Montag, 27. April 2015

Halbmarathon Gifhorn 2015-04-26

Aus Rücksicht auf meine Gesundheit habe ich schweren Herzens auf eine Teilnahme verzichtet.

Montag, 20. April 2015

Halbmarathon Hannover 2015-04-19

Der einhundertunddreizehnte Halbmarathon meines Lebens.
Der 25. Hannover-Marathon.
Der Hannover-Marathon gehört für mich zu den Pflichtveranstaltungen. Er findet jedes Jahr im April oder Mai statt und ich hatte hier seit 2010 immer den Halbmarathon absolviert. Zur 25. Auflage hatte der Hauptsponsor gewechselt. Bei diesem handelte es sich nicht mehr um TUI, sondern um HAJ. Schon seit einiger Zeit hatte ich hier einmal den kompletten Marathon absolvieren wollen, aber gerade im April gibt es zu viele andere Veranstaltungen, denen ich in dann jeweils den Vorzug gegeben hatte. Im Frühjahr 2013 war ich den Hamburg-Marathon gelaufen, im Frühjahr 2014 den Marathon an der Deutschen Weinstraße und dieses Jahr den Marathon in Rotterdam. Ich hatte mir jedoch fest vorgenommen, mich sofort nach dem heutigen Rennen für die Marathon-Auflage 2016 anzumelden, da ich aus Erfahrung wusste, dass das Datum in den Startunterlagen bekanntgegeben werden würde.
Leider war ich gesundheitlich wieder angeschlagen. Es war offenbar doch nicht so gut gewesen, am letzten Wochenende trotz Erkältung einen ganzen Marathon zu absolvieren. Seit Donnerstag hatte ich wieder mit einem Kratzen im Hals und einem verstärkten Nasenlaufen zu kämpfen. Als ich an diesem Sonntagmorgen um kurz nach sechs Uhr aufstand, war mir klar, dass ich heute nicht Vollgas würde geben können. Ich duschte, frühstückte und packte meine Tasche. Meine Läuferkleidung hatte ich bereits unter meiner Kleidung an, denn in Hannover sollte mir weniger Zeit bleiben als in den Vorjahren. Während der Start des Marathons auf neun Uhr gelegt war, sollte der Halbmarathon um 10:30 Uhr beginnen.
Um kurz vor halb acht Uhr ging ich aus dem Haus. Es war relativ kühl und noch ziemlich bewölkt. Ich nahm die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo ich von einem Mann angesprochen wurde, der die Nacht in Bremen verbracht hatte und nun nach Verden wollte. Unser Weg war also erst einmal der gleiche. Wir nahmen die Nordwestbahn über den Hauptbahnhof bis nach Verden. Dort trennten wir uns. Ich ging zum anderen Bahnsteig und wartete auf den Regionalexpress nach Hannover, welcher pünktlich eintraf. Unterwegs stiegen immer mehr Halbmarathonläufe zu. Ich zog meine Kleidung aus, sodass ich nur noch die Läuferkleidung und eine Jacke anhatte.
Um 9:40 Uhr kam der Zug in Hannover an.  Ich ging zur U-Bahn-Station und fuhr zwei Stationen bis zum Aegidientorplatz, dem Veranstaltungszentrum. Hier sah ich, wie gerade einige Top-Läufer des Marathons vorbeirannten. Die Startnummernausgabe war wie jedes Jahr im großen Zelt. Ich bekam den Starterbeutel, legte die Nummer an und gab die Tasche im LKW ab. Dann lief ich mich noch ein bisschen warm, ehe ich zur Startgeraden ging.
Wir schon im Vorjahr hatte ich eine Art Sonderstatus. Dank meiner schnellsten Halbmarathonzeit aus dem Jahre 2013 (damals in Paderborn, nochmals vielen Dank an die Deutsche Bahn) war ich Startblock A zugeteilt worden. Hier befand sich eine Art Elite. Der Startblock war von den Zuschauern durch Gitter getrennt, ich wurde jedoch durch eine Lücke vom Personal in Rugby-Kleidung hereingelassen. Von Startblock B trennte uns ein rot-weißes Absperrband, das auch von Helfern bewacht wurde. In diesem Startblock B waren die Läufer dichtgedrängt, während wie hier vorne richtig viel Platz hatten. Ich fühlte mich, als wäre ich in der Eisenbahn in der ersten Klasse.
Die Wolken waren inzwischen verschwunden und wir hatten strahlenden Himmel. Da ich wegen meiner Schwächung heute keine Jahresbestzeit anpeilte, sondern zwischen 90 und 95 Minuten laufen wollte, musste ich damit rechnen, von einigen Leuten überholt zu werden. Andererseits hatte ich die Möglichkeit, diesen Lauf einmal richtig zu genießen.
Um Punkt 10:30 Uhr ging es los. Die Strecke war exakt die gleiche wie im Vorjahr. Die Startgeraden, an der unzählige Zuschauer standen und Lärm machten, führte zuerst nach Westen und bog dann nach halblinks ab. Lins von uns war eine Wiese, auf der mir diesmal eine große Säule mit einem Denkmal auffiel. Es handelte sich dabei um die Waterloo-Säule. Hinter der Waterloo-Säule legten wir eine 180°-Kurve hin. Ich sah, dass ich für den ersten Kilometer weniger als viereinhalb Minuten benötigt hatte. Ich musste daher ein bisschen langsamer machen. Nach einer scharfen Rechtskurve kamen wir in eine ruhigere Straße nach Süden. Am Ende dieser Geraden war das Stadion zu sehen und der Maschsee erreicht. Jetzt wurde es wieder viel lauter. Wir liefen am Nordufer des Maschsee entlang und bogen dann nach rechts ab, um östlich des Sees entlangzulaufen. Auf dieser nun ziemlich langen Geraden wurde ich von einer großen Läufergruppe überholt, bei der es sich vermutlich um die Gruppe um den Pacemaker für die 1:30-Stundenmarke handelte.
