Dienstag, 24. Juni 2014

Halbmarathon Nordholz 2014-06-21

Der fünfundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der dreizehnte Nordholzer Windmühlenlauf.
Der Nordholzer Windmühlenlauf ist eine sehr kleine Veranstaltung. Vor zwei Jahren finishten hier lediglich 21 Halbmarathon- und etwa 40 Zehn-Kilometerläufer. Ich hatte damals gerade eine Phase mit Knieproblemen und belegte daher am Ende Rang vier. Ohne die Knieprobleme – so dachte ich zumindest – hätte ich beim Halbmarathon den zweiten Platz erreicht. 2013 hatte ich hier nicht teilgenommen, weil der Wilhelmshaven-Marathon auf das gleiche Wochenende gefallen war. Für die diesjährige Auflage hatte ich eine E-Mail als Anmeldung geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Da die Ausschreibung nicht im Internet zu finden war, orientierte ich mich an den Daten des Vorjahres, wonach Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf gemeinsam um 18 Uhr starten sollten.
Glücklicherweise war es nicht ganz so heiß wie vor zwei Jahren. Es sollten bis zu 17°C werden. Ich nahm gegen 14 Uhr den Bus zum Bahnhof Bremen-Burg. Um 14:49 Uhr fuhr hier die Nordwestbahn nach Bremerhaven ab. Während der Fahrt unterhielt ich mich mit einer Frau, die bei mir in der Nähe wohnte. Am Bremerhavener Hauptbahnhof verabschiedete ich mich von ihr un fuhr weiter nach Lehe, wo ich auf die EVB nach Cuxhaven wartete. Als dieser Zug schließlich Dorum verlassen hatte, kam Mehmet Ö, ein alter Lauffreund von mir, ins Abteil. Er wollte ebenfalls beim Windmühlenlauf teilnehmen, glücklicherweise aber nicht beim Halbmarathon, sondern beim Zehn-Kilometerlauf. Mehmet war bereits in Cuxhaven der Sieger beim Dreißig-Kilometerlauf gewesen.
In Nordholz stiegen wir aus und machten uns auf den Fußweg zum Sportplatz. Ich erklärte Mehmet meine Sorgen wegen der Heimfahrt, da um 21:51 Uhr kein Zug nach Bremerhaven fuhr. Lediglich um 20:51 Uhr und um 22:51 Uhr sollten Züge fahren. Da ich die Siegerehrung heute aber unbedingt miterleben wollte, musste ich mich darauf einstellen, erst sehr spät nach Hause zu kommen.
Am Sportplatz konnte ich mir dann die Startunterlagen abholen. Meine Anmeldung war tatsächlich registriert worden und ich musste jetzt nur noch die 8€ Startgebühr bezahlen. Um 17 Uhr starteten dann der 2,6- sowie der Fünf-Kilometerlauf. Ich aß zunächst mein mitgebrachtes Brot und kaufte mir dann noch eine Bratwurst. In der Teilnehmerliste konnte ich sehen, dass sich für den Halbmarathon 15 Leute vorangemeldet hatten. Unter den Läufern erblickte nun auch Andreas S, mit dem ich in Cuxhaven kurz gesprochen hatte. Er hatte bisher nur sehr wenige Läufe absolviert, war dafür aber schon relativ schnell. Dass er auch den Halbmarathon laufen wollte, machte mir Sorgen, weil ich dann einen Konkurrenten mehr hatte.
Ich zog mich um und ließ meine Tasche in der Umkleidekabine. Um kurz vor 18 Uhr machte ich mich dann mit Andreas zusammen auf den Weg zur Startgeraden. Das Teilnehmerfeld für die beiden Hauptläufe war sehr überschaubar, was vielleicht auch am heutigen Fußballspiel (Deutschland - Ghana) liegen konnte. Ich hatte mich bereits damit abgefunden, dieses Spiel nicht sehen zu können, da ich zu diesem Zeitpunkt im Zug sitzen würde.
Die Halbmarathonläufer hatten eine Startnummer im 200er-Bereich, die Zehn-Kilometerläufer eine im 300er-Bereich. Die Strecke war genau die gleiche wie vor zwei Jahren.. Wenn ich mir also am Start merkte, wieviele Läufer vor mir waren, so konnte ich am Wendepunkt für den Fünf-Kilometerlauf bestimmen, auf dem wievielten Platz ich mich befand, da ich dazu einfach nur die Zahl der mir entgegenkommenden Läufer subtrahieren musste.
Mit etwas Verspätung kam um kurz nach 18 Uhr der Startschuss. Der Weg führte zunächst einmal um das Stadion herum. Ich befand mich sehr schnell auf Position sechs, machte dann aber einen Platz gut und rückte auf den fünften Platz vor. Andreas war einige Meter hinter mir. Der Führende im Halbmarathon wurde von einem Radfahrer begleitet. Als wir wieder am Stadion vorbeikamen, hatten wir bereits etwa drei Kilometer absolviert. Meine Zeit lag bei vier Minuten pro Kilometer, aber ich merkte, dass ich nun langsamer wurde.
Es ging nun an der Hauptstraße entlang, wobei hier ein kleiner Streifen mit Verkehrshütchen für uns Läufer vorgesehen war. Die Feuerwehr regelte den Verkehr für die Autos. Dann wurde die Hauptstraße verlassen und wir bogen nach rechts auf einen asphaltierten Weg ein, der zwischen Feldern nach Norden führte. Links von uns waren die Windräder zu sehen, welche sich sehr schnell drehten. Der Gegenwind war hier extrem unangenehm. Es ging nun kilometerweit geradeaus. Kurz vor Kilometer fünf erreichte ich den ersten Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Kurz darauf kamen mir die ersten Zehn-Kilometerläufer entgegen, welche gerade den Wendepunkt hinter sich hatten. Mehmet war der Dritte von ihnen. Meinen Berechnungen zu Folge musste ich auf Platz zwei beim Halbmarathon liegen, aber mein Vordermann war mir weit voraus. Der Typ hinter mir drehte nun auch um und so war nun Andreas direkt hinter mir und machte ganz schön Druck auf mich.
Da ich meinen Vordermann nicht mehr sehen konnte, musste ich nun ganz besonders darauf achten, den richtigen Weg zu nehmen. Ich kannte die Strecke noch aus der Erinnerung von vor zwei Jahren und hatte auf dem heutigen Streckenplan gesehen, dass sie sich nicht geändert hatte. Ich wusste, dass irgendwann eine Abbiegung nach links erfolgen würde. Als ich schließlich einen Kruezngspunkt erreichte, war ich mir nicht mehr sicher, wo ich nun hin musste. Einen Streckenposten gab es nicht und auf dem Boden waren keine Markierungen zu sehen. Ich schloss daraus, dass ich weiter geradeaus laufen müsste und tat dies auch, schaute mich dabei aber immer wieder um, ob Andreas mir auch folgte. Links und rechts vom Weg standen nun Bäume. Ich erinnerte mich, wie ich hier beim letzten Mal von Fliegen geplagt wurde, die an dieser Stelle einige Zeit lang um meinen Kopf herumgeschwirrt waren. Heute wurde ich wegen der niedrigen Temperaturen verschont.
Am nächsten Versorgungspunkt war dann schließlich die Stelle erreicht, wo ich links abbiegen musste. Ich nahm mir einen Becher Wasser und dann ging es zwischen einer Art Deich und den Feldern entlang. Links vor mir konnte ich in einiger Entfernung den Führenden sehen, der vom Radfahrer begleitet wurde. Ich befand mich tatsächlich auf Rang zwei. Schließlich ging es um eine Kurve nach links, sodass der Weg nach Süden führte. Ich schaute mich immer wieder um und bemerkte dabei, dass es mir einfach nicht gelang, Andreas abzuschütteln.
Ich lief nun wieder zwischen dem Deich zu meiner rechten und den Feldern zu meiner linken Seite nach Süden und hatte merkwürdigerweise immernoch Gegenwind. Dann wurde die Ortschaft Spieka erreicht. Vor zwei Jahren war ich mir hier nicht ganz sicher gewesen, ob ich geradeaus am Deich weiterlaufen müsse oder nach links in die Ortschaft abzubiegen hatte. Dieses Mal war der Versorgungsstand hier und ich bekam wieder Wasser zu trinken. Ich lief geradeaus weiter am Deich entlang. An den wenigen Häusern standen vereinzelt Zuschauer.
Schließlich kamen mir der Führende und der begleitende Radfahrer entgegen, da diese den Wendpunkt nun hinter sich hatten. Wenige Minuten später musste auch ich auf den Deich hinauflaufen und um ein aufgestelltes Hindernis herumlaufen. Ich verpasste es dabei, einen Blick hinter den Deich zu werfen, wo ich vielleicht die Nordsee gesehen hätte.
Als ich den Deich wieder hinunterrannte, kam mir Andreas entgegen und sagte mir, dass er Seitenstechen hätte. Trotzem gelang es mir im Folgenden einfach nicht, einen größeren Vorsprung herauszulaufen. Es dauerte nun eine ganze Weile, bis ich dem Viertplatzieten entgegenkam. Dann begegnete ich nach und nach den restlichen Läufern. Ganz am Ende befand sich eine junge Frau. Insgesamt nahmen am Halbmarathon nur 13 Leute teil.
Als ich den Versorgungsstand in Spieka wieder erreicht hatte, nahm ich mir erneut einen Becher Wasser, den ich aber im Laufen austrank, da mir Andreas im Nacken saß. Ich hatte jetzt langsam das Gefühl, mit dem Wind zu laufen. Als ich den nördlichsten Punkt der Strecke wieder erreicht hatte, war das ganze Läuferfeld schon an mir vorübergekommen. Ich nahm mir nun erneut einen Becher Wasser und lief sofort weiter, denn Andreas war nicht weit hinter mir. Es ging nun wieder durch den Wald hindurch.
Meine Geschwindigkeit war so, dass eine Zeit knapp über 1:28h möglich war. Ich kam wieder am Wendepunkt für den Fünf-Kilometerlauf und an den zahlreichen Windrädern vorbei. Auch hier hatte ich wieder das Gefühl, leichten Rückenwind zu haben. Der Abstand auf Andreas blieb konstant. Kurz bevor die befahrene Hauptstraße wieder erreicht wurde, kam ich am letzen Versorgungspunkt vorbei und nahm mir ein letztes Mal einen Becher Wasser. Dann bog ich in die Ortschaft an. An der Kreuzung musste ich dann nach links, um noch einmal die Runde um das Stadion zu absolvieren. Hier überholte ich die langsamste Teilnehmerin des Zehn-Kilometerlaufes. Als ich nach zwei Rechtskurven Kurs auf den Sportplatz nahm, überholte ich noch den langsamsten männlichen Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes. Dann bog ich auf den Sportplatz ein. Ich war mir nicht sicher, wie ich jetzt genau zu laufen habe. Die Kommentatorin gab meinen Namen mehrfach durch. Ich lief die Laufbahn entlang und kam dann im Ziel an, meine Zeit lag zwischen 1:28h und 1:29h. Vierzig Sekunden nach mir war auch Andreas im Ziel. Wir aßen zusammen ein paar Stücke Apfel und warteten mehrere Minuten, bis endlich der Viertplatziert im Ziel war. Es gab eine Medaille, welche zwar nicht sehr aufwändig in der Herstellung war, aber auf dem Aufkleber stand immerhin das genaue Datum der Veranstaltung.
Jetzt begann die Siegerehrung für den Zehn-Kilometerlauf, wo Mehmet den dritten Platz gemacht hatte. Ich selber ging duschen. Ein kurzer Platzregen ereignete sich währenddem. Um Viertel nach acht Uhr war dann die langsamste Teilnehmerin des Halbmarathons im Ziel und die Siegerehrung konnte beginnen. Leider gab es nur Ehrungen für die einzelnen Altersklassen, was zur Folge hatte, dass ich als einziger Teilnehmer meiner Altersklasse auf dem Podest stand. Mir wurde die ausgedruckte Urkunde erreicht. Eine Ehrung in der Gesamtwertung gab es genausowenig wie Sachpreise für die ersten drei Plätze, was vor zwei Jahren noch der Fall gewesen war.
Andreas, welcher mit dem Auto da war, brachte mich daraufhin zum Bahnhof in Nordholz. Wir vereinbarten, uns am 24. August in Bremerhaven wiederzusehen. An diesem Tag wollte er seinen ersten Marathon und ich meinen 100. Halbmarathon laufen. Ich erreichte tatsächlich noch den Zug um 20:51 Uhr nach Bremerhaven, wo ich dann in den Regionalexpress nach Bremen umsteigen konnte. Dieser Zug war extrem leer, da um 21 Uhr das Fußballspiel begonnen hatte.
Leider erreichte ich die Nordwestbahn um 22:04 Uhr nach Walle nicht mehr. Wegen Bauarbeiten an den Straßenbahnschienen am Wochenende dauerte es noch bis kurz vor Mitternacht, bis ich endlich wieder zu Hause war.

