Der siebzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der vierte Hoisbütteler Hasenlauf.
Ich nahm zum zweiten Mal nach 2012 an dieser Veranstaltung teil. An diesem Sonntag wurde auch der Mittelrhein-Marathon ausgetragen, auf den ich diesmal jedoch verzichtete.
Letztes Jahr hatte ich beim Hasenlauf Knieprobleme gehabt und unter den 74 Teilnehmern nur einen Platz im Mittelfeld belegt. Diesmal strebte ich einen Platz unter den ersten dreien an.
Von sommerlichem Wetter gab es noch keine Spur. Die Temperaturen erreichten nur knapp zweistellige Werte. Zusätzlich Sorgen machte mir der Regen, denn beim Hasenlauf handelt es sich um eine Art Waldlauf, welcher nun wohl auf sehr matschigem Boden stattfinden sollte. Ich hoffte jedoch, dass der nächtliche Regen im Bereich Hamburg ausbleiben würde und wir dann auf einigermaßen trockenem Boden laufen könnten. Diese Hoffnung erfüllte sich leider nicht.
Wegen des aufregenden Champions-League-Finales am Vorabend ging ich erst gegen Mitternacht schlafen. Mein Handy klingelte am nächsten Morgen um sechs Uhr. Ich stand auf, frühstückte und packte meine Tasche. Dann nahm ich die gleiche Verbindung, die ich immer nahm, wenn ich Sonntag früh nach Hamburg fuhr: Ich stieg um sieben Uhr in die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo ich die Nordwestbahn zum Bremer Hauptbahnhof nahm. Hier startete um 7:33 Uhr der Metronom nach Hamburg, wo er um Viertel vor neun Uhr am Hauptbahnhof ankam. Gegen neun Uhr bestieg ich die U-Bahnlinie 1 in Richtung Ohlstedt. Nach über einer halben Stunde kam ich in Hoisbüttel an. Den Weg zum Veranstaltungszentrum, einem Schulgelände, kannte ich noch aus dem Vorjahr. Ich legte ihn zusammen mit anderen Läufern zurück, welche mit mir zusammen aus der U-Bahn ausgestiegen waren.
Am Schulgelände angekommen, holte ich meine Startnummer mit dem Zeitmesschip ab, welcher später wieder zurückgegeben werden musste. Ich aß mein mitgebrachtes Brot und zog mich dann in der Umkleidekabine um. Meine Läuferhose hatte ich vor zwei Wochen zum letzten Mal in die Waschmaschine gesteckt und dementsprechend roch sie auch. Obenrum trug ich das Trikot vom Augsburg-Marathon 2012. Da die Taschenabgabestelle nicht überwacht war, steckte ich zumindest meinen Hausschlüssel und sämtliches Papier-Geld in die Taschentücher-Packung, welche ich beim Laufen bei mir trug. Dann stellte ich die Tasche an dem dafür vorgesehenen Platz ab und ging zum Sportplatz, welcher als Startgeraden diente. Zum Glück regnete es im Moment nicht, der Himmel war aber stark bewölkt.
Zehn-Kilometerlauf und Halbmarathon sollten beide zusammen um 10:30 Uhr starten, wobei der letztere Wettbewerb zwei Runden des Kurses umfasste. Ich hatte also keine Chance, festzustellen, auf welcher Position ich mich befand, solange die erste Runde noch nicht beendet war und wir uns zusammen mit den Zehn-Kilometerläufern auf der Strecke befanden.
Pünktlich um halb elf Uhr ging es los. Ich versuchte sofort, einige Plätze gutzumachen, bevor ich den Sportplatz verlassen hatte und auf den – gegenüber dem Vorjahr unveränderten – Kurs einbog. Anfangs liefen wir auf Asphalt. Die Kilometer waren zwar ausgeschildert, aber ich blickte bei dieser komplizierten Strecke nicht durch, so dass ich es sehr schnell aufgab, auf meine Uhr zu schauen. Ich überholte einige Läufer, welche alle eine schwarze Startnummer trugen und somit über die zehn Kilometer antraten. Halbmarathonläufer wie ich hatten eine rote Startnummer.
Nach zwei Kilometern folgte in kleiner Anstieg, welcher meinen Beinen sehr zusetzte. Oben angelangt, ging es zunächst nicht bergab. Ein weiblicher Streckenposten wies uns an einem kleinen Hindernis vorbei, welches ich einfach übersprang. Dann waren wir auf einem sehr engen Wanderweg, der zwar nicht asphaltiert war, aber noch auf sehr festem Boden verlief. Es ging nun ein Stück bergab, wobei ich mir überhaupt keine Mühe gab zu bremsen. Als wir den Bredenbeker Teich erreichten, wurde der Boden langsam unangenehm. Ich musste oft am Rand laufen, um nicht in tiefe Pfützen zu treten. Erst in der zweiten Runde fiel mir auf, wie wahnsinnig dreckig meine Beine geworden waren. Nach einer Viertelstunde erreichte ich den ersten Versorgungspunkt, wo ich einen Becher Wasser bekam.
An der Waldlichtung ging es wieder ein Stück bergab, bevor dann erneut ein sehr unangenehmer Weg folgte. Zu allem Überfluss waren hier auch noch zwei junge Reiterinnen unterwegs, die ihre Pferde offenbar nicht unter Kontrolle hatten. Glücklicherweise gelang es mir und meinen drei Vorderleuten, sie unversehrt zu überholen. Nach einem kurzen Abschnitt über tiefen Sand und dem Passieren einer weiteren Versorgungsstelle bekamen wir wieder Asphalt unter die Füße. Wir waren nun im Ort angelangt und ich musste gleich die zweite Runde beginnen. Auf Höhe der Schule jubelten uns die Zuschauer zu. Während alle meine Vorderleute nach rechts und damit auf die Zielgeraden auf dem Schulgelände abbogen, wies mich ein Streckenposten an, geradeaus zu laufen. Kurz darauf hörte ich ihn diese Weisung wiederholen. Ich hatte also einen anderen Halbmarathonläufer nur wenige Meter hinter mir, mit welchem ich nun um den Platz kämpfte. Um welchen Platz es sich hierbei genau handelte, das wusste ich noch nicht. Meinen Vordermann konnte ich nicht sehen. Ich musste mich nun in der zweiten Runde auf mein Gedächtnis und auf die Streckenposten verlassen, um nicht vom Weg abzuweichen. Es begann nun auch noch zu regnen.
Als ich wieder den Sportplatz erreichte und auf die zweite Runde einbog, bekam ich einen Becher Wasser. Am Ende des Sportplatzes stand wieder ein Streckenposten der mir den Weg zeigte, mir aber keine Auskunft über meine Platzierung gab. Bevor ich dann die Stelle erreichte, wo der Weg steil nach oben führte, kamen mir einige Läufer in langsamem Schritt entgegen. Ich hatte keine Ahnung, um was für Leute es sich hierbei handelte. Auf der Straße nach oben überholte mich ein Auto. Als ich dann oben angekommen war, gab mir der Streckenposten zu erkennen, dass ich mich auf Position drei befand. Dies wurde mir von einem weiteren Streckenposten später noch einmal bestätigt.
Nach und nach gelang es mir, meinen Hintermann abzuhängen. An der großen Waldlichtung hatte ich ihn schon fast aus den Augen verloren, wenn ich mich umdrehte. Die zweite Runde wich nun von der ersten Runde ein wenig ab: Es kam eine Geraden, an deren Ende wir einen Streckenposten umlaufen sollten. Ich hatte nun die Möglichkeit, meinen Vordermann zu sehen, welcher mir entgegenkam. Am Versorgungspunkt wurde mir dann nicht nur bestätigt, dass ich mich auf Position drei befände, sondern auch, dass ich durchaus noch Zweiter werden könnte.
Leider kam dann eine Art Kreuzung, an der ich mir nicht sicher war, ob ich – wie der Pfeil es anzeigte – geradeaus laufen sollte. Ich musste nun ein bisschen warten, und erst als ich sah, dass meine Verfolger ebenfalls geradeaus liefen, ging es für mich mit normaler Geschwindigkeit weiter. Ein daraufhin auftauchender Streckenposten bestätigte mir, dass ich den richtigen Weg gewählt hatte.
Als der Sandboden erreicht war, hatte ich wieder einen einigermaßen beruhigenden Vorsprung. An der letzten Versorgungsstelle bekam ich einen Becher Wasser und dann ging es noch einmal so schnell wie möglich durch das Dorf auf die Schule zu. Ich bog schließlich nach rechts ein und überquerte die Ziellinie. Eine Helferin hängte mir die Medaille um und nahm den Zeitmess-Chip entgegen. Über die Medaille, welche mit einem Aufkleber mit der Aufschrift „4. Hoisbütteler Hasenlauf“ und dem exakten Datum versehen war, war ich ein bisschen überrascht, da es im letzten Jahr keine gegeben hatte. Kurze Zeit später hörte ich, wie einige Zuschauerinnen meinem Hintermann zujubelten und dann enttäuscht sagten: „Oh nein, er ist nur Vierter geworden.“ Die Helferin bestätigte mir, dass ich Dritter geworden sei. Ich hatte knapp unter 90 Minuten gebraucht. Es war nun 12 Uhr. Die Siegerehrung für den Halbmarathon sollte um 13:05 Uhr stattfinden.
Ich ging zunächst auf die Toilette und dann holte ich meine Tasche. In der Umkleidekabine konnte ich mit dem Sieger und dem Zweitplatzierten sprechen. Dann duschte ich und zog mich wieder an. Dabei bemerkte ich auf meinem rechten Knie einige Schwellungen, welche rot waren und juckten. Womöglich war ich während des Laufens mit den falschen Pflanzen in Berührung gekommen. Nach einigen Stunden waren diese Ausschläge aber wieder verschwunden. Neben meinem Körper reinigte ich auch noch meine Schuhe, die heute ganz schön dreckig geworden waren.
Der Regen sollte vorerst nicht aufhören. Ich erlebte nun ein kleines Gewinnspiel, bei welchem jeder teilnehmen konnte, der seine Startnummer nach dem Lauf abgegeben hatte. Ich selber gehörte nicht dazu. Dabei konnte ich sehen, dass ein richtiges Siegertreppchen offenbar nicht vorhanden war. Als die Gewinner des Spiels bekanntgegeben waren, ging ich zu einer Art „Schwarzen Brett“, wo nun auch die Ergebnisse des Halbmarathons aufgehängt waren. Ich war tatsächlich Dritter. Plötzlich fiel mir der Name „Klas P.“ auf, welcher ebenfalls in der Finisher-Liste auftauchte. Handelte es sich dabei um den Schweden Klas, den ich beim Travelauf im März kennengelernt hatte? Wenn ja, dann musste er jetzt irgendwo in der Umgebung zu finden sein. Kaum hatte ich darüber nachgedacht, so kam er mit seiner Partnerin auf mich zu und begrüßte mich. Ich freute mich sehr über dieses unverhoffte Zusammentreffen, als auch schon die Siegerehrung für den Halbmarathon begann und wir uns daher trennen mussten. Ich ging zur aufgebauten Bühne. Zunächst wurden die drei schnellsten Frauen aufgerufen, welche dann ihr eUrkunden und jeweils ein Sachgeschenk bekamen. Dabei wurden fleißig Fotos von ihnen geschossen.
Dann waren die Männer an der Reihe. Als erstes wurde ich als Drittplatzierter aufgerufen. Drei Helfer schüttelten mir die Hand, überreichten mir dann zunächst die Urkunde und danach einen Beutel mit irgendeinem Inhalt. Später sah ich, dass es sich bei dem Inhalt um ein ärmelloses Trikot handelte, an dem noch das Preisschild klebte: 32,00€. Dann wurden der Zweit- und der Erstplatzierte aufgerufen. Nachdem alle ihre Urkunden und Geschenke bekommen hatten, wurden noch einige Fotos gemacht. Dann konnten wir die Bühne wieder verlassen.
Ich ging zu Fuß zur U-Bahn-Haltestelle zurück. Da ich mit dem Heimfahren ein bisschen trödelte, kam ich erst gegen 17 Uhr wieder zu Hause an.
Dienstag, 28. Mai 2013
Mittwoch, 15. Mai 2013
Halbmarathon Mainz 2013-05-12
Der neunundsechzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Novo Nordisk Gutenberg Marathon Mainz.
Es war für mich das erste Mal, dass ich bei dieser Veranstaltung teilnahm. Bei der diesjährigen Auflage sollte es neben den bisherigen Marathon- und Halbmarathonläufen auch einen Zwei-Drittel-Marathon geben. Auch ein Staffellauf für Schülergruppen wurde angeboten, bei dem sich jeweils fünf Läufer die Halbmarathondistanz teilten.
Ich war Samstag angereist und hatte bei meinem Vater in Frankenthal übernachtet. Von 23 bis fünf Uhr morgens konnte ich schlafen, dann wurde ich vom Vogelgezwitscher geweckt. Ich frühstückte und wurde dann zum Frankenthaler Bahnhof gefahren, wo ich um 7:10 Uhr die erste Regionalbahn nach Mainz nahm. Einige Läufer befanden sich schon im Zug und auf der einstündigen Fahrt stiegen – besonders in Oppenheim – viele weitere ein. Auch mehrere Schulklassen waren dabei.
Ich aß während der Fahrt mein zweites Brot. Zwischendurch regnete es ziemlich heftig, aber während des Rennens wurden wir vom Regen verschont. Mir fiel auf, dass die meisten Läufer bereits am Bahnhof „Römisches Theater“ ausstiegen. Ich entschied mich dafür, bis zum Hauptbahnhof zu fahren und von dort aus zur Rheingoldhalle, dem Veranstaltungszentrum, zu gehen.
Dort angekommen, ging ich den anderen Sportlern einfach nach. Es dauerte eine Viertelstunde, bis wir an der Startgeraden ankamen. Die Taschenabgabe war im Erdgeschoss des Parkhauses. Einen Stock weiter oben konnten wir die Startunterlagen in Empfang nehmen. Umgezogen hatte ich mich bereits auf der Zugtoilette. Ich erhielt neben der Startnummer und einigem Werbekram noch einen kleinen Rucksack.
Bisher hatte ich gedacht, dass das Rennen um Punkt neun Uhr starten würde, erfuhr dann jedoch, dass die Handbiker um 9:20 Uhr und die Läufer (alle Disziplinen) um 9:30 Uhr starten sollten. So hatte ich noch genug Zeit, mich an der Schlange vor den Toiletten anzustellen.
Auf meiner Startnummer war ein roter Balken, welcher mich dazu berechtigte, im vordersten Block Platz zu nehmen. Nachdem die Handbiker gestartet waren, konnten wir Läufer vorrücken. Ich sah mich nach Pacemakern um. In meinem Block gab es einen Marathonläufer mit der Zielzeit von drei Stunden, wie ich an seinem Luftballon sehen konnte. An ihm wollte ich mich orientieren.
Das Wetter war nahezu ideal: Es war kühl und bewölkt und der Regen hatte aufgehört. Allerdings musste man aufpassen, nicht in eine Pfütze zu treten.
Um 9:30 Uhr ging es mit einem Konfettiregen los. Der Weg führte erst einmal geradeaus nach Norden, erst am Rhein und dann am Zoll- und Binnenhafen entlang. Der Pacemaker für die Drei-Stunden-Marke blieb erst einmal vor mir. Die ersten drei Kilometerangaben kamen mir falsch vor. Dann überholte ich ein Motorrad, von welchem aus ein Beifahrer einen Läufer mit Mikrofon filmte, der gerade ein Interview gab und dies bei einer beachtlichen Geschwindigkeit.
Nach drei Kilometern bogen wir links ab auf das Werksgeländer der Firma Schott, einer der Sponsoren des Marathons. Hier war die erste Versorgungsstelle, wo ich einen Becher Wasser bekam.
Auf der anderen Seite des Geländes befand sich der Stadtteil Mombach. Wir unterquerten nun zweimal die Bahnlinie in Richtung Koblenz, bevor der nördlichste Punkt der Strecke erreicht war. Kurz davor befand sich der erste Staffelwechselpunkt, wo die einzelnen Schülergruppen mit Schildern, auf denen der Name der Schule stand, gekennzeichnet waren. Nun ging es wieder zurück. Ich spürte ein leichtes Seitenstechen und musste daher langsamer machen. Dabei überholten mich immer mehr Läufer.
Ein paar hundert Meter lang waren wir nun auf einer Straße, auf deren Gegenseite uns das hintere Läuferfeld entgegenkam. Am nächsten Versorgungspunkt überholte ich die langsamste Handbikerin. Dann folgte ein Abstecher in die Mainzer Innenstadt mit Fußgängerzone.
Die Verpflegung war mehr als ausreichend, fast nach jedem Kilometer gab es Wasser zu trinken. Nach einer Umquerung der Christuskirche konnte ich erneut für kurze Zeit das Läuferfeld hinter mir sehen. Im nun folgenden Teil der Innenstadt überholte ich den Pacemaker für die Drei-Stunden-Marke.
Als wir den Bahnhof „Römisches Theater“ erreicht hatten, folgte der letzte Streckenabschnitt: Es ging ein Stück am Rhein entlang nach Süden bis zum Wendepunkt und dann auf der gleichen Straße wieder zurück. Nun konnte ich das Läuferfeld vor mir sehen: Mehrere Polizei-Motorräder begleiteten zwei dunkelhäutige Sportler, an deren Startnummern ich erkennen konnte, dass sie den gesamten Marathon absolvierten. Nach einigen weiteren männlichen Läufern folgten zwei Radfahrer, welche Plakate mit der Aufschrift „1. Frau“ und „2. Frau“ trugen. Sie begleiteten jeweils dunkelhäutige Läuferinnen. Ein Radfahrer mit der Aufschrift „3. Frau“ begleitete die schnellste hellhäutige Sportlerin.
Kurz vor dem Wendepunkt, wo auch der letzte Staffelwechselpunkt war, ließ ich erstmals eine Versorgungsstelle aus. Ich befand mich nun ungefähr bei Kilometer 17. Nun konnte ich minutenlang das Läuferfeld hinter mir sehen. Inzwischen wurde ich auch nicht mehr von anderen Leuten überholt. Es ging nun nur noch geradeaus.
Einen Kilometer vor dem Ziel kam mir eine Gruppe von Läufern entgegen, die sich als Karnevalsjecken verkleidet hatten. Nach einer leichten Rechtskurve war ich dann schon auf der Zielgeraden. Die Marathon- und Zwei-Drittel-Marathonläufer mussten sich links halten, um nach einer Runde durch Kostheim (rechtsrheinisch) ins Ziel zu gelangen oder (beim ganzen Marathon) noch einmal die Nordschleife abzulaufen.
Auf dem letzten Kilometer gab ich noch einmal alles und spürte einen stechenden Schmerz in meiner Brust. Bei einer Nettozeit zwischen 1:27h und 1:28h überquerte ich erschöpft die Ziellinie. Hier standen lauter dunkelhäutige Männer, von denen mir einer die Medaille überreichte: Sie hing an einem türkisfarbenen Band. Auf der Vorderseite war die Rheinbrücke eingraviert, welche nur beim Marathon und beim Zwei-Drittel-Marathon überquert wurde. Es stand geschrieben: „Novo Nordisk Gutenberg Marathon Mainz 12. Mai 2013“. Auf der Rückseite stand „Halbmarathon 2013 Schott“. Man hatte also tatsächlich Medaillen für die verschiedenen Disziplinen im Angebot. Gemessen an den hohen Startgebühren war dies auch zu erwarten gewesen.
Ich nahm mir ein Erdinger Alkoholfrei und setzte mich auf den Boden. Es ging mir nicht gut. Das Stechen in der Brust währte noch eine halbe Stunde lang und ich musste immer wieder husten.
Ich holte meine Tasche ab und ließ mich von einem anderen Sportler zu den Duschanlagen direkt am Rhein führen. Diese befanden sich in Zelten. Im vorderen Bereich konnte ich mich umziehen, im hinteren Bereich duschen. Das Wasser stand bereits etwa zehn Zentimeter hoch.