Es ging bis Kilometer fünf geradeaus. Dann war der Maschsee zu Ende und vor uns befand sich eine hochgelegene Eisenbahnbrücke. Unter dieser waren die Marathonläufer vor eineinhalb Stunden geradeaus hindurch gelaufen, während wir nun nach links geleitet wurden. Hier befand sich auch der erste Verpflegungspunkt, wo es neben Getränken auch schon Obst gab. Ich nahm lediglich einen Becher Wasser zu mir.
Wir liefen nun ein Stückchen an der Eisenbahnbrücke entlang und bogen dann wieder links ab, sodass wir – ein bisschen rechts versetzt – wieder den Rückweg nach Norden in Richtung Zentrum antraten. Rechts von uns war die Straßenbahnlinie, an deren Stationen uns auch zahlreiche Zuschauer beobachteten.
Diese Gerade nach Norden war extrem lang und gehörte auch wieder zum Marathonkurs. Die Marathonläufer waren aber schon alle hier vorbei. Nach sieben Kilometern war wieder ein Verpflegungspunkt, wo ich bei einer Helferin meine Hände aufhielt, damit sie mir ein Stück Banane hineinlegen sollte. Sie legte mir aber gleich zwei Stücke hinein, die ich dann beide essen musste.
Weiter nördlich war dann der Aegidientorplatz erreicht, wo ich bei meiner Anreise das Führungsfeld hatte vorbeirasen sehen. Je näher wir dem Stadtzentrum kamen, desto lauter wurde es. Am Kröpcke in der Fußgängerzone legte ich eine Rechtskurve hin und kam dann zum Hauptbahnhof, vor welchem ich wieder rechts abbog. Wir waren hier von den Zuschauern durch Gitter getrennt.
Ich lief durch die Unterführung südöstlich des Hauptbahnhofs und direkt dahinter war Kilometer zehn erreicht, wo unsere Zwischenzeit gemessen wurde. Ich hatte bis jetzt etwa 43,5 Minuten benötigt, hochgerechnet war also sogar eine Zeit von unter 1:33 Stunden möglich. Nicht schlecht für meinen Gesundheitszustand. Schmerzen am Knie hatte ich überraschenderweise nicht.
Es ging nun durch einige engere Straßen und dann wurde es auch auf der Strecke enger, da das Schlussfeld des Marathons erreicht worden war. Ich hatte nun ständig zu überholen. Schließlich kam ich an einem Staffelwechselpunkt vorbei, wo viele Teilnehmer warteten, um endlich loslaufen zu können. Ich war mir vor dem Start dessen gar nicht bewusst gewesen, dass man sich den Hannover-Marathon auch mit mehreren Leuten teilen konnte. Da ich mein Trikot vom Wolfsburg-Marathon 2011 trug, feuerten mich einige Zuschauer auch mit „Volkswagen“ an.
Ich hatte schon vor Monaten erfahren, dass Matthias, den ich vor zwei Jahren beim Hamburg-Marathon kennengelernt hatte, heute den Hannover-Marathon laufen wollte. Ich versuchte, mir auszurechnen, wo ich ihn in etwa überholten würde, bekam ihn jedoch nicht zu sehen. Stattdessen folgte wieder eine der Stelle, wo die Teilnehmer durch aufgestellte Schilder darauf hingewiesen wurden, sich richtig einzuordnen. Halbmarathonis nach links, Marathonis nach rechts. Dann mussten beide Gruppen tatsächlich in die angegebene Richtung abbiegen. Ich war inzwischen seit einer Stunde mit konstanter Geschwindigkeit unterwegs und hatte keinerlei körperliche Beschwerden außer der Tatsache, dass ich ständig meine Nase leeren musste.
Kurz vor Kilometer 14 trafen wir wieder mit den Halbmarathonläufern zusammen. Wir liefen einen Halbkreis, waren allerdings durch Gitter voneinander getrennt. Hier kamen wir erneut an einem sehr gut besuchten Staffelwechselpunkt vorbei, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Auf dem nun folgenden, kurzen Abschnitt muss ich Matthias wohl überholt haben.
Als beide Felder wieder zusammentrafen, ging es unter der Bahnlinie hindurch. Wir waren nun wieder südlich der Gleise und kamen am Welfenschloss vorbei. Rechts von uns war wieder eine Straßenbahnlinie, an der Zuschauer standen, und auch links war die Rasenfläche voller Menschen, die das inzwischen leicht sommerliche Wetter genossen. Nach einer 150°-Kurve hatten wir dann zu unserer rechten Seite die Herrenhäuser Gärten. Ich konnte in diesem Park sehen, wie die Marathonteilnehmer dort entlangliefen. Ich selber legte am Ende des Parks eine 180°-Kurve hin und kam dann an den Autobahnzubringer, von dem eine Spur für uns Läufer gesperrt war. Nun trennten sich die Kurse ein letztes Mal. Die Marathonläufer mussten geradeaus um noch die Runde durch die Gärten zu drehen. Ich bog links ab und nach wenigen Metern war ich dann an der Stelle, wo die Kurse sich wieder vereinigten.
Es ging nun unter einer hochgelegenen Auto-Fernverkehrsstraße hindurch. Im nun folgenden Wohngebiet hatten einige Zuschauer einen Tisch aufgebaut, an dem man sich mit Bier bedienen konnte. Die Aufschrift „5,0% Alkohol“ war an jedem der Gläser angebracht. Ich überlegte kurz, ob ich zugreifen sollte, aber ich wollte wegen meines Gesundheitszustands kein Risiko eingehen.