Halbmarathon Wilhelmshaven 2014-06-15

Der vierundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der neunte Gorch-Fock-Marathon in Wilhelmshaven.
Aufgrund meines Wohnortes in der Region ist Wilhelmshaven eine meiner „Pflichtveranstaltungen“. Seit 2010 hatte ich hier jedes Jahr den Halbmarathon absolviert. Der Marathon reizte mich nicht, da dieser aus zwei fast exakt gleichen Runden bestand. Für eine Startgebühr von 20€ wurde einiges geboten. Jedes Jahr gab es ein Trikot in anderer Farbe.
In den Jahren 2010-2012 hatte ich in Wilhelmshaven relativ durchschnittliche Zeiten erzielt. Im letzten Jahr war ich dann unter 87 Minuten gelaufen. Ich war vom Gesamtfeld der fünftschnellste im Halbmarathon gewesen und zudem Altersklassensieger. Leider hatte ich erst später erfahren, dass es für alle Altersklassensieger Sachpreise gab, welche bei Nichtabholung am Veranstaltungstag verfielen. Für dieses Mal hatte ich mich bereits im Vorfeld schlau gemacht. Bei der Siegerehrung sollte es Sachpreise für die ersten drei aller Altersklassensieger geben. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich einen Preis bekommen würde.
Ich schlief in der Nacht zuvor nicht mehr als drei Stunden und stand gegen fünf Uhr morgens auf. Nach dem Frühstück packte ich meine Tasche und machte mich um 6:30 Uhr auf die lange Anfahrt. Um 6:40 Uhr startete die Straßenbahn zum Bremer Hauptbahnhof. Dort fuhr ich um 7:15 Uhr mit der Nordwestbahn nach Oldenburg. Während der Zugfahrt lernte ich einen Besoffenen kennen, dem ich in Oldenburg noch einen Hamburger bei McDoof ausgab. Danach ging der junge Mann zur Bundespolizei, um sich von den Beamten das Schloss zu seinem Fahrrad aufbrechen zu lassen, da er den Schlüssel angeblich verloren hatte.
Nach längerem Aufenthalt in Oldenburg fuhr kurz nach halb neun Uhr die Nordwestbahn nach Wilhelmshaven ab. Da Marathon, Halbmarathon und Zehn-Kilometerlauf bereits kurz nach der Ankunft dieses Zuges in Wilhelmshaven starten sollten, sah ich im Zug keinen Läufer. Eine Station vor dem Ziel war es so leer, dass ich noch nicht einmal auf die Toilette gehen musste, um meine Kleider zu wechseln, sondern mitten im Zug meine Läuferhose anziehen konnte.
Um 9:20 Uhr kam ich in Wilhelmshaven an. Den Weg zum Gorch-Fock-Haus kannte ich bereits. Um 9:30 Uhr sah ich, wie die Zehn-Kilometerläufer starteten. Der Start von Marathon und Halbmarathon sollte um 9:45 Uhr sein. Im Gorch-Fock-Haus konnte ich mir die Startunterlagen abholen. Das Trikot war in diesem Jahr blau (grün, gelb, orange und weiß in den Jahren zuvor). Die Startnummer heftete ich mit zwei Sicherheitsnadeln an meine Hose, denn ich wollte heute „oben ohne“ laufen, um schneller zu sein. Der Zeitmesschip war in der Startnummer integriert. Die Tasche konnte ich im LKW abgeben und dann begab ich mich auf die Startlinie.
Ich war weit und breit der einzige Teilnehmer ohne Kleidung am Oberkörper, war natürlich auffiel. Es sollten heute etwa 20°C werden. Ein Streckenposten kam auf mich zu und sprach mich an. Er sagte mir, dass ich wegen des Windes hier an der Küste die Sonne nicht spüren würde. Dies sei sehr heimtückisch, weil ich dann möglicherweise doch Sonnenbrand bekommen würde. Ich erklärte ihm, dass ich keinerlei Bedenken hätte, da ich ja nur einen Halbmarathon liefe. Ich stand im Feld relativ weit vorne. In der ersten Reihe konnte ich Oliver S erkennen, den dreifachen Sieger des Bremen-Marathons. Ich ging zu ihm nach vorne und fragte, ob er heute den ganzen Marathon liefe. Er bejahte und ich war froh, nun einen Konkurrenten weniger zu haben.
Um 9:45 Uhr ging es los. Leider konnte ich meine neue Armbanduhr nicht richtig einstellen und hatte daher keine genaue Minutenanzeige, an der ich mich orientieren konnte. Ich konnte lediglich von Kilometer zu Kilometer prüfen, wie lang ich für die letzten 1000 Meter gebraucht hatte.
Die Strecke war die gleiche wie in den letzten vier Jahren. Auf der Startgeraden überholte ich zunächst ein bisschen, so dass ich mich schnell unter den ersten zehn Teilnehmern befand, wobei ich allerdings nicht wusste, welche der Läufer vor mir den ganzen und welche nur den halben Marathon absolvierten. Noch vor dem ersten Kilometer ging es nach rechts in die Fußgängerzone. Hier standen nun vereinzelt Zuschauer. Jetzt ging es ein ganzes Stück geradeaus.
Das Hinweisschild für den ersten Kilometer verpasste ich. Beim zweiten Kilometer sah ich, dass ich bis jetzt nur acht Minuten für die Strecke gebraucht hatte, merkte aber auch, dass ich die jetzige Geschwindigkeit nicht aufrechterhalten konnte. Als wir den Innenstadtbereich hinter uns hatten, kam eine Rechts-Links-Kurve, die uns auf die Brücke führte, welche über die Eisenbahnschienen führte. Hinter dem Industriegebiet kamen wir auf eine weitere Brücke, die uns über einen kleinen Hafen führte.
Dann hatten wir die erste Versorgungsstelle erreicht, wo ich mir einen Becher Wasser gönnte. Danach folgte ein Abschnitt durch einen kleinen Wald, wo ich nun von Leuten hinter mir überholt wurde. Ich konnte meine Geschwindigkeit nicht halten und spürte jetzt schon, dass ich die Zielzeit des Vorjahres nicht erreichen würde. Dann war das niedersächsische Wattenmeer erreicht, welches von uns allerdings noch durch den Deich getrennt war. Es sollte nun eine sieben Kilometer lange Geraden am Meer entlang folgen.
Da nur wenige Wolken am Himmel waren, konnte die Sonne nun ungehindert auf meinen Rücken strahlen. Allerdings spürte ich bis jetzt keine Probleme. Als es dann den Deich hinaufging, konnte ich das niedersächsische Wattenmeer sehen, wo im Moment Ebbe herrschte. Ich hatte allerdings den Eindruck, als wenn die Flut gerade im Anmarsch sei. Wir liefen nun zwischen dem Meer und der Wiese entlang, wo eine Menge Strandkörbe mit Touristen aufgestellt waren. Auf der Wiese waren auch Spielplätze für Kinder vorhanden und einige Leute machten barfuß eine Wattwanderung. Erneut wurde ich beim Versorgungspunkt von einem Streckenposten auf die Gefahr des Sonnenbrandes aufmerksam gemacht.
Nach zehn Kilometer wichen wir vom Deich ab und kamen kurz über eine Brücke, die auch die Strecke für den Rückweg bildete. Dann ging es auf den Marinestützpunkt zu, wo die Kriegsschiffe der Bundeswehr lagen. Am Ende dieser Geraden war der Wendepunkt. Ich erinnerte mich, wie ich im Vorjahr zählen konnte, wie viele Konkurrenten vor mir waren. Nun wartete ich gespannt auf das Feld, das ich nun sehen würde.
Als erstes kam mir auf der Uferstraße ein Radfahrer mit zwei Läufern entgegen. Diese beiden Läufer hatten aber überraschenderweise rote Startnummern und gehörten damit zu den Marathonis. Einer der beiden war Oliver S. Bis ich schließlich den Wendpunkt erreichte, zählte ich dreizehn Halbmarathonis. Somit befand ich mich auf Platz 14. Ich hatte nach dem Start einiges an Boden verloren. Allerdings änderte sich dies jetzt.
Auf dem Rückweg konnte ich nun das dichte Feld hinter mir sehen, darunter auch die erste Halbmarathon-Frau in Fahrradbegleitung. An der Stelle, wo Hin- und Rückweg sich trennten, gab es einen weiteren Versorgungspunkt. Ich nahm mir einen Becher Wasser und hatte nun noch fünf Kilometer vor mir. Von nun an wurde ich nicht mehr überholt, sondern begann wieder selber zu überholen.
Hinter der Brücke, die ich bereits auf dem Hinweg überschreiten durfte, war nur ein kleiner Weg der zweispurigen Straße, abgetrennt durch Verkehrshütchen, für uns Läufer vorgesehen. Ich überholte nun einen der Marathonläufer, welcher ein Trikot des Einstein-Marathons von Ulm trug und offenbar auch in der Gegend beheimatet war, da er in sehr schwäbischen Dialekt sprach.
Zwei Kilometer vor dem Ziel holte mich dann die Führende im Halbmarathon ein. Sie wurde von einem Radfahrer begleitet. Mit beiden Personen unterhielt ich mich, obwohl ich kaum die Kraft dazu hatte. Die Frau blieb vor mir, allerdings hatte ich es bereits vorher geschafft, einige andere Teilnehmer wieder zu überholen. Als wir den Park kurz vor dem Ziel erreicht hatten, war ein Kommentator am Rand und machte die Zuschauer darauf aufmerksam, dass nun die schnellste Frau hier vorbeikäme. Als ich ihn passiert und abklatschte, sprach er von „Siegfried, der sein Trikot bereits im Startbereich liegengelassen hätte.“ Dann ging es nach rechts auf die Zielgeraden.
Die Frau vor mir wurde nun von einigen Rugby-Sportlern abgeholt und ins Ziel begleitet, welches ich kurz nach ihr, bei einer Zielzeit von knapp über 90 Minuten erreichte. Ich fragte den Typen, welcher mir die Medaille umhängte, ob ich Sonnenbrand auf dem Rücken hätte. Er verneinte. Dann ging ich weiter zum Zielbereich und versorgte mich mit Äpfeln, Bananen, Melonen und Cola. Danach holte ich meine Tasche ab und ging zu Fuß zu den Duschen, wo sich noch die langsamsten Zehn-Kilometerläufer befanden. Ich duschte ausgiebig, zog mich an und machte mich dann auf den Weg zurück zum Gorch-Fock-Haus, da ich die Siegerehrung nicht verpassen wollte.
Es war inzwischen richtig warm geworden. Leider wusste ich nicht genau, wann die Siegerehrung stattfinden würde und nahm mir daher erst einmal eine Bratwurst zu essen. Dann konnte ich sehen, wie nach über zwei und einer Dreiviertelstunde der Sieger des Marathons, Oliver S, ins Ziel kam. Er kümmerte sich später noch um den Zweitplatzierten, welchen einige Krämpfe plagten. Als ich dann erfuhr, dass die Siegerehrung um 13 Uhr im Gorch-Fock-Haus sein würde, machte ich mich auf den Weg dorthin. Als ich in der Halle, wo ich mir auch die Startunterlagen abgeholt hatte, ankam, und mich umschaute, sah ich eine Bühne und davor zahlreiche Tische mit Stühlen, auf denen die Sportler saßen. Die ganze Situation kam mir vor wie eine Kaffeefahrt für Senioren.
Der Geschäftsführer des Gorch-Fock-Hauses stand auf der Bühne und ergriff das Wort. Er nannte zuerst die schnellsten drei Läuferinnen und Läufer des Halbmarathons und bat sie auf die Bühne. Für diese sechs Leute gab es Pokale. Dann wurden die Altersklassenschnellsten geehrt, wobei mit den jüngsten Teilnehmern begonnen wurde. Da es auch ein U18- und ein U20-Klasse gab, kam es vor, dass bei manchen Altersklassen die einzige Teilnehmerin automatisch auch die Siegerin war.
Da Männer- und Frauenaltersklassen zusammen zur Siegerehrung aufgerufen wurden, stand ich schließlich mit zahlreichen anderen Leuten auf der Bühne. Uns wurden die Urkunden überreicht. Zusätzlich erhielten alle weiblichen Siegerinnen eine Rose und alle männlichen Sieger eine Tasse, auf welcher der Veranstaltungsname aufgedruckt war. Als die Altersklassenehrungen vorbei waren, machte ich mich auf den Heimweg. Ich nahm um 13:44 Uhr die Nordwestbahn nach Oldenburg, wo ich um 14:35 Uhr in den Regionalexpress nach Bremen umstieg. Wegen Bauarbeiten konnte ich hier keine Regio-S-Bahn nach Walle nehmen, sondern musste die Straßenbahn benutzen, welche auch noch einen Umweg nach Gröpelingen machen musste. Gegen 16 Uhr kam ich endlich zu Hause an.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Marathon Duisburg 2014-06-01

