Der einundneunzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 68. Paderborner Osterlauf.
Wer an Ostern laufen will, muss nach Paderborn, da andere Veranstaltungen an diesem Wochenende schwer zu finden sind. Der Paderborner Osterlauf, der dieses Jahr bereits zum 68. Mal stattfand, ist eine Massenveranstaltung mit dem Halbmarathon als Höhepunkt, der um 15 Uhr startet und über tausend Teilnehmer hat. Im letzten Jahr hatte ich hier meine bisherige Bestzeit absolviert, diesmal war ich allerdings wesentlich schlechter vorbereitet und gerade am Samstag sollten die Temperaturen deutlich ansteigen auf 20°C.
Ich stand an diesem Tag um halb sieben Uhr auf und frühstückte. Um kurz nach neun Uhr fuhr ich mit der Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von wo aus ich mit der Nordwestbahn weiter zum Hauptbahnhof fuhr. Hier nahm ich um 9:44 Uhr den Intercity nach Münster, wo ich in die Eurobahn in Richtung Paderborn umstieg. Es wimmelte zunächst von BVB-Fans, die einen Umweg nach Dortmund nahmen, in Hamm aber ausstiegen. Der Zug kam um 12:40 Uhr in Paderborn auf.
Das Veranstaltungsgelände liegt ein bisschen außerhalb des Zentrums. Ich ging zunächst in die Fußgängerzone und suchte McDoof auf, um ein reichhaltiges Mittagessen zu mir zu nehmen. Danach setzte ich mich in ein Café, um ein bisschen an meinem Netbook zu arbeiten. Um 14 Uhr ging ich los zum Veranstaltungszentrum.
Neben der Sporthalle war noch eine Art Jahrmarkt aufgebaut, was dazu führte, dass der Andrang noch größer war als sonst. Da die meisten Läufe schon vorüber waren, kamen mir viele Sportler mit umgehängten Medaillen entgegen. Es war auf dem Schulgelände richtig eng, aber zum Glück kannte ich den Weg.
Ich ging in die Sporthalle, wo die Messe war. Meine Startnummer hatte ich mir schon vorher notiert und konnte daher problemlos die Unterlagen abholen. In der Umkleidekabine sprach mich ein Typ an, der heute seinen ersten Halbmarathon laufen wollte. Er hieß Thomas. Da ich schon das dritte Mal in Paderborn dabei war und heute insgesamt schon meinen 91. Halbmarathon lief, konnte ich ihm alles erklären.
Wir gingen gemeinsam zur Taschenabgabe. Ich trug heute das Trikot vom Lesmonalauf aus dem Jahr 2010. Zusammen mit Thomas lief ich mich ein bisschen im Park warm, bevor wir – fünf Minuten vor dem Start – zur Stargeraden gingen. Ich verabschiedete mich von Thomas, der ganz hinten blieb, da er heute lediglich das Ziel erreichen wollte. Ich selber drängelte mich ein bisschen nach vorn, war beim Startschuss aber doch noch so weit hinten, dass ich erst nach über einer Minute die Linie überquert hatte und es hier nun sehr eng zuging.
Ich muss bemerken, dass ich die Rückfahrt mit Zugbindung für 17:21 Uhr vom Paderborner Hauptbahnhof angesetzt hatte. Wenn ich auf eine Dusche nicht verzichten wollte, dann hatte ich mich also zu beeilen. Ich peilte eine Zeit von 90 Minuten an.
Die Strecke war die gleiche wie in den Vorjahren und bestand aus zweimal derselben Runde. Es ging erst einmal durch ein Wohnviertel nach Norden. Das Überholen war hier extrem schwer, da es richtig eng war. Am Rand waren immer wieder Zelte aufgebaut, an denen die Zuschauer Gegrilltes zu Essen bekamen. Ich musste immer wieder auf den Bürgersteig ausweichen, um zu Überholen.
Nach über einem Kilometer ging es nach rechts auf die Brücke, die über die Gleise des Güterbahnhofs führt. Jetzt begann die Runde durch die nordöstlichen Wohnviertel von Paderborn.
So langsam wurde das Überholen einfacher, da sich das Feld lichtete. Nach drei Kilometern, für die ich etwa 13 Minuten benötigt hatte, kam der erste Versorgungspunkt. Ich nahm mir einen Becher Wasser. Wegen der hohen Temperaturen schwitze ich sehr und musste den brennenden Schweiß mehrfach mit dem Trikot aus den Augen reiben.
Am Ende der Runde ging es wieder über die Brücke und danach rechts in die nordwestliche Tour durch Paderborn. Ein Messgerät erfasste unsere Zwischenzeit. Auf der anderen Straßenseite kam uns das langsamste Feld entgegen. Die jetzige Runde führte an einem Wald vorbei. Ich erinnerte mich, wie ich vor zwei Jahren die Befürchtung hatte, dass das Streckenpersonal mich aus dem Rennen nehmen könnte, da ich damals ja ein bisschen erkältet war. Dann kam die Stelle, wo die Zwischenstände der Bundesliga angezeigt wurden. Jetzt, um 15:35 Uhr stand es überall noch 0:0.
In einem der letzten Wohnviertel war ein Zelt der CDU aufgestellt. Dann war der Park erreicht, der neben der Stargeraden lag. Nach einem kleinen Abstecher durch eine Straße liefen wir auf die Startgeraden zu, wo man sich links einordnen musste, um auf die zweite Runde zu gelangen. An der Start- und Zielgeraden, wo die meisten Zuschauer standen, legte ich eine 180°-Kurve hin. Ich hatte die erste Runde in knapp unter 45 Minuten absolviert.
Als ich das erste Wohngebiet der zweiten Runde erreichte, spürte ich erstmals starken Gegenwind. Das Feld war inzwischen so dünn, dass ich teilweise für mich allein lief. Ich überholte eine sehr kleine Frau, die am Anfang offenbar schnell gemacht hatte, der dann aber die Puste ausgegangen war. Eine weitere Frau überholte ich später noch. Ansonsten waren nur noch Männer um mich herum.
Als ich ein zweites Mal über die Brücke lief, die in die nordöstlichen Stadtteile führte, sah ich nun das Feld, das noch auf der ersten Runde war und mir entgegenkam. Der Kurs war insgesamt so gelegt, dass einem an vielen Stellen Läufer entgegenkamen.
Meine Geschwindigkeit ließ langsam nach. Eine Zeit unter 90 Minuten war schwierig zu erreichen. Angetrieben wurde ich von der Musik, die an vielen Stellen abgespielt wurde. An meinem rechten Fuß schien sich eine Blase zu bilden und auch die Pflaster, die meine Brustwarzen abdeckten, wurden langsam locker.
An einer Stelle, wo ein Kommentator stand, wurde mein Name durchs Mikrofon gerufen. Meinen Konkurrenten ging auch langsam die Puste aus und ich konnte einige von ihnen überholen.
Hinter der Brücke kam dann wieder die Tour durch den Nordwesten Paderborns. Gerade zur Halbzeit konnte ich mich wieder über die Bundesligaspielstände informieren. In Augsburg stand es noch 0:0. Vor einem Hause war eine Wasserbrause aufgebaut, aus der Leitungswasser strömte. Ich sprang unter der Braus hindurch und wurde ein bisschen nass.
Als dann wieder der Park erreicht wurde, war es noch ein Kilometer bis zum Ziel. Leider hatte ich gerade jetzt wieder Gegenwind. Erst als ich in die Straße vor der Zielgeraden einbog, wurde es besser. Kurz vor der Zielgeraden überholte ich noch einen Teilnehmer, der dann aber sofort auch zum Sprint ansetzte. Jetzt, nach 90 Minuten, war der Weg in die zweite Runde geschlossen und jeder Läufer konnte nur noch zum Ziel einbiegen. Der Typ, den ich eben noch überholt hatte, überholte mich jetzt auch und rempelte mich dabei aus Versehen an.
Nach 90 und einer halben Minute überquerte ich die Ziellinie. Ich ließ mir die Medaille umhängen, die dieses Jahr rund war ein kreuzförmiges Loch in der Mitte hatte. Dann machte ich mich auf den Weg zur Halle, um meine Tasche abzuholen. Inzwischen war es leichter, hier durchzukommen, die viele Teilnehmer und Zuschauer schon auf dem Heimweg waren.
Beim Duschen musste ich nicht anstehen und so konnte ich noch rechtzeitig zum Bahnhof gehen. Die Züge hatte keine Verspätung und ich kam gegen 21 Uhr wieder zu Hause an.
Mittwoch, 23. April 2014
Halbmarathon Cuxhaven 2014-04-13
Der neunzigste Halbmarathon meines Lebens.
In Cuxhaven war ich bereits 2010 und 2013 den Halbmarathon gelaufen. Dabei hatte ich letztes Jahr meinen größten Erfolg gefeiert, als ich von 213 Teilnehmern Dritter wurde und bei der Siegerehrung aufs Podest durfte. Ich hatte damals davon profitiert, dass sowohl die Teilnehmerzahl als auch das Niveau dieser Veranstaltung von Jahr zu Jahr abgenommen hatte und ich mich deshalb gezielt hier angemeldet, da ich auf den Podest-Platz spekuliert hatte.
Allerdings war ich in diesem Jahr nicht annähernd so gut vorbereitet wie 2013. Nach dem Weinstraßen-Marathon hatte ich fünf Tage lang Muskelkater und auf den Halbmarathon im Alten Land in Hamburg am Wochenende danach hatte ich verzichtet.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag schlief ich nur etwa drei Stunden, dann klingelte um sechs Uhr mein Wecker. Ich stand auf, ging unter die Dusche und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche und nahm den Bus zum Bahnhof Burg. Es war zwar sonnig, aber relativ kühl und windig. Von Burg aus fuhr ich mit der Nordwestbahn nach Bremerhaven, wo ich um 8:30 Uhr in den Zug der EVB nach Cuxhaven einstieg. Die vier Hauptläufe (Marathon, 30-Kilometerlauf, Halbmarathon, Zehnkilometerlauf) sollten dieses Jahr bereits um 10:30 Uhr starten. Dies war dann wohl auch der Grund dafür, dass ich keinen weiteren Läufer im Zug erblickte. Sie waren schon alle vorher angereist.
Ich aß mein mitgebrachtes Brot im Zug und kam gegen 9:30 Uhr in Cuxhaven an. Den Weg in die Innenstadt kannte ich schon. Ich schloss mich zwei Frauen an, die bisher nur Erfahrung mit Cross-Läufen gemacht hatten und heute ihren ersten Halbmarathon absolvieren wollten. Wir gingen einmal um die Hauptfiliale der Sparkasse herum, wo in den letzten Jahren immer die Startunterlagenausgabe gewesen war, stellten jedoch fest, dass hier kein Personal war. Dann erfuhren wir, dass wir durch einen Hintereingang das Gebäude betreten mussten. Von hier aus führte eine Treppe in den dritten oder vierten Stock, wo wir unsere Startnummern mit integriertem Chip abholen konnten.
Die Umkleidekabinen befanden sich auf demselben Schulgelände wie immer. Ich legte hier meine Läuferkleidung an. Obenrum trug ich das Trikot vom Valencia-Marathon. Auf Kappe und Sonnenbrille verzichtete ich. Dann lief ich mich ein bisschen warm. An der Start- und Zielgeraden konnte ich mir bereits die Medaillen anschauen. Es waren offenbar wieder genau die gleichen wie in den Jahren zuvor. Ich würde damit also bald schon drei Exemplare von dieser Sorte besitzen, da der Veranstalter jedes Jahr exakt die gleiche Medaille an die Finisher vergab und die Auflage der Veranstaltung nur auf dem roten Band vermerkt war.
Kurz vor dem Start stellte ich mich auf das dichtgedrängte Läuferfeld und reihte mich relativ weit vorne ein. Als um 10:30 Uhr der Startschuss ertönte, musste ich einige Leute überholen und hatte dann freie Bahn. Die Strecke war genau dieselbe wie im Vorjahr und ich hatte zwei Runden des Kurses zu absolvieren.
Der Weg führte erst auf die Nordsee zu und dann nach Westen durch die Fußgängerzone. Hier wurde ich plötzlich von einem Mann überholt, der mich auch sich aufmerksam machte. Ich erkannte Mehmet, der bei den diesjährigen Vorbereitungsläufen im Bürgerpark richtig schnell gewesen war und unterhielt mich kurz mit ihm. Er wollte heute den 30-Kilometerlauf absolvieren. Da ich wusste, dass im Vorjahr lediglich zwölf Leute daran teilgenommen hatten, sagte ich ihm jetzt schon voraus, dass er aufs Podest kommen würde. Ich sollte Recht behalten, denn aus dem Internet erfuhr ich später, dass er tatsächlich gewonnen hatte. Da Mehmet heute viel schneller war als ich, verlor ich ihn bald wieder aus den Augen.
Nach etwa zwei Kilometern ging es den Deich hinauf und auf der anderen Seite an der Nordsee entlang. Noch konnte ich das Führungsfahrzeug vor mir sehen. Wir liefen nun direkt an der Nordsee entlang und ich bekam den Gegenwind richtig zu spüren. Als ich mich mitten in einer Gruppe von Läufern befand, stürzten zwei Teilnehmer, da der eine auf den anderen offenbar „aufgelaufen“ war. Obwohl diese beiden sich wohl gegenseitig rausgekegelt hatten, konnte ich die Hoffnung auf einen Podest-Platz schnell begraben, da ich von nun an von zu vielen Leuten mit blauer Startnummer (Halbmarathon) überholt wurde. Glücklicherweise war es nicht allzu kalt, denn einen solch starken Gegenwind hatte ich bisher beim Laufen noch nie erlebt.
Der Weg führte weiter zwischen Nordsee und Deich entlang. Auf der Wiese waren vereinzelt Zuschauer, die applaudierten. An einem Versorgungspunkt nahm ich mir einen Becher Wasser. Dann wurde die Stelle erreicht, wo ein Gebäude stand und die Teilnehmer von Zehn- und Dreißigkilometerlauf links abbogen, um die verkürzte Runde zu absolvieren. Nun war Mehmet richtig weit vor mir. Ich selber musste noch ein paar hundert Meter geradeauslaufen, bevor auch für mich der Wendepunkt erreicht war. Als ich dann eine Wende um 180° hinlegte, war es wie eine Erlösung für mich, den Wind urplötzlich im Rücken zu haben. Leider führte der Rückweg auf der anderen Seite des Deichs entlang, weshalb ich den Rückenwind nicht vollständig genießen konnte.
Bei einem weiteren Versorgungspunkt bekam ich Wasser zu trinken, bevor die Strecke ein bisschen ins Landesinnere und dann an einem Spielplatz vorbei wieder zum Deich zurückführte. Als wir die Stelle erreicht hatten, wo auf dem Hinweg der Deich überquert worden war, waren Hin- und Rückweg identisch. Es dauerte nicht lange, bis mir die Führenden entgegenkamen, die sich nun auf der zweiten Runde befanden. Ich überholte nun eine Teilnehmerin, die mir bekannt vorkam. An Hand ihrer Starnummer und des aufgedruckten Vornamens erkannte ich Janina, die für das Team „Werder Bremen“ läuft und heute offenbar auch die 30 Kilometer absolvierte. In der Fußgängerzone am letzten Versorgungspunkt wurde laut Musik abgespielt und ich nahm mir einen Becher Cola zu trinken.
Auf der langen Start- und Zielgeraden kam mir dann Mehmet entgegen, der sich nun schon auf der zweiten Runde befand. Als ich dann selber den Wendepunkt erreichte und auf die zweite Runde einbog, sah ich, dass die meisten Teilnehmer vor mir anhielten und sich die Medaillen umhängen ließen. Es handelte sich hierbei offenbar um Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes.
Für mich ging es nun zurück durch die Fußgängerzone, wo mir nun das Hauptfeld der Läufer entgegenkam. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnte ich mich diesmal an meinem Vordermann orientieren, da ich ja im Feld weiter hinten war. An der Stelle, wo der Deich überquert wurde, wichen wir dann von der Strecke des Rückweges ab. Als ich die andere Seite des Deichs erreicht hatte, spürte ich wieder den Gegenwind. Er war diesmal nicht ununterbrochen vorhanden, aber wenn eine Sturmböe auftrat, dann richtig. Ich spürte jedes Mal, wie der aufgewirbelte fürchterlich hart gegen meinen Körper prallte.
Auch das Meer war jetzt ein bisschen unruhiger geworden. An den Stellen, wo die Uferwand unterbrochen war, kam bei jeder Welle Wasser auf die Laufstrecke. Nach 15 Kilometern hatte ich dann wieder den Wendepunkt erreicht und drehte um. Es war wieder eine Erlösung, den Wind im Rücken zu haben.
Auf dem Rückweg überholte ich erneut Janina, die auf der zweiten Runde des 30-Kilometerlaufes wieder die Abkürzung gelaufen war. Mehmet kam mir schon vor der Fußgängerzone entgegen und die Führende bei den Frauen im Halbmarathon war kurz hinter mir.
Ich erreichte das Ziel nach etwas mehr als 91 Minuten und ließ mir die Medaille geben, die exakt die gleiche wie immer war. Im aufgebauten Zelt nahm ich mir etwas zu essen und wurde von einem Läufer angesprochen, der mir sagte, dass er mich letztes Jahr auf dem Podest gesehen hatte.
Ich machte mich dann auf den Weg zur Turnhalle wo ich duschte und mich umzog. Dann ging ich sofort zum Bahnhof und erreichte noch den Zug um 12:39 Uhr, so dass ich schon gegen 15:30 Uhr wieder zu Hause war.
In Cuxhaven war ich bereits 2010 und 2013 den Halbmarathon gelaufen. Dabei hatte ich letztes Jahr meinen größten Erfolg gefeiert, als ich von 213 Teilnehmern Dritter wurde und bei der Siegerehrung aufs Podest durfte. Ich hatte damals davon profitiert, dass sowohl die Teilnehmerzahl als auch das Niveau dieser Veranstaltung von Jahr zu Jahr abgenommen hatte und ich mich deshalb gezielt hier angemeldet, da ich auf den Podest-Platz spekuliert hatte.
Allerdings war ich in diesem Jahr nicht annähernd so gut vorbereitet wie 2013. Nach dem Weinstraßen-Marathon hatte ich fünf Tage lang Muskelkater und auf den Halbmarathon im Alten Land in Hamburg am Wochenende danach hatte ich verzichtet.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag schlief ich nur etwa drei Stunden, dann klingelte um sechs Uhr mein Wecker. Ich stand auf, ging unter die Dusche und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche und nahm den Bus zum Bahnhof Burg. Es war zwar sonnig, aber relativ kühl und windig. Von Burg aus fuhr ich mit der Nordwestbahn nach Bremerhaven, wo ich um 8:30 Uhr in den Zug der EVB nach Cuxhaven einstieg. Die vier Hauptläufe (Marathon, 30-Kilometerlauf, Halbmarathon, Zehnkilometerlauf) sollten dieses Jahr bereits um 10:30 Uhr starten. Dies war dann wohl auch der Grund dafür, dass ich keinen weiteren Läufer im Zug erblickte. Sie waren schon alle vorher angereist.
Ich aß mein mitgebrachtes Brot im Zug und kam gegen 9:30 Uhr in Cuxhaven an. Den Weg in die Innenstadt kannte ich schon. Ich schloss mich zwei Frauen an, die bisher nur Erfahrung mit Cross-Läufen gemacht hatten und heute ihren ersten Halbmarathon absolvieren wollten. Wir gingen einmal um die Hauptfiliale der Sparkasse herum, wo in den letzten Jahren immer die Startunterlagenausgabe gewesen war, stellten jedoch fest, dass hier kein Personal war. Dann erfuhren wir, dass wir durch einen Hintereingang das Gebäude betreten mussten. Von hier aus führte eine Treppe in den dritten oder vierten Stock, wo wir unsere Startnummern mit integriertem Chip abholen konnten.
Die Umkleidekabinen befanden sich auf demselben Schulgelände wie immer. Ich legte hier meine Läuferkleidung an. Obenrum trug ich das Trikot vom Valencia-Marathon. Auf Kappe und Sonnenbrille verzichtete ich. Dann lief ich mich ein bisschen warm. An der Start- und Zielgeraden konnte ich mir bereits die Medaillen anschauen. Es waren offenbar wieder genau die gleichen wie in den Jahren zuvor. Ich würde damit also bald schon drei Exemplare von dieser Sorte besitzen, da der Veranstalter jedes Jahr exakt die gleiche Medaille an die Finisher vergab und die Auflage der Veranstaltung nur auf dem roten Band vermerkt war.
Kurz vor dem Start stellte ich mich auf das dichtgedrängte Läuferfeld und reihte mich relativ weit vorne ein. Als um 10:30 Uhr der Startschuss ertönte, musste ich einige Leute überholen und hatte dann freie Bahn. Die Strecke war genau dieselbe wie im Vorjahr und ich hatte zwei Runden des Kurses zu absolvieren.
Der Weg führte erst auf die Nordsee zu und dann nach Westen durch die Fußgängerzone. Hier wurde ich plötzlich von einem Mann überholt, der mich auch sich aufmerksam machte. Ich erkannte Mehmet, der bei den diesjährigen Vorbereitungsläufen im Bürgerpark richtig schnell gewesen war und unterhielt mich kurz mit ihm. Er wollte heute den 30-Kilometerlauf absolvieren. Da ich wusste, dass im Vorjahr lediglich zwölf Leute daran teilgenommen hatten, sagte ich ihm jetzt schon voraus, dass er aufs Podest kommen würde. Ich sollte Recht behalten, denn aus dem Internet erfuhr ich später, dass er tatsächlich gewonnen hatte. Da Mehmet heute viel schneller war als ich, verlor ich ihn bald wieder aus den Augen.
Nach etwa zwei Kilometern ging es den Deich hinauf und auf der anderen Seite an der Nordsee entlang. Noch konnte ich das Führungsfahrzeug vor mir sehen. Wir liefen nun direkt an der Nordsee entlang und ich bekam den Gegenwind richtig zu spüren. Als ich mich mitten in einer Gruppe von Läufern befand, stürzten zwei Teilnehmer, da der eine auf den anderen offenbar „aufgelaufen“ war. Obwohl diese beiden sich wohl gegenseitig rausgekegelt hatten, konnte ich die Hoffnung auf einen Podest-Platz schnell begraben, da ich von nun an von zu vielen Leuten mit blauer Startnummer (Halbmarathon) überholt wurde. Glücklicherweise war es nicht allzu kalt, denn einen solch starken Gegenwind hatte ich bisher beim Laufen noch nie erlebt.
Der Weg führte weiter zwischen Nordsee und Deich entlang. Auf der Wiese waren vereinzelt Zuschauer, die applaudierten. An einem Versorgungspunkt nahm ich mir einen Becher Wasser. Dann wurde die Stelle erreicht, wo ein Gebäude stand und die Teilnehmer von Zehn- und Dreißigkilometerlauf links abbogen, um die verkürzte Runde zu absolvieren. Nun war Mehmet richtig weit vor mir. Ich selber musste noch ein paar hundert Meter geradeauslaufen, bevor auch für mich der Wendepunkt erreicht war. Als ich dann eine Wende um 180° hinlegte, war es wie eine Erlösung für mich, den Wind urplötzlich im Rücken zu haben. Leider führte der Rückweg auf der anderen Seite des Deichs entlang, weshalb ich den Rückenwind nicht vollständig genießen konnte.
Bei einem weiteren Versorgungspunkt bekam ich Wasser zu trinken, bevor die Strecke ein bisschen ins Landesinnere und dann an einem Spielplatz vorbei wieder zum Deich zurückführte. Als wir die Stelle erreicht hatten, wo auf dem Hinweg der Deich überquert worden war, waren Hin- und Rückweg identisch. Es dauerte nicht lange, bis mir die Führenden entgegenkamen, die sich nun auf der zweiten Runde befanden. Ich überholte nun eine Teilnehmerin, die mir bekannt vorkam. An Hand ihrer Starnummer und des aufgedruckten Vornamens erkannte ich Janina, die für das Team „Werder Bremen“ läuft und heute offenbar auch die 30 Kilometer absolvierte. In der Fußgängerzone am letzten Versorgungspunkt wurde laut Musik abgespielt und ich nahm mir einen Becher Cola zu trinken.
Auf der langen Start- und Zielgeraden kam mir dann Mehmet entgegen, der sich nun schon auf der zweiten Runde befand. Als ich dann selber den Wendepunkt erreichte und auf die zweite Runde einbog, sah ich, dass die meisten Teilnehmer vor mir anhielten und sich die Medaillen umhängen ließen. Es handelte sich hierbei offenbar um Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes.
Für mich ging es nun zurück durch die Fußgängerzone, wo mir nun das Hauptfeld der Läufer entgegenkam. Im Gegensatz zum letzten Jahr konnte ich mich diesmal an meinem Vordermann orientieren, da ich ja im Feld weiter hinten war. An der Stelle, wo der Deich überquert wurde, wichen wir dann von der Strecke des Rückweges ab. Als ich die andere Seite des Deichs erreicht hatte, spürte ich wieder den Gegenwind. Er war diesmal nicht ununterbrochen vorhanden, aber wenn eine Sturmböe auftrat, dann richtig. Ich spürte jedes Mal, wie der aufgewirbelte fürchterlich hart gegen meinen Körper prallte.
Auch das Meer war jetzt ein bisschen unruhiger geworden. An den Stellen, wo die Uferwand unterbrochen war, kam bei jeder Welle Wasser auf die Laufstrecke. Nach 15 Kilometern hatte ich dann wieder den Wendepunkt erreicht und drehte um. Es war wieder eine Erlösung, den Wind im Rücken zu haben.
Auf dem Rückweg überholte ich erneut Janina, die auf der zweiten Runde des 30-Kilometerlaufes wieder die Abkürzung gelaufen war. Mehmet kam mir schon vor der Fußgängerzone entgegen und die Führende bei den Frauen im Halbmarathon war kurz hinter mir.
Ich erreichte das Ziel nach etwas mehr als 91 Minuten und ließ mir die Medaille geben, die exakt die gleiche wie immer war. Im aufgebauten Zelt nahm ich mir etwas zu essen und wurde von einem Läufer angesprochen, der mir sagte, dass er mich letztes Jahr auf dem Podest gesehen hatte.
Ich machte mich dann auf den Weg zur Turnhalle wo ich duschte und mich umzog. Dann ging ich sofort zum Bahnhof und erreichte noch den Zug um 12:39 Uhr, so dass ich schon gegen 15:30 Uhr wieder zu Hause war.
Dienstag, 1. April 2014
Marathon Deutsche Weinstraße 2014-03-30
Der zehnte Marathon meines Lebens.
Der 9. Marathon Deutsche Weinstraße
Ich wäre gerne schon im letzten Jahr an der Deutschen Weinstraße mitgelaufen, musste jedoch feststellen, dass diese Veranstaltung nur alle zwei Jahre stattfindet. Da der Marathon von Bockenheim bis Bad Dürkheim und zurück führt, der Halbmarathon jedoch nur bis Grünstadt und die Gegend für mich eine Art Heimat war, stand fest, dass ich hier den ganzen Marathon absolvieren würde. Ich hatte einen Bekannten namens Axel überredet, mitzumachen. Er hatte sich für den Halbmarathon angemeldet.
Ich war am Donnerstagnachmittag in Frankenthal angekommen und verbrachte das Wochenende bei meinem Vater. Am Samstagmittag holte ich Axel ab und fuhr im Auto mit ihm zusammen nach Bockenheim, wo das Veranstaltungszentrum lag. Ab 13 Uhr konnte man hier die Startunterlagen abholen. Die Startgeraden war neben dem Haus der Deutschen Weinstraße. Daneben waren auf einem Platz einige große Zelte aufgestellt, von denen in einem die Unterlagen abgeholt werden konnten. Neben der Startnummer mit integriertem Zeit-Mess-Chip gab es noch eine Tüte mit viel Werbematerial, einer Flasche Karamalz und einer weiteren Flasche trockenem Riesling. Das Etikett der Veranstaltung klebte auf der Vorderseite der Flasche.
Beim Rückweg zum Parkplatz konnten wir bereits die Finisher-Medaillen sehen. Es gab hier nur eine einzige Version, welche für Marathonis, Halbmarathonis und für Kinderläufe bereitstand. Für den Marathon hatten sich 1200 Teilnehmer angemeldet, für den Halbmarathon 2300. Weitere Anmeldungen waren nicht möglich, da das Läuferfeld vom Veranstalter begrenzt worden war.
