Freitag, 23. Mai 2014

Marathon Gelsenkirchen-Essen-Bottrop-Gladbeck 2014-05-18

Der elfte Marathon meines Lebens.
Der zweite Vivawest-Marathon.
Der Vivawest-Marathon ist der Nachfolger des Karstadt-Marathons, welcher einige Jahre lang ausgetragen worden war. Dieser frühere Karstadt-Marathon hatte zwei verschiedene Startpunkte, in Oberhausen und Dortmund. Das gemeinsame Ziel war in Essen. Der jetzige Vivawest-Marathon, der dieses Jahr erst zum zweiten Mal ausgetragen wurde, war ein Rundkurs von Gelsenkirchen über Essen, Bottrop und Gladbeck zurück nach Gelsenkirchen.
Die Übernachtung hatte ich in Dortmund gebucht. Bei der Anreise am Samstag hatte ich einen Zwischenhalt in Gelsenkirchen eingefügt, um dort meine Startunterlagen abzuholen. Um 14:44 Uhr stieg ich am Samstag am Bremer Hauptbahnhof in den Intercity Richtung Frankfurt am Main ein. Nach über einer Stunde Fahrt erreichten wir Münster, wo ich in den Intercity in Richtung Trier umstieg. Nach einer Dreiviertelstunde kam dieser Zug in Gelsenkirchen an. Leider hatte ich keinen Stadtplan dabei und wusste zunächst nicht, wo es zum Veranstaltungszentrum ging. Auch andere Läufer sah ich nicht.
Ein Mitarbeiter der örtlichen Verkehrsbetriebe in der unterirdischen Straßenbahnhaltestelle erklärte mir, wie ich zum Veranstaltungsgelände gelangen könne. Ich müsse mit der Straßenbahn zwei Stationen bis zum Musiktheater fahren. Daraufhin kaufte ich mir zwei Kurzstreckentickets und stieg in die nächste Straßenbahn ein. Als ich am oberirdischen Teil der anvisierten Haltestelle wieder ausstieg, konnte ich bereits das Zelt sehen, wo es die Startunterlagen gab. Ich ging hin und holte meinen Beutel ab. Er war ziemlich groß, aber neben der Startnummer war nur Werbematerial enthalten. Die Größe des Beutels sollte allerdings nützlich sein, da meine mitgebrachte Tasche mit allem Gepäck hineinpassen würde.
Ein Trikot war im Startpreis übrigens nicht enthalten. Ich ging zurück zur Straßenbahn und fuhr zum Hauptbahnhof Gelsenkirchen, wo ich einer Dönerbude eine Art Abendessen zu mir nahm. Es war inzwischen 18:00 Uhr geworden. Um kurz vor 19:00 Uhr nahm ich dann die S-Bahn zum Dortmunder Hauptbahnhof, in die an den folgenden Haltestellen immer mehr BVB-Fans einstiegen. Die Fahrt dauerte relativ lange, da die Bahn wirklich an jedem Zwischenhalt anhielt und an einigen Bahnhöfen sogar mehrere Minuten Aufenthaltszeit hatte.
Am Dortmunder Hauptbahnhof wimmelte es nun von BVB-Fans. Beamte der Bundespolizei zeigten mir den Weg zum A&O-Hostel, wo ich die Übernachtung gebucht hatte. Dieses Gebäude lag nicht weit vom Bahnhof entfernt. Ich musste die Nacht in einem Sechsbettzimmer verbringen. Als ich dieses Zimmer betrat und meine Tasche ablegte, waren die anderen Bewohner zwar gerade nicht anwesend, aber ihre Kleidung und Ausstattung, die überall verstreut herumlag, gab mir eindeutig zu erkennen, dass es sich um BVB-Fans handelte.
Ich ging nun hinunter in die Lobby, um das Pokalfinale auf dem dort aufgestellten Fernseher anzuschauen. Es hatte gerade begonnen. Wegen der nötigen Verlängerung des Spiels saß ich bis kurz vor 23 Uhr hier. Etwa alle zehn Minuten fuhr auf der Straße ein Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene vorbei.
