstreckten. Die Innenstadt war von dieser Veranstaltung überhaupt nicht betroffen, der Kurs führte ausschließlich durch Wohngebiete.
Nach einer Linkskurve führte der Weg nach Norden. Hier konnte ich abwechselnd sowohl die Kilometerschilder für die erste als auch für die zweite Runde (beginnend bei Kilometer elf) sehen. Nach den ersten tausend Metern wurde eine Brücke überquert, die über Bahngleise führte, welche in einer Art Abstellbahnhof endeten. Ich spürte nun schon Seitenstechen, obwohl ich nur sehr langsam unterwegs war. Auch mein Magen knurrte. Ich konnte nur hoffen, dass es an den Versorgungsständen neben Getränken auch Obst zu essen gab. Vor einigen Häusern, an denen uns Zuschauer anfeuerten, wurde Fleisch gegrillt. Wir gerne hätte ich jetzt auch ein Stück zu essen bekommen!
Nach drei Kilometern war der erste Verpflegungspunkt erreicht. Hier trank ich zuerst einen Becher Iso. Zu meinem Glück gab es geschälte Bananenstücke, von denen ich zwei Stück zu mir nahm. Nun fühlte ich mich etwas besser.
Nach fünf Kilometern wurde die Brücke über den Rangierbahnhof wieder überquert, woraufhin ein Abstecher in den Nordwesten der Strecke folgte. Hier unterhielt ich mich mit zwei kräftiger gebauten Männern, die mir erzählten, dass sie heute zum ersten Mal in ihrem Leben Halbmarathon liefen und ihre eigentliche Sportart das Boxen sei. Sie bekamen Respekt vor mir, als ich ihnen meine Zielzeit vom letzten Sonntag in Freiburg mitteilte.
An der zweiten Versorgungsstelle nahm ich Eistee und zwei Stücke Banane zu mir. Das Seitenstechen hatte wieder aufgehört. Danach kamen wir an einem Haus vorbei, dessen Bewohner uns Läufern nicht nur zuschauten, sondern uns auch über die Zwischenstände der Samstagsspiele der Fußball-Bundesliga informierten. Hier erfuhr ich, dass Bayern München gegen Augsburg 1:0 in Führung lag, während es bei Wolfsburg gegen den BVB noch torlos 0:0 stand. In etwa einer Stunde würde ich wieder hier vorbeikommen und dann die Zwischenstände in der zweiten Halbzeit erfahren.
Als nach sieben Kilometern auf Höhe des Padersees der nordwestlichste Punkt der Strecke erreicht war und wir wieder nach Süden umkehrten, passierte etwas, was mir bei besserem Gesundheitszustand nicht unterlaufen wäre: Ich wurde vom Spitzenfeld überrundet: Die Fahrzeuge, welche die Topathleten eskortierten, fuhren an uns vorbei. Über Lautsprecher war zu hören: „Achtung, Überrundung! Bitte alle Läufer ganz rechts laufen!“. Kurz darauf wurde ich vom ersten dunkelhäutigen Läufer überrundet, auf den kurz darauf der nächste folgte. Einer der beiden Amateur-Boxer versuchte bei einer Überrundung das Tempo von einem der Afrikaner mitzuhalten, gab jedoch nach wenigen Metern wieder auf.
Kurz darauf waren neben einigen Streckenposten auch ein paar Helfer von einem Rettungsdienst postiert. Mir fiel ein, dass in den Vertragsbedingungen solcher Laufveranstaltungen immer vermerkt ist, dass man körperlich gesund sein muss, um teilnehmen zu dürfen und das Streckenpersonal das Recht hat, den Teilnehmer bei bedrohlichen Anzeichen aus dem Rennen zu nehmen. Zum Glück merkte niemand der Helfer, dass ich erkältet war.
Vor dem neunten Kilometer war der letzte Verpflegungsstand erreicht, wo ich erstmals nur Getränke einnahm. Vor der Zielgeraden musste ich nun eine 180°-Wendung vollziehen, da ich nun noch die zweite Runde abzulaufen hatte. Insgesamt war ich nur von einem einzigen Sportler mit weißer Hautfarbe überrundet worden.