Beim letzten Versorgungspunkt nahm ich mir noch einen Becher Wasser und bog danach auf die lange Zielgeraden ein. Einen Schlussspurt legte ich nicht ein, sondern winkte stattdessen den Zuschauern zu. Schon im letzten Jahr war die Ziellinie ein bisschen verlegt worden. Da ich noch einen guten Platz bei den Duschen haben wollte, joggte ich nun im Zielbereich weiter. Meine Helferin schaffte es nach anfänglichen Problemen, mir die Medaille umzuhängen. Sie hatte die Form einer 25 und war für alle Disziplinen gleich, lediglich das Band hatte verschiedene Farben, wie man es vom Hannover-Marathon nun einmal gewohnt ist. Meine Zeit hatte knapp über 93 Minuten betragen.
Ich nahm mir einige Dinge zu essen und verließ dann den Finisher-Bereich, um zu den LKWs weiter zu joggen. Dort bekam ich meine Tasche zurück und suchte die Duschen auf. Hier war noch jede Menge Platz vorhanden. Ich duschte, zog mich wieder an und machte mich dann per U-Bahn auf den Weg zurück zum Hauptbahnhof. Es war inzwischen richtig warm geworden. Am Nachmittag kam ich wieder zu Hause an.

Freitag, 17. April 2015

Marathon Rotterdam 2015-04-12

Der achtzehnte Marathon meines Lebens.
Der 35.Rotterdam-Marathon.
Der Rotterdam-Marathon ist der größte Marathon in den Niederlanden und hatte gerade in den letzten drei Jahren enorme Teilnehmerzuwächse. 2014 waren mehr als 10.000 Teilnehmer die Gesamt-Distanz gelaufen. Ähnlich wie in Eindhoven und Amsterdam startet der Marathon vormittags, während der Halbmarathon kurz nach Mittag beginnt (so dachte ich, lag damit aber falsch). Hier in Rotterdam gab es auch noch einen Zehn- und einen Fünf-Kilometerlauf.
Die Strecke gilt als sehr attraktiv und für jeden Sportler ist es einer der größten Träume, einmal hier laufen zu dürfen. Der Veranstalter wirbt mit Sprüchen wie „Die schönsten 42 Kilometer Ihres Lebens“ für dieses Event. Ich selber hatte auf die Teilnahme am Halbmarathon in Hamburg-Wilhelmsburg sowie in Cuxhaven verzichtet, um an diesem Wochenende hier in Holland teilnehmen zu können. Angemeldet hatte ich mich im Vorjahr, sofort, nachdem die Anmeldung im Internet freigeschaltet war.
Leider hatte ich gesundheitliche Probleme. Vor zwei Wochen hatte eine Viruserkrankung beinahe meine Teilnahme am Berlin-Halbmarathon verhindert. Sechs Tage später, am Ostersamstag, konnte ich zwar eine vorläufige Jahresbestzeit hinlegen, aber schon am darauffolgenden Montag spürte ich, dass ich mich offenbar leicht erkältet hatte. Einem Kratzen im Hals folgte nach einigen Tagen eine stark laufende Nase. Ich bekam Zweifel, ob ich tatsächlich zum Marathon antreten könne. Besonders die drohenden Langzeitschädigungen meines Körpers beunruhigten mich.
Ich konnte in der Nacht von Freitag auf Samstag nur zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens schlafen. Dann wachte ich auf und blieb bis halb sieben Uhr im Bett liegen, bevor ich aufstand und frühstückte. Ich fuhr noch zu einem Discounter und kaufte einen Zehn-Kilo-Sack Kartoffeln, von denen ich einige unter meinen Nachbarn verteilte. Dann nahm ich meine am Vortag gepackte Tasche und ging los.
Ich hatte meine Marathon-Schuhe dabei, die ich vor vier Wochen in Barcelona getragen hatte. Sie hatten sich bewährt, waren von mir allerdings seitdem überhaupt nicht mehr getragen worden. Um kurz nach acht Uhr nahm ich die Straßenbahn von Gröpelingen zum Bahnhof Walle. Erst später erfuhr ich von einer Zugbegleiterin, dass ich damit schwarzgefahren war, da bei meiner Fahrkarte (Niederlande-Spezial) kein City-Plus dabei war, das mir eine kostenlose Anschlussfahrt mit der Straßenbahn ermöglicht hätte.
Vom Bahnhof Walle aus nahm ich die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof, wo ich kurz vor halb neun Uhr ankam. Der Intercity nach Osnabrück hatte so viel Verspätung, dass ich den Zug nach Holland wohl um wenige Minuten verpasst hätte, wenn dieser nicht zufällig auch einige Minuten Verspätung gehabt hätte und am Gleis auf uns wartete. Hier fuhr ich nun zweieinhalb Stunden lang nach Westen. Unterwegs nahm ich vier Brötchen zu mir, die ich im Gepäck hatte. In Ammersfort stieg ich aus und wechselte in den holländischen Intercity, der mich in einer Stunde zum Bahnhof „Rotterdam Centraal“ brachte. Glücklicherweise befand sich meine Unterkunft nur etwa zwei Kilometer südlich des Bahnhofs.
Da in dieser Woche in Deutschland der Frühling ausgebrochen war, hatte ich nur eine dünne Jacke mitgenommen, was ich nun bereute. Ich machte mit meiner Kamera einige Bilder von der Innenstadt. Dabei gab es Momente, in denen mir der Wind orkanartig ins Gesicht wehte. Danach waren die Batterien auch leer und ich ging mit der Tasche in der Hand zum Hostel. Am Eingang lernte ich einen anderen Deutschen, Frank aus Darmstadt, kennen, der sich im späteren Verlauf als Hardcore-Ultra-Läufer entpuppte. Wir konnten unsere Zimmer noch nicht beziehen und stellten daher unser Gepäck in die Ablage, um zusammen zur Marathon-Messe zu gehen. Diese befand sich in der Nähe des Bahnhofs. Das Messegelände war nicht allzu groß. Ich bekam erst meine Startnummer mit integriertem Zeitmesschip und einem Beutel und danach noch das Trikot der diesjährigen Auflage. Es war hellgrün. Wir gingen daraufhin zum nächsten McDoof. Ich nahm hier zwei Hamburger und eine große Portion Pommes zu mir, was bis zum Abend reichen musste. Mein nun noch vorhandenes Reisegeld betrug nach Abzug der Übernachtungskosten weniger als drei Euro.