Der zwölfte Marathon meines Lebens.
Der 31. Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg.
In Duisburg war ich bereits 2011 und 2012 den Halbmarathon gelaufen, hatte dabei aber festgestellt, dass diese Strecke relativ „langweilig“ war. Daher hatte ich mich dazu entschlossen, einmal den kompletten Marathon in Duisburg zu absolvieren, da dieser einmal über die Ruhr und zweimal über den Rhein führte. Als ich mich dazu entschied, 2014 beim Duisburg-Marathon anzutreten und die Startgebühr bezahlte, wusste ich noch nicht, welche anderen Veranstaltungen an diesem Wochenende ebenfalls möglich gewesen wären. Erst später erfuhr ich, dass am selben Tag auch der Sportcheck-Lauf in Augsburg war, welche auch einen Halbmarathon über eine Runde beinhaltete. Hätte ich dies früher gewusst, so wäre ich hier angetreten. Zu allem Überfluss teilte mir der Veranstalter des Dämmer-Marathons mit, dass ich durch meinen Altersklassen-Sieg im letzten Jahr in Ludwigshafen für die diesjährige Auflage einen Freistart gewonnen hatte. Dieser Lauf sollte – wie immer - schon am Samstagabend starten. Da ich inzwischen nicht nur die Startgebühr für Duisburg sowie die Anfahrt bezahlt hatte, musste ich natürlich auch hier absagen. Hätte man mir das doch früher mitgeteilt!
Wie bei meinen bisherigen Aufenthalten in Duisburg wollte ich im Hotel Belweder in Rheinhausen übernachten. Leider war die E-Mail-Adresse, an welche ich damals meine Buchungen gerichtet hatte, nicht mehr aktuell. Als ich dies feststellte und an die neue Adresse schrieb, waren bereits alle Zimmer besetzt. Im Zentrum von Duisburg buchte ich daraufhin eine Übernachtung im Ibis Budget Hotel.
Da ich nach dem letzten Marathon, zwei Wochen zuvor in Gelsenkirchen, nur wenig Muskelkater hatte, hatte ich mich kurzfristig entschieden, am Freitag darauf beim Sportcheck-Nachtlauf über zehn Kilometer in Bremen teilzunehmen. Unglücklicherweise lief ich am Montag darauf mit einem meiner Zehen am rechten Fuß gegen den Schreibtisch. Ein Arztbesuch war zwar nicht nötig, aber der Zeh hatte sich verfärbt und schmerzte beim Bewegen. Am Mittwoch testete ich die Belastbarkeit. Eine Strecke von zehn Kilometern schien kein Problem darzustellen. Ich war mir trotzdem nicht sicher, ob ich am Sonntag in Duisburg durchhalten würde.
Als ich mich für den Duisburg-Marathon angemeldet hatte, hatte ich auch registriert, dass es ein Finisher-Trikot geben würde. Ich freute mich darüber und dachte zunächst, dass dieses Trikot nur für die Marathonläufer vorgesehen war. Später stelle ich jedoch fest, dass es auch für die Halbmarathonis eins geben sollte und dass dies auch in den Vorjahren so gewesen war. Ich hatte es also 2011 und 2012 verpasst, mir dieses abzuholen.
Die Anreise nach Duisburg hatte ich relativ spät geplant. Erst um 17:44 Uhr fuhr der Intercity vom Bremer Hauptbahnhof ab. Einige Verspätungen addierten sich soweit, dass wir erst um 20:30 Uhr in Duisburg ankamen. Mit Hilfe meines Smartphones schaffte ich es, das Ibis Hotel zu finden, nachdem ich mir bei McDoof zwei große Portionen Pommes gekauft hatte.
Mein Zimmer war im zweiten Stock. Da das Fenster zur Hauptstraße hinausführte, verschloss ich es für die Nacht. Ich schaffte es tatsächlich, von 22 Uhr bis sieben Uhr am nächsten Morgen durchzuschlafen. Dann stand ich auf, packte meine Sachen zusammen und begab mich zu Fuß zum Bahnhof. Ich wollte um 8:25 Uhr die S-Bahn nach Schlenk nehmen, wo das Veranstaltungszentrum lag.
Am Bahnhof traf ich eine Frau mit ihrer Tochter. Die Frau wollte heute den ersten Halbmarathon ihres Lebens laufen und fragte mich, welche U-Bahn sie nach Schlenk nehmen müsse. Ich erklärte ihr, dass es mit der S-Bahn schneller ginge. Wir gingen in den Bahnhof hinein, wo die Tochter sich eine Fahrkarte kaufte (für die Läufer galt die Anmeldebestätigung als Fahrausweis) und ich mir in einer Bäckerei zwei belegte Brötchen zu Essen holte. Dann gingen wir zum Gleis.
Die S-Bahn in Richtung Solingen traf pünktlich ein. Während der fünfminütigen Fahrt zeigte mir die Frau das Gelände, auf welchem sich vor einigen Jahren der tragische Unfall der Loveparade ereignet hatte.
In Schlenk stiegen alle Läufer aus und machten sich auf den Weg zum Stadion. In den Katakomben konnten wir uns die Startunterlagen abholen. Ich tat dies, nachdem ich mich von den beiden Damen verabschiedet und der Frau viel Erfolg gewünscht hatte.
Außer einem Beutel und der Startnummer wurde mir nichts ausgehändigt. Ich erfuhr nun endgültig, dass ich das Trikot erst im Ziel bekommen würde. Ferner wurde mir gesagt, dass der Marathonstart auf 9:45 Uhr nach hinten verlegt worden war. Da ich bereits meine Läuferkleidung trug, konnte ich nun meine Sachen im LKW abgeben. Das Wetter schien fast ideal zu sein. Es sollten knapp unter 20°C werden und der Himmel war leicht bewölkt. Ich verzichtete daher auf Kappe und Sonnenbrille und trug neben der Kleidung nur meine Armbanduhr, die von den vielen Läufen schon sehr mitgenommen aussah (vor allem das Band). Da ich bei den letzten Marathonläufen einige Blasen an den Zehen davongetragen hatte, decke ich heute fast jede einzelne Zehe mit einem eigenen Pflaster ab.
Gegen 9:25 Uhr war der Start des Halbmarathons auf der Kruppstraße. Die Inlineskater waren schon vorher auf die Strecke gegangen. Bevor ich den langsamsten Halbmarathoni erreicht hatte, sollte dieser wohl schon abgebogen sein auf den reinen Halbmarathonkurs kurz vor der Ruhr. In dieser Hinsicht sollte es also nicht eng werden auf der Strecke.
Die Teilnehmerzahl beim Marathon lag bei knapp unter 1.000. Ich ging von hinten an das Startfeld heran und kämpfte mich nach vorne. Dabei fiel mir ein Läufer auf, den ich schon einmal in einem Internet-Video gesehen hatte. Auf der Rückseite seines Shirts standen alle Marathons, die er absolviert hatte. Die bisherigen 82 Marathons verteilten sich dabei lediglich auf 8 verschiedene Veranstaltungen, von denen Duisburg die mit den meisten Teilnahmen war. Als ich mich kurz mit ihm unterhielt, erfuhr ich, dass er in Ludwigshafen aufgewachsen war und damit nicht weit weg von meiner Heimat großgeworden war. Um 9:45 Uhr kam dann der Startschuss.
Im Abstand der Zielzeiten von 15 Minuten gab es Pacemaker, zwei davon für die von mir anvisierte 3:30-Stunden-Marke. Der eine von ihnen hatte einen Luftballon und hielt außerdem noch ein Schild mit der aufgedruckten Zielzeit in der Hand, welches er allerdings nach einem Kilometer einem Streckenposten übergab. Ich hielt mich zunächst hinter den beiden. Als ich sie dann irgendwann überholte, konnte ich hören, wie der Typ mit dem Luftballon sich ständig mit anderen Läufern unterhielt.