Als ich mich schließlich schlafen legte, waren meine Mitbewohner noch nicht da. Ein Einzelner kam kurz vor Mitternacht, drei weitere, als ich gerade versuchte, einzuschlafen. Alle schienen extrem betrunken zu sein. Ich wachte bereits gegen fünf Uhr auf und konnte nicht wieder einschlafen. Jetzt bekam ich mit, wie einer meiner Mitbewohner die Toilette aufsuchte, wo er sich – den Geräuschen zu Folge – mehrfach übergab. Ich stand gegen 6:30 Uhr auf, zog mich an und ging in den Keller, wo der Frühstücksraum war. Ein Frühstück hatte ich am Vorabend kurzfristig dazu gebucht. Ich nahm mir fünf Sandwiches mit unterschiedlichen Beilagen. Dann machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof.
Der Regionalexpress in Richtung Düsseldorf stand schon bereit. Im Gegensatz zur S-Bahn hielt er nicht an allen Stationen, so dass ich nach weniger als einer halben Stunde Fahrtzeit, um kurz vor halb neun Uhr, am Gelsenkirchener Hauptbahnhof ankam.
Ich sprach einen anderen Läufer an, der aus der Region kam. Zusammen setzten wir uns in die Straßenbahn zum Musiktheater und gingen von dort aus das Veranstaltungsgelände entlang, wo ich ihn wieder aus den Augen verlor. Ich gab meine Tasche in der Sporthalle ab. Es war nun kurz vor neun Uhr. Eigentlich sollte um neun Uhr der Halbmarathon starten und um 9:30 Uhr dann der Marathon und die Marathonstaffel. Aber daraus wurde vorerst nichts. Der Kommentator sagte, dass einige auf der Strecke geparkte Autos noch abgeschleppt werden müssten. Leider dauerte dies länger als vorgesehen. Die armen Halbmarathonis mussten jetzt auf der Startgeraden lange warten.
Ich nutzte die Gelegenheit, um noch einmal die Toilette aufzusuchen. Ich trug obenrum das Trikot vom Bremen-Marathon 2011 und eine Kappe wegen der Sonne. Leider sollten gerade heute die Temperaturen auf bis zu 23°C ansteigen.
Es dauerte bis kurz nach 9:30 Uhr, bevor die Halbmarathonis starten konnten – und zwar in mehreren Blöcken. Alle paar Minuten war der nächste Block an der Reihe. Ich hatte schon befürchtet, dass die halbe Stunde Verzögerung zwischen den Starts von Halbmarathon und Marathon eingehalten werde müssten, sah mich aber zum Glück getäuscht. Nachdem der letzte Halbmarathon-Block an den Start gegangen war, konnten die etwa 1000 Marathonis auf die Gerade gehen. Es gab Pacemaker für verschiedene Zielzeiten, auch einen für 3:30h. An diesem wollte ich mich orientieren.
Der Kommentator sagte durch, dass die von den Verspätungen betroffenen Läufer im nächsten Jahr vergünstigt an den Start gehen könnten. Dann ging es auch für die Marathonläufer los. Als ich die Startlinie überquerte, war es ungefähr zehn Uhr. Da ich nicht mehr genau wusste, wann mein Zug vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof abfahren würde, machte ich mir bereits Sorgen, ob ich den anvisierten Intercity noch bekommen würde, da ich mit Zugbindung gebucht hatte.
Ich arbeitete mich im Feld zunächst nach vorne und überholte nach etwa zwei Kilometern auch den Pacemaker für die Dreieinhalbstunden-Marke. Der Weg führte anfangs an den Straßenbahnschienen entlang unter einer Brücke hindurch. Dann ging es nach links. Wir überquerten einen Kanal. Ich unterhielt mich mit einem Läufer aus der Region über das gestrige Fußballspiel und dann noch allgemein ein bisschen über das Laufen. Dann trennten wir uns, da ich ein bisschen Gas geben musste, um nicht hinter den Pacemaker zurückzufallen.
