Freitag, 23. März 2012

Halbmarathon Bad Oldesloe 2012-03-25

Liebe Leser,
Ich leide zur Zeit an einer Gürtelrose. Eine Teilnahme am Halbmarathon in Bad Oldesloe ist daher nicht ratsam. Ich bitte um Verständnis.

Halbmarathon Langenrehm 2012-03-18

Der vierunddreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 29. Straßenlauf-Cup der LG HNF Hamburg.
Um zu vermeiden, an einem Wochenende im Frühjahr mal nicht laufen zu können, hatte ich mich einige Wochen zuvor dafür entschieden, auf dem Land bei einer Art Vorbereitungslauf teilzunehmen. Der Halbmarathon in Langenrehm bildete die letzte Veranstaltung eines dreiteiligen Straßenlaufcups und der Austragungsort befand sich fernab jeglicher Großstadt. Offiziell war das Veranstaltungsgelände „auf dem Parkplatz Rosengarten in Langenrehm“, welchen ich aber bei googlemaps nicht finden konnte. Die Anfahrt war entsprechend abenteuerlich.
An diesem Sonntag ließ ich mich um fünf Uhr morgens wecken und überlegte dann, ob ich nicht vielleicht doch einfach im Bett liegenbleibe sollte. Schließlich stieg ich doch auf und frühstückte. Noch vor halb sieben ging ich zu Fuß zum Bahnhof Oslebshausen. Ich hatte nicht viel Gepäck dabei, da mich noch ein längerer Fußmarsch erwarten sollte. In Oslebshausen nahm ich die erste Nordwestbahn an diesem Tag, welche zum Hauptbahnhof fuhr. Dort startete um sieben Uhr der Metronom-Regional in Richtung Hamburg. Kurz nach acht Uhr stieg ich in Klecken, also zwei Stationen vor Hamburg-Harburg aus dem Zug aus. Die Ortschaft Langenrehm gehörte offiziell zum Landkreis Harburg. Eigentlich hatte ich mein Fahrrad mitnehmen wollen, um damit die sieben Kilometer nach Langenrehm zurückzulegen. Wegen eines Missverständnisses mit dem Händler befand sich dieses jedoch noch in der Werkstatt. Es gab zwar einen Bus, der zwischen Klecken, Langenrehm und Hamburg-Harburg verkehrte, aber sonntags fuhr solch einer nur alle zwei Stunden und um diese frühe Uhrzeit schon gar nicht. Mir blieb nichts anderes übrig, als mit dem Rucksack auf dem Rücken zu Fuß zu gehen.
Ich hatte mir die Route bei googlemaps markiert ausgedruckt, denn verlaufen durfte ich mich auf keinen Fall. Nachdem ich zwei Passanten gefragt hatte, war ich mir sicher, den richtigen Weg genommen zu haben. Ich musste auf Gehwegen laufen, die neben den Durchfahrtsstraßen verliefen. Dies war zwar wegen des Autolärms ein bisschen unangenehm, aber ich hatte keine andere Wahl. Nachdem ich auf diesem Weg die A1 unterquert hatte, kam ich nach Nenndorf. Hier musste ich aufpassen, die richtige Abzweigung zu nehmen. Hinter Nenndorf musste eine weitere Schnellstraße überquert werden. Ich hatte Nenndorf schon fast wieder verlassen, als ich von einem Auto überholt wurde, welches vor mit anhielt. Der Fahrer, ein Mann in hohem Alter, stieg aus und kam auf mich zu. Er war sehr sportlich gekleidet und hegte schon die Hoffnung, dass er heute auch mitlaufen wolle. Tatsächlich fragte er mich, wo Langenrehm liege, denn er habe sich offenbar verfahren. Ich sagte ihm, dass ich auch nach Langenrehm wolle und er nahm mich in seinem Auto mit. Somit blieb mir der erste große Lauf erspart. Der Mann wollte ebenfalls Halbmarathon laufen. Er war aus Hamburg-Bergedorf und versuchte, sich mit Hilfe seines Navigationsgerätes zu orientieren. Mit Hilfe meiner ausgedruckten Karte fanden wir schnell die Ortschaft Langenrehm. Den Veranstaltungsplatz mussten wir ein bisschen länger suchen, er lag etwa einen Kilometer außerhalb. Der sogenannte Parkplatz war eigentlich eher eine kleine Wiese. Hier war lediglich ein Zelt aufgestellt, wo man sich die Startnummern abholen konnte (Die Teilnahmegebühr hatte nur 8€ betragen, man durfte also nicht allzu viel erwarten). Duschen gab es keine. Wie gut, dass ich erst gar kein Badetuch mitgeschleppt hatte.
Ich bedankte mich bei meinem Kollegen für das Mitnehmen, stieg aus und gesellte mich zu den anderen Läufern. Diese staunten nicht schlecht, als sie hörten, dass ich aus dem fernen Bremen in die Provinz gekommen war, um einen völlig abgelegenen Halbmarathon zu absolvieren. Angeblich sollten heute um die 100 Sportler mitlaufen. Ich aß mein mitgebrachtes Brot, holte mir die Startnummer ab und steckte sie an. Meine Füße versah ich mit Pflastern, an den Brustwarzen vergaß ich dies allerdings. Meinen Rucksack konnte ich im Zelt abstellen. Nun joggte ich noch einmal zur Hauptstraße zurück, um nachzusehen, wann der Bus von Langenrehm nach Klecken fahren sollte. Ich brauchte sechs Minuten für diesen Weg. An der Haltestelle sah ich, dass um 11:44 Uhr der Bus zum Kleckener Bahnhof abfuhr. Das Rennen startete um zehn Uhr. Bei gutem Tempo würde ich diesen Bus wohl bekommen.
Nun ging ich zurück zum Veranstaltungsort. Die Startgerade befand sich tiefer im Wald. Ich lief den anderen Leuten hinterher. An einer Kreuzung musste wir links abbiegen, es ging nun eine Steigung nach oben. Hier war die Startgerade. Kurz, nachdem ich angekommen war, ertönte auch schon der Startpfiff. Es ging nun auf Waldwegen entlang, immer geradeaus. Man musste aufpassen, wo man hintrat, um sich nicht an den Füßen zu verletzen.
Anfangs überholte ich einige Läufer. Ich sah jedoch früh, dass eine neue Bestzeit heute nicht möglich war. Zu allem Überfluss bekam ich auch noch Kopfschmerzen.
Die Kilometer waren markiert. An den jeweiligen Holzpfosten waren immer vier Zahlen angebracht, aus denen ich ersah, dass die Strecke in beide Richtungen je zweimal abgelaufen wurde, dann hätte man 20 Kilometer absolviert. Die Reststrecke sollte dann vom Startpunkt aus zur Zielgeraden auf dem Parkplatz führen.
Rings um uns herum war nur Wald zu sehen. Nach etwa 3,5 Kilometern überquerten wir die A1 zwischen Bremen und Hamburg. Später sah ich auf googlemaps, dass der Kurs in südliche Richtung führte und der Wendepunkt gar nicht so weit weg vom Ort Buchholz in der Nordheide lag.
Kurz vor dem vierten Kilometer kamen mir die ersten Läufer entgegen, die das Ende der Stecke schon erreicht hatten. Nun musste man doppelt aufpassen, um Unfälle zu vermeiden.
Der Wendepunkt bei Kilometer fünf war mit einem Hütchen markiert. Hier befand sich einer der wenigen Streckenposten. Ich fragte diesen, ob ich mir einen Becher Wasser nehmen dürfe, welche auf dem geparkten LKW standen. Er bejahte und ich nahm mir einen Becher, trank ihn aus und lief weiter, nun die gleiche Strecke zurück. Da ich mich nicht gut fühlte, musste ich mich von einigen Leuten überholen lassen, darunter auch von zwei jungen Männern, von denen einer ein Trikot vom Bremen-Marathon trug.
Der Kurs führte an einigen Stellen bergauf und wieder bergab. Als ich bei Kilometer zehn wieder die Startgerade erreichte und erneut umdrehte, musste ich enttäuscht einsehen, dass hier kein Versorgungspunkt war. Der nächste Becher Wasser war erst wieder bei Kilometer 15 zu bekommen.
Da ich die Pflaster für die Brustwarzen vergessen hatte, zog ich nun mein Trikot für eine halbe Stunde aus. Dies bewahrte mich möglicherweise vor größeren Problemen. Als ich den Wendepunkt wieder erreicht hatte, nahm ich einen von den hinteren Bechern, in denen sich Tee befand. Dieser Tee war beim Einschenken wohl gut temperiert gewesen, inzwischen aber abgekühlt. Ich schaute nun auf die Uhr, denn auch wenn eine neue Bestzeit nicht zu standen kommen konnte, so musste ich doch daran denken, dass ich den Bus nach Klecken noch erwischen wollte. Meinen Berechnungen zu Folge sollte dies klappen.