Die ersten vier Kilometer kannte ich noch aus meinen bisherigen Teilnahmen, da diese mit dem Halbmarathonkurs identisch waren. Als ich auf Höhe des Theaters war, konnte ich tatsächlich eine Halbmarathonläuferin überholen, die offenbar kurz nach dem Start irgendwelche Probleme bekommen haben musste. Der Kurs führte dann durch die Unterführung an der Nordseite des Hauptbahnhofs durch, wo die vielen Busse halten. Dahinter kam dann der Weg über die Hauptverkehrsstraße, wo es rechts zu meinem Hotel ging. Kurz darauf trennten sich Marathon- und Halbmarathonkurs und ich war auf einer für mich neuen Strecke.
Ich wusste, dass jetzt demnächst die Ruhr überquert werden sollte. Schon nach wenigen Metern kamen wir auf eine Brücke die über ein Wasser führte. Allerdings war diese Brücke so flach, dass ich mich bei einem anderen Teilnehmer erkundigte, ob dies tatsächlich die Ruhr sei. Er verneinte. Kurz darauf kamen wir über einen größeren Fluss auf einer hohen Brücke. Dieser Fluss war die Ruhr. Hinter ihr ging es nach rechts, so dass wir nun zwischen der Ruhr und dem Hafen in Richtung Osten liefen.
Auf dem ersten Teil der Strecke hatte es an den Versorgungsstellen immer nur Wasser zu trinken gegeben. Bei Kilometer 18 gab es erstmals Bananen zu essen, und ich nahm mir sofort ein Stück, denn die beiden Brötchen vom Frühstück waren inzwischen aufgebraucht. Wenige Meter später verteilten Anwohner Bananenstücke und ich schlug auch hier zu. Dann kamen wir an die Brücke, welche uns über den Rhein brachte. Von hier aus hatte man eine sehr schöne Aussicht.
Auf der anderen Seite, linksrheinisch, befanden wir uns nun schon außerhalb Duisburgs. Wir bogen links ab, wo wir an einem Ortsschild vorbeikamen, das uns wieder nach Duisburg hineinführte. Bald erreichten wir den Halbmarathonpunkt, wo unsere Zwischenzeiten gemessen wurden. Ich hatte den Pacemaker für die 210 Minuten bisher auf Distanz gehalten und träumte schon von einer neuen persönlichen Bestzeit.
Wir liefen nun nach Süden in einiger Entfernung zum Rhein. Als wir außerhalb des Wohngebietes waren, konnten wir allerdings den Rhein wieder aus der Entfernung betrachten. Wir hatten nun eine große Wiese um uns herum und befanden uns auf einer Art Fahrrad-Schnellweg. Das Läuferfeld war hier inzwischen sehr weit auseinandergezogen. Somit störte es auch nicht, dass sich einige Radfahrer unter die Läufer mischten. Eine Brücke, die über den Rhein führte, wurde von uns ausgelassen. Dann erreichten wir den Stadtteil Rheinhausen, wo es auch eine Fußgängerzone gab, durch die wir hindurchliefen.
Schließlich bogen wir links ab und kamen auf die Brücke der Solidarität, welche uns über den Rhein führte. Diese Brücke für Autofahrer und Fußgänger hat ihren Namen den Mitarbeitern von Thyssenkrupp zu verdanken, welche vor einigen Jahrzehnten für den Erhalt des Standortes gekämpft hatten. Wir hatten nun zwei Drittel der Strecke absolviert und trafen nun mit dem Halbmarathonkurs zusammen, auf dem jetzt allerdings keine Halbmarathonis mehr waren. Die jetzige Strecke kannte ich also wieder aus den Jahren 2011 und 2012. Es ging nun nach Süden an den Schienen der sogenannten U-Bahn entlang, die nach Düsseldorf führte. An einem Versorgungspunkt konnte ich erstmals Cola zu trinken bekommen. Ein Helfer reichte mir einen Becher, nachdem ich Cola gefordert hatte und sagte dazu etwas in rheinländischem Dialekt.
Ich war erstaunt, wie problemlos ich bisher durchgehalten hatte. Der angeschlagene Zeh wurde beim Laufen nicht belastet und bereitete daher keine Schwierigkeiten. Und obwohl ich am Vortag fast gar nichts gegessen hatte, war ich so schnell wie noch nie bei einem Marathon unterwegs. Bei Kilometer 30 war der Punkt erreicht, wo die U-Bahnlinie nach oben führte während wir weiter unten laufen mussten. An einem Versorgungsstand, wo auch Musik abgespielt wurde, nahm ich mir etwas zu essen und zu trinken, als ich von einer größeren Gruppe von Läufern überholt wurde. Unter diesen waren auch die beiden Pacemaker. Jetzt musste ich mich beeilen, wenn ich noch unter der Dreieinhalbstunden-Marke bleiben wollte.
Bei Kilometer 35 war dann der südlichste Streckenabschnitt erreicht. Hier gab es bei den Anwohnern – wie jedes Jahr – Traubenzucker und Salzstangen zu essen. Ich nahm mir ein Stück Glukose. Ich befand mich nun auf Höhe eines Teilnehmers, der offenbar von seiner gesamten Familie mit Fahrrädern begleitet wurde. Dies war nicht ungefährlich, da die drei Kinder aufpassen mussten, um eine Kollision zu vermeiden. Die Gruppe begleitete mich die letzten sieben Kilometer.
Fünf Kilometer vor dem Ziel war das Armband meiner Uhr kaputt. Es riss während dem Laufen. Glücklicherweise bemerkte ich dies schnell genug und konnte die Uhr noch auffangen, so dass sie unversehrt blieb. Ich hielt sie nun für den Rest der Strecke in der Hand.
Zwei Kilometer vor dem Ziel sprach ich den einen der beiden Pacemaker an. Er sagte mir, dass er bei zahlreichen Veranstaltungen als 3:30-Stunden-Pacemaker im Einsatz sei und auch vor zwei Wochen in Gelsenkirchen gelaufen war. Dann überholte ich den Mann, um auf den letzten Metern noch mal richtig schnell zu laufen.
Es ging auf einer Allee nach Norden, bis das Stadion erreicht wurde. Dort liefen wir ein und eine komplette Runde auf der Laufbahn. Auf dem Rasen hatten es sich bereits zahlreiche Halbmarathonis bequem gemacht, die offenbar seit Stunden in der Sonne lagen. Auf der Ziellinie sah ich meine Bruttozeit. Obwohl ich die letzten Meter ganz langsam über die Linie schlenderte, schaffte ich es locker, eine Zielzeit unter dreieinhalb Stunden zu realisieren.
Im Ziel ließ ich mir die Medaille umhängen, welche ziemlich groß war. Es gab verschiedene Exemplare für Marathon, Halbmarathon und Marathonstaffel. Außerhalb des Stadions nahm ich mir etwas zu trinken und ging dann an den Stand, wo ich mir das Trikot abholen konnte. Als ich sagte, dass ich es zweimal verpasst hatte, ein Halbmarathontrikot zu bekommen, boten mir die Helfer eines an, da es für beide Disziplinen verschiedene Trikots gab. Da jedoch der Jahrgang der Veranstaltung auf den Trikots vermerkt war, lehnte ich dankend ab. Ich ging zum LKW und holte meine Tasche ab. Den Weg zu den Duschen im Schwimmbad hatte ich vorher bereits erkundet. Als ich in der Umkleidekabine war und auf meinen Fahrplan schaute, erschrak ich, denn mein Zug sollte schon um 13:52 Uhr von Schlenk losfahren. Es war jetzt 13:30 Uhr. Ich hatte den ganzen Event sehr knapp kalkuliert und durch den verschobenen Start der Marathons war es nun möglich, dass ich sogar den Zug nicht mehr rechtzeitig bekam. Ich beeilte mich daher beim Duschen und machte mich danach sofort auf den Weg zum Bahnhof Schlenk. Nach kurzem Fragen fand ich den Weg dorthin. Der Zug zum Duisburger Hauptbahnhof kam mit zehnminütiger Verspätung an.
Am Hauptbahnhof kaufte ich mir noch ein ungesundes Mittagessen und stieg dann in den Intercity nach Bremen ein, welcher mit halbstündiger Verspätung dort ankam. Wegen einer Demonstration waren hier einige Straßenbahnlinien umgeleitet worden und ich konnte einen Umweg nach Hause nehmen, wo ich gegen 18 Uhr ankam.