Als der erste Versorgungsstand erreicht war, nahm ich mir einen Becher Cola zu trinken. Wegen der langen Wartezeit im Startbereich hatte ich fast schon wieder Hunger bekommen, weshalb ich mich entschlossen hatte, Cola statt Wasser während des Laufes zu mir zu nehmen. Eine Helferin, die Bananen verteilte, sagte uns, dass dies der letzte Verpflegungspunkt vor der Grenze sei. Damit war die Stadtgrenze zwischen Gelsenkirchen und Essen gemeint.
Es war inzwischen richtig warm geworden und Wolken gab es kaum am Himmel. Kurz nachdem wir eine Bahnlinie unterquert hatten liefen wir über eine Brücke. Unter der Brücke, quer zu uns, waren ebenfalls Läufer. Bei diesen handelte es sich um die Halbmarathonis, welche hier eine andere Strecke als wir liefen. Ich hatte nach wenigen Minuten bereits die langsamsten der Halbmarathonläufer überholen müssen, da diese ja nur kurz vor mir gestartet waren.
In Essen kamen wir nun am Zeche-Zollverein, einem Unesco-Welterbe, vorbei. Danach folgte die Kokerei. Hier trennten sich die Kurse von Marathon und Halbmarathon. Eine Halbmarathonläuferin, die dies zu spät gemerkt hatte, musste nun eine ganze Strecke zurückgehen. Der Halbmarathon führte zurück nach Gelsenkirchen, wir dagegen mussten weiter durch Essen.
Bei Kilometer zehn folgte eine extrem starke Steigung. Insgesamt war die Strecke nicht immer flach, es ging regelmäßig bergauf und bergab. Kurz darauf erreichten wir die Essener Rathausgalerie. Wir liefen auf der einen Seite hinein und auf der anderen Seite hinaus. Das Gebäude erinnerte mich an das Ludwigshafener Rathauscenter, wo auch eine unterirdische Straßenbahnhaltestelle in das Einkaufszentrum integriert war.
Kurz hinter der Galerie folgte der Limbecker Platz, wo künstliche Wasserbecken angelegt waren. Dies war ein sehr schöner Anblick.
Als wir Essen hinter uns hatten, ging es auf einer Schnellstraße in Richtung Bottrop. Diese Schnellstraße hatte zwei Fahrspuren in beide Richtungen, getrennt durch Leitplanken. Die beiden Spuren in die eine Richtung waren für uns Läufer reserviert. Es ging hier einige Kilometer geradeaus. In Bottrop gab es immer wieder Verkehrsschilder mit dem Hinweis auf einen Tetraeder, den ich aber nicht selber zu Gesicht bekam.
Etwa bei Kilometer 25 nahmen meine Beschwerden an den Füßen zu. Ich machte daher einen Zwischenstopp, zog den linken Schuh mitsamt dem Socken aus und nahm eines der Pflaster zur Hand, um es an den Zeh zu kleben, wo sich die Blase bildete. Als ich den Zeh suchte, musste ich feststellen, dass ich nicht mehr erkennen konnte, welcher der Zehen denn Probleme machte. Ich legte trotzdem ein Pflaster an. Eine Anwohnerin bot mir Hilfe an, ich erklärte ihr jedoch, dass ich selber vorgesorgt hatte.
In Bottrop gab es dann noch eine Stelle, wo sich ein kleiner Wendepunkt befand und ich das Feld vor mir sehen konnte. Der Pacemaker für 3:30 Stunden hatte mich inzwischen überholt und ich hatte ihn aus den Augen verloren. Das Feld war inzwischen so weit auseinandergezogen, dass ich manchmal sogar ganz allein auf der Strecke war.
Schließlich erreichten wir wieder Gelsenkirchen, wo wir durch einen Park mussten. Eine Brücke führte über ein Tal. Ein Teil des Bodens der Brücke bestand aus Metallgittern, so dass ich beim Herunterschauen den Boden des Tales sehen konnte. Marathon- und Halbmarathonkurst stimmten inzwischen wieder überein. Immer mehr Läufer hatten jetzt keine Kraft mehr und gingen anstatt zu laufen.
