Dienstag, 27. September 2011

Halbmarathon Alstertal 2011-09-25



Der achtundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Volkslauf durch das schöne Alstertal.
Ich wollte eigentlich schon letztes Jahr beim Halbmarathon im Hamburger Alstertal teilnehmen, damals war die Veranstaltung aber schon ausgebucht, als ich sie „entdeckt“ hatte. Dieses Jahr hatte ich mich frühzeitig gemeldet.
Ich wurde um kurz vor sechs Uhr von meinem Wecker geweckt, frühstückte und nahm um sieben Uhr die Straßenbahn in die Innenstadt. Zum Hauptbahnhof fuhr um diese Zeit keine Bahn. In der Innenstadt nahm ich den Fußweg zum Hauptbahnhof, wo (wie jeden Sonntagmorgen) sich die Betrunkenen vom Vortag auf den Nachhauseweg machten. Als ich Gleis 10 erreichte, wo der Metronom nach Hamburg starten sollte, sah ich einen Randalierer, der gerade von zwei Polizisten in Handschellen abgeführt wurde. Um 7:33 Uhr startete der Zug und kam gegen viertel vor neun Uhr am Hamburger Hauptbahnhof an. Hier kaufte ich mir ein Tagesticket und nahm die nächste S-Bahn, mit der ich eine Station bis zum Bahnhof Dammtor fuhr. Von hier aus lief ich zur U-Bahn-Haltestelle „Stephansplatz“, wo überall auf das neue Alkoholverbot im Hamburger Nahverkehr hingewiesen wurde. Ich kam gerade rechtzeitig am unterirdischen Gleis an, denn nach nur einer Minute Wartezeit fuhr die U1 Richtung Norderstedt ein. Ich aß während der Fahrt mein mitgebrachtes Brot. An den folgenden Stationen stiegen nun immer weitere Sportler ein. Nach einer Viertelstunde war das Ziel, die Haltestelle „Klein-Borstel“ erreicht. Hier folgte ich einfach den anderen Läufern.
Das Veranstaltungszentrum lag in unmittelbarer Nähe der Station. Auf einem Schulgelände konnte ich mir meine Startnummer abholen, auf welcher sich auch ein Barcode für die Zeitmessung befand. In einer Umkleidehalle legte ich meine Sportkleidung an. Hier musste ich feststellen, dass meine Laufsocken an den Fersen schon viel an Stoff verloren hatten. War das der Grund für die Blasen an diesen Stellen? Ich vergaß heute nicht, sowohl an den Füßen als auch an den Brustwarzen Pflaster anzubringen. Desweiteren nahm ich beide Brillen zu mir, da am Himmel kaum Wolken zu sehen waren. Meine Tasche konnte ich in der großen Sporthalle abgeben. Der Startbereich befand sich einige Meter entfernt auf dem Sportplatz.
Die Veranstaltung bestand aus einem Halbmarathon, einem 10km-, und einem 4km-Lauf, wobei die Teilnehmer des ersten Wettbewerbs in zwei Kategorien unterteilt waren: Es gab die Läufer, welche am sogenannten "hella-Cup" teilnahmen. Dieser Wettbewerb bestand aus drei Rennen, von denen der heutige Halbmarathon den letzten Teil bildete. Die Cup-Läufer sollten bereits um 10.00 Uhr starten, die "normalen" Halbmarathonläufer 20 Minuten später. Der Kurs führte eine halbe Runde um den Sportplatz herum und dann den engen Weg am Alstertal entlang. Von anderen Sportlern erfuhr ich, dass dieser enge Pfad sowohl für den Hin- als auch für den Rückweg des Kurses vorgesehen war. Es galt also, besonders beim Überholen aufzupassen.
Um 10:00 Uhr starteten die Cup-Läufer, danach begann ein Aufwärmprogramm für die restlichen Halbmarathonis. Ich erfuhr von einem anderen Teilnehmer, dass bei diesem Rennen nur die Bruttozeit gemessen wurde, weshalb ich mich entschied, mich beim Start möglichst weit vorne einzuordnen. In der ersten Reihe wollte ich allerdings nicht stehen.
Nach dem Startschuss wurde es erwartungsgemäß zunächst einmal sehr eng, bis nach dem ersten Kilometer das Alsterufer vorübergehend verlassen wurde und rechts und links vom Pfad eine Wiese mit einem Kinderspielplatz auftauchte. Nach zwei Kilometern zeigte ein Schild die Abzweigung an, welche die 4km-Läufer, welche nach uns starten sollten, später zu nehmen hatten. Für mich führte der Weg nun wieder an der Alster entlang. Streckenposten gab es kaum, stattdessen kamen uns immer wieder Passanten und auch Fahrradfahrer entgegen. Die Uferseite wurde über Brücken mehrfach gewechselt. Ich hatte meine normale Brille aufgezogen. Die Sonne schien zwar, aber die Bäume um uns herum ließen kaum Licht zu uns durchdringen.
Nach fünf Kilometern war die Abzweigung für die 10km-Läufer erreicht, welche ebenfalls nach uns starten sollten. Ich machte mich schon jetzt darauf gefasst, nach dem Rennen eine gut gefüllte Umkleidehalle vorzufinden, da es vor allem wegen der drei anderen Wettbewerbe reichlich Läufer gab, die zeitlich vor mir das Ziel erreichen würden, auch wenn sie nicht unbedingt schneller gelaufen waren als ich.
Bei Kilometer sieben war die erste Versorgungsstelle erreicht, wo ich einen Becher Wasser bekam. An diesem Punkt trennten sich nun auch Hin- und Rückweg, denn wir mussten eine Schleife laufen, die uns bei Kilometer 14 wieder auf den Pfad führen sollte, den wir auf dem Hinweg auch schon gelaufen waren. Die gleiche Versorgungsstelle sollte dann erneut passiert werden. Offenbar war diese Stelle der einzige Verpflegungspunkt auf der gesamten Strecke. Kurz, nachdem ich hier mein Glas Wasser geleert hatte, fing das große Überholen an, denn ich hatte das Schlussfeld der Cup-Halbmarathonläufer erreicht. Entgegengekommen waren mir auf den ersten sieben Kilometern nur sehr wenige Läufer und von nun an war auch kein Gegenverkehr mehr zu erwarten. Dafür wurde der Kurs aber immer anspruchsvoller. An seinem nördlichsten Punkt mussten mehrere "Gebirgstreppen" erst hoch und dann auch heruntergelaufen werden. Am Wendepunkt der Strecke befand sich eine Straße, wo ich nun das ungewohnte Geräusch von fahrenden Autos zu hören bekam. Von hier aus ging es wieder zurück nach Süden. Bevor der eigentliche Pfad wieder erreicht wurde, musste noch ein steiler Abhang sowie ein schwerer Anstieg, welchen ich auf Zehenspitzen absolvierte, gemeistert werden. Auch hier überholte ich einen Läufer nach dem anderen. Im Vergleich zum Beginn des Rennens hatte ich mich zeitlich so verbessert, dass ich eine Zeit von unter 100 Minuten erreichen konnte. An der Stelle des Versorgungspostens wurde der Pfad für Hin- und Rückweg wieder erreicht. Ich nahm mir wieder an Glas Wasser und rannte weiter. Auf dem Rückweg waren sogar die Restkilometer ausgeschildert. Etwa drei Kilometer vor dem Ziel wurde zu meiner Überraschung ein Umweg gemacht: Der eigentliche Pfad wurde verlassen und stattdessen führte die Strecke etwas weiter östlich durch das Tor eines Gebäudes hindurch, wo ein weiterer Verpflegungspunkt war. Dieser Streckenänderung war auf der Internetseite des Veranstalters nicht angegeben gewesen. Ich ließ mir ein Glas Wasser geben und nahm nun die letzten Kilometer in Angriff. Das Ziel befand sich nicht auf dem Sportplatz, sondern auf dem Gelände, wo auch die Startunterlagen abgeholt worden waren. Als ich die Ziellinie überquerte, scannte ein Ordner meine Startnummer ab. Als ich mir eine Medaille geben lassen wollte, musste ich zu meiner Enttäuschung erfahren, dass diese nur für die Cup-Läufer vorgesehen war. Für die restlichen Halbmarathonis gab es als Erinnerung lediglich eine Tasse, auf welcher das Gebäude aufgemalt war, durch dessen Tor ich einige Minuten zuvor gelaufen war. Bei einem Stand des Sponsors "hella" ließ ich mir sagen, dass ich kostenlos eine 0.75-Liter-Flasche eines sogenannten grünen Tees bekommen könnte, welche ich dankend annahm. Nachdem ich meine Tasche abgeholt hatte und die Umkleidekabine erreichte, konnte ich erleichtert feststellen, dass hier auf einer Bank noch ein freier Platz für mich war. Beim Duschen musste ich nur kurz anstehen. Nachdem ich das Gebäude wieder verlassen hatte, sah ich, wie sich einige Leute am hella-Stand ganzer Six-Packs von Getränken bedienten. Da griff ich einfach auch zu und nahm mir 6 mal 0,75l einer Art von Pfirsich-Eistee. Dann lief ich mit dem schweren Gepäck in der Hand zur U-Bahn-Haltestelle Klein-Borstel, wo gerade die U1 zum Hauptbahnhof einfuhr. Am Hauptbahnhof musste ich nicht lange auf den Metronom nach Bremen warten, wo ich schließlich um 14:30 Uhr ankam.