Ich fühlte mich nun wesentlich besser, als es mir bei meinem Gesundheitszustand vorher ausgerechnet hatte. Die zweite Runde verlief komplikationslos. Ich nahm wieder reichlich Bananenstücke zu mir. Ideal wäre es gewesen, wenn ich noch Traubenzucker bekommen hätte, aber solcher war nirgends zu haben. Stattdessen gab es immer wieder Zuschauer, die uns mit unseren Namen anfeuerten. Ich musste dazu jedes Mal den Reisverschluss an meiner Jacke öffnen, da sich meine Startnummer mit dem Namen auf dem Trikot befand, welches unter der Jacke versteckt war.
Als ich nun zum zweiten Mal den Wendepunkt im Nordosten erreicht, überholte ich einige Teilnehmer, welche das Laufen eingestellt hatten und praktisch nur noch spazieren gingen, da sie offenbar die Kraft verlassen hatte.
An dem Haus, dessen Bewohner uns über die Fußball-Zwischenstände informierte, erfuhr ich nun, dass Bayern München inzwischen, genauso wie Borussia Dortmund, mit 2:1 führte.
Einige Kilometer vor dem Ziel kam ich an einem Kommentator vorbei, welcher nicht nur meinen Namen nannte, sondern auch meine Kleidung erwähnte. Da ich die Jacke gerade geöffnet hatte, war mein Trikot sichtbar und der Kommentator sprach von „Siegfried, der das Oberteil vom Mittelrhein-Marathon trägt.“
Als ich dann auf die Zielgeraden einbog, war ich seit über 130 Minuten unterwegs und es war schon nach 17 Uhr. Da mein Zug um Viertel nach sechs Uhr am Hauptbahnhof abfahren sollte, musste ich gut überlegen, ob ich noch Zeit zum Duschen haben würde. Lediglich beim Halbmarathon in Duisburg letztes Jahr war ich noch langsamer gewesen, damals hatte es sich allerdings auch um den zweiten Halbmarathon innerhalb von zwei Tagen gehandelt. Auf Grund meiner Erkältung verzichtete ich auf einen Endspurt und lief gemächlich über die Ziellinie. Dort bekam eine Medaille in dreieckiger Form ausgehändigt. Auf der Vorderseite stand „66. Paderborner Osterlauf 2012“, auf der Rückseite war das heutige Datum eingraviert. Dass es sich bei meiner absolvierten Disziplin um einen Halbmarathon handelte, war also nicht erwähnt.
Ich ging nun zu der einen Sporthalle, wo ich gegen Vorzeigen meiner Startnummer meine Tasche zurückbekam. Danach betrat ich die große Sporthalle und ging zu den Umkleidekabinen, wo auch die Duschen waren. Der Andrang war hier nicht so groß, daher beschloss ich, noch zu duschen. Hier musste ich auch nur kurz anstehen. Danach zog ich mich wieder an und ging auf den Vorplatz, wo ich eine Bratwurst kaufte und verzehrte. Nun hatte ich noch eine halbe Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Ich ging die drei Kilometer zum Paderborner Hauptbahnhof zurück, wo ich rechtzeitig ankam. Mit einer Regionalbahn fuhr ich in 90 Minuten nach Münster, von wo aus ich den Intercity nach Bremen erreicht. Gegen 22:00 Uhr war ich wieder zu Hause.
Jetzt, einen Tag nach dem Rennen, habe ich den Eindruck, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, trotz Erkältung am Halbmarathon teilzunehmen. Zumindest konnte ich bis zum jetzigen Zeitpunkt an meinem Körper keine größeren Beschwerden feststellen.

Donnerstag, 5. April 2012

Halbmarathon Freiburg 2012-04-01

Der fünfunddreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 9. Freiburg-Marathon.
Wegen meiner Erkrankung (Gürtelrose) hatte ich am letzten Wochenende auf den Halbmarathon in Bad Oldesloe verzichten müssen. Dank der verschriebenen Medikamente war in den darauffolgenden Tagen jedoch eine Verbesserung meines Gesundheitszustandes eingetreten. Meine Ärztin hatte für den Halbmarathon in Freiburg (Breisgau) grünes Licht gegeben. Eine Verhinderung wäre auch einer finanziellen Katastrophe gleichgekommen, da ich nicht nur 35€ Startgebühren sondern auch zweimal 14,25€ für die Fahrkarten bezahlt hatte.
