Der einhundertundfünfzehnte Halbmarathon meines Lebens.
Der Kassel-Marathon.
Seit mein Freund Horst in der Nähe von Kassel wohnt, ist es mir möglich, auch an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Zuvor war dies wegen der komplizierten Anfahrt nicht möglich gewesen, da von Bremen nach Kassel zur frühen Stunde keine Züge fahren und besonders der Halbmarathon extrem früh startet, dieses Jahr um 8:15 Uhr.
Da ich am Freitagabend mit zwei Freunden zusammen ein bisschen Whiskey getrunken hatte, konnte ich in der Nacht leider nur für etwa drei Stunden schlafen. Zu allem Überfluss war ich leider schon wieder ein bisschen erkältet. Ich hatte seit dem Mannheim-Marathon ein Dauerhusten gehabt und dies war leider in den darauffolgenden Tagen nicht besser geworden. Ich stand am nächsten Morgen auf und packte meine Tasche. Dann nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo ich um 10:51 Uhr die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof nahm und dort drei Minuten später ankam.
Ich stieg in den Intercity nach Hannover ein. Dieser hatte nur wenige Minuten Verspätung. In Hannover erreichte ich dann den ICE, der mich ohne Zwischenhalt nach Kassel-Wilhelmshöhe brachte. Nach einigen Minuten Wartezeit holte Horst mich ab und wir gingen gemeinsam zu seinem Auto. Er fuhr uns zum Aue-Stadion, wo wir die Startunterlagen abholten. Auf die Pasta-Party mussten wir noch ein bisschen warten, da diese erst um 15 Uhr begann. Als es losging, nahmen wir zwei Portionen Nudeln und anschließend fuhren wir nach Körle, zum Wohnort von Horst.
Auch in dieser Nacht schlief ich nur etwa fünf Stunden lang. Dann stand ich um kurz vor sechs Uhr auf und frühstückte. Um kurz nach sieben Uhr fuhr Horst uns mit dem Auto nach Kassel. Es war ein sehr sonniger Tag, aber auch ziemlich frisch. Mein Husten war leider noch schlimmer geworden. Ich hatte allerdings keine Lust, heute langsam zu laufen. Wenn ich nachher noch Zeit zum Duschen haben wollte, blieb mir sowieso nichts anderes übrig, als Gas zu geben, denn meine Rückfahrt sollte bereits um 10:46 Uhr am Kasseler Hauptbahnhof beginnen. Ich hatte nämlich Zugbindung.
Wir parkten etwa einen Kilometer vom Stadion entfernt. Ich ließ einen Großteil meines Gepäcks im Auto und nahm nur die Wechselkleidung mit, um nachher Duschen und mich umziehen zu können. Ich trug das orangefarbene Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2012. Ich trank noch eine Dose Red Bull, da mir zwei Tage zuvor berichtet worden war, dass dies wahre Wunder wirken würde. Die Taschenabgabe war in einer Sporthalle. Da Horst vorher noch einmal die Toilette aufsuchen musste, waren es weniger als zehn Minuten bis zum Start, als wir an der Startgeraden ankamen. Wir kletterten über die Absperrung, so dass wir an der Stelle im Feld waren, wo wir auch hingehörten. Trotz meiner Erkältung wollte ich heute so schnell wie möglich sein. Ich sah vor mir einen Läufer mit einem silberfarbenen Luftballon, auf welchem die Zeit 1:30 h geschrieben war. An diesem Pacemaker hatte ich mich zu orientieren.
Um Punkt 8:15 Uhr fiel der Startschuss. Ich bemerkte, dass ich doch etwas zu weit hinten aufgestellt war. Es dauerte schon eine gewisse Zeit, bis ich die Linie überquert hatte und anfangs war das Überholen nicht einfach, da ich immer wieder nach einer Lücke suchen musste. Horst hatte ich relativ schnell hinter mir gelassen.
Die Strecke schien exakt die gleiche wie im Vorjahr zu sein. Nach wenigen Metern ging es bergauf. Wir kamen auf eine Brücke, die über die Fulda führte. Auf der anderen Seite näherte ich mich dann sehr schnell dem anvisierten Pacemaker und überholte ihn. Dann ging es an einem Park vorbei, bevor wir erneut auf eine Brücke kamen, die uns über eine Eisenbahnlinie sowie über eine Autobahn führte. Hier wartete die Fahrradbegleitung für mehrere Teilnehmer. Ich vermutete, dass es sich hierbei um die drei schnellsten Frauen handelte. Da der Marathon und der Staffel-Marathon erst um neun Uhr starten sollten, waren wir Halbmarathonis ziemlich alleine auf der Strecke.
Der Moderator hatte vor dem Start noch gesagt, dass das Wetter nahezu ideal sei. Es wären angeblich einige Wolken am Himmel, weshalb man nicht gegen die tiefstehende Sonne laufen musste. Davon war aber zunächst nichts zu sehen.
Nach fünf Kilometern, für die ich nur knapp über 21 Minuten benötigt hatte, war der erste Verpflegungspunkt erreicht. Ich nahm mir einen Becher Wasser. Dann kamen wir an einem Blasorchester vorbei. Wir liefen ein Quadrat und kamen dann auf der anderen Straßenseite wieder zurück, wodurch ich nun das Feld hinter mir sehen konnte. Somit kamen wir auch zum zweiten Mal am Blasorchester vorbei und setzten dann unseren Weg in Richtung Norden fort.
Was nun auffiel, waren die wahnsinnig vielen Verpflegungspunkte. Teilweise war der Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden Stellen geringer als ein Kilometer. Dies lag daran, dass die Strecke ähnlich aufgebaut war wie in Hannover. Der Marathon-Kurs bestand aus einer großen Runde. Der Halbmarathonkurs verlief auf dieser Runde, allerdings mit Abkürzungen. Da die Erfrischungspunkte sich an der Marathonstrecke orientierten, befanden sich einige kurz vor und andere kurz hinter einer solchen Stelle, wo der Marathon- vom Halbmarathonkurs abwich.
Nach einem dieser Erfrischungspunkte kamen wir unter einer Unterführung durch, an die ich mich noch vom letzten Jahr erinnern konnte. Dahinter war dann wieder so eine Stelle, wo der Marathonkurs sich von uns trennte, um eine Zusatzrunde auszuführen. Anhand der Beschilderungen konnte ich abschätzen, wie viele solche Abzweigungen es noch geben würde.
Als wir nach acht Kilometern zum zweiten Mal über die Fulda kamen, spielte ein uniformiertes Querflötenorchester für uns. Dann war wieder eine Beschilderung zu sehen, nach welcher die Halbmarathonis links abzubiegen hatten, während der Marathonkurs geradeaus ging. Allerdings mussten die Helfer hier noch nicht das Feld kontrollieren, da der Marathon noch gar nicht begonnen hatte.
Für die ersten zehn Kilometer hatte ich nur etwa 42 Minuten benötigt. Dieses Ergebnis überraschte mich, wenn ich meinen Gesundheitszustand berücksichtigte. Möglicherweise war sogar eine neue Bestzeit heute möglich. Nach einer weiteren Verzweigung der Kurse konnte ich aus den Kilometerschildern ersehen, dass der Marathon von nun an nur noch kleine Abweichungen machen würde. Jetzt war es auch neun Uhr geworden und der Marathon sollte starten. Ich erreichte eine Brücke, die über zahlreiche Bahngleise führte. Vermutlich war ich hier in der Nähe des Fernbahnhofs Wilhelmshöhe, welcher aber nicht einsehbar war, da die Gleise sehr krummlinig waren. Ich überholte jetzt eine dunkelhäutige Läuferin, die wahrscheinlich zum Spitzenfeld gehörte. Später erfuhr ich dann, dass nur vier von 783 Teilnehmerinnen schneller gewesen waren als ich. Insgesamt war das Feld inzwischen so dünn hier vorne, dass die Zuschauer ihre ungeteilte Aufmerksamkeit auf mich richten konnten.