Im Hostel angekommen, zahlte ich den Preis für die Übernachtung im Acht-Bett-Zimmer. Dieser eigentliche Preis betrug 21,42€. Da das Personal aber Ein- und Zwei-Cent-Stücke nicht annahm, musste ich nur 21,40€ zahlen. Auf meinem Zimmer befanden sich sechs Frauen und ein Mann. Dieser Mann war offenbar aus Spanien und wollte morgen auch mitlaufen. Die sechs Damen bildeten eine Reisegruppe. Mit einer von ihnen hatte ich zunächst französisch gesprochen, doch dann stellte ich fest, dass der Großteil von ihnen offenbar spanischsprachig war.
Ich verbrachte den restlichen Tag auf dem Zimmer und fühlte mich langsam immer besser. Einer Teilnahme am morgigen Tag sollte nichts mehr im Wege stehen, wobei ich natürlich vorsichtig sein musste. Die Frauen auf dem Zimmer teilten mir mit, dass sie erst morgen früh gegen vier oder fünf Uhr wieder zurückkommen würden, als sie den Raum verließen. Ich erfuhr, dass zumindest eine von ihnen aus Chile war. Sie sprach mit mir spanisch.
Ich legte mich gegen 22 Uhr schlafen, da ich wirklich müde war. Gemessen an der Tatsache, dass ich in einem fremden Bett lag, konnte ich sogar relativ lange schlafen. Als die Frauen morgens wieder zurückkamen, wurde ich kurz wach. Gegen sieben Uhr war ich dann hellwach. Mir fiel auf, dass ich kaum noch Niesen musste und auch die Nase so gut wie nicht mehr lief. Die Vorzeichen standen also gut. Um 7:30 Uhr ging ich zur Toilette, verzichtete aber darauf, zu duschen. Ich zog mich um und verstaute meine Tasche im dafür vorgesehenen Raum des Hostels. Gegen ein Bestechungsgeld von drei Euro (meine letzten Reserven) wurde mir zugesichert, dass ich nach dem Marathon hier duschen dürfe. Lediglich die wertvollsten Sachen hatte ich im Starterbeutel, den ich nachher abgeben wollte. Dies war vorteilhaft, weil ich dann die schwere Tasche nicht zum Startgelände schleppen musste. Wie es im Zielbereich mit Duschen allgemein aussah, wusste ich auch nicht.
In meinem Übernachtungspreis war ein Frühstück miteinbegriffen. Ich nahm insgesamt sechs Toastbrote mit Honig zu mir. Salami gab es nicht. Am Tisch unterhielt ich mich mit einigen Leuten aus Frankreich, die hier auch zahlreich vertreten waren. Gegen halb neun Uhr verließ ich das Hostel. Ich hatte erfahren, dass es heute in Rotterdam gar keinen Halbmarathon gab, wie ich ursprünglich angenommen hatte.
Da der Start erst um zehn Uhr sein sollte, schaute ich mir noch ein bisschen die Stadt an. Ich ging auf die Erasmusbrücke, die nachher zweimal abgelaufen werden sollte. Hier konnte ich die künstlerisch merkwürdigst gestalteten Hochhäuser sehen, die um die „Nieuwe Maas“ herumstehen.
Glücklicherweise war es heute nicht so windig wie gestern. Auch regnete es nicht mehr. Es war ein relativ sonniger Tag. Ich machte mich nun auf den Weg zur Taschenabgabe. Dabei kam ich auch an der Startgeraden vorbei. Hier herrschte schon mächtig Betrieb, je mehr ich mich der Taschenabgabe näherte, die nordwestlich der Startgeraden lag. Ich zog meine Jacke aus und gab meinen Beutel bei der entsprechenden Stelle ab. Obenrum trug ich das Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2011, welches von der Farbe her dem Rotterdam-Trikot extrem ähnlich war. Startnummern gab es übrigens nicht nur für die Brust, sondern auch für den Rücken, allerdings ohne Aufdruck des Vornamens. Ich hatte noch eine ganze Packung Taschentücher bei mir, da ich davon ausgehen musste, wegen meiner Erkältung hin und wieder die Nase säubern zu müssen.
Ich begab mich nun noch einmal zu den Toiletten und wollte dann in den Bereich D der Startgeraden eintreten, welcher für mich vorgesehen war. Beim Zugang musste ich allerdings draußen warten, da die Straße schon voll war. Um Punkt zehn Uhr kam der Startschuss. Es ging dann auch relativ zügig voran. Ich konnte die Gerade betreten und war nach weniger als drei Minuten über der Startlinie.
Es ging erst einmal nach Süden, weshalb wir die Sonne im Gesicht hatten. Wir kamen an der Metrostation „Beurs“ vorbei, an welcher sämtliche Rotterdammer Metrolinien halten. Dahinter kam dann schon bald die Nieuwe Maas und wir erreichten die Erasmus-Brücke. Hier waren nun beide Fahrbahnspuren für uns Läufer gesperrt. Die linke und die rechte Hälfte der Brücke waren durch Straßenbahnschienen voneinander getrennt, aber heute fuhr hier keine Straßenbahn. Die Fußgängerwege waren für jedermann frei zugänglich. Es befanden sich hier einige Zuschauer.