Wegen einer Kneipentour am Vorabend konnte ich erst gegen 3:00 Uhr nachts einschlafen, um 6:00 Uhr musste ich schon wieder aufstehen. Um 7:30 Uhr stieg ich in Mannheim in den ICE in Richtung Schweiz. Mein erstes Frühstück nahm ich in diesem Zug zu mir. Nach eineinhalb Stunden kam ich am Freiburger Hauptbahnhof an. Meine Anmeldebestätigung, welche an diesem Tag als Ticket für den Nahverkehr galt, hatte ich zu Hause vergessen. So blieb mir nichts anderes übrig, als schwarz mit der Breisgau-Bahn zum Veranstaltungsgelände zu fahren. Auf der dreiminütigen Fahrt zum Veranstaltungsgelände wurde zum Glück nicht kontrolliert.
Ich kam fast zwei Stunden vor dem Startschuss (11:10 Uhr, wie im letzten Jahr) auf dem Messegelände an. Auf einer großen Tafel konnte ich meine Startnummer lesen. Dann ging ich zum Stand, wo die Startunterlagen ausgegeben wurden, nannte meine Nummer und zeigte meinen Ausweis vor. Daraufhin bekam ich einen Beutel mit einigem Papierkram, der Startnummer und einer Feldflasche aus Plastik.
Als nächstes suchte ich nach dem Stand des Hamburger Marathons. Im letzten Jahr hatte ich dort nämlich ein vergünstigtes Angebot bekommen, welches ich aber letztlich doch ausgeschlagen hatte. Nun wollte ich mich für die diesjährige Auflage anmelden, aber leider war der Veranstalter diesmal hier nicht vertreten.
Nun setzte ich mich auf eine der Bänke und nahm mein zweites Frühstück zu mir. Danach ging ich zu den Umkleiden. Ich hatte mir eine neue Laufhose gekauft, welche eng am Körper anlag und nicht mit einer Schnur zugebunden werden musste. An den Füßen brachte ich an bestimmten Stellen Pflaster an, genauso an den Brustwarzen. Danach ging ich nach draußen und prüfte, wie das Wetter war. Es war nicht besonders warm, aber die Sonne schien hell und es wehte ein starker Wind. Ich beschloss, meine Sonnenbrille aufzusetzen. Meine neue Hose bot nur auf der Rückseite eine Tasche, welche ich für Taschentücher nutzen konnte. Meine normale Brille musste ich also mit dem Starterbeutel abgeben.
Endlich ging ich zur Startgeraden neben dem kleinen Flugplatz. Hier markierten Schilder die Startbereiche für die verschiedenen Zielzeiten. Ich wunderte mich darüber, dass für die Läufer, welche eine Zeit von unter 90 Minuten anpeilten, nur ein relativ kurzer Abschnitt vorgesehen war. Ich gesellte mich in diese Gruppe und stand somit in einer der vordersten Reihen. Vor mir waren drei Pacemaker mit Luftballons. Zwei von ihnen waren mit 1:30 (Halbmarathon) und einer mit 3:00 (Marathon) beschriftet. Insgeheim träumte ich davon, heute eine neue Bestzeit zu laufen. Dazu wäre es sinnvoll gewesen, mich an diesen drei Läufern zu orientieren. Allerdings war mir bewusst, wie wenig ich in der letzten Nacht geschlafen hatte und dass ich vor ein paar Tagen noch krank gewesen war.
Kurz nach dem Startschuss hatte ich auch schon die Linie überquert und zur zeitlichen Orientierung meine Uhr eingeschaltet, so dass ich nach jedem Kilometer sehen konnte, wie schnell bzw. langsam ich gewesen war.
Die Strecke war der im Vorjahr sehr ähnlich, allerdings wurde auf die lange Berliner Allee am Start verzichtet, da diese als sehr gegenwindanfällig galt. Ferner wurde fast die gesamte Strecke in entgegengesetzter Richtung abgelaufen.