Freitag, 23. Mai 2014

Marathon Gelsenkirchen-Essen-Bottrop-Gladbeck 2014-05-18

Der elfte Marathon meines Lebens.
Der zweite Vivawest-Marathon.
Der Vivawest-Marathon ist der Nachfolger des Karstadt-Marathons, welcher einige Jahre lang ausgetragen worden war. Dieser frühere Karstadt-Marathon hatte zwei verschiedene Startpunkte, in Oberhausen und Dortmund. Das gemeinsame Ziel war in Essen. Der jetzige Vivawest-Marathon, der dieses Jahr erst zum zweiten Mal ausgetragen wurde, war ein Rundkurs von Gelsenkirchen über Essen, Bottrop und Gladbeck zurück nach Gelsenkirchen.
Die Übernachtung hatte ich in Dortmund gebucht. Bei der Anreise am Samstag hatte ich einen Zwischenhalt in Gelsenkirchen eingefügt, um dort meine Startunterlagen abzuholen. Um 14:44 Uhr stieg ich am Samstag am Bremer Hauptbahnhof in den Intercity Richtung Frankfurt am Main ein. Nach über einer Stunde Fahrt erreichten wir Münster, wo ich in den Intercity in Richtung Trier umstieg. Nach einer Dreiviertelstunde kam dieser Zug in Gelsenkirchen an. Leider hatte ich keinen Stadtplan dabei und wusste zunächst nicht, wo es zum Veranstaltungszentrum ging. Auch andere Läufer sah ich nicht.
Ein Mitarbeiter der örtlichen Verkehrsbetriebe in der unterirdischen Straßenbahnhaltestelle erklärte mir, wie ich zum Veranstaltungsgelände gelangen könne. Ich müsse mit der Straßenbahn zwei Stationen bis zum Musiktheater fahren. Daraufhin kaufte ich mir zwei Kurzstreckentickets und stieg in die nächste Straßenbahn ein. Als ich am oberirdischen Teil der anvisierten Haltestelle wieder ausstieg, konnte ich bereits das Zelt sehen, wo es die Startunterlagen gab. Ich ging hin und holte meinen Beutel ab. Er war ziemlich groß, aber neben der Startnummer war nur Werbematerial enthalten. Die Größe des Beutels sollte allerdings nützlich sein, da meine mitgebrachte Tasche mit allem Gepäck hineinpassen würde.
Ein Trikot war im Startpreis übrigens nicht enthalten. Ich ging zurück zur Straßenbahn und fuhr zum Hauptbahnhof Gelsenkirchen, wo ich einer Dönerbude eine Art Abendessen zu mir nahm. Es war inzwischen 18:00 Uhr geworden. Um kurz vor 19:00 Uhr nahm ich dann die S-Bahn zum Dortmunder Hauptbahnhof, in die an den folgenden Haltestellen immer mehr BVB-Fans einstiegen. Die Fahrt dauerte relativ lange, da die Bahn wirklich an jedem Zwischenhalt anhielt und an einigen Bahnhöfen sogar mehrere Minuten Aufenthaltszeit hatte.
Am Dortmunder Hauptbahnhof wimmelte es nun von BVB-Fans. Beamte der Bundespolizei zeigten mir den Weg zum A&O-Hostel, wo ich die Übernachtung gebucht hatte. Dieses Gebäude lag nicht weit vom Bahnhof entfernt. Ich musste die Nacht in einem Sechsbettzimmer verbringen. Als ich dieses Zimmer betrat und meine Tasche ablegte, waren die anderen Bewohner zwar gerade nicht anwesend, aber ihre Kleidung und Ausstattung, die überall verstreut herumlag, gab mir eindeutig zu erkennen, dass es sich um BVB-Fans handelte.
Ich ging nun hinunter in die Lobby, um das Pokalfinale auf dem dort aufgestellten Fernseher anzuschauen. Es hatte gerade begonnen. Wegen der nötigen Verlängerung des Spiels saß ich bis kurz vor 23 Uhr hier. Etwa alle zehn Minuten fuhr auf der Straße ein Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene vorbei.
Als ich mich schließlich schlafen legte, waren meine Mitbewohner noch nicht da. Ein Einzelner kam kurz vor Mitternacht, drei weitere, als ich gerade versuchte, einzuschlafen. Alle schienen extrem betrunken zu sein. Ich wachte bereits gegen fünf Uhr auf und konnte nicht wieder einschlafen. Jetzt bekam ich mit, wie einer meiner Mitbewohner die Toilette aufsuchte, wo er sich – den Geräuschen zu Folge – mehrfach übergab. Ich stand gegen 6:30 Uhr auf, zog mich an und ging in den Keller, wo der Frühstücksraum war. Ein Frühstück hatte ich am Vorabend kurzfristig dazu gebucht. Ich nahm mir fünf Sandwiches mit unterschiedlichen Beilagen. Dann machte ich mich auf den Weg zum Hauptbahnhof.
Der Regionalexpress in Richtung Düsseldorf stand schon bereit. Im Gegensatz zur S-Bahn hielt er nicht an allen Stationen, so dass ich nach weniger als einer halben Stunde Fahrtzeit, um kurz vor halb neun Uhr, am Gelsenkirchener Hauptbahnhof ankam.
Ich sprach einen anderen Läufer an, der aus der Region kam. Zusammen setzten wir uns in die Straßenbahn zum Musiktheater und gingen von dort aus das Veranstaltungsgelände entlang, wo ich ihn wieder aus den Augen verlor. Ich gab meine Tasche in der Sporthalle ab. Es war nun kurz vor neun Uhr. Eigentlich sollte um neun Uhr der Halbmarathon starten und um 9:30 Uhr dann der Marathon und die Marathonstaffel. Aber daraus wurde vorerst nichts. Der Kommentator sagte, dass einige auf der Strecke geparkte Autos noch abgeschleppt werden müssten. Leider dauerte dies länger als vorgesehen. Die armen Halbmarathonis mussten jetzt auf der Startgeraden lange warten.
Ich nutzte die Gelegenheit, um noch einmal die Toilette aufzusuchen. Ich trug obenrum das Trikot vom Bremen-Marathon 2011 und eine Kappe wegen der Sonne. Leider sollten gerade heute die Temperaturen auf bis zu 23°C ansteigen.
Es dauerte bis kurz nach 9:30 Uhr, bevor die Halbmarathonis starten konnten – und zwar in mehreren Blöcken. Alle paar Minuten war der nächste Block an der Reihe. Ich hatte schon befürchtet, dass die halbe Stunde Verzögerung zwischen den Starts von Halbmarathon und Marathon eingehalten werde müssten, sah mich aber zum Glück getäuscht. Nachdem der letzte Halbmarathon-Block an den Start gegangen war, konnten die etwa 1000 Marathonis auf die Gerade gehen. Es gab Pacemaker für verschiedene Zielzeiten, auch einen für 3:30h. An diesem wollte ich mich orientieren.
Der Kommentator sagte durch, dass die von den Verspätungen betroffenen Läufer im nächsten Jahr vergünstigt an den Start gehen könnten. Dann ging es auch für die Marathonläufer los. Als ich die Startlinie überquerte, war es ungefähr zehn Uhr. Da ich nicht mehr genau wusste, wann mein Zug vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof abfahren würde, machte ich mir bereits Sorgen, ob ich den anvisierten Intercity noch bekommen würde, da ich mit Zugbindung gebucht hatte.
Ich arbeitete mich im Feld zunächst nach vorne und überholte nach etwa zwei Kilometern auch den Pacemaker für die Dreieinhalbstunden-Marke. Der Weg führte anfangs an den Straßenbahnschienen entlang unter einer Brücke hindurch. Dann ging es nach links. Wir überquerten einen Kanal. Ich unterhielt mich mit einem Läufer aus der Region über das gestrige Fußballspiel und dann noch allgemein ein bisschen über das Laufen. Dann trennten wir uns, da ich ein bisschen Gas geben musste, um nicht hinter den Pacemaker zurückzufallen.
Als der erste Versorgungsstand erreicht war, nahm ich mir einen Becher Cola zu trinken. Wegen der langen Wartezeit im Startbereich hatte ich fast schon wieder Hunger bekommen, weshalb ich mich entschlossen hatte, Cola statt Wasser während des Laufes zu mir zu nehmen. Eine Helferin, die Bananen verteilte, sagte uns, dass dies der letzte Verpflegungspunkt vor der Grenze sei. Damit war die Stadtgrenze zwischen Gelsenkirchen und Essen gemeint.
Es war inzwischen richtig warm geworden und Wolken gab es kaum am Himmel. Kurz nachdem wir eine Bahnlinie unterquert hatten liefen wir über eine Brücke. Unter der Brücke, quer zu uns, waren ebenfalls Läufer. Bei diesen handelte es sich um die Halbmarathonis, welche hier eine andere Strecke als wir liefen. Ich hatte nach wenigen Minuten bereits die langsamsten der Halbmarathonläufer überholen müssen, da diese ja nur kurz vor mir gestartet waren.
In Essen kamen wir nun am Zeche-Zollverein, einem Unesco-Welterbe, vorbei. Danach folgte die Kokerei. Hier trennten sich die Kurse von Marathon und Halbmarathon. Eine Halbmarathonläuferin, die dies zu spät gemerkt hatte, musste nun eine ganze Strecke zurückgehen. Der Halbmarathon führte zurück nach Gelsenkirchen, wir dagegen mussten weiter durch Essen.
Bei Kilometer zehn folgte eine extrem starke Steigung. Insgesamt war die Strecke nicht immer flach, es ging regelmäßig bergauf und bergab. Kurz darauf erreichten wir die Essener Rathausgalerie. Wir liefen auf der einen Seite hinein und auf der anderen Seite hinaus. Das Gebäude erinnerte mich an das Ludwigshafener Rathauscenter, wo auch eine unterirdische Straßenbahnhaltestelle in das Einkaufszentrum integriert war.
Kurz hinter der Galerie folgte der Limbecker Platz, wo künstliche Wasserbecken angelegt waren. Dies war ein sehr schöner Anblick.
Als wir Essen hinter uns hatten, ging es auf einer Schnellstraße in Richtung Bottrop. Diese Schnellstraße hatte zwei Fahrspuren in beide Richtungen, getrennt durch Leitplanken. Die beiden Spuren in die eine Richtung waren für uns Läufer reserviert. Es ging hier einige Kilometer geradeaus. In Bottrop gab es immer wieder Verkehrsschilder mit dem Hinweis auf einen Tetraeder, den ich aber nicht selber zu Gesicht bekam.
Etwa bei Kilometer 25 nahmen meine Beschwerden an den Füßen zu. Ich machte daher einen Zwischenstopp, zog den linken Schuh mitsamt dem Socken aus und nahm eines der Pflaster zur Hand, um es an den Zeh zu kleben, wo sich die Blase bildete. Als ich den Zeh suchte, musste ich feststellen, dass ich nicht mehr erkennen konnte, welcher der Zehen denn Probleme machte. Ich legte trotzdem ein Pflaster an. Eine Anwohnerin bot mir Hilfe an, ich erklärte ihr jedoch, dass ich selber vorgesorgt hatte.
In Bottrop gab es dann noch eine Stelle, wo sich ein kleiner Wendepunkt befand und ich das Feld vor mir sehen konnte. Der Pacemaker für 3:30 Stunden hatte mich inzwischen überholt und ich hatte ihn aus den Augen verloren. Das Feld war inzwischen so weit auseinandergezogen, dass ich manchmal sogar ganz allein auf der Strecke war.
Schließlich erreichten wir wieder Gelsenkirchen, wo wir durch einen Park mussten. Eine Brücke führte über ein Tal. Ein Teil des Bodens der Brücke bestand aus Metallgittern, so dass ich beim Herunterschauen den Boden des Tales sehen konnte. Marathon- und Halbmarathonkurst stimmten inzwischen wieder überein. Immer mehr Läufer hatten jetzt keine Kraft mehr und gingen anstatt zu laufen.
Bevor ich die Zielgeraden wieder erreichte, musste ich eine Staffelläuferin überholen. Diese stöhnte sehr laut, so dass ich Angst haben musste, dass sie jeden Augenblick zusammenbrechen würde. Ich überholte sie, ließ sie dabei aber nicht aus den Augen. Auf der Zielgeraden ließ ich mich vom Publikum feiern. Ich überquerte die Linie und ließ mir die Medaille umhängen. Ich hatte zwischen 3:35 und 3:40 Stunden gebraucht, eine genauere Zeit konnte ich nicht abschätzen, da ich nicht mehr genau wusste, wann der Startschuss gewesen war. Da ich auch nicht genau wusste, wann mein Zug fahren würde, musste ich mich jetzt beeilen.
Ich nahm mir einen Becher mit flüssigem Traubenzucker und joggte dann einfach weiter zur Turnhalle. Ich ließ mir die Tasche geben und schaute sofort nach meiner Fahrkarte. Mein Zug sollte um 14:45 Uhr fahren, bis dahin war es noch fast eine Stunde. Beruhigt ging ich zu den Duschen und säuberte mich. Dann begab ich mich zu den Toiletten. Während des Marathons hatte ich kein einziges Mal urinieren müssen.
Ich ging daraufhin zurück zur Startgeraden und weiter zur unterirdischen Straßenbahnhaltestelle. Ich kaufte ein Ticket und nahm die nächste Bahn zum Hauptbahnhof. Jetzt konnte ich mir die Medaille richtig anschauen. Sie hing an einem türkisfarbenen Band und hatte die Form eines Dreiecks. Bei genauerem Betrachten erkannte ich, dass der obere Teil den Zollverein in Essen darstellen sollte. Nach zwanzig Minuten Wartezeit kam der Intercity nach Münster an. Dort stieg ich in den Intercity nach Bremen ein. Gegen 18 Uhr war ich wieder zu Hause. Bereits am Dienstag spürte ich fast keinen Muskelkater mehr.