Als ich wieder umgezogen war, ging ich zum Bahnhof zurück. Ein Italiener, der auch mitgelaufen war, begleitete mich. Ich kaufte mir zunächst bei McDoof etwas zu essen und nachdem ich dieses Essen verzehrt hatte, kam um 12:20 Uhr auch schon der Intercity nach Bremen. Gegen 18:30 Uhr kam ich todmüde wieder zu Hause an.
Der Novo Nordisk Gutenberg Marathon Mainz.
Es war für mich das erste Mal, dass ich bei dieser Veranstaltung teilnahm. Bei der diesjährigen Auflage sollte es neben den bisherigen Marathon- und Halbmarathonläufen auch einen Zwei-Drittel-Marathon geben. Auch ein Staffellauf für Schülergruppen wurde angeboten, bei dem sich jeweils fünf Läufer die Halbmarathondistanz teilten.
Ich war Samstag angereist und hatte bei meinem Vater in Frankenthal übernachtet. Von 23 bis fünf Uhr morgens konnte ich schlafen, dann wurde ich vom Vogelgezwitscher geweckt. Ich frühstückte und wurde dann zum Frankenthaler Bahnhof gefahren, wo ich um 7:10 Uhr die erste Regionalbahn nach Mainz nahm. Einige Läufer befanden sich schon im Zug und auf der einstündigen Fahrt stiegen – besonders in Oppenheim – viele weitere ein. Auch mehrere Schulklassen waren dabei.
Ich aß während der Fahrt mein zweites Brot. Zwischendurch regnete es ziemlich heftig, aber während des Rennens wurden wir vom Regen verschont. Mir fiel auf, dass die meisten Läufer bereits am Bahnhof „Römisches Theater“ ausstiegen. Ich entschied mich dafür, bis zum Hauptbahnhof zu fahren und von dort aus zur Rheingoldhalle, dem Veranstaltungszentrum, zu gehen.
Dort angekommen, ging ich den anderen Sportlern einfach nach. Es dauerte eine Viertelstunde, bis wir an der Startgeraden ankamen. Die Taschenabgabe war im Erdgeschoss des Parkhauses. Einen Stock weiter oben konnten wir die Startunterlagen in Empfang nehmen. Umgezogen hatte ich mich bereits auf der Zugtoilette. Ich erhielt neben der Startnummer und einigem Werbekram noch einen kleinen Rucksack.
Bisher hatte ich gedacht, dass das Rennen um Punkt neun Uhr starten würde, erfuhr dann jedoch, dass die Handbiker um 9:20 Uhr und die Läufer (alle Disziplinen) um 9:30 Uhr starten sollten. So hatte ich noch genug Zeit, mich an der Schlange vor den Toiletten anzustellen.
Auf meiner Startnummer war ein roter Balken, welcher mich dazu berechtigte, im vordersten Block Platz zu nehmen. Nachdem die Handbiker gestartet waren, konnten wir Läufer vorrücken. Ich sah mich nach Pacemakern um. In meinem Block gab es einen Marathonläufer mit der Zielzeit von drei Stunden, wie ich an seinem Luftballon sehen konnte. An ihm wollte ich mich orientieren.
Das Wetter war nahezu ideal: Es war kühl und bewölkt und der Regen hatte aufgehört. Allerdings musste man aufpassen, nicht in eine Pfütze zu treten.
Um 9:30 Uhr ging es mit einem Konfettiregen los. Der Weg führte erst einmal geradeaus nach Norden, erst am Rhein und dann am Zoll- und Binnenhafen entlang. Der Pacemaker für die Drei-Stunden-Marke blieb erst einmal vor mir. Die ersten drei Kilometerangaben kamen mir falsch vor. Dann überholte ich ein Motorrad, von welchem aus ein Beifahrer einen Läufer mit Mikrofon filmte, der gerade ein Interview gab und dies bei einer beachtlichen Geschwindigkeit.
Nach drei Kilometern bogen wir links ab auf das Werksgeländer der Firma Schott, einer der Sponsoren des Marathons. Hier war die erste Versorgungsstelle, wo ich einen Becher Wasser bekam.
Auf der anderen Seite des Geländes befand sich der Stadtteil Mombach. Wir unterquerten nun zweimal die Bahnlinie in Richtung Koblenz, bevor der nördlichste Punkt der Strecke erreicht war. Kurz davor befand sich der erste Staffelwechselpunkt, wo die einzelnen Schülergruppen mit Schildern, auf denen der Name der Schule stand, gekennzeichnet waren. Nun ging es wieder zurück. Ich spürte ein leichtes Seitenstechen und musste daher langsamer machen. Dabei überholten mich immer mehr Läufer.
Ein paar hundert Meter lang waren wir nun auf einer Straße, auf deren Gegenseite uns das hintere Läuferfeld entgegenkam. Am nächsten Versorgungspunkt überholte ich die langsamste Handbikerin. Dann folgte ein Abstecher in die Mainzer Innenstadt mit Fußgängerzone.
Die Verpflegung war mehr als ausreichend, fast nach jedem Kilometer gab es Wasser zu trinken. Nach einer Umquerung der Christuskirche konnte ich erneut für kurze Zeit das Läuferfeld hinter mir sehen. Im nun folgenden Teil der Innenstadt überholte ich den Pacemaker für die Drei-Stunden-Marke.
Als wir den Bahnhof „Römisches Theater“ erreicht hatten, folgte der letzte Streckenabschnitt: Es ging ein Stück am Rhein entlang nach Süden bis zum Wendepunkt und dann auf der gleichen Straße wieder zurück. Nun konnte ich das Läuferfeld vor mir sehen: Mehrere Polizei-Motorräder begleiteten zwei dunkelhäutige Sportler, an deren Startnummern ich erkennen konnte, dass sie den gesamten Marathon absolvierten. Nach einigen weiteren männlichen Läufern folgten zwei Radfahrer, welche Plakate mit der Aufschrift „1. Frau“ und „2. Frau“ trugen. Sie begleiteten jeweils dunkelhäutige Läuferinnen. Ein Radfahrer mit der Aufschrift „3. Frau“ begleitete die schnellste hellhäutige Sportlerin.
Kurz vor dem Wendepunkt, wo auch der letzte Staffelwechselpunkt war, ließ ich erstmals eine Versorgungsstelle aus. Ich befand mich nun ungefähr bei Kilometer 17. Nun konnte ich minutenlang das Läuferfeld hinter mir sehen. Inzwischen wurde ich auch nicht mehr von anderen Leuten überholt. Es ging nun nur noch geradeaus.
Einen Kilometer vor dem Ziel kam mir eine Gruppe von Läufern entgegen, die sich als Karnevalsjecken verkleidet hatten. Nach einer leichten Rechtskurve war ich dann schon auf der Zielgeraden. Die Marathon- und Zwei-Drittel-Marathonläufer mussten sich links halten, um nach einer Runde durch Kostheim (rechtsrheinisch) ins Ziel zu gelangen oder (beim ganzen Marathon) noch einmal die Nordschleife abzulaufen.
Auf dem letzten Kilometer gab ich noch einmal alles und spürte einen stechenden Schmerz in meiner Brust. Bei einer Nettozeit zwischen 1:27h und 1:28h überquerte ich erschöpft die Ziellinie. Hier standen lauter dunkelhäutige Männer, von denen mir einer die Medaille überreichte: Sie hing an einem türkisfarbenen Band. Auf der Vorderseite war die Rheinbrücke eingraviert, welche nur beim Marathon und beim Zwei-Drittel-Marathon überquert wurde. Es stand geschrieben: „Novo Nordisk Gutenberg Marathon Mainz 12. Mai 2013“. Auf der Rückseite stand „Halbmarathon 2013 Schott“. Man hatte also tatsächlich Medaillen für die verschiedenen Disziplinen im Angebot. Gemessen an den hohen Startgebühren war dies auch zu erwarten gewesen.
Ich nahm mir ein Erdinger Alkoholfrei und setzte mich auf den Boden. Es ging mir nicht gut. Das Stechen in der Brust währte noch eine halbe Stunde lang und ich musste immer wieder husten.
Ich holte meine Tasche ab und ließ mich von einem anderen Sportler zu den Duschanlagen direkt am Rhein führen. Diese befanden sich in Zelten. Im vorderen Bereich konnte ich mich umziehen, im hinteren Bereich duschen. Das Wasser stand bereits etwa zehn Zentimeter hoch.
Als ich wieder umgezogen war, ging ich zum Bahnhof zurück. Ein Italiener, der auch mitgelaufen war, begleitete mich. Ich kaufte mir zunächst bei McDoof etwas zu essen und nachdem ich dieses Essen verzehrt hatte, kam um 12:20 Uhr auch schon der Intercity nach Bremen. Gegen 18:30 Uhr kam ich todmüde wieder zu Hause an.
Dienstag, 7. Mai 2013
Halbmarathon Hannover 2013-05-05
Der achtundsechzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der TUI-Marathon Hannover.
Bereits zum vierten Mal nahm ich an dieser Veranstaltung teil. Seit 2010 hatte ich jedes Mal den Halbmarathon absolviert.
Ich wurde um fünf Uhr morgens vom ersten Vogelgezwitscher geweckt. Als um sechs Uhr mein Wecker klingelte, war ich endgültig wach. Ich stand auf, frühstückte und packte meine Tasche. Ich zog sofort meine Laufschuhe an. Für den Rückweg packte ich Sandalen ein, da es heute sehr warm werden sollte.
Der Marathon startete um neun Uhr, der Halbmarathon erst um Viertel vor elf Uhr. Ich würde also in der Mittagshitze laufen müssen. Im Vorjahr war es noch ein bisschen kühler gewesen, was mir damals eine neue persönliche Bestzeit ermöglicht hatte. Daran war heute nicht zu denken.
Um 7:40 Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Dort kaufte ich zunächst eine Fahrkarte für die große Marathon-Nacht in Rostock (Anfang August) und ging dann auf die Toilette. Hier war das Klopapier so schwer zugänglich, dass ich beim Versuch, es in die Hand zu bekommen, eine erste kleine Wunde am rechten Zeigefinger davontrug. Dann ging ich an Gleis sieben und bestieg den Regionalexpress nach Hannover. Hier waren schon die ersten Läufer und während der Fahrt stiegen immer weitere zu.
Auf der Zugtoilette zog ich meine Läuferhose an. Obenrum trug ich das Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2012. Die Spezialsonnenbrille setzte ich zunächst auf, denn es war keine Wolke am Himmel zu sehen.
Der Regionalexpress kam pünktlich um 9:40 Uhr in Hannover an. Vom Hauptbahnhof aus ging ich zu Fuß zum Veranstaltungszentrum am Neuen Rathaus. Am Kröpcke-Platz konnte ich nun, wie jedes Jahr, das Spitzenfeld des Marathons sehen, welches mir entgegenkam.
Am Veranstaltungsgelände war alles wie in den Vorjahren: Auf der Sportmesse im großen Zelt konnte ich meine Startunterlagen abholen. Meine Startnummer hatte einen roten Balken, doch bis jetzt wusste ich noch nicht, in welchen Startblock mich das zuordnete.
Ich aß mein mitgebrachtes Brot und das Stück Traubenzucker, welches in den Startunterlagen enthalten war. Dann steckte ich meine Tasche in den Starterbeutel und gab diesen beim dafür vorgesehenen LKW ab. Ein anderer Läufer erklärte mir, dass mein roter Startbalken mich für den zweitschnellsten Startblock berechtigte.
Es war so hell, dass ich die Sonnenbrille während des ganzen Rennens nicht mehr abnahm. Ich nahm die Unterführung unter dem Friedrichswall, welcher als Startgeraden diente, um auf die andere Seite der Straße zu gelangen. Die Läufer waren durch Gitter von den Zuschauern getrennt. An einem Durchlasstor stand ein Mann in Rugby-Kleidung. Als ich ihm den roten Balken zeigte, ließ er mich durch. Ich befand mich nun wirklich sehr weit vorne im Starterfeld. Einige Meter vor mir war ein Pacemaker für 1:30h-Marke.
Pünktlich um 9:45 Uhr ging es los. Die Strecke war die gleiche wie in den Vorjahren. Den 1:30h-Pacemaker überholte ich nach wenigen hundert Metern. Nach einem kurzen Stück westlich ging es zum Maschsee, wo wir an einer jubelnden Zuschauermenge nach rechts abbogen und dann östlich am Maschsee entlangliefen. Diese ersten beiden Kilometer hatte ich in knapp über acht Minuten absolviert. Eng war es nicht, da ich im Läuferfeld weit vorne war. Allerdings sehnte ich mich jetzt schon nach der erste Erfrischungsstelle, denn ich hatte seit der Abgabe meines Kleiderbeutels nichts mehr getrunken und es waren wahrscheinlich schon 20°C.
Am Ende des Sees kam dann die Versorgungsstelle, wo ich einen Becher Wasser zu mir nahm. Dann war die Brücke mit den S-Bahn-Schienen erreicht, wo die Marathonis vor über einer Stunde geradeaus gelaufen waren, wir aber nach links abbogen. Und dann ging es zurück in Richtung Innenstadt.
Wir befanden uns neben den Straßenbahnschienen. Eine Straßenbahn in Richtung Langenhagen überholte uns und zahlreiche Zuschauer jubelten uns zu. An der zweiten Versorgungsstelle nahm ich wieder einen Becher Wasser. Ich ließ keine Station aus, denn mir rann bereits der Schweiß von der Stirn.
Dann war die Innenstadt, Kröpcke, erreicht. Es ging zum Hauptbahnhof und durch eine Unterführung unter den Bahngleisen hindurch. Als ich meine Taschentücher-Packung nahm, schnitt ich mir mit dem Fingernagel in den linken Daumen. Ich hatte nun eine zweite kleine Wunde. Ferner spürte ich Schmerzen am mittleren Zeh des rechten Fußes, wollte aber wegen dieses Vorfalles nicht anhalten und Zeit vergeuden.
Als ich Kilometer elf erreicht hatte, überholte ich einen sehr langsamen Sportler. Es handelte sich dabei um den langsamsten Marathon-Läufer. Von nun an sollte das Feld wieder ein bisschen dichter werden, denn nun musste ich weitere dieser Läufer überholen. Kurz darauf überholte ich den Marathon-Pacemaker für die 4:30h-Marke. Dieser Läufer hatte offenbar Probleme bekommen und konnte seine vorgegebene Zeit nicht mehr einhalten.
Es folgten weitere Stellen, wo der Marathon- vom Halbmarathonkurs abwich, um dann sofort wieder dazu zustoßen. An einer der nächsten Versorgungsstellen nahm ich mir zuerst einen Becher Wasser und dann einen Becher Cola. Es war inzwischen Mittag und sehr warm geworden. Ich überholte nun den Pacemaker des Marathons für die 4:45h-Marke.
Dann erreichte ich die Herrenhäuser Gärten. Hier machte eine Digitalanzeige darauf aufmerksam, dass die Marathonläufer sich nun rechts und die Halbmarathonläufer links zu halten hatten. Ich sah die Marathonis an einem Punkt rechts abbiegen und durch die Gärten laufen und direkt dahinter wieder auf unsere Strecke dazu stoßen.
Nach einer Unterführung unter einer Autobahnbrücke hindurch folgte der letzte Streckenabschnitt. Ich hatte noch die Möglichkeit, schneller als im letzten Jahr zu sein. Auf dem vorletzten Kilometer zog ich mein Trikot aus. Auf der Zielgeraden versuchte ich, noch ein bisschen schneller zu werden. Bei einer Nettozeit von knapp unter 89 Minuten erreichte ich die Ziellinie, wo ein Läufer gerade vom Rettungsteam behandelt wurde.
Hinter einer Kurve wurde mir die Medaille übergeben. Es gab Medaillen an roten und an gelben Bändern. Wie jedes Jahr waren die gelben Bänder für den Halbmarathon, die roten für den Marathon. Die Form des Metallstückes war diesmal elliptisch. Auf der Vorderseite waren Gebäude von Hannover dreidimensional aufgetragen. Darüber stand: „TUI Marathon Hannover 4. + 5. Mai 2013“. Die Rückseite war leer.
Ich nahm mir nun Wasser zu trinken und Obst zu essen. Dann holte ich meinen Kleiderbeutel ab. Im Gegensatz zum Vorjahr gab es diesmal nur ein Zelt mit Duschen. Vier Duschen für mehrere tausend Sportler. Was für ein Glück, dass ich so schnell fertig geworden war mit dem Halbmarathon, denn ich musste nur kurz anstehen. Als ich mich dann wieder anzog, füllte sich das Zelt immer mehr. An einem Zeh hatte ich eine zusätzliche Wunde davongetragen.
Ich ging nun zur unterirdischen Straßenbahnhaltestelle, wo gerade eine Bahn zum Hauptbahnhof bereitstand. Über Wunstorf kam ich zurück nach Bremen. Gegen 15 Uhr war ich wieder zu Hause.
Der TUI-Marathon Hannover.
Bereits zum vierten Mal nahm ich an dieser Veranstaltung teil. Seit 2010 hatte ich jedes Mal den Halbmarathon absolviert.
Ich wurde um fünf Uhr morgens vom ersten Vogelgezwitscher geweckt. Als um sechs Uhr mein Wecker klingelte, war ich endgültig wach. Ich stand auf, frühstückte und packte meine Tasche. Ich zog sofort meine Laufschuhe an. Für den Rückweg packte ich Sandalen ein, da es heute sehr warm werden sollte.
Der Marathon startete um neun Uhr, der Halbmarathon erst um Viertel vor elf Uhr. Ich würde also in der Mittagshitze laufen müssen. Im Vorjahr war es noch ein bisschen kühler gewesen, was mir damals eine neue persönliche Bestzeit ermöglicht hatte. Daran war heute nicht zu denken.
Um 7:40 Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Dort kaufte ich zunächst eine Fahrkarte für die große Marathon-Nacht in Rostock (Anfang August) und ging dann auf die Toilette. Hier war das Klopapier so schwer zugänglich, dass ich beim Versuch, es in die Hand zu bekommen, eine erste kleine Wunde am rechten Zeigefinger davontrug. Dann ging ich an Gleis sieben und bestieg den Regionalexpress nach Hannover. Hier waren schon die ersten Läufer und während der Fahrt stiegen immer weitere zu.
Auf der Zugtoilette zog ich meine Läuferhose an. Obenrum trug ich das Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2012. Die Spezialsonnenbrille setzte ich zunächst auf, denn es war keine Wolke am Himmel zu sehen.
Der Regionalexpress kam pünktlich um 9:40 Uhr in Hannover an. Vom Hauptbahnhof aus ging ich zu Fuß zum Veranstaltungszentrum am Neuen Rathaus. Am Kröpcke-Platz konnte ich nun, wie jedes Jahr, das Spitzenfeld des Marathons sehen, welches mir entgegenkam.
Am Veranstaltungsgelände war alles wie in den Vorjahren: Auf der Sportmesse im großen Zelt konnte ich meine Startunterlagen abholen. Meine Startnummer hatte einen roten Balken, doch bis jetzt wusste ich noch nicht, in welchen Startblock mich das zuordnete.
Ich aß mein mitgebrachtes Brot und das Stück Traubenzucker, welches in den Startunterlagen enthalten war. Dann steckte ich meine Tasche in den Starterbeutel und gab diesen beim dafür vorgesehenen LKW ab. Ein anderer Läufer erklärte mir, dass mein roter Startbalken mich für den zweitschnellsten Startblock berechtigte.
Es war so hell, dass ich die Sonnenbrille während des ganzen Rennens nicht mehr abnahm. Ich nahm die Unterführung unter dem Friedrichswall, welcher als Startgeraden diente, um auf die andere Seite der Straße zu gelangen. Die Läufer waren durch Gitter von den Zuschauern getrennt. An einem Durchlasstor stand ein Mann in Rugby-Kleidung. Als ich ihm den roten Balken zeigte, ließ er mich durch. Ich befand mich nun wirklich sehr weit vorne im Starterfeld. Einige Meter vor mir war ein Pacemaker für 1:30h-Marke.