Überholt wurde ich nun nicht mehr. Als ich die Startgerade wieder erreicht hatte, war hier überhaupt kein Streckenposten mehr. Offenbar hatte inzwischen auch der letzte Läufer die zweite Runde eingeschlagen. Es ging nun ein ganzes Stück abwärts und dann in einer scharfen Kurve nach rechts und dahinter leicht bergauf. Nun konnte ich die Ziellinie sehen. Ich gab noch einmal Alles, um eine Zeit von unter 1:35h zu erreichen. Gemessen wurde wahrscheinlich nur die Bruttozeit, welche von einer Helferin per Hand aufgeschrieben wurde. Im Ziel angekommen, holte ich sofort meinen Rucksack und lief weiter zur Bushaltestelle. Ich hatte einige Muskelschmerzen, kam aber rechtzeitig an der Haltestelle an. Dort nahm ich den Bus nach Klecken, wo ich am Bahnhof nicht lange auf den Metronom-Regional warten musste. Eine Stunde lang saß ich verschwitzt im Zug, dann erreichten wir Bremen. Gegen 14 Uhr war ich wieder zu Hause. Ich konnte duschen und legte mich dann schlafen. Die Kopfschmerzen wurden zunächst schlimmer, erst am nächsten Morgen fühlte ich mich wieder gut. Da ich im Hüftenbereich wieder (genau wie in Frankfurt) einige Ausschläge und Schwellungen bekommen hatte, beschloss ich, mir bis zum nächsten Lauf eine neue Hose zuzulegen, welche nicht mit einer Schnur zugebunden werden musste.

Donnerstag, 15. März 2012

Halbmarathon Frankfurt 2012-03-11



Der dreiunddreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Der zehnte Lufthansa-Halbmarathon Frankfurt am Main.
Diesmal hatte ich während der Winterpause eine Art Vorbereitungsprogramm absolviert: Im Januar, im Februar sowie im März hatte ich an jeweils einem Sonntag beim AOK-Vorbereitungslauf im Bürgerpark teilgenommen. Diese Läufe erstreckten sich über 10, 15 bzw. 20 Kilometern und boten daher die Möglichkeiten, schon frühzeitig annähernd mein Niveau des letzten Jahres zu erreichen. Eine Woche nach dem letzten Vorbereitungslauf stand nun der erste echte Halbmarathon der diesjährigen Saison in Frankfurt am Main an.
Ich hatte für die frühzeitige Anmeldung nur 13€ gezahlt, dafür war die Veranstaltung (genau wie im letzten Jahr) sehr mager ausgestattet: Es sollte an der Strecke erneut nur zwei Versorgungspunkte geben und auf eine Finisher-Medaille wurde wieder verzichtet.
Um 23 Uhr verließ ich am Samstag meine Wohnung, um mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof zu fahren. Dort angekommen, traf auch schon der Intercity nach Frankfurt ein. Wie im letzten Jahr war in diesem Zug genug Platz für mich. Das Sechser-Abteil mit den ausfahrbaren Sitzen musste ich mir zunächst mit einer Frau aus Tunesien teilen. Ich hatte mir diesmal eine eigene Decke mitgebracht, in der Hoffnung, damit wenigstens ein bisschen schlafen zu können. Im Vorjahr hatte ich auf der gleichen Zugfahrt keine einzige Minute die Augen zubekommen.
Zu meiner Überraschung gelang es mir tatsächlich, zwischen ein und zwei Stunden zu schlafen. Gegen halb drei Uhr wachte ich auf. Meine Begleiterin verließ in Essen den Zug. Nun hatte ich das Abteil für mich alleine. Schlafen konnte ich aber nur noch etwa eine halbe Stunde, bevor der Zug um Viertel vor Sieben Uhr am Flughafen in Frankfurt am Main (Fernbahnhof) ankam. Dort stieg ich aus. Da ich mich müde fühlte, überlegte ich zuerst, ob ich mich am Bahnhof vielleicht irgendwo auf eine Bank setzen und dort noch ein bisschen ruhen sollte. Ich entschied mich dann jedoch dazu, eines meiner mitgebrachten Brote zu essen und zu den Gleisen des Regionalbahnhofs zu gehen. Dieser Bahnhof war zunächst gar nicht so einfach zu finden. Ich nahm dann die nächste S-Bahn, welche mich zum Stadion brachte.
Hier konnte ich dann die ersten Läufer sehen. Einer sprach mich an und ich zeigte ihm den Weg zum Stadion. Gemeinsam erreichten wir die Startnummernausgabe, wo ich nur meine Startnummer nennen musste und daraufhin das Stück Papier mit dieser Nummer ausgehändigt bekam. An einem anderen Eingang des Stadions wurden sogenannte „Jubiläumsbecher“ verteilt. Gegen Vorlage der Startnummer konnte auch ich einen dieser Becher bekommen, auf denen „10. Spiridon Lufthansa Halbmarathon - Finisher“ aufgedruckt war. Ich hätte also jetzt schon nach Hause fahren können und mit Hilfe dieses Bechers behaupten können, das Ziel erreicht zu haben.
Ich schlenderte noch einmal zum nahe gelegenen Parkplatz und aß dort mein zweites mitgebrachtes Brot. Danach ging ich zum Stadion in die Umkleidekabine und zog mich entsprechend an. Auf eine Unterhose verzichtete ich komplett, was sich nachher als Fehler herausstellte. Die Tasche stellte ich an den Rand des großen Vorraumes der Kabine, meinen Geldbeutel konnte ich bei der Wertsachenabgabe in Sicherheit wissen. Meinen Wohnungsschlüssel jedoch behielt ich bei mir in einer Packung Taschentücher.
Nun ging ich zum Start, direkt neben dem Stadion. Es gab einzelne Startblöcke. Der erste war für die Elite vorgesehen, der zweite für die Läufer mit Zielzeit 1:30h bis 1:40h. Hier reihte ich mich ein. Vor mir sah ich einen Pacemaker, der einen Luftballon mit der Zielzeit 1:29h trug. Hinter mir war ein Pacemaker mit der Zeit 1:39h. Um 10:00 Uhr startete die Elite. Nach einer kurzen Pause kam mein Block an die Reihe. Der erste Halbmarathon dieser Saison hatte begonnen.
Der Kurs war genau der gleiche wie im letzten Jahr. Wir mussten durch die enge Unterführung unter den Bahngleisen durch und dann auf einer Straße geradeaus. Hier war das Läuferfeld noch sehr eng beisammen und überholen daher nicht einfach. Ich sah schon nach dem ersten Kilometer, dass eine neue persönliche Bestzeit heute nicht möglich war.
Nach einem Kilometer wurde ein Wohngebiet erreicht, wo wir eine 180°-Kurve hinlegen mussten. Hier standen einige Zuschauer, die verschiedene Plakate hochhielten. Im Vorbeilaufen sah ich, dass auf diesen Plakaten Protest gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens zum Ausdruck gebracht wurde. Einige Leute hatten Trillerpfeifen dabei. Wurden wir Sportler etwa mit dem Flughafen-Ausbau in Verbindung gebracht, weil die Lufthansa der Hauptsponsor dieser Sportveranstaltung war?
Die nächsten zwei Kilometer ging es auf einer Straße entlang, welche von Wald eingeschlossen war. Danach wurde der Stadtteil Niederrad durchquert. Hier sah ich auch eine Niederlassung des Konzerns Nestlé, welcher sich laut eigenen Angaben so stark gegen Kindersklaverei (Ernte von Kakao-Bohnen) in der Elfenbeinküste einsetzt. Auch einige Zuschauer standen zwischen den großen Hochhäusern und machten mit diversen Instrumenten Lärm.
Nach fünfeinhalb Kilometer erreichten wir das südliche Ufer des Mains. Hier sollte es nun bis zur Hälfte der Halbmarathonstrecke in östlicher Richtung entlanggehen. Dabei liefen wir unter einigen großen Brücken durch. Auf der anderen Seite des Mains konnten wir die Skyline der Innenstadt sehen. Diesmal war ich darauf vorbereitet, dass die erste Versorgungsstelle erst am Ende dieser langen Geraden, bei Kilometer 9,7 sein würde. Dort angekommen, trank ich zwei Becher Wasser und machte dabei eine kurze Geh-Pause. Dann wurde das Mainufer verlassen und wir liefen durch die Straßen eines Frankfurter Stadtteils, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Die 10km-Marke hatte ich nach 43 oder 44 Minuten erreicht. Hier befand sich auch ein Gerät zur Erfassung der Zwischenzeit. Lufthansa-Maschinen waren diesmal wesentlich weniger zu beobachten als noch im letzten Jahr.
