Dienstag, 20. Juli 2010

Halbmarathon Bremerhaven 2010-07-18



Der achte Halbmarathon meines Lebens.
Für den 6. Sparda-Bank City Marathon in Bremerhaven, den sogenannten „Lauf der Emotionen“ hatte ich mich für die 21km bereits im April angemeldet. Damals ahnte ich noch nicht, was für ein heißer Sommer in Deutschland bevorstehen sollte. Die Wetterprognosen an diesem Tag stimmten mich jedoch optimistisch: Es sollte nur 22°C warm werden.
Der Veranstalter dieses Events war der gleiche wie auch beim Marathon von Cuxhaven. Bereits vor dem besagten Tag konnte ich die entsprechenden Parallelen erkennen: Es sollte einen Marathon, einen Halbmarathon und einen 10km-Lauf geben, wobei die beiden ersteren um 9:30 Uhr starten sollten, also im Vergleich zu Hamburg eine halbe Stunde früher. Auch dadurch erhoffte ich mir Vorteile im Hinblick auf die Temperaturen.
Am Sonntag, den 18.7.2010, ließ ich mich um sechs Uhr morgens von meinem Wecker aufwecken, frühstückte, packte noch ein Brot als Proviant ein und fuhr zunächst mit dem Bus nach Bremen-Burg, von wo aus ich die Regionalbahn nach Bremerhaven-Hauptbahnhof nahm. Diese Zugfahrt dauerte eine Dreiviertelstunde. Am Hauptbahnhof, welcher von der Innenstadt und damit auch vom Startbereich etwas weiter entfernt liegt, kam ich eine Stunde vor dem Startschuss an. Es war Sonntag, und daher hätte ich auf den nächsten Bus ins Zentrum lange warten müssen. Deshalb ging ich zu Fuß dorthin. Ich musste nur einigen Männern hinterherlaufen, an deren Kleidung ich erkannte, dass diese zu der gleichen Sportveranstaltung wollten. Nach einer Viertelstunde kamen wir in der Fußgängerzone an. Dort holte ich mir in einem Verwaltungsgebäude die Startunterlagen ab, welche außer der Startnummer und dem Einweg-Transponder-Chip zur Zeiterfassung keine zusätzlichen Produkte beinhalteten.
Ich suchte daraufhin das Schulgelände auf, wo die Duschen und die Kleiderabgabe sein sollte. Da ich schon umgezogen war, musste ich nur meinen Kleiderbeutel in der Sporthalle der Schule abgeben. Ich tat dies, nachdem ich mein Brot gegessen hatte. Inzwischen waren es nur noch 15 Minuten bis zum Start. Da am Himmel keinerlei Wolken zu erkennen waren, hatte ich mich dazu entschlossen, mit Sonnenbrille zu laufen.
Ich muss dazu sagen, dass ich mich wegen der Erfahrungen in Hamburg vor drei Wochen dazu entschieden hatte, diesmal mit eigenen Wasserreserven an den Start zu gehen, falls die Distanzen zwischen den Erfrischungspunkten zu groß sein würden. Ich trug also während des Rennens meinen Gürtel, an dem vier kleine, gefüllte Wasserfläschchen hingen.
An der Startgeraden stellte ich mich ganz hinten an. Der ganze Bereich war recht überschaubar, da nur etwa 500 Halbmarathon- und 100 Marathon-Läufer anwesend waren. Es dauerte nur knapp über eine Minute, als ich nach dem Startschuss die Startlinie überquerte.
Der Kurs führte zunächst durch die Fußgängerzone entlang bis zu der Brücke, über die ich vom Bahnhof zum Startbereich gekommen war, die „Alte Drehbrücke“, auch „Steg im Bremerhavener Hafen“ genannt. Diese Brücke führte über die Geeste, ein Fluss, welcher in Bremerhaven in die Weser mündet. Diese Brücke wurde beim Marathon jedoch nicht überquert. Stattdessen führte eine Abzweigung nach links, und der Kurs führte am linken Ufer der Geeste entlang. Die Strecke war relativ eng bemessen, was aber auf Grund der geringen Teilnehmeranzahl kein Verkehrsproblem darstellte.
Nachdem die erste Verpflegungsstelle nach vier Kilometern erreicht war, wurde die Geeste schließlich doch überquert. Nun mussten die Läufer aufmerksam die Schilder beachten. Der Kurs für Marathon und Halbmarathon wich nun vom 10km-Kurs ab und führte einmal komplett durch den Bürgerpark. Die Strecke für die beiden letzteren Gruppen war übrigens identisch, die Marathonläufer mussten jedoch zwei Runden des Gesamtkurses absolvieren.
Nachdem der Bürgerpark durchquert worden war, wurde die Autobahn 27 mit Hilfe einer Brücke überschritten. Hier hörte ich einige Autofahrer (als Applaus für uns?) hupen. Hinter der Brücke wurde der Park am Klinikum umrundet. Erst als dieser Abschnitt absolviert war, wartete die nächste Verpflegungsstation auf uns. Ich war froh, meinen eigenen Wasserflaschengürtel dabei zu haben. Bei der nun folgenden Taxusstraße, dem Weg 66 und dem Höllenhammsweg wurde mir klar, dass die Gesamtstrecke größtenteils außerhalb vom Stadtgebiet Bremerhaven lag. Hier gab es kaum Zuschauer und auch Rettungskräfte sah ich keine. Es waren auch keine Bäume vorhanden, die uns vor der strahlenden Sonne schützen konnten. Dies änderte sich auf dem Rückweg ins Stadtgebiet in westlicher Richtung, welcher entlang der Geeste führte. Hier konnte ich die (für mich) seltsamsten Sorten von Schiffen beobachten, welche auf dem genannten Fluss an uns vorbeifuhren. Als wir wieder das Stadtgebiet erreichten, zog ich mein Trikot mit der Startnummer aus, da mir langsam richtig warm geworden war. Die nun wieder vorhandenen Zuschauer kommentierten dies, indem sie auf die Sonnenbrandgefahr hinwiesen. Als ich an zwei jungen Frauen vorbeikam, die jeden Läufer mit seinem Vornamen anfeuerten, hielt ich ihnen mein Trikot so entgegen, dass sie auch meinen Namen lesen und laut rufen konnten. Im Stadtgebiet waren nun wieder viele Fotografen vorhanden. Ihnen hielt ich mein Trikot mit der Nummer auch entsprechend entgegen, damit die dabei entstandenen Fotos richtig zugeordnet und später im Internet von mir wiedergefunden werden konnten.
Als ich den (laut Kennzeichnung) 21. Kilometer erreichte, stellte ich mich auf eine Zeit von etwa fünf Minuten bis zum Erreichen des Ziels ein. Ich sah mich jedoch getäuscht: Nach auffällig kurzer Zeit hatte ich die Ziellinie überschritten. Dort holte ich mir meine Medaille ab. Sie hatte, wie erwartet, mit der Medaille vom Cuxhaven-Halbmarathon große Ähnlichkeit: Die Form war ähnlich, und die Aufschrift lautete: „City Marathon Bremerhaven“. Aufgezeichnet war das Klimahaus Bremerhaven mit Beschriftung. Der Veranstalter hatte sich also wieder nicht die Mühe gemacht, zwischen Marathon und Halbmarathon zu unterscheiden. Ebenso wenig war das Jahr der Veranstaltung eingraviert. Das Datum war lediglich auf dem weiß-blauen Band aufgedruckt.
Ich griff nun bei den Getränken zu: Neben zwei Bechern Iso probierte ich auch erstmals ein alkoholfreies Weizenbier. Die Hälfte des halben Liters konnte ich trinken, den Rest schüttete ich weg.
Als ich meinen Kleiderbeutel abgeholt hatte und zum Duschen ging, hörte ich einige andere Läufer, die sich darüber unterhielten, dass der letzte Kilometer des Laufs abgekürzt worden war. Mein Gefühl hatte mich also nicht getäuscht. Allerdings konnte ich nicht beurteilen, ob der letzte Kilometer kürzer und damit der ganze Lauf kein richtiger Halbmarathon war, oder ob die Schilder, welche die Kilometer anzeigten, einfach nur in falschen Abständen postiert waren.
Nach dem Duschen lief ich zu Fuß zum Hauptbahnhof. Ich konnte gegen 12:30 Uhr den schnellen Regionalexpress zum Bremer Hauptbahnhof nehmen. So kam ich schon gegen 13:30 Uhr wieder zu Hause an.