Pünktlich um 9:45 Uhr ging es los. Die Strecke war die gleiche wie in den Vorjahren. Den 1:30h-Pacemaker überholte ich nach wenigen hundert Metern. Nach einem kurzen Stück westlich ging es zum Maschsee, wo wir an einer jubelnden Zuschauermenge nach rechts abbogen und dann östlich am Maschsee entlangliefen. Diese ersten beiden Kilometer hatte ich in knapp über acht Minuten absolviert. Eng war es nicht, da ich im Läuferfeld weit vorne war. Allerdings sehnte ich mich jetzt schon nach der erste Erfrischungsstelle, denn ich hatte seit der Abgabe meines Kleiderbeutels nichts mehr getrunken und es waren wahrscheinlich schon 20°C.
Am Ende des Sees kam dann die Versorgungsstelle, wo ich einen Becher Wasser zu mir nahm. Dann war die Brücke mit den S-Bahn-Schienen erreicht, wo die Marathonis vor über einer Stunde geradeaus gelaufen waren, wir aber nach links abbogen. Und dann ging es zurück in Richtung Innenstadt.
Wir befanden uns neben den Straßenbahnschienen. Eine Straßenbahn in Richtung Langenhagen überholte uns und zahlreiche Zuschauer jubelten uns zu. An der zweiten Versorgungsstelle nahm ich wieder einen Becher Wasser. Ich ließ keine Station aus, denn mir rann bereits der Schweiß von der Stirn.
Dann war die Innenstadt, Kröpcke, erreicht. Es ging zum Hauptbahnhof und durch eine Unterführung unter den Bahngleisen hindurch. Als ich meine Taschentücher-Packung nahm, schnitt ich mir mit dem Fingernagel in den linken Daumen. Ich hatte nun eine zweite kleine Wunde. Ferner spürte ich Schmerzen am mittleren Zeh des rechten Fußes, wollte aber wegen dieses Vorfalles nicht anhalten und Zeit vergeuden.
Als ich Kilometer elf erreicht hatte, überholte ich einen sehr langsamen Sportler. Es handelte sich dabei um den langsamsten Marathon-Läufer. Von nun an sollte das Feld wieder ein bisschen dichter werden, denn nun musste ich weitere dieser Läufer überholen. Kurz darauf überholte ich den Marathon-Pacemaker für die 4:30h-Marke. Dieser Läufer hatte offenbar Probleme bekommen und konnte seine vorgegebene Zeit nicht mehr einhalten.
Es folgten weitere Stellen, wo der Marathon- vom Halbmarathonkurs abwich, um dann sofort wieder dazu zustoßen. An einer der nächsten Versorgungsstellen nahm ich mir zuerst einen Becher Wasser und dann einen Becher Cola. Es war inzwischen Mittag und sehr warm geworden. Ich überholte nun den Pacemaker des Marathons für die 4:45h-Marke.
Dann erreichte ich die Herrenhäuser Gärten. Hier machte eine Digitalanzeige darauf aufmerksam, dass die Marathonläufer sich nun rechts und die Halbmarathonläufer links zu halten hatten. Ich sah die Marathonis an einem Punkt rechts abbiegen und durch die Gärten laufen und direkt dahinter wieder auf unsere Strecke dazu stoßen.
Nach einer Unterführung unter einer Autobahnbrücke hindurch folgte der letzte Streckenabschnitt. Ich hatte noch die Möglichkeit, schneller als im letzten Jahr zu sein. Auf dem vorletzten Kilometer zog ich mein Trikot aus. Auf der Zielgeraden versuchte ich, noch ein bisschen schneller zu werden. Bei einer Nettozeit von knapp unter 89 Minuten erreichte ich die Ziellinie, wo ein Läufer gerade vom Rettungsteam behandelt wurde.
Hinter einer Kurve wurde mir die Medaille übergeben. Es gab Medaillen an roten und an gelben Bändern. Wie jedes Jahr waren die gelben Bänder für den Halbmarathon, die roten für den Marathon. Die Form des Metallstückes war diesmal elliptisch. Auf der Vorderseite waren Gebäude von Hannover dreidimensional aufgetragen. Darüber stand: „TUI Marathon Hannover 4. + 5. Mai 2013“. Die Rückseite war leer.
Ich nahm mir nun Wasser zu trinken und Obst zu essen. Dann holte ich meinen Kleiderbeutel ab. Im Gegensatz zum Vorjahr gab es diesmal nur ein Zelt mit Duschen. Vier Duschen für mehrere tausend Sportler. Was für ein Glück, dass ich so schnell fertig geworden war mit dem Halbmarathon, denn ich musste nur kurz anstehen. Als ich mich dann wieder anzog, füllte sich das Zelt immer mehr. An einem Zeh hatte ich eine zusätzliche Wunde davongetragen.
Ich ging nun zur unterirdischen Straßenbahnhaltestelle, wo gerade eine Bahn zum Hauptbahnhof bereitstand. Über Wunstorf kam ich zurück nach Bremen. Gegen 15 Uhr war ich wieder zu Hause.
Dienstag, 30. April 2013
Marathon Hamburg 2013-04-21
Der sechste Marathon meines Lebens.
Der Hamburg-Marathon.
Um meine Knie nicht überzustrapazieren hatte ich für das Frühjahr nur einen Marathon gebucht und für das Wochenende danach überhaupt keine Laufveranstaltung vorgesehen. So wollte ich eine mögliche Regenerationsphase haben, falls (wie im letzten Jahr in Mannheim) nach dem Marathon Probleme an den Knien auftreten würden. Da der Marathon an der Deutschen Weinstraße nur alle zwei Jahre stattfand, hatte ich mich dazu entschieden, an diesem Wochenende in Hamburg zu laufen, dem größten Frühjahrsmarathon in Deutschland. Im Dezember hatte ich bei Runners Point ein paar Schuhe für etwa 160 Euro gekauft. Diese Schuhe hatte ich für langsame Läufe auf langen Strecken vorgesehen und bereits beim Halbmarathon durch das Alte Land in Neugraben getestet.
Als am Montag beim Boston-Marathon der Anschlag stattfand, befürchtete ich, dass die Veranstaltung in Hamburg vielleicht abgesagt werden könnte. Dies war aber zum Glück nicht der Fall. Bereits am Freitagvormittag fuhr ich zu den Messehallen und holte mir die Startunterlagen ab. Ein Trikot war leider nicht enthalten bzw. man musste extra dafür bezahlen. Stattdessen wurden Papier-Armbänder in den Farben des Boston-Marathons vergeben. Das Veranstaltungszentrum mit Start- und Zielgeraden lag an den Messehallen, deren Größe ich nun eindrucksvoll vor Augen geführt bekam. Leider hatte ich mich an diesem Tag etwas leicht angezogen und wurde von der Kälte überrascht, denn die Temperaturen hatten wieder nachgelassen. Ich befürchtete, krank zu werden, was einer Katastrophe gleichgekommen wäre, denn ich hatte mich ein halbes Jahr lang auf dieses Event gefreut. Insgesamt sah ich dem Marathon jedoch zuversichtlich entgegen. In den letzten Jahren war Ende April in Deutschland immer eine Phase gewesen, in der es ziemlich warm gewesen war. In dieser Phase fand immer der Hamburg-Marathon statt. Schon im letzten Jahr hatte ich darüber nachgedacht, mich kurzfristig anzumelden, aber die hohen Temperaturen gaben mir letztendlich Recht in der Entscheidung, darauf zu verzichten. Nun war ich froh, dass ausgerechnet dieses Jahr die Temperaturen Ende April ein bisschen niedriger sein sollten.
In der Nacht auf Sonntag wachte ich gegen vier Uhr in der Frühe auf, weil einige Besoffene an meiner Wohnung vorbeikamen. Ich stellte beruhigt fest, dass ich körperlich gesund war. Um fünf Uhr stand ich auf, frühstückte und packte meinen Starterbeutel. Ich ging zur Straßenbahn, mit der ich um kurz nach sechs Uhr in Richtung Hauptbahnhof losfuhr, denn der Marathon sollte schon um neun Uhr starten. Andere Läufer sah ich hier noch keine. Am Hauptbahnhof ging ich zu Gleis neun, wo der Metronom nach Hamburg bereit stand. Als ich die Treppe zum Gleich hochging, sah ich drei chinesische Arbeitskollegen von mir. Sie wollten ebenfalls nach Hamburg, aber nicht zum Marathon, sondern zum Fischmarkt. Wir fuhren 70 Minuten lang zusammen und ich erklärte ihnen in englischer Sprache, um welche Uhrzeit ich voraussichtlich am Fischmarkt vorbeikommen würde. Am Hauptbahnhof Hamburg trennten wir uns dann, und ich ging mit einem der zahlreichen anderen Marathonläufer (Im Metronom waren praktisch nur Passagiere mit dem weißen Starterbeutel), Matthias, welcher auch in Bremen wohnte, zur unterirdischen S-Bahn-Station, wo wir auf die S-Bahn nach Hamburg-Dammtor warteten. Matthias war gebürtiger Hamburger und hatte bereits letztes Jahr am Hamburg-Marathon teilgenommen, während es für mich das erste Mal war.
Zusammen mit den anderen Läufern stiegen wir am Bahnhof Dammtor auf, wo ich zunächst die Toilette aufsuchte. Dann führte Matthias mich durch die Parkanlage „Planten un Blomen“ zur Start- und Zielgeraden, direkt südlich des Fernsehturmes. Im Park aß ich mein mitgebrachtes Brot, dann zog ich mich um und wir gingen zusammen in die Messehallen, in deren Innenhof die Beutelabgabe war. Es war wegen der Menschenmassen schwierig, hier ein Durchkommen zu finden und sich nicht aus den Augen zu verlieren. Leider hatte ich meine Zahnpflegekaugummis vergessen, was unangenehm war, da ich ja gerade noch mein Brot gegessen hatte.
Als wir etwa eine Viertelstunde vor dem Start die Messehallen wieder verließen, mussten wir beide noch einmal auf die Toilette. Wir stellten uns in einer langen Schlange vor den Dixi-Klos an. Drei Minuten vor dem Start (Handbiker und Rollstuhlfahrer waren schon um 8:50 Uhr losgefahren) waren wir an der Reihe. Ich verabschiedete mich von Matthias und als ich das Klo wieder verlassen hatte, war es noch eine Minute bis zum Start. Als ich in meinen Starblock „H“ (zugewiesen nach der erwarteten Zielzeit von 3:45 Stunden) gehen wollte, fiel mir eine Frau mit Handtasche auf. Ich fragte sie, ob sie vielleicht ein Zahnpflegekaugummi für mich hätte. Sie gab mir tatsächlich eines. Damit war eines der größten Probleme heute schon gelöst.
Ich erreichte den Zugang zu meinem Startblock. Allerdings gab es einige Pausen zwischen dem Start einzelner Blockgruppen. Dies führte dazu, dass ich erst nach etwa zwölf Minuten die Startlinie mit dem roten Teppich (dieser war für den Zieleinlauf vorgesehen) überquerte. Ich trug obenrum das Trikot vom Bremen-Marathon 2011 und hatte zwar keine Kappe, aber meine Spezialsonnenbrille dabei, denn es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. Nun hatte der Hamburg-Marathon für mich begonnen!
Auf den ersten Metern der Strecke war ein roter Teppich ausgerollt, den wir dann beim Erreichen des Ziels noch einmal überlaufen würden. Die ersten Meter führten vom Fernsehturm weg nach Süden und dann folgte eine große Straßenkreuzung, an der wir nach rechts abbogen. Rechts von uns war das Volksfest des Hamburger Doms aufgebaut, dahinter das Millerntor-Stadion. Nach eineinhalb Kilometern bogen wir nach rechts ein und befanden uns auf der Reeperbahn an der Stelle, an der im Sommer immer der Halbmarathon startet. Der nun folgende Streckenabschnitt war mir also bekannt, da ich den Halbmarathon schon drei Mal absolviert hatte. Ich überholte drei Männer in Feuerwehr-Ausrüstung, welche bei der Staffel teilnahmen.
Bis zum Wendepunkt in Othmarschen sollte es nur noch geradeaus gehen. In Altona, auf der Höhe des Bahnhofs, spielte ein Querflötenorchester für uns. An dieser Stelle befand sich der Wendepunkt des sommerlichen Halbmarathons, heute mussten wir geradeaus laufen. Ich konnte jedoch in die Straße nach links einsehen und erkannte einen afrikanischen Sportler, welcher in die entgegengesetzte Richtung lief. Er war offenbar einer der führenden Läufer, denn er wurde von Polizeifahrzeugen begleitet. Für mich folgte nun ein unbekannter Teil der Strecke, welcher durch eine Art Wohngegend führte. Ich erreichte die Pacemaker-Gruppe für die Vier-Stunden-Marke. Ich wich auf den Bürgersteig aus und überholte diese Läufer. Die Pacemaker für schnellere Zeiten holte ich entweder nicht ein bzw. ich bekam sie während des Rennens nicht mehr zu sehen.
An der ersten Versorgungsstelle nahm ich mir einen Becher Wasser. Es ging hier sehr hektisch zu und ich musste sehr aufpassen, nicht mit anderen Sportlern zusammenzustoßen. Nach sieben Kilometern war dann der Wendepunkt erreicht. An der Elbchaussee drehten wir um 180° und liefen zurück in Richtung Innenstadt. Wir konnten nun rechts die Elbe mit den großen Verladekränen sehen. Kurz vor Altona kam die erste Station, wo es auch Essbares gab, aber wegen des großen Andrangs verzichtete ich zunächst auf ein Stück Banane. Als wir die Stelle am Bahnhof erreichten, wo der Halbmarathonkurs wieder einsetzte, stand auch hier ein Querflötenorchester und spielte Musik.
Den nun folgenden Abschnitt kannte ich wieder vom Halbmarathon. Hinter der S-Bahn-Haltestelle Königstraße folgten die Landungsbrücken, wo es an einer Rechts-Links-Kurve bergab ging. Nun waren wir am Fischmarkt. Ich hatte fast während des ganzen Rennens meine Spezial-Sonnenbrille auf und hielt nun Ausschau nach meinen chinesischen Kollegen, welche sich hier versammeln wollten. Besonders aufmerksam betrachtete ich die Brücken über die Hauptverkehrsstraße, konnte meine Kollegen unter den Zuschauern jedoch nicht erkennen. Wir näherten uns nun dem Innenstadtbereich. Ich hielt Ausschau nach einer Toilette, doch die einzelnen aufgestellten Dixi-Klos waren alle besetzt und anstellen wollte ich mich nicht. Auf den zweiten Verpflegungspunkt mit Essbarem verzichtete ich ebenfalls. Ich konnte rechts die neue Hafen-City sehen, in welcher gerade große Bürogebäude gebaut wurden.
Wir näherten uns nun dem Hauptbahnhof und bogen parallel zu diesem in die Unterführung ein. Nun waren wir etwa einen Kilometer lang nicht den Sonnenstrahlen ausgesetzt.
Als wir die Unterführung hinter uns hatten, folgte eine Runde um die Binnenalster. Beim Halbmarathon gab es diesen Streckenabschnitt nicht. Es wurde nun ein bisschen enger auf dem Läuferfeld. Am Ende dieser Runde stellte ich mich neben einen Baum verrichtete meine Notdurft, wie einige andere Läufer auch. Dann ging es weiter. Der Weg führte östlich der Außenalster entlang, genau wie beim Halbmarathon. Ich spürte, dass meine Füße nun langsam zu schmerzen begannen und versuchte, etwas mehr auf der linken Spur zu laufen, da ich den Verdacht hatte, das Problem könnte durch die Unebenheit der Straße verursacht worden sein.
Auf der Außenalster waren zahlreiche Segelschiffe zu sehen. Kurz vor Kilometer 20 wurde wieder ein Verpflegungspunkt erreicht, wo ich mir erstmals ein Stück Banane zu essen nahm. Dann folgte eine Brücke über einen Außenfluss der Alster. Ich erinnerte mich, wie ich letztes Jahr beim Halbmarathon hier die langsamste Inline-Skaterin überholt hatte. Kurz dahinter war die Marke für die Hälfte der Marathonstrecke erreicht.
Ich zog eine kurze Zwischenbilanz: Muskelkater hatte ich fast keinen, Knieprobleme überhaupt nicht. Blasen an den Füßen waren bis jetzt auch nicht vorhanden. Die gewählte Kleidung hatte sich bewährt. Es konnte also weitergehen.
Der jetzige Streckenabschnitt wich vom Halbmarathonkurs ab: Wir liefen nun durch die Stadtteile Ohlsdorf und Eppendorf. Wir unterquerten eine U-Bahn-Linie und liefen dann um den Stadtpark herum. Dann ging es an den S-Bahn-Haltestellen „Alte Wöhr“ und „Rübenkamp“ vorbei. Langsam spürte ich, wie meine Beine schwerer wurden. Ein Anwohner hielt einen Behälter mit Doppelkeksen hin, an dem ich mich dankend bediente. Nun folgten im Abstand von fünf Kilometern zwei Staffelübergabepunkte. Es bestand die Möglichkeit, sich den Marathon unter vier Leuten aufzuteilen, wobei die Streckenabschnitte von der Länge her nicht gleichmäßig verteilt waren. An den Übergabepunkten wurde das Teilnehmerfeld getrennt, ich als einzelner Marathonläufer musste mich rechts halten.
In Ohlsdorf sah ich einige Helfer, welche mit Töpfen herumliefen und bei Zuschauern um Spenden bettelten. So langsam fing das Boston-Armband an zu stören. Es rutschte an meiner rechten Hand ständig nach unten und wurde immer schwerer.
Der nördlichste Streckenabschnitt führte am Alsterufer entlang, bevor die S- und U-Bahn-Haltestelle Ohlsdorf erreicht wurde. Inzwischen sah ich immer mehr Läufer, die von Rettungsteams behandelt wurden. Meine Schmerzen an den Füßen waren inzwischen wieder verschwunden. In der Geschwindigkeit musste ich allerdings nachlassen. Nach 37 Kilometern erreichten wir zunächst die oberirdische U-Bahn-Haltestelle „Eppendorfer Baum“ und dann die unterirdische Haltestelle „Klosterstern“, wo wir Läufer mit ohrenbetäubendem Lärm empfangen wurden.
Danach folgte eine Strecke zurück zur Außenalster. Ich konnte wieder die zahlreichen Segelschiffe sehen. Zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel bogen wir nach rechts ab und verließen somit das Alsterufer. Wir erreichten den Bahnhof Dammtor von der Nordseite und liefen östlich von ihm unter den Schienen hindurch. Auf der anderen Seite ging es an dem großen Kino, unter der Fußgängerbrücke vorbei und dahinter nach rechts. Ich wusste, dass es bis zum Ziel nun nur noch knapp mehr als ein Kilometer war und schaute mich um, ob ich den Fernsehturm sehen würde. Da erblickte ich ihn.
Nach einer Rechtskurve erreichten wir die Zielgerade mit dem roten Teppich. Auf meine genaue Endzeit achtete ich nicht. Zahlreiche Ärzte liefen im Zielbereich umher. Vor einer bunten Wand wurden Fotos der Finisher gemacht. Ich stellte mich auch dazu und ließ mich fotografieren. Dann ging ich zum Eingang der Messehallen, wo mir eine Helferin die Medaille umhängte. Offenbar handelte es sich dabei um eine Art „Sammlerstück“, denn auf der Vorderseite war ein Motiv (großes Segelschiff) eingeprägt, welches sich jährlich änderte. Das genaue Datum war leider nicht vermerkt, nur das Jahr 2013.
Ich holte meine Tasche ab und suchte dann im großen Gedränge die Duschen auf. Zum Glück war ich relativ schnell im Ziel angekommen und musste bei den Duschen nicht lange anstehen. Die in der Messehalle aufgebauten Duschbrausen mussten alle zehn Sekunden neu aktiviert werden. Danach zog ich mich wieder an und verließ das Gelände. Durch den Park „Planten un Blomen“ ging ich zum Bahnhof Dammtor, wo ich noch einigen Läufern zusah, welche sich kurz vor dem Zieleinlauf befanden. Dann nahm ich die S-Bahn zum Hauptbahnhof, von da aus die S-Bahn nach Harburg und von dort aus stieg ich in den Metronom nach Bremen. Gegen 16 Uhr kam ich zu Hause an. Ich legte mich nun schlafen, denn ich war todmüde und hatte Kopfschmerzen. Ansonsten ging es mir aber gut. Begeistert war ich von meinen Laufschuhen: Sie hatten zwar 160 Euro gekostet, aber ich hatte keine einzige Blase an den Füßen und keine Schmerzen am Knie.