Nach 13 Kilometern hatten wir die Stadt hinter uns und liefen auf einer extra für uns gesperrten Landstraße, wo bei Kilometer 14,8 die zweite und letzte Versorgungsstelle vor dem Ziel war. Ich nahm zwei Becher Iso und lief dann weiter. Ich hatte inzwischen starke körperliche Probleme. Meine Genitalien fühlten sich durch die Reibung an den Beinen ziemlich wund an. Außerdem fühlte ich, dass sich an einem der Zehen eine Blase bildete. Ich hatte mir im Winter neue Schuhe zugelegt und wusste noch nicht genau, an welchen Stellen ich Pflaster einsetzen sollte.
Nach kurzer Zeit erreichte ich die Stelle, wo die Läufer, welche mir 3000 Meter vorauswaren, in Richtung Südwesten abbogen. Ab sofort konnten wir nur die linke Seite der Landstraße benutzen, da die rechte Seite von den uns entgegenkommenden, schnelleren Läufern, eingenommen wurde. Hier konnte ich nun auch den Pacemaker für 1:29h erkennen, welcher mir (zu) weit voraus war.
Die Wendestelle war zwischen Kilometer 16 und 17 und bildete eine sehr scharfe Kurve. Auch hier standen Messgeräte zur Erfassung der Zwischenzeit. Nun ging es eineinhalb Kilometer zurück und dann in die beschriebene Linkskurve. Nun war auch das Stadion wieder in Sichtweite.
Zwei Kilometer vor dem Ziel musste wir eine große Brücke hinauflaufen, welcher über eine Art Autobahn führte. Hinter der Brücke wurde das Stadion erreicht. Allerdings musste dieses noch einmal komplett umlaufen werden. Der Weg war nun der gleiche, den ich zu Fuß vom S-Bahnhof zum Stadion zurückgelegt hatte. Ich lief nun noch einmal so schnell ich konnte und überholte dabei einige Sportler, darunter auch eine dunkelhäutige Frau. Beim Einlauf ins Stadion sah ich mir auf meiner Uhr die Nettozeit an. Ich schaffte es, knapp unter 1:34h zu bleiben. Der Zieleinlauf befand sich zwischen dem Fußballfeld und den Zuschauerrängen.
Ich ging nun zum Ausgang des Stadions, wo ich einige Becher mit Getränken zu mir nahm. Ich wollte sofort duschen, bevor das Hauptfeld das Ziel erreichte.
Das Heruntersteigen der Treppe gestaltete sich als kleine Herausforderung, da ich gewisse Muskelschmerzen hatte. In der großen Halle nahm aus meiner Sporttasche nur das Nötigste (Badetuch und Unterhose) und brachte es in die Umkleide. Hier fand ich sofort eine freie Dusche. Als die ersten Wassertropfen auf meinen Körper herunterfielen, spürte ich einen brennenden Schmerz in der Magengegend. Ich sah, dass sich an der Stelle, wo meine Hose zugeschnürt gewesen war, eine Wunde gebildet hatte. Das lag daran, dass ich keine Unterhose als Puffer benutzt hatte. Naja, es ließ sich jetzt nicht mehr ändern.
Nach dem Duschen achtete ich darauf, meinen Wohnungsschüssel in die mitgebrachte Tüte zu stecken und dann in den Vorraum zu gehen, um mich wieder komplett anzuziehen. Als ich dort in die entsprechende Packung Taschentücher blickte, musste ich feststellen, dass mein Schlüssel nicht mehr da war. Ich bekam den Schock meines Lebens. Wo konnte ich ihn verloren haben? Ich hatte ihn während das ganzen Rennens bei mir gehabt und wusste genau, dass er beim Duschen noch dagewesen war. Ich ging zurück in die Kabine an die Stelle, wo ich mir die Unterhose angezogen hatte. Hier lag er nicht. Ich bückte mich, um unter die Bänke zu schauen. Da war er! Er lag am Boden, er musste mir also offenbar irgendwie heruntergefallen sein. Ich war wahnsinnig erleichtert und ging wieder zurück in den Vorraum. Hier packte ich meine Tasche und holte meinen Geldbeutel von der Wertsachenaufbewahrung ab.
Draußen nahm ich mir zwei Flaschen des angebotenen alkoholfreien Weizens und kaufte mir eine Bratwurst. Dann ging ich zurück zum S-Bahnhof. Ich konnte mit der schweren Tasche in der Hand und den Muskelschmerzen in den Beinen nur langsam laufen. Schließlich stieg ich in die S-Bahn und fuhr zum Hauptbahnhof, wo ich ohne Verspätung den ICE nach Hannover nehmen konnte und von dort aus mit dem IC nach Hause fahren und endlich ausschlafen konnte.

Donnerstag, 3. November 2011

Halbmarathon Braunschweig 2011-10-30



Der zweiunddreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Die Braunschweiger Lauftage.
Diese Veranstaltung sollte mein letzter Wettkampf vor der Winterpause sein. Da der Halbmarathon erst um 11:00 Uhr nach Winterzeit starten sollte, konnte ich an diesem Sonntag richtig lange schlafen. Um halb acht Uhr ging ich zur Straßenbahn, mit der ich eine halbe Stunde später am Bremer Hauptbahnhof ankam. Das Ticket zur Fahrt nach Braunschweig hatte ich schon Monate zuvor gebucht. Ich konnte den Intercity nehmen ohne in Hannover umsteigen zu müssen. Die Gefahr, einen Anschlusszug zu verpassen, bestand daher nicht. Ferner sollte dieser Zug auch erst in Bremen starten, weshalb eine Verspätung auch nicht möglich war. Die einzige Gefahr bestand darin, dass der Zug ausfallen würde. Mit dementsprechender Spannung betrat ich daher an diesem Morgen die Eingangshalle.
Zu meiner Überraschung stand der Zug tatsächlich abfahrbereit am Gleis. Ich stieg ein und um kurz nach acht Uhr ging die Fahrt los. Nach einem kurzen Aufenthalt in Hannover aß ich mein mitgebrachtes Brot und zog mich um. Etwa zehn Minuten nach zehn Uhr kamen wir in Braunschweig an. Als ich das Bahnhofsgebäude verlassen hatte, stand ich auf dem Vorplatz, wo die Straßenbahnen hielten. Sportler sah ich weit und breit keine. Ich wusste zunächst nicht, wo der Weg in die Innenstadt war. Ich fragte eine Passantin, die mir die ungefähre Richtung zeigte. Dann ging ich los. Unterwegs fragte ich weitere Leute, die mir entgegenkamen, ob ich auf dem richtigen Weg sei. Kurz nach halb elf war ich dann in der Fußgängerzone, die ich noch vom letzten Jahr kannte. Nun war es kein Problem mehr, das Veranstaltungszentrum zu finden.
Die Marathonläufer waren bereits um zehn Uhr gestartet. Ferner standen noch ein 10- und ein 5-Kilometerlauf auf dem Programm. Am Marktplatz holte ich mir die Startunterlagen ab, welche nur aus einer Nummer und den beiden Papierlaschen bestand, an denen die Chips zur Zeitmessung angebracht waren. Diese Laschen musste an die beiden Schuhe gebunden werden.
Da ich schon umgezogen war, musste ich nur noch in die Turnhalle des Schulgeländes gehen, um meine Tasche abzugeben. Da das Wetter ideal war (kühl und bewölkt) verzichtete ich auf Kappe und Sonnenbrille. Die Voraussetzungen für eine persönliche Bestzeit waren gegeben. Allerdings fiel mir in der Turnhalle auf, dass die anderen Halbmarathonläufer alle ein blaue Startnummer hatten, während meine schwarz war. Hoffentlich hatten mir die Helfer nicht die falsche Nummer gegeben!
Auf dem Marktplatz war ein großes Tor mit der Aufschrift „Start“ aufgebaut, die eigentliche Startlinie befand sich allerdings einige Meter davor in Form eines mit Kreide auf den Boden aufgemalten Striches. Daraus schloss ich, dass keine Sensoren für die Zeitmessung am Start vorhanden waren und daher nur die Bruttozeit gemessen werden sollte. Es war daher ratsam, relativ weit vorne zu stehen. Hier sah ich nun, dass offenbar alle Teilnehmer um mich herum eine blaue Startnummer hatten. Mir wurde dabei schon etwas mulmig. Einige Sportler äußerten mir gegenüber die Vermutung, dass diese Verschiedenfarbigkeit vom Anmeldedatum abhängen könnte.