Bevor ich die Zielgeraden wieder erreichte, musste ich eine Staffelläuferin überholen. Diese stöhnte sehr laut, so dass ich Angst haben musste, dass sie jeden Augenblick zusammenbrechen würde. Ich überholte sie, ließ sie dabei aber nicht aus den Augen. Auf der Zielgeraden ließ ich mich vom Publikum feiern. Ich überquerte die Linie und ließ mir die Medaille umhängen. Ich hatte zwischen 3:35 und 3:40 Stunden gebraucht, eine genauere Zeit konnte ich nicht abschätzen, da ich nicht mehr genau wusste, wann der Startschuss gewesen war. Da ich auch nicht genau wusste, wann mein Zug fahren würde, musste ich mich jetzt beeilen.
Ich nahm mir einen Becher mit flüssigem Traubenzucker und joggte dann einfach weiter zur Turnhalle. Ich ließ mir die Tasche geben und schaute sofort nach meiner Fahrkarte. Mein Zug sollte um 14:45 Uhr fahren, bis dahin war es noch fast eine Stunde. Beruhigt ging ich zu den Duschen und säuberte mich. Dann begab ich mich zu den Toiletten. Während des Marathons hatte ich kein einziges Mal urinieren müssen.
Ich ging daraufhin zurück zur Startgeraden und weiter zur unterirdischen Straßenbahnhaltestelle. Ich kaufte ein Ticket und nahm die nächste Bahn zum Hauptbahnhof. Jetzt konnte ich mir die Medaille richtig anschauen. Sie hing an einem türkisfarbenen Band und hatte die Form eines Dreiecks. Bei genauerem Betrachten erkannte ich, dass der obere Teil den Zollverein in Essen darstellen sollte. Nach zwanzig Minuten Wartezeit kam der Intercity nach Münster an. Dort stieg ich in den Intercity nach Bremen ein. Gegen 18 Uhr war ich wieder zu Hause. Bereits am Dienstag spürte ich fast keinen Muskelkater mehr.

Montag, 5. Mai 2014

Halbmarathon Kassel 2014-05-04

Der dreiundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Kassel Marathon.
Wegen der komplizierten Anfahrt nach Kassel hatte ich bisher an dieser Veranstaltung nie teilgenommen. Eine Anfahrt am Veranstaltungstag war nicht möglich und somit musste eine Teilnahme in Kassel mit einer Übernachtung vor Ort verknüpft werden. Dieses Jahr hatte ich mich dazu entschieden, den Halbmarathon zu laufen und hatte zunächst eine Übernachtung in einem Hotel gebucht. Als ich dann jedoch erfuhr, dass ein Freund von mir neuerdings in einem nahegelegen Ort wohnte, stornierte ich die Hotelübernachtung, da ich mich bei ihm einquartieren durfte.
Am Samstag fuhr ich um 12:19 Uhr mit dem Regionalexpress von Bremen nach Hannover, wo ich nach zwanzigminütigem Aufenthalt in den IC in Richtung Süden einstieg. Pünktlich um 15:01 Uhr kam ich in Kassel-Wilhelmshöhe an, wo ich Axel nach kurzem Suchen fand. Er war mit dem Auto vorgefahren und brachte mich zum Auestadion, wo wir unsere Startunterlagen abholten. Er wollte mit mir zusammen den Halbmarathon laufen.
Außer den Startnummern und einem kleinen Heftchen zur Veranstaltung war in den Beuteln nur Werbematerial enthalten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Laufveranstaltungen war der Start des Halbmarathons schon ziemlich früh, nämlich um 8:30 Uhr. Der Handbike-Halbmarathon sollte bereits um 7:45 Uhr beginnen, der Marathon dagegen erst um 9:00 Uhr. Die 42,2 Kilometer des Marathons verteilten sich auf eine einzige Runde quer durch Kassel, wobei der richtige Innenstadtbereich ausgelassen wurde. Der Halbmarathon bestand ebenfalls aus einer einzigen, verkürzten Runde. An insgesamt sechs Stellen trennten sich beide Kurse. Da der Halbmarathon aber früher starten sollte, würde ich von diesen Streckenabschnitten nichts mitbekommen.