Links von uns konnte ich ein Schiff sehen, welches drei Wasserfontänen in den Himmel schoss. Auf der anderen Seite der Brücke wartete schon die erste Musikband auf uns, von denen heute sehr viele an der Strecke verteilt waren. Wir liefen nun auf einer breiteren Straße entlang, die nicht mehr durch ein Wohngebiet führte. Als ich ein Schild mit Kilometer 25 sah und auf meine Armbanduhr schaute, machte mich ein anderer Läufer darauf aufmerksam, dass dieses Schild sich auf den Rückweg bezog. Wir mussten erst eine Schleife durch die Gegend südlich des Hafens laufen, bevor wir dann wieder hierher zurückkommen würden. Ich fand es ein bisschen unpassend, dieses Schild auf Vorder- und Rückseite mit der Kilometerangabe zu beschreiben.
Ich wich hier später auf die linke Spur aus, weil hier wesentlich weniger Teilnehmer waren und es daher mehr Platz gab. Wir kamen auf eine Brücke, die über sehr viele parallel verlaufende Schienen führte. Dahinter wurde Kilometer fünf erreicht und unsere Zwischenzeiten gemessen. Nun fiel mir ein, dass hier irgendwo „De Kuip“, das Stadion von Feyernoord, sein musste. Ich drehte mich um und konnte es nur noch aus der Entfernung sehen. Ich hatte es tatsächlich verpasst.
Kurz darauf kam die erste Versorgungsstelle. Zu trinken gab es hier ausschließlich Wasser aus Pappbechern. Ich hatte bis jetzt einen Schnitt von fünf Minuten pro Kilometer. Zwar war ich schon schneller gewesen, aber gemessen an meinem heutigen Gesundheitszustand konnte ich zufrieden sein. Es folgten nun Abschnitte durch ruhigere Orte von Rotterdam wo nur noch einzelne Häuser, aber keine großen Hochhäuser mehr standen. Nach einem Abschnitt durch den Südosten der Stadt kamen wir unter einer Eisenbahnstation hindurch. In dieser Unterführung wurde laut Techno-Musik abgespielt. Dahinter ging es weiter nach Süden. Nach zehn Kilometern wurden erneut unsere Zeiten gemessen und Wasser verteilt. Von nun an waren die Wasserbecher oben mit einem Schwamm abgedeckt, den man vor dem Trinken erst entfernen musste.
Wir waren nun am südlichen Stadtrand angekommen und liefen auf einem Fahrradweg kilometerlang nach Westen. Hier ging es wieder ein bisschen enger zu. Wir überquerten auch die Straßenbahnschienen. An der Strecke spielten in regelmäßigen Abständen verschiedene Bands Musik. Zuschauer waren nur vereinzelt hier. Rechts waren einzelne Häuser zu sehen, links die flache Landschaft. Eine Zuschauerin hielt eine Schale mit Gummi-Süßigkeiten bereit, wo ich natürlich gerne zugriff.
Nach einigen Kilometern ging es dann wieder nach rechts in eine Hauptstraße hinein. Als wir dort eine hochgelegene Metrostation erreichten, folgte eine Gerade nach links, an deren Wendepunkt Kilometer 15 erreicht war. Wir sahen zunächst das Feld vor und dann das Feld hinter uns. Hier war wieder ein Versorgungspunkt, wo es Wasser zu trinken gab. Da mein Frühstück schon einige Stunden zurücklag, machte ich mir Gedanken, ob es bald etwas zu essen geben würde. Es konnte doch nicht wirklich sein, dass man hier nur Wasser bekam.
Ein Stückchen weiter nördlich folgte eine Schleife nach Nordwesten. Wir kamen um einen Park herum, an dessen Ende wir an der hochgelegenen Metrolinie entlangliefen. Hier war eine erste Schwamm-Station, wo ausschließlich nasse Schwämme verteilt wurden. Ich hatte bis jetzt einige Taschentücher verbraucht, da ich immer noch leicht erkältet war. Doch nun trat ein weiteres Problem hinzu: Mein rechtes Knie begann zu schmerzen. Dieses Problem hatte ich bereits 2012 schon einmal gehabt. Es war auch der Grund, warum ich keine zwei Marathons an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden laufe, damit eine gewisse Regeneration möglich ist. Damals hatte ich einige Halbmarathons mit Knieproblemen absolvieren müssen, bevor eine dreiwöchige Pause möglich war. Meine Hoffnung war, dass sich die die Schmerzen nicht allzu sehr verschlimmern würden. Leider kam es anders.
Wir kamen an der Stelle auf die Hauptstraße zurück, wo wir vorher abgebogen waren. Dann ging es unter den Metroschienen hindurch (wieder mit Techno-Musik) und danach weiter nach Norden. Hier war nun die Halbmarathondistanz erreicht. Ich hatte etwa 1:45 Stunden dafür benötigt. Gemessen an meinem Gesundheitszustand war dies keine schlechte Leistung. Wir näherten uns nun über den Maashaven wieder der Erasmusbrücke. Da wir bis jetzt immer noch keine Versorgungsstelle mit Essensverpflegung passiert hatten, schaute ich mich genauer um. Ich sah, dass einige Zuschauer Bananen in der Hand hielten. Sollte ich einfach um eine bitten?
Am Maashaven war erst einmal eine Schwamm-Verpflegungsstelle. Ich nahm einen und wusch mir das Gesicht ein bisschen ab. Dann kamen wir wieder auf die Gerade, welche wir vorhin bereits in entgegengesetzter Richtung abgelaufen waren. Nun ging es von Süd nach Nord auf die Brücke zu. Wir kamen nun am 25km-Schild vorbei, das nun wirklich gültig war. Ich überholte dabei eine junge Läuferin, die – zumindest am linken Arm – keine Hand (mehr) hatte. Kurz darauf sah ich zwei Zuschauerinnen, von denen eine eine Banane in der Hand hielt. Ich versuchte es einfach und bettelte sie in deutscher Sprache an. Sie verstand es und gab mir das Stück. Nun hatte ich endlich etwas zu essen. Das erste Problem war damit gelöst. Leider trat ich kurz darauf mit dem rechten Fuß etwas zu stark auf und belastete damit mein Knie übermäßig, was sich sofort durch Schmerzen bemerkbar macht. Und auch im Rachen spürte ich irgendetwas. Da der Weg uns nun zurück zum Startbereich führte, überlegte ich, ob es vielleicht geraten sei, hier das Rennen abzubrechen. Doch ich entschied mich dafür, durchzuhalten.