Der Kommentator erklärte, dass der Start der Halbmarathons diesmal pünktlich um elf Uhr sein würde. Daraufhin applaudierten die Teilnehmer, denn im letzten Jahr hatten wir zwanzig Minuten länger als geplant im Startbereich frieren müssen.
Drei oder vier Sekunden nach dem Startschuss hatte ich die Startlinie auch schon überquert. Die Erfahrung aus den letzten Rennen hatte mich gelehrt, dass ich von Anfang an Gas geben müsse, um mein persönliche Rekordzeit zu unterbieten. Dementsprechend legte ich los.
Der Kurs war mit dem des letzten Jahres nahezu identisch. Nachdem wir die Fußgängerzone verlassen hatte und an der großen Straßenbahnhaltestelle in der Innenstadt vorbeigelaufen waren, ging es durch den ersten Park. Ich war so weit vorne im Feld, dass auf dem engen Weg keinerlei Platzprobleme bestanden.
Das Schild für den ersten Kilometer hatte ich übersehen. Kilometer zwei hatte ich schon nach acht Minuten erreicht. Mir wurde nun klar, dass ich etwas langsamer machen müsse.
Als der Innenstadtbereich verlassen wurde und der Waldbereich betreten wurde, spürte ich bereits das Seitenstechen. Ich musste mein Tempo drosseln und einige Sportler vorbeilassen.
Ich ließ keine Versorgungsstelle aus und nahm mir überall einen Becher Wasser. Nach etwa sieben Kilometern lief ich eine Zeit lang mit einer Frau um die Wette. War sie die Erstplatzierte bei den Frauen? Ich wurde wohl zweimal von ihr überholt, schaffte es aber jedes Mal, sie wieder hinter mich zu bringen.
Auf der Hälfte der Strecke war, wie schon im letzten Jahr, ein Versorgungspunkt mit lauter Musik. Dahinter folgte der Weg oberhalb der B1, welche auf einer Seite überdacht war.
Der Kurs war auf dem Boden mit farbiger Kreide eingezeichnet. Dies war für mich wichtig, da ich im Feld so weit vorne war, dass ich manchmal den Vordermann aus den Augen verloren hatte und mich daher an den Kennzeichnungen orientieren musste. Nach der Überquerung der B1, wo drei junge Mädchen jedem Läufer zujubelten, folgte der Parkplatz, welcher aber nur passiert und nicht, wie im letzten Jahr, einmal umrundet wurde.
Ich schaffte die 14 Kilometer in ziemlich genau einer Stunde. Damit war ein neue Rekordzeit für mich möglich.
Schließlich erreichte ich den Südsee, welcher (wie im letzten Jahr) einmal komplett umlaufen wurde. Die Strecke nördlich dieses Kurses wurde für Hin- und Rückweg benutzt. Auf dem Hinweg sah ich kaum Halbmarathonläufer, was darauf hindeutete, dass nur wenige Sportler vor mir waren. Auf dem Rückweg machte ich mir wirklich Sorgen, mich verlaufen zu haben, da ich auch hier meinen Vordermann aus den Augen verloren hatte. An der Stelle, wo Hin- und Rückweg sich trennten, zeigte mir ein Helfer an, welchen Weg ich zu nehmen hatte.
Hinter dem Südsee wurde die Bahnlinie unterquert. Hier hatte ich meinen Vordermann aus den Augen verloren und musste mich erneut an den Streckenmarkierungen orientieren. Es wunderte mich, dass hier keine Ordner standen, die mir den Weg hätten weisen können.
Schließlich wurde die Westseite des Bürgerparks erreicht. An einer Unterführung stand ein Baum, an dem ein Schild mit der Aufschrift „Jetzt noch aufgeben wäre blöd“ zu lesen war. Ich erinnerte mich dunkel, im letzten Jahr an dieser Stelle etwas Ähnliches gelesen zu haben.
Hinter dieser Unterführung musste ich über eine Brücke, die über einen kleinen Kanal führte. Dahinter war nun wieder die Innenstadt mit der Fußgängerzone. Ich hatte kurz vor dem Ziel festgestellt, dass eine Zeit unter 90 Minuten nicht möglich war, eine Einstellung meines persönlichen Rekordes aber schon. Ich lief noch einmal so schnell ich nur konnte. In der Fußgängerzone sah ich wieder meinen Vordermann, den ich aber nicht mehr überholen konnte. Nach einer Abzweigung in eine Seitenstraße war das Ziel auch schon erreicht, nach etwas über neunzig und einer halben Minute. Damit hatte ich meinen persönlichen Rekord im letzten Rennen des Jahres tatsächlich noch eingestellt. Ich spürte, dass ich an einigen Stellen an meinen Füßen wohl Blasen davongetragen hatte.
Im Zielbereich wollte ich nun schnell zu den Duschen gehen, denn auf Grund der Tatsache, dass es auch einen 10km-Lauf gab wusste ich nicht, wie viele Leute dort wohl anstehen würde. Allein auf Grund meiner Halbmarathonzeit hätte ich mich wohl für einen Duschplatz ohne lange Wartezeiten „qualifiziert“.
Als ich zum Schulgelände gehen wollte, sah ich ein paar Teilnehmer mit Medaillen um den Hals hängen. Da fiel mir ein, dass mir ja auch noch solch ein Erinnerungsstück zustünde. Fast hätte ich es vergessen. Ich ging ein paar Schritte zurück und sah an einem der Stände unter dem Zelt eine lange Schlange von Menschen anstehen. Diese Leute standen tatsächlich für ihre Medaille an. Ich unterhielt mich mit einer Sportlerin, welche die zehn Kilometer absolviert hatte. Ich wartete mehr als fünf Minuten, bis ich gegen Vorzeigen meiner Startnummer die Medaille in Empfang nehmen konnte. Sie hing an einem schwarzen Band und hatte die Form eines Rechtecks, das an den oberen Ecken abgerundet war. Auf der Vorderseite waren die Konturen eines Gebäudes von Braunschweig eingraviert. Darunter stand „11. Braunschweiger Lauftage 2011“. Auf der Rückseite standen die Disziplinen: Marathon, Halbmarathon, 10km und 5km.
Nun konnte ich zur Sporthalle zurückgehen. Ich bekam meine Tasche wieder zurück. Die Duschen funktionierten diesmal (im Gegensatz zum letzten Jahr) und auch mein Badetuch hatte ich nicht vergessen. Als ich die Anlagen dann aber ausprobierte, musste ich festellten, dass sich das Gerücht bestätigte: Es gab nur kaltes Wasser. Da ich etwa drei Stunden lang mit dem Zug nach Hause fahren musste, blieb mir allerdings nichts anderes übrig als in den sauren Apfel zu beißen, denn ich wollte nicht verschwitzt im Zug sitzen. Nach etwa zwei Minuten hatte ich den Schweiß abgespült und zog mich wieder an. Von der Fußgängerzone aus ging ich zu der großen Straßenbahnhaltestelle vor der Karstadt-Filiale, von wo aus ich mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof fuhr. Einen gewissen Muskelkater verspürte ich schon und daher wollte ich nicht den ganzen Weg zum Bahnhof noch einmal laufen müssen. In der Straßenbahn unterhielt ich mich mit einer jungen Frau, die von dem großen Event des heutigen Tages in Braunschweig angeblich nichts mitbekommen hatte.
Am Bahnhof musste ich fast eine Stunde warten, bis der nächste Zug nach Hannover fuhr. Etwa gegen halb sechs Uhr war ich dann wieder zu Hause.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Halbmarathon Lübeck 2011-10-23

Der einunddreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Stadtwerke-Lübeck-Marathon.
Als ich mich vor einigen Monaten für dieses Event angemeldet hatte, musst ich nur zehn Euro Startgebühr bezahlen. Dafür waren aber die Fahrtkosten ein bisschen teurer. Die Ausgabe der Startunterlagen war nämlich nur bis zum Sonntag um 9:00 Uhr möglich, der Halbmarathon sollte aber erst um 11:00 Uhr starten. Um an diesem Tag nicht allzu früh aufstehen zu müssen und dann ewig lange in Lübeck auf den Startschuss warten zu müssen, entschied ich mich, zwei Tagesausflüge in die Hansestadt zu unternehmen. Ich fuhr bereits am Freitagvormittag über Hamburg nach Lübeck, um im Haerder-Center meine Startnummer zusammen mit einigen Werbeartikeln abzuholen. Hin- und Rückfahrt kosteten mich jeweils 9,40€.