Montag, 5. Mai 2014

Halbmarathon Kassel 2014-05-04

Der dreiundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Kassel Marathon.
Wegen der komplizierten Anfahrt nach Kassel hatte ich bisher an dieser Veranstaltung nie teilgenommen. Eine Anfahrt am Veranstaltungstag war nicht möglich und somit musste eine Teilnahme in Kassel mit einer Übernachtung vor Ort verknüpft werden. Dieses Jahr hatte ich mich dazu entschieden, den Halbmarathon zu laufen und hatte zunächst eine Übernachtung in einem Hotel gebucht. Als ich dann jedoch erfuhr, dass ein Freund von mir neuerdings in einem nahegelegen Ort wohnte, stornierte ich die Hotelübernachtung, da ich mich bei ihm einquartieren durfte.
Am Samstag fuhr ich um 12:19 Uhr mit dem Regionalexpress von Bremen nach Hannover, wo ich nach zwanzigminütigem Aufenthalt in den IC in Richtung Süden einstieg. Pünktlich um 15:01 Uhr kam ich in Kassel-Wilhelmshöhe an, wo ich Axel nach kurzem Suchen fand. Er war mit dem Auto vorgefahren und brachte mich zum Auestadion, wo wir unsere Startunterlagen abholten. Er wollte mit mir zusammen den Halbmarathon laufen.
Außer den Startnummern und einem kleinen Heftchen zur Veranstaltung war in den Beuteln nur Werbematerial enthalten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Laufveranstaltungen war der Start des Halbmarathons schon ziemlich früh, nämlich um 8:30 Uhr. Der Handbike-Halbmarathon sollte bereits um 7:45 Uhr beginnen, der Marathon dagegen erst um 9:00 Uhr. Die 42,2 Kilometer des Marathons verteilten sich auf eine einzige Runde quer durch Kassel, wobei der richtige Innenstadtbereich ausgelassen wurde. Der Halbmarathon bestand ebenfalls aus einer einzigen, verkürzten Runde. An insgesamt sechs Stellen trennten sich beide Kurse. Da der Halbmarathon aber früher starten sollte, würde ich von diesen Streckenabschnitten nichts mitbekommen.
Ich wurde von Axel in den Vorort gefahren, wo er eine Haushälfte gemietet hatte. Zum Abendessen trank ich ein Bier. Wir schauten zusammen ein bisschen Unterschichten-Fernsehen und dann legte ich mich auf die Couch. Axel hatte einen Schlafsack für mich bereitgestellt. Trotzdem dauerte es bis weit über Mitternacht, bis ich einnickte. Richtig schlafen konnte ich während der Nacht nicht.
Um sechs Uhr klingelte bereits der Wecker. Axel machte mir einen Pfefferminztee zu trinken. Dazu aß ich eine Banane. Ein konserviertes Brot hatte ich mir von zu Hause mitgebracht. Um sieben Uhr stiegen wir ins Auto und Axel fuhr uns nach Kassel.
Ich möchte kurz etwas zum Wetter sagen. In diesem Kalenderjahr hatte ich keine richtig schnellen Halbmarathonzeiten hingelegt, was auch daran gelegen hatte, dass ich bisher nur bei höheren Temperaturen gelaufen war. An diesem Wochenende war es allerdings etwas kühler. Heute war keine einzige Wolke am Himmel. Es war richtig kalt und die Sonne blendete.
Als wir in Kassel ankamen, parkte Axel am Straßenrand in der Nähe des Auestadions. Meine Reisetasche ließ ich im Auto und nahm nur den Starterbeutel mit, in dem ich Wechselkleidung und Badetuch hatte. Auf dem Weg zum Stadion aß ich mein mitgebrachtes Brot. Ich hatte meine Spezialsonnenbrille auf, da noch immer keine einzige Wolke am Himmel war.
In der Eissporthalle, die neben dem Stadion war, zogen wir uns um und gaben unsere Beutel ab. Es waren jetzt noch 30 Minuten bis zum Start. Ich hatte auf eine Kappe verzichtet, dafür aber die Sonnenbrille behalten. Während Axel in langer Hose lief, trug ich meine kurze Läuferhose. Obenrum hatte ich das Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2011 an.
Es war immer noch ziemlich kalt. Wir liefen uns im Bereich der Toiletten warm und verabredeten uns an dieser Stelle auch für nachher, da ich damit rechnete, einige Zeit früher als Axel im Ziel einzutreffen.
Meine Hände froren am meisten. Etwa zehn Minuten vor dem Start gingen wir zur Geraden. Wir kletterten über die Absperrung, um uns möglichst weit vorne zu platzieren. Dabei drängelte sich noch eine relativ junge Frau nach vorne, die ich während des Rennens nicht mehr aus den Augen lassen sollte.
In unserer Nähe befand sich auch ein Pacemaker mit Luftballon für die 1:29-Marke. Ich nahm mir vor, mich an diesem zu orientieren. Pünktlich um 8:30 Uhr kam der Startschuss und nach wenigen Sekunden hatte ich die Linie überquert. Axel hatte ich schnell hinter mir gelassen.
Nur anfangs war es ein bisschen eng. Die Startgerade befand sich südlich des Auestadions und führte anfangs auch nach Süden. Insgesamt sollte der Kurs einmal um das Zentrum von Kassel herumführen. Für den ersten Kilometer brauchte ich vier Minuten. Ich befand mich vor der Laufgruppe um den Pacemaker. Die Sonnenbrille setzte ich fast gar nicht ab, da die Sonne ununterbrochen schien.
Nach einem Kilometer ging es nach Westen. Als wir eine größere Fernverkehrsstraße überquerten, ging es zunächst einmal ein Stückchen bergauf. Es war einer der vielen, jedoch nur kleinen Anstiege während des Halbmarathons.
Beim ersten Versorgungspunkt nahm ich mir einen Becher Wasser zu trinken. Hinter einem kleinen Fluss kam eine Stelle, wo eine Blaskapelle Musik machte. Nach einer viereckigen Schleife ging es wieder zurück zur Blaskapelle, wobei wir nun das Feld hinter uns sehen konnten. Axel war allerdings nicht unter den Läufern. Jetzt musste ich rechts abbiegen nach Norden. Ich hatte für die ersten fünf Kilometer ziemlich genau 21 Minuten benötigt. Wenn meine Kondition heute nicht nachließ, so war endlich einmal wieder eine Zeit unter 90 Minuten möglich.
Kurz vor Kilometer zehn ging es über die Hafenbrücke, welche uns auf die andere Seite der Fulda brachte. Ich konnte im Fluss eine Art Schleuse erkennen. Dahinter konnte ich nun eine Stelle sehen, wo Marathon- und Halbmarathonkurs sich trennten. Natürlich bogen alle Läufer links in den Halbmarathonkurs ein, da jetzt noch gar keine Marathonteilnehmer an diesem Streckenpunkt waren. Für die ersten zehn Kilometer hatte ich 42 Minuten benötigt.
Als ich plötzlich von der Laufgruppe um den Pacemaker überholt wurde, strengte ich mich wieder ein bisschen mehr an. Unter den Überholenden war auch die junge Frau, die sich am Start vorgedrängelt hatte. Eine Zeitlang lief ich neben ihr, dann konnte ich sie aber nach langer Zeit schließlich doch abhängen.
An einer Stelle ging es in einer Straße eine Zeitlang richtig steil bergab. Ich ließ ich mich einfach hinuntertreiben ohne zu bremsen. So langsam zogen auch erste Wolken am Himmel auf und ermöglichten es mir, die Sonnenbrille für kurze Zeit abzusetzen. Für die ersten 14 Kilometer hatte ich knapp unter eine Stunde benötigt. Da nun sehr viele Versorgungsstellen nacheinander aufgebaut waren, verzichtete ich an einigen Ständen auf Wasser und lief einfach weiter. Den Pacemaker und seine Begleitung hatte ich bald abgehängt.
Bei Kilometer 17 ging es ein Stücken die Wilhelmshöher Allee entlang. Wir liefen nach Westen und konnten von hier aus nun die Straße sehen, die ins Gebirge hochführte, dort wo sich angeblich der Herkules befand. Bevor der Weg jedoch nach oben führte, bogen wir links ab. Bei einer letzten Verpflegungsstelle zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel, nahm ich mir noch einmal etwas zu trinken. Nach einer Linkskurve kam der letzte Abschnitt vor dem Einlauf ins Stadion. Das Stadion selber konnte ich jetzt bereits sehen.
Beim Einlauf musste ich noch fast eine ganze Runde auf der Laufbahn drehen. Die Ziellinie überquerte ich bei unter 1:29 Stunden. Dann ging ich über die Wiese und ließ mir die Medaille umhängen. Sie war die gleiche für Marathon- Halbmarathon und alle anderen Läufe dieser Veranstaltung. Auf der goldfarbenen Vorderseite stand „E.ON Mitte Kassel Marathon, powered by E.ON Mitte Vertrieb. Auf der Rückseite stand „Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe“. Da weder Datum noch Jahrgang angegeben waren, vermutete ich, dass der Veranstalter jedes Jahr das gleiche Exemplar verteilte. Auf dem roten Band war das Jahr aufgedruckt.
Ich musste nun erst einmal den Ausgang finden. Ich lief unter den Tribünen hindurch und erreichte eine Tür mit der Aufschrift „Kein Durchgang“. Diese führte mich nach draußen. Ich war nun direkt vor der Eissporthalle, wo ich meinen Beutel zurückbekam. Laut Helfer war ich der erste Teilnehmer, der dies tat. Ich ging nun in die Sporthalle, wo ich nach kurzem Suchen die Duschen fand. Als ich sie betrat, war ich ganz allein. Erst als ich fertig geduscht hatte, betraten andere Sportler die Räumlichkeiten.
Ich zog mich wieder an und ging nach draußen an den Ort, den ich mit Axel als Treffpunkt vereinbart hatte. Es dauerte 20 Minuten, bis er eintraf. Auch er hatte schon geduscht. Wir gingen zum Auto und er fuhr mich zum Bahnhof Wilhelmshöhe, wo wir noch zusammen essen gingen. Um 11:55 Uhr stieg ich dann in den Intercity nach Hannover, wo ich eine Stunde später ankam und in den Regionalexpress nach Bremen stieg. Gegen 15:30 Uhr war ich wieder zu Hause.