Am Sonntagmorgen musste ich daran denken, dass in dieser Nacht die Uhren auf Sommerzeit umgestellt wurden. Marathon- und Halbmarathon starteten um zehn Uhr nach der neuen Zeit. Mir blieb also eine Stunde weniger zum schlafen.
Ich stand gegen 8 Uhr auf und frühstückte. Um halb neun Uhr brachten mich meine Eltern mit dem Auto nach Bockenheim. Noch war die Strecke für Autos nicht gesperrt und ich konnte von meinen Eltern in der Nähe des Bockenheimer Bahnhofs ausgesetzt werden. Es war jetzt ungefähr neun Uhr und ich ging ins Haus der Deutschen Weinstraße, wo ich mitgebrachtes Brot aß und ein Glas Wasser dazu trank, welches mir der Wirt kostenfrei zur Verfügung stellte. Im Gegensatz zum Platz zwischen und in den großen Zelten war hier sehr wenig los. Sogar die Toilette konnte ich benutzen. Als Dank ließ ich dann doch einen Euro da.
Zwanzig Minuten vor dem Start ging ich zu den Zelten, wo ich mich mit Axel verabredet hatte. Er stand bereits da. Zusammen ging wir in eines der Zelte, wo ich meine Tasche abgab. Ich trug das Trikot vom Wilhelmshaven-Halbmarathon 2010 und eine Kappe, da die Sonne auf dem Hinweg von vorne links scheinen würde. Auf dem Rückweg sollte ich sie dann im Rücken haben.
In diversen Ankündigungen der Veranstaltung war ich erst vor kurzem auf das anspruchsvolle Höhenprofil aufmerksam geworden, dem ich bis dahin noch gar keine Beachtung geschenkt hatte. Später stellte ich fest, dass ich dieses Problem unterschätzt hatte. Im Moment hatte ich noch vor, fünf Minuten für einen Kilometer zu benötigen. Daher stellten Axel, für den es der erste Halbmarathon war, und ich uns in der Mitte des Starterfeldes, welches übrigens auffällig viele US-Amerikaner enthielt, auf. Um zehn Uhr ging es los, nach zweieinhalb Minuten hatten wir die Startlinie überquert.
Da Bockenheim mit Start- und Zielgeraden der nördlichste Punkt der Strecke war, ging es nun erst einmal nach Süden. Die Landstraße führte bergauf und wir mussten einige Leute überholten, darunter auch einen Babyjogger, was sich auf dem engen Weg als schwierig erwies. Axel preschte immer wieder nach vorne, und ich hatte Mühe, ihn jedes Mal einzuholen.
Kurz bevor Asselheim, ein Vorort von Grünstadt, erreicht wurde, ging es eine Zeitlang richtig steil bergab. Leider konnten wir hier nicht ganz so schnell laufen, da das Feld immer noch eng beisammen war und wir ständig ausweichen mussten. Mir wurde beim Gedanken, am Rückweg, kurz vor dem Ziel, dieses Stück wieder hinaufzulaufen, ein bisschen übel.
Als wir Asselheim erreicht hatten, verließen wir die Weinstraße und folgten einem etwas engeren Weg. Auf einer langen Geraden musste wir Platz für einen Krankenwagen machen, der uns mit Blaulicht und Sirene entgegenkam. Offenbar war bereits der erste Teilnehmer zusammengebrochen. Danach erreichten wir den ersten Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Wein gab es hier – offensichtlich – (noch) nicht.
Das Wetter war übrigens nicht ganz ideal: Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen, weshalb ich froh war, meine Kappe zu tragen. Außerdem waren die Temperaturen zu hoch. Im Moment ging es noch, aber auf dem Rückweg sollten es schon 20°C sein.
Als wir Asselheim verlassen hatten, führte der Weg unter den Bahngleisen (Strecke nach Ramsen und Eiswoog) hindurch und dann waren wir in Grünstadt. In der Fußgängerzone standen zahlreiche Zuschauer und applaudierten. Die Musikschule, welche ich einige Jahre lang besucht hatte, bekam ich leider nicht zu sehen. An einem Versorgungsstand nahm ich mir erneut einen Becher Wasser.
Als wir Grünstadt verlassen hatten, ging es durch die Weinfelder. Eine Läuferin zeigte uns einen kleinen Fernsehmast, der in einiger Entfernung angeblich die höchste Stelle des Marathons zeigte. Axel würde allerdings nicht daran vorbeilaufen, da er vorher schon den Rückweg antreten sollte.
Bei einer Geraden, die steil bergab führte, konnten wir nun ein Schild sehen, welches angab, das in hundert Metern separiert wurde: Marathonis mussten rechts abbiegen, Halbmarathonis links. Als am Ende der Geraden der tiefste Punkt erreicht war und der Weg sich trennte, verabschiedete ich mich von Axel. Dann war ich allein unter Marathonläufern. Jetzt war auf einmal wesentlich mehr Platz vorhanden. Wir kamen durch ein kleines Wohngebiet, wo uns die Anwohner zuschauten. Wir waren in Kleinkarlbach. Die A6 von Frankenthal nach Kaiserslautern hatten wir bereits hinter uns gelassen, ohne dass ich dies bemerkt hatte.
Nach einigen Kurven trafen die Halbmarathonis wieder auf uns. Sie hatten einen etwas längeren Weg zu laufen, um die jetzige Stelle zu erreichen, daher befand sich Axel nun hinter mir. Kurz vor dem Ortsausgang trennten wir uns wieder. Ich musste nach links, die Halbmarathonläufer nach rechts. Für mich ging es nun nach Süden. Der nächste Ort sollte Bobenheim am Berg sein.
Nun wurde mir klar, warum es Bobenheim am Berg hieß. Ich hatte einen sehr steilen Anstieg zu bewältigen. Auf der Verbindungsstraße der beiden Orte war nun sehr viel Platz vorhanden. Ich hatte mich im Feld nach vorne gekämpft und hier war nicht mehr allzu viel los. Der Anstieg machte mir allerdings zu schaffen. Ich spürte die Anstrengung im Rücken und auch leichte Schmerzen am großen Zeh des rechten Fußes. Da diese Probleme aber nur beim Anstieg zu spüren waren, machte ich mir keine großen Gedanken darüber. Ich hätte auch den Schuh ausziehen, den Fuß untersuchen und ein Pflaster aufsetzen können.
Nach Bobenheim am Berg folgte Weisenheim am Berg. Bis dahin ging es wieder ein Stück bergauf. Im Ort wartete dann ein Verpflegungspunkt auf uns. Neben einem Becher Wasser nahm ich diesmal zusätzlich noch Apfelsaftschorle. Auf ein Stück Banane verzichtete ich hier noch. Hinter Weisenheim ging es auf einer Landstraße am Fernsehmast vorbei, der die höchste Stelle des Kurses markierte. Dann zeigten die Hinweisschilder schon Bad Dürkheim an. Nach 15 Kilometern war der Vorort Leistadt erreicht. Auch hier gab es für mich Wasser und Apfelsaftschorle zu trinken.
Hinter Leistadt führte die Landstraße uns nun kilometerlang bergab. An einer Abzweigung nach rechts erkannte ich den Weg nach Annaberg, wo ich mit Freunden zusammen vor über zehn Jahren mal eine so heftige Party gefeiert hatte, dass das betroffene Haus danach unbewohnbar gewesen war. Heute liefen wir jedoch geradeaus auf Bad Dürkheim zu, an dessen Ortseingang links von uns ein Campingplatz lag.
Der Weg führte in die Stadt hinein auf die Hauptdurchfahrtsstraße zu. Diese stand uns Läufern nicht zur Verfügung, wir mussten stattdessen den Fußgänger- und Fahrradweg daneben benutzen. Nach wenigen Metern bogen wir in die Unterführung ein, welche uns südlich der Hauptstraße in die Innenstadt brachte. Von hier aus war nun das Dürkheimer Riesenfass aus der Entfernung zu erkennen. In der Fußgängerzone, wo sich der südlichste Punkt der Strecke befand, war wieder eine Verpflegungsstelle. Diesmal nahm ich mir nicht nur zu trinken, sondern auch ein Stück Banane. Am letzten Tisch wurde tatsächlich Pfälzer Wein für die Läufer angeboten. Als ich einen gemächlichen Schritt einlegte, um meine Getränke in aller Ruhe einzunehmen, nannte der Kommentator auch meinen Namen.
Der nun folgende Streckenabschnitt führte durch den schönsten Teil, nämlich den Park in Bad Dürkheim. Hier floss ein kleiner Bach und zahlreiche Zuschauer saßen auf den Bänken. Dann erreichten wir das große Gebäude aus Holz, welches vor einigen Jahren teilweise abgebrannt war und liefen an ihm entlang nach Norden. Wir waren nun im Schatten, was auf dieser Strecke nicht häufig der Fall war. Am Ende des Gebäudes war wieder die Hauptstraße erreicht, wo wir uns nach rechts wendeten. Hier hatten wir nun die erste Hälfte der Strecke hinter uns und aufgestellte technische Geräte maßen unsere Zwischenzeit. Auf der anderen Seite der Hauptstraße war der Rückweg, wo ich das Läuferfeld vor mir sehen konnte.
Am Wendepunkt im Osten regelte die Polizei den Verkehr, da wir hier die Straße überqueren und auf der anderen Seite den Rückweg antreten mussten. Als wir nach kurzer Zeit Bad Dürkheim verließen und nach rechts in die Weinfelder einbogen, sah ich von links ein Kleinflugzeug, das gerade im Landeanflug auf den Flugplatz nach Ungstein war. Dies war der nächste Ort, den wir zu durchlaufen hatten. Im Prinzip ging es jetzt nur noch nach Norden, wir befanden uns auf dem Rückweg nach Bockenheim.
In Ungstein konnte ich nun einen Teil der Strecke sehen, die ich als Kind immer mit dem Fahrrad (von Frankenthal nach Bad Dürkheim) zurückgelegt hatte. Der Flugplatz befand sich direkt neben uns. Insgesamt war es so, dass der Rückweg von Bad Dürkheim bis Grünstadt weiter östlich als der Hinweg lag. Erst in Grünstadt sollten wir wieder auf die Strecke treffen, die wir bereits auf dem Hinweg gelaufen waren.
Während in Bad Dürkheim ein etwa fünf Kilometer Abschnitt hinter uns lag, der sehr flach war (es war die tiefste Stelle der ganzen Strecke), so ging es jetzt wieder bergauf. Hinter Ungstein ging es weiter nach Kallstadt, wo jedes Jahr im Mai das Fest der 100 Weine den Auftat zur Weinfestsaison macht. Am Versorgungsstand am Ortsausgang wurden sogar kleine Stücke gebratenen Fleisches an Zahnstochern an die Läufer ausgegeben.
Da wir die Sonnen nun im Rücken hatten, musste ich die Kappe nicht mehr aufsetzen und hielt sie weitestgehend in der Hand. Der Weg führte nun weiter nach Herxheim am Berg, welches sich auf der höchsten Stelle des Rückweges befand. In Herxheim war ein Versorgungsstand, bei dem man auch durch eine Anlage hindurch laufen konnte, welche angeblich mit Riesling vermischtes Wasser ausschüttete. Auf diese klebrige Dusche verzichtete ich natürlich gerne und nahm mir stattdessen nur zu Essen und zu trinken.
Ich hatte nun 30 Kilometer hinter mir und meine Beine wurden langsam schwer. Auf der folgenden Strecke hatte man eine sehr schönen Ausblick auf das Tal, weshalb ich zwischendurch auch einmal einige Schritte rückwärts lief, um die ganze Umgebung sehen zu können.
Im folgenden Ort, in Dackenheim, nahm ich wieder Getränke zu mir. Dann folgte Kirchheim an der Weinstraße, wo wir am Gelände der freiwilligen Feuerwehr und am Golfplatz vorbeiliefen. Kurz, bevor wir wieder in Grünstadt waren, wurde ich von einem Rettungswagen überholt, welcher die gleiche Strecke abfuhr, die ich zu laufen hatte. Ein Notfall war dies offenbar aber nicht, denn als ich den Wagen bei einer Pause wieder überholte und er mir danach folgte, schien er keine große Eile zu haben.
Bei Kilometer 35 war dann wieder die Strecke des Hinweges erreicht. Wir kamen nach Grünstadt, wo wir wieder durch die Fußgängerzone liefen. Hier waren inzwischen wesentlich mehr Zuschauer, die vor den Cafés saßen, dafür aber umso weniger Läufer. Das Feld hatte sich inzwischen richtig ausgedünnt. Zuvor hatte ich in Kirchheim einmal sogar schon meinen Vordermann aus den Augen verloren.
Nach einem kurzen Abschnitt durch die Weinberge kamen wir nach Asselheim. Die große Durchfahrtsstraße, wo wir auf dem Hinweg Platz für den Rettungswagen machen mussten, war immer noch komplett gesperrt, aber inzwischen ziemlich leer. Ich hatte nun 38 Kilometer hinter mir und nun kam die Stelle, die ich am meisten gefürchtet hatte, nämlich der steile Anstieg, den ich auf dem Hinweg noch herunterlaufen durfte.
Ich spürte wieder meinen Rücken und die Schmerzen am Zeh, aber ich wusste, dass ich es bald geschafft haben würde. Meine Zielzeit würde etwa drei Stunden und vierzig Minuten betragen. Es war inzwischen sehr warm geworden und die Sonne schien erbarmungslos vom Himmel. Später stellte ich fest, dass ich mir tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand geholt hatte, und zwar an den Stellen der Oberarme, die nicht von meinem kurzärmligen Trikot abgedeckt wurden.
Am Fußgängerweg neben der Landstraße sah ich einige Halbmarathonis, die den Heimweg antraten und ihre Medaillen umgehängt hatten. Das motivierte mich natürlich noch einmal. Als der Ort Bockenheim erreicht war, musste ich an einer Kolonne aus Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen vorbei. Als ich das erste dieser Autos erreicht hatte, sah ich, dass es sich um den Besenwagen für den Halbmarathon handelte. Direkt davor liefen zwei Frauen, die ich nun überholte. Ich hatte es also tatsächlich geschafft, für den Marathon weniger Zeit zu brauchen als diese beiden Damen für den Halben.
Ich musste weiterhin eine große Gruppe an Staffelläufern überholen, bevor ich dann das Ziel sehen konnte. Bei einer Nettozeit von knapp unter 3:40 Stunden überquerte ich die Ziellinie und ließ mir die Medaille umhängen. Sie hatte die Form einer Weinrebe. Auf der Vorderseite stand: „9. Marathon Deutsche Weinstraße, 30.3.2014, mit Halbmarathon“, auf der Rückseite war die Strecke angedeutet, mit aufgemaltem Riesenfass (Bad Dürkheim) und Haus der Deutschen Weinstraße (Bockenheim).
Wenige Meter weiter nahm ich mir Getränke: Einen Becher mit Iso und einen weiteren, mit mir unbekanntem Getränk. Ich trank erst den Iso und probierte dann das andere, musste aber feststellen, dass es sich um Wein handelte und schüttete es weg. Ich holte meine Tasche ab und ließ mir den Weg zu den Duschen zeigen, Nun sah ich, dass ich an der schmerzenden Stelle am Zeh eine dicke Wasserblase hatte. Ich duschte und zog mich dann wieder an. Eigentlich sollte mein Vater mich nun am Bahnhof in Bockenheim abholen, aber er kam mit seinem Auto bis dahin nicht durch, da die Strecke gesperrt war. Daher musste ich den Zug nach Monsheim nehmen, wo ich von ihm erwartet und nach Frankenthal gebracht wurde.
Neben dem Sonnenbrand, der Blase und dem Muskelkater an den Beinen hatte ich keine weiteren Probleme davongetragen. Wegen des Höhenprofils handelte es sich trotzdem um den anstrengendsten Marathon, den ich bisher absolviert hatte. In den Ergebnissen sah ich später, dass nur knapp über 700 Teilnehmer beim Marathon das Ziel erreicht hatten.
Der 9. Marathon Deutsche Weinstraße
Ich wäre gerne schon im letzten Jahr an der Deutschen Weinstraße mitgelaufen, musste jedoch feststellen, dass diese Veranstaltung nur alle zwei Jahre stattfindet. Da der Marathon von Bockenheim bis Bad Dürkheim und zurück führt, der Halbmarathon jedoch nur bis Grünstadt und die Gegend für mich eine Art Heimat war, stand fest, dass ich hier den ganzen Marathon absolvieren würde. Ich hatte einen Bekannten namens Axel überredet, mitzumachen. Er hatte sich für den Halbmarathon angemeldet.
Ich war am Donnerstagnachmittag in Frankenthal angekommen und verbrachte das Wochenende bei meinem Vater. Am Samstagmittag holte ich Axel ab und fuhr im Auto mit ihm zusammen nach Bockenheim, wo das Veranstaltungszentrum lag. Ab 13 Uhr konnte man hier die Startunterlagen abholen. Die Startgeraden war neben dem Haus der Deutschen Weinstraße. Daneben waren auf einem Platz einige große Zelte aufgestellt, von denen in einem die Unterlagen abgeholt werden konnten. Neben der Startnummer mit integriertem Zeit-Mess-Chip gab es noch eine Tüte mit viel Werbematerial, einer Flasche Karamalz und einer weiteren Flasche trockenem Riesling. Das Etikett der Veranstaltung klebte auf der Vorderseite der Flasche.
Beim Rückweg zum Parkplatz konnten wir bereits die Finisher-Medaillen sehen. Es gab hier nur eine einzige Version, welche für Marathonis, Halbmarathonis und für Kinderläufe bereitstand. Für den Marathon hatten sich 1200 Teilnehmer angemeldet, für den Halbmarathon 2300. Weitere Anmeldungen waren nicht möglich, da das Läuferfeld vom Veranstalter begrenzt worden war.
Am Sonntagmorgen musste ich daran denken, dass in dieser Nacht die Uhren auf Sommerzeit umgestellt wurden. Marathon- und Halbmarathon starteten um zehn Uhr nach der neuen Zeit. Mir blieb also eine Stunde weniger zum schlafen.
Ich stand gegen 8 Uhr auf und frühstückte. Um halb neun Uhr brachten mich meine Eltern mit dem Auto nach Bockenheim. Noch war die Strecke für Autos nicht gesperrt und ich konnte von meinen Eltern in der Nähe des Bockenheimer Bahnhofs ausgesetzt werden. Es war jetzt ungefähr neun Uhr und ich ging ins Haus der Deutschen Weinstraße, wo ich mitgebrachtes Brot aß und ein Glas Wasser dazu trank, welches mir der Wirt kostenfrei zur Verfügung stellte. Im Gegensatz zum Platz zwischen und in den großen Zelten war hier sehr wenig los. Sogar die Toilette konnte ich benutzen. Als Dank ließ ich dann doch einen Euro da.
Zwanzig Minuten vor dem Start ging ich zu den Zelten, wo ich mich mit Axel verabredet hatte. Er stand bereits da. Zusammen ging wir in eines der Zelte, wo ich meine Tasche abgab. Ich trug das Trikot vom Wilhelmshaven-Halbmarathon 2010 und eine Kappe, da die Sonne auf dem Hinweg von vorne links scheinen würde. Auf dem Rückweg sollte ich sie dann im Rücken haben.
In diversen Ankündigungen der Veranstaltung war ich erst vor kurzem auf das anspruchsvolle Höhenprofil aufmerksam geworden, dem ich bis dahin noch gar keine Beachtung geschenkt hatte. Später stellte ich fest, dass ich dieses Problem unterschätzt hatte. Im Moment hatte ich noch vor, fünf Minuten für einen Kilometer zu benötigen. Daher stellten Axel, für den es der erste Halbmarathon war, und ich uns in der Mitte des Starterfeldes, welches übrigens auffällig viele US-Amerikaner enthielt, auf. Um zehn Uhr ging es los, nach zweieinhalb Minuten hatten wir die Startlinie überquert.
Da Bockenheim mit Start- und Zielgeraden der nördlichste Punkt der Strecke war, ging es nun erst einmal nach Süden. Die Landstraße führte bergauf und wir mussten einige Leute überholten, darunter auch einen Babyjogger, was sich auf dem engen Weg als schwierig erwies. Axel preschte immer wieder nach vorne, und ich hatte Mühe, ihn jedes Mal einzuholen.
Kurz bevor Asselheim, ein Vorort von Grünstadt, erreicht wurde, ging es eine Zeitlang richtig steil bergab. Leider konnten wir hier nicht ganz so schnell laufen, da das Feld immer noch eng beisammen war und wir ständig ausweichen mussten. Mir wurde beim Gedanken, am Rückweg, kurz vor dem Ziel, dieses Stück wieder hinaufzulaufen, ein bisschen übel.
Als wir Asselheim erreicht hatten, verließen wir die Weinstraße und folgten einem etwas engeren Weg. Auf einer langen Geraden musste wir Platz für einen Krankenwagen machen, der uns mit Blaulicht und Sirene entgegenkam. Offenbar war bereits der erste Teilnehmer zusammengebrochen. Danach erreichten wir den ersten Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. Wein gab es hier – offensichtlich – (noch) nicht.
Das Wetter war übrigens nicht ganz ideal: Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen, weshalb ich froh war, meine Kappe zu tragen. Außerdem waren die Temperaturen zu hoch. Im Moment ging es noch, aber auf dem Rückweg sollten es schon 20°C sein.
Als wir Asselheim verlassen hatten, führte der Weg unter den Bahngleisen (Strecke nach Ramsen und Eiswoog) hindurch und dann waren wir in Grünstadt. In der Fußgängerzone standen zahlreiche Zuschauer und applaudierten. Die Musikschule, welche ich einige Jahre lang besucht hatte, bekam ich leider nicht zu sehen. An einem Versorgungsstand nahm ich mir erneut einen Becher Wasser.
Als wir Grünstadt verlassen hatten, ging es durch die Weinfelder. Eine Läuferin zeigte uns einen kleinen Fernsehmast, der in einiger Entfernung angeblich die höchste Stelle des Marathons zeigte. Axel würde allerdings nicht daran vorbeilaufen, da er vorher schon den Rückweg antreten sollte.
Bei einer Geraden, die steil bergab führte, konnten wir nun ein Schild sehen, welches angab, das in hundert Metern separiert wurde: Marathonis mussten rechts abbiegen, Halbmarathonis links. Als am Ende der Geraden der tiefste Punkt erreicht war und der Weg sich trennte, verabschiedete ich mich von Axel. Dann war ich allein unter Marathonläufern. Jetzt war auf einmal wesentlich mehr Platz vorhanden. Wir kamen durch ein kleines Wohngebiet, wo uns die Anwohner zuschauten. Wir waren in Kleinkarlbach. Die A6 von Frankenthal nach Kaiserslautern hatten wir bereits hinter uns gelassen, ohne dass ich dies bemerkt hatte.
Nach einigen Kurven trafen die Halbmarathonis wieder auf uns. Sie hatten einen etwas längeren Weg zu laufen, um die jetzige Stelle zu erreichen, daher befand sich Axel nun hinter mir. Kurz vor dem Ortsausgang trennten wir uns wieder. Ich musste nach links, die Halbmarathonläufer nach rechts. Für mich ging es nun nach Süden. Der nächste Ort sollte Bobenheim am Berg sein.
Nun wurde mir klar, warum es Bobenheim am Berg hieß. Ich hatte einen sehr steilen Anstieg zu bewältigen. Auf der Verbindungsstraße der beiden Orte war nun sehr viel Platz vorhanden. Ich hatte mich im Feld nach vorne gekämpft und hier war nicht mehr allzu viel los. Der Anstieg machte mir allerdings zu schaffen. Ich spürte die Anstrengung im Rücken und auch leichte Schmerzen am großen Zeh des rechten Fußes. Da diese Probleme aber nur beim Anstieg zu spüren waren, machte ich mir keine großen Gedanken darüber. Ich hätte auch den Schuh ausziehen, den Fuß untersuchen und ein Pflaster aufsetzen können.
Nach Bobenheim am Berg folgte Weisenheim am Berg. Bis dahin ging es wieder ein Stück bergauf. Im Ort wartete dann ein Verpflegungspunkt auf uns. Neben einem Becher Wasser nahm ich diesmal zusätzlich noch Apfelsaftschorle. Auf ein Stück Banane verzichtete ich hier noch. Hinter Weisenheim ging es auf einer Landstraße am Fernsehmast vorbei, der die höchste Stelle des Kurses markierte. Dann zeigten die Hinweisschilder schon Bad Dürkheim an. Nach 15 Kilometern war der Vorort Leistadt erreicht. Auch hier gab es für mich Wasser und Apfelsaftschorle zu trinken.
Hinter Leistadt führte die Landstraße uns nun kilometerlang bergab. An einer Abzweigung nach rechts erkannte ich den Weg nach Annaberg, wo ich mit Freunden zusammen vor über zehn Jahren mal eine so heftige Party gefeiert hatte, dass das betroffene Haus danach unbewohnbar gewesen war. Heute liefen wir jedoch geradeaus auf Bad Dürkheim zu, an dessen Ortseingang links von uns ein Campingplatz lag.
Der Weg führte in die Stadt hinein auf die Hauptdurchfahrtsstraße zu. Diese stand uns Läufern nicht zur Verfügung, wir mussten stattdessen den Fußgänger- und Fahrradweg daneben benutzen. Nach wenigen Metern bogen wir in die Unterführung ein, welche uns südlich der Hauptstraße in die Innenstadt brachte. Von hier aus war nun das Dürkheimer Riesenfass aus der Entfernung zu erkennen. In der Fußgängerzone, wo sich der südlichste Punkt der Strecke befand, war wieder eine Verpflegungsstelle. Diesmal nahm ich mir nicht nur zu trinken, sondern auch ein Stück Banane. Am letzten Tisch wurde tatsächlich Pfälzer Wein für die Läufer angeboten. Als ich einen gemächlichen Schritt einlegte, um meine Getränke in aller Ruhe einzunehmen, nannte der Kommentator auch meinen Namen.
Der nun folgende Streckenabschnitt führte durch den schönsten Teil, nämlich den Park in Bad Dürkheim. Hier floss ein kleiner Bach und zahlreiche Zuschauer saßen auf den Bänken. Dann erreichten wir das große Gebäude aus Holz, welches vor einigen Jahren teilweise abgebrannt war und liefen an ihm entlang nach Norden. Wir waren nun im Schatten, was auf dieser Strecke nicht häufig der Fall war. Am Ende des Gebäudes war wieder die Hauptstraße erreicht, wo wir uns nach rechts wendeten. Hier hatten wir nun die erste Hälfte der Strecke hinter uns und aufgestellte technische Geräte maßen unsere Zwischenzeit. Auf der anderen Seite der Hauptstraße war der Rückweg, wo ich das Läuferfeld vor mir sehen konnte.
Am Wendepunkt im Osten regelte die Polizei den Verkehr, da wir hier die Straße überqueren und auf der anderen Seite den Rückweg antreten mussten. Als wir nach kurzer Zeit Bad Dürkheim verließen und nach rechts in die Weinfelder einbogen, sah ich von links ein Kleinflugzeug, das gerade im Landeanflug auf den Flugplatz nach Ungstein war. Dies war der nächste Ort, den wir zu durchlaufen hatten. Im Prinzip ging es jetzt nur noch nach Norden, wir befanden uns auf dem Rückweg nach Bockenheim.
In Ungstein konnte ich nun einen Teil der Strecke sehen, die ich als Kind immer mit dem Fahrrad (von Frankenthal nach Bad Dürkheim) zurückgelegt hatte. Der Flugplatz befand sich direkt neben uns. Insgesamt war es so, dass der Rückweg von Bad Dürkheim bis Grünstadt weiter östlich als der Hinweg lag. Erst in Grünstadt sollten wir wieder auf die Strecke treffen, die wir bereits auf dem Hinweg gelaufen waren.
Während in Bad Dürkheim ein etwa fünf Kilometer Abschnitt hinter uns lag, der sehr flach war (es war die tiefste Stelle der ganzen Strecke), so ging es jetzt wieder bergauf. Hinter Ungstein ging es weiter nach Kallstadt, wo jedes Jahr im Mai das Fest der 100 Weine den Auftat zur Weinfestsaison macht. Am Versorgungsstand am Ortsausgang wurden sogar kleine Stücke gebratenen Fleisches an Zahnstochern an die Läufer ausgegeben.