Für Sonntag früh hatte ich eine Fernverkehrsverbindung gebucht. Ich stand gegen halb sieben Uhr auf und frühstückte. Dann nahm ich die Straßenbahn zum Hauptbahnhof, wo ich um acht Uhr ankam. Siebzehn Minuten später sollte der Intercity nach Hamburg fahren, wo ich sechzehn Minuten Umsteigezeit hatte, um den ICE nach Lübeck zu erreichen. Ich hatte mir schon ausgerechnet, dass es knapp werden könne, wenn der IC Verspätung haben sollte. Als ich die Bahnhofshalle betrat, las ich an der Anzeigetafel, dass der Intercity nach Hamburg 150 Minuten Verspätung hätte. Sofort erkannte ich aber, dass dies nicht „mein“ IC war, sondern einer, der bereits kurz vor sechs Uhr hätte fahren sollen. Ich suchte den nächsten IC an der Anzeigetafel und sah, dass dieser nur 20 Minuten Verspätung hatte. Grund für diese immensen Störungen seien angeblich Tiere auf den Schienen.
Am Info-Schalter ließ ich mir einen Stempel ausfüllen, der es mir erlaubte, von meiner Zugbindung abzuweichen und den ersten der beiden Züge nach Hamburg zu nehmen, also den, welcher zweieinhalb Stunden Verspätung hatte und nun bald einfahren sollte.
Glücklicherweise kam keine weitere Verspätung dazu, sodass wir fast pünktlich in Richtung Hamburg starteten. Neben mir saß eine Seniorin, welche auch nach Lübeck wollte, um dort in einer Gruppe von zehn Leuten den Staffel-Marathon zu laufen. Dabei sollten sich zehn Sportler die 42,195km-Distanz teilen.
Der Intercity kam fast pünktlich in Hamburg an und der ICE nach Lübeck wurde problemlos erreicht. Nachdem dieser Zug gestartet war, aß ich mein mitgebrachtes Brot und zog mich danach im Toilettenbereich zwischen zwei Abteilen um. Sämtliche Schwachstellen an den Füßen wurden mit Pflastern versehen, genauso wie die Brustwarzen. Ich trug das Trikot vom Berlin-Halbmarathon, auf welchem die heutige Startnummer angebracht war. Diese Startnummer beinhaltete auf der Rückseite den Chip zur Zeitmessung.
Der Zug kam kurz nach zehn Uhr am Lübecker Hauptbahnhof an. Den Weg in die Innenstadt kannte ich noch vom Freitag.
Die Innenstadt von Lübeck ist ringsherum von Wasser (Holstentorhafen, Mühlenteich, Krähenteich, Hansahafen) eingeschlossen. An der Straße, welche ich benutzte, um auf die Insel zu kommen, liegt das stadtberühmte Holstentor. Hinter der Holstentorbrücke kommt die Innenstadt. Hier ging ich in den ersten Stock des Haerder-Centers, um meine Tasche abzugeben. Ich behielt nur meine Armbanduhr, eine Packung Taschentücher, die Sonnenbrille und eine Kappe. Es war keine einzige Wolke am Himmel und ich wollte nicht von der Sonne geblendet werden. Die Temperatur war wohl noch im einstelligen Bereich.
Der Marathon hatte bereits um zehn Uhr begonnen. Der Kurs führte nach Nordosten, aus Lübeck heraus und die Travemünder Allee entlang bis nach Travemünde an der Ostsee, wo der Wendepunkt war und man die gleiche Strecke wieder zurückzulaufen hatte. Für die Halbmarathonis ging es nicht so weit; der Wendepunkt befand sich schon auf halber Strecke des gleichen Kurses.
Zwanzig Minuten vor dem Start verließ ich das Einkaufszentrum und begab mich in kurzärmligem Trikot ins Freie. Ich lief mich warm und schaute mir dabei einen Teil der Innenstadt an. Die Startgeraden befand sich in der Fußgängerzone. Auf der einen Seite des aufgebauten Tores war „Start“ zu lesen, auf der anderen Seite „Ziel“. Der Kommentator machte uns jedoch darauf aufmerksam, dass das Ziel nicht in dieser Straße, sondern auf dem Marktplatz liege und man daher auf dem Rückweg an einer bestimmten Stelle rechts abzubiegen habe.
Pünktlich um 11 Uhr ertönte der Startschuss. Von den weniger als 900 Halbmarathonis stand ich relativ weit vorne. Um meine persönliche Bestzeit zu unterbieten, war eine Zeit von 4:15 Minuten pro Kilometer nötig.
In der Fußgängerzone war der Boden unangenehm, da das Kopfsteinpflaster sehr uneben angebracht war. Der Innenstadtbereich wurde über eine Brücke an der Nordseite verlassen, wo wir durch das sogenannten „Burgtor“ liefen.
Den ersten Kilometer konnte ich tatsächlich in der anvisierten Zeit absolvieren, aber ich merkte sofort, dass eine neue Bestzeit heute nicht möglich war, da ich die jetzige Geschwindigkeit nicht beibehalten konnte.
Die erste Versorgungsstelle kam schon nach zwei Kilometern. Ich nahm hier einen Becher Cola zu mir. Inzwischen hatte ich den Kopfsteinpflasterboden hinter mir gelassen und lief auf Asphalt. Ich befand mich nun auf der Travemünder Allee, allerdings noch im Stadtbereich von Lübeck. Um mich herum gab es Wohnhäuser und Zuschauer. Ich befand mich so weit vorne im Läuferfeld, dass nun schon genug Platz vorhanden war und ich zum Überholen nicht großartig ausweichen musste.
Nach vier Kilometern kam ein weiterer Versorgungspunkt, wo ich einen Becher Wasser bekam. Dieses Wasser war, entsprechend der Lufttemperaturen, eisig kalt. Daher entschloss ich mich, soweit es möglich war, bei den nächsten Stationen auf Tee umzusteigen. Dieser erwies sich tatsächlich als ein bisschen wärmer.
Der Stadtbereich lag nun hinter uns und den Teilnehmern standen zwei Spuren der Travemünder Allee zur Verfügung. Die beiden Spuren, welche aus der Stadt heraus in Richtung Ostsee führten, waren jedoch für den Autoverkehr freigegeben.
Nach der Unterquerung einer Bundesstraße ging es kilometerlang nach Nordosten. Dann folgte eine Linksschleife, die eine Art Autobahnzufahrt darstellte. Es war sehr interessant, solch eine Straße einmal zu Fuß zu betreten, da sie im eigentlichen Verkehr nur für Kraftfahrzeuge vorgesehen ist.
Der nun folgende Abschnitt führte weiter die Travemünder Allee entlang. Wir näherten uns dem Herrentunnel. Dieser bestand offenbar aus zwei voneinander abgeschirmten Unterführungen, von denen eine (mit zwei Spuren) den Läufern zur Verfügung stand. Der Kommentator hatte vor dem Rennen eine Steigung von 6% angekündigt. Da ich meine Sonnenbrille trug, kam mir dieser Abschnitt ziemlich dunkel vor. In regelmäßigen Abständen gab es Beleuchtungen und auch Helfer standen bereit, um notfalls einzugreifen. Insgesamt kam mir der Weg nicht sehr steil vor, aber die Straße nach unten war sehr langgezogen. Ich gab mir keine Mühe, meine Geschwindigkeit zu drosseln. Möglicherweise lief ich hier um die 20km/h. Danach folgte jedoch der Anstieg, welcher umso anstrengender wurde. Er führte durch eine Linkskurve, weshalb das Ende des Tunnels zunächst nicht sichtbar war. Auf der anderen Seite war dann ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Skandinavienkai“ zu sehen. Die letzten zwei Kilometer bis zum Wendepunkt mussten jetzt auf einer Straße absolviert werden, die nicht mehr zur Travemünder Allee gehörte, sondern neben dieser Hauptstraße an einem Wohngebiet vorbeiführte. Zwischen Kilometer neun und zehn kamen mir dann die ersten Läufer wieder entgegen. Da ihr Startnummern die gleiche Farbe wie meine hatten, ging ich davon aus, dass es sich hier um Halbmarathonis handelte. Es gab also bis jetzt keinen Marathonläufer, der vor mir war. Ich schaute mir die entgegenkommenden Läufer an, denn es interessierte mich, wie viele Frauen heute schneller sein würden als ich. Allerdings bekam ich bis zur Wendeschleife keine einzige Läuferin zu sehen. Beim 10km-Schild registrierte ich eine Zeit von 44 Minuten, was für eine neue persönliche Bestzeit eindeutig zu viel war.
