Mittwoch, 27. Juni 2012
Halbmarathon Hamburg 2012-06-24
Der fünfundvierzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der hella-Halbmarathon von Hamburg.
Ich nahm bereits zum dritten Mal an dieser Veranstaltung teil. Da der Hamburger Halbmarathon jedes Jahr im Juni oder Juli stattfindet, muss man sich auf extreme Wetterlagen einstellen. 2010 waren es 30°C, im letzten Jahr dagegen nur 15°. Damals gelang es mir, meine zwischenzeitliche Bestzeit Anfang Juli zu verbessern. Daran war heute nicht zu denken. Mein Knie machte immer noch Probleme und ganz so kühl sollte es auch nicht sein. Außerdem war für Sonntag Regen vorausgesagt worden.
Glücklicherweise streikten die Metronom-Züge an diesem Wochenende nicht. Die Strecke war genau die gleiche wie in den Vorjahren: Start war in St. Pauli, Ziel an der Rothenbaumchaussee. Hier konnte man sich auch die Startunterlagen abholen. Zur Vermeidung großer Umwege am Veranstaltungstag fuhr ich bereits am Samstag nach Hamburg zur U-Bahn-Haltestelle Hallerstraße, um mir die Startunterlagen abzuholen. An diesem Tag war das Wetter noch recht angenehm, nicht zu warm und ohne Niederschläge. Ich bekam die Startnummer mit einem Chip zur Zeitmessung, den ich nach dem Rennen wieder abzugeben hatte, wenn ich keine weiteren 10€ Strafe zahlen wollte.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag schlief ich nicht besonders gut. Ich wurde schließlich um sechs Uhr morgens von meinem Radio geweckt. Zunächst versuchte ich, klare Gedanken zu fassen, und überlegte, was für ein Tag heute sei. Dann fiel mir ein, dass ja Sonntag war, und ich heute Halbmarathon laufen wollte. Leider schaffte ich es erst nach einer halben Stunde, aus dem Bett zu kommen. Die Folge war, dass ich nicht so ausgiebig frühstücken konnte wie an „normalen“ Wettkampftagen.
Um sieben Uhr verließ ich das Haus. Von Gröpelingen aus fuhren an diesem Wochenende Ersatzbusse, da die Straßenbahnschienen an einer Stelle erneuert wurden. Um acht Minuten nach sieben Uhr startete solch ein Bus in Richtung Hauptbahnhof. Ich wollte eigentlich bis zum Bahnhof Walle fahren, um dort um 7:21 Uhr die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof zu nehmen. Dort hätte ich dann neun Minuten Umsteigezeit gehabt. Leider musste ich mit einem Blick auf meine Uhr feststellen, dass der Ersatzbus etwas langsamer war als geplant: Es drohte die Gefahr, die Nordwestbahn nicht zu erreichen und in diesem Fall hätte ich den Metronom nach Hamburg definitiv verpasst. Ich blieb daher im Bus sitzen und fuhr bis zum Arbeitsamt, wo wir in die gewohnte Straßenbahn umsteigen konnten, die dann genau um halb acht Uhr am Hauptbahnhof ankam Unterwegs hatte ich meine Sandalen gegen die Laufschuhe getauscht, um am Hauptbahnhof schnell durchstarten zu können. Hier hatte ich genau drei Minuten Zeit, um in die Bahnhofshalle zu rennen und eines der hintersten Gleise anzusteuern. Glücklicherweise kam ich eine Minute vor dem Start des Metronoms an.
Ich suchte in dem Zug zunächst nach einem Ex-Kollegen, welcher sich auch für den Halbmarathon angemeldet hatte, fand ihn jedoch nicht. Möglicherweise hatte er einen früheren Zug genommen, um sich erst noch die Startunterlagen abzuholen. Vielleicht schreckte ihn aber auch das Wetter ab, denn je näher wir uns Hamburg näherten, desto stärker wurde der Regen.
Bei den Zwischenhalten stiegen weitere Läufer zu. Ich zog mir auf der Zugtoilette meine Lauf-Hose und das Trikot vom Bremen-Marathon mit der Startnummer an. Ich trug wieder die älteren Schuhe, mit denen ich schon letzten Sonntag in Wilhelmshaven gelaufen war. Um Viertel vor neun Uhr kamen wir am Hamburger Hauptbahnhof an. Ich ging zur unterirdischen Station der U-Bahn-Linien 1 und 3 und kaufte mir ein Kurzstreckenticket für 1,40€. Was man im HVV-Gebiet unter einer Kurzstrecke versteht, konnte ich allerdings nicht herausfinden. Ich sprach eine andere Läuferin an, mit der zusammen ich das richtige Gleis suchte. Dort warteten schon zahlreiche andere Menschen in Laufschuhe. Die U-Bahn traf gerade ein. Bis nach St. Pauli waren es sechs Stationen. An den oberirdischen Passagen konnte ich die Landungsbrücken sehen, welche gerade von der Polizei gesperrt wurden. Später sollte ich dort vorbeilaufen dürfen.
Als ich die U-Bahn-Haltestelle verließ, gewann ich erstmals einen Eindruck vom Wetter, weshalb ich sofort wieder in die Station zurückging und mein mitgebrachtes Brot dort unten verzehrte. Mit jeder eintreffenden U-Bahn kamen weitere Massen von Läufern an. Eine Viertelstunde vor dem Start um zehn Uhr ging ich schließlich nach oben. Ich hatte meine Kappe aufgesetzt, um meine Brillengläser vor Regentropfen zu schützen. Meine Tasche gab ich in einem der LKWs ab, welche nachher zur Hallerstraße fahren sollten.
Bei diesem reinen Halbmarathon gab es neben den Läufern noch die Inlineskater, welche bereits um halb zehn Uhr gestartet waren. Nun war die Reeperbahn gut gefüllt. Einige Läufer suchten noch bei Überdachungen Schutz vor dem Regen, andere waren bereits auf der Startgeraden. Dort ging ich nun auch hin. Ich sah an einer Stelle eine Aufschrift mit der Zielzeit 1:40h, was bedeutete, dass ich mich hier einordnen konnte. Sollte mein Knie heute nicht allzu große Probleme machen, dann war solch eine Zeit auch für mich nicht ausgeschlossen.
Ich stand auf der nördlichen Spur der Reeperbahn, welche von der südlichen Spur durch eine Verkehrsinsel getrennt war. Als Startgerade dienten jedoch beide Straßen. Der Startschuss kam mit zwei Minuten Verspätung. Nach einer weiteren Minute hatte ich die Startlinie überquert und meine Uhr gestellt, um meine Kilometerzeiten genau zu überwachen. Da ich im Feld relativ weit vorne war, hatte ich zunächst viel Raum und musste nur selten zum Überholen ausweichen.
Auf der Reeperbahn war es noch ziemlich laut, es wurde auch für uns Musik abgespielt. Nachdem die Partymeile an uns vorüber war und die S-Bahn-Haltestelle Königstraße erreicht war, wurde es ruhiger. Zuschauer gab es heute viel weniger als in der Vorjahren, was wohl hauptsächlich am Wetter lag. Ich musste aufpassen, nicht gleich auf den ersten Kilometern in eine Pfütze zu treten, damit ich nicht den Rest des Rennens mit nassen Füßen absolvieren musste. An dieser Stelle überholte ich schließlich zwei Pacemaker mit Luftballons für die Zielzeit 1:45h.
Kurz vor dem Wendepunkt in Altona war ein Verpflegungsstand mit bereitgestellten Wasserbechern, jedoch durften wir uns erst in der nächsten Runde daran bedienen. Als ich schließlich an der Wendestelle den zweiten Kilometer absolviert hatte und an der ersten Trommler-Band vorbeilief, war ich noch keine neun Minuten unterwegs gewesen. Die Frage war jedoch, wie lange mein Knie diese hohe Geschwindigkeit mitgehen würde.
Nun ging es an einigen Hochhäusern wieder zurück in Richtung Innenstadt. Nach einem weiteren Kilometer kam schließlich die Stelle, wo die Straße in einer Rechts-Links-Kurve ziemlich steil nach unten führte. Ich bremste hier gewohnheitsmäßig nicht ab, sondern ließ mich einfach runtertreiben und überholte dabei einige Konkurrenten. Als der Abhang zu Ende war, hatten wir die Landungsbrücken erreicht. Hier gab es einige Zuschauer, aber immer noch weit weniger als in den letzten Jahren. Die gesperrte Straße war in der Mitte durch Verkehrshütchen getrennt. Wir mussten die linke Spur benutzen, damit wir kurz darauf zur zweiten Runde durch St. Pauli links abbiegen konnten.
Nach dem vierten Kilometer war diese Abzweigung erreicht. Wir unterquerten die Brücke mit den U-Bahn-Schienen und dahinter kam der erste Versorgungspunkt, wo ich mir einen Becher Wasser nahm. An dieser Stelle überholte mich der Pacemaker für die Zielzeit 1:30h. Der musste sich nun aber anstrengen, wenn er diese Zeit wirklich noch realisieren wollte! Leider war hier nur die eine Hälfte der Straße gesperrt. Die andere Seite war frei für den Verkehr, welcher allerdings nur sehr stockend vorankam. Zu unserem Leidwesen standen hier nicht nur Autos im Stau, sondern auch eine Horde von Motorradfahrern die offenbar zu irgendeiner Rockergang gehörten. Da diese Rocker ihre Motoren nicht ausschalteten, mussten wir die unangenehmen Abgase eine Zeit lang einatmen. Glücklicherweise hatten wir diesen Abschnitt schnell hinter uns und erreichten die Startgeraden, um dort auf die zweite Runde einzubiegen. Noch spürte ich keine Schmerzen am Knie. Den Verpflegungsstand in Altona konnte ich diesmal nutzen. Als ich die Landungsbrücken zum zweiten Mal erreichte, lief ich auf der rechten Spur. Hinweisschilder machten uns auch auf die Abzweigung aufmerksam. Nach neun Kilometern war dann diese Stelle erreicht, an der ich nun geradeaus lief. Wir hatten nun links von uns den Hafen und rechts, einige Meter über uns, die U-Bahnlinie mit der Haltestelle Baumwall.
Als ich den zehnten Kilometer hinter mir hatte, spürte ich erstmals mein Knie. Ich hatte für die bisherige Strecke keine 44 Minuten benötigt. Eine neue persönliche Bestzeit war zwar nicht mehr möglich, aber die Ziel-Zeit aus dem letztjährigen Hamburg-Halbmarathon konnte ich immer noch übertreffen.
Der Weg führte nun immer weiter nach Osten in Richtung Innenstadt. Rechts von uns lag die Insel mit der Speicherstadt und links hohe Bürogebäude. Kurz vor dem Hauptbahnhof traf unsere Strecke mit einer für den Verkehr freigegebenen Straße zusammen. Auch hier mussten wir wieder die unangenehmen Abgase der Motorräder einiger Rocker einatmen. Dann sah ich schon vor mir einen Metronom vorbeifahren, woran ich erkannte, dass der Bahnhof nun ganz nahe war. Die Autos neben uns tauchten nun in eine Unterführung ab, während wir Läufer noch ein Stück geradeaus liefen. Kurz vor dem Hauptbahnhof, neben der U-Bahn-Haltestelle Steinstraße, machten wir eine Linkskurve und gingen nun auch in eine Unterführung, die uns einen Kilometer lang am Bahnhof vorbeiführte. Hier unten war eine sporadische Beleuchtung vorhanden. Der Weg durch die Unterführung dauerte mehrere Minuten. Noch hielt mein Knie einigermaßen durch. Als wir wieder die Oberfläche erreichten, hatte ich genau 13 Kilometer absolviert. Eine Rechtskurve führte uns unter den Schienen durch, auf denen die Züge vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Dammtor fuhren. Kurz bevor ich die Unterführung erreichte, fuhr gerade eine S-Bahn in Richtung Dammtor. Ich hatte für die ersten dreizehneinhalb Kilometer genau eine Stunde benötigt.