Da wir die Sonnen nun im Rücken hatten, musste ich die Kappe nicht mehr aufsetzen und hielt sie weitestgehend in der Hand. Der Weg führte nun weiter nach Herxheim am Berg, welches sich auf der höchsten Stelle des Rückweges befand. In Herxheim war ein Versorgungsstand, bei dem man auch durch eine Anlage hindurch laufen konnte, welche angeblich mit Riesling vermischtes Wasser ausschüttete. Auf diese klebrige Dusche verzichtete ich natürlich gerne und nahm mir stattdessen nur zu Essen und zu trinken.
Ich hatte nun 30 Kilometer hinter mir und meine Beine wurden langsam schwer. Auf der folgenden Strecke hatte man eine sehr schönen Ausblick auf das Tal, weshalb ich zwischendurch auch einmal einige Schritte rückwärts lief, um die ganze Umgebung sehen zu können.
Im folgenden Ort, in Dackenheim, nahm ich wieder Getränke zu mir. Dann folgte Kirchheim an der Weinstraße, wo wir am Gelände der freiwilligen Feuerwehr und am Golfplatz vorbeiliefen. Kurz, bevor wir wieder in Grünstadt waren, wurde ich von einem Rettungswagen überholt, welcher die gleiche Strecke abfuhr, die ich zu laufen hatte. Ein Notfall war dies offenbar aber nicht, denn als ich den Wagen bei einer Pause wieder überholte und er mir danach folgte, schien er keine große Eile zu haben.
Bei Kilometer 35 war dann wieder die Strecke des Hinweges erreicht. Wir kamen nach Grünstadt, wo wir wieder durch die Fußgängerzone liefen. Hier waren inzwischen wesentlich mehr Zuschauer, die vor den Cafés saßen, dafür aber umso weniger Läufer. Das Feld hatte sich inzwischen richtig ausgedünnt. Zuvor hatte ich in Kirchheim einmal sogar schon meinen Vordermann aus den Augen verloren.
Nach einem kurzen Abschnitt durch die Weinberge kamen wir nach Asselheim. Die große Durchfahrtsstraße, wo wir auf dem Hinweg Platz für den Rettungswagen machen mussten, war immer noch komplett gesperrt, aber inzwischen ziemlich leer. Ich hatte nun 38 Kilometer hinter mir und nun kam die Stelle, die ich am meisten gefürchtet hatte, nämlich der steile Anstieg, den ich auf dem Hinweg noch herunterlaufen durfte.
Ich spürte wieder meinen Rücken und die Schmerzen am Zeh, aber ich wusste, dass ich es bald geschafft haben würde. Meine Zielzeit würde etwa drei Stunden und vierzig Minuten betragen. Es war inzwischen sehr warm geworden und die Sonne schien erbarmungslos vom Himmel. Später stellte ich fest, dass ich mir tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand geholt hatte, und zwar an den Stellen der Oberarme, die nicht von meinem kurzärmligen Trikot abgedeckt wurden.
Am Fußgängerweg neben der Landstraße sah ich einige Halbmarathonis, die den Heimweg antraten und ihre Medaillen umgehängt hatten. Das motivierte mich natürlich noch einmal. Als der Ort Bockenheim erreicht war, musste ich an einer Kolonne aus Polizei- und Feuerwehrfahrzeugen vorbei. Als ich das erste dieser Autos erreicht hatte, sah ich, dass es sich um den Besenwagen für den Halbmarathon handelte. Direkt davor liefen zwei Frauen, die ich nun überholte. Ich hatte es also tatsächlich geschafft, für den Marathon weniger Zeit zu brauchen als diese beiden Damen für den Halben.
Ich musste weiterhin eine große Gruppe an Staffelläufern überholen, bevor ich dann das Ziel sehen konnte. Bei einer Nettozeit von knapp unter 3:40 Stunden überquerte ich die Ziellinie und ließ mir die Medaille umhängen. Sie hatte die Form einer Weinrebe. Auf der Vorderseite stand: „9. Marathon Deutsche Weinstraße, 30.3.2014, mit Halbmarathon“, auf der Rückseite war die Strecke angedeutet, mit aufgemaltem Riesenfass (Bad Dürkheim) und Haus der Deutschen Weinstraße (Bockenheim).
Wenige Meter weiter nahm ich mir Getränke: Einen Becher mit Iso und einen weiteren, mit mir unbekanntem Getränk. Ich trank erst den Iso und probierte dann das andere, musste aber feststellen, dass es sich um Wein handelte und schüttete es weg. Ich holte meine Tasche ab und ließ mir den Weg zu den Duschen zeigen, Nun sah ich, dass ich an der schmerzenden Stelle am Zeh eine dicke Wasserblase hatte. Ich duschte und zog mich dann wieder an. Eigentlich sollte mein Vater mich nun am Bahnhof in Bockenheim abholen, aber er kam mit seinem Auto bis dahin nicht durch, da die Strecke gesperrt war. Daher musste ich den Zug nach Monsheim nehmen, wo ich von ihm erwartet und nach Frankenthal gebracht wurde.
Neben dem Sonnenbrand, der Blase und dem Muskelkater an den Beinen hatte ich keine weiteren Probleme davongetragen. Wegen des Höhenprofils handelte es sich trotzdem um den anstrengendsten Marathon, den ich bisher absolviert hatte. In den Ergebnissen sah ich später, dass nur knapp über 700 Teilnehmer beim Marathon das Ziel erreicht hatten.
Donnerstag, 27. März 2014
Halbmarathon Wandsetal 2014-03-23
Der neunundachtzigste Halbmarathon meines Lebens.
Die Wandsetaler Runde.
Die Winterpause hatte für mich diesmal ein bisschen länger gedauert. Den Halbmarathon in Frankfurt am Main vor zwei Wochen hatte ich von Anfang an nicht eingeplant, da ich die aufwändige Anreise scheute. Letzte Woche wollte ich dann eigentlich in Langenrehm mitlaufen, aber mein Fahrrad, das ich zur Anfahrt benötigt hätte, stand mir leider nicht zur Verfügung. So begann die Saison für mich mit der Wandsetaler Runde.
Im Gegensatz zum letzten Jahr war der Winter diesmal wesentlich schneller vorbei. Im letzten Jahr hatte ich in Langenrehm noch auf Glatteis und in Bad Oldesloe im tiefen Schnee laufen müssen, während die Temperaturen dieses Jahr schon relativ hoch waren. Auf die Wandsetaler Runde war ich im Internet aufmerksam geworden. Es gab neben einem Zehn-Kilometerlauf auch einen Halbmarathon, für den ich mich angemeldet hatte. Leider war ich von Montag bis Donnerstag leicht erkältet gewesen. Somit würde ich heute nicht allzu schnell laufen können.
Ich stand an diesem Sonntag gegen halb sechs Uhr auf und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche und nahm meine Standard-Verbindung nach Hamburg: Um sieben Uhr mit der Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von dort aus mit der Nordwestbahn zum Hauptbahnhof und von dort um 7:33 Uhr mit dem Metronom nach Hamburg.
In Hamburg kam ich gegen Viertel vor neun Uhr an. Der Halbmarathon sollte um 10:30 Uhr starten. Ich begab mich zur U-Bahn-Haltestelle, wo ich in die U-Bahn in Richtung Großhansdorf einstieg. Hier aß ich mein mitgebrachtes Brot. Eigentlich wollte ich bis zur Station „Straßburger Straße“ fahren, und von dort aus zu Fuß zum Schulgelände, an welchem die Veranstaltung war, laufen. Als ich eine Station vorher jedoch einen jungen Mann in Laufschuhen die U-Bahn verlassen sah, sprang ich schnell auch heraus, ging ihm nach und sprach ihn an. Tatsächlich wollte er auch zur Wandsetaler Runde, um dort fünf Kilometer zu laufen.
Wir befanden uns am Busbahnhof in Wandsbek-Markt. Der Typ hatte sich eine genaue Verbindung vorher ausgesucht und kannte eine Möglichkeit, mit dem Bus bis zum Veranstaltungsgelände zu gelangen. Mit der Linie 9 kamen wir nach zehn Minuten Fahrtzeit dort an. Das Gelände war zweigeteilt: Auf dem Schulgelände waren Startunterlagenausgabe, Duschen und Umkleiden, während auf dem wenige hundert Meter entfernten Parkplatz Taschenabgabe sowie Start- und Zielgeraden war.
Wir holte uns die Startunterlagen ab, welche aus der Nummer und einem Chip bestanden. Der Chip hatte ein Band, so dass ich ihn um mein Bein schnüren konnte. Ich trennte mich nun von meinem Begleiter, welcher noch auf seine Schwester warten musste. Mit der Tasche in der Hand ging ich am Wandsetaler „Stadion“ vorbei zum Parkplatz, Ich zog mich hinter einem Gebüsch um und dann gab ich meine Tasche im Zelt ab. Kurz darauf fiel mir ein, dass ich meine Armbanduhr auch im Gepäck gelassen hatte. Da ich aber nicht vorhatte, neue Bestzeit zu laufen, verzichtete ich darauf, die Uhr noch zu holen.
Da ich noch ein bisschen von der Erkältung geschwächt war, fand ich den starken Wind sehr unangenehm. Ich war leicht bekleidet, obenrum mit dem Trikot aus Berlin (2010) und einer Kappe, da die Sonne sehr stark schien.
Ich lief mich ein bisschen warm und als der Startschuss für Halbmarathon, Zehn- und Fünfkilometerlauf kam, stand ich ganz hinten.
Die Strecke führt fast ausschließlich durchs Grüne. Waren wir am Start noch an einer Hauptstraße, so ging es schnell in einen kleinen Park. Überholen war hier nicht einfach. Der Boden war auch nicht ganz trocken. Auffällig waren die vielen Kinder, welche offenbar die fünf Kilometer absolvierten.
Der Weg führte zunächst an der Wandse, einem kleinen Fluss, entlang. Die Strecke verlief südlich des Flusses. Als wir rechts den Ostender Teich liegen ließen, hatten wir schon fast zwei Kilometer hinter uns. Dann kam eine Abzweigung nach Norden, die uns um den Kupferteich führte. Jetzt war die ganze Situation durchaus gefährlich, da die führenden des Fünf-Kilometerlaufs nun auf dem Rückweg waren und uns entgegenkamen. Die Strecke war schmal und ich befand mich noch in einem sehr engen Feld. Glücklicherweise kam es in meinem Bereich zu keiner Kollision.
Nach der Runde um den Teich ging es weiter nach Osten. Wir erreichten dabei die Bahnlinie, die von Hamburg nach Bad Oldesloe führte, einen Kilometer vom Bahnhof Tonndorf entfernt. Wir unterquerten eine große Straße für Autos und die Bahnlinie. Nun kamen die führenden des Zehn-Kilometerlaufs um die Ecke geschossen.
Der westlichste Teil der Strecke führte eine Runde durch eine Schrebergartensiedlung, die mit einem halb verfallenen Haus begann. Am Ende der Runde, als ich wieder zurücklief, konnte ich das Feld hinter mir betrachten. Ich schätzte, dass ich etwa fünf Minuten pro Kilometer benötigte.
Als ich die Unterführung wieder hinter mir hatte, ging es etwas südlicher zurück. Wir waren an einem Waldweg, den ein kleiner Fluss von privaten Häusern mit großen Gärten trennte. Nach neun Kilometern wurden Hin- und Rückweg wieder vereinigt, um danach wieder auseinanderzulaufen.
An den Stellen, an denen Straßen überquert werden mussten, standen jeweils zwei Polizisten und sorgten dafür, dass wir Läufer Vorrang vor den Autos hatten. Kurz vor dem Parkplatz wurde dann separiert: Halbmarathonis musste links abbiegen auf die zweite Runde.
Wegen meiner Ortsunkenntnis kann ich nicht beurteilen, ob die zweite Runde anders als die erste war. Viele Gemeinsamkeiten waren jedoch schon zu erkennen. Als ich wieder hinter der Bahnlinie auf die Runde durch die Schrebergärten einbog, kamen mir einige Halbmarathonis entgegen, die schon auf dem Rückweg waren. In einem von ihnen erkannte ich Klas, den ich letztes Jahr in Bad Oldesloe kennengelernt und dann in Hoisbüttel wiedergetroffen hatte. Er erkannte mich auch. Für ihn war es ein neues Gefühl, schneller zu sein als ich.
Langsam spürte ich, dass ich noch geschwächt war und sehnte das Ende herbei. Trotzdem überstand ich das Rennen problemlos.
Im Ziel auf dem Parkplatz musste ich den Zeitmesschip abgeben. Jetzt verstand ich, dass ich ihn eigentlich an der Hand hätte befestigen sollen, damit man ihn sofort scannen und meine Zielzeit messen konnte. So verzögerte sich alles um ein paar Sekunden, was mich heute aber nicht störte.
Ich nahm sehr schnell meine Tasche wieder und ging dann zu Fuß zum Schulgelände, um zu duschen. Eine Umkleidekabine mit mehreren Duschen stand uns Männern zur Verfügung. Anstehen musste ich nicht. Ich zog mich danach wieder an und ging in den Vorraum der Umkleidehalle, wo ich mich aus Versehen an der Sicherheitsnadel stach, die an meiner Tasche angebracht war. Da wurde ich von einem Mann angesprochen, der hinter mir stand. Es war Klas. Wir begrüßten uns und erzählten, wo wir in letzter Zeit gelaufen waren. Dann gingen wir zusammen in die Turnhalle, wo ich noch mit Klaas‘ Frau sprach.
Später machte ich mich auf den Heimweg. Mit dem Bus kam ich zur Station Wandsbek-Markt zurück und von dort aus mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, wo ich den Metronom nach Bremen nahm. Gegen 16 Uhr war ich wieder zu Hause. Später sah ich im Internet, dass ich etwa 1:46 Stunden für den Halbmarathon gebraucht hatte.
Die Wandsetaler Runde.
Die Winterpause hatte für mich diesmal ein bisschen länger gedauert. Den Halbmarathon in Frankfurt am Main vor zwei Wochen hatte ich von Anfang an nicht eingeplant, da ich die aufwändige Anreise scheute. Letzte Woche wollte ich dann eigentlich in Langenrehm mitlaufen, aber mein Fahrrad, das ich zur Anfahrt benötigt hätte, stand mir leider nicht zur Verfügung. So begann die Saison für mich mit der Wandsetaler Runde.
Im Gegensatz zum letzten Jahr war der Winter diesmal wesentlich schneller vorbei. Im letzten Jahr hatte ich in Langenrehm noch auf Glatteis und in Bad Oldesloe im tiefen Schnee laufen müssen, während die Temperaturen dieses Jahr schon relativ hoch waren. Auf die Wandsetaler Runde war ich im Internet aufmerksam geworden. Es gab neben einem Zehn-Kilometerlauf auch einen Halbmarathon, für den ich mich angemeldet hatte. Leider war ich von Montag bis Donnerstag leicht erkältet gewesen. Somit würde ich heute nicht allzu schnell laufen können.
Ich stand an diesem Sonntag gegen halb sechs Uhr auf und frühstückte. Dann packte ich meine Tasche und nahm meine Standard-Verbindung nach Hamburg: Um sieben Uhr mit der Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von dort aus mit der Nordwestbahn zum Hauptbahnhof und von dort um 7:33 Uhr mit dem Metronom nach Hamburg.
In Hamburg kam ich gegen Viertel vor neun Uhr an. Der Halbmarathon sollte um 10:30 Uhr starten. Ich begab mich zur U-Bahn-Haltestelle, wo ich in die U-Bahn in Richtung Großhansdorf einstieg. Hier aß ich mein mitgebrachtes Brot. Eigentlich wollte ich bis zur Station „Straßburger Straße“ fahren, und von dort aus zu Fuß zum Schulgelände, an welchem die Veranstaltung war, laufen. Als ich eine Station vorher jedoch einen jungen Mann in Laufschuhen die U-Bahn verlassen sah, sprang ich schnell auch heraus, ging ihm nach und sprach ihn an. Tatsächlich wollte er auch zur Wandsetaler Runde, um dort fünf Kilometer zu laufen.
Wir befanden uns am Busbahnhof in Wandsbek-Markt. Der Typ hatte sich eine genaue Verbindung vorher ausgesucht und kannte eine Möglichkeit, mit dem Bus bis zum Veranstaltungsgelände zu gelangen. Mit der Linie 9 kamen wir nach zehn Minuten Fahrtzeit dort an. Das Gelände war zweigeteilt: Auf dem Schulgelände waren Startunterlagenausgabe, Duschen und Umkleiden, während auf dem wenige hundert Meter entfernten Parkplatz Taschenabgabe sowie Start- und Zielgeraden war.
Wir holte uns die Startunterlagen ab, welche aus der Nummer und einem Chip bestanden. Der Chip hatte ein Band, so dass ich ihn um mein Bein schnüren konnte. Ich trennte mich nun von meinem Begleiter, welcher noch auf seine Schwester warten musste. Mit der Tasche in der Hand ging ich am Wandsetaler „Stadion“ vorbei zum Parkplatz, Ich zog mich hinter einem Gebüsch um und dann gab ich meine Tasche im Zelt ab. Kurz darauf fiel mir ein, dass ich meine Armbanduhr auch im Gepäck gelassen hatte. Da ich aber nicht vorhatte, neue Bestzeit zu laufen, verzichtete ich darauf, die Uhr noch zu holen.
Da ich noch ein bisschen von der Erkältung geschwächt war, fand ich den starken Wind sehr unangenehm. Ich war leicht bekleidet, obenrum mit dem Trikot aus Berlin (2010) und einer Kappe, da die Sonne sehr stark schien.
Ich lief mich ein bisschen warm und als der Startschuss für Halbmarathon, Zehn- und Fünfkilometerlauf kam, stand ich ganz hinten.
Die Strecke führt fast ausschließlich durchs Grüne. Waren wir am Start noch an einer Hauptstraße, so ging es schnell in einen kleinen Park. Überholen war hier nicht einfach. Der Boden war auch nicht ganz trocken. Auffällig waren die vielen Kinder, welche offenbar die fünf Kilometer absolvierten.
Der Weg führte zunächst an der Wandse, einem kleinen Fluss, entlang. Die Strecke verlief südlich des Flusses. Als wir rechts den Ostender Teich liegen ließen, hatten wir schon fast zwei Kilometer hinter uns. Dann kam eine Abzweigung nach Norden, die uns um den Kupferteich führte. Jetzt war die ganze Situation durchaus gefährlich, da die führenden des Fünf-Kilometerlaufs nun auf dem Rückweg waren und uns entgegenkamen. Die Strecke war schmal und ich befand mich noch in einem sehr engen Feld. Glücklicherweise kam es in meinem Bereich zu keiner Kollision.
Nach der Runde um den Teich ging es weiter nach Osten. Wir erreichten dabei die Bahnlinie, die von Hamburg nach Bad Oldesloe führte, einen Kilometer vom Bahnhof Tonndorf entfernt. Wir unterquerten eine große Straße für Autos und die Bahnlinie. Nun kamen die führenden des Zehn-Kilometerlaufs um die Ecke geschossen.
Der westlichste Teil der Strecke führte eine Runde durch eine Schrebergartensiedlung, die mit einem halb verfallenen Haus begann. Am Ende der Runde, als ich wieder zurücklief, konnte ich das Feld hinter mir betrachten. Ich schätzte, dass ich etwa fünf Minuten pro Kilometer benötigte.
Als ich die Unterführung wieder hinter mir hatte, ging es etwas südlicher zurück. Wir waren an einem Waldweg, den ein kleiner Fluss von privaten Häusern mit großen Gärten trennte. Nach neun Kilometern wurden Hin- und Rückweg wieder vereinigt, um danach wieder auseinanderzulaufen.
An den Stellen, an denen Straßen überquert werden mussten, standen jeweils zwei Polizisten und sorgten dafür, dass wir Läufer Vorrang vor den Autos hatten. Kurz vor dem Parkplatz wurde dann separiert: Halbmarathonis musste links abbiegen auf die zweite Runde.
Wegen meiner Ortsunkenntnis kann ich nicht beurteilen, ob die zweite Runde anders als die erste war. Viele Gemeinsamkeiten waren jedoch schon zu erkennen. Als ich wieder hinter der Bahnlinie auf die Runde durch die Schrebergärten einbog, kamen mir einige Halbmarathonis entgegen, die schon auf dem Rückweg waren. In einem von ihnen erkannte ich Klas, den ich letztes Jahr in Bad Oldesloe kennengelernt und dann in Hoisbüttel wiedergetroffen hatte. Er erkannte mich auch. Für ihn war es ein neues Gefühl, schneller zu sein als ich.
Langsam spürte ich, dass ich noch geschwächt war und sehnte das Ende herbei. Trotzdem überstand ich das Rennen problemlos.
Im Ziel auf dem Parkplatz musste ich den Zeitmesschip abgeben. Jetzt verstand ich, dass ich ihn eigentlich an der Hand hätte befestigen sollen, damit man ihn sofort scannen und meine Zielzeit messen konnte. So verzögerte sich alles um ein paar Sekunden, was mich heute aber nicht störte.
Ich nahm sehr schnell meine Tasche wieder und ging dann zu Fuß zum Schulgelände, um zu duschen. Eine Umkleidekabine mit mehreren Duschen stand uns Männern zur Verfügung. Anstehen musste ich nicht. Ich zog mich danach wieder an und ging in den Vorraum der Umkleidehalle, wo ich mich aus Versehen an der Sicherheitsnadel stach, die an meiner Tasche angebracht war. Da wurde ich von einem Mann angesprochen, der hinter mir stand. Es war Klas. Wir begrüßten uns und erzählten, wo wir in letzter Zeit gelaufen waren. Dann gingen wir zusammen in die Turnhalle, wo ich noch mit Klaas‘ Frau sprach.
Später machte ich mich auf den Heimweg. Mit dem Bus kam ich zur Station Wandsbek-Markt zurück und von dort aus mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof, wo ich den Metronom nach Bremen nahm. Gegen 16 Uhr war ich wieder zu Hause. Später sah ich im Internet, dass ich etwa 1:46 Stunden für den Halbmarathon gebraucht hatte.
Mittwoch, 19. März 2014
Halbmarathon Langenrehm 2014-03-16
Wegen eines Missgeschicks meinerseits konnte ich leider am Halbmarathon in Langenrehm dieses Jahr nicht teilnehmen. Die Saison startet für mich daher eine Woche später.
Montag, 23. Dezember 2013
Marathon Valencia 2013-11-17
Der neunte Marathon meines Lebens.
Der Valencia-Marathon.
Allgemeines:
Ab dem Monat November ist es nicht mehr so einfach, in Deutschland interessante Laufveranstaltungen zu finden. Daher hatte ich mich europaweit umgesehen und im Internet den Marathon von Valencia gefunden, der am dritten Wochenende im November stattfinden sollte. Wegen der günstigen Übernachtungsmöglichkeiten buchte ich Monate im Voraus den Flug von Düsseldorf dorthin und zurück sowie ein Bett in sogenannten „Only-Bed“-Unterkünften, in denen ich mir mit mehreren anderen Gästen ein Zimmer teilen musste.
Tag 1
Ich hatte den Flug von Düsseldorf aus gebucht, da hier eine Direktverbindung nach Valencia besteht. Bei der zusätzlichen Zugverbindung von Bremen forthin hatte ich einen Aufenthalt von zwei Stunden eingeplant. Allerdings musste ich am Freitag bereits um fünf Uhr aufstehen. Ich frühstückte und nahm um sechs Uhr die Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Entgegen meines Wissens war der ICE in den Süden um fünf Minuten nach vorne verlegt worden: Er fuhr bereits um 6:34 Uhr in Bremen ab. Glücklicherweise erreichte ich ihn rechtzeitig. In Dortmund musste ich in einen Regionalexpress umsteigen, da der ICE weiter über Solingen und Wuppertal fuhr. Nach einer dreiviertelstündigen Fahrt kam ich am Düsseldorfer Flughafen an, wo ich vorher noch nie gewesen war. Ich schloss mich einer Gruppe von Frauen aus Rumänien an, die auch mit Lufthansa flogen und sich hier ein bisschen besser auskannten. Sie zeigten mir den Weg mit der Schwebebahn zu Terminal 1 und 2. Hier konnte ich mein Flugticket ausdrucken und das Gepäck abgeben. Im Wartebereich sah ich bereits die ersten Passagiere in Laufschuhen. Während des Fluges hatte ich dann das Gefühl, dass nur Marathonläufer um mich herum saßen. Die „Ciudad de las Artes y las Sciencias“ (CAS), das Veranstaltungsgelände, war während des Anfluges schon sichtbar. Ein Spanier, der neben mir saß, kopierte auf meinen Memory-Stick eine hochauflösende Grafik der Marathonstrecke.
In Valencia besteht ein relativ junges Metronetz, welches allerdings keine Station direkt im Kern der Innenstadt hat. Auch die Linie 2, welche zur CAS fährt, befindet sich noch im Bau. Der Flughafen dagegen ist an das Netz bereits angeschlossen. Ich konnte mir ein Ticket kaufen, welches ich bis zu dreimal (vergünstigt) wieder neu aufladen konnte. Der Weg bis zur Station „Àngel Guimerà“ dauerte etwa 20 Minuten. Mit dem Stadtplan kam ich zwar ziemlich gut zurecht, aber leider musste ich feststellen, dass die Straße, in welcher sich meine Unterkunft befand, ausgedehnter war, als ich zuerst wahrgenommen hatte. Ich musste mit meinem Koffer etwa eine halbe Stunde durch die Innenstadt laufen, bis ich vor der richtigen Tür stand.
Das von mir gebuchte Bett befand sich in einem Schlafplatz für sechs Personen. Die Wertsachen konnte ich in einem Schrank mit Vorhängeschloss verstauen. Es war jetzt etwa 17 Uhr und noch hell. Ich beschloss daher, zur CAS zu gehen und meine Startunterlagen abzuholen. Am Veranstaltungstag selber sollte dies nicht mehr möglich sein. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich so früh hatte anreisen müssen.
Den Weg zur CAS legte ich zu Fuß zurück. Dort angekommen, konnte ich die architektonischen Bauten bewundern. Das Gelände besteht aus künstlich angelegten Wasserbecken mit hohen Gebäuden dazwischen. In einem dieser Gebäude befand sich die Sportmesse. Als ich die zahlreichen Stände mit Werbeflyern für Marathonveranstaltungen in aller Welt hinter mir hatte, war ich an der Stelle, wo die Startunterlagen abholbereit waren. Da ich meine Startnummer nicht wusste, fragte ich an einem Infostand. Mir wurde dann aber etwas mulmig zumute, als die Helfer meinen Namen nicht finden konnten. Ich war mir ganz sicher, dass ich mich angemeldet und auch per Kreditkarte bezahlt hatte. Es gab einige Mitarbeiter, die sich um Problemfälle kümmerten. An diese wendete ich mich. Ich erfuhr, dass eine Nachmeldung nicht möglich war. Langsam geriet ich in Panik, denn der Marathon war der einzige Grund für meine Reise gewesen. Nach einigem Suchen stellte sich jedoch heraus, dass bei mir Vor- und Nachname verwechselt worden waren. Ich konnte die Startnummer, an der auch der Chip zur Zeitmessung integriert war, erleichtert in Empfang nehmen. Zusätzlich zu diesen Unterlagen war noch ein Starterbeutel in einem anderen Gebäude an der CAS abzuholen. In diesem Beutel befand sich u. A. ein dunkles Trikot der Veranstaltung. Im selben Gebäude war ein Stand des FC Valencia, wo zwei Pokale (wahrscheinlich die Meistertrophäe und der nationale Pokal) ausgestellt waren.
Auf dem Rückweg kaufte ich mir in einem Imbiss etwas zu essen. Im Hostel setzte ich mich dann in den Gemeinschaftsraum, wo ich auch die Kücheneinrichtung benutzen durfte. Ich unterhielt mich mit einer Spanierin, die aus der Nähe von Valencia kam und auch am Sonntag den Marathon laufen wollte. Sie hieß Alfonsa. Wir beschlossen, am morgigen Tag gemeinsam zur CAS zu gehen, da sie ihre Startunterlagen noch abholen musste.