An der Wendeschleife befanden sich nun zahlreiche Zuschauer. Ein Kommentator erwähnte einige der vorbeikommenden Läufer und nannte ihre Namen. Dabei sprach er auch von einer Läuferin, die angeblich zur Zeit auf dem dritten Platz war. Wenn das stimmte, so waren zu diesem Zeitpunkt gerade einmal drei Halbmarathonläuferinnen vor mir. Als ich die Zuschauermenge erreichte, winkte ich in die Menge. Der Kommentator sah dies offenbar und erwähnte mich über das Mikrofon: „Das war Siegfried aus Bremen, der da gewunken hat. Siggi, viel Erfolg!“ Danach sprach er auch über die Marathonläufer, von denen angeblich noch keiner diesen Punkt erreicht hatte. Somit war es für mich tatsächlich möglich, noch vor dem Marathonsieger im Ziel anzukommen.
Der Rückweg wurde bis zum Herrentunnel ein bisschen eng, denn nun kam mir das Hauptfeld entgegen. Zum Glück musste ich so gut wie nicht überholen. Ich konnte auch die gleichen Versorgungsstellen ansteuern, über die ich mich schon auf dem Hinweg verpflegt hatte.
Der Abschnitt durch den Herrentunnel war ähnlich wie der Hinweg: Die Strecke nach unten kam mir deutlich länger vor als der folgende Anstieg. Dann kam ich wieder ans Tageslicht und lief die Travemünder Alle zurück.
Bei Kilometer dreizehn sah ich eine Frau, die etwa 100 Meter vor mir lief. War das die Läuferin, die den dritten Platz anvisierte? Ich nahm mir vor, sie noch abzufangen. Dies gestaltete sich allerdings schwieriger als erwartet, denn ich kam ihr kaum näher. Ein leichtes Seitenstechen verhinderte zunächst größere Anstrengungen, allerdings gingen die Schmerzen bald wieder zurück.
Erst bei Kilometer sechzehn stellte sich en Erfolg ein, denn ich kam ihr langsam näher. Sie lief offenbar in Begleitung eines Mannes, der direkt neben ihr war. Die letzte Versorgungsstelle ließ ich aus. Kurz vor dem Burgtor war es soweit. Ich konnte die beiden überholen und blickte dabei nach hinten, um mir die Nummer der Läuferin zu merken. Danach erreichte ich das Kopfsteinpflaster der Innenstadt. Hier kamen mir nun immer mehr Läufer entgegen, die offenbar zu den Staffelteams gehörten, deren Teammitglieder alle nacheinander in der Innenstadt starteten und die alle seltsame Gegenstände in der Hand hielten.
Als ich die Fußgängerzone erreichte, erinnerte ich mich an die Worte des Kommentators, dass das Ziel auf dem Marktplatz liege und man dafür rechts abbiegen müsse. Ich musste nun genau aufpassen, denn eine Orientierung an den Vordermännern war nicht ohne Weiteres möglich. Ich war im Feld so weit vorne, dass die Läuferdichte sehr gering war.
Zum Glück gab es dann doch einen Teilnehmer, der sich knapp vor mir befand und an der richtigen Stelle abbog. Hier mussten wir durch Torpfeiler durch, weshalb der Weg richtig eng wurde. Und dann war das Ziel auch schon da. Es gab kaum hier fast keinen Auslaufbereich. Ich musste nun schnell abbremsen und bekam dann auch schon die Finishermedaille überreicht. Sie hing an einem orangenen Band und hatte die Form eines Rechtecks, dass an zwei Seiten stark abgerundet war. Auf der Vorderseite stand „4. Stadtwerke Lübeck Marathon, 23. Oktober 2011“ und auf der Rückseite war das Holstentor eingraviert. Es gab also offenbar die gleiche Medaille für Teilnehmer sämtlicher Disziplinen
Wenige Sekunden später hörte ich, wie der Kommentator jetzt die Frau erwähnte, welche ich noch Minuten zuvor überholt hatte. Seinen Worten zu Folge handelte es sich um die drittschnellste Frau an diesem Tag. Ob dies wirklich so war, konnte ich erst einen Tag später im Internet nachprüfen.
Ich ging zum Haerder-Center und holte dort meine Tasche ab. Dort erkundigte ich mich auch nach den Duschen, welche in der Sporthalle der Domschule zur Verfügung stehen sollten. Hätte ich mich vorher ein bisschen genauer über deren Lage informiert, so hätte ich wohl weniger Zeit gebraucht, um den Platz zu finden. Die Ausschilderung vor Ort war nämlich nicht einmal dürftig, sondern überhaupt nicht vorhanden. Dank einiger Passanten fand ich die Sporthalle aber doch. Dort angekommen, musste ich feststellen, dass der Umkleideraum gänzlich leer war. Außer mir befand sich nur ein einziger weiterer Sportler unter den Duschen. Als dieser dann den Raum verließ, war ich vollkommen alleine.
Nachdem ich mich umgezogen hatte, ging ich zum Bahnhof zurück. Noch bevor ich die Bahnhofshalle betrat, wurde ich von einem Mann angesprochen, ob ich noch Hamburg wolle. Ich bejahte und er machte mir das Angebot, gegen sechs Euro auf seinem Schleswig-Holstein-Ticket mitzufahren. Zusammen mit drei anderen Pendlern bestiegen wir dann den Zug auf welchen wir allerdings lange warten mussten, denn sonntags fuhren die Regionalzüge offenbar nur im Stundentakt nach Hamburg. Kurz vor 15 Uhr kamen wir schließlich dort an. Ich bestieg den Metronom nach Bremen und war gegen 17 Uhr wieder zu Hause.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Halbmarathon Oldenburg 2011-10-16

Der dreißigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Oldenburger City-Lauf.
Ich stand um 6:30 Uhr auf und frühstückte. Dann ging ich zur Straßenbahn, mit der ich um 8:00 Uhr am Hauptbahnhof ankam. Dort wartete die Nordwestbahn, welche ein Viertelstunde später in Richtung Oldenburg startete. Wegen des Freimarkts war dieser Zug gut gefüllt. An den einzelnen Bahnhöfen stiegen dann immer mehr Läufer zu. Kurz vor der Endhaltestelle ging ich auf die Zugtoilette, um mich dort umzuziehen. Die Schwachstellen an meinen Füßen sowie die Brustwarzen klebte ich mit Pflastern ab. Ich trug das hellgrüne Trikot vom Wilhelmshaven-Marathon 2010, da mir das Bissendorf-Trikot aus dem selben Jahr vor einigen Tagen verlorengegangen war.
Kurz vor neun Uhr kam der Zug in Oldenburg an. Ich nahm bereits zum dritten Mal bei dieser Veranstaltung Teil und jedes Mal war die Ausgabe der Startunterlagen an einem anderen Ort. Heute mussten wir uns zu einem Einkaufszentrum begeben, welches als Organisationszentrale genutzt wurde. Eine meterlange Menschenschlange stand an einem Tisch an, wo die Startnummernausgabe für Marathon und Halbmarathon war. Ich nutzte diese lange Anstehzeit, um mein mitgebrachtes Brot zu essen. Nach zehn Minuten bekam ich den Umschlag, in welchem neben der Nummer und einer Streckenbeschreibung noch einige kleine Werbeblätter waren.
Die Taschenabgabe befand sich auf dem Parkdeck im 2. Obergeschoss. Um dorthin zu gelangen gab es vier Aufzüge, aber keine Treppe. Ich wartete die Ankunft dreier Aufzüge ab, ehe ich in einem von ihnen Platz fand. Dieser Aufzug musste jedoch erst in den Keller und dann wieder nach oben fahren, um bis zur Ankunft auf dem Parkdeck überall mindestens einmal gehalten zu haben. Als die Sportler über die Dauer dieses Manövers diskutierten, erfuhr ich von ihnen, dass der Startschuss von 10:00 Uhr auf 10:15 Uhr verlegt worden war, da die Organisation nicht so glatt gelaufen war wie erwartet.
Nachdem ich meine Tasche auf dem Parkdeck abgegeben hatte, ging es mit dem Aufzug wieder zurück ins Erdgeschoss. Diese Fahrt verlief wesentlich schneller.
Das Wetter war fast ideal. Es sollten etwa 13°C werden und es war kein Regen vorhergesagt. Da aber auch keine Wolken am Himmel standen, hatte ich meine Kappe aufgesetzt um nicht geblendet zu werden. Bis auf kurze Pausen behielt ich sie während des ganzen Laufes auf dem Kopf.