Kurz vor Kilometer 15 ging es dann steil bergab. Blasen hatte ich an den Fersen übrigens keine und auch Knieprobleme traten nicht auf. Als es in einem Wohngebiet zweimal kurz hintereinander nach rechts ging, verlor ich sogar meinen Vordermann kurzfristig aus den Augen. Noch wenige Kilometer vor dem Ziel glaubte ich an eine neue Bestzeit, da ich eigentlich kaum langsamer geworden war. Bei Kilometer 18 war dann die Stelle mit der schönsten Aussicht erreicht worden. Wir blicken nach Osten auf den Berg, auf welchem das Schloss stand. Genau wie im letzten Jahr mussten wir nun aber nicht geradeaus, was uns nach oben geführt hätte, sondern bogen nach links ab. Nach einer weiteren Kurve erreichten wir die letzte Gerade vor dem Stadion. Hier hatten wir fürchterlichen Gegenwind. Ich glaubte, mich zu erinnern, dass hier auch schon im letzten Jahr so ein starker Wind geweht hatte. Dann kam ich ins Stadion. Leider führte der Weg nun fast eine ganze Runde um das Spielfeld. Daher dauerte es noch eine ganze Weile, bis ich die Ziellinie überquert hatte, obwohl ich absichtlich auf der innersten, also der kürzesten Laufbahn war und sogar jetzt noch einen Teilnehmer überholte. Meine Bruttozeit war knapp über 88 Minuten. Später sah ich im Internet, dass ich nur wenige Sekunden länger als bei meiner bisherigen Jahresbestzeit in Paderborn benötigt hatte.
Ich ließ mir die Medaille umhängen. Es war eine andere als im letzten Jahr, aber leider war das Jahr lediglich auf dem Band aufgedruckt, während das genaue Datum komplett fehlte. Ich suchte nun den Ausgang, um sofort duschen zu können. Ich holte meine Tasche ab. Dabei musste ich immer wieder husten. Zusammen mit einem anderen Läufer suchte ich die Duschen. Er erzählte mir, dass seine Socken zu eng gewesen waren und er deshalb auf diese verzichtet hatte. Das Resultat konnte ich sehen: Sein rechter Schuh war vom Blut rot gefärbt.
Wir hatten die Umkleidekabine ganz für uns allein. Ich duschte, zog mich wieder an und ging nach draußen, um auf Horst zu warten. Dieser war ungewöhnlich langsam gewesen. Es dauerte auch noch eine Weile, bis wir zu seinem Auto kamen. Er fuhr mich zum Hauptbahnhof, wo ich gerade noch den Cantus nach Göttingen bekam. Über Hannover kam ich wieder zurück nach Bremen.
Samstag, 23. Mai 2015
Sonntag, 17. Mai 2015
Marathon Mannheim 2105-05-09
Der neunzehnte Marathon meines Lebens.
Der Dämmermarathon in Mannheim und Ludwigshafen.
Der Dämmermarathon trägt seinen Namen deshalb, weil er Samstagabends beginnt und man in die Nacht hineinläuft. Vor drei Jahren hatte ich diesen Marathon erstmals absolviert. Damals war der Start um 18:30 Uhr gewesen und knapp vier Stunden später hatte ich das Ziel erreicht. Zusätzlich dazu gab es noch einen Halbmarathon durch Mannheim, welcher mit dem Marathonstart zusammengefallen war. Dadurch waren die Marathonläufer auf der ersten Hälfte der Strecke nicht so alleine unterwegs. In den letzten drei Jahren hatte es außerdem einen weiteren Halbmarathon durch Ludwigshafen gegeben, welcher zwei Stunden nach dem Marathon gestartet wurde und dessen Strecke mit der zweiten Hälfte des Marathons zusammengefallen war. 2013 hatte ich hieran teilgenommen und den fünften Platz erreicht. Für dieses Jahr war dieser zweite Halbmarathon aber nicht mehr vorgesehen. Duo- (gesamte Strecke zu zweit) und Teammarathon (vier bis sechs Läufer) bestanden weiterhin.
Eine Teilnahme im letzten Jahr war für mich nicht möglich gewesen, da ich mich frühzeitig für den Marathon in Duisburg angemeldet hatte. Bei der neuen Strecke durch Mannheim-Ludwigshafen war es dann zu enormen organisatorischen Problemen gekommen. Die diesjährige Strecke sollte wieder ein bisschen anders sein. Da die Startgebühren für Marathon und Halbmarathon bei frühzeitiger Anmeldung identisch waren, hatte ich mich für die gesamte Distanz entschieden.
Als ich die Anfahrt Monate zuvor gebucht hatte, konnte ich noch nicht damit rechnen, dass es zu einem langandauernden Streik der Lokführer kommen würde. Am Samstagmorgen sah ich im Internet, dass der Ersatzfahrplan erneut überarbeitet worden war. Von Bremen nach Hannover fuhren keine Fernverkehrszüge und nur alle zwei Stunden ein Regionalzug. Ich nahm daher die Nordwestbahn von Walle bis nach Verden, damit ich nicht die ganze Strecke bis Hannover im überfüllten Regionalexpress sitzen musste. In Verden wartete ich dann gespannt darauf, wie eng es nun wirklich im RE zugehen würde, denn auch einige Fußballfans mussten nach Hannover und nahmen wegen des Ersatzfahrplans einen früheren Zug. Als der Regionalexpress um 8:40 Uhr einfuhr, war ich überrascht, da noch ausreichend Platz vorhanden war. Wir kamen schließlich pünktlich in Hannover an.
Die Fernverkehrszüge nach Mannheim fuhren nur alle zwei Stunden. Ich bestieg um Viertel nach zehn Uhr einen ICE, der mich ohne Verspätung nach Mannheim brachte. Hier holte ich meine Startunterlagen ab und wollte dann eine Regionalbahn nach Frankenthal nehmen, doch dorthin fuhr überhaupt kein Schienenfahrzeug. Lediglich zum Ludwigshafener Hauptbahnhof konnte ich eine S-Bahn nehmen, weshalb ich meinen Vater anrief, er sollte mich von dort aus bitte mit dem Auto nach Frankenthal bringen.
Gegen 16 Uhr konnte ich dann das von meiner Mutter zubereitete Essen zu mir nehmen und mich dann umziehen. Es waren ungefähr 20°C und kaum Wolken am Himmel. Regnen sollte es während des Abends nicht. Um 18 Uhr brachten mich meine Eltern mit dem Auto nach Mannheim. Ich hatte den Starterbeutel mit Wechselkleidung dabei, um direkt nach dem Marathon duschen zu gehen. Ich trug die Schuhe, in welchen ich bereits in Barcelona und in Rotterdam Marathon gelaufen war. Trotz der tiefstehenden Sonne verzichtete ich auf eine Kappe, da der Kurs anfangs in Richtung Osten gehen sollte. Am meisten Sorge hatte ich wegen meines Knies, da ich wieder einige Probleme befürchtete.
Die Taschenabgabe war wieder im Keller des Hotels. Der Versammlungspunkt, von welchem aus die Läufer zur Startgeraden gingen, war für mich erst nicht auffindbar und ich musste dann von der Zuschauerperspektive aus sehen, wie die Läufer nun zur Startgeraden vorgelassen wurden. Ich kletterte daher über den Zaun und befand mich dann im Starterfeld. Ich schaute nach Frank aus, der heute auch mitlaufen wollte, fand ihn aber nicht. Der Moderator nannte einige prominente Teilnehmer, darunter auch den Ironman-Weltmeister. Um Punkt 19 Uhr ging es los. Sollte ich von Knieproblemen verschont bleiben, dann wäre heute eine neue persönliche Bestzeit möglich. Es dauerte nicht lange, bis ich die Startlinie überquert hatte. Als Teilnehmer des Marathons war meine Startnummer weiß, während die Teilnehmer von Duo-, Team- und Halbmarathon Startnummern in blau, orange und einer weiteren Farbe hatten.
Die Startlinie war am nordwestlichen Ende des Rosengartens gewesen, um den wir nun einmal herumliefen. Wie viele Sekunden es genau gedauert hatte, bis ich die Startlinie überquert hatte, das hatte ich nicht geprüft. Am Ende des Rosengartens, als wir den Wasserturm hinter uns hatten, liefen wir in östliche Richtung auf einer der Hauptverkehrsstraßen entlang. Ich legte dabei ein durchaus beachtliches Tempo vor, da ich heute eine neue Bestzeit anpeilte. Es ging so lange geradeaus, bis wir das Planetarium erreicht hatten und hier zunächst links und dann rechts abbogen. Auf dem Hinweisschild für Kilometer zwei konnte ich nun einen Spruch im pfälzischen Dialekt lesen. Und so ging es dann auch weiter: Jedes der Kilometerschilder war mit solch einem Spruch versehen.
