Dienstag, 24. August 2010

Halbmarathon Osnabrücker Land 2010-08-21

Der neunte Halbmarathon meines Lebens.
Meine erst im Dezember erworbenen Laufschuhe machten Probleme: Ich hatte sie zwar erst über 600km getragen, doch ich bekam inzwischen wieder Probleme mit meinem rechten Knie: Konnte ich zwischendurch über 30 Kilometer am Stück laufen, so spürte ich nun schon nach etwa 15 Kilometern den mir bekannten Schmerz im Knie. Ich hatte mich daher vor zwei Wochen bei Intersport beraten lassen und mir Laufschuhe für 160 Euro andrehen lassen. Zusätzlich wurden mir dort noch spezielle Socken aufgeschwatzt, welche mit 13 Euro zu Buche schlugen. Die ersten Trainingseinheiten stellten mich jedoch zufrieden: Ich lief 5km, 10km und 23km, ohne dass dabei irgendwelche Probleme auftraten.
Für den 7. Osnabrücker Land Marathon hatte ich mich bereits ein halbes Jahr vorher angemeldet. Im Internet sah ich, dass bis einen Tag vor der Veranstaltung die Zahl der angemeldeten Teilnehmer bei fast 400 lag. An diesem Samstag, den 21. August 2010, sollten in Bissendorf ein Marathon, ein Halbmarathon, ein 11- und ein 5-Kilometerlauf stattfinden. Bissendorf lieg im Osnabrücker Land, etwa 10 Kilometer vom Zentrum Osnabrücks entfernt.
Der Wetterbericht verunsicherte mich: Der Sommer sollte zurückkehren, zwar nur für kurze Zeit, aber was den Temperaturverlauf angeht, so sollte der Höhepunkt genau am besagten Samstag eintreffen. Es sollte etwa 27°C warm werden.
Da der Halbmarathon erst um 16:30 Uhr startete, konnte ich an diesem Tag zu Hause frühstücken und Mittagessen. Ich fuhr danach mit dem Fahrrad nach Oslebshausen, wo ich gegen 12:30 die Regionalbahn zum Bremer Hauptbahnhof nahm. Für mein Fahrrad musste ich ein Tagesticket im Wert von 4,50€ kaufen.
Am Hauptbahnhof wartete ich auf den Regionalexpress nach Osnabrück. Als dieser Zug ankam, musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige Fahrgast war, welcher sein Fahrrad als Gepäck mit sich schleppte: Es wurde im Fahrradabteil richtig eng. Ich befürchtete schon, den nächsten Zug nehmen zu müssen, da die Zugbegleiter es mir verboten, mein Fahrrad irgendwo außerhalb des dafür vorgesehenen Bereiches im Zug unterzubringen. Doch die Räder wurden so eng gepackt, dass der Platz ausreichte. Glücklicherweise hatten sämtliche Reisende mit Fahrrad genauso wie ich den Hauptbahnhof Osnabrück zum Ziel, wodurch ein Chaos bei den Zwischenhalten des Zuges vermieden wurde. Man stelle sich nur vor, ein Reisender hätte mit seinem Fahrrad, welches von anderen Rädern zugeparkt war, an einer früheren Station aussteigen wollen!
Ich hatte mir den Weg nach Bissendorf notiert. Als ich in Osnabrück aus dem Zug stieg, schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr los. Die Strecke war nicht kompliziert. Im Prinzip ging es immer die gleiche Hauptstraße entlang, aus dem Zentrum heraus. Neben dieser Hauptstraße war ein markierter Fahrradweg, den ich benutzte. Als ich Osnabrück verlassen hatte, führte der Weg eine längere Strecke bergab, so dass ich laut meines Fahrradcomputers eine bisher von mir noch nie überschrittene Geschwindigkeit von 44 km/h erreichte.
Nach einer halben Stunde kam ich in Bissendorf an. Es war inzwischen 15 Uhr nachmittags. Das Veranstaltungszentrum war, anders als in Hesel, unübersehbar. Der Start-Ziel-Bereich befand sich neben dem Sportgelände eines Schulzentrums. An einem der Stände konnte ich meine Startunterlagen abholen: Sie bestanden nur aus der Startnummer und einem Gutschein, welcher es mir ermöglichen sollte, in zwei Wochen eine DVD mit Bildern und Videos der Veranstaltung zu bekommen.
Die Teilnahmegebühr betrug nur zwölf Euro. Es gab auch Trikots mit der Aufschrift „Marathon Osnabrücker Land“ zu kaufen, und zwar die Auflagen von diesem Jahr für zwölf Euro, sowie die Version der beiden Jahrgänge zuvor, welche etwas günstiger waren.