Dienstag, 20. September 2011

Halbmarathon Otterndorf 2011-09-18



Der siebenundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der 12. KSK-Küstenmarathon in Otterndorf.
Um meinen Terminplaner für den Herbst 2011 zu vervollständigen, musste der 18. September noch irgendwie belegt werden. Nach intensiver Suche im Internet hatte ich den KSK-Küstenmarathon als Beschäftigung für diesen Sonntag gefunden.
Diese Laufveranstaltung fand in Otterndorf statt und bestand aus einem Marathon (verteilt auf vier Runden), einem Halbmarathon (2 Runden), einem 10km-Lauf und einigen kleineren Sachen. Vor allem für Kinder sollte ein großes Programm geboten werden, da diese Veranstaltung sich speziell auf den Weltkindertag bezog. Die Gesamtteilnehmerzahl war zwar nicht so groß wie bei einem Großstadt-Marathon, doch einige Spitzensportler aus Kenia waren für die drei Hauptläufe angemeldet und die Siegerplätze waren damit schon vergeben. Otterndorf ist ein 7.000-Einwohner-Ort östlich von Cuxhaven. Die Anreise dorthin war für mich etwas länger als sonst.
Ich hatte meine Sporttasche bereits am Vorabend gepackt und zwei in Alufolie konservierte Sandwiches dazugetan. So konnte ich mich am Samstagabend in Ruhe schlafen legen, bis ich um 5.40 Uhr in der Früh von meinem Wecker aus dem Schlaf gerissen wurde. Ich zog mich an, nahm meine Tasche und ging zur Straßenbahn, mit der ich um Viertel nach sechs Uhr in die Innenstadt fuhr. Eine Straßenbahn direkt zum Hauptbahnhof war zu diesem Zeitpunkt nicht zu bekommen. Daher musste ich von der Innenstadt aus zu Fuß zum Bahnhof laufen, wo ich kurz vor sieben Uhr mit dem Regionalexpress zum Bremerhavener Hauptbahnhof fuhr. Hier nahm ich mein Frühstück, den ersten der beiden Sandwiches, zu mir. Gegen halb acht Uhr kam ich in Bremerhaven an und stieg dort in die Nordseebahn um, welche sofort nach Cuxhaven startete und gegen 8.30 Uhr dort ankam. Hier musste ich bis 9.20 Uhr warten, ehe der Metronom Richtung Hamburg losfuhr. Nachdem ich für diesen Zug ein Ticket gekauft hatte, stieg ich ein und aß mein zweites Brot. Nach zehn Minuten kam der Zug in Otterndorf an.
Ich hatte während der gesamten Anreise kaum Menschen in Sportschuhen gesehen, doch jetzt erblickte ich einen etwa 35jährigen Mann, der offenbar auch laufen wollte. Ich fragte ihn, ob er mir den Weg zum Veranstaltungszentrum zeigen könne. Er antwortete, dass er auch zum ersten Mal in Otterndorf sei und holte einen ausgedruckten Stadtplan mit der Kennzeichnung der Veranstaltung heraus. Gemeinsam kamen wir zur Startgeraden und danach zur Sporthalle einer Schule, wo die Startunterlagenausgabe war. Der Mann war zufällig auch aus Bremen und wollte heute zehn Kilometer laufen. Dieser Lauf sollte schon um 10.00 Uhr starten, Marathon und Halbmarathon dagegen erst um 10.15 Uhr. Als ich die Unterlagen holte verlor ich den Typ aus den Augen.
Die Zeitmessung erfolgte mit einem Einmalchip von davengo, welcher in dem Briefumschlag mit den Startunterlagen enthalten war. Ferner befand sich darin auch noch eine Dose Fisch und ein T-Shirt der Veranstaltung.
Ich ging zur Umkleidekabine der Männer und positionierte einige Pflaster an kritischen Stellen meiner Füße, eines davon an der linken Fußsohle, da ich beim letzten Lauf in Kiel an dieser Stelle Probleme bekommen hatte. Leider vergaß ich, meine Brustwarzen auch abzudecken. Danach gab ich meine Tasche in der Sporthalle ab. Ich hatte nun noch etwa eine halbe Stunde Zeit, die ich nutzte, um mir das Gelände genauer anzuschauen. Die Start- und Zielgeraden lag in einer Fußgängerzone in der Altstadt, der Boden bestand aus Pflastersteinen. Diese Straße war im Prinzip eine Baustelle, daher war sie nicht sonderlich gut zugänglich und an manchen Stellen aufgerissen. Das Schulgelände, zu welchem die Sporthalle gehörte, befand sich nördlich der Geraden hinter einem kleinen Bach, über den eine Fußgängerbrücke führte. Zwischen der Schule und der Startgeraden waren auf einem kleinen Platz eine Hüpfburg und weitere Attraktionen für Kinder aufgebaut. Viele der Kinder trugen bereits Medaillen, da sie ihren Lauf bereits beendet hatte. Ob es eine Erinnerungsmedaille auch für volljährige Starter gab, wusste ich noch nicht.
Es war etwa 13°C warm und der Himmel extrem bewölkt, so dass sich die Sonne nicht blicken ließ. Für mich waren das ideale Bedingungen zum Laufen.
Um 10.00 Uhr startete der 10km-Lauf mit über 300 Teilnehmern. Nun konnte ich mich zur Startgeraden begeben. Marathon- und Halbmarathonläufer zählten zusammen etwa 200 Aktivisten. Als um 10.15 Uhr der Startschuss kam, war ich schon nach wenigen Sekunden über die Linie und arbeitete mich im Feld nach vorne. In der Altstadt war das Überholen schwierig, da der abgesperrte Streckenbereich sehr eng war. Dieser Zustand währte aber nur einige Meter, denn nach einer Linkskurve ging es nördlich durch ein Siedlungsgebiet. Hier waren kaum noch Zuschauer und wir hatten die gesamte asphaltierte Straße für uns. Der Kurs war farblich markiert, mit blauen Pfeilen für Marathon und Halbmarathon (identische Strecke) sowie mit roten Pfeilen für den 10km-Lauf.
Nach einem Kilometer war der Wohnbereich von Otterndorf verlassen und wir liefen nördlich zwischen abgemähten Feldern entlang. Es begann ein leichter Regen, der aber schnell wieder aufhörte.
Nach drei Kilometern gab es die erste Versorgungsstelle, wo ich ein Glas Iso bekam und dann den Hadelner Kanal, einen kleinen Fluss, welcher ein kurzes Stück später in die Nordsee münden sollte, überquerte. Auf der anderen Seite bog der Kurs nach Westen ab, an diesem Kanal entlang. Die Nordsee war nicht zu sehen, da sie sich hinter einem Deich befand. Einen Kilometer später machte der Kanal eine Krümmung nach Norden und wurde erneut von uns überquert. Auf der anderen Seite folgte ein Anstieg auf den Deich, welcher mit Gras bewachsen war. Bis zu diesem Punkt war der gesamte Kurs asphaltiert. Nun aber musste man aufpassen, wo man hintrat, um sich nicht die Füße zu verstauchen. Auf der schmalen Spitze des Deiches musste ich bereits die langsamsten der 10km-Läufer überholen. Diese machten dann eine 180°-Drehung zurück nach Otterndorf, während ich nach links, nun wieder auf asphaltiertem Boden, den Deich verließ und meinen Beinen einfach freien Lauf ließ. Der nun folgende Streckenabschnitt führte direkt an der Nordsee entlang, wo gerade Ebbe herrschte. Bald schon führte der Weg aber wieder ins Landesinnere zurück, um dann noch ein Stück weiter westlich auf ein Gelände zu führen, dass zur Zeit offenbar für eine Art Jahrmarkt verwendet wurde. Nach sechs Kilometern war ein Wendepunkt, wo ich die gleiche Strecke, die ich gekommen war, wieder zurücklaufen musste. Der westlichste Punkt der Strecke war somit erreicht worden.
Der Rückweg nach Otterndorf führte durch ein Wohngebiet, wo die wenigen Autos entsprechend vorsichtig fahren mussten. Kurz bevor die Innenstadt wieder erreicht wurde, stießen zahlreiche 10km-Läufer auf unsere Strecke, da deren Kurs kurz vor dem Ende durch einen anderen Teil von Otterndorf geführt hatte. Ich hatte nun schon zahlreiche dieser Läufer überholt.
In der Innenstadt ging es mehrfach um Häuserecken, wo man nicht gut einsehen konnte. Zum Glück hielten die Helfer die Strecke frei, sodass es zu keiner Kollision kam. Als ich diesen Abschnitt hinter mir hatte, überquerte ich zum ersten Mal die Ziellinie. Ich hatte für die Hälfte der Gesamtstrecke ziemlich genau 50 Minuten benötigt.
Nun begann die zweite Runde. Auch hier konnte ich noch vereinzelte Überholmanöver starten, welche jedoch relativ lange dauerten. An der Stelle des Deiches, wo in der letzten Runde die Verzweigung des Halbmarathons- und des 10km-Laufs gewesen war, befand sich nun nur noch der Abhang für die Halbmarathonis, der andere Weg war gesperrt worden, da inzwischen auch der langsamste 10km-Läufer diese Stelle passiert hatte. Ich spürte nun langsam Schmerzen an den Burstwarzen, daher zog ich etwa bei Kilometer 15 mein Trikot aus. Beim Wendepunkt hinter dem Jahrmarktsplatz fragte ein Mann, der in einem Kleinbus saß, nach meiner Nummer. Offenbar kontrollierte dieser Helfer, ob auch jeder Teilnehmer oft genug diesen Wendepunkt abgelaufen war und nicht in irgendeiner Weise eine Abkürzung genommen hatte. Ich zeigte daher die Frontseite meines Trikots, auf dem die Nummer zu lesen war. Kurz darauf zog ich das Shirt auch wieder an.
Ich hatte noch genug Kraft in den Beinen, um meine bisherige Geschwindigkeit beizubehalten. Die letzte Versorgungsstelle am Eingang des Altstadtbereichs nahm ich nicht in Anspruch, stattdessen lief ich wieder so schnell ich konnte den engen und kurvenreichen Kurs ab. Dabei überholte ich einige sehr langsame Schüler, die offenbar irgend eine andere Disziplin absolvierten. Als ich die Zielgeraden überquerte, nannte der Kommentator meinen Namen. An der Anzeigetafel sah ich, dass meine Bruttozeit bei knapp über 1:38h lag. Im Ziel verteilte ein älterer Helfer Medaillen. Er gratulierte sogar jedem Finisher mit Handschlag. Ein anderer Helfer zeigte mir die Richtung zur Sporthalle. Ich hatte nun etwa 40 Minuten Zeit, bis der nächste Zug nach Cuxhaven fahren sollte.
Ich kam ohne Zwischenfälle wieder in der Sporthalle an und holte meine Tasche ab. Die Umkleidekabine war bis auf einen einzigen Sportler leer, aber man konnte sehen, dass hier inzwischen einige Leute gewesen waren, denn der Boden war viel dreckiger als vorher. Da die ganzen 10km-Läufer schon längst geduscht hatten, die Marathonläufer noch alle liefen und ich wohl nicht unbedingt der langsamste Halbmarathoni gewesen war, konnte ich mir nun die Dusche aussuchen. Danach zog ich mich um und ging zum Bahnhof. Hier hatte ich ein bisschen Zeit und konnte mir nun die Medaille genauer anschauen. Sie hing an einem rot-weißen Band und war rund sowie von silberner Farbe. Auf der Vorderseite waren die Worte „12. Küstenmarathon zum Weltkindertag in Otterndorf, 18. September 2011“ eingraviert, auf der Rückseite hatte sich der Sponsor verewigt.
Kurz bevor um 12:39 Uhr der Zug nach Cuxhaven kam, traf der Sportler, mit dem ich zusammen zum Veranstaltungszentrum gelaufen war, am Bahnhof ein. Er hatte den 10km-Lauf absolviert und war danach im Otterndorfer Schwimmbad gewesen, wo jeder Teilnehmer heute freien Eintritt genoss. Wir fuhren zusammen nach Cuxhaven, wo wir in einer Dönerbude etwas zu essen bestellten. Danach gingen wir zusammen zum Cuxhavener Bahnhof zurück, wo gegen 13:40 Uhr die Nordseebahn nach Bremerhaven-Lehe fuhr. Hier trennten sich unsere Wege: Ich nahm den Regionalexpress zum Bremer Hauptbahnhof, er dagegen die Regionalbahn nach Bremen-Burg. Wir wollten beide am 2. Oktober in Bremen laufen, er die 10km und ich den Marathon.
Kurz nach 15 Uhr kam ich in Bremen an, wo ich mir der Regionalbahn nach Walle und von dort aus mit der Straßenbahn nach Hause fuhr.