Wir kamen an einem sehr alten Stadion, dem Carl-Benz-Stadion vorbei. Ich hatte kurz zuvor den Pacemaker für die 3:15-Stundenmarke überholt und war so schnell unterwegs, dass er mich langsam aus den Augen verlieren musste. Bis jetzt konnte ich mit meiner Leistung zufrieden sein. Nach der Unterquerung einer Eisenbahnlinie bogen wir nach Süden ab. Wir kamen über eine sehr große Bundesstraße, an deren südlichen Rand wir nun in Richtung Osten weiterliefen. Diese Bundesstraße war für den Autoverkehr freigegeben und durch einige Baumreihen von uns getrennt.
Später kamen wir zur SAP-Arena und danach wieder unter der Bundesstraße hindurch, sodass wir uns wieder nördlich von ihr befanden. An diesem Weg wurde es erstmals ein bisschen enger. Schilder wiesen darauf hin, dass parkende Autos kostenpflichtig abgeschleppt werden würden, falls diese nach acht Uhr morgens noch hier stehen sollten. An der ersten Verpflegungsstelle nahm ich mir einen Becher Wasser.
Nach einem Schlenker durch das freie Feld kamen wir wieder durch einen kleinen Stadtteil, wo wir nach einer 180°-Kurve wieder in Richtung Osten liefen. Als wir diesen Stadtteil dann hinter uns hatten, mussten wir wieder unter einer Autobahnbrücke hindurch. Wir kamen für kurze Zeit an die Hauptverbindungsstraße, die uns Läufern nachher als Rückweg dienen sollte. Diese Hauptverkehrsstraße mussten wir allerdings für einen Abstecher durch Mannheim-Seckenheim wieder verlassen. Ich konnte jetzt allerdings schon das Führungsfahrzeug sehen, welches uns auf der Hauptstraße entgegenkam und dort den führenden Läufer des Marathons (oder des Halbmarathons) begleitete.
Seckenheim hatte einen sehr dörflichen Charakter. Es ging erst um den Ort herum und dann von Süd nach Nord durch den Ort hindurch. Zuvor war ich von der führenden Frau des Marathons, begleitet von einem Fahrradfahrer, überholt worden. Wir erreichten die Hauptstraße, kamen an einem Versorgungspunkt vorbei und bogen links ab, sodass wir nun nach Westen liefen. Dieser Abschnitt war der unangenehmste, da ich nun gegen die Sonne laufen musste und keine Kappe bei mir hatte.
Ich musste nun ständig auf den Boden schauen, um nicht total von der Sonne geblendet zu werden. Links von uns waren Wohnhäuser, rechts die Straßenbahn. Wir kamen wieder an der Stelle vorbei, wo ich vorhin das Führungsfahrzeug gesehen hatte. Nun konnte ich das dichtgedrängte Feld hinter mir sehen. Ich kam unter der Autobahnbrücke hindurch und danach trennten sich Hin- und Rückweg wieder. Vereinzelt standen Bäume am Straßenrand, in deren Schatten ich der tiefstehenden Sonne nicht allzu extrem ausgesetzt war. Hinter der Verzweigungsstelle trennte uns nur noch die Straßenbahnlinien von der Südseite des Neckars, an dem wir jetzt entlangliefen. Dann kamen wir an eine Stelle, wo ein Wendepunkt der Straßenbahn war sowie eine hochgelegene Straße. Wir machten eine Links-Rechts-Kurve und waren nun erstmals für einige Zeit im Schatten. Nun sah ich erst richtig, wie dunkel es bereits war, da die Sonne extrem tief stand. Hier war eine Verpflegungsstelle sowie ein Staffel-Wechselpunkt. Ich nahm mir nun ein isotonisches Getränk.
Mittlerweile hatte ich zwei körperliche Probleme. Zum einen spürte ich mein rechtes Knie. Ich überlegte daher, ob ich vielleicht doch nur den Halbmarathon absolvieren sollte. Zum anderen glaubte ich, dass ich an beiden Fersen Blasen bekam. Ich war mir jedoch nicht sicher, ob ich mir dies nur einbildete und wartete noch ein wenig mit dem Einsatz eines Pflasters. Da ich sowieso nur ein einziges Reservepflaster bei mir hatte, war ich auf den Rettungsdienst angewiesen und hielt daher die Augen offen.
Es ging nun ein sehr langes Stück geradeaus am Neckar entlang. Erst hatten wir links von uns ein Wohngebiet und dann den Luisenpark, der allerdings durch eine Mauer von uns getrennt war. Ganz grob konnte ich das Teehaus erkennen. Dann sah ich den Fernsehturm auf der linken Seite. Am Ende dieser Geraden lagen einige Leute auf der Wiese und schauten uns beim Laufen zu.
Am Ende des Luisenparks bogen wir links ab und waren nun wieder in der Mannheimer Innenstadt. Nach einer weiteren Rechtskurve ging es wieder Richtung Westen. Nach einer Weile hatten wir den Rosengarten hinter uns und befanden uns nun dort, wo die Straßen alle senkrecht aufeinander stehen. Hier waren auch die meisten Zuschauer vorhanden.
Es ging eine lange Strecke geradeaus. Irgendwann war denn der Punkt gekommen, wo die Teilnehmer des Halbmarathons uns verließen. Sie mussten links abbiegen und dann zurück zum Rosengarten, wo sie das Ziel erreicht hatten. Wir waren jetzt aber trotzdem nicht allein auf der Strecke, sondern wurden noch von den Duo- und den Staffelläufern begleitet. Fast jedes Mal, wenn mich ein Teilnehmer überholte, handelte es sich um einen der letztgenannten beiden Disziplinen. Da meine Probleme am Knie wieder verschwunden waren, war es für mich keine Frage, den ganzen Marathon zu absolvieren.
Für die erste Hälfte der Strecke hatte ich weniger als 100 Minuten benötigt. Leider wurden die Schmerzen an den beiden Fersen immer stärker. Ich wollte nun den nächsten Rettungspunkt ansteuern, um mir ein zweites Reservepflaster geben zu lassen. Die Blasen an den Fersen mussten eigentlich sichtbar sein, so stark wie sie inzwischen schmerzten.
Eigentlich hatte ich erwartet, jetzt auf die Pylon-Brücke zu kommen, welche über den Rhein und über die Ludwigshafener Innenstadt führt. Doch hier wurde ich getäuscht. Die Streckenführung hatte sich extrem geändert. Wir bogen erst nach links ab und kamen am Schloss vorbei. Dahinter ging es auf einer Wendelbrücke entlang auf die Konrad-Adenauer-Brücke, welche weiter südlich liegt und auch die Eisenbahnstrecke von Mannheim nach Ludwigshafen beherbergt. Ich war ziemlich enttäuscht. Da ich hier ein Rettungsteam sah, lief ich auf die andere Straßenseite zu den Helfern hin. Dabei musste ich über zwei Straßen, die für Autos vorgesehen waren. Es war ein zusammenklappbarer Stuhl vorhanden, auf den ich mich setzte und beide Schuhe auszog. Während ich mein mitgebrachtes Reservepflaster auf die Ferse des linken Fußes setzte, brachten die Helfer ein Pflaster auf der linken Ferse an. Dieser Zwischenstopp hatte mich über eine Minute gekostet. Als ich dann wieder weiterlaufen wollte, musste ein Helfer die Autos anhalten, welche zunächst einfach weiterfuhren. Mit ein bisschen Verzögerung war ich dann wieder auf der Strecke.
Ich sah vor mir einen Läufer, der das gleiche Trikot wie ich trug, nämlich das grün-weiße vom Mittelrhein-Marathon 2012. Ich holte den Typen ein und unterhielt mich mit ihm ein bisschen. Er war bisher erst zwei Marathons gelaufen und peilte heute eine neue Bestzeit an. Wir verließen zusammen die Brücke und bogen gleich dahinter rechts ab, um eine 270°-Kurve zu absolvieren, die uns nun direkt an das Rheinufer brachte. Der andere Teilnehmer erklärte mir, dass hier vor einigen Tagen der Flusspegel noch extrem hoch gestanden hätte. Auch dieser Streckenabschnitt war für mich neu, da ich ihn weder 2012 noch 2013 gelaufen war.
Als wir den Luitpoldhafen erreichten, ging es eine Schneckenbrücke hinauf. Hier spürte ich nun, dass der Helfer des Rettungsteams mein Pflaster total schlecht justiert hatte. Während es an der rechten Ferse einigermaßen auszuhalten war, war die Belastung der linken Ferse extrem unangenehm. Ich versuchte dies auszugleichen, indem ich nur auf Zehensitzen nach oben lief. Umso angenehmer war dann der Weg nach unten. Gegenverkehr hatten wir hier keinen, aber direkt auf der anderen Seite, wo sich Hin- und Rückweg trennten, sah ich von links das Führungsfahrzeug kommen. Der Führende war nun also nur noch etwa fünf Kilometer vom Ziel entfernt.
