Mittwoch, 3. November 2010

Halbmarathon Braunschweig 2010-10-31


Der dreizehnte Halbmarathon meines Lebens.
Am 31. Oktober 2010 fanden in Braunschweig die 10. Braunschweiger Lauftage statt, wo auch ein Marathon und eine Halbmarathon dabei waren. Ich hatte mich für letzten angemeldet. Die Startgebühren waren dabei interessant verteilt: Sie schwankten zwischen zehn und 30 Euro, je nachdem, wie frühzeitig man sich anmeldete.
Ich hatte mir überlegt, wie ich von Sülfeld aus nach Braunschweig gelangen sollte. Mit dem Zug von Fallersleben aus hätte ich zweimal 4,70€ zahlen müssen und noch länger als 20 Minuten zum Bahnhof in Fallersleben laufen müssen. Daher hatte ich mich entschieden, direkt mit dem Fahrrad die 25km nach Braunschweig zu fahren. Das war vor allem deshalb möglich, weil der Halbmarathon erst um 11:00 Uhr starten sollte, wohlgemerkt nach der Winterzeit, auf die in der Nacht zuvor die Uhren umgestellt worden waren. Nach Sommerzeit wäre der Startpfiff also erst um 12:00 Uhr mittags gewesen.
An diesem Sonntag fühlte ich mich gesundheitlich ein wenig angeschlagen, da ich leichte Kopfschmerzen hatte. Es war von Anfang an klar, dass ich leider keine neue persönliche Bestzeit laufen könne und daher eher das Erreichen des Ziels und den Empfang der Medaille in den Vordergrund stellte.
Um 8:00 Uhr fuhr ich mit dem Fahrrad los. Ich hatte mir die Strecke vorher bei googlemaps angeschaut und die Orte notiert, welche ich nacheinander zu durchqueren hatte. Ich hatte mir vorgenommen, von dieser Route nicht abzuweichen, um so zu verhindern, mich zu verfahren und eventuell noch zu spät zur Veranstaltung zu erscheinen.
Ich musste zunächst auf der Landstraße von Sülfeld nach Wettmershagen fahren. Einen separaten Fahrradweg gab es hier nicht. Glücklicherweise waren Sonntag morgens hier nur wenige Autos unterwegs. Die Temperaturen waren nicht allzu niedrig, trotzdem trug ich Handschuhe und musste regelmäßig meine Nase mit Hilfe von Taschentüchern leeren.
Als nächstes Dorf musste ich Essenrode durchqueren. Dahinter folgte ein kleinerer Abschnitt durch einen Wald. In Wendhausen musste ich in eine Seitenstraße einbiegen, um nach Dibbesdorf zu gelangen. Von da aus führte eine größere Straße mit eigenem Fahrradweg in den Stadtteil Volkmarode. Dieser Stadtteil gehörte bereits zu Braunschweig. Auf dem Weg ins Zentrum musste ich nun einigen Glasscherben ausweichen, was mich nun daran erinnerte, dass ich mich wieder in einer Großstadt befand. Ich erreichte das Braunschweiger Straßenbahnnetz, allerdings an einer Strecke, die zu diesem Zeitpunkt offenbar (noch) nicht in Betrieb war.
Im Zentrum verfuhr ich mich einmal, ehe ich den richtigen Weg zum Veranstaltungsort fand.
Mein Fahrrad stellte ich in der Innenstadt ab und sicherte es mit meinen vier Schlössern. Danach ließ ich mir von einem Streckenposten den Weg zum Veranstaltungsort zeigen. Ich musste zum Marktplatz. Dort angekommen sah ich gerade, wie die Marathonläufer starteten. Es war wenige Minuten nach zehn Uhr. Ich holte mir an einem Zelt meine Startunterlagen ab. Diese enthielten neben der Startnummer auch ein rotes Trikot der Sparkasse, welches ich während dem Lauf tragen sollte.
Die Umkleidekabinen befanden sich ein paar Straßen weiter in der Sporthalle eines Gymnasiums. Nachdem ich mich dort umgezogen und mein Brot gegessen hatte, gab ich mein umfangreiches Gepäck (dicker Mantel, Baumwolltasche mit Kleidung und Laptop-Tasche mit einigen Kleinigkeiten) in der Turnhalle neben der Kabine ab.
Nun ging ich zur Startgeraden. Es war zehn Minuten vor elf Uhr. Etwa 300 Halbmarathonis standen bereit und wollten starten. Doch der Start verzögerte sich. Ich stand im kurzärmligen Trikot und fror an den Armen. Erst kurz vor halb elf Uhr, also fast eine halbe Stunde zu spät, ertönte doch noch der Startschuss.
Es ging zunächst durch die Innenstadt und den Museumpark. Die Strecke war nur sporadisch abgesperrt, der eigentliche Verkehr von Autos und Fußgängern lief parallel zu dem Sportevent. Die herbstliche Atmosphäre war überall sichtbar: Der Boden war an fast allen Stellen mit Blättern bedeckt und zu manchem Zeitpunkten, als der Wind etwas stärker wurde, wehten einem diese Blätter direkt ins Gesicht. Nach dem Durchlaufen des Stadt- sowie des Prinz-Albrecht-Parks wurden drei Bahnlinien unter- oder auch überquert. Die Marathonläufer, welche insgesamt zwei Runden zu absolvieren hatte und über eine Stunde vorher gestartet waren, kamen nun schon von hinten an um zu überholen.
Die Verpflegungspunkte waren gleichmäßig im Abstand von jeweils fünf Kilometern verteilt. Die Autobahn 39 wurde zweimal überquert, an einer Stelle konnte man von der Brücke aus sehen, dass die eine Fahrbahnrichtung an dieser Stelle überdacht war.
Nachdem diese Autobahn nun noch einmal unterquert wurde, folgte der schönste Teil der Strecke: Es wurde eine komplette Runde um den Südsee gelaufen. Hier fing ich an, einige Läufer zu überholen, obwohl ich meine Geschwindigkeit nicht vergrößert hatte. Sowieso musste ich auf meine Gesundheit Rücksicht nehmen, weshalb eine Zeit unter zwei Stunden heute einfach nicht drin war.
Wenige Kilometer vor dem Ziel kreuzte sich der Kurs. Hier stand ein Ordner und sorgte dafür, dass keine Läufer zusammenstießen. Nachdem nun noch der Bürgerpark durchquert worden war, ging es zurück zur Innenstadt und zur Zielgeraden. Hier jubelten mir die Zuschauer zu. Ich rannte durchs Ziel und ließ mir die Medaille umhängen. Sie war fast genauso schlecht wie die Medaille von Oldenburg eine Woche zuvor: Auf der Vorderseite war ein Teil der Braunschweiger Innenstadt eingraviert und darunter stand: „10. Braunschweiger Lauftage 2010“. Auf der Rückseite waren noch die einzelnen Disziplinen (Marathon, Halbmarathon, 10km, 3km) aufgelistet. Es war also weder ein genaues Datum noch die jeweilige gelaufene Distanz angegeben.
Im Zielbereich freute ich mich, dass es überraschenderweise kein alkoholfreies Weizen, sondern alkoholfreies Pils gab. Ich leerte zwei Becher davon und ging dann zur Umkleidekabine. Muskelkater hatte ich kaum, da ich mich ja beim Laufen nicht unbedingt angestrengt hatte. Als ich meine Taschen und meine Jacke abholte, wurde mir gesagt, dass die Duschen außer Betrieb seien. Zuerst ärgerte ich mich darüber, doch kurz darauf stellte ich fest, dass ich sowieso mein Badetuch zu Hause vergessen hatte und daher gar nicht hätte duschen können. Und besonders stark schwitzte ich auch nicht, da ich mich beim Laufen ja nicht besonders angestrengt hatte.
Ich hängte mir meine Jacke um und lief durch die Innenstadt zu meinem Fahrrad. Ich fuhr die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg wieder zurück nach Sülfeld. Dafür benötigte ich eineinhalb Stunden. Zu Hause stieg ich dann unter die Dusche. Am Montag sah ich auf der Internetseite des Veranstalters, dass dieser die nichtfunktionierenden Duschen sehr bedauerte.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Halbmarathon Oldenburg 2010-10-24