Halbmarathon Hamburg 2010-06-27


Der siebte Halbmarathon meines Lebens.
Beim 16. Hella-Halbmarathon waren Start- und Zielgeraden an zwei verschiedenen Orten: Der Start war in St. Pauli und das Ziel an der Rothenbaumchaussee bei der U-Bahn-Haltestelle Hallerstraße. Hier befand sich auch das Veranstaltungszentrum, wo die Startunterlagen ausgegeben wurden. Ich holte diese bereits am Samstag ab, um am Tag des Rennens nicht noch früher in Hamburg sein zu müssen.
Am Sonntag schließlich stand ich um 5:15 Uhr auf und packte meine Tasche. Um 7:28 Uhr nahm ich am Hauptbahnhof Bremen den Metronom nach Hamburg. Dort kam ich kurz vor 9 Uhr am Hauptbahnhof an. Die eigentliche U-Bahn-Linie 3, die direkt zur Haltestelle „St. Pauli“ und damit zum Startort gefahren wäre, war wegen Umbauarbeiten auf Teilen der Strecke außer Betrieb. Ich musste daher umdenken. Da Sonntags nicht allzu viele S-Bahnen fuhren, beschloss ich, die nächste S-Bahn zur Reeperbahn zu nehmen, weshalb ich keine Zeit mehr hatte, am Bahnhof nach einem Ticketautomaten zu suchen. Ich fuhr also schwarz bis zur Haltestelle „Landungsbrücken“. Hier verließen die vielen anderen Halbmarathonläufer die S-Bahn und gingen zu Fuß weiter, ich ebenso. Nach wenigen Minuten waren wir bei der Startgeraden. Ich aß dort mein Brot und gab meine Tasche am entsprechenden LKW ab. Die LKWs sollten nach dem Startschuss sofort zum Zielbereich fahren, wo man dann seine Sachen wieder abholen konnte. Für 9:30 Uhr war der Start der Inline-Skater vorgesehen, für 10 Uhr schließlich der der Läufer.
Ein großes Problem war das Wetter: Es war ein richtiger Hochsommertag mit über 25 Grad und keiner einzigen Wolke am Himmel. Ich wusste jetzt schon, dass ich die Dienste jeder Verpflegungsstelle in Anspruch nehmen müsste. Auch sollte ich, wann immer möglich, im Schatten laufen, um einen Sonnenbrand zu vermeiden.
Um 10 Uhr kam der Startschuss. Da es sich hier um eine Massenveranstaltung mit mehreren tausend Teilnehmern handelte, dauerte es fast fünf Minute, bis ich die Startlinie überquerte. Es ging zunächst westwärts durch St. Pauli an den unterirdischen S-Bahn-Haltestellen Reeperbahn und Königstraße vorbei bis nach Altona und von da aus wieder an den Landungsbrücken der Elbe wieder zurück nach St. Pauli. An den Versorgungspunkten hatten die Helfer Schwierigkeiten mit dem Auffüllen der Wasserbecher. Nach der zweiten Runde ging es an der Elbe entlang Richtung Zentrum. Der Abschnitt neben dem Hauptbahnhof wurde in einer unterirdischen Straße durchlaufen, was mir auf Grund meiner Sonnenempfindlichkeit sehr entgegen kam. Als dieser Tunnel verlassen wurde, hatten wir die südliche Außenalster erreicht. Es ging auf die Kennedybrücke, auf welcher die Züge und S-Bahnen vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Dammtor fahren. Am Ende der Brücke erfolgte eine Schleife, wodurch die Brücke nun in entgegengesetzter Richtung überquert wurde. Langsam schwanden bei mir die Kräfte. Ich merkte beim Blick auf meine Uhr, dass ich meine persönliche Rekordzeit vom vorherigen Halbmarathon wegen der hohen Temperaturen nicht annähernd erreichen konnte. Die Außenalster wurde nun auf ihrer Ostseite komplett umlaufen. Bei Kilometer 17,5 war der letzte Erfrischungspunkt vor dem Ziel. Ich nahm mir zwei Becher Wasser in der Hoffnung, bis zum Ziel durchzuhalten. Das nun folgende Stadtviertel Rothenbaumchaussee war geprägt von teuren Häusern und Villen. Auf der Westseite der Außenalster ging es nun zur Zielgeraden. Ich sah einige Läufer, die zusammengebrochen waren und von Sanitätern behandelt werden mussten. Auf den letzten hundert Metern legte ich noch einen Endspurt ein. Aus dem Internet erfuhr ich später, dass meine Nettozeit 1:54:02 Stunden betragen hatte.
Im Ziel angekommen, trank ich sechs Becher mit Wasser und anderen Getränken. Hier bekam ich auch die Medaille: Sie war rund und von goldener Farbe. Auf der Vorderseite stand in der Mitte „hella 50“ und am Umfang: „16. hella hamburg halbmarathon 27.Juni 2010“.
Ich holte mir aus dem LKW meine Sporttasche wieder und ging zu den Umkleidekabinen: Man hatte die Räume der Sport-Fakultät der Hamburger Uni hierzu benutzt. Die Duschräume waren relativ groß, doch wegen des großen Andrangs wurde es auch hier ziemlich eng. Ich duschte mich, zog mich um und ging dann über den Zielbereich zur U-Bahn-Haltestelle „Hallerstraße“ wo ich, erneut schwarz, eine Station bis „Stephansplatz“ fuhr, um von dort zum Bahnhof Dammtor zu laufen. Nachdem ich dort aufs Klo gegangen war, kaufte ich mir ein Kurzstreckenticket und fuhr mit der S-Bahn eine Station bis zum Hauptbahnhof. Dort nahm ich um 13:15 Uhr den Metronom nach Bremen, um 15:00 Uhr war ich zu Hause. So konnte ich noch das WM-Achtelfinalspiel Deutschland-England im Fernsehen schauen.
Auf Grund der Temperaturen war dies für mich der bisher anstrengendste Halbmarathon.