Dienstag, 13. September 2011

Halbmarathon Kiel 2011-09-11



Der sechsundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Kiellauf.
Beim Kiellauf 2011 war der Halbmarathon die längste aller Disziplinen, einen ganzen Marathon gab es nicht, dafür aber zahlreiche Läufe über kürzere Distanzen. Von eine Erinnerungsmedaille für alle Finisher hatte ich ebenfalls vorher nichts gehört, so dass ich nur wegen des Lauferlebnisses am 11. September dort teilnahm.
Ich stand an diesem Sonntag gegen fünf Uhr morgens auf, frühstückte und packte meine Sachen. Um kurz nach sechs Uhr nahm ich die Straßenbahn zum Hauptbahnhof, wo kurz nach halb sieben der Metronom nach Hamburg losfuhr. Bevor ich diesen Zug bestieg fiel mir ein, dass ich mein Badetuch zu Hause vergessen hatte. Dies könnte unangenehme Folgen haben, da das Wetter zum Wochenende hin „leider“ wieder „besser“ geworden war, es sollten an diesem Tag mehr als 20° Celsius werden. Ein Duschgang nach dem Rennen war somit wohl unumgänglich. Als ich gegen Viertel vor acht Uhr am Hamburger Hauptbahnhof ankam, suchte ich eine Rossmann-Filiale auf, um dort für weniger als zwei Euro ein kleines Handtuch zu kaufen. Danach stellte ich mich an die Fahrkartenautomaten, um andere Leute zu finden, die auch nach Kiel wollten, denn ein Einzelticket dorthin hätte mich über 15 Euro gekostet. Glücklicherweise konnte ich mich mit einigen Leuten zusammentun, sodass ich nur 11,50€ zu zahlen hatte.
Wir bestiegen gemeinsam den Regionalexpress nach Kiel. Dort konnten ich allerdings keine weiteren Sportler an ihren Schuhen erkennen. Erst eine Haltestelle vor dem Zielbahnhof stiegen einige zu. Wir kamen um 9:35 Uhr in Kiel an. Der Halbmarathon sollte erst um 10:50 Uhr beginnen. Es war jetzt allerdings schon warm genug. Ich schloss mich einer Gruppe von Läufern an, die mir den Weg zum Veranstaltungszentrum zeigten. Dieses lag etwa einen Kilometer vom Bahnhof entfernt und war schon gut besucht. Einige Kinderläufe waren offenbar bereits beendet, denn man sah viele Kinder mit Medaillen um den Hals herumlaufen. Sollten die Halbmarathonis später etwa auch ein solches Erinnerungsstück bekommen?
Die Startnummernausgabe befand sich in einem Zelt, das wegen des großen Andrangs nur schwer zugänglich war. Mir knurrte schon der Magen, da ich seit Stunden nichts mehr gegessen hatte. Nachdem ich meine Startnummer und den Einwegchip zur Zeitmessung erhalten hatte, stellte ich mich in den Schatten, den das Zelt auf den Platz warf und aß dort mein mitgebrachtes Brot. Danach suchte ich eines der Umkleidezelte auf und legte meine Sportkleidung an. Die Füße versah ich mit mehreren Pflastern, da in den aktuellen Schuhen die Gefahr von Blasen drohte. Für die Taschenabgabe waren geparkte Linienbusse vorgesehen. Welcher Bus für welche Tasche Platz bot, hing von der Endziffer der Startnummer ab. Richtig bewacht wurden diese Busse nicht.
Ich entschied mich dafür, meine normale Brille zu tragen und die Sonnenbrille beim Gepäck zu lassen. Da ich meine kurze Hose trug, hatte ich nicht die Möglichkeit, eine zweite Brille sicher mitzutransportieren.
Ich lief noch einmal zum Bahnhof und dann zur Startgeraden zurück.
Da ich relativ weit hinten im Läuferfeld war, dauerte es über eine Minute, bis ich die Linie überquerte. Ich merkte schnell, dass dies nicht unbedingt mein Tag sein sollte, denn ich spürte ein leichtes Seitenstechen in der Brust.
Nach wenigen Metern wurde eine 180°-Kurve um eine Verkehrsinsel am Berliner Platz gedreht, der nächste Kilometer führte durch die Stadt und dann wurde die Kieler Förde erreicht. Hier war ein sehr hochgebautes Passagierschiff geparkt, dessen Namen ich mir allerdings nicht gemerkt habe.
Der Weg führte nun nach Norden die Kieler Förde entlang. Zu unserer Rechten waren überall Schiffe zu sehen. Nach wenigen Minuten musste ich eine Pause einlegen, da das Seitenstechen zu schmerzhaft wurde.
Nach fast drei Kilometern war die erste Versorgungsstelle erreicht, wo ich einen Becher Wasser bekam. Das tat mir sehr gut, weil der letzte Schluck wohl schon fast eine Stunde zurücklag. Das Seitenstechen hörte nun auf, trotzdem fühlte ich mich einfach nicht gut. Es war zu warm und die Sonne schien doch ein bisschen zu stark, wenn sie zwischen den Wolken hervorkam. Nach viereinhalb Kilometern war ein Wendepunkt erreicht, wo der Kurs, weiter weg vom Ufer, durch Wohngegenenden wieder nach Süden zurückführten. Dieser Streckenabschnitt führte aber erst einmal relativ steil bergauf. Ich sah schon jetzt einige Läufer, die offenbar Probleme hatten und hier ganz normal gehen mussten. Hier gab es einige schattige Stellen. Nach sieben Kilometern kam die zweite Versorgungsstelle, wo ich zwei Becher Wasser nahm. Jetzt fühlte ich mich langsam besser. Kurz vor dem Ende der ersten Runde wurde ein Altersheim passiert, vor dem uns einige Senioren in Rollstühlen zuschauten.
Da die gesamte Strecke nur 10,5km lang war, musste sie für den Halbmarathon doppelt abgelaufen werden. An der Zeitanzeige konnte ich sehen, dass ich schon für die erste Hälfte fast eine Stunde benötigt hatte. Auf der zweiten Runde sah ich mehrere Teilnehmer, welche am Rand lagen und behandelt werden musste. Auch die Sirenen von Krankenwagen waren immer wieder zu hören.
Als ich die zweite Runde beendete, legte ich keinen Schlussspurt ein sondern lief gemächlich ins Ziel. Zu meiner großen Freude gab es hier eine Medaille, auf der sogar die Streckenlänge (21,0975km) aufgetragen war. Es existierten also verschiedene Medaillen für die einzelnen Disziplinen des Kiellaufs.
Ich ging zum Linienbus wo ich meine Tasche zum Glück unversehrt wieder vorfand. Da ich wegen meiner schlechte Zeit (fast zwei Stunden) befürchtete, beim Duschen lange anstehen zu müssen, entschied ich mich, einfach darauf zu verzichten und verschwitzt drei Stunden Zug zu fahren.
Ich ging zum Bahnhof zurück, wo am Ticketautomaten ein Pendler bereits eine Gruppe zusammenstellte, die mit dem Wochenendticket nach Hamburg fahren sollte. Ich gesellte mich dazu, so dass ich nur 8€ zahlen musste. Bevor ich den Zug nach Hamburg betrat, ging ich noch auf das Bahnhofsklo, um mir dort wenigstens den Schweiß vom Gesicht zu wischen. Die Züge hatten keine Verspätung, so dass ich gegen 17 Uhr wieder zu Hause war und dort endlich duschen konnte.