Nun erreichten wir wieder die Brücke. Hier standen inzwischen viel mehr Zuschauer als noch am Morgen auf dem Hinweg. Für uns Läufer war diesmal allerdings nur die rechte Hälfte der Brücke zur Verfügung gestellt worden. Das Schiff mit den drei Wasserfontänen war inzwischen nicht mehr da.
Auf der anderen Seite ging es nun weiter den Weg zurück, den wir auf der Startgeraden in entgegengesetzter Richtung entlanggelaufen waren. Auf Höhe der Metrostation „Beurs“ bogen wir nach links ab, legten eine 180°-Kurve hin und kamen unter einer Unterführung durch. Auf der anderen Seite sollte nun die Schleife durch den Nordosten von Rotterdam führen. Der jetzige Abschnitt war zweigeteilt, da er auch als Rückweg für die Läufer diente. Ich konnte somit das Führungsfeld sehen. Wir kamen an sehr merkwürdig aussehenden Häusern vorbei. An einer Unterführung unter einem Häuserblock hindurch war ein Moderator, der irgendeinen holländischen Text aufsagte. Dazu wurde wieder so laut Techno-Musik gespielt, dass ich mir die Ohren zuhalten musste. Dahinter ging es durch Wohngebiete. Wir erreichten Kilometer 30. Ich beobachtete nun das Führungsfeld, welches mir entgegenkam. Die absoluten Spitzenläufer waren schon vorbei, denn ich sah nur noch Teilnehmer mit heller Hautfarbe.
Meine Schmerzen am rechten Knie wurden langsam stärker. Ich hatte die bisherigen 30 Kilometer in etwa zweieinhalb Stunden zurückgelegt, doch jetzt wurde ich langsamer und musste mich von immer mehr Teilnehmern überholen lassen. Zum Glück wurde ich von den Zuschauern auch jetzt noch mit Bananenstücken versorgt und auch immer wieder mit meinem Vornamen angefeuert.
Wir hatten jetzt noch einen Rundkurs um einen Park vor uns, an dessen Ende wir wieder auf die gemeinsame Strecke von Hin- und Rückweg zurücktreffen sollten. Als wir eine Tankstelle passierten, an der auch eine Band spielte, wurden mir sowohl Fruchtgummis als auch ein Keks angeboten, was ich jeweils dankend annahm. Obwohl hier teilweise nur vereinzelte Wohnhäuser standen, war der gesamte Straßenrand voller Zuschauer. Leider wurden meine Schmerzen im Knie so stark, dass ich Gehpausen einlegen musste. Als die Zuschauer mich mit meinem Namen anfeuerten, musste ich auf mein Knie zeigen, um zu signalisieren, dass ich wirklich körperliche Schmerzen hatte. Überraschenderweise konnte ich nach der Gehpause wieder einigermaßen normal joggen.
Plötzlich tauchten auch Zuschauer auf, die Orangenstückchen anboten.  Nach 38 Kilometern hatten wir die Nord-Ost-Schleife hinter uns und kamen auf die Strecke zurück, die gemeinsam als Hin- und Rückweg diente. Ich musste wieder kurze Gehpausen einlegen. Dabei sah ich das Feld hinter mir, in welchem ich nacheinander die Pacemaker für 4:15 sowie für 4:30 Stunden erblickte. Als ich dann den Punkt erreichte, wo der holländische Moderator war, wusste ich, dass es nicht mehr weit bis zum Ziel war. Mir waren während des Rennens ständig Zuschauer aufgefallen, die aufgeblasene Luftballons in Form der Champions-League-Trophäe hochhielten. Als ich wieder solch einen Zuschauer passierte und direkt danach einen Fotografen sah, überlegte ich mir, ob ich vielleicht diesem Zuschauer den Ballon aus der Hand reißen und mich mit ihm fotografieren lassen sollte. Jedoch verzichtete ich darauf.
Wir kamen nun auf dem Rückweg nicht durch die Unterführung, sondern liefen direkt nach rechts auf die Zielgeraden. Beim Zieleinlauf machte ich nun ein bisschen langsamer. Ich winkte den Zuschauern zu und überschritt die Ziellinie bei einer Bruttozeit von etwa 3:48 Stunden. Ich war überglücklich, nach all den Komplikationen heute noch so schnell im Ziel angekommen zu sein und hoffte, keine langfristigen Schäden davongetragen zu haben. Ich wurde von den Helfern gebeten, nach links auszuweichen und dort weiter geradeaus zu gehen. Hier sah ich nun einen Finisher, der sich unter Behandlung eines Helfers gerade übergeben musste. Rechts von mir war die Bühne, auf der gerade eine (offenbar) Altersklassensiegerehrung stattfand.
Ich ging weiter geradeaus und kam nun zu der Stelle, wo mir die Medaille umgehängt wurde. Sie war von goldener Farbe und auf der Vorderseite war die Erasmus-Brücke zu sehen. Leider stand nur der Jahrgang, nicht aber das genaue Datum darauf. Ich ging weiter nach links um die Ecke und kam zur Taschenabgabe, wo ich meinen Starterbeutel zurück erhielt. Ich hängte meine Jacke um und ging zurück zu meiner Unterkunft. Dort konnte ich meine Reisetasche wieder bekommen und dann im zweiten Stock die Duschen benutzen.
