Mittwoch, 30. Juli 2014

Marathon Bad Pyrmont 2014-07-26

Der dreizehnte Marathon meines Lebens.
Der Internationale Bad Pyrmont Marathon.
Bad Pyrmont liegt im Weserbergland und ist von Hannover aus mit der S-Bahn in einer Stunde zu erreichen. Der Marathon in Bad Pyrmont findet jedes Jahr an einem Samstagnachmittag im Juli statt, weshalb man mit sehr hohen Temperaturen zu rechnen hat. Ich war 2012 beim Halbmarathon mitgelaufen und hatte danach eine Woche lang Muskelkater gehabt, welcher an meinen Beinen unterschiedlich stark ausgeprägt war. Dieses Jahr hatte ich mich wegen eines großen beruflichen Erfolges erst am Dienstag zuvor für den gesamten Marathon angemeldet. Die Temperaturen sollten zwar einigermaßen erträglich sein, aber am Tag zuvor und am Tag danach wäre es einige Grad kühler gewesen. Es sollten am Samstag 26°C werden.
Als ich vor zwei Jahren das Ziel erreicht hatte, gab es für mich keine Medaille. Ich erfuhr später, dass es nur für Marathon- und Kinderläufer Medaillen gegeben hatte. Ich glaubte, diesmal ein Andenken zu bekommen, da ich mich ja für den gesamten Marathon angemeldet hatte. Es sollte für mich sowieso der bisher härteste Marathon meines Lebens werde, denn bisher hatte ich meine Marathonveranstaltungen so ausgewählt, dass diese nicht im Hochsommer waren und die Strecke relativ flach war. In Bad Pyrmont betrug die Höhendifferenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt 350 Meter, wobei während des Marathons insgesamt 690 Höhenmeter überwunden werden musste. Es sollte also fast immerwährend auf und ab gehen.
Ich hatte die Anfahrt so geplant, dass ich eine Stunde vor dem Start des Marathons um 13 Uhr am Bahnhof in Bad Pyrmont ankommen würde. Dort sollte es – wie in den Vorjahren – einen Shuttleservice zum Veranstaltungungszentrum geben. Ich stand am Samstag um sieben Uhr auf, frühstückte und packte meine Tasche. Wegen der hohen Temperaturen nahm ich das ärmellose Trikot von Hoisbüttel mit, welches ich bereits vor zwei Wochen in Wardenburg getragen hatte. Es war auch nicht ausgeschlossen, dass es vielleicht anfangen würde zu regnen, und in diesem Fall würde sich dieses leichte Trikot nicht allzu sehr mit Wasser aufsaugen. Angst vor einem Sonnenbrand hatte ich nicht, da ich mich erinnern konnte, dass die Halbmarathonstrecke vor zwei Jahren ausschließlich im Schatten der Bäume verlaufen war.
Um 8:35 Uhr fuhr ich mit der Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo ich in die Nordwestbahn einstieg, die mich über den Hauptbahnhof nach Verden brachte. Hier stieg ich aus und wartete auf den Regionalexpress nach Hannover, welcher pünktlich eintraf und mich dorthin brachte. Um 10:55 Uhr fuhr in Hannover die S-Bahn nach Paderborn ab. Ich setzte mich diesmal sofort in die vordere Hälfte, da der hintere Teil in Hameln ausgesetzt werden sollte. Um kurz vor zwölf Uhr kam die S-Bahn in Bad Pyrmont an. Bereits vor dieser Station hatte ich das Weserbergland sehen können.
Vor dem Bahnhof standen schon die Kleinbusse, welche uns zum Veranstaltungszentrum brachten. Wir kamen am Stadion vorbei, wo sich die Duschanlagen befunden, die ich letztes Jahr benutzt hatte. In der Fußgängerzone hielt der Bus an und wir konnten aussteigen. Wie vor zwei Jahren war im großen Haus nebenan die Ausgabe der Startunterlagen. Als Marathonläufer bekam ich diesmal ein kleines Geschenk, und zwar ein (sinnloses) Band, mit dem man offenbar die Startnummer befestigen konnte.
Ich aß mein mitgebrachtes Knäckebrot. Meine Läuferhose hatte ich bereits auf der Toilette in der S-Bahn angezogen. Auf Kappe und Sonnenbrille verzichtete ich. Meine Tasche konnte ich gegen eine Gebühr von einem Euro abgeben und bewachen lassen. Dann lief ich mich ein bisschen warm. Der Himmel war fast wolkenlos.
Der Marathon stratete zusammen mit den Walkern für zehn Kilometer um 13 Uhr. Die Läufer wurden nach vorne gebeten, um die Walker nicht überholen zu müssen. Dann ging es los. Wir liefen nach Norden die Fußgängerzone entlang und dann beim Schwimmbad nach links. Die Besucher der Cafés applaudierten. Dann ging es wieder nach rechts durch einen Park, bis eine Straße erreicht wurde. Hier stand der einzige Polizeiposten und regelte den Verkehr, da die Autos nun warten musste.
Auf der anderen Seite der Straße ging es nach links, auf dem Fußgängerweg entlang. Vor zwei Jahren war ich hier beim Halbmarathon geradeaus gelaufen, direkt ins Gebirge hoch. Diesmal mussten wir nun ein Stückchen an der Straße entlang und dann nach rechts in ein Feld hinein. Es ging nun langsam bergauf. Mitten im Feld folgte eine Kurve nach rechts. Der Boden bestand hier aus Gras, sodass man aufpassen musste, um mit den Füßen nicht falsch auf den Boden aufzukommen. Als dieser Abschnitt zu Ende war, erreichten wir den Wald und die Strecke, die ich vom Halbmarathon her breits kannte. Auf einer Lichtung ging es nach oben.
Die folgenden Stellen im Wald waren ein bisschen aufgeweicht und man musste aufpassen, um nicht auszurutschen. Ich schaffte es, diese Stellen zu passieren, ohne meine Schuhe großartig zu verschmutzen. Kurz vor einem Parkplatz, wo wir einen Abschnitt auf Asphaltboden erreichten, war die erste Versorgungsstelle. Es gab u.a. Cola und Wasser zu trinken sowie Bananen und Wassermelonen zu essen. Ich versorgter mich und lief weiter.
Für die ersten zehn Kilometer hatte ich etwa eine Stunde benötigt. Ich bemerkte nun, wie mein Enddarm drückte und sah mich nach einer Stelle um, wo ich mich mal schnell ins Gebüsch verziehen konnte, ohne beobachtet zu werden. Toiletten waren bei diesem Landschaftsmarathon nicht aufgestellt. Schließlich kamen wir an einem Punkt vorbei, wo ich ins Gebüsch sprang, um meine Notdurft zu verrichten. Die Läuferinnen und Läufer, welche mich überholten, konnten mich von der Strecke aus nicht sehen. Erleichtert kam ich nah kurzer Zeit wieder auf die Strecke zurück, um den Marathon nun ungestört fortzusetzen.
Es ging nun wieder einige Stellen bergab, bevor nach 15 Kilometern wieder mehr Anstiege folgten. Probleme mit den Beinen hatte ich bisher noch nicht. Das Feld war inzwischen relativ weit auseinandergezogen und der Halbmarathon sollte erst um 14:50 Uhr starten. Als ich vor einer kleinen Gruppe von Läufern einen steileren Anstieg bewältigte, hörte ich hinter mir tatsächlich ein Handy klingeln. Nachdem dieses mehrmals geläutet hatte, rief ein Teilnehmer „Telefon!“ und der Angerufene hob ab.
Nach etwa 20 Kilometern erreichten wir zum zweiten Mal den Streckenabschnitt kurz vor dem Parkplatz, wo wir wieder auf den gleichen Versorgungspunkt trafen. Ich unterhielt mich mit einigen anderen Läufern. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer war relativ hoch, einer trug ein Trikot vom Zermatt-Lauf (Schweiz?), für den das heutige Event wohl ein Spaziergang war. Auf dem Schild eines Helfers las ich: „Wer in Bad Pyrmont läuft, lacht in Berlin“, was darauf hinweisen sollte, dass die Strecke in Berlin relativ flach ist.
Die Strecke war bis Kilometer 30 nicht komplett ausgeschildert. Lediglich im Abstand von fünf Kilometern standen Schilder. Nach etwa 22 Kilometern erreichten wir die Sennhütte, an welcher ich auch vor zwei Jahren vorbeigelaufen war. Hinweisschilder wiesen auf eine weitere Hütte hin, welche möglicherweise ganz oben auf dem Berg stand. Ich war gespannt, ob beim Marathon vielleicht die höchste Stelle des Gebirges erreicht werden würde. Ich hatte im Höhenprofil gelesen, dass der höchste Punkt bei Kilometer 27 erreicht weden sollte, also meiner Berechnung nach um 15:45 Uhr. Bei Kilometer 32 sollte der letzte größere Anstieg folgen, danach würde es überwiegend nur noch bergab gegen.
Bei Kilometer 25, kurz nach einer Versorgungsstelle, ging es steil bergauf. Ich hielt an und zog meine Schuhe und Socken aus, um ein Pflaster auf eine Stelle zu legen, wo sich eine Blase bildete. Dann ging es weiter. Dann kamen wir an einem Abschnitt vorbei, welcher später in entgegengesetzter Richtung abgelaufen werden sollte. Hier kamen uns einige schnelle Läufer entgegene. Ich weiß allerdings nicht mehr, ob es sich bei ihnen um die Führenden des Marathons oder des Halbmarathons handelte.
Enttäuschenderweise lag der höchste Punkt des Marathons nicht auf einem Aussichtspunkt, sondern mitten auf der Strecke, wo links die Berge lagen und rechts der Abgrund war. Im Moment dachte ich noch daran, wie ich später in Hannover in einer der Imbissbuden am Hauptbahnhof einige fette, ungesunde Sachen zu mir nehmen würde, da ich inzwischen richtig Hunger hatten. An den Versorgungsstellen konnte ich nur Bananenstücke und Wassermelonen zu mir nehmen.
Schließlich folgte der letzte steilere Anstieg und dann trafen wir auf das hintere Feld der Halbmarathonläufer, von denen ich einige überholte. Das Abwärtslaufen war auch anstrengend, da ich bremsen musste. Meine Beine taten immer stärker weh. Schließlich spärte ich am unteren Rücken Schmerzen, welche offenbar durch die Reibung der Läuferhose zustande gekommen waren. Ich steckte daher mein Trikot hinten in die Hose, um dies zu beenden. Eine Läuferin, mit der ich mich einige Zeit unterhalten hatte, war inzwischen weit vor mir.
An einem der letzten Versorgungsstände sagte mir der Helfer, dass ich dringendst tüchtig essen sollte, um mal ein bisschen etwas auf die Rippen zu bekommen. Ich erklärte ihm, dass das Laufen bei dieser Sache eher kontraproduktiv sei, ich dies aber nicht ändern könne, da ich süchtig nach Laufen sei.
Die restlichen Kilometer machte ich langsam, obwohl es nur noch bergab ging. Als ich wieder die Wiese erreichte, wo es in den Ort ging, stand ein Fotograf des Foto-Teams Müller da. Ich fragte ihn im Vorbeilaufen, ob er und sein Team auch in Cuxhaven dabeigewesen waren, und er bejahte. Dann erreichte ich die Lichtung im Wald und überquerte die Straße, welche vom Polizeiposten abgesichert wurde.
Auf der anderen Seite der Straße ging es durch den Park, wo ich den zuschauenden Senioren zuwinkte. Nach der Linkskurve, die zum Schwimmbad führte, überholte mich ein Läufer, der keine Hände (mehr) hatte. Dann ging es nach links in die Fußgängerzone, wo inzwischen zahlreiche Zuschauer in den Cafés saßen und mir zujubelten.
Da hinter mir eine Gruppe von vier Teilnehmern war, beschleunigte ich ein bisschen, um dann schließlich nach vier Stunden und 20 Minuten die Ziellinie zu überqueren. Hier war gerade die Siegerehrung für Marathon oder Halbmarathon. Ich bekam zwar etwas zu trinken, aber keine Medaille, was mich sehr enttäuschte. Angeblich waren die Medaillen für den Marathon schon im letzten Jahr abgeschafft worden.
Enttäuscht ging ich in das große Gebäude und holte meine Tasche ab. Dann ging ich zu Fuß zum Stadion, wo ich nach kurzer Zeit die Umkleiden fand und duschte. Offenbar hatte ich mir leichtere Hautschürfungen zugezogen, da es sehr schmerzte, wenn das Wasser über den unteren Teil meines Rückens floss.
Meiner Ansicht nach sollte die S-Bahn nach Hannover um 18:02 Uhr vom Bahnhof abfahren. Ich hatte nach dem Verlassen der Umkleide noch 20 Minuten Zeit, den Bahnhof zu erreichen. In Sandalen versuchte ich, zu joggen, um noch rechtzeitig am Bahnhof anzukommen. Nach einigen Laufeinheiten schaffte ich es tatsächlich, am Bahnhof in die stehende S-Bahn einzuspringen. Hätte ich diese Bahn verpasst, so hätte eine ganze Stunde warten müssen.
Nach den 42 Kilometern war ich zwar extrem hungrig, aber der Appetit hatte nachgelassen. Ich hatte das Gefühl, sämtliches Essen sofort wieder ausbrechen zu müssen. Deshalb verzichtetete ich eine Stunde später am Hauptbahnhof Hannover auf einen Besuch in der besagten Bude und begab mich in den Zug nach Rheine. In Wunstorf stieg ich wieder aus und fuhr mit dem RE nach Norddeich-Mole bis Achim, wo ich die Nordwestbahn nach Bremen-Walle nahm. In Bremen-Walle nahm ich die Straßenbahn zu mir nach Hause. Hier kam ich gegen 21:30 Uhr an und legte mich zwei Stunden später schlafen. Ich hatte heute den härtesten Marathon meines Lebens absolviert.