Halbmarathon Wolfsburg 2011-09-04



Der fünfundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Wolfsburg-Marathon.
Da ich aus beruflichen Gründen ein halbes Jahr lang in der Autostadt gearbeitet hatte, freute ich mich ganz besonders, die Stadt selber und möglicherweise ein paar alte Bekannte wiederzusehen.
Das Event bestand aus Marathon, Halbmarathon, 10km-Lauf und einigen kleineren Sachen. Der Marathon umfasste zwei Runden über die Halbmarathonstrecke. Da die Startunterlagen mindestens 40 Minuten vor dem jeweiligen Start (Marathon um 10:00 Uhr, Halbmarathon um 10:30 Uhr) abgeholt werden sollten, musste ich an diesem Sonntagmorgen richtig früh aufstehen.
Schon bevor mein Wecker klingelte, wachte ich gegen 4:00 Uhr von alleine auf, duschte und frühstückte. Da die Straßenbahnverbindungen ziemlich ungünstig waren, fuhr ich mit dem Fahrrad um 5:30 Uhr von meiner Wohnung zum Hauptbahnhof, an dessen Nordausgang ich meinen Drahtesel abstellte, in der Hoffnung, ihn nachher auch wieder vorzufinden. Um 6:19 Uhr fuhr der Regionalexpress von Bremen nach Hannover los. In diesem Zug lernte ich zwei Männer kennen, die ebenfalls nach Wolfsburg wollten, um dort den kompletten Marathon zu absolvieren. Sie erzählten mir, dass dieser Lauf für sie der 30. Marathon in diesem Kalenderjahr sei und sie auch schon einmal zwei Marathons an einem Wochenende absolviert hätten. Außerdem wunderten sie sich darüber, dass ich nur wegen eines Halbmarathons von Bremen nach Wolfsburg fuhr.
In Hannover, wo wir zum Glück ohne Verspätung ankamen, musste ich mir ein Einzelticket nach Wolfsburg kaufen. Die Regelungen für die Ländertickets hatten sich leider insofern geändert, dass man schon beim Kauf die Anzahl der Personen angeben muss. So war es fast unmöglich, bei anderen Bahnfahrern auf deren Länderticket mitzufahren.
Im Zug von Hannover nach Wolfsburg zog ich nun meine Jogginghose und die Laufschuhe an. Wir kamen gegen Viertel vor neun Uhr dort an. Es war also noch genug Zeit.
Am Bahnhof schaute ich mir zunächst den neuen Nordausgang an, von welchem man direkt in die Autostadt gelangen konnte. Während meines Engagements bei Volkswagen war dieser Tunnel noch in der Bauphase gewesen.
Danach ging ich vom Bahnhof in die Innenstadt. Das Veranstaltungszentrum befand sich am Ende der Fußgängerzone. Im Rathaus musste ich nur meinen Namen nennen, um die Startunterlagen zu bekommen. Neben der Startnummer waren hier auch zwei Tageskarten für die Autostadt enthalten.
Ich setzte mich auf eine Bank neben der Zielgeraden und aß dort mein mitgebrachtes Brot. Danach ging ich wieder ins Rathaus, um meine Sporttasche abzugeben, woraufhin ich mich warmlaufen konnte. Ich lief von der Fußgängerzone zum Hauptbahnhof. Auf dem Rückweg, kurz nach 10:00 Uhr, kamen mir die gerade gestarteten Marathonläufer entgegen. Nun war es auch für mich Zeit, langsam zum Startbereich zu gehen.
Als ich wieder dort ankam, hatte sich der Platz mit Sportlern gefüllt. Der gleich beginnende Halbmarathon erfreute sich mit über 900 Teilnehmern deutlich mehr Beliebtheit als der bereits gestartete Marathon mit nur knapp 200 Läufern.
Erst wenige Minuten vor dem Startschuss ging ich an die Gerade. Der Weg sollte zunächst nach Süden, also aus der Innenstadt heraus und auch weiter weg vom Hauptbahnhof führen. Ich fand eine Lücke in der Gitterabsperrung südlich der Startgeraden und stellte mich dann hinter diese Gerade, so war ich im Feld relativ weit vorne. Allerdings hörte ich bereits ein Piepsen beim Überschreiten der Linie, welches mir signalisierte, dass die Zeitmessgeräte meinen Champion-Chip registriert hatten. Die Ordner forderten weitere Läufer auf, die Startgerade bitte nicht mehr zu übertreten, weil dann schon die Zeitmessung beginnen würde. Glücklicherweise wurden diese Werte noch einmal korrigiert.
Ich versuchte, im Feld ein bisschen weiter nach hinten zu kommen und stellte mich dort an einen Platz, wo ich etwas Freiraum hatte. Da stieß mich ein anderer Läufer von der Seite an. Ich erkannte in ihm meinen ehemaligen Vermieter Frank, der jetzt eine Sonnenbrille trug und etwas längere Haare hatte. Wir begrüßten uns und er erzählte mir, dass er in den letzten Monaten keine Rennen gelaufen sei. Heute wolle er aber schneller als letztes Jahr laufen. Er peilte eine Zeit von unter 1:35h an.
Das Wetter war übrigens sehr angenehm. Es war nicht allzu warm, da der Himmel voller Wolken hing, aber es regnete auch nicht in Strömen. Nur ab und zu kamen ein paar Tropfen von oben.
Wenige Sekunden nach dem Startschuss hatte ich die Linie überquert. Frank war zunächst hinter mir. Die Fußgängerzone endete in einem Park, in welchem eine Unterführung unter der Heinrich-Heine-Straße durchführte. Danach folgte eine Rechtskurve, sodass wir nun nach Westen liefen. Hier überholte mich Frank und ich verlor ihn bald aus den Augen.
Nach dem ersten Kilometer konnte ich sehen, dass ich nur viereinhalb Minuten gebraucht hatte. So war eine neue Bestzeit möglich. Nach zwei weiteren Rechtskurven wurde die Fußgängerzone wieder erreicht, wo wir geradeaus in Richtung Hauptbahnhof liefen. Östlich des Bahnhofs war die große Brücke, welche über den Mittellandkanal in die Autostadt führt. Der Kurs ging aber nicht über diese Brücke, sondern bis an die Bahnlinie südlich des Kanals, um dann von hieraus nach Osten abzudrehen. Rechts von uns lag das Wolfsburger Outlet-Center. Links konnte ich eine Regionalbahn sehen, die gerade aus Stendal kam und über Wolfsburg weiter nach Braunschweig fahren sollte.
Die Berliner Brücke, welche ebenfalls über den Mittellandkanal führt und auch von Autos befahren werden kann, war für diese Sportveranstaltung nicht gesperrt worden. Wir musste stattdessen unter ihr entlanglaufen um nach einem kurzen Schlenker nach rechts die Daimlerstraße abzulaufen, weiter nach Osten auf die Dieselstraße, eine Hauptstraße, die ebenfalls nicht gesperrt war. Wir musste daher auf dem Fußgängerweg laufen. Das Läuferfeld war inzwischen so stark auseinandergezogen, dass hier keine Raumprobleme bestanden.
Ungefähr hier befand sich das Schild für den 10. Kilometer. Für diese Strecke hatte ich 45 Minuten benötigt. Damit wäre eine neue Bestzeit möglich gewesen, leider konnte ich dieses Tempo nicht länger halten, da meine Kondition nicht mitspielte.
Nach einigen Metern kam eine Linkskurve, die uns nach Norden auf den Mittellandkanal zuführte. Dieser wurde nun auf einer kleinen Fußgängerbrücke überquert. Es kamen uns bereits einige Läufer entgegen, die offenbar schon als Marathonis 30 Minuten früher gestartet waren und den Nordabschnitt der Strecke schon hinter sich hatten. Ich spürte, wie die Brücke unter dem Einfluss der Läufer zum Schwingen angeregt wurde, als ich sie überquerte.
Auf der anderen Seite des Mittellandkanals befand sich der Allersee. Während meiner VW-Zeit hatten sich hier einige Mitarbeiter einmal zum Lauftraining verabredet, welches ich wegen der damals fürchterlich niedrigen Temperaturen kurzfristig abgesagt hatte.
Es ging nun wieder in östliche Richtung nördlich des Kanals entlang. Auf der Höhe, wo der Allersee endete, war auch der Punkt, an dem der Rückweg des Kurses auf unsere Strecke stieß. Ich musste zunächst weiter nach Osten am Kanal entlanglaufen, während ich später von Norden her wieder auf diese Strecke stoßen sollte.
Rechts von uns lag die Volkswagen-Arena, links der Yachthafen. Erneut wurde kurz darauf die Berliner Brücke unterquert. Auf der anderen Seite erwartete uns nun die Autostadt. Ein Polizist forderte einige Leute, die die Laufstrecke als Route für eine Fahrradtour nutzen auf, von ihren Rädern abzusteigen und uns Platz zu machen.
Der Kurs führte nun durch die große Eingangshalle, deren Ausgang auf der Nordseite nur Besucher der Autostadt benutzen durften, die vorher dafür bezahlt hatten.
Nach einem kleinen Abschnitt in der Autostadt wurde sogar das Gelände der Volkswagen AG durchquert. Dieses Gebiet wurde von der Autostadt aus betreten, wobei der Kurs schnell wieder nach Osten führte und das Werksgelände über das Osttor wieder verlassen wurde. Erneut erfolgte eine Unterquerung der Berliner Brücke, die ich im Winter noch jeden Morgen mit meinem Fahrrad zurückgelegt hatte. Dann befanden wir uns an der Volkswagen-Arena. Diese wurde auch durchlaufen. Wir mussten am Nordwesteingang ein- und am Nordosteingang wieder auslaufen.
Das nächste Highlight war das sogenannte Badeland, ein Schwimmbad, in dem ich noch vor einem Jahr mit Kollegen war. Das Freibad war geöffnet und wir konnten den Gästen zuwinken. Die Rutschen, die ich damals selber benutze hatte, konnte ich nun von außen betrachten.
Am Kolumbianischen Pavillon, einem Café am Allerpark, machte der Kurs eine 180°-Wendung und führte am Westufer des Allersees entlang. Hier wurden wir Läufer von einem sogenannten „Quad“ belästigt, der uns auf dem asphaltierten Weg überholte.
Der Weg führte uns am Ufer des Allersees zu der schwingenden Brücke zurück. Nun wurde der Fußgängerweg auf der anderen Seite der Dieselstraße benutzt. Es ging nach Süden und dann westwärts an den großen Wohnblöcken in Wolfsburg vorbei. Schließlich wurde das alte VfL-Stadion erreicht und auf seiner Außenbahn einmal komplett abgelaufen. Hier befand sich auch eine von zahlreichen Versorgungsstellen. Hinter dem Stadion ging es weiter südlich wieder zurück nach Westen auf die Dieselstraße.
An den Rest des Rennens kann ich mich nicht mehr so gut erinnern. Ich weiß nur noch, dass der Ortsteil Reislingen West durchquert wurde, der mehr aus Wald als aus Wohngebiet bestand. Als ich zwei Läufer überholte, erkannten diese mein Trikot vom Osnabrücker-Land-Marathon und gaben mir zu erkennen, dass sie selber auch aus dieser Gegend seien. Ich rief ihnen schnell zu, dass ich nicht aus Osnabrück, sondern aus Bremen sei. Später kamen wir am Schillerteich vorbei, um den ich vor einem halben Jahr bereits schon einmal gejoggt war. Hier war bereits der 20. Kilometer erreicht. Vor mir lief ein Mann, dessen Alter ich auf über 70 Jahre schätzte. Er war mit während des ganzen Habmarathons vorausgewesen, doch jetzt merkte ich, wie er schwankte. Als ich ihn überholte, hörte ich Streckenposten, die sich gegenseitig zuriefen, auf diesen Läufer aufzupassen, da er gleich umkippen würde. Was mit ihm geschah, weiß ich nicht mehr, da ich ihn überholt hatte.
Von der Pestalozziealle führte eine Linkskurve in die Fußgängerzone, wo der Zielbereich war. Ich rannte noch einmal, so schnell ich konnte, die Läufer neben mir taten dies aber auch. An der Zeitanzeige konnte ich ablesen, dass ich kanpp unter 100 Minuten gebraucht hatte.
Im Zielbereich bekam jeder Finisher ein Trikot von der Veranstaltung. Medaillen gab es leider keine. Ich nahm mir ein Erdinger Alkoholfrei und ein bisschen Obst und setzte mich auf dne Boden. Frank sah ich nicht mehr. Nach ein paar Minuten holte ich meine Tasche ab und ging zu den Duschen, die sich in einer Art Sportgelände befanden. Hier war noch nicht so viel los und ich musste nicht anstehen.
Nachdem ich mich wieder angezogen hatte, ging ich zur Innenstadt zurück. Es begann jetzt stark zu regnen. Einige Marathonläufer begannen gerade ihre zweite Runde. Ich beeilte mich, um das Tiffany zu erreichen, wo ich im Winter öfters mit damaligen Kollegen Bier getrunken hatte. Die Bedienung hatte mir beim Abschied im März gesagt, dass auch sonntags geöffnet sei. Das stimmte. Als ich die Kneipe betrat, war sie tatsächlich selber da und erkannte mich sofort wieder. Ich bestellte ein alkoholfreies Bier und unterhielt mich mit ihr kurze Zeit. Nach 20 Minuten musste ich mich wieder verabschieden, da mein Zug nach Hannover wartete. Diesen erreichte ich rechtzeitig. Er hatte keine Verspätung und in Hannover konnte ich den Zug nach Bremen nehmen. Mein Fahrrad stand noch am Hauptbahnhof, so dass ich am Nachmittag wieder zu Hause war.

