
Der achtundzwanzigste Halbmarathon meines Lebens.
Der Volkslauf durch das schöne Alstertal.
Ich wollte eigentlich schon letztes Jahr beim Halbmarathon im Hamburger Alstertal teilnehmen, damals war die Veranstaltung aber schon ausgebucht, als ich sie „entdeckt“ hatte. Dieses Jahr hatte ich mich frühzeitig gemeldet.
Ich wurde um kurz vor sechs Uhr von meinem Wecker geweckt, frühstückte und nahm um sieben Uhr die Straßenbahn in die Innenstadt. Zum Hauptbahnhof fuhr um diese Zeit keine Bahn. In der Innenstadt nahm ich den Fußweg zum Hauptbahnhof, wo (wie jeden Sonntagmorgen) sich die Betrunkenen vom Vortag auf den Nachhauseweg machten. Als ich Gleis 10 erreichte, wo der Metronom nach Hamburg starten sollte, sah ich einen Randalierer, der gerade von zwei Polizisten in Handschellen abgeführt wurde. Um 7:33 Uhr startete der Zug und kam gegen viertel vor neun Uhr am Hamburger Hauptbahnhof an. Hier kaufte ich mir ein Tagesticket und nahm die nächste S-Bahn, mit der ich eine Station bis zum Bahnhof Dammtor fuhr. Von hier aus lief ich zur U-Bahn-Haltestelle „Stephansplatz“, wo überall auf das neue Alkoholverbot im Hamburger Nahverkehr hingewiesen wurde. Ich kam gerade rechtzeitig am unterirdischen Gleis an, denn nach nur einer Minute Wartezeit fuhr die U1 Richtung Norderstedt ein. Ich aß während der Fahrt mein mitgebrachtes Brot. An den folgenden Stationen stiegen nun immer weitere Sportler ein. Nach einer Viertelstunde war das Ziel, die Haltestelle „Klein-Borstel“ erreicht. Hier folgte ich einfach den anderen Läufern.
Das Veranstaltungszentrum lag in unmittelbarer Nähe der Station. Auf einem Schulgelände konnte ich mir meine Startnummer abholen, auf welcher sich auch ein Barcode für die Zeitmessung befand. In einer Umkleidehalle legte ich meine Sportkleidung an. Hier musste ich feststellen, dass meine Laufsocken an den Fersen schon viel an Stoff verloren hatten. War das der Grund für die Blasen an diesen Stellen? Ich vergaß heute nicht, sowohl an den Füßen als auch an den Brustwarzen Pflaster anzubringen. Desweiteren nahm ich beide Brillen zu mir, da am Himmel kaum Wolken zu sehen waren. Meine Tasche konnte ich in der großen Sporthalle abgeben. Der Startbereich befand sich einige Meter entfernt auf dem Sportplatz.
Die Veranstaltung bestand aus einem Halbmarathon, einem 10km-, und einem 4km-Lauf, wobei die Teilnehmer des ersten Wettbewerbs in zwei Kategorien unterteilt waren: Es gab die Läufer, welche am sogenannten "hella-Cup" teilnahmen. Dieser Wettbewerb bestand aus drei Rennen, von denen der heutige Halbmarathon den letzten Teil bildete. Die Cup-Läufer sollten bereits um 10.00 Uhr starten, die "normalen" Halbmarathonläufer 20 Minuten später. Der Kurs führte eine halbe Runde um den Sportplatz herum und dann den engen Weg am Alstertal entlang. Von anderen Sportlern erfuhr ich, dass dieser enge Pfad sowohl für den Hin- als auch für den Rückweg des Kurses vorgesehen war. Es galt also, besonders beim Überholen aufzupassen.
Um 10:00 Uhr starteten die Cup-Läufer, danach begann ein Aufwärmprogramm für die restlichen Halbmarathonis. Ich erfuhr von einem anderen Teilnehmer, dass bei diesem Rennen nur die Bruttozeit gemessen wurde, weshalb ich mich entschied, mich beim Start möglichst weit vorne einzuordnen. In der ersten Reihe wollte ich allerdings nicht stehen.
Nach dem Startschuss wurde es erwartungsgemäß zunächst einmal sehr eng, bis nach dem ersten Kilometer das Alsterufer vorübergehend verlassen wurde und rechts und links vom Pfad eine Wiese mit einem Kinderspielplatz auftauchte. Nach zwei Kilometern zeigte ein Schild die Abzweigung an, welche die 4km-Läufer, welche nach uns starten sollten, später zu nehmen hatten. Für mich führte der Weg nun wieder an der Alster entlang. Streckenposten gab es kaum, stattdessen kamen uns immer wieder Passanten und auch Fahrradfahrer entgegen. Die Uferseite wurde über Brücken mehrfach gewechselt. Ich hatte meine normale Brille aufgezogen. Die Sonne schien zwar, aber die Bäume um uns herum ließen kaum Licht zu uns durchdringen.