Hinter der Unterführung ging es links auf die Kennedy-Brücke, direkt neben der Brücke mit den S-Bahn-Schienen und dahinter konnte ich die Innenalster mit dem künstlichen Wasserstrahl sehen. Jetzt fiel mir auch auf, wie grau der Himmel war. Es gab keine einzige Stelle, die nicht von Wolken bedeckt war. Der Regen war über die ganze Zeit konstant geblieben, man hatte sich während dem Laufen daran gewöhnt.
Auf der Brücke gab es wieder einige Zuschauer die uns mit Vuvuzela-Ähnlichen Instrumenten anfeuerten. Am Ende der Brücke war der Wendepunkt, wo wir eine 180°-Kurve um einige aufgestellte Absperrgitter hinlegen mussten. In dieser scharfen Kurve spürte ich besonders die Probleme an meinem Knie. Auf dem Rückweg konnte ich nun das Läuferfeld hinter mir beobachten. An der Stelle, wo die Unterquerung der Schienen war, ging es nun nach links an der Außenalster entlang. Zunächst kam noch ein Versorgungspunkt und dann sah die Strecke nach Norden drei Kilometer lang folgendermaßen aus: Rechts von uns waren teure Villen bestehend aus vier bis fünf Stockwerken, links von uns ein kleiner Grünstreifen mit einigen Bäumen und dahinter die Außenalster. An einer Stelle liefen wir kurz auf einer Brücke, die über einen Kanal führte, welcher von der Alster wegführte.
Ich spürte nun langsam mein Knie. Einige Läufer musste ich passieren lassen, aber die neue persönliche Hamburg-Bestzeit war weiterhin möglich. Nach 18,5 Kilometern war der nördlichste Punkt und damit auch das Ende der Außenalster erreicht. Nun kamen einige Kurven, und zu meiner Überraschung durfte ich nun sogar die letzte Halbmarathon-Skaterin überholen, welche ja eine halbe Stunde vor mir gestartet war. Die arme Frau kämpfte sich eine kleine Anhöhe hinauf, während ich an ihr vorbeizog. Ich spürte nun etwas, was ich aus den letzten Wochen beim Laufen nicht gewohnt war, nämlich Hunger. Das war die Folge der Tatsache, dass ich heute Morgen nicht so ausgiebig gefrühstückt hatte wie sonst.
Hier in den Wohngebieten gab es einige Zuschauer, denen ich mit meiner Kappe zuwinkte. Der Regen hatte nun endlich ein bisschen nachgelassen. An einer Kreuzung musste die Polizei den Verkehr regeln, da es hier Autofahrer gab, die die Strecke überqueren wollten. Als ich die Kreuzung gerade hinter mir hatte, ließen die Beamten schnell zwei Autos durch. Vor der letzten Kurve war ein kleiner Stand aufgebaut, in dem ein Kommentator die Namen einiger vorbeilaufender Teilnehmer nannte. Als ich erneut mit meiner Mütze winkte, hörte ich ihn auch „Siegfried aus Bremen“ rufen.
Nun hatte ich die Zielgeraden erreicht. Es ging noch einen Kilometer geradeaus, wobei zunächst ein kleiner Anstieg zu bewältigen war, hinter dem ich dann das aufgebaute Plastik-Tor an der Ziellinie sehen konnte. Ich schaute auf meine Uhr: Mit ein bisschen Anstrengung war eine Nettozeit von 1:33h möglich. Ich rannte, so schnell es noch ging. Überraschenderweise hatte ich nun mehr Schmerzen wegen Seitenstechens als an meinem Knie. Ich griff auf die Methode zurück, mit der ich auch die letzten hundert Meter beim Mittelrhein-Halbmarathon überstanden hatte, indem ich einfach riesige Schritte machte. Dies funktionierte so gut, dass ich tatsächlich noch ins Ziel kam, bevor meine Uhr die 1:33h-Marke erreicht hatte.
Nach dem Rennen im letzten Jahr, als es Anfang Juli 2011 nur 15°C warm war, hätte ich es nicht für möglich gehalten, die damalige Zeit von Hamburg noch einmal toppen zu können. Aber genau das war geschehen. Insgesamt konnte man sagen, dass das Wetter diesmal fast das gleiche war wie im letzten Jahr, nur mit dem Unterschied, dass der Regen stärker ausfiel.
Im Zielbereich löste ich zunächst den Zeitmess-Chip von meinen Schnürsenkeln. Dann ging ich weiter zu den Getränkeständen des Sponsors „hella“. Ich nahm mir an jedem Stand einen Becher: Erst Iso, dann Apfelschorle und noch zwei weitere Sorten. Den Chip konnte ich schließlich in eine schwarze Kiste hineinwerfen. Die Medaille hätte ich fast schon vergessen, als sie mir am Ende des Bereiches doch noch umgehängt wurde. Sie hing diesmal an einem blauen Band, war aber ansonsten fast eine Kopie des Vorjahres. Lediglich das Datum war aktualisiert worden, ansonsten glich sie exakt der Version von 2011. Ich ließ ein Foto von mir mit Medaille in der Hand schießen.
Ich ging nun weiter geradeaus und bog dann links ab, wo die LKWs mit den Taschen standen. Einer der letzten LKWs beinhaltete meine Tasche, da ich eine dreistellige Startnummer hatte. Mit der Tasche in der Hand betrat ich die Bewegungsfakultät der Universität Hamburg, wo ich den Weg zu den Duschen aus den Vorjahren schon kannte. Dank meiner durchaus sehenswerten Zeit von 93 Minuten erhoffte ich mir, beim Duschen nicht lange anstehen zu müssen. So kam es dann auch. In den Kabinen war noch ausreichend Platz vorhanden und eine Duschbrause war schnell frei. Als ich mich wieder angezogen hatte, schaute ich auf die Uhr. Es war nun zehn Minuten vor zwölf Uhr. Der Metronom nach Bremen sollte um Viertel nach zwölf Uhr am Hamburger Hauptbahnhof abfahren. Die Frage war, ob ich nun schnell eine U-Bahn dorthin bekommen würde, denn diese fuhren sonntags nur alle zehn Minuten.
Ich ging in meinen Sandalen zur U-Bahn-Haltestelle Hallerstraße, die direkt im Zielbereich lag. Als ich erneut ein Kurzstreckenticket kaufen wollte, nahm der Automat meinen zerknitterten Fünf-Euro-Schein nicht an. Glücklicherweise stand ein Verkäufer der Hamburger Obdachlosen-Zeitung in der Nähe, bei dem ich den Schein gegen ein Geschenk von einem Euro in Münzen umtauschen konnte. Nachdem ich nun das Ticket gekauft hatte, kam auch schon die U-Bahn. Die Fahrt zum Hauptbahnhof dauerte neun Minuten. Ich hatte dort fünf Minuten Umsteigezeit, die ich für den langen Weg zum Gleis, wo der Metronom abfuhr, auch benötigte. Der Zug hatte keine Verspätung, so dass ich um halb zwei Uhr in Bremen ankam und um zwei Uhr schließlich wieder zu Hause war.
Montag, 18. Juni 2012
Halbmarathon Wilhelmshaven 2012-06-17
Der vierundvierzigste Halbmarathon meines Lebens. Der siebte Gorch-Fock-Marathon.
Wie jedes Jahr hatte ich mir wenige Tage vor der Veranstaltung in Wilhelmshaven die Haare kurzrasiert. An diesem Sonntagmorgen wollte ich mich kurz nach fünf Uhr von meinem Radio wecken lassen. Bekanntlich läuft an den Nicht-Werktagen morgens ausschließlich Musik und nicht das nervige Gelaber, das man montags bis donnerstags immer ertragen muss. Obwohl mein Fenster in der Nacht einen Spalt offen blieb, wachte ich nicht vom Vogelgezwitscher auf, das um vier Uhr startete. Und auch das Radio lief zunächst mehrere Minuten lang, bevor ich dann doch um Viertel nach fünf Uhr wach wurde.
Ich stand auf, frühstückte, packte meine Tasche und nahm um 6:40 Uhr die Straßenbahn zum Hauptbahnhof, wo ich um sieben Uhr ankam. Die Nordwestbahn stand bereits abfahrbereit am Bahnsteig. Ich hatte hier viel Platz für mich alleine, denn weitere Passagiere gab es fast keine. Kurz vor acht Uhr kam der Zug in Oldenburg an. Hier musste ich nun die Stelle finden, wo der Schnellbus nach Wilhelmshaven startete, denn wegen Gleisbauarbeiten war auf der Strecke zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden. Glücklicherweise war eine gute Ausschilderung vorhanden, sodass ich am ZOB vor dem Bahnhofsgebäude sofort den Bus besteigen konnte, der kurz nach acht Uhr losfuhr.
Nach zwei Zwischenhalten erreichten wir Wilhelmshaven. Auf dem Weg zum Bahnhof konnte ich bereits einen Teil der Strecke sehen, wo einige Helfer sich vorbereiteten. Um kurz nach neun Uhr kam der Bus am Bahnhof an und ich stieg aus. Den Weg vom Bahnhof zum Gorch-Fock-Haus, welches das Veranstaltungsgelände bildete, kannte ich aus den Vorjahren. In den letzten beiden Jahren bekamen die Teilnehmer mit den Startunterlagen jeweils ein Funktionsshirt ausgehändigt. 2010 hatte dies eine grüne Farbe, 2011 war es gelb. Ich war gespannt, wie es diesmal aussehen würde. Die Frage wurde mir beantwortet, als ich das Veranstaltungsgelände erreichte und einige Sportler in orangefarbenen Trikots sah.
Im Gorch-Fock-Haus holte ich meine Startunterlagen und das Shirt ab. Der diesjährige Chip zur Zeitmessung war mit einem Klettverschluss versehen, so dass man ihn problemlos um das Fußgelenk schnallen konnte.
Es war nun halb zehn Uhr. Der Marathon startete gerade, der Zehn-Kilometer-Lauf sollte eine Viertelstunde später beginnen und der Halbmarathon dann um zehn Uhr. Ich aß mein mitgebrachtes Brot und zog mich um. Wegen der unbeständigen Wolkenlage entschied ich mich dazu, die normale Brille zu tragen und eine Kappe aufzusetzen. Als ich meine Tasche abgab, sah ich noch die Marathonläuferin, welche kurz zuvor vom Kommentator aufgerufen worden war, weil sie den Start verpasst hatte. Sie musste also zehn Minuten später starten als das eigentliche Feld, was sich auch auf ihre Zielzeit auswirken sollte, da in Wilhelmshaven nur die Bruttozeit gemessen wird. Heute trug ich übrigens nicht meine aktuellen Laufschuhe, sondern die letztjährigen, die ich bis zum Halbmarathon in Braunschweig Ende Oktober benutzt hatte.