Ich wurde von Axel in den Vorort gefahren, wo er eine Haushälfte gemietet hatte. Zum Abendessen trank ich ein Bier. Wir schauten zusammen ein bisschen Unterschichten-Fernsehen und dann legte ich mich auf die Couch. Axel hatte einen Schlafsack für mich bereitgestellt. Trotzdem dauerte es bis weit über Mitternacht, bis ich einnickte. Richtig schlafen konnte ich während der Nacht nicht.
Um sechs Uhr klingelte bereits der Wecker. Axel machte mir einen Pfefferminztee zu trinken. Dazu aß ich eine Banane. Ein konserviertes Brot hatte ich mir von zu Hause mitgebracht. Um sieben Uhr stiegen wir ins Auto und Axel fuhr uns nach Kassel.
Ich möchte kurz etwas zum Wetter sagen. In diesem Kalenderjahr hatte ich keine richtig schnellen Halbmarathonzeiten hingelegt, was auch daran gelegen hatte, dass ich bisher nur bei höheren Temperaturen gelaufen war. An diesem Wochenende war es allerdings etwas kühler. Heute war keine einzige Wolke am Himmel. Es war richtig kalt und die Sonne blendete.
Als wir in Kassel ankamen, parkte Axel am Straßenrand in der Nähe des Auestadions. Meine Reisetasche ließ ich im Auto und nahm nur den Starterbeutel mit, in dem ich Wechselkleidung und Badetuch hatte. Auf dem Weg zum Stadion aß ich mein mitgebrachtes Brot. Ich hatte meine Spezialsonnenbrille auf, da noch immer keine einzige Wolke am Himmel war.
In der Eissporthalle, die neben dem Stadion war, zogen wir uns um und gaben unsere Beutel ab. Es waren jetzt noch 30 Minuten bis zum Start. Ich hatte auf eine Kappe verzichtet, dafür aber die Sonnenbrille behalten. Während Axel in langer Hose lief, trug ich meine kurze Läuferhose. Obenrum hatte ich das Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2011 an.
Es war immer noch ziemlich kalt. Wir liefen uns im Bereich der Toiletten warm und verabredeten uns an dieser Stelle auch für nachher, da ich damit rechnete, einige Zeit früher als Axel im Ziel einzutreffen.
Meine Hände froren am meisten. Etwa zehn Minuten vor dem Start gingen wir zur Geraden. Wir kletterten über die Absperrung, um uns möglichst weit vorne zu platzieren. Dabei drängelte sich noch eine relativ junge Frau nach vorne, die ich während des Rennens nicht mehr aus den Augen lassen sollte.
In unserer Nähe befand sich auch ein Pacemaker mit Luftballon für die 1:29-Marke. Ich nahm mir vor, mich an diesem zu orientieren. Pünktlich um 8:30 Uhr kam der Startschuss und nach wenigen Sekunden hatte ich die Linie überquert. Axel hatte ich schnell hinter mir gelassen.
Nur anfangs war es ein bisschen eng. Die Startgerade befand sich südlich des Auestadions und führte anfangs auch nach Süden. Insgesamt sollte der Kurs einmal um das Zentrum von Kassel herumführen. Für den ersten Kilometer brauchte ich vier Minuten. Ich befand mich vor der Laufgruppe um den Pacemaker. Die Sonnenbrille setzte ich fast gar nicht ab, da die Sonne ununterbrochen schien.
Nach einem Kilometer ging es nach Westen. Als wir eine größere Fernverkehrsstraße überquerten, ging es zunächst einmal ein Stückchen bergauf. Es war einer der vielen, jedoch nur kleinen Anstiege während des Halbmarathons.
Beim ersten Versorgungspunkt nahm ich mir einen Becher Wasser zu trinken. Hinter einem kleinen Fluss kam eine Stelle, wo eine Blaskapelle Musik machte. Nach einer viereckigen Schleife ging es wieder zurück zur Blaskapelle, wobei wir nun das Feld hinter uns sehen konnten. Axel war allerdings nicht unter den Läufern. Jetzt musste ich rechts abbiegen nach Norden. Ich hatte für die ersten fünf Kilometer ziemlich genau 21 Minuten benötigt. Wenn meine Kondition heute nicht nachließ, so war endlich einmal wieder eine Zeit unter 90 Minuten möglich.