Nach fünf Kilometern war die Abzweigung für die 10km-Läufer erreicht, welche ebenfalls nach uns starten sollten. Ich machte mich schon jetzt darauf gefasst, nach dem Rennen eine gut gefüllte Umkleidehalle vorzufinden, da es vor allem wegen der drei anderen Wettbewerbe reichlich Läufer gab, die zeitlich vor mir das Ziel erreichen würden, auch wenn sie nicht unbedingt schneller gelaufen waren als ich.
Bei Kilometer sieben war die erste Versorgungsstelle erreicht, wo ich einen Becher Wasser bekam. An diesem Punkt trennten sich nun auch Hin- und Rückweg, denn wir mussten eine Schleife laufen, die uns bei Kilometer 14 wieder auf den Pfad führen sollte, den wir auf dem Hinweg auch schon gelaufen waren. Die gleiche Versorgungsstelle sollte dann erneut passiert werden. Offenbar war diese Stelle der einzige Verpflegungspunkt auf der gesamten Strecke. Kurz, nachdem ich hier mein Glas Wasser geleert hatte, fing das große Überholen an, denn ich hatte das Schlussfeld der Cup-Halbmarathonläufer erreicht. Entgegengekommen waren mir auf den ersten sieben Kilometern nur sehr wenige Läufer und von nun an war auch kein Gegenverkehr mehr zu erwarten. Dafür wurde der Kurs aber immer anspruchsvoller. An seinem nördlichsten Punkt mussten mehrere "Gebirgstreppen" erst hoch und dann auch heruntergelaufen werden. Am Wendepunkt der Strecke befand sich eine Straße, wo ich nun das ungewohnte Geräusch von fahrenden Autos zu hören bekam. Von hier aus ging es wieder zurück nach Süden. Bevor der eigentliche Pfad wieder erreicht wurde, musste noch ein steiler Abhang sowie ein schwerer Anstieg, welchen ich auf Zehenspitzen absolvierte, gemeistert werden. Auch hier überholte ich einen Läufer nach dem anderen. Im Vergleich zum Beginn des Rennens hatte ich mich zeitlich so verbessert, dass ich eine Zeit von unter 100 Minuten erreichen konnte. An der Stelle des Versorgungspostens wurde der Pfad für Hin- und Rückweg wieder erreicht. Ich nahm mir wieder an Glas Wasser und rannte weiter. Auf dem Rückweg waren sogar die Restkilometer ausgeschildert. Etwa drei Kilometer vor dem Ziel wurde zu meiner Überraschung ein Umweg gemacht: Der eigentliche Pfad wurde verlassen und stattdessen führte die Strecke etwas weiter östlich durch das Tor eines Gebäudes hindurch, wo ein weiterer Verpflegungspunkt war. Dieser Streckenänderung war auf der Internetseite des Veranstalters nicht angegeben gewesen. Ich ließ mir ein Glas Wasser geben und nahm nun die letzten Kilometer in Angriff. Das Ziel befand sich nicht auf dem Sportplatz, sondern auf dem Gelände, wo auch die Startunterlagen abgeholt worden waren. Als ich die Ziellinie überquerte, scannte ein Ordner meine Startnummer ab. Als ich mir eine Medaille geben lassen wollte, musste ich zu meiner Enttäuschung erfahren, dass diese nur für die Cup-Läufer vorgesehen war. Für die restlichen Halbmarathonis gab es als Erinnerung lediglich eine Tasse, auf welcher das Gebäude aufgemalt war, durch dessen Tor ich einige Minuten zuvor gelaufen war. Bei einem Stand des Sponsors "hella" ließ ich mir sagen, dass ich kostenlos eine 0.75-Liter-Flasche eines sogenannten grünen Tees bekommen könnte, welche ich dankend annahm. Nachdem ich meine Tasche abgeholt hatte und die Umkleidekabine erreichte, konnte ich erleichtert feststellen, dass hier auf einer Bank noch ein freier Platz für mich war. Beim Duschen musste ich nur kurz anstehen. Nachdem ich das Gebäude wieder verlassen hatte, sah ich, wie sich einige Leute am hella-Stand ganzer Six-Packs von Getränken bedienten. Da griff ich einfach auch zu und nahm mir 6 mal 0,75l einer Art von Pfirsich-Eistee. Dann lief ich mit dem schweren Gepäck in der Hand zur U-Bahn-Haltestelle Klein-Borstel, wo gerade die U1 zum Hauptbahnhof einfuhr. Am Hauptbahnhof musste ich nicht lange auf den Metronom nach Bremen warten, wo ich schließlich um 14:30 Uhr ankam.