Ich ging in die Parkanlagen, um mich ein bisschen warmzulaufen. Mein Knieproblem bestand weiterhin und ich konnte nur hoffen, heute möglichst lange schmerzfrei durchzuhalten. Obwohl es bereits Mitte Juni war, waren die Temperaturen recht angenehm und zum Laufen fast schon ideal zu nennen.
Um zehn Uhr kam dann schließlich der Startschuss. Ich befand mich ganz hinten im Feld und ließ es langsam angehen. Die Strecke war exakt die gleiche wie in den Jahren zuvor. Wir liefen zunächst durch die Fußgängerzone landeinwärts, wo uns einige Zuschauer anfeuerten. Dann wurde ein Wohngebiet erreicht und danach das Industriegebiet. Ich benötigte für einen Kilometer ziemlich genau fünf Minuten. Zeitweise spürte ich den heftigen Gegenwind beim Laufen. Nach einer Viertelstunde überquerten wir eine Brücke, welche über die Bahnlinie führte und dann zwei größere Gewässer (Banter See und Großer Hafen) voneinander trennte. Hier war auch die erste Versorgungsstelle, wo ich mir einen Becher Wasser nahm.
Nun führte der Weg wieder nach Norden. Rechts von uns befand sich ein kleiner grasbewachsener Hügel, auf dem einige Schafe weideten. Dahinter war das niedersächsische Wattenmeer, welches wir jetzt noch nicht sehen konnten.
Ich hatte nun ein bisschen Rückenwind und konnte dementsprechend schneller laufen. Zuschauer gab es keine, weshalb es um uns herum sehr ruhig geworden war. Das änderte sich, als die Stelle erreicht wurde, wo der Hügel bestiegen wurde, denn hier begann der Badestrand und wir bekamen freie Sicht auf das Niedersächsische Wattenmeer. Nach Ebbe 2010 und Flut 2011 herrschte heute beim Marathon erneut Flut. Einige Boote, die offenbar mit Seilen am Meeresboden festgebunden waren, schwappten bei starkem Wellengang hin und her. Ein Urlauber badete, die anderen lagen auf Strandsesseln und klatschten Applaus.
Hier auf der Anhöhe war nun zu spüren, wie stark der Wind wehte, im Moment zum Glück von hinten. Ich profitierte davon und überholte einen Läufer nach dem anderen. Dies ging nun trotz langsam auftretender Schmerzen am Knie einige Kilometer so, bis der Punkt erreicht wurde, wo die Strandpromenade zu Ende war. Dann machte die Strecke einen Links-Schlenker, wo wir den Rückweg der Strecke und einige uns entgegenkommende Marathonläufer sehen konnten, die ja eine halbe Stunde vor uns gestartet waren. Unter ihnen waren auch zwei junge Frauen, die auffällig langsam unterwegs waren. Sollte ich die beiden womöglich noch einholen? Erst einmal musste ich noch einige Kilometer in Richtung Nordsee an der Uferstraße zurücklegen, wo die Schiffe der Bundeswehr vor Anker lagen. Schließlich erreichte ich den Wendepunkt kurz hinter der Fregatte Rheinland-Pfalz. Als ich die 180°-Kurve hingelegt hatte, konnte ich den fürchterlichen Gegenwind spüren. Es ging nun viel langsamer vorwärts und einige Leute überholten mich auch. Ich konnte nun auch das Läuferfeld sehen, das ich bereits hinter mir gelassen hatte.
Nach kurzer Zeit wurde wieder die Stadt erreicht. Wie jedes Jahr war auf der nun folgenden Straße nur eine Seite gesperrt, die andere war für den Straßenverkehr freigegeben. Dies war der Bereich der Strecke, den ich heute Morgen schon bei der Anfahrt vom Bus aus gesehen hatte. Die Schmerzen im Knie nahmen langsam zu, aber ich konnte auf meiner Uhr sehen, dass heute eine Zeit von 1:45h möglich war.
Die letzten Kilometer führten durch enge Passagen, wo uns auch noch einige Radfahrer entgegenkamen. An zwei scharfen Kurven zeigten uns Ordner den Weg an. Plötzlich sah ich die beiden jungen Frauen, welche einige Kilometer vor mir noch einen großen Vorsprung hatten. Ich überholte die beiden problemlos. Als ich den Park kurz vor dem Ziel erreicht hatte, lief ich noch einmal so schnell ich konnte. Auf der Zielgeraden überholte ich weitere Läufer. Als ich schließlich hinter der Linie war, ließ ich mir die Medaille umhängen. Wie in den letzten Jahren war sie nicht graviert, sondern mit einem Aufkleber versehen, auf dem „7. Gorch-Fock-Marathon, Juni 2012, Wilhelmshaven“ aufgedruckt war. Schade, dass man noch nicht einmal das genaue Datum vermerkt hatte. Das Band war diesmal von schwarz-orangener Farbe.
Den Zeitmesschip konnte ich sofort abgeben. Ich nahm mir im Zielbereich einen Becher Cola und einen Becher mit isotonischem Getränk. Äpfel und Bananen, welche vor dem Start noch bereitgestellt worden waren, gab es leider keine mehr. Nachdem ich meine Tasche abgeholt hatte, ging ich zu der Stelle, wo im letzten Jahr die Kleinbusse zu den Duschen gefahren waren. Hier warteten bereits einige Läufer. Nachdem wir erfahren hatten, dass die Duschanlagen die gleichen wie im Vorjahr waren, entschieden wir uns, nicht länger auf den Bus zu warten, sondern zu Fuß dorthin zu gehen. Muskelkater hatte ich nicht, aber das Knie schmerzte nun bei jedem Schritt. Nach zehn Minuten erreichten wir die Sporthalle, in welcher die Duschen zur Verfügung standen. Diese waren vollkommen leer, als wir ankamen. Wir hatten also zu dritt die gesamten Männerduschen für uns alleine und mussten nicht anstehen.
Nach dem Duschen ging ich in die Innenstadt, um ein Schnellrestaurant aufzusuchen, fand aber kein nichts Passendes. Um 12:50 Uhr nahm ich den Schnellbus, welcher eine Stunde später in Oldenburg ankam. Mit der Nordwestbahn erreichte ich Bremen-Neustadt, von wo aus ich mit der Straßenbahn weiter fuhr und gegen halb vier Uhr wieder zu Hause war.
Mittwoch, 13. Juni 2012
Halbmarathon Hoisbüttel 2012-06-10
Der dreiundvierzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Hoisbütteler Hasenlauf.
Da der Ostfriesland-Marathon dieses Jahr erneut nicht stattfinden sollte, musste ich für dieses Wochenende eine andere Möglichkeit finden, meinem Hobby nachzugehen. Im Internet fand ich den Hoisbütteler Hasenlauf. Dieser bestand aus einem Halbmarathon, einem Zehn-Kilometer-Lauf und mehreren Schülerläufen. Hoisbüttel liegt im Einzugsbereich der Hamburger U-Bahn (Linie 1 Richtung Ohlstedt), gehört aber zu Schleswig-Holstein.
Nach dem EM-Auftaktsieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Portugal am Vorabend stand ich an diesem Sonntagmorgen gegen sechs Uhr auf, frühstückte und packte meine Tasche. Um sieben Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Bahnhof Walle, von wo aus die Nordwestbahn zum Hauptbahnhof fuhr. Dort buchte ich zunächst die beiden Fahrkarten für den Marathon in Münster am 9. September und bestieg daraufhin den Metronom, der pünktlich um kurz nach halb acht Uhr losfuhr. Auf der Toilette zog ich meine Lauf-Hose an, bevor ich um Viertel vor neun Uhr am Hamburger Hauptbahnhof ankam. Nachdem ich hier eine Tageskarte für den Großraum Hamburg gekauft hatte, musste ich zehn Minuten lang auf die U-Bahn warten. Die Fahrt nach Hoisbüttel dauerte eine halbe Stunde. Läufer sah ich in der Bahn keine. Insgesamt handelte es sich beim Hasenlauf um ein lediglich regional bekanntes Rennen: Anhand der Ergebnisse des Vorjahres hatte ich festgestellt, dass nur etwa 30 Männer und 15 Frauen den Halbmarathon gelaufen waren. Wenn ich nicht gerade an meinem Knieproblem gelitten hätte, so wäre hier wohl eine gute Endplatzierung möglich gewesen, denn im Vorjahr gab es nur wenige Sportler, die für den Halbmarathon weniger als 90 Minuten gebraucht hatten. Eine Medaille sollte es übrigens nicht geben. Das wäre auch ein bisschen zu viel verlangt gewesen, angesichts einer Startgebühr von gerade einmal zehn Euro.
Den Weg von der U-Bahn-Haltestelle zum Veranstaltungszentrum, einem Schulgelände, hatte ich mir vorher aufgezeichnet. Die Strecke betrug etwa 800 Meter. Als ich die U-Bahn verließ, war es bereits halb zehn Uhr. Der Zehn-Kilometer-Lauf sollte um zehn Uhr starten, der Halbmarathon zehn Minuten danach.
Ich sah nun die ersten Läufer: Ein Fahrradfahrer fragte mich nach dem Weg zum Veranstaltungsgelände, woraufhin ich meine Skizze herausnahm und sie ihm zeigte. Ein anderer Fußgänger begleitete mich dorthin. Für ihn sollte das heute der letzte Halbmarathon vor seiner persönlichen Sommerpause sein. Letzte Nacht hatte er nach eigenen Angaben nur vier Stunden geschlafen.
Wir kamen nach wenigen Minuten auf dem Gelände, einem Schulhof, an. Hier konnte ich meine Startunterlagen abholen, nachdem ich meinen Namen genannt hatte. In dem Briefumschlag befand sich die Startnummer und ein Chip zur Zeitmessung, der am Schuh befestigt werden musste. Einziger zusätzlicher Artikel war ein Kugelschreiber.
Nachdem ich mich vollständig umgezogen hatte, gab ich meine Tasche ab. Abgeben heißt, dass ich sie hinter ein Absperrband zu den anderen Taschen stellte. Eigentlich sollten sich hier keine Wertsachen befinden, da der Bereich nicht bewacht werden sollte. Aber ich hatte keine andere Wahl, als mein Schlüsselbund und den Geldbeutel hierzulassen und zu hoffen, alles nach dem Rennen wieder vorzufinden.
Nun begab ich mich zum Sportplatz, wo sich der Startbereich befand. Nachdem der Zehn-Kilometer-Lauf begonnen hatte, ging ich auf die Startgeraden. Das Teilnehmerfeld war recht überschaubar. Das Wetter spielte mit: Es war nicht allzu warm und auch nicht zu hell. Ich musste weder Sonnenbrille noch Kappe mitschleppen. Eine Ordnerin erklärte uns über ein Megaphon, wie wir zu laufen hätten: Zehn-Kilometerlauf und Halbmarathon bestanden im Prinzip aus der gleichen Strecke, wobei die Runde beim Halbmarathon zweimal durchlaufen werden musste. Die Ausgleichsstrecke von 1,1 Kilometern wurde von der Dame erklärt, allerdings ohne dass ich es richtig verstand. Ich nahm mir vor, mich einfach an meinem Vordermann zu orientieren, soweit dies möglich war. Um 10:10 Uhr ging es dann los.