Halbmarathon Wardenburg 2014-07-13

Der siebenundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 6. Wardenburger Sommelauf.
Am Wardenburger Sommerlauf hatte ich bereits 2012 teilgenommen. Im letzten Jahr war die Veranstaltung dann mit dem Wilhelmshaven-Marathon auf einen Tag gefallen, weshalb ich hier nicht dabei sein konnte. Bei der diesjährigen Anmeldung hatte ich angegeben, dass der Kommentator bei meinem Zieleinlauf sagen solle, dass ich heute meinen 97. Halbmarathon absolvierte. Leider kam es ein bisschen anders.
Der Start von Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf war um 14:30 Uhr. Ich stand an diesem Sonntag sehr früh auf, frühstückte und aß einige Stunden später zu Mittag. Um 11:30 Uhr schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr zum Bahnhof Bremen-Neustadt. Hier half ich einer Passagierin, die auch nach Oldenburg wollte, beim Kaufen einer Fahrkarte. Ich selber holte mir eine Tageskarte für mein Fahrrad, denn wegen der schlechten Busverbindungen nach Wardenburg war ich auf mein Rad angewiesen.
Um 12:19 Uhr fuhr die Nordwestbahn nach Oldenburg ein. Ich platzierte mein Fahrrad und las eine Zeitschrift. Um 12:53 Uhr kam der Zug pünktlich in Oldenburg an. Hier stieg ich aus und machte mich auf den zehn Kilometer langen Weg nach Süden. Ich kannte die Strecke an der Hunte entlang noch von vor zwei Jahren. Damals hatte mich auf dem Hinweg ein starker Platzregen überrascht, während es jetzt trocken blieb. Die Temperatur lag bei knapp über 20°C, aber es waren auch Regenschauer vorhergesagt worden.
Nach etwa vierzig Minuten kam ich am Veranstaltungsort an und stellte mein Fahrrad auf dem Parkplatz ab. Dann ging ich zum Schulgelände, um mir die Startnummer abzuholen. Leider war mein Name nicht auf der Voranmeldeliste. Da ich jedoch sicher war, mich angemeldet gehabt zu haben, vereinbarte ich mit dem Helfer eine Nachmeldung, für die ich nicht bezahlen musste. Ich versprach, noch einmal nachzuschauen, ob ich auch wirklich bezahlt hatte.
In den Kabinen der Turnhalle konnte ich mich umziehen. Ich trug obenrum das Trikot, welches ich letztes Jahr in Hoisbüttel gewonnen hatte. Dann gab ich meine Tasche ab und lief mich warm. Ich trug weder Kappe noch Sonnenbrille. Schließlich stellte ich mich in das Starterfeld, weleches dann zur Hauptstraße hinlaufen sollte. Die Strecke war die gleiche wie vor zwei Jahren.
Der Startschuss für Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf kam mit drei Minuten Verspätung, kurz nach 14:30 Uhr. Der Weg führte auf die Hauptstraße und von dort erst ein Stückchen nach Norden, den Weg entlang, auf welchem ich mit dem Fahrrad hergekommen war. Dann ging es nach links und an einer anderen Straße nach Süden durch ein Wohnviertel von Wardenburg. Anfangs war ich relativ schnell unterwegs, doch dann bekam ich Seitenstechen. Ich musste langsamer machen und wurde ständig überholt.
Vor zwei Jahren war ich mit Knieproblemen angetreten, welche sich nach zehn Kilometern bemerkbar gemacht hatten. Trotzem hatte ich damals weniger als hundert Minuten für die Strecke benötigt. Diesmal wurde es ein bisschen mehr, weil ich nun entschloss, langsamer zu laufen und die Umgebung zu genießen. Die Temperaturen waren doch ein bisschen zu hoch. Ich ließ bei keinem Versorgungspunkt den Wasserbecher aus.
Im Wohngebiet kamen wir schließlich auf eine weitere Hauptstraße, die uns aus dem Ort hinaus nach Westen führte. Hier mussten wir auf dem Radweg laufen, während die Straße für die Autos freigegeben war. Dann bogen wir rechts ab und kamen an einigen Bauernhöfen vorbei und durch Wälder hindurch.
Nach einer großen Schleife durch das Gebiet westlich von Wardenburg kamen wir wieder weiter nördlich zu einer der Hauptstraßen. Als wir diese überquerten, sah ich eine lange Schlange von Autos, welche wegen uns warten mussten.
Wir waren nun wieder im nördlichen Teil von Wardenburg und überquerten die Hauptstraße, auf welcher ich vorhin mit dem Fahrrad hierher gekommen war. Auch hier warteten zwei lange Autoschlangen. Als wir das Wohngebiet hinter uns hatten, ging es an einem See vorbei und über einen kleinen Fluss. Nun folgte der Abschnitt östlich von Wardenburg. Es ging nach Süden, wobei nun die Stelle kam, wo sich Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf trennten. Ein Mann hielt am Ende des Parkplatzes ein Schild hoch, in welchem ein Pfeil nach rechts für die Zehn-Kilometerläufer und ein Pfeil nach links für die Halbmarathonis war. Wir befanden uns nun so nahe am Veranstaltungsgelände, dass ich aus der Ferne den Kommentator hören konnte.
Der nächste Abschnitt führte nun auf einer Art Deich entlang. Ich erinnerte mich, wie hier vor zwei Jahren die Schmerzen an meinem Knie begonnen hatten. Mein heutiges Seitenstechen war inzwischen vorbei. Kurz, bevor wir den Deich verließen, passierte wir einen Fotografen, der Bilder von uns machte.
Wir unterquerten daraufhin eine Fernverkehrsstraße. Dann erreichten wir eine Straße für Autos, die wir überquerten. Auf der anderen Seite kamen wir an einem Bauernhof vorbei, wo – wie vor zwei Jahren – einige Kinder Gratis-Duschen mit Wasser verteilten. Ich lehnte ab, da ich kurz zuvor schon einnmal unter einer aufgestellten Duschbrause hindurchgelaufen war. Es ging nun nach Süden und jetzt begann es zu regnen. Der Regen wurde, wenn auch nur langsam, kontinuierlich stärker. Als es wieder nach Norden ging, kamen wir über die Fernverkehrsstraße. Dann wurde der Regen immer stärker. Hinter der Brücke hatten wir auch schon wieder das Wohngebiet von Wardenburg erreicht. Wir liefen durch dieses Gebiet östlich der Hauptstraße und kamen dann zum Zielbereich. Als der Kommentator mich sah, nannte er meinen Namen und meine Herkunftsstadt. Er sagte, dass in Bremen die Weser fließe, während heute hier das Wasser vom Himmel fließe.
Im Zielbereich gab es verschiedene Sorten Krombacher, ich suchte jedoch so schnell wie möglich die Taschenabgabe auf. Meine Startnummer hatte ich im Ziel gleich abgegeben, da diese den Zeitmesschip enthielt und bei der nächsten Veranstaltung wieder verwendet werden sollte. Es regnete inzwischen in Strömen und ich rannte mit der Tasche in der Hand sofort zur Turnhalle, wo sich die Duschen befanden. Dort duschte ich und zog mich um. Als ich die Turnhalle verließ, hatte der Regen wieder aufgehört. Ich hatte in der Ausschreibung gelesen, dass es eine Ehrung für die ersten drei aller Altersklassen geben würde, da meine Zielzeit aber bei über 1:44 Stunden lag, war mir klar, dass ich hier nicht dabei sein müsste. Später erfuht ich jedoch, dass ich in meiner Altersklasse tatsächlich den dritten Platz belegt hatte. Da ich dies jetzt aber nicht vermutete, ging ich zu meinem Fahrrad und machte mich auf den Rückweg. Der Feldweg an der Hunte entlang war inzwischen sehr matschig und da ich Sandalen und kurze Hose trug, wurden meine Beine extrem dreckig.
Am Oldenburger Hauptbahnhof ging ich zunächst noch essen, bevor ich dann in die Nordwestbahn stieg und nach Bremen-Neustadt zurückfuhr. Als ich am Bahnhof mein Fahrrad die Treppe heruntertragen musste, wollte ich meine Hände nicht schmutzig machen und fasste das Rad daher an ungeeigneten Stellen an. Eine andere Passagierin, die hier ebenfalls ausgestiegen war, sah dies und half mir beim Tragen. Dann erkannte ich, dass es sich um dieselbe Frau handelte, der ich vor der Hinfahrt beim Fahrkartenkauf geholfen hatte. Wir unterhielten uns noch kurz und ich erfuhr, dass sie sich gar nicht für Fußball interessierte und heute abend nur kurz in den Fernseher schauen würde, um zu erfahren, wie das WM-Finale ausgegangen sei.
Von Bremen-Neustadt aus fuhr ich mit dem Fahrrad nach Hause. Obwohl ich heute morgen früh aufgestanden war, blieb mir nichts anderes übrig, als bis Mitternacht wachzubleiben, da die DFB-Elf das WM-Finale erst nach Verlängerung für sich entscheiden konnte.
Als ich am nächsten Morgen meine Kontoauszüge kontrollierte, musste ich feststellen, dass ich tatsächlich für den Wardenburg-Halbmarathon nicht bezahlt hatte. Schockiert suchte ich die Kontodaten heraus, überwies 20 Euro an den Veranstalter (12€ + 4€ Nachmeldegebühr + 4€ zusätzlich) und schrieb eine E-Mail, worin ich den Sachverhalt erklärte. Einen Tag später bekam ich per E-Mail eine Bestätigung, dass das Geld angekommen sei und man mich gerne im nächsten Jahr wieder hier begrüßen würde.