Ich legte mich zeitig schlafen und stellte dabei schnell fest, dass ich in dieser Nacht offenbar ganz alleine im Schlafraum war. Die fünf anderen Betten waren nicht belegt. Leider lag das Zimmer an einer Hauptstraße, weshalb es sehr laut war.
Tag 2
Am nächsten Morgen duschte ich zunächst und ging dann in den Essensraum. Ein Frühstück war im Übernachtungspreis inbegriffen. Alfonsa setzte sich zu mir und wir aßen zusammen. Danach musste ich meine Sachen zusammenpacken, weil ich die nächsten beiden Nächte in einer anderen Unterkunft verbringen musste. Ich gab meinen Koffer zunächst noch beim Personal hier ab und ging dann zusammen mit Alfonsa zum anderen Hostel. Da Alfonsa nur spanisch sprach und auch auf meine Hinweise, langsamer und deutlicher zu sprechen, nicht achtete, gestaltete sich die Unterhaltung zwischen uns sehr schwierig. Als wir den Platz erreicht hatten, wo mein Hostel war, stellte ich fest, dass es wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Gäste, die ein Bett gebucht hatten, sollten sich bitte an eine andere Adresse wenden. Der Weg war aufgezeichnet. Ich ging mit Alfonsa zusammen zu diesem anderen Hostel, welches nicht ganz so leicht zu finden war, sich aber in unmittelbarer Nähe, direkt am Mercato Central, befand.
Hier schilderte ich mein Problem. Ich bekam einen Schlafplatz in einem Vierer-Raum für diese und einen Platz in einem Zweier-Raum für die nächste Nacht. Dann holte ich den Koffer aus der alten Unterkunft und brachte ihn in die neue. Nach dieser schwierigen Aktion konnten Alfonsa und ich uns endlich auf den Weg zur CAS machen. Wir nahmen die Metro, welche allerdings ein ganzes Stück entfernt vom anvisierten Gelände hielt. Es war noch ein beträchtlicher Fußmarsch zu meistern. Auf der CAS war heute wesentlich mehr los als gestern. Ich gab Alfonsa meine Handynummer, da wir uns um 13:30 Uhr vor der Messehalle wieder treffen wollten. Ich selber hatte vor, ins Ozeanográfico zu gehen, einer Art Unterwasserzoo. Ich verabschiedete mich von Alfonsa, die sich nun ihre Unterlagen abholen wollte. Ich machte mich nun auf den Weg zum Ozeanográfico. Als ich nach langem Anstehen an der Kasse feststellte, wie hoch die Eintrittspreise waren (35€), entschied ich mich gegen den Besuch dort und ging zur CAS zurück.
Vor dem Eingang der Messehalle wartete ich auf Alfonsa, die jedoch nicht auftauchte. Nach einer halben Stunde entschied ich mich, zur Paella-Party zu gehen. Diese befand sich neben dem Gebäude. Jeder Teilnehmer des Marathons konnte gegen Abgabe des Coupons eine Portion Reis mit Fleisch und ein Getränk in Empfang nehmen. Ich entschied mich für ein Bier und setzte mich dann auf eine Bank, um dort zu essen und zu trinken. Danach ging ich wieder zu Fuß zu meinem neuen Hostel zurück, wo ich nun auch das Zimmer beziehen konnte. Ich hatte den Fußweg zum Veranstaltungsgelände nun gut im Kopf. Wie wichtig das war, sollte sich am nächsten Morgen herausstellen.
Im Hostel gab es eine Küche, wo man Essen konnte. Auch Geschirr stand herum, welches man benutzen konnte und nachher wieder abwaschen musste. In einem Kühlschrank hatte ich eine Portion Salami verstaut. Ich aß mein Abendbrot und lernte dabei einen älteren Herrn aus Rheinland-Pfalz kennen, der in seinem Leben schon fast 300 Marathons gelaufen war und auch morgen in Valencia am Start sein sollte. Seine Lebensgefährtin begleitete ihn, lief selber aber nicht mit. Wir tauschten uns ein bisschen über unsere Lauferlebnisse aus und dann ging ich auf mein Zimmer. Von den drei anderen Betten waren zwei belegt. Meine Zimmergenossen waren eine Frau aus Brasilien und ein Mann aus einem anderen Land. Mit beiden sprach ich englisch. Sie gingen nacheinander aus dem Haus, um irgendwo in Valencia Party zu machen. Die Brasilianerin fragte mich, ob sie die Läden vor dem Fenster zuschließen solle, und ich bat sie, dies zu tun. Damit hatte ich nun keine Orientierung mehr, ob es schon Morgen oder noch Nacht war. Ich muss dazu erwähnen, dass Spanien keine Zeitverschiebung zu Deutschland hat. Da Valencia wesentlich westlicher liegt, geht die Sonne hier also viel später auf. Der Start des Marathons war aber schon um neun Uhr. Ich wollte um halb sieben Uhr am nächsten Morgen aufstehen, frühstücken und zu Fuß zur CAS gehen. Mein Handy stellte ich auf Vibrieren, um die Mitbewohner nicht allzu sehr zu belästigen.
Tag 3
Während der Nacht hörte ich immer wieder Gespräche aus der Küche. Kein Wunder, es war Sonntag früh und die Leute waren alle ein bisschen länger aus gewesen. Meine beiden Mitbewohner kamen irgendwann in der Nacht herein und legten sich in ihre Betten. Schließlich war ich so wach, dass ich nicht mehr wieder einschlafen konnte. Ich entschloss daher, einmal auf meinem Handy die Uhrzeit abzulesen. Erschrocken stellte ich fest, dass es bereits 8:25 Uhr war. Mein Handy gibt beim Wecken keinen Laut von sich, wenn es auf Vibrieren eingestellt ist. Dies wusste ich zwar grundsätzlich, hatte es aber leider vergessen. Wegen der verschlossenen Fensterläden hatte ich auch nicht erkannt, dass draußen bereits der Tag zu dämmern begonnen hatte.
Ich konnte nun keine Rücksicht auf meine Mitbewohner nehmen. Ich schaltete das Licht an und zog meine Laufkleidung an, die ich zum Glück schon am Vorabend vorbereitet hatte. Aber ohne vorher etwas zu essen, war ein Marathon für mich nicht möglich. Ich ging zur Rezeption und erklärte dem Angestellten: „I’m late, but not too late.“ In der Küche frühstückte ich ein Stück Baguette mit Salami, gab meinen Koffer im Hostel ab (da ich ja aus dem Zimmer aus- und für die nächste Nacht in ein neues Zimmer einchecken musste) und machte mich dann auf den Fußweg zur CAS. Ich hatte jetzt noch 20 Minuten Zeit. Was für ein Glück, dass ich Valencia in den beiden Vortagen zu Fuß erkundet hatte. Als ich den Mercato Central erreichte, kannte ich den genauen Weg. Ich joggte in normalem Tempo und war mir sicher, dass ich noch pünktlich im Startbereich sein würde. Da ich das langärmlige Trikot vom New-York-City-Marathon trug, hielt mich eine Radfahrerin für einen Amerikaner. Beim Überholten rief sie mir „Ten Minutes“ zu, womit sie mir sagen wollte, dass ich noch zehn Minuten bis zum Start hatte.
Als ich die CAS erreichte, musste ich aber erst noch die Startgeraden suchen. Am Vortag hatte ich gesehen, dass man vom unteren Bereich eine Treppe hochgehen musste, um zum Start des Marathons zu kommen, welcher in zwei getrennten Geraden aufgeteilt war. Der Start des Zehn-Kilometerlaufes war an einer anderen Stelle. Nach kurzer Zeit fand ich die Treppe und stieg hoch. Nun war ich an der Seite der rechten Startgeraden und fand einen Spalt in der Absperrung, um zum Läuferfeld zu gelangen. Genau hier war offenbar der für mich vorgesehene Startblock, da alle Läufer die gleiche Startnummernfarbe wie ich hatten. Ich stellte mich an den Rand und band noch einmal meine Schuhe, während sich das Feld in Bewegung setzte. Nun ging es auch für mich los. Drei Minuten nach dem Startschuss hatte auch ich die Startlinie überquert.
Der Marathon
Neben dem langärmligen Trikot aus New York trug ich die Kappe vom Freiburg-Marathon, welche mich vor Sonnenstrahlen schützen sollte. Die Kappe war leider nicht stark auf dem Kopf fixiert, weshalb ich sie an vielen Stellen abnahm und in der Hand trug.
Die Gerade, an der wir uns aufgestellt hatten, befand sich parallel zur CAS, aber auf der Straße oberhalb des Geländes. Als wir die Startgeraden überquerten, ging es nach rechts. Der nun folgende Abschnitt ist auf den Videos auf www.youtube.com zu sehen und führt von Süd nach Nord auf einer der Straßen, die über die CAS führen. Im Hintergrund befinden sich große Hochhäuser. Die Strecke selber ist auf zwei Straßen verteilt, die erst später vereinigt werden. Ich befand mich auf der rechten Hälfte, die an der folgenden Verkehrsinsel rechts abbog. Die andere Seite hatte den Weg um die Verkehrsinsel zu absolvieren und dabei eine längere Strecke hinter sich zu bringen. Nun ging es für mich 500 Meter nach Osten auf das Meer zu. Normalerweise winke ich bei solchen Ereignissen in die Zuschauermasse, aber heute war ich erschöpft vom langen Weg bis zum Start.
Nach 500 Meter erreichten wir erneut eine Verkehrsinsel, an der wir nach links abbiegen mussten. Diesmal mussten wir den längeren Weg nehmen, während die Läufer auf der linken Seite den kürzeren Weg an der Verkehrsinsel vorbei hatten. Nach diesem Hindernis wurden beide Gruppen vereinigt und liefen nun die gleiche Strecke.
Es war nun vorerst ein bisschen eng auf der Strecke. Nach drei Kilometern war die östlichste Stelle des Kurses erreicht und es ging ein Stück nach Norden. Wir waren nun fast direkt am Mittelmeer, ohne dieses jedoch richtig zu Gesicht zu bekommen. Ungefähr hier sah ich den Typen, mit dem ich mich bereits vor vier Wochen beim Amsterdam-Marathon unterhalten hatte: Der große, dunkelhäutige Mann mit Brille, auf dessen T-Shirt-Rückseite stand, dass er dieses Jahr 42 Marathons laufen würde. Diesmal sprach ich ihn aber nicht an, sondern überholte ihn einfach.
Nach einem Kilometer an der Küste bogen wir links ab. Es ging nun ein sehr langes Stück geradeaus. Hier befand sich bei Kilometer fünf auch der erste Versorgungspunkt. Ich bekam Wasser zu trinken, welches sich in Plastikflaschen befand. Die Folge war, dass der Boden schließlich mit den blauen Schraubverschluss-Deckeln verdreckt war. Neben uns befanden sich Schienen. Ich wusste nicht, ob diese zur Metro gehörten (falls diese auch oberirdisch verlief) oder ob Valencia auch noch eine Straßenbahn hatte. Tatsache war, dass der Verkehr auf diesen Schienen heute nur eingeschränkt durchgeführt werden konnte, da wir Läufer die Schienen mehrfach kreuzten.
An einer Verkehrsinsel legten wir eine 180°-Kurve hin und liefern auf der anderen Straßenseite wieder zurück. Nach drei Rechtskurven erreichten wir ein zweites Mal die große Verkehrsinsel, wo es nun nach Norden ging. Inzwischen hatte ich zwölf Kilometer absolviert bei einer Durchschnittszeit von etwa fünf Minuten pro Kilometer.
An der nördlichsten Stelle des Kurses ging es erneut um eine Verkehrsinsel herum. Nach 16 Kilometern war der Grünstreifen erreicht, der zur CAS führt. Wir liefen oberhalb des Grünstreifens auf der Straße nach Südost. Ich musste immer wieder die Position meiner Kappe korrigieren, welche auf meinem Kopf hin- und her-rutschte.
An einigen Stellen des Kurses waren Duschbrausen aufgestellt, an denen sich die Teilnehmer erfrischen konnten. Ich machte keinen Gebrauch davon. Als ich den Eingang zu einer unteririschen Metro-Haltestelle und daneben die oberirdischen Schienen sah, wurde mir klar, dass es sich bei diesen um Straßenbahnschienen handelte.
Es folgten nun drei Kilometer an Streckenabschnitten, die wir vorher schon abgelaufen hatten, allerdings in entgegengesetzte Richtung auf der anderen Straßenseite. Etwas weiter weg vom Mittelmeerufer ging es nach Süden und dann wieder an der CAS vorbei. Inzwischen hatte ich 25 Kilometer hinter mir und begann nun, an den Versorgungsstellen auch Banane-Stücke zu mir zu nehmen.
Wir liefen nun an der Nordseite des Grünstreifens entlang, bis die Altstadt erreicht worden war. Diese umrundeten wir einmal fast komplett. Dabei liefen wir von Süd nach Nord an der Straße entlang, wo sich auch das Hostel meiner ersten Nacht und die Torres de Quart befanden. Als wir den Grünstreifen erneut überquert hatten und uns wieder nördlich von ihm befanden, hatte ich schon 30 Kilometer hinter mir. Noch konnte ich meine bisherige Geschwindigkeit aufrechterhalten.
Es ging nun einige Kilometer durch den Nordwesten Valencias, bevor dann wieder eine Gerade nach Süden folgte, die ein letztes Mal über den Grünstreifen führte. Einige Zeit lang lief eine Teilnehmerin mit der Aufschrift „42K – Mission is possible“ vor mir.
Bei Kilometer 35 befand sich ein Punkt mit einer 180°-Kurve. Meine Beine wurden langsam schwer. Am nun folgenden Versorgungspunkt probierte ich ein Stück Obst von orangener Farbe. Ich hatte keine Ahnung, um was für eine Frucht es sich handelte, dachte mir aber, dass ich bei noch ausstehenden sieben Kilometer durchaus einmal etwas riskieren konnte. Das Zeug schmeckte überraschend gut. Von dem anderen Deutschen in meinem Hostel erfuhr ich später, dass es sich dabei um getrocknete Aprikosen handelte.
Auf einer langen Geraden nach Osten kamen wir nun auch auf der anderen Seite der Estación del Norte vorbei, wo wir die Bahngleise sehen konnten. Dahinter folgte das runde Gebäude der Plaza de Toros und dann ging es wieder am Grünstreifen entlang auf die CAS zu. Bei Kilometer 40 war die letzte Versorgungsstelle erreicht. Hier bediente ich mich und nahm drei getrocknete Aprikosen zu mir. Den nun folgenden Weg auf die CAS zu war ich heute Morgen bereits panisch abgerannt. Nun konnte ich entspannt nach unten laufen und den Zuschauern um mich herum zuwinken. Es ging an den hohen Gebäuden und den Wasserbecken entlang. Kurz vor dem Ziel kam eine Rechts-Links-Kurve, die auf die Zielgeraden, direkt auf dem Wasserbecken, folgte. Im Ziel war eine Digitalanzeige, welche uns verriet, wie viele Euro bereits gespendet worden waren. Offenbar wurde für jeden Finisher ein Euro gespendet.
Ich kam nach etwa drei Stunden und 33 Minuten ins Ziel. Später erfuhr ich, dass ich neue persönliche Bestzeit gelaufen war. Ich ließ mir die Medaille umhängen und bekam dann noch einen Beutel mit Obst und Getränken. Zusätzlich wurden Getränke verteilt. Ich ließ mir eine Dose Radler geben und versuchte dann, mich zu orientieren, denn ich hatte ja keinen Gepäck-Beutel, den ich vorher abgegeben hatte und konnte daher weder duschen noch mich umziehen. Die Metro-Karte hatte ich auch nicht dabei. Ich musste nun etwa vier Kilometer wieder zu Fuß zu meinem Hostel zurück.
Glücklicherweise war der Weg nicht schwer zu finden. Über eine halbe Stunde brauchte ich, bis ich wieder in der Altstadt im Hostel ankam, wo gerade eine Gruppe Franzosen eincheckte. Ich berichtete dem Angestellten, dass ich es gerade noch rechtzeitig zum Marathon-Start geschafft hatte.
Tag 4
Die nun folgende Nacht verbrachte ich alleine in einem Zimmer für zwei Leute. Am nächsten Morgen schaute ich mir noch ein bisschen den Mercato Central an, ehe ich das Hostel endgültig verließ und mich auf den Weg zum Flughafen machte. Dort konnte ich pünktlich nach Düsseldorf zurückfliegen, wo ich gegen 17 Uhr ankam. Von 20 bis 23 Uhr saß ich im Zug nach Bremen. Gegen Mitternacht war ich wieder zu Hause.
Der Valencia-Marathon.
Allgemeines:
Ab dem Monat November ist es nicht mehr so einfach, in Deutschland interessante Laufveranstaltungen zu finden. Daher hatte ich mich europaweit umgesehen und im Internet den Marathon von Valencia gefunden, der am dritten Wochenende im November stattfinden sollte. Wegen der günstigen Übernachtungsmöglichkeiten buchte ich Monate im Voraus den Flug von Düsseldorf dorthin und zurück sowie ein Bett in sogenannten „Only-Bed“-Unterkünften, in denen ich mir mit mehreren anderen Gästen ein Zimmer teilen musste.
Tag 1
Ich hatte den Flug von Düsseldorf aus gebucht, da hier eine Direktverbindung nach Valencia besteht. Bei der zusätzlichen Zugverbindung von Bremen forthin hatte ich einen Aufenthalt von zwei Stunden eingeplant. Allerdings musste ich am Freitag bereits um fünf Uhr aufstehen. Ich frühstückte und nahm um sechs Uhr die Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Entgegen meines Wissens war der ICE in den Süden um fünf Minuten nach vorne verlegt worden: Er fuhr bereits um 6:34 Uhr in Bremen ab. Glücklicherweise erreichte ich ihn rechtzeitig. In Dortmund musste ich in einen Regionalexpress umsteigen, da der ICE weiter über Solingen und Wuppertal fuhr. Nach einer dreiviertelstündigen Fahrt kam ich am Düsseldorfer Flughafen an, wo ich vorher noch nie gewesen war. Ich schloss mich einer Gruppe von Frauen aus Rumänien an, die auch mit Lufthansa flogen und sich hier ein bisschen besser auskannten. Sie zeigten mir den Weg mit der Schwebebahn zu Terminal 1 und 2. Hier konnte ich mein Flugticket ausdrucken und das Gepäck abgeben. Im Wartebereich sah ich bereits die ersten Passagiere in Laufschuhen. Während des Fluges hatte ich dann das Gefühl, dass nur Marathonläufer um mich herum saßen. Die „Ciudad de las Artes y las Sciencias“ (CAS), das Veranstaltungsgelände, war während des Anfluges schon sichtbar. Ein Spanier, der neben mir saß, kopierte auf meinen Memory-Stick eine hochauflösende Grafik der Marathonstrecke.
In Valencia besteht ein relativ junges Metronetz, welches allerdings keine Station direkt im Kern der Innenstadt hat. Auch die Linie 2, welche zur CAS fährt, befindet sich noch im Bau. Der Flughafen dagegen ist an das Netz bereits angeschlossen. Ich konnte mir ein Ticket kaufen, welches ich bis zu dreimal (vergünstigt) wieder neu aufladen konnte. Der Weg bis zur Station „Àngel Guimerà“ dauerte etwa 20 Minuten. Mit dem Stadtplan kam ich zwar ziemlich gut zurecht, aber leider musste ich feststellen, dass die Straße, in welcher sich meine Unterkunft befand, ausgedehnter war, als ich zuerst wahrgenommen hatte. Ich musste mit meinem Koffer etwa eine halbe Stunde durch die Innenstadt laufen, bis ich vor der richtigen Tür stand.
Das von mir gebuchte Bett befand sich in einem Schlafplatz für sechs Personen. Die Wertsachen konnte ich in einem Schrank mit Vorhängeschloss verstauen. Es war jetzt etwa 17 Uhr und noch hell. Ich beschloss daher, zur CAS zu gehen und meine Startunterlagen abzuholen. Am Veranstaltungstag selber sollte dies nicht mehr möglich sein. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich so früh hatte anreisen müssen.
Den Weg zur CAS legte ich zu Fuß zurück. Dort angekommen, konnte ich die architektonischen Bauten bewundern. Das Gelände besteht aus künstlich angelegten Wasserbecken mit hohen Gebäuden dazwischen. In einem dieser Gebäude befand sich die Sportmesse. Als ich die zahlreichen Stände mit Werbeflyern für Marathonveranstaltungen in aller Welt hinter mir hatte, war ich an der Stelle, wo die Startunterlagen abholbereit waren. Da ich meine Startnummer nicht wusste, fragte ich an einem Infostand. Mir wurde dann aber etwas mulmig zumute, als die Helfer meinen Namen nicht finden konnten. Ich war mir ganz sicher, dass ich mich angemeldet und auch per Kreditkarte bezahlt hatte. Es gab einige Mitarbeiter, die sich um Problemfälle kümmerten. An diese wendete ich mich. Ich erfuhr, dass eine Nachmeldung nicht möglich war. Langsam geriet ich in Panik, denn der Marathon war der einzige Grund für meine Reise gewesen. Nach einigem Suchen stellte sich jedoch heraus, dass bei mir Vor- und Nachname verwechselt worden waren. Ich konnte die Startnummer, an der auch der Chip zur Zeitmessung integriert war, erleichtert in Empfang nehmen. Zusätzlich zu diesen Unterlagen war noch ein Starterbeutel in einem anderen Gebäude an der CAS abzuholen. In diesem Beutel befand sich u. A. ein dunkles Trikot der Veranstaltung. Im selben Gebäude war ein Stand des FC Valencia, wo zwei Pokale (wahrscheinlich die Meistertrophäe und der nationale Pokal) ausgestellt waren.
Auf dem Rückweg kaufte ich mir in einem Imbiss etwas zu essen. Im Hostel setzte ich mich dann in den Gemeinschaftsraum, wo ich auch die Kücheneinrichtung benutzen durfte. Ich unterhielt mich mit einer Spanierin, die aus der Nähe von Valencia kam und auch am Sonntag den Marathon laufen wollte. Sie hieß Alfonsa. Wir beschlossen, am morgigen Tag gemeinsam zur CAS zu gehen, da sie ihre Startunterlagen noch abholen musste.
Ich legte mich zeitig schlafen und stellte dabei schnell fest, dass ich in dieser Nacht offenbar ganz alleine im Schlafraum war. Die fünf anderen Betten waren nicht belegt. Leider lag das Zimmer an einer Hauptstraße, weshalb es sehr laut war.
Tag 2
Am nächsten Morgen duschte ich zunächst und ging dann in den Essensraum. Ein Frühstück war im Übernachtungspreis inbegriffen. Alfonsa setzte sich zu mir und wir aßen zusammen. Danach musste ich meine Sachen zusammenpacken, weil ich die nächsten beiden Nächte in einer anderen Unterkunft verbringen musste. Ich gab meinen Koffer zunächst noch beim Personal hier ab und ging dann zusammen mit Alfonsa zum anderen Hostel. Da Alfonsa nur spanisch sprach und auch auf meine Hinweise, langsamer und deutlicher zu sprechen, nicht achtete, gestaltete sich die Unterhaltung zwischen uns sehr schwierig. Als wir den Platz erreicht hatten, wo mein Hostel war, stellte ich fest, dass es wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Gäste, die ein Bett gebucht hatten, sollten sich bitte an eine andere Adresse wenden. Der Weg war aufgezeichnet. Ich ging mit Alfonsa zusammen zu diesem anderen Hostel, welches nicht ganz so leicht zu finden war, sich aber in unmittelbarer Nähe, direkt am Mercato Central, befand.
Hier schilderte ich mein Problem. Ich bekam einen Schlafplatz in einem Vierer-Raum für diese und einen Platz in einem Zweier-Raum für die nächste Nacht. Dann holte ich den Koffer aus der alten Unterkunft und brachte ihn in die neue. Nach dieser schwierigen Aktion konnten Alfonsa und ich uns endlich auf den Weg zur CAS machen. Wir nahmen die Metro, welche allerdings ein ganzes Stück entfernt vom anvisierten Gelände hielt. Es war noch ein beträchtlicher Fußmarsch zu meistern. Auf der CAS war heute wesentlich mehr los als gestern. Ich gab Alfonsa meine Handynummer, da wir uns um 13:30 Uhr vor der Messehalle wieder treffen wollten. Ich selber hatte vor, ins Ozeanográfico zu gehen, einer Art Unterwasserzoo. Ich verabschiedete mich von Alfonsa, die sich nun ihre Unterlagen abholen wollte. Ich machte mich nun auf den Weg zum Ozeanográfico. Als ich nach langem Anstehen an der Kasse feststellte, wie hoch die Eintrittspreise waren (35€), entschied ich mich gegen den Besuch dort und ging zur CAS zurück.
Vor dem Eingang der Messehalle wartete ich auf Alfonsa, die jedoch nicht auftauchte. Nach einer halben Stunde entschied ich mich, zur Paella-Party zu gehen. Diese befand sich neben dem Gebäude. Jeder Teilnehmer des Marathons konnte gegen Abgabe des Coupons eine Portion Reis mit Fleisch und ein Getränk in Empfang nehmen. Ich entschied mich für ein Bier und setzte mich dann auf eine Bank, um dort zu essen und zu trinken. Danach ging ich wieder zu Fuß zu meinem neuen Hostel zurück, wo ich nun auch das Zimmer beziehen konnte. Ich hatte den Fußweg zum Veranstaltungsgelände nun gut im Kopf. Wie wichtig das war, sollte sich am nächsten Morgen herausstellen.
Im Hostel gab es eine Küche, wo man Essen konnte. Auch Geschirr stand herum, welches man benutzen konnte und nachher wieder abwaschen musste. In einem Kühlschrank hatte ich eine Portion Salami verstaut. Ich aß mein Abendbrot und lernte dabei einen älteren Herrn aus Rheinland-Pfalz kennen, der in seinem Leben schon fast 300 Marathons gelaufen war und auch morgen in Valencia am Start sein sollte. Seine Lebensgefährtin begleitete ihn, lief selber aber nicht mit. Wir tauschten uns ein bisschen über unsere Lauferlebnisse aus und dann ging ich auf mein Zimmer. Von den drei anderen Betten waren zwei belegt. Meine Zimmergenossen waren eine Frau aus Brasilien und ein Mann aus einem anderen Land. Mit beiden sprach ich englisch. Sie gingen nacheinander aus dem Haus, um irgendwo in Valencia Party zu machen. Die Brasilianerin fragte mich, ob sie die Läden vor dem Fenster zuschließen solle, und ich bat sie, dies zu tun. Damit hatte ich nun keine Orientierung mehr, ob es schon Morgen oder noch Nacht war. Ich muss dazu erwähnen, dass Spanien keine Zeitverschiebung zu Deutschland hat. Da Valencia wesentlich westlicher liegt, geht die Sonne hier also viel später auf. Der Start des Marathons war aber schon um neun Uhr. Ich wollte um halb sieben Uhr am nächsten Morgen aufstehen, frühstücken und zu Fuß zur CAS gehen. Mein Handy stellte ich auf Vibrieren, um die Mitbewohner nicht allzu sehr zu belästigen.
Tag 3
Während der Nacht hörte ich immer wieder Gespräche aus der Küche. Kein Wunder, es war Sonntag früh und die Leute waren alle ein bisschen länger aus gewesen. Meine beiden Mitbewohner kamen irgendwann in der Nacht herein und legten sich in ihre Betten. Schließlich war ich so wach, dass ich nicht mehr wieder einschlafen konnte. Ich entschloss daher, einmal auf meinem Handy die Uhrzeit abzulesen. Erschrocken stellte ich fest, dass es bereits 8:25 Uhr war. Mein Handy gibt beim Wecken keinen Laut von sich, wenn es auf Vibrieren eingestellt ist. Dies wusste ich zwar grundsätzlich, hatte es aber leider vergessen. Wegen der verschlossenen Fensterläden hatte ich auch nicht erkannt, dass draußen bereits der Tag zu dämmern begonnen hatte.