Halbmarathon Hannover 2014-04-27

Der zweiundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der TUI Marathon Hannover.
Es war nun schon das fünfte Mal, dass ich in Hannover zum Halbmarathon antrat. Erstmals in dieser Zeit fiel der Sonntag des Rennens in den April. Auch die Startzeiten waren neu. Der Marathonstart war vorverlegt worden auf 9:00 Uhr und der Halbmarathonstart von 10:45 Uhr auf 10:30 Uhr. Trotzdem entschied ich mich, nicht früher anzureisen als in den Vorjahren.
Ich stand um sechs Uhr morgens auf und frühstückte. Um halb acht Uhr ging ich aus dem Haus und fuhr mit der Straßenbahn erst zur Domsheide und von da aus zum Hauptbahnhof. Ich hatte nur fünf Minuten Zeit, dann fuhr auch schon der Zug nach Hannover um 8:18 Uhr ab. Andere Halbmarathonläufer sah ich erst einmal keine. Wegen der Vorverlegung des Startes hatten sie wohl alle einen Zug früher genommen. Erst in Verden stiegen die ersten Passagiere mit Laufschuhen ein. Als wir Nienburg erreicht hatten, kamen auch Läufer dazu, die ihren Starterbeutel schon am Vortag in Hannover abgeholt hatten. Ich nahm jetzt mein mitgebrachtes Brot zu mir.
Der Zug kam pünktlich um 9:39 Uhr am Hauptbahnhof Hannover an, wo ich zunächst die Toilette aufsuchte. Dann machte ich mich auf den Fußweg über Kröpcke zum Aegidientorplatz. Hier kamen mir einige Spitzenläufer des Marathons entgegen. Das Veranstaltungsgelände war wie immer am Rathaus. Im Zelt konnte ich mir meinen Starterbeutel abholen. Ich war einer der letzten, die dies taten. Anstehen musste ich daher nicht. Da ich mich bereits auf der Bahnhofstoilette umgezogen hatte, konnte ich den Beutel nun im vorgesehenen LKW abgeben. Ich trug das Trikot vom Braunschweig-Halbmarathon 2010. Auf Kappe und Sonnenbrille hatte ich verzichtet, da der Himmel teilweise bewölkt war. Es sollten heute bis zu 19°C werden.
Die Startnummern waren diesmal nicht mit farbigen Balken versehen, sondern mit Buchstaben. Ich hatte den Buchstaben „A“ wegen meiner schnellen Zeit von Paderborn 2013, daher durfte ich mich ganz nach vorne stellen. Block A und B waren durch ein rotes Band voneinander getrennt. Hier bei der Elite ging es etwas geräumiger zu.
Es waren jetzt noch zehn Minuten bis zum Start. Der Moderator sagte, dass die eine der beiden Hahner-Zwillinge beim Marathon aufgegeben hatte. Ihre Schwester hatte zwei Wochen zuvor den Wien-Marathon gewonnen. Jetzt konnte ich von meinem Standpunkt aus die beiden Schwestern sehen, wie sie ein Interview gaben.
Um kurz nach 10:30 Uhr kam der Startschuss. Ich hatte die Linie bereits nach wenigen Sekunden überquert und arbeitete mich nach vorne. Die Halbmarathonstrecke war fast genau die gleiche wie im Vorjahr. Über uns kreiste ein Hubschrauber. Für den ersten Kilometer brauchte ich weniger als vier Minuten, aber dann musste ich nachlassen. Meine Kondition war einfach zu schlecht.
Nach zwei Kilometern war der Maschsee erreicht, an dem es nun erst einmal nur geradeaus nach Süden ging. Jetzt wurde ich von zahlreichen Läufern überholt, die aber alle noch ein „A“ auf ihrer Startnummer hatten.
Am Ende des Machsees mussten wir links abbiegen. Hier war die erste Abzweigung, wo sich Marathon- und Halbmarathonkurs sich trennten. Die Marathonläufer, die diese Stelle schon längst passiert hatten, waren hier geradeaus unter den S-Bahnschienen hindurchgelaufen. Hier befand sich auch der erste Verpflegungspunkt, wo ich einen Becher Wasser zu mir nahm. Wir hatten nun die ersten fünf Kilometer absolviert.
Nach einer weiteren Linkskurve ging es nun wieder lange geradeaus, an den Schienen der sogenannten U-Bahn entlang. Jetzt ging es wieder in Richtung Innenstadt. Je mehr wir uns dieser näherten, desto mehr Zuschauer standen am Rand. Beim Kröpcke ging es nach links durch die Fußgängerzone und dann am Hauptbahnhof vorbei und unter den Gleisen hindurch nach Norden. Direkt hinter der Unterführung war die Marke für den zehnten Kilometer erreicht. Ich hatte etwa 41 und eine halbe Minute bis jetzt benötigt.
Nun trennten sich die Strecken zum zweiten Mal. Für den Halbmarathon ging es links, für den Marathon rechts. Bereits nach wenigen Metern waren beide Strecken wieder vereinigt, wobei ich als Halbmarathonläufer bei Kilometer 10,5 und die Marathonis bei Kilometer 21 waren. Nun hatte ich auch die langsamsten dieser Marathonis eingeholt und die Strecke war daher wieder ein bisschen dichter besiedelt. Unter den Läufern, die ich jetzt überholte, war auch eine Frau, die einen Rollstuhlfahrer schob.
Nachdem wir an einer Kirche vorbeigekommen waren, trennten sich beide Kurse wieder. Einer der Marathonis hatte dies offenbar zu spät bemerkt, legte den Rückwärtsgang ein und kollidierte dabei fast mit ein paar anderen Sportlern. Nach kurzer Zeit waren beide Kurse wieder zusammengelegt worden, allerdings durch ein Gitter voneinander getrennt. Dann trennten sich die Kurse erneut und bei einer Linkskurve, die unter den Bahngleisen hindurchführte, wurden sie wieder zusammengelegt. Wir befanden uns nun wieder östlich der Bahnstrecke. Für diese ersten 14 Kilometer hatte ich knapp eine Stunde benötigt.
Wie erreichten dann den nordöstlichsten Punkt und dann ging es neben den Herrenhäuser Gärten und der U-Bahnlinie nach Süden. Nach einer 180°-Kurve trennten sich die Strecken ein letztes Mal. Die Marathonis durften durch den Park laufen, wir Halbmarathonis kürzten ab. Die Strecken wurden kurz darauf wieder zusammengelegt und es ging nun unter einer Hauptverkehrsstraße hindurch. Ich hatte inzwischen starke Schmerzen an den Füßen, wo sich Blasen bildeten. Allerdings wollte ich nicht anhalten und ein Pflaster einsetzen.
Eine Zeit von unter 90 Minuten war nicht mehr möglich. Auf der Zielgeraden, die diesmal in die entgegensetzte Richtung führte, lief ich noch einmal so schnell wie möglich. Dann überquerte ich die Linie. Ich musste mich nun erst einmal orientieren, da dieses Jahr alles anders war. Ich nahm mir zunächst Cola zu trinken und ging dann im Zielbereich weiter. Hier gab es alle möglichen Sachen zu essen. Eine Helferin hängte mir die Medaille um. Wie jedes Jahr hing die Marathonmedaille an einem roten und die Halbmarathonmedaille an einem gelben Band. Der Weg zurück zum Rathaus war diesmal wesentlich länger als sonst. Dann erreichte ich endlich die LKWs, wo ich meine Tasche abholen konnte. Dem Helfer erzählte ich, dass ich in Hannover irgendwann einmal auch den Marathon laufen wolle.
Die Duschen waren dieses Jahr an einer anderen Stelle aufgebaut. Im Zelt waren nicht besonders viele Duschbrausen vorhanden, aber glücklicherweise war jetzt noch nicht viel los. Die Durchflussmenge der Brausen war ein bisschen gering. Ich duschte, zog mich an und ging dann zur U-Bahn-Haltestelle Aegidientorplatz, von wo aus ich bis zum Hauptbahnhof fahren konnte. Hier nahm ich etwas zu essen und um 13:21 Uhr fuhr ich mit dem Regionalexpress nach Bremen zurück. Wegen der schlechten Verbindungen kam ich erst gegen 15:30 Uhr zu Hause an.