Freitag, 11. Juli 2014

Halbmarathon Hamburg 2014-06-29

Der sechsundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 20. hella Halbmarathon in Hamburg.
Den Hamburg-Halbmarathon absolvierte ich nun schon zum fünften Mal. In den letzten drei Jahren waren die Temperaturen trotz des Termins Ende Juni bzw Anfang Juli relativ niedrig gewesen und auch in diesem Jahr sah es in dieser Hinsicht gut aus. Die Strecke war genau die gleiche wie in den Vorjahren mit Start an der Reeperbahn und Ziel an der Rothenbaumchaussee. Da hier auch die Startunterlagenausgabe war, welche am Sonntag nur bis 8:30 Uhr geöffnet sein sollte, entschied ich mich wie immer, meine Unterlagen bereits vor dem Lauftag abzuholen.
Im Gegensatz zu den Vorjahren fiel diese Veranstaltung nicht mit dem Hurricane-Festival zusammen. Ich hatte bisher auf Hin-und Rückfahrt am Freitag das Problem, dass viele Gäste dieses Festivals die Züge verstopften und die Fahrt unangenehm machten. Dieses Mal wählte ich den Samstag für die Anfahrt. Um 10:33 Uhr nahm ich den Metronom vom Bremer Hauptbahnhof nach Hamburg. Leider war an diesem Tag ein Schlager-Festival in Hamburg, weshalb der Zug ähnlich verstopft war. Trotz Verbot trank fast jeder der Fahrgöäste Alkohol und versteckte die Flaschen jeweils, wenn eine der beiden Zugbegleiterinnen vorbeikam.
Ich stieg in Rotenburg aus, wo ein Mitarbeiter des SDS-Sicherheitsdienstes mir sagte, dass in den Metronom-Zügen heute zwar fast alle Passagiere Alkohol tranken, trotzdem aber die Regel gelte, dass derjenige, der erwischt werden würde, die Vertragstrafe von 40€ zahlen müsste. Er selber hätte auf seiner letzten Fahrt die Daten von 3 Passagieren aufgenommen. Tatsächlich forderte er jeden Passanten, der den Metronom mit Bierdose in der Hand betreten wollte, auf, diese vorher wegzuwerfen.
In Rotenburg wartete ich nun auf den langsamen Metronom nach Hamburg, welcher leider noch gefüllter war als der Metronom zuvor. In Tostedt stieg dann endlich ein Mitarbeiter des SDS-Sicherheitsdienstes ein, der tatsächlich einen der Passagiere beim Alkoholtrinken erwischte und ihn direkt um 40 Euro (in bar) erleichterte. Einige andere Fahrgäste boten auch mir kleine Schnapsflaschen an, die ich jedoch ablehnte.
Es dauerte ewig, bis ich in Hamburg ankam. Ich fuhr vom Hauptbahnhof aus zur Hallerstraße, wo ich mir die Startunterlagen mit dem Zeitmesschip abholte. Diesen hatte ich letztes Jahr vergessen nach dem Rennen wieder abzugeben, und musste ihn daher dem Veranstalter mit der Post zuschicken. Auf der Rückfahrt nach Bremen war es wesentlich ruhiger. Die Zugebgleiterinnen sammelten lediglich die hinterbliebenen Bierdosen- und flaschen ein.
Für den Tag des Halbmarathons hatte ich mit Problemen bei der Anfahrt gerechnet. Da es sowohl auf der Straßenbahnlinie von Gröpelingen in die Innenstadt als auch auf der Bahnstrecke zwischen Burg und dem Hauptbahnhof Bauarbeiten gab, hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mit dem Fahrrad von meiner Wohnung zum Hauptbahnhof zu fahren und dieses dann in den Metronom zu stellen. Schließlich entschied ich mich aber dazu, um 7:10 Uhr die Straßenbahn zum Bremer Hauptbahnhof zu nehmen, wo ich dann 3 Minuten Umsteigezeit in den Metronom hatte.
Nach einigen Stunden Schlaf wachte ich am Sonntag gegen 5:30 Uhr auf. Ich stand auf und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche. Mein vorbereitetes Brot für unterwegs hatte ich tatsächlich zu Hause vergessen. Ich stieg in die Straßenbahn, welche kurz vor halb acht Uhr am Hauptbahnhof ankam und rannte dort zum Metronom nach Hamburg, den ich glücklich erreichte.
Auf der Fahrt nach Hamburg bemerkte ich nun, dass ich nicht nur mein Brot, sondern auch die Sicherheitsnadeln für dis Startnummer vergessen hatte. Zum Glück bekam ich von anderen Teilnehmern drei Sicherheitsnadeln geschenkt, zwei für meine Startnummer und die dritte für die Aufschrift auf meiner Tasche.
Der Zug kam pünktlich um Viertel vor neun Uhr am Hamburger Hauptbahnhof an. Ich ging nun in eine Bäckerei, um mir eine Brezel zu kaufen, damit ich statt meines eigentlich vorbereiteten Brotes noch etwas in den Magen bekam. Dann ging ich zur unterirdischen U-Bahn-Station, um die U3 nach St. Pauli zu besteigen. Hier traf ich nun etliche andere Läufer. Als die U-Bahn den unterirdischen Bereich verließ, sah ich, dass das Wetter noch genauso trüb und leicht verregnet war wie bisher. Die Temperaturen lagen bei unter 20°C. Als ich in St. Pauli die unterirdische U-Bahn-Haltestelle verließ, sah ich mich in einem großen Getümmel von Sportlern wieder. Ich ging zur Wiese neben der Reeperbahn und zog mich um. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo ich eine beachtliche Zeit von unter 86 Minuten gelaufen war, zog ich mir diesmal ein Trikot an, und zwar das vom Wilhelmshaven-Halbmarathon, welches ich zwei Wochen zuvor erhalten hatte. Auf eine Kappe verzichtete ich beim Laufen. Der Regen war nicht so stark, dass ich meine Brille ständig putzen musste und mir eine Kappe geholfen hätte.
Die aufgestellten mobilen Toiletten an der Reeperbahn waren teilweise extrem versaut und unbenutzbar. Ich benutzte eines der Häuschen, nachdem ich meine Tasche im LKW abgegeben hatte und schaute mir an, wie um 9:30 Uhr die Inlineskater starteten. Auf der rechten Hälfte der Reeperbahn war nur eine Handvoll Skater zu sehen, welche das Elite-Feld repräsentierten. Auf der linken Seite startete das Fußvolk. Kurz vor zehn Uhr machte ich mich schließlich selber auf den Weg auf die rechte Seite der Reeperbahn.
Als ich die Stelle erreichte, wo die Läufer mit einer Zielzeit von weniger als 90 Minuten untergebracht waren, war es bereits relativ voll. Ich gelangte trotzdem auf die Startgeraden. Der Start musste um eine Minute nach hinten verschoben werden, um die langsamste Inlineskaterin noch durchzulassen, welche sich nun auf der zweiten Runde befand. Vor mir war ein Pacemaker für die 1:29-Stunden-Marke, den ich überholten wollte. Dann ging es endlich los.
Da es anfangs sehr eng war, musste ich immer wieder von der einen Seite der Reeperbahn auf die andere wechseln, um Lücken zu finden. Als wir die Reeperbahn hinter uns hatten, wurde es auf der Strecke leerer und am Rand ruhiger, da nun keine Zuschauer mehr vorhanden waren. Am Wendepunkt in Altona überholte ich die letzte Inlineskaterin. Da diese sich schon auf der zweiten Runde befand, bestand die Möglichkeit, sie irgendwann noch einmal zu überholen.
Meine Zeiten bewegten sich im Bereich von 250 Sekunden pro Kilometer. Ganz so schnell wie im letzten Jahr, wo ich unter die ersten 100 gekommen war, konnte ich heute nicht sein.
Als wir die Landungsbrücken hinter uns hatten, mussten wir uns links einordnen um in die zweite Runde zu gelangen. Kurz bevor wir wieder auf die Reeperbahn kamen gab es etwas zu trinken. Den Wasserbecher leerte ich während dem Laufen, um möglichst wenig Zeit zu verlieren.
In der zweiten Runde fiel mir schließlich auf, dass an den Landungsbrücken relativ wenige Zuschauer waren, was wohl auch am Wetter lag. Es regnete zwar nicht stark, tröpfelte aber durchgehend. Am Ende der zweiten Runde wurde es dann doch ein bisschen enger, da die Zuschauer hier direkt am Wegrand standen. Es ging nun an der Speicherstadt vorbei in Richtung Hauptbahnhof. Bei Kilometer zehn wurde die Zwischenzeit gemessen, ich hatte etwa 41 und eine halbe Minute gebraucht.
Wie jedes Jahr führte der Weg neben dem Hauptbahnhof durch die Unterführung, an deren Eingang heute eine Band spielte. Dort unten waren wir vor Regentropfen sicher. Als wir dann wieder nach oben liefen, konnte ich links vor mir die Binnenalster sehen. Beim Marathon hatte ich diese einmal umrunden müssen, jetzt ging es nach rechts unter einer S-Bahnbrücke hindurch und dann nach links auf eine Brücke für Autos, die heute aber komplett für Läufer gesperrt war. Da auf der anderen Seite der Brücke der Wendepunkt war, konnte ich rechts von mir das Läuferfeld sehen, welches vor mir war. Unter diesen Teilnehmern war auch die langsamste Inlineskaterin. Ich nahm mir vor, sie vor dem Ziel noch abzufangen und teilte das einem anderen Läufer in violettem Trikot mit, der mich gerade überholte. Er sagte, dass ihm solche Skaterinnen irgendwie leid täten und war dann auch schon weit vor mir. Ihn selber holte ich nicht mehr ein.
Beim Wendepunkt musste ich langsam machen, um die 180°-Kurve zu absolvieren. Dann konnte ich das Feld hinter mir sehen. Auf den 1:29-Stunden-Pacemaker hatte ich einen beruhigenden Vorsprung. Mitten auf der Brücke war auch ein Zelt mit Moderatorenteam aufgebaut, die über Lautsprecher auch meinen Namen durchgaben.
Hinter der Brücke ging es nach links, da jetzt der Abschnitt um die Alster folgte. Am Straßenrand sah ich die langsamste Inlineskaterin, welche sich offenbar am Fuß behandeln ließ. Ich hatte nun einen sehr schönen Blick auf die Außenalster, während der Weg nach Norden führte. Meine Geschwindigkeit hatte nachgelassen und ich hatte auch nicht mehr die Kraft, jetzt noch einmal schneller zu machen.
Der letzte Streckenabschnitt führte über mehrere Brücken, da die Alster hier einige Nebeflüsse besitzt. Als ich auf die lange Zielgeraden einbog, überholte ich tatsächlich noch die zweitlangsamste Inlineskaterin. Ich versuchte, jetzt noch einmal richtig zu beschleunigen. Leider wusste ich nicht genau, nach wieviel Sekunden ich die Startlinie überquert hatte. Die Ziellinie erreichte ich bei einer Bruttozeit von knapp über 1:28:30h. Als ich dann langsam zur Verpflegung ging, hörte ich eine Moderatorin sprechen, die offenbar von einem Rundfunksender kam und zufällig Teilnehmer aussuchte, um Preise zu vergeben. Sie erwähnte einen männlichen Finisher in rosafarbenem Shirt, welcher einen Freistart für das nächste Jahr und offenbar noch einen Sachpreis gewonnen hatte. Da ich aber keinen Mann in rosa Shirt sehen konnte, vermutete ich, dass sie den Typ im violetten Trikot meinte, mit dem ich mich vorher noch unterhalten hatte.
Glücklicherweise hatte ich schon während des Rennens daran gedacht, nachher den Zeitmesschip wieder abzugeben, was ich daher diesmal nicht vergaß. Nach einigen Bechern verschiedener Getränke des Sponsors hella bekam ich die Medaille umgehängt. Sie war denen der bisherigen Auflagen sehr ähnlich, hing diesmal aber an einem hellblauem Band.
Ich ging zum entsprechenden LKW und holte meine Tasche ab. Wie im Vorjahr suchte ich erneut nicht die Duschen der Universität, sondern der nebenanliegenden Schule auf. Hier ging es extrem ruhig zu. Ein anderer Läufer erklärte mir, dass man den Zeitmesschip auch für etwa 20 Euro kaufen könne. Als ich das hörte, wurde mir klar, dass sich ein solcher Kauf bei mir bereits amortisiert hätte, da ich den Hamburg-Halbmarathon nun schon fünfmal absolviert hatte und auch einmal bei der Rostocker Marathon-Nacht dabei gewesen war, wo der gleiche Chip verwedet wurde.
Nach dem Duschen ging ich zur U-Bahn-Haltestelle Hallerstraße und fuhr zum Hauptbahnhof. Leider war die Brücke über die Elbe, welche den gesamten Eisenbahnverkehr abdeckt, gesperrt. Ich ging daher am Jungfernstieg noch in eine Kneipe und trank ein Bier. Erst am späten Nachmittag kam ich wieder zu Hause an.