Ich konnte nun keine Rücksicht auf meine Mitbewohner nehmen. Ich schaltete das Licht an und zog meine Laufkleidung an, die ich zum Glück schon am Vorabend vorbereitet hatte. Aber ohne vorher etwas zu essen, war ein Marathon für mich nicht möglich. Ich ging zur Rezeption und erklärte dem Angestellten: „I’m late, but not too late.“ In der Küche frühstückte ich ein Stück Baguette mit Salami, gab meinen Koffer im Hostel ab (da ich ja aus dem Zimmer aus- und für die nächste Nacht in ein neues Zimmer einchecken musste) und machte mich dann auf den Fußweg zur CAS. Ich hatte jetzt noch 20 Minuten Zeit. Was für ein Glück, dass ich Valencia in den beiden Vortagen zu Fuß erkundet hatte. Als ich den Mercato Central erreichte, kannte ich den genauen Weg. Ich joggte in normalem Tempo und war mir sicher, dass ich noch pünktlich im Startbereich sein würde. Da ich das langärmlige Trikot vom New-York-City-Marathon trug, hielt mich eine Radfahrerin für einen Amerikaner. Beim Überholten rief sie mir „Ten Minutes“ zu, womit sie mir sagen wollte, dass ich noch zehn Minuten bis zum Start hatte.
Als ich die CAS erreichte, musste ich aber erst noch die Startgeraden suchen. Am Vortag hatte ich gesehen, dass man vom unteren Bereich eine Treppe hochgehen musste, um zum Start des Marathons zu kommen, welcher in zwei getrennten Geraden aufgeteilt war. Der Start des Zehn-Kilometerlaufes war an einer anderen Stelle. Nach kurzer Zeit fand ich die Treppe und stieg hoch. Nun war ich an der Seite der rechten Startgeraden und fand einen Spalt in der Absperrung, um zum Läuferfeld zu gelangen. Genau hier war offenbar der für mich vorgesehene Startblock, da alle Läufer die gleiche Startnummernfarbe wie ich hatten. Ich stellte mich an den Rand und band noch einmal meine Schuhe, während sich das Feld in Bewegung setzte. Nun ging es auch für mich los. Drei Minuten nach dem Startschuss hatte auch ich die Startlinie überquert.
Der Marathon
Neben dem langärmligen Trikot aus New York trug ich die Kappe vom Freiburg-Marathon, welche mich vor Sonnenstrahlen schützen sollte. Die Kappe war leider nicht stark auf dem Kopf fixiert, weshalb ich sie an vielen Stellen abnahm und in der Hand trug.
Die Gerade, an der wir uns aufgestellt hatten, befand sich parallel zur CAS, aber auf der Straße oberhalb des Geländes. Als wir die Startgeraden überquerten, ging es nach rechts. Der nun folgende Abschnitt ist auf den Videos auf www.youtube.com zu sehen und führt von Süd nach Nord auf einer der Straßen, die über die CAS führen. Im Hintergrund befinden sich große Hochhäuser. Die Strecke selber ist auf zwei Straßen verteilt, die erst später vereinigt werden. Ich befand mich auf der rechten Hälfte, die an der folgenden Verkehrsinsel rechts abbog. Die andere Seite hatte den Weg um die Verkehrsinsel zu absolvieren und dabei eine längere Strecke hinter sich zu bringen. Nun ging es für mich 500 Meter nach Osten auf das Meer zu. Normalerweise winke ich bei solchen Ereignissen in die Zuschauermasse, aber heute war ich erschöpft vom langen Weg bis zum Start.
Nach 500 Meter erreichten wir erneut eine Verkehrsinsel, an der wir nach links abbiegen mussten. Diesmal mussten wir den längeren Weg nehmen, während die Läufer auf der linken Seite den kürzeren Weg an der Verkehrsinsel vorbei hatten. Nach diesem Hindernis wurden beide Gruppen vereinigt und liefen nun die gleiche Strecke.
Es war nun vorerst ein bisschen eng auf der Strecke. Nach drei Kilometern war die östlichste Stelle des Kurses erreicht und es ging ein Stück nach Norden. Wir waren nun fast direkt am Mittelmeer, ohne dieses jedoch richtig zu Gesicht zu bekommen. Ungefähr hier sah ich den Typen, mit dem ich mich bereits vor vier Wochen beim Amsterdam-Marathon unterhalten hatte: Der große, dunkelhäutige Mann mit Brille, auf dessen T-Shirt-Rückseite stand, dass er dieses Jahr 42 Marathons laufen würde. Diesmal sprach ich ihn aber nicht an, sondern überholte ihn einfach.
Nach einem Kilometer an der Küste bogen wir links ab. Es ging nun ein sehr langes Stück geradeaus. Hier befand sich bei Kilometer fünf auch der erste Versorgungspunkt. Ich bekam Wasser zu trinken, welches sich in Plastikflaschen befand. Die Folge war, dass der Boden schließlich mit den blauen Schraubverschluss-Deckeln verdreckt war. Neben uns befanden sich Schienen. Ich wusste nicht, ob diese zur Metro gehörten (falls diese auch oberirdisch verlief) oder ob Valencia auch noch eine Straßenbahn hatte. Tatsache war, dass der Verkehr auf diesen Schienen heute nur eingeschränkt durchgeführt werden konnte, da wir Läufer die Schienen mehrfach kreuzten.
An einer Verkehrsinsel legten wir eine 180°-Kurve hin und liefern auf der anderen Straßenseite wieder zurück. Nach drei Rechtskurven erreichten wir ein zweites Mal die große Verkehrsinsel, wo es nun nach Norden ging. Inzwischen hatte ich zwölf Kilometer absolviert bei einer Durchschnittszeit von etwa fünf Minuten pro Kilometer.
An der nördlichsten Stelle des Kurses ging es erneut um eine Verkehrsinsel herum. Nach 16 Kilometern war der Grünstreifen erreicht, der zur CAS führt. Wir liefen oberhalb des Grünstreifens auf der Straße nach Südost. Ich musste immer wieder die Position meiner Kappe korrigieren, welche auf meinem Kopf hin- und her-rutschte.
An einigen Stellen des Kurses waren Duschbrausen aufgestellt, an denen sich die Teilnehmer erfrischen konnten. Ich machte keinen Gebrauch davon. Als ich den Eingang zu einer unteririschen Metro-Haltestelle und daneben die oberirdischen Schienen sah, wurde mir klar, dass es sich bei diesen um Straßenbahnschienen handelte.
Es folgten nun drei Kilometer an Streckenabschnitten, die wir vorher schon abgelaufen hatten, allerdings in entgegengesetzte Richtung auf der anderen Straßenseite. Etwas weiter weg vom Mittelmeerufer ging es nach Süden und dann wieder an der CAS vorbei. Inzwischen hatte ich 25 Kilometer hinter mir und begann nun, an den Versorgungsstellen auch Banane-Stücke zu mir zu nehmen.
Wir liefen nun an der Nordseite des Grünstreifens entlang, bis die Altstadt erreicht worden war. Diese umrundeten wir einmal fast komplett. Dabei liefen wir von Süd nach Nord an der Straße entlang, wo sich auch das Hostel meiner ersten Nacht und die Torres de Quart befanden. Als wir den Grünstreifen erneut überquert hatten und uns wieder nördlich von ihm befanden, hatte ich schon 30 Kilometer hinter mir. Noch konnte ich meine bisherige Geschwindigkeit aufrechterhalten.
Es ging nun einige Kilometer durch den Nordwesten Valencias, bevor dann wieder eine Gerade nach Süden folgte, die ein letztes Mal über den Grünstreifen führte. Einige Zeit lang lief eine Teilnehmerin mit der Aufschrift „42K – Mission is possible“ vor mir.
Bei Kilometer 35 befand sich ein Punkt mit einer 180°-Kurve. Meine Beine wurden langsam schwer. Am nun folgenden Versorgungspunkt probierte ich ein Stück Obst von orangener Farbe. Ich hatte keine Ahnung, um was für eine Frucht es sich handelte, dachte mir aber, dass ich bei noch ausstehenden sieben Kilometer durchaus einmal etwas riskieren konnte. Das Zeug schmeckte überraschend gut. Von dem anderen Deutschen in meinem Hostel erfuhr ich später, dass es sich dabei um getrocknete Aprikosen handelte.
Auf einer langen Geraden nach Osten kamen wir nun auch auf der anderen Seite der Estación del Norte vorbei, wo wir die Bahngleise sehen konnten. Dahinter folgte das runde Gebäude der Plaza de Toros und dann ging es wieder am Grünstreifen entlang auf die CAS zu. Bei Kilometer 40 war die letzte Versorgungsstelle erreicht. Hier bediente ich mich und nahm drei getrocknete Aprikosen zu mir. Den nun folgenden Weg auf die CAS zu war ich heute Morgen bereits panisch abgerannt. Nun konnte ich entspannt nach unten laufen und den Zuschauern um mich herum zuwinken. Es ging an den hohen Gebäuden und den Wasserbecken entlang. Kurz vor dem Ziel kam eine Rechts-Links-Kurve, die auf die Zielgeraden, direkt auf dem Wasserbecken, folgte. Im Ziel war eine Digitalanzeige, welche uns verriet, wie viele Euro bereits gespendet worden waren. Offenbar wurde für jeden Finisher ein Euro gespendet.
Ich kam nach etwa drei Stunden und 33 Minuten ins Ziel. Später erfuhr ich, dass ich neue persönliche Bestzeit gelaufen war. Ich ließ mir die Medaille umhängen und bekam dann noch einen Beutel mit Obst und Getränken. Zusätzlich wurden Getränke verteilt. Ich ließ mir eine Dose Radler geben und versuchte dann, mich zu orientieren, denn ich hatte ja keinen Gepäck-Beutel, den ich vorher abgegeben hatte und konnte daher weder duschen noch mich umziehen. Die Metro-Karte hatte ich auch nicht dabei. Ich musste nun etwa vier Kilometer wieder zu Fuß zu meinem Hostel zurück.
Glücklicherweise war der Weg nicht schwer zu finden. Über eine halbe Stunde brauchte ich, bis ich wieder in der Altstadt im Hostel ankam, wo gerade eine Gruppe Franzosen eincheckte. Ich berichtete dem Angestellten, dass ich es gerade noch rechtzeitig zum Marathon-Start geschafft hatte.
Tag 4
Die nun folgende Nacht verbrachte ich alleine in einem Zimmer für zwei Leute. Am nächsten Morgen schaute ich mir noch ein bisschen den Mercato Central an, ehe ich das Hostel endgültig verließ und mich auf den Weg zum Flughafen machte. Dort konnte ich pünktlich nach Düsseldorf zurückfliegen, wo ich gegen 17 Uhr ankam. Von 20 bis 23 Uhr saß ich im Zug nach Bremen. Gegen Mitternacht war ich wieder zu Hause.
Dienstag, 19. November 2013
Marathon New York 2013-11-03
Der achte Marathon meines Lebens.
Der New York City Marathon.
Allgemeines:
Wegen seiner Popularität ist es nicht so einfach, einen Startplatz für den New-York-City-Marathon zu bekommen. Bei einer einfachen Anmeldung kommt man zunächst in eine Verlosung. Bei negativem Ergebnis bekommt man die erste (relativ geringe) Anmeldegebühr nicht zurück. Einen sicheren Startplatz erhält man u.a., wenn man die Teilnahme über ein Reisebüro bucht. Hier bekommt man dann auch eine gute Betreuung mit Anfahrt zum Veranstaltungsgelände. Der Nachteil ist, dass man viermal übernachten muss und dazu nur wenige Hotels zur Auswahl hat. Diese Hotels sind alle relativ teuer.
Tag 1
Ich verließ um halb zehn Uhr das Haus und fuhr über Bremen-Walle zum Bremer Hauptbahnhof. Der Intercity nach Dresden hatte mindestens eine halbe Stunde Verspätung. Ich nahm daher den Regionalexpress nach Hannover, welcher pünktlich abfuhr. Eigentlich sollten mir dann in Hannover nur zwei Minuten Umsteigezeit bleiben. Da der ICE in die Schweiz aber zehn Minuten Verspätung hatte, erreiche ich diesen problemlos. Nach zweieinhalb Stunden kam der Zug am Frankfurter Hauptbahnhof an, wo ich in einen anderen ICE nach Brüssel einstieg. Nach zehn Minuten stieg ich am Frankfurter Flughafen aus. Ich hatte vor acht Jahren das letzte Mal in einem Flugzeug gesessen und musste mich daher erst einmal orientieren. Meinen Koffer konnte ich an einem Schalter der Lufthansa abgeben, wo ich auch mein Flugticket ausdruckte. Bei der ersten Sicherheitsschleuse wurde ich von der Bundespolizei kontrolliert. Danach wurde mein Handgepäck durchleuchtet. Auf dem Weg zur Abflugstelle traf ich dann die ersten Marathonläufer. Um 16:40 Uhr war Einlass. Mein Sitzplatz im Flugzeug war glücklicherweise in der Mitte und nicht am Fenster. Ich saß zwischen zwei Amerikanern, mit denen ich mich während des Fluges unterhielt.
Der Flug dauerte insgesamt über acht Stunden. Nach einer Vorschrift der US-Behörden ist es an Bord nicht gestattet, in Gruppen auf dem Gang zu stehen. Um 21:30 Ortszeit kamen wir am JFK-Flughafen an. Als erstes mussten die Nicht-US-Bürger eine Bescheinigung abgeben, welche zollpflichtigen Waren sie einführen wollten. Danach wurden Abdrücke aller zehn Finger aufgenommen und das Gesicht eingescannt. Ich wurde vom Beamten sogar noch gefragt, weshalb ich in die USA einreise. Danach konnte ich meinen Koffer abholen. Am Eingangsbereich des Flughafens wartete ein Führer von DerTour auf uns. Die Sportler und ihre mitgereisten Angehörigen wurden auf verschiedene Busse verteilt. Diejenigen, welche im Marriott Hotel in Downtown-Manhattan wohnen sollten, hatten jedoch das Pech, dass der dafür zuständige Bus eine Panne hatte. Auch ich gehörte zu diesen Läufern. Zusammen mit drei anderen Betroffenen nahmen wir uns ein Taxi, ein Yellow-Cab, nach Manhattan. Da an diesem Tag auch noch Halloween war, waren die Straßen noch verstopfter als sonst. Insgesamt zahlten wir zu viert $60.
Das Marriott Downtown Hotel war bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in World Trade Center 3 untergebracht. Nach dem Zusammensturz der Türme wurde dieses Gebäude so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass es komplett abgerissen werden musste. Jetzt befindet sich das Hotel zwei Häuser weiter südlich von Ground Zero in einem vierzigstöckigen Hochhaus. Mein Zimmer war im 7. Stock. Ich brachte meine Sachen auf das Doppelzimmer, welches nur für mich alleine bestimmt war. Ich ging noch einmal kurz vor die Tür und kaufte mir in einem kleinen Cafe-Laden drei Gebäckstücke. Zwei davon aß ich und legte mich dann schlafen. Es war inzwischen nach Mitternacht.
Tag 2
Am nächsten Tag, Freitag, fand bereits um kurz nach acht Uhr die Stadtführung statt. Vorher hatte ich an einem Imbiss ein Sandwich gekauft. Die Zutaten schmeckten mir allerdings nicht besonders. Die Busfahrt ging von Ground Zero durch Manhattan, einmal um den Central Park. Zwischendurch besichtigten wir zu Fuß die Pennsylvania Station. Die Stadtführerin erklärte uns, dass es im Central-Park neben Kinderspielplätzen auch Hundespielplätze gäbe. Am Ende der Tour ging es zu einer Kick-Off-Veranstaltung. Es war inzwischen Mittag geworden. Der Veranstaltungsort befand sich im Keller eines Art Clubs, der ziemlich genau in der Mitte von Manhattan lag. Hier kamen nun mehrere hundert Reiseteilnehmer zusammen, bei denen es sich um Läufer und deren Angehörige handelte, die alle über DerTour die Reise gebucht hatten. Bevor die ersten Redner ans Pult traten und die Zuschauer nach und nach Platz nahmen, erweckte diese Versammlung den Eindruck einer überteuerten Kaffeefahrt für Senioren.
Ein Reiseleiter, der am Sonntag den ersten Marathon seines Lebens laufen wollte, sprach als erster. Er fragte im Publikum nach denen, die auch zum ersten Mal Marathon laufen würden und nach denen, die am Sonntag ihren letzten Marathon absolvieren würden. Tatsächlich gab es eine Frau, die wegen eines kaputten Fußes ihre Marathonkarriere am Sonntag beenden würde. Der Reiseleiter erzählte uns daraufhin, dass bereits im letzten Jahr ein Teilnehmer in New York den letzten Marathon seines Lebens absolvieren wollte, was unglücklicherweise durch Hurrikan Sandy verhindert wurde. Einige Leute, die 2012 bereits angereist waren, waren auch heute anwesend.
Die weiteren Vorträge hielten ein Arzt und ein Sportler, der in New York über 20 Mal gefinisht hatte. Hierbei erfuhr ich, dass ein Hersteller von Schmerztabletten erst vor kurzem als Sponsor für diese Veranstaltung gestrichen worden war. Auch die komplette Strecke wurde uns präsentiert. Besonders für den vorletzten Abschnitt in den Bronx sollten wir genügend Energievorräte haben, da man hier sehr schnell sollte fliehen können, falls man überfallen werden sollte. Der Anteil unter den Bewohner, welche schon einmal im Gefängnis waren, ist in diesem Stadtteil nördlich von Manhattan relativ groß.
Nach zwei Stunden waren die Vorträge beendet und wir konnten zur Marathon-Messe gehen, um die Startnummern abzuholen. Die Messe befand sich im „JK Javits Exhibition and Convention Center of New York“, ganz im Westen von Manhattan am Hudson River. Als ich mit einem Begleiter aus Österreich das Messegelände betrat, sah ich, dass es noch ein bisschen größer als das Messegelände in Hamburg war, wo ich im April die Startunterlagen für den Hamburg-Marathon abgeholt hatte.
Die Taschenkontrolle war nicht besonders intensiv, die Sicherheitskräfte schauten lediglich kurz hinein. Es gab einen eigenen Stand für alle Startnummern im jeweiligen Tausender-Bereich. Der Chip zur Zeitmessung befand sich ebenfalls auf dieser Startnummer. Zusätzlich bekam jeder Teilnehmer eine blaue Schleife mit Sicherheitsnadel zum Anheften als Gedenken für die Oper des Boston-Marathons im April. Da ich bereits vor dem Abflug nach New York ein Erdinger-Paket mit Startnummernband bekommen hatte, hatte ich mir die Frage gestellt, ob Sicherheitsnadeln, mit denen die Startnummer im Normalfall am Trikot befestigt wird, beim NYC-Marathon überhaupt erlaubt waren, da für dieses Jahr extrem strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen und alle möglichen Gegenstände auf dem Veranstaltungsgelände verboten waren. Als ich nun sah, dass in den Unterlagen auch vier Sicherheitsnadeln enthalten waren, wusste ich, dass ich auch zusätzliche Nadeln zur Befestigung einer Deutschlandflagge an meinem Trikot mitnehmen konnte. Der Starterbeutel, den man vor dem Marathon zur Aufbewahrung abgeben konnte, war übrigens durchsichtig, um dem Sicherheitspersonal die Kontrollen zu erleichtern. Die Teilnehmer waren also extrem „gläsern“.
An einem weiteren Stand konnten wir unsere langärmligen Trikots abholen. Bei einer Startgebühr von 459 Euro konnte man auch erwarten, dass zumindest ein Trikot enthalten war. Weitere Produkte zum Marathon konnten auf der Messe käuflich erworben werden, ich verzichtete jedoch auf Einkäufe, da ich wegen möglicher Zwischenfälle immer noch vom Marathon abgehalten werden konnte und im Falle einer Nicht-Teilnahme auch keine Erinnerungsstücke mit nach Hause nehmen wollte. Ich konnte nun auch eine blinde Frau und einen Rollstuhlfahrer erblicken, die am Sonntag offenbar auch teilnehmen wollten. Rollstuhlfahrer und Läufer mit bestimmten Behinderungen sollten noch vor den Wellen des Hauptfeldes an den Start gehen.
Ich begleitete den Österreicher noch zu seinem Hotel am Times Square. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch eine der Straßen, welche nicht so gepflegt war, unangenehm roch und abends alleine besser gemieden werden sollte. Als ich mich dann von meinem Begleiter (für ihn sollte es der erste Marathon sein) verabschiedete, wollte ich an der Subway-Station eine Art Tagesticket kaufen. Leider war die Schlange vor dem Schalter, der mit einer Mitarbeiterin besetzt war, zu lang. Die Zahlung an den Automaten war nur mit Münzen (von denen ich nicht genug besaß) oder mit Kreditkarte möglich und ich (Idiot) hatte die PIN-Nummer meiner VISA-Karte vergessen. Daher ging ich zunächst in die nächste Niederlassung von McDoof, wo ich mal eine Pommes-Portion der Kategorie „Supersize“ bestellten wollte. Nun erlebte ich die nächste Enttäuschung: Die Stadtverwaltung hatte diese großen Portionen offenbar verbieten lassen, stattdessen war bei den Größen (Small, Medium, Large) die Kalorienmenge angegeben. Enttäuscht bestellte ich die Large-Version, welche auch nicht größer war als in Deutschland.
Nach dem Essen ging ich erneut die Treppe zur unterirdischen Subway-Station hinunter. Jetzt stellte ich mich am Schalter an und verlangte ein Sieben-Tages-Ticket für $30. Dieses Ticket war nicht personalisiert. Die Verkäuferin prüfte meinen 50-Dollar-Schein eingehend und behielt einen Dollar als Trinkgeld für sich. Nun konnte ich die Station betreten, indem ich das Ticket durch den Scanner zog. Ich landete sofort in einem der Express Trains, die nur etwa an jeder fünften Station halten. So kam ich sehr schnell nach Downtown-Manhattan.
Ich hatte nun die Möglichkeit, die Gegend um Ground Zero anzuschauen. Das Gelände, auf welchem die Twin Towers standen, ist im Moment noch abgeriegelt und man muss sich als Besucher anmelden, um dorthin zu gelangen. Die Gegend drum herum konnte ich mir allerdings anschauen. Dabei sah ich auch das neue Gebäude 7, welches bereits 2006 fertiggestellt worden war. Im Erdgeschoss befand sich eine Rezeption, wo Leute vorbei liefen. Ich machte allerdings keinen Versuch, das Gebäude zu betreten.
Der Weg zum Marriott Hotel gestaltete sich dann doch als ziemlich kompliziert, da die West-Street auf meiner Karte nicht eingezeichnet war. Als dann noch die Dunkelheit hereinbrach, geriet ich langsam in Panik. Glücklicherweise konnte mir ein Taxifahrer zeigen, welches der Hochhäuser das von mir gesuchte Hotel war. Auf Grund der Größe dieser Wolkenkratzer hat man als untenstehender den Eindruck, das Gebäude sei in unmittelbarer Nähe und merkt erst beim Vorangehen, wie weit es in Wirklichkeit entfernt ist. Da sich das abgesperrte Gelände von Ground Zero zwischen mir und dem Marriott Hotel befand, musste ich nach links ausweichen und verlor das Hochhaus dabei schnell wieder aus den Augen. Dann jedoch fand ich endlich wieder den Hintereingang des Hotels. Ich schaute mir nun die Umgebung genauer an und nahm mir vor, nicht noch einmal in solch eine Situation zu geraten. In einem nahegelegenen, kleinen Supermarkt kaufte ich mir Salami (100 Gramm für $5,49) und Brot, welches ein bisschen weicher und nicht so trocken ist wie das Brot in Deutschland. Ich aß ein bisschen davon und legte mich dann schlafen. Die „Parade of Nations“ im Central Park, in welcher Marathon-Teilnehmer aus allen Ländern herummarschieren sollten, hatte ich verpasst.
Tag 3
Ich schlief gegen 22 Uhr in der Nacht ein und wachte gegen zwei Uhr wieder auf. Nach dreieinhalb Stunden, in denen ich wach war, schlief ich erneut ein, wachte aber immer wieder auf. Es ging mir nicht besonders gut, ich hatte leichte Kopfschmerzen. Um nicht vom Personal überrascht zu werden, hängte ich den Flyer mit „Privacy“ vor meine Tür. Gegen zehn Uhr stand ich auf und badete. Danach aß ich ein paar Sandwiches mit Salami, packte meine Tasche und verließ das Hotel. Ich wollte das 9/11-Memorial anschauen. Der Besucherandrang war relativ groß. Zwar ist der Eintritt kostenlos, man wird aber um Spenden gebeten. Die Aufschrift lautete in etwa: „Bitte spenden Sie $5, $10 oder einfach so viel, wie Sie geben können“. Bei der Sicherheitskontrolle musste ich, wie schon vor den Hinflug, auch meinen Gürtel ausziehen. Das Gelände selber bestand aus zwei Wasserbecken, an deren Rändern das Wasser nach unten fällt. Die Becken haben die Umrisse der früheren Twin Towers und stehen an exakt denselben Stellen. In der Mitte der Wasserbecken ist erneut eine Vertiefung, in die das Wasser fällt. Die genaue Tiefe ist von der Zuschauerposition nicht zu erkennen. Das 9/11-Museum auf dem Gelände soll erst 2014 eröffnet werden. Dann soll der Zutritt zum Gelände komplett freigegeben werden. Um die beiden Becken herum sind die Namen der Opfer der Anschläge in Bronze eingraviert. Am Memorial für den Nordturm stehen die Namen der Opfer des Nordturms und von Flug 11, welcher (mutmaßlich) in den Nordturm flog sowie die Namen der sechs Opfer von den Anschlägen vom Februar 1993. Am Memorial für den Südturm sind die Namen der Opfer des Südturms, der Rettungskräfte, der Passagiere der Flüge 93, 77 und 175 (schlug mutmaßlich im Südturm ein) sowie derer des Pentagons eingraviert.
Langsam verbesserte sich mein Gesundheitszustand. Ich verließ das Gelände wieder und stieg in den Subway nach Norden ein. Ich fuhr bis zur Endhaltestelle in den Bronx, wo überwiegend Spanisch gesprochen wird. Die letzten Stationen waren überirdisch. Auch der Weg von Manhatten in die Bronx befand sich auf einer Brücke über den Harlem River. Ich schaute mir ein bisschen den Van-Cortland-Park an, in dem sich auffällig viele Eichhörnchen aufhielten. Tiefer traute ich mich als Unbewaffneter allerdings nicht in den Park hinein. Insgesamt sah ich während meines Aufenthalts allerdings keinen einzigen Menschen, der ohne Polizei-Uniform eine Schusswaffe trug. Die Amerikanerin, welche auf dem Hinflug neben mir gesessen hatte, hatte mir berichtet, dass in Arizona und Texas viel mehr bewaffnete Zivilpersonen unterwegs waren.
Ich fuhr mit dem Subway zurück nach Midtown Manhattan, wo ich den Central Park von West nach Ost durchquerte. Auch hier sprangen unzählige Eichhörnen umher. Mit dem Subway konnte ich weiter fahren in den Süden Manhattans und von da aus über eine Brücke nach Brooklyn und wieder zurück.
Eigentlich hätte ich um 18 Uhr in Midtown auf der Pasta-Party des Marathons essen können. Leider hatte ich aber die Eintrittskarte verloren. Somit musste ich mich um das Abendessen selber kümmern. Ich entschied mich für das „Republic“ am Union Square, wo allerlei asiatische Spezialitäten angeboten wurden. Die Speisekarte verursachte erwartungsgemäß Probleme, da ich mit den meisten Begriffen nichts anfangen konnte. Ich entschied mich für ein Gericht, welches ich dann auch relativ gut herunterbekam. Von Experimente in Sachen Ernährung vor dem Marathon ist dringend abzuraten, was der Mediziner am Vorabend auch in seinem Vortrag erwähnt hatte.
Als ich das Restaurant wieder verließ, sah ich am Union Square einen jungen Mann, der Flyer von der Organisation „Rethink 911“ verteilte. Internetseiten: ReThink911.org und AE911Truth.org. Ich sprach ihn an. Sein Hauptanliegen war es, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass am 11.9.2001 neben den Twin Towers noch ein drittes, sehr hohes Gebäude komplett zerstört und wahrscheinlich auch gesprengt worden war. Als ich ihm erzählte, dass ich aus Deutschland sei, bestätigte er, dass besonders die Deutschen sehr kritisch in Hinsicht auf die Ereignisse vom 11. September 2011 seien.