Der zwölfte Halbmarathon meines Lebens.
Der 25. Oldenburger City-Lauf: Vor einem Jahr war in Oldenburg der erste Halbmarathon der Geschichte der Stadt veranstaltet worden. Damals wurde auch angekündigt, dass es im folgenden Jahr einen Marathon geben würde. Dieser war nun ein Teil des diesjährigen City-Laufs. Daneben gab es einen Halbmarathon, einen 10km-Lauf, einen 5km-Lauf und einen Kinderlauf.
Durch meine frühzeitige Anmeldung hatte ich nur 18€ an Startgebühren bezahlt. Ich hatte in der Nacht auf Sonntag in meiner Wohnung in Bremen übernachtet. Ich war schon gegen 20:00 Uhr ins Bett gegangen und wachte mitten in der Nacht auf, da draußen ein fürchterlicher Wind wehte und mein Fenster gekippt war. Ich machte es daraufhin zu und stellte mir schon vor, wie es wohl sein würde, bei so einer Windstärke laufen zu müssen.
Am nächsten Morgen frühstückte ich und packte dann meine Reisetasche, da ich nach dem Lauf direkt von Oldenburg nach Wolfsburg fahren wollte. Ich hatte am Vortag beim Geldabheben eine 5 zu viel in den Automaten eingegeben und daher nicht 45€, sondern 455€ abgehoben. Dieses Geld musste ich nun mitnehmen nach Wolfsburg, um dort pünktlich meine Miete zahlen zu können. Ich wollte bei der Kleiderabgabe jedoch die acht 50-Euro-Scheine nicht mit abgeben, sondern sie stattdessen während des Rennens bei mir tragen und steckte sie daher in die Taschentücherpackung, die ich beim Laufen in der Tasche meiner Sporthose transportierte.
Um 7:40 Uhr fuhr ich in Gröpelingen mit der Straßenbahn los, um 8:00 Uhr kam ich am Hauptbahnhof an. Dort stieg ich in die Regionalbahn nach Oldenburg, welche um 8:15 losfuhr. Auf den Zwischenstationen sah ich einige weitere Läufer einsteigen. Diesen ging ich einfach hinterher, als der Zug um kurz vor neun Uhr in Oldenburg ankam.
Das Wetter war extrem ungünstig: Es regnete zwar nicht besonders stark, aber es wehte ein starker Wind. Da es bereits die ganze Nacht geregnet hatte, war der Boden voller Pfützen.
Nach einer Viertelstunde kamen wir am Veranstaltungszentrum an. An der Startgeraden standen LKWs bereit, bei denen man seine Taschen abgeben konnte. Zunächst musste ich aber meine Startunterlagen abholen. Ich musste in ein Gebäude eintreten, welches für die Veranstaltung zu klein war. Auch die Anzahl der Helfer, welche die Startunterlagen herausgaben, war zu gering. Es herrschte ein großes Gedränge und ich musste eine Viertelstunde anstehen, ehe ich meine Unterlagen bekam. Zum Glück hatte ich meine Sporthose schon vorher angezogen, sonst hätte ich jetzt noch die Umkleidekabinen suchen müssen. Ich trug mein Trikot vom Bissendorf-Halbmarathon. Da dieses aus sehr leichtem Stoff bestand und ich damit im Training schon problemlos längere Strecken gelaufen war, verzichtet ich auf Pflaster, mit denen ich meine Brustwarzen hätte bedecken können, denn ich dachte, dass dies hier nicht nötig sei. Leider hatte ich mich da geirrt, wie sich später herausstellte.
Nachdem ich die Startnummer mit Sicherheitsnadeln auf dem Trikot befestigt hatte, ging ich zum LKW und gab dort meine Tasche ab. Bis zum Start waren es jetzt noch etwa 15 Minuten. Ich lief die Startgerade entlang, um nicht frieren zu müssen, denn das Wetter war richtig unangenehm. Kurz vor zehn Uhr ging ich zum Start.
Die Startgerade war zweigeteilt: Auf der rechten Seite standen die Marathon- und Halbmarathonläufer, auf der linken Seite die 10km-Läufer. Die Strecke für Marathon- und Halbmarathonläufer war dieselbe, wobei Marathonläufer den Kurs zweimal zu durchlaufen hatten. Auf den ersten Kilometern war es entscheidend, nicht in eine Pfütze zu treten, da ich sonst den ganzen Rest der Strecke mit nassen Füßen hätte laufen müssen, was wohl unerträglich gewesen wäre. Ich hatte mir daher vorgenommen, sehr gut darauf zu achten, wo ich hintreten würde.
Das Rennen startete erst um 10:05 Uhr, also fünf Minuten später als geplant. Den Grund dafür konnte ich nicht erfahren. Ich hörte vom Kommentator noch, dass sich für den Halbmarathon diesmal mehr als 1000 Teilnehmer angemeldet hatten.
Ich hatte es für möglich gehalten, heute meine persönliche Bestzeit aus dem Bremen-Halbmarathon zu unterbieten. Dazu war es nötig, jeden Kilometer in 4:45 Minuten zu absolvieren und am Ende nochmal richtig Gas zu geben. Daher trug ich meine Armbanduhr, die einzige Last neben der Taschentuchpackung mit den Taschentüchern und den 400 Euro.
Dann kam endlich der Startschuss. Der erste Teil der Strecke wurde von allen Läufern zusammen absolviert, wobei die 10km-Läufer immer auf der linken Straßenseite liefen, die Teilnehmer der beiden anderen Disziplinen auf der rechten Seite. Am Anfang des Rennens, wo das Feld noch eng beieinander war, musste ich doppelt aufpassen, um einerseits keinem Läufer in die Quere zu kommen und andererseits in keine Pfütze zu laufen. Letzteres führte dazu, dass ich ab und zu große Sprünge machen musste.
Nach eineinhalb Kilometern wurde die Bahnlinie westlich vom Hauptbahnhof unterquert, und gleich dahinter bog der Kurs der 10km-Läufer nach links ab. Die anderen Läufer mussten eine Rechtskurve machen um eine der vielen Schleifen der Strecke zu absolvieren, d.h. dass der Abzweigpunkt nach einem längeren oder kürzeren Streckenabschnitt wieder erreicht wurde und man beim Abbiegen einen Blick auf der Läuferfeld hatte, welches sich bereits einige Meter oder auch Kilometer vor einem selber befand. Von diesen Schleifen sollte es auf dem gesamten Kurs vier Stück geben.
Nach drei Kilometern war der erste Versorgungspunk erreicht, wo ich mir einen Becher Wasser nahm, diesen austrank und weiterlief. Auf meiner Uhr sah ich, dass ich mein Zwischenziel von 4:45 Minuten pro Kilometer bis jetzt erreicht hatte.
Da der Regen stärker wurde, nahm ich meine Brille ab und steckte sie in die Tasche. Dadurch übersah ich die zweite Verpflegungsstation, was allerdings nicht allzu tragisch war, da die Temperatuten nicht so hoch waren, dass ich jeden Schluck Wasser, der mir geboten wurde, auch annehmen musste.
Nach dem neunten Kilometer setzte ich meine Brille wieder auf, da der Regen ein bisschen nachgelassen hatte. Nun wurde die A28 dreimal unterquert. Die Zuschauer in dieser Gegend hatten sich bei den Unterführungen eingefunden, da sie hier nicht dem Regen ausgesetzt waren. Nach der dritten Unterführung führte der Kurs südlich der A28 entlang, danach ging es wieder unter den Bahngleisen durch zur Oldenburger Universität.
Langsam merkte ich, dass es ein Fehler gewesen war, auf die Pflaster für die Brustwarzen zu verzichten: Da mein Trikot vom Regen komplett durchnässt war, war es wesentlich schwerer als in trockenem Zustand und übte so mehr Druck auf die Brustwarzen aus, welche nun anfingen zu schmerzen.
Zum Rest der Strecke kann ich nicht mehr viel sagen, da ich nur noch nach jedem Kilometer auf meine Uhr schaute. Ob ich meinen persönlich Rekord brechen würde, das sollte eine knappe Entscheidung werden. Zwei Kilometer vor dem Ziel wurde die A28 ein viertes Mal unterquert. Hier zog ich mein Trikot für einige hundert Meter aus und lief mit nacktem Oberkörper weiter, um meine Brustwarzen zu schonen. Nachdem ich an der letzten Versorgungsstelle einen Becher Wasser getrunken hatte, versuchte ich noch einmal alles zu geben und so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen. Aber meine Beine waren langsam schwer und ich hatte kaum noch Kondition. Im Vergleich zu meinen bisherigen Halbmarathons fiel mir auf, dass ich am Ende nicht mehr (wie sonst üblich) viele Teilnehmer überholte. Die lag wohl daran, dass ich Kandidaten von dieser Sorte diesmal schon auf den ersten Streckenabschnitten hinter mir gelassen hatte und meine Geschwindigkeit nun kaum noch erhöhen konnte. Auffällig war auch, dass ich keine weiblichen Teilnehmer sehen konnte. Hatte ich diese etwa alle hinter mir gelassen?
Das Ziel war hinterhältig versteckt: Es gab sowohl eine Strecke geradeaus als auch eine, die links abbog. Ein Streckenposten hielt mich zunächst für einen Marathonläufer und wies mich auf die rechte Spur, die geradeaus führte, als er dann jedoch die braune Farbe meiner Startnummer sah, korrigierte er sich und wies mich nach links ein. Durch dieses Hin- und Herlaufen bei relativ hoher Geschwindigkeit verlor ich vielleicht ein bis zwei Sekunden an Zeit. Als ich über Lautsprecher den Satz „nach der Linkskurve sind es noch 50 Meter geradeaus“ hörte, war mir klar, dass ich meine Bestzeit wohl nicht unterboten hatte. Trotzdem beeilte ich mich mit dem Erreichen des Ziels. Dort muss ich wohl so einen üblen Eindruck hinterlassen haben, dass mich eine Frau vom Deutschen Roten Kreuz fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei. Ich bejahte, lies mir eine Medaille geben und lehnte mich an die Absperrung.
Nun betrachtete ich meine Medaille. Ich muss sagen, dass ich ziemlich enttäuscht war: Die Aufschrift war zwar eingraviert, aber diese eingravierten Daten waren außerordentlich mangelhaft. Auf der Rückseite stand der Name eines Sponsors, und auf der Vorderseite war in der Mitte das Wappen von Oldenburg und um dieses Wappen herum stand geschrieben: „25. Oldenburger City-Lauf, 2010“. Offenbar hatten alle Teilnehmer die gleiche Medaille bekommen, egal welcher Disziplin sie angehörten. Und noch nicht einmal das genaue Datum war angegeben!
Nachdem ich ein alkoholfreies Weizen getrunken hatte, ging ich zu den LKWs und holte meine Sporttasche. Hinter dem Gebäude, in dem die Startunterlagen ausgegeben worden waren, befand sich ein Schulzentrum, in dessen Sporthalle die Umkleidekabinen mit den zugehörigen Duschräumen benutzt werden konnten. Eine einzige Umkleidekabine für alle männlichen Teilnehmer! Das war eindeutig zu wenig. Ich war unendlich froh, dass ich noch relativ früh im Ziel angekommen war. So fand ich noch einen Platz in der Kabine. Beim Duschen musste ich anstehen. Als ich endlich an der Reihe war, merkte ich, wie aus den Duschbrausen das Wasser nicht gerade in Strömen floss. Und das wenige Wasser brachte meine Brustwarzen richtig zum Brennen, als es diese berührte.
Ich beeilte mich und ging wieder in die Umkleidekabine zurück, um mich umzuziehen. Ich hatte mich logistisch schlecht auf dieses Rennen vorbereitet: Ich hatte keine Ersatzunterhose dabei, die ich nach dem Laufen hätte anziehen können. Es bliebt mir nichts anderes übrig, als die verschwitzte Unterhose zu nehmen, die ich schon während des Halbmarathons getragen hatte. Ich verließ den Raum so schnell wie möglich. Meine 400 Euro hatte ich zum Glück nicht verloren.
Ich ging nun zum Bahnhof. Mir fiel auf, dass ich kaum Muskelkater in den Beinen hatte, zumindest weniger Muskelkater als nach dem Bremen-Halbmarathon. Der Grund für meine „schlechte“ Nettozeit beim heutigen Event lag wohl einzig und allein an der mangelnden Kondition.
Am Bahnhof angekommen, hatte ich noch etwa eine Stunde Zeit, bevor der Intercity, den ich zwei Monate zuvor gebucht hatte, nach Hannover starten würde. Daher holte ich mir bei McDoof noch etwas zu essen.
Der Zug nach Hannover kam zwar pünktlich an, konnte aber wegen umgestürzter Bäume erst eine halbe Stunde später weiterfahren. Den Anschlusszug nach Wolfsburg verpasste ich, weshalb erst gegen 18 Uhr in meiner Wohnung ankam.