Dienstag, 24. Juni 2014

Halbmarathon Nordholz 2014-06-21

Der fünfundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der dreizehnte Nordholzer Windmühlenlauf.
Der Nordholzer Windmühlenlauf ist eine sehr kleine Veranstaltung. Vor zwei Jahren finishten hier lediglich 21 Halbmarathon- und etwa 40 Zehn-Kilometerläufer. Ich hatte damals gerade eine Phase mit Knieproblemen und belegte daher am Ende Rang vier. Ohne die Knieprobleme – so dachte ich zumindest – hätte ich beim Halbmarathon den zweiten Platz erreicht. 2013 hatte ich hier nicht teilgenommen, weil der Wilhelmshaven-Marathon auf das gleiche Wochenende gefallen war. Für die diesjährige Auflage hatte ich eine E-Mail als Anmeldung geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Da die Ausschreibung nicht im Internet zu finden war, orientierte ich mich an den Daten des Vorjahres, wonach Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf gemeinsam um 18 Uhr starten sollten.
Glücklicherweise war es nicht ganz so heiß wie vor zwei Jahren. Es sollten bis zu 17°C werden. Ich nahm gegen 14 Uhr den Bus zum Bahnhof Bremen-Burg. Um 14:49 Uhr fuhr hier die Nordwestbahn nach Bremerhaven ab. Während der Fahrt unterhielt ich mich mit einer Frau, die bei mir in der Nähe wohnte. Am Bremerhavener Hauptbahnhof verabschiedete ich mich von ihr un fuhr weiter nach Lehe, wo ich auf die EVB nach Cuxhaven wartete. Als dieser Zug schließlich Dorum verlassen hatte, kam Mehmet Ö, ein alter Lauffreund von mir, ins Abteil. Er wollte ebenfalls beim Windmühlenlauf teilnehmen, glücklicherweise aber nicht beim Halbmarathon, sondern beim Zehn-Kilometerlauf. Mehmet war bereits in Cuxhaven der Sieger beim Dreißig-Kilometerlauf gewesen.
In Nordholz stiegen wir aus und machten uns auf den Fußweg zum Sportplatz. Ich erklärte Mehmet meine Sorgen wegen der Heimfahrt, da um 21:51 Uhr kein Zug nach Bremerhaven fuhr. Lediglich um 20:51 Uhr und um 22:51 Uhr sollten Züge fahren. Da ich die Siegerehrung heute aber unbedingt miterleben wollte, musste ich mich darauf einstellen, erst sehr spät nach Hause zu kommen.
Am Sportplatz konnte ich mir dann die Startunterlagen abholen. Meine Anmeldung war tatsächlich registriert worden und ich musste jetzt nur noch die 8€ Startgebühr bezahlen. Um 17 Uhr starteten dann der 2,6- sowie der Fünf-Kilometerlauf. Ich aß zunächst mein mitgebrachtes Brot und kaufte mir dann noch eine Bratwurst. In der Teilnehmerliste konnte ich sehen, dass sich für den Halbmarathon 15 Leute vorangemeldet hatten. Unter den Läufern erblickte nun auch Andreas S, mit dem ich in Cuxhaven kurz gesprochen hatte. Er hatte bisher nur sehr wenige Läufe absolviert, war dafür aber schon relativ schnell. Dass er auch den Halbmarathon laufen wollte, machte mir Sorgen, weil ich dann einen Konkurrenten mehr hatte.
Ich zog mich um und ließ meine Tasche in der Umkleidekabine. Um kurz vor 18 Uhr machte ich mich dann mit Andreas zusammen auf den Weg zur Startgeraden. Das Teilnehmerfeld für die beiden Hauptläufe war sehr überschaubar, was vielleicht auch am heutigen Fußballspiel (Deutschland - Ghana) liegen konnte. Ich hatte mich bereits damit abgefunden, dieses Spiel nicht sehen zu können, da ich zu diesem Zeitpunkt im Zug sitzen würde.
Die Halbmarathonläufer hatten eine Startnummer im 200er-Bereich, die Zehn-Kilometerläufer eine im 300er-Bereich. Die Strecke war genau die gleiche wie vor zwei Jahren.. Wenn ich mir also am Start merkte, wieviele Läufer vor mir waren, so konnte ich am Wendepunkt für den Fünf-Kilometerlauf bestimmen, auf dem wievielten Platz ich mich befand, da ich dazu einfach nur die Zahl der mir entgegenkommenden Läufer subtrahieren musste.
Mit etwas Verspätung kam um kurz nach 18 Uhr der Startschuss. Der Weg führte zunächst einmal um das Stadion herum. Ich befand mich sehr schnell auf Position sechs, machte dann aber einen Platz gut und rückte auf den fünften Platz vor. Andreas war einige Meter hinter mir. Der Führende im Halbmarathon wurde von einem Radfahrer begleitet. Als wir wieder am Stadion vorbeikamen, hatten wir bereits etwa drei Kilometer absolviert. Meine Zeit lag bei vier Minuten pro Kilometer, aber ich merkte, dass ich nun langsamer wurde.
Es ging nun an der Hauptstraße entlang, wobei hier ein kleiner Streifen mit Verkehrshütchen für uns Läufer vorgesehen war. Die Feuerwehr regelte den Verkehr für die Autos. Dann wurde die Hauptstraße verlassen und wir bogen nach rechts auf einen asphaltierten Weg ein, der zwischen Feldern nach Norden führte. Links von uns waren die Windräder zu sehen, welche sich sehr schnell drehten. Der Gegenwind war hier extrem unangenehm. Es ging nun kilometerweit geradeaus. Kurz vor Kilometer fünf erreichte ich den ersten Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Kurz darauf kamen mir die ersten Zehn-Kilometerläufer entgegen, welche gerade den Wendepunkt hinter sich hatten. Mehmet war der Dritte von ihnen. Meinen Berechnungen zu Folge musste ich auf Platz zwei beim Halbmarathon liegen, aber mein Vordermann war mir weit voraus. Der Typ hinter mir drehte nun auch um und so war nun Andreas direkt hinter mir und machte ganz schön Druck auf mich.
Da ich meinen Vordermann nicht mehr sehen konnte, musste ich nun ganz besonders darauf achten, den richtigen Weg zu nehmen. Ich kannte die Strecke noch aus der Erinnerung von vor zwei Jahren und hatte auf dem heutigen Streckenplan gesehen, dass sie sich nicht geändert hatte. Ich wusste, dass irgendwann eine Abbiegung nach links erfolgen würde. Als ich schließlich einen Kruezngspunkt erreichte, war ich mir nicht mehr sicher, wo ich nun hin musste. Einen Streckenposten gab es nicht und auf dem Boden waren keine Markierungen zu sehen. Ich schloss daraus, dass ich weiter geradeaus laufen müsste und tat dies auch, schaute mich dabei aber immer wieder um, ob Andreas mir auch folgte. Links und rechts vom Weg standen nun Bäume. Ich erinnerte mich, wie ich hier beim letzten Mal von Fliegen geplagt wurde, die an dieser Stelle einige Zeit lang um meinen Kopf herumgeschwirrt waren. Heute wurde ich wegen der niedrigen Temperaturen verschont.
Am nächsten Versorgungspunkt war dann schließlich die Stelle erreicht, wo ich links abbiegen musste. Ich nahm mir einen Becher Wasser und dann ging es zwischen einer Art Deich und den Feldern entlang. Links vor mir konnte ich in einiger Entfernung den Führenden sehen, der vom Radfahrer begleitet wurde. Ich befand mich tatsächlich auf Rang zwei. Schließlich ging es um eine Kurve nach links, sodass der Weg nach Süden führte. Ich schaute mich immer wieder um und bemerkte dabei, dass es mir einfach nicht gelang, Andreas abzuschütteln.
Ich lief nun wieder zwischen dem Deich zu meiner rechten und den Feldern zu meiner linken Seite nach Süden und hatte merkwürdigerweise immernoch Gegenwind. Dann wurde die Ortschaft Spieka erreicht. Vor zwei Jahren war ich mir hier nicht ganz sicher gewesen, ob ich geradeaus am Deich weiterlaufen müsse oder nach links in die Ortschaft abzubiegen hatte. Dieses Mal war der Versorgungsstand hier und ich bekam wieder Wasser zu trinken. Ich lief geradeaus weiter am Deich entlang. An den wenigen Häusern standen vereinzelt Zuschauer.
Schließlich kamen mir der Führende und der begleitende Radfahrer entgegen, da diese den Wendpunkt nun hinter sich hatten. Wenige Minuten später musste auch ich auf den Deich hinauflaufen und um ein aufgestelltes Hindernis herumlaufen. Ich verpasste es dabei, einen Blick hinter den Deich zu werfen, wo ich vielleicht die Nordsee gesehen hätte.
Als ich den Deich wieder hinunterrannte, kam mir Andreas entgegen und sagte mir, dass er Seitenstechen hätte. Trotzem gelang es mir im Folgenden einfach nicht, einen größeren Vorsprung herauszulaufen. Es dauerte nun eine ganze Weile, bis ich dem Viertplatzieten entgegenkam. Dann begegnete ich nach und nach den restlichen Läufern. Ganz am Ende befand sich eine junge Frau. Insgesamt nahmen am Halbmarathon nur 13 Leute teil.
Als ich den Versorgungsstand in Spieka wieder erreicht hatte, nahm ich mir erneut einen Becher Wasser, den ich aber im Laufen austrank, da mir Andreas im Nacken saß. Ich hatte jetzt langsam das Gefühl, mit dem Wind zu laufen. Als ich den nördlichsten Punkt der Strecke wieder erreicht hatte, war das ganze Läuferfeld schon an mir vorübergekommen. Ich nahm mir nun erneut einen Becher Wasser und lief sofort weiter, denn Andreas war nicht weit hinter mir. Es ging nun wieder durch den Wald hindurch.
Meine Geschwindigkeit war so, dass eine Zeit knapp über 1:28h möglich war. Ich kam wieder am Wendepunkt für den Fünf-Kilometerlauf und an den zahlreichen Windrädern vorbei. Auch hier hatte ich wieder das Gefühl, leichten Rückenwind zu haben. Der Abstand auf Andreas blieb konstant. Kurz bevor die befahrene Hauptstraße wieder erreicht wurde, kam ich am letzen Versorgungspunkt vorbei und nahm mir ein letztes Mal einen Becher Wasser. Dann bog ich in die Ortschaft an. An der Kreuzung musste ich dann nach links, um noch einmal die Runde um das Stadion zu absolvieren. Hier überholte ich die langsamste Teilnehmerin des Zehn-Kilometerlaufes. Als ich nach zwei Rechtskurven Kurs auf den Sportplatz nahm, überholte ich noch den langsamsten männlichen Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes. Dann bog ich auf den Sportplatz ein. Ich war mir nicht sicher, wie ich jetzt genau zu laufen habe. Die Kommentatorin gab meinen Namen mehrfach durch. Ich lief die Laufbahn entlang und kam dann im Ziel an, meine Zeit lag zwischen 1:28h und 1:29h. Vierzig Sekunden nach mir war auch Andreas im Ziel. Wir aßen zusammen ein paar Stücke Apfel und warteten mehrere Minuten, bis endlich der Viertplatziert im Ziel war. Es gab eine Medaille, welche zwar nicht sehr aufwändig in der Herstellung war, aber auf dem Aufkleber stand immerhin das genaue Datum der Veranstaltung.
Jetzt begann die Siegerehrung für den Zehn-Kilometerlauf, wo Mehmet den dritten Platz gemacht hatte. Ich selber ging duschen. Ein kurzer Platzregen ereignete sich währenddem. Um Viertel nach acht Uhr war dann die langsamste Teilnehmerin des Halbmarathons im Ziel und die Siegerehrung konnte beginnen. Leider gab es nur Ehrungen für die einzelnen Altersklassen, was zur Folge hatte, dass ich als einziger Teilnehmer meiner Altersklasse auf dem Podest stand. Mir wurde die ausgedruckte Urkunde erreicht. Eine Ehrung in der Gesamtwertung gab es genausowenig wie Sachpreise für die ersten drei Plätze, was vor zwei Jahren noch der Fall gewesen war.
Andreas, welcher mit dem Auto da war, brachte mich daraufhin zum Bahnhof in Nordholz. Wir vereinbarten, uns am 24. August in Bremerhaven wiederzusehen. An diesem Tag wollte er seinen ersten Marathon und ich meinen 100. Halbmarathon laufen. Ich erreichte tatsächlich noch den Zug um 20:51 Uhr nach Bremerhaven, wo ich dann in den Regionalexpress nach Bremen umsteigen konnte. Dieser Zug war extrem leer, da um 21 Uhr das Fußballspiel begonnen hatte.
Leider erreichte ich die Nordwestbahn um 22:04 Uhr nach Walle nicht mehr. Wegen Bauarbeiten an den Straßenbahnschienen am Wochenende dauerte es noch bis kurz vor Mitternacht, bis ich endlich wieder zu Hause war.