Der Hamburg-Marathon.
Um meine Knie nicht überzustrapazieren hatte ich für das Frühjahr nur einen Marathon gebucht und für das Wochenende danach überhaupt keine Laufveranstaltung vorgesehen. So wollte ich eine mögliche Regenerationsphase haben, falls (wie im letzten Jahr in Mannheim) nach dem Marathon Probleme an den Knien auftreten würden. Da der Marathon an der Deutschen Weinstraße nur alle zwei Jahre stattfand, hatte ich mich dazu entschieden, an diesem Wochenende in Hamburg zu laufen, dem größten Frühjahrsmarathon in Deutschland. Im Dezember hatte ich bei Runners Point ein paar Schuhe für etwa 160 Euro gekauft. Diese Schuhe hatte ich für langsame Läufe auf langen Strecken vorgesehen und bereits beim Halbmarathon durch das Alte Land in Neugraben getestet.
Als am Montag beim Boston-Marathon der Anschlag stattfand, befürchtete ich, dass die Veranstaltung in Hamburg vielleicht abgesagt werden könnte. Dies war aber zum Glück nicht der Fall. Bereits am Freitagvormittag fuhr ich zu den Messehallen und holte mir die Startunterlagen ab. Ein Trikot war leider nicht enthalten bzw. man musste extra dafür bezahlen. Stattdessen wurden Papier-Armbänder in den Farben des Boston-Marathons vergeben. Das Veranstaltungszentrum mit Start- und Zielgeraden lag an den Messehallen, deren Größe ich nun eindrucksvoll vor Augen geführt bekam. Leider hatte ich mich an diesem Tag etwas leicht angezogen und wurde von der Kälte überrascht, denn die Temperaturen hatten wieder nachgelassen. Ich befürchtete, krank zu werden, was einer Katastrophe gleichgekommen wäre, denn ich hatte mich ein halbes Jahr lang auf dieses Event gefreut. Insgesamt sah ich dem Marathon jedoch zuversichtlich entgegen. In den letzten Jahren war Ende April in Deutschland immer eine Phase gewesen, in der es ziemlich warm gewesen war. In dieser Phase fand immer der Hamburg-Marathon statt. Schon im letzten Jahr hatte ich darüber nachgedacht, mich kurzfristig anzumelden, aber die hohen Temperaturen gaben mir letztendlich Recht in der Entscheidung, darauf zu verzichten. Nun war ich froh, dass ausgerechnet dieses Jahr die Temperaturen Ende April ein bisschen niedriger sein sollten.
In der Nacht auf Sonntag wachte ich gegen vier Uhr in der Frühe auf, weil einige Besoffene an meiner Wohnung vorbeikamen. Ich stellte beruhigt fest, dass ich körperlich gesund war. Um fünf Uhr stand ich auf, frühstückte und packte meinen Starterbeutel. Ich ging zur Straßenbahn, mit der ich um kurz nach sechs Uhr in Richtung Hauptbahnhof losfuhr, denn der Marathon sollte schon um neun Uhr starten. Andere Läufer sah ich hier noch keine. Am Hauptbahnhof ging ich zu Gleis neun, wo der Metronom nach Hamburg bereit stand. Als ich die Treppe zum Gleich hochging, sah ich drei chinesische Arbeitskollegen von mir. Sie wollten ebenfalls nach Hamburg, aber nicht zum Marathon, sondern zum Fischmarkt. Wir fuhren 70 Minuten lang zusammen und ich erklärte ihnen in englischer Sprache, um welche Uhrzeit ich voraussichtlich am Fischmarkt vorbeikommen würde. Am Hauptbahnhof Hamburg trennten wir uns dann, und ich ging mit einem der zahlreichen anderen Marathonläufer (Im Metronom waren praktisch nur Passagiere mit dem weißen Starterbeutel), Matthias, welcher auch in Bremen wohnte, zur unterirdischen S-Bahn-Station, wo wir auf die S-Bahn nach Hamburg-Dammtor warteten. Matthias war gebürtiger Hamburger und hatte bereits letztes Jahr am Hamburg-Marathon teilgenommen, während es für mich das erste Mal war.
Zusammen mit den anderen Läufern stiegen wir am Bahnhof Dammtor auf, wo ich zunächst die Toilette aufsuchte. Dann führte Matthias mich durch die Parkanlage „Planten un Blomen“ zur Start- und Zielgeraden, direkt südlich des Fernsehturmes. Im Park aß ich mein mitgebrachtes Brot, dann zog ich mich um und wir gingen zusammen in die Messehallen, in deren Innenhof die Beutelabgabe war. Es war wegen der Menschenmassen schwierig, hier ein Durchkommen zu finden und sich nicht aus den Augen zu verlieren. Leider hatte ich meine Zahnpflegekaugummis vergessen, was unangenehm war, da ich ja gerade noch mein Brot gegessen hatte.
Als wir etwa eine Viertelstunde vor dem Start die Messehallen wieder verließen, mussten wir beide noch einmal auf die Toilette. Wir stellten uns in einer langen Schlange vor den Dixi-Klos an. Drei Minuten vor dem Start (Handbiker und Rollstuhlfahrer waren schon um 8:50 Uhr losgefahren) waren wir an der Reihe. Ich verabschiedete mich von Matthias und als ich das Klo wieder verlassen hatte, war es noch eine Minute bis zum Start. Als ich in meinen Starblock „H“ (zugewiesen nach der erwarteten Zielzeit von 3:45 Stunden) gehen wollte, fiel mir eine Frau mit Handtasche auf. Ich fragte sie, ob sie vielleicht ein Zahnpflegekaugummi für mich hätte. Sie gab mir tatsächlich eines. Damit war eines der größten Probleme heute schon gelöst.
Ich erreichte den Zugang zu meinem Startblock. Allerdings gab es einige Pausen zwischen dem Start einzelner Blockgruppen. Dies führte dazu, dass ich erst nach etwa zwölf Minuten die Startlinie mit dem roten Teppich (dieser war für den Zieleinlauf vorgesehen) überquerte. Ich trug obenrum das Trikot vom Bremen-Marathon 2011 und hatte zwar keine Kappe, aber meine Spezialsonnenbrille dabei, denn es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. Nun hatte der Hamburg-Marathon für mich begonnen!
Auf den ersten Metern der Strecke war ein roter Teppich ausgerollt, den wir dann beim Erreichen des Ziels noch einmal überlaufen würden. Die ersten Meter führten vom Fernsehturm weg nach Süden und dann folgte eine große Straßenkreuzung, an der wir nach rechts abbogen. Rechts von uns war das Volksfest des Hamburger Doms aufgebaut, dahinter das Millerntor-Stadion. Nach eineinhalb Kilometern bogen wir nach rechts ein und befanden uns auf der Reeperbahn an der Stelle, an der im Sommer immer der Halbmarathon startet. Der nun folgende Streckenabschnitt war mir also bekannt, da ich den Halbmarathon schon drei Mal absolviert hatte. Ich überholte drei Männer in Feuerwehr-Ausrüstung, welche bei der Staffel teilnahmen.
Bis zum Wendepunkt in Othmarschen sollte es nur noch geradeaus gehen. In Altona, auf der Höhe des Bahnhofs, spielte ein Querflötenorchester für uns. An dieser Stelle befand sich der Wendepunkt des sommerlichen Halbmarathons, heute mussten wir geradeaus laufen. Ich konnte jedoch in die Straße nach links einsehen und erkannte einen afrikanischen Sportler, welcher in die entgegengesetzte Richtung lief. Er war offenbar einer der führenden Läufer, denn er wurde von Polizeifahrzeugen begleitet. Für mich folgte nun ein unbekannter Teil der Strecke, welcher durch eine Art Wohngegend führte. Ich erreichte die Pacemaker-Gruppe für die Vier-Stunden-Marke. Ich wich auf den Bürgersteig aus und überholte diese Läufer. Die Pacemaker für schnellere Zeiten holte ich entweder nicht ein bzw. ich bekam sie während des Rennens nicht mehr zu sehen.
An der ersten Versorgungsstelle nahm ich mir einen Becher Wasser. Es ging hier sehr hektisch zu und ich musste sehr aufpassen, nicht mit anderen Sportlern zusammenzustoßen. Nach sieben Kilometern war dann der Wendepunkt erreicht. An der Elbchaussee drehten wir um 180° und liefen zurück in Richtung Innenstadt. Wir konnten nun rechts die Elbe mit den großen Verladekränen sehen. Kurz vor Altona kam die erste Station, wo es auch Essbares gab, aber wegen des großen Andrangs verzichtete ich zunächst auf ein Stück Banane. Als wir die Stelle am Bahnhof erreichten, wo der Halbmarathonkurs wieder einsetzte, stand auch hier ein Querflötenorchester und spielte Musik.
Den nun folgenden Abschnitt kannte ich wieder vom Halbmarathon. Hinter der S-Bahn-Haltestelle Königstraße folgten die Landungsbrücken, wo es an einer Rechts-Links-Kurve bergab ging. Nun waren wir am Fischmarkt. Ich hatte fast während des ganzen Rennens meine Spezial-Sonnenbrille auf und hielt nun Ausschau nach meinen chinesischen Kollegen, welche sich hier versammeln wollten. Besonders aufmerksam betrachtete ich die Brücken über die Hauptverkehrsstraße, konnte meine Kollegen unter den Zuschauern jedoch nicht erkennen. Wir näherten uns nun dem Innenstadtbereich. Ich hielt Ausschau nach einer Toilette, doch die einzelnen aufgestellten Dixi-Klos waren alle besetzt und anstellen wollte ich mich nicht. Auf den zweiten Verpflegungspunkt mit Essbarem verzichtete ich ebenfalls. Ich konnte rechts die neue Hafen-City sehen, in welcher gerade große Bürogebäude gebaut wurden.
Wir näherten uns nun dem Hauptbahnhof und bogen parallel zu diesem in die Unterführung ein. Nun waren wir etwa einen Kilometer lang nicht den Sonnenstrahlen ausgesetzt.
Als wir die Unterführung hinter uns hatten, folgte eine Runde um die Binnenalster. Beim Halbmarathon gab es diesen Streckenabschnitt nicht. Es wurde nun ein bisschen enger auf dem Läuferfeld. Am Ende dieser Runde stellte ich mich neben einen Baum verrichtete meine Notdurft, wie einige andere Läufer auch. Dann ging es weiter. Der Weg führte östlich der Außenalster entlang, genau wie beim Halbmarathon. Ich spürte, dass meine Füße nun langsam zu schmerzen begannen und versuchte, etwas mehr auf der linken Spur zu laufen, da ich den Verdacht hatte, das Problem könnte durch die Unebenheit der Straße verursacht worden sein.
Auf der Außenalster waren zahlreiche Segelschiffe zu sehen. Kurz vor Kilometer 20 wurde wieder ein Verpflegungspunkt erreicht, wo ich mir erstmals ein Stück Banane zu essen nahm. Dann folgte eine Brücke über einen Außenfluss der Alster. Ich erinnerte mich, wie ich letztes Jahr beim Halbmarathon hier die langsamste Inline-Skaterin überholt hatte. Kurz dahinter war die Marke für die Hälfte der Marathonstrecke erreicht.
Ich zog eine kurze Zwischenbilanz: Muskelkater hatte ich fast keinen, Knieprobleme überhaupt nicht. Blasen an den Füßen waren bis jetzt auch nicht vorhanden. Die gewählte Kleidung hatte sich bewährt. Es konnte also weitergehen.
Der jetzige Streckenabschnitt wich vom Halbmarathonkurs ab: Wir liefen nun durch die Stadtteile Ohlsdorf und Eppendorf. Wir unterquerten eine U-Bahn-Linie und liefen dann um den Stadtpark herum. Dann ging es an den S-Bahn-Haltestellen „Alte Wöhr“ und „Rübenkamp“ vorbei. Langsam spürte ich, wie meine Beine schwerer wurden. Ein Anwohner hielt einen Behälter mit Doppelkeksen hin, an dem ich mich dankend bediente. Nun folgten im Abstand von fünf Kilometern zwei Staffelübergabepunkte. Es bestand die Möglichkeit, sich den Marathon unter vier Leuten aufzuteilen, wobei die Streckenabschnitte von der Länge her nicht gleichmäßig verteilt waren. An den Übergabepunkten wurde das Teilnehmerfeld getrennt, ich als einzelner Marathonläufer musste mich rechts halten.
In Ohlsdorf sah ich einige Helfer, welche mit Töpfen herumliefen und bei Zuschauern um Spenden bettelten. So langsam fing das Boston-Armband an zu stören. Es rutschte an meiner rechten Hand ständig nach unten und wurde immer schwerer.
Der nördlichste Streckenabschnitt führte am Alsterufer entlang, bevor die S- und U-Bahn-Haltestelle Ohlsdorf erreicht wurde. Inzwischen sah ich immer mehr Läufer, die von Rettungsteams behandelt wurden. Meine Schmerzen an den Füßen waren inzwischen wieder verschwunden. In der Geschwindigkeit musste ich allerdings nachlassen. Nach 37 Kilometern erreichten wir zunächst die oberirdische U-Bahn-Haltestelle „Eppendorfer Baum“ und dann die unterirdische Haltestelle „Klosterstern“, wo wir Läufer mit ohrenbetäubendem Lärm empfangen wurden.
Danach folgte eine Strecke zurück zur Außenalster. Ich konnte wieder die zahlreichen Segelschiffe sehen. Zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel bogen wir nach rechts ab und verließen somit das Alsterufer. Wir erreichten den Bahnhof Dammtor von der Nordseite und liefen östlich von ihm unter den Schienen hindurch. Auf der anderen Seite ging es an dem großen Kino, unter der Fußgängerbrücke vorbei und dahinter nach rechts. Ich wusste, dass es bis zum Ziel nun nur noch knapp mehr als ein Kilometer war und schaute mich um, ob ich den Fernsehturm sehen würde. Da erblickte ich ihn.
Nach einer Rechtskurve erreichten wir die Zielgerade mit dem roten Teppich. Auf meine genaue Endzeit achtete ich nicht. Zahlreiche Ärzte liefen im Zielbereich umher. Vor einer bunten Wand wurden Fotos der Finisher gemacht. Ich stellte mich auch dazu und ließ mich fotografieren. Dann ging ich zum Eingang der Messehallen, wo mir eine Helferin die Medaille umhängte. Offenbar handelte es sich dabei um eine Art „Sammlerstück“, denn auf der Vorderseite war ein Motiv (großes Segelschiff) eingeprägt, welches sich jährlich änderte. Das genaue Datum war leider nicht vermerkt, nur das Jahr 2013.
Ich holte meine Tasche ab und suchte dann im großen Gedränge die Duschen auf. Zum Glück war ich relativ schnell im Ziel angekommen und musste bei den Duschen nicht lange anstehen. Die in der Messehalle aufgebauten Duschbrausen mussten alle zehn Sekunden neu aktiviert werden. Danach zog ich mich wieder an und verließ das Gelände. Durch den Park „Planten un Blomen“ ging ich zum Bahnhof Dammtor, wo ich noch einigen Läufern zusah, welche sich kurz vor dem Zieleinlauf befanden. Dann nahm ich die S-Bahn zum Hauptbahnhof, von da aus die S-Bahn nach Harburg und von dort aus stieg ich in den Metronom nach Bremen. Gegen 16 Uhr kam ich zu Hause an. Ich legte mich nun schlafen, denn ich war todmüde und hatte Kopfschmerzen. Ansonsten ging es mir aber gut. Begeistert war ich von meinen Laufschuhen: Sie hatten zwar 160 Euro gekostet, aber ich hatte keine einzige Blase an den Füßen und keine Schmerzen am Knie.
Mittwoch, 17. April 2013
Halbmarathon Cuxhaven 2013-04-14
Der siebenundsechzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der siebte Cuxhaven-Marathon.
Der Winter hatte in diesem Jahr – vor allem in Norddeutschland – sehr lange angehalten, aber an diesem Sonntag sollte endlich Schluss sein: Für die Region Bremen waren 18°C vorhergesagt worden. Für einen Halbmarathon war dies fast schon wieder ein bisschen zu viel des Guten. Glücklicherweise sollte es an den Küsten ein bisschen kühler sein, denn der heutige Lauf würde erst um elf Uhr starten.
Bereits den vierten Halbmarathon meines Lebens hatte ich 2010 in Cuxhaven absolviert. 2011 und 2012 hatte ich zu Gunsten des Halbmarathons in Hamburg-Wilhelmsburg auf diese Veranstaltung verzichtet. Jetzt, drei Jahre später, kehrte ich nach Cuxhaven zurück. Inzwischen hatte ich meine Bestzeit nicht nur um über zwanzig Minuten unterboten. Auch die Teilnehmerzahl – zumindest beim Halbmarathon – war bei dieser Veranstaltung stetig gesunken. Eine Kombination aus meiner bisher schnellsten Halbmarathonzeit mit den Ergebnissen des Jahres 2012 würde für mich in der Endabrechnung sogar den zweiten Platz bedeuten. Ich schaute also vorher einmal nach, welche Preisgelder es beim Halbmarathon zu gewinnen gab: 75€ für den Sieger, 50€ für den Zweiten und 25€ für den Dritten. Ich hatte mir auch die Teilnehmerzahlen für diese Auflage angeschaut. Dabei musste ich leider feststellen, dass es für den Halbmarathon mehr als 400 Voranmeldungen gab – viel mehr, als 2012 mitgelaufen waren. Allerdings wusste ich aus Erfahrung, dass nicht jeder Vorangemeldete auch wirklich antreten würde.
Bei Youtube hatte ich mir auch ein Video vom Start 2012 angeschaut: Die Startgeraden war immer noch sehr eng, weshalb es für mich geraten war, mich möglichst weit vorne aufzustellen. Um elf Uhr war nämlich der Start für alle Hauptdisziplinen: Marathon, Halbmarathon, Zehn-Kilometerlauf und (das gab es 2010 noch nicht) 30-Kilometer-Lauf. Zusätzlich wurde noch ein Staffelmarathon angeboten. Die Strecke war – auf den ersten Blick – die gleiche wie 2010, später merkte ich jedoch, dass es kleine Unterschiede gab. Für den Halbmarathon waren zwei Runden zu absolvieren, für den Marathon vier. Von meiner Erkältung war nichts mehr zu spüren.
An diesem Morgen stand ich um kurz nach sechs Uhr auf und frühstückte. Dann nahm ich meine Tasche und ging zur Haltestelle, wo um 7:28 Uhr der Bus in Richtung Bremen-Nord abfuhr. Etwas mehr als zehn Minuten später kam ich am Bahnhof Bremen-Burg an, wo um 7:49 Uhr die Nordwestbahn nach Bremerhaven abfuhr. In diesem Zug war es relativ ruhig. Ich konnte keine anderen Läufer erblicken.
Ich fuhr bis Bremerhaven-Lehe, wo ich ausstieg und auf die EVB nach Cuxhaven wartete. Hier war ich nicht mehr der einzige Läufer im Zug.
Gegen halb zehn Uhr kam der Zug in Cuxhaven an. Es waren noch 90 Minuten bis zum Start. Eine Läuferin schloss sich mir an und wir gingen zusammen in die Innenstadt, wo die Startgerade war. Ein Helfer erklärte uns, dass die Unterlagenausgabe in der Sparkassenfiliale war. Genauso war es auch vor drei Jahren schon gewesen, aber inzwischen kannte ich mich nicht mehr so gut aus. Anders als damals war aber die Sache mit dem Zeitmesschip: Dieser war heute kein Einweg-Artikel, den man nach dem Gebrauch wegwerfen konnte, sondern ein dickeres Plastik-Teil, für welches man fünf Euro Pfand hinterlegen musste.
