Der fünfundsiebzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 30. Internationaler Trierer Stadtlauf.
Wegen der komplizierten Anfahrt war ich gezwungen, die Nacht von Samstag auf Sonntag in einem Hotel in Trier im Stadtteil Zewen zu verbringen.
Am Samstag nahm ich um Viertel vor ein Uhr mittags den Intercity, mit welchem ich vier Stunden später in Koblenz ankam. Von dort aus nahm ich den Regionalexpress nach Trier. Diese höchst attraktive Schienenstrecke führt an der Mosel entlang. Kurz vor 19 Uhr kam ich am Hauptbahnhof in Trier an. Ich nahm in einer Dönerbude mein Abendessen ein und kurz nach 20 Uhr stieg ich in den Bus in Richtung Igel ein. Zewen liegt westlich der Mosel, während die Innenstadt von Trier östlich davon liegt. Nach fast einer halben Stunde kam der Bus in Zewen an. Er hielt direkt vor dem Hotel. Ich erfuhr nun, dass in meinem Übernachtungspreis auch ein Frühstück mit inbegriffen war.
Gegen 22 Uhr legte ich mich auf meinem Einzelzimmer schlafen. Dafür, dass ich in einem fremden Bett lag, schlief ich erstaunlich gut. Am nächsten Morgen fand ich mich um kurz vor sieben Uhr zum Frühstück ein. Dann verabschiedete ich mich vom Hotelpersonal und ging zur Bushaltestelle. Der Bus sollte kurz vor halb acht eintreffen und war tatsächlich pünktlich. Nach einigen Stationen stieg ein weiterer Läufer ein, welcher heute die zehn Kilometer absolvieren wollte. Wir unterhielten uns und stiegen irgendwo in der Innenstadt aus. Der Kollege zeigte mir, wo ich die Startunterlagen abholen konnte und verabschiedete sich dann von mir.
Die Startunterlagenausgabe war in einem Zelt neben dem Stadttor. Außer der Startnummer enthielt das Paket nichts Relevantes. Zur Kleiderabgabe musste ich ein ganzes Stück laufen. In der Turnhalle befanden sich auch die Duschen. Ich zog mich hier um. Das Wetter war für die jetzige Jahreszeit in Ordnung: Es war nicht allzu warm und regnete auch nicht. Ich entschied mich gegen die Sonnenbrille und für die Kappe. Obenrum trug ich das Trikot, welches ich letztes Jahr als Preis für den dritten Platz meiner Altersklasse beim Küstenhalbmarathon in Otterndorf gewonnen hatte.
Ich gab meine Tasche ab und ging in die Fußgängerzone, wo um neun Uhr die Zehn-Kilometerläufer starteten. Der Halbmarathonkurs sollte aus zwei Runden des Zehn-Kilometerlaufes bestehen. Der Kommentator gab einen kurzen Rückblick über die vergangenen 30 Jahre und erzählte dabei, dass zwischendurch auch einmal Afrikaner auf dem Siegerpodest gestanden hatten, während sich die Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes auf der Stargeraden versammelten. Um neun Uhr ging es dann los. Ich klatsche Applaus und ging dann noch einmal zur Turnhalle zurück, wo ich meine Tasche abgegeben hatte, um eines der dort vorhandenen Dixi-Klos aufzusuchen. Als ich dann zwei Minuten vor dem Start des Halbmarathons wieder an der Startgeraden auftauchte und keine Läufermasse erblickte, fiel mir ein, dass der Start des Halbmarathons woanders war. Nun geriet ich in Panik. Ich ging in die Innenstadt und traf zum Glück einen Teilnehmer, der genauso unwissend war wie ich. Wir fanden die Startgerade zwar schnell, aber ich musste mich nun von hinten nach vorn arbeiten. Bevor mir dies gelang, kam auch schon der Startschuss.
Ich war also anfangs in der Mitte des Feldes und musste immer wieder ausweichen, um mich nach vorne zu arbeiten. Trotzdem gelang mir dies relativ gut. Für die ersten drei Kilometer brauchte ich nur knapp über zwölf Minuten. Dann jedoch musste ich deutlich nachlassen, denn die Hitze machte sich bemerkbar. Sogar eine über 60-Jährige Frau zog an mir vorbei. Verpflegungsstellen waren ausreichend vorhanden. An die Strecke selber konnte ich mich allerdings kaum erinnern. Nach vier Kilometern hatte ich den langsamsten der Zehn-Kilometerläufer erreicht. Nun fing es damit an dass ich einen nach dem anderen überholten musste.
An einer Stelle ging es, neben Straßenbahnschienen, durch eine Unterführung. Als wir nach der Hälfte der Strecke die Innenstadt erreichten, mussten wir durch die Fußgängerzone und im Gegensatz zu den Zehn-Kilometerläufern kurz vor dem Ziel nach rechts in die zweite Runde einbiegen. Nun war ein bisschen weniger auf der Strecke los. Es wurde immer wärmer und meine Kilometerzeiten bewegten sich bei über viereinhalb Minuten. Eine junge Frau, mit der ich bisher einigermaßen mithalten konnte, musste nun auch langsamer machen. Als wir das Stück an der Mosel erreicht hatten, überholte ich sie und ließ sie ein Stück hinter mir.
Obwohl ich auf der Zielgeraden noch einmal alles gab, kam mich erst nach über neunzig Minuten über die Linie. Ich sah den Kommentator. Es war der gleiche, welcher auch in Cuxhaven die Siegerehrung moderiert hatte. Ich ließ mir die Medaille geben, welche besonders auf das Jubiläum (30. Trier-Lauf) aufmerksam machte. Sie war die gleiche für alle Disziplinen.
Es gab im Zielbereich alkoholfreies Radler. Ich nahm mir eine Flasche und ging dann zu den Duschen, wo ich auch meine durchgeschwitzte Kappe unter Wasser setzte. Als ich mich wieder angezogen hatte, ging ich zum Bahnhof zurück und nahm die langsame Regionalbahn, welche fast zwei Stunden bis Koblenz brauchte. Über Köln kam ich im Fernverkehr wieder nach Bremen zurück. Am Abend hatte ich starke Kopfschmerzen.