Zweidrittelmarathon Hesel 2010-06-12

Der erste Zweidrittelmarathon meines Lebens.
Hesel ist ein Dorf in Ostfriesland. Der TSV Hesel veranstaltete an diesem Tag einen Marathon, einen Zweidrittelmarathon und einige andere Läufe. Der Zweidrittelmarathon sollte auf einer zweimal durchlaufenden Runde durch die Ortschaften Hesel, Schwerinsdorf und Firrel führen. Die Veranstaltung fand an einem Samstagnachmittag statt. Ich hatte mich einige Monate zuvor über das Internet angemeldet, da dieser Lauf nur 12 Euro kostete. Er sollte um 14.55 Uhr starten.
Um nach Hesel zu gelangen, fuhr ich zunächst mit meinem Fahrrad zum Bahnhof Bremen-Oslebshausen, wo ich für 4,50Euro eine Tageskarte für das Rad kaufte. Dort stieg ich in den Zug zum Hauptbahnhof, wo ich umstieg in den Zug nach Norddeich-Mole. Da das eigentlich Fahrradabteil schon hoffnungslos überfüllt war, musste ich mich in den Eingangsbereich eines anderen Waggons stellen. In Bad Zwischenahn schließlich leerte sich der Zug erheblich. Nach etwa 90 Minuten Fahrt kam ich in Leer an. Dort stieg ich aus und nachdem ich mir kurz die Innenstadt angeschaut hatte, suchte ich den Weg nach Hesel. Dieser war etwas schwierig zu finden, da die Hauptsrecke dorthin teilweise ohne Fahrradweg verlief. Doch das eigentliche Problem kam erst, als ich in Hesel ankam: Ich hatte gedacht, dass ich in diesem Dorf sofort das Veranstaltungszentrum finden würde. Doch dieses war ein bisschen außerhalb und von den Bewohnern konnte mir auch keiner helfen. Ich hätte mich vor der Abreise besser informieren sollen. Ich war schon kurz davor, unverrichteter Dinge wieder nach Leer zurückzufahren, als ich doch noch zum Sportplatz kam, wo die Läufe stattfinden sollten. Dort zahlte ich das Startgeld und erhielt meine Startnummer. An einer Würstchenbude aß ich eine Frikadelle und eine Bratwurst, denn ich hatte seit heute Morgen nichts mehr gegessen. Dann ging ich in das Vereinsheim zur Umkleide. Es war zwar Hochsommer, aber zum Glück nicht so warm wie in den vergangenen Tagen. Trotzdem schien überwiegend die Sonne, weshalb ich als Bekleidung ein langärmliges, helles Hemd auswählte. Meine Sonnenbrille trug ich während des gesamten Rennens.
Um 14.55 Uhr war der Start. Nur etwa 40 Leute nahmen am Zweidrittelmarathon teil. Der erste Teil der Strecke ging die Firreler Straße entlang. Der Streckenverlauf war ausgeschildert und auch jeder Kilometer war gekennzeichnet. Nach vier bzw. sieben Kilometern gab es einen Erfrischungspunkt, der letzte war erst wieder im Start-Ziel-Bereich. Nachdem der Kurs von der Straße abgewichen war, ging es zwischen Feldern hindurch, wo um uns herum vier große Windräder standen. Nachdem die Ortschaft Schwerinsdorf durchlaufen war, ging es einige Kilometer immer geradeaus durch den Wald zurück nach Hesel. Als ich nach der ersten Runde wieder durch die Start-Ziel-Geraden kam, hörte ich, wie der Kommentator ins Mikrofon sprach: „Mit der Startnummer 202, das war Siegfried XYZ*!“ Da wir vor dem Start keinen Chip zur Zeitmessung bekommen hatten, ging ich davon aus, dass die Zeit von Hand gemessen würde, was bei der geringen Teilnehmeranzahl leicht möglich war.
Die zweite Runde wurde sehr anstrengend, da mein linkes Knie Probleme machte. Ich musste teilweise einige Meter lang normal laufen und wurde von einigen Konkurrenten überholt. An den Erfrischungspunkt trank ich nacheinander Wasser, Iso und Cola und aß Äpfelstücke. Als ich im Ziel ankam, hörte ich den Kommentator sagen „Siegfried XYZ im langen Hemd! Ich werd‘ verrückt.“ Das brachte mich auf die Idee, über das Mikrofon ein Interview zu geben. Ich ging auf den Mann zu, er hielt mir das Mikro hin und ich erzählte von meiner Sonnenempfindlichkeit und der langärmligen Kleidung. Danach setzte ich mich zunächst auf eine Bank im Schatten. Ich hatte offenbar im Gesicht wenig oder gar keinen Sonnenbrand bekommen. Nach einigen Minuten ging ich in das Vereinsheim zum Duschen und Umziehen. Nach der Siegerehrung stieg ich auf mein Fahrrad und fuhr nach Leer zurück. Die Rückfahrt gestaltete sich einfach als die Hinfahrt. Die Strecke vom kleinen Dorf in die Stadt zu finden ist immer leichter als umgekehrt.
In Leer stieg ich in den Zug nach Bremen. Da dieser in Oldenburg noch etwas Verspätung hatte, kam ich erst gegen 22:00 Uhr erschöpft zu Hause an. Die Ergebnisse des Zweidrittelmarathons waren eine Woche später im Internet einzusehen.

*Alle Namen geändert

Halbmarathon Wilhelmshaven 2010-05-16


Der sechste Halbmarathon meines Lebens.
Der Gorch-Fock-Marathon: Sowohl ein kompletter Marathon als auch ein Halbmarathon und ein 10km-Lauf waren im Angebot.
Ich musste an diesem Sonntag schon um halb sechs Uhr aufstehen, da um kurz vor sieben Uhr der Zug in Bremen losfahren würde. Die Innenstadt war noch voller Werder-Fans, die am Vorabend die Pokal-Finalniederlage ihres Teams gegen Bayern München (0:4) erleben mussten. Um halb acht Uhr war ich in Oldenburg und stieg in den Zug nach Wilhelmshaven um. Dort angekommen, schaute ich mir den Bahnhof mit der Nordsee-Passage an. Der Halbmarathon sollte um 10 Uhr starten. Um 11:44 Uhr würde ein Zug von Wilhelmshaven nach Oldenburg fahren, wo ich direkt Anschluss zum Regionalexpress nach Bremen haben würde. Die Zielgeraden war etwa 700 Meter vom Bahnhof entfernt. Ich musste also nach dem Zieleinlauf sofort meine Sachen abholen und zum Bahnhof sprinten. Sollte ich diesen Zug verpassen, würde ich zwei Stunden später in Bremen ankommen.
Ich holte mir zunächst meine Startunterlagen ab. Darunter war auch ein Trikot, das auf der Rückseite vollgedruckt mit Sponsoren war. Die Zeitmessung erfolgte mit einem speziellen am Schuh zu befestigenden Chip, welcher vom Veranstalter ausgeliehen wurde. Ich mich im Zelt um und gab meine Sachen ab. Der Marathon und der 10km-Lauf waren bereits gestartet, als ich mit den etwa 600 Teilnehmern des Halbmarathons zur Startgerade ging. Um 10 Uhr ging es los. Der Kurs führt zunächst am Bahnhof vorbei in westliche Richtung, dann südlich über die Bahnlinie und dann eine Zeit lang an der Nordseeküste, allerdings hinter einem großen Damm. Hier gab es kaum Zuschauer, weshalb alles sehr ruhig war. Nach einigen Kilometern wechselte die Strecke auf die andere Seite des Dammes, wo wir nun das niedersächsische Wattenmeer bei Ebbe neben uns hatten. Es ging weiter nordwärts bis zu einem großen Hafen, wo ein Wendepunkt war. Von da aus waren es noch einige Kilometer bis zum Ziel. Ich hatte vorher erfahren, dass keine Netto-, sondern nur die Bruttozeit gemessen würde. An der Anzeigetafel im Zieleinlauf war eine große Zeitanzeige. Später erfuhr ich, dass meine Bruttozeit 1:40:02 Stunden betragen hatte. Damit hatte ich mich im Vergleich zum letzten Rennen wieder verbessert.
Beim Zieleinlauf ließ ich mir die Medaille umhängen und ging so schnell wie möglich zur Kleiderabgabe, um meine Sachen zu holen. Als ich diese in der Hand hatte, sprintete ich zum Bahnhof, um womöglich noch den Zug zu bekommen. Doch vergebens: Er fuhr pünktlich ab. Ich war nicht einmal eine Minute zu spät gewesen. Frustriert ging ich zum Veranstaltungszentrum zurück. Dort fragte ich nun nach den Duschen. Ich erfuhr, dass die Sportler mit Bussen zu den Duschen gefahren würden. Insgesamt standen aber nur zwei Kleinbussen für den offenbar sehr weiten Weg zum Duschraum zur Verfügung. Nach einiger Zeit entschied ich, doch den nächsten Zug nach Oldenburg zu nehmen. Ich fuhr also ohne geduscht zu haben um 12:44 Uhr aus Wilhelmshaven ab. Nun konnte ich die Medaille richtig betrachten: Sie war wohl die „billigste“, die ich je bekommen hatte. Die Angaben „5. Gorch-Fock-Marathon, Mai 2010, Wilhelmshaven“ auf der Vorderseite waren nicht eingraviert, sondern standen auf einem Aufkleber, der auf die Medaille aufgesetzt war. Auch auf der Rückseite befand sich ein Aufkleber mit der Adresse eine Opel-Händlers in Wilhelmshaven. Diesen Aufkleber entfernte ich später.
In Oldenburg angekommen hatte ich die Wahl, entweder noch eine Stunde auf den Regionalexpress (RE) zu warten, oder mir eine Fahrkarte für den Intercity (IC) zu kaufen. Ich entschied mich für letztes, was dank meiner Bahn-Card nicht allzu teuer (7,85€) wurde. So kam ich gegen 15 Uhr wieder zu Hause an.