Halbmarathon Wilhelmshaven 2014-06-15

Der vierundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der neunte Gorch-Fock-Marathon in Wilhelmshaven.
Aufgrund meines Wohnortes in der Region ist Wilhelmshaven eine meiner „Pflichtveranstaltungen“. Seit 2010 hatte ich hier jedes Jahr den Halbmarathon absolviert. Der Marathon reizte mich nicht, da dieser aus zwei fast exakt gleichen Runden bestand. Für eine Startgebühr von 20€ wurde einiges geboten. Jedes Jahr gab es ein Trikot in anderer Farbe.
In den Jahren 2010-2012 hatte ich in Wilhelmshaven relativ durchschnittliche Zeiten erzielt. Im letzten Jahr war ich dann unter 87 Minuten gelaufen. Ich war vom Gesamtfeld der fünftschnellste im Halbmarathon gewesen und zudem Altersklassensieger. Leider hatte ich erst später erfahren, dass es für alle Altersklassensieger Sachpreise gab, welche bei Nichtabholung am Veranstaltungstag verfielen. Für dieses Mal hatte ich mich bereits im Vorfeld schlau gemacht. Bei der Siegerehrung sollte es Sachpreise für die ersten drei aller Altersklassensieger geben. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich einen Preis bekommen würde.
Ich schlief in der Nacht zuvor nicht mehr als drei Stunden und stand gegen fünf Uhr morgens auf. Nach dem Frühstück packte ich meine Tasche und machte mich um 6:30 Uhr auf die lange Anfahrt. Um 6:40 Uhr startete die Straßenbahn zum Bremer Hauptbahnhof. Dort fuhr ich um 7:15 Uhr mit der Nordwestbahn nach Oldenburg. Während der Zugfahrt lernte ich einen Besoffenen kennen, dem ich in Oldenburg noch einen Hamburger bei McDoof ausgab. Danach ging der junge Mann zur Bundespolizei, um sich von den Beamten das Schloss zu seinem Fahrrad aufbrechen zu lassen, da er den Schlüssel angeblich verloren hatte.
Nach längerem Aufenthalt in Oldenburg fuhr kurz nach halb neun Uhr die Nordwestbahn nach Wilhelmshaven ab. Da Marathon, Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf bereits kurz nach der Ankunft dieses Zuges in Wilhelmshaven starten sollten, sah ich im Zug keinen Läufer. Eine Station vor dem Ziel war es so leer, dass ich noch nicht einmal auf die Toilette gehen musste, um meine Kleider zu wechseln, sondern mitten im Zug meine Läuferhose anziehen konnte.
Um 9:20 Uhr kam ich in Wilhelmshaven an. Den Weg zum Gorch-Fock-Haus kannte ich bereits. Um 9:30 Uhr sah ich, wie die Zehn-Kilometerläufer starteten. Der Start von Marathon und Halbmarathon sollte um 9:45 Uhr sein. Im Gorch-Fock-Haus konnte ich mir die Startunterlagen abholen. Das Trikot war in diesem Jahr blau (grün, gelb, orange und weiß in den Jahren zuvor). Die Startnummer heftete ich mit zwei Sicherheitsnadeln an meine Hose, denn ich wollte heute „oben ohne“ laufen, um schneller zu sein. Der Zeitmesschip war in der Startnummer integriert. Die Tasche konnte ich im LKW abgeben und dann begab ich mich auf die Startlinie.
Ich war weit und breit der einzige Teilnehmer ohne Kleidung am Oberkörper, war natürlich auffiel. Es sollten heute etwa 20°C werden. Ein Streckenposten kam auf mich zu und sprach mich an. Er sagte mir, dass ich wegen des Windes hier an der Küste die Sonne nicht spüren würde. Dies sei sehr heimtückisch, weil ich dann möglicherweise doch Sonnenbrand bekommen würde. Ich erklärte ihm, dass ich keinerlei Bedenken hätte, da ich ja nur einen Halbmarathon liefe. Ich stand im Feld relativ weit vorne. In der ersten Reihe konnte ich Oliver S erkennen, den dreifachen Sieger des Bremen-Marathons. Ich ging zu ihm nach vorne und fragte, ob er heute den ganzen Marathon liefe. Er bejahte und ich war froh, nun einen Konkurrenten weniger zu haben.
Um 9:45 Uhr ging es los. Leider konnte ich meine neue Armbanduhr nicht richtig einstellen und hatte daher keine genaue Minutenanzeige, an der ich mich orientieren konnte. Ich konnte lediglich von Kilometer zu Kilometer prüfen, wie lang ich für die letzten 1000 Meter gebraucht hatte.
Die Strecke war die gleiche wie in den letzten vier Jahren. Auf der Startgeraden überholte ich zunächst ein bisschen, so dass ich mich schnell unter den ersten zehn Teilnehmern befand, wobei ich allerdings nicht wusste, welche der Läufer vor mir den ganzen und welche nur den halben Marathon absolvierten. Noch vor dem ersten Kilometer ging es nach rechts in die Fußgängerzone. Hier standen nun vereinzelt Zuschauer. Jetzt ging es ein ganzes Stück geradeaus.
Das Hinweisschild für den ersten Kilometer verpasste ich. Beim zweiten Kilometer sah ich, dass ich bis jetzt nur acht Minuten für die Strecke gebraucht hatte, merkte aber auch, dass ich die jetzige Geschwindigkeit nicht aufrechterhalten konnte. Als wir den Innenstadtbereich hinter uns hatten, kam eine Rechts-Links-Kurve, die uns auf die Brücke führte, welche über die Eisenbahnschienen führte. Hinter dem Industriegebiet kamen wir auf eine weitere Brücke, die uns über einen kleinen Hafen führte.
Dann hatten wir die erste Versorgungsstelle erreicht, wo ich mir einen Becher Wasser gönnte. Danach folgte ein Abschnitt durch einen kleinen Wald, wo ich nun von Leuten hinter mir überholt wurde. Ich konnte meine Geschwindigkeit nicht halten und spürte jetzt schon, dass ich die Zielzeit des Vorjahres nicht erreichen würde. Dann war das niedersächsische Wattenmeer erreicht, welches von uns allerdings noch durch den Deich getrennt war. Es sollte nun eine sieben Kilometer lange Geraden am Meer entlang folgen.
Da nur wenige Wolken am Himmel waren, konnte die Sonne nun ungehindert auf meinen Rücken strahlen. Allerdings spürte ich bis jetzt keine Probleme. Als es dann den Deich hinaufging, konnte ich das niedersächsische Wattenmeer sehen, wo im Moment Ebbe herrschte. Ich hatte allerdings den Eindruck, als wenn die Flut gerade im Anmarsch sei. Wir liefen nun zwischen dem Meer und der Wiese entlang, wo eine Menge Strandkörbe mit Touristen aufgestellt waren. Auf der Wiese waren auch Spielplätze für Kinder vorhanden und einige Leute machten barfuß eine Wattwanderung. Erneut wurde ich beim Versorgungspunkt von einem Streckenposten auf die Gefahr des Sonnenbrandes aufmerksam gemacht.
Nach zehn Kilometer wichen wir vom Deich ab und kamen kurz über eine Brücke, die auch die Strecke für den Rückweg bildete. Dann ging es auf den Marinestützpunkt zu, wo die Kriegsschiffe der Bundeswehr lagen. Am Ende dieser Geraden war der Wendepunkt. Ich erinnerte mich, wie ich im Vorjahr zählen konnte, wie viele Konkurrenten vor mir waren. Nun wartete ich gespannt auf das Feld, das ich nun sehen würde.
Als erstes kam mir auf der Uferstraße ein Radfahrer mit zwei Läufern entgegen. Diese beiden Läufer hatten aber überraschenderweise rote Startnummern und gehörten damit zu den Marathonis. Einer der beiden war Oliver S. Bis ich schließlich den Wendpunkt erreichte, zählte ich dreizehn Halbmarathonis. Somit befand ich mich auf Platz 14. Ich hatte nach dem Start einiges an Boden verloren. Allerdings änderte sich dies jetzt.
Auf dem Rückweg konnte ich nun das dichte Feld hinter mir sehen, darunter auch die erste Halbmarathon-Frau in Fahrradbegleitung. An der Stelle, wo Hin- und Rückweg sich trennten, gab es einen weiteren Versorgungspunkt. Ich nahm mir einen Becher Wasser und hatte nun noch fünf Kilometer vor mir. Von nun an wurde ich nicht mehr überholt, sondern begann wieder selber zu überholen.
Hinter der Brücke, die ich bereits auf dem Hinweg überschreiten durfte, war nur ein kleiner Weg der zweispurigen Straße, abgetrennt durch Verkehrshütchen, für uns Läufer vorgesehen. Ich überholte nun einen der Marathonläufer, welcher ein Trikot des Einstein-Marathons von Ulm trug und offenbar auch in der Gegend beheimatet war, da er in sehr schwäbischen Dialekt sprach.
Zwei Kilometer vor dem Ziel holte mich dann die Führende im Halbmarathon ein. Sie wurde von einem Radfahrer begleitet. Mit beiden Personen unterhielt ich mich, obwohl ich kaum die Kraft dazu hatte. Die Frau blieb vor mir, allerdings hatte ich es bereits vorher geschafft, einige andere Teilnehmer wieder zu überholen. Als wir den Park kurz vor dem Ziel erreicht hatten, war ein Kommentator am Rand und machte die Zuschauer darauf aufmerksam, dass nun die schnellste Frau hier vorbeikäme. Als ich ihn passiert und abklatschte, sprach er von „Siegfried, der sein Trikot bereits im Startbereich liegengelassen hätte.“ Dann ging es nach rechts auf die Zielgeraden.
Die Frau vor mir wurde nun von einigen Rugby-Sportlern abgeholt und ins Ziel begleitet, welches ich kurz nach ihr, bei einer Zielzeit von knapp über 90 Minuten erreichte. Ich fragte den Typen, welcher mir die Medaille umhängte, ob ich Sonnenbrand auf dem Rücken hätte. Er verneinte. Dann ging ich weiter zum Zielbereich und versorgte mich mit Äpfeln, Bananen, Melonen und Cola. Danach holte ich meine Tasche ab und ging zu Fuß zu den Duschen, wo sich noch die langsamsten Zehn-Kilometerläufer befanden. Ich duschte ausgiebig, zog mich an und machte mich dann auf den Weg zurück zum Gorch-Fock-Haus, da ich die Siegerehrung nicht verpassen wollte.
Es war inzwischen richtig warm geworden. Leider wusste ich nicht genau, wann die Siegerehrung stattfinden würde und nahm mir daher erst einmal eine Bratwurst zu essen. Dann konnte ich sehen, wie nach über zwei und einer Dreiviertelstunde der Sieger des Marathons, Oliver S, ins Ziel kam. Er kümmerte sich später noch um den Zweitplatzierten, welchen einige Krämpfe plagten. Als ich dann erfuhr, dass die Siegerehrung um 13 Uhr im Gorch-Fock-Haus sein würde, machte ich mich auf den Weg dorthin. Als ich in der Halle, wo ich mir auch die Startunterlagen abgeholt hatte, ankam, und mich umschaute, sah ich eine Bühne und davor zahlreiche Tische mit Stühlen, auf denen die Sportler saßen. Die ganze Situation kam mir vor wie eine Kaffeefahrt für Senioren.
Der Geschäftsführer des Gorch-Fock-Hauses stand auf der Bühne und ergriff das Wort. Er nannte zuerst die schnellsten drei Läuferinnen und Läufer des Halbmarathons und bat sie auf die Bühne. Für diese sechs Leute gab es Pokale. Dann wurden die Altersklassenschnellsten geehrt, wobei mit den jüngsten Teilnehmern begonnen wurde. Da es auch ein U18- und ein U20-Klasse gab, kam es vor, dass bei manchen Altersklassen die einzige Teilnehmerin automatisch auch die Siegerin war.
Da Männer- und Frauenaltersklassen zusammen zur Siegerehrung aufgerufen wurden, stand ich schließlich mit zahlreichen anderen Leuten auf der Bühne. Uns wurden die Urkunden überreicht. Zusätzlich erhielten alle weiblichen Siegerinnen eine Rose und alle männlichen Sieger eine Tasse, auf welcher der Veranstaltungsname aufgedruckt war. Als die Altersklassenehrungen vorbei waren, machte ich mich auf den Heimweg. Ich nahm um 13:44 Uhr die Nordwestbahn nach Oldenburg, wo ich um 14:35 Uhr in den Regionalexpress nach Bremen umstieg. Wegen Bauarbeiten konnte ich hier keine Regio-S-Bahn nach Walle nehmen, sondern musste die Straßenbahn benutzen, welche auch noch einen Umweg nach Gröpelingen machen musste. Gegen 16 Uhr kam ich endlich zu Hause an.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Marathon Duisburg 2014-06-01