Die Umkleidekabinen befanden sich ein paar Meter entfernt bei der Sporthalle der Schule. Ich ging dorthin und zog mein grünes Trikot vom Wilhelmshavener Halbmarathon an. Von anderen Sportlern in der Umkleide erfuhr ich, dass für die Aufsicht des Gepäcks niemand zuständig war. Angeblich könne man seine Sachen in der Kabine stehen lassen, es wäre in den letzten Jahre noch nie etwas abhanden gekommen. Ich nahm lediglich eine Packung Taschentücher für unterwegs mit, in die ich allerdings auch meine mitgebrachten Geldscheine steckte. Mein Schlüsselbund ließ ich mit einem etwas mulmigen Gefühl in der Kabine zurück. Ich hatte mich entschieden, während dem Laufen meine Sonnenbrille zu tragen. Der Himmel war zwar nicht wolkenlos, aber es stellte sich später heraus, dass die Entscheidung für die Sonnenbrille die richtige war.
Im Startbereich gab es einen Grillstand, wo ich mir eine Bratwurst kaufte, da mein Mittagessen nun schon einige Stunden zurücklag. Dann ging ich, wie die anderen Sportler, zur Startgeraden. Der Marathon hatte bereits um 15:30 Uhr begonnen. Diese Läufer hatte die gleiche Strecke vor sich, mussten jedoch zwei Runden zurücklegen. Über Lautsprecher verkündete der Moderator, dass sich inzwischen der Bürgermeister von Bissendorf eingefunden habe, leider aber nicht selber mitlaufen werde.
Um 15:30 kam der Startschuss. Ich hatte vorher erfahren, dass die Zeiten der Läufer manuell gemessen werden sollten: Für jeden einzelnen Teilnehmer würde die Zeit beim Erreichen des Ziels von den Mitarbeitern notiert werden. Es ging zunächst in östliche Richtung, von Bissendorf weg, zwischen Feldern entlang, wobei der Boden allerdings asphaltiert war. Es war eine wunderschöne Umgebung. Insgesamt sollten auf der Strecke Höhenunterschiede von etwa 20 Metern zu erwarten sein. Die Sonne stand bereits im Westen, weshalb sie mir daher anfangs den Rücken zukehrte. Nach vier Kilometern war der erste Verpflegungsstand erreicht. Hier gab es neben Trinkwasser auch Melonen und andere Obstsorten zu essen, ich beschränkte mich jedoch während des gesamten Laufs auf das Trinken.
Als nach sechs Kilometern die Gegend des Hasetals erreicht wurde, war unsere Strecke nur wenige Meter von der Bahnlinie entfernt. Ich konnte nun eine sogenannte „Westfalenbahn“ sehen, die gerade von Münster nach Osnabrück fuhr.
Der Streckenverlauf war bei jeder Verzweigung ausgeschildert. Bis zu diesem Streckenpunkt war der Boden asphaltiert, jedoch handelte es sich um Wege, die in der Regel wohl nur von landwirtschaftlichen Fahrzeugen benutzt wurden, es gab also keine Autos, für die wir hätten Platz machen müssen. Zuschauer waren allerdings auch keine vorhanden, die Atmosphäre war also viel ruhiger als bei einem Marathon in der Großstadt.
Nach etwa sieben Kilometern fing mein rechtes Knie an zu schmerzen. Es war der gleiche Schmerz, den ich sonst immer im linken Knie spürte, wenn ich in abgelaufenen Schuhen zu lange Strecken absolvierte. Ich bekam große Sorgen, da ich ja erst nur ein Drittel der Strecke hinter mir hatte. Erfahrungsgemäß konnten mich diese Schmerzen am Laufen extrem hindern. Die einzige Möglichkeit, diesen Schmerzen ein Ende zu setzen, war es, das Rennen abzubrechen. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte unbedingt ins Ziel kommen und meine Medaille bekommen.
Ich machte eine kurze „Pause“, in der ich ganz normal „ging“, um nach ein paar Meter wieder weiter zu joggen. Da wurde ich von einer anderen Läuferin angesprochen, die sich mit mir kurz unterhielt. Sie sagte mir, dass dies ihr erster Halbmarathon sei. Angeblich habe sie auch ein Problem im Knie. Leider musste ich dieses Gespräch nach wenigen Minuten abbrechen, da ich wieder eine „Pause“ einlegen musste, in der sie davonzog. Kurz darauf wurde ich vom ersten Marathonläufer „überrundet“.