Halbmarathon Hannover 2010-05-02

Der fünfte Halbmarathon meines Lebens.
Der TUIfly-Marathon: Es gab einen richtigen Marathon (Start um 9.00 Uhr), einen 10km-Lauf und einen Halbmarathon, welcher um 11.15 starten würde. Es wurde empfohlen, die Startunterlagen am Freitag oder Samstag abzuholen, da der Andrang am Sonntag sehr groß sein würde. Ich hatte ursprünglich auch vor, am Samstag die Startunterlagen abzuholen. Aber da ich Freitag erst spät ins Bett ging, hatte ich Samstag keine Lust nach Hannover zu fahren. So fuhr ich erst am Sonntag hin. Um 8.18 fuhr der Regionalexpress von Bremen nach Hannover Hbf. Unterwegs stiegen immer mehr Halbmarathon-Läufer zu, die bereits an den Vortagen ihre Starunterlagen abgeholt hatten. Dies war an den Gepäck-Beuteln zu erkennen. In Hannover wusste ich nicht, wo genau der Start war. Daher ging ich den anderen Läufern einfach nach. Wir gingen aus dem Haupteingang des Hauptbahnhofes heraus durch die Fußgängerzone bis Kröpcke, von da aus links bis zum Rathaus. Unterwegs sahen wir die bereits für den Marathon gesperrte Strecke. Wir konnten auch die Spitze des Marathonfeldes sehen: Lauter dunkelhäutige Afrikaner, die von hellhäutigen Fahrradfahrern begleitet wurde. Im Startbereich musste ich mir in einem Messe-Zelt meine Startunterlagen abholen. Entgegen der Ankündigung gab es überhaupt keine Warteschlange: Ich konnte mir direkt meine Sachen abholen. Es blieb noch viel Zeit. Ich schaute mir den umliegenden Park an. Als Duschmöglichkeit stand nur ein kleines Zelt zur Verfügung. Wenn möglich, so dachte ich, sollte ich eher einen schnellen Zug nach Hause nehmen und dann erst in meiner Wohnung in Bremen duschen. Ich zog mich um, aß wie vor jedem Rennen mein Vollkornbrot mit Rama und Salami und gab meine Sachen ab. Dann ging ich der großen Masse zur Startgeraden nach. Ich sah, dass direkt neben der Startgeraden die Zielgerade war. Da der Halbmarathon um 11.15Uhr starten sollte, bekamen wir mit, wie die ersten Finisher des Marathons ins Ziel kamen. Der Kommentator sprach von mehreren Teilnehmern, die an diesem Tag den bisherigen Marathon-Rekord in Hannover gebrochen hatten. Erst kurz vor dem Halbmarathonstart kam er auf dieses zahlenmäßig größte Rennen zu sprechen. Der Bürgermeister von Hannover, Stephan Weil, sollte auch mitlaufen. Als ich allerdings nachher im Internet dessen Zeit herausfinden wollte, musste ich feststellen, dass diese nicht angegeben war. Dann kam der Startschuss. Nach etwa zwei bis drei Minuten war ich an der Startlinie und lief los. Ich hatte meine Uhr so eingestellt, dass ich nach jedem Kilometer kontrollieren konnte, ob ich mein Ziel einhielt: Fünf Minuten für einen Kilometer. Es funktionierte. Da die Strecke immer wieder teilweise mit der Strecke der 135 Minuten früher gestarteten Halbmarathonläufer zusammengelegt war, erlebte ich etwas ganz ausgefallenes: An einer Stelle, wo sich beide Strecken wieder trennten, wurde mit Schildern ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Marathonläufer nun rechts und die Halbmarathonläufer nun links abzubiegen hätten. Schließlich wurde an der Stelle der Abzweigung noch über eine blinkende Digitalanzeige auf die Trennung der Strecken aufmerksam gemacht. Die einzelnen Läufer ordneten sich ein wie die Autos auf einer Autobahn. Am letzten Verpflegungspunkt nahm ich mir noch einen Plastikbecher mit Cola und ein Stück Banane. Als ich schließlich auf dem letzten Kilometer war, gab ich nochmal Gas. Ich wollte eine Gesamtzeit von unter 1:40:00 erreichen. Im Ziel angekommen hängte mir ein kleines Mädchen die Medaille um. Diese war von silberner Farbe und hing an einem gelben Band. Eingraviert war: "TUIfly Marathon Hannover" und „1.+2.Mai 2010“ mit einer "20", welche womöglich für die Halbmarathon-Distanz stehen könnte. Es war nun ziemlich genau 13.00 Uhr. Schnell holte ich mir meine abgegebenen Sachen wieder und joggte mit dem Beutel in der Hand Richtung Bahnhof. Meine Meinung nach würde der Zug nach Bremen um 13.15 Uhr abfahren. Es würde als knapp werden. Sollte ich zu spät kommen, so würde dies einem Alptraum gleich kommen: Verschwitzt am Bahnhof eine Stunde lang warten? Um etwa 13.18 Uhr kam ich am Hauptbahnhof in Hannover an. Welch ein Glück! An der An Anzeigetafel sah ich, dass der Zug nach Bremen erst um 13:21 Uhr abfahren würde. Ich ging ans Gleis und setzte mich in den Zug. Nun tropfte der Schweiß so richtig von meiner Stirn. Ich nahm mein mitgebrachtes Handtuch heraus und trocknete mir meine damals schulterlangen Haare und den Oberkörper ab. Gegen 14:45 Uhr kam der Zug in Bremen an. Duschen konnte ich, als ich schließlich zu Hause ankam.