Außerhalb des Einkaufszentrums durfte ich ein Zelt betreten, in welchem die Preise für die heutigen Sieger bereitgestellt waren. Ich sah dort Pokale für die jeweils drei Erstplatzierten, Bücher über die Oldenburger Sportgeschichte und einiges mehr.
Der Startbereich war der gleiche wie im letzten Jahr. Die Fahrbahnen des Schlosswalles südlich des Grünstreifens dienten den Marathon- und Halbmarathonläufern als Startgeraden, die Spuren nördlich der Trennlinie waren für die 10-Kilometer-Läufer reserviert. Alle drei Gruppen sollte um 10:15 Uhr starten. Auf der Südseite waren einzelne Bereiche markiert, in die man sich je nach der erwarteten Endzeit einzugliedern hatte. Ich stellte mich kurz hinter die 1:30h-Marke, denn eine neue persönliche Bestzeit war bei diesen äußeren Bedingungen durchaus möglich.
Um Viertel nach zehn Uhr ertönte der Startschuss. Der Weg führte nach einer Linkskurve in Richtung Norden, wobei die Kurse der (Halb-)Marathonis von den 10-Kilometer-Läufern weiterhin durch eine erhöhte Grünfläche getrennt waren. Wenn ich heute neue Bestzeit laufen wollte, dann musste ich von Anfang an Gas geben. Nach einigen Überholmanövern, bei denen ich stark auf die Seite ausweichen musste, hatte sich das Läuferfeld bereits auseinandergezogen (es waren wohl weniger als 2000 Marathon- und Halbmarathonläufer) und ich hatte freien Raum. Für den ersten Kilometer benötigte ich ziemlich genau 4:20 Minuten. Mein Tempo war damit ausreichend, musste jedoch über die gesamte Distanz aufrecht erhalten werden.
Direkt hinter der Unterführung unter der Bahnlinie befand sich der Pferdemarkt, ein großer Verkehrsknoten, der einen zentralen Punkt der Strecke bildete. Die 10-Kilometer-Läufer mussten hier eine Linkskurve einschlagen, während ich mit den anderen Sportlern nach rechts zu laufen hatte. Wir waren nun auf einer ganz normalen zweispurigen Straße, welche nach einer Schleife wieder zurückgelaufen wurde, um wieder zum Pferdemarkt zu führen. Hier befand sich auch die erste Versorgungsstelle, wo ich einen Becher Wasser trank. Ich ließ im Folgenden keine dieser Stellen aus, nahm aber jedes Mal nur Wasser und nichts zu essen zu mir.
Für die ersten drei Kilometer benötigte ich tatsächlich nur die anvisierten 13 Minuten.
Als der Pferdemarkt wieder erreicht wurde, sah ich die langsamsten Teilnehmer, wie diese ihn gerade zum ersten Mal erreichten. Nun führte die Strecke von hier aus nach Norden, um eine ähnlich lange Schleife zu bilden, welche uns schließlich wieder zum Pferdemarkt zurückführte. Insgesamt war der Kurs mit dem des letzten Jahres nahezu identisch.
Nachdem der Pferdemarkt zum letzten Mal passiert wurde, ging es durch die Gegend nordwestlich der Innenstadt. Ich erreichte die 6km-Marke nach 26 Minuten und die 9km-Marke nach weniger als 39 Minuten. Bei Kilometer zehn war ich weniger als 44 Minuten unterwegs gewesen.
Ich spürte nun allerdings, dass meine Beine schon langsam schwer wurde. Eine Pause legte ich aber nicht ein. Der Weg führte durch ruhige Wohngebiete, wo vereinzelt Zuschauer standen. Etwa bei Kilometer 14 war der westlichste Punkt der Strecke erreicht. Auf meiner Uhr konnte ich erkennen, dass ich bis hierher ziemlich genau eine Stunde benötigt hatte. Ich war also bisher mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14km/h gelaufen. So schnell war ich noch nie zuvor gewesen.
Der Rückweg zur Innenstadt führte wie letztes Jahr durch eine lange, gerade Straße , die zwischen einer Autobahn und einem kleinen Fluss lag. Als ich die Unterführung, welche unter der A28 durchführte und für uns Läufer heute komplett gesperrt war, hinter mir hatte, musste ich kurz anhalten, denn der Doppelknoten an meinem rechten Schuh hatte sich tatsächlich gelockert. Das Problem war aber schnell behoben und dann konnte es weiter gehen.
Vier Kilometer vor dem Ziel spürte ich wieder leichtes Seitenstechen in der linken Bauchhälfte, was mich dazu zwang, meine Geschwindigkeit zu drosseln.
Einen Kilometer vor dem Ziel wurde der Kopfsteinpflasterboden erreicht, der mich an die Zielgeraden im letzten Jahr erinnerte. Bis Kilometer 20 hatte ich eine Zeit von 86 Minuten benötigt. Eine neue Bestzeit war mir nun sicher, aber ich hätte doch gerne den Halbmarathon in weniger als 90 Minuten absolviert. Die schmerzenden Beine machten mir aber einen Strich durch die Rechnung und ich konnte keinen richtigen Endspurt einlegen.
Nachdem der Startbereich am Schlosswall wieder erreicht war, zeigte mir ein Ordner an, dass ich nun nach links abzubiegen hatte, im Gegensatz zu dem Marathonläufer vor mir, welcher sich geradeaus auf seine zweite Runde begab. Kurz hinter dieser Linkskurve war das Ziel. Ich sah hier eine Bruttozeit von knapp über 1:31h auf der Digitalanzeige. Damit hatte ich meine persönliche Bestzeit unterboten.
Hinter der Ziellinie wurde mir eine Medaille umgehängt, die mich sehr stark an ihr Vorgängerexemplar von 2010 erinnerte: Das Band war das gleiche und auch die Medaille entsprach mit Ausnahme der auf der Vorderseite eingravierten Begriffen der Medaille des letzten Jahres. Diesmal stand nicht "25. Oldenburger City-Lauf 2010" sondern "Oldenburg Marathon 2011" darauf.
Es war nun etwa 11:45 Uhr. Um 12:35 Uhr sollte der Regionalexpress nach Bremen fahren. Ich beeilte mich daher, meine Tasche wiederzubekommen. Auf dem Weg zum Parkdeck wurde mir von einem Ordner noch ein Werbegeschenk eines Sponsors in Form von einem Laib Brot überreicht. Nachdem ich meine Tasche abgeholt hatte, erkundigte ich mich nach den Duschgelegenheiten. Diese befanden sich in der Sporthalle des "Alten Gymnasiums", wohin ich fünf Minuten lang zu laufen hatte. Der Andrang war zum Glück nicht groß und ich hatte sowohl eine Duschmöglichkeit ohne Wartezeit sowie genug Platz, um mich umzuziehen.
Danach ging ich zum Bahnhof, wo ich gerade rechtzeitig ankam um in den Zug nach Bremen einzusteigen. Um kurz nach 13 Uhr kam ich dort an, gegen 14 Uhr war ich dann wieder zu Hause.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Halbmarathon Eindhoven 2011-10-09

Der neunundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Eindhoven-Marathon.
Ich war am Samstagnachmittag mit dem Moorexpress von Bremen nach Stade und von dort aus mit dem Metronom zum Hamburger Hauptbahnhof gefahren. Hier musste ich bis 0:30 Uhr warten, ehe der City-Nightline-Zug, in dem ich einen Liegeplatz reserviert hatte, ankam um in Richtung Holland weiterzufahren. Trotz einigen Schnarchern in meinem Sechser-Abteil schaffte ich es, etwa vier bis fünf Stunden zu schlafen, ehe wir um 9:30 Uhr am Bahnhof in Utrecht ankamen.
Der Marathon von Eindhoven ist die drittgrößte Laufveranstaltung in Holland mit mehreren tausend Teilnehmern. Der Marathon sollte um zehn Uhr vormittags starten, einige kleinere Läufe danach und der Halbmarathon erst mittags um 13:30 Uhr. Nur dieser späte Zeitpunkt ermöglichte mir überhaupt die Teilnahme.
In Utrecht musste ich meine Englischkenntnisse anwenden, um am Bahnschalter ein Ticket für Hin- und Rückfahrt nach Eindhoven zu kaufen. Kurz darauf konnte ich bereits den Intercity dorthin besteigen, so dass ich schon vor elf Uhr in Eindhoven ankam.
Die Marathonmesse befand sich nordwestlich vom Hauptbahnhof. In einer großen Halle konnte ich meine Startnummer abholen. Danach hatte ich noch über zwei Stunden Zeit bis zum Start. Ich ging nach Süden, in die Fußgängerzone, wo die letzten drei Kilometer des Kurses stattfanden. In jeder Kneipe lief ein Fernseher, der den Marathon live übertrug. Im Zielbereich aß ich zunächst meinen mitgebrachten Proviant und sah dann in der Fußgängerzone, wie die ersten Marathonläufer (allesamt dunkelhäutige Afrikaner) auf die Zielgeraden einbogen. Der Marathon bestand (mit Ausnahme einiger kleiner Abweichungen) aus der zweifachen Runde des Halbmarathons.