Zum Hotel fand ich diesmal wesentlich schneller. Es war inzwischen 21 Uhr geworden. Die Umstellung auf Winterzeit findet in den USA eine Woche später als in Europa statt. Ich sollte damit in den Genuss kommen, den zweiten Sonntag hintereinander eine Stunde länger schlafen zu können. Ich bereitete nun alles für den morgigen Tag vor. Obenrum trug ich das Trikot vom Bremen-Marathon 2011, an welches ich die Startnummer, darüber die Schleife für die Boston-Opfer und darunter die Deutschland-Flagge angebracht hatte. Diese Flagge hatte ich mit sechs Sicherheitsnadeln am Trikot befestigt. Um es den Zuschauern zu ermöglichen, mich mit meinem Namen anzufeuern, schrieb ich diesen in bunt auf einen Zettel und befestigte ihn mit zwei weiteren Sicherheitsnadeln zwischen der Startnummer und der Schleife. Das Sicherheitsnadelkontingent war damit erschöpft und ich kam mir vor wie eine Werbetonne.
In unserem Hotel war sowohl eine Reisegruppe aus Deutschland als auch eine aus Frankreich. Beide hatten ihre Aushänge im zweiten Stock des Hotels, wo ich mich nun ein letztes Mal überzeugte, dass die Abfahrt unseres Busses um 6:15 Uhr sein sollte. Auf Langschläfer würde nicht gewartet werden. Ich packte auch meinen Starterbeutel. Ein Badetuch nahm ich nicht mit, da nach dem Rennen sowieso keine Duschmöglichkeit vorhanden sein würde. Mein Subway-Ticket und den elektronischen Zimmerschlüssel packte ich dagegen ein. Um 22 Uhr legte ich mich schlafen.
Tag 4
Bis 3 Uhr nachts schlief ich durch. Danach wachte ich immer wieder auf, weshalb ich um 5 Uhr endgültig aufstand. Ich ging zunächst in die Hotellobby, um mich davon zu überzeugen, dass es tatsächlich noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Busses sei. Auf dem Hotelzimmer frühstückte ich dann drei selbstzubereitete Sandwiches und packte die restliche Salami in den Starterbeutel ein. Dann legte ich die Laufkleidung an und ging in die Hotellobby. Hier war inzwischen einiges los, denn sowohl die Deutschen als auch die Franzosen warteten auf die Abfahrt. Als der Bus ankam, setzte ich mich neben einen Läufer aus der Nähe von Hamburg, welcher schon 60 Jahre alt war und vor einiger Zeit wegen zu hohen Blutdrucks mit dem Laufen angefangen hatte. Über Brooklyn kamen wir schließlich auf die Verrazano-Narrows-Bridge, welche um sieben Uhr für den Verkehr geschlossen werden sollte. Wir gerieten nun auch in einen Stau, da ein Bus nach dem anderen, vollgepackt mit Marathonläufern, nach Staten Island zum Startbereich wollte. Die Fahrt dauerte damit über eine Stunde. Der Vorteil bestand darin, dass wir bis zur Ankunft im warmen Bus verharren konnten. Über Nacht war nämlich der Herbst nach New York gekommen. Waren es in den vergangenen Tagen noch knapp 20°C gewesen, so sollten die Thermometer heute deutlich niedrigere Werte anzeigen.
Als wir den Bus verließen, konnten wir uns in der Läufermasse anstellen, die auf den Einlass in Fort Woodsworth wartete. Die Sicherheitsvorkehrungen waren extrem. Polizisten und Soldaten sicherten das Gelände. Zum Urinieren sollten nur die bereitgestellten Toilettenhäuschen benutzt werden. Läufer, die gegen diese Regeln verstießen, konnten disqualifiziert werden. Als ein Läufer hinter einen Pfeiler ging, um sich im Gebüsch zu erleichtern, wurde sofort ein Polizist mit Megaphon aktiv und kam auf ihn zu. Über uns kreiste ein Polizeihubschrauber, der eine Menge Lärm verursachte.
Nach den Sicherheitskontrollen hatten wir das Gelände erreicht. Ich hatte gestern beim genauen Betrachten der Reiseunterlagen endgültig festgestellt, dass ich als Teilnehmer mit grüner Startnummer zu den „Unglücklichen“ gehörte, die auf der unteren Ebene der Verrazano-Narrows-Bridge starten würden. Auf dem Gelände des Forts gab es Wasser, Tee und Kaffee zu trinken sowie Gebäck zu essen. Es war inzwischen acht Uhr. Zusammen mit meinem Begleiter schauten wir uns um. Ich trug einen Pullover, den ich im Startbereich wegwerfen konnte. An den Beinen hatte ich neben der Läuferhose leider nur die Deutschlandflagge, weshalb ich hier sehr stark fror. Ich aß ein Stück Gebäck und die mitgebrachte Salami. Dann stellte sich ein weiterer Läufer aus Bonn zu uns. Da ich selber in der zweiten Welle, meine beiden Begleiter aber erst in der vierten Welle starten sollten, war es nun Zeit für mich, den Beutel im LKW abzugeben. Die LKWs sollten dann über die Brücke zum Central Park fahren, wo wir dann im Zielbereich die Kleiderbeutel wieder abholen konnten. Beim Abgeben bemerkte ich, dass ich die mitgebrachte Packung Taschentücher, in der sich auch Ersatzpflaster befanden, verloren hatte. Dies konnte eine kleine Katastrophe zur Folge haben, da meine Nase bei solch niedrigen Temperaturen immer besonders stark floss.
Einer meiner Begleiter gab mir ein bisschen Klopapier, was vorerst reichen sollte. Ich verabschiedete mich dann von den beiden Männern und ging in den Startbereich, welcher eine halbe Stunde vor dem Start der entsprechenden Welle wieder geschlossen wurde. Alle drei Farbblocks starteten gleichzeitig. Um 8:35 Uhr ging es für die Rollstuhlfahrer los, einige Zeit danach für Läufer mit bestimmten Behinderungen. Danach starteten die Elite-Frauen und um 9:40 Uhr war der Startschuss für die erste Hauptwelle, in welcher sich auch die Elite-Männer befanden. Um 10:05 Uhr war ich dann mit der zweiten Welle dran. Die drei Farben dieser Hauptwellen waren noch einmal in unterschiedliche „Corrals“ eingeteilt, welche an verschiedenen Stellen Einlass bekamen. Der Einlass war etwa eine Stunde vor dem jeweiligen Wellen-Startschuss, während dreißig Minuten später die Einlass-Tore wieder geschlossen wurden. Ich schaute mich auf dem Gelände noch ein bisschen um und sah dabei einige Deutsche, die mir zwei richtige Papier-Taschentücher geben konnten. Damit war ich zumindest für die ersten Kilometer gerüstet.
Danach stelle ich mich am Eingang des Corrals an. Die Aufteilung der Corrals erfolgte nach Startnummer. Hinter dem Tor waren dann alle Läufer einer Farbe und derselben Welle hintereinander aufgestellt, aber noch durch Absperrbänder getrennt. Um 9:05 Uhr ertönte der Startschuss mit zwei Kanonen für die erste Welle. Von hier unten konnten wir nun beobachten, wie das Feld auf beiden Ebene der Brücke entlanglief. Danach wurden die Absperrbänder zwischen den Corrals entfernt und unsere Welle konnte zur Startgeraden vorrücken. Ich traf nun zwei Männer aus meinem Hotel, einen “Ösi“ und einen „Ossi“. Meinen Pullover warf ich endgültig weg. Als wir dann auf der Startgeraden standen, links von uns das Gelände von Fort Woodworth, rechts die Wand, auf welcher der obere Teil der Brücke war, mussten wir noch zwanzig Minuten warten. Kurz vor dem Start wurde dann die Nationalhymne von einer Einzelperson so schlecht gesungen, dass ich sie gar nicht wiedererkannte. Um 9:40 Uhr kam dann endlich unser Startschuss, auch mit Kanonen. Das Lied „New York, New York“ wurde abgespielt und nach einer Minute war auch ich über die Startlinie und auf der Verrazano-Narrows-Bridge.
Der Marathon:
Der Anfang war für mich nicht einfach, da ich im Startbereich lange gestanden und gefroren hatte und meine Knie sich ein bisschen „eingerostet“ fühlten. Bereits nach wenigen hundert Metern verschob sich die höherliegende Ebene der Brücke, so dass beiden Ebenen direkt untereinander verliefen. Es ging bergauf, auf die Verrazano-Narrows-Bridge. Da wir unten liefen, war die Aussicht ein bisschen schlechter. Wir Läufer hatten nur die linke Seite für uns, auf der rechten Seite wurden wir von den LKWs mit den Starterbeuteln überholt. Wir konnten also nach Westen besser ausschauen, wo wir in weiter Entfernung die Freiheitsstatue sehen konnten. Sehr nahe an der Brücke kreiste wieder ein Polizeihubschrauber. Auch an der Strecke, wo jetzt noch keine Zuschauer waren, denn die Brücke war ja um sieben Uhr gesperrt worden, standen hin und wieder Polizisten. Die Befürchtung, dass Teilnehmer auf der oberen Ebene an den Brückenrändern herabpinkelten, bewahrheitete sich glücklicherweise nicht. Die Brücke befand sich ein ganzes Stück über dem Meer. Man konnte deutlich fühlen, wie windig es hier war.
Die Verrazano-Narrows-Bridge verbindet die New Yorker Stadtteile Staten Island und Brooklyn, das mit Queens (weiter nördlich) zusammen auf der gleichen Insel liegt. In Staten Island, auf der anderen Seite der Brücke, konnten wir nun die ersten Zuschauergruppen sehen. Es ging nun bergab. Die Teilnehmer mit blauer und orangener Startnummer waren zunächst nicht zu finden, da sich alle drei Strecken von der Brücke aus ihre eigenen Wege zum Festland suchten. Erst nach zwei Meilen des Gesamtkurses sahen wir einen Teil des Läuferfeldes eine Brücke überqueren, unter der wir als „grüne“ Läufer hindurch mussten.
Im nun folgenden Wohnviertel war unser Starterblock alleine. Die Zuschauermasse wurde allmählich größer. Ich war positiv überrascht, dass einige der New Yorker uns Küchenpapier entgegenhielten. Sollte dies für den Rest des Kurses so bleiben, dann hatte ich trotz des Verlustes meiner Taschentücher-Packung keine Probleme mit der Nase.
Nach einiger Zeit mussten wir links in eine Straße einbiegen, an deren Ende das blaue und orangene Läuferfeld vorbeikam. Die Straße, welche sich die beiden Gruppen teilte, führte von Süd nach Nord und war in der Mitte durch ein aufgestelltes Band geteilt. Die rechte Seite mit den blauen Läufern wurde nun mit unserem grünen Läuferfeld zusammengelegt. Jetzt wurde es noch einmal richtig eng. Die Straße, auf der nun das gesamte Feld lief, war die „Bay Ridge Avenue“ in Brooklyn, an deren Ende im Norden ein sehr großes Hochhaus stand, auf das wir ab sofort fünfeinhalb Meilen lang zuliefen. Die Straßen quer von uns begannen bei der 75th Street und wurden abwärts gezählt, so dass wir kurz vor dem großen Turm die 1st Street erreichen sollten. Sehr große Hochhäuser gab es an dieser Avenue nicht.
Wir waren nun in einem Bereich angekommen, wo die Zuschauer dichtgedrängt an der Straße standen und uns zujubelten. Einer von ihnen rief mir akzentfrei „Auf geht’s, Siegfried!“ zu. An mindestens jeder zweiten Meile wurden wir mit Getränken versorgt. Es gab jedes Mal sowohl Leitungswasser als auch ein zuckerhaltiges Energiegetränk, an dem ich mich meistens bediente.
An einem Punkt an dieser langen Geraden hatte ich ein sehr dichtgedrängtes Feld vor mir. Einer der Läufer war ein Pacemaker für die 3:45-Stunden-Marke. Mit einem kleinen Zwischensprint überholte ich diese Gruppe, um danach wieder freie Bahn zu haben.
Als wir am Ende der langen Geraden das große Hochhaus erreicht hatten, wurden die drei Farbgruppen der Läufer endgültig vereinigt, indem das Absperrband aufhörte. Atlantic Avenue und Pacific Street trafen hier zusammen. Es ging nun zweimal um eine Ecke und danach waren wir in einem Abschnitt, in welchem es ruhiger zuging. Hier waren nur vereinzelte Zuschauergruppen und zwischen ihnen viele strenggläubige Juden, die man an ihrer schwarzen Kleidung mit Kopfbedeckung, den Bärten und den Zöpfen erkennen konnte. Die meisten von ihnen schienen sich, wie von der Reiseleiterin angekündigt, für den Marathon gar nicht zu interessieren. Einige von ihnen schauten allerdings schon zur Strecke hin.
Als wir dieses jüdisch dominierte Viertel hinter uns hatten, schaute ich mich nach einer Toilette um, wohlwissend, dass ich beim Urinieren außerhalb der Toiletten disqualifiziert werden konnte. Da fast der komplette Kurs durch bewohnte Gegenden führte, war es auch kaum möglich, sich an der Strecke zu erleichtern. Lediglich am Ende der Verrazano-Narrows-Bridge hatte ich einige Läufer gesehen, die an die Betonwände gepinkelt hatten. Schließlich sah ich an einer Kreuzung eine Reihe von Dixie-Klos, von denen eines frei war. Ich konnte wie bei einem Boxen-Stopp in der Formel 1 die Laufstrecke für kurze Zeit verlassen.
Danach ging es weiter nach Norden. Der Kurs führte hier nicht mehr stur geradeaus, es waren immer wieder Abzweigungen nach links und rechts zu nehmen. Die Zuschauer hielten uns alle möglichen Plakate entgegen. Einige waren mit den Worten „You run better than…“ versehen. Dahinter folgte einmal das Wort „Kongress“, später „Government“ und irgendwann schließlich „Subway“.
Langsam bekam ich Hunger. Die offiziellen Versorgungspunkte hatten nur Leitungswasser und das zuckerhaltige Getränk. Zu essen gab es fast nirgendwo etwas. Ich hatte lediglich gehört, dass es in der Mitte der Strecke dieses Gel geben würde, doch dieses entsprach absolut nicht meinem Geschmack. Bei meinen bisherigen Marathons hatte ich alle fünf Kilometer ein Stück Banane erhalten. Dieses Stück reichte jeweils für die nächsten fünf Kilometer, als ich erneut Hunger bekommen hatte und mich dann mit dem nächsten Stück versorgte. Was für ein Glück für mich, dass die Anwohner Bananen verteilten. Einer hielt mir eine Banane hin, die wirklich gut aussah. Ich schnappte sie mir und bedankte mich. Schälen musste ich sie selber. Nachdem ich sie komplett verschlungen hatte, schaute ich am Straßenrand nach einem Mülleimer aus. Leider war es wegen der großen Zuschauermassen schwierig zu erkennen, wo sich einer befand. So blieb mir nichts anderes übrig, als bei der nächsten Versorgungsstelle die Bananenschale zusammen mit dem ausgetrunkenen Becher wegzuwerfen.
Die deutschen Teilnehmer stellten hinter den Franzosen, von denen viele auch im Marriott Downtown Hotel untergebracht waren, die zweitgrößte ausländische Teilnehmernation. Auch ein Mann im Bayern-München-Trikot lief in meiner Nähe. Inzwischen waren wir soweit nördlich in Brooklyn, dass wir den Bereich der First Street überschritten hatten und die Straßen hier anderweitig benannt waren. In dieser Gegend konnte man den Unterschied in der Stromversorgung sehen: Die Strommasten in den USA verlaufen auch in Wohngegenden oberirdisch und sind sehr anfällig für Störungen (z.B. Sandy) von außen.
An einer Abzweigung nach rechts sah ich eine Versorgungsstelle, wo Helfer kleine Holzstängel mit einer weißen Substanz verteilten. Ich vermutete, dass es sich hierbei um Süßigkeiten handelte und griff auch zu. Schnell stellte ich jedoch fest, dass das Zeug absolut nicht meinem Geschmack entsprach und warf es fast unverzehrt auf den Boden. Im weiteren Verlauf des Rennens fragte ich mich, ob ich dieses klebrige Zeug vielleicht in einem Zug hätte herunterschlucken können, so dass es mir vielleicht einen Energieschub gegeben hätte. Doch dann dachte ich an die Meinung der Experten („Keine Experimente“) und verzichtete auf einen weiteren Versuch. Wie gut ich daran tat, erfuhr ich erst am Abend.
Kurz bevor die Halbmarathondistanz erreicht worden war, bekam ich Probleme mit dem Pflaster an meiner linken Brustwarze. Dieses Pflaster war von Anfang an nicht stabil gewesen, und nun gab es völlig den Geist bzw. die Haftung auf. Ich brauchte ein neues. Leider hatte ich ja die Taschentücher-Packung mit den beiden Ersatzpflastern, die auch für mögliche Wunden an den Füßen vorgesehen waren, im Startbereich verloren. Daher musste ich nun die nächste Erste-Hilfe-Station aufsuchen. Direkt hinter der Halbmarathonmarke, nach einer Rechts-Links-Kurve, fand ich eine solche Station. Die medizinischen Helfer wollten mich sofort in Empfang nehmen, ich klärte sie jedoch darüber auf, dass ich lediglich „another“ Pflaster benötigte und zeigte ihnen meine Brustwarze. Eine Helferin nahm ein Pflaster und klebte es auf die Stelle. Sofort konnte ich weiterlaufen.
Es ging nun über eine Brücke, welche die Stadtteile Brooklyn und Queens verband. Hier konnte man bereits die Skyline von Downtown Mannhattan relativ gut sehen. Nach zwei Meilen in Queens, wo man unter einigen kleinen Verkehrsbrücken hindurchlief, folgte für uns Läufer nun die letzte große Brücke, die Queensboro Bridge, welche Queens mit Manhattan verbindet. Zwischen beiden Stadtteilen liegt Roosevelt Island, eine von Nord nach Süd langgestreckte Insel, auf welcher sich sehr viele Krankenhäuser befinden. Downtown Manhattan war von hier aus sehr gut sichtbar. Die Brücke lag auch sehr weit oben, was man am starken Wind zu spüren bekam. Wir Läufer belegten die Autospur. Getrennt davon war noch ein Fußgänger- (oder Fahrrad-) Weg vorhanden, auf dem ich eine kurze Pause einlegte um mir die Manhattan-Skyline vom East-River anzuschauen. Andere Läufer, die ihre Kamera dabei hatten, machten Fotos.
Dann ging es weiter. Als wir die Brücke wieder abwärts liefen, hatten wir eine 270°-Kurve vor uns, die uns in die First Avenue führte. Ich stellte mich erneut an den Rand der Brücke und winkte den Zuschauern zu, die mich allerdings nicht wahrnahmen, da sie sich auf das Läuferfeld unten, das direkt an ihnen vorbeiführte, konzentrierten. Dann hatte auch ich diese Kurve vor mir und befand mich danach in Midtown-Manhattan auf der First Avenue nach Norden.
16 Meilen hatte ich nun hinter mir. Teilweise waren auch die Kilometer ausgeschildert, welche mit der Einheit „K“ versehen waren. Der Weg führte nun auf der First Avenue immer geradeaus, bis das Ufer von Manhattan im Norden erreicht war, zwischen Meile 19 und 20. Ich wusste, dass kurz vor Meile 17 unsere Reiseleiterin stehen würde. Ich sollte auf die Karstadt-Flagge achten, welche in Laufrichtung links erscheinen würde. An dieser Stelle würde ich dann auch Bananen zu essen bekommen. Daher konzentrierte ich mich nun sehr stark auf die Zuschauer und hielt Ausschau nach der Karstadt-Flagge, aber ohne Erfolg. Ich erreichte die Markierung für die 17. Meile ohne die Reisebetreuerin gesehen zu haben.
Gerade die Banane hätte mir jetzt gut getan, denn ich bekam wieder Hunger. An den offiziellen Versorgungsständen, wo es nur Wasser und Zucker-Getränk gab, war der Boden immer sehr klebrig. Nach einigen hundert Metern war an den Schuhsohlen jedoch nichts mehr zu bemerken. Ich suchte nun nach Zuschauern, die Bananen bereithielten und erblickte tatsächlich jemanden, der mir ein solches Stück anbot. Als ich es verschlungen hatte, suchte ich erneut eine Toilette auf, wobei ich wieder die Strecke für kurze Zeit verlassen musste. Danach begann für mich das letzte Viertel des Marathons.
Meine Füße fühlten sich inzwischen ziemlich plattgelaufen an, da der Boden ausschließlich aus Asphalt bestand. Ich überholte immer wieder Teilnehmer, unter denen auch einige mit Behinderungen waren. Diese Läufer waren mit der Aufschrift „Achilles“ gekennzeichnet und hatten meist zwei Begleiter um sich herum. Bei blinden Läufern hielt einer der Helfer den Teilnehmer an einer Leine. Auch einen Läufer mit künstlichen Feder-Füßen passierte ich. Am Ende der First Avenue ging es ein Stückchen nach links auf die Willis Avenue Bridge, welche Manhattan mit den Bronx verbindet. Der Abschnitt durch diesen Stadtteil war nur eine Meile lang. Hinter einer Rechtskurve war ein Stand aufgebaut, an dem sich ein „Robin-Hood-Club“ oder etwas Ähnliches befand, d.h. dass dort zahlreiche Zuschauer mit grünen Mützen standen. Kurz vor der nördlichsten Stelle erreichten wir einen Supermarkt, wo man offenbar eine Flasche Pepsi für $0,99 kaufen konnte – wesentlich günstiger als in Downtown-Manhattan. An einem Versorgungsstand wurde mir Cola gereicht – ich bedankte mich in spanischer Sprache. Ein etwas älterer Zuschauer hielt eine Box hoch, in der sich mehrere Medaillen befanden. Am Tag danach las ich in der Zeitung, dass ein Sportler, der früher beim NYC-Marathon mehrfach gefinisht hatte, heute in den Bronx zuschaute und als Motivation für die Läufer alle seine Medaillen präsentierte. Ein weiterer Zuschauer hielt ein mir bekanntes Plakat mit der Aufschrift „Jetzt noch Umdrehen wäre blöd“ hoch. Solche Aufschriften findet man bei Laufveranstaltungen in Deutschland sehr häufig im Publikum.
Über die Madison Avenue Bridge ging es zurück nach Manhattan in die Fifth Avenue, vorerst nur geradeaus nach Süden. Inzwischen nahm ich auch Süßigkeiten von den Zuschauern an. Einige hielten Körbe mit Bonbons hoch, wo ich zweimal zulangte. Da ich nicht mehr allzu schnell unterwegs war, machte das Verzehren dieser Bonbons keine Probleme.
Die Fifth Avenue liegt direkt am Central Park, den wir zwischen Meile 22 und Meile 23 erreichten. Kurz vor Meile 24 verließen wir die Fifth Avenue und bogen in den Park ein, auf Höhe des großen Sees, um dort weiter nach Süden zu laufen. Auch hier waren überall Zuschauer, die jedoch durch Gitter von der Laufstrecke getrennt waren. Es ging bis zum südlichen Ende des Parks und dann nach rechts, zur südwestlichsten Parkecke, wo sich der Columbus-Circle befindet, den wir Läufer allerdings nicht zu sehen bekamen. Hier kreiste eine große Schar von Tauben über uns. Nun folgte die letzte Kurve nach Norden, so dass wir uns nun im Central Park auf der Zielgeraden befanden. Meine anvisierte Zeit von 3:50 Stunden schien ich tatsächlich zu erreichen, ich achtete jedoch nicht so genau darauf. Der Zieleinlaufbereich war sehr breit und dahinter schaute ich nach oben, um ein gutes Foto von mir machen zu lassen.
Nach dem Marathon
Wir wurden aufgefordert, nicht stehen zu bleiben, damit der Verkehrsfluss nicht behindert wurde. Eine Helferin hängte mir die Medaille um. Diese war die größte und schwerste, welche ich jemals bei einer Laufveranstaltung bekommen hatte. Auf der Rückseite waren zwei Zeilen, in welche Name und Zeit eingraviert werden konnten. Ein anderer Helfer verteilte die durchsichtigen Finisher-Taschen, in welchen sich ein Apfel, Getränke und Süßigkeiten befanden. Ich ging geradeaus und kam dabei immer wieder an Helfern vorbei, die darauf aufmerksam machten, dass Teilnehmer ohne Gepäck-Option (also Läufer, die den Starterbeutel nicht abgegeben hatten) den Park links verlassen konnten. Ich dagegen ging weiter geradeaus und kam an den UPS-Trucks vorbei, wo ich schließlich meinen Starterbeutel zurückbekam. Kurz darauf konnte ich auch den Park verlassen. Ich zog das langärmlige Shirt an, welches ich im Beutel aufbewahrt hatte, denn es war ziemlich kalt.
Jetzt war die Frage: Wo befand sich die nächste Subway-Station? Die Helfer wiesen mir verschiedene Richtungen an und die Polizisten sagten alle, dass sie nicht aus der Gegend kämen und daher keine Ahnung hätten. Einige Fahrer von Fahrrad-Rikschas boten mir gegen 20 Dollar an, mich zur nächsten Station zu fahren, da diese ja „soooo far away“ war. Als ich sagte, dass ich kein Geld bei mir hätte, interessierten sie sich nicht mehr für mich. Es wäre besser gewesen, ich hätte mich vor dem Lauf erkundigt. Schließlich kam ich doch noch zur nächsten Station. Ein Passant, der mir aus der Ticketschleuse entgegen kam, sah meine Medaille und sagte „Congratulations“. Dann war ich in der Station, wo es schön warm war. Ich erreichte die nächste Linie 1 zur Rector Street, welche direkt am Marriott Hotel lag. Leider nahm ich erneut den falschen Ausgang und musste daher wieder ein ganzes Stück bis zum Hotel zurücklaufen. Dort angekommen, konnte ich endlich duschen. Es war inzwischen 15 Uhr.
Um 19 Uhr sollte ein After-Dinner in einem Restaurant am Times Square stattfinden. Da ich jetzt schon Hunger hatte, entschied ich mich, bereits vorher in dem asiatischen Imbiss vom Vortag erneut essen zu gehen. Als ich von einem Hotel aus in die unterirdische Subway-Station ging, musste ich feststellen, dass ich auf der falschen Seite des Bahnsteigs war. Um auf die andere Seite zu gelangen, musste ich die komplette Station verlassen und auf der anderen Straßenseite hinuntergehen. Als ich hier mein Ticket durch den Kontrollschlitz zog, erschien die Nachricht „Just used“. Es war also offenbar nicht möglich, das Ticket innerhalb weniger Minuten an derselben Station doppelt zu verwenden. Ich ging auf der Straße zum nächsten Polizisten und erklärte ihm mein Problem. Er zeigte mir einen Eingang zum Subway, wo ein „Guy“ in einem Häuschen sitze, der mir helfen könne. Dieser Angestellte schaltete dann die Gittertür für mich frei. Nun konnte ich zum Union Square fahren.
Ich aß in dem asiatischen Restaurant sehr ausgiebig und hatte daher danach kaum noch Hunger. Trotzdem wollte ich die After-Party nicht verpassen, da ich im Voraus schon Geld dafür bezahlt hatte. Also fuhr im zum Times Square und betrat um 18:45 Uhr das Restaurant. Ich setzte mich an einen Tisch, wo einige Österreicher und ein Schweizer saßen. Als ich dem Schweizer erzählte, dass ich dieses cremige, weiße Zeug am Stil während des Laufes nicht gegessen hatte, sagte er mir, dass es sich dabei um Vaseline gehandelt hatte. Er selber hatte dies auch erst erfahren, als ihn ein Helfer mit dem Satz „That’s nor for eating“ darauf aufmerksam gemacht hatte. Für den Rest des Abends hatte ich nun wieder den ekelhaften Geschmack des Zeugs in meinem Mund. Mir wurde übel bei dem Gedanken, dass ich beinahe eine ganze Portion Vaseline heruntergeschluckt hätte
Da ich schon satt war, ließ ich den größten Teil meines Essens stehen. Einer der Österreicher, welcher eine „Cola light“ orderte, bekam ein Leichtbier. Es ist im Ausland daher geraten, bei Bestellungen genauere Angaben zu machen. Der Schweizer kontrollierte auf seinem Smartphone die Zielzeiten einiger Teilnehmer: Pamela Anderson hatte bei ihrem Marathon-Debüt 5:41 Stunden benötigt, Barbara Meier 3:59 (wollte ursprünglich unter vier Stunden laufen) und Sabrina Mockenhaupt als schnellste Deutsche 2:29 Stunden. Ich selber hatte knapp unter 3:50 Stunden benötigt.