Mit dem Briefumschlag mit der Startnummer in der Hand ging ich in Richtung Umkleidekabine. Ich wurde dabei von zahlreichen Läufern begleitet. Wir nahmen zuerst die falsche Abzweigung, fanden dann aber doch das Grundschulgelände – das gleiche wie vor drei Jahren -, wo Umkleiden, Duschen und Taschenaufbewahrung waren.
Ich unterhielt mich mit einem jungen Mann, der heute den ersten Halbmarathon seines Lebens absolvieren wollte. Bisher war er immer nur zehn Kilometer gelaufen. Er strebte eine Zeit von 85 Minuten an, womit er mir als direkte Konkurrenz vorkam.
Da am Himmel überall Wolken waren, verzichtete ich auf die Sonnenbrille. Ich trug obenrum das Trikot vom Wolfsburg-Marathon 2011. Nachdem ich mein mitgebrachtes Brot gegessen hatte, gab ich meine Tasche in der Turnhalle ab. Dann ging ich mit dem anderen Läufer zusammen zur Startgeraden. Hier konnten wir die Medaillen sehen, welche später an die Finisher verteilt werden sollten. Ich konnte sie auf die Entfernung zwar nicht genau erkennen, aber mein Verdacht erhärtete sich, dass es sich dabei um genau das gleiche Teil wie vor drei Jahren handelte. Damals war der Jahrgang der Veranstaltung lediglich auf dem roten Band angegeben worden.
Ich reihte mich nun im Läuferfeld weit vorne ein. Als das Startsignal ertönte, hatte ich nach wenigen Sekunden die Linie überquert. Ganz vorne fuhr ein Auto, welches mit einer digitalen Zeitanzeige versehen war. Ich konnte im Moment zählen, wie viele Teilnehmer vor mir waren. Allerdings war es nicht möglich, zu bestimmen, welche davon ein Halbmarathonis (und damit direkte Konkurrenten) waren.
Da ich so weit vorne gestanden hatte, hatte ich von Anfang an freie Bahn. Der Weg führte durch die Fußgängerzone, zunächst nach Norden und dann nach Westen. Für den ersten Kilometer hatte ich gerade einmal drei Minuten und 35 Sekunden benötigt. Ich war viel zu schnell unterwegs und musste nun die Geschwindigkeit erst einmal drosseln.
Auch die nächsten beiden Kilometer führen durch die Innenstadt, bevor wir dann einen Weg erreichten, welcher neben einem Deich verlief, der wiederum uns von der Nordsee trennte. Dann bogen wir rechts ab und liefen den Deich hinauf, um auf der anderen Seite am Fahrradweg neben der Nordsee nach Westen zu laufen. Im Moment herrschte Ebbe. Ich erinnerte mich, wie vor drei Jahren der stürmische Wind die Wellen bis zu uns heraufgetragen hatte. An diesem Punkt der Strecke spürte ich nun eine gewisse Hitze. Spätestens jetzt war mir klar, dass der Frühling Einzug in Deutschland gehalten hatte. Ich bedauerte meine langen Haare, welche anfingen zu schwitzen. Hätte ich sie doch vorher abrasiert!
Der Weg war hier gut einsehbar und ich konnte in der Ferne noch das Führungsauto erkennen. Bis zum Wendepunkt ging es nun an dieser Küstenstraße entlang. Dabei wiesen zahlreiche Schilder auf die Kilometer hin, denn es gab ja vier verschiedene Disziplinen. Beim ersten Versorgungspunkt nahm ich einen Becher Wasser zu mir.
Immer wieder jubelten uns kleine Zuschauergruppen zu. Andere Leute saßen in Strandkörben. Kurz vor dem Wendepunkt wurde eine Einteilung vorgenommen: Marathon- und Halbmarathonläufer mussten sich rechts einordnen um noch ein Stückchen weiter zu laufen, Zehn- und Dreißig-Kilometerläufer hatten eine kürzere Strecke vor sich und konnten nach dem Einordnen in der linken Spur bereits früher umdrehen. Als ich den Punkt erreicht hatte, wo nur Marathon- und Halbmarathonläufer sein durften, achtete ich auf die Gegengerade, wo meine Vorderleute mir entgegenkommen mussten. Ich hoffte, herausfinden zu können, auf welcher Position ich war. Einen Halbmarathoni hatte ich einige Minuten zuvor überholt. Als mir nun tatsächlich keiner entgegenkam, überlegte ich, woran dies liegen könnte. Waren meine Vorderleute mir bereits zu weit voraus? Oder befand ich mich etwa auf Platz eins?
Der Rückweg führte nun auf der anderen Seite des Deiches entlang. Als wir hinter einem Spielplatz in südliche Richtung einbogen, spürte ich plötzlich starken Gegenwind. Meine Kilometerzeiten bewegten sich konstant bei ziemlich genau vier Minuten.
Die letzten beiden Kilometer des Rundkurses entsprachen exakt den ersten beiden Kilometern. Dieser Abschnitt wurde also für Hin- und Rückweg benutzt, wobei es keine Abtrennung der beiden Wege voneinander gab. Dies war anders als vor drei Jahren, wo einem keine Läufer entgegenkamen. So richtig klar wurde mir dies aber erst auf der letzten Geraden, welche zum Ziel führte. Kurz nach dem zweiten Versorgungspunkt sah ich hier zwei Polizei-Motorräder, welche die Führenden begleiteten, die gerade die zweite Runde begonnen hatten. Nun wurde ich aufmerksam: Wie viele Halbmarathonläufer befanden sich darunter?
Mir kamen etwa zehn Läufer entgegen mit verschiedenfarbigen Startnummern. Die Zielgerade zog sich dabei immer mehr in die Länge und ich dachte schon, jetzt könne niemand mehr entgegenkommen, als schon wieder neue Läufer auftauchten. Insgesamt zählte ich zwei Halbmarathonläufer. Demnach musste ich mich auf Rang drei befinden, aber ganz sicher war ich mir nicht. Auf den nächsten Verfolger hatte ich einen Vorsprung von etwa einer halben Minute.
Unter dem Beifall der Zuschauer bog ich in die zweite Runde ein. Hier galt nun die volle Konzentration dem Gegenverkehr, denn der größte Teil des Läuferfeldes kam mir in der Fußgängerzone entgegen und ich musste besonders hinter Abzweigungen zwischen Häusern aufpassen, um eine Kollision zu vermeiden.
Ich war unendlich froh, als ich die Stelle erreichte, wo der Weg auf den Deich führte und ich von nun an keinen Gegenverkehr mehr hatte. Hier war auch ein kurzer Blick auf meine Verfolger möglich. Erneut spürte ich die Hitze des heutigen Tages. Dann näherten sich von hinten Schritte. Ich wurde von zwei Männern überholt, welche sich zum Glück als Marathonläufer entpuppten. Als ich einen langsamen Mann überholte, achtete ich auf seine Startnummer, aber er trug offenbar gar keine. Meine Hoffnung auf eine noch bessere Platzierung war sowieso gering, denn am Ende der ersten Runde hatte ich gesehen, dass mein Vordermann einen beruhigenden Vorsprung auf mich hatte.
Kurz vor dem Wendepunkt überholte ich noch eine Frau, welche mir mitteilte, dass sie Staffelläuferin sei. Dann befand ich mich auf dem Rückweg. Meinen Hintermann konnte ich nicht sehen, der Vorsprung auf ihn war also ausreichend groß.
Als ich wieder den Spielplatz erreicht hatte, spürte ich erneut den starken Gegenwind. Seitenstechen hatte ich fast gar keines. Auf meine genauen Zeiten hatte ich auch kaum noch geachtet, da ich mit den vielen Kilometerschildern ein bisschen durcheinander gekommen war. Ein Fotograf blitzte mich, ich streckte die Arme auseinander. Er rief mir zu: „Du bist dritter!“ Langsam wurde ich mir sicher, heute einmal auf dem Podest stehen zu können.
Dann erreichte ich wieder die Innenstadt, wo mir nun noch die langsamsten Teilnehmer entgegenkamen, die gerade in die zweite Runde eingebogen waren. Den letzten Versorgungspunkt, zwei Kilometer vor dem Ziel, ließ ich aus. Meinen Hintermann konnte ich nicht sehen, wenn ich mich umdrehte. Die jetzige Position war mir nicht mehr zu nehmen. Eine neue Bestzeit dagegen war nicht mehr möglich.
Dann kam ich auf die Zielgeraden. Das eigentliche Ziel befand sich aber erst auf dem Rückweg. Ich musste eine scharfe Kurve schneiden und dann lief ich über die Linie, bei einer Zeit knapp unter 85 Minuten. Ich hatte also für mich persönlich eine neue zweitbeste Zeit erzielt. Der Kommentator erwähnte meinen Namen allerdings nicht, sondern forderte Applaus für irgendeine weibliche Teilnehmerin. Ich ging jetzt davon aus, dass ich wohl doch nicht den dritten Platz erreicht hatte. Leider konnten mir die die Frauen, welche mir die Medaille umhängten, nicht sagen, wievielter ich geworden sei. Die Medaille war exakt die gleiche wie vor drei Jahren. Auf dem Band stand diesmal allerdings „7. Stadtsparkassen Marathon Cuxhaven 2013“. Noch nicht einmal das genaue Datum war angegeben.
Ich suchte eines der Dixi-Klos auf, da mein Enddarm auf den letzten Kilometern zu drücken begonnen hatte. Dann sagte mir ein Helfer, dass die Siegerehrung für den Halbmarathon für 13:15 Uhr geplant sei. Bis dahin war es noch deine Dreiviertelstunde. In der Sparkasse gäbe es Computer, welche die Ergebnisse wüssten. Vielleicht könnte ich dort mehr erfahren.
Mit leichtem Muskelkater in den Beinen ging ich zur Sparkasse, wo bereits zahlreiche Zehn-Kilometerläufer anstanden, um ihre Chips abzugeben. Ich bekam hier meine fünf Euro zurück und ging dann zu den Computer-Bildschirmen, welche aber leider keine Halbmarathon-Ergebnisse anzeigten. Da es bis zur Siegerehrung noch eine halbe Stunde war, ging ich weiter zur Grundschule, wo ich mein Tasche abholte und dann zu den Umkleiden ging. Hier war wenig los, ich musste beim Duschen nicht anstehen. Leider spürte ich jetzt meine Frühjahrsallergien, welche nicht auftreten, wenn ich im Freien bin, sondern immer dann, wenn ich im Freien war und dann ein Gebäude betrete.
Ich zog mich wieder an und ging zum Zielbereich zurück. Der Muskelkater hatte schon wieder nachgelassen. Ich fragte mehrere Zuschauer, ob die Siegerehrung schon stattgefunden hätte. Da hörte ich plötzlich, wie der Kommentator sechs Namen nannte, darunter auch meinen. Ich ging zu ihm hin und sagte, dass er mich aufgerufen habe. Er forderte mich auf, über die Absperrung zu klettern. Es war so, wie ich es erhofft hatte: Ich war der Drittplatzierte des Cuxhaven-Halbmarathon 2013!
Zunächst wurden die drei schnellsten Frauen geehrt, welche sich auf das sehr niedrige Treppchen stellten. Sie wurden auch noch interviewt, welche Ziele sie für dieses Jahr verfolgten. Dann kamen wir Männer dran. Ich musste als erster auf der linken Seite Platz nehmen. Eine junge Frau kam zu mir, schüttelte mir die Hand und überreichte mir einen Briefumschlag. Dieser enthielt wahrscheinlich das Preisgeld. Der Kommentator fragte mich über sein Mikrofon, ob dies heute meine schnellste Zeit gewesen sei. Ich rief ihm zu, dass es die zweitschnellste gewesen war und er gab diese Antwort über sein Mikrofon an die Zuschauer weiter. Der zweitplatzierte Mann war leider nicht aufgetaucht. Nur der Sieger, dem ich gratulierte, stellte sich neben mir auf. Auch er erhielt einen Briefumschlag. Einige Fotos wurden geschossen, dann war die Ehrung auch schon wieder vorbei. Pokale oder sonstige Preise gab es nicht.
Ich nahm meine Tasche und ging zum Bahnhof zurück. Um 13:39 Uhr fuhr die EVB nach Bremerhaven los. Ein Passagier im Zug, welcher auch gelaufen war, gratulierte mir noch, genauso eine ältere Dame. Nach einem Umsteigestopp in Bremerhaven-Lehe kam ich gegen 16 Uhr wieder zu Hause an.
Der siebte Cuxhaven-Marathon.
Der Winter hatte in diesem Jahr – vor allem in Norddeutschland – sehr lange angehalten, aber an diesem Sonntag sollte endlich Schluss sein: Für die Region Bremen waren 18°C vorhergesagt worden. Für einen Halbmarathon war dies fast schon wieder ein bisschen zu viel des Guten. Glücklicherweise sollte es an den Küsten ein bisschen kühler sein, denn der heutige Lauf würde erst um elf Uhr starten.
Bereits den vierten Halbmarathon meines Lebens hatte ich 2010 in Cuxhaven absolviert. 2011 und 2012 hatte ich zu Gunsten des Halbmarathons in Hamburg-Wilhelmsburg auf diese Veranstaltung verzichtet. Jetzt, drei Jahre später, kehrte ich nach Cuxhaven zurück. Inzwischen hatte ich meine Bestzeit nicht nur um über zwanzig Minuten unterboten. Auch die Teilnehmerzahl – zumindest beim Halbmarathon – war bei dieser Veranstaltung stetig gesunken. Eine Kombination aus meiner bisher schnellsten Halbmarathonzeit mit den Ergebnissen des Jahres 2012 würde für mich in der Endabrechnung sogar den zweiten Platz bedeuten. Ich schaute also vorher einmal nach, welche Preisgelder es beim Halbmarathon zu gewinnen gab: 75€ für den Sieger, 50€ für den Zweiten und 25€ für den Dritten. Ich hatte mir auch die Teilnehmerzahlen für diese Auflage angeschaut. Dabei musste ich leider feststellen, dass es für den Halbmarathon mehr als 400 Voranmeldungen gab – viel mehr, als 2012 mitgelaufen waren. Allerdings wusste ich aus Erfahrung, dass nicht jeder Vorangemeldete auch wirklich antreten würde.
Bei Youtube hatte ich mir auch ein Video vom Start 2012 angeschaut: Die Startgeraden war immer noch sehr eng, weshalb es für mich geraten war, mich möglichst weit vorne aufzustellen. Um elf Uhr war nämlich der Start für alle Hauptdisziplinen: Marathon, Halbmarathon, Zehn-Kilometerlauf und (das gab es 2010 noch nicht) 30-Kilometer-Lauf. Zusätzlich wurde noch ein Staffelmarathon angeboten. Die Strecke war – auf den ersten Blick – die gleiche wie 2010, später merkte ich jedoch, dass es kleine Unterschiede gab. Für den Halbmarathon waren zwei Runden zu absolvieren, für den Marathon vier. Von meiner Erkältung war nichts mehr zu spüren.
An diesem Morgen stand ich um kurz nach sechs Uhr auf und frühstückte. Dann nahm ich meine Tasche und ging zur Haltestelle, wo um 7:28 Uhr der Bus in Richtung Bremen-Nord abfuhr. Etwas mehr als zehn Minuten später kam ich am Bahnhof Bremen-Burg an, wo um 7:49 Uhr die Nordwestbahn nach Bremerhaven abfuhr. In diesem Zug war es relativ ruhig. Ich konnte keine anderen Läufer erblicken.
Ich fuhr bis Bremerhaven-Lehe, wo ich ausstieg und auf die EVB nach Cuxhaven wartete. Hier war ich nicht mehr der einzige Läufer im Zug.
Gegen halb zehn Uhr kam der Zug in Cuxhaven an. Es waren noch 90 Minuten bis zum Start. Eine Läuferin schloss sich mir an und wir gingen zusammen in die Innenstadt, wo die Startgerade war. Ein Helfer erklärte uns, dass die Unterlagenausgabe in der Sparkassenfiliale war. Genauso war es auch vor drei Jahren schon gewesen, aber inzwischen kannte ich mich nicht mehr so gut aus. Anders als damals war aber die Sache mit dem Zeitmesschip: Dieser war heute kein Einweg-Artikel, den man nach dem Gebrauch wegwerfen konnte, sondern ein dickeres Plastik-Teil, für welches man fünf Euro Pfand hinterlegen musste.
Mit dem Briefumschlag mit der Startnummer in der Hand ging ich in Richtung Umkleidekabine. Ich wurde dabei von zahlreichen Läufern begleitet. Wir nahmen zuerst die falsche Abzweigung, fanden dann aber doch das Grundschulgelände – das gleiche wie vor drei Jahren -, wo Umkleiden, Duschen und Taschenaufbewahrung waren.
Ich unterhielt mich mit einem jungen Mann, der heute den ersten Halbmarathon seines Lebens absolvieren wollte. Bisher war er immer nur zehn Kilometer gelaufen. Er strebte eine Zeit von 85 Minuten an, womit er mir als direkte Konkurrenz vorkam.
Da am Himmel überall Wolken waren, verzichtete ich auf die Sonnenbrille. Ich trug obenrum das Trikot vom Wolfsburg-Marathon 2011. Nachdem ich mein mitgebrachtes Brot gegessen hatte, gab ich meine Tasche in der Turnhalle ab. Dann ging ich mit dem anderen Läufer zusammen zur Startgeraden. Hier konnten wir die Medaillen sehen, welche später an die Finisher verteilt werden sollten. Ich konnte sie auf die Entfernung zwar nicht genau erkennen, aber mein Verdacht erhärtete sich, dass es sich dabei um genau das gleiche Teil wie vor drei Jahren handelte. Damals war der Jahrgang der Veranstaltung lediglich auf dem roten Band angegeben worden.
Ich reihte mich nun im Läuferfeld weit vorne ein. Als das Startsignal ertönte, hatte ich nach wenigen Sekunden die Linie überquert. Ganz vorne fuhr ein Auto, welches mit einer digitalen Zeitanzeige versehen war. Ich konnte im Moment zählen, wie viele Teilnehmer vor mir waren. Allerdings war es nicht möglich, zu bestimmen, welche davon ein Halbmarathonis (und damit direkte Konkurrenten) waren.
Da ich so weit vorne gestanden hatte, hatte ich von Anfang an freie Bahn. Der Weg führte durch die Fußgängerzone, zunächst nach Norden und dann nach Westen. Für den ersten Kilometer hatte ich gerade einmal drei Minuten und 35 Sekunden benötigt. Ich war viel zu schnell unterwegs und musste nun die Geschwindigkeit erst einmal drosseln.
Auch die nächsten beiden Kilometer führen durch die Innenstadt, bevor wir dann einen Weg erreichten, welcher neben einem Deich verlief, der wiederum uns von der Nordsee trennte. Dann bogen wir rechts ab und liefen den Deich hinauf, um auf der anderen Seite am Fahrradweg neben der Nordsee nach Westen zu laufen. Im Moment herrschte Ebbe. Ich erinnerte mich, wie vor drei Jahren der stürmische Wind die Wellen bis zu uns heraufgetragen hatte. An diesem Punkt der Strecke spürte ich nun eine gewisse Hitze. Spätestens jetzt war mir klar, dass der Frühling Einzug in Deutschland gehalten hatte. Ich bedauerte meine langen Haare, welche anfingen zu schwitzen. Hätte ich sie doch vorher abrasiert!
Der Weg war hier gut einsehbar und ich konnte in der Ferne noch das Führungsauto erkennen. Bis zum Wendepunkt ging es nun an dieser Küstenstraße entlang. Dabei wiesen zahlreiche Schilder auf die Kilometer hin, denn es gab ja vier verschiedene Disziplinen. Beim ersten Versorgungspunkt nahm ich einen Becher Wasser zu mir.