Dienstag, 21. September 2010

Halbmarathon Bremen 2010-09-19



Der elfte Halbmarathon meines Lebens.
Der swb-Marathon. Im Vergleich zum Vorjahr war die Veranstaltung diesmal um zwei Kalenderwochen vorverlegt worden, um eine Kollision mit dem Tag der Deutschen Einheit, welcher 2010 auf einen Sonntag fallen sollte, zu verhindern. Die einzelnen Wettkämpfe und die Sponsoren waren allerdings noch die gleichen: Es gab einen swb-Marathon, einen AOK-Halbmarathon und einen Deutsche-Bank-10-Kilometer-Lauf. Um den Wettbewerb attraktiver zu machen, wurde der Austragungsort allerdings verlegt: Erstmals waren der Start- und Zielbereich nicht auf dem Messegelände beim Bürgerpark, sondern in der Innenstadt, in der Fußgängerzone vor dem St. Petri-Dom. So konnte die Fußgängerzone mit den Schienen der Straßenbahnlinien 2 und 3 als Start- und Zielgeraden benutzt werden. Etwas Vergleichbares hatte es im Vorjahr nicht gegeben.
Meine Startunterlagen holte ich mir bereits am Freitagnachmittag im Ansgari-Kirchhof ab. Sie enthielten neben der Startnummer und dem Transponder-Chip zur Zeitmessung keine wesentlichen Produkte.
Die Startzeiten waren ähnlich wie im letzten Jahr: Der 10-km-Lauf startete um 8:50 Uhr, der Marathon um 9:00 Uhr und der Halbmarathon um 10:50 Uhr. Die Strecken von Marathon und Halbmarathon waren so gelegt, dass die Halbmarathonläufer nach wenigen Kilometern mit den Marathonläufern zusammentrafen und die die gleiche Strecke liefen.
Da ich mich für die 21,0975km angemeldet hatte, konnte ich an diesem Sonntag also relativ lange ausschlafen. Ich hatte mich dazu entschieden, zur Veranstaltung keine Gepäckstücke mitzunehmen, die ich dann vor dem Start zur Aufbewahrung abgeben musste. Nach dem Frühstück zog ich also meine Laufbekleidung an und nahm nur mein Semesterticket mit dem Personalausweis, meine Armbanduhr, eine Packung Taschentücher, meine normale Fernbrille und die Sonnenbrille sowie den Hausschlüssel mit. Alle diese Sachen fanden in den Taschen meiner Trainingshose Platz. Obenherum trug ich das Trikot vom Osnabrücker-Land-Marathon. Ich stieg in die Straßenbahnlinie 3, welche kurz vor 10:00 Uhr in Gröpelingen startete. Meinen Berechnungen zu Folge musste diese die "kritische Stelle" in Utbremen, wo ein Streckenabschnitt des Marathons die Schienen kreuzte, passieren, bevor dort der erste Läufer ankam. Und ich lag mit dieser Vermutung richtig. In 15 Minuten war ich in der Innenstadt und stieg an der Haltestelle "Faulenstraße" aus.
Ich ging die Obernstraße entlang zum Domshof. Hier befand sich der Startbereich: Auf dem Marktplatz vor der Bürgerschaft befanden sich einige Imbissstände sowie etliche Zuschauer. Neben dem St-Petri-Dom, auf der anderen Seite der Startgeraden, waren die Zelte aufgebaut, in denen die Kleiderbeutel aufbewahrt wurden.
Als ich etwa eine Viertelstunde vor dem Halbmarathonstart über den Marktplatz schlenderte, sah ich einen älteren Herrn in Trainingsjacke und mit einer Werder-Kappe auf dem Kopf. Ich erkannte in ihm sofort den ehemaligen Manager von Werder Bremen und früheren Innensenator der Stadt Bremen, Willi Lemke. Der jetzige UN-Sonderbeauftragte für Sport und Entwicklungshilfe war schon letztes Jahr beim Halbmarathon mitgelaufen und dabei 15 Minuten schneller gewesen als ich. Ich hatte mir vorgenommen, diesmal vor ihm im Ziel anzukommen. Auf Grund meines Knieproblems war es jedoch fraglich, ob mir dies gelingen würde. Vor zwei Wochen, beim Lesmona-Halbmarathon, konnte ich nur die ersten 13 Kilometer schmerzfrei laufen, danach machte mein Knie wieder Probleme. Seitdem hatte ich nicht mehr richtig trainiert.
Willi Lemke war ohne jegliche Begleitung unterwegs. Er hatte keine Personenschützer oder ähnliche Leute bei sich. Er machte sich mit einigen Dehnübungen warm. Ich nahm mir vor, ihn nicht aus den Augen zu lassen und den gesamten Lauf dicht hinter ihm zu bleiben. Er ging erst eine Minute vor dem Startschuss zur Startgeraden, ich folgte ihm. Der Kommentator nannte durch das Mikrofon sogar seinen Namen, als er die Teilnahme von Lemke erwähnte. Ferner nannte er die Zahl von 2450 Halbmarathonteilnehmern. Aus dem Internet erfuhr ich jedoch später, dass die Zahl der Finisher unter 2000 lag.
Um 10:50 kam der Startschuss. Offenbar stand ich im Feld soweit vorne, dass ich schon nach wenigen Sekunden die Startlinie überquert hatte. Es ging die Obernstraße entlang, in westlicher Richtung zum Brill. Ich lief zwischen den Straßenbahnschienen, einige Meter hinter Willi Lemke. Am Brill folgte eine Rechtskurve in die Bürgermeister-Smidt-Straße in Richtung Hauptbahnhof. Hier war die Innenstadt für den Autoverkehr komplett gesperrt, jedoch war es für Autofahrer möglich, die Brücken zu benutzen, welche eine Ebene höher über den Innenstadtbereich hinweg führten. Unter einer dieser Brücken, der Hochstraße, führte der Breitenweg entlang, in den wir kurz vor Erreichen des Hauptbahnhofs einbiegen mussten. Wir liefen hier in Osten und hatten die Sonne nun im Gesicht. Ich setzte daher meine Sonnenbrille auf, die ich für die nächsten 15 Kilometer anbehielt.
Nun ging es nördlich zum Bahnhofsplatz. Auf der linken Seite konnten wir sehen, wie am Hauptbahnhof die Straßenbahnen alle warten musste, bis der letzte Läufer vorüber war. Nachdem die Unterführung durch die Schienen erreicht war, führte der Kurs in den Bürgerpark hinein. Bis hierhin war ich hinter Herrn Lemke geblieben. Inzwischen war mir der alte Herr ein bisschen zu langsam geworden und ich beschloss kurzerhand, ihn zu überholen.
Der Weg führte danach östlich des Bürgerparks die Parkstraße entlang. Dabei war zunächst nur die linke Spur für die Sportler frei, auf der rechten konnte noch Autoverkehr stattfinden. Auf halber Höhe des Bürgerparks wechselten wir jedoch auf die rechte Spur, da die linke für die Läufer vorgesehen war, die sich bereits auf dem „Rückweg“ befanden. Am nördlichen Zipfel des Bürgerparks musste eine 180°-Kurve gemacht werden, sodass die Halbmarathonläufer auf eben diese linke Spur gelangten und sozusagen zurückliefen. Desweiteren kamen von Norden her die 110 Minuten früher gestarteten Marathonläufer. Die Strecken wurden also hier zusammengelegt. Als ich auf der linken Spur lief, konnte ich nun sehen, welche Teilnehmer ich schon hinter mir gelassen hatte. Ich sah, dass mein Vorsprung auf Willi Lemke schon 30 bis 40 Sekunden betrug.