Halbmarathon Cuxhaven 2010-04-11


Der vierte Halbmarathon meines Lebens.
Der vierte Sparkassen-Marathon von Cuxhaven: Es sollte einen Marathon, einen Halbmarathon, einen 10km-Lauf und einen 3-Seemeilen-Lauf geben, wobei die Strecke jeweils die gleiche (beim 3-Seemeilen-Lauf verkürzt) war: Für den Marathon vier, für den Halbmarathon zwei und für den 10km-Lauf nur eine Runde.
An diesem Sonntagmorgen fuhr ich zunächst mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof, wo mich ein Zug der Nordwestbahn ohne Umsteigen über Bremerhaven nach Cuxhaven brachte. Die Zahl der Sportler in diesem Zug stieg von Station zu Station an.
Der Lauf für Marathon und Halbmarathon sollte erst um 11:00 Uhr beginnen. Ich holte mir zunächst in der ausgewählten Sparkassenfiliale meine Startunterlagen ab. Danach ging ich in ein Schulgebäude, wo man seine Kleider abgeben konnte. Ich entschied mich dazu, in dem kurzärmligen Trikot vom Berliner Halbmarathon, welches neben mir noch einige andere Teilnehmer trugen, zu laufen. Obwohl es immer wieder leicht regnete und die Temperaturen auch nicht allzu hoch waren, verzichtete ich während der Veranstaltung auf das Tragen von Handschuhen.
Vor der Umkleidekabine unterhielt ich mich noch mit einem Briten, welcher mir in deutscher Sprache erzählte, dass er aus Bristol sei und zur Zeit Niedersachsen besuchte, wobei er die Gelegenheit nutze, das Stadtbild von Cuxhaven durch den Marathon kennenzulernen.
Der Start verlief recht schnell, da die Teilnehmerzahl nicht allzu groß war. Der Kurs führte durch die Innenstadt von Cuxhaven an die Nordsee und dann an der Küste entlang. Ich sah, wie einige Teilnehmer Fotos mit der von ihnen mitgeschleppten Kameras machten. Der Wind wehte extrem stark und sehr kalt. Ich konnte teilweise meine Hände gar nicht mehr spüren, weshalb ich es bedauerte, ohne Handschuhe an den Start gegangen zu sein. Wir liefen so nah am Ufer, dass die ein oder andere Welle uns das Meerwasser ins Gesicht spülte.
Als wir das Gebiet erreichten, an dem die (größtenteils) leeren Strandkörbe standen, wurde auch schon gewendet: Hinter einer Düne, geschützt vor dem kalten Nordseewind, führte der Kurs zurück zur Stadt. Dort überquerte ich wieder die Start-Ziel-Linie und begab mich auf die zweite Runde.
Während des gesamten Kurses hatte ich einige Verpflegungsstellen passiert, ohne dabei Gebrauch von den Wasserbechern zu machen. Die niedrigen Temperaturen ermöglichten dies.
Als ich die Ziellinie zum zweiten und letzten Mal erreichte, feuerten mich die Zuschauer so an, dass ich hier noch einmal so schnell lief, wie ich konnte. Ich hatte, wie ich nachher erfuhr, meine persönliche Rekordzeit erneut unterboten.
Im Ziel holte ich mir meine Medaille ab: Auf ihr war ein Leuchtturm mit der Aufschrift „City Marathon Cuxhaven“ eingraviert. Das Datum, 11.04.2010, war nur auf dem roten Band zu lesen. Offenbar wurde für jedes Veranstaltungsjahr sowohl für den Halb- als auch für den kompletten Marathon die gleiche Medaille vergeben.
Nachdem ich meine Kleider abgeholt, geduscht und mich wieder umgezogen hatte, ging ich zum Subway-Schnellrestaurant, wo ich einen Gutschein einlöste, der bei den Startunterlagen dabei gewesen war. Ich erreichte danach noch die Nordwestbahn nach Bremerhaven, wo ich noch Anschluss an den schnellen Regionalexpress zum Bremer Hauptbahnhof hatte. So kam ich noch gegen 16:00 Uhr zu Hause an.