Der Weg führte aus dem Ort hinaus ins Land hinein, zunächst auf einer asphaltierten Straße entlang. Ein Auto, welches mich überholte, erinnerte daran, dass für diese Sportveranstaltung die Laufstrecke nicht gesperrt worden war. An Kreuzungen standen Ordner, welche uns den Weg wiesen. Dabei mussten diese Ordner an Hand der Startnummern erkennen, welche Abzweigung wir zu nehmen hatten. Einige der Kreuzungen wurden mehrfach abgelaufen. Einen korrekten Streckenplan konnte ich im Internet leider nicht finden.
Wir waren zu Anfang ringsum von mannshohen Sträucher umgeben. Ich lief zunächst relativ schnell, wenn man bedenkt, dass ich noch das Knieproblem hatte. Leider stellten sich nach 15 Minuten bzw. nach etwas mehr als drei Kilometern die Schmerzen wieder ein. Ich musste nun langsamer machen und einige Leute überholten mich.
Der Boden veränderte sich: Es ging nun durch ein Waldgebiet, wo wir einen engen Wanderpfad benutzen mussten. Dieser Wanderpfad sollte einige Kilometer später als Rückweg benutzt werden, so dass man aufpassen musste, mit entgegenkommenden Läufern nicht zusammenzustoßen. Hier lagen auch an einigen Stellen Pferdeäpfel am Boden und man musste wirklich aufpassen, wo man hintrat. Einige Male kamen uns tatsächlich auch Reiter entgegen.
Versorgungsstellen gab es auch mehrere an der Strecke, ich konnte mich über das Angebot an Trinkwasser nicht beklagen. Nach mehr als fünf Kilometern wurde ein Wendepunkt erreicht, wo ich um einen menschlichen Streckenposten herumlaufen musste. Danach ging es den gleichen Weg wieder zurück, und ich entdeckte ein Gewässer zu meiner linken Seite, welches mir auf dem Hinweg nicht aufgefallen war. Hierbei musste es sich um den Bredenbeker Teich handeln.
Später ging es einen kleinen Hügel hinauf, an dessen rechter Seite ein Feld war. Auf der Spitze des Hügels war eine Bank, auf der ein Rentnerpaar saß und uns beim Laufen beobachtete. Hierbei handelte es sich um einige wenige Zuschauer, denn der gesamte Kurs verlief ausschließlich in ländlichem Gebiet und man hörte hier nur Vögel zwitschern, aber keine Zuschauer, die einen anfeuerten.
Kurz vor dem Ende der ersten Runde kam eine weitere Belastung auf mich zu, denn der Boden wurde nun sandig. Hier musste man aufpassen, keine Körner in die Schuhe zu bekommen und immer an der richtigen Stelle aufzutreten. Nachdem ich diesen Bereich hinter mir hatte, lief ich wieder auf Asphalt. Für die Zehn-Kilometer-Läufer war dies nun die Zielgeraden, sie bogen schließlich auf den Schulhof ab, während ich erneut am Sportplatz vorbei auf die zweite Runde musste.
Glücklicherweise wurden meine Schmerzen im Knie nur langsam stärker. Ich konnte also meine Geschwindigkeit halten und benötigte weniger als 110 Minuten für den gesamten Halbmarathon. Das Läuferfeld war nun sehr ausgedünnt, da nun nur noch die Halbmarathonis auf der Strecke waren. Meinen Vordermann konnte ich nur noch in seltenen Fällen sehen, nämlich dann, wenn ich am Anfang einer langen Geraden war. Glücklicherweise waren die Streckenposten immer noch da und zeigten mir die Richtung an.
Kurz vor dem Ziel legte ich noch einen kleinen Schlussspurt ein, ehe ich die Ziellinie erreichte und meinen Zeit-Chip abgeben konnte, bevor einige Stück Apfel zu essen bekam. Meine Tasche, an die ich während des Laufens mehrfach gedacht hatte, war unversehrt geblieben. Ich ging zu den Umkleidekabinen und duschte. Danach machte ich mich auf den Heimweg. Zu Fuß ging es zunächst zur U-Bahn zurück. Von Hoisbüttel musste ich eine halbe Stunde zum Hamburger Hauptbahnhof. Der schnelle Metronom nach Bremen war gerade abgefahren. Daher bestieg ich die S-Bahn nach Harburg und ging von dort aus zum langsamen Metronom-Regional nach Bremen, welcher für diese Fahrt mehr als 80 Minuten benötigte. In Bremen musste ich noch einmal zwanzig Minuten mit der Straßenbahn fahren, so dass ich gegen 16 Uhr zu Hause ankam und leichte Kopfschmerzen von der langen Fahrerei davontrug.
Mittwoch, 6. Juni 2012
Halbmarathon Leverkusen 2012-06-03
Der zweiundvierzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der EVL-Halbmarathon in Leverkusen.
Als ich am Hauptbahnhof Mannheim auf den ICE nach Köln wartete, musste ich zunächst einen Jugendlichen mit Pflastern und Wasser zum Abwaschen seiner Wunden versorgen, die er sich zugezogen hatte, als er über das Geländer auf die Treppe zum Bahnhofsdurchgang gesprungen war. Pünktlich um 4:40 Uhr kam der ICE nach Köln an. Ich bekam hier zwei Sitze nebeneinander und breitete mich mit meiner Bettwäsche aus, aber schlafen konnte ich auch hier nicht. Der Zug hielt zunächst am Frankfurter Flughafen, dann am Hauptbahnhof und fuhr danach erneut zum Frankfurter Flughafen. Schließlich erreichten wir Köln. Hier bestieg ich den Regionalexpress, der nach einer Viertelstunde, um 7:45 Uhr, in Opladen ankam. Als ich den Zug verließ, musste ich feststellen, dass es leicht regnete. Insgesamt fühlte ich mich nicht gut, denn mein Knie machte große Probleme und ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich überlegte ernsthaft, auf den Halbmarathon zu verzichten. Doch ich hatte schon zu viel Geld investiert. Die Zugbindung zwang mich, an meinen ursprünglichen Plänen festzuhalten. Entweder hätte ich die Zeit bis zur Abfahrt totschlagen müssen, oder ich hätte zusätzlich viel Geld in eine frühere Heimfahrt investieren müssen.
Am Bahnhof Opladen sprach ich einen Läufer an, der mir den Weg zum Veranstaltungsgelände, einem Schulzentrum, zeigte. Er war Diabetiker und sagte mir, dass er noch einen Liter Apfelsaft vor dem Start trinken würde. Wir liefen etwa zehn Minuten bis zum Schulgelände. In einer großen Halle konnte ich meine Startnummer abholen, nachdem ich diese genannt hatte. Meine Daten wurden nicht anhand eines Lichtbildausweises kontrolliert. Der Chip zur Zeitmessung war in der Startnummer integriert.
Ich ging nun zur Taschenabgabe, wo ich zunächst die größere Tasche mit der Bettwäsche abgab. Ich hatte auch Schmerzen an der Schulter, weil ich die beiden schweren Gepäckstücke ständig mit mir herumtragen musste. Mit der leichteren Tasche begab ich mich in die Umkleidekabine. Als ich den anderen Sportlern dort erzählte, dass ich bereits gestern einen Halbmarathon am Mittelrhein gelaufen sei, stellten sie mir einen anderen Läufer vor, der diese Veranstaltung ebenfalls hinter sich hatte. Ich war also gar nicht der einzige "Verrückte". Ich überlegte, ob ich während des Rennens vielleicht die Medaille vom Vorabend tragen sollte, damit jeder Zuschauer sofort wusste, weshalb ich heute so langsam wäre, verzichtete jedoch darauf. Ich trug nun mein Trikot vom Wolfsburg-Marathon und ging zur großen Vorhalle zurück. Hier aß ich mein letztes mitgebrachtes Brot und putze mir danach auf dem Schulhof die Zähne. Dann gab ich auch die zweite Tasche ab und erzählte den Helfern ebenfalls, dass dies für mich der zweite Halbmarathon in zwei Tagen war und ich Knieprobleme hatte und die ganze Nacht nicht geschlafen hatte.
Draußen kamen nun immer mehr Läufer zusammen. Es waren nur noch wenige Minuten bis zum Start. Ich wartete vor einem Café, weil dies ein überdachter Ort war und es immer noch regnete. Die Temperaturen an sich waren eigentlich angenehm. Kurz vor neun Uhr ging ich dann zur Startgeraden, wo ich mich ganz hinten einreihte. Nach dem Startschuss dauerte es einige Minuten, bis ich die Gerade überquert hatte. Erst jetzt konnte ich einen Eindruck davon bekommen, wie es um mein Knie wirklich stand. Die Schmerzen waren zunächst noch erträglich.
Der Weg führte uns abwechselnd durch ruhige Wohngebiete und an noch ruhigeren Waldwege entlang. Die Veranstaltung bestand aus dem Halbmarathon, einem Zehn-Kilometer-Lauf, welcher zwar in Opladen endete, aber an einer anderen Stelle startete, und aus einigen Staffelläufen, wofür bestimmte Wechselstellen eingerichtet waren. Die Halbmarathonstrecke führte im Prinzip einmal durch den Stadtkern von Leverkusen herum. Vom Bayer-Werk bekamen wir nichts zu sehen.
Die Wege waren insgesamt sehr schmal, so dass das Überholen schwerfiel. Allerdings lag dies heute nicht in meiner Absicht, denn ich wollte einfach nur ins Ziel kommen. Um 12:10 Uhr, also drei Stunden und zehn Minuten nach dem Startschuss sollte mein Zug von Opladen nach Solingen fahren. Sollte ich diesen Zug verpassen, so hätte ich wegen der Zugbindung viel Geld in die Heimfahrt nachinvestieren müssen.
An den Versorgungsstellen konzentrierte ich mich auf isotonische Getränke. Ich trug eine Kappe, um damit zu verhindern, dass meine Brille von Wassertropfen getroffen und mir somit die Sicht eingeschränkt wurde. Dieses Taktik funktionierte ziemlich gut. Der leichte Nieselregen hielt bis kurz vor Schluss an. In Abständen von fünf Kilometern waren Geräte aufgebaut, die die Zwischenzeiten maßen.
Einige Läufer trugen ein Shirt, auf dessen Rückseite der gesamte Rundkurs des Halbmarathons aufgezeichnet war. An Hand dieser Skizze konnte ich mich gut orientieren.
Etwa nach zehn Kilometern spürte ich, wie die Schmerzen in meinem Knie stärker wurden. Wir befanden uns nun aber schon so weit vom Veranstaltungszentrum entfernt, dass mir nichts anderes übrigblieb, als das Rennen zu Ende zu laufen. Schließlich erreichten wir die BayArena, an deren Außenwänden riesige Bilder von großen Fußballern aus der Geschichte von Bayer 04 Leverkusen wie Bernd Schneider, Michael Ballack oder Emerson hingen.
Im letzen Drittel wurde ein sehr attraktiver Park durchlaufen. Hier gab es allerdings kaum Zuschauer, denn das schlechte Wetter hatte die Parkbesucher abgeschreckt. Als wir das Gelände hinter uns hatten, war ich bereits zwei Stunden lang unterwegs und es warteten noch drei Kilometer auf mich. Nun änderte sich das Wetter: Der Regen wurde richtig stark. Mein Trikot klebte an meinem Körper und der Boden in den Waldgebieten war so matschig, dass man aufpassen musste, wo man hintrat. Meine Füße waren inzwischen so durchnässt, dass ich auf Pfützen gar nicht mehr achtete. Schließlich begann es sogar zu hageln. Welch ein Glück, dass ich meine Mütze aufgesetzt hatte, von der ununterbrochen Wasser herabtropfte. Es ging auch noch einen Berg so steil hinauf, dass ich auf Schritttempo umstellen musste. Ich spürte nun, wie mein Rücken schmerzte. Eigentlich tat mir alles weh, denn nach einer schlaflosen Nacht spürt man je bekanntlich seine Beine. Helfer riefen uns schließlich zu, dass wir nun den höchsten Teil der Strecke erreicht hätten. Es ging allerdings nicht mehr bergab, da wir uns nun wieder auf der Höhe des Veranstaltungszentrums befanden.