Da ich meine Geschwindigkeit nicht aufrechterhalten konnte, lief mir mein Gesprächspartner davon und ich war wieder alleine unterwegs. Ich befand mich auf einer richtigen Insel im Rhein, die nur durch drei Brücken mit dem Ludwigshafener Festland verbunden war. Der Weg führte hier durch ein Wohngebiet am Park entlang, bevor wieder eine Brücke auftauchte, welche mich zurück zum Festland führte. So langsam fing es an zu dämmern.
Die jetzige Strecke diente fast ununterbrochen als Hin- und Rückweg und war mit zahlreichen Zuschauern versehen. Am Südweststadion bogen wir links ab. Hier war wieder eine Wechselzone, die sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg genutzt wurde. Nach einer Strecke durch den Wald kam ich an eine breite Hauptstraße, deren Fahrzeugspuren durch die Straßenbahnlinie getrennt waren. Ich lief auf der rechten Seite, links kamen mir die Läufer vor mir entgegen. Leider verpasste ich es, drauf Acht zu geben, ob Frank vielleicht unter ihnen war.
Da meine Fersen schmerzten, wartete ich gespannt, wo denn nun der Wendepunkt war, von dem aus ich dann nur noch zurück nach Mannheim ins Ziel laufen musste. Leider zog sich der Weg lange hin. Nach Mundenheim kam ich in den Stadtteil Rheingönheim. Es war inzwischen richtig dunkel geworden und ich sah erstmals angebrannte Fackeln an der Strecke. Irgendwo war es dann doch so weit, dass ich das Ende des Kurses sah. Ich legte eine 180°-Kurve ein, nahm mir einen Becher Wasser und lief den gleichen Weg zurück. Lediglich an einer Stelle zwischen Mundenheim und Rheingönheim musste ich vom Hinweg kurz abweichen. Als ich dann wieder an der Straßenbahnlinie war, hatte ich sogar meinen Vordermann aus den Augen verloren. Ein kleiner Junge begleitete mich nun etwa einen Kilometer lang. Er sagt, dass er neun Jahre alt sei. Ich erklärte ihm, dass er als Zehnjähriger dann einen Zehn-Kilometerlauf absolvieren könne. Kurz vor dem Waldstück verließ er mich wieder.
Ich war inzwischen deutlich langsamer geworden. Eine neue Bestzeit schien zwar möglich, aber sie sollte nicht so überragend ausfallen. Ich kam wieder am Südweststadion vorbei und bog dann rechts ab, um wieder auf die Insel im Rhein zu gelangen. Hier trennte sich die Strecke vom Hinweg. Ich lief am Ostufer der Insel entlang. Es gab hier weniger Zuschauer, da links von uns ein Park war. Als wir am Ende der Insel wieder den gemeinsamen Hin- und Rückweg erreichten, kamen wir an einer extrem dunklen Passage vorbei, wo ich aufpassen musste, nicht auf irgendwelche Hindernisse zu treten.
Ich glaube, es war auf der anderen Seite der Schneckenbrücke, wo mich die drittschnellste Frau des Marathons, begleitet von einem Fahrradfahrer, überholte. Die beiden Pacemaker für die 3:15-Stundenmarke hatten mich schon zuvor überholt. Ich sah jetzt das hintere Feld des Marathons mir entgegenkommen. Auf oder kurz hinter der Konrad-Adenauer-Brücke kam mir dann auch der langsamste Teilnehmer des Marathons entgegen. Hinter der Konrad-Adenauer-Brücke über den Rhein trennten sich Hin- und Rückweg. Ich hatte nun einen längeren Abschnitt zu absolvieren, bei dem ich zunächst an einem Red-Bull-Versorgungsstand einen Becher des gleichnamigen Getränks zu mir nahm, was ich sonst nie trank. Dann ging es einen längeren Abschnitt durch das Schloss hindurch.
Danach trafen wir wieder auf den Hinweg und waren schnell wieder in der Mannheimer Innenstadt, wo alle Straßen rechtwinklig angeordnet sind. Ich nahm Kurs auf das Ziel. Um noch eine neue Bestzeit hinzulegen, musste ich mich nun doch noch ein bisschen anstrengen. Ich lief eben, so gut es noch ging. Je näher wir dem Rosengarten kamen, umso mehr Zuschauer jubelten mir zu. Wie 2012 und 2013 ging es am Ende noch einmal eine ganze Runde um den Rosengarten, bevor ich nach einer Bruttozeit von wenig über 3:23 Stunden im Ziel war. Ich ließ mir die Medaille umhängen, auf der nur auf dem Band das Jahr zu lesen war (von einem genauen Datum ganz zu schweigen). Dann nahm ich mir ein bisschen zu essen und zu trinken und traf dabei wieder auf den Mann im Mittelrhein-Marathon-Trikot, der tatsächlich einige Minuten schneller als ich gewesen war. Wir redeten kurz miteinander und dann holte ich im Keller des Gebäudes meine Tasche ab. Ich rief meinen Vater an und bat ihn, mich mit dem Auto abzuholen. Ich musste ständig husten.
Ich begab mich zu den Duschen, die am gleichen Ort wie in den letzten Jahren waren. Ich zog mich um und ging zum Bahnhof, wo mein Vater mich abholte und nach Hause brachte. Wegen der Bahnstreiks konnte ich am nächsten Morgen schon einen früheren Zug nach Hannover nehmen, weshalb ich eine Stunde früher als geplant wieder in Bremen ankam.
Der Dämmermarathon in Mannheim und Ludwigshafen.
Der Dämmermarathon trägt seinen Namen deshalb, weil er Samstagabends beginnt und man in die Nacht hineinläuft. Vor drei Jahren hatte ich diesen Marathon erstmals absolviert. Damals war der Start um 18:30 Uhr gewesen und knapp vier Stunden später hatte ich das Ziel erreicht. Zusätzlich dazu gab es noch einen Halbmarathon durch Mannheim, welcher mit dem Marathonstart zusammengefallen war. Dadurch waren die Marathonläufer auf der ersten Hälfte der Strecke nicht so alleine unterwegs. In den letzten drei Jahren hatte es außerdem einen weiteren Halbmarathon durch Ludwigshafen gegeben, welcher zwei Stunden nach dem Marathon gestartet wurde und dessen Strecke mit der zweiten Hälfte des Marathons zusammengefallen war. 2013 hatte ich hieran teilgenommen und den fünften Platz erreicht. Für dieses Jahr war dieser zweite Halbmarathon aber nicht mehr vorgesehen. Duo- (gesamte Strecke zu zweit) und Teammarathon (vier bis sechs Läufer) bestanden weiterhin.
Eine Teilnahme im letzten Jahr war für mich nicht möglich gewesen, da ich mich frühzeitig für den Marathon in Duisburg angemeldet hatte. Bei der neuen Strecke durch Mannheim-Ludwigshafen war es dann zu enormen organisatorischen Problemen gekommen. Die diesjährige Strecke sollte wieder ein bisschen anders sein. Da die Startgebühren für Marathon und Halbmarathon bei frühzeitiger Anmeldung identisch waren, hatte ich mich für die gesamte Distanz entschieden.
Als ich die Anfahrt Monate zuvor gebucht hatte, konnte ich noch nicht damit rechnen, dass es zu einem langandauernden Streik der Lokführer kommen würde. Am Samstagmorgen sah ich im Internet, dass der Ersatzfahrplan erneut überarbeitet worden war. Von Bremen nach Hannover fuhren keine Fernverkehrszüge und nur alle zwei Stunden ein Regionalzug. Ich nahm daher die Nordwestbahn von Walle bis nach Verden, damit ich nicht die ganze Strecke bis Hannover im überfüllten Regionalexpress sitzen musste. In Verden wartete ich dann gespannt darauf, wie eng es nun wirklich im RE zugehen würde, denn auch einige Fußballfans mussten nach Hannover und nahmen wegen des Ersatzfahrplans einen früheren Zug. Als der Regionalexpress um 8:40 Uhr einfuhr, war ich überrascht, da noch ausreichend Platz vorhanden war. Wir kamen schließlich pünktlich in Hannover an.
Die Fernverkehrszüge nach Mannheim fuhren nur alle zwei Stunden. Ich bestieg um Viertel nach zehn Uhr einen ICE, der mich ohne Verspätung nach Mannheim brachte. Hier holte ich meine Startunterlagen ab und wollte dann eine Regionalbahn nach Frankenthal nehmen, doch dorthin fuhr überhaupt kein Schienenfahrzeug. Lediglich zum Ludwigshafener Hauptbahnhof konnte ich eine S-Bahn nehmen, weshalb ich meinen Vater anrief, er sollte mich von dort aus bitte mit dem Auto nach Frankenthal bringen.