Die Strecke führte danach einmal quer durch den Bürgerpark und danach die Findorffalle entlang nach Süden und den Weidedamm entlang wieder nach Norden zurück. Danach ging es vom Bürgerpark weg in den Utbremer Ring und an der großen Kreuzung nach rechts in die Hemmstraße. Hier war es auf Grund der vielen Zuschauer extrem laut. Ich überholte zwei Handbiker, die offenbar den gesamten Marathon „fuhren“. Nachdem die Unterführung unter der Bahnlinie nach Walle durchquert war, befand ich mich in Ubtremen. Hier sah ich, wie die Straßenbahnlinien 2 und 10 Schlange standen, da die Läufer „Vorfahrt“ hatten.
Der nächste Punkt war die neugebaute Überseestadt. Auch hier ging es wieder durch dieses eine Gebäude hindurch, wobei beim Ausgang neben den Zuschauern noch ein Sprecher mit Mikrofon vorhanden war, der jeden Marathonläufer beim Namen nannte.
Nun ging es zurück in Richtung Innenstadt. Bei der Straßenbahnhaltestelle „Eduard-Schopf-Allee“ liefen wir ans Weserufer und dann die Schlachte entlang. Auch hier waren extrem viele Zuschauer. Unter ihnen sah ich auch die Physikerin, welche letztes Jahr noch selber aktiv mitgelaufen war.
Da nun schon etwa 13 Kilometer absolviert waren, schaute ich auf meine Uhr und musste dabei feststellen, dass ich pro Kilometer weniger als fünf Minuten benötigt hatte. Mein Knie machte (noch) keine Probleme. Das Wetter war fast ideal: Der Wind wehte zwar etwas stärker, aber es war weder zu heiß, noch regnete es. Auch meine Sonnenbrille setze ich wieder ab. Ich kam auf den Gedanken, dass es heute vielleicht möglich wäre, meine bisherige Halbmarathon-Bestzeit vom Mai in Wilhelmshaven zu erreichen oder zu verbessern.
Der Kurs führte nun an der Schlachte, also unterhalb des Stadtverkehrs entlang in Richtung Weserstadion. Ich hatte vor dem Start gehört, dass dort ein 100 Meter langer Werder-Schal ausgebreitet wäre. Allerdings bekam ich diesen nicht zu sehen bzw. er war wohl zu groß, als dass ich ihn bemerkt hätte.
Leider gehörte der Innenbereich des Stadions, also das Spielfeld, nicht mit zur Strecke. Wir konnten lediglich am Weserstadion vorbeilaufen. Das Stadion markierte auch den Wendepunkt, von hier an ging es wieder in die Stadt zurück. Es waren noch etwa vier Kilometer und mein Knie schmerzte noch immer nicht. Trotz Gegenwind strengte ich mich jetzt umso mehr an. Ich sah an der Uhrzeit, dass ich meine Bestzeit heute toppen konnte.
Der Osterdeich war leider nur zur Hälfte gesperrt, auf der anderen Seite durften Autos fahren, es waren aber zum Glück nicht besonders viele. Auf Höhe des Domshof führte der Weg durch die Unterführung, sodass die Straßenbahn über uns problemlos verkehren konnten. Nun ging es in die Martinistraße hinein. Ich war schon kurz vor dem Ziel. Die Frage war nun, wieweit ich in diese Straße laufen musste. Bis zum Brill und dann in die Fußgängerzone einbiegen? Dann könnte ich meinen Rekord nicht knacken. Aber nein! Ich sah die Leute vor mir in eine Seitenstraße einbiegen, welche in die Obernstraße führte.
Ich bog auch ein und machte dabei eine 180°-Kurve. Nun war ich wieder in der Fußgängerzone und lief in Richtung Domshof zwischen den Straßenbahnschienen der Zielgeraden entgegen. Ich hatte meine Uhr beim Start nicht eingestellt, daher konnte ich meine Nettozeit nicht genau abschätze. Ich sah nur, dass es knapp werden würde und lief daher, so schnell ich konnte. Sowieso hatte ich auf den letzten zehn Kilometern nur noch andere Läufer überholt, selber überholt wurde ich aber nicht, soweit ich mich erinnern kann.
Ich kam dem Ziel immer näher: Ich sah die digitale Zeitanzeige an der Ziellinie: 1:39:57, 1:39:58, 1:39:59, 1:40:00, 1:40:01, 1:40:02. Bei 1:40:03 überquerte ich die Ziellinie. Ich wurde langsamer und hielt schließlich an. Für einen Moment wurde mir fast schwarz vor Augen. Der Kommentator erwähnte kurz meinen Namen. Ein junges Mädchen hängte mir die Medaille um: Sie hing an einem grünen Band. Im Gegensatz zum Vorjahr war sie dieses Mal nicht komplett „ausgefüllt“, sondern bestand aus einem „Ring“, in dem ein Fuß eingebracht war. Es stand eingraviert: „6. swb-Marathon Bremen, 19.9.2010, 21,097km“. Die Medaillen für die Marathonläufer hatten dagegen ein rotes Band.
Ich ging zu den Verpflegungsständen und nahm mir ein paar Gläser Mineralwasser und paar Stücke Obst. Danach genehmigte ich mir ein alkoholfreies Erdinger. Auf Grund meiner erreichten Brutto-Zielzeit war ich mir sicher, dass ich meinen persönlichen Rekord betreffend der Nettozeit verbessert hatte. Eine spätere Kontrolle im Internet gab mir dabei Recht.
Nach einigen Minuten hörte ich den Kommentator, wie er sagte, dass nun auch Willi Lemke das Ziel erreicht habe. Ich schaute zur Zielgeraden, die natürlich überall von Zuschauern zugestellt war. Für einige Momente konnte ich den ehemaligen Werder-Funktionär sehen: Er kam total verschwitzt mit hängendem Kopf und gebücktem Gang im Ziel an. Die Kamera-Leute stellten sich um ihn.
Da ich keinen Kleiderbeutel abholen musste (Ich erfuhr später im Internet, dass es bei der Kleiderbeutelherausgabe einige Probleme gegeben hatte ), ging ich kurze Zeit später über den Marktplatz zur Straßenbahnhaltestelle „Schüsselkorb“. Hier konnten die Straßenbahnen inzwischen fahrplanmäßig verkehren, was auch daran lag, dass, wie ich erwähnt hatte, bei einer der letzten Stellen der Marathon-Strecke von den Sportlern die Unterführung benutzt wurde.
Das Laufen fiel mir, wie nach einem Halbmarathon gewohnt, schwer. Ich musste aufpassen, keinen falschen Schritt zu tun, um nicht fürchterliche Schmerzen in den Oberschenkeln zu spüren. Aber zum Glück hatte mein Knie durchgehalten und ich hatte auch jetzt noch keine Probleme damit.
Das Einsteigen in die Straßenbahn war schwer, das Aussteigen zwei Stationen später am Hauptbahnhof noch schwerer. Ich stützte mich mit meinen Händen ab. Am Bahnhof „ging“ oder besser gesagt „fuhr“ ich mit dem Fahrstuhl an Gleis 5, um den Zug in Richtung Vegesack zu nehmen. Ich wollte dabei den Fehler des letzten Jahres nicht wiederholen, schon in Walle auszusteigen und dann zu bemerken, dass die Straßenbahnen nach Gröpelingen wegen des Marathons erst in einer halben Stunde fahren würden. Um 13:11 für der Zug ab. Ich stieg diesmal erst nach zwei Stationen, also in Oslebshausen, aus. Von dort aus war ich, um nach Gröpelingen zu gelangen, auf einen Bus angewiesen, welcher nur in Bremen Nord, nicht im Zentrum, verkehrte und damit auch nicht vom Marathon betroffen war. Ich hatte Glück und erwischte gerade so noch einen Bus, der mich in fünf Minuten nach Gröpelingen fuhr. So kam ich schon um kurz nach 13:30 Uhr wieder zu Hause an.