Bald erreichten wir wieder die Innenstadt mit der Start- und Zielgeraden. Hier winkte ich den Zuschauern zu und überquerte völlig erschöpft die Ziellinie. Ein Blick auf meine Uhr sagte mir, dass mein Zug nach Solingen in 45 Minuten fahren sollte. Wenn nichts Ungewöhnliches passierte, müsste ich diesen problemlos erreichen. Ich ließ mir eine Medaille aushändigen. Sie hing an einem blauen Band und war von runder Form. In der Mitte waren zwei laufende Strichmänner zu sehen, am Rand stand "12. EVL-Halbmarathon Leverkusen 2012". So war also auch hier das aktuelle Datum nicht angegeben. Schade.
Ich ging nun direkt zum Schulgelände und ließ mir die kleinere Tasche aushändigen, mit der ich zur Umkleide ging. Hier ging es ein bisschen eng zu, aber ich fand trotzdem noch einen Platz. Meine Kleidung triefte vor Nässe. Leider musste ich feststellen, dass mein Badetuch in der anderen Tasche war, die sich noch in der Aufbewahrung befand. So musste ich mich nach dem Duschen mit einer Plastiktüte abtrocken. Nachdem ich mich wieder angezogen hatte, holte ich auch diese zweite Tasche ab und begab mich auf den Fußweg zum Bahnhof Opladen. Ich fragte mehrere Passanten nach dem Weg, um mich nicht zu verlaufen. Es ging nur langsam voran, da ich beide Taschen mitschleppen musste und mein Knie schmerzte. Dennoch erreichte ich den Bahnhof rechtzeitig und nahm zehn Minuten nach zwölf Uhr die Regionalbahn nach Solingen, wo ich zehn Minuten später ankam. Der Intercity nach Osnabrück hatte zum Glück keine Verspätung. In Osnabrück nahm ich den Regionalexpress nach Bremen. Ich kam gegen 16:30 Uhr zu Hause an. Um 17 Uhr legte ich mich schlafen und wachte erst um halb drei Uhr in der Nacht wieder auf. Ich hatte mein Ziel erreicht und zwei Medaillen mit nach Hause gebracht.
Dienstag, 5. Juni 2012
Halbmarathon Mittelrhein 2012-06-02
Der einundvierzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Hochwald-Mittelrhein-Marathon.
Wie im letzten Jahr hatte ich mich erneut für den Halbmarathon am Mittelrhein angemeldet, der wieder von Boppard nach Koblenz führen sollte. Nach den Erfahrungen des letzten Jahres suchte ich nach einer Möglichkeit, am Morgen danach noch einmal sportlich aktiv zu werden und fand den Leverkusener Halbmarathon. Ich meldete mich frühzeitig für beide Veranstaltungen an.
Wenn ich gewusst hätte, dass der Mittelrhein-Halbmarathon diesmal erst um 19:30 Uhr starten würde, so hätte ich auf den Leverkusen-Halbmarathon verzichtet und die Rückfahrt im Intercity gebucht, der gegen ein Uhr nachts vom Koblenzer Hauptbahnhof direkt nach Bremen fahren würde. So aber hatte ich durchaus Probleme, eine Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe von Leverkusen zu finden, da ein Einchecken in vielen Hotels nach Mitternacht nicht mehr möglich war. Dieses Problem löste ich daher anders.
Am Samstagmorgen stieg ich gegen sieben Uhr auf, frühstückte und packte meine beiden Taschen. In der einen befanden sich die gewöhnlichen Sportsachen, in der anderen meine Bettwäsche, denn ich sollte di folgende Nacht im Zug verbringen. Dann ging ich zur Straßenbahn und fuhr zum Hauptbahnhof, wo pünktlich um Viertel vor neun Uhr der Intercity in Richtung Koblenz startete.
Ich muss dazu sagen, dass meine Knieprobleme, die beim Mannheim-Marathon erstmals seit fast zwei Jahren wieder aufgetaucht waren, noch andauerten. Am Montag konnte ich nur vier Kilometer laufen, am Dienstag sechs und am Freitag acht. Es war also durchaus möglich, dass ich auf eine der beiden geplanten Veranstaltungen verzichten müsste und somit viel Geld in den Sand gesetzt hätte.
Pünktlich um Viertel vor ein Uhr kam ich in Koblenz an. Es war ziemlich sonnig und 20°C warm.
Die Abholung der Startunterlagen war dieses Jahr im Koblenzer Schloss. Ich machte mich mit den beiden schweren Taschen auf den Weg dorthin. Ich musste etwa eineinhalb Kilometer laufen. Das Schloss lag nordöstlich des Hauptbahnhofs, so dass ich auf dem Weg dorthin nun auch einmal die Innenstadt von Koblenz zu sehen bekam. Die meisten Teilnehmer, welche mir entgegenkamen, waren Inlineskater, welche einige Stunden vor mir starten sollten. Als ich im Schloss ankam, ging ich die erste Etage hinauf, wo ich meine Meldebestätigung vorlegte und daraufhin den Briefumschlag mit der Startnummer ausgehändigt bekam. An einem anderen Stand der Sportmesse wurden mir ein Shirt der Veranstaltung sowie das Erdinger-Starterset übergeben. Letzteres bestand, wie bereits im letzten Jahr, aus einer Flasche Erdinger Alkoholfrei und einem Bierglas, auf welchem die diesjährigen Strecken aufgemalt sein sollten. Wie ich später feststellte, hatte man jedoch einfach auf das Glas aus dem 2011er-Jahrgang zurückgegriffen, in welchem die Marathonstrecke eine andere war: Diesmal sollte der Marathon nämlich in Oberwesel starten und nur flussabwärts am Rhein entlangführen.
Ich ging nun zum Hauptbahnhof zurück, wo ich alle überflüssigen Utensilien in die größere Tasche steckte und diese in einem Schließfach verstaute. Am Abend würde ich sie dann wieder abholen können. Zunächst einmal hatte ich nur die leichtere Tasche bei mir, was mir die Fortbewegung deutlich angenehmer machte.
Ich stellte nun fest, dass ich keinen Starterbeutel bekommen hatte, während viele andere Menschen hier mit einem solchen herumliefen. Also ging ich erneut zum Schloss zurück und recherchierte genauer, bis ich herausfand, dass die Beutel im Erdgeschoss verteilt wurden. Als ich mir auch hier einen abgeholt hatte, konnte ich endlich Mittagessen gehen. In der Fußgängerzone suchte ich ein Schnellrestaurant auf, wo ich mir einen Dönerteller bestellte und diesen verzehrte. Es war nun ungefähr 15 Uhr. Der Marathon sollte um 17:40 Uhr starten, der Halbmarathon erst um 19:45 Uhr. Nichtsdestotrotz schloss die Sportmesse schon um 15 Uhr, sodass die Läufer gezwungen waren, eine Zeit von mehreren Stunden totzuschlagen. Ich schlenderte zum Hauptbahnhof und suchte nach den Fahrplänen für die Sonderzüge nach Boppard und Oberwesel, fand sie jedoch nicht. Also ging ich an das Gleis, von dem aus die Züge letztes Jahr gestartet waren. Den ersten bereitgestellten Sonderzug konnte ich nicht nehmen, da er nur für Marathonläufer gedacht war und daher nur in Oberwesel hielt. Ich blieb also am Gleis stehen und wurde von einer Frau aus Baden-Württemberg angesprochen, die heute ebenfalls den halben Marathon laufen wollte. Sie erzählte mir, dass ihr Ehemann heute den sechsjährigen Sohn im Babyjogger mit sich führen würde, und zwar entlang der kompletten Marathonstrecke. Wir unterhielten uns etwa eine Stunde lang, bis wir gegen 17 Uhr den nächsten Sonderzug nach Boppard bestiegen. Während der Fahrt konnten wir die gesamte Halbmarathonstrecke überblicken und sahen dabei auch schon die ersten Inlineskater. In Boppard angekommen, suchten wir den Startbereich,. Er lag diesmal nicht südlich, sondern nördlich des Bahnhofs war damit um etwa zwei Kilometer verschoben im Vergleich zum Vorjahr. Ich rechnete mir aus, dass auch der Zieleinlauf an einer anderen Stelle sein würde.
Der Startbereich war auf einem großen Platz, wo einige LKWs standen, an denen man seinen Starterbeutel abgeben konnte. Der Marathon hatte gerade in Oberwesel begonnen, in einer Stunde wurden die Spitzenläufer in Boppard erwartet. Im Moment wurde hier Musik gespielt für die durchfahrenden Inlineskater. Ich setzte mich mit meiner Begleiterin zusammen auf eine Bank und wir erzählten noch ein Weile lang. Inzwischen trafen immer mehr Halbmarathonläufer ein. Es war auch langsam kühler geworden. Nachdem ich mich umgezogen und einen letzten Schokoriegel zu mir genommen hatte, gab ich meine Tasche, umwickelt vom Starterbeutel, im dafür vorgesehenen LKW ab. Diese Fahrzeuge sollten kurz nach dem Startschuss in Richtung Koblenz zum Zielbereich fahren. Die Aral-Tankstelle am Ortsausgang hatte heute ab 15 Uhr wegen der Sportveranstaltung übrigens geschlossen, da die Ortsdurchfahrt für Autos gesperrt werden musste.
Ein halbe Stunde vor dem Start lernte ich einen Läufer kennen, der die Öffnungszeiten der Marathonmesse verpennt hatte und nun ohne Startnummer und Champion-Chip zur Zeitmessung dastand. Glücklicherweise waren einige Läufer vom Start zurückgetreten, so dass er eine ihrer Startnummern und Zeitchips übernehmen konnte.
Ich hatte mich nicht warmgelaufen, da jeder gelaufene Kilometer mein Knie strapaziert hätte. Entsprechend langsam ging ich das Rennen auch an. Wegen der veränderten Startposition wurde uns diesmal die enge Promenade am Rhein erspart. Wir starteten am Ortsausgang und hatten nun zusammen mit den Marathonläufern die gesamte Landstraße für uns alleine.
Auf dem Rhein fuhren Touristenschiffe und links von uns war die Bahnlinie, wo immer wieder ein Passagierzug verkehrte. Auf den ersten Kilometern war es extrem ruhig, da es hier so gut wie keine Zuschauer gab. Die einzige Ausnahme bildete ein Punkt, an dem eine Art Anlegestelle für Privatyachten war. Hier gab es auch eine Bushaltestelle.
Da der erste Teil der Strecke an der Rechtskrümmung des Rheins entlangführte, hatten wir die Sonne zunächst im Rücken, was sehr angenehm war. Ich hatte mich dafür entschieden, meine normale Brille zu tragen, da es später natürlich dunkel werden sollte. Auf eine Kappe verzichtete ich, da die Sonne im Westen schnell hinter der Anhöhe verschwinden würde.