Mittwoch, 23. April 2014

Halbmarathon Paderborn 2014-04-19

Der einundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 68. Paderborner Osterlauf.
Wer an Ostern laufen will, muss nach Paderborn, da andere Veranstaltungen an diesem Wochenende schwer zu finden sind. Der Paderborner Osterlauf, der dieses Jahr bereits zum 68. Mal stattfand, ist eine Massenveranstaltung mit dem Halbmarathon als Höhepunkt, der um 15 Uhr startet und über tausend Teilnehmer hat. Im letzten Jahr hatte ich hier meine bisherige Bestzeit absolviert, diesmal war ich allerdings wesentlich schlechter vorbereitet und gerade am Samstag sollten die Temperaturen deutlich ansteigen auf 20°C.
Ich stand an diesem Tag um halb sieben Uhr auf und frühstückte. Um kurz nach neun Uhr fuhr ich mit der Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von wo aus ich mit der Nordwestbahn weiter zum Hauptbahnhof fuhr. Hier nahm ich um 9:44 Uhr den Intercity nach Münster, wo ich in die Eurobahn in Richtung Paderborn umstieg. Es wimmelte zunächst von BVB-Fans, die einen Umweg nach Dortmund nahmen, in Hamm aber ausstiegen. Der Zug kam um 12:40 Uhr in Paderborn auf.
Das Veranstaltungsgelände liegt ein bisschen außerhalb des Zentrums. Ich ging zunächst in die Fußgängerzone und suchte McDoof auf, um ein reichhaltiges Mittagessen zu mir zu nehmen. Danach setzte ich mich in ein Café, um ein bisschen an meinem Netbook zu arbeiten. Um 14 Uhr ging ich los zum Veranstaltungszentrum.
Neben der Sporthalle war noch eine Art Jahrmarkt aufgebaut, was dazu führte, dass der Andrang noch größer war als sonst. Da die meisten Läufe schon vorüber waren, kamen mir viele Sportler mit umgehängten Medaillen entgegen. Es war auf dem Schulgelände richtig eng, aber zum Glück kannte ich den Weg.
Ich ging in die Sporthalle, wo die Messe war. Meine Startnummer hatte ich mir schon vorher notiert und konnte daher problemlos die Unterlagen abholen. In der Umkleidekabine sprach mich ein Typ an, der heute seinen ersten Halbmarathon laufen wollte. Er hieß Thomas. Da ich schon das dritte Mal in Paderborn dabei war und heute insgesamt schon meinen 91. Halbmarathon lief, konnte ich ihm alles erklären.
Wir gingen gemeinsam zur Taschenabgabe. Ich trug heute das Trikot vom Lesmonalauf aus dem Jahr 2010. Zusammen mit Thomas lief ich mich ein bisschen im Park warm, bevor wir – fünf Minuten vor dem Start – zur Stargeraden gingen. Ich verabschiedete mich von Thomas, der ganz hinten blieb, da er heute lediglich das Ziel erreichen wollte. Ich selber drängelte mich ein bisschen nach vorn, war beim Startschuss aber doch noch so weit hinten, dass ich erst nach über einer Minute die Linie überquert hatte und es hier nun sehr eng zuging.
Ich muss bemerken, dass ich die Rückfahrt mit Zugbindung für 17:21 Uhr vom Paderborner Hauptbahnhof angesetzt hatte. Wenn ich auf eine Dusche nicht verzichten wollte, dann hatte ich mich also zu beeilen. Ich peilte eine Zeit von 90 Minuten an.
Die Strecke war die gleiche wie in den Vorjahren und bestand aus zweimal derselben Runde. Es ging erst einmal durch ein Wohnviertel nach Norden. Das Überholen war hier extrem schwer, da es richtig eng war. Am Rand waren immer wieder Zelte aufgebaut, an denen die Zuschauer Gegrilltes zu Essen bekamen. Ich musste immer wieder auf den Bürgersteig ausweichen, um zu Überholen.
Nach über einem Kilometer ging es nach rechts auf die Brücke, die über die Gleise des Güterbahnhofs führt. Jetzt begann die Runde durch die nordöstlichen Wohnviertel von Paderborn.
So langsam wurde das Überholen einfacher, da sich das Feld lichtete. Nach drei Kilometern, für die ich etwa 13 Minuten benötigt hatte, kam der erste Versorgungspunkt. Ich nahm mir einen Becher Wasser. Wegen der hohen Temperaturen schwitze ich sehr und musste den brennenden Schweiß mehrfach mit dem Trikot aus den Augen reiben.
Am Ende der Runde ging es wieder über die Brücke und danach rechts in die nordwestliche Tour durch Paderborn. Ein Messgerät erfasste unsere Zwischenzeit. Auf der anderen Straßenseite kam uns das langsamste Feld entgegen. Die jetzige Runde führte an einem Wald vorbei. Ich erinnerte mich, wie ich vor zwei Jahren die Befürchtung hatte, dass das Streckenpersonal mich aus dem Rennen nehmen könnte, da ich damals ja ein bisschen erkältet war. Dann kam die Stelle, wo die Zwischenstände der Bundesliga angezeigt wurden. Jetzt, um 15:35 Uhr stand es überall noch 0:0.
In einem der letzten Wohnviertel war ein Zelt der CDU aufgestellt. Dann war der Park erreicht, der neben der Stargeraden lag. Nach einem kleinen Abstecher durch eine Straße liefen wir auf die Startgeraden zu, wo man sich links einordnen musste, um auf die zweite Runde zu gelangen. An der Start- und Zielgeraden, wo die meisten Zuschauer standen, legte ich eine 180°-Kurve hin. Ich hatte die erste Runde in knapp unter 45 Minuten absolviert.
Als ich das erste Wohngebiet der zweiten Runde erreichte, spürte ich erstmals starken Gegenwind. Das Feld war inzwischen so dünn, dass ich teilweise für mich allein lief. Ich überholte eine sehr kleine Frau, die am Anfang offenbar schnell gemacht hatte, der dann aber die Puste ausgegangen war. Eine weitere Frau überholte ich später noch. Ansonsten waren nur noch Männer um mich herum.
Als ich ein zweites Mal über die Brücke lief, die in die nordöstlichen Stadtteile führte, sah ich nun das Feld, das noch auf der ersten Runde war und mir entgegenkam. Der Kurs war insgesamt so gelegt, dass einem an vielen Stellen Läufer entgegenkamen.
Meine Geschwindigkeit ließ langsam nach. Eine Zeit unter 90 Minuten war schwierig zu erreichen. Angetrieben wurde ich von der Musik, die an vielen Stellen abgespielt wurde. An meinem rechten Fuß schien sich eine Blase zu bilden und auch die Pflaster, die meine Brustwarzen abdeckten, wurden langsam locker.
An einer Stelle, wo ein Kommentator stand, wurde mein Name durchs Mikrofon gerufen. Meinen Konkurrenten ging auch langsam die Puste aus und ich konnte einige von ihnen überholen.
Hinter der Brücke kam dann wieder die Tour durch den Nordwesten Paderborns. Gerade zur Halbzeit konnte ich mich wieder über die Bundesligaspielstände informieren. In Augsburg stand es noch 0:0. Vor einem Hause war eine Wasserbrause aufgebaut, aus der Leitungswasser strömte. Ich sprang unter der Braus hindurch und wurde ein bisschen nass.
Als dann wieder der Park erreicht wurde, war es noch ein Kilometer bis zum Ziel. Leider hatte ich gerade jetzt wieder Gegenwind. Erst als ich in die Straße vor der Zielgeraden einbog, wurde es besser. Kurz vor der Zielgeraden überholte ich noch einen Teilnehmer, der dann aber sofort auch zum Sprint ansetzte. Jetzt, nach 90 Minuten, war der Weg in die zweite Runde geschlossen und jeder Läufer konnte nur noch zum Ziel einbiegen. Der Typ, den ich eben noch überholt hatte, überholte mich jetzt auch und rempelte mich dabei aus Versehen an.
Nach 90 und einer halben Minute überquerte ich die Ziellinie. Ich ließ mir die Medaille umhängen, die dieses Jahr rund war ein kreuzförmiges Loch in der Mitte hatte. Dann machte ich mich auf den Weg zur Halle, um meine Tasche abzuholen. Inzwischen war es leichter, hier durchzukommen, die viele Teilnehmer und Zuschauer schon auf dem Heimweg waren.
Beim Duschen musste ich nicht anstehen und so konnte ich noch rechtzeitig zum Bahnhof gehen. Die Züge hatte keine Verspätung und ich kam gegen 21 Uhr wieder zu Hause an.