Sonntag, 5. September 2010

Halbmarathon Bremen-Nord 2010-09-05


Der zehnte Halbmarathon meines Lebens.
Der Lesmona-Lauf fand in diesem Jahr zum 13. Mal statt. Er bestand aus den nach den Sponsoren benannten Läufen, dem s-pur-10km-Lauf und dem Starke-Bäcker-Halbmarathon. Ich war nach längerer Suche im Internet auf diese Veranstaltung aufmerksam geworden und hatte mich einige Wochen zuvor für den Halbmarathon angemeldet. Allerdings war das Info-Material, welches ich im Vorfeld auf der zugehörigen Internetseite einsehen konnte, etwas dürftig. Eine Grafik mit dem Streckenverlauf war nicht vorhanden, es war lediglich angegeben, dass die Strecke durch Knoops Park entlang der Lesum führen würde. Ich vermutete daher, dass ein Teil der 21km meiner gewohnten Trainingsstrecke entsprach.
Das Veranstaltungszentrum befand sich auf dem Campus der privaten Jacobs-Universität, welche von meiner Wohnung aus elf Kilometer entfernt lag. Ich konnte daher problemlos mit dem Fahrrad dorthin gelangen und war nicht, wie bei Halbmarathonläufen in anderen Städten gezwungen, schon Sonntag früh gegen sechs Uhr aufzustehen, um noch den Zug dorthin zu erwischen.
Auffällig war auch die Teilnahmegebühr, welche für die 21 Kilometer gerade mal neun Euro betrug. Bei der Online-Anmeldung beantragte ich daher, für weitere sechs Euro eines der Funktions-Shirts als Erinnerung mit zu bestellen. Von einer Medaille als Auszeichnung las ich leider nichts. Bei neun Euro als Startgebühr wäre das auch etwas zu viel verlangt gewesen.
Ich war eine Woche dem HM in Bissendorf wieder joggen gewesen. Mein Knie machte neun Kilometer lang keine Probleme, was mir die Hoffnung gab, dass ich den Lesmona-Lauf nun schadenfrei überstehen konnte.
Der Sommer war inzwischen vorbei; nachts wurden einstellige Temperaturen erreicht. Für den besagten Sonntag waren für tagsüber 19°C vorausgesagt. Der HM sollte um 9 Uhr vormittags starten.
Ich stellte meinen Wecker auf halb sieben und schlief daher in dieser Nacht vier Stunden, da ich unter der Woche etwas aus meinem Schlafrhythmus herausgekommen war und erst nach 2 Uhr in der Nacht einschlafen konnte.
Ich frühstückte, ohne vorher geduscht zu haben und packte dann meine Sachen. Ein Badetuch nahm ich nicht mit, da ich vor hatte, erst wieder zu Hause zu duschen. An diesem Morgen war keine einzige Wolke am Himmel. Glücklicherweise musste ich zur Jacobs-Universität in westliche Richtung fahren und hatte die Sonne somit im Rücken.
Schon auf dem Weg zum Startgelände sah die Markierungen der einzelnen Streckenabschnitte, als ich hinter dem Stadtteil Burg an der Südseite der Lesum entlangfuhr.
Die private Jacobs-Universität war heute ausnahmsweise für den freien Zugang geöffnet, was an „normalen“ Tagen nicht der Fall ist. Die Start-und Zielgerade befand sich neben einer Sporthalle. Das Rennen sollte in einer halben Stunde starten. Ich bedauerte inzwischen, nicht meine Kappe mitgenommen zu haben, denn nun, nachdem ich mein Fahrrad neben der Sporthalle befestigt hatte, musste ich zur Startunterlagenausgabe in östliche Richtung gehen und mir dabei zum Schutz der tiefstehenden Sonne die Hände vor das Gesicht halten.
Am Stand sagte ich meinen Namen und bekam daraufhin die Startnummer und das Funktionsshirt. Die Startnummer war massiver als bei anderen Läufen, da auf ihrer Rückseite der Chip zur Zeitmessung angebracht war. Die Teilnehmer waren deshalb auch verpflichtet, die Startnummer nach dem Zieleinlauf wieder zurückzugeben.
Das Trikot war rot mit weißer Aufschrift. Auf der Rückseite waren die Slogans der beiden Sponsoren und auf der Vorderseite im Brustbereich ein großes Symbol und darunter die Aufschrift „13. Starke Bäcker Halbmaraton in Lesmona, 05.09.20100“ aufgedrückt. Ich entschied mich, das Trikot während das Laufs zu tragen und befestigte meine Startnummer daran. Weiter Umziehen musste ich mich nicht mehr, da ich meine Hose bereits zu Hause angezogen hatte. Wegen der Wetterverhältnisse entschied ich mich, während des Laufens die Sonnenbrille zu tragen.
Die Gepäckstücke konnten in der Sporthalle abgelegt werden, wo allerdings keine Bewachung stattfand. Nachdem ich mein Brot gegessen und mir auf der Toilette die Zähne geputzt hatte, legte ich meinen Rucksack in der Halle ab.
Am Halbmarathon nahmen weniger als 200 Menschen teil. Nach dem Startschuss wurde zunächst das Campus-Gelände verlassen und die Strecke führte ein Stück in östlicher Richtung die Friedrich-Humbert-Straße entlang, auf welcher auch die Buslinien 74 und 75 verkehrte. Die Polizei regelte daher den Verkehr, da die Straße für Autos nicht gesperrt war.
Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, mein Knie nicht zu überlasten. Daher war es nicht meine Absicht, eine möglichste gute Zeit zu erreichen, sondern einfach nur ins Ziel zu kommen. Dementsprechend gemächlich lief ich. Nach etwa 1500 Metern bog der Kurs rechts ab und die Lesum wurde erreicht. Nun befanden wir uns auf der Strecke, die ich für mein persönliches Training immer benutzte. Es ging an der Nordseite der Lesum, zunächst durch Knoops Park nach Osten in Richtung Burg. Wir kamen an dem Brunnen vorbei, welche mit einem Schild mit der Aufschrift „Kein Trinkwasser“ versehen war. Bei meinen Trainingseinheiten nutzte ich diesen Brunnen immer als Erfrischungsquelle. Heute war dies nicht nötig, da nach vier Kilometern schon der erste Verpflegungspunkt erreicht wurde.
Die Strecken für den Halbmarathon und den Zehn-Kilometer-Lauf waren zunächst identisch, kurz vor Burg war jedoch ein schwarzes Hütchen auf der Strecke aufgestellt, welches den Wendepunkt für den kürzeren Lauf markierte. Dieser sollte übrigens eine halbe Stunde nach dem Halbmarathon starten.
In Burg führte der Kurs in die Bremer Heerstraße, welche über die Lesum zu deren südlichen Ufer führte. Hier ging es nun in westlicher Richtung am Ufer entlang, wie ich im Training auch immer gelaufen war.
Das Trikot machte inzwischen große Probleme: Ich hatte nämlich meine Brustwarzen nicht mit Pflastern abgedeckt, da dies normalerweise nur bei sehr langen Strecken nötig ist. Ich hatte ja leider nicht gewusst, dass auf dem Trikot ein so großes Symbol aufgedruckt war, welches nun wiederum beim Laufen Druck auf meine Brustwarzen ausübte. Ich fürchtete daher, wieder einmal Rötungen an diesen Körperstellen zu bekommen und entschied mich dafür, das Trikot auszuziehen und „oben ohne“ weiterzulaufen.
Zuschauer gab es übrigens so gut wie keine. Stattdessen mussten immer wieder Fahrradfahrer, die die gleiche Strecke benutzen, klingeln, wenn sie uns überholen wollten.
Noch bevor ich das Lesumer Sperrwerk erreichte, kamen mit bereits die ersten Halbmarathonis entgegen, welche den Wendepunkt schon vor einiger Zeit erreicht hatten.
Das Lesumer Sperrwerk wurde schließlich nicht überquert, der Kurs führte noch etwa 700 Meter geradeaus, wo sich der Wendepunkt der Strecke befand. Ein hier postierter Streckenposten teilte mir meine bisherige Zeit von 59 Minuten und 30 Sekunden mit.
Auf dem „Rückweg“ fing dann mein Knie erwartungsgemäß an zu schmerzen. Im Vergleich zum letzten Halbmarathon war dies jedoch eine Verbesserung der Situation, da ich in Bissendorf schon nach etwa sieben Kilometern große Probleme bekommen hatte.
Bis zur Brücke in Burg konnte ich normal weiterlaufen. Danach wurde mir klar, dass ich meinen Laufstil ändern müsse, um durchzuhalten: Ich begann, bei jedem Schritt mit dem rechten Knie auszuscheren, um dadurch mit dem Fuß anders aufzukommen und die Belastung für das Knie zu ändern. Das half sogar.
Zwei Kilometer vor dem Ziel war der letzte Verpflegungspunkt. Ich nahm mir einen Becher Mineralwasser, und nachdem ich diesen getrunken hatte, zog mich mein Trikot wieder an, da nun wieder der Bereich zu durchqueren war, an dem einige Kameraleute postiert waren.
Kurz vor dem Ziel überholte ich eine Teilnehmerin, die nur noch gehen konnte. Ich dagegen hatte es trotz der stärker werdenden Schmerzen in meinem rechten Knie geschafft, den kompletten Halbmarathon durchzulaufen.
Der Sprecher im Zielbereich nannte meine Startnummer. Einige Zuschauer klatschten. Ich hatte knapp unter zwei Stunden für die 21 Kilometer benötigt. Ich gab meine Startnummer zurück, nahm mir ein Stück Apfel und zwei Becher Wasser und holte danach mein Gepäck. In der Turnhalle musste ich feststellen, dass mein Rucksack inzwischen fast ganz allein war: Ich war also unter den Läufern einer der langsamsten gewesen. Die Schmerzen an meinem Knie hatten sich auf den letzten Kilometern aber verschärft: Ich musste es nun beim Gehen steif halten, um keine Schmerzen zu spüren.
Auf der Rückfahrt mit dem Fahrrad kam ich auch am letzten Verpflegungsstand vorbei, welcher gerade geräumt wurde. Im Internet konnte ich nachher sehen, dass der langsamste Halbmarathonläufer gerade einmal 25 Minuten mehr gebraucht hatte als ich.
Zu Hause angekommen, duschte ich und machte mir dann mein Mittagessen. Es bleibt zu hoffen, dass sich mein Knie weiter stabilisiert und ich den großen Halbmarathon in der Bremer Innenstadt in zwei Wochen vollkommen schmerzfrei absolvieren kann.