Der zwölfte Marathon meines Lebens.
Der 31. Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg.
In Duisburg war ich bereits 2011 und 2012 den Halbmarathon gelaufen, hatte dabei aber festgestellt, dass diese Strecke relativ „langweilig“ war. Daher hatte ich mich dazu entschlossen, einmal den kompletten Marathon in Duisburg zu absolvieren, da dieser einmal über die Ruhr und zweimal über den Rhein führte. Als ich mich dazu entschied, 2014 beim Duisburg-Marathon anzutreten und die Startgebühr bezahlte, wusste ich noch nicht, welche anderen Veranstaltungen an diesem Wochenende ebenfalls möglich gewesen wären. Erst später erfuhr ich, dass am selben Tag auch der Sportcheck-Lauf in Augsburg war, welche auch einen Halbmarathon über eine Runde beinhaltete. Hätte ich dies früher gewusst, so wäre ich hier angetreten. Zu allem Überfluss teilte mir der Veranstalter des Dämmer-Marathons mit, dass ich durch meinen Altersklassen-Sieg im letzten Jahr in Ludwigshafen für die diesjährige Auflage einen Freistart gewonnen hatte. Dieser Lauf sollte – wie immer - schon am Samstagabend starten. Da ich inzwischen nicht nur die Startgebühr für Duisburg sowie die Anfahrt bezahlt hatte, musste ich natürlich auch hier absagen. Hätte man mir das doch früher mitgeteilt!
Wie bei meinen bisherigen Aufenthalten in Duisburg wollte ich im Hotel Belweder in Rheinhausen übernachten. Leider war die E-Mail-Adresse, an welche ich damals meine Buchungen gerichtet hatte, nicht mehr aktuell. Als ich dies feststellte und an die neue Adresse schrieb, waren bereits alle Zimmer besetzt. Im Zentrum von Duisburg buchte ich daraufhin eine Übernachtung im Ibis Budget Hotel.
Da ich nach dem letzten Marathon, zwei Wochen zuvor in Gelsenkirchen, nur wenig Muskelkater hatte, hatte ich mich kurzfristig entschieden, am Freitag darauf beim Sportcheck-Nachtlauf über zehn Kilometer in Bremen teilzunehmen. Unglücklicherweise lief ich am Montag darauf mit einem meiner Zehen am rechten Fuß gegen den Schreibtisch. Ein Arztbesuch war zwar nicht nötig, aber der Zeh hatte sich verfärbt und schmerzte beim Bewegen. Am Mittwoch testete ich die Belastbarkeit. Eine Strecke von zehn Kilometern schien kein Problem darzustellen. Ich war mir trotzdem nicht sicher, ob ich am Sonntag in Duisburg durchhalten würde.
Als ich mich für den Duisburg-Marathon angemeldet hatte, hatte ich auch registriert, dass es ein Finisher-Trikot geben würde. Ich freute mich darüber und dachte zunächst, dass dieses Trikot nur für die Marathonläufer vorgesehen war. Später stelle ich jedoch fest, dass es auch für die Halbmarathonis eins geben sollte und dass dies auch in den Vorjahren so gewesen war. Ich hatte es also 2011 und 2012 verpasst, mir dieses abzuholen.
Die Anreise nach Duisburg hatte ich relativ spät geplant. Erst um 17:44 Uhr fuhr der Intercity vom Bremer Hauptbahnhof ab. Einige Verspätungen addierten sich soweit, dass wir erst um 20:30 Uhr in Duisburg ankamen. Mit Hilfe meines Smartphones schaffte ich es, das Ibis Hotel zu finden, nachdem ich mir bei McDoof zwei große Portionen Pommes gekauft hatte.
Mein Zimmer war im zweiten Stock. Da das Fenster zur Hauptstraße hinausführte, verschloss ich es für die Nacht. Ich schaffte es tatsächlich, von 22 Uhr bis sieben Uhr am nächsten Morgen durchzuschlafen. Dann stand ich auf, packte meine Sachen zusammen und begab mich zu Fuß zum Bahnhof. Ich wollte um 8:25 Uhr die S-Bahn nach Schlenk nehmen, wo das Veranstaltungszentrum lag.
Am Bahnhof traf ich eine Frau mit ihrer Tochter. Die Frau wollte heute den ersten Halbmarathon ihres Lebens laufen und fragte mich, welche U-Bahn sie nach Schlenk nehmen müsse. Ich erklärte ihr, dass es mit der S-Bahn schneller ginge. Wir gingen in den Bahnhof hinein, wo die Tochter sich eine Fahrkarte kaufte (für die Läufer galt die Anmeldebestätigung als Fahrausweis) und ich mir in einer Bäckerei zwei belegte Brötchen zu Essen holte. Dann gingen wir zum Gleis.
Die S-Bahn in Richtung Solingen traf pünktlich ein. Während der fünfminütigen Fahrt zeigte mir die Frau das Gelände, auf welchem sich vor einigen Jahren der tragische Unfall der Loveparade ereignet hatte.
In Schlenk stiegen alle Läufer aus und machten sich auf den Weg zum Stadion. In den Katakomben konnten wir uns die Startunterlagen abholen. Ich tat dies, nachdem ich mich von den beiden Damen verabschiedet und der Frau viel Erfolg gewünscht hatte.
Außer einem Beutel und der Startnummer wurde mir nichts ausgehändigt. Ich erfuhr nun endgültig, dass ich das Trikot erst im Ziel bekommen würde. Ferner wurde mir gesagt, dass der Marathonstart auf 9:45 Uhr nach hinten verlegt worden war. Da ich bereits meine Läuferkleidung trug, konnte ich nun meine Sachen im LKW abgeben. Das Wetter schien fast ideal zu sein. Es sollten knapp unter 20°C werden und der Himmel war leicht bewölkt. Ich verzichtete daher auf Kappe und Sonnenbrille und trug neben der Kleidung nur meine Armbanduhr, die von den vielen Läufen schon sehr mitgenommen aussah (vor allem das Band). Da ich bei den letzten Marathonläufen einige Blasen an den Zehen davongetragen hatte, decke ich heute fast jede einzelne Zehe mit einem eigenen Pflaster ab.
Gegen 9:25 Uhr war der Start des Halbmarathons auf der Kruppstraße. Die Inlineskater waren schon vorher auf die Strecke gegangen. Bevor ich den langsamsten Halbmarathoni erreicht hatte, sollte dieser wohl schon abgebogen sein auf den reinen Halbmarathonkurs kurz vor der Ruhr. In dieser Hinsicht sollte es also nicht eng werden auf der Strecke.
Die Teilnehmerzahl beim Marathon lag bei knapp unter 1.000. Ich ging von hinten an das Startfeld heran und kämpfte mich nach vorne. Dabei fiel mir ein Läufer auf, den ich schon einmal in einem Internet-Video gesehen hatte. Auf der Rückseite seines Shirts standen alle Marathons, die er absolviert hatte. Die bisherigen 82 Marathons verteilten sich dabei lediglich auf 8 verschiedene Veranstaltungen, von denen Duisburg die mit den meisten Teilnahmen war. Als ich mich kurz mit ihm unterhielt, erfuhr ich, dass er in Ludwigshafen aufgewachsen war und damit nicht weit weg von meiner Heimat großgeworden war. Um 9:45 Uhr kam dann der Startschuss.
Im Abstand der Zielzeiten von 15 Minuten gab es Pacemaker, zwei davon für die von mir anvisierte 3:30-Stunden-Marke. Der eine von ihnen hatte einen Luftballon und hielt außerdem noch ein Schild mit der aufgedruckten Zielzeit in der Hand, welches er allerdings nach einem Kilometer einem Streckenposten übergab. Ich hielt mich zunächst hinter den beiden. Als ich sie dann irgendwann überholte, konnte ich hören, wie der Typ mit dem Luftballon sich ständig mit anderen Läufern unterhielt.
