Donnerstag, 3. November 2011

Halbmarathon Braunschweig 2011-10-30



Der zweiunddreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Die Braunschweiger Lauftage.
Diese Veranstaltung sollte mein letzter Wettkampf vor der Winterpause sein. Da der Halbmarathon erst um 11:00 Uhr nach Winterzeit starten sollte, konnte ich an diesem Sonntag richtig lange schlafen. Um halb acht Uhr ging ich zur Straßenbahn, mit der ich eine halbe Stunde später am Bremer Hauptbahnhof ankam. Das Ticket zur Fahrt nach Braunschweig hatte ich schon Monate zuvor gebucht. Ich konnte den Intercity nehmen ohne in Hannover umsteigen zu müssen. Die Gefahr, einen Anschlusszug zu verpassen, bestand daher nicht. Ferner sollte dieser Zug auch erst in Bremen starten, weshalb eine Verspätung auch nicht möglich war. Die einzige Gefahr bestand darin, dass der Zug ausfallen würde. Mit dementsprechender Spannung betrat ich daher an diesem Morgen die Eingangshalle.
Zu meiner Überraschung stand der Zug tatsächlich abfahrbereit am Gleis. Ich stieg ein und um kurz nach acht Uhr ging die Fahrt los. Nach einem kurzen Aufenthalt in Hannover aß ich mein mitgebrachtes Brot und zog mich um. Etwa zehn Minuten nach zehn Uhr kamen wir in Braunschweig an. Als ich das Bahnhofsgebäude verlassen hatte, stand ich auf dem Vorplatz, wo die Straßenbahnen hielten. Sportler sah ich weit und breit keine. Ich wusste zunächst nicht, wo der Weg in die Innenstadt war. Ich fragte eine Passantin, die mir die ungefähre Richtung zeigte. Dann ging ich los. Unterwegs fragte ich weitere Leute, die mir entgegenkamen, ob ich auf dem richtigen Weg sei. Kurz nach halb elf war ich dann in der Fußgängerzone, die ich noch vom letzten Jahr kannte. Nun war es kein Problem mehr, das Veranstaltungszentrum zu finden.
Die Marathonläufer waren bereits um zehn Uhr gestartet. Ferner standen noch ein 10- und ein 5-Kilometerlauf auf dem Programm. Am Marktplatz holte ich mir die Startunterlagen ab, welche nur aus einer Nummer und den beiden Papierlaschen bestand, an denen die Chips zur Zeitmessung angebracht waren. Diese Laschen musste an die beiden Schuhe gebunden werden.
Da ich schon umgezogen war, musste ich nur noch in die Turnhalle des Schulgeländes gehen, um meine Tasche abzugeben. Da das Wetter ideal war (kühl und bewölkt) verzichtete ich auf Kappe und Sonnenbrille. Die Voraussetzungen für eine persönliche Bestzeit waren gegeben. Allerdings fiel mir in der Turnhalle auf, dass die anderen Halbmarathonläufer alle ein blaue Startnummer hatten, während meine schwarz war. Hoffentlich hatten mir die Helfer nicht die falsche Nummer gegeben!
Auf dem Marktplatz war ein großes Tor mit der Aufschrift „Start“ aufgebaut, die eigentliche Startlinie befand sich allerdings einige Meter davor in Form eines mit Kreide auf den Boden aufgemalten Striches. Daraus schloss ich, dass keine Sensoren für die Zeitmessung am Start vorhanden waren und daher nur die Bruttozeit gemessen werden sollte. Es war daher ratsam, relativ weit vorne zu stehen. Hier sah ich nun, dass offenbar alle Teilnehmer um mich herum eine blaue Startnummer hatten. Mir wurde dabei schon etwas mulmig. Einige Sportler äußerten mir gegenüber die Vermutung, dass diese Verschiedenfarbigkeit vom Anmeldedatum abhängen könnte.
Der Kommentator erklärte, dass der Start der Halbmarathons diesmal pünktlich um elf Uhr sein würde. Daraufhin applaudierten die Teilnehmer, denn im letzten Jahr hatten wir zwanzig Minuten länger als geplant im Startbereich frieren müssen.
Drei oder vier Sekunden nach dem Startschuss hatte ich die Startlinie auch schon überquert. Die Erfahrung aus den letzten Rennen hatte mich gelehrt, dass ich von Anfang an Gas geben müsse, um mein persönliche Rekordzeit zu unterbieten. Dementsprechend legte ich los.
Der Kurs war mit dem des letzten Jahres nahezu identisch. Nachdem wir die Fußgängerzone verlassen hatte und an der großen Straßenbahnhaltestelle in der Innenstadt vorbeigelaufen waren, ging es durch den ersten Park. Ich war so weit vorne im Feld, dass auf dem engen Weg keinerlei Platzprobleme bestanden.
Das Schild für den ersten Kilometer hatte ich übersehen. Kilometer zwei hatte ich schon nach acht Minuten erreicht. Mir wurde nun klar, dass ich etwas langsamer machen müsse.
Als der Innenstadtbereich verlassen wurde und der Waldbereich betreten wurde, spürte ich bereits das Seitenstechen. Ich musste mein Tempo drosseln und einige Sportler vorbeilassen.
Ich ließ keine Versorgungsstelle aus und nahm mir überall einen Becher Wasser. Nach etwa sieben Kilometern lief ich eine Zeit lang mit einer Frau um die Wette. War sie die Erstplatzierte bei den Frauen? Ich wurde wohl zweimal von ihr überholt, schaffte es aber jedes Mal, sie wieder hinter mich zu bringen.
Auf der Hälfte der Strecke war, wie schon im letzten Jahr, ein Versorgungspunkt mit lauter Musik. Dahinter folgte der Weg oberhalb der B1, welche auf einer Seite überdacht war.