Gegen 16 Uhr konnte ich dann das von meiner Mutter zubereitete Essen zu mir nehmen und mich dann umziehen. Es waren ungefähr 20°C und kaum Wolken am Himmel. Regnen sollte es während des Abends nicht. Um 18 Uhr brachten mich meine Eltern mit dem Auto nach Mannheim. Ich hatte den Starterbeutel mit Wechselkleidung dabei, um direkt nach dem Marathon duschen zu gehen. Ich trug die Schuhe, in welchen ich bereits in Barcelona und in Rotterdam Marathon gelaufen war. Trotz der tiefstehenden Sonne verzichtete ich auf eine Kappe, da der Kurs anfangs in Richtung Osten gehen sollte. Am meisten Sorge hatte ich wegen meines Knies, da ich wieder einige Probleme befürchtete.
Die Taschenabgabe war wieder im Keller des Hotels. Der Versammlungspunkt, von welchem aus die Läufer zur Startgeraden gingen, war für mich erst nicht auffindbar und ich musste dann von der Zuschauerperspektive aus sehen, wie die Läufer nun zur Startgeraden vorgelassen wurden. Ich kletterte daher über den Zaun und befand mich dann im Starterfeld. Ich schaute nach Frank aus, der heute auch mitlaufen wollte, fand ihn aber nicht. Der Moderator nannte einige prominente Teilnehmer, darunter auch den Ironman-Weltmeister. Um Punkt 19 Uhr ging es los. Sollte ich von Knieproblemen verschont bleiben, dann wäre heute eine neue persönliche Bestzeit möglich. Es dauerte nicht lange, bis ich die Startlinie überquert hatte. Als Teilnehmer des Marathons war meine Startnummer weiß, während die Teilnehmer von Duo-, Team- und Halbmarathon Startnummern in blau, orange und einer weiteren Farbe hatten.
Die Startlinie war am nordwestlichen Ende des Rosengartens gewesen, um den wir nun einmal herumliefen. Wie viele Sekunden es genau gedauert hatte, bis ich die Startlinie überquert hatte, das hatte ich nicht geprüft. Am Ende des Rosengartens, als wir den Wasserturm hinter uns hatten, liefen wir in östliche Richtung auf einer der Hauptverkehrsstraßen entlang. Ich legte dabei ein durchaus beachtliches Tempo vor, da ich heute eine neue Bestzeit anpeilte. Es ging so lange geradeaus, bis wir das Planetarium erreicht hatten und hier zunächst links und dann rechts abbogen. Auf dem Hinweisschild für Kilometer zwei konnte ich nun einen Spruch im pfälzischen Dialekt lesen. Und so ging es dann auch weiter: Jedes der Kilometerschilder war mit solch einem Spruch versehen.
Wir kamen an einem sehr alten Stadion, dem Carl-Benz-Stadion vorbei. Ich hatte kurz zuvor den Pacemaker für die 3:15-Stundenmarke überholt und war so schnell unterwegs, dass er mich langsam aus den Augen verlieren musste. Bis jetzt konnte ich mit meiner Leistung zufrieden sein. Nach der Unterquerung einer Eisenbahnlinie bogen wir nach Süden ab. Wir kamen über eine sehr große Bundesstraße, an deren südlichen Rand wir nun in Richtung Osten weiterliefen. Diese Bundesstraße war für den Autoverkehr freigegeben und durch einige Baumreihen von uns getrennt.
Später kamen wir zur SAP-Arena und danach wieder unter der Bundesstraße hindurch, sodass wir uns wieder nördlich von ihr befanden. An diesem Weg wurde es erstmals ein bisschen enger. Schilder wiesen darauf hin, dass parkende Autos kostenpflichtig abgeschleppt werden würden, falls diese nach acht Uhr morgens noch hier stehen sollten. An der ersten Verpflegungsstelle nahm ich mir einen Becher Wasser.
Nach einem Schlenker durch das freie Feld kamen wir wieder durch einen kleinen Stadtteil, wo wir nach einer 180°-Kurve wieder in Richtung Osten liefen. Als wir diesen Stadtteil dann hinter uns hatten, mussten wir wieder unter einer Autobahnbrücke hindurch. Wir kamen für kurze Zeit an die Hauptverbindungsstraße, die uns Läufern nachher als Rückweg dienen sollte. Diese Hauptverkehrsstraße mussten wir allerdings für einen Abstecher durch Mannheim-Seckenheim wieder verlassen. Ich konnte jetzt allerdings schon das Führungsfahrzeug sehen, welches uns auf der Hauptstraße entgegenkam und dort den führenden Läufer des Marathons (oder des Halbmarathons) begleitete.
Seckenheim hatte einen sehr dörflichen Charakter. Es ging erst um den Ort herum und dann von Süd nach Nord durch den Ort hindurch. Zuvor war ich von der führenden Frau des Marathons, begleitet von einem Fahrradfahrer, überholt worden. Wir erreichten die Hauptstraße, kamen an einem Versorgungspunkt vorbei und bogen links ab, sodass wir nun nach Westen liefen. Dieser Abschnitt war der unangenehmste, da ich nun gegen die Sonne laufen musste und keine Kappe bei mir hatte.
Ich musste nun ständig auf den Boden schauen, um nicht total von der Sonne geblendet zu werden. Links von uns waren Wohnhäuser, rechts die Straßenbahn. Wir kamen wieder an der Stelle vorbei, wo ich vorhin das Führungsfahrzeug gesehen hatte. Nun konnte ich das dichtgedrängte Feld hinter mir sehen. Ich kam unter der Autobahnbrücke hindurch und danach trennten sich Hin- und Rückweg wieder. Vereinzelt standen Bäume am Straßenrand, in deren Schatten ich der tiefstehenden Sonne nicht allzu extrem ausgesetzt war. Hinter der Verzweigungsstelle trennte uns nur noch die Straßenbahnlinien von der Südseite des Neckars, an dem wir jetzt entlangliefen. Dann kamen wir an eine Stelle, wo ein Wendepunkt der Straßenbahn war sowie eine hochgelegene Straße. Wir machten eine Links-Rechts-Kurve und waren nun erstmals für einige Zeit im Schatten. Nun sah ich erst richtig, wie dunkel es bereits war, da die Sonne extrem tief stand. Hier war eine Verpflegungsstelle sowie ein Staffel-Wechselpunkt. Ich nahm mir nun ein isotonisches Getränk.
Mittlerweile hatte ich zwei körperliche Probleme. Zum einen spürte ich mein rechtes Knie. Ich überlegte daher, ob ich vielleicht doch nur den Halbmarathon absolvieren sollte. Zum anderen glaubte ich, dass ich an beiden Fersen Blasen bekam. Ich war mir jedoch nicht sicher, ob ich mir dies nur einbildete und wartete noch ein wenig mit dem Einsatz eines Pflasters. Da ich sowieso nur ein einziges Reservepflaster bei mir hatte, war ich auf den Rettungsdienst angewiesen und hielt daher die Augen offen.
Es ging nun ein sehr langes Stück geradeaus am Neckar entlang. Erst hatten wir links von uns ein Wohngebiet und dann den Luisenpark, der allerdings durch eine Mauer von uns getrennt war. Ganz grob konnte ich das Teehaus erkennen. Dann sah ich den Fernsehturm auf der linken Seite. Am Ende dieser Geraden lagen einige Leute auf der Wiese und schauten uns beim Laufen zu.
Am Ende des Luisenparks bogen wir links ab und waren nun wieder in der Mannheimer Innenstadt. Nach einer weiteren Rechtskurve ging es wieder Richtung Westen. Nach einer Weile hatten wir den Rosengarten hinter uns und befanden uns nun dort, wo die Straßen alle senkrecht aufeinander stehen. Hier waren auch die meisten Zuschauer vorhanden.
Es ging eine lange Strecke geradeaus. Irgendwann war denn der Punkt gekommen, wo die Teilnehmer des Halbmarathons uns verließen. Sie mussten links abbiegen und dann zurück zum Rosengarten, wo sie das Ziel erreicht hatten. Wir waren jetzt aber trotzdem nicht allein auf der Strecke, sondern wurden noch von den Duo- und den Staffelläufern begleitet. Fast jedes Mal, wenn mich ein Teilnehmer überholte, handelte es sich um einen der letztgenannten beiden Disziplinen. Da meine Probleme am Knie wieder verschwunden waren, war es für mich keine Frage, den ganzen Marathon zu absolvieren.