Danach machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort nahm ich um 16:20 Uhr den Zug nach Ammersfort, wo ich in den Intercity nach Osnabrück einstieg. Von Osnabrück aus fuhr ich nach Bremen und dort mit der Nordwestbahn zum Bahnhof Walle. Da ich inzwischen wusste, dass in meinem Ticket kein City-Plus enthalten war, ging ich zu Fuß nach Hause. Ich hatte auf der Heimfahrt starke Kopfschmerzen bekommen und war froh, mich gegen 23 Uhr endlich schlafen legen zu können.

Halbmarathon Paderborn 2015-04-04

Der einhundertundzwölfte Halbmarathon meines Lebens.
Der Paderborner Osterlauf.
Da am Osterwochenende kaum Laufveranstaltungen sind, treffen sich die meisten Läufer am Karsamstag in Paderborn. Für mich war es bereits das vierte Mal in Folge, dass ich hier teilnahm. Vor zwei Jahren hatte ich – dank tatkräftiger Unterstützung der Deutschen Bahn – hier meine bisherige persönliche Bestzeit hingelegt. Erst vor wenigen Wochen hatte ich erfahren, dass am Ostersonntag auch der Halbmarathon im Alten Land in Hamburg stattfinden sollte. Hätte ich dies früher gewusst, so hätte ich auf Paderborn verzichtet und diesen Halbmarathon in Hamburg vorgezogen.
Da die Teilnehmerzahl am Osterlauf in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen war, gab es diesmal eine kleine Veränderung am Veranstaltungsgelände. Das Volksfest war irgendwie eingeschränkt worden und auch gewisse Bereiche waren nur für angemeldete Läufer zugänglich. An der Laufstrecke und den Startzeiten hatte sich nichts geändert, der Halbmarathon sollte wie immer um 15 Uhr starten.
Da ich um Mitternacht noch einen Termin am Fahrkartenautomaten gehabt hatte, kam ich relativ spät zur Ruhe und stand erst gegen halb acht Uhr auf. Ich kaufte mir beim Bäcker einige Brötchen, die ich dann zu Hause verzehrte. Mein Plan sah so aus, dass ich in Paderborn vor dem Rennen noch einmal zu McDoof gehen sollte, leider kam es aber ganz anders.
Als ich meine Tasche gepackt hatte, verließ ich gegen zehn Uhr das Haus und ging zur Straßenbahn, die mich zum Bahnhof Walle brachte. Von hier aus nahm ich die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof. Zugausfälle wegen des Sturms vom vergangenen Wochenende gab es nicht mehr und der ICE nach Münster traf pünktlich ein. Dies war wichtig, weil ich in Münster nur zehn Minuten Umsteigezeit haben sollte. Als ich dann in Münster aber zum Gleis ging, wo die Eurobahn mich über Hamm nach Paderborn bringen sollte, musste ich feststellen, dass die Strecke gesperrt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden war, der mich bis Hamm bringen sollte.
Dieser Schienenersatzverkehr war ein Bus, der vor dem Bahnhof wartete. Vom Busfahrer erfuhr ich, dass die Fahrt nun wesentlich länger dauern würde als mit der Bahn. Sollte ich daher in Hamm erst den Zug eine Stunde später als geplant nach Paderborn erreichen, so blieben mir dort nur 20 Minuten um vom Bahnhof zum Veranstaltungsgelände zu gelangen, dort die Unterlagen abzuholen, die Tasche abzugeben und zur Startgeraden zu gelangen. Womöglich würde ich heute entweder gar nicht laufen können oder von ganz hinten starten müssen.
Als der Bus dann in Hamm eintraf, kaufte ich mir am Bahnhof drei Salami-Brötchen und ging dann zu dem Bahnsteig, wo der nächste Zug nach Paderborn fahren sollte. Überraschenderweise gab es hier auch einen Regionalexpress der Deutschen Bahn, der nicht an jeder Station hielt. Ich bestieg ihn und kam um halb drei Uhr in Paderborn an. Während der Fahrt hatte ich bereits auf der Toilette meine Läuferkleidung angelegt. Am Bahnhof war ein großes Plakat „Willkommen in der Bundesligastadt Paderborn“ aufgehängt.
Nun hatte ich noch dreißig Minuten Zeit, weshalb ich nicht mit der schweren Tasche in der Hand herumrennen musste. Ich ging den bereits bekannten Weg zum Maspernplatz, wo mir schon zahlreiche Teilnehmer mit den diesjährigen rechteckförmigen Medaillen entgegenkamen, die die kürzeren Strecken absolviert hatten. Bei der Ausgabe der Startunterlagen in der Sporthalle waren nun überwiegend Teilnehmer der kleineren Läufe, die sich ihre Urkunden ausdrucken lassen wollten. Da ich meine Startnummer auswendig wusste, konnte man mir den Briefumschlag schnell aushändigen. Ich ging daraufhin zur Taschenabgabe und befestigte dann die Startnummer an meinem Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2011. Auf der Toilette nahm ich noch einen Schluck Wasser und begab mich dann zur Startgeraden.
Ich fühlte mich heute gesund und wollte eine neue Jahresbestzeit laufen. Daher hatte ich keine Lust, mich ganz hinten anzustellen, sondern stieg an einer Stelle über die Umzäunung, sodass ich an der Startgeraden relativ weit vorne war. Wie jedes Jahr wurde dieses Event von Wolf-Dieter Poschmann moderiert. Der Startschuss kam pünktlich um 15 Uhr und ich war bereits wenige Sekunden später über der Startlinie.
Verständlicherweise ging es anfangs noch ein bisschen eng zu. Ich musste immer wieder ausweichen, um überholen zu können. Für den ersten Kilometer hatte ich dann etwa vier Minuten und 15 Sekunden gebraucht. Nun ging es auf die Brücke, welche die beiden Kurshälften voneinander trennte. Rechts von uns lag der nordöstliche Abschnitt, den wir zuerst ablaufen mussten. Die Brücke führte über den Güterbahnhof. Auf der anderen Seite ging es nach unten und dann kam die Abzweigung nach rechts. Mich verwirrten die Kilometerschilder ein wenig. Es waren sowohl die Kilometerstände für die erste als auch für die zweite Runde des Halbmarathons angegeben und zusätzlich noch die Anzeigen für den Zehn-Kilometerkurs.