Nachdem die Bahnlinie überquert worden war, folgten zwei Linkskurven und dann ging es wieder in Richtung Messegelände zurück. Auf die Kilometerschilder konnte ich hier noch nicht achten, da das Feld noch zu eng war. Ich musste aufpassen, mit niemandem zusammenzustoßen. Auch dieses Jahr waren 42 Bands an der Strecke zu hören, die uns mit verschiedenster Musik versorgten. Die Pacemaker für 1:30h ließ ich nicht aus den Augen, allerdings konnte ich sie vorerst auch nicht einholen.
Zwischen Kilometer drei und vier wurde der nördlichste Punkt der Strecke erreicht, danach ging es nach Süden in Richtung Innenstadt. Kurz vor dem fünften Kilometer kam die erste Versorgungsstelle. Im Vergleich zu meinen bisherigen Läufen in diesem Jahr fiel mir auf, wie sehr sich diese Stellen in die Länge zogen: Für mehrere tausend Teilnehmer reihten sich einige Tische aneinander, auf denen man Wasser, Iso und Obst bekommen konnte. Ich nahm mir bei jedem Versorgungspunkt einen Becher mit Wasser.
Den hintersten der drei anvisierten Pacemaker hatte ich nach etwa acht Kilometern eingeholt, jedoch musste ich zwischenzeitlich wegen Seitenstechens eine langsamere Phase einlegen. Nun folgte eine Gerade in östliche Richtung an der Dreisam entlang, wo ich wieder die kleinen Wasserfälle sehen konnte. Nach elf Kilometern war dann der Wendepunkt, wo die Dreisam überquert wurde. Auf der Südseite ging es wieder zurück. Nach 14 Kilometern, die ich in weniger als einer Stunde zurückgelegt hatte, war die Innenstadt erreicht. Hier waren die Wege richtig eng, die Zuschauer waren durch Absperrungen von uns getrennt und jubelten uns zu. Ich lief unter den verschiedenen Toren durch, auch unter der Brücke, welche aus zwei „Etagen“ für Fußgänger bestand. In der Fußgängerzone konnte ich wieder die kleinen Wasserrinnen sehen.
Drei Kilometer vor dem Ziel wurde mit Hilfe einer Brücke der Hauptbahnhof überquert. Dahinter ging es nun nördlich zum Veranstaltungszentrum zurück. Teilnehmer, die am Rand von Rettungskräften behandelt wurden, sah ich dieses Jahr keine. Allerdings war ich im Läuferfeld auch weit vorne. Die drei Pacemaker hatte ich inzwischen überholt. Eine neue persönliche Bestzeit lag nun in greifbarer Nähe.
Das Ziel lag, wie im letzten Jahr, hinter einer Brücke. Hier wurde wieder die Aufteilung vorgenommen: Marathonis mussten sich links einordnen, um dann in die zweite Runde einzubiegen. Ich musste auf die rechte Seite, um hinter der Brücke rechts abzubiegen. Hier konnte ich nun das Ziel vor mir sehen. Mit einem Blick auf meine Uhr stellte ich fest, dass sogar eine Zeit unter 1:29h möglich war. Nach einem rasanten Schlussspurt erreichte ich das Ziel bei einer Nettozeit von 1:28:30h. Ich hatte mich also um über zwei Minuten verbessert.
Im Zielbereich bekam ich die Medaille, auf welcher vermerkt war, dass es sich um einen Halbmarathon handelte. In der Halle gab es sogar alkoholfreies Pils, von dem ich mir zwei Gläser nahm. Dann ging ich zur Gepäckabgabe und holte meine Tasche ab. In der Umkleide war noch nicht allzu viel los. Trotzdem musste ich bei den Duschen einige Zeit anstehen. Als ich dann vom Duschen zurückkam, hatte sich der Umkleideplatz schon gut gefüllt. Ich zog mich an und ging mit langsamem Schritt zum Gelände zurück, wo ich mir eine Bratwurst kaufte. Ich hatte stärkeren Muskelkater als bei den vorherigen Rennen. Als ich den Bahnhof des Messegeländes erreicht hatte, bestieg ich die Breisgau-Bahn, welche mich zum Hauptbahnhof brachte. Hier musste ich bis 18:00 Uhr warten, ehe mein Zug nach Mannheim zurückfuhr.