Für die erste Hälfte der Strecke hatte ich weniger als 100 Minuten benötigt. Leider wurden die Schmerzen an den beiden Fersen immer stärker. Ich wollte nun den nächsten Rettungspunkt ansteuern, um mir ein zweites Reservepflaster geben zu lassen. Die Blasen an den Fersen mussten eigentlich sichtbar sein, so stark wie sie inzwischen schmerzten.
Eigentlich hatte ich erwartet, jetzt auf die Pylon-Brücke zu kommen, welche über den Rhein und über die Ludwigshafener Innenstadt führt. Doch hier wurde ich getäuscht. Die Streckenführung hatte sich extrem geändert. Wir bogen erst nach links ab und kamen am Schloss vorbei. Dahinter ging es auf einer Wendelbrücke entlang auf die Konrad-Adenauer-Brücke, welche weiter südlich liegt und auch die Eisenbahnstrecke von Mannheim nach Ludwigshafen beherbergt. Ich war ziemlich enttäuscht. Da ich hier ein Rettungsteam sah, lief ich auf die andere Straßenseite zu den Helfern hin. Dabei musste ich über zwei Straßen, die für Autos vorgesehen waren. Es war ein zusammenklappbarer Stuhl vorhanden, auf den ich mich setzte und beide Schuhe auszog. Während ich mein mitgebrachtes Reservepflaster auf die Ferse des linken Fußes setzte, brachten die Helfer ein Pflaster auf der linken Ferse an. Dieser Zwischenstopp hatte mich über eine Minute gekostet. Als ich dann wieder weiterlaufen wollte, musste ein Helfer die Autos anhalten, welche zunächst einfach weiterfuhren. Mit ein bisschen Verzögerung war ich dann wieder auf der Strecke.
Ich sah vor mir einen Läufer, der das gleiche Trikot wie ich trug, nämlich das grün-weiße vom Mittelrhein-Marathon 2012. Ich holte den Typen ein und unterhielt mich mit ihm ein bisschen. Er war bisher erst zwei Marathons gelaufen und peilte heute eine neue Bestzeit an. Wir verließen zusammen die Brücke und bogen gleich dahinter rechts ab, um eine 270°-Kurve zu absolvieren, die uns nun direkt an das Rheinufer brachte. Der andere Teilnehmer erklärte mir, dass hier vor einigen Tagen der Flusspegel noch extrem hoch gestanden hätte. Auch dieser Streckenabschnitt war für mich neu, da ich ihn weder 2012 noch 2013 gelaufen war.
Als wir den Luitpoldhafen erreichten, ging es eine Schneckenbrücke hinauf. Hier spürte ich nun, dass der Helfer des Rettungsteams mein Pflaster total schlecht justiert hatte. Während es an der rechten Ferse einigermaßen auszuhalten war, war die Belastung der linken Ferse extrem unangenehm. Ich versuchte dies auszugleichen, indem ich nur auf Zehensitzen nach oben lief. Umso angenehmer war dann der Weg nach unten. Gegenverkehr hatten wir hier keinen, aber direkt auf der anderen Seite, wo sich Hin- und Rückweg trennten, sah ich von links das Führungsfahrzeug kommen. Der Führende war nun also nur noch etwa fünf Kilometer vom Ziel entfernt.
Da ich meine Geschwindigkeit nicht aufrechterhalten konnte, lief mir mein Gesprächspartner davon und ich war wieder alleine unterwegs. Ich befand mich auf einer richtigen Insel im Rhein, die nur durch drei Brücken mit dem Ludwigshafener Festland verbunden war. Der Weg führte hier durch ein Wohngebiet am Park entlang, bevor wieder eine Brücke auftauchte, welche mich zurück zum Festland führte. So langsam fing es an zu dämmern.
Die jetzige Strecke diente fast ununterbrochen als Hin- und Rückweg und war mit zahlreichen Zuschauern versehen. Am Südweststadion bogen wir links ab. Hier war wieder eine Wechselzone, die sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg genutzt wurde. Nach einer Strecke durch den Wald kam ich an eine breite Hauptstraße, deren Fahrzeugspuren durch die Straßenbahnlinie getrennt waren. Ich lief auf der rechten Seite, links kamen mir die Läufer vor mir entgegen. Leider verpasste ich es, drauf Acht zu geben, ob Frank vielleicht unter ihnen war.
Da meine Fersen schmerzten, wartete ich gespannt, wo denn nun der Wendepunkt war, von dem aus ich dann nur noch zurück nach Mannheim ins Ziel laufen musste. Leider zog sich der Weg lange hin. Nach Mundenheim kam ich in den Stadtteil Rheingönheim. Es war inzwischen richtig dunkel geworden und ich sah erstmals angebrannte Fackeln an der Strecke. Irgendwo war es dann doch so weit, dass ich das Ende des Kurses sah. Ich legte eine 180°-Kurve ein, nahm mir einen Becher Wasser und lief den gleichen Weg zurück. Lediglich an einer Stelle zwischen Mundenheim und Rheingönheim musste ich vom Hinweg kurz abweichen. Als ich dann wieder an der Straßenbahnlinie war, hatte ich sogar meinen Vordermann aus den Augen verloren. Ein kleiner Junge begleitete mich nun etwa einen Kilometer lang. Er sagt, dass er neun Jahre alt sei. Ich erklärte ihm, dass er als Zehnjähriger dann einen Zehn-Kilometerlauf absolvieren könne. Kurz vor dem Waldstück verließ er mich wieder.
Ich war inzwischen deutlich langsamer geworden. Eine neue Bestzeit schien zwar möglich, aber sie sollte nicht so überragend ausfallen. Ich kam wieder am Südweststadion vorbei und bog dann rechts ab, um wieder auf die Insel im Rhein zu gelangen. Hier trennte sich die Strecke vom Hinweg. Ich lief am Ostufer der Insel entlang. Es gab hier weniger Zuschauer, da links von uns ein Park war. Als wir am Ende der Insel wieder den gemeinsamen Hin- und Rückweg erreichten, kamen wir an einer extrem dunklen Passage vorbei, wo ich aufpassen musste, nicht auf irgendwelche Hindernisse zu treten.
Ich glaube, es war auf der anderen Seite der Schneckenbrücke, wo mich die drittschnellste Frau des Marathons, begleitet von einem Fahrradfahrer, überholte. Die beiden Pacemaker für die 3:15-Stundenmarke hatten mich schon zuvor überholt. Ich sah jetzt das hintere Feld des Marathons mir entgegenkommen. Auf oder kurz hinter der Konrad-Adenauer-Brücke kam mir dann auch der langsamste Teilnehmer des Marathons entgegen. Hinter der Konrad-Adenauer-Brücke über den Rhein trennten sich Hin- und Rückweg. Ich hatte nun einen längeren Abschnitt zu absolvieren, bei dem ich zunächst an einem Red-Bull-Versorgungsstand einen Becher des gleichnamigen Getränks zu mir nahm, was ich sonst nie trank. Dann ging es einen längeren Abschnitt durch das Schloss hindurch.
Danach trafen wir wieder auf den Hinweg und waren schnell wieder in der Mannheimer Innenstadt, wo alle Straßen rechtwinklig angeordnet sind. Ich nahm Kurs auf das Ziel. Um noch eine neue Bestzeit hinzulegen, musste ich mich nun doch noch ein bisschen anstrengen. Ich lief eben, so gut es noch ging. Je näher wir dem Rosengarten kamen, umso mehr Zuschauer jubelten mir zu. Wie 2012 und 2013 ging es am Ende noch einmal eine ganze Runde um den Rosengarten, bevor ich nach einer Bruttozeit von wenig über 3:23 Stunden im Ziel war. Ich ließ mir die Medaille umhängen, auf der nur auf dem Band das Jahr zu lesen war (von einem genauen Datum ganz zu schweigen). Dann nahm ich mir ein bisschen zu essen und zu trinken und traf dabei wieder auf den Mann im Mittelrhein-Marathon-Trikot, der tatsächlich einige Minuten schneller als ich gewesen war. Wir redeten kurz miteinander und dann holte ich im Keller des Gebäudes meine Tasche ab. Ich rief meinen Vater an und bat ihn, mich mit dem Auto abzuholen. Ich musste ständig husten.