Nach vier Kilometern kam der erste Verpflegungsstand, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Ich war inzwischen im Feld so weit vorne, dass genug Platz vorhanden war. Hinter dem Verpflegungsstand bogen wir nach rechts in eine große Straße ein, wo ein Moderator mit Mikrofon einzelne Namen durchgab. Am Ende dieser Straße erreichten wir dann wieder die Brücke, auf deren anderer Seite wir rechts abbogen, um den westlichen Teil des Kurses abzulaufen. Noch auf der Brücke waren Geräte aufgebaut, um unsere Zwischenzeiten zu messen. Ich hatte für die ersten fünf Kilometer ziemlich genau 21 Minuten benötigt.
Am nächsten Verpflegungsstand konnte ich das Spitzenfeld sehen, welches uns entgegenkam. Die dunkelhäutigen Läufer waren allerdings schon alle hier gewesen. Hier war auch ein weiterer Verpflegungspunkt, wo ich erneut Wasser bekam. An einem weiteren, inoffiziellen Verpflegungspunkt nahm ich mir nichts, sondern bog nach links in das Wohngebiet ein, wo die Rettungsfahrzeuge aufgestellt waren. Hier war zu spüren, dass es heute nicht gerade windstill war. Hatte ich im Moment Rückenwind, so änderte sich dies schlagartig, als ich nach zwei Linkskurven in die entgegengesetzte Richtung lief.
Auf der nun folgenden Geraden, kurz vor Kilometer acht, stand das Haus, an welchem die Anwohner eine Tafel aufgebaut hatten, an der die Bundesligazwischenstände abzulesen waren. Es war erst kurz nach 15:30 Uhr, aber Leverkusen führte schon mit 1:0 gegen den HSV.
Nach einer Links-Rechts-Kurve erreichten wir die lange Geraden, auf der ich vorhin das Spitzenfeld gesehen hatte. In einer langgezogenen Kurve befand sich der letzte Verpflegungspunkt. Dann waren wir auch schon wieder an dem Park, der sich neben dem Veranstaltungszentrum befand. Ich hatte für die ersten zehn Kilometer etwa 42 Minuten benötigt, eine neue Jahresbestzeit wäre noch möglich gewesen. Mir waren zwei relativ kleine, aber schnelle Frauen aufgefallen, die sich vor mir befanden. Diese konnte ich mit zwei Zwischensprints überholen, noch bevor ich die Zielgeraden erreichte.
Hier legte ich eine 180°-Kurve hin und machte mich nun auf den Weg in die zweite Runde. Wolf-Dieter Poschmann gab gerade das 1:0 von Leverkusen bekannt. Als ich nun die Startgeraden wieder hinter mir hatte, wurde mir bewusst, dass mich heute wohl kein Läufer mehr überrunden würde, wie dies vor drei Jahren der Fall gewesen war.
Während ich zum Ende der ersten Runde hin ein bisschen langsamer geworden war und mich immer wieder hatte überholen lassen müssen, konnte ich nun mit der Geschwindigkeit leicht zulegen. Besonders an den Stellen, wo es Rückenwind gab, spürte ich dies. Als ich auf der Ostschleife wieder die Stelle hinter dem Versorgungspunkt erreichte, nannte der Moderator meinen Namen und meine Herkunftsstadt. Als ich dann wieder die Brücke erreichte, sah ich das Läuferfeld hinter mir. Auf dem Weg nach unten wurde dann wieder meine Zwischenzeit gemessen.
Auf der Schleife durch die westlichen Wohngebiete wurde ich nun von einem Motorrad begleitet, welches von zwei Leuten besetzt war. Der Hintermann hatte eine Kamera dabei und drehte offenbar einen Film vom Halbmarathon.
Als ich zum zweiten Mal das Haus erreichte, wo ich die Bundesligastände ablesen konnte, sah ich, dass Leverkusen schon mit 2:0 führte. Es war nun Halbzeit. Für mich selber schien eine Zeit von unter 1:28 Stunden möglich. Als ich nach 20 Kilometern schon wieder in der Nähe des Parks war, sah ich einige Anwohner von denen einer ein Mikrofon in der Hand hielt. Ich winkte ihnen zu und er gab durch, dass er meinen Namen leider nicht lesen könne. Daraufhin drehte ich mich noch einmal um und zeigte ihm meine Startnummer. So konnte er meinen Namen doch noch in sein Mikrofon brüllen.
Vor der Zielgeraden beschleunigte ich noch einmal. Dann bog ich nach rechts auf die Zielgeraden ein. Da mein Vorder- sowie mein Hintermann größere Abstände zu mir hatten, wurde mir tatsächlich die Ehre zuteil, dass Poschmann meinen Vornamen nannte. Ich ließ mir die Medaille umhängen und ging dann unter der Unterführung durch, um meine Tasche abzuholen. Mit dieser Tasche begab ich mich in die Sporthalle, wo ich duschen konnte. Als ich wieder nach draußen ging, sah ich, dass hier tatsächlich kontrolliert wurde, dass auch nur Läufer diesen Bereich betreten und verlassen konnten.
Ich ging zum Bahnhof und fuhr mit der Westfalenbahn nach Herford. Wegen der Zugbindung wartete ich hier eine Stunde, bis ich mit der Westfalenbahn weiter nach Osnabrück fuhr. Wegen Bauarbeiten und anderen Verspätungen hatte der Intercity nach Bremen genau so viel Verspätung, dass ich die Nordwestbahn nach Walle exakt genau eine Minute verpasste. So kam ich erst gegen 22:30 Uhr in zu Hause an.