Sonntag, 11. Juli 2010

Halbmarathon Berlin 2010-03-28

Der dritte Halbmarathon meines Lebens.
Der Vattenfall-Halbmarathon von Berlin: Ich hatte mir in der „Winterpause“ erstmals richtige Laufschuhe gekauft, da ich inzwischen erkannt hatte, dass ich wohl den Rest meines Lebens laufen würde, solange dies körperlich möglich war. Auch einen eigenen Champion-Chip hatte ich inzwischen erworben, für Berlin hatte ich bei der Anmeldung allerdings noch einen zum Ausleihen beantragt. Es handelte sich hierbei um einen reinen Halbmarathon. Der real-Marathon von Berlin sollte Ende September stattfinden.
Der Berliner Halbmarathon war in vielerlei Hinsicht, insbesondere auf seine Größe, etwas Besonderes: Zählt man alle Anmeldungen, also Läufer, Skater, Handbiker usw. zusammen, so kam man auf 26.000 Anmeldungen. Mehr Teilnehmer waren nicht zugelassen, weshalb nach dem Erreichen dieser Zahl keine Anmeldung mehr möglich war. Ich gehe davon aus, dass es sich hierbei um den größten Halbmarathon in Deutschland handelte. Auch die Startgebühr war rekordverdächtig: 36€ musste jeder Starter bezahlen, bei mir kamen noch einmal 6€ als Leihgebühr für den Champion-Chip dazu. Für mich persönlich wurde es überhaupt ziemlich teuer: Da Berlin außerhalb meines Semesterticket-Einzugsbereiches liegt, musste ich für die Bahnfahrt bezahlen: 29€ für die Hinfahrt und noch einmal 29€ für die Rückfahrt. Für die Übernachtung wählte ich das Ostel aus, wo eine Nacht in einem Mehrpersonenzimmer nur 15€ kostete. Dieses lag direkt neben dem Ostbahnhof, wo ich am Samstagabend mit dem ICE ankommen sollte. Der Startpunkt des Halbmarathons, der Alexanderplatz, war auch nur zwei S-Bahn-Stationen vom Ostbahnhof entfernt.
Da ich die Fahrt nach Berlin so gebucht hatte, dass ich erst gegen 23:30 Uhr am Ostbahnhof ankommen würde, gab es ein Problem mit dem Abholen der Startunterlagen. Diese wurden nämlich auf der „Vital-Messe“ ausgegeben, welche sich beim Flughafen Tempelhof befand, also ein ganzes Stück vom Alexanderplatz entfernt. Dabei wurde geraten, die Unterlagen nicht erst am Sonntag abzuholen, weil dies zu langen Wartezeiten führen würde. Zum Glück war es möglich, zur Abholung der Unterlagen eine andere Person einzusetzen, solange diese eine schriftliche Ermächtigung vorweisen konnte. Ich schrieb daher einen Zettel, auf dem ich meinen Ex-Mitbewohner X*, welcher in Berlin-Marzahn wohnte, ermächtigte, an meiner Stelle die Startunterlagen abzuholen. Er sollte mich am Samstagabend am Ostbahnhof abholen und mir die Sachen übergeben.
Dass ich für einen Halbmarathon so viel Geld ausgebe, ist eher eine Ausnahme. Ich betrachtete dieses Sportereignis jedoch auch als Gelegenheit, einen großen Teil der Innenstadt von Berlin zu sehen zu bekommen – und zwar ohne den Lärm der dort fahrenden Autos.
Am Samstagabend kam ich schließlich am Berliner Ostbahnhof an. Der Zug hatte keine Verspätung und mein Ex-Mitbewohner erwartete mich am Gleis 1. Wir begrüßten uns, und dann begleitete er mich zum Ostel, welches keine 100 Meter entfernt war. Der Weg dorthin führte jedoch zum Hinterausgang des Bahnhofs, weshalb wir durch den kompletten Durchgang der Bahngleise mussten. Dort kamen uns etliche sturzbetrunkene Passanten entgegen, die wohl zur S-Bahn wollten. Am Ostel gab mir X die Startunterlagen, unter denen auch ein blaues Trikot mit der Aufschrift „30. Berliner Halbmarathon, 28.3.2010, Vattenfall“ war. Dies rechtfertigte wenigstens einigermaßen das hohe Startgeld. Leider teilte mir X mit, dass er am Sonntagnachmittag keine Zeit für mich haben würde. Ich hatte gehofft, mit ihm zusammen essen zu gehen, und bedauerte sehr, dass ich nun die Zeit anderweitig verbringen musste. Dann verabschiedete er sich von mir und ich betrat das Verwaltungsgebäude des Ostel.
An der Rezeption bekam ich einen Schlüssel für das Zimmer sowie einen für mein Schließfach in eben diesem Zimmer, welches sich in einem anderen Gebäude befand. Als ich dieses betrat und in den zweiten Stock ging, wurde mir schon ein bisschen unheimlich: Die Treppe machte keinen guten Eindruck, ich hatte das Gefühl, dass sie jeden Augenblick einstürzen könnte. Ich betrat das Zimmer: Es befanden sich drei Doppelstockbetten darin, also insgesamt sechs Schlafplätze, von denen einer bereits belegt war. Deshalb verhielt ich mich so ruhig wie möglich und machte auch nicht das Licht an. Das nach der Nummerierung für mich vorgesehene Bett war allerdings schon benutzt, wie ich an seinem Zustand erkannte. Es hatte wohl seit mindestens einer Nacht jemand darin gelegen. Dieser jemand würde heute wohl wieder hier schlafen, die Frage war nur, wann er hierherkam. Ich überlegte daher, ob ich mich in ein anderes Bett legen sollte. Aber ich wusste ja nicht, welches Bett dieser Jemand freigelassen hatte. So blieb mir nichts anderes übrig, als die Gegenstände auf dem Bett auf den nebenstehenden Tisch zu legen und nun selber das Bett in Anspruch zu nehmen. Mir war von vornherein klar, dass ich eine kurze Nacht vor mir haben würde, da auch noch die Umstellung auf Sommerzeit bevorstand. Nachdem ich mein Gepäck im Schließfach verstaut hatte, legte ich mich hin und versuchte zu schlafen. Dies fiel mir ziemlich schwer.
Irgendwann in der Nacht kam einer der Zimmergenosse. Ich sprach ihn auf das belegte Bett an und er sagte mir, dass er und seine Freunde u.a. genau dieses Bett gebucht hätten. Sein Kollege würde allerdings sowieso erst gegen morgen früh auftauchen.
Ein paar Stunden später tauchte dieser Kollege tatsächlich auf. Er musste mich nicht wecken, denn wenn ich es einmal fertigbrachte, ein bisschen zu schlafen, so war dieser Schlaf nicht besonders tief. Als er darauf bestand, dass dies „sein“ Bett sei, wollte ich ihm meinen Schlüssel als Beweis zeigen, doch er lehnte ab und legte sich in ein anderes Bett.
Am nächsten Morgen stand ich gegen 9:00 Uhr (Sommerzeit) auf und ging in das Badezimmer, welches zu unserem Zimmer gehörte und von diesem durch eine Tür abgegrenzt war. Dort duschte ich und anschließend leerte ich mein Schließfach, um meine Tasche zu packen. Um meine Zimmerkollegen nicht zu stören, frühstückte ich mein mitgebrachtes Vollkornbrot auf dem Flur vor dem Zimmer. Ich hatte ein Messer, eine kleine Packung Rama und Salami-Aufschnitt nach Berlin mitgebracht.
Als ich fertiggefrühstückt hatte, ging ich an die Rezeption und gab dort meine Tasche ab. Ich nahm nur den Kleiderbeutel des Sportveranstalters mit und packte darin alles ein, was ich für den Halbmarathon brauchte. Dann ging ich zum Ostbahnhof, dessen Haupteingang ich nun auch einmal zu Gesicht bekam. Eine Beschreibung ist zu kompliziert. Mir kamen auch hier wieder viele betrunkene Personen entgegen, die wohl eine durchzechte Nacht hinter sich hatten.
Ich kaufte mir ein Tagesticket und ging dann zu den Gleisen, wo die S-Bahnen abfahren sollten. Es war zwar Sonntagmorgen, doch das Verkehrsangebot war ausreichend, da jede S-Bahn, die vom Ostbahnhof in Richtung Westen fuhr, nach zwei Stationen den Alexanderplatz erreichte. So kam ich dort auch zeitig an. Der Halbmarathon sollte um 10:45 Uhr starten. Vorher waren die Starts von einigen anderen Halbmarathon-Disziplinen wie Handbiker und Inlineskater.
Start- und Zielgeraden waren zwar an verschiedenen Orten, jedoch lagen diese Orte beide in der Nähe des Alexanderplatzes. Auf der Suche nach dem Zielbereich, wo die Kleiderabgabe war, bat mich eine Fotografin um ein Foto. Ich erfüllte ihr den Wunsch, wobei ich vor mich meine Startnummer hielt. So konnte ich das Bild später im Internet wiederfinden. Nun ging ich zum Zielbereich und zog mich dort um. Dann gab ich meinen Kleiderbeutel in einem der vielen LKWs ab. Hierbei war die Startnummer entscheidend dafür, welcher LKW welchen Kleiderbeutel bekam. So sollte ein größeres Chaos vermieden werden.
Nun ging ich zum Startbereich, welcher neben dem Berliner Dom lag. Hier war es bereits schön voll. Laut Statistik waren bei den Läufern mehr als 22.000 Tausend an den Start gegangen. Vor lauter Menschen konnte ich von meiner Position, welcher relativ weit hinten lag, den Anfang des Feldes nicht mehr erkennen. Um 10:45 Uhr war zwar der Startschuss, aber damit ging das Rennen für mich noch nicht los: Das Starten der Läufer nahm genug Zeit in Anspruch, wer weiter hinten war, konnte nur in normalen Schritten vorwärts gehen. Es dauerte länger als zehn Minuten, bis ich endlich die eigentliche Startgerade erreichte und loslaufen konnte. An großartige Überholmanöver konnte jedoch zunächst nicht gedacht werden, denn der erste Streckenabschnitt auf der Straße „Unter den Linden“ war nicht breit genug. Es herrschte fast schon „Stau“. Nach einem Kilometer durchquerten wir das Brandenburger Tor und nun ging es auf der Straße des 17. Juni einmal komplett durch den Tiergarten. Hier war auf der linken Seite Platz, da die meisten Leute die rechte Spur benutzten. Die Siegessäule wurde links liegengelassen. Als wir den Ernst-Reuter-Platz erreichten, lag der Tiergarten hinter uns.
Das Wetter war abwechslungsreich: Es nieselte zwischendurch ein bisschen, was mich jedoch nicht störte. Unangenehmer war die Sonne, welche immer wieder zum Vorschein kam und deren am nassen Boden reflektierten Strahlen mich oft blendeten, denn ich hatte mich dazu entschieden, meine normale Brille anstatt der Sonnenbrille aufzusetzen.
Auf der Otto-Suhr-Allee wurde mir vor Augen geführt, wie eng es auf der Strecke zuging: Eine vor mir laufende Person hatte eine Sonnenbrille verloren, welche auf den Boden fiel. Sofort, als ich stehenbleiben und das Teil aufheben wollte, rempelte mich ein weiterer Läufer von hinten an, so dass ich den Hilfe-Versuch abbrechen und (wahrscheinlich) einem der am Rande stehenden zahlreichen Zuschauer überlassen musste, denn der Vorgang spielte sich am direkt neben dem Publikum ab.
Nach sechs Kilometern war der erste Erfrischungspunkt erreicht: Ich nahm mir einen Becher mit Wasser, den ich austrank und, wie die anderen Leute auch, auf den Boden warf. Die ersten hundert Meter nach jedem Erfrischungspunkt durfte ich daher durchgehend das Geräusch von zertretenen Plastikbechern vernehmen, denn der eigentliche Straßenboden war nicht mehr zu erkennen.
Am Schloss Charlottenburg bogen wir in südliche Richtung ab, wobei die Straßen hier wieder ziemlich eng waren. Nach elf Kilometern ging es wieder ostwärts auf dem Kurfürstendamm. Ich musste hier erschrocken feststellen, dass nur die linke Seite des Kudamms für uns Läufer gesperrt war, während auf der rechten Seite Autos fahren durften. Nach etwa 15 Kilometern begann ich, ein bisschen schneller zu laufen und startete einige Überholmanöver, was wegen dem großen Verkehrsaufgebot nicht einfach war.
Als ich den Potsdamer Platz überquert hatte, lag noch ein letzter Erfrischungspunkt auf der Strecke, den ich jedoch ausließ, da ich mein Tempo nicht drosseln wollte. Kurz bevor ich die Zielgerade hatte, hörte ich die Sirene eines Krankenwagen. Ich ging davon aus, dass einer der Läufer wohl zusammengebrochen war und behandelt werden müsste. Ich erfuhr erst am Abend, als ich wieder zu Hause war, aus dem Internet, dass es beim Berliner Halbmarathon bei einem Läufer einen Todesfall gegeben hatte.
Auf der Zielgeraden lief ich noch einmal so schnell ich konnte. Im Zielbereich bekam ich als erstes meine Medaille: Sie hing an einer blauen Schnur, war goldfarben und eckig. Auf der Vorderseite stand: „30. Berliner Vattenfall Halbmarathon, 28.3.2010“, auf der Rückseite war der Fernsehturm des Alexanderplatzes eingraviert. Ich ließ mich mit der Startnummer auf der Brust und der Medaille um den Hals fotografieren. Auch dieses Bild konnte ich später im Internet wiederfinden.
Als nächstes griff ich bei den Getränken zu. Es gab auch Bananen zu essen: Die Bananen waren zwar in Stücke geschnitten, aber nicht geschält. Die Läufer mussten selber Hand anlegen. Das Ergebnis kann man sich denken: Der Asphalt, auf dem wir standen, war nicht mehr zu sehen. Der Boden war überall mit Bananenschalen bedeckt.
Nach einigen Minuten fand ich das Zelt, wo ich den ausgeliehenen Champion-Chip zurückgeben konnte. Nun ging ich zum LKW und holte meinen Kleiderbeutel ab. Einige Meter entfernt waren die Duschen: Hierzu hatte man keine richtigen Gebäude benutzt, sondern auf der Straße einzelne Zelte aufgebaut. Es waren Wasserschläuche verlegt, die an die Decke gingen und von dort aus das Wasser verteilten. Der Boden war entsprechend dreckig. Ich ging in eines der Zeltes, wo im Vorraum Holzbänke standen, auf denen ich meine Sachen ablegen konnte. Es wäre mir lieber gewesen, diesen nicht gerade mit ausreichend Platz versehenen Duschgang zu vermeiden, doch im Ostel hatte man mir gesagt, dass ein Duschen nach dem Auschecken nicht mehr möglich war.
Als ich mich dann wieder umgezogen und das Zelt verlassen hatte, ging ich zur S-Bahn und fuhr zum Ostel zurück. Dort holte ich meine Tasche, welche ich dann mit einigen anderen Sachen zusammen im Schließfach beim Ostbahnhof zurückließ, denn mein Zug nach Hannover sollte erst um 17:30 Uhr losfahren und so hatte ich noch die Möglichkeit, mir ein bisschen Berlin anzuschauen. Das tat ich dann auch. Ich fuhr die Strecke der neuen „Kanzler-U-Bahn“ und über den Potsdamer Platz zum Kottbusser Tor. Ich aß bei McDonalds und dann fuhr ich zum Hauptbahnhof, wo der Zug über Wolfsburg nach Hannover ging. Außer mir waren noch einige weitere Halbmarathonläufer in diesem Zug.
Als ich spät abends zu Hause ankam, erfuhr ich aus dem Internet meine Netto-Zeit: 1:50:39h. Ich hatte mich also im Vergleich zu meinem letzten Lauf in Oldenburg um etwa drei Minuten verbessert. Die Brutto-Zeit betrug 2:01:00h, also ein Unterschied von mehr als zehn Minuten, was an der großen Wartezeit nach dem Startschuss gelegen hatte.