Ich begab mich zu den Duschen, die am gleichen Ort wie in den letzten Jahren waren. Ich zog mich um und ging zum Bahnhof, wo mein Vater mich abholte und nach Hause brachte. Wegen der Bahnstreiks konnte ich am nächsten Morgen schon einen früheren Zug nach Hannover nehmen, weshalb ich eine Stunde früher als geplant wieder in Bremen ankam.
Dienstag, 5. Mai 2015
Halbmarathon Winsen 2015-05-01
Der einhundertundvierzehnte Halbmarathon meines Lebens.
Der Deichlauf in Winsen.
Winsen an der Luhe liegt zwischen Hamburg und Lüneburg. Ich hatte bereits im Oktober 2012 einen Halbmarathon in Borstel-Sangenstedt absolviert. Diese Ortschaft liegt östlich von Winsen und ich hatte damals zum ersten Mal in meinem Leben einen dritten Platz erreicht. Die heutige Veranstaltung ging jedoch über eine ganz andere Strecke. Der Startbereich war im Zentrum von Winsen und die Strecke sollte auf dem Deich bis an die Elbe führen. Neben dem Halbmarathon gab es noch einige kürzere Strecken.
Meine Dauererkältung schien inzwischen auskuriert zu sein. Am letzten Wochenende hatte ich auf die Veranstaltung in der Südheide verzichtet. Nun konnte ich aber endlich wieder laufen.
Da der Halbmarathon um neun Uhr beginnen sollte, musste ich an diesem Freitag schon um fünf Uhr aufstehen. Ich frühstückte, zog meine Läuferkleidung und darüber die normale Kleidung an und ging zur Straßenbahn, die um kurz nach sechs Uhr losfuhr. Um kurz vor halb sieben Uhr war ich am Hauptbahnhof. Hier war ich ein bisschen verwirrt, da zunächst nicht eindeutig einzusehen war, von welchem Gleis der Metronom nach Hamburg abfuhr. Rechtzeitig kam ich jedoch in den Zug, der dann pünktlich abfuhr. Nach einer Stunde erreichte ich Hamburg-Harburg und wartete eine halbe Stunde lang auf den Metronom nach Uelzen. Physikalisch betrachtet handelte es sich um den gleichen Zug, in dem ich zuvor nach Harburg gefahren war.
Diese Fahrt dauerte nur zehn Minuten, bevor ich in Winsen ankam. Unterwegs nahm ich mein mitgebrachtes Brot zu mir. Als ich dann in Winsen ausstieg, musste ich einfach nur den anderen Teilnehmern hinterhergehen. Begleitet wurde ich von einem älteren Ehepaar, das heute dem Sohn beim Laufen zuschauen wollte, und einem Besoffenen, der die ganze Nacht durchgefeiert hatte.
Der Weg vom Bahnhof zum Stadtzentrum erwies sich als länger als vermutet. Es war 8:40 Uhr, als ich dort endlich ankam. In einem Gebäude konnte ich meine Startnummer und einen Zeitmesschip abholen, den ich unbedingt nach dem Rennen wieder abgeben musste, da sonst eine zweistellige Gebühr fällig werden würde. Danach ging ich auf die Toilette, zog meine Jacke aus und brachte meine Tasche zu einem Zelt, wo eine überwachte Aufbewahrung war. Inzwischen waren es nur noch wenige Minuten bis zum Start. Die Teilnehmerzahl lag bei etwa 100 Leuten. Ich hatte aus den Vorjahresergebnissen gesehen, dass ich mit meinem heutigen Leistungsstand unter die ersten zehn Finisher kommen konnte und stellte mich dementsprechend weit nach vorn. Um Punkt neun Uhr kam der Startschuss, die anderen Läufe sollten später beginnen.
Es ging nach Norden durch die Stadt. Ich hatte das Läuferfeld vor mir ganz gut im Blick. Eine Frau befand sich vor mir, sie wurde jedoch nach wenigen Kilometern überholt. Ich konnte nun sehen, dass ich mich auf Position elf befand. Noch innerhalb der Stadt überquerten wir einen Fluss, bei welchem es sich vermutlich um die Luhe handelte. Dahinter kamen wir dann auf dem Deich, auf welchem es nun kilometerlang nach Norden ging. Wir hatten hier eine schöne Übersicht. Rechts von uns war ein Feld mit einem Fluss, links von uns waren einzelne Grundstücke. Zuschauer waren überhaupt keine zu sehen, stattdessen war die Verpflegung an der Strecke extrem gut Es gab fast alle drei Kilometer Wasser und Tee zu trinken. Auch die Anzahl der Fotografen war auffallend hoch.
Das Wetter war nahezu ideal. Nachdem es anfangs noch extrem sonnig gewesen war, waren inzwischen Wolken aufgezogen. Die Temperaturen lagen noch knapp im einstelligen Bereich. Ein südländischer Läufer, welcher sich vor mir befand, wurde immer langsamer. Als ich ihn überholte, hatte ich Position zehn erreicht.
Als wir den nördlichsten Streckenpunkt erreichten, ging es an einem Park von Yachten vorbei und dann mussten wir durch einen sehr engen Tunnel, der unter einer Brücke hindurchführte. Die Ortschaft hier hieß Stöckte. Dann waren wir am Ufer der Elbe. Hier war eine Art Landstraße mit einem Fahrradweg. Der Fahrradweg war für uns Läufer vorgesehen. Die beiden Autospuren waren für Autos vorgesehen, allerdings fuhren hier nur extrem wenige PKWs. Wir liefen in Richtung Westen und ich überholte nun einen Läufer, der ein Trikot mit der Aufschrift „Polizei“ auf dem Rücken trug. Als ich ihn überholte, fragte ich ihn, ob ihm etwas von Duschen im Zielbereich bekannt sei. Er sagte mir, dass er keine Ahnung habe, da er selber nur drei Kilometer vom Ziel entfernt wohne und jedes Jahr zu Hause duschen würde. Ich verabschiedete mich von ihm und er sagte, dass wir uns dann im Ziel sehen würden.
Ich hatte bis jetzt ein relativ gutes Tempo hingelegt, wurde aber ein bisschen langsamer. Zum Glück waren alle Kilometer ausgeschildert, was mir die Geschwindigkeitsberechnung ein bisschen einfacher machte. Nach einer gewissen Strecke auf dem Fahrradweg der Landstraße bogen wir links ab. Es ging nun wieder auf einem Deich entlang. Hier verlor ich erstmals meinen Vordermann aus den Augen. Zum Glück standen genug Helfer bereit, um zu verhindern, dass ich den falschen Weg nahm. Ein weiteres Überholen war inzwischen nahezu ausgeschlossen für mich.
Wir kamen durch eine Ortschaft namens Laßrönne. Als wir diese Ortschaft wieder verließen, kamen wir auf den Fahrradweg einer Landstraße. Ich sah hier einige Läufer, die mir entgegenkamen. Der letzte von ihnen wurde von einem Radfahrer begleitet. Jetzt wurde mir klar, dass ich mich wieder auf der gleichen Strecke fand, die ich auf dem Hinweg abgelaufen hatte. Die mir entgegenkommenden Teilnehmer bildeten das Schlussfeld des Halbmarathons. Dies gab mir die Garantie, dass mir jetzt kein Teilnehmer mehr entgegen kommen würde.
Der Rückweg war nun exakt die gleiche Strecke wie der Hinweg. Ich lief die Landstraße entlang und bog dann links ab, kam durch den Tunnel hindurch und dann wieder auf dem Deich entlang. Hier war irgendwo der Wendepunkt für die 10,8-Kilometer-Strecke. Mir kamen nun ständig Walker entgegen, von denen aber nur die wenigsten Stöcke hatten, während die Mehrheit irgendwelche merkwürdigen Ringe in den Händen hielt. Ich hatte inzwischen Hunger bekommen und spürte auch leichte Schmerzen am rechten Knie.
Eine Zeit von 90 Minuten schien nicht mehr möglich zu sein. Ich wurde sogar noch von einem Halbmarathonläufer überholt, wodurch ich auf den zehnten Platz zurückfiel. Kurz darauf ging es wieder in die Stadt und zum Veranstaltungszentrum zurück. Ich überquerte die Ziellinie nach einer Zeit zwischen 90 und 91 Minuten. Eine Medaille gab es nicht, was bei einer Startgebühr von sechs Euro auch nicht zu erwarten gewesen war.
Den Zeitmesschip legte ich sofort ab. Dann holte ich meine Tasche und informierte mich, wo die Duschen seien. Zum Glück gab es Duschen, diese sollten in einem Schulgelände sein, welches ich nach kurzer Zeit fand. Ich duschte, zog mich um und ging zum Bahnhof Winsen zurück. Dort stieg ich in den nächsten Metronom. Ich schaute mir noch ein bisschen Hamburg an und kam abends wieder nach Hause.