Immer wieder jubelten uns kleine Zuschauergruppen zu. Andere Leute saßen in Strandkörben. Kurz vor dem Wendepunkt wurde eine Einteilung vorgenommen: Marathon- und Halbmarathonläufer mussten sich rechts einordnen um noch ein Stückchen weiter zu laufen, Zehn- und Dreißig-Kilometerläufer hatten eine kürzere Strecke vor sich und konnten nach dem Einordnen in der linken Spur bereits früher umdrehen. Als ich den Punkt erreicht hatte, wo nur Marathon- und Halbmarathonläufer sein durften, achtete ich auf die Gegengerade, wo meine Vorderleute mir entgegenkommen mussten. Ich hoffte, herausfinden zu können, auf welcher Position ich war. Einen Halbmarathoni hatte ich einige Minuten zuvor überholt. Als mir nun tatsächlich keiner entgegenkam, überlegte ich, woran dies liegen könnte. Waren meine Vorderleute mir bereits zu weit voraus? Oder befand ich mich etwa auf Platz eins?
Der Rückweg führte nun auf der anderen Seite des Deiches entlang. Als wir hinter einem Spielplatz in südliche Richtung einbogen, spürte ich plötzlich starken Gegenwind. Meine Kilometerzeiten bewegten sich konstant bei ziemlich genau vier Minuten.
Die letzten beiden Kilometer des Rundkurses entsprachen exakt den ersten beiden Kilometern. Dieser Abschnitt wurde also für Hin- und Rückweg benutzt, wobei es keine Abtrennung der beiden Wege voneinander gab. Dies war anders als vor drei Jahren, wo einem keine Läufer entgegenkamen. So richtig klar wurde mir dies aber erst auf der letzten Geraden, welche zum Ziel führte. Kurz nach dem zweiten Versorgungspunkt sah ich hier zwei Polizei-Motorräder, welche die Führenden begleiteten, die gerade die zweite Runde begonnen hatten. Nun wurde ich aufmerksam: Wie viele Halbmarathonläufer befanden sich darunter?
Mir kamen etwa zehn Läufer entgegen mit verschiedenfarbigen Startnummern. Die Zielgerade zog sich dabei immer mehr in die Länge und ich dachte schon, jetzt könne niemand mehr entgegenkommen, als schon wieder neue Läufer auftauchten. Insgesamt zählte ich zwei Halbmarathonläufer. Demnach musste ich mich auf Rang drei befinden, aber ganz sicher war ich mir nicht. Auf den nächsten Verfolger hatte ich einen Vorsprung von etwa einer halben Minute.
Unter dem Beifall der Zuschauer bog ich in die zweite Runde ein. Hier galt nun die volle Konzentration dem Gegenverkehr, denn der größte Teil des Läuferfeldes kam mir in der Fußgängerzone entgegen und ich musste besonders hinter Abzweigungen zwischen Häusern aufpassen, um eine Kollision zu vermeiden.
Ich war unendlich froh, als ich die Stelle erreichte, wo der Weg auf den Deich führte und ich von nun an keinen Gegenverkehr mehr hatte. Hier war auch ein kurzer Blick auf meine Verfolger möglich. Erneut spürte ich die Hitze des heutigen Tages. Dann näherten sich von hinten Schritte. Ich wurde von zwei Männern überholt, welche sich zum Glück als Marathonläufer entpuppten. Als ich einen langsamen Mann überholte, achtete ich auf seine Startnummer, aber er trug offenbar gar keine. Meine Hoffnung auf eine noch bessere Platzierung war sowieso gering, denn am Ende der ersten Runde hatte ich gesehen, dass mein Vordermann einen beruhigenden Vorsprung auf mich hatte.
Kurz vor dem Wendepunkt überholte ich noch eine Frau, welche mir mitteilte, dass sie Staffelläuferin sei. Dann befand ich mich auf dem Rückweg. Meinen Hintermann konnte ich nicht sehen, der Vorsprung auf ihn war also ausreichend groß.
Als ich wieder den Spielplatz erreicht hatte, spürte ich erneut den starken Gegenwind. Seitenstechen hatte ich fast gar keines. Auf meine genauen Zeiten hatte ich auch kaum noch geachtet, da ich mit den vielen Kilometerschildern ein bisschen durcheinander gekommen war. Ein Fotograf blitzte mich, ich streckte die Arme auseinander. Er rief mir zu: „Du bist dritter!“ Langsam wurde ich mir sicher, heute einmal auf dem Podest stehen zu können.
Dann erreichte ich wieder die Innenstadt, wo mir nun noch die langsamsten Teilnehmer entgegenkamen, die gerade in die zweite Runde eingebogen waren. Den letzten Versorgungspunkt, zwei Kilometer vor dem Ziel, ließ ich aus. Meinen Hintermann konnte ich nicht sehen, wenn ich mich umdrehte. Die jetzige Position war mir nicht mehr zu nehmen. Eine neue Bestzeit dagegen war nicht mehr möglich.
Dann kam ich auf die Zielgeraden. Das eigentliche Ziel befand sich aber erst auf dem Rückweg. Ich musste eine scharfe Kurve schneiden und dann lief ich über die Linie, bei einer Zeit knapp unter 85 Minuten. Ich hatte also für mich persönlich eine neue zweitbeste Zeit erzielt. Der Kommentator erwähnte meinen Namen allerdings nicht, sondern forderte Applaus für irgendeine weibliche Teilnehmerin. Ich ging jetzt davon aus, dass ich wohl doch nicht den dritten Platz erreicht hatte. Leider konnten mir die die Frauen, welche mir die Medaille umhängten, nicht sagen, wievielter ich geworden sei. Die Medaille war exakt die gleiche wie vor drei Jahren. Auf dem Band stand diesmal allerdings „7. Stadtsparkassen Marathon Cuxhaven 2013“. Noch nicht einmal das genaue Datum war angegeben.
Ich suchte eines der Dixi-Klos auf, da mein Enddarm auf den letzten Kilometern zu drücken begonnen hatte. Dann sagte mir ein Helfer, dass die Siegerehrung für den Halbmarathon für 13:15 Uhr geplant sei. Bis dahin war es noch deine Dreiviertelstunde. In der Sparkasse gäbe es Computer, welche die Ergebnisse wüssten. Vielleicht könnte ich dort mehr erfahren.
Mit leichtem Muskelkater in den Beinen ging ich zur Sparkasse, wo bereits zahlreiche Zehn-Kilometerläufer anstanden, um ihre Chips abzugeben. Ich bekam hier meine fünf Euro zurück und ging dann zu den Computer-Bildschirmen, welche aber leider keine Halbmarathon-Ergebnisse anzeigten. Da es bis zur Siegerehrung noch eine halbe Stunde war, ging ich weiter zur Grundschule, wo ich mein Tasche abholte und dann zu den Umkleiden ging. Hier war wenig los, ich musste beim Duschen nicht anstehen. Leider spürte ich jetzt meine Frühjahrsallergien, welche nicht auftreten, wenn ich im Freien bin, sondern immer dann, wenn ich im Freien war und dann ein Gebäude betrete.
Ich zog mich wieder an und ging zum Zielbereich zurück. Der Muskelkater hatte schon wieder nachgelassen. Ich fragte mehrere Zuschauer, ob die Siegerehrung schon stattgefunden hätte. Da hörte ich plötzlich, wie der Kommentator sechs Namen nannte, darunter auch meinen. Ich ging zu ihm hin und sagte, dass er mich aufgerufen habe. Er forderte mich auf, über die Absperrung zu klettern. Es war so, wie ich es erhofft hatte: Ich war der Drittplatzierte des Cuxhaven-Halbmarathon 2013!
Zunächst wurden die drei schnellsten Frauen geehrt, welche sich auf das sehr niedrige Treppchen stellten. Sie wurden auch noch interviewt, welche Ziele sie für dieses Jahr verfolgten. Dann kamen wir Männer dran. Ich musste als erster auf der linken Seite Platz nehmen. Eine junge Frau kam zu mir, schüttelte mir die Hand und überreichte mir einen Briefumschlag. Dieser enthielt wahrscheinlich das Preisgeld. Der Kommentator fragte mich über sein Mikrofon, ob dies heute meine schnellste Zeit gewesen sei. Ich rief ihm zu, dass es die zweitschnellste gewesen war und er gab diese Antwort über sein Mikrofon an die Zuschauer weiter. Der zweitplatzierte Mann war leider nicht aufgetaucht. Nur der Sieger, dem ich gratulierte, stellte sich neben mir auf. Auch er erhielt einen Briefumschlag. Einige Fotos wurden geschossen, dann war die Ehrung auch schon wieder vorbei. Pokale oder sonstige Preise gab es nicht.
Ich nahm meine Tasche und ging zum Bahnhof zurück. Um 13:39 Uhr fuhr die EVB nach Bremerhaven los. Ein Passagier im Zug, welcher auch gelaufen war, gratulierte mir noch, genauso eine ältere Dame. Nach einem Umsteigestopp in Bremerhaven-Lehe kam ich gegen 16 Uhr wieder zu Hause an.
Dienstag, 9. April 2013
Halbmarathon Freiburg 2013-04-07
Der sechsundsechzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der zehnte Freiburg-Marathon.
Im Gegensatz zu den beiden Vorjahren (2011 Marathon, 2012 Halbmarathon) startete meine Reise diesmal von Bremen aus. Ich hatte neben Hin- und Rückfahrt (96 Euro) noch die Startgebühr in Höhe von 38 Euro bezahlt. Sollte ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht starten können, so hätte ich viel Geld in den Sand gesetzt.
Ich ging am Vorabend um 23 Uhr zur Straßenbahn, mit der ich zum Hauptbahnhof fuhr. Dort startete um 23:44 Uhr der Intercity, welcher bis Frankfurt fahren sollte. Ich hatte zwei Taschen dabei: In der einen befanden sich meine gewöhnlichen Sachen. In der anderen waren eine Decke und ein Kissen, denn wegen der langen Rückfahrt konnte ich es mir diesmal nicht leisten, auf der Hinfahrt vollkommen schlaflos zu bleiben.
Zunächst war aber an Schlaf nicht zu denken, da ich kein Sechser-Abteil für mich alleine bekam. Ich setzte mich schließlich zu zwei Männern, welcher mit einem kleinen Kind unterwegs waren, ins Abteil. Diese Leute hatten heute das Spiel HSV gegen Freiburg angeschaut und waren auf dem Rückweg nach Münster. Ich unterhielt mich mit den beiden Erwachsenen, bis sie in Münster ausstiegen. Leider stiegen hier auch viele Leute ein. Ich war nun mit einem leicht alkoholisierten Mann im Abteil, hatte nun aber endlich die Möglichkeit, mich über drei Sitze auszubreiten und Gebrauch von meiner Bettwäsche zu machen. Leider konnte ich auch jetzt nicht schlafen.
Dann leerte sich der Zug. In Köln bekam ich ein Abteil für mich alleine. Und nun gelang es mir tatsächlich, etwa eine Stunde lang zu schlafen. Das Mitschleppen der zweiten Tasche hatte sich also gelohnt. Als ich gegen sechs Uhr meine Bettwäsche wieder einpackte, roch der gesamte Flur des Waggons nach Erbrochenem. Auch auf der Toilette hatte sich ein Passagier übergeben, wie ich an den Resten im Waschbecken erkennen konnte. Ich war froh, um 6:45 Uhr am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens aussteigen zu können.
Meine Reiseplanung sah so aus, dass ich hier nach achtminütiger Wartezeit in den ICE nach Mannheim einsteigen sollte, wo ich dann nach 13 Minuten Wartezeit den ICE nach Freiburg nehmen würde. Dort sollte ich um neun Uhr ankommen. Selbst wenn ich einen Anschlusszug verpassen und eine Stunde später in Freiburg ankommen würde, so wäre noch genug Zeit zur Abholung der Startunterlagen vorhanden, da der Startschuss erst um 11:10 Uhr erfolgen sollte. Leider hatte die Deutsche Bahn heute erheblich mehr Probleme als an normalen Tagen.
In Frankfurt wäre mein Zug am gegenüberliegenden Gleis abgefahren. Zunächst las ich an der Anzeigetafel etwas von 15 Minuten Verspätung. Als daraus 25 Minuten wurden, war mir klar, dass ich den Anschlusszug in Mannheim verpassen würde. Am Service-Point erfuhr ich, dass das Problem auf der Strecke zwischen Köln-Bonn und dem Flughafen liegen würde. Somit war fraglich, ob ich in Mannheim mit dem Zug eine Stunde später auch pünktlich ankommen würde, denn dieser fuhr auch über den Frankfurter Flughafen. Ich ließ mir die Zugbindung aufheben und ging zurück ans Gleis. Hier standen verschiedene Fernverkehrszüge schon seit mehr als einer halben Stunde und warteten darauf, losfahren zu dürfen. Die Verspätung des von mir anvisierten ICE erhöhte sich auf 80 Minuten. Ich versuchte, meinen Freund Axel zu erreichen, mit welchem ich mich heute in Freiburg treffen wollte. Falls die Verspätung ein noch größeres Ausmaß annehmen sollte, so könnte er für mich die Startunterlagen abholen, damit ich damit keine große Zeit vergeuden würde. Leider ging er nicht an sein Handy.
Mit 80 Minuten Verspätung ging es dann nach Mannheim. Als ich dort ausstieg, gesellte sich ein anderer Läufer zu mir. Er hieß Klaus und kam aus Köln. Wir warteten gemeinsam auf den ICE, welcher eine Stunde nach dem eigentlich von uns vorgesehenen Zug nach Freiburg fahren sollte. Angegeben war hier eine Verspätung von 45 Minuten. Dies hätte bedeutet, dass wir in Freiburg 25 Minuten Zeit gehabt hätten, um vom Bahnhof zur Startgeraden zu gehen. Von Klaus, welcher auch schon mehrere Male in Freiburg gelaufen war, erfuhr ich, dass der Start in mehreren Blöcken vor sich ging. Ich hatte dies im letzten Jahr nicht mitbekommen, weil ich mich im Feld damals ganz nach vorne gestellt hatte. Der letzte Block sollte um 11:20 Uhr starten. Somit hatten wir also noch zusätzliche zehn Minuten Zeit.
Es gelang mir nun endlich, telefonisch zu Axel Kontakt aufzunehmen. Ich bereitete ihn auf seine Aufgabe vor. Er befand sich im Moment auf dem Weg von der Schweiz nach Freiburg.
Kurz bevor die 45 Minuten Verspätung abgelaufen waren, verschwand die Ankündigung des Zuges von der Anzeige, um dann mit dem Hinweis „80 Minuten Verspätung“ wieder aufzutauchen. Glücklicherweise gab es aber den regulären Zug, welcher eine weitere Stunde nach dem von uns anvisierten fahren sollte. Dieser ICE kam nicht vom Frankfurter Flughafen und hatte also keine Verspätung. Er traf pünktlich ein und ich stieg mit Klaus ein. Jetzt konnten wir nur hoffen, dass es auf der Strecke nach Freiburg keine Zwischenfälle geben würde, denn die fahrplanmäßige Ankunft war um 10:59 Uhr, also elf Minuten vor dem Marathon-Start. Den Weg zum Veranstaltungsgelände konnten wir dann nur noch mit einem Taxi zurücklegen.
Währen der Fahrt telefonierte ich wieder mit Axel. Er hatte sich am Messegelände bis zur Startunterlagenausgabe vorgekämpft und holte zunächst meinen Starterbeutel und dann den von Klaus ab, welcher heute den kompletten Marathon laufen wollte. Er sagte zu uns, dass er neben einem „großen, blauen, aufblasbaren Ding“ an der Zielgeraden auf uns warten würde. Dies wäre bei den Parkplätzen, so dass wir mit dem Taxi problemlos dorthin fahren könnten. Während der Messe hatte Axel sich an den Messeständen mit allen möglichen Dingen (Essen, Kappe, etc.) bedient, die eigentlich Klaus und mir zugestanden hätten.
Bevor wir in Freiburg ankamen, aß ich noch mein zweites und letztes mitgebrachtes Brot. Auf der Zugtoilette zog ich mich um. Da etwa 8°C vorausgesagt worden waren, trug ich kurze Kleidung und obenrum das Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2012. Der Bewölkung zu Folge konnte ich auf meine Sonnenbrille verzichten.
Mit einer Minute Verspätung kamen wir in Freiburg an und stürmten sofort auf den Bahnhofsvorplatz, wo wir eine Schlange von Taxis sahen und den Fahrer des ersten ansprachen. Er sagte, dass es schwierig werden würde, zum Messegelände zu fahren, da große Teile der Innenstadt wegen des Marathons gesperrt sein. Er könne aber versuchen, uns so nahe wie möglich zum Gelände zu fahren. Leider hatten weder Klaus noch ich einen Plan der Marathonstrecke dabei, weshalb wir dem Taxifahrer erst einmal keine Route vorschlagen konnten.
Kurz nach Beginn der Fahrt fiel mir jedoch der Name „Berliner Allee“ ein. Dabei handelt es sich um die lange Gerade, welche 2011 am Start abgelaufen wurde und ab 2012 aus der Strecke genommen war, weil sie zu „gegenwindanfällig“ war. Ich teilte dies dem Taxifahrer mit und sagte ihm, dass er zur Berliner Allee fahren und dort so weit wie möglich zum Messegelände vordringen sollte. Dies tat er auch. Wir erreichten die Stelle, wo die Strecke von der Berliner Allee nach rechts abbog. Ein Streckenposten erklärte uns, dass wir uns dem Gelände nicht weiter nähern dürften. Der Taxifahrer setzte sich vehement für uns beide ein, aber ohne Erfolg. Ich bezahlte und wir stiegen aus. Gerade war der Startschuss ertönt und ich sah den ersten Block des Feldes auf uns zurasen.
Am Rande der Strecke rannten Klaus und ich zum Veranstaltungszentrum. Ich hatte dabei die beiden Taschen in der Hand. Je weiter wir kamen, umso schwieriger wurde es, denn die Zuschauermassen wurden immer größer. Auf dem Parkplatz sah ich das „große, blaue, aufblasbare“ Ding. Es schien sich um eine Art Heißluftballon zu handeln. Aber wo war Axel? Ich rief laut seinen Namen, aber es kam keine Antwort. Da nahm ich mein Handy heraus und rief ihn an. Er teilte mir mit, gleich bei mir zu sein. Er befand sich an dem Stück der Zielgeraden, welches auf einer Brücke war und kam nun zu uns gefahren – auf einem Skateboard! Wir begrüßten uns und dann übergab er uns die beiden goldfarbenen Starterbeutel. Wir kramten die Startnummern heraus und befestigten sie an unseren Trikots. Axel bekam von mir den Auftrag, meine beiden Taschen mit dem Startnummern-Aufkleber zu versehen und abzugeben. Klaus wollte seine Tasche persönlich abgeben. Ich verabschiedete mich nun von ihm, denn der Start des letzten Läuferblockes stand unmittelbar bevor. Ich rannte durch die Zuschauermassen zur Startgeraden, wo ich auf den Absperrzaun kletterte und auf der anderen Seite in den Graben sprang, welcher die Straße vom Gehweg trennte. Nun befand ich mich relativ weit vorne in diesem Feld der „langsamsten“ Läufer. Der Startschuss war gerade erklungen und um 11:21 Uhr hatte ich dann auch die Linie überquert. Ich war überglücklich, dass ich es trotz aller Hindernisse rechtzeitig geschafft hatte.
Ich hatte mit den beiden Taschen unter dem Arm etwa einen Kilometer zurücklegt. Wie anstrengend das war, merkte ich, als ich nun nach kurzer Zeit Seitenstechen spürte. Die Strecke war exakt die gleiche wie im Vorjahr, aber sie kam mir irgendwie ziemlich fremd vor. Nach den ersten beiden Kurven kamen wir an eine Stelle, wo Helfer bei den Zuschauern Spenden sammelten. Ich hatte inzwischen den größten Teil des hinteren Läuferblocks überholt und nahezu freie Bahn. Als wir unter einer Brücke durchliefen, auf der zahlreiche Zuschauer standen, winkte ich ihnen zu.