Als ich wieder am Messegelände ankam, hatte sich die Halle schon gut gefüllt. Ich zog mich um und gab meine Tasche ab, welche ich jedoch noch einmal zurückfordern musste, denn ich hatte meine Armbanduhr vergessen. Ich wollte sie während des Rennens unbedingt tragen, denn eine neue Bestzeit war für mich nicht ausgeschlossen.
In der Halle sah ich auch einige der Pacemaker. Wie ich später erfuhr, gab es Tempomacher für die Zeiten 2:00h, 1:55h, 1:50h und so weiter bis 1:30h. Und diese Tempomacher bestanden jeweils aus mehreren Läufern. Auf ihren Trikots war nicht nur die entsprechende Endzeit aufgedruckt, sondern auch die Zeit pro Kilometer.
Es begann jetzt leicht zu regnen, als ich zur Startgeraden ging. Diese Startgeraden bestand aus zwei mehrspurigen Autostraßen, die durch einen Grünstreifen voneinander getrennt waren. Jede Gerade war in einzelne Startblöcke unterteilt, welche durch Gitterabsperrungen voneinander getrennt und nur durch enge Eingänge zugänglich waren. An diesen Eingängen standen Ordner, die nur die „richtigen“ Teilnehmer hinter die Gitter ließen. Bei der Anmeldung musste nämlich eine erwartete Zielzeit angegeben werden, was durch eine bestimmte Farbe auf der Startnummer erkennbar war. Mein Zielzeit war 1:40h und ich musste dementsprechend in das zweite Feld hinter der Startgeraden.
Nach einigen Minuten Wartezeit ging es um 13:30 Uhr endlich los. Ich überquerte die Startgerade nach weniger als einer Minute.
Die beiden Läuferfelder waren zunächst einen Kilometer lang durch den Grünstreifen getrennt, ehe sie dann zusammengeführt wurden. In diesem ersten Abschnitt musste ich immer wieder auf den Rasen ausweichen, um Überholen zu können. Fast der gesamte Kurs befand sich auf gesperrten Autostraßen, sodass immer breite Pfade zur Verfügung standen.
Am Rande des Geschehens gab es fast überall Zuschauer und mindestens alle 1000 Meter eine Musikband, die uns mit Blasmusik unterhielt. Grob beschrieben führte der Weg erst nach Norden und dann wieder bis in Bahnhofsnähe zurück nach Süden.
Bei den ersten Versorgungsstellen ließ ich mir Wasser geben, auf Äpfel oder Bananen verzichtete ich. Das aus Deutschland bekannte Iso wurde von den Holländern mit dem Begriff „Sportgetränk“ (oder so ähnlich) betitelt.
Den ersten Kilometer legte ich in viereinhalb Minuten zurück. Das Wetter war trotz eines etwas stärkeren Windes ideal, weil der Regen kurz vor dem Start wieder aufgehört hatte. Der Himmel hing voller Wolken, so dass ich mich nicht an der Sonne orientieren konnte und daher auch nicht die Himmelsrichtung bestimmen konnte, in welche ich lief.
Als Kilometer acht erreicht war, sah ich auf meiner Uhr, dass ich für diese Strecke nur 35 Minuten benötigt hatte. Sollte ich dieses Tempo durchhalten, so war ein neuer Rekord möglich. Kurz nach diesem Abschnitt erreichte ich die Pacemakergruppe für 1:35h, welche aus sieben bis acht Läufern bestand und knapp vor mir war. Auch diese Leute überholte ich. Ich hatte nun das Gefühl, dass heute einfach alles klappen könne.
An vielen der Kilometermarken befanden sich auch Messgeräte, welche unseren Champion-Chip scannten. Somit sollte es wohl möglich sein, später auch die einzelnen Zwischenzeiten zu erfahren. Für die ersten zehn Kilometer benötigte ich weniger als 44 Minuten, für mich persönlich ein neuer Rekord.
Der Rückweg in Richtung Innenstadt führte durch einen kleinen Wald, bevor nun das Phillips-Stadion und die Niederlassung des gleichnamigen Elektronikkonzerns abgelaufen wurden. Nun waren es noch drei Kilometer, und ich spürte jetzt das Seitenstechen, welches erst in der rechten und dann in beiden Bauchhälften auftrat. Ich musste langsamer machen und einige Sportler an mir vorbeilassen, nachdem ich vorher fast durchgängig selber überholt hatte.
Bei Kilometer 18 war ein Holzgerüst aufgebaut, welches den Zuschauern dazu diente, die Marathonstrecke zu überqueren, denn der Laufkurs teilte die Innenstadt in zwei Hälften und Unterführungen oder Brücken gab es keine.
Nun ging es durch die Fußgängerzone, wo zunächst Gitterabsperrungen die Läufer von den Zuschauern trennten, dann jedoch keine Absperrungen mehr vorhanden waren und der Raum für mich immer enger wurde. Trotzdem konnte ich auch hier einige waghalsige Überholmanöver starten. Das Seitenstechen hatte etwas nachgelassen, doch ich sehnte nun das Ziel herbei. Wo war es nur? Es folgten hintereinander drei Rechtskurven, hinter denen das Ziel schließlich versteckt war. Hier war eine Digitalanzeige mit der Bruttozeit, die seit dem Startschuss vergangen war. Ich sah, dass ich Linie überschritt, noch bevor 1:33h erreicht war. Dass ich meinen persönlichen Rekord heute überbieten würde, war mir bereits seit zehn Minuten klar.
Im Zielbereich bekam ich zunächst eine 250ml-Dose eines Energydrinks geschenkt. Einige Meter weiter gab es dann die Medaille. Sie war rund, aber nicht besonders groß. Sie hing an einem orange-blau-orangenen Band. Auf der Vorderseite war „1/2 Marathon“ sowie „Eindhoven Marathon, 09/10/2011“ eingraviert. Man hatte also bei dieser Veranstaltung für die einzelnen Disziplinen tatsächlich verschiedene Medaillentypen eingesetzt.
Nun folgte der Rückweg zum Veranstaltungszentrum, wo ich die vorhin beschriebene Teilstrecke des Kurses überqueren musste. Als ich dort ankam musste ich sehen, dass die aufgebaute Treppe voller Zuschauer war. Hätte ich sie benutzt, so hätte dies lange gedauert und besonders der Abstieg wäre unangenehm geworden, da ich nach meiner vorbildlichen Zielzeit stärkeren Muskelkater hatte als in den Wochen zuvor. Ich musste die Strecke daher bei den Gitterabsperrungen überqueren. Dies gestaltete sich nicht gerade einfach, da hier gerade das Hauptfeld der Läufer vorbeikam. Ich musste mit Muskelkater den entscheidenden Zeitpunkt abwarten, um dann schnell über die Strecke zu huschen. Zum Glück gelang dies ohne Kollision.
Nachdem ich in der großen Halle meine Tasche wieder zurückbekommen hatte, erkundigte ich mich nach den Duschen. Zwei Mitarbeiter eines Rettungsteams, welche deutsch sprachen, erklärten mir, dass 700 Meter entfernt, auf dem Gelände der Technischen Universität von Eindhoven. die Sporthalle zur Verfügung stand. Sie zeigten mir die Richtung dorthin und ich machte mich auf den Weg. Dieser Weg wurde aber länger und weiter als ich gedacht hatte. Immer wieder musste ich andere Sportler fragen, die mir erklärten, dass ich noch ein Stück weiter laufen müsse. Es waren insgesamt wohl über drei Kilometer die ich zurücklegte, ehe ich in der Männerumkleidekabine ankam. Ich fror sehr stark, da ich nur ein kurzärmliges Trikot trug und der Wind immer noch stark wehte. Zum Glück musste ich bei der Dusche nicht lange anstehen. Nachdem ich mich umgezogen hatte, ging ich zum Bahnhof. Mit dem nächsten Zug fuhr ich nach Utrecht und von dort aus nach Ammersfort. Hier hatte ich Zugbindung, weshalb ich auf den Intercity nach Osnabrück zwei Stunden lang warten musste. In Osnabrück musste ich erfahren, dass der ICE nach Bremen leider über eine halbe Stunde Verspätung hatte. So kam ich erst gegen Mitternacht in Bremen an und war kurz vor halb ein Uhr zu Hause.