Um 21 Uhr verließen wir das Restaurant wieder. Die anderen Leute nahmen ein Taxi, während ich in die Subway-Station am Times Square hinunterstieg. Leider funktionierte mein Ticket immer noch nicht. Da ich aber schnell in mein Hotelzimmer wollte (ich war schon ziemlich müde) und das nötige Münzgeld bei mir trug, kaufte ich ein Einzelticket und kam damit durch die Gitterschleusen. Der Weg zur Linie 1 war extrem weit, da diese Station sehr groß ist. Gegen 22 Uhr kam ich endlich in meinem Hotel an und legte mich schlafen.
Tag 5
Ich stand gegen sechs Uhr auf, duschte und zog mich an. Auf ein Frühstück verzichtete ich zunächst. Ab sieben Uhr sollte im Zielbereich der Shop für Erinnerungsstücke und für die Medaillengravur geöffnet sein. Wenn man nicht allzu lange anstehen wollte, sollte man frühzeitig dort eintreffen. Ich ging also zur Subway-Station (mein Ticket wurde inzwischen wieder akzeptiert) und fuhr bis zur 66th Street. Von dort aus ging ich zum Central-Park, wo ich nach einer Einlass-Kontrolle die New York Times für stolze $5,50 kaufen konnte. Regulär hätte das Blatt nur $2,50 gekostet, aber die Helfer machten natürlich ein Geschäft daraus, dass diese Zeitung heute sehr nachgefragt sein würde.
Nach dem Anstehen kam ich in den Souvenir-Shop, wo ich mir einen 100-Dollar-Gutschein kaufte, mit dem ich später im Internet Fotos von mir während des Laufes bestellen konnte. Ferner kaufte ich ein T-Shirt, auf dem die Marathonstrecke aufgedruckt war. Ich verließ das Gelände wieder und betrat es zum zweiten Mal, um diesmal zur Medaillengravur zu gehen. Die Schlange dort war nun schon wesentlich länger, obwohl es noch nicht einmal acht Uhr war. Die Gravur kostete 20 Dollar. Ich ging nun endgültig aus dem Zielbereich hinaus und fuhr mit dem Subway zurück nach Downtown Manhattan. Im Subway sprach mich eine Amerikanerin an, die auch am gestrigen Tag gelaufen war. Sie sagte mir, dass sie die Teilnahme an einer Reihe von Marathons in diesem Jahr gebucht und somit einen garantierten Startplatz in New York bekommen hatte.
Als ich zu meinem Hotel zurückging, fiel mir eine obdachlose Frau auf. Ich dachte mir, dass der Finisher-Beutel mit dem Apfel, den Getränken und den Süßigkeiten ja doch nicht in mein Reisegepäck passen würde und ging daher auf mein Zimmer, um ihn herauszunehmen. Vor dem Hotel traf ich die Frau tatsächlich wieder und schenkte ihr den Beutel. Dann frühstückte ich auf dem Hotelzimmer ein paar Sandwiches, die ich im Laden nebenan gekauft hatte.
Ich packte meinen Koffer und räumte das Zimmer. Den Koffer konnte ich an der Rezeption abgeben. Dann ging ich noch einmal zum Subway, um zum Battery-Park zu fahren, um noch einmal einen Blick auf die Küste und die Freiheitsstatue zu werfen. Als ich danach wieder vor meinem Hotel ankam, sah ich erneut die obdachlose Frau und schenkte ihr noch das Subway-Ticket, das noch dreieinhalb Tage gültig war. Dann wartete ich in der Lobby auf den Bus, der mich und andere Sportler nach Newark bringen sollte. Pünktlich um 13:30 Uhr ging es los. Eine angeheuerte Reisebegleiterin erklärte uns noch, dass heute die Bürgermeisterwahlen von New York mit eine Wahlbeteiligung von etwa 30% seien. Nachfolger von Michael Bloomberg sollte voraussichtlich der Demokrat Bill de Blasio werden.
Nach nicht einmal einer Stunde kamen wir am Flughafen Newark im US-Bundesstatt New Jersey an. Von hier aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Skyline von Manhattan. Glücklicherweise checkte unsere Reisegruppe sehr früh ein, denn wegen der aufwändigen Kontrollen wurde die Schlange hinter uns immer länger. Bevor wir die Nacktscanner betreten durften, mussten wir sogar Gürtel und Schuhe ausziehen. Um 17:25 Uhr startete dann der Flug nach Frankfurt. Leider saß ich diesmal am Fenster, ich überstand den Flug aber ganz gut. Schlafen konnte ich allerdings überhaupt nicht. Da wir Rückenwind hatten, kamen wir frühzeitig in Frankfurt an. Von hier aus konnte ich zum Hauptbahnhof fahren und frühstücken. Um neun Uhr bestieg ich einen ICE nach Hannover, in dem ich ebenfalls nicht schlafen konnte. Um 12:45 fuhr ich von Hannover aus mit dem ICE nach Bremen los, wo ich eine Stunde später ankam. Als ich zu Hause meinen Koffer geleert und alles aufgeräumt hatte, konnte ich mich endlich schlafen legen.
Der New York City Marathon.
Allgemeines:
Wegen seiner Popularität ist es nicht so einfach, einen Startplatz für den New-York-City-Marathon zu bekommen. Bei einer einfachen Anmeldung kommt man zunächst in eine Verlosung. Bei negativem Ergebnis bekommt man die erste (relativ geringe) Anmeldegebühr nicht zurück. Einen sicheren Startplatz erhält man u.a., wenn man die Teilnahme über ein Reisebüro bucht. Hier bekommt man dann auch eine gute Betreuung mit Anfahrt zum Veranstaltungsgelände. Der Nachteil ist, dass man viermal übernachten muss und dazu nur wenige Hotels zur Auswahl hat. Diese Hotels sind alle relativ teuer.
Tag 1
Ich verließ um halb zehn Uhr das Haus und fuhr über Bremen-Walle zum Bremer Hauptbahnhof. Der Intercity nach Dresden hatte mindestens eine halbe Stunde Verspätung. Ich nahm daher den Regionalexpress nach Hannover, welcher pünktlich abfuhr. Eigentlich sollten mir dann in Hannover nur zwei Minuten Umsteigezeit bleiben. Da der ICE in die Schweiz aber zehn Minuten Verspätung hatte, erreiche ich diesen problemlos. Nach zweieinhalb Stunden kam der Zug am Frankfurter Hauptbahnhof an, wo ich in einen anderen ICE nach Brüssel einstieg. Nach zehn Minuten stieg ich am Frankfurter Flughafen aus. Ich hatte vor acht Jahren das letzte Mal in einem Flugzeug gesessen und musste mich daher erst einmal orientieren. Meinen Koffer konnte ich an einem Schalter der Lufthansa abgeben, wo ich auch mein Flugticket ausdruckte. Bei der ersten Sicherheitsschleuse wurde ich von der Bundespolizei kontrolliert. Danach wurde mein Handgepäck durchleuchtet. Auf dem Weg zur Abflugstelle traf ich dann die ersten Marathonläufer. Um 16:40 Uhr war Einlass. Mein Sitzplatz im Flugzeug war glücklicherweise in der Mitte und nicht am Fenster. Ich saß zwischen zwei Amerikanern, mit denen ich mich während des Fluges unterhielt.
Der Flug dauerte insgesamt über acht Stunden. Nach einer Vorschrift der US-Behörden ist es an Bord nicht gestattet, in Gruppen auf dem Gang zu stehen. Um 21:30 Ortszeit kamen wir am JFK-Flughafen an. Als erstes mussten die Nicht-US-Bürger eine Bescheinigung abgeben, welche zollpflichtigen Waren sie einführen wollten. Danach wurden Abdrücke aller zehn Finger aufgenommen und das Gesicht eingescannt. Ich wurde vom Beamten sogar noch gefragt, weshalb ich in die USA einreise. Danach konnte ich meinen Koffer abholen. Am Eingangsbereich des Flughafens wartete ein Führer von DerTour auf uns. Die Sportler und ihre mitgereisten Angehörigen wurden auf verschiedene Busse verteilt. Diejenigen, welche im Marriott Hotel in Downtown-Manhattan wohnen sollten, hatten jedoch das Pech, dass der dafür zuständige Bus eine Panne hatte. Auch ich gehörte zu diesen Läufern. Zusammen mit drei anderen Betroffenen nahmen wir uns ein Taxi, ein Yellow-Cab, nach Manhattan. Da an diesem Tag auch noch Halloween war, waren die Straßen noch verstopfter als sonst. Insgesamt zahlten wir zu viert $60.
Das Marriott Downtown Hotel war bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in World Trade Center 3 untergebracht. Nach dem Zusammensturz der Türme wurde dieses Gebäude so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass es komplett abgerissen werden musste. Jetzt befindet sich das Hotel zwei Häuser weiter südlich von Ground Zero in einem vierzigstöckigen Hochhaus. Mein Zimmer war im 7. Stock. Ich brachte meine Sachen auf das Doppelzimmer, welches nur für mich alleine bestimmt war. Ich ging noch einmal kurz vor die Tür und kaufte mir in einem kleinen Cafe-Laden drei Gebäckstücke. Zwei davon aß ich und legte mich dann schlafen. Es war inzwischen nach Mitternacht.
Tag 2
Am nächsten Tag, Freitag, fand bereits um kurz nach acht Uhr die Stadtführung statt. Vorher hatte ich an einem Imbiss ein Sandwich gekauft. Die Zutaten schmeckten mir allerdings nicht besonders. Die Busfahrt ging von Ground Zero durch Manhattan, einmal um den Central Park. Zwischendurch besichtigten wir zu Fuß die Pennsylvania Station. Die Stadtführerin erklärte uns, dass es im Central-Park neben Kinderspielplätzen auch Hundespielplätze gäbe. Am Ende der Tour ging es zu einer Kick-Off-Veranstaltung. Es war inzwischen Mittag geworden. Der Veranstaltungsort befand sich im Keller eines Art Clubs, der ziemlich genau in der Mitte von Manhattan lag. Hier kamen nun mehrere hundert Reiseteilnehmer zusammen, bei denen es sich um Läufer und deren Angehörige handelte, die alle über DerTour die Reise gebucht hatten. Bevor die ersten Redner ans Pult traten und die Zuschauer nach und nach Platz nahmen, erweckte diese Versammlung den Eindruck einer überteuerten Kaffeefahrt für Senioren.
Ein Reiseleiter, der am Sonntag den ersten Marathon seines Lebens laufen wollte, sprach als erster. Er fragte im Publikum nach denen, die auch zum ersten Mal Marathon laufen würden und nach denen, die am Sonntag ihren letzten Marathon absolvieren würden. Tatsächlich gab es eine Frau, die wegen eines kaputten Fußes ihre Marathonkarriere am Sonntag beenden würde. Der Reiseleiter erzählte uns daraufhin, dass bereits im letzten Jahr ein Teilnehmer in New York den letzten Marathon seines Lebens absolvieren wollte, was unglücklicherweise durch Hurrikan Sandy verhindert wurde. Einige Leute, die 2012 bereits angereist waren, waren auch heute anwesend.
Die weiteren Vorträge hielten ein Arzt und ein Sportler, der in New York über 20 Mal gefinisht hatte. Hierbei erfuhr ich, dass ein Hersteller von Schmerztabletten erst vor kurzem als Sponsor für diese Veranstaltung gestrichen worden war. Auch die komplette Strecke wurde uns präsentiert. Besonders für den vorletzten Abschnitt in den Bronx sollten wir genügend Energievorräte haben, da man hier sehr schnell sollte fliehen können, falls man überfallen werden sollte. Der Anteil unter den Bewohner, welche schon einmal im Gefängnis waren, ist in diesem Stadtteil nördlich von Manhattan relativ groß.
Nach zwei Stunden waren die Vorträge beendet und wir konnten zur Marathon-Messe gehen, um die Startnummern abzuholen. Die Messe befand sich im „JK Javits Exhibition and Convention Center of New York“, ganz im Westen von Manhattan am Hudson River. Als ich mit einem Begleiter aus Österreich das Messegelände betrat, sah ich, dass es noch ein bisschen größer als das Messegelände in Hamburg war, wo ich im April die Startunterlagen für den Hamburg-Marathon abgeholt hatte.
Die Taschenkontrolle war nicht besonders intensiv, die Sicherheitskräfte schauten lediglich kurz hinein. Es gab einen eigenen Stand für alle Startnummern im jeweiligen Tausender-Bereich. Der Chip zur Zeitmessung befand sich ebenfalls auf dieser Startnummer. Zusätzlich bekam jeder Teilnehmer eine blaue Schleife mit Sicherheitsnadel zum Anheften als Gedenken für die Oper des Boston-Marathons im April. Da ich bereits vor dem Abflug nach New York ein Erdinger-Paket mit Startnummernband bekommen hatte, hatte ich mir die Frage gestellt, ob Sicherheitsnadeln, mit denen die Startnummer im Normalfall am Trikot befestigt wird, beim NYC-Marathon überhaupt erlaubt waren, da für dieses Jahr extrem strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen und alle möglichen Gegenstände auf dem Veranstaltungsgelände verboten waren. Als ich nun sah, dass in den Unterlagen auch vier Sicherheitsnadeln enthalten waren, wusste ich, dass ich auch zusätzliche Nadeln zur Befestigung einer Deutschlandflagge an meinem Trikot mitnehmen konnte. Der Starterbeutel, den man vor dem Marathon zur Aufbewahrung abgeben konnte, war übrigens durchsichtig, um dem Sicherheitspersonal die Kontrollen zu erleichtern. Die Teilnehmer waren also extrem „gläsern“.
An einem weiteren Stand konnten wir unsere langärmligen Trikots abholen. Bei einer Startgebühr von 459 Euro konnte man auch erwarten, dass zumindest ein Trikot enthalten war. Weitere Produkte zum Marathon konnten auf der Messe käuflich erworben werden, ich verzichtete jedoch auf Einkäufe, da ich wegen möglicher Zwischenfälle immer noch vom Marathon abgehalten werden konnte und im Falle einer Nicht-Teilnahme auch keine Erinnerungsstücke mit nach Hause nehmen wollte. Ich konnte nun auch eine blinde Frau und einen Rollstuhlfahrer erblicken, die am Sonntag offenbar auch teilnehmen wollten. Rollstuhlfahrer und Läufer mit bestimmten Behinderungen sollten noch vor den Wellen des Hauptfeldes an den Start gehen.
Ich begleitete den Österreicher noch zu seinem Hotel am Times Square. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch eine der Straßen, welche nicht so gepflegt war, unangenehm roch und abends alleine besser gemieden werden sollte. Als ich mich dann von meinem Begleiter (für ihn sollte es der erste Marathon sein) verabschiedete, wollte ich an der Subway-Station eine Art Tagesticket kaufen. Leider war die Schlange vor dem Schalter, der mit einer Mitarbeiterin besetzt war, zu lang. Die Zahlung an den Automaten war nur mit Münzen (von denen ich nicht genug besaß) oder mit Kreditkarte möglich und ich (Idiot) hatte die PIN-Nummer meiner VISA-Karte vergessen. Daher ging ich zunächst in die nächste Niederlassung von McDoof, wo ich mal eine Pommes-Portion der Kategorie „Supersize“ bestellten wollte. Nun erlebte ich die nächste Enttäuschung: Die Stadtverwaltung hatte diese großen Portionen offenbar verbieten lassen, stattdessen war bei den Größen (Small, Medium, Large) die Kalorienmenge angegeben. Enttäuscht bestellte ich die Large-Version, welche auch nicht größer war als in Deutschland.
Nach dem Essen ging ich erneut die Treppe zur unterirdischen Subway-Station hinunter. Jetzt stellte ich mich am Schalter an und verlangte ein Sieben-Tages-Ticket für $30. Dieses Ticket war nicht personalisiert. Die Verkäuferin prüfte meinen 50-Dollar-Schein eingehend und behielt einen Dollar als Trinkgeld für sich. Nun konnte ich die Station betreten, indem ich das Ticket durch den Scanner zog. Ich landete sofort in einem der Express Trains, die nur etwa an jeder fünften Station halten. So kam ich sehr schnell nach Downtown-Manhattan.
Ich hatte nun die Möglichkeit, die Gegend um Ground Zero anzuschauen. Das Gelände, auf welchem die Twin Towers standen, ist im Moment noch abgeriegelt und man muss sich als Besucher anmelden, um dorthin zu gelangen. Die Gegend drum herum konnte ich mir allerdings anschauen. Dabei sah ich auch das neue Gebäude 7, welches bereits 2006 fertiggestellt worden war. Im Erdgeschoss befand sich eine Rezeption, wo Leute vorbei liefen. Ich machte allerdings keinen Versuch, das Gebäude zu betreten.
Der Weg zum Marriott Hotel gestaltete sich dann doch als ziemlich kompliziert, da die West-Street auf meiner Karte nicht eingezeichnet war. Als dann noch die Dunkelheit hereinbrach, geriet ich langsam in Panik. Glücklicherweise konnte mir ein Taxifahrer zeigen, welches der Hochhäuser das von mir gesuchte Hotel war. Auf Grund der Größe dieser Wolkenkratzer hat man als untenstehender den Eindruck, das Gebäude sei in unmittelbarer Nähe und merkt erst beim Vorangehen, wie weit es in Wirklichkeit entfernt ist. Da sich das abgesperrte Gelände von Ground Zero zwischen mir und dem Marriott Hotel befand, musste ich nach links ausweichen und verlor das Hochhaus dabei schnell wieder aus den Augen. Dann jedoch fand ich endlich wieder den Hintereingang des Hotels. Ich schaute mir nun die Umgebung genauer an und nahm mir vor, nicht noch einmal in solch eine Situation zu geraten. In einem nahegelegenen, kleinen Supermarkt kaufte ich mir Salami (100 Gramm für $5,49) und Brot, welches ein bisschen weicher und nicht so trocken ist wie das Brot in Deutschland. Ich aß ein bisschen davon und legte mich dann schlafen. Die „Parade of Nations“ im Central Park, in welcher Marathon-Teilnehmer aus allen Ländern herummarschieren sollten, hatte ich verpasst.
Tag 3
Ich schlief gegen 22 Uhr in der Nacht ein und wachte gegen zwei Uhr wieder auf. Nach dreieinhalb Stunden, in denen ich wach war, schlief ich erneut ein, wachte aber immer wieder auf. Es ging mir nicht besonders gut, ich hatte leichte Kopfschmerzen. Um nicht vom Personal überrascht zu werden, hängte ich den Flyer mit „Privacy“ vor meine Tür. Gegen zehn Uhr stand ich auf und badete. Danach aß ich ein paar Sandwiches mit Salami, packte meine Tasche und verließ das Hotel. Ich wollte das 9/11-Memorial anschauen. Der Besucherandrang war relativ groß. Zwar ist der Eintritt kostenlos, man wird aber um Spenden gebeten. Die Aufschrift lautete in etwa: „Bitte spenden Sie $5, $10 oder einfach so viel, wie Sie geben können“. Bei der Sicherheitskontrolle musste ich, wie schon vor den Hinflug, auch meinen Gürtel ausziehen. Das Gelände selber bestand aus zwei Wasserbecken, an deren Rändern das Wasser nach unten fällt. Die Becken haben die Umrisse der früheren Twin Towers und stehen an exakt denselben Stellen. In der Mitte der Wasserbecken ist erneut eine Vertiefung, in die das Wasser fällt. Die genaue Tiefe ist von der Zuschauerposition nicht zu erkennen. Das 9/11-Museum auf dem Gelände soll erst 2014 eröffnet werden. Dann soll der Zutritt zum Gelände komplett freigegeben werden. Um die beiden Becken herum sind die Namen der Opfer der Anschläge in Bronze eingraviert. Am Memorial für den Nordturm stehen die Namen der Opfer des Nordturms und von Flug 11, welcher (mutmaßlich) in den Nordturm flog sowie die Namen der sechs Opfer von den Anschlägen vom Februar 1993. Am Memorial für den Südturm sind die Namen der Opfer des Südturms, der Rettungskräfte, der Passagiere der Flüge 93, 77 und 175 (schlug mutmaßlich im Südturm ein) sowie derer des Pentagons eingraviert.
Langsam verbesserte sich mein Gesundheitszustand. Ich verließ das Gelände wieder und stieg in den Subway nach Norden ein. Ich fuhr bis zur Endhaltestelle in den Bronx, wo überwiegend Spanisch gesprochen wird. Die letzten Stationen waren überirdisch. Auch der Weg von Manhatten in die Bronx befand sich auf einer Brücke über den Harlem River. Ich schaute mir ein bisschen den Van-Cortland-Park an, in dem sich auffällig viele Eichhörnchen aufhielten. Tiefer traute ich mich als Unbewaffneter allerdings nicht in den Park hinein. Insgesamt sah ich während meines Aufenthalts allerdings keinen einzigen Menschen, der ohne Polizei-Uniform eine Schusswaffe trug. Die Amerikanerin, welche auf dem Hinflug neben mir gesessen hatte, hatte mir berichtet, dass in Arizona und Texas viel mehr bewaffnete Zivilpersonen unterwegs waren.
Ich fuhr mit dem Subway zurück nach Midtown Manhattan, wo ich den Central Park von West nach Ost durchquerte. Auch hier sprangen unzählige Eichhörnen umher. Mit dem Subway konnte ich weiter fahren in den Süden Manhattans und von da aus über eine Brücke nach Brooklyn und wieder zurück.
Eigentlich hätte ich um 18 Uhr in Midtown auf der Pasta-Party des Marathons essen können. Leider hatte ich aber die Eintrittskarte verloren. Somit musste ich mich um das Abendessen selber kümmern. Ich entschied mich für das „Republic“ am Union Square, wo allerlei asiatische Spezialitäten angeboten wurden. Die Speisekarte verursachte erwartungsgemäß Probleme, da ich mit den meisten Begriffen nichts anfangen konnte. Ich entschied mich für ein Gericht, welches ich dann auch relativ gut herunterbekam. Von Experimente in Sachen Ernährung vor dem Marathon ist dringend abzuraten, was der Mediziner am Vorabend auch in seinem Vortrag erwähnt hatte.
Als ich das Restaurant wieder verließ, sah ich am Union Square einen jungen Mann, der Flyer von der Organisation „Rethink 911“ verteilte. Internetseiten: ReThink911.org und AE911Truth.org. Ich sprach ihn an. Sein Hauptanliegen war es, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass am 11.9.2001 neben den Twin Towers noch ein drittes, sehr hohes Gebäude komplett zerstört und wahrscheinlich auch gesprengt worden war. Als ich ihm erzählte, dass ich aus Deutschland sei, bestätigte er, dass besonders die Deutschen sehr kritisch in Hinsicht auf die Ereignisse vom 11. September 2011 seien.
Zum Hotel fand ich diesmal wesentlich schneller. Es war inzwischen 21 Uhr geworden. Die Umstellung auf Winterzeit findet in den USA eine Woche später als in Europa statt. Ich sollte damit in den Genuss kommen, den zweiten Sonntag hintereinander eine Stunde länger schlafen zu können. Ich bereitete nun alles für den morgigen Tag vor. Obenrum trug ich das Trikot vom Bremen-Marathon 2011, an welches ich die Startnummer, darüber die Schleife für die Boston-Opfer und darunter die Deutschland-Flagge angebracht hatte. Diese Flagge hatte ich mit sechs Sicherheitsnadeln am Trikot befestigt. Um es den Zuschauern zu ermöglichen, mich mit meinem Namen anzufeuern, schrieb ich diesen in bunt auf einen Zettel und befestigte ihn mit zwei weiteren Sicherheitsnadeln zwischen der Startnummer und der Schleife. Das Sicherheitsnadelkontingent war damit erschöpft und ich kam mir vor wie eine Werbetonne.
In unserem Hotel war sowohl eine Reisegruppe aus Deutschland als auch eine aus Frankreich. Beide hatten ihre Aushänge im zweiten Stock des Hotels, wo ich mich nun ein letztes Mal überzeugte, dass die Abfahrt unseres Busses um 6:15 Uhr sein sollte. Auf Langschläfer würde nicht gewartet werden. Ich packte auch meinen Starterbeutel. Ein Badetuch nahm ich nicht mit, da nach dem Rennen sowieso keine Duschmöglichkeit vorhanden sein würde. Mein Subway-Ticket und den elektronischen Zimmerschlüssel packte ich dagegen ein. Um 22 Uhr legte ich mich schlafen.
Tag 4
Bis 3 Uhr nachts schlief ich durch. Danach wachte ich immer wieder auf, weshalb ich um 5 Uhr endgültig aufstand. Ich ging zunächst in die Hotellobby, um mich davon zu überzeugen, dass es tatsächlich noch eine Stunde bis zur Abfahrt des Busses sei. Auf dem Hotelzimmer frühstückte ich dann drei selbstzubereitete Sandwiches und packte die restliche Salami in den Starterbeutel ein. Dann legte ich die Laufkleidung an und ging in die Hotellobby. Hier war inzwischen einiges los, denn sowohl die Deutschen als auch die Franzosen warteten auf die Abfahrt. Als der Bus ankam, setzte ich mich neben einen Läufer aus der Nähe von Hamburg, welcher schon 60 Jahre alt war und vor einiger Zeit wegen zu hohen Blutdrucks mit dem Laufen angefangen hatte. Über Brooklyn kamen wir schließlich auf die Verrazano-Narrows-Bridge, welche um sieben Uhr für den Verkehr geschlossen werden sollte. Wir gerieten nun auch in einen Stau, da ein Bus nach dem anderen, vollgepackt mit Marathonläufern, nach Staten Island zum Startbereich wollte. Die Fahrt dauerte damit über eine Stunde. Der Vorteil bestand darin, dass wir bis zur Ankunft im warmen Bus verharren konnten. Über Nacht war nämlich der Herbst nach New York gekommen. Waren es in den vergangenen Tagen noch knapp 20°C gewesen, so sollten die Thermometer heute deutlich niedrigere Werte anzeigen.
Als wir den Bus verließen, konnten wir uns in der Läufermasse anstellen, die auf den Einlass in Fort Woodsworth wartete. Die Sicherheitsvorkehrungen waren extrem. Polizisten und Soldaten sicherten das Gelände. Zum Urinieren sollten nur die bereitgestellten Toilettenhäuschen benutzt werden. Läufer, die gegen diese Regeln verstießen, konnten disqualifiziert werden. Als ein Läufer hinter einen Pfeiler ging, um sich im Gebüsch zu erleichtern, wurde sofort ein Polizist mit Megaphon aktiv und kam auf ihn zu. Über uns kreiste ein Polizeihubschrauber, der eine Menge Lärm verursachte.
Nach den Sicherheitskontrollen hatten wir das Gelände erreicht. Ich hatte gestern beim genauen Betrachten der Reiseunterlagen endgültig festgestellt, dass ich als Teilnehmer mit grüner Startnummer zu den „Unglücklichen“ gehörte, die auf der unteren Ebene der Verrazano-Narrows-Bridge starten würden. Auf dem Gelände des Forts gab es Wasser, Tee und Kaffee zu trinken sowie Gebäck zu essen. Es war inzwischen acht Uhr. Zusammen mit meinem Begleiter schauten wir uns um. Ich trug einen Pullover, den ich im Startbereich wegwerfen konnte. An den Beinen hatte ich neben der Läuferhose leider nur die Deutschlandflagge, weshalb ich hier sehr stark fror. Ich aß ein Stück Gebäck und die mitgebrachte Salami. Dann stellte sich ein weiterer Läufer aus Bonn zu uns. Da ich selber in der zweiten Welle, meine beiden Begleiter aber erst in der vierten Welle starten sollten, war es nun Zeit für mich, den Beutel im LKW abzugeben. Die LKWs sollten dann über die Brücke zum Central Park fahren, wo wir dann im Zielbereich die Kleiderbeutel wieder abholen konnten. Beim Abgeben bemerkte ich, dass ich die mitgebrachte Packung Taschentücher, in der sich auch Ersatzpflaster befanden, verloren hatte. Dies konnte eine kleine Katastrophe zur Folge haben, da meine Nase bei solch niedrigen Temperaturen immer besonders stark floss.