Die ersten vier Kilometer kannte ich noch aus meinen bisherigen Teilnahmen, da diese mit dem Halbmarathonkurs identisch waren. Als ich auf Höhe des Theaters war, konnte ich tatsächlich eine Halbmarathonläuferin überholen, die offenbar kurz nach dem Start irgendwelche Probleme bekommen haben musste. Der Kurs führte dann durch die Unterführung an der Nordseite des Hauptbahnhofs durch, wo die vielen Busse halten. Dahinter kam dann der Weg über die Hauptverkehrsstraße, wo es rechts zu meinem Hotel ging. Kurz darauf trennten sich Marathon- und Halbmarathonkurs und ich war auf einer für mich neuen Strecke.
Ich wusste, dass jetzt demnächst die Ruhr überquert werden sollte. Schon nach wenigen Metern kamen wir auf eine Brücke die über ein Wasser führte. Allerdings war diese Brücke so flach, dass ich mich bei einem anderen Teilnehmer erkundigte, ob dies tatsächlich die Ruhr sei. Er verneinte. Kurz darauf kamen wir über einen größeren Fluss auf einer hohen Brücke. Dieser Fluss war die Ruhr. Hinter ihr ging es nach rechts, so dass wir nun zwischen der Ruhr und dem Hafen in Richtung Osten liefen.
Auf dem ersten Teil der Strecke hatte es an den Versorgungsstellen immer nur Wasser zu trinken gegeben. Bei Kilometer 18 gab es erstmals Bananen zu essen, und ich nahm mir sofort ein Stück, denn die beiden Brötchen vom Frühstück waren inzwischen aufgebraucht. Wenige Meter später verteilten Anwohner Bananenstücke und ich schlug auch hier zu. Dann kamen wir an die Brücke, welche uns über den Rhein brachte. Von hier aus hatte man eine sehr schöne Aussicht.
Auf der anderen Seite, linksrheinisch, befanden wir uns nun schon außerhalb Duisburgs. Wir bogen links ab, wo wir an einem Ortsschild vorbeikamen, das uns wieder nach Duisburg hineinführte. Bald erreichten wir den Halbmarathonpunkt, wo unsere Zwischenzeiten gemessen wurden. Ich hatte den Pacemaker für die 210 Minuten bisher auf Distanz gehalten und träumte schon von einer neuen persönlichen Bestzeit.
Wir liefen nun nach Süden in einiger Entfernung zum Rhein. Als wir außerhalb des Wohngebietes waren, konnten wir allerdings den Rhein wieder aus der Entfernung betrachten. Wir hatten nun eine große Wiese um uns herum und befanden uns auf einer Art Fahrrad-Schnellweg. Das Läuferfeld war hier inzwischen sehr weit auseinandergezogen. Somit störte es auch nicht, dass sich einige Radfahrer unter die Läufer mischten. Eine Brücke, die über den Rhein führte, wurde von uns ausgelassen. Dann erreichten wir den Stadtteil Rheinhausen, wo es auch eine Fußgängerzone gab, durch die wir hindurchliefen.
Schließlich bogen wir links ab und kamen auf die Brücke der Solidarität, welche uns über den Rhein führte. Diese Brücke für Autofahrer und Fußgänger hat ihren Namen den Mitarbeitern von Thyssenkrupp zu verdanken, welche vor einigen Jahrzehnten für den Erhalt des Standortes gekämpft hatten. Wir hatten nun zwei Drittel der Strecke absolviert und trafen nun mit dem Halbmarathonkurs zusammen, auf dem jetzt allerdings keine Halbmarathonis mehr waren. Die jetzige Strecke kannte ich also wieder aus den Jahren 2011 und 2012. Es ging nun nach Süden an den Schienen der sogenannten U-Bahn entlang, die nach Düsseldorf führte. An einem Versorgungspunkt konnte ich erstmals Cola zu trinken bekommen. Ein Helfer reichte mir einen Becher, nachdem ich Cola gefordert hatte und sagte dazu etwas in rheinländischem Dialekt.
Ich war erstaunt, wie problemlos ich bisher durchgehalten hatte. Der angeschlagene Zeh wurde beim Laufen nicht belastet und bereitete daher keine Schwierigkeiten. Und obwohl ich am Vortag fast gar nichts gegessen hatte, war ich so schnell wie noch nie bei einem Marathon unterwegs. Bei Kilometer 30 war der Punkt erreicht, wo die U-Bahnlinie nach oben führte während wir weiter unten laufen mussten. An einem Versorgungsstand, wo auch Musik abgespielt wurde, nahm ich mir etwas zu essen und zu trinken, als ich von einer größeren Gruppe von Läufern überholt wurde. Unter diesen waren auch die beiden Pacemaker. Jetzt musste ich mich beeilen, wenn ich noch unter der Dreieinhalbstunden-Marke bleiben wollte.
Bei Kilometer 35 war dann der südlichste Streckenabschnitt erreicht. Hier gab es bei den Anwohnern – wie jedes Jahr – Traubenzucker und Salzstangen zu essen. Ich nahm mir ein Stück Glukose. Ich befand mich nun auf Höhe eines Teilnehmers, der offenbar von seiner gesamten Familie mit Fahrrädern begleitet wurde. Dies war nicht ungefährlich, da die drei Kinder aufpassen mussten, um eine Kollision zu vermeiden. Die Gruppe begleitete mich die letzten sieben Kilometer.
Fünf Kilometer vor dem Ziel war das Armband meiner Uhr kaputt. Es riss während dem Laufen. Glücklicherweise bemerkte ich dies schnell genug und konnte die Uhr noch auffangen, so dass sie unversehrt blieb. Ich hielt sie nun für den Rest der Strecke in der Hand.
Zwei Kilometer vor dem Ziel sprach ich den einen der beiden Pacemaker an. Er sagte mir, dass er bei zahlreichen Veranstaltungen als 3:30-Stunden-Pacemaker im Einsatz sei und auch vor zwei Wochen in Gelsenkirchen gelaufen war. Dann überholte ich den Mann, um auf den letzten Metern noch mal richtig schnell zu laufen.
Es ging auf einer Allee nach Norden, bis das Stadion erreicht wurde. Dort liefen wir ein und eine komplette Runde auf der Laufbahn. Auf dem Rasen hatten es sich bereits zahlreiche Halbmarathonis bequem gemacht, die offenbar seit Stunden in der Sonne lagen. Auf der Ziellinie sah ich meine Bruttozeit. Obwohl ich die letzten Meter ganz langsam über die Linie schlenderte, schaffte ich es locker, eine Zielzeit unter dreieinhalb Stunden zu realisieren.
Im Ziel ließ ich mir die Medaille umhängen, welche ziemlich groß war. Es gab verschiedene Exemplare für Marathon, Halbmarathon und Marathonstaffel. Außerhalb des Stadions nahm ich mir etwas zu trinken und ging dann an den Stand, wo ich mir das Trikot abholen konnte. Als ich sagte, dass ich es zweimal verpasst hatte, ein Halbmarathontrikot zu bekommen, boten mir die Helfer eines an, da es für beide Disziplinen verschiedene Trikots gab. Da jedoch der Jahrgang der Veranstaltung auf den Trikots vermerkt war, lehnte ich dankend ab. Ich ging zum LKW und holte meine Tasche ab. Den Weg zu den Duschen im Schwimmbad hatte ich vorher bereits erkundet. Als ich in der Umkleidekabine war und auf meinen Fahrplan schaute, erschrak ich, denn mein Zug sollte schon um 13:52 Uhr von Schlenk losfahren. Es war jetzt 13:30 Uhr. Ich hatte den ganzen Event sehr knapp kalkuliert und durch den verschobenen Start der Marathons war es nun möglich, dass ich sogar den Zug nicht mehr rechtzeitig bekam. Ich beeilte mich daher beim Duschen und machte mich danach sofort auf den Weg zum Bahnhof Schlenk. Nach kurzem Fragen fand ich den Weg dorthin. Der Zug zum Duisburger Hauptbahnhof kam mit zehnminütiger Verspätung an.
Am Hauptbahnhof kaufte ich mir noch ein ungesundes Mittagessen und stieg dann in den Intercity nach Bremen ein, welcher mit halbstündiger Verspätung dort ankam. Wegen einer Demonstration waren hier einige Straßenbahnlinien umgeleitet worden und ich konnte einen Umweg nach Hause nehmen, wo ich gegen 18 Uhr ankam.