Kurz vor Kilometer zehn ging es über die Hafenbrücke, welche uns auf die andere Seite der Fulda brachte. Ich konnte im Fluss eine Art Schleuse erkennen. Dahinter konnte ich nun eine Stelle sehen, wo Marathon- und Halbmarathonkurs sich trennten. Natürlich bogen alle Läufer links in den Halbmarathonkurs ein, da jetzt noch gar keine Marathonteilnehmer an diesem Streckenpunkt waren. Für die ersten zehn Kilometer hatte ich 42 Minuten benötigt.
Als ich plötzlich von der Laufgruppe um den Pacemaker überholt wurde, strengte ich mich wieder ein bisschen mehr an. Unter den Überholenden war auch die junge Frau, die sich am Start vorgedrängelt hatte. Eine Zeitlang lief ich neben ihr, dann konnte ich sie aber nach langer Zeit schließlich doch abhängen.
An einer Stelle ging es in einer Straße eine Zeitlang richtig steil bergab. Ich ließ ich mich einfach hinuntertreiben ohne zu bremsen. So langsam zogen auch erste Wolken am Himmel auf und ermöglichten es mir, die Sonnenbrille für kurze Zeit abzusetzen. Für die ersten 14 Kilometer hatte ich knapp unter eine Stunde benötigt. Da nun sehr viele Versorgungsstellen nacheinander aufgebaut waren, verzichtete ich an einigen Ständen auf Wasser und lief einfach weiter. Den Pacemaker und seine Begleitung hatte ich bald abgehängt.
Bei Kilometer 17 ging es ein Stücken die Wilhelmshöher Allee entlang. Wir liefen nach Westen und konnten von hier aus nun die Straße sehen, die ins Gebirge hochführte, dort wo sich angeblich der Herkules befand. Bevor der Weg jedoch nach oben führte, bogen wir links ab. Bei einer letzten Verpflegungsstelle zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel, nahm ich mir noch einmal etwas zu trinken. Nach einer Linkskurve kam der letzte Abschnitt vor dem Einlauf ins Stadion. Das Stadion selber konnte ich jetzt bereits sehen.
Beim Einlauf musste ich noch fast eine ganze Runde auf der Laufbahn drehen. Die Ziellinie überquerte ich bei unter 1:29 Stunden. Dann ging ich über die Wiese und ließ mir die Medaille umhängen. Sie war die gleiche für Marathon- Halbmarathon und alle anderen Läufe dieser Veranstaltung. Auf der goldfarbenen Vorderseite stand „E.ON Mitte Kassel Marathon, powered by E.ON Mitte Vertrieb. Auf der Rückseite stand „Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe“. Da weder Datum noch Jahrgang angegeben waren, vermutete ich, dass der Veranstalter jedes Jahr das gleiche Exemplar verteilte. Auf dem roten Band war das Jahr aufgedruckt.
Ich musste nun erst einmal den Ausgang finden. Ich lief unter den Tribünen hindurch und erreichte eine Tür mit der Aufschrift „Kein Durchgang“. Diese führte mich nach draußen. Ich war nun direkt vor der Eissporthalle, wo ich meinen Beutel zurückbekam. Laut Helfer war ich der erste Teilnehmer, der dies tat. Ich ging nun in die Sporthalle, wo ich nach kurzem Suchen die Duschen fand. Als ich sie betrat, war ich ganz allein. Erst als ich fertig geduscht hatte, betraten andere Sportler die Räumlichkeiten.
Ich zog mich wieder an und ging nach draußen an den Ort, den ich mit Axel als Treffpunkt vereinbart hatte. Es dauerte 20 Minuten, bis er eintraf. Auch er hatte schon geduscht. Wir gingen zum Auto und er fuhr mich zum Bahnhof Wilhelmshöhe, wo wir noch zusammen essen gingen. Um 11:55 Uhr stieg ich dann in den Intercity nach Hannover, wo ich eine Stunde später ankam und in den Regionalexpress nach Bremen stieg. Gegen 15:30 Uhr war ich wieder zu Hause.

Halbmarathon Hannover 2014-04-27

Der zweiundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der TUI Marathon Hannover.