Montag, 29. August 2011

Halbmarathon im Goldenstedter Moor 2011-08-28

Der vierundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Moormarathon von Goldenstedt.
Bereits vor einigen Monaten hatte ich mich für dieses Event Ende August angemeldet. Unglücklicherweise, wie ich später erfuhr, sollte der diesjährige Bremerhaven-Marathon am selben Tag stattfinden, so dass ich dort nicht teilnehmen konnte.
Der Austragungsort war nicht direkt in Goldenstedt, sondern im Goldenstedter Moor (daher auch der Name „Moormarathon“), welches zwischen Vechta, Goldenstedt und Barnstorf liegt. Letzterer der Orte besitzt einen Bahnhof an der Strecke zwischen Bremen und Osnabrück und ist etwa zehn Kilometer vom Veranstaltungszentrum, dem sogenannten „Haus im Moor“, auch „Torfwerk“ genannt, entfernt.
Da der Startschusse für Marathon (zwei Runden auf der gleichen Strecke) und Halbmarathon bereits um 9:00 Uhr am Sonntagmorgen erfolgen sollte, hatte ich ein Problem mit der Anreise: Der erste Regionalexpress vom Bremer Hauptbahnhof fährt Sonntagmorgens erst kurz nach acht Uhr los. Ich wäre daher nicht rechtzeitig im Moor angekommen. So blieb mir nichts anderes übrig, als in einer kleinen Gaststätte in Barnstorf ein Zimmer zu mieten.
Am Samstagabend fuhr ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof Oslebshausen, wo ich gegen 21:30 Uhr die Regionalbahn zum Hauptbahnhof nahm. Mit meinem Fahrrad und einer Tasche Gepäck wechselte ich dort das Gleis und stieg um kurz nach 21 Uhr in den Regionalexpress nach Osnabrück. Auf der Fahrt lernte ich einen jungen Mann kennen, der für das Deutsche Rote Kreuz arbeitete und mir erzählte, dass er öfter als Helfer bei großen Veranstaltungen (auch Marathonläufe) im Einsatz sei.
Nach einer halben Stunde kam der Zug in Barnstorf an. Trotz Dunkelheit konnte ich das Gasthaus schnell finden, da es nicht weit weg vom Zentrum lag. In diesem Gasthaus war im Erdgeschoss, wo sich ein großer Veranstaltungsraum befand, eine Feier, auf der ein Schlager nach dem anderen gespielt wurde. Mein Zimmer befand sich im ersten Stock. Nachdem ich bezahlt hatte, durfte ich mein Fahrrad in der Garderobe parken und ging auf mein Zimmer. Dieses verfügte sogar über ein kleines Bad mit WC und Dusche, und das für nur 27€/Nacht.
Obwohl man hier die Musik von unten nur sehr leise hören konnte, hatte ich Probleme einzuschlafen. Daher schaltete ich noch bis Mitternacht den Fernseher ein. Danach konnte ich dann endlich schlafen, wachte aber zwischendurch immer wieder auf. Ich hörte, wie sich irgendwo unten, auf der Straße oder im Haus, mehrere Menschen laut stritten.
Gegen sieben Uhr am Morgen stand ich auf. Ich zog mich an und verließ das Zimmer. Den Schlüssel ließ ich von außen stecken, so wie es am Abend vereinbart worden war. Dann nahm ich mein Fahrrad aus der Garderobe und verließ das Gästehaus. Gefrühstückt hatte ich nicht, ich wollte mein mitgebrachtes Brot im Startbereich im Moor zu mir nehmen.
Ich hatte keine Landkarte dabei, sondern mir vorher die Straßen aufgeschrieben, in welche ich einbiegen musste. Leider ist es nicht so einfach, einen sehr kleinen Ort zu finden, wenn man von einem größeren Ort losfährt. Ich hatte zunächst mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Vom Sommer war mal wieder wenig zu spüren, es war relativ kühl. Nachdem ich eine gewisse Strecke zurückgelegt hatte, sah ich die ersten Vorboten der Veranstaltung: Auf einem großen Flyer konnte ich „Goldenstedter Moormarathon“ lesen und auf einem asphaltierten Feldweg waren bereits Schilder vorhanden, welche Verpflegungsstellen kennzeichneten.
Der weitere Weg war leider nicht mehr asphaltiert, sondern er führte über Wanderwege, die holprig und teilweise von tiefen Pfützen durchzogen waren. Meine Füße, welche barfuß in Sandalen steckten, wurden immer dreckiger. Ich befand mich zwar schon auf dem Weg, der die Strecke das Marathons bildete und konnte mich an den Kilometerschildern orientieren. Leider aber war diese Strecke nicht so eindeutig, da einige Wege zu mehrere Streckenabschnitten gehörten. Als mir zwei Landwirte auf einem Traktor entgegenkamen, fragte ich diese nach dem Torfwerk. Sie zeigten mir die Richtung an.
Auf dem Weg befanden sich auch (teilweise) sehr verbogene Schienen, auf welche das Torf transportiert wurde oder wohl eher früher einmal transportiert worden war. Endlich erreichte ich das Schild für Kilometer 2. Ich konnte also nicht mehr weit weg vom Haus im Moor sein. Kurz vor dem Schild von Kilometer 1 sah ich ein Fahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes mit einigen Mitarbeitern, die hier eine Verpflegungsstelle vorbereiteten. Es war inzwischen schon Viertel nach Acht Uhr. Diese Leute zeigten mir den Weg zum Startbereich, wo ich kurz darauf ankam.
Der Startbereich bestand aus mehreren Hütten und einer aufgebauten WC-Anlage. Eine dieser Hütten enthielt die Umkleidekabinen. Ich stellte mich zunächst an einen freien Platz und aß dort mein Brot und zwei mitgebrachte Bifis. Dann ging ich zu einem aufgebauten Zelt, wo ich meine Startunterlagen abholen konnte. Sie bestanden nur aus der Nummer und zwei kleinen Informationsblättern. Ich ging in die Hütte mit der Umkleidekabine. Duschen gab es zunächst keine, so dass ich in dieser Hütte ein Waschbecken benutzte, um meine dreckigen Sandalen und Füße zu säubern. Dann zog ich meine Laufkleidung an. Ich lernte hier auch zwei Männer aus Fischerhude kennen, die mir anboten, mich beim nächsten Mal mit dem Auto hierher mitnehmen zu können. Beide sollte ich voraussichtlich am 2. Okotber beim Marathon in Bremen wiedersehen. Sie wollten auch heute die gesamten 42km laufen.
In einer weiteren Hütte konnte ich meine Tasche abgeben. Ich nahm beide Brillen zu mir, da die Sonne teilweise stark schien und um diese Uhrzeit noch tief am Himmel stand. Dann ging ich zum Start. Vom Kommentator hörte ich, dass die Zahl der Halbmarathonläufer über 200 und die der Marathonläufer unter 100 betrage. Beide Gruppen sollten nun zusammen starten, die restlichen Teilnehmer (3km-Lauf und Ähnliches) erst später.