Einer meiner Begleiter gab mir ein bisschen Klopapier, was vorerst reichen sollte. Ich verabschiedete mich dann von den beiden Männern und ging in den Startbereich, welcher eine halbe Stunde vor dem Start der entsprechenden Welle wieder geschlossen wurde. Alle drei Farbblocks starteten gleichzeitig. Um 8:35 Uhr ging es für die Rollstuhlfahrer los, einige Zeit danach für Läufer mit bestimmten Behinderungen. Danach starteten die Elite-Frauen und um 9:40 Uhr war der Startschuss für die erste Hauptwelle, in welcher sich auch die Elite-Männer befanden. Um 10:05 Uhr war ich dann mit der zweiten Welle dran. Die drei Farben dieser Hauptwellen waren noch einmal in unterschiedliche „Corrals“ eingeteilt, welche an verschiedenen Stellen Einlass bekamen. Der Einlass war etwa eine Stunde vor dem jeweiligen Wellen-Startschuss, während dreißig Minuten später die Einlass-Tore wieder geschlossen wurden. Ich schaute mich auf dem Gelände noch ein bisschen um und sah dabei einige Deutsche, die mir zwei richtige Papier-Taschentücher geben konnten. Damit war ich zumindest für die ersten Kilometer gerüstet.
Danach stelle ich mich am Eingang des Corrals an. Die Aufteilung der Corrals erfolgte nach Startnummer. Hinter dem Tor waren dann alle Läufer einer Farbe und derselben Welle hintereinander aufgestellt, aber noch durch Absperrbänder getrennt. Um 9:05 Uhr ertönte der Startschuss mit zwei Kanonen für die erste Welle. Von hier unten konnten wir nun beobachten, wie das Feld auf beiden Ebene der Brücke entlanglief. Danach wurden die Absperrbänder zwischen den Corrals entfernt und unsere Welle konnte zur Startgeraden vorrücken. Ich traf nun zwei Männer aus meinem Hotel, einen “Ösi“ und einen „Ossi“. Meinen Pullover warf ich endgültig weg. Als wir dann auf der Startgeraden standen, links von uns das Gelände von Fort Woodworth, rechts die Wand, auf welcher der obere Teil der Brücke war, mussten wir noch zwanzig Minuten warten. Kurz vor dem Start wurde dann die Nationalhymne von einer Einzelperson so schlecht gesungen, dass ich sie gar nicht wiedererkannte. Um 9:40 Uhr kam dann endlich unser Startschuss, auch mit Kanonen. Das Lied „New York, New York“ wurde abgespielt und nach einer Minute war auch ich über die Startlinie und auf der Verrazano-Narrows-Bridge.
Der Marathon:
Der Anfang war für mich nicht einfach, da ich im Startbereich lange gestanden und gefroren hatte und meine Knie sich ein bisschen „eingerostet“ fühlten. Bereits nach wenigen hundert Metern verschob sich die höherliegende Ebene der Brücke, so dass beiden Ebenen direkt untereinander verliefen. Es ging bergauf, auf die Verrazano-Narrows-Bridge. Da wir unten liefen, war die Aussicht ein bisschen schlechter. Wir Läufer hatten nur die linke Seite für uns, auf der rechten Seite wurden wir von den LKWs mit den Starterbeuteln überholt. Wir konnten also nach Westen besser ausschauen, wo wir in weiter Entfernung die Freiheitsstatue sehen konnten. Sehr nahe an der Brücke kreiste wieder ein Polizeihubschrauber. Auch an der Strecke, wo jetzt noch keine Zuschauer waren, denn die Brücke war ja um sieben Uhr gesperrt worden, standen hin und wieder Polizisten. Die Befürchtung, dass Teilnehmer auf der oberen Ebene an den Brückenrändern herabpinkelten, bewahrheitete sich glücklicherweise nicht. Die Brücke befand sich ein ganzes Stück über dem Meer. Man konnte deutlich fühlen, wie windig es hier war.
Die Verrazano-Narrows-Bridge verbindet die New Yorker Stadtteile Staten Island und Brooklyn, das mit Queens (weiter nördlich) zusammen auf der gleichen Insel liegt. In Staten Island, auf der anderen Seite der Brücke, konnten wir nun die ersten Zuschauergruppen sehen. Es ging nun bergab. Die Teilnehmer mit blauer und orangener Startnummer waren zunächst nicht zu finden, da sich alle drei Strecken von der Brücke aus ihre eigenen Wege zum Festland suchten. Erst nach zwei Meilen des Gesamtkurses sahen wir einen Teil des Läuferfeldes eine Brücke überqueren, unter der wir als „grüne“ Läufer hindurch mussten.
Im nun folgenden Wohnviertel war unser Starterblock alleine. Die Zuschauermasse wurde allmählich größer. Ich war positiv überrascht, dass einige der New Yorker uns Küchenpapier entgegenhielten. Sollte dies für den Rest des Kurses so bleiben, dann hatte ich trotz des Verlustes meiner Taschentücher-Packung keine Probleme mit der Nase.
Nach einiger Zeit mussten wir links in eine Straße einbiegen, an deren Ende das blaue und orangene Läuferfeld vorbeikam. Die Straße, welche sich die beiden Gruppen teilte, führte von Süd nach Nord und war in der Mitte durch ein aufgestelltes Band geteilt. Die rechte Seite mit den blauen Läufern wurde nun mit unserem grünen Läuferfeld zusammengelegt. Jetzt wurde es noch einmal richtig eng. Die Straße, auf der nun das gesamte Feld lief, war die „Bay Ridge Avenue“ in Brooklyn, an deren Ende im Norden ein sehr großes Hochhaus stand, auf das wir ab sofort fünfeinhalb Meilen lang zuliefen. Die Straßen quer von uns begannen bei der 75th Street und wurden abwärts gezählt, so dass wir kurz vor dem großen Turm die 1st Street erreichen sollten. Sehr große Hochhäuser gab es an dieser Avenue nicht.
Wir waren nun in einem Bereich angekommen, wo die Zuschauer dichtgedrängt an der Straße standen und uns zujubelten. Einer von ihnen rief mir akzentfrei „Auf geht’s, Siegfried!“ zu. An mindestens jeder zweiten Meile wurden wir mit Getränken versorgt. Es gab jedes Mal sowohl Leitungswasser als auch ein zuckerhaltiges Energiegetränk, an dem ich mich meistens bediente.
An einem Punkt an dieser langen Geraden hatte ich ein sehr dichtgedrängtes Feld vor mir. Einer der Läufer war ein Pacemaker für die 3:45-Stunden-Marke. Mit einem kleinen Zwischensprint überholte ich diese Gruppe, um danach wieder freie Bahn zu haben.
Als wir am Ende der langen Geraden das große Hochhaus erreicht hatten, wurden die drei Farbgruppen der Läufer endgültig vereinigt, indem das Absperrband aufhörte. Atlantic Avenue und Pacific Street trafen hier zusammen. Es ging nun zweimal um eine Ecke und danach waren wir in einem Abschnitt, in welchem es ruhiger zuging. Hier waren nur vereinzelte Zuschauergruppen und zwischen ihnen viele strenggläubige Juden, die man an ihrer schwarzen Kleidung mit Kopfbedeckung, den Bärten und den Zöpfen erkennen konnte. Die meisten von ihnen schienen sich, wie von der Reiseleiterin angekündigt, für den Marathon gar nicht zu interessieren. Einige von ihnen schauten allerdings schon zur Strecke hin.
Als wir dieses jüdisch dominierte Viertel hinter uns hatten, schaute ich mich nach einer Toilette um, wohlwissend, dass ich beim Urinieren außerhalb der Toiletten disqualifiziert werden konnte. Da fast der komplette Kurs durch bewohnte Gegenden führte, war es auch kaum möglich, sich an der Strecke zu erleichtern. Lediglich am Ende der Verrazano-Narrows-Bridge hatte ich einige Läufer gesehen, die an die Betonwände gepinkelt hatten. Schließlich sah ich an einer Kreuzung eine Reihe von Dixie-Klos, von denen eines frei war. Ich konnte wie bei einem Boxen-Stopp in der Formel 1 die Laufstrecke für kurze Zeit verlassen.
Danach ging es weiter nach Norden. Der Kurs führte hier nicht mehr stur geradeaus, es waren immer wieder Abzweigungen nach links und rechts zu nehmen. Die Zuschauer hielten uns alle möglichen Plakate entgegen. Einige waren mit den Worten „You run better than…“ versehen. Dahinter folgte einmal das Wort „Kongress“, später „Government“ und irgendwann schließlich „Subway“.
Langsam bekam ich Hunger. Die offiziellen Versorgungspunkte hatten nur Leitungswasser und das zuckerhaltige Getränk. Zu essen gab es fast nirgendwo etwas. Ich hatte lediglich gehört, dass es in der Mitte der Strecke dieses Gel geben würde, doch dieses entsprach absolut nicht meinem Geschmack. Bei meinen bisherigen Marathons hatte ich alle fünf Kilometer ein Stück Banane erhalten. Dieses Stück reichte jeweils für die nächsten fünf Kilometer, als ich erneut Hunger bekommen hatte und mich dann mit dem nächsten Stück versorgte. Was für ein Glück für mich, dass die Anwohner Bananen verteilten. Einer hielt mir eine Banane hin, die wirklich gut aussah. Ich schnappte sie mir und bedankte mich. Schälen musste ich sie selber. Nachdem ich sie komplett verschlungen hatte, schaute ich am Straßenrand nach einem Mülleimer aus. Leider war es wegen der großen Zuschauermassen schwierig zu erkennen, wo sich einer befand. So blieb mir nichts anderes übrig, als bei der nächsten Versorgungsstelle die Bananenschale zusammen mit dem ausgetrunkenen Becher wegzuwerfen.
Die deutschen Teilnehmer stellten hinter den Franzosen, von denen viele auch im Marriott Downtown Hotel untergebracht waren, die zweitgrößte ausländische Teilnehmernation. Auch ein Mann im Bayern-München-Trikot lief in meiner Nähe. Inzwischen waren wir soweit nördlich in Brooklyn, dass wir den Bereich der First Street überschritten hatten und die Straßen hier anderweitig benannt waren. In dieser Gegend konnte man den Unterschied in der Stromversorgung sehen: Die Strommasten in den USA verlaufen auch in Wohngegenden oberirdisch und sind sehr anfällig für Störungen (z.B. Sandy) von außen.
An einer Abzweigung nach rechts sah ich eine Versorgungsstelle, wo Helfer kleine Holzstängel mit einer weißen Substanz verteilten. Ich vermutete, dass es sich hierbei um Süßigkeiten handelte und griff auch zu. Schnell stellte ich jedoch fest, dass das Zeug absolut nicht meinem Geschmack entsprach und warf es fast unverzehrt auf den Boden. Im weiteren Verlauf des Rennens fragte ich mich, ob ich dieses klebrige Zeug vielleicht in einem Zug hätte herunterschlucken können, so dass es mir vielleicht einen Energieschub gegeben hätte. Doch dann dachte ich an die Meinung der Experten („Keine Experimente“) und verzichtete auf einen weiteren Versuch. Wie gut ich daran tat, erfuhr ich erst am Abend.
Kurz bevor die Halbmarathondistanz erreicht worden war, bekam ich Probleme mit dem Pflaster an meiner linken Brustwarze. Dieses Pflaster war von Anfang an nicht stabil gewesen, und nun gab es völlig den Geist bzw. die Haftung auf. Ich brauchte ein neues. Leider hatte ich ja die Taschentücher-Packung mit den beiden Ersatzpflastern, die auch für mögliche Wunden an den Füßen vorgesehen waren, im Startbereich verloren. Daher musste ich nun die nächste Erste-Hilfe-Station aufsuchen. Direkt hinter der Halbmarathonmarke, nach einer Rechts-Links-Kurve, fand ich eine solche Station. Die medizinischen Helfer wollten mich sofort in Empfang nehmen, ich klärte sie jedoch darüber auf, dass ich lediglich „another“ Pflaster benötigte und zeigte ihnen meine Brustwarze. Eine Helferin nahm ein Pflaster und klebte es auf die Stelle. Sofort konnte ich weiterlaufen.
Es ging nun über eine Brücke, welche die Stadtteile Brooklyn und Queens verband. Hier konnte man bereits die Skyline von Downtown Mannhattan relativ gut sehen. Nach zwei Meilen in Queens, wo man unter einigen kleinen Verkehrsbrücken hindurchlief, folgte für uns Läufer nun die letzte große Brücke, die Queensboro Bridge, welche Queens mit Manhattan verbindet. Zwischen beiden Stadtteilen liegt Roosevelt Island, eine von Nord nach Süd langgestreckte Insel, auf welcher sich sehr viele Krankenhäuser befinden. Downtown Manhattan war von hier aus sehr gut sichtbar. Die Brücke lag auch sehr weit oben, was man am starken Wind zu spüren bekam. Wir Läufer belegten die Autospur. Getrennt davon war noch ein Fußgänger- (oder Fahrrad-) Weg vorhanden, auf dem ich eine kurze Pause einlegte um mir die Manhattan-Skyline vom East-River anzuschauen. Andere Läufer, die ihre Kamera dabei hatten, machten Fotos.
Dann ging es weiter. Als wir die Brücke wieder abwärts liefen, hatten wir eine 270°-Kurve vor uns, die uns in die First Avenue führte. Ich stellte mich erneut an den Rand der Brücke und winkte den Zuschauern zu, die mich allerdings nicht wahrnahmen, da sie sich auf das Läuferfeld unten, das direkt an ihnen vorbeiführte, konzentrierten. Dann hatte auch ich diese Kurve vor mir und befand mich danach in Midtown-Manhattan auf der First Avenue nach Norden.
16 Meilen hatte ich nun hinter mir. Teilweise waren auch die Kilometer ausgeschildert, welche mit der Einheit „K“ versehen waren. Der Weg führte nun auf der First Avenue immer geradeaus, bis das Ufer von Manhattan im Norden erreicht war, zwischen Meile 19 und 20. Ich wusste, dass kurz vor Meile 17 unsere Reiseleiterin stehen würde. Ich sollte auf die Karstadt-Flagge achten, welche in Laufrichtung links erscheinen würde. An dieser Stelle würde ich dann auch Bananen zu essen bekommen. Daher konzentrierte ich mich nun sehr stark auf die Zuschauer und hielt Ausschau nach der Karstadt-Flagge, aber ohne Erfolg. Ich erreichte die Markierung für die 17. Meile ohne die Reisebetreuerin gesehen zu haben.
Gerade die Banane hätte mir jetzt gut getan, denn ich bekam wieder Hunger. An den offiziellen Versorgungsständen, wo es nur Wasser und Zucker-Getränk gab, war der Boden immer sehr klebrig. Nach einigen hundert Metern war an den Schuhsohlen jedoch nichts mehr zu bemerken. Ich suchte nun nach Zuschauern, die Bananen bereithielten und erblickte tatsächlich jemanden, der mir ein solches Stück anbot. Als ich es verschlungen hatte, suchte ich erneut eine Toilette auf, wobei ich wieder die Strecke für kurze Zeit verlassen musste. Danach begann für mich das letzte Viertel des Marathons.
Meine Füße fühlten sich inzwischen ziemlich plattgelaufen an, da der Boden ausschließlich aus Asphalt bestand. Ich überholte immer wieder Teilnehmer, unter denen auch einige mit Behinderungen waren. Diese Läufer waren mit der Aufschrift „Achilles“ gekennzeichnet und hatten meist zwei Begleiter um sich herum. Bei blinden Läufern hielt einer der Helfer den Teilnehmer an einer Leine. Auch einen Läufer mit künstlichen Feder-Füßen passierte ich. Am Ende der First Avenue ging es ein Stückchen nach links auf die Willis Avenue Bridge, welche Manhattan mit den Bronx verbindet. Der Abschnitt durch diesen Stadtteil war nur eine Meile lang. Hinter einer Rechtskurve war ein Stand aufgebaut, an dem sich ein „Robin-Hood-Club“ oder etwas Ähnliches befand, d.h. dass dort zahlreiche Zuschauer mit grünen Mützen standen. Kurz vor der nördlichsten Stelle erreichten wir einen Supermarkt, wo man offenbar eine Flasche Pepsi für $0,99 kaufen konnte – wesentlich günstiger als in Downtown-Manhattan. An einem Versorgungsstand wurde mir Cola gereicht – ich bedankte mich in spanischer Sprache. Ein etwas älterer Zuschauer hielt eine Box hoch, in der sich mehrere Medaillen befanden. Am Tag danach las ich in der Zeitung, dass ein Sportler, der früher beim NYC-Marathon mehrfach gefinisht hatte, heute in den Bronx zuschaute und als Motivation für die Läufer alle seine Medaillen präsentierte. Ein weiterer Zuschauer hielt ein mir bekanntes Plakat mit der Aufschrift „Jetzt noch Umdrehen wäre blöd“ hoch. Solche Aufschriften findet man bei Laufveranstaltungen in Deutschland sehr häufig im Publikum.
Über die Madison Avenue Bridge ging es zurück nach Manhattan in die Fifth Avenue, vorerst nur geradeaus nach Süden. Inzwischen nahm ich auch Süßigkeiten von den Zuschauern an. Einige hielten Körbe mit Bonbons hoch, wo ich zweimal zulangte. Da ich nicht mehr allzu schnell unterwegs war, machte das Verzehren dieser Bonbons keine Probleme.
Die Fifth Avenue liegt direkt am Central Park, den wir zwischen Meile 22 und Meile 23 erreichten. Kurz vor Meile 24 verließen wir die Fifth Avenue und bogen in den Park ein, auf Höhe des großen Sees, um dort weiter nach Süden zu laufen. Auch hier waren überall Zuschauer, die jedoch durch Gitter von der Laufstrecke getrennt waren. Es ging bis zum südlichen Ende des Parks und dann nach rechts, zur südwestlichsten Parkecke, wo sich der Columbus-Circle befindet, den wir Läufer allerdings nicht zu sehen bekamen. Hier kreiste eine große Schar von Tauben über uns. Nun folgte die letzte Kurve nach Norden, so dass wir uns nun im Central Park auf der Zielgeraden befanden. Meine anvisierte Zeit von 3:50 Stunden schien ich tatsächlich zu erreichen, ich achtete jedoch nicht so genau darauf. Der Zieleinlaufbereich war sehr breit und dahinter schaute ich nach oben, um ein gutes Foto von mir machen zu lassen.
Nach dem Marathon
Wir wurden aufgefordert, nicht stehen zu bleiben, damit der Verkehrsfluss nicht behindert wurde. Eine Helferin hängte mir die Medaille um. Diese war die größte und schwerste, welche ich jemals bei einer Laufveranstaltung bekommen hatte. Auf der Rückseite waren zwei Zeilen, in welche Name und Zeit eingraviert werden konnten. Ein anderer Helfer verteilte die durchsichtigen Finisher-Taschen, in welchen sich ein Apfel, Getränke und Süßigkeiten befanden. Ich ging geradeaus und kam dabei immer wieder an Helfern vorbei, die darauf aufmerksam machten, dass Teilnehmer ohne Gepäck-Option (also Läufer, die den Starterbeutel nicht abgegeben hatten) den Park links verlassen konnten. Ich dagegen ging weiter geradeaus und kam an den UPS-Trucks vorbei, wo ich schließlich meinen Starterbeutel zurückbekam. Kurz darauf konnte ich auch den Park verlassen. Ich zog das langärmlige Shirt an, welches ich im Beutel aufbewahrt hatte, denn es war ziemlich kalt.
Jetzt war die Frage: Wo befand sich die nächste Subway-Station? Die Helfer wiesen mir verschiedene Richtungen an und die Polizisten sagten alle, dass sie nicht aus der Gegend kämen und daher keine Ahnung hätten. Einige Fahrer von Fahrrad-Rikschas boten mir gegen 20 Dollar an, mich zur nächsten Station zu fahren, da diese ja „soooo far away“ war. Als ich sagte, dass ich kein Geld bei mir hätte, interessierten sie sich nicht mehr für mich. Es wäre besser gewesen, ich hätte mich vor dem Lauf erkundigt. Schließlich kam ich doch noch zur nächsten Station. Ein Passant, der mir aus der Ticketschleuse entgegen kam, sah meine Medaille und sagte „Congratulations“. Dann war ich in der Station, wo es schön warm war. Ich erreichte die nächste Linie 1 zur Rector Street, welche direkt am Marriott Hotel lag. Leider nahm ich erneut den falschen Ausgang und musste daher wieder ein ganzes Stück bis zum Hotel zurücklaufen. Dort angekommen, konnte ich endlich duschen. Es war inzwischen 15 Uhr.
Um 19 Uhr sollte ein After-Dinner in einem Restaurant am Times Square stattfinden. Da ich jetzt schon Hunger hatte, entschied ich mich, bereits vorher in dem asiatischen Imbiss vom Vortag erneut essen zu gehen. Als ich von einem Hotel aus in die unterirdische Subway-Station ging, musste ich feststellen, dass ich auf der falschen Seite des Bahnsteigs war. Um auf die andere Seite zu gelangen, musste ich die komplette Station verlassen und auf der anderen Straßenseite hinuntergehen. Als ich hier mein Ticket durch den Kontrollschlitz zog, erschien die Nachricht „Just used“. Es war also offenbar nicht möglich, das Ticket innerhalb weniger Minuten an derselben Station doppelt zu verwenden. Ich ging auf der Straße zum nächsten Polizisten und erklärte ihm mein Problem. Er zeigte mir einen Eingang zum Subway, wo ein „Guy“ in einem Häuschen sitze, der mir helfen könne. Dieser Angestellte schaltete dann die Gittertür für mich frei. Nun konnte ich zum Union Square fahren.
Ich aß in dem asiatischen Restaurant sehr ausgiebig und hatte daher danach kaum noch Hunger. Trotzdem wollte ich die After-Party nicht verpassen, da ich im Voraus schon Geld dafür bezahlt hatte. Also fuhr im zum Times Square und betrat um 18:45 Uhr das Restaurant. Ich setzte mich an einen Tisch, wo einige Österreicher und ein Schweizer saßen. Als ich dem Schweizer erzählte, dass ich dieses cremige, weiße Zeug am Stil während des Laufes nicht gegessen hatte, sagte er mir, dass es sich dabei um Vaseline gehandelt hatte. Er selber hatte dies auch erst erfahren, als ihn ein Helfer mit dem Satz „That’s nor for eating“ darauf aufmerksam gemacht hatte. Für den Rest des Abends hatte ich nun wieder den ekelhaften Geschmack des Zeugs in meinem Mund. Mir wurde übel bei dem Gedanken, dass ich beinahe eine ganze Portion Vaseline heruntergeschluckt hätte
Da ich schon satt war, ließ ich den größten Teil meines Essens stehen. Einer der Österreicher, welcher eine „Cola light“ orderte, bekam ein Leichtbier. Es ist im Ausland daher geraten, bei Bestellungen genauere Angaben zu machen. Der Schweizer kontrollierte auf seinem Smartphone die Zielzeiten einiger Teilnehmer: Pamela Anderson hatte bei ihrem Marathon-Debüt 5:41 Stunden benötigt, Barbara Meier 3:59 (wollte ursprünglich unter vier Stunden laufen) und Sabrina Mockenhaupt als schnellste Deutsche 2:29 Stunden. Ich selber hatte knapp unter 3:50 Stunden benötigt.
Um 21 Uhr verließen wir das Restaurant wieder. Die anderen Leute nahmen ein Taxi, während ich in die Subway-Station am Times Square hinunterstieg. Leider funktionierte mein Ticket immer noch nicht. Da ich aber schnell in mein Hotelzimmer wollte (ich war schon ziemlich müde) und das nötige Münzgeld bei mir trug, kaufte ich ein Einzelticket und kam damit durch die Gitterschleusen. Der Weg zur Linie 1 war extrem weit, da diese Station sehr groß ist. Gegen 22 Uhr kam ich endlich in meinem Hotel an und legte mich schlafen.
Tag 5
Ich stand gegen sechs Uhr auf, duschte und zog mich an. Auf ein Frühstück verzichtete ich zunächst. Ab sieben Uhr sollte im Zielbereich der Shop für Erinnerungsstücke und für die Medaillengravur geöffnet sein. Wenn man nicht allzu lange anstehen wollte, sollte man frühzeitig dort eintreffen. Ich ging also zur Subway-Station (mein Ticket wurde inzwischen wieder akzeptiert) und fuhr bis zur 66th Street. Von dort aus ging ich zum Central-Park, wo ich nach einer Einlass-Kontrolle die New York Times für stolze $5,50 kaufen konnte. Regulär hätte das Blatt nur $2,50 gekostet, aber die Helfer machten natürlich ein Geschäft daraus, dass diese Zeitung heute sehr nachgefragt sein würde.
Nach dem Anstehen kam ich in den Souvenir-Shop, wo ich mir einen 100-Dollar-Gutschein kaufte, mit dem ich später im Internet Fotos von mir während des Laufes bestellen konnte. Ferner kaufte ich ein T-Shirt, auf dem die Marathonstrecke aufgedruckt war. Ich verließ das Gelände wieder und betrat es zum zweiten Mal, um diesmal zur Medaillengravur zu gehen. Die Schlange dort war nun schon wesentlich länger, obwohl es noch nicht einmal acht Uhr war. Die Gravur kostete 20 Dollar. Ich ging nun endgültig aus dem Zielbereich hinaus und fuhr mit dem Subway zurück nach Downtown Manhattan. Im Subway sprach mich eine Amerikanerin an, die auch am gestrigen Tag gelaufen war. Sie sagte mir, dass sie die Teilnahme an einer Reihe von Marathons in diesem Jahr gebucht und somit einen garantierten Startplatz in New York bekommen hatte.
Als ich zu meinem Hotel zurückging, fiel mir eine obdachlose Frau auf. Ich dachte mir, dass der Finisher-Beutel mit dem Apfel, den Getränken und den Süßigkeiten ja doch nicht in mein Reisegepäck passen würde und ging daher auf mein Zimmer, um ihn herauszunehmen. Vor dem Hotel traf ich die Frau tatsächlich wieder und schenkte ihr den Beutel. Dann frühstückte ich auf dem Hotelzimmer ein paar Sandwiches, die ich im Laden nebenan gekauft hatte.
Ich packte meinen Koffer und räumte das Zimmer. Den Koffer konnte ich an der Rezeption abgeben. Dann ging ich noch einmal zum Subway, um zum Battery-Park zu fahren, um noch einmal einen Blick auf die Küste und die Freiheitsstatue zu werfen. Als ich danach wieder vor meinem Hotel ankam, sah ich erneut die obdachlose Frau und schenkte ihr noch das Subway-Ticket, das noch dreieinhalb Tage gültig war. Dann wartete ich in der Lobby auf den Bus, der mich und andere Sportler nach Newark bringen sollte. Pünktlich um 13:30 Uhr ging es los. Eine angeheuerte Reisebegleiterin erklärte uns noch, dass heute die Bürgermeisterwahlen von New York mit eine Wahlbeteiligung von etwa 30% seien. Nachfolger von Michael Bloomberg sollte voraussichtlich der Demokrat Bill de Blasio werden.
Nach nicht einmal einer Stunde kamen wir am Flughafen Newark im US-Bundesstatt New Jersey an. Von hier aus hat man einen sehr schönen Blick auf die Skyline von Manhattan. Glücklicherweise checkte unsere Reisegruppe sehr früh ein, denn wegen der aufwändigen Kontrollen wurde die Schlange hinter uns immer länger. Bevor wir die Nacktscanner betreten durften, mussten wir sogar Gürtel und Schuhe ausziehen. Um 17:25 Uhr startete dann der Flug nach Frankfurt. Leider saß ich diesmal am Fenster, ich überstand den Flug aber ganz gut. Schlafen konnte ich allerdings überhaupt nicht. Da wir Rückenwind hatten, kamen wir frühzeitig in Frankfurt an. Von hier aus konnte ich zum Hauptbahnhof fahren und frühstücken. Um neun Uhr bestieg ich einen ICE nach Hannover, in dem ich ebenfalls nicht schlafen konnte. Um 12:45 fuhr ich von Hannover aus mit dem ICE nach Bremen los, wo ich eine Stunde später ankam. Als ich zu Hause meinen Koffer geleert und alles aufgeräumt hatte, konnte ich mich endlich schlafen legen.
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