Es war nun schon das fünfte Mal, dass ich in Hannover zum Halbmarathon antrat. Erstmals in dieser Zeit fiel der Sonntag des Rennens in den April. Auch die Startzeiten waren neu. Der Marathonstart war vorverlegt worden auf 9:00 Uhr und der Halbmarathonstart von 10:45 Uhr auf 10:30 Uhr. Trotzdem entschied ich mich, nicht früher anzureisen als in den Vorjahren.
Ich stand um sechs Uhr morgens auf und frühstückte. Um halb acht Uhr ging ich aus dem Haus und fuhr mit der Straßenbahn erst zur Domsheide und von da aus zum Hauptbahnhof. Ich hatte nur fünf Minuten Zeit, dann fuhr auch schon der Zug nach Hannover um 8:18 Uhr ab. Andere Halbmarathonläufer sah ich erst einmal keine. Wegen der Vorverlegung des Startes hatten sie wohl alle einen Zug früher genommen. Erst in Verden stiegen die ersten Passagiere mit Laufschuhen ein. Als wir Nienburg erreicht hatten, kamen auch Läufer dazu, die ihren Starterbeutel schon am Vortag in Hannover abgeholt hatten. Ich nahm jetzt mein mitgebrachtes Brot zu mir.
Der Zug kam pünktlich um 9:39 Uhr am Hauptbahnhof Hannover an, wo ich zunächst die Toilette aufsuchte. Dann machte ich mich auf den Fußweg über Kröpcke zum Aegidientorplatz. Hier kamen mir einige Spitzenläufer des Marathons entgegen. Das Veranstaltungsgelände war wie immer am Rathaus. Im Zelt konnte ich mir meinen Starterbeutel abholen. Ich war einer der letzten, die dies taten. Anstehen musste ich daher nicht. Da ich mich bereits auf der Bahnhofstoilette umgezogen hatte, konnte ich den Beutel nun im vorgesehenen LKW abgeben. Ich trug das Trikot vom Braunschweig-Halbmarathon 2010. Auf Kappe und Sonnenbrille hatte ich verzichtet, da der Himmel teilweise bewölkt war. Es sollten heute bis zu 19°C werden.
Die Startnummern waren diesmal nicht mit farbigen Balken versehen, sondern mit Buchstaben. Ich hatte den Buchstaben „A“ wegen meiner schnellen Zeit von Paderborn 2013, daher durfte ich mich ganz nach vorne stellen. Block A und B waren durch ein rotes Band voneinander getrennt. Hier bei der Elite ging es etwas geräumiger zu.
Es waren jetzt noch zehn Minuten bis zum Start. Der Moderator sagte, dass die eine der beiden Hahner-Zwillinge beim Marathon aufgegeben hatte. Ihre Schwester hatte zwei Wochen zuvor den Wien-Marathon gewonnen. Jetzt konnte ich von meinem Standpunkt aus die beiden Schwestern sehen, wie sie ein Interview gaben.
Um kurz nach 10:30 Uhr kam der Startschuss. Ich hatte die Linie bereits nach wenigen Sekunden überquert und arbeitete mich nach vorne. Die Halbmarathonstrecke war fast genau die gleiche wie im Vorjahr. Über uns kreiste ein Hubschrauber. Für den ersten Kilometer brauchte ich weniger als vier Minuten, aber dann musste ich nachlassen. Meine Kondition war einfach zu schlecht.
Nach zwei Kilometern war der Maschsee erreicht, an dem es nun erst einmal nur geradeaus nach Süden ging. Jetzt wurde ich von zahlreichen Läufern überholt, die aber alle noch ein „A“ auf ihrer Startnummer hatten.
Am Ende des Machsees mussten wir links abbiegen. Hier war die erste Abzweigung, wo sich Marathon- und Halbmarathonkurs sich trennten. Die Marathonläufer, die diese Stelle schon längst passiert hatten, waren hier geradeaus unter den S-Bahnschienen hindurchgelaufen. Hier befand sich auch der erste Verpflegungspunkt, wo ich einen Becher Wasser zu mir nahm. Wir hatten nun die ersten fünf Kilometer absolviert.