Der Deichlauf in Winsen.
Winsen an der Luhe liegt zwischen Hamburg und Lüneburg. Ich hatte bereits im Oktober 2012 einen Halbmarathon in Borstel-Sangenstedt absolviert. Diese Ortschaft liegt östlich von Winsen und ich hatte damals zum ersten Mal in meinem Leben einen dritten Platz erreicht. Die heutige Veranstaltung ging jedoch über eine ganz andere Strecke. Der Startbereich war im Zentrum von Winsen und die Strecke sollte auf dem Deich bis an die Elbe führen. Neben dem Halbmarathon gab es noch einige kürzere Strecken.
Meine Dauererkältung schien inzwischen auskuriert zu sein. Am letzten Wochenende hatte ich auf die Veranstaltung in der Südheide verzichtet. Nun konnte ich aber endlich wieder laufen.
Da der Halbmarathon um neun Uhr beginnen sollte, musste ich an diesem Freitag schon um fünf Uhr aufstehen. Ich frühstückte, zog meine Läuferkleidung und darüber die normale Kleidung an und ging zur Straßenbahn, die um kurz nach sechs Uhr losfuhr. Um kurz vor halb sieben Uhr war ich am Hauptbahnhof. Hier war ich ein bisschen verwirrt, da zunächst nicht eindeutig einzusehen war, von welchem Gleis der Metronom nach Hamburg abfuhr. Rechtzeitig kam ich jedoch in den Zug, der dann pünktlich abfuhr. Nach einer Stunde erreichte ich Hamburg-Harburg und wartete eine halbe Stunde lang auf den Metronom nach Uelzen. Physikalisch betrachtet handelte es sich um den gleichen Zug, in dem ich zuvor nach Harburg gefahren war.
Diese Fahrt dauerte nur zehn Minuten, bevor ich in Winsen ankam. Unterwegs nahm ich mein mitgebrachtes Brot zu mir. Als ich dann in Winsen ausstieg, musste ich einfach nur den anderen Teilnehmern hinterhergehen. Begleitet wurde ich von einem älteren Ehepaar, das heute dem Sohn beim Laufen zuschauen wollte, und einem Besoffenen, der die ganze Nacht durchgefeiert hatte.
Der Weg vom Bahnhof zum Stadtzentrum erwies sich als länger als vermutet. Es war 8:40 Uhr, als ich dort endlich ankam. In einem Gebäude konnte ich meine Startnummer und einen Zeitmesschip abholen, den ich unbedingt nach dem Rennen wieder abgeben musste, da sonst eine zweistellige Gebühr fällig werden würde. Danach ging ich auf die Toilette, zog meine Jacke aus und brachte meine Tasche zu einem Zelt, wo eine überwachte Aufbewahrung war. Inzwischen waren es nur noch wenige Minuten bis zum Start. Die Teilnehmerzahl lag bei etwa 100 Leuten. Ich hatte aus den Vorjahresergebnissen gesehen, dass ich mit meinem heutigen Leistungsstand unter die ersten zehn Finisher kommen konnte und stellte mich dementsprechend weit nach vorn. Um Punkt neun Uhr kam der Startschuss, die anderen Läufe sollten später beginnen.
Es ging nach Norden durch die Stadt. Ich hatte das Läuferfeld vor mir ganz gut im Blick. Eine Frau befand sich vor mir, sie wurde jedoch nach wenigen Kilometern überholt. Ich konnte nun sehen, dass ich mich auf Position elf befand. Noch innerhalb der Stadt überquerten wir einen Fluss, bei welchem es sich vermutlich um die Luhe handelte. Dahinter kamen wir dann auf dem Deich, auf welchem es nun kilometerlang nach Norden ging. Wir hatten hier eine schöne Übersicht. Rechts von uns war ein Feld mit einem Fluss, links von uns waren einzelne Grundstücke. Zuschauer waren überhaupt keine zu sehen, stattdessen war die Verpflegung an der Strecke extrem gut Es gab fast alle drei Kilometer Wasser und Tee zu trinken. Auch die Anzahl der Fotografen war auffallend hoch.
Das Wetter war nahezu ideal. Nachdem es anfangs noch extrem sonnig gewesen war, waren inzwischen Wolken aufgezogen. Die Temperaturen lagen noch knapp im einstelligen Bereich. Ein südländischer Läufer, welcher sich vor mir befand, wurde immer langsamer. Als ich ihn überholte, hatte ich Position zehn erreicht.
Als wir den nördlichsten Streckenpunkt erreichten, ging es an einem Park von Yachten vorbei und dann mussten wir durch einen sehr engen Tunnel, der unter einer Brücke hindurchführte. Die Ortschaft hier hieß Stöckte. Dann waren wir am Ufer der Elbe. Hier war eine Art Landstraße mit einem Fahrradweg. Der Fahrradweg war für uns Läufer vorgesehen. Die beiden Autospuren waren für Autos vorgesehen, allerdings fuhren hier nur extrem wenige PKWs. Wir liefen in Richtung Westen und ich überholte nun einen Läufer, der ein Trikot mit der Aufschrift „Polizei“ auf dem Rücken trug. Als ich ihn überholte, fragte ich ihn, ob ihm etwas von Duschen im Zielbereich bekannt sei. Er sagte mir, dass er keine Ahnung habe, da er selber nur drei Kilometer vom Ziel entfernt wohne und jedes Jahr zu Hause duschen würde. Ich verabschiedete mich von ihm und er sagte, dass wir uns dann im Ziel sehen würden.
Ich hatte bis jetzt ein relativ gutes Tempo hingelegt, wurde aber ein bisschen langsamer. Zum Glück waren alle Kilometer ausgeschildert, was mir die Geschwindigkeitsberechnung ein bisschen einfacher machte. Nach einer gewissen Strecke auf dem Fahrradweg der Landstraße bogen wir links ab. Es ging nun wieder auf einem Deich entlang. Hier verlor ich erstmals meinen Vordermann aus den Augen. Zum Glück standen genug Helfer bereit, um zu verhindern, dass ich den falschen Weg nahm. Ein weiteres Überholen war inzwischen nahezu ausgeschlossen für mich.
Wir kamen durch eine Ortschaft namens Laßrönne. Als wir diese Ortschaft wieder verließen, kamen wir auf den Fahrradweg einer Landstraße. Ich sah hier einige Läufer, die mir entgegenkamen. Der letzte von ihnen wurde von einem Radfahrer begleitet. Jetzt wurde mir klar, dass ich mich wieder auf der gleichen Strecke fand, die ich auf dem Hinweg abgelaufen hatte. Die mir entgegenkommenden Teilnehmer bildeten das Schlussfeld des Halbmarathons. Dies gab mir die Garantie, dass mir jetzt kein Teilnehmer mehr entgegen kommen würde.
Der Rückweg war nun exakt die gleiche Strecke wie der Hinweg. Ich lief die Landstraße entlang und bog dann links ab, kam durch den Tunnel hindurch und dann wieder auf dem Deich entlang. Hier war irgendwo der Wendepunkt für die 10,8-Kilometer-Strecke. Mir kamen nun ständig Walker entgegen, von denen aber nur die wenigsten Stöcke hatten, während die Mehrheit irgendwelche merkwürdigen Ringe in den Händen hielt. Ich hatte inzwischen Hunger bekommen und spürte auch leichte Schmerzen am rechten Knie.
Eine Zeit von 90 Minuten schien nicht mehr möglich zu sein. Ich wurde sogar noch von einem Halbmarathonläufer überholt, wodurch ich auf den zehnten Platz zurückfiel. Kurz darauf ging es wieder in die Stadt und zum Veranstaltungszentrum zurück. Ich überquerte die Ziellinie nach einer Zeit zwischen 90 und 91 Minuten. Eine Medaille gab es nicht, was bei einer Startgebühr von sechs Euro auch nicht zu erwarten gewesen war.
Den Zeitmesschip legte ich sofort ab. Dann holte ich meine Tasche und informierte mich, wo die Duschen seien. Zum Glück gab es Duschen, diese sollten in einem Schulgelände sein, welches ich nach kurzer Zeit fand. Ich duschte, zog mich um und ging zum Bahnhof Winsen zurück. Dort stieg ich in den nächsten Metronom. Ich schaute mir noch ein bisschen Hamburg an und kam abends wieder nach Hause.
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