Das Haus im Moor lag an einer Art Kreuzung, wobei die Straße, welche in nördlicher Richtung auf diese Kreuzung stieß, eine asphaltierte Autostraße war. Die drei anderen Wege konnte man eher als Wanderwege bezeichnen. Ich war mit meinem Fahrrad von Osten auf diese Kreuzung gestoßen. Nach dem Startschuss wurde die südliche Richtung eingeschlagen. Ich war relativ weit hinten im Feld und hatte zunächst Probleme mit dem Überholen. Obwohl die Teilnehmerzahl begrenzt war, ging es sehr gedrängt zu, da auch dieser Weg sehr eng war. Außerdem musste man aufpassen, nicht in Pfützen zu treten.
Nach fünf Minuten hatte ich den ersten Kilometer absolviert. Noch vor dem Ende des zweiten Kilometers erreichten wir eine Stelle, wo eine begeisterte Zuschauermenge stand. Dies war auffallend, da der gesamte Kurs fernab jeglicher Wohngebiete war. Als wir die Zuschauer erreichten, musste ich feststellen, dass dieser Ort die Kreuzung war, an welcher wir vor wenigen Minuten gestartet waren. Wir hatte sie in südlicher Richtung verlassen und kamen nun von Westen her wieder dort an, der Weg hatte uns also im Krei geführt. Nun ging es nach Osten, den Weg, den ich mit dem Fahrrad hierhergekommen war.
An der Kreuzung war auch die ertse Verpflegungsstelle, wo ich einen Becher mit einem apfelsaftähnlichen Getränk erhielt. Kurz darauf überholte ich zwei Läufer, die beide einen Hund an der Leine führte. Diese Hunde waren ebenfalls mit Startnummern ausgestattet und nutzen eine Pfütze, um sich zu erfrischen.
Das Feld hatte sich nun ein bisschen auseinandergezogen und ich konnte die Landschaft um mich herum genießen, was bei der Fahrt hierher nicht möglich gewesen war. Auf den „Feldern“ neben uns türmten sich Mengen von abgebautem Torf. In der Mitte des Weges verliefen die Schienen und an einer Stelle war sogar ein „Zug“ zu sehen, der auf diesen Schienen wohl früher einmal gefahren war.
Nach einigen Kilometern gab es eine weitere Verpflegungsstelle, wo ich Wasser zu mir nahm. Danach kam ich mit einem Läufer ins Gespräch, der sich als ein „Personal Trainer“ ausgab und mir mitteilte, dass er seine Kunden auf verschiedenste Sachen, u.a. auf Marathonläufe, vorbereite. Wir tauschten fast eine halbe Stunde lang unsere Erlebnisse aus. Er erzählte mir auch, dass er vor fünf Jahren das letzte Mal in Goldenstedt beim Halbmarathon teilgenommen hatte und damals eine Medaille aus Holz bekommen hatte. Darüber freute ich mich, da ich bisher davon ausgegangen war, nach dieser Veranstaltung ohne jegliches Erinnerungsstück nach Hause fahren zu müssen. Die Internetseite des Moormarathons war nämlich sehr dürftig ausgestattet und gab keinerlei Informationen über die Vergabe von Mediallen her. Auch wie die Zeitmessung funktionierte, wusste ich nicht. Nach elf Kilometern verabschiedete ich mich von dem Kollegen, um nun etwas schneller zu laufen. Inzwischen war eine asphaltierte Strecke erreicht worden, die lange Zeit geradeaus führte. An einer Kurve standen ein paar Leute um ein Schild mit der Aufschrift „Verpflegungsstelle 4“, jedoch gab es hier nichts zu trinken. Dies hatte zur Folge, dass ich sechs oder sieben Kilometer lang kein Wasser zu mir nehmen konnte. Auf Grund der niedrigen Temperaturen blieb dies für mich allerdings ohne Folgen. Leider spürte ich, dass sich an meiner linken Ferse eine Blase bildete. Dieses Problem hatte ich mit den jetzigen Schuhen bisher noch nicht gehabt, vielmehr hatte ich mit Blasen an den Zehen zu kämpfen. Für das nächste Rennen in Wolfsburg würde also der Einsatz von Pflastern an den entsprechenden Stellen unvermeidlich sein.
Der letzte Streckenabschnitt führte mich wieder auf den Weg, den ich mit dem Rad gefahren war, diesmal in der gleichen Richtung. Hier erlebte ich das, was für meine Läufe typisch war: Ich überholte nach und nach zahlreiche Teilnehmer, die noch vor mir waren.
Eine letzte Verpflegungsstelle kurz vor dem Ziel passierte ich, ohne etwas zu nehmen. Ich schaute auf meine Uhr und sah, dass ich wohl eine Zeit knapp über 1:41h erreichen würde. Das Ziel lag an der Kreuzung, wo auch der Start war. Ich überholte hier noch einen Läufer, kurz bevor ein Ordner uns zurief, dass der Halbmarathonläufer (ich) geradeaus und der Marathonläufer nach rechts, in die zweite Runde, einbiegen sollte. Das Ziel lag auf einer Wiese, wo ein Stand mit Getränken und Obst aufgebaut war. Beim Durchlaufen des Zielbogens hörte ich ein Piepsen, dass auf irgendein elektronische Gerät hinwies, welches (hoffentlich) meine Zeit gemessen hatte. Auf einer Bank sah ich einen anderen Finisher, der tatsächlich eine Holzmedaille trug. Er sagte mir, dass ich so ein Exemplar bei den Helfern bekommen könne. Tatsächlich konnte mir ein junges Mädchen im Zielbereich eine Medaille überreichen. Sie war aus einem Ast geschnitten und die Worte „Moormarathon 2011“ sowie die Skizze eines Läufers waren darauf aufgedruckt. Eine etwas andere Medaille als meine bisherigen, die allesamt aus Metall waren.
In der Hütte konnte ich meine Tasche abholen. Neben den Umkleidekabinen hatten die Helfer inzwischen eine aufblasbare Duschkabine installiert. Ich benutze diese und zog mich danach wieder an. Dann nahm ich meine Tasche und ging zu meinem Fahrrad, dass ich an einem Zaun an der Kreuzung aufgestellt hatte. Den gleichen Weg wollte ich nicht mehr zurück nach Barnstorf nehmen. Stattdessen schlug ich von der Kruzung aus die nördliche Richtung ein. Hier kam ich auf eine Straße, an deren Seite ein abgetrennter Fahrradweg vorhanden war. Hinweisschilder zeigten mir den Weg. Ich hatte die Möglichkeit, entweder nach Vechta oder nach Barnstorf zurückzufahren. Da Vechta offenbar näher lag, schlug ich zunächst diese Richtung ein, kehrte aber schnell wieder um, da ich hier einen starken Gegenwind spürte. Diesen kannte ich schon von der Hinfahrt und ich dachte mir, dass ich beim Weg zurück nach Barnstorf logischerweise Rückenwind haben müsste. Leider stimmte dies nur bedingt.
Ich orientierte mich an den Hinweisschildern und hatte nun eine angenehmer Fahrt. Der Weg war asphaltiert und ich kam gut voran. Nach etwa acht Kilometern erreichte ich den östlichsten Teil der Laufstrecke, an welcher jetzt nur noch vereinzelt Marathonläufer ihre zweite Runde absolvierten. Nach elf Kilometern erreichte ich die Osnabrücker Straße, welche mich direkt nach Barnstorf zum Bahnhof führte. Muskelkater spürte ich fast keinen, obwohl ich die 21 Kilometer in einer durchaus beachtliche Zeit zurückgelegt hatte.
Um Viertel nach zwölf Uhr kam der Zug nach Bremen, wo ich kurz vor dreizehn Uhr mittags ankam.