Nach einer weiteren Linkskurve ging es nun wieder lange geradeaus, an den Schienen der sogenannten U-Bahn entlang. Jetzt ging es wieder in Richtung Innenstadt. Je mehr wir uns dieser näherten, desto mehr Zuschauer standen am Rand. Beim Kröpcke ging es nach links durch die Fußgängerzone und dann am Hauptbahnhof vorbei und unter den Gleisen hindurch nach Norden. Direkt hinter der Unterführung war die Marke für den zehnten Kilometer erreicht. Ich hatte etwa 41 und eine halbe Minute bis jetzt benötigt.
Nun trennten sich die Strecken zum zweiten Mal. Für den Halbmarathon ging es links, für den Marathon rechts. Bereits nach wenigen Metern waren beide Strecken wieder vereinigt, wobei ich als Halbmarathonläufer bei Kilometer 10,5 und die Marathonis bei Kilometer 21 waren. Nun hatte ich auch die langsamsten dieser Marathonis eingeholt und die Strecke war daher wieder ein bisschen dichter besiedelt. Unter den Läufern, die ich jetzt überholte, war auch eine Frau, die einen Rollstuhlfahrer schob.
Nachdem wir an einer Kirche vorbeigekommen waren, trennten sich beide Kurse wieder. Einer der Marathonis hatte dies offenbar zu spät bemerkt, legte den Rückwärtsgang ein und kollidierte dabei fast mit ein paar anderen Sportlern. Nach kurzer Zeit waren beide Kurse wieder zusammengelegt worden, allerdings durch ein Gitter voneinander getrennt. Dann trennten sich die Kurse erneut und bei einer Linkskurve, die unter den Bahngleisen hindurchführte, wurden sie wieder zusammengelegt. Wir befanden uns nun wieder östlich der Bahnstrecke. Für diese ersten 14 Kilometer hatte ich knapp eine Stunde benötigt.
Wie erreichten dann den nordöstlichsten Punkt und dann ging es neben den Herrenhäuser Gärten und der U-Bahnlinie nach Süden. Nach einer 180°-Kurve trennten sich die Strecken ein letztes Mal. Die Marathonis durften durch den Park laufen, wir Halbmarathonis kürzten ab. Die Strecken wurden kurz darauf wieder zusammengelegt und es ging nun unter einer Hauptverkehrsstraße hindurch. Ich hatte inzwischen starke Schmerzen an den Füßen, wo sich Blasen bildeten. Allerdings wollte ich nicht anhalten und ein Pflaster einsetzen.
Eine Zeit von unter 90 Minuten war nicht mehr möglich. Auf der Zielgeraden, die diesmal in die entgegensetzte Richtung führte, lief ich noch einmal so schnell wie möglich. Dann überquerte ich die Linie. Ich musste mich nun erst einmal orientieren, da dieses Jahr alles anders war. Ich nahm mir zunächst Cola zu trinken und ging dann im Zielbereich weiter. Hier gab es alle möglichen Sachen zu essen. Eine Helferin hängte mir die Medaille um. Wie jedes Jahr hing die Marathonmedaille an einem roten und die Halbmarathonmedaille an einem gelben Band. Der Weg zurück zum Rathaus war diesmal wesentlich länger als sonst. Dann erreichte ich endlich die LKWs, wo ich meine Tasche abholen konnte. Dem Helfer erzählte ich, dass ich in Hannover irgendwann einmal auch den Marathon laufen wolle.
Die Duschen waren dieses Jahr an einer anderen Stelle aufgebaut. Im Zelt waren nicht besonders viele Duschbrausen vorhanden, aber glücklicherweise war jetzt noch nicht viel los. Die Durchflussmenge der Brausen war ein bisschen gering. Ich duschte, zog mich an und ging dann zur U-Bahn-Haltestelle Aegidientorplatz, von wo aus ich bis zum Hauptbahnhof fahren konnte. Hier nahm ich etwas zu essen und um 13:21 Uhr fuhr ich mit dem Regionalexpress nach Bremen zurück. Wegen der schlechten Verbindungen kam ich erst gegen 15:30 Uhr zu Hause an.