Nachdem wir die Krümmung hinter uns hatten, erreichten wir mit Spay den ersten Ort, welcher durchlaufen wurde. Hier war es wieder ein bisschen lauter, da die Bewohner uns am Straßenrand zujubelten. Es gab auch einen Versorgungsstand mit Getränken. Als wir den Ort hinter uns gelassen hatten, wurde es wieder ziemlich still. Einmal mussten wir Platz machen für einen Rettungswagen, der offenbar zu einem Einsatzort an der Strecke fuhr. Bis jetzt hatten wir auf der linken Seite die Bahnlinie, wo immer wieder Fernverkehrszüge und Züge der Mittelrheinbahn vorbeifuhren. Nun wurden diese Bahnschienen unterquert und wir liefen rechts davon, so dass das Ufer des Rheins etwas weiter weg war und von unserer Position aus nicht mehr zu sehen war.
Ich spürte kaum Probleme an meinem Knie. Bis jetzt bereute ich die Entscheidung nicht, zwei Halbmarathons für ein Wochenende gebucht zu haben. Nach einiger Zeit überholte ich sogar einen Pacemaker für die Zwei-Stunden-Marke.
Im Ort Rhens befand sich der Startpunkt für den Zehn-Kilometer-Lauf. Die Ortsdurchfahrt bestand aus Pflastersteinen, welche etwas unangenehmer zu belaufen waren. Ein Moderator gab unsere Namen per Mikrofon durch. Als wir den Ort wieder verlassen hatten, befanden wir uns kurz vor Koblenz. Hier kamen wir an einer Art Diskothek dabei, welche relativ außerhalb der Stadt lag. Einige Betrunkene mit Bierdosen in der Hand schauten uns zu. Dann sah ich das Ortsschild für den ersten Stadtteil von Koblenz, den genauen Namen habe ich vergessen.
Ich erinnerte mich an die große Rheinbrücke, welche nun von uns unterquert werden mussten. Im letzten Jahr war es von hier aus nicht mehr weit bis zum Ziel gewesen. Nun hatten wir die Innenstadt von Koblenz erreicht. Es ging hier durch Wohngebiete, bis wir an eine Kreuzung kamen, wo auf der linken Seite eine große Bushaltestelle war. Dieser Platz war im letzten Jahr der Zielbereich gewesen. Diesmal hatten wir aber erst Kilometer 19 erreicht. Es ging nun unter einer Brücke hindurch weiter geradeaus, bis wir das Koblenzer Schloss erreichten, an dem ich heute Mittag die Startunterlagen abgeholt hatten. Hinter dem Schloss bogen wir links ab, bis wir den Rhein erreichten. Nun ging es auf der Zielgeraden am Rhein entlang geradeaus. Als ich das aufgebaute Ziel sehen konnte und die Beschilderung für Kilometer 42 erreicht hatte, fühlte ich mich so gut, dass ich die letzten 200 Meter noch einmal so schnell lief wie ich nur konnte. Ich spürte keine Schmerzen am Knie und traute mir solch eine Anstrengung problemlos zu. Kurz vor der Ziellinie verlangsamte ich allerdings wieder. Ich hatte den Halbmarathon in weniger als zwei Stunden absolviert. Nun bekam ich die Medaille: Sie war der des Vorjahres sehr ähnlich, allerdings war diesmal kein Herz, sondern eine Reiterfigur in der Mitte ausgestochen. Am Rand stand "Hochwald Mittelrhein Marathon 2012". Das genaue Datum war leider nicht angegeben. Das Band, an dem das Erinnerungsstück hing, war diesmal grün-weiß, im Gegensatz zum letzten Jahr, wo es schwarz-orange gewesen war.
Im Zielbereich nahm ich mir zwei Becher Cola und einen halben Apfel. Ich musste heute unbedingt duschen, egal, wie lange ich auch anstehen musste, denn ich hatte die ganze Nacht im Zug zu verbringen. Ich holte meine Tasche ab und ließ mir sagen, dass die Duschen etwa einen Kilometer weiter nördlich seien. Auf dem Weg dorthin traf ich einen Läufer, der auch zu den Duschen wollte. Er sagte mir, dass diese im Schwimmbad seien und er dort arbeite. Welch ein Glück, dass ich diesen Mann getroffen hatte. Er konnte mir den Weg genau zeigen, denn dieser war alles andere als gut ausgeschildert. Im Schwimmbad ging ich durch eine der Umkleidekabinen zu den Duschen. Jetzt spürte ich langsam, dass mein rechtes Knie doch ein bisschen weh tat. Ich duschte und zog mich danach wieder an. Nun ging ich wieder zum Zielbereich zurück, wo eine Art Biergarten aufgebaut war. Hier nahm ich eine Portion Fastfood zu mir und suchte dann den Weg zurück zum Bahnhof. Es war inzwischen dunkel geworden. Nach einer halben Stunde kam ich am Bahnhof an und holte meine zweite Tasche mit der Bettwäsche aus dem Schließfach. Hier wartete ich bis 0:40 Uhr, als der Zug nach Mannheim ankam. Gerade als der Zug einfuhr, kamen zwei Polizeibeamte und brachten eine Frau im mittleren Alter mit. Diese bestieg ebenfalls den Zug und erzählte mir, dass sie ganz spontan aus ihrer Wohnung in Koblenz rausgeworfen worden war und in Panik geraten sei, da sie in Koblenz keinen Menschen kenne und nun zu ihrer Mutter nach Karlsruhe fahren wollte, aber womöglich diesen letzten Zug dorthin verpassen würde. Glücklicherweise hatten die Polizisten sie mit Blaulicht zum Bahnhof gefahren und noch das Zugbegleiter-Team telefonisch gebeten, auf die Passagierin zu warten.
Dieser Zug sollte um 2:33 Uhr in Mannheim ankommen, aber erst um 4:04 Uhr weiter nach Karlsruhe fahren. Ich fragte die Zugbegleiter, ob es mir erlaubt wäre, noch bis 4:04 Uhr im Zug zu bleiben. Dies wurde mir gestattet.
Ich hatte auf der Fahrt zwar genug Platz (drei Sitze nebeneinander), konnte aber trotzdem nicht schlafen. Um kurz vor vier Uhr verließ ich den Zug und begab mich zu dem Bahnsteig in Mannheim, wo um 4:40 Uhr der Intercity-Express nach Köln abfahren sollte.
Donnerstag, 24. Mai 2012
Halbmarathon Duisburg 2012-05-20
Der vierzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Rhein-Ruhr-Marathon.
Im letzten Jahr hatte ich erst den Mittelrhein-Halbmarathon und dann einen Tag später den Duisburger Halbmarathon absolviert. Die Nacht dazwischen hatte ich in einem Hotel in Rheinhausen verbracht. Dieses Jahr hatte ich nur die Veranstaltung in Duisburg zu bewältigen. Da die Bahnverbindungen am Sonntagmorgen nicht ausreichend waren, musste ich die Nacht erneut in Duisburg verbringen. Ich buchte also im gleichen Hotel wie im letzten Jahr ein Zimmer für eine Nacht. Bei der Anfahrt plante ich ebenfalls das Champions-League-Finale ein, das an diesem Samstagabend stattfinden sollte. Schon drei Monate zuvor zog ich in Betracht, dass Bayern München mit von der Partie sein könnte und buchte dementsprechend meine Zugverbindung so, dass ich kurz vor acht Uhr abends in Rheinhausen ankommen würde.
An diesem Samstag nahm ich um kurz nach vier Uhr den Regionalexpress nach Osnabrück, welcher mit wenig Verspätung dort schließlich ankam. In Osnabrück bestieg ich den IC ins Ruhrgebiet, wo ich nach einer Stunde in Dortmund ankam. Hier wechselte ich in den ICE, der über Bochum und Essen zum Duisburger Hauptbahnhof fuhr. Von dort aus nahm ich die Regionalbahn, die nach weniger als zehn Minuten am Bahnhof Rheinhausen ankam.
Als ich letztes Jahr von hier aus das Hotel suchte, war es bereits dunkel gewesen. Heute dagegen war ich pünktlich um kurz vor acht Uhr am Bahnhof. Ich kannte auch schon den kürzesten Weg zum Hotel, wo ich wenige Minuten später ankam.
Nachdem ich mein Zimmer zugewiesen bekommen hatte, ging ich hinunter in die Gaststube, um ein Essen zu bestellen. In dem Raum befand sich auch ein Fernseher, welcher aber leider nicht funktionierte. Außer mir waren überhaupt keine Gäste anwesend. Um das Fußballspiel sehen zu können, blieb mir nichts anderes übrig, als das Essen auf mein Zimmer zu bringen und dort den kleinen Fernseher zu benutzen. Nach der ersten Halbzeit war ich mit dem Essen fertig und brachte das Geschirr wieder nach unten. Leider zog sich das Spiel noch in die Länge und hatte einen für mich unbefriedigenden Ausgang. Ich legte mich gegen Mitternacht ins Bett, konnte aber zunächst nicht schlafen. Als ich dann doch einschlief, war dies nur für kurze Zeit. Ich sah in meinem Traum die grinsende Fratze des Chelsea-Trainers Roberto di Matteo und wachte wegen eines summenden Geräusches wieder auf. Es war zwei Uhr nachts. Eine Mücke hatte sich in mein Zimmer verirrt. Es gelang mir, sie unschädlich zu machen. Ich machte nun das Fenster zu und konnte dann endlich weiterschlafen, bis ich um kurz nach fünf Uhr von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wurde.
Ich frühstückte eines meiner mitgebrachten Brote und verließ dann das Hotel. Ich nahm genau den gleichen Weg wie im Vorjahr: Ich ging zu Fuß zum Bahnhof Rheinhausen und wartete dort auf die Regionalbahn, die um 7:15 Uhr zum Hauptbahnhof fahren sollte. Am Bahnsteig lernte ich zwei junge Männer kennen, die heute nach dem Rennen als Masseure arbeiten sollten, ansonsten aber auch gerne Marathon liefen.
Der Zug kam pünktlich an und ich stieg, wie im letzten Jahr, in Duisburg-Hochfeld-Süd aus. Ich kannte den Weg zum Veranstaltungszentrum: Es ging nach Osten durch das Industriegebiet. Nach einer Viertelstunde stieß ich auf einen Abschnitt der Laufstrecke. Dann traf ich zwei Frauen, die ebenfalls Halbmarathon laufen wollten. Wir gingen gemeinsam zum Stadion. Die Startunterlagenausgabe befand sich diesmal im Innenbereich des Stadions. Hier bekam ich neben meiner Startnummer auch noch einen Beutel mit Werbematerial.
Da ich schon umgezogen war, musste ich nun nur noch die Stelle finden, wo die Kleiderbeutel abgegeben werden sollten. Letztes Jahr waren dafür LKWs neben der Stargeraden aufgestellt worden. Da ich aber Aufschriften von Umkleidekabinen sah, die für bestimmte Startnummern vorgesehen waren, dachte ich zunächst, die Abgabe wäre in diesen Umkleiden. Dies stellte sich allerdings als falsch heraus. Ich musste etwa 20 Minuten mit dem schweren Beutel auf dem Arm herumlaufen, bis ich zu den LKWs kam, wo ich die schwere Last abgeben konnte. Es war inzwischen kurz vor neun Uhr.