Montag, 22. August 2011

Halbmarathon Osnabrücker Land 2011-08-21

Der dreiundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Osnabrücker-Land-Marathon in Bissendorf.
Nach den schmerzlichen Erfahrungen des letzten Jahres, als ich schon nach wenigen Kilometern große Probleme an meinem rechten Knie bekommen hatte, wollte ich diesmal erneut in Bissendorf Halbmarathon laufen. Angemeldet hatte ich mich bereits Monate im Voraus, bezahlt werden sollte aber erst vor Ort.
Da diese Veranstaltung an einem Samstagnachmittag stattfand, war es praktisch nicht möglich, eine weitere persönliche Bestzeit zu erreichen, da es am Nachmittag in der Regel ein paar Grad wärmer als morgens ist. Ferner war nun der Sommer auch in der Nordhälfte Deutschlands angekommen. Es sollten an diesem Tag bis zu 30°C werden.
Den Zeitplan für die Anfahrt nach Bissendorf hatte ein bisschen knapp angesetzt: Ich stieg mit meinem Fahrrad um 13:39 Uhr in Oslebshausen in die Regionalbahn zum Hauptbahnhof ein, wo pünktlich um 14:06 der Regionalexpress nach Osnabrück startete. Obwohl Samstag war, war das Fahrradabteil relativ frei. Mit einigen Minuten Verspätung kam ich um 15:25 Uhr in Osnabrück an. Der Marathon in Bissendorf sollte um 15:30 Uhr starten, der Halbmarathon eine Stunde später. Bis zum Veranstaltungszentrum waren es etwa zehn Kilometer. Da ich den Weg, welcher im Prinzip ununterbrochen geradeaus führte, noch aus dem letzten Jahr zu wissen glaubte, führte ich keinerlei Karte oder ähnliches Hilfsmittel bei mir. Ich beging allerdings den Fehler, gleich nach dem Verlassen des Bahnhofs die erste Unterführung statt der zweiten zu nehmen und kam so erst gar nicht auf die lange Geraden, die nach Bissendorf führte. Da ich unterwegs allerdings einige Hinweisschilder mit meinem Zielort zu sehen bekam, glaubte ich zunächst, richtig zu sein.
Als die Hinweisschilder für Bissendorf nach einiger Zeit ausblieben, wurde ich unruhig und fragte andere Radfahrer nach dem Weg. Ein älterer Herr erklärte mir, dass ich mich nach Bissendorf weiter rechts halten sollte und zeigte mir eine Abzweigung, die ich nehmen sollte. Hier überfuhr ich tatsächlich nach einigen Metern die Bahnlinie, welche Osnabrück mit Münster verbindet. Aus meinen Erinnerungen vom letzten Jahr wusste ich noch, dass der gesamte Marathonkurs südlich dieser Bahnlinie lag, bis jetzt war ich mit meinem Fahrrad nördlich von ihr gefahren.
Wegen günstiger Windverhältnisse konnte ich um die 30 km/h fahren. Trotzdem schwitze ich, da es schon extrem warm war und ich meinen Drahtesel aufs Äußerste anstrengte, um noch pünktlich zum Start in Bissendorf zu sein. Nachdem ich nochmals einen Landwirt nach dem Weg gefragt hatte, erreichte ich den Ort und sah dort schon einen Streckenordner, der mir die Richtung zum Veranstaltungszentrum zeigte. Ein anderer Fahrradfahrer, der das gleiche Ziel wie ich hatte, begleitete mich für den Rest der Strecke. Etwa eine halbe Stunde vor dem Start kam ich endlich an.
Ich holte mir für 12€ die Startunterlagen ab, welche nur aus der Startnummer und zwei Gutscheinen bestanden. Einer der beiden Gutscheine beinhaltete, genau wie im letzten Jahr, das Recht auf eine DVD mit Videos und Fotos der Veranstaltung. Für 20€ hätte ich noch ein Trikot des diesjährigen Jahrgangs erwerben können. Es war in schwarzer Farbe. Ich verzichtete darauf und entschied mich stattdessen, mein mitgebrachtes Exemplar des Vorjahres (grau) zu tragen.
Ich ging zur Sporthalle in die Umkleidekabine, um mich umzuziehen. Wie im letzten Jahr konnte man hier seine Sporttasche zurücklassen. Da ich nicht wusste, wie gut diese Einrichtung bewacht war, nahm ich meinen Hausschlüssel und mein Semesterticket neben einer Packung Taschentücher zu mir, um sie während des Laufs bei mir zu tragen. Da am Himmel fast keine Wolke zu sehen war, entschied ich mich, nur die Sonnenbrille mitzunehmen. Dann ging ich zum Start.
Wie im Vorjahr gab es keinen Chip zur Zeitmessung, daher war auch keine Nettozeitmessung möglich. Da die Teilnehmerzahl nicht besonders groß war, stellte dies aber kein Problem dar. Wenige Sekunden nach dem Startschuss hatte ich bereits die Startlinie überquert. Der Kurs war genau der gleiche wie im letzten Jahr.
Es ging zunächst nach Osten, die Werscher Straße entlang. Hier gesellte ich mich bereits zum vorderen Teil des Läuferfeldes. Vor der ersten 90°-Kurve nach rechts war der erste Kilometer absolviert, für den ich ziemlich genau fünf Minuten benötigt hatte. Nachdem die zweite Geraden zu Ende war und ich eine Linkskurve gelaufen war, musste ich zusehen, wie einer der Teilnehmer abbrechen musste, da er offenbar ein Problem am Fuß hatte. Er trottete traurig zum Startpunkt zurück.
Schattige Stellen gab es fast keine. Nach zwei Kilometern befanden wir uns auf einem asphaltierten Weg, zu dessen linker Seite Felder mit mannshohen Pflanzen lagen. Es ging immer weiter nach Osten. Nach vier Kilometern war der erste Versorgungspunkt erreicht. Ich ließ mir zwei Becher Wasser geben, denn die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel. Kurz hinter dem Versorgungspunkt regelte ein Polizist den Verkehr, denn hier musste eine Landstraße überquert werden.
Nach einer Linkskurve war schließlich der nördlichste Punkt der Strecke erreicht. Von hier aus konnte man die Bahnlinie sehen, die ich noch vor einer Stunde mit dem Fahrrad überquert hatte. Und wie im letzten Jahr erblickte ich auch jetzt eine türkisfarbene Westfalenbahn, die gerade von Osnabrück nach Münster unterwegs war. Ich zog nun für die nächsten etwa fünf Kilometer mein Trikot aus, da ich richtig zu schwitzen anfing.
Nach dem Überqueren des Flusses „Hase“ und dem Ablaufen des sogenannten „Kuhdamms“ war der östlichste Teil der Strecke erreicht und es ging nun wieder zurück nach Westen. Dabei musste wir zunächst durch einen Wald, wo nun kein asphaltierter Bodenbelag mehr vorhanden war und man an einigen Stellen Pfützen zu überspringen hatte. Es war höchste Konzentration geboten, wenn man nicht stolpern wollte. In diesem Wald befand sich auch der zweite Versorgungspunkt, wo ich erneut zwei Becher Wasser trank. Bis hierher waren es sieben Kilometer gewesen und ich hatte diese in weniger als 35 Minuten absolviert. Gemessen an den hochsommerlichen Temperaturen war das eine beachtliche Leistung, die ich allerdings nicht aufrechterhalten konnte.
Das Durchlaufen des Waldes erfolgte in überwiegend südlicher Richtung. Hier war es relativ schattig. Als der Wald hinter uns lag, war der Ort „Nemden“ erreicht, wo es nach einer Rechtskurve wieder in westlicher Richtung zurück nach Bissendorf ging.
Nach zehn Kilometern erreichte ich den dritten Verpflegungspunkt, wo ich Wasser und Cola trank. Inzwischen hatte sich das Läuferfeld so weit auseinandergezogen, dass ich die Teilnehmer vor mir oft gar nicht zu Gesicht bekam. Es wurde nun etwas hügeliger. Immer wieder musste schwere Anstiege gemeistert werden, bevor es dann wieder abwärts ging. Auch hier bestand der Boden nicht immer aus Asphalt und ich musste aufpassen, wo ich hintrat, um mir nicht unglücklich den Fuß zu verstauchen. Auf Höhe des Ortes „Himbergen“, wo ein weiterer Versorgungspunkt war, mussten wir zwischen zwei Äckern einen so engen Weg belaufen, dass ich auf diesen Acker ausweichen musste, als mir zwei Radfahrer entgegenkamen. Dabei trat ich tatsächlich etwas unglücklich auf dem Boden auf, ohne jedoch ernsthaften Schaden zu erleiden.
Nach etwa 15km war Bissendorf wieder erreicht. Hier gab es einige Zuschauer, die uns anfeuerten, eine ungewohnte Gefühl, nachdem es auf der bisherigen Strecke sehr ruhig zugegangen war. Einige Kinder hielten einen Gartenschlauch bereit, um den Läufern (falls erwünscht) eine Abkühlung zu verpassen. Ich winkte jedoch ab, da das kalte Wasser sehr unangenehm auf mich gewirkt hätte.
In Bissendorf musste wir uns eine Straße mit den Läufern teilen, die bereits von der Kurve im Westen, dem letzten Teil der Strecke, zurückkamen. Diese Straße war ich heute bereits mit dem Fahrrad abgefahren. An einem Versorgungspunkt in dieser Straße wurde ich von den Ordnern gefragt, wie ich nur mit langer Hose laufen könne. Ich hatte inzwischen auch bemerkt, dass eine kürzere Hose heute wohl angenehmer gewesen wäre.
Langsam schwanden bei mir die Kräfte. Ich musste mehrfach Pausen einlegen, in denen ich ganz normal vorwärts ging. Mit diesem Problem war ich allerdings nicht der einzige Teilnehmer.
Auf Höhe der Ortschaft „Eistrup“ befand ich sich der westlichste Teil der Strecke. Von hier aus ging es über „Achelriede“ wieder zurück. Der Weg durch diese Ortschaft war auch nicht gerade einfach: Ich musste mich voll konzentrieren, um kein Schild zu übersehen, welches die Laufrichtung anzeigte, denn es gab in den Wohngebieten viele Abzweigungen und die Läufer vor mir waren mir so weit voraus, dass ich sie nicht sehen konnte.
Nachdem ich das Schild für den 20. Kilometer passiert hatte, gab es noch einen letzten Punkt, wo ein paar Kinder Getränke anboten. Ich lehnte aber ab. Dann erreichte ich endlich die Zielgeraden. Der Kommentator nannte meinen Namen, als ich die Linie überquerte. Dort wurde mir die Medaille überreicht und ich ging zur Wiese, um mich für einige Minuten hinzulegen.
Die Medaille war der aus dem Vorjahr sehr ähnlich, die Form war diesmal eine andere. Das Bild, welches aus drei Häusern bestand, war mit einer anderen Farbe aufgezeichnet und die Worte „8. Osnabrücker Land Marathon, 20.8.2011, Finisher“ waren darauf zu lesen.
Nachdem ich ein paar Stück Obst gegessen und einige Becher getrunken hatte, ging ich zur Umkleidekabine zurück. Muskelkater hatte ich kaum, da ich nicht besonders schnell gelaufen war. Meine Zeit lag wohl bei knapp unter 110 Minuten. Auch mein Kniee zeigten diesmal keinerlei Beschwerden.
Ich duschte und zog mich um. Danach ging ich zu meinem Fahrrad. Den Weg vom Dorf in die Großstadt zu finden ist immer einfacher als umgekehrt. Für den Hinweg hatte ich 12,8 Kilometer benötigt. Für den Rückweg konnte ich nun den „richtigen“ Weg einschlagen, den ich problemlos fand. Er war nur knapp neun Kilometer lang.
Am Bahnhof in Osnabrück musste ich feststellen, dass gerade zur jetzigen Stunde kein Regionalexpress nach Bremen fuhr. Ich hätte lange auf den nächsten Zug warten müssen. Aber es gab noch eine Nordwestbahn, die nach Bremen fuhr, wenn auch auf einem Umweg. Diese konnte ich nehmen. Die Fahrt nach Bremen dauerte nun über zwei Stunden. Irgendwo zwischen Bramsche und Vechta stiegen ein paar als Krankenschwestern verkleidete Damen ein, die einen Junggesellinnenabschied feierten und dabei an Passanten Kleinigkeiten verkauften. Ich gab das restliche Geld, das ich noch bei mir hatte, für 16- bis 18-prozentige Getränke aus und unterhielt mich mit den Frauen, die von Bremen aus weiter nach Hamburg wollten. In Bremen kam der Zug pünktlich an, so dass ich gerade noch die Regionalbahn nach Oslebshausen nehmen konnte. So war ich schon gegen 22:00 Uhr wieder zu Hause.