Nach fünf Kilometern kam der erste Versorgungspunkt, wo ich einen Becher Wasser bekam. Es war inzwischen ziemlich eng geworden, da ich den vor mir gestarteten Block erreicht hatte. Eine neue Bestzeit war heute ohnehin nicht möglich, daher störte es mich nicht, dass ich durch das Überholen Zeit verlor.
Wir befanden uns nun im Osten der Stadt und hatten rechts einen schönen Blick auf den Schwarzwald. Nach einem zweiten Versorgungspunkt kurz vor Kilometer sieben kam ein kleiner Schlenker in die Innenstadt, wo eine Art „Bahn“ auf Schienen von einer unterirdischen Station in den Schwarzwald hinauf führte. Hinter dem Schlenker liefen wir dann auf die Dreisam zu, welcher wir uns von Norden näherten.
Ich spürte, dass mein Enddarm drückte und schaute mich daher nach einer Dixi-Toilette um, fand zunächst aber keine. Es folgte nun die Strecke an der Dreisam: Am Nordufer in Richtung Osten. Hier war der schöne Radwanderweg, welcher aber auch ziemlich eng war. Ein Radfahrer, offenbar ein Helfer, klingelte sich zwischen uns den Weg frei. Nach elf Kilometern war der östlichste Punkt der Strecke erreicht und wir bogen hinter dem Sportgelände nach links. Die Dreisam hatten wir schon vorher überquert. Ich schaute nun nach links, wo ich tatsächlich das Dreisamstadion des SC Freiburg erkannte. Klaus hatte mir gesagt, dass man an diesem vorbeilaufen würde, was mir bisher noch nie aufgefallen war.
Der Rückweg führte direkt am Fluss entlang und wir konnten wieder die vielen kleinen Wasserfälle bestaunen. Als ich an einer Stelle nun endlich drei Dixi-Toiletten entdeckte, steuerte ich darauf zu, musste aber leider einsehen, dass alle drei besetzt waren. Eine Läuferin vor mir war ebenfalls enttäuscht.
Wir befanden uns nach 14 Kilometern wieder nördlich der Dreisam und steuerten auf die Innenstadt zu. Hier wurde es wieder richtig eng. In der Fußgängerzone sah ich wieder die kleinen Wasserkanäle. An einer Apotheke hatte ich gelesen, dass es aktuell 6°C waren. Nachdem ich einen Typen im BVB-Trikot von Mario Götze überholt hatte, sah ich wieder zwei Dixi-Toiletten vor mir. Leider waren diese auch beide besetzt. Doch plötzlich ging eine Tür auf und eine Läuferin kam heraus. Ich reagiert sofort und steuerte auf das Ding zu. Meine Zwangspause kostete mich etwa zwei Minuten. Dann kam ich wieder heraus und reihte mich im dichten Feld ein.
Nach einigen Minuten durfte ich den BVB-Fan mit dem Götze-Trikot erneut überholen. An einem der nächsten Versorgungsstände gab es dann sogar Gläser mit Weizen-Bier (alkoholfrei). Ein Blick auf meine Uhr sagte mir, dass ich heute eine Zeit von etwa 1:38h laufen würde. Ich befand mich nun zwei Kilometer vor dem Ziel neben der Rheintalbahn und erhöhte meine Geschwindigkeit ein bisschen. Die letzte Straße vor der Zielgeraden führte schließlich auf eine Brücke, wo dann die Einteilung stattfand: Marathonläufer sollten sich links einordnen um dann in die zweite Runde einzubiegen, Halbmarathonläufer mussten rechts rein. Die Brücke führte über die Straße, auf welcher ich kurz nach dem Start noch selber gelaufen war sowie über Eisenbahnschienen. Mir fiel ein, dass Axel ja auch unter den Zuschauern sein könnte. Ich sah mich um und erblickte ihn. Er jubelte mir zu. Er stand ohne meine Taschen da, weshalb ich davon ausging, dass er diese ordnungsgemäß abgegeben hatte. Ich rief ihm im Vorbeilaufen zu: „Ich gehe duschen, dann komme ich zu dir!“ Es folgten nun eine Links- und eine Rechtskurve, bevor es bergab ging auf das Ziel zu.
Ich winkte in die Zuschauermenge und überquerte dann die Ziellinie. Nach einigen Metern bekam ich die Medaille. Sie war silberfarben. Auf der Vorderseite war zu lesen: „Freiburg Marathon, Halbmarathon, 7.April 2013“. In der Mitte befand sich eine große zehn, welcher für die zehnte Auflage des Freiburg-Marathons stand. Auf der Rückseite stand das Wort „Finisher“.
Ich wollte nun so schnell wie möglich zu den Duschen, denn ich war zusammen mit dem Hauptfeld eingetroffen und hatte keine Lust, lange anzustehen. Leider ging ich zuerst in die naheliegende Halle, wo ich lediglich eine Brezel zu essen bekam. Ich verließ die Halle wieder und steuerte nun auf das Hauptgebäude zu. Meine Taschen bekam ich problemlos zurück. Im Umkleidebereich ging es schon etwas enger zu. Trotzdem musste ich bei den Duschen nur kurz anstehen. Dann zog ich mich wieder an. Mit jedem Augenblick wurde es im Umkleidebereich voller.
Ich nahm die beiden Taschen und suchte nun Axel auf. Gemeinsam verbrachten wir noch eineinhalb Stunden in Freiburg, bevor ich um 15:04 Uhr den Eurocity nach Bremen nahm. Nach über sieben Stunden kamen wir dort an. Gegen 23 Uhr legte ich mich erschöpft in mein Bett und schlief auch sofort ein.
Der zehnte Freiburg-Marathon.
Im Gegensatz zu den beiden Vorjahren (2011 Marathon, 2012 Halbmarathon) startete meine Reise diesmal von Bremen aus. Ich hatte neben Hin- und Rückfahrt (96 Euro) noch die Startgebühr in Höhe von 38 Euro bezahlt. Sollte ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht starten können, so hätte ich viel Geld in den Sand gesetzt.
Ich ging am Vorabend um 23 Uhr zur Straßenbahn, mit der ich zum Hauptbahnhof fuhr. Dort startete um 23:44 Uhr der Intercity, welcher bis Frankfurt fahren sollte. Ich hatte zwei Taschen dabei: In der einen befanden sich meine gewöhnlichen Sachen. In der anderen waren eine Decke und ein Kissen, denn wegen der langen Rückfahrt konnte ich es mir diesmal nicht leisten, auf der Hinfahrt vollkommen schlaflos zu bleiben.
Zunächst war aber an Schlaf nicht zu denken, da ich kein Sechser-Abteil für mich alleine bekam. Ich setzte mich schließlich zu zwei Männern, welcher mit einem kleinen Kind unterwegs waren, ins Abteil. Diese Leute hatten heute das Spiel HSV gegen Freiburg angeschaut und waren auf dem Rückweg nach Münster. Ich unterhielt mich mit den beiden Erwachsenen, bis sie in Münster ausstiegen. Leider stiegen hier auch viele Leute ein. Ich war nun mit einem leicht alkoholisierten Mann im Abteil, hatte nun aber endlich die Möglichkeit, mich über drei Sitze auszubreiten und Gebrauch von meiner Bettwäsche zu machen. Leider konnte ich auch jetzt nicht schlafen.
Dann leerte sich der Zug. In Köln bekam ich ein Abteil für mich alleine. Und nun gelang es mir tatsächlich, etwa eine Stunde lang zu schlafen. Das Mitschleppen der zweiten Tasche hatte sich also gelohnt. Als ich gegen sechs Uhr meine Bettwäsche wieder einpackte, roch der gesamte Flur des Waggons nach Erbrochenem. Auch auf der Toilette hatte sich ein Passagier übergeben, wie ich an den Resten im Waschbecken erkennen konnte. Ich war froh, um 6:45 Uhr am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens aussteigen zu können.
Meine Reiseplanung sah so aus, dass ich hier nach achtminütiger Wartezeit in den ICE nach Mannheim einsteigen sollte, wo ich dann nach 13 Minuten Wartezeit den ICE nach Freiburg nehmen würde. Dort sollte ich um neun Uhr ankommen. Selbst wenn ich einen Anschlusszug verpassen und eine Stunde später in Freiburg ankommen würde, so wäre noch genug Zeit zur Abholung der Startunterlagen vorhanden, da der Startschuss erst um 11:10 Uhr erfolgen sollte. Leider hatte die Deutsche Bahn heute erheblich mehr Probleme als an normalen Tagen.
In Frankfurt wäre mein Zug am gegenüberliegenden Gleis abgefahren. Zunächst las ich an der Anzeigetafel etwas von 15 Minuten Verspätung. Als daraus 25 Minuten wurden, war mir klar, dass ich den Anschlusszug in Mannheim verpassen würde. Am Service-Point erfuhr ich, dass das Problem auf der Strecke zwischen Köln-Bonn und dem Flughafen liegen würde. Somit war fraglich, ob ich in Mannheim mit dem Zug eine Stunde später auch pünktlich ankommen würde, denn dieser fuhr auch über den Frankfurter Flughafen. Ich ließ mir die Zugbindung aufheben und ging zurück ans Gleis. Hier standen verschiedene Fernverkehrszüge schon seit mehr als einer halben Stunde und warteten darauf, losfahren zu dürfen. Die Verspätung des von mir anvisierten ICE erhöhte sich auf 80 Minuten. Ich versuchte, meinen Freund Axel zu erreichen, mit welchem ich mich heute in Freiburg treffen wollte. Falls die Verspätung ein noch größeres Ausmaß annehmen sollte, so könnte er für mich die Startunterlagen abholen, damit ich damit keine große Zeit vergeuden würde. Leider ging er nicht an sein Handy.
Mit 80 Minuten Verspätung ging es dann nach Mannheim. Als ich dort ausstieg, gesellte sich ein anderer Läufer zu mir. Er hieß Klaus und kam aus Köln. Wir warteten gemeinsam auf den ICE, welcher eine Stunde nach dem eigentlich von uns vorgesehenen Zug nach Freiburg fahren sollte. Angegeben war hier eine Verspätung von 45 Minuten. Dies hätte bedeutet, dass wir in Freiburg 25 Minuten Zeit gehabt hätten, um vom Bahnhof zur Startgeraden zu gehen. Von Klaus, welcher auch schon mehrere Male in Freiburg gelaufen war, erfuhr ich, dass der Start in mehreren Blöcken vor sich ging. Ich hatte dies im letzten Jahr nicht mitbekommen, weil ich mich im Feld damals ganz nach vorne gestellt hatte. Der letzte Block sollte um 11:20 Uhr starten. Somit hatten wir also noch zusätzliche zehn Minuten Zeit.
Es gelang mir nun endlich, telefonisch zu Axel Kontakt aufzunehmen. Ich bereitete ihn auf seine Aufgabe vor. Er befand sich im Moment auf dem Weg von der Schweiz nach Freiburg.
Kurz bevor die 45 Minuten Verspätung abgelaufen waren, verschwand die Ankündigung des Zuges von der Anzeige, um dann mit dem Hinweis „80 Minuten Verspätung“ wieder aufzutauchen. Glücklicherweise gab es aber den regulären Zug, welcher eine weitere Stunde nach dem von uns anvisierten fahren sollte. Dieser ICE kam nicht vom Frankfurter Flughafen und hatte also keine Verspätung. Er traf pünktlich ein und ich stieg mit Klaus ein. Jetzt konnten wir nur hoffen, dass es auf der Strecke nach Freiburg keine Zwischenfälle geben würde, denn die fahrplanmäßige Ankunft war um 10:59 Uhr, also elf Minuten vor dem Marathon-Start. Den Weg zum Veranstaltungsgelände konnten wir dann nur noch mit einem Taxi zurücklegen.
Währen der Fahrt telefonierte ich wieder mit Axel. Er hatte sich am Messegelände bis zur Startunterlagenausgabe vorgekämpft und holte zunächst meinen Starterbeutel und dann den von Klaus ab, welcher heute den kompletten Marathon laufen wollte. Er sagte zu uns, dass er neben einem „großen, blauen, aufblasbaren Ding“ an der Zielgeraden auf uns warten würde. Dies wäre bei den Parkplätzen, so dass wir mit dem Taxi problemlos dorthin fahren könnten. Während der Messe hatte Axel sich an den Messeständen mit allen möglichen Dingen (Essen, Kappe, etc.) bedient, die eigentlich Klaus und mir zugestanden hätten.
Bevor wir in Freiburg ankamen, aß ich noch mein zweites und letztes mitgebrachtes Brot. Auf der Zugtoilette zog ich mich um. Da etwa 8°C vorausgesagt worden waren, trug ich kurze Kleidung und obenrum das Trikot vom Mittelrhein-Marathon 2012. Der Bewölkung zu Folge konnte ich auf meine Sonnenbrille verzichten.
Mit einer Minute Verspätung kamen wir in Freiburg an und stürmten sofort auf den Bahnhofsvorplatz, wo wir eine Schlange von Taxis sahen und den Fahrer des ersten ansprachen. Er sagte, dass es schwierig werden würde, zum Messegelände zu fahren, da große Teile der Innenstadt wegen des Marathons gesperrt sein. Er könne aber versuchen, uns so nahe wie möglich zum Gelände zu fahren. Leider hatten weder Klaus noch ich einen Plan der Marathonstrecke dabei, weshalb wir dem Taxifahrer erst einmal keine Route vorschlagen konnten.
Kurz nach Beginn der Fahrt fiel mir jedoch der Name „Berliner Allee“ ein. Dabei handelt es sich um die lange Gerade, welche 2011 am Start abgelaufen wurde und ab 2012 aus der Strecke genommen war, weil sie zu „gegenwindanfällig“ war. Ich teilte dies dem Taxifahrer mit und sagte ihm, dass er zur Berliner Allee fahren und dort so weit wie möglich zum Messegelände vordringen sollte. Dies tat er auch. Wir erreichten die Stelle, wo die Strecke von der Berliner Allee nach rechts abbog. Ein Streckenposten erklärte uns, dass wir uns dem Gelände nicht weiter nähern dürften. Der Taxifahrer setzte sich vehement für uns beide ein, aber ohne Erfolg. Ich bezahlte und wir stiegen aus. Gerade war der Startschuss ertönt und ich sah den ersten Block des Feldes auf uns zurasen.
Am Rande der Strecke rannten Klaus und ich zum Veranstaltungszentrum. Ich hatte dabei die beiden Taschen in der Hand. Je weiter wir kamen, umso schwieriger wurde es, denn die Zuschauermassen wurden immer größer. Auf dem Parkplatz sah ich das „große, blaue, aufblasbare“ Ding. Es schien sich um eine Art Heißluftballon zu handeln. Aber wo war Axel? Ich rief laut seinen Namen, aber es kam keine Antwort. Da nahm ich mein Handy heraus und rief ihn an. Er teilte mir mit, gleich bei mir zu sein. Er befand sich an dem Stück der Zielgeraden, welches auf einer Brücke war und kam nun zu uns gefahren – auf einem Skateboard! Wir begrüßten uns und dann übergab er uns die beiden goldfarbenen Starterbeutel. Wir kramten die Startnummern heraus und befestigten sie an unseren Trikots. Axel bekam von mir den Auftrag, meine beiden Taschen mit dem Startnummern-Aufkleber zu versehen und abzugeben. Klaus wollte seine Tasche persönlich abgeben. Ich verabschiedete mich nun von ihm, denn der Start des letzten Läuferblockes stand unmittelbar bevor. Ich rannte durch die Zuschauermassen zur Startgeraden, wo ich auf den Absperrzaun kletterte und auf der anderen Seite in den Graben sprang, welcher die Straße vom Gehweg trennte. Nun befand ich mich relativ weit vorne in diesem Feld der „langsamsten“ Läufer. Der Startschuss war gerade erklungen und um 11:21 Uhr hatte ich dann auch die Linie überquert. Ich war überglücklich, dass ich es trotz aller Hindernisse rechtzeitig geschafft hatte.
Ich hatte mit den beiden Taschen unter dem Arm etwa einen Kilometer zurücklegt. Wie anstrengend das war, merkte ich, als ich nun nach kurzer Zeit Seitenstechen spürte. Die Strecke war exakt die gleiche wie im Vorjahr, aber sie kam mir irgendwie ziemlich fremd vor. Nach den ersten beiden Kurven kamen wir an eine Stelle, wo Helfer bei den Zuschauern Spenden sammelten. Ich hatte inzwischen den größten Teil des hinteren Läuferblocks überholt und nahezu freie Bahn. Als wir unter einer Brücke durchliefen, auf der zahlreiche Zuschauer standen, winkte ich ihnen zu.
Nach fünf Kilometern kam der erste Versorgungspunkt, wo ich einen Becher Wasser bekam. Es war inzwischen ziemlich eng geworden, da ich den vor mir gestarteten Block erreicht hatte. Eine neue Bestzeit war heute ohnehin nicht möglich, daher störte es mich nicht, dass ich durch das Überholen Zeit verlor.
Wir befanden uns nun im Osten der Stadt und hatten rechts einen schönen Blick auf den Schwarzwald. Nach einem zweiten Versorgungspunkt kurz vor Kilometer sieben kam ein kleiner Schlenker in die Innenstadt, wo eine Art „Bahn“ auf Schienen von einer unterirdischen Station in den Schwarzwald hinauf führte. Hinter dem Schlenker liefen wir dann auf die Dreisam zu, welcher wir uns von Norden näherten.
Ich spürte, dass mein Enddarm drückte und schaute mich daher nach einer Dixi-Toilette um, fand zunächst aber keine. Es folgte nun die Strecke an der Dreisam: Am Nordufer in Richtung Osten. Hier war der schöne Radwanderweg, welcher aber auch ziemlich eng war. Ein Radfahrer, offenbar ein Helfer, klingelte sich zwischen uns den Weg frei. Nach elf Kilometern war der östlichste Punkt der Strecke erreicht und wir bogen hinter dem Sportgelände nach links. Die Dreisam hatten wir schon vorher überquert. Ich schaute nun nach links, wo ich tatsächlich das Dreisamstadion des SC Freiburg erkannte. Klaus hatte mir gesagt, dass man an diesem vorbeilaufen würde, was mir bisher noch nie aufgefallen war.
Der Rückweg führte direkt am Fluss entlang und wir konnten wieder die vielen kleinen Wasserfälle bestaunen. Als ich an einer Stelle nun endlich drei Dixi-Toiletten entdeckte, steuerte ich darauf zu, musste aber leider einsehen, dass alle drei besetzt waren. Eine Läuferin vor mir war ebenfalls enttäuscht.
Wir befanden uns nach 14 Kilometern wieder nördlich der Dreisam und steuerten auf die Innenstadt zu. Hier wurde es wieder richtig eng. In der Fußgängerzone sah ich wieder die kleinen Wasserkanäle. An einer Apotheke hatte ich gelesen, dass es aktuell 6°C waren. Nachdem ich einen Typen im BVB-Trikot von Mario Götze überholt hatte, sah ich wieder zwei Dixi-Toiletten vor mir. Leider waren diese auch beide besetzt. Doch plötzlich ging eine Tür auf und eine Läuferin kam heraus. Ich reagiert sofort und steuerte auf das Ding zu. Meine Zwangspause kostete mich etwa zwei Minuten. Dann kam ich wieder heraus und reihte mich im dichten Feld ein.
Nach einigen Minuten durfte ich den BVB-Fan mit dem Götze-Trikot erneut überholen. An einem der nächsten Versorgungsstände gab es dann sogar Gläser mit Weizen-Bier (alkoholfrei). Ein Blick auf meine Uhr sagte mir, dass ich heute eine Zeit von etwa 1:38h laufen würde. Ich befand mich nun zwei Kilometer vor dem Ziel neben der Rheintalbahn und erhöhte meine Geschwindigkeit ein bisschen. Die letzte Straße vor der Zielgeraden führte schließlich auf eine Brücke, wo dann die Einteilung stattfand: Marathonläufer sollten sich links einordnen um dann in die zweite Runde einzubiegen, Halbmarathonläufer mussten rechts rein. Die Brücke führte über die Straße, auf welcher ich kurz nach dem Start noch selber gelaufen war sowie über Eisenbahnschienen. Mir fiel ein, dass Axel ja auch unter den Zuschauern sein könnte. Ich sah mich um und erblickte ihn. Er jubelte mir zu. Er stand ohne meine Taschen da, weshalb ich davon ausging, dass er diese ordnungsgemäß abgegeben hatte. Ich rief ihm im Vorbeilaufen zu: „Ich gehe duschen, dann komme ich zu dir!“ Es folgten nun eine Links- und eine Rechtskurve, bevor es bergab ging auf das Ziel zu.