Der Kurs war auf dem Boden mit farbiger Kreide eingezeichnet. Dies war für mich wichtig, da ich im Feld so weit vorne war, dass ich manchmal den Vordermann aus den Augen verloren hatte und mich daher an den Kennzeichnungen orientieren musste. Nach der Überquerung der B1, wo drei junge Mädchen jedem Läufer zujubelten, folgte der Parkplatz, welcher aber nur passiert und nicht, wie im letzten Jahr, einmal umrundet wurde.
Ich schaffte die 14 Kilometer in ziemlich genau einer Stunde. Damit war ein neue Rekordzeit für mich möglich.
Schließlich erreichte ich den Südsee, welcher (wie im letzten Jahr) einmal komplett umlaufen wurde. Die Strecke nördlich dieses Kurses wurde für Hin- und Rückweg benutzt. Auf dem Hinweg sah ich kaum Halbmarathonläufer, was darauf hindeutete, dass nur wenige Sportler vor mir waren. Auf dem Rückweg machte ich mir wirklich Sorgen, mich verlaufen zu haben, da ich auch hier meinen Vordermann aus den Augen verloren hatte. An der Stelle, wo Hin- und Rückweg sich trennten, zeigte mir ein Helfer an, welchen Weg ich zu nehmen hatte.
Hinter dem Südsee wurde die Bahnlinie unterquert. Hier hatte ich meinen Vordermann aus den Augen verloren und musste mich erneut an den Streckenmarkierungen orientieren. Es wunderte mich, dass hier keine Ordner standen, die mir den Weg hätten weisen können.
Schließlich wurde die Westseite des Bürgerparks erreicht. An einer Unterführung stand ein Baum, an dem ein Schild mit der Aufschrift „Jetzt noch aufgeben wäre blöd“ zu lesen war. Ich erinnerte mich dunkel, im letzten Jahr an dieser Stelle etwas Ähnliches gelesen zu haben.
Hinter dieser Unterführung musste ich über eine Brücke, die über einen kleinen Kanal führte. Dahinter war nun wieder die Innenstadt mit der Fußgängerzone. Ich hatte kurz vor dem Ziel festgestellt, dass eine Zeit unter 90 Minuten nicht möglich war, eine Einstellung meines persönlichen Rekordes aber schon. Ich lief noch einmal so schnell ich nur konnte. In der Fußgängerzone sah ich wieder meinen Vordermann, den ich aber nicht mehr überholen konnte. Nach einer Abzweigung in eine Seitenstraße war das Ziel auch schon erreicht, nach etwas über neunzig und einer halben Minute. Damit hatte ich meinen persönlichen Rekord im letzten Rennen des Jahres tatsächlich noch eingestellt. Ich spürte, dass ich an einigen Stellen an meinen Füßen wohl Blasen davongetragen hatte.
Im Zielbereich wollte ich nun schnell zu den Duschen gehen, denn auf Grund der Tatsache, dass es auch einen 10km-Lauf gab wusste ich nicht, wie viele Leute dort wohl anstehen würde. Allein auf Grund meiner Halbmarathonzeit hätte ich mich wohl für einen Duschplatz ohne lange Wartezeiten „qualifiziert“.
Als ich zum Schulgelände gehen wollte, sah ich ein paar Teilnehmer mit Medaillen um den Hals hängen. Da fiel mir ein, dass mir ja auch noch solch ein Erinnerungsstück zustünde. Fast hätte ich es vergessen. Ich ging ein paar Schritte zurück und sah an einem der Stände unter dem Zelt eine lange Schlange von Menschen anstehen. Diese Leute standen tatsächlich für ihre Medaille an. Ich unterhielt mich mit einer Sportlerin, welche die zehn Kilometer absolviert hatte. Ich wartete mehr als fünf Minuten, bis ich gegen Vorzeigen meiner Startnummer die Medaille in Empfang nehmen konnte. Sie hing an einem schwarzen Band und hatte die Form eines Rechtecks, das an den oberen Ecken abgerundet war. Auf der Vorderseite waren die Konturen eines Gebäudes von Braunschweig eingraviert. Darunter stand „11. Braunschweiger Lauftage 2011“. Auf der Rückseite standen die Disziplinen: Marathon, Halbmarathon, 10km und 5km.
Nun konnte ich zur Sporthalle zurückgehen. Ich bekam meine Tasche wieder zurück. Die Duschen funktionierten diesmal (im Gegensatz zum letzten Jahr) und auch mein Badetuch hatte ich nicht vergessen. Als ich die Anlagen dann aber ausprobierte, musste ich festellten, dass sich das Gerücht bestätigte: Es gab nur kaltes Wasser. Da ich etwa drei Stunden lang mit dem Zug nach Hause fahren musste, blieb mir allerdings nichts anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen, denn ich wollte nicht verschwitzt im Zug sitzen. Nach etwa zwei Minuten hatte ich den Schweiß abgespült und zog mich wieder an. Von der Fußgängerzone aus ging ich zu der großen Straßenbahnhaltestelle vor der Karstadt-Filiale, von wo aus ich mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof fuhr. Einen gewissen Muskelkater verspürte ich schon und daher wollte ich nicht den ganzen Weg zum Bahnhof noch einmal laufen müssen. In der Straßenbahn unterhielt ich mich mit einer jungen Frau, die von dem großen Event des heutigen Tages in Braunschweig angeblich nichts mitbekommen hatte.
Am Bahnhof musste ich fast eine Stunde warten, bis der nächste Zug nach Hannover fuhr. Etwa gegen halb sechs Uhr war ich dann wieder zu Hause.