Dienstag, 24. August 2010

Halbmarathon Osnabrücker Land 2010-08-21

Der neunte Halbmarathon meines Lebens.
Meine erst im Dezember erworbenen Laufschuhe machten Probleme: Ich hatte sie zwar erst über 600km getragen, doch ich bekam inzwischen wieder Probleme mit meinem rechten Knie: Konnte ich zwischendurch über 30 Kilometer am Stück laufen, so spürte ich nun schon nach etwa 15 Kilometern den mir bekannten Schmerz im Knie. Ich hatte mich daher vor zwei Wochen bei Intersport beraten lassen und mir Laufschuhe für 160 Euro andrehen lassen. Zusätzlich wurden mir dort noch spezielle Socken aufgeschwatzt, welche mit 13 Euro zu Buche schlugen. Die ersten Trainingseinheiten stellten mich jedoch zufrieden: Ich lief 5km, 10km und 23km, ohne dass dabei irgendwelche Probleme auftraten.
Für den 7. Osnabrücker Land Marathon hatte ich mich bereits ein halbes Jahr vorher angemeldet. Im Internet sah ich, dass bis einen Tag vor der Veranstaltung die Zahl der angemeldeten Teilnehmer bei fast 400 lag. An diesem Samstag, den 21. August 2010, sollten in Bissendorf ein Marathon, ein Halbmarathon, ein 11- und ein 5-Kilometerlauf stattfinden. Bissendorf lieg im Osnabrücker Land, etwa 10 Kilometer vom Zentrum Osnabrücks entfernt.
Der Wetterbericht verunsicherte mich: Der Sommer sollte zurückkehren, zwar nur für kurze Zeit, aber was den Temperaturverlauf angeht, so sollte der Höhepunkt genau am besagten Samstag eintreffen. Es sollte etwa 27°C warm werden.
Da der Halbmarathon erst um 16:30 Uhr startete, konnte ich an diesem Tag zu Hause frühstücken und Mittagessen. Ich fuhr danach mit dem Fahrrad nach Oslebshausen, wo ich gegen 12:30 die Regionalbahn zum Bremer Hauptbahnhof nahm. Für mein Fahrrad musste ich ein Tagesticket im Wert von 4,50€ kaufen.
Am Hauptbahnhof wartete ich auf den Regionalexpress nach Osnabrück. Als dieser Zug ankam, musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige Fahrgast war, welcher sein Fahrrad als Gepäck mit sich schleppte: Es wurde im Fahrradabteil richtig eng. Ich befürchtete schon, den nächsten Zug nehmen zu müssen, da die Zugbegleiter es mir verboten, mein Fahrrad irgendwo außerhalb des dafür vorgesehenen Bereiches im Zug unterzubringen. Doch die Räder wurden so eng gepackt, dass der Platz ausreichte. Glücklicherweise hatten sämtliche Reisende mit Fahrrad genauso wie ich den Hauptbahnhof Osnabrück zum Ziel, wodurch ein Chaos bei den Zwischenhalten des Zuges vermieden wurde. Man stelle sich nur vor, ein Reisender hätte mit seinem Fahrrad, welches von anderen Rädern zugeparkt war, an einer früheren Station aussteigen wollen!
Ich hatte mir den Weg nach Bissendorf notiert. Als ich in Osnabrück aus dem Zug stieg, schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr los. Die Strecke war nicht kompliziert. Im Prinzip ging es immer die gleiche Hauptstraße entlang, aus dem Zentrum heraus. Neben dieser Hauptstraße war ein markierter Fahrradweg, den ich benutzte. Als ich Osnabrück verlassen hatte, führte der Weg eine längere Strecke bergab, so dass ich laut meines Fahrradcomputers eine bisher von mir noch nie überschrittene Geschwindigkeit von 44 km/h erreichte.
Nach einer halben Stunde kam ich in Bissendorf an. Es war inzwischen 15 Uhr nachmittags. Das Veranstaltungszentrum war, anders als in Hesel, unübersehbar. Der Start-Ziel-Bereich befand sich neben dem Sportgelände eines Schulzentrums. An einem der Stände konnte ich meine Startunterlagen abholen: Sie bestanden nur aus der Startnummer und einem Gutschein, welcher es mir ermöglichen sollte, in zwei Wochen eine DVD mit Bildern und Videos der Veranstaltung zu bekommen.
Die Teilnahmegebühr betrug nur zwölf Euro. Es gab auch Trikots mit der Aufschrift „Marathon Osnabrücker Land“ zu kaufen, und zwar die Auflagen von diesem Jahr für zwölf Euro, sowie die Version der beiden Jahrgänge zuvor, welche etwas günstiger waren.
Die Umkleidekabinen befanden sich ein paar Meter entfernt bei der Sporthalle der Schule. Ich ging dorthin und zog mein grünes Trikot vom Wilhelmshavener Halbmarathon an. Von anderen Sportlern in der Umkleide erfuhr ich, dass für die Aufsicht des Gepäcks niemand zuständig war. Angeblich könne man seine Sachen in der Kabine stehen lassen, es wäre in den letzten Jahre noch nie etwas abhanden gekommen. Ich nahm lediglich eine Packung Taschentücher für unterwegs mit, in die ich allerdings auch meine mitgebrachten Geldscheine steckte. Mein Schlüsselbund ließ ich mit einem etwas mulmigen Gefühl in der Kabine zurück. Ich hatte mich entschieden, während dem Laufen meine Sonnenbrille zu tragen. Der Himmel war zwar nicht wolkenlos, aber es stellte sich später heraus, dass die Entscheidung für die Sonnenbrille die richtige war.
Im Startbereich gab es einen Grillstand, wo ich mir eine Bratwurst kaufte, da mein Mittagessen nun schon einige Stunden zurücklag. Dann ging ich, wie die anderen Sportler, zur Startgeraden. Der Marathon hatte bereits um 15:30 Uhr begonnen. Diese Läufer hatte die gleiche Strecke vor sich, mussten jedoch zwei Runden zurücklegen. Über Lautsprecher verkündete der Moderator, dass sich inzwischen der Bürgermeister von Bissendorf eingefunden habe, leider aber nicht selber mitlaufen werde.
Um 15:30 kam der Startschuss. Ich hatte vorher erfahren, dass die Zeiten der Läufer manuell gemessen werden sollten: Für jeden einzelnen Teilnehmer würde die Zeit beim Erreichen des Ziels von den Mitarbeitern notiert werden. Es ging zunächst in östliche Richtung, von Bissendorf weg, zwischen Feldern entlang, wobei der Boden allerdings asphaltiert war. Es war eine wunderschöne Umgebung. Insgesamt sollten auf der Strecke Höhenunterschiede von etwa 20 Metern zu erwarten sein. Die Sonne stand bereits im Westen, weshalb sie mir daher anfangs den Rücken zukehrte. Nach vier Kilometern war der erste Verpflegungsstand erreicht. Hier gab es neben Trinkwasser auch Melonen und andere Obstsorten zu essen, ich beschränkte mich jedoch während des gesamten Laufs auf das Trinken.
Als nach sechs Kilometern die Gegend des Hasetals erreicht wurde, war unsere Strecke nur wenige Meter von der Bahnlinie entfernt. Ich konnte nun eine sogenannte „Westfalenbahn“ sehen, die gerade von Münster nach Osnabrück fuhr.
Der Streckenverlauf war bei jeder Verzweigung ausgeschildert. Bis zu diesem Streckenpunkt war der Boden asphaltiert, jedoch handelte es sich um Wege, die in der Regel wohl nur von landwirtschaftlichen Fahrzeugen benutzt wurden, es gab also keine Autos, für die wir hätten Platz machen müssen. Zuschauer waren allerdings auch keine vorhanden, die Atmosphäre war also viel ruhiger als bei einem Marathon in der Großstadt.
Nach etwa sieben Kilometern fing mein rechtes Knie an zu schmerzen. Es war der gleiche Schmerz, den ich sonst immer im linken Knie spürte, wenn ich in abgelaufenen Schuhen zu lange Strecken absolvierte. Ich bekam große Sorgen, da ich ja erst nur ein Drittel der Strecke hinter mir hatte. Erfahrungsgemäß konnten mich diese Schmerzen am Laufen extrem hindern. Die einzige Möglichkeit, diesen Schmerzen ein Ende zu setzen, war es, das Rennen abzubrechen. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte unbedingt ins Ziel kommen und meine Medaille bekommen.
Ich machte eine kurze „Pause“, in der ich ganz normal „ging“, um nach ein paar Meter wieder weiter zu joggen. Da wurde ich von einer anderen Läuferin angesprochen, die sich mit mir kurz unterhielt. Sie sagte mir, dass dies ihr erster Halbmarathon sei. Angeblich habe sie auch ein Problem im Knie. Leider musste ich dieses Gespräch nach wenigen Minuten abbrechen, da ich wieder eine „Pause“ einlegen musste, in der sie davonzog. Kurz darauf wurde ich vom ersten Marathonläufer „überrundet“.
Ich hatte nun leider keinen Blick mehr für die wunderschöne Umgebung. Wir kamen an Bauernhöfen mir Kühen und Pferden vorbei, aber ich musste mich darauf konzentrieren, irgendwie durchzuhalten. Zusätzlich machte mir die Hitze immer mehr zu schaffen. Zum Glück waren genug Verpflegungsstellen vorhanden, an denen ich immer zwei Becher mit Wasser, Cola oder Iso trank.
Nach jedem ausgeschilderten Kilometer machte ich eine kurze Pause, in der ich normal weiterging, um dann wieder schneller zu laufen. Inzwischen war es 18 Uhr abends geworden, ich lief in westlicher Richtung und die Sonne schien mir direkt ins Gesicht. Ich war froh, mich für meine Sonnenbrille entschieden zu haben.
Als ich Bissendorf in westlicher Richtung erneut durchquerte, gab es eine Stelle, die für zwei Abschnitte benutzt wurde: Hier kamen mir einige Läufer entgegen, die mir einige Kilometer voraus und damit kurz vor dem Ziel waren.
Seltsamerweise wurde ich auf den letzten Kilometern während meiner „Geh-Phasen“ nur noch von wenigen Läufern überholt, und wenn dies geschah, so konnte ich diese Leute immer wieder selber überholen, wenn ich anfing, wieder schneller zu laufen. Denn das normale Gehen schmerzte mich im Knie fast stärker als das schnellere Laufen.
Nach über zwei Stunden und fünf Minuten kam ich im Ziel an. Der Sprecher sagte meine Startnummer und meinen Namen an. Ein kleines Mädchen hängte mir im Ziel die Medaille über. Ich legte mich völlig erschöpft neben einigen anderen Sportlern im Gras nieder. Dort liegend, betrachtete ich nach einiger Zeit meine Medaille: Sie war eine der hergestellten Standard-Medaillen, ähnlich wie die vom Wilhelmshavener Marathon. Allerdings war diesmal auf der Rückseite keine Werbung zu finden; diese befand sich vielmehr auf dem gelben Band, wo für einen Freizeit- und Reiseveranstalter geworben wurde. Auf der Vorderseite der Medaille befand sich ein runder Aufkleber, auf dem neben der Aufschrift „Gemeinde Bissendorf“ mit einem kleinen Bild noch die Aufschrift „7. Osnabrücker Land Marathon, 21.8.2010“ zu lesen war. Es wurde also nicht zwischen Marathon- und Halbmarathon-Finishern unterschieden, was bei einer Startgebühr von zwölf Euro auch nicht zu erwarten war.
Als ich wieder aufstand, spürte ich nun so richtig die Schmerzen in meinem Knie. Ich konnte nicht mehr richtig laufen. Ich musste mein rechtes Bein steif halten und somit hinken, um schmerzfrei vorwärts zu kommen. Ich trank ein Erdinger alkoholfrei und (gegen Bezahlung) ein Krombacher alkoholfrei. Als ich bei dem Stand, wo es die Trikots zu kaufen gab, vorbeikam, entschied ich mich, eines vom jetzigen Jahrgang zu erwerben, da ich enorm stolz war, trotz der Knieprobleme das Ziel erreicht zu haben. Das T-Shirt war von brauner Farbe und auf der Vorderseite stand „7. Osnabrücker Land Marathon, Gemeinde Bissendorf“ geschrieben. Die Verkäuferin sagte mir, dass nächstes Jahr die Veranstaltung wieder am gleichen Wochenende stattfinden würde. Ich hoffte, dass sich mein Knieproblem bis dahin beheben lassen würde, denn ich hatte den Wunsch, den Halbmarathon noch einmal schmerzfrei absolvieren zu können, und dabei der wunderschönen landschaftlichen Umgebung mehr Aufmerksamkeit schenken zu können.
Nachdem ich in der Sporthalle geduscht hatte, packte ich meine Sachen und fuhr mit dem Fahrrad nach Osnabrück zurück. Dies erwies sich als ziemlich anstrengend, da mein Knie auch beim Radfahren schmerzte. Ich musste mit den Armen auf mein rechtes Bein drücken, um Gas zu geben. Um halb neun Uhr abends, als ich schon richtig müde war, nahm ich den Zug nach Bremen. Um halb elf Uhr kam ich schließlich völlig erschöpft zu Hause an. Ich schlief schließlich bis um zehn Uhr am nächsten Morgen.
Ich hoffe, dass sich mein Knieproblem bald löst, denn irgendwann möchte ich auch mal einen kompletten Marathon laufen.