Ich winkte in die Zuschauermenge und überquerte dann die Ziellinie. Nach einigen Metern bekam ich die Medaille. Sie war silberfarben. Auf der Vorderseite war zu lesen: „Freiburg Marathon, Halbmarathon, 7.April 2013“. In der Mitte befand sich eine große zehn, welcher für die zehnte Auflage des Freiburg-Marathons stand. Auf der Rückseite stand das Wort „Finisher“.
Ich wollte nun so schnell wie möglich zu den Duschen, denn ich war zusammen mit dem Hauptfeld eingetroffen und hatte keine Lust, lange anzustehen. Leider ging ich zuerst in die naheliegende Halle, wo ich lediglich eine Brezel zu essen bekam. Ich verließ die Halle wieder und steuerte nun auf das Hauptgebäude zu. Meine Taschen bekam ich problemlos zurück. Im Umkleidebereich ging es schon etwas enger zu. Trotzdem musste ich bei den Duschen nur kurz anstehen. Dann zog ich mich wieder an. Mit jedem Augenblick wurde es im Umkleidebereich voller.
Ich nahm die beiden Taschen und suchte nun Axel auf. Gemeinsam verbrachten wir noch eineinhalb Stunden in Freiburg, bevor ich um 15:04 Uhr den Eurocity nach Bremen nahm. Nach über sieben Stunden kamen wir dort an. Gegen 23 Uhr legte ich mich erschöpft in mein Bett und schlief auch sofort ein.
Dienstag, 2. April 2013
Halbmarathon Neugraben 2013-04-01
Der fünfundsechzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Hamburger Halbmarathon durch das Alte Land.
Als ich vor einigen Monaten dieses Osterwochenende mit zwei Halbmarathonläufen buchte, hätte ich nicht geahnt, an jenem Samstag in Paderborn eine so gute Zeit zu laufen. Am darauffolgenden Sonntag hatte ich entsprechend Muskelkater und auch am Ostermontag, dem Tag des zweiten Halbmarathons, fühlten sich meine Beine noch nicht ganz gut an. Ich hatte mich daher dazu entschieden, es heute ein wenig langsamer anzugehen.
Das Alte Land liegt südlich der Elbe in Hamburg. Ich stand an diesem Morgen um sechs Uhr auf und frühstückte. Um sieben Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo um 7:21 Uhr die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof abfuhr. An diesem Wochenende war auf Sommerzeit umgestellt worden, aber es war schon jetzt vollständig hell. Am Hauptbahnhof bestieg ich den Metronom, welcher um 7:33 Uhr in Richtung Hamburg startete. Nach einer Stunde stieg ich in Hamburg-Harburg aus und ging zur unterirdischen S-Bahn-Station, wo ich mir ein Ticket kaufte und dann zum Gleis ging. Ich hatte es leider verpasst, mir eine genaue Beschreibung des Weges vom Bahnhof in Neuwiedenthal bis zum Veranstaltungszentrum zu machen, aber diese Mühe wäre sowieso nicht nötig gewesen, denn ich erblickte am Gleis einen anderen Läufer, welcher offenbar das gleiche Ziel wie ich hatte. Er hieß Sebastian und kam auch aus Bremen. Er hatte schon letztes Jahr bei dieser Veranstaltung teilgenommen und kannte daher den Weg genau. In den letzten Jahren war er allerdings immer nur die zehn Kilometer gelaufen. Für ihn war das heute erst der zweite Halbmarathon seines Lebens.
Wir bestiegen zusammen die S-Bahn in Richtung Stade und fuhren bis Hamburg-Neugraben, weil Sebastian den Weg von dort zum Veranstaltungszentrum als den kürzesten bezeichnete. Wir brauchten nun etwa eine Viertelstunde bis zum Schulgelände, wo wir uns die Startnummern abholten. In der großen Halle setzten wir uns und ich aß noch mein mitgebrachtes Brot. Es waren noch 30 Minuten bis zum Start um zehn Uhr. Sebastian zog sich eine lange Hose und ein langärmliges Trikot an. Ich dagegen entschied mich für kurze Kleidung, obenrum das Trikot vom Wilhelmshavener Halbmarathon 2011, und gegen Handschuhe. Da am Himmel keine einzige Wolke zu erblicken war, setzte ich noch meine Spezial-Sonnenbrille auf. An den Füßen trug ich diesmal nicht die Schuhe vom Typ Cumulus, welche ich sonst einsetzte um beim Halbmarathon möglichst schnelle Zeiten zu erzielen, sondern das Paar vom Typ Nimbus, in welchem ich schon Strecken von 30 Kilometern bei langsamer Geschwindigkeit bewältigt hatte. Ich wollte mich in diesen Schuhen nämlich weiter einlaufen, um sie in drei Wochen beim Marathon in Hamburg zu tragen.
Unsere Taschen konnten wir in der Halle ablegen, allerdings waren sie hier unbewacht und ohne Haftung. Um Viertel vor zehn Uhr verließen wir das Gebäude und begaben uns zur Startgeraden, welche in Nord-Süd-Richtung angelegt war. Ein wenig fror ich schon, aber ich hoffte, dass dies während dem Laufen nachlassen würde.
Nachdem wir uns warmgelaufen hatten, reihten wir uns ganz hinten im Feld ein und warteten auf den Startschuss. Der Zehn-Kilometerlauf sollte zehn Minuten später beginnen.
Als es dann endlich losging, stellte ich fest, dass ich eigentlich noch einmal dringend aufs Klo musste. Wir hatten gerade das Wohngebiet von Neugraben hinter uns und liefen auf einer für Autos gesperrten Hauptverkehrsstraße nach Norden auf die Elbe zu. Ich ging kurz an den Rand und verrichtete im Gesträuch meine Notdurft. Dann begann ich damit, das inzwischen aus den Augen verlorene Läuferfeld wieder einzuholen. Nach wenigen Minuten hatte ich auch Sebastian wieder erreicht.
Die Kilometer waren zwar alle ausgeschildert, aber ich achtete heute nicht darauf, da ich keine neue Bestzeit laufen würde. Ich blieb an der Seite von Sebastian und unterhielt mich mit ihm. Er erklärte mir die Strecke, welche aus einem einfachen Weg bestand, der hin- und zurückgelaufen werden musste.
Nach einer Linkskurve ging es im Prinzip nur noch geradeaus auf einem asphaltierten Weg. Links von uns war ein Feld, rechts von uns waren ein paar Bäume, welche im Sommer wohl Äpfel trugen. An einer Stelle kam ich in einem Schlagloch mit dem Fuß falsch auf, verletzte mich zum Glück aber nicht. Dies wäre im Hinblick auf den Hamburg-Marathon eine Katastrophe gewesen.
Als wir Kilometer 5 erreichten, sahen wir einige Läufer umkehren. Sebastian erklärte mir, dass es sich bei ihnen um die Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes handelte, von denen uns die Schnellsten bereits überholt hatten, obwohl sie zehn Minuten später gestartet waren. An einer anderen Stelle stand tatsächlich ein Fotograf und machte Bilder von uns. Bei dieser Gelegenheit nahm ich meine Sonnenbrille kurz ab.
Nach etwa acht Kilometern erreichten wir einen Versorgungspunkt. Ich ließ mir einen Becher warmen Tee geben. Mit meinen Armen und Händen hatte ich Probleme: Hier fror ich so stark, so dass ich die mitgebrachten Taschentücher kaum noch aus der Packung nehmen konnte. Vielleicht lag dies am Gegenwind und würde auf dem Rückweg besser werden.
Kurz hinter der Versorgungsstelle wurde eine kleine Ortschaft erreicht. Als eine Bushaltestelle auftauchte, entzifferte ich die Namen, um auf die Ortschaft zu schließen, in der wir uns befanden. Der Name „Kurzer Weg“ half mi dabei aber nicht weiter. Schließlich erreichten wir den Wendepunkt, wo wir um ein Verkehrshütchen herumlaufen mussten. Dann befanden wir uns auf dem Rückweg.
Langsam wurde Sebastian von seinen Kräften verlassen. Noch begleitete ich ihn und passte mich seiner Geschwindigkeit an, aber immer mehr Teilnehmer überholten uns. Ich selber hatte keine Probleme: Die Muskelschmerzen waren nicht schlimmer geworden.
Als wir den einzigen Versorgungspunkt auf der Strecke wieder erreichten, nahm ich erneut einen Becher Tee zu mir. Sebastian klagte zwar nicht über Muskelkater, hatte aber angeblich das Gefühl, dass die Hose in Höhe seiner Oberschenkel gleich platzen würde. Er bot mir mehrfach an, mich vorauslaufen zu lassen, aber ich hielt vorerst mit ihm Schritt.
Als sich von hinten ein anderer Läufer näherte und mich ansprach, blieb Sebastian dann doch weiter hinter uns. Mein jetziger Gesprächspartner erzählte mir ein bisschen etwas über den Hamburg-Marathon, bis seine Nase zu bluten begann. Ich gab ihm ein Taschentuch. Auch er musste jetzt seine Geschwindigkeit drosseln. Es waren noch zwei Kilometer bis zum Ziel.
Nun hob ich mein Tempo an. Ich erreichte den Punkt, wo der Kurs auf die Hauptstraße einbog. Ich überholte zahlreiche Läufer und kam schließlich auf das Schulgelände, wo sich die Zielgerade befand. Nach einer Bruttozeit (Nettozeit wurde nicht gemessen) von einer Stunde und 59 Minuten überquerte ich die Linie, wo ich eine Medaille umgehängt bekam: Sie war an einem grün-weißen Band befestigt und relativ klein. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es sich um eine Art „Standard-Medaille“ handelte, auf deren Rückseite ein Aufkleber mit der Aufschrift „1.4.2013, Hamburger Halbmarathon, LGHNF“ angebracht war.
Ich ging in die Haupthalle, holte meine Tasche und ging dann zur Schwimmhalle, wo auch die Zielgerade war. Gerade kam Sebastian. Er hatte etwa zwei Stunden und zehn Minuten gebraucht. Wir sprachen kurz miteinander, dann verabschiedete ich mich von ihm. Ich ging in die Umkleidekabinen, wo auch die Duschen waren. Leider war das Wasser hier kalt und es kam auch nur in geringen Mengen aus den Brausen, was den Duschvorgang sehr unangenehm machte.
Als ich mich angezogen hatte, ging ich zu Fuß zum Bahnhof Neugraben zurück, kaufte mir wieder ein Ticket und stieg in die S-Bahn ein, welche sofort nach Harburg fuhr. Von hier aus nahm ich um 13:26 Uhr den Metronom nach Bremen. Um 15 Uhr war ich schließlich wieder zu Hause.
Der Hamburger Halbmarathon durch das Alte Land.
Als ich vor einigen Monaten dieses Osterwochenende mit zwei Halbmarathonläufen buchte, hätte ich nicht geahnt, an jenem Samstag in Paderborn eine so gute Zeit zu laufen. Am darauffolgenden Sonntag hatte ich entsprechend Muskelkater und auch am Ostermontag, dem Tag des zweiten Halbmarathons, fühlten sich meine Beine noch nicht ganz gut an. Ich hatte mich daher dazu entschieden, es heute ein wenig langsamer anzugehen.
Das Alte Land liegt südlich der Elbe in Hamburg. Ich stand an diesem Morgen um sechs Uhr auf und frühstückte. Um sieben Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, wo um 7:21 Uhr die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof abfuhr. An diesem Wochenende war auf Sommerzeit umgestellt worden, aber es war schon jetzt vollständig hell. Am Hauptbahnhof bestieg ich den Metronom, welcher um 7:33 Uhr in Richtung Hamburg startete. Nach einer Stunde stieg ich in Hamburg-Harburg aus und ging zur unterirdischen S-Bahn-Station, wo ich mir ein Ticket kaufte und dann zum Gleis ging. Ich hatte es leider verpasst, mir eine genaue Beschreibung des Weges vom Bahnhof in Neuwiedenthal bis zum Veranstaltungszentrum zu machen, aber diese Mühe wäre sowieso nicht nötig gewesen, denn ich erblickte am Gleis einen anderen Läufer, welcher offenbar das gleiche Ziel wie ich hatte. Er hieß Sebastian und kam auch aus Bremen. Er hatte schon letztes Jahr bei dieser Veranstaltung teilgenommen und kannte daher den Weg genau. In den letzten Jahren war er allerdings immer nur die zehn Kilometer gelaufen. Für ihn war das heute erst der zweite Halbmarathon seines Lebens.
Wir bestiegen zusammen die S-Bahn in Richtung Stade und fuhren bis Hamburg-Neugraben, weil Sebastian den Weg von dort zum Veranstaltungszentrum als den kürzesten bezeichnete. Wir brauchten nun etwa eine Viertelstunde bis zum Schulgelände, wo wir uns die Startnummern abholten. In der großen Halle setzten wir uns und ich aß noch mein mitgebrachtes Brot. Es waren noch 30 Minuten bis zum Start um zehn Uhr. Sebastian zog sich eine lange Hose und ein langärmliges Trikot an. Ich dagegen entschied mich für kurze Kleidung, obenrum das Trikot vom Wilhelmshavener Halbmarathon 2011, und gegen Handschuhe. Da am Himmel keine einzige Wolke zu erblicken war, setzte ich noch meine Spezial-Sonnenbrille auf. An den Füßen trug ich diesmal nicht die Schuhe vom Typ Cumulus, welche ich sonst einsetzte um beim Halbmarathon möglichst schnelle Zeiten zu erzielen, sondern das Paar vom Typ Nimbus, in welchem ich schon Strecken von 30 Kilometern bei langsamer Geschwindigkeit bewältigt hatte. Ich wollte mich in diesen Schuhen nämlich weiter einlaufen, um sie in drei Wochen beim Marathon in Hamburg zu tragen.
Unsere Taschen konnten wir in der Halle ablegen, allerdings waren sie hier unbewacht und ohne Haftung. Um Viertel vor zehn Uhr verließen wir das Gebäude und begaben uns zur Startgeraden, welche in Nord-Süd-Richtung angelegt war. Ein wenig fror ich schon, aber ich hoffte, dass dies während dem Laufen nachlassen würde.
Nachdem wir uns warmgelaufen hatten, reihten wir uns ganz hinten im Feld ein und warteten auf den Startschuss. Der Zehn-Kilometerlauf sollte zehn Minuten später beginnen.
Als es dann endlich losging, stellte ich fest, dass ich eigentlich noch einmal dringend aufs Klo musste. Wir hatten gerade das Wohngebiet von Neugraben hinter uns und liefen auf einer für Autos gesperrten Hauptverkehrsstraße nach Norden auf die Elbe zu. Ich ging kurz an den Rand und verrichtete im Gesträuch meine Notdurft. Dann begann ich damit, das inzwischen aus den Augen verlorene Läuferfeld wieder einzuholen. Nach wenigen Minuten hatte ich auch Sebastian wieder erreicht.
Die Kilometer waren zwar alle ausgeschildert, aber ich achtete heute nicht darauf, da ich keine neue Bestzeit laufen würde. Ich blieb an der Seite von Sebastian und unterhielt mich mit ihm. Er erklärte mir die Strecke, welche aus einem einfachen Weg bestand, der hin- und zurückgelaufen werden musste.
Nach einer Linkskurve ging es im Prinzip nur noch geradeaus auf einem asphaltierten Weg. Links von uns war ein Feld, rechts von uns waren ein paar Bäume, welche im Sommer wohl Äpfel trugen. An einer Stelle kam ich in einem Schlagloch mit dem Fuß falsch auf, verletzte mich zum Glück aber nicht. Dies wäre im Hinblick auf den Hamburg-Marathon eine Katastrophe gewesen.
Als wir Kilometer 5 erreichten, sahen wir einige Läufer umkehren. Sebastian erklärte mir, dass es sich bei ihnen um die Teilnehmer des Zehn-Kilometerlaufes handelte, von denen uns die Schnellsten bereits überholt hatten, obwohl sie zehn Minuten später gestartet waren. An einer anderen Stelle stand tatsächlich ein Fotograf und machte Bilder von uns. Bei dieser Gelegenheit nahm ich meine Sonnenbrille kurz ab.
Nach etwa acht Kilometern erreichten wir einen Versorgungspunkt. Ich ließ mir einen Becher warmen Tee geben. Mit meinen Armen und Händen hatte ich Probleme: Hier fror ich so stark, so dass ich die mitgebrachten Taschentücher kaum noch aus der Packung nehmen konnte. Vielleicht lag dies am Gegenwind und würde auf dem Rückweg besser werden.
Kurz hinter der Versorgungsstelle wurde eine kleine Ortschaft erreicht. Als eine Bushaltestelle auftauchte, entzifferte ich die Namen, um auf die Ortschaft zu schließen, in der wir uns befanden. Der Name „Kurzer Weg“ half mi dabei aber nicht weiter. Schließlich erreichten wir den Wendepunkt, wo wir um ein Verkehrshütchen herumlaufen mussten. Dann befanden wir uns auf dem Rückweg.
Langsam wurde Sebastian von seinen Kräften verlassen. Noch begleitete ich ihn und passte mich seiner Geschwindigkeit an, aber immer mehr Teilnehmer überholten uns. Ich selber hatte keine Probleme: Die Muskelschmerzen waren nicht schlimmer geworden.
Als wir den einzigen Versorgungspunkt auf der Strecke wieder erreichten, nahm ich erneut einen Becher Tee zu mir. Sebastian klagte zwar nicht über Muskelkater, hatte aber angeblich das Gefühl, dass die Hose in Höhe seiner Oberschenkel gleich platzen würde. Er bot mir mehrfach an, mich vorauslaufen zu lassen, aber ich hielt vorerst mit ihm Schritt.
Als sich von hinten ein anderer Läufer näherte und mich ansprach, blieb Sebastian dann doch weiter hinter uns. Mein jetziger Gesprächspartner erzählte mir ein bisschen etwas über den Hamburg-Marathon, bis seine Nase zu bluten begann. Ich gab ihm ein Taschentuch. Auch er musste jetzt seine Geschwindigkeit drosseln. Es waren noch zwei Kilometer bis zum Ziel.
Nun hob ich mein Tempo an. Ich erreichte den Punkt, wo der Kurs auf die Hauptstraße einbog. Ich überholte zahlreiche Läufer und kam schließlich auf das Schulgelände, wo sich die Zielgerade befand. Nach einer Bruttozeit (Nettozeit wurde nicht gemessen) von einer Stunde und 59 Minuten überquerte ich die Linie, wo ich eine Medaille umgehängt bekam: Sie war an einem grün-weißen Band befestigt und relativ klein. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es sich um eine Art „Standard-Medaille“ handelte, auf deren Rückseite ein Aufkleber mit der Aufschrift „1.4.2013, Hamburger Halbmarathon, LGHNF“ angebracht war.
Ich ging in die Haupthalle, holte meine Tasche und ging dann zur Schwimmhalle, wo auch die Zielgerade war. Gerade kam Sebastian. Er hatte etwa zwei Stunden und zehn Minuten gebraucht. Wir sprachen kurz miteinander, dann verabschiedete ich mich von ihm. Ich ging in die Umkleidekabinen, wo auch die Duschen waren. Leider war das Wasser hier kalt und es kam auch nur in geringen Mengen aus den Brausen, was den Duschvorgang sehr unangenehm machte.
Als ich mich angezogen hatte, ging ich zu Fuß zum Bahnhof Neugraben zurück, kaufte mir wieder ein Ticket und stieg in die S-Bahn ein, welche sofort nach Harburg fuhr. Von hier aus nahm ich um 13:26 Uhr den Metronom nach Bremen. Um 15 Uhr war ich schließlich wieder zu Hause.
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