*Alle Namen geändert

Mittwoch, 7. Juli 2010

Halbmarathon Oldenburg 2009-11-01


Der zweite Halbmarathon meines Lebens.
Der City-Halbmarathon: Ich hatte mich nach meinem ersten Halbmarathon in Bremen im Internet umgeschaut, wo in meiner Nähe (also im Einzugsbereich meines Semestertickets) wieder die Möglichkeit bestünde, einen Halbmarathon zu laufen. Ich entdeckte den City-Halbmarathon von Oldenburg, welcher genau vier Wochen nach dem Bremen-Marathon stattfinden sollte. Da ich mich relativ kurzfristig dafür anmeldete, war die Teilnahmegebühr entsprechend hoch. Ferner musste ich zusätzliche 6 Euro als Leihgebühr für den sogenannten Champion-Chip bezahlen: Mit diesem wurde die Zeit gemessen. Dieser Champion-Chip konnte auch käuflich erworben werden, wobei er angeblich bei etwa 80% der Lauf-Veranstaltungen zur Zeitmessung verwendet würde. Ein Kauf sollte sich also für regelmäßige Läufer lohnen.
Am Sonntag, den 1. November 2009, stand ich zeitig auf und packte meine Sachen, so dass ich um 7:57 Uhr am Hauptbahnhof mit der Regionalbahn nach Oldenburg fahren konnte. Ich hatte bereits zu Hause vor dem Aufbrechen gefrühstückt. Während der Zugfahrt aß ich mein zweites Brot, da ich nach Ankunft des Zuges in Oldenburg nicht mehr viel Zeit dazu haben sollte. Gegen Viertel vor neun Uhr kam der Zug in Oldenburg an. Ich hatte den Standort des Veranstaltungszentrums vorher bei Google-Earth ausfindig gemacht und wusste daher, in welche Richtung ich vom Hauptbahnhof aus laufen musste. Nach etwa 10 Minuten kam ich dort an. Man hatte eine einfache Schul-Sporthalle ausgewählt, wo die Taschen der Teilnehmer aufbewahrt wurden und man sich seine Startunterlagen abholen konnte. Ich tat dies, und nachdem ich mich in der Umkleidekabine umgezogen hatte, gab ich meine Sachen ab. Ich muss dazu sagen, dass die Sporthalle und die Umkleiden meiner Ansicht nach etwas zu klein gewählt waren, da die Teilnehmerzahl schon über 1000 betrug.
Um 10:00 Uhr war der Startschuss. Ich hatte mich dazu entschieden, keinen Pullover, sondern nur ein kurzärmliges Trikot zu tragen, da ich hoffte, dass mir beim Laufen schon warm werden würde. Ich bereute diese Entscheidung nicht. Der Kommentator sprach davon, dass es sich hier um den ersten Halbmarathon der Stadt Oldenburg überhaupt handelte und dass es nächstes Jahr hier einen Marathon geben sollte.
Der genaue Streckenverlauf ist auf der Karte zu sehen. Es ging zunächst durch die Innenstadt und dann durch einige Stadtteile von Oldenburg. Da es sich hier um keine Großstadt handelte, wurden auch einfach Wohngebiete durchlaufen, bei denen kein Publikum vorhanden war. Es war also insgesamt ein sehr ruhiges Rennen. Ich hatte mir diesmal vorgenommen, nicht erst auf dem letzten Kilometer Gas zu geben, sondern die letzten fünf Kilometer etwas schneller zu laufen, um somit auch eine bessere Zeit zu erreichen. Das tat ich dann auch. Ich überholte im letzten Viertel der Strecke einige Läufer, die mir nach dem Start enteilt waren. Da ich diesen Bericht erst ein dreiviertel Jahr nach dem Halbmarathon verfasst habe, kann ich mich nicht mehr an sämtliche Details erinnern. Der Bericht über den eigentlichen Lauf ist daher etwas kurz. Die Nettozeit betrug schließlich 1:52:42 Stunden. Damit war ich fast zehn Minuten schneller als in Bremen gewesen.
Ich holte mir meine Medaille ab: Sie war rund, goldfarben und alles wichtigen Details waren eingraviert: 1. City-Halbmarathon Oldenburg, 1. November 2009.
Nachdem ich meine Tasche wieder abgeholt und den geliehenen Champion-Chip abgegebene hatte, ging ich zu einem der Standorte, wo die Duschen sein sollten: Eine in der Nähe liegende Schule. Der Platz war allerdings auch hier etwas begrenzt vorhanden; beim Duschen stieß ich aus Versehen einem anderen Mann meinen Ellbogen an die Stirn.
In Oldenburg fand nach dem Halbmarathon ein verkaufsoffener Sonntag statt. Da ich auf den Zug nach Bremen noch länger warten musste, nutzte ich die Gelegenheit, mich bei Karstadt ein bisschen umzuschauen. Um 14:35 Uhr stieg ich in den Regionalexpress nach Bremen, gegen 15:30 Uhr war ich wieder zu Hause. Nun sollte eine längere Winterpause folgen. Erst am 28.3.2010 würde für mich der nächste Halbmarathon in Berlin sein.