Dienstag, 20. Juli 2010

Halbmarathon Bremerhaven 2010-07-18



Der achte Halbmarathon meines Lebens.
Für den 6. Sparda-Bank City Marathon in Bremerhaven, den sogenannten „Lauf der Emotionen“ hatte ich mich für die 21km bereits im April angemeldet. Damals ahnte ich noch nicht, was für ein heißer Sommer in Deutschland bevorstehen sollte. Die Wetterprognosen an diesem Tag stimmten mich jedoch optimistisch: Es sollte nur 22°C warm werden.
Der Veranstalter dieses Events war der gleiche wie auch beim Marathon von Cuxhaven. Bereits vor dem besagten Tag konnte ich die entsprechenden Parallelen erkennen: Es sollte einen Marathon, einen Halbmarathon und einen 10km-Lauf geben, wobei die beiden ersteren um 9:30 Uhr starten sollten, also im Vergleich zu Hamburg eine halbe Stunde früher. Auch dadurch erhoffte ich mir Vorteile im Hinblick auf die Temperaturen.
Am Sonntag, den 18.7.2010, ließ ich mich um sechs Uhr morgens von meinem Wecker aufwecken, frühstückte, packte noch ein Brot als Proviant ein und fuhr zunächst mit dem Bus nach Bremen-Burg, von wo aus ich die Regionalbahn nach Bremerhaven-Hauptbahnhof nahm. Diese Zugfahrt dauerte eine Dreiviertelstunde. Am Hauptbahnhof, welcher von der Innenstadt und damit auch vom Startbereich etwas weiter entfernt liegt, kam ich eine Stunde vor dem Startschuss an. Es war Sonntag, und daher hätte ich auf den nächsten Bus ins Zentrum lange warten müssen. Deshalb ging ich zu Fuß dorthin. Ich musste nur einigen Männern hinterherlaufen, an deren Kleidung ich erkannte, dass diese zu der gleichen Sportveranstaltung wollten. Nach einer Viertelstunde kamen wir in der Fußgängerzone an. Dort holte ich mir in einem Verwaltungsgebäude die Startunterlagen ab, welche außer der Startnummer und dem Einweg-Transponder-Chip zur Zeiterfassung keine zusätzlichen Produkte beinhalteten.
Ich suchte daraufhin das Schulgelände auf, wo die Duschen und die Kleiderabgabe sein sollte. Da ich schon umgezogen war, musste ich nur meinen Kleiderbeutel in der Sporthalle der Schule abgeben. Ich tat dies, nachdem ich mein Brot gegessen hatte. Inzwischen waren es nur noch 15 Minuten bis zum Start. Da am Himmel keinerlei Wolken zu erkennen waren, hatte ich mich dazu entschlossen, mit Sonnenbrille zu laufen.
Ich muss dazu sagen, dass ich mich wegen der Erfahrungen in Hamburg vor drei Wochen dazu entschieden hatte, diesmal mit eigenen Wasserreserven an den Start zu gehen, falls die Distanzen zwischen den Erfrischungspunkten zu groß sein würden. Ich trug also während des Rennens meinen Gürtel, an dem vier kleine, gefüllte Wasserfläschchen hingen.
An der Startgeraden stellte ich mich ganz hinten an. Der ganze Bereich war recht überschaubar, da nur etwa 500 Halbmarathon- und 100 Marathon-Läufer anwesend waren. Es dauerte nur knapp über eine Minute, als ich nach dem Startschuss die Startlinie überquerte.
Der Kurs führte zunächst durch die Fußgängerzone entlang bis zu der Brücke, über die ich vom Bahnhof zum Startbereich gekommen war, die „Alte Drehbrücke“, auch „Steg im Bremerhavener Hafen“ genannt. Diese Brücke führte über die Geeste, ein Fluss, welcher in Bremerhaven in die Weser mündet. Diese Brücke wurde beim Marathon jedoch nicht überquert. Stattdessen führte eine Abzweigung nach links, und der Kurs führte am linken Ufer der Geeste entlang. Die Strecke war relativ eng bemessen, was aber auf Grund der geringen Teilnehmeranzahl kein Verkehrsproblem darstellte.
Nachdem die erste Verpflegungsstelle nach vier Kilometern erreicht war, wurde die Geeste schließlich doch überquert. Nun mussten die Läufer aufmerksam die Schilder beachten. Der Kurs für Marathon und Halbmarathon wich nun vom 10km-Kurs ab und führte einmal komplett durch den Bürgerpark. Die Strecke für die beiden letzteren Gruppen war übrigens identisch, die Marathonläufer mussten jedoch zwei Runden des Gesamtkurses absolvieren.
Nachdem der Bürgerpark durchquert worden war, wurde die Autobahn 27 mit Hilfe einer Brücke überschritten. Hier hörte ich einige Autofahrer (als Applaus für uns?) hupen. Hinter der Brücke wurde der Park am Klinikum umrundet. Erst als dieser Abschnitt absolviert war, wartete die nächste Verpflegungsstation auf uns. Ich war froh, meinen eigenen Wasserflaschengürtel dabei zu haben. Bei der nun folgenden Taxusstraße, dem Weg 66 und dem Höllenhammsweg wurde mir klar, dass die Gesamtstrecke größtenteils außerhalb vom Stadtgebiet Bremerhaven lag. Hier gab es kaum Zuschauer und auch Rettungskräfte sah ich keine. Es waren auch keine Bäume vorhanden, die uns vor der strahlenden Sonne schützen konnten. Dies änderte sich auf dem Rückweg ins Stadtgebiet in westlicher Richtung, welcher entlang der Geeste führte. Hier konnte ich die (für mich) seltsamsten Sorten von Schiffen beobachten, welche auf dem genannten Fluss an uns vorbeifuhren. Als wir wieder das Stadtgebiet erreichten, zog ich mein Trikot mit der Startnummer aus, da mir langsam richtig warm geworden war. Die nun wieder vorhandenen Zuschauer kommentierten dies, indem sie auf die Sonnenbrandgefahr hinwiesen. Als ich an zwei jungen Frauen vorbeikam, die jeden Läufer mit seinem Vornamen anfeuerten, hielt ich ihnen mein Trikot so entgegen, dass sie auch meinen Namen lesen und laut rufen konnten. Im Stadtgebiet waren nun wieder viele Fotografen vorhanden. Ihnen hielt ich mein Trikot mit der Nummer auch entsprechend entgegen, damit die dabei entstandenen Fotos richtig zugeordnet und später im Internet von mir wiedergefunden werden konnten.
Als ich den (laut Kennzeichnung) 21. Kilometer erreichte, stellte ich mich auf eine Zeit von etwa fünf Minuten bis zum Erreichen des Ziels ein. Ich sah mich jedoch getäuscht: Nach auffällig kurzer Zeit hatte ich die Ziellinie überschritten. Dort holte ich mir meine Medaille ab. Sie hatte, wie erwartet, mit der Medaille vom Cuxhaven-Halbmarathon große Ähnlichkeit: Die Form war ähnlich, und die Aufschrift lautete: „City Marathon Bremerhaven“. Aufgezeichnet war das Klimahaus Bremerhaven mit Beschriftung. Der Veranstalter hatte sich also wieder nicht die Mühe gemacht, zwischen Marathon und Halbmarathon zu unterscheiden. Ebenso wenig war das Jahr der Veranstaltung eingraviert. Das Datum war lediglich auf dem weiß-blauen Band aufgedruckt.
Ich griff nun bei den Getränken zu: Neben zwei Bechern Iso probierte ich auch erstmals ein alkoholfreies Weizenbier. Die Hälfte des halben Liters konnte ich trinken, den Rest schüttete ich weg.
Als ich meinen Kleiderbeutel abgeholt hatte und zum Duschen ging, hörte ich einige andere Läufer, die sich darüber unterhielten, dass der letzte Kilometer des Laufs abgekürzt worden war. Mein Gefühl hatte mich also nicht getäuscht. Allerdings konnte ich nicht beurteilen, ob der letzte Kilometer kürzer und damit der ganze Lauf kein richtiger Halbmarathon war, oder ob die Schilder, welche die Kilometer anzeigten, einfach nur in falschen Abständen postiert waren.
Nach dem Duschen lief ich zu Fuß zum Hauptbahnhof. Ich konnte gegen 12:30 Uhr den schnellen Regionalexpress zum Bremer Hauptbahnhof nehmen. So kam ich schon gegen 13:30 Uhr wieder zu Hause an.