Ich hatte nun leider keinen Blick mehr für die wunderschöne Umgebung. Wir kamen an Bauernhöfen mir Kühen und Pferden vorbei, aber ich musste mich darauf konzentrieren, irgendwie durchzuhalten. Zusätzlich machte mir die Hitze immer mehr zu schaffen. Zum Glück waren genug Verpflegungsstellen vorhanden, an denen ich immer zwei Becher mit Wasser, Cola oder Iso trank.
Nach jedem ausgeschilderten Kilometer machte ich eine kurze Pause, in der ich normal weiterging, um dann wieder schneller zu laufen. Inzwischen war es 18 Uhr abends geworden, ich lief in westlicher Richtung und die Sonne schien mir direkt ins Gesicht. Ich war froh, mich für meine Sonnenbrille entschieden zu haben.
Als ich Bissendorf in westlicher Richtung erneut durchquerte, gab es eine Stelle, die für zwei Abschnitte benutzt wurde: Hier kamen mir einige Läufer entgegen, die mir einige Kilometer voraus und damit kurz vor dem Ziel waren.
Seltsamerweise wurde ich auf den letzten Kilometern während meiner „Geh-Phasen“ nur noch von wenigen Läufern überholt, und wenn dies geschah, so konnte ich diese Leute immer wieder selber überholen, wenn ich anfing, wieder schneller zu laufen. Denn das normale Gehen schmerzte mich im Knie fast stärker als das schnellere Laufen.
Nach über zwei Stunden und fünf Minuten kam ich im Ziel an. Der Sprecher sagte meine Startnummer und meinen Namen an. Ein kleines Mädchen hängte mir im Ziel die Medaille über. Ich legte mich völlig erschöpft neben einigen anderen Sportlern im Gras nieder. Dort liegend, betrachtete ich nach einiger Zeit meine Medaille: Sie war eine der hergestellten Standard-Medaillen, ähnlich wie die vom Wilhelmshavener Marathon. Allerdings war diesmal auf der Rückseite keine Werbung zu finden; diese befand sich vielmehr auf dem gelben Band, wo für einen Freizeit- und Reiseveranstalter geworben wurde. Auf der Vorderseite der Medaille befand sich ein runder Aufkleber, auf dem neben der Aufschrift „Gemeinde Bissendorf“ mit einem kleinen Bild noch die Aufschrift „7. Osnabrücker Land Marathon, 21.8.2010“ zu lesen war. Es wurde also nicht zwischen Marathon- und Halbmarathon-Finishern unterschieden, was bei einer Startgebühr von zwölf Euro auch nicht zu erwarten war.
Als ich wieder aufstand, spürte ich nun so richtig die Schmerzen in meinem Knie. Ich konnte nicht mehr richtig laufen. Ich musste mein rechtes Bein steif halten und somit hinken, um schmerzfrei vorwärts zu kommen. Ich trank ein Erdinger alkoholfrei und (gegen Bezahlung) ein Krombacher alkoholfrei. Als ich bei dem Stand, wo es die Trikots zu kaufen gab, vorbeikam, entschied ich mich, eines vom jetzigen Jahrgang zu erwerben, da ich enorm stolz war, trotz der Knieprobleme das Ziel erreicht zu haben. Das T-Shirt war von brauner Farbe und auf der Vorderseite stand „7. Osnabrücker Land Marathon, Gemeinde Bissendorf“ geschrieben. Die Verkäuferin sagte mir, dass nächstes Jahr die Veranstaltung wieder am gleichen Wochenende stattfinden würde. Ich hoffte, dass sich mein Knieproblem bis dahin beheben lassen würde, denn ich hatte den Wunsch, den Halbmarathon noch einmal schmerzfrei absolvieren zu können, und dabei der wunderschönen landschaftlichen Umgebung mehr Aufmerksamkeit schenken zu können.
Nachdem ich in der Sporthalle geduscht hatte, packte ich meine Sachen und fuhr mit dem Fahrrad nach Osnabrück zurück. Dies erwies sich als ziemlich anstrengend, da mein Knie auch beim Radfahren schmerzte. Ich musste mit den Armen auf mein rechtes Bein drücken, um Gas zu geben. Um halb neun Uhr abends, als ich schon richtig müde war, nahm ich den Zug nach Bremen. Um halb elf Uhr kam ich schließlich völlig erschöpft zu Hause an. Ich schlief schließlich bis um zehn Uhr am nächsten Morgen.
Ich hoffe, dass sich mein Knieproblem bald löst, denn irgendwann möchte ich auch mal einen kompletten Marathon laufen.