Dienstag, 6. Juli 2010

Halbmarathon Bremen 2009-10-04


Der erste Halbmarathon meines Lebens.
Der swb-Marathon: Da ich seit meiner Zeit in Bremen immer schon längere Strecken (bis zu 17km) gejoggt war, dachte ich mir, dass ich am 4. Oktober 2009 mitlaufen sollte. An diesem Tag würde es in der Bremer Innenstadt einen Marathon (Sponsor: swb), einen Halbmarathon (Sponsor: AOK) und einen 10km-Lauf (Sponsor: Deutsche Bank) geben. Ich meldete mich bereits einige Monate vorher für den AOK-Halbmarathon an. Am Freitagabend holte ich mir die Startunterlagen ab. Darunter befanden sich auch einige „Tabletten“, welche eine leistungssteigernde Wirkung hervorrufen sollten. Ich hatte über die Anmeldeliste erfahren, dass auch zwei mir bekannte Physikstudentinnen, X* und Y*, sich für den Halbmarathon angemeldet hatten.
Am Tag des Rennens fuhr ich mit der Straßenbahn von Gröpelingen bis Walle und von da aus mit der Regionalbahn zum Hauptbahnhof. Über den Nordausgang des Bahnhofs kam ich auf die Bürgerweide, wo Start- und Ziel der Läufe waren. Ich kam gegen 10:00 Uhr an. Die vorher gestarteten Läufer der 10km-Strecke kamen in diesem Zeitraum gerade ins Ziel. Die Marathonläufer waren bereits um 9 Uhr gestartet. Meines Wissens zufolge sollte der Halbmarathon um 11:20 Uhr starten. Ich aß mein Brot, putzte mir in den Messehallen die Zähne und gab meine Sachen ab. Vorher hatte ich mein Deutschland-Trikot angezogen und mit den Sicherheitsnadeln die Startnummer auf der Brustseite angebracht. Wenige Minuten vor dem Start traf ich meinen Kommilitonen Z*, welcher seine Freundin vom 10km-Lauf abgeholt hatte. Ich beschloss, noch einmal auf die Toilette zu gehen und dann zum Startblock zu laufen. Als ich die Messehallen betrat, musste ich feststellen, dass dort niemand außer mir war. Ich dachte mir jedoch nichts dabei. Beim Verlassen des Gebäudes konnte ich sehen, wie das gesamte Feld startete. Wie ich nachher erfuhr, war der Start von 11:20 Uhr auf 11:10 Uhr vorverlegt worden. Ich geriet ein bisschen in Panik und joggte zur Startlinie. Ein kleines Kind neben mir rief: „Da kommt noch der letzte!“ Ich lief die Absperrung entlang und überquerte die Startgerade. Inzwischen hatten die Zuschauer diese wieder betreten. Als letzter lief ich dem Feld hinterher, welches ich jedoch nach wenigen Metern schon eingeholt hatte.
Es ging zunächst nördlich am Bürgerpark entlang. Dann kam der Punkt, an dem die Marathon- und Halbmarathonstrecken zusammengelegt waren. Der Weg führte auf die westliche Seite des Bürgerparks durch Finndorf in die Überseestadt. Danach ging es Richtung Osten entlang an der Schlachte bis zum Weserstadion und wieder zurück in die Innenstadt. Dort spielten mehrere Blaskapellen für uns Musik. Ich hielt mein Tempo durch, ohne absetzen zu müssen, mit Ausnahme an den Verpflegungsstellen. Als ich den Kilometer 20 erreicht hatte, wechselte ich auf eine freie linke Spur und überholte mit großen Schritten einen Teil des Feldes. Im Zieleinlauf an der Bürgerweide lief ich auch schneller als die anderen. Mir wurde eine Medaille überreicht, auf welcher eingraviert war: „5. swb-Marathon 4.10.2009“ und „21km“, um zu erkennen, dass es sich bei meiner Leistung nur um einen Halbmarathon handelte.
Nachdem ich meine Sachen wieder abgeholt hatte, wollte ich nach Hause fahren und dort duschen. Ich stieg in die Regionalbahn nach Vegesack und fuhr bis zum Bahnhof Walle. Von da aus wollte ich mit der Straßenbahn weiter nach Gröpelingen fahren. Als ich jedoch an der Haltestelle ankam, musste ich feststellen, dass die nächste Straßenbahn erst in 30 Minuten fahren würde. Da wurde mir wieder klar: Es war ja Marathon, die Stadt war ja gesperrt. Ich war ziemlich frustriert und überlegte mir, wie ich nach Hause kommen sollte. Den nächsten Zug nach Oslebshausen nehmen? Der käme erst in einer halben Stunden, ich war ja gerade aus diesem Zug ausgestiegen. Die schnellste Möglichkeit war der Weg zu Fuß, etwa 3,5km. Ich lief trotz Muskelkater bis nach Hause.
Mein erster Halbmarathon hatte trotzdem so viel Spaß gemacht, dass ich gleich im Internet nachschaute, ob demnächst wieder einer in der Nähe sein würde: Vier Wochen später in Oldenburg. Ich meldete mich sofort dafür an.

*Alle Namen geändert