Freitag, 23. Mai 2014

Marathon Gelsenkirchen-Essen-Bottrop-Gladbeck 2014-05-18

Der elfte Marathon meines Lebens.
Der zweite Vivawest-Marathon.
Der Vivawest-Marathon ist der Nachfolger des Karstadt-Marathons, welcher einige Jahre lang ausgetragen worden war. Dieser frühere Karstadt-Marathon hatte zwei verschiedene Startpunkte, in Oberhausen und Dortmund. Das gemeinsame Ziel war in Essen. Der jetzige Vivawest-Marathon, der dieses Jahr erst zum zweiten Mal ausgetragen wurde, war ein Rundkurs von Gelsenkirchen über Essen, Bottrop und Gladbeck zurück nach Gelsenkirchen.
Die Übernachtung hatte ich in Dortmund gebucht. Bei der Anreise am Samstag hatte ich einen Zwischenhalt in Gelsenkirchen eingefügt, um dort meine Startunterlagen abzuholen. Um 14:44 Uhr stieg ich am Samstag am Bremer Hauptbahnhof in den Intercity Richtung Frankfurt am Main ein. Nach über einer Stunde Fahrt erreichten wir Münster, wo ich in den Intercity in Richtung Trier umstieg. Nach einer Dreiviertelstunde kam dieser Zug in Gelsenkirchen an. Leider hatte ich keinen Stadtplan dabei und wusste zunächst nicht, wo es zum Veranstaltungszentrum ging. Auch andere Läufer sah ich nicht.
Ein Mitarbeiter der örtlichen Verkehrsbetriebe in der unterirdischen Straßenbahnhaltestelle erklärte mir, wie ich zum Veranstaltungsgelände gelangen könne. Ich müsse mit der Straßenbahn zwei Stationen bis zum Musiktheater fahren. Daraufhin kaufte ich mir zwei Kurzstreckentickets und stieg in die nächste Straßenbahn ein. Als ich am oberirdischen Teil der anvisierten Haltestelle wieder ausstieg, konnte ich bereits das Zelt sehen, wo es die Startunterlagen gab. Ich ging hin und holte meinen Beutel ab. Er war ziemlich groß, aber neben der Startnummer war nur Werbematerial enthalten. Die Größe des Beutels sollte allerdings nützlich sein, da meine mitgebrachte Tasche mit allem Gepäck hineinpassen würde.
Ein Trikot war im Startpreis übrigens nicht enthalten. Ich ging zurück zur Straßenbahn und fuhr zum Hauptbahnhof Gelsenkirchen, wo ich einer Dönerbude eine Art Abendessen zu mir nahm. Es war inzwischen 18:00 Uhr geworden. Um kurz vor 19:00 Uhr nahm ich dann die S-Bahn zum Dortmunder Hauptbahnhof, in die an den folgenden Haltestellen immer mehr BVB-Fans einstiegen. Die Fahrt dauerte relativ lange, da die Bahn wirklich an jedem Zwischenhalt anhielt und an einigen Bahnhöfen sogar mehrere Minuten Aufenthaltszeit hatte.
Am Dortmunder Hauptbahnhof wimmelte es nun von BVB-Fans. Beamte der Bundespolizei zeigten mir den Weg zum A&O-Hostel, wo ich die Übernachtung gebucht hatte. Dieses Gebäude lag nicht weit vom Bahnhof entfernt. Ich musste die Nacht in einem Sechsbettzimmer verbringen. Als ich dieses Zimmer betrat und meine Tasche ablegte, waren die anderen Bewohner zwar gerade nicht anwesend, aber ihre Kleidung und Ausstattung, die überall verstreut herumlag, gab mir eindeutig zu erkennen, dass es sich um BVB-Fans handelte.
Ich ging nun hinunter in die Lobby, um das Pokalfinale auf dem dort aufgestellten Fernseher anzuschauen. Es hatte gerade begonnen. Wegen der nötigen Verlängerung des Spiels saß ich bis kurz vor 23 Uhr hier. Etwa alle zehn Minuten fuhr auf der Straße ein Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene vorbei.
Als ich mich schließlich schlafen legte, waren meine Mitbewohner noch nicht da. Ein Einzelner kam kurz vor Mitternacht, drei weitere, als ich gerade versuchte, einzuschlafen. Alle schienen extrem betrunken zu sein. Ich wachte bereits gegen fünf Uhr auf und konnte nicht wieder einschlafen. Jetzt bekam ich mit, wie einer meiner Mitbewohner die Toilette aufsuchte, wo er sich – den Geräuschen zu Folge – mehrfach übergab. Ich stand gegen 6:30 Uhr auf, zog mich an und ging in den Keller, wo der Frühstücksraum war. Ein Frühstück hatte ich am Vorabend kurzfristig dazu gebucht. Ich nahm mir fünf Sandwiches mit unterschiedlichen Beilagen. Dann machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof.
Der Regionalexpress in Richtung Düsseldorf stand schon bereit. Im Gegensatz zur S-Bahn hielt er nicht an allen Stationen, so dass ich nach weniger als einer halben Stunde Fahrtzeit, um kurz vor halb neun Uhr, am Gelsenkirchener Hauptbahnhof ankam.
Ich sprach einen anderen Läufer an, der aus der Region kam. Zusammen setzten wir uns in die Straßenbahn zum Musiktheater und gingen von dort aus das Veranstaltungsgelände entlang, wo ich ihn wieder aus den Augen verlor. Ich gab meine Tasche in der Sporthalle ab. Es war nun kurz vor neun Uhr. Eigentlich sollte um neun Uhr der Halbmarathon starten und um 9:30 Uhr dann der Marathon und die Marathonstaffel. Aber daraus wurde vorerst nichts. Der Kommentator sagte, dass einige auf der Strecke geparkte Autos noch abgeschleppt werden müssten. Leider dauerte dies länger als vorgesehen. Die armen Halbmarathonis mussten jetzt auf der Startgeraden lange warten.
Ich nutzte die Gelegenheit, um noch einmal die Toilette aufzusuchen. Ich trug obenrum das Trikot vom Bremen-Marathon 2011 und eine Kappe wegen der Sonne. Leider sollten gerade heute die Temperaturen auf bis zu 23°C ansteigen.
Es dauerte bis kurz nach 9:30 Uhr, bevor die Halbmarathonis starten konnten – und zwar in mehreren Blöcken. Alle paar Minuten war der nächste Block an der Reihe. Ich hatte schon befürchtet, dass die halbe Stunde Verzögerung zwischen den Starts von Halbmarathon und Marathon eingehalten werde müssten, sah mich aber zum Glück getäuscht. Nachdem der letzte Halbmarathon-Block an den Start gegangen war, konnten die etwa 1000 Marathonis auf die Gerade gehen. Es gab Pacemaker für verschiedene Zielzeiten, auch einen für 3:30h. An diesem wollte ich mich orientieren.
Der Kommentator sagte durch, dass die von den Verspätungen betroffenen Läufer im nächsten Jahr vergünstigt an den Start gehen könnten. Dann ging es auch für die Marathonläufer los. Als ich die Startlinie überquerte, war es ungefähr zehn Uhr. Da ich nicht mehr genau wusste, wann mein Zug vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof abfahren würde, machte ich mir bereits Sorgen, ob ich den anvisierten Intercity noch bekommen würde, da ich mit Zugbindung gebucht hatte.
Ich arbeitete mich im Feld zunächst nach vorne und überholte nach etwa zwei Kilometern auch den Pacemaker für die Dreieinhalbstunden-Marke. Der Weg führte anfangs an den Straßenbahnschienen entlang unter einer Brücke hindurch. Dann ging es nach links. Wir überquerten einen Kanal. Ich unterhielt mich mit einem Läufer aus der Region über das gestrige Fußballspiel und dann noch allgemein ein bisschen über das Laufen. Dann trennten wir uns, da ich ein bisschen Gas geben musste, um nicht hinter den Pacemaker zurückzufallen.
Als der erste Versorgungsstand erreicht war, nahm ich mir einen Becher Cola zu trinken. Wegen der langen Wartezeit im Startbereich hatte ich fast schon wieder Hunger bekommen, weshalb ich mich entschlossen hatte, Cola statt Wasser während des Laufes zu mir zu nehmen. Eine Helferin, die Bananen verteilte, sagte uns, dass dies der letzte Verpflegungspunkt vor der Grenze sei. Damit war die Stadtgrenze zwischen Gelsenkirchen und Essen gemeint.
Es war inzwischen richtig warm geworden und Wolken gab es kaum am Himmel. Kurz nachdem wir eine Bahnlinie unterquert hatten liefen wir über eine Brücke. Unter der Brücke, quer zu uns, waren ebenfalls Läufer. Bei diesen handelte es sich um die Halbmarathonis, welche hier eine andere Strecke als wir liefen. Ich hatte nach wenigen Minuten bereits die langsamsten der Halbmarathonläufer überholen müssen, da diese ja nur kurz vor mir gestartet waren.
In Essen kamen wir nun am Zeche-Zollverein, einem Unesco-Welterbe, vorbei. Danach folgte die Kokerei. Hier trennten sich die Kurse von Marathon und Halbmarathon. Eine Halbmarathonläuferin, die dies zu spät gemerkt hatte, musste nun eine ganze Strecke zurückgehen. Der Halbmarathon führte zurück nach Gelsenkirchen, wir dagegen mussten weiter durch Essen.
Bei Kilometer zehn folgte eine extrem starke Steigung. Insgesamt war die Strecke nicht immer flach, es ging regelmäßig bergauf und bergab. Kurz darauf erreichten wir die Essener Rathausgalerie. Wir liefen auf der einen Seite hinein und auf der anderen Seite hinaus. Das Gebäude erinnerte mich an das Ludwigshafener Rathauscenter, wo auch eine unterirdische Straßenbahnhaltestelle in das Einkaufszentrum integriert war.
Kurz hinter der Galerie folgte der Limbecker Platz, wo künstliche Wasserbecken angelegt waren. Dies war ein sehr schöner Anblick.
Als wir Essen hinter uns hatten, ging es auf einer Schnellstraße in Richtung Bottrop. Diese Schnellstraße hatte zwei Fahrspuren in beide Richtungen, getrennt durch Leitplanken. Die beiden Spuren in die eine Richtung waren für uns Läufer reserviert. Es ging hier einige Kilometer geradeaus. In Bottrop gab es immer wieder Verkehrsschilder mit dem Hinweis auf einen Tetraeder, den ich aber nicht selber zu Gesicht bekam.
Etwa bei Kilometer 25 nahmen meine Beschwerden an den Füßen zu. Ich machte daher einen Zwischenstopp, zog den linken Schuh mitsamt dem Socken aus und nahm eines der Pflaster zur Hand, um es an den Zeh zu kleben, wo sich die Blase bildete. Als ich den Zeh suchte, musste ich feststellen, dass ich nicht mehr erkennen konnte, welcher der Zehen denn Probleme machte. Ich legte trotzdem ein Pflaster an. Eine Anwohnerin bot mir Hilfe an, ich erklärte ihr jedoch, dass ich selber vorgesorgt hatte.
In Bottrop gab es dann noch eine Stelle, wo sich ein kleiner Wendepunkt befand und ich das Feld vor mir sehen konnte. Der Pacemaker für 3:30 Stunden hatte mich inzwischen überholt und ich hatte ihn aus den Augen verloren. Das Feld war inzwischen so weit auseinandergezogen, dass ich manchmal sogar ganz allein auf der Strecke war.
Schließlich erreichten wir wieder Gelsenkirchen, wo wir durch einen Park mussten. Eine Brücke führte über ein Tal. Ein Teil des Bodens der Brücke bestand aus Metallgittern, so dass ich beim Herunterschauen den Boden des Tales sehen konnte. Marathon- und Halbmarathonkurst stimmten inzwischen wieder überein. Immer mehr Läufer hatten jetzt keine Kraft mehr und gingen anstatt zu laufen.
Bevor ich die Zielgeraden wieder erreichte, musste ich eine Staffelläuferin überholen. Diese stöhnte sehr laut, so dass ich Angst haben musste, dass sie jeden Augenblick zusammenbrechen würde. Ich überholte sie, ließ sie dabei aber nicht aus den Augen. Auf der Zielgeraden ließ ich mich vom Publikum feiern. Ich überquerte die Linie und ließ mir die Medaille umhängen. Ich hatte zwischen 3:35 und 3:40 Stunden gebraucht, eine genauere Zeit konnte ich nicht abschätzen, da ich nicht mehr genau wusste, wann der Startschuss gewesen war. Da ich auch nicht genau wusste, wann mein Zug fahren würde, musste ich mich jetzt beeilen.
Ich nahm mir einen Becher mit flüssigem Traubenzucker und joggte dann einfach weiter zur Turnhalle. Ich ließ mir die Tasche geben und schaute sofort nach meiner Fahrkarte. Mein Zug sollte um 14:45 Uhr fahren, bis dahin war es noch fast eine Stunde. Beruhigt ging ich zu den Duschen und säuberte mich. Dann begab ich mich zu den Toiletten. Während des Marathons hatte ich kein einziges Mal urinieren müssen.
Ich ging daraufhin zurück zur Startgeraden und weiter zur unterirdischen Straßenbahnhaltestelle. Ich kaufte ein Ticket und nahm die nächste Bahn zum Hauptbahnhof. Jetzt konnte ich mir die Medaille richtig anschauen. Sie hing an einem türkisfarbenen Band und hatte die Form eines Dreiecks. Bei genauerem Betrachten erkannte ich, dass der obere Teil den Zollverein in Essen darstellen sollte. Nach zwanzig Minuten Wartezeit kam der Intercity nach Münster an. Dort stieg ich in den Intercity nach Bremen ein. Gegen 18 Uhr war ich wieder zu Hause. Bereits am Dienstag spürte ich fast keinen Muskelkater mehr.