Mittwoch, 10. August 2011

Halbmarathon Augsburg 2011-08-07

Der zweiundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Friedensmarathon in Augsburg.
Anlässlich des Religionsfriedens am Ende des 30jährigen Krieges ist der 8. August in Augsburg (und auch nur dort) ein Feiertag. Im Jahr 2011 sollte dieses Datum auf einen Montag fallen. Für den Tag zuvor war der erste Marathon dieser Stadt, der sogenannte Friedensmarathon, vorgesehen. Diese Veranstaltung bestand aus einem kompletten Marathon, einem Halbmarathon, einem Viertel- und einem Achtelmarathon. Ich hatte mich ein halbes Jahr vorher für den Halbmarathon angemeldet, was mich 30€ gekostet hatte. Die Gebühren für Marathon und Halbmarathon waren übrigens identisch. 42 Kilometern traute ich mir allerdings nicht zu, da ich annehmen musste, dass im August hochsommerliche Temperaturen herrschen sollten.
Die Startunterlagen konnte ich mir bereits am Samstag in der großen Sporthalle in Augsburg abholen. Neben meiner Startnummer befand sich darunter auch ein hellblaues Trikot, welches allerdings aus viel zu schwerem Stoff hergestellt bestand. Ich entschied mich daher, beim morgigen Lauf mein von zu Hause mitgebrachtes Trikot vom Osnabrücker-Land-Marathon zu tragen, welches wesentlich leichter war. Zur Zeitmessung wurde der Champion-Chip verwendet, welchen ich bereits besaß und den ich deshalb nicht neu ausleihen musste. An diesem Tag brannte die Sonne noch ziemlich stark, doch für den folgenden Tag war eine Abkühlung vorhergesagt worden.
Da meine Unterkunft bei Verwandten relativ zentral lag, konnte ich am nächsten Morgen bis kurz vor acht Uhr schlafen. Nach dem Frühstück zog ich nur Socken, Laufschuhe, eine kurze Hose und das Trikot an. Außer einer Armbanduhr und einer Packung Taschentücher nahm ich nichts mit. Es hatte in der Nacht geregnet und auch jetzt tropfte es von oben ein bisschen. Die Sonne konnte man vor lauter Wolken nicht erkennen, deshalb trug ich meine normale Brille.
Der Start befand sich neben dem Rosenaustadion, welches seit einiger Zeit nicht mehr vom jetzigen Bundesligisten FC Augsburg benutzt wird. Da ich keinen Starterbeutel bei der Gepäckverwahrung abzugeben hatte, war es kein Problem, dass ich das Veranstaltungszentrum erst fünf Minuten vor dem Start erreichte. Ich hatte mich nämlich auf dem Weg dorthin verlaufen. Der Start für Marathon- und Halbmarathon sollte zeitgleich um neun Uhr erfolgen, daher waren auf der Startgeraden die Läufer beider Kategorien gemischt. Die Startorte von Viertel- und Achtelmarathon befanden sich anderswo in Augsburg, das Ziel war aber für alle Sportler das gleiche: Das Rosenaustadion.
Wegen meines späten Eintreffens musste ich mich mit dem hintersten Bereich der Startgeraden begnügen. Nach dem Startschuss dauerte es über eine Minute, bis ich als einer der letzen Läufer die Linie überquerte. Ich stellte entsprechend meine Uhr, da wegen der niedrigen Temperaturen heute eine neue Bestzeit nicht ausgeschlossen war.
Die Teilnehmermenge war recht überschaubar. Aus den Ergebnissen erfuhr ich, dass knapp über 500 Marathonis und fast 700 Halbmarathonis ins Ziel gekommen waren.
Im dichtgedrängten Läuferfeld vor mir befanden sich einige Pacemaker, die mit Luftballons unterschiedlicher Farbe ausgestattet waren. Für den Marathon erblickte ich einen Ballon mit der Zeit 3:30, was also einem Halbmarathon von 1:45 entsprechen sollte. Zunächst konnte ich diesen Zugläufer allerdings nicht erreichen, denn Überholen war zu Beginn sehr schwierig. Der erste Kilometer führte an der Stadionstraße entlang, östlich der Wertach, der gleiche Weg, den ich heute Morgen zum Stadion gelaufen war. An einer Kreuzung ging es nach rechts und ziemlich steil bergauf. Ich musste immer wieder die Spur wechseln, um eine Lücke zum Überholen zu finden. Nun war der erste Kilometer absolviert, für den ich knapp über fünf Minuten benötigt hatte. Jeder der 21 Kilometer war durch ein großes Plakat gekennzeichnet, auf dem ein Foto und ein Zitat eines sogenannten „Friedensstifters“ abgedruckt war. Eine dieser Personen war Michail Gorbatschow, die anderen Namen konnte ich mir nicht merken.
Die Gögginger Brücke, welche kurz vor dem Hauptbahnhof über die Bahngleise führt, wurde im Abstand von 1000 Metern zweimal überquert: Bis zum Königsplatz ging es geradeaus und an einem engen Wendepunkt auf der anderen Seite der Herrmannstraße wieder zurück. Hinter diesem Abschnitt trennten sich beide Wege wieder. Ich hatte also nun einen guten Überblick, wie groß das Läuferfeld vor mir war. Unter den Teilnehmern, die mir entgegenkamen, fiel mir der Zugläufer von 1:45 auf, welcher sich als Wikinger verkleidet hatte. Er war mir am Wendepunkt am Königsplatz etwa eine Minute voraus.
Als die Brücke zum zweiten Mal überquert war, ging es die Gögginger Straße entlang nach Süden. Hier war endlich mehr Platz vorhanden und ich überholte viele Teilnehmer. Das Feld war jedoch immer noch ziemlich eng. Nach fünf Kilometern war die erste Versorgungsstelle erreicht. Hier nahm ich einen Becher Wasser zu mir. Ich hatte mir den Streckenplan schon in den Tagen zuvor genau angeschaut und mir war aufgefallen, dass für diese Jahreszeit auffällig wenige Versorgungsstationen vorhanden waren. Daher durfte ich keine einzige auslassen. Nach sieben Kilometern lag der Stadtbereich hinter uns und eine ländliche Gegend begann. In der Wellenburger Straße trat erneut die Situation auf, dass an einem Wendepunkt die Richtung der Strecke um 180° gedreht wurde. Hier hatte ich wieder die Möglichkeit, das Läuferfeld vor und hinter mir zu begutachten. Den Pacemaker für 1:45 hatte ich fast eingeholt. Nach einer Linkskurve führte der Weg durch ein Waldgebiet, wo zahlreiche Teilnehmer eine Pinkelpause machten. Ich hatte nun den Pacemaker erreicht und fragte ihn, ob er noch Kollegen für andere Halbmarathonzeiten habe. Er sagte mir, dass für die Zeit 1:30 noch einer vorhanden sei, dieser wäre aber sofort nach dem Start „davongezischt“. Es war klar, dass ich diesen Mann heute nicht einholen würde.
Nach einiger Zeit wurde die B17 erreicht, weshalb der Weg nun eine Biegung nach rechts machte, an dieser Bundesstraße entlang. Dieser Weg führte direkt auf die Wertach zu, an deren Ufer eine Unterführung unter die B17 war. Wir durchliefen diese und nun ging es wieder Richtung Innenstadt, an der Wertach entlang. Hier erreichte ich die Marke für den zehnten Kilometer und sah bei einem Blick auf meine Uhr, dass ich , genau wie in Hamburg, nur eine Zeit von 46 Minuten dafür benötigt hatte. Weder mein Knie noch meine Füße machten Probleme. Eine neue Bestzeit war also möglich. Das Läuferfeld hatte sich inzwischen auch gelichtet, aber das Überholen ging weiter. Jetzt waren es nur noch vereinzelte Läufer, an denen ich nach und nach vorbeizog.
Es ging nun kilometerlang nach Norden, aber nicht direkt an der Wertach, sondern an einer größeren Straße mit anliegenden Straßenbahnschienen, welche jetzt natürlich nicht befahren werden konnten. Bei Kilometer 13 führte ein Tunnel unter der Bahnlinie, diesmal nördlich vom Hbf, entlang und kurz dahinter wurde die Wertach überquert. Damit war das Gelände, auf welchem der Augsburger Plärrer stattfand, erreicht.
Zwischen Kilometer 17 und 18, auf dem Marktplatz vor dem Perlachturm, hatten die Läufer die Möglichkeit, für eine wohltätige Organisation zu spenden, indem sie eine auf der linken Seite liegende rote Matte überliefen. Ich tat dies, obwohl die Teilnehmer vor mir offenbar alle rechts vorbeiliefen. Der Kurs in der Innenstadt führte durch einige Grünanlagen, wo hinter Gebäudesäulen der Weg nur schwer einzusehen war. Einmal wäre ich bei einer Abzweigung fast geradeaus gelaufen, da ich im Feld inzwischen so weit vorne war, dass ich den Sportler vor mir nicht sehen konnte, als dieser hinter den Häusern an einer Abzweigung schon verschwunden war.
Nach einer erneuten Unterführung unter den Bahngleisen, diesmal auf der anderen Seite der Wertach, lag die Innenstadt hinter uns. Verpflegungsstationen gab es schon seit Kilometer 17 nicht mehr. Es ging nun nach Süden an der Wertach entlang. Die Beine taten mir langsam weh, trotzdem kam mir das gesamte Rennen von der Zeit her richtig kurz vor. Ich orientierte mich nun an den Kilometerzählern für den ganzen und den Halbmarathon. Die Läufer des Marathons mussten insgesamt zwei Runden absolvieren, jedoch wich die zweite Runde teilweise von der ersten ab. Dieser letzte Abschnitt war jedoch in beiden Runden identisch.
Als ich die Markierung für den 20. Kilometer passiert hatte, fühlte ich ein fürchterliches Seitenstechen in der rechten, oberen Brusthälfte. Ich wollte kurz gehen, doch das verstärkte die Schmerzen noch. Luft anhalten war auch nicht möglich, denn ich musste schnell atmen. Ich stieß ein so lautes Stöhnen aus, dass einer der Läufer, die ich gerade noch überholt hatte, sofort wusste, was für ein Problem ich hatte. Er lief von links an mich heran und nahm meinen Arm, um ihn hochzuheben. Er forderte mich auf, selbiges mit dem anderen Arm zu machen. Ich tat dies und bedankte mich bei ihm. Nach einigen Metern ließen die Schmerzen nach und ich überholte den Mann wieder. Ich wollte weiterlaufen, denn eine neue persönliche Rekordzeit stand unmittelbar bevor.
Kurz vor dem Ziel winkte eine Ordnerin die Halbmarathonis nach links und die Marathonis nach rechts. Letztere mussten nun in die 2. Runde, während mein Weg in das Rosenaustadion führte. Am Eingang sah ich das Plakat des 21. Kilometers. Nach dem Einlauf ins Stadion musste ich auf der Laufbahn einige Meter bis ins Ziel. Hier las ich die Bruttozeit „1:36:20“, als ich die Linie überquerte. Eine neue Bestmarke bei der Nettozeit war damit für mich perfekt.
Im Zielbereich wurde mir zunächst die Medaille umgehängt. Gemessen an den Startgebühren von 30€ war sie sehr unzureichend. Sie war vom Durchmesser her wohl die kleinste, die ich je bekommen habe. Das Band war blau-weiß. Auf der Vorderseite waren am Rand die Worte „1. Augsburger Friedensmarathon 2011“ und auf der Rückseite „Frieden bewegt“ eingraviert. In der Mitte war jeweils der Abdruck eines Laufschuhes zu sehen. Es wurde also zwischen Marathon- und Halbmarathon nicht unterschieden. Und auch das Datum des Rennens war nicht angegeben. Für 30 Euro also sehr dürftig, allerdings sollte nicht vergessen werden, dass man für die gleichen Startgebühren auch einen Marathon laufen konnte.
Nachdem ich das Teil in Empfang genommen hatte, ließ ich mich fotografieren und ging weiter zu den Getränkeständen. Ich nahm mir einen Becher mit Iso und eine Flasche mit einer Art Traubensaft. Jetzt begann es stärker zu regnen. Welch ein Glück, dass ich so schnell gelaufen war. Auf der Tribüne waren einige Zuschauer. Ich konnte das Stadion durch den Ausgang unter der Tribüne verlassen. Da ich mich auf dem Heimweg wieder einmal verlief, nutzte ich die Gelegenheit, mit meiner Startnummer kostenlos Straßenbahn zu fahren. So fand ich recht schnell wieder den richtigen Weg.