Ich hatte mich dazu entschieden, meine normale Brille zu tragen und eine Kappe mitzunehmen. Das Wetter war ein bisschen zu warm: Eine neue Bestzeit war heute definitiv nicht möglich. Ich war froh, dass der Halbmarathon schon um neun Uhr starten sollte.
Ich hatte mich im Läuferfeld relativ weit vorne aufgestellt und überquerte schon eine halbe Minute nach dem Startschuss die Linie. Der Kurs war genau der gleiche wie im Vorjahr. Ich hatte mir vorgenommen, diesmal auf den Streckenabschnitt zu achten, wo Marathon- und Halbmarathonkurs sich trennten. Letztes Jahr hatte ich von dieser Stelle nichts mitbekommen.
Auf dem ersten Kilometer in der Kruppstraße ging es noch relativ eng zu. Dann folgte eine Linkskurve, die uns unter mehreren Schienengleisen hindurchführte. Bedauerlicherweise spürte ich bereits jetzt, wie mein rechtes Knie anfing zu schmerzen. Das waren die Folgen des Marathons vom letzten Wochenende. Ich konnte nur hoffen, dass die Schmerzen nicht stärker werden würden. An ein vorzeitiges Aufgeben war nicht zu denken, denn im Notfall konnte ich die Strecke ab einem gewissen Abschnitt auch in langsamstem Schritttempo zurücklegen. Erstens war die Zielzeit für den Marathon bei fünfeinhalb Stunden, und zweitens hatte ich für die Rückfahrt (Zugbindung) genügend Zeit einkalkuliert.
Es ging nun nördlich durch den Stadtteil östlich des Hauptbahnhofs. Den Bahnhofseingang bekamen wir nicht zu sehen, jedoch eine Treppe die zur entsprechenden U-Bahn-Haltestelle führte. Am nördlichsten Punkt der Strecke mussten wir wieder unter den Auto- und Schienenbrücken hindurch laufen. Nun waren auch Schilder angebracht, die uns sagen sollten, dass Marathonläufer gleich rechts abbiegen müssten, die Halbmarathonis dagegen geradeaus weiterlaufen würden. Nach einigen hundert Metern war es dann soweit. Da der Marathon allerdings erst zwanzig Minuten nach uns gestartet war, liefen hier erst einmal alle Sportler geradeaus.
Es kam nun immer wieder vor, dass vereinzelte Inline-Skater oder auch Handbiker uns überholten. Diese beiden Wettbewerbe waren offenbar vor neun Uhr gestartet und bei den Überholenden handelte es sich um das Schlussfeld. Oft mussten die Fahrer mehrfach auf sich aufmerksam machen, bevor auch Läufer mir Stöpseln in den Ohren Platz machten.
Nach über fünf Kilometern kam dann endlich der erste Versorgungspunkt, wo ich einen Becher Wasser zu mir nahm. Dies war der einzige Versorgungspunkt, der ausschließlich für die Halbmarathonläufer aufgebaut worden war. Es ging nun nämlich wieder nach Süden durch die Innenstadt, wo die beiden Kurse wieder zusammentrafen.
Die Strecke führte an einer der sogenannten U-Bahn-Linien entlang. In Duisburg versteht man unter U-Bahn das, was für meinen Begriff eher eine Straßenbahn ist. Die Linie, an dessen Schienen und Haltestellen wir nun entlang liefen, führte laut Anzeigetafeln offenbar nach Düsseldorf.
Als wir wieder auf der Höhe des Stadions waren, erreichten wir den Punkt der Strecke, an dem mich der Fußweg heute Morgen zum Veranstaltungsgelände geführt hatte. Die Versorgungspunkte waren nun dichter gestaffelt. Ich nahm mir überwiegend ISO, auf Schwämme zum Gesicht-Abwischen verzichtete ich aber. Da der Himmel bewölkt war, war es die richtige Entscheidung gewesen, die normale Brille zu tragen. Die Kappe brauchte ich eigentlich nicht. Meine Knieschmerzen wurde mit der Zeit stärker, daher blieb mir nichts anderes übrig, als mein Tempo zu drosseln und immer mehr Läufer an mir vorbeizulassen.
Am südlichsten Punkt der Strecke ging es unter der Bahnlinie nach Düsseldorf hindurch. Auf der anderen Seite ging es wieder nach Norden. Ich erinnerte mich, dass in diesem ruhigen Wohngebiet eine Anwohnerfamilie letztes Jahr Traubenzucker verteilt hatte. Kurz darauf sah ich ein Schild mit der Aufschrift „Wie jedes Jahr: Traubenzucker für die Läufer“. Ich freute mich und nahm kurz darauf ein Stück in Empfang. Als ich dieses zerkaute und herunterschluckte, bekam ich fast keine Luft mehr.
Der Rest der Strecke führte an einem Park entlang. Ich musste mich nun von immer mehr Teilnehmern überholen lassen und sehnte das Ende herbei.
Kurz vor dem Ziel, als wir schon auf dem Parkplatz der Arena waren, zelebrierten einige Cheerleaderinnen das Kunststück, eine der Damen auf ihren Händen balancieren zu lassen. Dann hatte ich das Stadion erreicht. Ich musste noch eine komplette Runde auf der Laufbahn absolvieren. Dabei winkte ich den Zuschauern auf den Rängen zu. Im Ziel ließ ich mir die Medaille umhängen. Sie war diesmal rund und hing an einem rosafarbenen Band. Auf ihr war „Rhein-Ruhr-Halbmarathon“ vermerkt. Man hatte also wieder zwischen Marathon und Halbmarathon unterschieden. Der Titel klang interessant, wenn man bedenkt, dass die Halbmarathonis auf dem gesamten Kurs weder Rhein noch Ruhr zu sehen bekommen hatten.
Ich hatte das Ziel in einer Zeit von 110 Minuten erreicht, obwohl ich fast während des gesamten Rennens Probleme am Knie hatte. Ich war so erschöpft, dass ich mich für kurze Zeit auf den Rasen der Arena legte. Das Spielfeld war für die Läufer freigegeben worden. Von den Decken, die an die Finisher verteilt wurden, machte ich keinen Gebrauch.
Ich ging nun zum Ausgang und holte meine Tasche ab. Wie letztes Jahr duschte ich im Schwimmbad. Schwimmen durfte man dort erst ab 14 Uhr. Nachdem ich wieder angezogen war, legte ich den Fußweg zum Hauptbahnhof zurück. Dies dauerte fast eine Stunde und mein Knie schmerzte dabei immer stärker. Am Bahnhof angekommen, ging ich in ein italienisches Restaurant, wo ich mein Mittagessen zu mir nahm. Gegen halb drei Uhr kam mein Zug, mit dem ich bis Osnabrück fuhr. Von dort aus nahm ich den Regionalexpress nach Bremen. Um 19 Uhr war ich wieder zu Hause.
Mittwoch, 16. Mai 2012
Marathon Mannheim 2012-05-12
Der dritte Marathon meines Lebens.
Der MLP-Marathon in Mannheim/Ludwigshafen.
Bei dieser Veranstaltung gab es einen Marathon und zwei Halbmarathons. Der eine sollte durch Mannheim führen, der andere überwiegend durch Ludwigshafen. Beide hatten jedoch den gleichen Zielort im Rosengarten in Mannheim. Zusätzlich gab es noch einige Staffelläufe.
Als ich mich Monate zuvor für dieses Event anmeldete, wollte ich eigentlich nur einen Halbmarathon laufen. Dann sah ich jedoch die Startgebühren und stellte fest, dass diese für den Marathon genauso hoch waren, nämlich 35€. So entschied ich mich, an diesem Tag erstmals im Kalenderjahr 2012 einen ganzen Marathon zu absolvieren. Die Veranstaltung wird auch als „Dämmermarathon“ bezeichnet, da dieser Wettbewerb um 18:30 Uhr startet und die meisten Teilnehmer daher erst nach Einbruch der Dunkelheit das Ziel erreichen.
Ich hatte schon bei der Anmeldung damit gerechnet, das DFB-Pokalfinale zu verpassen, musste diesen Nachteil aber in Kauf nehmen.
An diesem Samstag stand ich gegen sechs Uhr auf, duschte, frühstückte und packte meine Tasche. Dann ging ich zur Straßenbahn, sodass ich um kurz nach acht Uhr am Bremer Hauptbahnhof ankam und dort den Regionalexpress nach Hannover bestieg. Dort hatte ich eine Stunde Aufenthaltszeit, ehe der ICE nach Mannheim einfuhr. In diesem Zug verbrachte ich etwa drei Stunden, dann kam ich pünktlich in Mannheim an.
Vom Hauptbahnhof aus musste ich zehn Minuten zu Fuß zum Veranstaltungszentrum, dem Rosengarten, gehen. Die dort aufgebauten Buden und Fahrgeschäfte für Kinder erinnerten mich eher an einen Jahrmarkt. Erst auf Nachfrage erfuhr ich, dass die Startunterlagenausgabe im noblen Gebäude nebenan stattfand. Dort ging ich in den dritten Stock, zeigte meinen Personalausweis vor und nannte meine Startnummer. Daraufhin wurde mir ein Beutel mit buntgemischten Zutaten verabreicht: Darin befanden sich nicht nur Werbeflyer, sondern auch eine Feldflasche und ein Energy-Getränk.
Da es erst halb drei Uhr war, entschied ich mich, noch schnell mit der Bahn nach Frankenthal zu fahren, wo ich mit drei Freunden zusammen ein alkoholfreies Bier trank. Als ich dann wieder am Frankenthaler Bahnhof den Zug nach Mannheim bestieg, war es bereits 16:30 Uhr, also zwei Stunden vor dem Start.
Ich nahm in einer Dönerbude vor dem Mannheimer Bahnhofsgebäude ein ausgiebiges Essen zu mir und machte mich dann auf den Weg zum Rosengarten. Hier waren Helfer gerade damit beschäftigt, einige Absperrungen der Strecke vorzunehmen. Ich dachte über das Wetter nach: Glücklicherweise waren die Temperaturen heute gesunken, denn die letzten Tage waren relativ warm gewesen. Die Sonne schien allerdings ziemlich hell. In meiner Hose konnte ich aber keine zweite Brille transportieren. Ich entschied mich daher dafür, während des Marathons meine normale Brille zu tragen, da es ja später auch dunkel sein würde. Um mich vor der blendenden Sonne zu schützen, setzte ich zusätzlich eine Kappe auf.
Nach diesen Überlegungen ging ich wieder in das vorhin erwähnte Gebäude, wo im Keller die Kleideraufbewahrung war. Hier zogen sich die Sportler in aller Öffentlichkeit um. Ich tat dies nun auch. Alle Schwachstellen meines Körpers deckte ich mit Pflastern ab. Ich zog die Schuhe an, mit denen ich bereits in Freiburg und Bremen (jeweils 2011) Marathon gelaufen war. Diese Schuhe hätten dann die 1000-Kilometer-Marke erreicht; ich wollte sie daher heute ein letztes Mal bei einer Laufveranstaltung tragen. Obenrum trug ich das Trikot von den Braunschweiger Lauftagen, so dass jeder sehen konnte, dass ich von etwas weiter her kam.
Nun gab ich meine Tasche ab und ging durch den Rosengarten. Es waren noch 40 Minuten bis zum Start. Ich hatte zwar ein bisschen Durst, aber mit dem Trinken konnte ich auch noch bis zur ersten Versorgungsstelle warten, denn beim Marathon kommt es mir grundsätzlich nicht darauf an, möglichst schnell im Ziel zu sein, sondern viel von der Umgebung gesehen zu haben. Ich würde nicht mit Vollgas losrennen müssen und konnte daher auf einen Schluck Wasser kurz vor dem Start verzichten.