Halbmarathon Hamburg 2010-06-27


Der siebte Halbmarathon meines Lebens.
Beim 16. Hella-Halbmarathon waren Start- und Zielgeraden an zwei verschiedenen Orten: Der Start war in St. Pauli und das Ziel an der Rothenbaumchaussee bei der U-Bahn-Haltestelle Hallerstraße. Hier befand sich auch das Veranstaltungszentrum, wo die Startunterlagen ausgegeben wurden. Ich holte diese bereits am Samstag ab, um am Tag des Rennens nicht noch früher in Hamburg sein zu müssen.
Am Sonntag schließlich stand ich um 5:15 Uhr auf und packte meine Tasche. Um 7:28 Uhr nahm ich am Hauptbahnhof Bremen den Metronom nach Hamburg. Dort kam ich kurz vor 9 Uhr am Hauptbahnhof an. Die eigentliche U-Bahn-Linie 3, die direkt zur Haltestelle „St. Pauli“ und damit zum Startort gefahren wäre, war wegen Umbauarbeiten auf Teilen der Strecke außer Betrieb. Ich musste daher umdenken. Da Sonntags nicht allzu viele S-Bahnen fuhren, beschloss ich, die nächste S-Bahn zur Reeperbahn zu nehmen, weshalb ich keine Zeit mehr hatte, am Bahnhof nach einem Ticketautomaten zu suchen. Ich fuhr also schwarz bis zur Haltestelle „Landungsbrücken“. Hier verließen die vielen anderen Halbmarathonläufer die S-Bahn und gingen zu Fuß weiter, ich ebenso. Nach wenigen Minuten waren wir bei der Startgeraden. Ich aß dort mein Brot und gab meine Tasche am entsprechenden LKW ab. Die LKWs sollten nach dem Startschuss sofort zum Zielbereich fahren, wo man dann seine Sachen wieder abholen konnte. Für 9:30 Uhr war der Start der Inline-Skater vorgesehen, für 10 Uhr schließlich der der Läufer.
Ein großes Problem war das Wetter: Es war ein richtiger Hochsommertag mit über 25 Grad und keiner einzigen Wolke am Himmel. Ich wusste jetzt schon, dass ich die Dienste jeder Verpflegungsstelle in Anspruch nehmen müsste. Auch sollte ich, wann immer möglich, im Schatten laufen, um einen Sonnenbrand zu vermeiden.
Um 10 Uhr kam der Startschuss. Da es sich hier um eine Massenveranstaltung mit mehreren tausend Teilnehmern handelte, dauerte es fast fünf Minute, bis ich die Startlinie überquerte. Es ging zunächst westwärts durch St. Pauli an den unterirdischen S-Bahn-Haltestellen Reeperbahn und Königstraße vorbei bis nach Altona und von da aus wieder an den Landungsbrücken der Elbe wieder zurück nach St. Pauli. An den Versorgungspunkten hatten die Helfer Schwierigkeiten mit dem Auffüllen der Wasserbecher. Nach der zweiten Runde ging es an der Elbe entlang Richtung Zentrum. Der Abschnitt neben dem Hauptbahnhof wurde in einer unterirdischen Straße durchlaufen, was mir auf Grund meiner Sonnenempfindlichkeit sehr entgegen kam. Als dieser Tunnel verlassen wurde, hatten wir die südliche Außenalster erreicht. Es ging auf die Kennedybrücke, auf welcher die Züge und S-Bahnen vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Dammtor fahren. Am Ende der Brücke erfolgte eine Schleife, wodurch die Brücke nun in entgegengesetzter Richtung überquert wurde. Langsam schwanden bei mir die Kräfte. Ich merkte beim Blick auf meine Uhr, dass ich meine persönliche Rekordzeit vom vorherigen Halbmarathon wegen der hohen Temperaturen nicht annähernd erreichen konnte. Die Außenalster wurde nun auf ihrer Ostseite komplett umlaufen. Bei Kilometer 17,5 war der letzte Erfrischungspunkt vor dem Ziel. Ich nahm mir zwei Becher Wasser in der Hoffnung, bis zum Ziel durchzuhalten. Das nun folgende Stadtviertel Rothenbaumchaussee war geprägt von teuren Häusern und Villen. Auf der Westseite der Außenalster ging es nun zur Zielgeraden. Ich sah einige Läufer, die zusammengebrochen waren und von Sanitätern behandelt werden mussten. Auf den letzten hundert Metern legte ich noch einen Endspurt ein. Aus dem Internet erfuhr ich später, dass meine Nettozeit 1:54:02 Stunden betragen hatte.
Im Ziel angekommen, trank ich sechs Becher mit Wasser und anderen Getränken. Hier bekam ich auch die Medaille: Sie war rund und von goldener Farbe. Auf der Vorderseite stand in der Mitte „hella 50“ und am Umfang: „16. hella hamburg halbmarathon 27.Juni 2010“.
Ich holte mir aus dem LKW meine Sporttasche wieder und ging zu den Umkleidekabinen: Man hatte die Räume der Sport-Fakultät der Hamburger Uni hierzu benutzt. Die Duschräume waren relativ groß, doch wegen des großen Andrangs wurde es auch hier ziemlich eng. Ich duschte mich, zog mich um und ging dann über den Zielbereich zur U-Bahn-Haltestelle „Hallerstraße“ wo ich, erneut schwarz, eine Station bis „Stephansplatz“ fuhr, um von dort zum Bahnhof Dammtor zu laufen. Nachdem ich dort aufs Klo gegangen war, kaufte ich mir ein Kurzstreckenticket und fuhr mit der S-Bahn eine Station bis zum Hauptbahnhof. Dort nahm ich um 13:15 Uhr den Metronom nach Bremen, um 15:00 Uhr war ich zu Hause. So konnte ich noch das WM-Achtelfinalspiel Deutschland-England im Fernsehen schauen.
Auf Grund der Temperaturen war dies für mich der bisher anstrengendste Halbmarathon.