Die Startgeraden war nördlich der Parkanlage und führte nach Osten. Da hier mehrere tausend Läufer waren, zog sich das Feld noch hinter einer Kurve entlang, wo auch ich wartete. Vor mir konnte ich einige Pacemaker mit Luftballons sehen, darunter einer mit der Zielzeit 4:30h und einer mit 4:00h. An letzterem wollte ich mich orientieren. Mit einer Minute Verspätung ertönte der Startschuss. Bis ich um die Kurve gegangen war und den Start erreicht hatte, waren vier weitere Minuten vergangen. Nun konnte auch ich unter tosendem Applaus loslaufen.
Die ersten neun Kilometer ging es zunächst nach Osten, so dass wir die Sonne im Rücken hatten. Ich musste meine Kappe also nicht aufsetzen und trug sie stattdessen in der Hand. Das Feld war am Anfang noch ziemlich eng, und obwohl ich nicht besonders schnell unterwegs war, musste ich mehrfach Lücken zum Überholen suchen, wobei ich den Pacemaker für 4:30h auch schnell hinter mir lassen konnte. Der Weg führte an einer Straßenbahnlinie entlang, deren Schienen aber vom Marathonkurs gut abgeschottet waren. So wurden gegenseitige Behinderungen vermieden. Nach einigen Kilometern sah ich auf der rechten Seite das Planetarium, das ich als Kind mehrfach besucht hatte.
Alle vier Kilometer gab es Wasserstände mit Getränken, alle acht Kilometer Verpflegungsstände, wo auch Bananen angeboten wurden. Ich nahm mir dort jeweils ein Stück, denn meine letzte Mahlzeit war auch schon wieder etwas länger her. Vom Luisenpark, der direkt nördlich unseres Weges lag, konnte ich leider nichts sehen.
Nach etwa einer halben Stunde war das Stadtgebiet verlassen und es ging auf einer Landstraße weiter, die zwischen Feldern lag. Erst in Seckenheim wurde wieder bewohntes Gebiet erreicht. In Suebenheim war schließlich der Wendepunkt, es ging nun, etwas nördlich versetzt, wieder zum Mannheimer Zentrum zurück. Nun musste ich meine Kappe aufsetzen, die ich jetzt gegen die Sonne lief. Kurz hinter der Wendstelle wurde die bisherige Laufzeit elektronisch erfasst. Ich trug heute keine Uhr, da es mir auf diese Zeit nicht ankam. Kurz darauf führte der Weg ein kleines Stück auf dem Hinweg entlang, wo uns noch die langsamsten Teilnehmer entgegenkamen. Hier war auch einer der vielen Wechselpunkte, wo die einzelnen Teilnehmer einer Staffel sich abwechselten. Bei Kilometer 15 wurde das Ufer des Neckars erreicht, wo wir nun den Rest des Weges bis zum Stadtzentrum zurücklegten. Obwohl auch hier der letzte Abschnitt direkt neben dem Luisenpark (diesmal nördlich) entlang führte, konnte ich vom Park selber ihm selber zunächst nichts sehen. Erst als der Fernsehturm erreicht wurde, sah ich die Eingangstore der Nordeingangs. Kurz dahinter kam eine Links-Rechts-Kurve, die uns wieder in die Innenstadt führte. Nach einer weiteren Linkskurve kamen wir wieder zum Veranstaltungsgelände zurück, wo wir allerdings wieder nach rechts abbiegen und auf den Rhein zulaufen mussten. Es ging nun durch den Innenstadtbereich, welcher aus quadratisch angeordneten Straßen bestand. An einer der vielen Kreuzungen bogen einige der Läufer links ab, während andere weiter geradeaus liefen. Bei den Abbiegern handelte es sich offenbar um die Halbmarathonis, die nun zurück zum Rosengarten mussten um ins Ziel zu kommen. Ich lief weiter geradeaus, wobei ich mich umschaute und zu meiner Erleichterung sah, dass ich in guter Gesellschaft von Läufern war, die ebenfalls eine weiße Startnummer trugen und wie ich den kompletten Marathon absolvierten. Ich hatte mich also nicht verlaufen. Zahlreiche Polizisten sicherten die Strecke. Am Ende der Geraden war das für mich bekannte Labyrinth aus Brücken für Autos, Fußgänger und Straßenbahnen erreicht. Diesen Bereich kannte ich bisher nur vom Autofahren. Heute war eine dieser Brücken, nämlich die Kurt-Schumacher-Brücke, für den Marathon freigegeben, und zwar waren die beiden abgetrennten Fahrbahnen komplett für Autos gesperrt. Die rechte Seite sollte ich jetzt benutzen, die linke auf dem Rückweg. Der Weg über diese Brücke war zwischen drei und vier Kilometern lang. Hier konnte ich nun die Skyline von Ludwigshafen sehen. Links von mir war das Hochhaus des Rathauscenters, rechts der Industriekomplex der BASF und vor uns das Abendrot der untergehender Sonne. Auf der anderen Seite kamen uns die Spitzenläufer aus Afrika entgegen, die nun kurz vor dem Ziel waren. Ich war nun schon seit über zwei Stunden unterwegs, das Pokalfinale war sich also kurz vor der Halbzeitpause. Leider gab es hier keine Zuschauer, die uns über den Spielstand informieren konnten.
Schließlich mussten wir eine 180°-Kurve durchlaufen, hinter der es nun steil bergab ging. Kurz vor dieser Kurve sah ich den Pacemaker für die Vier-Stunden-Marke, den ich nun ins Visier nahm. Als wir wieder die Ebene erreichten, waren wir in der Nähe des Berliner Platzes. Hier jubelten uns wieder Zuschauer zu. Einer von ihnen rief „3:1 für Borussia Dortmund!“ Das musste meinen zeitlichen Abschätzungen zu Folge der Halbzeitstand sein. Als wir nach Süden liefen und die andere Rheinbrücke unterquerten, stießen aus einer Seitenstraße von rechts weitere Läufer zu uns, die offenbar den Ludwigshafener Halbmarathon absolvieren wollten, welcher um 20:30 Uhr gestartet war.
Der weitere Weg führte nun nach Westen durch die Stadtteile Mundenheim und Rheingönheim. Hier war an einer Stelle auch ein Zelt aufgestellt, in dem feierwütige Fans auf einer Großleinwand Fußball schauten. Als ich diesen Platz passierte, war offenbar gerade Halbzeit. Immer mehr Menschen bestätigten den vorher genannten Spielstand.
So langsam wurde es richtig dunkel. Eine Brücke führte über die Bahnschienen, von wo aus wir den S-Bahnhof von Rheingönheim sehen konnten. Ich spürte inzwischen Probleme an meinem rechten Knie, die aber zunächst nicht besonders intensiv waren. Es wurde wirklich Zeit, mein heutiges Laufschuhpaar endlich „in Rente zu schicken“. Kurze Zeit später erfuhr ich von Zuschauern, dass Borussia Dortmund inzwischen mit 4:1 führen würde. Die Hoffnung auf einen Bayern-Sieg gab ich nun endgültig auf, denn meinen Berechnungen zu Folge musste das Spiel langsam zu Ende gehen. Den Pacemaker für 4:00h hatte ich inzwischen überholt und immer weiter hinter mir gelassen.
Der restliche Weg durch die Wohngebiete der Gartenstadt wurde von Zuschauern begleitet, die uns immer Mut wieder zuriefen. Es wurde langsam schwierig, Hindernisse auf der Strecke zu erkennen. Die Zuschauer hatten Feuer angezündet, einige von ihnen brannten sogar Wunderkerzen für uns ab. Kurz bevor wir wieder die Kurt-Schumacher-Brücke erreichten. stand eine Schaar von Polizisten vor uns, von denen einer über ein Megaphon rief: „Hände hoch, wer sich für Fußball interessiert!“. Fast alle Läufer vor mir hoben die Hände, ich auch. Da hörte ich „Endstand 5:2 für Dortmund!“ Während die Läufer jubelten, war ich froh darüber, heute Marathon zu laufen anstatt das Spiel gesehen zu haben.
Jetzt hatten wir die Brücke erreicht. Ich spürte langsam, wie mir die Luft ausging. Außerdem wurden die Schmerzen an meinem rechten Knie stärker. Es waren zum Glück nur noch vier Kilometer. Auf der Pylonbrüke waren die Lichter angeschaltet worden. Auf der entgegenkommen Seite fuhren inzwischen wieder Autos. Am Rand von unserer Spur waren kleine Feuer angebrannt worden. Als ich nun zum zweiten Mal die Skyline von Ludwigshafen sehen konnte, wurde ich vom Pacemaker für 4:00h wieder überholt. Ich schaffte es auch nicht mehr, wieder an ihn heranzukommen. Weitere Läufer zogen an mir vorbei. Wir überquerten den Handelshafen und waren dann wieder in Mannheim. Auf der anderen Seite der Brücke kamen wir in der Innenstadt von Mannheim an. Hier jubelten uns wieder zahlreiche Zuschauer zu. Nach einer Rechts- und einer Linkskurve waren wir auf der Geraden, die zum Rosengarten führte. Dieser musste nun einmal komplett durchlaufen werden, danach befand ich mich auf der Zielgeraden. Da mir meine Zielzeit relativ egal war, schaltete ich nun auf Schritttempo um und winkte mit meiner Kappe den Zuschauern zu. Eine etwa fünfköpfige Gruppe, die Arm in Arm auf einer Linie entlanglief, ließ ich passieren. Nach ihnen erreichte auch ich das Ziel. Den ersten medaillenverteilenden Mann, den ich sah, schaute ich an, doch er händigte mir nichts aus. Offensichtlich gab es verschiedene Erinnerungsstücke für die einzelnen Disziplinen. Von einem anderen Ordner erhielt ich dann das Teil: Es war silberfarben und viereckig, auf der Vorderseite stand „MLP Marathon Mannheim, Rhein-Neckar, Finisher“. Auf dem orange-blauen Band war „2012“ aufgedruckt. Schade, dass noch nicht einmal das genaue Datum vermerkt war.
Ich spürte nun, dass ich sogar an den Armen Muskelkater hatten, denn auch diese muss man beim Laufen ja bewegen. Meine Netto-Zielzeit betrug knapp unter vier Stunden.
Ich ging in das Veranstaltungsgebäude und holte meine Tasche ab. Die Duschen lagen außerhalb, ich brauchte ein bisschen Zeit, um sie zu finden. Schließlich konnte ich in einer der Kabinen duschen und mich danach wieder anziehen.
Ich verbrachte noch einige Zeit in der Innenstadt von Mannheim, ehe ich zu Fuß zum Hauptbahnhof ging und dort auf den Zug nach Köln wartete. Dieser kam zwar pünktlich gegen halb zwei Uhr an, fuhr dann aber erst verspätet los. Obwohl ich ein ganzes Abteil für mich allein hatte, konnte ich kaum schlafen. In Köln kamen wir mit 80 Minuten Verspätung an, weshalb ich erst zwei Stunden später als geplant den Intercity nach Bremen besteigen konnte. Auch hier konnte ich nicht schlafen. Erst gegen zwölf Uhr mittags war ich zu Hause und legte mich in mein Bett.
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